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Full text of "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden"

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der 


NaturwissensehaftlieheH-Gesellsehaft 


in  Dresden. 


Heransgegeben 

von  dem  Redactions  - Comitö. 


Jahrgang  1898. 


Mit  1 Tafel  und  32  Abbildungen  iui  Text. 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 

1899.  , 

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Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1898. 


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Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1898. 

Exchange  Duplicate,  J.  O. 


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L Section  fflr  Zoologie. 


Erst«  Sitzung  am  13.  Januar  1898.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  H. 
Nit  sehe.  — Anwesend  27  Mitglieder. 

Lehrer  CI.  Vogel  spricht  über  Bastardirungsvorgänge  bei  Säuge- 
thieren. 

Director  A.  Schöpf  giebt  im  Anschluss  hieran  Mittheilungen  über 
KreuzungsTersuche  im  Dresdner  zoologischen  Garten  und 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  erwähnt  noch  die  angeblich  in  Südamerika 
häufigeren  und  von  den  Franzosen  „chahin''  gemannten  Kreuzungen  von 
Ziege  und  Schaf. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  ferner  über  Entwickelung  und 
Wechsel  der  Hörner  bei  der  amerikanischen  Gabelantilope 
{Anülocapra  americana)  und  berichtet  unter  Vorlage  mikroskopischer 
Präparate  über  seine  histologischen  Untersuchungen  ihrer  llornscheide. 


Zweite  Sitzung  am  3.  März  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  II. 
Nitsche.  — Anwesend  26  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  II.  Nitsche  widmet  dem  am  6.  Februar  1898  verstorbenen 
Ehrenraitgliede  der  Isis  Prof.  Dr.  It.  Leuckart  einen  Nachruf.  Die  Ver- 
sammlung ehrt  das  Andenken  des  berühmten  Verstorbenen  durch  Erheben 
von  den  Sitzen. 

Institutsdirector  Th.  Ileibisch  zeigt  und  bespricht  von  Dr.  Th.  Wolf 
gesammelte  und  von  dem  Redner  bearbeitete  Binnenconchy lieu  aus 
Ecuador. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  erläutert  die  Wandelungen,  welche  die 
Linne’sche  Systematik  der  Säugethiere  in  den  verschiedenen  Aus- 
gaben des  „Systema  naturae“  durchgeniacht  hat,  unter  V’orlegung  der 
wichtigeren  Ausgaben  dieses  Werkes  und  eines  in  seinem  Privatbesitz 
befindlichen  C'ollegienheftes  nach  den  Vorlesungen  Linne's  vom  Jahre  1748. 


Dritte  Sitzung  am  5.  Mai  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H.  Nitsche. 
— Anwesend  36  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  über  die  elektrischen  Fische,  und 
erläutert  seinen  Vortrag  durch  Spirituspräj).arate  und  eine  Tafel. 


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Dr.  J.  Thallwitz  gieht  im  Anschluss  Auskunft  über  die  von  ihm  in 
der  zoologischen  Station  zu  Neapel  beobachtete  Stärke  der  Schläge  des 
Zitterrochens. 

Institutsdirector  Th.  lieibisch  und  I’rof.  Dr.  U.  Kbert  stellen  einige 
in  der  „Zoologie“  von  C.  Haenitz,  Herlin  1880,  8",  beiindliche  Angaben 
über  Purpurschnecke  und  Bandwurm  richtig. 

Institutsdirector  Th.  lieibisch  berichtet  über  die  Einführung  von 
Helix  candicans  im  Pluuenschen  Grunde. 

Helix  (Xerophila)  cnndicane  Eiegl.,  welche  neuerdings  auf  einer  Höhe  neben  dem 
Plauenschen  Uninde  gesammelt  worden  ist,  gehört  ursprünglich  nicht  in  die  sächsische 
Fauna.  Weder  Ros-smaessler  noch  Andere  gedenken  ihrer  in  dieser  Beziehung.  Zur 
Kiklärung  dieses  neuen  Vorkommens  theilt  der  Vortragende  mit,  dass  er  vor  ungefähr 
fjO  Jahren  die  Bekanntschaft  eines  Herrn  Karl  Urust  gemacht  habe,  welcher  die  Koss- 
maessler'sche  Iconographie  eifrig  studirte  und  fieis.sig  darnach  sammelte.  Auf  den  vielen 
Sanimeltouren,  welche  derselbe  ausführte,  prägte  er  sich  auch  die  ßodenformen  und 
deren  Bestandtheile,  wo  seine  Lieblinge  vorkamen,  besonders  ein.  Einstmals,  beim  Be- 
suche des  „Weissen  Berges“  bei  IVag,  faml  er  eine  ähnliche  Bergform  wie  hier  am 
„Plauenschen  Grunde  ' und  fragte  sich  dabei:  Ob  wohl  die  Schnecken,  die  am  „Weissen 
Berge“  Vorkommen,  auch  am  „Plauenschen  Grunde“  leben  können?  Um  eine  bestimmte 
Antwort  auf  seine  Frage  zu  erhalten,  sammelte  er  eine  Menge  Schnecken,  die  er  für 
Helix  ericetorum  Müll,  hielt,  und  siedelte  die.selben  als  Colonisten  auf  der  genannten 
Höhe  an,  wo  sie  noch  heute  lustig  gedeihen. 


II.  Section  für  Botanik. 

Erste  Sitzung  am  20.  Januar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  O. 
Drude.  — Anwesend  27  Mitglieder,  2 Gäste. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  trägt  vor  über  die  Milchsaft  röhren  der 
Euphorbien,  unter  Vorführung  eines  abgesclmittenen  Busches  aus  dem 
K.  Botanischen  Garten  und  zahlreicher  mikroskopischer  Präparate  von 
EuphoHna  piscatoria  Ait.,  die  letzteren  hergestellt  von  Herrn  11.  Pohle, 
Assistenten  um  botanisclien  Institut  der  K.  Technischen  Hochschule. 

Hieran  schliesst  derselbe  Mittlieilungen  über  den  gegenwärtigen 
Stand  der  Nomenclaturfrage,  insbesondere  über  die  sehr  massvoll 
gehaltene  Erklärung  der  Beamten  des  Berliner  botanischen  Gartens  und 
.Museums. 

Dr.  B.  Schorler  trägt  vor  über  den  Antheil  der  Pflanzen  an  der 
Selbstreinigung  der  Elüsse,  speciell  der  Elbe  bei  Dresden. 

Eine  ausführliche  Untersuchung  Uber  (Uesen  Gegeiistanrt  ist  zunächst  als  Gut- 
achten an  den  Stailtraüi  zu  Dresden  vom  Vortragenden  ergangen  und  wird  weiterhin 
verfolgt  werden.  Dieselbe  licliiidct  sich  auch  an  anderer  Stelle  in  Druck. 


Zweite  Sitzung  am  10.  März  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  0.  Drude. 
— Anwesend  44  .\litglieder,  2 Gäste. 

Dr.  R.  Walther,  Privatdocent  für  Chemie  an  der  K.  Technischen  Hoch- 
schule, bespricht  den  von  ihm  construirten  neuen  Desinfectionsapparat, 
welcher  geschlossene  Räume  mit  damjtfförinig  zerstäubtem  Eormaidehyd 
zu  erfüllen  bestimmt  ist,  und  theilt  die  von  Dr.  med.  A.  Schloss  manu 


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ausgefülirten  Controlen  über  die  energische  Wirkung  auf  die  lebens- 
fühigsteu  Bakterien  in  Kürze  mit. 

Assistent  R.  Pohle  hat  im  botanischen  Laboratorium  eine  mikro- 
skopische Demonstration  des  Heu-Bakteriums:  Bacillus  mhtilis,  mit 
intensiver  Geisselfärbung  veranstaltet  und  bespricht  das  hierbei  an- 
gewendete Tinctionsverfahren. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  hält,  anknüpfend  an  die  ausführlichen  Mit- 
tbeilungen von  Nobbe  in  der  November-Hauptversammlung  1896,  einen 
kurz  zusammenfassenden  Vortrag  über  die  jetzigen  Anschauungen,  welche 
der  stickstoffsaiumelnden  Thätigkeit  der  in  den  Legurainosen- 
Knöllchen  vegetirenden  Bodenbakterien  gelten,  besonders  über  die 
b’rage  nach  Symbiose  oder  parasitärer  Infection  mit  späterem  für  die 
Ernährung  günstigen  Erfolge. 

Vorgelegt  werden  Prof.  Dr.  Ä.  Fischer  s Vorlesungen  Uber  Bakterien. 


Dritte  Sitzung  am  12.  Mai  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  0.  Drude. 
— Anwesend  40  Mitglieder,  6 Gäste. 

Dr.  med.  J.  Gründler  hat  mit  20  aufgestellten  Mikroskopen,  unter 
welchen  die  doppelte  Anzahl  auserlesener  Präparate  seiner  selbst  ver- 
fertigten Sammlung  vorgeführt  wird,  einen  grossen  Demonstrationsvortrag 
über  Bacillariaceen  (Diatomeen)  vorbereitet. 

Der  Vortragende  erlSntcrt  das  für  die  Aufbewahrung  tmd  den  Einschluss  der 
Bacillariaceen  Übliche  Verfahren  und  die  Herstellung  der  sogen.  T}'penplattcn,  ver- 
anschaulicht ausserdem  den  Gegenstand  durch  zahlreiche  Tafelwerke  seiner  Privat- 
bibliüthek 

Assistent  R.  Pohle  hält  darauf  eine  zweite  mikroskopische  Demon- 
stration über  den  Beginn  der  Cambium-Thätigkeit  bei  Fopulus 
canadensis,  verfolgt  an  einem  dieser  Beobachtung  im  botanischen 
Garten  gewidmeten  Exemplare  im  April  und  der  ersten  Mai -Dekade 
dieses  Jahres. 

Vorgelegt  werden  von  Herrn  F.  Fritzsche  mehrere  Blüthen-Ab- 
normitäten,  besonders  die  Convaüaria  majalis  tl.  roseo  von  dem  Original- 
Standorte  in  der  Lössnitz,  sowne 

vom  Vorsitzenden  verschiedene  neuere  Werke:  Annals  of  R.  Garden, 
Calcutta;  F.  von  Müller:  Salsolaceous  plants;  Tschirch:  Anatomischer 
Atlas  u.  a.  m. 

III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Erste  Sitzung  am  3.  Februar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  41  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  bespricht  die  Zwillingsbildungen  des  Quarzes’ 
unter  Vorlegung  von  Zwillingen  mit  gekreuzten  Axensystemen  ans  Japan 
und  von  Doppelzwillingen  von  Amethyst  aus  Brasilien  nebst  Präparaten. 

Sodann  bespricht  er  ausführlich  das  Werk  von  Dr.  Alphons  Stübel: 
Die  Vulkanberge  von  Ecuador,  Berlin  1897,  4®. 


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Zweite  Sitzung  am  17.  März  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kalküwsky.  — Anwesend  29  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  macht  zu  der  von  Herrn  W.  Put  sc  her  ausgestellten 
Edelsteinsuite  einige  allgemeine  Bemerkungen  über  den  Begriff  der 
Edelsteine  und  ihren  Werth. 

Dr.W.  Bergt  hält  seinen  angekündigten  Vortrag  über  die  Geologie 
der  Antillen. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  bespricht  die  zweite  Hälfte  der  von  Ober- 
lehrer Dr.  11.  Nessig  als  Prograinmschrift  des  Realgymnasiums  zu  Dresden- 
Neustadt  ausgearheiteten  „Geologischen  Excursionen  in  der  Umgegend 
von  Dresden“. 

Prof.  H.  Engelhardt  legt  vor  den  ersten  Theil  des  zweiten  Bandes 
der  Beschreibung  der  unter  der  Leitung  von  E.  von  Drygalski  1891 — 1893 
ausgeführten  Grönland-Expedition  und 

berichtet  über  seine  neuesten  Untersuchungen  von  Pflanzen  aus 
dem  Polirschiefer  von  SuHoditz  in  Böhmen. 

Dritte  Sitzuug  am  9.  Juni  1898.  Vorsitzender:  Privatdoceut  Dr.  W. 
Bergt.  — .\nwesend  32  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig  hält  einen  Vortrag  über  Studien  über 
den  Dresdner  Haidesand.  (Vergl.  Abhandlung  II.) 

Dr.  E.  Naumann  berichtet  über  Concretionen  im  Glacialmergel 
von  Sellhu  in  Norwegen  und  von  den  Imatrafällen  in  Finnland. 

Der  Vorsitzende  legt  vor  die  neueste  Arbeit  von  Geh.  Rath  Prof. 
Dr.  11.  B.  Geinitz:  Die  Calamarien  der  Steinkohlenformation  und  des 
Rothliegenden  im  Dresdner  K.  Mineralogisch-geologischen  Museum,  Leipzig 
1898,  4",  und 

macht  im  Anschluss  daran  einige  allgemeine  Bemerkungen  über  die 
Bestimmung  von  Calamiten. 


lY.  Sectioü  für  prähistorische  Forschungen. 

Erste  Sitzung  am  10.  Februar  1898.  Vorsitzender:  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  27  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  über  die  sogenannten  Wetzikon- 
stäbo  als  angeblichen  Beweis  für  die  Existenz  des  Menschen  zur  luter- 
glacialzeit  in  der  Schweiz. 

Die  in  den  interalatialcn  Seliieferkidileu  von  Wetzikon  bei  Zürich  gefundenen,  an- 
geblich dnreh  Menschenhand  zngesnitzten  Jlolz.itücke,  welche  Kütiineyer  für  Zeugen 
der  Existenz  des  Menschen  zur  lutcrglacialzeit  in  Europa  erklärte,  sind  nach  den 
neuesten  Untersuchungen  von  C.  Schröter  (Fest.sehr.  d,  natnrforsch.  Des.  Zürich,  ISttü, 
2.  Th. , S.  407  u.  f.)  nur  heransgewitterte  Aeste  von  Eichte  und  Kiefer,  sogen.  ..Honi- 
äste“,  ohne  jede  S|mr  menschlicher  Bearbeitung.  Der  Vortragende  legt  verschiedene 
denirtige,  aus  der  Sammlung  der  K.  E’orstakndemie  Tharandt  stammende  Homä-ste, 
theils  ausgewitterte,  theils  noch  im  Stammholz  sitzende,  vor. 


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Hieran  schliesst  derselbe  Bemerkungen  über  uralte,  bis  heute  im  Nor- 
den und  Osten  von  Europa  erhaltene  Formen  von  Ang elgeräthen,  ver- 
bunden mit  Demonstrationen  und  der  Vorlage  von  Schriften  von  0.  Grimm: 
Der  erste  Fischer  und  die  erste  Angel,  und  von  F.  Trybom:  Angel- 
haken von  Holz  aus  den  Scheeren  von  Norbotten  (Tidning  förldrott.,  No.  24, 
1888). 

Diese  Geräthe,  die  von  den  Karelen  an  den  Nowgorod'schen  Seen  nnd  den  Finnen 
am  Nordende  des  botnischen  Meerbnsens  zum  Fange  grosser  Aalraupen  gebraucht 
werden,  sind  mit  kleinen  lebenden  Fischen  geköderte  Setzangeln  mit  hölzernen  Haken. 
Ein  solcher  Haken  wird  dadurch  hergestellt,  dass  ein  gerades  F'ichten-  oder  Birken- 
ästchen  etwas  ober-  nnd  nnterhalb  der  Stelle,  wo  von  ihm  ein  Seitenzweig  abgeht,  ah- 
geschnitten  nnd  zugespitzt  wird.  Der  gleichfalls  passend  gekürzte  und  gespitzte  Seiten- 
zweig bildet  daun  den  Widerhaken,  an  dessen  Ursprungsstelle  die  Angelleine  angebunden 
wird.  Der  Haken  wird  derartig  in  den  Köderfisch  geschoben,  dass  nur  der  Seiteuzweig 
am  Bauche  nach  hinten  vorra^  und  die  Schnur  in  einer  Schlinge  um  den  Köder  ge- 
legt ist. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  erläutert  noch  den  Bau  der  Fischspeere  und 
die  Art  des  Fischfangs  mit  denselben. 

Dr.  J.  Deicbmüller  berichtet  über  den  Erfolg  der  Eingaben  an  die 
K.  Ministerien,  den  Schutz  der  urgeschichtlichen  Alterthümer  in  Sachsen 
betreffend,  und 

bespricht  einen  zur  Ansicht  ausgestellten  Bronzefund  von  Velem 
St.  Veit  in  Ungarn  unter  Hinweis  auf  die  Beschreibung  dieses  Fundes 
in  den  Mittheil.  d.  Wien,  anthrop.  Ges.  1897,  XVU.  Bd. 


Exeorslon  am  18.  Jnni  1898. 

Unter  Führung  von  Dr.  J.  Deichmüller  besuchten  13  Mitglieder  von 
Niedersedlitz  aus  zunächst  die  zum  Rittergut  Lockwitz  gehörende  Kies- 
grube westlich  der  Niedermühle,  in  welcher  Herdstellen  aus  der  jüngeren 
Steinzeit  mit  den  charakteristischen  Resten  der  Bandkeramik  aufgeschlossen 
sind,  und  später  den  Burgberg  südwestlich  von  Lockwitz,  wo  ein  dort 
angelegter  Steinbruch  Gelegenheit  gab,  Gefässscherben  aus  slavischer 
Zeit  in  reichlicher  Menge  zu  sammeln. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 

Erste  Sitzung  am  17.  Febmar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  F. 
Foerster.  — Anwesend  63  Mitglieder  und  Gäste. 

Privatdocent  Dr.R.  Walther  spricht  über  Explosivstoffe  und  er- 
läutert seinen  Vortrag  durch  Versuche  und  durch  Vorlage  von  Präparaten. 

Nach  einem  geschicbtlichen  Ueberblick  über  die  Erfindung  des  Schiesspulvers,  seine 
Herstellnng  und  Verbrennungsproducte  (feste  und  gasförmige)  geht  der  Vortragende  von 
diesen  impnlsiven  auf  die  fulminanten  Explosivstoffe  (Knallqnecksilber,  Knallgold, 
Acetylen- Metallverhindongen)  über,  von  denen  das  Knallquecksilber  als  CarbyIo.vim- 
quecitsilber  (C=NO),Hg  in  neuester  Zeit  von  Nef  erkannt  wurde.  Seit  18.'12  nitrirte 
man  Stärke,  Holzfaser  u.  s.  w.  und  gelange  184.o  (Böttger)  ziw  Schiesswolle,  dem 
Vorläufer  des  Jjynamits.  Dieses  Del,  als  Trinitroglycerin  1845  von  Sobrero  entdeckt, 


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»Tirde  1866  durch  Nobel  praktisch  anwendbar  i?emacht  durch  seine  Vereinignns’  mit 
Kieselgnhr.  Hierauf  füllte  die  Entdeckuug  der  Sprcnfflfelatiiie  und  1886  die  des  rauch- 
losen Pulvers  (Schiessbaumwolle  und  Pikrinsäure).  Tecluiischc  Darstellung  der  Seliiesa- 
banmwolle,  ihre  Anwendung  und  Wirkung,  sowie  eine  eingehende  Be.sprechuug  des 
Nitroglycerins  neben  den  Pikraten  bilden  den  Schluss  des  Vortrags. 


Zweite  Sitzung  am  24.  März  1898.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  F. 
Pockels.  — Anwesend  40  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  F.  Pockels  spricht  über  die  bei  Blitzentladungen  vor- 
komnienden  Stromstärken. 

Der  Vortragende  erwähnt  zunächst  die  bisher  vorliegenden  Schätzungen  der  bei 
Blitzschlägen  anftretenden  mittleren  Stromstärken  durch  W Kohlrausch  und  die  Be- 
rechnung der  entladenen  Elektricitätsmenge  durch  E.  Riccke.  Sodatm  bespricht  er 
seine  eigenen  Versuche  über  die  Magneti.sirnng  von  Basaltstäben  durch  nicht  oscillirende 
Batterieentladuugen,  durch  welche  nachgewiesen  ist,  dass  die  remanente  Magneti.simng- 
als  Mass  für  das  Hazimum  der  Entladungsstromstärke  dienen  kann.  Es  wird  ein  solcher 
Versuch  vorgefilhrt,  bei  dem  ein  in  einigen  Centiraetem  Abstand  neben  einer  gerad- 
linigen Strecke  des  Sohliessnngskreises  der  Batterie  liegendes  kurzes  Basaltprisma  durch 
eine  nicht  oscillirende  Entladung  von  1500  Ampen'  nm.vimaler  Stromstärke  .stark  magne- 
tisirt  wurde,  durch  eine  viel  stärkere  oscillirende  Entladung  dagegen  gar  nicht,  ja  sogar 
den  vorhanclenen  Magnetisinns  ganz  verlor.  Da  nun  die  Blitze  aller  Wahrscheinlichkeit 
nach  nicht  oscillirende  Entladungen  sind,  so  glaubt  der  Vortragende,  da.ss  diese  Methode 
auch  zur  Ermittelung  von  deren  Maximal.stromstärke  würde  dienen  können,  indem  man  an 
besonders  exnonirteu  Blitzahli  item  Basaltstäbe  in  geeigneter  Weise  anbrüchte.  In  Er- 
mangelung derartiger  Beobachtungen  konnte  zunächst  nur  eine  rohe  Schätzung  der 
Stärke  von  Blitzschlägen,  welche  an  Waldhäumcn  auf  Basaltbergen  ihre  Spuren  hinter- 
la.ssen  haben,  durch  Slessung  des  mogneti.schea  Momentes  von  am  Fusse.  dieser  Bäume 
gesammelten  Basaltstücken  ansgefilhrt  werden;  es  ergaben  sich  dabei  in  S Fällen  für 
die  Maximalstromstärke  untere  Grenzwerthe  von  64(K)  — 10800  Ampere. 

Der  Vortragende  schliesst  mit  der  an  die  Isis -Mitglieder  gerichteten  Bitte,  ihm 
von  ähnlichen  etwa  in  den  benachbarten  Basaltgehieten  beobachteten  Fällen  Mittheilung 
zu  machen. 

Dr.  M.  T oepler  spriebt  über  die  Sebiebtung  elektrischer  Funken 
und  über  (ileitfit  nken. 

Der  Vortragende  bespricht  zunächst  die  eigenthUmliche  Erscheinung,  dass  bei 
Elektricitätsenthidung  durch  Duft  oder  Gase  die  Intensität  der  Licht-  und  Wärme- 
entwickelung nicht  au  allen  Stellen  der  Entladnugsbahn  (des  Funkens.  Blitzes,  Licht- 
bogens u,  s.  w.)  die  gleiche  ist.  Es  bilden  sich  sogen.  Schichten  (Licht-  oder  Wärme- 
schichten)  aus,  d.  h.  Stellen  grösserer  nnd  kleinerer  Lieht-  und  äVärmcwirkung  folgen 
einiuiiler  in  mehr  oder  minder  grosser  Regelmässigkeit.  Nach  Besprechung  hierher  ge- 
höriger Beobachtungen  von  A.  Toeplcr,  Lehmann,  Kayser,  von  Obermayer  u.  A.  w ird  die 
noch  wenig  beachtete  Erscheinung,  dass  auch  der  Mctalldampf  dünner  (durch  eine 
Batterieentladung  zerstäubter)  Metalldmhte  unter  Umständen  klar  geschichtet  ist,  ein- 
gehender behandelt.  Nach  Projection  von  geschichteten  Mctalldampf-Niiderschlägen 
verschiedener  zerstäubter  Drähte  wird  die  Bildung  von  Gleitfunken  längs  Metallpulver, 
auf  Wasseroberflächen  und  Gipsplatten,  sowie  aut  einseitig  metallisch  helegten  Glas- 
platten (vergl.  hierzu  Ahh.  d.  natnrwissenschaftl.  Ges.  Isis  m Dresden.  1807,  S.  41)  be- 
sprochen. Vortragender  weist  nach,  dass  man  zwei  Arten  von  Gleitfunken  zu  unter- 
scheiden hat;  die  Ausbildung  des  langen  Gleitfnnkenkanales  kann  entweder  ilnrch  eine 
einmal  in  geeigneter  Weise  an  den  Gleitfunkenpolen  anftretcmlc  Potentialdiflerenz 
veranlasst  werden,  oder  auch  dadurch,  dass  letztere  mehrmals  innerhalb  sehr 
kurzer  Zeit  (im  Rhythmus  elektrischer  Oscillationen)  ihr  Vorzeichen  wechselt.  Gleit- 
fuukeu  von  mehr  als  einem  Meter  Länge  werden  zum  Schlüsse  vorgefilhrt. 


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Dritte  Sitzung  am  23.  Juni  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  F. 
Fo erster.  — Anwesend  37  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  A.  Scblossinaun  spricht  über  die  Milcli  und  ihre  Bedeutung 
als  Nahrungsmittel  und  erläutert  den  Vortrag  durch  Versuche  und 
Vorlegung  von  Präparaten.  (Vergl.  Abhandlung  III.) 

Dr.  A.  Lotternioser  spricht  über  das  colloidale  Quecksilber. 

Anschliessend  an  die  Arbeiten  E.  von  Meyer's  nnd  des  Vortragenden  Uber  colloidales 
Silber  versuchte  Letzterer  auch  Quecksilber  in  colloidaler  Form  zu  gewinnen.  Nach  vielen 
vergeblichen  Versuchen,  dasselbe  durch  Einwirkung  der  verschiedensten  Keductionsraittel 
auf  Qnecksilbersalzc,  namentlich  Quecksilberoxydulnitrat,  zu  gewinnen,  wobei  meist  un- 
lösliches graues  Metall  entstand,  führte  endlich  die  Anwendung  von  Zinnoxydulsalzen 
zum  Ziele.  Znr  technischen  Gewinnung  wird  eine  I.ösung  von  Zinnoxydulnitrat  ver- 
wendet, welches,  mit  einer  Lösnng  von  Quecksilberoxydiiluitrat  versetzt,  eine  tiefbranne 
Flüssigkeit,  die  Lösung  des  coUoidalen  (tnecksilbers,  giebt,  aus  welcher  durch  Ammon- 
citrat dasselbe  in  fester  Form  ausgcsalzen  wird. 

Andere  Zinnoxydulsalze,  namentlich  ZinnchlorUr,  zu  verwenden  bietet  noch  einige 
Schwierigkeiten,  doch  lioflt  der  Vortragende,  durch  fortgesetzte  Versuche  die.selben  zu 
heben.  Zinnoxydulsulfat  erzeugt  einen  tiefbraunen  Niederschlag,  welcher  als  Analogon 
des  Goldpurpurs  des  Cassius  als  ein  basischer  Zinnsalznieilerschlag,  auf  dem  sich  colloidales 
QuecksUber  abgeschieden  liat.  angesehen  wenlen  muss. 

Das  Priiparat,  welches  von  der  Firma  von  Heyden  in  Kadebeul  fabricirt.  wird,  soll 
in  der  Medicin  als  Ersatz  des  gewöhnlichen  l^uecksilbers  dienen;  Versuche  in  die.ser 
Richtung  sollen  in  der  nächsten  Zeit  beginnen.  Das  colloidale  Quecksilber  wird  wegen 
seiner  Löslichkeit  in  Wasser  entschiedene  Vortheile  vor  dem  gewöhnlichen  Quecksilber 
bieten. 


VI.  Section  für  Mathematik. 


Erste  Sitzung  am  10.  Februar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K. 
liohn.  — Anwesend  13  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  K.  Rohn  spricht  über  Zusammensetzung  von  Beweg- 
ungen und  reguläre  llaumeintheilung. 

Die  reguläre  Raumeinthcilung  oder,  was  damit  gleichbedeutend  ist,  die  reguläre 
Anordnung  von  Punkten  im  Raume  ist  von  grös.ster  Bedeutung  für  die  Erklämng  der 
Molekularstructnr  der  Krystallc.  Um  niidit  die  Grenzflächen  der  Kry.«talle  in  Betracht 
ziehen  zu  müssen,  denkt  man  sich  die  reguläre  Anordnung  der  Punkte  ins  Unbegrenzte 
fortgesetzt;  dann  kann  man  diese  Anordnung  so  definiren,  da.ss  man  sagt:  jeder  Punkt 
des  unbegrenzten  Systems  sei  von  der  Gesammtheit  der  übrigen  Punkte  in  ganz  gleicher 
Weise  umgeben,  wie  jeder  andere.  Darin  liegt  aber  das  .Mittel,  solche  reguläre  Punkt- 
systeme zu  erzeugen ; denn  nach  der  Deflnition  winl  es  Bewegungen  des  Kanmes  in 
sich  geben,  bei  welchen  das  reguläre  Punktsystem  mit  sich  selbst  znr  Deckung  kommt. 
Solcher  Raumbewegnngen  werden  unendlich  viele  existiren  und  zwar  wird  dabei  irgend 
ein  Punkt  des  Systems  in  einen  beliebigen  anderen  übergefUhrt  werden  können.  Um- 
gekehrt kann  man  aus  einem  Punkte  alle  übrigen  Punkte  des  Systems  ableiten,  indem 
man  ihn  alle  jene  Raumhowegungen  aii.-sfUhren  lässt.  Diese  Raiimbewegungeu  bilden 
aber  eine  tiriippe,  d.  h. : Kennt  man  irgend  zwei  Raumbeweguiigen,  welche  das  reguläre 
Punktsystem  mit  sich  selbst  znr  Deckung  hringen,  so  thmi  dies  auch  alle  Jtaum- 
beweguugen,  die  sich  aus  jenen  beiden  durch  Wiederholung  und  Combinatinii  zusammen- 
setzen lassen;  das  liegt  ja  ganz  auf  der  Hand.  Eine  allgemeine  Ranmbeweguiig  lässt 
sich  aber  durch  eine  Schraubenbewegmig  ersetzen.  Gieht  cs  also  irgend  zwei  Schrauhen- 
bewegtungen,  welche  das  reguläre  Punktsystem  in  sich  überfüliren,  so  thiin  ilies  alle 
Schraubenhewegungen , die  ans  jenen  durch  Wiederholung  und  Zusammensetzung  her- 
vorgehen. Mit  anderen  Worten:  Aus  einem  Punkte  erhält  man  alle  Punkte  des  regu- 
lären Systems,  indem  man  ihn  allen  Bewegungen  unterwirft,  die  sich  aus  zwei 
Bchraubüngen  durch  Wiederholung  nnd  Combination  ergeben. 


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Es  wird  nnn  die  Frage  sein,  ob  man  mit  zwei  beliebigen  Schranbnngen  ein  regn- 
läres  Punktsystem  erzengen  kann.  Zum  näheren  Studium  dieser  Frage  wenien  zunächst 
die  Zusammensetzung  und  Zerlegung  von  Bewegungen  in  der  Ebene  (Drehung  und 
Schiebung),  und  sodann  von  Bewe^ngen  im  Baume  (Drehung,  Schiebung  und 
Schraubung)  be.Hprocheu.  Als  die  wicditigsten  Sätze  hierbei  mögen  folgende  beide  her- 
vorgehohen  werden:  1.  Jede  Schraubung  um  eine  Axe  kann  ersetzt  werden  durch  eine 
Schraubung  um  irgend  eine  dazu  parallele  Axe  und  eine  vorausgehende  oder  nach- 
fidgende  Schiebmig;  die  zu  den  Schraubungen  gehörigen  Winkel  smd  gleich.  2.  Zwei 
auitdnanderfolgende  Schraubungen  lassen  sich  durch  eine  einzige  Schraubung  ersetzen; 
Axenrichtung  und  Winkel  der  letzteren  hängen  nur  von  den  Axeurichtungen  und  Winkeln 
der  ersteren  ab.  Diese  Abhängigkeit  ist  die  gleiche,  wenn  man  statt  der  Schraubungen 
drei  Drehungen  um  drei  durch  einen  Punkt  laufende  Axen  nusfilhrt,  wenn  nur  die 
Drchungsaxen  den  bez.  Schraubenaxen  parallel  und  die  Drehungswinkel  den  bez. 
Schranbnngswinkeln  gleich  sind. 

Mit  Hilfe  dieser  Sätze  wird  hierauf  ein  Beweis  von  Schönfliea  entwickelt,  worin 
gezeigt  wird,  dass  man  im  Allgemeinen  aus  zwei  Schraubungen  durch  Zusammensetzung 
stets  beliebig  kleine  Schraubungen  ableitcn  kann,  d.  h.  solche,  die  sich  in  eine  beliebig 
kleine  Schiebung  und  in  eine  beliebig  kleine  Drehung  zerlegen  lassen.  Nur  wenn  die 
Schraubungswiukel  fUr  die  beiden  Schraubungen  ganzzahlige  Theile  von  2 n sind,  lassen 
sich  aus  ihnen  keine  beliebig  kleinen  Schraubungen  ableiten.  Im  ersten  Falle  werden 
die  Punkte  des  regulären  Systems  beliebig  dicht  bei  einander  liegen  Solche  Systeme 
können  aber  nicht  die  Anordnung  der  Moleküle  eines  Krystalls  reprilsentiren , denn  die 
Abstände  dieser  Moleküle  von  einander  werden  zwar  sehr  klein,  aber  immerhin  endlich 
sein.  Es  werden  also  nur  zwei  Schrauhungen,  deren  Winkel  ganzzahlige  Teile  von  2 n 
sind,  zur  Erzeugung  regulärer  Punktsysteme,  wie  sic  die  Molekularstmctur  fordert, 
Verwendung  finden  können.  Daraus  geht  sofort  hervor,  dass  es  auch  reine  Schiebungen 
in  der  Richtung  der  Schraubenaxen  giebt,  welche  das  reguläre  Punktsystem  in  siih 
selbst  überfuhren.  Das  l’imktsystem  lässt  sich  demzufolge  m mehrere  Piinktgitter  auf- 
löisen,  W(d>ei  jedes  Gitter  einer  regulären  Eintheilung  des  Raumes  in  Parallelepipeda 
entspricht.  Diese  Bemerkung  ermöglicht  aber  die  Aufsuchung  aller  regulären  Punkt- 
systeme. 


Zweite  Sitzung  am  14.  April  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K. 
Rohn.  — Anw'esend  9 Mitglieder. 

Dr.  A.VVitting  spricht  über  planimetrische  Constructionen  in 
begrenzter  Ebene. 

Der  Vortragende  führt  zunächst  ein  Beispiel  dafür  an,  dass  bei  sehr  bekannten 
planimetrischen  Elementaraufgalien  nicht  immer  die  einfachsten  mit  Zirkel  und  Lineal 
möglichen  Constructionen  nusgeführt  zu  werden  ptiegen.  Sodann  wird  an  einer  Anzahl 
Fundamentalaufgaben  gezeigt,  wie  eine  exae  t«  Construction  praktisch  möglich  ist,  wenn 
einzelne  der  gegebenen  Punkte  ausserhalb  des  Randes  des  Reissbretts  liegen.  Dabei 
wurde  insbesondere  angenommen,  dass  sich  gegebene  Geraden  in  weiter  Kerne  unter  so 
spitzen  Winkeln  schneiden,  dass  Parallclverschi'elmngen  und  Aehnliehkeitsconstructionen 
ausgeschlossen  werden  müssen.  Den  Schluss  bilden  einige  Aufgaben,  bei  denen  Punkte 
in  unendliche  Entfernung  gerückt  waren. 


Dritte  Sitzung  am  16.  Juni  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K.  Rohn. 
— Anwesend  10  .Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  über  Partialbrueh- 
zerlegung  hei  transcendenten  Functionen. 

Gegenstand  des  Vortrags  bildet  ein  Beweis  des  berühmten  Mittag-Leffler'schen 
Theorems  über  die  Zerlegung  der  sogen,  gebrochenen  transcendenten  Functionen.  Zu 
den  elementaren  Begriffiii  der  ganzen  rationalen  und  der  gebrochenen  rationalen 
Function  hat  die  neuere  Functiouciitheorie  zwei  nattirgemässe  Gegenstücke  geschaffen: 
die  Begriffe  der  ganzen  transcendenten  und  der  gebroehenen  transcendenten  Function. 
Nachdem  Weieräfrass  gezeigt  hatte,  dass  jede  ganze  franscendente  Function  mit 
einer  endlichen  oder  unendlichen  .\nzahl  von  Nullstcllen  in  ähnlicher  Weise  wie  eine 


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ganze  rationale  Fnnction  als  ein  Product  von  Ausdrücken  darstellbar  ist,  deren  jeder 
nvir  an  einer  Stelle  verschwindet,  lag  die  Vermuthung  nahe,  dass  jede  gebrochene  trana- 
eendente  Function  sich  ähnlich  wie  eine  gehroehene  rationale  Function  als  eine  Summe 
von  Ausdrücken  darstellen  lassen  werde,  die  im  Endlichen  nur  je  eine  ausserwesentliche 
singuläre  Stelle  besitzen.  Diese  Vermuthtmg  wurde  durch  das  genannte  Theorem  be- 
stätigt — Vortragender  zeigt  nun,  im  Anschluss  an  Betrachtungen,  welche  H.  Burk- 
hardt in  seinem  jüngst  erscliienenen  „Lehrbuch  der  Functiouentheorie“  angestellt  hat, 
dass  der  schwierige  und  umständliche  Beweis,  den  Mittag-Leffler  ursprünglich  für 
sein  Theorem  gegeben  hat,  durch  einen  kürzeren  und  wesentlich  einfacheren  ersetzt 
werden  kann. 

An  der  kurzen  Besprechung,  die  sich  an  den  Vortrag  knüpft,  be- 
theiligen sich  Prof.  Dr.  K.  Rohn  und  Dr.  A.  VVitting. 


Vn.  Hauptversammlungen. 

Erste  Sitzung  am  27.  Januar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  54  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  H.  Lohmann  spricht  über  Eishöhlen  und  Höhleneis. 

Vortragender  erläutert  an  einer  gros.sen  Zahl  von  Zeichnungen,  Photographien, 
Gips-  und  Paraffinahgüssen  den  Charakter  der  Eishöhlen  und  die  Stmetur  und  Art  der 
Entstehung  de.s  in  denselben  abgelagerten  Eises.  Eine  eingehende  Bearbeitung  dieses 
Gegenstandes  durch  den  Vortragenden  wird  voraussichtlich  in  der  Zeitschrift  des  deutsch- 
österreichischen  Alpenvercins  veröffentlicht  werden. 

Dr.  med.  J.  Grosse  spricht  über  Ctirl  Gustav  Carus  in  seiner 
Bedeutung  für  die  Naturwissenschaften. 

Zum  Schluss  giebt  der  Vorsitzende  eine  kurze  Uebersicht  über  die  bis- 
her erzielten  Erfolge  der  Eingaben,  in  welchen  die  Isis  und  der  K.  Sachs. 
Alterthumsverein  hei  den  K.  Ministerien  um  Schutz  der  vorgeschichtlichen 
Alterthümer  des  Landes  nachgesucht  haben. 

Zweite  Sitzung  am  24.  Februar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  44  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  des  Verwaltungsraths,  Prof.  H.  Engelhardt,  legt 
den  Rechenschaftsbericht  für  1897  (s.  S.  15)  und  den  Voranschlag  für  1898 
vor.  Letzterer  wird  einstimmig  genehmigt.  Als  Rechnungsrevisoren  werden 
Bankier  A.  Kuntze  und  Architect  R.  Günther  gewählt. 

Geh.  Hofrath  Prof.  L.  Lewicki  spricht  über  das  maschinen- 
technische Laboratorium  der  K.  Technischen  Hochschule. 

Hieran  schliesst  'sich  unter  der  Führung  des  Vortragenden  eine  Be- 
sichtigung dieses  Laboratoriums  und  seiner  Einrichtungen. 

Dritte  Sitzung  am  31.  März  1898.  Vorsitzender:  Prof  Dr.  G.  Helm. 
— Anwesend  24  Mitglieder  und  Gäste. 

Nachdem  der  Rechenschaftsbericht  für  1897  von  den  Rechnungs- 
revisoren geprüft  und  richtig  befunden  worden  ist,  wird  dem  Kassirer 
Decharge  ertheilt. 


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Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  spricht  über  die  physikalischen  und 
geologischen  Untersuchungen  der  Höhmerwaldseen  und  erläutert 
seinen  Vortrag  durch  zahlreiche  Photographien  und  Zeichnungen. 

Vergl.  hierzu;  Wissenschaft!.  Veröffentlich,  d.  Vereins  für  Erdkunde  zn  Leipzig, 
1898,  Bd.  IV. 


Vierte  Sit2nng  am  28.  April  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  ü. 
Helm.  — Anwesend  31  Mitglieder  und  Gäste. 

Das  K.  Sächs.  Ministerium  des  Innern  wünscht  die  Einreichung  eines 
Entwurfs  einer  kurzen  Belehrung  und  Anweisung  über  die  den  urgeschicht- 
lichen  Alterthümern  zu  widmende  Beachtung  und  Fürsorge.  Mit  der 
Bearbeitung  eines  solchen  Entwurfs  wird  Dr.  J.  Deichmüller  beauftragt. 

Ingenieur  E.  Lewicki  hält  unter  Vorführung  von  Experimenten  einen 
Vortrag  über  Centrifugalguss. 

Vergl.  hierzu;  Zeitsclirift  des  Vereins  deutscher  Ingenieure,  Bd,  XLII. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  kurze  Discussiuu. 


Fünfte  Sitzung  und  Excursiou  am  19.  Mai  1898.  14  Mitglieder 
der  Dresdner  Isis  vereinigten  sich  in  Demitz  bei  Bischofswerda  mit 
fünf  Mitgliedern  der  Bautzner  Schwestergesellschaft  zu  einem  gemein- 
schaftlichen Ausflug  in  das  Granitgebict  der  dortigen  Gegend. 

Nach  Besichtigung  der  dicht  an  der  Haltestelle  Demitz  aufgedeckten 
Gletscherschliffe  und  Rundhöcker  auf  dem  Granit  wanderten  die  Theil- 
nehmer  unter  Führung  des  Herrn  E.  Rodig,  Geschäftsführers  der  Firma 
C.  G.  Kunath,  nach  dem  Klosterbcrg,  um  hier  die  Lagerungsverhältnisse 
und  die  Gewinnung  des  Granits  in  den  ausgedehnten  Steinbrüchen  kennen 
zu  lernen. 

Hieran  schloss  sich  unter  Vorsitz  von  Prof.  H.  Engelhardt  eine 
kui-ze  Hauptversammlung  im  Bahnhofsrestaurant  Demitz,  in  welcher 
verschiedene  geschäftliche  Angelegenheiten  erledigt  wurden. 

Eine  Fusswanderung  nach  Bischofswerda  schloss  den  vom  Wetter 
begünstigten  Ausflug  ab. 


Sechste  Sitzung  am  26.  Mai  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G.  Helm. 
— Anwesend  43  .Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  med.  A.  Schlossmann  spricht  über  eine  neue  Art  der  Wohnungs- 
Desinfection  durch  Zerstäuben  von  Formaldehyd  und  führt  den 
hici'zu  beuutzteti  Apparat  in  Thätigkeit  vor. 

Privatdocent  Dr.  W.  Bergt  hält  einen  Vortrag  über  die  Geologie 
von  Schantung  (Iviautschou). 


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Siebente  Sitzung  am  30.  Juni  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  ~ .\nwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  II.  Engelhardt  legt  vor  und  bespricht  die  „Jubiläumsschrift 
zur  Feier  des  25jährigen  Bestehens  der  Gelsenkirchener  ßergwerksactien- 
gesellschaft  zu  Rheinelbe  bei  Gelsenkirchen“,  Düsseldorf  1898,  4®,  mit 
zahlreichen  Tafeln. 

Prof.  II.  Fischer  hält  einen  Demonstrationsvortrag  über  die 
Westinghouse-Bremse,  an  welchen  sich  eine  kurze  Debatte  anschliesst. 


Yeränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder; 

Am  7.  Februar  1898  starb  in  Leipzig  Geh.  Rath  Dr.  Rudolf 
Leuckart,  Professor  der  Zoologie  und  Zootomie  an  der  dortigen  Uni- 
versität, einer  der  hervorragendsten  und  verdiente.sten  Zoologen  der 
Gegenwart.  Unserer  Gesellschaft  gehörte  der  Verewigte  seit  1869  als 
Ehrenmitglied  an. 

Am  12.  April  1898  starb  in  München  Geh.  Rath  Dr.  Fridolin  von 
Sandberger,  bis  vor  kurzer  Zeit  Professor  der  Mineralogie  und  Geo- 
logie an  der  Universität  Würzburg,  correspondirendes  Mitglied  der  Isis 
seit  1862. 

Am  17.  April  1898  verschied  in  Cambridge,  Mass,,  im  Alter  von 
74  Jahren  Jules  Marcou,  früher  Professor  der  paläontologischen  Geo- 
logie am  Polytechnikum  in  Zürich,  später  Staatsgeolog  der  Vereinigten 
Staaten  von  Nordamerika,  bekannt  durch  seine  Forschungen  im  Gebiete 
der  „Dyas“,  Ehrenmitglied  unserer  Gesellschaft  seit  1866. 

Am  22.  April  1898  starb  in  Celle  im  83.  Lebensjahr  Überappellations- 
rath a.  D.  Dr.  Karl  Nöldeke,  bekannt  als  Florist  wie  als  Bearbeiter 
der  hannoverschen  Landesgeschichte,  Ehrenmitglied  der  Isis  seit  1888. 

Am  18.  Juni  1898  starb  in  München  Dr.  Karl  Wilhelm  von  Gümbel, 
K.  Bayerischer  Oberbergdirector  und  Professor  an  der  dortigen  Universität, 
ein  um  die  geologische  Erforschung  Bayerns  hochverdienter  Gelehrter, 
seit  1860  Ehrenmitglied  unserer  Gesellschaft. 

Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Biedermann,  Paul,  Dr.  phil.,  Realgymnasial-Oberlehrer  in  Dresden,  am 
27.  Januar  1898; 

Heinrich,  Karl,  Buclidruckereibesitzer  in  Dresden,  am  24.  Februar  1898; 
Henke,  Rieh.,  Prof.  Dr.,  Conrector  am  .\nnenrealgymnasium  in  Dresden, 
am  27.  Januar  J898; 

Jorre,  Friedr.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Dresden,  am  30.  Juni  1898; 
von  Laffert,  Rieh.,  Major  in  Dresden,  am  27.  Januar  1898; 

Lewicki,  Ernst,  Ingenieur  und  Adjunct  am  Maschinenbau-Laboratorium 
der  K.  Techn.  Hochschule  in  Dresden,  am  19.  Mai  1898; 
Lottermoser,  Alfr.,  Dr.  phil.,  Assistent  am  anorg.-cheni.  Labonatoriuni 
der  K.  Techn.  Hochschule  in  Dresden,  am  30.  Juni  1898; 


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Mühlfriedel,  Rieb.,  Bezirksschullehrer  in  Dresden,  am  27.  Januar  1898; 
Müller,  Erich,  Ür.  phil.,  Chemiker  in  Dresden,  am  30.  Juni  1898; 
Paulack,  Theodor,  Apotheker  in  Dresden,  am  24.  Februar  1898; 
Prinzhorn,  Job.  Ludw.,  Realschuldirector  in  Dresden,  am  27.  Januar  1898; 
Röhner,  Willi.,  Bezirksschullehrer  in  Dresden,  am  31.  März  1898; 
Scheidhauer,  Rieh.,  Civilingenieur  in  Dresden,  am  19.  Mai  1898; 
Struve,  Alex.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Dresden,  ) ...  , 

Viehmeyer,  Herrn.,  Bezirksschullehrer  in  Dresden,  | 1898 

Wähmann,  Friedr.,  Bezirksschullehrer  in  Dresden,  J 

Aus  den  correspondirenden  in  die  wirklichen  Mitglieder  sind 

übergetreten; 

Menzel,  Paul,  Dr.  med.,  in  Dresden; 

Thallwitz,  Joh.,  Dr.  phil.,  Realschul-Oberlehrer  in  Dresden. 


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Kassenabschluss  der  ISIS  vom  Jahre  1897. 

Position.  Einnahmen.  Position.  Ausgaben. 


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I.  Section  für  Zoologie. 


Tiert«  Sitzung  am  6.  October  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 
Nit  sehe.  — Anwesend  40  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  0.  Schneider  überreicht  durch  Vermittelung  des  Vorsitzen- 
den für  die  Bibliothek  der  Gesellschaft  ein  Exemplar  seiner  neuesten 
Arbeit:  Die  Thierwelt  der  Nordsee-Insel  Borkum  unter  Berück- 

sichtigung der  von  den  übrigen  ostfriesischen  Inseln  bekannten  Arten. 
(Sonder-Abdruck  aus  den  Abhandl.,  herausgeg.  vom  naturwissenschaftl. 
Verein  zu  Bremen,  Bd.  XVI,  Heft  1.) 

Lehrer  A.  Jenke  zeigt  verschiedene  von  ihm  im  Zimmer  gezüchtete 
Entwickelungsstufen  der  Blutlaus,  Schizonenra  lanigera,  vor. 

Dr.  P.  Wagner  legt  einige  sogenannte  llillensteine  aus  dem  Starn- 
berger See  vor  und  bespricht  die  augenblicklichen,  noch  nicht  ganz  ge- 
klärten Anschauungen  über  deren  Entstehung,  welche  meist  der  Thätig- 
keit  von  Insectenlarven  zugeschrieben  wird. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  berichtet  über  seine  zoologischen  Reise- 
eindrücke aus  England. 

Der  Vortragende  hat  an  dem  vierten  internationalen  Zoologencongresse,  der  Ende 
Angnst  in  Cainliridge  tagte,  theilgenommen,  dai<  Rothschildmuseum  zu  Tniig,  den  Hirsch- 
park  des  Herzogs  von  Bedfurd,  den  zoologischen  Garten  und  die  grossen  Sammlungen 
zu  London,  sowie  das  Aquarium  in  Brighton  besucht  und  schildert  in  zwangloser 
Plauderei  die  so  gewonnenen  reichen  Eindrücke. 

Dr.  J.  Thallwitz  berichtet  über  das  Vorkommen  des  Ziesels, 
Spermophilus  citillus,  im  sächsischen  Erzgebirge.  (Vergl.  Abhand- 
lung VI.) 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  tbeilt  mit,  dass  er  kürzlich  das  Vorkommen 
d es  Moderlieschens,  Leiicaspius  delineatus,  und  des  Bitterlings, 
Rhodeus  amarus,  in  einigen  der  Moritzhurger  Teiche,  im  Jäger- 
teiche und  oberen  Altenteiche  feststellen  konnte. 

Herr  K.  Schiller  legt  mikroskopische  Präparate  kleiner  Crustaceen 
aus  der  Elbe  vor,  besonders  aus  den  Gattungen  Cyclops  und  Daphnia. 


Fünft«  Sitzung  am  1.  December  1898  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Section  für  Botanik).  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend 
32  Mitglieder. 

Dr.  J.  Grosse  überreicht  durch  den  Vorsitzenden  für  die  Bibliothek 
der  Gesellschaft  einen  Abdruck  seines  in  der  Gesellschaft  für  Natur-  und 


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Heilkunde  in  Dresden  gehaltenen  und  in  deren  Jahresberichte  1897 — 98 
veröffentlichten  Vortrags:  Leuckart  in  seiner  Bedeutung  für  die 
Natur-  und  Heilkunde. 

Dr.  J.  Thallwitz  spricht  über  Hydroidpolypen  und  Medusen  des 
Mittelraeeres  und  erläutert  seinen  Vortrag  durch  zahlreiche  mikrosko- 
pische Präparate  und  Wandtafeln.  Er  giebt  ferner  auf  Anregung  von 
Prof.  Dr.  ü.  Drude  Auskunft  über  die  bei  der  Herstellung  der  Präparate 
angewandten  Methoden. 

Anschliessende  Bemerkungen  machen  Prof.  Dr.  R.  Ebert  und  Prof.  Dr. 
11.  Kitsche,  welch’  Letzterer  berichtet,  dass  es  neuerdings  Hickson  ge- 
lungen ist,  auch  bei  Hydroidpolypen  mit  Kalkskelett,  bei  der  so  variabeln 
Gattung  Millepora,  medusoide  und  zwar  männliche  Geschlechtsindividuen 
nachzuweisen. 

Dr.  B.  Schorler  spricht  im  Anschluss  an  R.  Chodat:  fitudes  de  biologie 
lacustre  (Genf  1898)  über  Kalkalgen  des  Süsswassers  und  ihre  Be- 
ziehungen zu  den  sogenannten  „Furchensteinen“. 

Zu  der  noch  nicht  endgiltig  gelösten  Frage  über  die  Entstehung  der 
letzteren  sprechen  Dr.  P.  Wagner,  Prof.  Dr.  H.  Kitsche  und  Prof.  Dr. 
0.  Drude. 


II.  Section  für  Botanik. 


Vierte  Sitzung  am  20.  October  1898  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Section  für  Zoologie).  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend 
39  Mitglieder  und  2 Gäste. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  hält  einen  Vortrag  über  die  Resultate  bota- 
nischer Reisen  in  Sachsen  und  Thüringen.  (Vergl.  Abhandlung  V.) 


Die  Reisen  bezweckten  das  .Studium  des  pflanzengeographischen  Charakters  des 
herc.vui8cheu  Lftndergehietes  für  das  vom  Vortragenden  in  Angriff'  genommene  Buch; 
GrumlzUge  der  Pflanzenverbreitnng  im  hereyuischen  Berg-  und  UUgellande,  welches  einen 
Theil  der  in  der  „Vegetation  der  Erde“  von  Englcr-Drade  erscheinenden  (etwa  12) 
pflanzengeo^phischen  Monographien  des  deutschen  Ländergehietes  bilden  wirf. 

Der  V'ortragende  betont  schliesslich  das  Bedttrfiiiss,  zur  Erhöhung  des  Verständ- 
nisses für  da.«  organische  Leben  in  den  uns  zunächst  umgehenden  Ländern  auch  die 
Verbreituugsverhältnisse  der  Thiere  mit  den  getroffenen  pflanzengeographischen  Ein- 
theilungen  in  Vergleich  zu  bringen  und  zu  erproben,  in  wie  weit  deren  Lebensbedin- 
gungen an  die  Existenz  bestimmter  Formationen  geknüpft  sind,  welche  nur  einzelnen 
Landschaften  angehiiren  (z.  B.  steppenartig  bekleidete  Ueröllhänge,  Hochmoore,  Gebirgs- 
wald  u.  s.  w.). 

Dr.  B.  Schorler  berichtet  über  steinzerstörende  Algen,  deren 
Wirkung  Vielen  bis  dabin  als  Spuren  von  thierischer  Thätigkeit  er- 
schienen war. 


Vergl.  auch  die  zoologisch  - botanische  Section  vom  1,  December  d.  J. 


Fünfte  Sitzung  am  8.  December  1898  (Floristenabend).  Vorsitzender: 
Oberlehrer  K.  Wobst  — Anwesend  28  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  O.  Drude  legt  vor  und  bespricht  eingehend  die  Schrift  von 
W.  Meigen:  Die  deutschen  Pflanzennamen,  Berlin  1898,  und  macht  ferner 


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eine  kurze  Mittheilung  über  eine  vortreffliche  süddeutsche  LocalHora  von 
Dr.  R.  Gradmann:  Pflanzenleben  der  Schwäbischen  Alb,  2 Rande, 
Tübingen  1898;  über  dieselbe  soll  später  ausführlicher  berichtet  werden. 

Hierauf  hält  Lehrer  H.  Stiefelhagen  seinen  angeküudigten  Vortrag: 
Neue  Caresr-Formen  und  -Hybriden  und  erläutert  denselben  durch 
viele  von  ihm  selbst  gesammelte  charakteristische  Belegexemplare. 

Zum  Schlüsse  berichtet  Dr.  B.  Schorler  über  Bereicherungen  der 
Flora  Saxonica  und  bringt  die  im  K.  Herbarium  eingegangenen  zahl- 
reichen Pflanzen  zur  Vorlage.  (Vergl.  Abhandlung  VH.) 


lU.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 

Viert«  Sitzung  am  3.  November  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  42  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  W.  Bergt  bespricht  die  Abhandlung  von  H.  Credner;  Die  säch- 
sischen Erdbeben  während  der  Jahre  1889  — 97  (K.  S.  Ges.  d.  Wissensch. 
math.-phys.  CI.  Bd.  24). 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  macht  auf  einen  neuen  Aufschluss  im 
Diluvium  beim  Schnittpunkte  der  Reichenbach-  und  FrankUnstrasse  in 
Dresden  aufmerksam;  derselbe  legt  einige  für  das  K.  Mineralogische 
Museum  neu  erworbene  Mineralien  vor  und  berichtet  über  einige  Verände- 
rungen im  K.  Mineralogisch -geologischen  Museum. 


FQnft«  Sitzung  am  15.  December  1898.  Vorsitzender:  Privatdocent 
Dr.  W.  Bergt.  — Anwesend  32  Mitglieder. 

Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig  hält  seinen  angekündigten  Vortrag  über 
Graphit-Vorkommnisse  im  Lausitzer  Granit  südlich  von  Dresden. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 

Zweit«  Sitzung  am  17.  November  1898.  Voi-sitzender:  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  28  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  J.  Deichmüller  hält  einen  Vortrag  über  die  Vorgeschichte 
Sachsens. 

Zar  Vorlage  kommen  hierbei  merovingische  Funde  aus  Skelettgräbem  nud  die  Ab- 
bUdang  eines  Hacksilberfundes  aus  Sachsen. 

Lehrer  H.  Döring  spricht  über  Prähistoriscbes  aus  dem  Mulden- 
thal zwischen  Nossen  und  Rosswein. 

Der  Vortragende  berichtet  Uber  die  von  ihm  auf  einer  prfthistorischen  Excursion 
gewonnenen  Beobachtungen,  welche  sich  auf  die  bereits  von  Premsker  (Blicke  in  die 
vaterländische  Vorzeit  III,  8.  230)  erwähnten  Burgwälle  auf  dem  Uodig  bei  Nossen, 
auf  dem  Burgberg  bei  Uleisberg  und  der  Wunderburg  beiHosswein  erstrecken. 


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Bei  wio<lerholten  Besnelien  der  genannten  Oertlichkeiten  stellte  sich  der  Vortragende 
die  Aufgabe,  auch  andere  liervortretcndc  Höhen  der  Thalgeb&nge  zu  besii-htigen  und 
auf  das  Vorhamiensein  von  Burgwällen  hin  zu  prüfen.  Es  gelang  ihm  hierbei,  ganz 
nahe  bei  Nossen  einen  in  der  Idtteratur  der  Alterthumswissensehaft  noch  unbekannten 
Wall,  der  .selb.st  von  den  nächsten  Anwohnern  nicht  gekannt  war,  anfznfinden.  Die 
Höhe  wird  in  der  Liegend  als  Texeisberg,  Dechantsberg  oder  Diegensberg 
bezeichnet  und  liegt  den  Rnincn  des  Klosters  Altzella  direct  gegenüber. 

Der  Burgwall  liert  auf  steiler  Felshöhe  an  der  Mulde  ca.  50  m über  dem  Wasser- 
spiegel des  Flösse.«.  Die  Felswände  des  Muldenthaies  werden  hier  von  Diabastnffen 
oder  Schal.steinen  gebildet  und  gehören  den  cambrischen  Grüusteinen  an.  Auf  der  direct 
über  einem  Steinbriieh  liegenden  Höbe  wurde  ein  l'JO  Schritt  langer,  nuregelraässig 
geformter  Wall  vorgefunden,  der  den  Innenranm  nach  VV,  N und  O schützt,  während 
nach  S hin  der  Steilabsturz  natürlichen  Schutz  bietet.  Der  Wall  hat  eitle  Höhe  von 
1,5  m und  wird  au  zwei  Seiten  durch  verschlacktes  Gestein  gebildet,  an  der  Nord- 
seitc  dagegen  ist  ein  Erdwall  zn  erkennen.  Es  konnte  leider  wegen  des  dichten  Wald- 
bestande«  nicht  festgestellt  werden,  ob  unter  demselben  der  Sclilackenwall  verborgen 
liegt.  Da.«  .\nfireten  der  vcr.schlackten  Masse  beschränkte  sich  nicht  blos  auf  einzelne, 
aus  verschiedenen  Stücken  znsammengeschraolzene  Klumpen,  wie  mau  sie  auf  Burg- 
wällen fast  überall  findet  und  als  „Burgwallschlacke“  bezeichnet,  sondern  es  ragen  hier 
gemäuerartigo  Schlackenma.ssen  ans  dem  Waldbodeu  hervor,  sodass  man  wohl  die  Anlage 
einen  Schlaekenwall  nennen  darf.  Bisher  sind  innerhalb  des  Königreichs  Sachsen  drei 
derartige  Wälle  aufgefunden  worden  und  zwar  auf  dem  Stromberge  bei  Weissenberg, 
auf  dem  Rothstein  und  auf  dem  Löbauer  Berge.  Die  Annahme,  dass  verschlackte  Wälle 
innerhalb  Sachsen«  nur  in  der  Lausitz  auftreten,  ist  nach  Auffindung  des  Schlacken- 
widU  auf  dem  Texelsherge  bei  Nossen  als  eine  irrige  zu  bezeichnen.  Auf  dem  Walle 
wurden  keinerlei  Artefacte  gefunden. 

ln  einer  Entfernung  von  70  Schritt  nach  N zeigten  sich  zwei  parallele  Wallgräben, 
welche  in  der  Richtung  von  N t)  nach  S W sich  zur  Muldenaue  hiuabsenken.  Die  Ge- 
sauimtlänge  der  Gräben  beträgt  35fi  Sc  hritt.  Die  .\nlage  wird  von  der  Nossen  - Lom- 
matzscher  ßivhidinie  so  geschnitten,  ilass  auf  den  nordöstlichen  Theil  220  Schritt  und 
auf  ilen  südwestlichen  Btö  Schritt  kommen  Die  Tiefe  des  äusseren  Grabens  beträgt 
ca.  2'/.,  m,  die  des  inneren  dagegen  1 m,  Der  zwischen  beiden  Gräben  gelegene  Wall 
ragt  nicht  üImt  das  Niveau  de.s  Wahlbodens  hervor. 

Da  die  hier  beobachtete  Erscheinung  von  den  auf  Bnrgwällen  sonst  vorhandenen 
Wallatilageu  wesentlich  abweicht,  so  ist  eine  sichere  Deutung  zur  Zeit  nicht  möglich. 
Wahrscheinlich  stammt  die  Anlage  nicht  aus  der  nrgeschichtlichen,  sondern  ans  früh- 
geschichtlicher Zeit  und  wurde  nicht  zum  Zwecke  der  Abwehr  von  Feinden,  sondern 
zur  Abgrenzung  idnes  grösseren  Besitzgebietes  angelegt.  Es  könnten  die  parallel  ver- 
laufenden Gräben  demnach  als  eine  Art  Limes  oder  Grenzgräben  betrachtet  werden. 

Derartige  l’arallelgräben  sind  in  der  Gegend  noch  häufig  anzntreffen , z.  B.  zwischen 
Kainmergut  .Altzella  und  der  Chaussee,  an  iler  „.Alten  Zelle“  im  Zellwald  (Semmelflflgeli, 
am  neuen  AVege  nach  Siebenlehn  und  an  der  Grabe  „Ltesegnete  Bergmanns  Hoffnung“ 
in  Obergruna 

Der  Zellwald  bietet  noch  manche  räthselhafte  Erscheinung  und  stellt  sowohl  dem 
Historiker  als  auch  dem  Urge.schichtsforscher  manche  Aufgabe,  deren  Lösung  der  Zu- 
kunft Vorbehalten  bleiben  wird.  Das  reiche  rrkuudenmaterial  ans  dem  Cistercienser- 
kloster  .Altzella  vermag  vielleicht  noch  Uber  die  frUhgeschichtliche  Zeit  jener  Gegend 
einiges  Licht  zu  verbreiten,  soda.ss  ein  Schein  desselben  auch  dem  Brähistoriker  zugute 
kommt.  In  der  Nähe  der  ..Allen  Zelle“  im  Zellwald  fand  der  Vortragende  noch 
8(  herben  von  «iiät.slnvi8chem  Typus. 

Hier  mögen  um  Ufer  des  l’ictschbaches  die  slavischen  Bewohner  bis  ins  zwölfte 
■lahrhundert  gewohnt  haben.  Darauf  deutet  die  älteste  Klosteranlage  hin,  welche  zwischen 
IUI  und  lUö  sich  hier  befand.  Diesen  ersten  Versuch,  den  Wald  zu  lichten  und  das 
Land  anzubauen  und  vor  Allem  die  heidnischen  Bewohner  zu  bekehren,  machten  die 
schwarzen  .Mönche  (also  Brüder  vom  Benedictinerorden).  Tammo  von  Strehla,  der  das 
Stück  Wald  vom  Bisthum  Meissen  zu  Lehen  hatte,  gab  es  unter  Einwilligung  des 
Bischofs  Meginward  an  die  schwarzen  Mönche  ab.  Das  hier  erbaute  Kloster  war  der 
heiligen  Walpurgis  gewidmet,  wurde  aber  wegen  der  Rauhigkeit  der  Gegend  von  den 
Mönchen  bahl  wieder  verlassen. 

Da«  11Ö2  gegründete  Cistercienserkloster  .Vltzella  wurde  an  anderer  Stelle,  näm- 
lich an  der  Mündung  des  Piet.se bbacdies  in  die  Mulde  errichtet,  also  da,  wo  wir  heute 
die  Klosterrnineu  bemerken.  Die  schwarzen  .Mönche,  also  jene  ersten  .Ansiedler 


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hatten  sich  die  Bekehrung  der  Wenden  zur  besonderen  Aufgabe  gemacht. 
Sie  mögen  also  wohl  durch  die  Anwesenheit  der  Slaven  am  Pietschbache  zu  jener 
Niederlassung  im  Zellwald  veranlasst  worden  sein.  — Möpe  es  der  vergleichenden  For- 
schung gelingen,  das  Dunkel,  welches  über  der  Urgescbicbte  dieser  tiegend  liegt,  zu 
durchdringen. 

Zum  Schluss  wird  ein  schönes  Räuchergefäss  aus  dem  Urncnfeld 
von  Stetzsch  aus  der  Sammlung  des  Lehrers  0.  Ebcrt  vorgelegt. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 

TIerte  Sit^nng  am  10.  November  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  F. 
Fo erster.  — Anwesend  50  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  R.  Möhlau  hält  einen  Vortrag  über  neue  .Auwendungs- 
formen der  Cellulose  und  erläutert  seine  Ausfuhningen  durch  Versuche 
und  zahlreiche  Vorlagen. 

Die  neuere  Richtung  der  Textilindustrie  erhalt  ihr  Oeprüge  wesentlich  dadurch, 
dass  sie  die  Cellulosefaser  chemisch  umzuwandeln  sucht  Sie  fiisst  damit  in  erster  Linie 
auf  der  Entdeckung  .lohn  Mercer's,  welcher  zeigte,  da.ss  die  Cellulosefaser  durch  Be- 
handeln mit  Natronlauge  tiefgreifende  Veränderungen  erfährt.  Die  Faser  wird  stärker 
und  kürzer,  ihre  Wand  verdickt  sich,  während  das  Lumen  auf  ein  feines  Capillarrohr 
zusammensehrumpft ; zugleich  ist  aber  auch  ihre  Affinität  gegenüber  Farbstoffen  grösser 
geworden. 

Praktische  Bedeutung  erhielten  die  Mercer'schen  Versuche  zunächst  durch  Deponilly, 
welcher  die  Schrumpfung  der  Baumwollenfaser  bei  Einwirkung  von  Natronlauge  benutzte, 
um  einen  Kreppeflect  der  Gewebe  zu  erreichen.  Es  gelang  ihm.  diesen  Efl'ect  auch  auf 
reinem  Baumwollengewebe  durch  streifenweises  Bedrucken  mit  Natronlauge  zu  erzielen 
unter  Anwendung  einer  entsprechend  anfgetragenen  Reserve  aus  Leinöl  und  Gummi 
arabicum. 

Thomas  und  Prevost  ferner  vermochten  der  Baumwolle  einen  seidenartigen 
Glanz  zu  ertheilcn,  indem  sie  durch  Au.srecken  während  des  Merceri.sireii.s  die  Schrnmpf- 
nng  der  Faser  verhinderten  und  darauf  in  ansgerecktem  Zustande  auswuschen.  Nur 
gewisse  Baumwollsorten  erwiesen  sich  für  diesen  Zweck  geeignet,  namentlich  die  ägyp- 
tische Banmwolle.  Die  nähere  Untersncimng  zeigt,  dass  die  betreffenden  Sorten  eine 
leicht  veränderliche  Cuticula  he.sitzen,  welche  bei  dem  Spannungsprocess  jedenfalls  sich 
mechanisch  loslöst. 

Als  ein  weiteres  Product  der  chemischen  Umwandlung  von  Cellulose  tritt  sodann 
die  Viscose  auf,  ein  lösliches  Cellulosexanthogenat,  welches  sich  heim  Behandeln  der 
Faser  mit  Natronlauge  und  Schwefelkohlenstoff  ergieht.  Dieses  Präparat  lässt  sich 
leicht  beliebig  formen  und  ermöglicht  auch  die  einfache  Herstellung  sogenannter  Opalin- 
artikel, da  sich  auf  Geweben,  welche  mit  Viscose  hedrnekt  wurden,  schon  dnrcli  die 
Trockenwärme  regenerirte  Cellulose  unabwas<-hbar  aus.scheidet. 

Die  von  de  Chardonnet  aus  Collodium  erhaltene  sogeuauute  künstliche  Seide  besitzt 
leider  wenig  Zugfestigkeit,  besonders  im  feuchten  Zustande. 

Als  neuestes  Cellulosepräparat  erscheint  das  Pegamoid,  ein  aus  Nitrocellnlose 
gewonnener  Lederersatz,  sehr  widerstandsfähig  gegen  Wasser  und  Seifen,  infolge  seiner 
glatten  Oberfläche  nicht  schmntzend.  Durch  dünnes  Aufträgen  des  Pegamoids  auf  Ge- 
webe erhält  man  Stoffe  mit  seidenartigem  Glanz,  durch  Aufträgen  einer  dickeren  Schicht 
wachstuchartige  Stoffe. 

Prof.  Dr.  R.  Heger  macht  Mittheilungen  über  zwei  optische  Re- 
obachtungen  in  den  Alpen. 

An  dem  durch  besonders  klares  Wasser  ausgezeichneten  Karersee  erschien  — von 
einem  Boote  ans  gesehen  — iu  sehr  auffälliger  Weise  das  Brechnngsbild  wagerechter 
Stellen  des  Bodens  in  Gestalt  einer  unter  dem  Boote  vertieften  Schüssel  mit  breitem, 
flachem,  dem  Spiegel  rasch  sich  näherndem  Rande.  Die  heim  Durchgang  durch  eine 


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ebene  Grenzfläche  zweier  Mittel  gebrochenen  Strahlen  eines  Punktes  A sind  bekanntlich 
nach  der  Brechung  nicht  mehr  Strahlen  eines  Punktes,  selbst  niebt,  wenn  man  sieh  auf 
Betrachtung  eines  sehr  dünnen  Kegels  beschränkt  (des  in  die  Pupille  gelangenden  Lichtes); 
das  dünne  StrablenbUschel,  das  in  einer  Ebene  enthalten  ist,  die  zur  brechenden  Ebene 
senkreiht  steht,  ergiebt  einen  wesentlich  anderen  Bildpunkt,  als  die  Mantellinien  des 
Umdrehungskegels,  der  den  mittleren  dieser  -Strahlen  als  Mantellinie,  A zur  Spitze  und 
auf  der  brechenden  hibene  einen  Parallelkreis  hat.  Nach  den  Beobachtungen  scheint  das 
Auge  den  erstgenannten  Bildpunkt  zu  bevorzugen. 

Die  andere  Beobachtung  betrifft  das  Auftreten  schöner  Beugungserscheinungen 
beim  Durchgänge  des  Sonnenlichtes  durch  Nadelbäuine,  besonders  beim  Anf-  und  Unter- 
gang der  Sonne.  Erheblich  über  der  Geraden  Sonne-Beobachter  stehende  Bäume  erscheinen 
in  glänzender  (iluth,  anfangs  orangegelb,  mit  bräunlicher  Tönung  der  dichteren  Theile, 
näher  der  Sonne  weissglühend. 

Prof.  Dr.  F.  Pockels  macht  auf  iihiiliclie,  aus  der  Litteratur  bekannte 
Beobachtungen  aufmerksam;  auch  in  unseren  Gegenden  ist  Gelegenheit, 
diese  auffällig  schöne  Erscheinung  wahrzunehmen,  nur  tritt  sie  infolge 
der  geringeren  Reinheit  und  Klarheit  der  Luft  viel  seltener  und  wohl 
kaum  je  so  schön  auf  wie  im  Hochgebirge. 

Pro/.  Ür.  F.  Foerster  berichtet  über  die  Fiinwirkung  von  Chlor 
auf  Alkalien,  insbesondere  über  den  Process  der  Chloratbildung  und 
über  die  Deutung  der  Vorgänge  bei  der  elektrolytischen  Gewinnung  von 
Kaliumchlorat. 


VI.  Section  für  Mathematik. 


Tiei’te  Sitzung  am  13.  October  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K. 
Rohn.  — Anwesend  13  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  K.  Rohn  spricht  über  einige  Eigenschaften  der  Curven 
dritter  und  vierter  Ordnung,  abgeleitet  aus  den  Schnittpunkt- 
systemsätzen. 

In  dem  Vorfrage  werden  zunächst  in  bekannter  Weise  die  Sebnittpunktesystem- 
sätze  für  ebene  Cnrven  abgeleitet,  um  dann  an  einzelnen  Beispielen  zu  zeigen,  wie 
iiiaunigfach  die  Anwendung  derselben  sich  gestalten  kann.  8o  folgt  der  Pa.scal’sche 
Satz  filr  einen  Kegelschnitt  oder  ein  Geradenpaar  daraus.  Ebenso  ergiebt  sich  der 
Satz:  Schreibt  mau  einem  Kegelschnitt  ein  Achteck  ein,  so  schneiden  die  ungeraden 
Seiten  die  geraden  in  acht  Punkten  eines  neuen  Kegelschnitts;  beide  .tchtecke  besitzen 
also  die  nämlichen  ungeraden  und  die  nämlichen  geraden  Seiten.  Noch  verschiedene 
andere  Sätze  über  Kegelschnitte  können  au.s  jenen  Sätzen  abgeleitet  werden. 

Für  die  Curven  dritter  Ordnung  ergehen  sich  mit  ihrer  Hilfe  folgende  Jtesultate. 
Alle  Kegelschnitte  durch  vier  feste  Punkte  einer  Curve  dritter  Ordnung  schneiden  diese 
in  Punktepaaren,  deren  Ve.rbindung.«linien  durch  den  nämlichen  Punkt  auf  ihr,  den  Rest- 
punkt, gehen.  Die  drei  reellen  Wendepunkte  einer  solchen  Cnrve  liegen  auf  einer  Ge- 
mden.  Aus  jedem  Punkt  der  Curve  kann  man  vier  Tangenten  an  dieselbe  legen;  ihre 
Berühning.spunkte  liegen  auf  einem  Kegelschnitt,  der  die  t'nrve  in  jenem  Punkt  berührt- 
Die  Verbinunngslinien  dieser  vier  Berühruiig.spnnkte  schneiden  sich  paarweise  auf  der 
Curve  dritter  Grdming.  Im  S^ecicllen  liegen  die  BerOhruugspunkte  der  drei  Tangenten 
ans  einem  Wendepunkte  auf  einer  Geraden. 

Für  die  Curven  vierter  Ordnung  führen  die  Si  hnittpnnktssysterasätzc  zu  den 
Systemen  von  viermal  berührenden  Kegelschnitten  und  den  Do|ipeltangenten.  Jedem 
System  gehören  sechs  Doppeltangeutenpaare  an,  die  BerUlmmg.spunkte  je  zweier  Paare 
liegen  anf  einem  Kegelschnitt  u,  s.  w. 


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Fünfte  Sitzung  am  8.  December  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K. 
Rolui.  — Anwesend  11  Mitglieder. 

Dr.  H.  Gravelius  spricht  über  einen  Grundgedanken  der  Gyldeu- 
schen  Störu ngstheorie. 

In  einer  kurzen  historischen  Einleitung  werden  die  älteren  Methoden  ziu  Ermitte- 
lung der  ab.soluten  Störungen  der  Planeten  nach  ihren  gnindlegenden  Principien  skizzirt. 
Es  wird  gezeigt,  dals  — ganz  abgesehen  von  der  keineswegs  immer  hinreichend  ver- 
sicherten Convergeuz  dieser  Methoden  — der  Urund  dafür,  dass  diese  Methoden  für 
eine  Darstellung  der  Störungen  auf  50  bis  100  .lahre  hinaus  nicht  ausreichen,  in  dem 
Festhalten  der  Kepler'schen  Bahn  auch  für  die  gestörte  Bewegung  zu  .suchen  ist.  In- 
dem der  Vortragende  eine  Darlegung  der  tiyldön'schen  Integrationamethoden  und  Con- 
vergenzbeweise  für  später  sich  vorbehält,  entwickelt  er,  vom  Begriff  der  periplegmati- 
scheu  Curve  ausgehend,  die  üleichnng  der  absoluten  Bahn  Gylden'a. 

Prof.  Dr.  K.  Ilohu  zeigt  mit  Hilfe  eines  Satzes  von  den  perspectiven 
Figuren  eine  einfache  Methode,  den  Krüniniungskreis  an  einem 
der  fünf  gegebenen  Punkte  eines  Kegelschnitts  zu  con- 
struiren.  Die  Coiistructiou  erfordert  nur  das  Zeichnen  von  Parallelen 
und  Normalen. 


VII.  Hauptversammlungen. 

Achte  Sitzung  und  Exenrsion  am  29.  September  1898. 

Am  Nachmittag  dieses  Tages  besichtigten  20  Mitglieder  die  Hof- 
kunstmUhle  und  Oelfabrik  von  T.  Dienert  in  Plauen  b.  Dr.,  deren 
Einrichtungen  ihnen  in  der  zuvorkommendsten  Weise  durch  Ingenieur 
F.  Pleissnor  erläutert  wurden. 

Hieran  schloss  sich  eine  Hauptversammlung  im  Dathskeller- 
llestiiurant  zu  Plauen,  in  welcher  unter  Vorsitz  von  Prof.  H.  Engel- 
hardt geschäftliche  Angelegenheiten  erledigt  werden  und 

Dr.  J.  Deichmüllcr  die  von  ihm  auf  Veranlassung  des  K.  Ministeriums 
des  Innern  entworfene  „Belehrung  und  Anweisung  über  die  den  urgeschicht- 
lichen  Alterthümern  zu  widmende  Beachtung  und  Fürsorge“,  Dresden  1898, 
vorlegt. 

Neunte  Sitzung  am  27.  October  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  64  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  med.  A.  Schlossmann  hält  einen  Vortrag  über  seine  Reise  nach 
Spanien  und  erläutert  denselben  durch  eine  grosse  Anzahl  von  Photo- 
graphien und  Projectionsbildeni. 


Zehnte  Sitzung  am  24.  November  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  61  Mitglieder  und  Gäste. 

Zunächst  werden  die  Beamten  der  Gesell.schaft  für  das  .lahr  1899 
gewählt.  (Vergl.  die  Uebersicht  auf  Seite  28.) 

Hierauf  wird  beschlossen.  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  G.  Zeuner  zu  seinem 
70.  Geburtstage  die  Glückwünsche  der  Gesellschaft  durch  den  Vorstand  iti 


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Gemeinschaft  mit  dem  ersten  Secretär  und  dem  Bibliothekar  überbringen 
zu  lassen. 

Geh.  Ilofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  nun  über  Universität  und 
Technische  Hochschule. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  lebhafte  Debatte. 


Elfte  Sitzung  am  22.  Deeember  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  54  Mitglieder  und  G.äste. 

Der  Vorsitzende  giebt  eine  Uebcrsicht  über  den  gegenwärtigen  Mit- 
gliederbestand der  (iesellschaft,  nach  welcher  die  Zahl  der  wirklichen 
.Slitglieder  gegen  das  Vorjahr  um  19  gewachsen  (z.  Z.  230),  die  der  Ehren- 
mitglieder um  0 (28)  und  die  der  correspondireuden  Mitglieder  um  3 (132) 
zurückgegangen  ist. 

Geh.  Medicinalrath  Prof.  Dr.  Fr.  Renk  hält  einen  Vortrag  über  das 
hygienische  Institut  der  K.  Technischen  Hochschule  und  die  K. 
Centralstelle  für  öffentliche  Gesundheitspflege. 

Per  Vortragende  giebt  einen  kurzen  Ueberblick  über  Geschichte,  Entwickelung 
und  Zweck  beider  jetzt  in  einem  Kaunie  vereinten  und  unter  einer  Direetion  stehenden 
Institute  und  erlUutert  au  einem  au.sgeatellten  Plaue  die  Vertheilung  der  einzelnen  Ab- 
theilungen in  den  beiden  Gescho3.sen  des  Hauses  und  deren  Bestimmung.  Ein  unter 
Führung  des  Vortragenden  unternommener  Kundgang  durch  die  verschiedenen  Raume 
giebt  den  Anwesenden  Gelegeuheit,  Einblick  in  die  Thätigkeit  beider  Institute  zu  nehmen. 


Teränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  7.  August  1898  starb  James  Hall,  Professor  und  Director  des 
New-York  State  Museum  in  Albany,  einer  der  bedeutendsten  amerikani- 
schen Paläontologen,  Ehrenmitglied  der  Isis  seit  1873. 

.\m  25.  September  1898  verstarb  in  St.  Germain-en-Laye  im  Alter 
von  77  Jahren  Gabriel  de  Mortillct,  Professor  und  Subdirector  der 
fäule  d'anthropologie  de  Paris,  correspondirendes  Mitglied  seit  1867. 

Am  15.  October  1898  verschied  in  Dresden  Dr.  Ewald  AlbertGeissler, 
Professor  an  der  K.  Thierärztlichen  Hochschule  und  Apothekenrevisor,  wirk- 
liches Mitglied  seit  1877. 

Am  14.  November  1898  starb  in  Charlottenburg  Oberberghauptmann 
und  Ministerialdirector  a.  D.  Dr.  Albert  Ludwig  Serie,  Ehrenmitglied 
seit  1870. 

Am  8.  Deeember  1898  starb  Maler  Karl  Friedrich  Seidel  in  Wein- 
böhla, wirkliches  Mitglied  seit  1860.  Der  Verewigte  gehörte  in  den  Jahren 
1867 — 68,  1875  — 76  und  1878  — 81  dem  Vorstande  der  Section  für  Botanik 
als  erster  oder  zweiter  Vorsitzender  an  und  hat  verschiedene  botanische 
Beobachtungen  in  unseren  Sitzungsberichten  veröflentlicht,  die  letzte  noch 
im  Jahre  1888  über  Peucedatmm  aeifopodioides. 

Am  10.  Deeember  1898  starb  in  Tharandt  Alfred  Bartel,  Assistent 
am  chemischen  Laboratoriuin  der  K.  Forstakademie,  wirkliches  Mitglied 
seit  1897. 


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27 


Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Baensch,  Wilh.,  Buchdruckerei  und  Vcrlagshandlung  in  Dresden,  am 
24.  November  1898; 

Berger,  Karl,  Dr.  med.  in  Dresden,  am  22.  Decemher  1898; 

Bidlingmaior,  Friedr.,  Assistent  am  physikalischen  Laboratorium  der 
K.  Technischen  Hochschule  in  Dresden,  am  24.  November  1898; 

Dickhoff,  Alphons,  Privatus  in  Blasewitz,  am  27.  October  1898; 

Lehmann,  Georg,  K.  Hofbuchhändler  in  Dresden,  am  29.  September  1898; 

Müller,  Felix,  Prof.  Dr.,  in  Oberloschwitz,  am  24.  November  1898; 

Naumann,  Ernst,  Dr.  phil.,  Assistent  am  mineral.-geologischen  Institut  der 
K.  Technischen  flochschule  in  Dresden,  am  29.  September  1898; 

Osborne,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Radebeul,  am  24.  November  1898; 

Range,  Ernst  Albert,  K.  Strassen- und  Wasserbauinspector 
in  Dresden, 

Richter,  Wilh.,  Dr.  med.  in  Dresden, 

Schmidt,  Hermann,  Lehrer  in  Dresden,  am  24.  November  1898; 

Sommer,  Karl,  Gymnasiallehrer,  a.  D.  in  Meissen,  am  22.  Deceraber  1898; 

Thoss,  Friedr.  Aug.,  Seminaroberlchrer  in  Plauen  bei  Dr.,  am  29.  Sep- 
tember 1898. 

In  die  correspondirenden  Mitglieder  ist  übergetreten: 

von  Baensch,  William,  K.  Hofverlagshuchhäudler,  in  Stralsund. 


am  27.  October 
1898. 


Freiwillige  Beiträge  zur  GeseUschaftskasse 

zahlten:  Dr.  Amthor,  Hannover,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Bachmann,  Plauen 
i.  V.,  3 Mk.;  K.  Bihliothek,  Berlin,  3 Mk.;  naturwissensch.  Modelleur 
Blaschka,  Hosterwitz,  3 Mk.  5 I’f.;  Privatus  Eisei,  Gera,  3 Mk.;  Berg- 
meister Hartung,  Lobenstein,  5 .Mk.;  Prof.  Dr.  Hibsch,  läebwerd,  3 Mk. 
1 Pf.;  Bürgerschullehrer  Hofmann,  Grossenhain,  3 Mk.;  Apotheker  Dr. 
Imnge,  Werningshausen,  6Mk.  10  Pf.;  Oberlehrer  Dr.  Lohrmann,  Anna- 
berg,  3 Mk.;  Stabsarzt  Dr.  Naumann,  Gera,  3 Mk.;  Oberlehrer  Nau- 
mann, Bautzen,  6 Mk.;  Betriebsingenieur  Prasse,  Leipzig,  3 Mk.;  Dr. 
Reiche,  Santiago,  Chile,  3 Mk.;  Director  Dr.  Reidemeister,  Schöne- 
beck, 3 Mk.;  Prof.  Dr.  Schneider,  Blasewitz,  10  Mk.;  Oberlehrer  Seidel  I, 
Zschopau,  3 Mk.  10  Pf.;  Rittergutspachter  Sieber,  Grossgrabe,  3 Mk.  15  Pf.; 
I'abrikbesitzer  Siemens,  Dresden,  100  Mk.;  Chemiker  Dr.  Stauss,  Ham- 
burg, 3 Mk  ; Oberlehrer  Dr.  Sterzei,  Chemnitz,  3 Mk.;  Privatdocent  Dr. 
Steuer,  .Jena,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Vater,  Tharandt.  3 Mk.  5 Pf.;  Baurath 
Wiechel,  Chemnitz,  3 Mk.  15  Pf.;  Oberlehrer  Wolff,  Pirna,  3 Mk.;  Prof. 
Dr.  Wünsche,  Zwickau,  3 Mk.  — ln  Summa  190  Mk.  61  Pf. 

H.  Warn  atz. 


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28 


Beamte  der  Isis  im  Jahre  1899. 

Torstand. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E,  Kalkowsky. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  II.  Engelhardt. 

Kassirer:  Hofhuchhändler  G.  Lehmann. 

Directorium. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  II.  Engelhardt. 

Als  Sectionsvorstände: 

Privatdocent  Dr.  W.  Hergt, 

Dr.  J.  Deichinü Iler, 

Prof.  Dr.  ü.  Drude, 

Prof.  Dr.  F.  Förster, 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche, 

Prof.  Dr.  K.  Rohn. 

Erster  Secretär:  Dr.  J.  Deichraüller. 

Zweiter  Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

T erwaltungsrath. 

Vorsitzender:  Prof.  II.  Engelhardt. 

Mitglieder:  1.  Fabrikbesitzer  L.  Guthmann, 

2.  Privatus  W.  Putscher, 

3.  Fabrikant  E.  Kühnscherf, 

4.  Dr.  Fr.  Raspe, 

B.  Prof.  H.  Fischer, 

6.  Fabrikbesitzer  Fr.  Siemens. 

Kassirer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Bibliothekar:  Privatus  K.  Schiller. 

Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Meetionsbeamte. 

I.  Section  für  Zoologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  H.  Nitsche. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz. 

Protokollant:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 

n.  Section  für  Botanik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  0.  Drude. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  K.  Wobst. 

Protokollant:  Garteninspector  F.  Le  dien. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 


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29 


TTT.  Seotion  für  Uineralogie  und  Geologie. 

Vorstand:  Privatdocent  Dr.  W.  Bergt 
Stellvertreter:  Oberlehrer  Ür.  R.  Nessig. 

Protokollant:  Dr.  H.  Prancke. 

Stellvertreter:  Dr.  E.  Naumann. 

IV.  Seotion  für  Physik  und  Chemie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  F.  Förster. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  F.  Pockels. 

Protokollant:  Oberlehrer  Dr.  G.  Schulze. 

Stellvertreter:  Dr.  R.  Engelhardt. 

V.  Seotion  für  prähistorisohe  Forsohungen. 

Vorstand:  Dr.  J.  Deichmüller. 

Stellvertreter:  Lehrer  H.  Döring. 

Protokollant:  Lehrer  0.  Ebert. 

Stellvertreter:  Lehrer  A.  Jentsch. 

VI.  Seotion  für  Mathematik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  K.  Rohn. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  A.  Witting. 

Protokollant:  Oberlehrer  Dr.  J.  von  Vieth. 

Stellvertreter:  Privatdocent  Dr.  E.  N ätsch. 


Redactions  - Comitd. 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Directoriums  mit  Ausnahme  des 
zweiten  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Secretärs. 


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Bericht  des  Bibliothekars. 


Im  Jahre  1898  wurde  die  Bibliothek  der  „Isis“  durch  folgende  Zeit- 
schriften und  Bücher  vermehrt: 

A.  Durch  Tansch. 

I.  E !•  o p a. 

1.  DentBohland. 

Altenburg:  Naturforschende  Gesellschaft  des  üsterlandes. 

Annaberg -Buchholz:  Verein  für  Naturkunde. 

Augsburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schwaben  und  Neuburg. 
Bamberg:  Naturforechende  Gesellschaft. 

Bautzen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“.  — Sitzungsber.  und 
Abhandl.,  1896-97.  [Aa  327.] 

Berlin:  Botanischer  Verein  der  Provinz  Brandenburg.  — Verhaudl.,  Jahrg.39. 
[Ca  6.] 

Berlin:  Deutsche  geologische  Gesellschaft.  — Zeitschr.,  Bd.  49,  Heft  3 
und  4;  Bd.  50,  Heft  1 und  2.  [Da  17.] 

Berlin:  Gesellschaft  für  Anthropologie,  Ethnologie  und  Urgeschichte.  — 
Verhandl.,  October  1897  bis  Mai  1898.  [G  55.] 

Bonn:  Naturhistorischer  Verein  der  preussiscnen  Rneinlande,  Westfalens 
und  des  Reg.-Bez.  Osnabrück.  — Verhandl.,  54.  Jabrg.,  2.  Hälfte. 
[Aa  93.] 

Bonn:  Niederrheinische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Sitzungs- 
ber., 1897,  2.  Hälfte.  [Aa  322.] 

Braunschueig:  Verein  für  Naturwissenschaft. 

Bremen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  Bd.  XIV,  Heft  3; 
Bd.  XV,  Heft  2.  [Aa  2.] 

Breslau:  Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  — 75.  Jahresber., 
1897,  mit  Ergänzungsheft  bibliograph.  Inlialts.  [Aa  46.] 

Chemnitz:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Chemnitz:  K.  Sächsisches  meteorologisches  Institut.  — Ahhandl.,  Heft  3. 
[Ec  57b.]  — Klima  des  Königreichs  Sachsen,  Heft  5.  [Ec  79.]  — 
Jahrbuch,  Xlll.  Jahrg.,  3.  Abth.;  XIV.  Jahrg.,  l.u.  2.  Ahth.  [Ec  57.) 
Danzig:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Darmstadt:  Verein  für  Erdkunde  und  mittelrheinischer  geologischer 

Verein.  — Notizhh,  4.  Folge,  18.  Heft.  [Fa  8.J 
Donaueschingen:  Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte  der  Baar  und 
der  angrenzenden  Landestheile. 

Dresden:  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Jahresber.,  1897 — 98. 
[Aa  47.] 


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31 


Dresden'.  Gesellschaft  für  Botanik  und  Gartenbau  „Flora“.  — Sitzungsber. 

und  Abhandl.,  n.  F.,  Jhrg.  1 — 2,  mit  Bücherverzeichniss.  [Ca  26.] 
Dresden:  K.  Mineralogisch -geologisches  und  praehistorisches  Museum.  — 
Mittheil.,  Heft  XIV.  [Db  51.] 

Dresden:  K.  Zoologisches  und  Anthrop.-ethnogr.  Museum.  — Catalog  der 
Handbibliothek.  [Je  117.] 

Dresden:  K.  Oeifentliche  Bibliothek. 

Dresden:  Verein  für  Erdkunde.  — Jahresberichte,  Jahr.  XXVI.  [Fa  6.] 
Dresden:  K.  Sächsischer  Altertumsverein.  — Neues  Archiv  für  Sachs. 
Geschichte  und  Altertumskunde,  Bd.  XIX.  [G  75.]  — Die  Samm- 
lung des  K.  Sachs.  Alterturasvereins  in  ihren  Hauptwerken.  Lief.  1, 
Bl.  I-X.  [G  75b.] 

Dresden:  Oekonoraische  Gesellschaft  im  Königreich  Sachsen.  — Mittheil. 
1892—93,  1897-98.  |Ha  9.1 

Dresden:  K.  Thierärztliche  Hochschule.  — Bericht  über  das  Veterinärwesen 
in  Sachsen,  33.,  37.,  40.  und  42.  Jahrg.  [Ha  26.1 
Dresden:  K.  Sächsische  Technische  Hochschule.  — Bericht  über  die  K.  Sächs. 
Techn.  Hochschule  a.  d.  Jahr  1897 — 98.  [Je  63.]  — Pcrsonalverz.  Nr. 
X— XVIII.  [Je  63b.l 

Dürkheim:  Naturwissenschaftlicher  Verein  der  Ilheinpfalz  „Pollichia“. 
Düsseldorf:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Elberfeld:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Emden:  Naturforschende  Gesellschaft.  — 82.  Jahresbericht,  1896 — 97. 
[Aa  48.] 

Emden:  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer. 
Erfurt:  K.  Akademie  gemeinnütziger  Wissenschaften.  — Jahrbücher, 
Heft  XXIV.  [Aa  263.] 

Erlangen:  Physikalisch-medicinischeSocietät.  — Sitzungsber.,  29.  Heft,  1897. 
[Aa  212.J 

Frankfurt  a.  M.:  Senckenbergische  naturforschende  Gesellschaft. — Bericht 
für  1898.  [Aa  9 a.] 

Frankfurt  a.  M.:  Physikalischer  Verein.  — Jahresber.  für  1896 — 97. 

[Eb  35.] 

Frankfurt  a.  0.:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Regierungsbezirks 
Frankfurt.  — „Helios“,  15.  Bd.  — Societatum  litterae,  Jahrg.  XI, 
Nr.  7 — 12;  Jahrg.  XII,  Nr.  1—4.  [Aa  282.] 

Freiberg:  K.  Sächs.  Bergakademie.  — Programm  für  das  133.  Lehrjahr 
1898-99.  [Aa  323.] 

Freibur^  i.  B.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Oera:  Gesellschaft  von  Freunden  der  Naturwissenschaften. 

Giessen:  Oberhessische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde. 

Görlitz:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Abhandl.,  22.  Bd.  [Aa  3.] 
Görlitz:  Oberlausitzische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Neues  Lau- 
sitzisches  Magazin,  Bd.  73,  2.  Heft;  Bd.  74.  [Aa  64.] 

Görlitz:  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Oberlausitz. 
Greifswald:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Neu -Vorpommern  und 
Rügen.  — Mittheil.,  29.  Jahrg.,  1897.  [Aa  68.1 
Greifswald:  Geographische  Gesellschaft.  — Jahresber.  Nr.  VI,  II.  Theil, 
1896-98.  [Fa  20.] 

Guben:  Niederlausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte.  — ■ 
Mittheil.,  V.  Bd.,  Heft  1 — 7.  [G  102.] 


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32 


Güstrow : Verein  der  Freunde  der  Naturgeschicbte  in  Mecklenburg. 

Halle  a.  S.:  Naturforschende  (iesellschaft. 

Halle  a.  S.:  Kais.  Leopoldino-Curolinische  deutsche  Akademie.  — Leopoldina, 
Heft  XXXIIl,  Nr.  12;  Heft  XXXIV,  Nr.  1-11.  [Aa  62.] 

Halle  a.  S.'  Verein  für  Erdkunde.  — Mitteil.,  Jahrg.  1898.  ^Fa  IG.] 
Hamburg-  Naturhistorisches  Museum.  — Jahrbücher,  Jahrg.  XIV',  mit  Bei- 
heft 1—5.  [Aa  276.] 

Hamburg:  Naturwissenschaftlicher  V'ereiu.  — Verhandl.,  IV.  Folge,  5.  Heft. 
1897.  [Aa  293  b.] 

Hamburg:  Verein  für  naturwissenschaftliche  Ünterhaltung. 

Hanau:  W'etterauische  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde. 
Hannover:  Natuihistorische  Geselkschaft.  — Jahresber.,  44. — 47.  Bd. 

[Festschrift.]  [Aa  52.] 

Hannover:  Geographische  Gesellschaft. 

Heidelberg:  Naturhistorisch -medicinischer  Verein. 

Hof:  Nordoberfränkischer  Verein  für  Natur-,  Geschichts-  und  Landes- 
kunde. 

Karlsruhe:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Kassel:  Verein  für  Naturkunde.  — Abliandl.  und  Berichte,  Nr.  42  u.  43. 
[Aa  242.] 

Kassel:  Verein  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde.  — Zeitschr., 
22. — 23.  Bd.  u.  12.  SuppL;  Mittheil.,  Jahrg.  1896—97.  [Fa  21.] 

Kiel:  Naturwissenschaftliclier  Verein  für  Schleswig-Holstein. 

Köln:  Kedaction  der  Gaea.  — Natur  und  Leben,  Jahrg,  34.  [Aa  41.1 
Königsberg  i.  P>-.:  Physikalisch -ökonomische  Gesellschaft.  — Schriiteu, 
38.  Jahrg.,  1897.  [Aa  81.] 

Königsberg  i.  Fr.:  Altertums-Gesellschaft  Prussia.  — Sitzungsber.  Nr.  46, 
1890.  [G  114.] 

Krefeld:  V'erein  für  Naturkunde.  — Jahresber.  II  und  III,  1895—98. 

lAa  329.] 

Landshut:  Botanischer  Verein.  — Bericht  15.  [Ca  14.] 

Lcip^ig:  Natnrforschende  Gesellschaft. 

Leipzig:  K.  Sächsische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Berichte  über 
die  Verhandl.,  mathem.-physikal.  Klasse,  1897,  \'— \H;  1898,  I — V. 
[Aa  296.1 

Leipzig:  K.  Sächsische  geologische  Landesuntersuchung.  — Geologische 
Specialkarte  des  Königreichs  Sachsen:  Sect.  Ostritz-Bernstadt.  Bl.  73; 
Sect.  Hinterhermsdorf- Daubitz,  Bl.  86;  Sect.  Hirschfelde-Ueichenau, 
Bl.  89;  Sect.  Zittau- Oybin -Lausche,  Bl.  107;  Sect.  Bobenneukirch- 
Gattendorf.  Bl.  150,  mit  5 Heften  Erläuterungen.  [De  146.] 

Lübeelc:  Geographische  Gesellschaft  und  naturhistorisches  Museum. 
Lüneburg:  Naturwissenschaftlicher  V'erein  für  das  Fürstentum  Lüneburg. 

— Jahresheft  XIV,  1896—98.  [Aa  210.] 

Magdeburg:  Naturwissenschaftlicher  V'erein.  — Jahresber.  und  .Ahhandl., 
Jahrg.  1896-  98.  [Aa  173.] 

Mannheim:  V'erein  für  Naturkunde. 

Marburg:  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  gesammten  Naturwissenschaften. 

— Sitzungsher.,  Jahrg.  1897.  [.\a  2(>6.] 

Meisse7i:  Naturwissenschaftliche  Gesellschalt  ,.Isis“.  — Beobacht,  d.  Isis- 
Wetterwarte  zu  .Meissen  i.  J.  1897.  [Ec  40.] 


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33 


Münster:  Westfalischer  Provinzialverein  fiir  Wissenschaft  und  Kunst.  — 
25.  Jahresber.,  Jahrg.  1896—97.  [Ca  231.] 

Neisse:  Wissenschaftliche  Gesellschaft  „Philoniathie“.  — Bericht,  25.-28., 
1888  - 96.  [.\a  28.] 

Nürnberg:  Naturhistorische  Gesellschaft.  — Jahresber.  für  1897,  nebst 
.\bhaiull.,  XI.  Bd.  [Aa  5.] 

Offenbach:  Verein  fiir  Naturkunde. 

Osnahriiclc:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — 12.Jahresber.,  1897.  [Aa  177.1 
PUssau:  Naturhistorischer  Verein.  — 17.  Bericht  fiir  1896 — 97.  [Aa  55.] 
Posen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Zeitschr.  der  hotan.  Abtheil., 
4.  Jahrg.,  Heft  3;  5.  Jahrg.,  Heft  1 — 2.  [Aa  316.] 

Regensburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Berichte,  Heft  VI,  1896 — 97. 
[Aa  295.] 

Regensburg:  K.  Bayerische  botanische  Gesellschaft. 

Reichenbach  i.  F.:  Vogtländischer  Verein  für  Naturkunde.  — Mitteil., 
Jahrg.  29.  [Aa  70.] 

Reutlingen:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Schneeberg:  Wissenschaftlicher  Verein. 

Stettin:  ümithologischer  Verein.  — Zeitschr.  für  Ornithologie  und  prakt. 
Geflügelzucht,  Jahrg.  XXII.  [Bf  57.J 

Stuttgart:  Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württemberg.  — Jahres- 
hefte, Jahrg.  54.  [Aa  60.] 

Stuttgart:  Württembergischer  Alturtumsverein.  — Württen)berg.  Viertel- 
jahrshefte für  Landesgeschichte,  n.  F.,  6.-7.  Jahrg.  [G  70.] 
Tharandt:  Iledaction  der  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  — Land- 
wirtsch.  Versuchsstationen,  Bd.  XLIX,  Heft  4 — 6;  L;  LI,  Heft  1. 
(In  der  Bibliothek  der  Versuchsstation  im  hotan.  Garten.) 

Thom:  Coppernicus -Verein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 

Trier:  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen. 

TJltn:  Verein  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften.  — Jahreshefte, 
8.  Jahrg.  [Aa  299.] 

ültn:  Verein  für  Kunst  und  Altertum  in  Ulm  und  Oberschwaben. 
Weimar:  Thüringischer  botanischer  Verein.  — Mittheil.,  n.  F.,  11.  Heft. 
[Ca  23.] 

Wernigerode:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Harzes. 

Wiesbaden:  Nassauischer  Verein  für  Naturkunde.  — Jahrbücher,  Jahrg.  51. 
[Aa  43.| 

Würzburg:  Physikalisch-inedicinische  Gesellschaft.  — Sitzungsber.,  Jahrg. 
1897.  [Aa  86.] 

Zuiclcau:  Verein  für  Naturkunde.  — Jahresber.  1897.  [Aa  179.] 

2.  Oesterreioh-Üngarn. 

Aussig:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 
ßistritz:  Gewerbeschule. 

Brünn:  Naturforschender  Verein. 

Budapest:  Ungarische  geologische  Gesellschaft.  — Földtaui  Közlöny,  XXVII. 

küt.,  11.— 12.  füz.;  XXVHI.  küt.,  1.— 9.  füz.  [Da  25.] 

Budapest:  K.  Ungarische  naturwissenschaftliche  Gesellschaft,  und;  Ungarische 
.Akademie  der  Wissenschaften.  — .Mathemat.  und  naturwissenschaftl. 
Berichte,  Bd.  13.  [Fa  37.] 


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(t)Oz:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Steiermark.  — Mittheil.,  Jahrg. 

1897.  [Aa  72.] 

Hermanrntadt  : SiebenbürgischerVerein  für  Naturwissenschaften. — Verhandl. 

und  Mittheil.,  XLYII.  Jahrg.  [Aa  94.] 

J^lo:  Ungarischer  Kai-pathen -Verein.  — Jahrbuch,  XXV.  Jahrg.  [Aa  198.] 
hmshruck:  Naturwisseuschaftlich-mediciiiischer  Verein. 

Klagenfurt-.  Naturhistorisches  Landes -Museum  von  Kärnthen.  — Festschrift 
z.  öOjähr.  Bestehen,  1898.  [Aa  42.] 

Krakau:  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1897,  Nr.  9— 10;  1898, 
Nr.  1-4  und  6-8.  [Aa  302.] 

Laibach:  Musealverein  für  Krain. 

Linz:  Verein  für  N.aturkunde  in  Oesterreich  ob  der  Enns.  — Jahres- 
ber.  19,  26  und  27.  [Aa  213.] 

Linz:  Museum  Francisco-Carolinum,  — 56.  Bericht  nebst  der  50.  Lieferung 
der  Beiträge  zur  Landeskunde  von  Oesterreich  ob  der  Enns.  [Fa  9.] 
Pi'ug:  Naturwissenschaftlicher  Verein  „Lotos“. 

Prag:  K.  Böhmische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Sitzungsher., 
mathem.-naturw.  CI.,  1897.  [Aa  269.1  — Jahresber.  für  1897.  [Aa  270.] 
Prag:  Gesellschaft  des  Museums  des  Königreichs  Böhmen.  — I’amdtky 
archaeologickc,  dilu  XVII,  ses.  4 — 8;  X\'III,  ses.  1 — 2.  [G  71.] 

P-ag:  Lese-  und  Uedehalle  der  deutschen  Studenten. 

Pag:  Ceska  Akademie  Cisafe  Frantiska  Josefa.  — Rozpravy,  Trida  II, 
Rocnik  6.  [Aa  313.]  — Bulletin  international,  classe  des  Sciences 
mathematiques  et  naturelles,  Nr.  IV.  [Aa  313h.| 

P-essburq:  Verein  für  Heil-  und  Naturkunde.  — Vernandl.,  n.  F.,  Heft  9. 
[Aa  '92.] 

Reimenberg:  Verein  der  Naturfreunde.  — Mittheil.,  Jahrg.  29.  [.\a  70. J 
Salzburg:  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde.  — Mittheilungen, 
Bd.  XXXVII  und  XXXVIIl.  [Aa  71.1 
Temcsvür:  Südungarische  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften.  — Tennes- 
zettudomanyi  Füzetek.  XXII.  köt.,  füz.  2 — 3.  [Aa  216.] 

P-encsin : Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Trencsiner  Comitates.  — 
Jahresheft,  Jahrg.  XIX — XX.  [Aa  277.] 

TViesi:  Museo  civico  di  storia  naturale. 

Triest:  Societä  Adriatica  di  scienze  naturali. 

Wien:  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  Jahrg.  1897, 
Nr.  27;  1898,  Nr.  1—12.  [Aa  11.] 

I17cw:  Verein  zur  Verbreitung  naturwissenscliaftlicher  Kenntnisse.  — 
Schriften,  Bd.  XXXVIH.  [Aa  82.] 

H7(«:  K.  K.  naturhistorisches  llofmuseum.  — Annalen,  Bd.  XII,  Nr.  2—4; 
Bd.  XIII,  Nr.  1.  [Aa  280.] 

117'e«:  Anthropologische  Gesellschaft.  — Mittheil.,  Bd.  XXVII,  Heft  6; 
Bd.  XXVIII,  Heft  1-  4.  [Bd  1.] 

117'eM:  K.  K.  geologische  Ueichsanstalt.  — Verhandl.,  1897,  Nr.  14 — 18; 

1898,  Nr.  1—12.  [Da  16.]  — Ahhandl.,  Bd.  XVII,  Heft  4.  [Da  1.] 
TI7'e?i:  K.  K.  zoologisch-botanische  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XLVH. 

[Aa  95.] 

117'e«:  Naturwissenschaftlicher  Verein  an  der  Universität. 

H7'e«:  Central -Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  — Jahr- 
bücher, Jahrg.  1894  und  1897.  [Ec  82.] 


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35 


3.  Rnmänien. 

Bukarest:  Institut  meteorologique  de  Roumanie.  — Annales,  tome  XII,  1896. 
[Ec  75.] 

4.  Schweiz. 

^arait:  Aargauische  naturforschende  Gesellschaft.  — Mitteil.,  Heft  VIII. 
[Aa  317.1 

Basel:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XII,  Heft  1.  [Aa  86.] 
Bern:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Bern:  Schweizerische  naturforschende  Gesellschaft. 

Chur:  Naturforschende  Gesellschaft  Graubiindens.  — Jahresber.,  n.  F., 
Jahrg.  XXXVI,  XL  und  XLI.  [Aa  51.] 

Frauenfeld:  Thurgauische  naturforschende  Gesellschaft.  — Mitteil.,  Heft  13. 
[Aa  261.]  _ 

Freiburg:  Societe  Fribourgeoise  des  Sciences  naturelles.  — Compte  rendu, 
1893—97.  [Aa  264.] 

St.  Gallen:  Naturforschende  Gesellschaft,  — Bericht  für  1895  — 96.  [Aa  23.] 
Lausanne:  Societe  Vaudoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  4.  ser., 
vül.  XXXIII,  no.  126;  vol.  XXXIV,  no.  127—129.  [Aa  248.] 
Xeuchatel:  Societe  des  Sciences  naturelles. 

Schaffhausen:  Schweizerische  entoniologische  Gesellschaft.  — Mittheil., 
Vol.  X,  Heft  2—4  [Bk  222.  | 

Sion:  La  Murithienne,  societe  Valaisanne  des  Sciences  naturelles.  — 
Bulletin,  fasc.  XXVI.  [Ca  13.] 

Zürich:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Vierteljahrsschr. , Jahrg.  42, 
Heft  3 — 4;  Jahrg.  43,  Heft  1—3.  [Aa  96.]  — Neujahrsblatt  für  1898. 
[Aa96b.] 

Zürich:  Schweizerische  botanische  Gesellschaft.  — Berichte,  Heft  8.  [Ca  24.] 


5.  Frankreich. 

Amiens:  Societe  Linneenne  du  nord  de  la  France.  — Memoires,  tome  IX, 
1892—98.  [Aa  252b.]  — Bulletin  inensuel,  tome  XIII,  no.  283 — 292. 
[Aa  252.] 

Bordeaux:  Societe  des  Sciences  physiques  et  naturelles.  — Memoires, 
ser.  5,  tome  I — II;  III,  cah.  1;  proces-verbaux,  annee  1896  — 97. 
[Aa  253.] 

Cherbourg:  Societe  nationale  des  Sciences  naturelles  et  mathematiques.  — 
Memoires,  tome  XXX.  [Aa  137.] 

Dijon:  Academie  des  Sciences,  arts  et  belles  lettres.  — Memoires,  ser.  4, 
tome  V.  [Aa  138.] 

Le  Mails:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe.  — Bulletin, 
tome  XXVIII,  fasc.  2 — 3.  [Aa  221.] 

Lgon:  Societe  Linneenne.  — Annales,  tome  43—44.  [Aa  132.] 

Lgon:  Societe  d’agriculture,  d’histoiro  naturelle  et  des  arts  utiles.  — 
Annales,  ser.  7,  tome  4.  [Aa  133.] 

Lyon:  Academie  nationale  des  Sciences,  helles  lettres  et  arts.  — Memoires, 
ser.  3,  tome  4.  [Aa  139.) 

Paris:  Societe  zoologique  de  France.  — Bulletin,  tome  XXII.  [Ba  24.) 

Toulouse:  Societe  Framjaise  de  botanique.  - Bulletin  mensuel,  tome  XIII, 
Nr.  147—156.  [Ca  18.] 


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6.  Belgien. 

Brüssel:  Societe  royale  malacologique  de  Belgique,  — Aiinales,  tome 
XXVIII — ,\XXI,  fase.  1.  IBi  1.]  — Proces-verbaux  des  seances.  tonie 
XXV— XXyil,  Jan.-Juli.  [Bi  4.] 

Brüssel:  Societe  entomologiquc  de  Belgique.  — Annales,  tome  41.  [Bk  13.] 
— Memoires,  tome  VI.  [Bk  13b.j 

Brüssel:  Societe  royale  de  botanique  de  Belgique.  — Bulletin,  tome  XXXVI. 
[Ca  16.] 

Oemlloux:  Station  agronomique  de  l’etat.  — Bulletin,  no.  64  — 65. 

[Hb  75.] 

Lütheh:  Societe  geologique  de  Belgique. 

7.  Holland. 

Gent:  Kniidkundig  Genootschap  „Dodonaea“. 

Gronivijen:  Naturkundig  Genootschap.  — 97.  Verslag,  1897.  (Je  80.] 
Harlan:  Mus6e  Teyler.  — Archives,  ser.  II,  vol.  V,  p.  4;  vol.  VI,  p.  1 — 2. 
[Aa  217.] 

Hartem:  Societe  Hollandaise  des  Sciences.  — Archives  Neerlandaises, 
ser.  II,  tome  I,  livr.  4—5;  tome  II,  livr.  1.  [Aa  257.] 

8.  Luxemburg. 

Luxemburg:  Societe  botanique  du  Grandduche  de  Luxembourg.  — Recueil 
des  memoires  et  des  travaux.  no.  XIII.  [Ca  11.] 

Luxemburg:  Institut  royal  grand-ducal. 

Liuemburg:  Verein  Luxemburger  Naturfreunde  .,Kauna‘-. — Mittheil.,  1897. 
[Ba  26.] 

9.  Italien. 

Brescia:  Ateneo.  — Commentari  per  l'anno  1897.  [.\a  199.] 

Catania:  Accademia  Gioenia  di  scienze  naturale.  — Atti,  ser.  IV,  vol. 

10 — 11.  — Bollettino,  fase.  L,  LH  — LIV.  [Aa  149.] 

Florenz:  R.  Instituto.  — Sect.  f.  Physik  und  Naturgescli.,  Bd.  19—21; 

Sect.  f.  Medicin,  7.  Publicat.  [Aa  229.] 

Florenz:  Societä  entomologica  Italiana.  — Bullettino,  anno  XIX.  [Ilk  193.1 
Mailand:  Societä  Italiana  di  scienze  naturali.  — Atti,  vol.  XXXVII, 
fase.  2—3.  [Aa  150.] 

Mailand:  R.  Instituto  Lombardo  di  scienze  e lettere.  — Rendiconti,  ser.  2. 

vol.  XX.X.  [.\a  161.]  — -Meinorie,  vol.  XVIII,  fase.  2-5.  [Aa  167.] 
Modena:  Societä  dei  naturalisti. 

lüdua:  Societä  N’eneto  Trentina  di  scienze  naturali.  — Bullettino,  tomo  VI, 
no.  3.  [Aa  193  b.] 

Fai-nia:  Redazione  del  Bullettino  di  paletnologia  Italiana.  — Bullettino, 
ser.  III,  anno  XXIII,  no.  7 — 12;  anno  XXIV,  no.  1 — 3.  [G  54.] 

IHsa:  Societä  Toscana  di  scienze  naturali.  — Processi  verbali.  vol.  X 
(22.  XI.  96—4.  VH.  97;;  vol.  XI  (28.  XI.  97—1.  V.  98).  [Aa  209.] 

Rom:  Accademia  dei  Lincei.  — Atti,  Rendiconti,  ser.  5,  vol.  V — VII, 
2.  sem.,  fase.  1 — 10.  [Aa  226.] 

Rom:  R.  Comitato  geologico  d’Italia. 


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37 


Turin:  Societä  meteorologica  Italiana.  — Bollettino  mensualc,  ser.  II, 
vol.  XVII,  no.  9—12;  vol.  XVffl,  no.  1=3.  [Ec  2.] 

Venedig:  R.  Instituto  Veneto  di  scieuze,  lettere  e arti. 

Verona:  Accaderaia  di  Verona.  — Memoire,  ser.  III,  vol.  LXXIII,  fase.  1 —2. 
[Ha  14.] 


IQ.  Qrossbritannien  und  Irland. 

Dublin:  Royal  geological  society  of  Irland. 

Edinburg:  Geological  Society.  — Transactions,  vol.  VII,  p.  3.  [Da  14.] 
Edinburg:  Scottish  meteorological  society.  — Journal,  3.  ser.,  no.  13 — 14. 
[Ec  3.1 

Olasgow:  Natural  history  society.  — Transactions,  vol.  V,  p.  L [Aa  244.] 
Glasgow : Geological  society. 

Manchester:  Geological  society.  — Transactions,  vol.  XXV,  p.  12—15, 
20-21.  [Da  20.1 

Neucastle-upon-Tgne:  Tyneside  naturalists  field  club,  und:  Natural  history 
society  of  Nortlmmberland,  Durham  and  N'ewcastle-upon-Tyne.  — 
Nat.  history  transactions,  vol.  XIII,  p.  2.  [Aa  126.1 


IL  Schweden,  Norwegen. 

Bergen:  Museum.  — Aarbog  for  1897.  [Aa  294.] 

Christiania:  Universität.  — Universitets- Programm  for  2.  sem.  1894. 
[Aa  251.] 

Christiania:  Foreningen  til  Norske  fortidsmindesmerkers  bevaring.  — Aavs- 
beretning  for  1896.  [G  2.]  — Kunst  og  liandverk  fra  Norges  fortid, 
2.  Reihe,  2.  Heft.  [G  71.] 

Stockholm:  Entomologiska  Föreningen.  — Entomologisk  Tidskrift,  Arg.  18. 
[Bk  12.1 

Stockholm:  K.  Vitterhets  Historie  och  Antiqvitets  Akademien.  — Antiquarisk 
Tidskrift,  Del  XVI,  4.  [G  1.35.]  — Mänadsblad,  1894.  [G  135a.] 
Tromsoe:  Museum.  — Aarsberetning  1894.  [Aa  243.1 
üpsala:  The  geological  Institution  of  the  university. . — Bulletin,  vol.  III,  p.  2 
(no.  6},  1897.  [Da  30J 


12.  Russland. 

Ekathariuenburg : Societe  Ouralienne  d’amateurs  des  Sciences  naturelles.  — 
Bulletin,  tome  XVI,  livr.  5^  tome  XVH;  tome  XIX,  livr.  L [Aa  269.] 

Helsingfors:  Societas  pro  fauna  et  flora  fennica. 

Kharkow:  Societe  des  naturalistes  ä l’universite  imperiale.  — Travaux, 
tome  XXXI  u.  XXXII.  [Aa  224.] 

Kiew:  Societe  des  naturalistes.  — Memoires,  tome  XIV,  livr.  2^  tome  XV, 
livr.  1—2.  [Aa  298.] 

Moskau:  Societe  imperiale  des  naturalistes.  — Bulletin,  annee  1897,  no.  2 — 4; 
annee  1898,  no.  L [Aa  1.34.1 

Odessa:  Societe  des  naturalistes  de  la  Nouvelle-Russie. — Memoires,  tome 
XXI,  p.  ^ tome  XXII,  p.  L [Aa  256.] 

Petersburg:  Kais,  botanischer  Garten.  — Acta  horti  Petropolitani,  toni.XIV, 
fase.  2.  [Ca  10.] 


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38 


Petersburg:  Comite  geologique.  — Bulletins,  vol.  XVI,  no.  3 — 9;  vol.  XVII, 
no.  1 — 5;  supplem.  au  tome  XVI.  [Da  23.]  — Memoires,  vol.  XVI,  no.  1. 
[Da  24.]' 

Petersburg:  Physikalisches  Centralobservatorium.  — Annalen,  Jahrg.  1896. 
[Ec  7.] 

Petersburg:  Academie  imperiale  des  Sciences.  — Bulletin,  nouv.  Serie  V, 
tome  VII,  no.  2 — 5;  tome  VIII,  no.  1 — 4.  (Aa  315.] 

Petersburg:  Kaiserl.  Russische  mineralogische  Gesellschaft.  — Verhandl., 
2.  Ser.,  Bd.  35.  pa  29.] 

Riga:  Naturforscher-Verein.  — Korrespondenzblatt,  XL — XLI.  [Aa  34.] 


II.  m e r i k £1. 

1.  Nord-Amerika. 

(Canada,  Vereinigte  Staaten,  Mexiko.) 

Albang:  New  York  state  museum  of  natural  history. 

Baltimore:  John  Hopkins  university.  — University  circulars,  vol.  XVII, 
no.  134  — 136.  [.4a  278.]  — American  journal  of  mathematics,  vol.XIX; 
XX,  no.  1—3.  [Ea  38.]  — American  Chemical  journal,  vol.  XIX,  5 — 10; 
vol.  XX,  no.  1— 7.  [Ed  60.]  — Studies  in  histor.  and  politic.  Science, 
ser.  XV,  no.  6—12;  ser.  XVI,  no.  1 — 9.  [Fb  125.]  — American  journal 
of  philology,  vol.  XVIII;  XIX,  1.  [Ja  64.] 

Derkeleg:  University  of  California.  — Departement  of  geology,  Register 
f.  1896—97.  [Da  31.]  — Agriculturial  experiment  Station,  bull.  116 — 
119;  report  of  1895—96.  [Da  31b.] 

Boston:  Society  of  natural  history.  — Proceedings,  vol.  XXVIII,  p.  1 — 12. 
[Aa  111.] 

Boston:  American  acailemy  of  arts  and. Sciences.  — Proceedings,  new  ser., 
vol.  XXXII — XXIII;  XXXIV,  1.  — Memoirs,  vol.  V,  no.  3.  [Aa  170.] 
Buffalo:  Society  of  natural  Sciences.  — Bulletin,  vol.  V,  no.  5;  vol.  VI,  no.  1. 
[Aa  185.1 

Cambridge:  Aluseum  of  comparative  zoology.  — Annual  report  for 
1896 — 1897.  — Bulletin,  vol.  XXVIII,  no.  4 — 5;  vol.  XXXI,  no.  5 — 7; 
vol.  XXXII,  no.  1 — 8.  [Ba  14.] 

Chicago:  Academy  of  Sciences. 

Chicago:  Field  Columbian  Museum.  — Publications  12  — 13,  21 — 28. 
[Aa  324.] 

Davenport:  Academy  of  natural  Sciences. 

Halifax:  Nova  Scotian  institute  of  natural  "Science.  — Proceedings  and 
transactions,  2.  ser.,  vol.  II,  p.  3.  [.Aa  304.] 

Lawrence:  Kansas  University.  — Quarterly,  seriesA:  Science  and  mathe- 
raatics.  vol.  VI,  no.  2;  vol.  VH,  no.  3.  [Aa  328.] 

Madison:  Wisconsin  Academy  of  Sciences,  arts  and  letters.  — Transactions, 
vol.  XI.  [Aa  206.] 

Mexiko:  Sociedad  cientifica  „Antonio  Alzate“.  — Memorias  y Revista, 
tomo  X,  cuad.  5 — 12;  tomo  XI,  cuad.  1—8.  [Aa  291.] 

Milwaukee:  AVisconsin  natural  history  society. 

Montreal:  .N'atural  history  society.  — The  canadian  record  of  Science, 
vol.  VH,  no.  6 — 7.  [Aa  109.] 


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NewSaven:  Connecticut  academy  of  arts  and  scicnces. 

New-Tork:  Academy  of  Sciences.  — Annals,  vol.  IX,  no.  6 — 12;  vol.  X; 

vol.  XI,  no.  1—2.  [Aa  101.]  — Transactioiis,  vol.  XVI.  [Aa  258.] 
New -York:  American  museum  of  natural  history. 

New-  York:  State  geologist. 

Phüaddphia:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  1897,  p.  II— III; 
1898,  p.  L [Aa  117.1 

Ftiiladelphia:  American  pnilosoplucal  society.  — Proceedings,  vol.  XXXV, 
no.  153;  vol.  XXXVl,  no.  155-  156;  vol.  XXXVII,  no.  157.  [Aa  283.] 
Philadelphia:  Wagner  free  Institute  of  Science.  — Transactions,  vol.  V. 
[Aa  290.] 

Philadelphia:  Zoological  society.  — Aunual  report  26.  [Ba  22.] 
Bochester:  Academy  of  Science. 

Bochester:  Geological  society  of  America. 

Salem:  Essex  Institute.  — Bulletin,  vol.  XXVI,  no.  7—12;  vol.  XXVII; 

vol.  XXVIII,  no.  1 — 6;  vol.  XXIX,  no.  1 — 6.  [Aa  163.] 

San  Francisco:  California  academy  of  Sciences.  — üccasional  papers, 
vol.  V.  [Aa  112  b.] 

St.  Louis:  Academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  VII,  no.  17—20; 
vol.  VIII,  no.  1 — 7.  [Aa  125.1 

St.  Louis:  Missouri  botanical  garden.  — 3.  annual  report,  1892.  [Ca  25. 
Topeka:  Kansas  academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  XV.  [Aa  303. 
Toronto:  Canadian  institute.  — Proceedings,  5.  ser.,  vol.  I,  p.  4—6;  Supplem. 

to  vol.  V,  p.  1.  [Aa  222.]  — Transactions,  vol.  V,  p.  2.  [Aa  222  b.] 
Tufts  College:  Studios,  no.  V.  [Aa  314.] 

Washington : Sniithsouian  institution.  — Report  of  the  U.  St  nat  museum, 
1893-95.  [Aa  120  c.] 

Washington:  United  States  geological  survey.  — XVH.  annual  report,  1895 
bis  1896,  p.  1—2.  [De  120a.]  — Bulletin,  no.  87,  127,  130,  135—148. 
(De  120b. ] — Monographs,  vol.  XXV— XXVHI  mit  Atlas.  [De  120c.] 
Wusiiingtofi:  Bureau  of  education. 

Washington:  Geograph,  and  geolog.  survey  of  the  Rocky  mountain  region. 


2.  Süd-Amerika. 

(Argentinien,  Brasilien,  Chile,  Costarica.) 

Buenos-Aires:  Museo nacional.  — Communicaciones,  tomo  I,  no.l.  [Aa  147b.] 

Buenos- Aires:  Sociedad  cientifica  Argentina.  — Anales,  tomo  XLIV, 
tomo  6—6;  tomo  XLV;  tomo  XLVI,  entr.  1 — 4;  Inhaltsveraeichniss 
d.  B.  1-40.  [Aa-  230.] 

Cordoha:  .Academia  nacional  de  ciencias.  — Boletin,  tomo  XV,  entr.  4. 
[Aa  208  b.l 

Montemdeo:  Museo  nacional.  — Anales,  fase.  I — III,  VHI — IX.  [Aa  326. 

Bio  de  Janeiro:  Museo  nacional. — Revista,vol.I(=Archivos,vol.  IX).  [Aa211. 

San  Jos6:  Institute  fisico-geografico  y del  museo  nacional  de  Costa-Rica.  — 
Informe  1897—98.  [Aa  297.] 

Sao  Paido:  Commissao  geographica  e geologica  de  S.  Paulo.  — Boletim, 
1897,  no.  10—14  lAa  305  a.] 

La  Plata:  Museum.  — Revista,  tomo  VIII.  [Aa  308.] 

Santiago  de  Chile:  Deutscher  wissenschaftlicher  Verein. 


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40 


III.  A.sien. 

Batavia-.  K.  iiatuurkundige  Vcrecniging.  — Xatuurk.  Tijdsclirift  voor 
Neilerlamlscli  Indie,  Deel  57.  — IJoekweiken,  1897,  [Aa  250.] 

Calcutta:  Cxeologiciil  survcy  of  liidia. — Ueconls,  vol.  XXX,  no.  4.  [Da  11.] 
— Menioirs,  vol.  XXV;  XXVI;  vol.  XXVII,  p.  2.  [Da  8.]  — Palaeon- 
tologica  Indica,  Ser.  XV,  vol.  1,  p.  1,  vol.  2,  p.  1;  Ser.  XVI,  vol.  1, 
p.  1-3.  [Da  9.] 

Tokio:  Deutsche  Gesellschaft  für  Natur-  und  Völkerkunde  Osta.sÜMis.  — 
Supplem.;  Khmann,  Japan.  Sprichwörter,  Th.  II — IV.  [.Aa  187.] 


IV.  Aiiüstralien. 

Melhoiirne:  Mining  departmont  of  Victoria  — Anmial  report  of  the  sccretiuw 
for  Ulines,  1897.  [Da  21.] 


13.  Durch  Geschenke. 

Aquila:  Zeitschrift  für  Ornithologie,  .lahrg.  II — IV.  [I3f  68.] 

Baden  b.  Zürich:  Kin  römischer  Militärhospital  in  Daden  bei  Zürich. 

(Gesch,  des  Herrn  Dr.  Grüudler.)  [G  143.] 

Boettijer,  ().:  Katalog  der  Ueptiliensamuilung  ini  Museum  der  Sencken- 
bergischen  naturfoi-schenden  Gesellschaft  in  Frankfurt  a.  M.  II.  Teil. 
(Schlangen).  [Bg  28b.] 

Brandcii,  TI'.;  Verzeichniss  der  in  der  Provinz  Hannover  vorkomnienden 
Uefassptlanzen.  1897.  [Cd  117.] 

Calcutta:  Pamir  boundari  Commission.  — Report  nn  the  natural  history 
resiilts.  1898.  [.Ab  86.] 

Cctitral-Comnih.'iion,  k.  k.,  für  Erforschung  und  Erhaltung  der  Kunst- 
und  historischen  Denkmale:  Normative  und  Berichte.  Wien  1895,  1897. 
[G  142.] 

Clemen,  P.:  Die  DenkmalpHege  in  der  Rheinproviiiz.  1896.  [G  141.] 
Conklin,  K.:  The  embryology  of  CT'ejüdula.  1H97.  (Bin  57.] 

Credner,  JL:  Die  sächsischen  Erdbeben  während  der  .Jahre  1889  — 97. 
Sep.  1898.  [De  137  h.] 

Dathv,  E.:  Bemerkungen  zum  schlesisch-sudetischen  Erdbeben  vom  11.  .luni 
1895.  Sep.  18!)8.  [De  196i.] 

Dauhrve,  .4.;  Sein  Leben  und  seine  Werke.  A on  Bertrand,  1896.  [.Ib  77.1 
France,  li.:  Der  Organismus  der  Craspedomonaden.  Seji.  1897.  [Bin  58.] 
Friedrich,  ().:  Die  geologischen  Verhältnisse  der  Umgebung  von  Zittau. 
Progr.  1898.  [De  109  b.] 

Oehirqsvercin  für  die  Sächsische  Schweiz:  Uelicr  Berg  und  Thal,  237 — 244. 
[Fa  19.] 

Oeinitz,  K.:  Mittheil.  a.  d.  (irossherzogl.  .Mecklenburgischen  geologischen 
Landesanstalt.  Mergellager  in  Samigobieten.  Sep.  1898.  [Dc217e.] 
Gra.s’,  O.:  Zäkladove  theoreticke  astronomie.  1897.  [Ea  45.] 

Hannover:  Provinzial-Musenm.  — Verzeichniss  der  vorhandenen  Säuge- 
thiere  und  Vögel.  [Bf  71  u.  72.] 


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41 


Hauser,  O,:  Das  Auiphitbeater  Vindoiiissa.  1898.  [G  189.] 

Kohaiit,  !{.:  Die  Libellen  ünganis.  189G.  [Bk  242.[ 

Krii,  M.:  Ueber  die  Quartärzeit  in  Mäbren.  Sep.  1898.  [De  238.] 
Kurh'inder,  J.\  Erdniagnetiscbc  Messungen  in  Ungarn  in  den  Jahren  1892 
bis  1894.  [Lc  88.] 

Laube,  G.:  Die  geologischen  Verhältnisse  des  Mineralgehietes  von  Giess- 
hübel-Sauerbrunn.  [De  140  f.] 

Leuicki,  E.:  Ueber  Centrifugalguss.  Sep.  1898.  (Hb  127.1 
Haiden,  J.:  Botanic  gardeus  and  doinains  in  Sydney.  [Cu  118.] 
Mindesmaerker  fra  oltidon.  — National  müsset,  1.  afd.  Koppenh.ogen,  1891 
bis  1896.  [G  136.] 

Ncssiij,  ir.  R.\  Geologische  Excursionen  in  der  Umgegend  von  Dresden. 
Brogr.  II.  Teil,  1897.  [De  236.] 

Osirishlatt:  Der  Lange.  1.  Jahrg.  1861,  1 — 6;  2.  Jahrg.  1862,  14;  3.  Jahrg. 
1863,  16—21,  24-25;  5.  Jahrg.  1866,  27-28.  (Gesell,  des  Herrn 
Geh.  Rath  Prof.  Dr.  Geinitz.)  [Ja  78.] 

Baleif/h:  Elisha  Mitchell  scientific  society,  — Journal,  vol.  XIV.  [Aa  300.] 
&do7iique:  Bulletin  annuaire  de  la  Station  raeteorologique  pres  du  Gymnas 
pour  Tannee  1897.  [Ec  89.] 

Sars,  G.:  An  account  of  the  Crustacea  of  Norway,  vol.  II,  p.  9 — 12.  [Bl  29b.[ 
Schneider,  O.:  Die  Tienvelt  der  Xordsee-Insel  Borkum.  Sep.  1898.  [Bk  63.' 
tkJiube,  Th.:  Die  Verbreitung  der  Gefässptlanzeii  in  Schlesien.  [Cd  116. 
Stossich,  M.:  Saggio  di  una  Fauna  elmintologica  di  Trieste  e Provincie 
contermini.  Sep.  1898.  [Bm  64hb.] 

Templc,  R.:  Thierschutzt'reumiliche  Besprechungen.  1897.  [Bb  62.] 
Töpler,  M.\  Geschichtete  Entladung  in  freier  Luft.  Sep.  1897.  [Eb  44c.] 
Verein  zur  Erhaltung  der  Denkmäler  der  Provinz  Sachsen.  Janresber.  1 
bis  HI,  1894-96.  [G  140.1 

Voretzsch,  M.:  Die  Stätte  des  Herzogi.  Ernst- Realgymnasiums  in  Alten- 
burg. Sep.  [Aa  69. 1 

Weher,  Fr.:  Die  Hügelgiüber  auf  dem  bayrischen  Lechfeld.  Sep.  1898. 
[G  138.] 

Weber,  Fr.:  Zur  Frage  der  keltischen  Wohnsitze  im  jetzigen  Deutschland. 
Sep.  1897.  [G  138a.] 

Wilisch,  E.:  Zur  Vorgeschichte  des  Oybin.  1897.  [G  137.] 


C.  Durch  Kauf. 

Abhandlum/en  der  Senckenbergischen  naturforschenden  Gesellschaft, 
Bd.  XJüI,  Heft  1—2;  Bd.  XXIV,  Heft  1-3.  [Aa  9.] 

Anzeiger  für  Schweizer  Alterthümer,  Jahrg.  XXX,  Nr.  2 — 4;  XXXI,  Nr.  1 —3. 
1-]  . . 

Anzeiger,  zoologischer,  Jahrg.  XXI,  Nr.  549 — 576.  [Ba  21.J 
Bronn's  Klassen  und  Ordnungen  des  Thierreichs,  Bd.  III  (Alollusca),  Lief. 
.30— .34;  Supph,  Lief.  1 1 — 20;  Bd.  IV  (Vennes),  Lief.  56—58;  Supph, 
Lief.  5—13;  Bd.  V,  Abth.  2 (Crustacea),  Lief.  47—52;  Bd.  VI,  Abtli.  4 
(Aves),  Lief.  50—52;  Abth.  5 (Mammalia),  Lief.  51 — 53.  [Bb  54.] 
Hedtdgia,  Bd.  37.  [Ca  2.1 

.Tahrbuch  des  Schweizer  Alpcnclub.  Jahrg.  33.  [Fa  5.| 

Monatsschrift,  deutsche  botanische,  Jahrg.  16.  [Ca  22.] 

Nachrichten,  entomologische,  Jahrg.  14.  [Bk  235.]  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 


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42 


Natur,  Jahrg.  46.  [Aa  76.1  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 

Polaeonto^raphical  society,  London,  vol.  L — LL  [Da  10.] 

Prähistorische  Blätter,  Jahrg.  X.  [G  112.1 

Wochenschrift,  naturwissenschaftliche,  Bd.  XIII.  [Aa  311.]  (Vom  Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift  fiir  die  gesammten  Naturwissenschaften,  Bd.  70,  Nr.  3 — 6; 

Bd.  71,  Nr.  1—3.  [Ca  98.] 

Zeitschrift  für  Meteorologie,  Bu.  16.  [Ec  66j 

Zeitschrift  fiir  wissenschaftliche  Mikroskopie,  Bd.  XIV,  Heft  3 — 4;  Bd.  XV, 
Heft  1 — 2.  [Ee  16.] 

Zeitschrift,  Oesterreichische  botanische,  Jahrg.  48.  [Ca  8.] 

Zeitung,  botanische,  Jahrg.  66.  [Ca  9.] 

Abgeschlossen  am  31.  December  1898. 

C.  Schiller, 
Bibliothekar  der  „Isis“. 

Zu  besserer  Ausnutzung  unserer  Bibliothek  ist  für  die  Mitglieder  der 
„Isis“  ein  Lesezirkel  eingerichtet  worden.  Gegen  einen  jährlichen  Beitrag 
von  3 Mark  können  eine  grosse  Anzahl  Schriften  bei  Selbstbeförderung 
der  Lesemappen  zu  Hause  gelesen  werden.  Anmeldungen  nimmt  der  Biblio- 
thekar entgegen. 


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Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1898. 


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IV.  Ueber  ein  Doppeltrogrefractoiueter  und  Unter- 
suchungen mit  demselben  an  Lösungen  von  Bromcad- 
niluin,  Zucker,  Di-  und  Tricliloressigsäure  sowie  deren 

Kaliuinsalzen. 

Von  Wilhelm  Hallwaohs. 


§ 1.  Einleitnng. 

Vor  einiger  Zeit  habe  ich  eine  Differentialmethode  mit  streifender 
Incidenz  zur  Bestimmung  der  Unterschiede  der  Lichtbrechungsverhältnisse 
von  Losungen  beschrieben*).  Diese  Methode  eignet  sich  insbesondere  für 
verdünnte  Lösungen  und  gestattet  Brechungsunterschiede  bis  zu  etwa 
3X10“*  hinab  mit  grosser  Genauigkeit  auszuwerthen,  also  in  einem 
Gebiet  zu  arbeiten,  welches  sonst  nur  mit  dem  Interferentialrefractor  zu 
erreichen  ist.  Sie  füllt  eine  Lücke  aus,  zwischen  dem  mit  letzterem 
ohne  unbequem  grosse  Streifenzahlen  oder  zu  dünnen  Flüssigkeitsschichten 
zu  durchraessenden  Gebiet  und  demjenigen,  welches  mit  den  gewöhnlichen 
Prismen-  oder  totalrefractometrischen  Methoden  genügend  grosse  Ab- 
lenkungen ergiebt. 

Früher  konnte  ich  die  Methode  nur  durch  wenige  Versuche  stützen. 
Inzwischen  ist  dieselbe  von  Herrn  Tornoe  in  die  technische  Bieranalyse 
eingeführt  worden**).  In  letzter  Zeit  habe  ich  die  .Müsse  gefunden  die 
Methode  weiter  zu  verfolgen  und  durch  Messungen  damit  völlig  sicher 
zu  stellen.  F'rüher  war  1.  c.  das  Um  füll  verfahren  angewendet  worden, 
weil  gerade  nur  zwei  geeignete  Planplatten  zur  Verfügung  standen.  Unter 
Anwendung  von  drei  Planplatten  lässt  sich  das  Umfüllen  vermeiden,  indem 
statt  dessen  der  Trog  von  entgegengesetzten  Seiten  her  beobachtet  wird. 


*)  W.  Hallwachs,  Wied.  Ami.  .iO,  1893,  p.  577. 

**)  W.  Hallwachs,  H8.  Naturtorschervcra.  1898,  II,  1,  p.  Al;  II.  Toriiüe, 
.Spectrometrisch-aräomctrische  Bieranalyse  initHilfe  des  Differentialpriäma'a  von  Hallwaehs. 
Zeitschr.  für  das  ge.sammtc  Brauwesen  (Mlinehcn.  Olde.nhoarg)  XX,  1897;  E.  Prior, 
Bayerisches  Brauerjournal  (Nürnberg,  Tilmmel)  VII.  1897,  p.  1K9;  s.  a.  Pharmaceuthiche 
Centralhalle  (Berlin,  täpringer)' .'18,  1897,  p.  871.  Herr  Tomöe  hat  Tafeln  berechnet, 
welche  gestatten,  direct  aus  den  mittelst  meiner  Methode  gewonnenen  Ablesungen  und 
dem  aiäometrisch  bestimmten  specifischeii  (lewicht  der  Biere  .Alkohol-  und  Extractgehalt  zu 
entnehmen  Diese  Tafeln  sind  im  Verein  mit  einem  von  Herrn  Tomöe  zum  vorliegenden 
Zweck  möglichst  einfach  coustruirteu  Spectrometer  und  Doppeltrog  von  Schmidt  & Uaensch 
für  iätiö  M.  zu  beziehen. 


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50 


Dieses  zweite  Verfahren  benutzte  schon  Herr  Tornöe,  der  sich  für  seine 
Zwecke  mit  einem  Trog  aus  Spiegelglas  begnügen  konnte.  Die  grösste 
Schärfe  der  Heohachtungen  ergieht  sich,  wenn  sowohl  umgefüllt  als  auch 
bei  jeder  Füllart  von  entgegengesetzten  Seiten  beobachtet  wird. 

Das  Folgende  geht  einerseits  auf  die  Methode  seihst  weiter  ein,  giebt 
die  Theorie  des  Umdrehverfahrens,  Untersuchungen  über  den  Genauigkeits- 
grad, den  Temperatureinfluss  u.  s.  w.,  andererseits  sucht  es  durch  geeignete 
Wahl  der  Messobjecte  eine  Vervollständigung  meiner  frülieren  Unter- 
suchungen über  Lichtbrechung  und  Dichte  zu  liefern*).  Dieser  Gegen- 
stand erhielt  in  letzter  Zeit  .weitere  b’örderung  durch  Arbeiten  von 
Dijken**)  in  derselben  und  solche  von  Leblanc  und  Rohland***)  in 
ähnlicher  Richtung. 


§ 2.  Versuchsanordnnng.j) 

Die  Glasplatten  für  den  Doppeltrog  lieferte  Steinheil  j j).  Während 
Stirn-  und  Rückplatte  (B.  u.  C.  Fig.  1),  welche  aus  dickerem  Glas  bestehen 
können,  so  gut  waren,  dass  ihr  Keilwinkel  unter  0,.V'  hli^b,  dem  kleinsten 
mit  meinen  Mitteln  noch  erkennbaren  Betrag,  hatte  die  nothwendigerweise 
dünnere  Scheidewand  einen  solchen  von  4".  Durch  geeignetes  Ausschneiden 
dieser  Platte  aus  dem  Ganzen  wurde  erstrebt,  die  brechende  Kante  mög- 
lichst horizontal  zu  stellen,  was  soweit  gelang,  dass  in  einem  Horizontal- 
schnitt der  Keilwinkel  nur  noch  1,3"  betrug  (s.  p.  61).  Das  Zusammen- 
kitten des  Troges,  dessen  weitere,  aus  Spiegelglas  bestehende  Platten 
ebenfalls  von  Steinheil  herrührten,  besorgte  ich  selbst  und  verwendete 
dabei  theilweise  Asphalt,  da  das  früher  verwendete  Wachs  und  Colophonium 
bei  Temperatuiänderungen  zuweilen  ahspringt,  was  Aenderungen  der 
Trogwinkel  veraiilasste.  Hart  gewordener  Asphaltlack  mit  etwas  Chloro- 
form dickflüssig  in  der  Wärme  ungerührt,  kittete  ausserordentlich  constant. 
Der  Winkel  y (Fig.  1)  zwischen  Stirn-  und  Rückplatte  betrug  z.  B. 
Januar  1898  4'  2",  August  1898  wieder  4'  2".  Da  der  Nonius  des  Spectro- 
metersttf)  ^0"  angab  und  5"  im  Allgemeinen  zu  schätzen  gestattete,  ist 
die  Ueliereinstimmung  beider  Werthe  zum  Theil  Zufall. 

Um  die  erforderliche  Temperaturconstanz  zu  erhalten,  befand  sich 
das  Spectrometer  in  einem  fensterlosen  Zimmer  des  Sockelgeschosses, 
welches,  rings  von  anderen  Zimmern  umgehen,  keine  .kussenwand  besass. 
Die  Temperatur  hielt  sich  viel  constanter  wie  in  den  „Räumen  für  constante 
Temperatur“  im  Keller,  welche  ich  früher  a.  a.  0.  benutzte.  Ueber  Nacht 
traten  nur  Aenderungen  von  0,i“  ein.  Durch  Heizen  der  einen,  Lüften 
der  anderen  umliegenden  Zimmer  und  Oett'nen  der  geeigneten,  vom 
Beobachtungsraum  zu  diesen  führenden  Thüren  Hess  sich  die  Temperatur 
auch  während  des  Arheiteus  halten. 

•)  W.  Hallwach.s,  (iiitt,  Nadir.  1892,  Nr.  9;  Wieil.  Aun.  17,  1892,  p.  380; 
50,  1893,  p.  577;  53,  1894.  ji.  1;  55.  1895,  p.  282. 

•')  Dijken,  De  Hiileuulairrcfnictie  van  verdnnile  Zontoplossingcn.  Diss.  Groningen 
(Hoitsema)  1897;  a.  ferner  Borgesiu«,  Wied.  Ann,  .5-1.  1895,  p 221. 

*••)  Lehlanc  und  Koliland,  Zeitschr.  f.  phy.s.  Cheni.  XIX,  2,  1896,  p.  261;  s.  a. 
Leblanc,  1.  c IV,  1889,  p.  55:1 

f)  S.  n.  Wied  Ann,  60,  1893,  p.  689  und  581. 

+■{•)  Trüge  ans  prima  Glas  winl  derselbe  zu  ca.  90  M.  inol.  Kittung  (Asphalt)  liefern. 
-j-+f)  Das  Spcctrumeter  hatte  mir  Herr  A.  Toepler  die  Freundlichkeit  zu  leiben, 
wofür  ich  ihm  auch  hier  meiueu  besten  Dank  auaspreehe 


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51 


Eine  Nische  von  120  cm  Höhe  ging  nach  einem  der  Nebenzimmer 
durch  eine  60  cm  starke  Wand  hindurch.  Vom  Beobacbtungsraum  schloss 
dieselbe  ein  Glasfenster,  vom  Nebenraum  ein  Holzladen  ab.  ln  der 
Nische  befand  sich  oben  eine  Glühlampe,  welche  den  Beobachtungsraum 
erleuchtete,  und  in  der  Höhe  des  Spectrometers  die  Natriumflamme  für 
die  Versuche.  Letztere  wurde  mit  Na  Br  gespeist,  um  auch  bei  sehr 
geringen  Brechungsdiflerenzen  die  genügende  Lichtstärke  zu  erhalten. 

Zur  Reinigung  des  mit  Klebwachs  auf  dem  Spectrometer  befestigten 
Troges  dienten  wie  früher  Scblauchpipetten,  zum  Urarühren  kleine  Federchen. 
Alle  zu  verwendenden  Flüssigkeiten  wurden  vor  der  Einfüllung  auf  die 
Temperatur  des  Beobachtungsraumes  gebracht,  gewöhnlich  dadurch,  dass 
sic  über  Nacht  darin  standen. 

Die  Temperaturbestimmung  der  Flüssigkeiten  geschah  gewöhnlich 
mit  einem  in  ’/io>  zuweilen  mit  einem  in  Grad  gethoilten  Thermometer. 
Im  Allgemeinen  lag  ein  Deckel  auf  dem  Trog.  Zwei  am  Rande  des 
letzteren  aufgehängte  Blenden  schlossen  die  eine  Troghälfte  vorn , die 
andere  hinten  gegen  das  Licht  ab,  z.  B.  im  Fall  der  Fig.  1,  bei  Beobachtung 
von  Sj  aus  die  linke  Hälfte  von  B und  die  rechte  von  C.  Namentlich 
bei  kleinen  Brechungsdifferenzen  ist  der  dadurch  ei-zielte  Schutz  des 
Beobachters  gegen  Blendung  unerlässlich.  Bei  den  Nonienablesungen 
lieferte  ein  Glühlämpchen  das  Licht. 


§ 3.  Theorie  des  llmdrehnngsverfahrens. 

Der  folgende  Paragraph  enthält  die  Herleitung  der  Beziehung  zwischen 
den  mittelst  des  „Umdrehuugsverfahrens“  (s.  nächster  Absatz)  beobachteten 
Winkeln  und  der  Brechungs- 
difierenz  der  beiden 
Flüssigkeiten  unter  Berück- 
sichtigung der  Unvoll- 
kommenheit des  Paral- 
lelismus zwischen  Stirn- 
und  Rückplatte,  sowie  der 
Keilförmigkeit  und  der 
Orientirungsfehler  der 
Scheidewand.  Auch  der  im 
.■Mlgemeinon  zu  vernach- 
lässigende Einfluss  von  Keil- 
förinigkeit  der  Stirn-  und 
Rückplatte  gelangt  zur  Be- 
sprechung. Die  an  der 
Gruudformel 


n — n„  = 


*). 


n-l-n, 

welche  auch  hier  gilt,  anzu- 
bringenden Correctionen  fallen,  wenn  auch  die  Herleitung  derselben  nicht 
ganz  kurz  abgemacht  werden  kann,  schliesslich  doch  sehr  einfach  aus. 


*)  AVieit.  Ann.  50,  1893,  p.  577. 


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52 


Beim  „Umdrehungsverfahren“  tritt  zuerst  das  Licht  von  L,  aus 
(Fig.  1)  in  die  mit  Wasser  (bozw.  der  Flüssigkeit  mit  n,,)  gefüllte  Zelle  D 
und  dann  in  die  Scheidewand  A ein.  Der  letztere  streifende  Strahl  ist 
in  der  Figur  eingezeichnet.  Das  auf  unendlich  stehende  Fernrohr  wird 
zuerst  auf  die  in  der  Richtung  Sj  auftretende  Grenze  zwischen  hell  und 
dunkel  eingestellt  und,  nachdem  sodann  die  Lichtquelle  nach  L^  verbracht 
ist,  auf  die  in  der  Richtung  S,  erscheinende  Grenze.  Statt  die  Lichtquelle 
zu  verstellen,  dreht  man  einfacher  das  ganze  Spectroineter  auf  seinem 
Zapfen  so  herum,  dass  die  Richtung  L.  von  der  Lichtquelle  bestrichen 
werden  kann.  Während  dessen  muss  der  Trog  mit  seinem  Theilkreis 
bezw.  seinen  Nonien  fest  verbunden  bleiben. 

Es  ist  aufzusuchen  die  Beziehung  des  gemessenen  2^.  Sj  S,  zu  den 
Winkeln  und  welche  diese  Richtungen  mit  den  Normalen  Nh  und  No 
der  Rück-  und  Stirnplatte  machen,  und  der  Zusammenhang  von  «j  und 
mit  dem  Brechungsunterschied  n — n„  der  in  E und  1)  befindlichen 
Flüssigkeiten. 

Es  mögen  bezeichnen  (vergl.  Fig.  1): 

y den  sehr  kleinen  Winkel  zwischen  den  möglichst  parallel  auf- 
zukitteuden  Platten  B und  C;  er  ist  positiv  gerechnet,  wenn  seine 
Spitze  nach  der  Zelle  mit  dem  grösseren  Brechungsexponent  n 
hin  liegt  (wie  in  der  F’igur  gezeichnet),  anderenfalls  ist  er  negativ; 

d den  Keilwinkel  der  Scheidewand  A;  für  denselben  berücksichtigt 
die  folgende  Rechnung  Werthe  von  1 — 5".  Feinste  Planplatten 
haben  zwar  geringere  Winkel,  aber  nur  bei  genügender  Dicke, 
die  für  die  Scheidewand  des  Temperaturausgleichs  halber  nicht 
anwendbar  ist; 

fj,  f,,  den  Üeberschuss  der  Winkel,  welchen  die  Scheidewand 
mit  der  Stirn-  und  Rückplattc  bildet,  über  90"; 

N den  Brechungsexponent  der  Scheidewand; 
n,  u„  den  höheren  bezw.  den  tieferen  der  Brechungsexponenten  der 
beiden  Flüssigkeiten;  in  unserem  Falle  bezieht  sich  n„  auf  Wasser; 

ß,  und  ß,  die  Winkel,  welche  die  Grenzstrahlen  S,  und  S4  mit  der 
Normale  Nc  bezw.  Nn  bilden; 

N'  die  Abkürzung  für  yN^ — 
den  ^ Sj  S^. 

Dann  ist,  wie  früher  hergeleitet*) 

1)  sin  ß,  = ^1  — j y" n‘^  — (n„  — N'  d)  - + (n„  — N'  d). 

Mittelst  entsprechender  flerleitung  würde  sich  finden: 

2)  sin  o,  = — 2*^  y n* — (n,,  + N'  d)  = -f  f,  (n„  -f  N'  d). 

Aus  der  Figur  folgt: 

3)  *,  + »4  + y = 0,  sowie  -f  — j-  = 0, 
letzteres  wird  später  gebraucht. 

Indem  wir  die  Summe  der  Gleichungen  1)  und  2)  bilden,  vernach- 
lässigen wir  erstens  das  unter  der  Wurzel  auftretende  Glied  von  der 

*;  Formel  7 a in  Wied.  Anu.  .50,  1893,  p.  .582. 


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63 


Ordnung  ferner  das  Glied  N'd  — e,),  welche  bei  einem  d von  selbst 
6"  und  VVerthen  e von  selbst  10'  zusammen  nur  einen  Fehler  liefern,  der 
höchstens  3,fiX10’®  des  Ganzen  beträgt,  nämlich  dann,  wenn  die 

geringsten  zu  messenden  n — n„  (etwa  0, 00027)  vorliegen.  Ebenso  sind  ^ 

und  ^ gegen  die  1 zu  vernachlässigen,  wodurch  sich,  für  den  Extrem- 

fall,  dass  die  t auf  10'  ansteigen.  n — iin  erst  um  8 Milliontel  seines 
Werthes  ändert.  Die  Erreichung  einer  solchen  Genauigkeit  würde  ver- 
langen, dass  die  Winkel  auf  0,a",  die  Temperaturdilferenzen  der  Trog- 
hälftcn  auf  0,0015”  bekannt  wären  und  zwar  für  mittlere  Werthe  von 
n — n„  z.  B.  0,02.  Für  grössere  n — n,  würde  proportional  damit  die 
Genauigkeit  der  Winkelmessungen  steigen  müssen,  die  der  Temperatur- 
bestimmung fallen  dürfen. 

Mit  diesen  Vernachlässigungen  erhalten  wir  durch  Addition  von  1) 
und  2)  unter  Berücksichtigung  von  3) : 

sin  -f-  sin  n„  y = n*  — nj  -f-  2 n„  d N'  -j-  ”y/n®  — n’  — 2 n„  d N'. 

Nach  Einführung  der  halben  Summe  und  Differenz  der  Winkel  und 
Quadriren  ergiebt  sich,  wenn  noch  zur  Abküi7,ung 

1 ' 9 


gesetzt,  und  das  Glied 

nJ  (fl  + fl)  * = f 


vernachlässigt  wird: 

4)  4 sin’a  cos’f  4 n^  y sin  a cos  s = 2 (n’— n’) 


InJcTN'»! 


Hierin  kann  cos  f im  zweiten  Glied  gleich  1 gesetzt  werden;  ebenso 
cos  des  ersten  Gliedes,  denn  nach  Subtraction  von  1)  und  2)  erhält  man: 


5) 


C — ^*0 


d 

sin  u 


Danach  nimmt  f*,  der  Betrag,  um  welchen  cos^t  von  der  Einheit 


y _ 

abweicht,  z.  B.  bei  einem  guten  Trog  (sj<2';  ' d < 1,,5")  W'erthe 

zwischen  0.08X  10~®  und  0,2  X 10~®,  bei  einem  schlechten  Trog  (f,  = 10'; 
y = 5';  d = 5")  Werthe  von  2,5  bis  3,5X10-®  an.  Der  durch  die  Ver- 
nachlässigung bewirkte  Fehler  ist  an  sich  schon  sehr  klein,  wird  aber 
überdies  zum  Theil  noch  durch  die  oben  vorgenommeue  Vernachlässigung  der 

Grössen  corapensirt. 

4> 


Auf  der  rechten  Seite  der  Gleichung  4)  entsteht  aus  der  Klammer 
nach  dem  Ausziehen  der  Wurzel  der  Ausdruck 


2 1 


n’d^vn 

(n’ — iC)’! 

Bei  einer  schlechten  Scheidewand,  d = 5",  bewirkt  die  Vernachlässigung 
des  Correctionsgliedes  in  dieser  Klammer  absolut  genommen  im  Maximum, 
nämlich  bei  den  vcrdünnte.stcn  der  messbaren  Lösungen,  nur  eine  .\enderung 


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54 


um  4 — 5 Einheiten  der  siebenten  Decimale  des  Brechungsverhältnisses, 
bei  einer  guten  Scheidewand,  J = 1,5",  eine  solche  von  2 — 3 Einheiten 
der  achten  Decimale,  so  dass  diese  Vernachlässigung  ebenfalls  vorzu- 
nehmon  ist. 

Kach  Einführung  der  erwähnten  Vereinfachungen  erhalten  wir  dann: 


6 a) 


n— n„ 


sinV  , 
— i h 

n + no 


y sin  «. 


Diese  Formel  setzt  voraus,  dass  sich  die  Flüssigkeit  mit  dem 
grösseren  Brechungscsponent  n in  der  Troghälfte  befindet,  welche  nach 

der  Spitze  des  Winkels  y zu 
liegt  (Fig.  2).  Ist  umgekehrt 
derartig  eingefüllt,  dass  n nach 
der  üeffnung  von  y liegt,  so 
tritt  eine  Ablenkung  u'  ein 
(Fig.  3),  und  /i  in  der  Formel  Ga) 
erhält,  da  y sein  Zeichen 
wechselt,  ebenfalls  entgegen- 
gesetztes Zeichen.  Es  ergiebt 
sich  also: 

sinV 

6b)  n-n.=  ^_p---,,. 


geschlossenen  2^  (f  , bezw.  nach 
Winkel  hat  man  (Fig.  1,  2 und  3): 


Die  Beobachtung  liefert  nun 
nicht  direct  u und  sondern 
den  von  S,  und  S^  ein- 
ümfüllung  einen  ^ <f'.  lür  diese 


/7y.Ä 


8) 


2 sin  ce  cos  « 


7 a)  2 ß = 180  — (f  — y 
7b)  2ß’=  180  — y'  -l-y. 

Da  hiernach  die  beob- 
achteten Winkel  doch  eine 
Correction  erfordern,  ist 
es  bequemer  auch  die  in  6) 
vorkotnmende  Correction 
/I  statt  am  Kesultat  am 
abgclesenen  Winkel  anzu- 
bringen. Diese  Correction 
des  Winkels  heisse  Ja 
bezw.  dann  ist 

nach  6) 

d'(. 


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Es  soll  nun 


n, 


B5 


J (n- 


-no)  = =t/(  = ± " ysinc 

n + Ofl  ' 


gemacht  werden,  wo  sich  das  obere  Vorzeichen  auf  Fall  a (Fig.  2),  das 
untere  auf  b (Fig.  3)  bezieht.  Dann  findet  sich: 

Ju  — + ; Aa'  = — ^ ^ • 

n '•  2 COS  Ci 


2 COS  a 

Nennen  wir  den  wegen  ii  corrigirten  Winkel  or„ 


so  ist 


1 or,.,,p,  =■«  -f  J«  = 

180- y 

Y 

2“  ^ 

~ 2 

Vcos « / 

1 f/* r/'  _l_  Ar/^ 

180  — 9;' 

Y 

( . _ A 

1 **  c«>rT  **  

2 

2 

\cOS  C4  ) 

Für  kleine  Werthe  von  « nimmt  die  Correction  den  einfachen  Werth 

± — y,  speciell  falls  n„  sich  auf  Wasser  bezieht  ±-w-  an,  so  dass  in 

•c  b 


letzterem,  häufigsten  Fall 

_180  — y y 

«cnrr  — + g , 


Y 

6 


ist.  «corr  und  a'rorr  würden  bei  absolut  richtiger  Beobachtung  einander 
gleich  sein,  ihr  Unterschied  liefert  daher  ein  Urtheil  über  die  Genauigkeit 
der  Beobachtungen;  y lässt  sich  natürlich  mit  grosser  Genauigkeit  direct 
bestimmen. 

Unter  Einführung  von  erhalten  wir  als  Schlussfonnel 


10) 


u — 


n„  = 


sin  *^corr 

n + n,;' 


wo  Cf  der  beobachtete  Winkel,  y der  Trogwinkel  ist  (s.  pag.  52), 
und  das  obere  Vorzeichen  gilt,  falls  die  Flüssigkeit  mit  n nach 
der  Spitze,  das  untere,  falls  sie  nach  der  Oeffnung  des  y hin 
liegt  (Fig.  2 und  3). 

Genauigkeit  der  F'ormel.  Die  weitere  Ueberrechnung  der  Fehler 
zeigt,  dass  sämmtliche  cingeführten  Vernachlässigungen  im  Zusammen- 
wirken das  Resultat  n — n„  nur  um  1 — 2 Milliontel  seines  Werthes  bei 
sehr  guten  Trögen  (<•  = 2';  y = 2';  d = 1,5"),  um  1 bis  2Xl()-‘  bei  schlech- 
teren Trögen  (e  = 10';  y = 6';  d=5")  beeintlussen.  Zur  Erzielung  letzterer 
Genauigkeit  müssten  indess  die  IVinkel  auf  einige  Zehntelsecunden  scharf 
beobachtet  sein,  was  sich  n.atürlich  nicht  erreiclicn  lässt.  Die  einfache 
Schlussformel  10)  berücksichtigt  daher  alle  Correctionen,  welche 
erforderlich  sind,  um  keine  den  Beobachtungsfehlern  gegenüber 
in  Betracht  kommenden  Fehler  in  n — n„  zu  veranlassen. 

Wird  für  die  nämlichen  Flüssigkeiten  auf  beide  Weisen,  a und  b, 
beobachtet,  so  liefert  6a)  und  Gb),  da  sich  it  weghebt: 

sinV  -4-  sin*«' 

'‘~”«-^~2  (n  + nj^‘ 


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50 


Berechnen  wir  abkürzend: 

, (180-y)  + C180-y') 

2a=a-\-a= ’ ' 

A 


2<?  = 


so  ergiebt  sich  durch  Vereinigen  der  beiden  Sinus,  wenn  der  im  Laufe  der 
Rechnung  bei  sin’ä  auftretende  Factor  1 + \ — l)  gleich  1 ge- 

setzt  wird: 


11) 


sin* ff 

■ "“ir+liV 


Die  soeben  eingeführte  Vernachlässigung  ist  zulässig,  wie  nach  Aus- 
rechnung von  sin®«' — -sin®«  aus  6a)  und  Gb),  welches 


r = - 

' 3 cos  u 

liefert,  leicht  erhellt. 

Einfluss  der  Keilföruiigkeit  von  Stirn-  und  Rückplatte. 
Dieser  Einfluss  kann  hei  nicht  zu  starker  .\bw'eichung  vom  l'latiparallelismus 
immer  vernachlässigt  werden  Hat  nämlich  die  Platte,  durch  welche  der 
Strahl  austritt,  deii  Keilwinkel  rf',  so  wird  die  beobachtete  Ablenkung  « 
unrichtig  um 

->  = ± d'  "^/n® -f  tg®«  (N*—  1). 

Die  Wurzel  durchläuft  von  fz  = 0 bis  tf  = 46®  die  Werthe  von  1„5 
bis  1,9,  so  dass  also  die  beobachteten  Winkel  um  1,6  bis  1,9  Xd'  zu  gross, 
bezw.  bei  umgekehrter  Lage  des  Keils  zu  klein  ausfallen. 

«)  Bei  der  Umfüllmethode  fallt,  falls  nur  die  Flächen  der  Platten 
eben  sind,  der  Fehler  ganz  heraus,  weil  nach  Vertauschung  der  Flüssig- 
keiten der  entgegengesetzt  gleiche  Fehler  eintritt. 

/i)  Bei  dem  Ümdrehverfahren  fällt  unter  derselben  Voraussetzung  der 
Fehler  heraus,  wenn  noch  Stirn-  und  Rückplatte  denselben  Keilwinkel 
haben  und  entgegengesetzt  liegen.  Sind  im  letzteren  Fall  die  Keilwinkel 
verschieden  (d' und  d"),  so  ist  der  Fehler  1,5  bis  1,9  (d' — d")  und  liegen 
selbst  die  Kanten  nach  dereelben  Seite,  so  wird  der  Fehler  immer  erst 
1,5  bis  1,9  (d'-f-  d").  Da  bei  meinen  Platten  die  d weniger  als  0,5"  betragen, 
betrüge  der  Fehler  nur  1,5"  in  diesem  ungünstigsten  Fall. 

Bei  schlechteren  Platten  wird  man  die  Ablenkung  eines  geeigneten 
Objectes  (Spalt)  beobachten,  welche  bei  Zwischenschaltung  des  leeren 
Troges  entsteht,  sie  giebt  den  Fehler  bei  §^)  für  kleine  2^  u direct  an,  für 
gi'ossere  wäre  sie  mit  den  angegebenen  Factoren  zu  berechnen,  z.  B.  für 
1 9 

ß = 45“  mit  — = 1,27;  für  30®  mit  1,09;  für  15“  mit  1,02  zu  multiphciren. 
Ii5 


§ 4.  Genauigkeit  der  Methode. 

Zur  Beurtheilung  der  Genauigkeit  der  Methode  diente  eine  Reihe  von 
Bestimmungen  mit  verdünnten  wässrigen  Lösungen  gegen  Wasser,  bei 
welchen  alle  vier  Einstellungen  S^,  Sj,  S,,  Sj  zur  Aufnahme  gelangten. 
Indem  dann  z.  H,  an  Sj  S^  und  Sj  Sj  die  Correctionen  des  vorigen  Paragraphen 


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67 


(s.  Gleichung  9)  angebracht  wurden,  ergab  der  Grad  der  Uebereinstiinmung 
der  beiden  daraus  erhaltenen  Werthe  «corr  und  a'corr  einen  Massstab  für 
die  Genauigkeit. 

Der  zur  Correction  erforderliche  Winkel  y findet  sich  aus  directer 
Messung  mittelst  gespiegeltem  Fadenkreuz  mit  genügender  Genauigkeit. 
Während  beim  Umdrehverfahren  die  Correction  die  Ordnung  y sin  « hat, 
hat  sie  beim  Urafüllverfahren  die  Ordnung  S (ohne  den  Factor  sin  a). 
Die  directe  Bestimmung  des  nur  nach  wenig  Secunden  zählenden  Winkels  S 
reicht  deshalb,  aussergewöbnlich  feine  Hilfsmittel  ausgenommen,  hier  nicht 
aus.  Man  benutzt  deshalb  das  Verfahren  selbst  zur  Ermittelung  von  d, 
wobei  sich  unter  Anwendung  geeigneter,  mittlerer  Werthe  von  n — n„  leicht 
d in  bOfacher  Vergrösserung  einer  scharfen  Messung  darbietet,  so  dass 
die  Methode  zur  Bestimmung  des  Keilwinkels  von  Planplatten  sehr 
gut  ist. 

Die  in  der  folgenden  Tabelle  mitgetheilten  Messungen  wurden  mit 
verdünnten  Tri-  und  Dichloressigsäurelösungen  gegen  Wasser  ausgeführt, 
sie  finden  später  weitere  Verwendung.  Die  beiden  ersten  Spalten  ent- 
halten die  beobachteten  Werthe  — und  , die  dritte  Spalte 

die  nach  9)  anzubringende  Correction.  Der  darin  vorkommende  Winkel  y 
betrug  4' 2"  (s.  § 2);  für  a in  der  Correction  dient  natürlich  der  un- 
corrigirte  Werth  davon.  Spalte  4 und  5 enthalten  die  mittelst  Spalte  3 
erhaltenen  Werthe  die  sechste  Spalte  giebt  die  Differenzen  der  jeweils 
zusammengehörigen  «,  in  der  letzten  Spalte  finden  sich  die  zugehörigen 
Werthe  n — n,.  Die  Sicherheit  der  Einstellung  auf  die  Grenze  wächst  mit 
Vergrösserung  von  n — n„. 


Tabelle  I. 


180-9> 

180 -ijc' 

2 

2 

1»43'  Si" 

1»44'27" 

2®  25' 21" 

2»  26' 48  .9" 

3»25'47,s" 

3»  26'  62, s" 

4«49'44.(i" 

4»  51'  2,  j" 

H»49'38.j" 

8*30'63.2" 

9»  87  56,0" 

9®  39'  0,6" 

13»3«'48,o" 

13®  36'  13,6" 

1«  32' 40,9" 

1®34'  2ji" 

2«  9' 20,9" 

2®  10'  39,6" 

3»  0'529" 

3®  2' 149" 

6»51'88,o" 

6®62'49..9" 

U ”»  -l) 

Ja  = . 

ffeorr 

f^rOTT 

1, 

1 

n — no 

1 

i 

1 

Q(,«corr-«<orr^  ' 
« 1 

1 40.4" 

1®  13' 

■ "^'1 

43,1."  ' 

1®  13' 

46,6" 

-1,4" 

0,0003414 

1 40.4" 

2®  26' 

I.1" ; 

2«  26' 

81" 

- 

-3,4" 

6766 

1 40,7" 

3»  26' 

28,-/' 

3®  26' 

11,6" 

-j 

h8o" 

13487 

41.o" 

4"  60' 

259" 

4»  50' 

21,j" 

H 

-2,3" 

Ü867 

419" 

6®  50' 

20.n" 

6»  6»»' 

11,/' 

H 

hl./' 

5306 

42,6" 

9®  38 

37.6" 

iy'38' 

18,o" 

H 

-9,h" 

10478 

44,(." 

13»  36' 

32,9" 

13»  3.6' 

28,6" 

H 

- 2.0" 

0,tr.»0553 

40,4" 

1®33' 

21,3" 

i»3;i' 

21,9": 

_ 

-O.3" 

0, 0002765 

40,4" 

2®  10' 

1.!" 

2®  iY 

69,s" 

-I- 1.0"  1 

5350 

40,e" 

1 3®  1' 

33.1" 

3®  r 

3,3,1." 

- 

-0,4" 

1(M46 

41,s" 

5®  .62' 

19,7"  1 

5»  52' 

89" 

+ B.4" 

0,003918 

Man  wird  bei  Messungen  nach  dieser  Methode  gewöhnlich  nur  eine 
der  beiden  Bestimmungen,  a oder  vornehmen.  Die  Abweichung  eines 
dieser  Werthe  von  ihrem  Mittel  giebt  also  ein  Mass  des  für  gewöhnlich 

zu  erwartenden  Fehlers,  sie  ist  gleich  ''’elcher  Werth  jetzt  unter 


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58 


Jf(  verstanden  wird.  Wir  haben  dann  für  den  J«  entsprechenden  Felder 
in  (n  — n„): 

I J (n  — n„)  = Ju  und 

121  I “ + ''0 

j J (n  — n„) 2 Ju 

n — n»  tg  « 

Damit  ergiebt  sich  aus  der  obigen  Tabelle,  dass  J (n — n„)  im  Durch- 
schnitt 1,46X10~®  beträgt,  dass  also  der  Drechungsexponent  relativ  zu 
Wasser  bis  auf  etwa  1X10~®  seines  Werthes  gefunden  wird.  Diese 
Genauigkeit  reicht  nahe  au  diejenige  heran,  welche  bei  den  schärfsten 
Dichtebestimmungen  von  Lösungen  erreicht  wurde*),  ausserdem  überstreicht 
die  Methode  ein  Intervall  der  n — n^,  welches  einerseits  in  das  Gebiet 
des  Interferentialrefractors,  andererseits  in  das  der  gewöhnlichen  Prismen- 
und  totalreflectometrischen  Methoden  eingreift. 

Was  andererseits  die  relative  Genauigkeit  betrifft,  so  betrügt  dieselbe  im 
Durchschnitt  etwa  4X  i0~*.  Zur  quantitativen  Beurtheilung  der  Werthe  Ja 
der  Tabelle  I möge  die  Bemerkung  dienen,  dass  in  jedes  Ja  sechs  Spec- 
trometereinstellungen  eingeheii:  je  zwei  für  »/,  <p'  und  y.  Da  die  directe 

Messung  180 — (f  und  180 — (/’,  d.  h.  2a  und  2a'  giebt,  während  Ja  = — 

ist,  würden  also,  falls  sich  die  einzelnen  Kinstellungsfehler  im  Zusammen- 
wirken addiren.  Ja  ein  Viertel  von  vier  iMnstelliingsfehlern  haben,  oder 
der  Fehler  von  Ja  würde  etwa  dem  einer  Einstellung  gleich  kommen. 
Daran  fügt  sich  dann  noch  der  durcli  y bewirkte  Fehler,  der  aber  sehr 
klein  ist,  da  y nur  mit  etwa  seinem  sechsten  Theil  auf  das  Resultat  wirkt. 

Nun  gab  der  Nonius  des  Spectrometers  direct  20",  im  Allgemeinen 
waren  5"  zu  schätzen,  aber  ein  Ablesefehler  von  10"  ist  wohl  auch 
öfters  unterlaufen,  besonders  auch  weil  an  manchen  Stellen  der  Theilung 
die  letzte  Schätzung  von  der  Beleuchtungsweise  der  Theilung  nicht  ganz 
unabhängig  war.  Die  Winkelwertho  gingen  gewöhnlich  aus  2 — 3,  bei  der 
zweiten  und  achten  Bestimmung  der  obigen  Tabelle  aus  5 Eiuzeleinstellungcn 
hervor.  Nimmt  man  dies  hinzu,  so  ergiebt  sich,  dass  die  Werthe  von 
Ja  etwa  bis  zu  5"  hin  durch  die  Ablesefehler  des  Spectrometers  erklärt 
werden  könnten. 

Hierzu  kommen  nun  noch  die  Fehler  beim  Einstellen  auf  die  Grenze 
und  die  Temperaturfehler,  über  letztere  s.  ^ 5.  Berücksichtigt  man  dies, 
so  erklären  sich  die  Werthe  Ja  der  Tabelle  nicht  nur,  sondern  die  Fehler 
bei  kleinen  Wertben  von  Jn  erweisen  sich  als  geringer  wie  wegen  der 
ungenaueren  Einstellung  auf  die  Grenze  l)ei  verdünnteren  Lösungen 
erwartet  werden  kann.  Bei  Jn  unterhalb  0,oo3  würde  ein  feineres  Spec- 
trometer  zwecklos  sein,  bei  den  concentrirteren  Lösungen,  bei  denen  die 
Grenzeinstellung  äusserst  scharf  ist,  würde  dadurch  an  Genauigkeit  noch 
gewonnen  werden  können.  Der  verhältnissinässig  grosse  Werth  von  Ja 
in  der  sechsten  Reihe  der  Tabelle  beruht  wohl  auf  einer  kleinen  Unschärfe 
der  Tbeilstriche;  im  Beobachtungsjournal  ist  ..Ablesungsschwierigkeit  des 
Nonius“  notirt,  der  verhältnissinässig  grosse  Werth  von  u aber  erst  bei 
der  leider  nur  sehr  viel  später  möglichen  .Ausrechnung  bemerkt  worden, 

K.  Kohli  auscli  u.  W.  Iliillwnchs,  Wied.  Aun.  äa,  1S94,  p.  14. 


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69 


als  eine  Wiederholung  der  Beobachtung  nicht  mehr  möglich  und  auch 
für  die  anderen  Zwecke  der  Beobachtungen  (s.  § 8)  nicht  erforderlich  war. 

Als  Beleg  für  die  Genauigkeit  der  Einzelbeobachtungen  mögen  zunächst 
die  Einzelwerthe  der  Versuchsreihe , welche  der  ersten  Beobachtung  der 
Tabelle  (Jn  = 3,4KlO*‘)  entspricht,  mitgetheilt  werden,  aus  welchen 
zugleich  der  Gang  der  Beobachtungen  ersichtlich  ist. 


Tabelle  II. 


tll’o 

t Lötung 

Stellung 

Nr.  der 
Ablefiang 

Nonius  I 

Nonius  II 

12,2.V 

12,25" 

S. 

1 

85“  49' 10" 

265“  48' 30" 

2 

49'  8" 

48' 30" 

S. 

1 

262“  19' 55" 

82“  20' 27" 

2 

20'  10" 

20' 45" 

1 

85"  49' 25" 

265“  48' 37" 

2 

49' 22" 

48' 35" 

12,ü9" 

12.71“ 

ümgel'UUt 

12,22“ 

12,20" 

Sr 

1 

82  “24'  5" 

262“  23' 25" 

2 

2.T45" 

23'  5" 

Sg 

1 

265“49'10" 

85“49'  .38" 

2 

49' 20" 

49'48" 

S. 

1 

82  "23' 45" 

262“  22' 55" 

2 

23' 52" 

23'  5" 

12,51“ 

12,54" 

Daraus  würde  sich  ein  mittlerer  Einstellungsfehler  von  etwa  9"  er- 
geben. Ueber  die  Berücksichtigung  der  Temperatur  siehe  § 5. 

Als  zweites  Beispiel  diene  die  letzte  Beobachtung  von  Tabelle  I,  wo 
Ju  etwa  den  zehnfachen  Werth  wie  im  vorigen  Falle  hat,  und  die  Ein- 
stellungen wegen  der  grösseren  Lichtstärke  viel  schneller  von  statten  gehen 
und  wohl  auch  genauer  sind.  Die  zusammengehörigen  Paare  von  Minuten 
und  Secunden  anzugeben  ist  ausreichend.  Man  erhält: 


19'55"jl9'10"  i33’35"  .M'K/'  .•«>'40"  35'l(r  18''Z8"  li«  0"| 

6' ,5" 

49"  52"  49' 5" 

• 48"'  5"  1 »r  5";  40"  10"'  25"|lH'5<r 

5" 

4(4" 

1 0" 

Je  4 Zahlen  entsprechen  derselben  Trogstellung,  der  Verticalstrich 
dazwischen  trennt  die  Werthe  der  beiden  Nonien,  liier  bleibt  der  mittlere 
Fehler  einer  Einstellung  etwas  unter  4".  Genauere  Abschätzung  als  auf 
5",  wie  sie  in  den  vorigen  .\ngaben  enthalten  sind,  haben  nur  unter- 
geordneten Werth,  da  der  Nonius  direct  20"  liefert. 

Es  ist  erforderlich,  für  sehr  helles  Licht,  namentlich  bei  den  ver- 
dünntesten Lösungen,  .Sorge  zu  tragen,  auch  gelingt  es  erst  nach  einiger 
Uebung,  die  Einstellungen  bis  zu  der  aus  den  angegebenen  Zahlen  ersicht- 
lichen Schärfe  zu  treiben.  Bei  den  Vorversuchen  waren  die  drei  ersten 
Lösungen  der  Tabelle  I zur  Einübung  schon  einmal  bestimmt  worden. 
Dabei  unterschieden  sich  die  Einzelablesungen  erheblich  mehr.  Es  wird 


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iiidess  zum  Urtheil  darüber,  wie  weit  ein  ungeübter  Beobachter  kommt, 
dienen,  wenn  die  damals  erhaltenen  Wertlie  hier  aufgeführt  werden. 


Viirverauche 
1“44'  0” 
2»  25'  54" 
3“  26’  25" 


Haiiptversuche 
1“  43'  45" 
2"  26'  5" 
3"  26'  20" 


Man  sieht,  dass  es  bereits  zu  Anfang,  um  den  ungünstigsten  Fall  zu 
nehmen,  kleine  n — n^,  z.  B.  3,4X10'^  so  genau  zu  messen  möglich  war, 
dass  die  Differenz  von  dem  schliesslich  erhaltenen  Werth  nur  “ j beträgt. 

Es  möge  noch  darauf  hingewiesen  werden,  dass  es  besser  ist,  mit 
breitem  als  mit  schmalem  Licht  zu  arbeiten.  Eine  geeignete  Drehung 
des  ganzen  Spectrometers  bewirkt  nämlich,  dass  sich  das  Licht  auf  einen 
beliel)ig  schmalen  Streif  zusammenzieht,  der  auf  der  einen  Seite  von  der 
Einstellungsgrenze  und  dem  anschliessenden  dunkeln  Gebiet,  auf  der  andern 
Seite  von  einem  durch  Ahblendung  verdunkelten  Gebiet  begrenzt  wird. 
Das  mit  der  Einstcllungsgrenze  endigende  dunkle  Gebiet  erscheint  dann 
zwar  schwärzer,  aber  die  Grenze  ist,  da  auch  der  beleuchtete  Theil  dunkler 
ist,  weniger  scharf,  wodurch  die  Einstellung  unsichrer  wird.  Bei  möglichst 
ausgebreitetem  und  hellem  Licht  diesseits  der  Grenze  scheint  zwar  .\nfaugs 
infolge  von  Blendung  die  Grenze  matter,  indess  ist  sie  schärfer  und  ge- 
stattet bessere  Einstellung. 

Die  Bestimmung  von  d,  auf  welche  zu  Anfang  dieses  Paragraphen  ver- 
wiesen wurde,  möge  jetzt  erläutert  werden.  Gleichung  9)  der  früheren 
Arbeit*)  giebt; 


n— i'o 


sin*a 
n-f  n„ 


wo 


• = — d [l  — (n  — n,,)]  (X'—  V sin  «)■ 


a bedeutet  hier  den  halben  Winkel,  welchen  S,  und  8.3  der  Fig.  1 
dieser  hier  vorliegenden  Arbeit  einschliessen.  Analog  würde  man  für  den 
halben  Winkel  zwischen  S,  und  S^,  der  mit  ct'  bezeichnet  werden  möge, 
erhalten 


* n -j-  n„ 

Durch  Subtraction  beider  Gleichungen  findet  sich  durch  eine  einfache 
llechnung 

, sin  («-{-«') 

V = (0:  — n ) / -p-  -r  > 

äln-t-n^) 

oder  wenn  man  den  vorher  angeführten  Werth  von  v einsetzt: 


13)  ^ «' — K sin(«-l-a') 

^ (n-f  nfli  ^ (n  — n„l)  (X'—  ’ sin  n) 

Fällt  d positiv  aus,  so  liegt  die  Spitze  des  Keilwinkels  nach  derjenigen 
Platte  zu,  aus  welcher  die  den  ^ a'  bildenden  Strahlen  Sj  und  Sj  aus- 


•)  Wied.  Anii.  .")0,  18ti3,  p.  ,"i83. 


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61 


treten  (in  Fig.  Platte  B),  fällt  J negativ  aus,  so  liegt  sie  nach  der  andern 
Platte  zu. 

Die  Formel  zeigt,  dass  a — « für  stärkere  Lösungen  sehr  klein  wird, 
so  dass  die  Ablesefehler  erheblichen  Einfluss  gewinnen,  für  schwächere 
Lösungen  sind  zwar  die  Werthe  «' — a grösser,  aber  die  Einstellungsfehler 
auf  die  Grenze  ebenfalls.  Zur  Bestimmung  von  d eignen  sich  daher 
mittlere  Lösungen  am  besten,  etwa  solche,  welche  Minute  für  u' — a 
geben.  Dem  entsprechend  findet  sich  aus  der  dritten,  vierten  und  zweit- 
letzten Bestimmung  von  Tabelle  I (für  die  letzte  Lösung  wurden  <p  und 
nicht  unmittelbar  hintereinander  bestimmt,  inzwischen  war  der  Trog  weg- 
genommen gewesen,  so  dass  a und  «'  nicht  zu  ermitteln  sind),  für  S die 
Werthe  1,34",  1,35"  und  1,Z4",  im  Mittel  l,3l",  hei  der  Verwerthuiig  aller 
Bestimmungen  der  Tabelle  1 findet  sich  1,4"  für  den  Mittelwerth. 

Benutzt  man  diese  Werthe  von  d zur  Berechnung  der  Correction  r. 


so  finden  sich  die  Abweichungen  der  berechneten  Werthe 


von  den 


beobachteten  für  die  Bestimmungen  unter  Tabelle  I (ohne  die  letzte  Lösung) 
nach  der  dortigen  Reihenfolge  zu: 


-10,5";  -11,8";  +0,5";  +l,i";  +1,6";  -0,s";  +2,3";  -0,8";  -3, 5";  +3,o" 


woraus  der  Genauigkeitsgrad  von  Neuem  entnommen  werden  kann  und 
eher  noch  etwas  höher  wie  früher  bewerthet  würde. 


§ 6.  Temperatureinflüsse. 


Zweierlei  Temperaturcon-ectionen  sind  zu  erörtern,  erstens  die  durch 
Unterschiede  der  Temperatur  in  den  beiden  Troghälften,  zweitens  die  durch 
Aenderung  der  Gesammtteinperatur  veranlassten.  Die  ersteren  bleiben 
meist  sehr  klein,  um  sie  richtig  zu  messen,  müsste  eine  thermoelektrische 
Temperaturmessung  eingerichtet  werden.  Von  der  Erstrebung  der  damit 
zu  erreichenden  Vergrösserung  der  Genauigkeit  konnte  ich  in  den  meisten 
Fällen  bei  meinen  Versuchen  abstehen.  Ist  ß der  Temperaturcoefficient 
des  Brechungsexponenteu  n„  (z.  B.  für  Wasser  bei  12„5“,  meine  Beobachtungs- 
temperatur, gleich  — 6 X 10^®)  und  t — 1„  die  Temperaturdifl'erenz  der 
beiden  Troghälften,  so  würde  sich  n„  bei  (ler  Verbringung  der  Flüssigkeit 
mit  n„  auf  die  Temperatur  t vermehren  um 

Jn„  = ^(t— g. 

Die  damit  verknüpfte  Aenderung  von  « wäre  (siehe  auch  p.  58  Formel  12): 


14) 


J«  = - (t-t„). 

sin  2 « ' " 


Für  jedes  0,oi“,  um  welches  die  Temperatur  von  Flüssigkeit  tiefer 
ist,  wie  die  von  n,  ist  daher  a um  einen  Betrag  zu  vermehren, 

hezw.  bei  höherer  Temperatur  zu  vermindern,  der  sich  für  unser  Temperatur- 
intervall aus  folgender  Tabelle  für  verschiedene  Werthe  von  a ergiebt: 

«=1.5"  3 6 12  24 

= 6,3"  3,1  1,6  0,8  0,46. 

Bei  meinen  Beobachtungen  heben  sich  diese  Correctionen  im  Mittel- 
werth von  a fast  überall  bis  auf  sehr  kleine  Beträge  heraus.  Bei  den 


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62 


verdünntereu  Lösungen  wurden  sie  indess  augebraclit,  insbesondere  für 
die  Bildung  der  im  vorigen  I’aragrapb  zur  Beurtheilung  der  Genauigkeit 

angegebenen  Werthe  “ Die  Correctionen  sind  an  jeder  einzelnen  Ein- 

Stellung  S nieht  erst  an  den  daraus  resultirenden  Winkeln  (Sj  S»;  180 — S, 
u.  8.  w.)  anzubringen,  wobei  etwas  Voreicbt  wegen  des  Vorzeichens  notb- 
wendig,  zu  berücksichtigen  ist,  dass  die  « die  ^ der  S mit  den  Platten- 
normalen bedeuten. 

Die  Abnahme  der  Brecbungsdifferenz  mit  steigender  Gesammttemperatur 
wurde  für  die  untersuchten  Substanzen  beobachtet.  Aus  Gleichung  6 a) 
und  7a)  ergicbt  sich: 

15)  _*  = ^ lO'T  “ü)  = ^ ^ 'f 

n — n„  dt  tg « (1 1 ’ 

wo  X die  Bezeichnung  für  den  Temperaturcoefticienten  ist,  und  worin  statt 
(f  natürlich  auch  <f,'  genommen  werden  kann. 

Die  Bestimmung  ist  einfach  auszuführea,  indem  man  den  mit  Deckel 
ver.sehenen  Trog,  nach  Vornahme  einer  Messung  nach  dem  Umdreh- 
verfahren in  einem  Kaum  von  tieferer  Temperatur,  in  ein  Zimmer  von 
höherer  Temperatur  verbringt  und,  sobald  er  letztere  angenommen,  eine 
neue  Bestimmung  macht. 

Auf  diese  Weise  ergab  sich  (u„  bezieht  sich  immer  auf  Wasser)  für 

X 


Trichloressigsäure,  t»  = 8,  zwischen 
11  ^ 1 e ^1  11 

Dichloressigsäure , r = 0,2, 

11  1 *’  liOi 

Zucker,  ii  = 2,.'>fj, 

Bromcadinium,  jji=0,52. 


12,4  und  17,6**  (•!</ 
12, ö „ 17,6"  (% 
bei  12,5" 

11  12„ä" 

11  17i8" 

11  18,6" 


3' 17")  2,18- 10-s 
6'  3")  2,08- 10- » 
2,69  10-s 
3,03  • 10-» 
0,95 -IO-» 
1,30-  10-=>. 


Alle  Beobachtungen  an  den  verschiedenen  Lösungen  eines  Körpers 
sind  mit  diesen  Tem])eraturcoefficienteu  auf  dieselbe  Temperatur  reducirt 
worden.  Dabei  fanden  die  Correctionen  wieder  direct  an  den  beobachteten 
Winkeln  statt,  welche  um 

Jf/  = X ( t — t.v), 

wo  t die  Beobaclituugs-,  t.N  die  Normaltemperatur,  vergrössert  wurden. 

Während  der  Ausführung  der  verschiedenen  Einstellungen  an  einer 
l,ösung  geht  die  Gesammttemperatur  langsam  etwas  in  die  Höhe,  etwa 
0,2 — 0,3“,  wodurch  die  Einstellungen,  wie  sich  aus  den  vorstehend 
gegebenen  Temperaturcoefticienten  tindet,  Aenderungen  von  einigen 
Secunden,  bei  den  concentrirtesten  Lösungen  etwas  mehr  (bis  12"  im 
Ma.ximum)  erleidet.  In  den  meisten  Eällen  ist  durch  die  Anordnung  der 
Beobachtungen  schon  für  die  Elimination  dieses  Teraper.atureinllusses 
gesorgt,  indem  z.  B.  erst  Sj  dann  S,,  dann  nochmals  S,  ermittelt  wmrde. 
Durch  .Anbringung  der  Temperaturcorrection  an  den  einzelnen  Beobachtungen 
ergab  sich  eine  Controle,  welche  fast  immer  zeigte,  dass  die  angegebene 
Anordnung  genügte. 

Im  üebrigen  wurden  nicht  nur  die  an  einem  Elüssigkeitspaar  gewonnenen 
ff<  und  (/',  sondern  wie  erwähnt  siimmtliche  der  nämlichen  Substanz  zu- 
gehörigen .Messungen  auf  eine  gemeinsame  Mitteltemperatur  reducirt. 

Vielleicht  Hesse  sich  die  Genauigkeit  durch  Auweiidung  eines  Bades 
noch  etwas  vergrössem. 


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63 


§ 6.  Heber  die  Abhängigkeit  des  BrechuugsTermögens  von  Lösungen 
Tou  der  Concentration. 

ln  einigen  früheren  Arbeiten  habe  ich  mich  mit  der  Abhängigkeit 
der  Lichtgeschwindigkeit  in  verdünnten,  wässerigen  Lösungen  von  deren 
Concentration  bescliäftigt  Es  zeigte  sich,  dass  die  molecularen  Brechungs- 
differenzen t’Jn,  wo  i’  die  Verdünnung  der  Lösung,  Jn  die  Brechungs- 
exponentdifferenz bedeutet,  auch  bis  in  sehr  grosse  Verdünnungen  hinein 
nocli  in  vielen  Fällen  stark  ansteigen*j. 

Da  die  grössere  oder  geringere  Stärke  dieses  Anstieges  im  Allgemeinen 
mit  der  Dissociation  der  Lösungen  parallel  lief  (1.  c.  p.  394),  lag  es  nahe, 
diese  für  die  Erklärung  herauzuziehen.  Indess  war  auch  der  Verlauf  des 
Molecularvolumens  mit  der  Verdünnung  zu  beachten,  welcher  zunächst 
für  so  verdünnte  Lösungen  noch  nicht  hatte  beobachtet  werden  können. 
Nachdem  er  bekannt  geworden  war**),  ergab  sich  das  Resultat***):  „der 
Gang  in  den  Werthen“  von  vJii  ist  „durch  den  Gang  des  sogenannten 
Molecularvolumens  bedingt:  die  Diclitigkeit  ist  es  im  Wesentlichen,  auf 
die  sich  constitutive  Einflüsse  (Dissociation)  geltend  machen,  das  Bfechungs- 
vermögen  wird  von  ihnen  nur  sehr  wenig  berührt.“  Letzteres  behielt 
nämlich  noch  einen  Rest  von  Zunahme,  der  indess  sehr  klein  war,  etwa 
1*0  bei  Anwendung  der  R'-Forinel.  Es  fr.igte  sich,  oh  dieser  Rest  noch 
weiter  erklärbar  sein  würde.  Es  konnte  die  mit  der  Verdünnung 
fortschreitende  Dissociation  einen  Einfluss  haben,  aber  es  konnten  auch 
andere  Umstände  einwirken,  denn  es  ergaben  z.  B.  auch  Lösungen  von 
Körpern,  die  sich  niclit  dissociiren,  wie  z.  B.  von  Zucker,  einen  Anstieg, 
auch  ist  das  Brechungsvermögen  von  Mischungen  nicht  aufeinander 
reagirender  Flüssigkeiten  aus  dem  Brechungsvermögen  der  Coraponenten 
nur  annäherungsweise  zu  berechnen  u.  A.  m.  Es  hat  sich  eben  bei  allen 
einschlägigen  Untersuchungen  gezeigt,  dass  das  Brechungsvermögen,  nach 
welcher  der  dafür  aufgestellten  Formeln  es  auch  l)erechnet  werden  mag, 
zwar  die  Aenderungeii  der  chemischen  Natur  wiederspiegelt,  aber  doch 
nur  als  annäherndes  Mass  dafür  betrachtet  werden  kann,  da  es  eine  nur 
annäherungsweise  nicht  vollständig  von  anderen  Einflüssen  befreite  Grösse 
istf).  Jene  nur  auf  etwa  1"„  bei  den  R',  2"/o  den  R-Werthen 
anwachseiiden  Reste  des  Anstieges  vom  Brechungsvermögen  Hessen  nun 
irgend  einen  Schluss  darauf,  ob  einer  der  erwähnten  Ursachen  in  hervor- 
ragender Weise  der  Anstieg  zuzusr,hreil)en  sei,  niclit  zu,  somit  war  das 
Resultat  jener  Versuche,  dass  der  Anstieg  mit  der  Verdünnung  „nahezu 
durch  die  Dichteänderungen  erklärt“  werde,  dass  die  letzteren  die  oben 
genannten  Constitutionsänderungen“,  des  Dissociationsgraiies,  „wieder- 
spiegeln, während  das  Brechungsverniögen  von  ihnen  einen  Fänfluss  von 
sicher  deutbarer  Grösse  nicht  erleidetft)-“ 

Dabei  blieben  es  offene  Fragen,  ob  die  Dissociation  vielleicht  doch 
einen  directen  Einfluss  hätte,  der  aber  quantitativ  zu  gering  wäre,  um  in 
den  beobachteten  Fällen  erkennbar  zu  sein  und  wenn  dies  der  Fall  war. 


*)  W.  Iliillwachs,  (tütt.  Naohr.  1H92,  Nr,  9;  Wied.  Ann.  17,  1892,  p.  391. 

**)  F.  Kotilranscli  und  \V.  Hallwae.hs,  (lütt  Nadir.  1893,  p 350;  Wied  Auii. 
60.  189.3,  p.  118;  53,  1894,  p.  14;  F.  Kohlrausch,  Wied.  .4nn.  56,  1893,  p.  18.5. 

•••)  Wied.  Ami.  50,  1893,  p .587 
f)  s a.  p.  79  Aiiincrkiiiig  **•). 
f-fj  Wied  Ann.  53,  1894,  p.  1 und  2. 


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64 


ob  es  vielleicht  einzelne  Jonen  gebe,  welche  beim  Uebergang  in  den 
neutralen  Zustand  eine  Aenderung  des  Brechungsvennögens  von  beträcht- 
licherer Grösse  bewirkten.  Ein  Einfluss  derselben  auf  den  Gang  des 
Brechungsvermögens  bei  fortschreitender  Verdünnung  konnte  etwa  erkennbar 
werden,  wenn  sich  Lösungen  damit  bilden  Hessen,  welche  in  dem  Gebiet 
zwischen  den  mit  den  optischen  Methoden  erreichbaren  grössten  Ver- 
dünnungen und  nicht  allzu  grossen  Concentrationen,  bei  denen  andere 
Complicationen  in  Aussicht  standen,  ihren  üissociationsgrad  genügend 
änderten. 


§ 7.  Versuche  von  Herrn  Dijken. 

Eine  grössere  Anzahl  von  Beobachtungen  der  Brechungsdiflerenz 
und  des  Molecularvolumens  von  Lösungen  bis  zu  stärkeren  Verdünnungen 
hinab,  hat  inzwischen  Herr  Dijken*)  veröffentlicht.  Dieselben  liefern  das 
mit  dem  meinigen  übereinstimmende  Resultat,  dass  das  Brechungs- 
vermögen „bij  verschillende  graad  van  dissociatie  bijna  constant  blijft“. 

Die  optischen  Grössen  hat  Herr  Dijken  mittelst  des  luterferential- 
refractors  unter  Anwendung  eines  Flüssigkeitscompensators  bestimmt. 
Mit  letzterem  hatte  schon  vor  einiger  Zeit  Herr  Borgesius  gearbeitet**), 
aber,  wie  ich  früher  darlegte***),  keine  zu  weiteren  Schlüssen  genügend 
genaue  Resultate  erhalten.  Herr  Dijken  hat  eine  sehr  beträchtliche 
Fehlerquelle  dabei  nachgowiesen,  nämlich  dass  Herr  Borgesius  das  Wasser 
in  dem  Flüs.sigkeitstrog  nicht  regelmässig  erneuerte.  Herr  Dijken  zeigt 
p.  42  und  43  durch  Versuche,  dass  dann  zu  kleine  Werthe  iur  n — n„ 
erhalten  werden , da  natürlich  das  Wasser  Verunreinigungen  sowohl  vom 
Trog  als  von  der  Umgebung  aufnimmt.  Da  der  Gang  in  den  Werthen 
für  die  moleculare  Brechungsdifferonz  bei  Dijken  ganz  normal  ist  und  mit 
dem  früher  von  mir  beobachteten  gut  überoinstimmt,  dürfte  der  erwähnte 
Fehler  in  den  meisten  Fällen  die  Abweichung  der  Resultate  des  Herrn 
Borgesius  grösstentheils  erklären , so  dass  sich  die  Einwände  gegen  diese 
Methode  vermindern  und  man  im  Allgemeinen  sagen  kann,  dass  Herr 
Dijken  den  Flüssigkcitscompensator  brauchbar  gemacht  hat. 

Es  bleibt  bestehen  eine  Vergrösserung  der  Fehler  im  Vergleich  mit 
meinen  früheren  Beobachtungen,  welche  aus  zu  geringer  Troglänge  hervor- 
gehen. Dijken  vertauscht  nur  35  mm  lange  Flüssigkeitsschichten,  während 
ich  210  mm  dazu  benutzte,  so  dass  er  nur  den  sechsten  Theil  der  Streifen 
erhält  und  das  zu  bearbeitende  Gebiet  nur  bis  zum  sechsten  Theil  der 
Verdünnung  hinab  erstrecken  kann.  Es  wird  demgemäss  angegeben  (p.  26), 
dass  für  XIDNO*  Lösung  mit  einem  f;  = 128  (n  — n„  = 0,76  X 10^*)  nur 
4 — 5 Streifen  am  Fadenkreuz  vorübergehen  und  die  Messungen  dadurch 
weniger  genau  sind,  so  dass  dann  grössere  Tiefe  der  Flüssigkeit  vor- 
zuziehen ist.  Da  nun  aber  mit -anderen  Methoden  (s.  § 1 — 6 dieser  Arbeit) 


*)  1).  Dijken,  De  Moleculairrefractie  vun  ventunde  Zoiitoplossingen , tiriminsen, 
lloitsemn,  lHil7;  s.  a Ztschr.  ph.v»,  Clieni  24,  1867,  ji.  81,  wo  indess  Theil«  der  Arbeit 
nur  im  Auszug  mitgetlieilt  sind,  weshalb  im  B'idgendcni  die  Seiten  der  Originalablmndlung 
eitirt  werden.  Beobachtet  sind  an  je  etwa  8 (’oneentnitionen.  « — l bis  e=128, 
NID  NO»;  NH‘C1-,  (XH*)‘SOL  K CI;  ■/,  Mg(XO=)ä;  V,Jlg8l>‘;  ‘'jMgCl«;  ’/iZnCXOVi 
Va  Zn  CI*. 

**)  Borgesius,  Wied.  Ann.  54,  1895,  p.  221. 

••*)  Wied.  Ann.  55,  1895,  p.  282. 


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G3 


bis  zu  sehr  grossen  Verdünnungen  (entsprechend  etwa  n — n„  = 3X10“^), 
die  lirechungsdifferenzen  viel  einfacher  und  schneller  wie  mit  dem  Inter- 
ferentialrefractor  bestimmbar  sind,  wäre  dieser  gerade  für  die  äussersten 
Verdünnungen  auszubilden,  also  auf  griissere  Zellenlänge  des  Flüssigkeits- 
compensators  hin  zu  arbeiten.  Vielleicht  möchten  aber  dann  durch  die 
Schwierigkeit,  die  Temperatur  in  dem  ganzen  Apparat  constant  zu  halten, 
grössere  Fehler  entstehen.  Wenigstens  fand  sich  bei  meiner  früheren 
Anordnung  eine  grössere  Uohrlängc  als  etwa  200  mm  zwecklos*). 
Hinsichtlich  Temperaturausgleich  und  Constanz  war  diese  aber  dem 
Flüssigkeitscompensator  überlegen,  indem  Wasser  und  Lösung  nur  durch 
eine  dünne  Platinwand,  statt  durch  dicke  Glasplatten  und  eine  Flüssigkeits- 
schicht, getrennt  waren  und  sich  die  Flüssigkeiten  innerhalb  einer  ge- 
schlossenen Röhre  mitten  in  einem  grossen  Wasserbad  von  6 Liter  Inhalt 
befanden,  während  der  Trog  des  Compensators  wohl  nur  etwa  ’/s  Liter 
fasst.  D.ass  man  den  Compensator  auf  200  mm  Länge  zu  bringen  ver- 
mag, ist  mir  der  TemperatureinÜüsse  halber  daher  zweifelhaft,  wenigstens 
so  lange  nicht  sehr  umfangreiche  Anordnungen  getroffen  werden. 

Die  früher  hcrvorgehobcno  Schwierigkeit,  dass  bei  sehr  geringer 
Streifeuzahl  die  Streifen  breit  und  verwaschen  werden,  eliminirt  Herr 
Dijken  dadurch,  dass  er  für  Krechungsditferenzen,  die  kleiner  als  6X10~‘ 
sind,  die  Phasenditferenz  nicht  durch  Null  hindurchschlägt,  sondern  durch 
Drehung  der  einen  Uefractorplatte  einen  anderen  Theil  des  Streifensystems, 
wo  dann  die  Streifen  schärfer,  wenn  auch  schmäler  werden,  ins  Gesichts- 
feld des  Fernrolirs  bringt.  Die  Einstellung  ist  dann  genauer. 

Ein  Hauptvortheil  des  Flüssigkeitscompensators  besteht  darin,  dass 
die  Vertauschung  der  Flüssigkeiten  ohne  den  Zeitverlust,  welchen  das 
ümfüllen  mit  sich  bringt,  geschieht,  so  dass  sie  öfters  wiederholt  und 
dadurch  die  Genauigkeit  gesteigert  werden  kann. 

Die  Differenzen  der  Beobachtungsteraperaturen  bei  den  verschiedenen 
Conccntrationcn  derselben  Substanz  sind  bei  Dijken  sehr  gross.  Sie 
steigen  auf  nahezu  7 Grad  an,  während  ich  früher  ihre  Beschränkung 
auf  einige  Zehntel  Grad  für  nöthig  fand;  dazu  kommt,  dass  gerade  wo 
die  stärksten  Temperaturditferenzen  eintreten,  die  Temperaturcoeflicienten 
von  n — n„  nicht  bestimmt  sind. 

Wenn  nun  auch  nicht  überall  die  grösste  Genauigkeit  erreicht  ist, 
so  liefern  doch  die  Beobachtungen  des  Herrn  Dijken  [.Mg(NO“)^  vielleicht 
ausgenommen]  ein  sehr  brauchbares  Material. 

Was  .Mg(N'()=‘)2  betrifft,  so  findet  sich  von  v=l  bis  i»==128  eine 

Abnahme  von  R,  dem  Brechungsvermögen  nach  der  ” ^ Formel,  von 

nicht  weniger  als  8“/„,  während  alle  anderen  sowohl  von  Herrn  Dijken 
als  auch  von  mir  ausgeführten  Bestimmungen  eine  Zunahme  liefern  und 
zwar  von  etwa  2“„  im  Maximum.  Mau  darf  wohl  vermuthen,  dass  dies 
abnorme  Resultat  auf  Fehlern  in  den  Werthen  des  Molecularvolurnens 
beruht.  Denn  bei  den  Sulfaten,  sowohl  nach  F.  Kohlrausch  und  mir, 
wie  aucli  bei  den  Chloriden,  nach  Dijken,  haben  Zink  und  .Magnesium 
einen  ganz  analogen  Verlauf  der  Curven,  welche  die  .M(decularvolumina 
als  Function  der  Concentration  darstellen.  Bei  den  Nitraten  findet  aber 

•)  Wied.  Ann.  47,  18Ö2,  p.  384. 


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GG 


Dijken  einen  durchaus  verschiedenen  Verlauf.  Zugleich  ist  die  Abnahme 
des  Molecularvolumens  im  Intervall  von  r = 1 bis  v = 128  grösser  als 
ilie  irgend  eines  der  bisher  in  diesem  Intervall  beobachteten  Körper  und 
dazu  haben  sich  die  stärksten  Aeuderungen  bisher  bei  den  Säuren  ergeben, 
während  die  Salze  viel  kleinere  Aenderungen  zeigen.  Die  Resultate  mit 
Mg  (NO*)®  sind  also  sowohl  hinsichtlich  der  R-\Vertlie,  als  auch  hin- 
sichtlich der  Molecularvolumina  ohne  Vergleich.  Bei  der  Beachtung,  die 
ein  so  abweichendes  Verhalten  erforderte,  wäre  eine  Wiederholung  dieser 
Versuche  sehr  zu  wünschen. 

Hinsichtlich  der  Dichtebestimmungen  ist  noch  auf  eine  Ungenauigkeit 
hinzuweisen.  Die  Kiuzeltemperaturen  weichen  von  der  Mittelteinjieratur 
für  die  Lösungen  einer  Substanz  um  Beträge  ab,  die  0,5 — 1“,  bei  einer 
Substanz  sogar  mehr  als  2®  erreichen.  F.  Kohlrausch  und  ich  haben 
es  bei  unseren  Versuchen  für  nöthig  gefunden,  die  Temperatur  auf 
einige  0,oi"  constant  zu  halten.  Der  Eintluss  der  Teinperaturschwankungen 
könnte  durch  eine  grössere  Anzahl  von  Ansdehnungscoefticienten- 
bestimmungen  corrigirt  werden.  Solche  Bestimmungen  hat  nun  Herr 
Dijken  fast  durchaus  für  ein  beträchtlich  höher  liegendes  Temperatur- 
intervall, als  dasjenige,  über  welches  corrigirt  werden  muss,  gemacht; 
ebenso  werden  dio  Reductionen  des  Gewichts  des  Glaskörpei's  in  Wasser 
alle  mit  einem  Mittelwerth  des  Ausdehnungscoefticienten  ausgeführt,  ohne 
Rücksicht  auf  die  Lage  des  Correctionsintervalls.  Dadundi  treten  beträcht- 
liche Fehler  auf.  Zum  Beispiel:  Bei  .Mg(NO'*j®  ist  das  Gewicht  in  Wasser 
von  15,13®  auf  16,00®  zu  reduciren.  Dafür  würde  sich  mit  dem  zugehörigen 
ai,,„=l,5(iX10^^  und  einem  «oia.,  = 0,2ti  10'^  eine  Correction  von  18,5“« 

ergeben,  während  Dijken  mit  einem  mittleren  l'einperaturcoefficienten 
20,1"«  berechnet,  was  volle  Unterschied  macht.  Aehnlich  wie  bei 

diesem  Beispiel  mit  Wasser  ist  es,  wie  es  scheint,  bei  den  Lösungen, 
deren  Ausdehnungscoefticienten  noch  überdies  immer  nur  an  der  con- 
centrirtesten  ermittelt  wunlon,  was  hier  der  grossen  Teinperaturintervalle 
wegen,  über  die  corrigirt  werden  muss,  nicht  genügt.  Dadurch  entstehen 
beträchtliche  Fehler  für  die  .Molecularvolumina;  so  wünle  z.  B.,  wenn 
man  die  richtigen  einsetzt,  letzteres  für  die  dritte  .Mg  (NO®)-  Lösung 
(p.  54)  um  eine  Fänheit  anders  ausfallcn. 

S;  8.  Unter.siichnng  der  Abhängigkeit  des  Brerhimgsverniögens  von 
der  Concentration  bei  wässerigen  Lösungen  von  Broincadniinni, 
Zucker,  Di-  und  Trieliloressigsäure  und  deren  Kaliunisalzen. 

A.  Bromcad niiuin. 

Bei  den  im  ersten  Theil  erwähnten  Untersuchungen  wählte  ich  die 
Substanzen  so,  dass  gleichzeitig  die  5j  G letzter  Absatz  erwähnte  Fnige 
nach  dem  eventuellen  (luaiititativen  llervortreten  einzelner  .Ionen  geprüft 
werden  konnte.  Diese  Wahl  konnte  nach  vorhandenen  Untersuchungen 
über  die  .\eiiderung  des  Brecliimgsvermögen.s  bei  der  N'eutndisation 
getrotleri  werden*).  Die  Arbeit  des  Herrn  Le  Blanc  hatte  ich  schon 

')  Ostwftlcl,  .Tuum.  piakt.  Clum.  (XF)  IS,  |S7S,  p.  32S;  ],e  Ulaiic,  Zeitschr. 
phjä.  t’hem.  4,  IHSO,  p.  5.')3;  Le  IltLiiic  und  Kuhlaud,  Zeitsehr.  phjs.  t'hem.  19,  189tj, 

p.  201. 


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67 


früher*)  erwähnt  und  auch  seine  Beobachtungen  an  H*S0‘  zum  Ver- 
gleich herangezogen.  In  dieser  Arbeit  stiess  ich  bei  einer  Nachrechnung 
einiger  Angaben  wiederholt  auf  Fehler**),  so  dass  ich  mich  zunächst 
darauf  beschränken  musste,  eine  Revision  des  Zahlenmaterials  von  Herrn 
Le  Blanc  als  wünschenswerth  zu  bezeichnen.  Dies  ist  nun  in  dankens- 
werther  Weise  durch  die  Herren  Le  Blanc  und  Rohland  1.  c.  geschehen, 
die  meisten  Bestimmungen  wurden  wiederholt,  so  dass  man  sich  nur 
an  die  neue  Arbeit  zu  halten  hat***),  ln  dieser  Arbeit  werden  die 
Differenzen  der  Aequivalentrefractioueu  von  Säuren  und  ihrem  N'a-Salz, 
sowie  von  Salzen  und  anderen  Salzen  untersucht,  wobei  die  Substanzen 
so  gewählt  sind,  dass  sie  sehr  verschiedenen  Dissociationsgrad  zeigen. 
Durch  Vergleich  jener  Differenzen  für  sehr  stark  und  sehr  schwach 
dissociirte  Substanzen  kann  dann  ein  directer  Einfluss  von  Dissociation 
wahrscheinlich  gemacht  werden.  Die  Unterschiede  dieser  Differenzen 
sind  im  Allgemeinen  klein,  so  dass  wegen  bestehender  Nebeneinflüsse 
(s.  p.  74,  75,  79)  auf  den  Einfluss  der  Dissociation  nicht  mit  voller 
Sicherheit  geschlossen  werden  kann. 

Nur  in  einem  Falle  kommt  eine  grössere  Differenz  vor,  welche  einen 
völlig  einwandfreien  Nachweis  für  die  Einwirkung  der  Dissociation  geben 
würde:  einer  Differenz  der  Aequivalentrefractionen  stark  dissociirter 

Bromide  und  Jodide  von  11,4  steht  nämlich  gegenüber  eine  Differenz 
zwischen  dem  schwach  dissociirten  Brom-  und  Jodcadmium  von  nur 

•)  Wied.  Auii.  öd,  1S04,  p.  11. 

•*)  So  auch  Herr  Di.jken  I.  c.  p.  60. 

***)  Le  Blanc.  Zeitschr.  plija.  Chem,  19,  1896,  p.  262,  Aniuerkc,  ,.AlIe  in  Betracht 
komniendcn  Daten  koinnieu  in  dieser  .Arbeit  vor,  ao  dass  auf  die  Tabellen  meiner 
früheren  .Arbeit  nicht  mehr  zurückgeKriifen  werden  darf.“  In  dieser  Anmerkiing  sagt 
Ilerr  Le  Blanc  auch,  dass  er  die  Behalte  der  verschieden  concentrirten  Jei.'iunKeu  einer 
imd  derselben  Substanz,  einzeln  durch  Titriren  erhalten  hat.  Da  die  relative  Richtigkeit 
der  Conccntratiouen  durch  Verdimuen  mit  Messkolben  und  Pipette  weit  schärfer  erhalten 
werden  kann,  wie  durch  Titraticni,  werden  durch  die  Einzeltitration  vermeidbare  Fehler 
in  die  Goucentrationsverhältnisse  eingefUhrt.  Man  sollte  die  relativen  Verdünnungen 
daher  für  sich  bestimmen  und  das  Resultat  der  Titrationen  zu  einem  Mittel  vereinigen. 
Hätte  ich  aus  der  Arbeit  des  Herrn  Le  Blanc  entnehmen  können,  da.ss  dic.s  nicht  ge- 
schehen ist,  so  würde  ich  natürlich  keine  Muthmassungen  Uber  den  Grund  der  gefun- 
denen IrrthOmer  gemacht,  insbesondere  diese  nicht  inFehlern  der  Dichtigkeitsbestimmungen 
gesucht  haben.  — Auf  p.  268  1.  c.  werden  meine  Beobachtungen  an  H*S()‘,  HOI  und 
Weinsäure  niitgetheilt,  aber  nur  die  AR-Werthe  angegeben,  dazu  wird  eine  Stelle  aus 
einer  früheren  Arbeit  von  mir  {AVied.  Ami.  58,  1894,  p.  lil)  citirt,  welche  sich  auf  die 
R'-Werthe  bezieht.  Da  der  im  Original  vorhaiideiio  Biichstabe  R'  im  Oitat  irrthUmlich 
wcggeblieben  i.st,  in  den  Zahlen  hingegen,  wie  erwähnt,  gerade  umgekehrt  die  R'-Werthe 
weggebliebeii  sind,  so  erscheint  meine  Behauptung  ganz  ungereimt.  Ferner  ist  innerhalb 
des  citirten  Satzes  meiner  früheren  Arbeit  eine  Verweisung  auf  eine  Anmerkung,  welche 
besagt;  „sollten  sich  diejenigen  Substanzen  des  Herrn  Le  Blanc,  welche  ich  nicht 
untersucht  habe,  anders  verhalten,  wie  die  mitersuclitcn,  so  wären  sie  hier  auszunehtnen“. 
Ich  hätte  gewünscht,  dass  diese  zu  dem  Satze  gehörige  .Anmerkung  mit  ihm  erwähnt 
worden  wäre,  weil  ans  ihr  hervorgeht,  dass  ich  die  Eveiitnaliiät  von  Siib.stanzeii  mit 
anderem  A'erhalten  anerk.annte.  — Ilerr  Le  Blanc  macht  mir  .sodann  den  A’orwnrf.  dass 
ich  seine  Resultate  nicht  versucht  hätte  mit  den  ineinigen  in  Einklang  zu  bringen. 
Wie  erwähnt,  habe  ich  seine  Versuche  aiiH^SO*,  die  sich,  bis  auf  die  22  “ „ige  Liwuiig, 
bei  welcher  ein  Fehler  vorliegon  musste,  zu  meinem  Zwecke,  iiäiiilicli  ilen  Gang  der 
molcciilarcn  Brecliungsdiflerenz  bei  Coneentrationsänderungeii  auf  seine  Ursachen  znrück- 
zuführen,  verwertlien  Hess,  p.  12  I.  c.,  anfgenomnien.  Sie  ergaben  dasselbe  Resultat  wie 
meine  eigenen  Beobachtungen.  Auf  die  übrigen  Versuche  hatte  ich  auch  die  .Absicht 
einztigehcn,  stiess  aber,  indem  ich  dies  versuclitc,  sofort  und  wiederholt  auf  IrrthUnier, 
so  dass  ich  nicht  weiter  kam,  und  nur  den  Wunsch  auf  Revision  der  Beobachtungen 
aussprecheii  konnte.  Diese  ist  nunmehr  inzwischen  erfolgt. 

** 


Digilized  b,  '"'ooglt 


68 


6,8  Einheiten.  Die  Differenz  ist  4,8  bei  ilireiu  Bestehen  würden  secundäre 
Einflüsse  den  Schluss  auf  Einwirkung  der  Dissociation  nicht  mehr  stören. 
Die  Herren  Le  Blanc  und  Uohland  geben  an  (p.  281):  „diese  Salze,  in 
sehr  verschiedener  Verdünnung  untersucht,  müssen  (ebenso  wie  bei  Dichlor- 
essigsäure)  mit  steigender  Dissociation  ihr  Brechungsvermögen  ändem“. 
Gelegentlich  des  ersten  Theils  dieser  Arbeit  habe  ich  das  Brcchungs- 
verraögen  von  Bromcadmiuinlösungen  in  Wasser  für  verschiedene  Concen- 
trationen  untersucht,  konnte  aber  die  Versuche  von  Herren  Le  Blanc  und 
Rohland  an  Br-  Cd  nicht  bestätigen  und  gelangte  schliesslich  dazu  zu 
vermuthen,  dass  sie  auf  einem  Irrthura  beruhen,  der  wohl  darin  besteht, 
dass  der  l’rocentgehalt  an  krystallisirtem  statt  an  wasserfreiem  Salz  in 
die  Rechnung  eingesetzt  wurde. 

Zunächst  theile  ich  meine  eigenen  Versuche  mit.  Das  Cd  Br“  war 
von  Gehe  & Co.,  frisch  bezogen  und  zeigte  keine  Verwitterung.  Unter 
Rücksicht  axif  4 Molecüle  Krystallwasser  ergab  sich  aus  der  Herstellung, 
durch  Abwägen  von  Substanz  und  Wasser,  der  Gehalt  meiner  Original- 
lösung zu  35,84 Das  spec.  Gewicht  derselben  fand  ich  s-'^  = 1,4231, 
den  Ausdehnungscoefticienten  a = 4,«yi0-*.  Mit  Hülfe  dieser  beiden 
letzten  Daten  erliält  man  aus  den  Angaben  von  Grotrian*)  einen  Procent- 
gehalt von  36,14,  der  mit  dem  obigen  gut  übereinstimmt.  Nach  den  An- 
gaben von  Kremers**)  über  specifisches  Gewicht  und  Procentgehalt  würde 
sich  36,7  finden,  was  bis  auf  1,5", o mit  Grotrian  übereinstimmt,  wobei  zu 
berücksichtigen,  dass  Kreiners  nur  drei  Decimalen  giebt. 

Bei  den  folgenden  Resultaten  habe  ich  den  nach  Grotrian  erhaltenen 
Werth  36,1  zu  Grunde  gelegt,  da  seinen  Angaben  eine  Analyse  zu  Grande 
liegt,  während  ich  mich  darauf  beschränkte,  durch  Ab  wägen  von  Substanz 
und  Wasser  eine  Controle  zu  erhalten;  überdies  sind  die  spccifischen  Ge- 
wichte von  Grotrian  sehr  zuverlässig. 

Aus  der  Originallösung  ergaben  sich  durch  Verdünnen  mittelst  selbst 
naehgeaichter  Pipetten  und  Messkolben  vier  verdünntere  Lösungen,  deren 
Brecliungsdifferenz  und  deren  Dichte  beobachtet  und  zur  Berechnung  des 
Brechungsverniögens  verwendet  wurden. 

Die  Bestimmung  von  n — n„  erläutert  § 1 — 5,  hinsichtlich  der  Re- 
duction  auf  gemeinsame  Temperatur  siche  speciell  § 5,  wo  auch  der 
Temporaturcoefficient  von  n — n„  angegeben  ist.  Die  Bestimmung  der 
specifischen  Gewichte  erfolgte  in  der  früheren  Weise***)  mit  der  Abänderung, 
dass  als  Aufhängefaden  ein  matter  Platindraht  von  ' mm  Dicke  zur 
Verwendung  kam  f ).  Das  Volum  des  Ghuskörpers  betrug  etwa  80  ccm, 
sein  Gewicht  in  Wasser  3,2  bis  9,,5g,  ersteres  ohne,  letzteres  mit  der  grösseren 
von  zwei  Platinzulageu,  welche  die  Bestimmung  der  concontrirteren  Lösungen 
möglich  machten. 

Die  Ausdehnungscoefticienten  berechnete  man  aus  dem  oben  an- 
gegebenen der  Ausgangslösung  unter  der  Annahme,  dass  « — «uto  <ler 
Goncentration  proportional  sei.  Diese  Annahme  lieferte  z.  B.  für  die  ver- 


*)  Urotrinn,  Wictl.  Anu.  18,  1883,  p.  liK). 

••)  Ivremcrs,  l’ogg.  .\nn.  104,  1858,  p.  182;  .Viigiibcn  und  Citat  nach  Urotrian, 
1.  c.,  p.  187. 

**•)  F.  Kohlrausch  und  W.  Halhvachs,  Wied.  .4im.  63,  18!)4,  p.  14. 
y)  F.  Kohl  rausch,  Wied.  Aun.  50,  1895,  p.  180. 


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(!9 


dünnteste  Lösung  bei  18,  i“  eine  Gewichtszunahme  des  Glaskörpers  in 
der  Lösung  von  13,2  mg  pro  Grad,  während  die  directe  Bestimmung 
13,15  mg  ergab. 

Für  die  Verdünnung  v der  Originallösung  [Liter  auf  Grammäquivaleut 
’i»  Cd  Br®]  folgt  aus  den  p.  68  gegebenen  Werthen  nach  Ileduction 
auf  18,50°  i’ori*  = 0,26426.  Aus  dieser  Zahl  und  den  Inhalten  der  Kolben 
und  Pipetten  finden  sich  die  in  Tabelle  III  angegebenen  Verdünnungen. 

Die  sich  entsprechenden  optischen  und  Dichtehestiramungen  fanden 
immer  an  ein  und  derselben  Lösung  statt. 

In  den  folgenden  Tabellen  bedeuten: 
t,,  t die  Mittelteraperatur  und  die  Versuchstemperatur. 

= — 1^  siehe  Gleichung  9)  p.  55,  Trogcorrection. 

Jat  = -^tgaJt  siehe  Gleichung  15)  und  7a),  Temperaturcorrection. 

ttcrr  den  mit  beiden  Correctionen  versehenen  in  Gleichung  10)  einzu- 
führenden Winkel. 

V,  n — n„  Verdünnung  bezw.  BrechungsdiiTerenz  gegen  Wasser, 

9 siehe  p.  52. 


Tabelle  III. 

Cd  Br’;  t„  = 18,50“. 


u IS.5« 

t 

180  — 9 

I 

Jfty 

1 

i 

*^eorr 

1K,50® 

n — no 

l,a590 

18,21“ 

11“  58' 46.0" 

+ 

43,9"! 

— 8.5"  ' 

11“ 

59'  21" 

0,016082 

1 

19,08“ 

58'21,2"| 

i 

1 

4,2438 

18,41“ 

i 6“  1'  0,o"' 

+ 

41,2"; 

— 1,3" 

6“ 

1'  40" 

0,004128 

17,008 

18,44" 

3"  1'  6,o" 

+ 

40,6"  1 

— <>.■*''  1 

3" 

1'46"  j 

1 0,(H)10470 

34,059 

18,46“ 

1 2“  8'  20,8" 

+ 

40,4"  1 

- 0,2"  ' 

2“ 

9'  1" 

1 0,(KK)5277 

Die  nächste  Tabelle  giebt  die  specifischen  Gewichte:  T ist  die  Be- 
obachtungstemperatur, g das  Gewicht  in  Flüssigkeit,  g^orr  das  auf  18,5oo“ 
corrigirte  Gewicht,  s J|].’  das  specifische  Gewicht  bei  18,5“  bezogen  auf 
W’'asser  gleicher  Temperatur,  f/  das  Molecularvolumen 

y ='^-1000  V (s-l)‘), 

wo  A das  Aequivalentgewicht,  Q die  Dichtigkeit  des  Wassers  bedeutet. 


')  Wied.  .lim.  53,  16!)4,  p.  3 und  .37. 


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70 


Tabelle  IV. 

Br''  Cd  = 135,9«;  ^ = 136, i«;  t„  = 18,5o". 


l'lsi” 

T 

g 

gforr 
18.5*  (lici. 

18.5 

” 18..5  ^ ) 

ttes. 

1000 

t.(s-l) 

V<8.5" 

Glaskilrper 
in  IDO 

n,«.««" 

3,2a572 

3,29625 

- 

— 

— 

Glask.  4*  Pt- 
Zula^^^e  in  H*0 

17,05«“ 

9,31594 

9,32.565 

O.iki.34219**) 

(17.G56«) 

0,00.34208 

(18,50®) 

_ 

— 

34,059 

17,7«-“ 

3,0099« 

3,<K)811'^ 

(17,(i5<i») 

116,51 

19,65 

— 

18.516  " 

3,01982 

3,01915 

0.)K)34219 

116..55' 

17,00« 

18,048“ 

2,74433 

2.74191 

0,(KHiSI,55 

116,42 

19,74 

4,2438 

18,504" 

1,08717 

1 ,08095 

0,02728:1 

115,78 

20, '18 

1,0590 

18,310“ 

0,53775 

0„541.37 

0, 108078 

114,45 

21,71 

0,2342« 

19,40“ 

1»,4 

J‘,1.4 

= 1,42.54 

0,4260 

112,67 

23,59 

Aus  (len  Wertlien  vorstehender  beider  Tabellen  ergiebt  sich  nun  die 
Aerjuivalentrefraction  All  nach  der  Gleichung 

All  = 1000  u (n  — n„)  + >;  ***), 

ö 

und  AR'  nach  der  ara  gerade  citirten  Ort  p.  4 gegebenen  Formel.  « be- 
deutet den  Dissociationsgrad.  Alle  einzelnen  Werthe  sind  auf  18,50“  roducirt. 


'rabell 

e V. 

V 

1000 

g (n  - n„) 

's  V 

AU 

All' 

u 

1,0590 

17,030 

7,237 

24,267 

13,96« 

0,16 

4,2438 

17„520 

6,79.3 

24,3 13 

14,003 

0,29 

17,008 

17,80« 

6,,580 

24,39 

14,04 

0,46 

34,059 

17,973 

6,643 

■24,52 

14,11 

0,54 

Die  Vergrösserung  von  All  mit  steigender  Concentration  beträgt  1 "o 
und  ist  etwa  von  derselben  Grössenordnuog,  wie  in  den  früher  beobachteten 

*)  VQ  d.  h.  Volum  des  ( 1 laskörjttrs  x Wasserdichte  bei  18,ri“  ist  bei  Versuch  7) 
81,a-si  g;  bei  Versuch  «)  5)  iin<l  4)  SO.msi  g;  bei  ^■e^such  3)  für  ly.avi®  80,nisi  g. 

Die  obere  Zahl  gilt  für  17, «.'ic",  die  untere  ist  ilaraus  durch  Ueduetion  auf  18,5® 
mittelst  re — re  H'o  — 1.5  X IO-®  entstanden.  Für  gti»o  wunte  3,es'itj  — 0,47  ~ 3, JS5S5  be- 
nutzt, da  allgemein  die  Gewichtsstücke  auf  luftleeren  Kaum  redneirt  sind. 

**•)  Wied.  .knn.  53,  1894,  p.  3. 


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71 


Fällen.  Bei  Zuekerlösung  von  gleichem  Procentgelialt  wächst  AR  absolut 
genommen  um  0,.^),  also  um  mehr  als  Cd  Br*,  procentisch  um  0,4"/„,  also 
weniger.  Im  Allgemeinen  müsste  man  annehmen . dass  sich  ein  Einfluss 
der  Dissociation  darin  zeigt,  dass  AR  um  einen  bestimmten  numerischen 
Betrag  geändert  wird,  so  dass  die  absoluten  Beträge  zu  vergleichen  wären. 
Aber  auch  beim  Vergleich  der  relativen  wird  man  bei  der  Kleinheit  der 
Unterschiede  zwischen  Zucker  und  Bromcadniium  einen  Schluss  auf  directen 
Einfluss  der  Dissociation  auf  AR  nicht  wagen  können. 

Vergleichen  wir  nun  mit  den  angegebenen  Werthen  die  von  Le  Blanc 
und  Rohlund  1.  c.  p.  282.  Sie  ÜTiden  für  .\R  28,.^3  und  28.«6,  für  AR' 16.68 
und  16,86,  welche  Werthe  sich  um  17  " j,  von  den  nieinigcn  unterscheiden, 
ganz  abgesehen  davon,  dass  die  zwei  .Angaben,  w'elche  für  Lösungen  von 
noch  nicht  20  verschiedener  Coneentration  gelten,  untereinander  um 
mehr  als  einen  l’rocent  abweichen. 

Um  die  Ursache  davon  aufzuklären,  mögen  in  folgender  Tabelle  die 
von  Le  Blanc  und  Rohland  für  Cd  CB,  Cd  Br*  und  Cd  J*  Lösungen  beob- 
achteten specifischen  Gewichte  und  l’rocentgehalte  zusammengestellt  werden 
mit  den  aus  denselben  specifischen  Gewichten  nach  Grotrian  und  Kremers 
folgenden  Gehalten: 


Tabelle  VI. 


Substanz 

?0 

Zu  s®’  gehö 

rige  "„Gehalt  nach 

(Le  Blanc)  Le  Blanc 

Grotrian 

Kremers 

Cd  CP 

1,0H82 

8,91 

7,78 

8,(» 

Cd  Br- 

1,1!)78 

18,06 

M.67 

14,6 

Cd ’P 

1,1666 

21,:i9 

17,.ii 

17,3 

1,0982 

10,97 

10,88 

11,1 

n 

1,1562 

16,53 

16,58 

16,8 

Die  Interpolation  dieser  tiehalte  aus  den  Angaben  von  Grotrian  ge- 
schah so,  dass  seine  s auf  s und  dann  mit  dem  genügend  genau 
bekannten  Ausdehnungscoefficienten  gegen  Wasser  (« — nH«o)  auf  die  von 
Le  Blanc  angegebenen  s umgerechnet  wurden.  Aus  diesen  ergab  sich 
die  wegen  ihrer  geringen  Aenderungen  mit  der  Coneentration  zum  Inter- 


poliren  geeignetste  Grösse  lg 


s— 1 
ps  ’ 


welche  mittelst  der  aus  Le  Blanc’s 


s 1 

Beobachtungen  folgenden  Werthe  von  dann  p lieferten  (p  = Proccnt- 

gehalt).  Diese  Interpolirform  ist  sehr  scharf,  so  dass  sie  bei  den  Gehalten 
Fehler  von  auch  nur  einer  Einheit  der  dritten  Decimale  nicht  veranlasst. 


Aus  der  Tabelle  ergieht  sich:  erstens  stimmen  Grotrian  und  Kremers 
miteinander  durchgängig  überein,  auch  hinsichtlich  meiner  Originallösung 
war  dies  der  Fall  und  der  für  diese  von  mir  durch  Abwägen  von  Substanz 
und  Wasser  ermittelte  Controlwerth  stimmte  ebenfalls  damit;  zweitens: 
die  Werthe  von  Le  Blanc  und  Rohland  weichen  für  die  beiden  ersten  Sub- 


•)  Da  Kremers  nur  drei  Dccimalcn  giebt,  haben  die  Gehalte  eine  Stelle  weniger. 


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7-2 


stanzen  weit  ab,  um  14 “o  bei  Cd  CI-,  um  23  bei  Cd  Br’,  sie  stimmen 
indess  bei  Cd  J’  vollkommen  mit  denen  der  anderen  Beobachter  überein. 

Dies  Ergebniss  liefert  den  Fingerzeig  zur  Erklärung  der  .\bweichungen : 
J’Cd  enthält  kein  Krystallwasscr,  Br’Cd  und  d'-Cd  thun  dies.  Offenbar 
ist  dies  von  Herren  Le  Blanc  und  Uohland  übersehen  und  in  die  Rech- 
nung der  Gehalt  an  krystallisirtem  Salz  eingesetzt  worden.  Denn  miilti- 
plicirt  man  die  von  ihnen  angegebenen  l’rocentgehalte  mit 

Br’  Cd  272,0  „ 

Br^f+'4H’  Ö “ 344,1  ~ 

so  ergeben  sich  die  Zahlen  14,28  und  10,91,  wodurch  Uebereinstimmung 
bis  auf  2,3  bezw.  2,(i"/„  mit  (irotrian  und  Kremers  erreicht  ist.  Für 
CF  Cd  würde  sich  unter  der  Annahme  von  2 .Molecülen  Krystalhvasser 
7,45  l’rocent  ergeben,  was  ebenfalls  mit  Grotrian  und  Kremers  viel  besser 
übereinstimmt*). 

Da  der  Grund  des  Irrthums  wohl  klar  liegt,  sind  im  Folgenden  die 
Werthe  an  Cd  Br’  in  der  Weise  umgereclmet,  dass  mau  die  von  l.e  Blanc 
und  Rohlaud  angegebenen  Brocentgehalte  p'  auf  Gehalte  an  w^asserfreiera 
Salz  p durch  Slultiplication  mit  0,7906  umrechnete.  Dann  ergiebt  sich 


Bromcadmium. 


(|>  — Ho)s»" 

B' 

KKK) 

HXMJ 

P 

t' 

9 

r(n  — n„) 

0,o2ai 

18,06 

14,28 

0,838 

115.6 

20,6 

17,0 

0,0250 

21,39 

16,91 

0,691 

115,0 

21,2 

17,3 

Ein  Vergleich  mit  Tabelle  V zeigt,  dass  die  Werthe  All  nunmehr 
mit  den  von  mir  gefundenen  genügend  übereinstimmen,  so  dass  also  die 
Annahme,  der  Krystallwassergehalt  sei  übersehen  worden,  zu  allseitiger 
Uebereinstimmung  sowohl  hinsichtlich  der  Dichten  mit  Grotrian  und 
Kremers  als  auch  hinsichtlich  der  optischen  Beobachtungen  mit  mir  führt 

Auf  p.  67,  08  wurde  nun  erwähnt  dass  das  quantitativ  hervorstechendste 
Resultat  von  Herren  Le  Blanc  und  Rohland  darin  besteht,  dass  sie  für 
die  Differenz  der  AR-Werthe  von  .lod-  und  Bromcadraium  den  Werth 
6,8  finden,  während  sie  für  stark  dissociirte  balze  11,4  erh.alten,  so 
dass  also  ein  Unterschied  von  nicht  weniger  als  4,6  Einheiten  bestünde. 
Dieser  Unterschied  fällt  nun  nach  der  vorstehend  erläuterten  Berichtigung 
der  Brocentgehalte  weg,  an  die  Stelle  von  6,s  tritt  35,,3,,  — 24,]g  = ll,2o. 
was  mit  dem  für  stark  dissociirte  Salze  gefundenen  Werthe  so  gut  über- 
einstiimnt,  wie  nur  irgend  gefordert  werden  kann.  Für  Cd  J’  ist  hier  der 
Werth  von  Le  Blanc  und  Rohland  direct  eingesetzt,  da  derselbe  nach 
p.  71  und  72  keine  stärkeren  Fehler  vermuthen  lässt. 

Legt  man  bei  den  Cd  CB  Werthen  die  Dichten  von  Le  Blanc  und  Rohland 
zu  Grund  und  berechnet  daraus  den  Brocentgehalt,  so  findet  sich  daraus 
AR  = 18,t.  Die  Difierenz  der  AR-Werthe  für  Cd  CB  und  Cd  J’,  welche 


*)  Die  .\ngaben  für  ücn  Knstnilwassergehalt  von  CiU'l*  .«ehwanken  in  der  Litteratur. 


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73 


jene  Verfasser  zu  15,5«  angeben,  würde  sich  dadurch  auf  16,6  erhöhen, 
dem  für  stark  dissociirte  \Verthe  nach  Le  Blanc  und  Rohland  17,4  zu 
vergleichen  ist.  Die  Differenz  dieser  beiden  Werthe  ist  zu  klein,  als 
dass  man  unter  Rücksicht  auf  die  Genauigkeit  der  Beobachtungen  und 
die  Unsicherheit  im  Wassergehalt  des  Ausgangsmaterials  etwas  daraus 
schliessen  könnte.  Hätte  sich  die  oben  angegebene  Differenz  von  4,« 
Einheiten  für  die  Bromid- Jodid  Difl'erenz  der  Cadmium-  und  der  sehr 
stark  dissociirten  Salze  andererseits  bewahrheitet,  so  wäre  zwingend  zu 
schliessen  gewesen,  dass  die  Cd-Jonen  beim  Uebergang  aus  dem  neutralen 
in  den  dissociirten  Zustand  ihre  Refraction  ändern.  Mit  dem  Verschwinden 
der  Differenz  fällt  auch  das  Resultat  weg. 

Die  für  die  übrigen  schwach  dissociirten  Salze  gefundenen  Differenzen 
in  den  Differenzen  von  AR  gegenüber  stark  dissociirten  Salzen  1.  c.  p.  282 
sind  zu  klein,  als  dass  man,  besonders  wegen  der  weiter  unten* ••))  zu  be- 
sprechenden Fehlerquellen  (Concentrationseinlluss,  Differenzen  der  Differenzen 
von  Differenzen),  weitere  Schlüsse  ziehen  könnte. 


B.  Zuckerlösungen. 

Da  die  in  dieser  Arbeit  verwendeten  Lösungen  im  Allgemeinen  eine 
etwas  grössere  Concentration  besassen,  wie  die  früher  untersuchten,  fanden 
zur  Orieutirung,  wie  gross  etwa  der  Anstieg  von  AR  bei  einem  Nicht- 
elektrolyten sein  möchte,  wieder  Beobachtungen  an  analog  concentrirten 
Zuckerlösungen  statt. 

Die  Concentration  der  Originallösung  wurde  aus  ihrem  specifischen 
Gewicht  nach  den  früheren  Bestimmungen  von  F.  Kohlrausch  und  mir  unter 
Berücksichtigung  der  Zahlen  von  Gerlach  ermittelt  und  das  Molecular- 
volumen  der  übrigen  Lösungen  ebenfalls  diesen  früheren  Versuchen 
entnommen. 

Die  folgende  Tabelle  enthält  zunächst  das  Ergebniss  der  optischen 
Versuche  (über  die  Bezeichnung  s.  p.  69),  sodann  die  aus  der  genannten 
Quelle  stammenden  Werthe  von  ferner  die  moleculare  Brechungs- 

dift'erenz  und  die  Aeciuivalentrefraction.  Die  J«;-  sind  mit  dem  § 5 
gegebenen  x berechnet. 


Tabelle  VII. 
Zucker;  1^=17,76'’. 


V I7.1H"  j 

t 1 

1 

180  — 7) 
2 ■ 

^ .'/fr.i 

Jftt 

! «corr  (I7,7(/’) 

n-n„ 

1 , llHK)  I 4 

, l.'(n-n«)| 

2,5C47 

17,7(1» 

13«  5'28,r" 

— 1.8" 

13«  16'  12" 

0,019137 

70,1»  1 49.01  119,19 

17,(i6» 

17.m"  : 

H»2K'51,j" 

+ 41,4"! 

— 1.4" 

6«  29'  31" 

0,00478« 

0,0011971 

69.m  49,73  '119,17 

41,3h7 

3«  13'  43,4" 

, 4-  t".n" 

— 0.»" 

3»1.3'23" 

69,88  1 49,55  ' 1 19.43 

KJ, 012 

17,7fS» 

2«  16'  52, c" 

1 -f  40,4" 

± 

2»  17' 33" 

0,0005999 

69,87  ' 49,83  1 1 19,09 

Meine  früheren  Beobachtungen  über  Zuckerlösungen**)  ergeben  unter 
Benutzung  meiner  optischen  Werthe  und  der  Ausdohnungscoefäcienten 


*)  S.  p.  80. 

••)  Wied.  Ann.  53,  1891,  p.  9. 


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74 


von  Marignac,  wenn  man  für  die  beiden  concentrirteren  und  die  beiden 
verdünnteren  Lösungen  je  das  Mittel  niniint,  bei  i'=24  AI{=119.;)0  und 
bei  t = 680  AR  = 119,56.  Diese  Wertlie  reilien  sich  in  die  der  Tabelle 
genügend  ein.  Die  Tabelle  zeigt,  dass  die  Aequivalentrcfractiou  beim 
Uebergang  von  einer  nahezu  l.H“/„  Lösung  zu  einer  von  um  etwa 

0,6  Kinheiten  steigt.  Dies  giebt  einen  Anhaltspunkt  für  die  Urössenordnung 
des  Betrags,  um  welchen  die  Aequivalentrefraction  einer  Lösung  aus  anderen 
Gründen  als  wegen  Dissociation  aasteigen  mag. 

Einen  directen  Einfluss  der  Dissociation  auf  die  Aequivalentrefraction 
durch  den  Anstieg  der  letzteren  zu  begründen,  liegt  also  gegenwärtig  die 
Möglichkeit  nicht  vor,  wenn  bei  wachsender  Verdünnung  in  den  angegebenen 
Grenzen  der  Anstieg  nur  von  der  Grössenordnung  von  0,5  Einheiten  ist. 
Die  etwa  20  von  mir  und  von  Herrn  Dijken  untersuchten  Körper  in 
wässeriger  Lösung  zeigen  keinen  grösseren  Anstieg , so  dass  sich  also  bei 
diesen  ein  erkennbarer  Einfluss  der  Dissociation  auf  das  Brechungs- 
vermögen nicht  ergiebt*). 

Herr  Le  Blanc  hat  Versuche  gemacht,  aus  welchen  in  gleicher  Weise 
folgt,  dass  die  nicht  durch  Dissociation  erklärbaren  Einflüsse  auf  die 
Aequivalentrefraction  noch  grössere  Beträge  erreichen  können,  diese  bis 
zu  zwei  Einheiten  zu  ändern  vermögen.  So  ergab  z.  B.  CdJ-  in  Aceton 
eine  um  eine  Einheit,  KJ  in  Aceton  eine  um  zwei  Einheiten  grössere 
Aequivalentrefraction  wie  in  Wasser.  Dabei  ist  noch  besonders  bemerkens- 
werth,  dass  die  dissociirte  wässerige  Lösung  den  kleineren  Werth  liefert, 
während  doch  nach  den  übrigen  Versuchen  des  Herrn  Le  Blanc  der 
directe  Einfluss  der  Dissociation  eine  Vergrösserung  bewirkt.  Unter  diesen 
Umständen  wird  man  zu  keinem  anderen  Schluss  gelangen  können,  als 
dass  sowohl  die  Anstiege  der  Aequivalentrefraction  bei  wachsender  Ver- 
dünnung als  auch  die  bei  der  Neutralisation  mit  verschieden  dissociirten 
Säuren  auftretenden  Differenzen  nur  mit  grösster  Vorsicht  zu  weiteren 
Schlüssen  über  den  Einfluss  der  Dissociation  benutzt  werden  können. 


C.  Di-  und  Trichloressigsäure  sowie  deren  Kaliumsalze. 

Das  einzige  Jon,  welches,  nach  den  bisherigen  Untersuchungen  zu 
schliessen,  beim  Uebergang  aus  dem  neutralen  in  den  dissociirten  Zu.stand 
seine  Refraction  etwas  beträchtlicher  ändert,  scheint  der  Wasserstoff  zu 
sein.  13  Säuren  sind  von  Herrn  Le  Blanc  und  Rohland  1.  c.  untersucht 
auf  die  Differenz  ihrer  Aequivalentrefraction  mit  derjenigen  ihres  Natrium- 
salzes  und  ergeben  einen  Anstieg  dieser  DiÜerenz  um  etwa  zwei  Einheiten, 
wenn  man  sie  in  umgekehrter  Reihenfolge  des  für  halhnormale  Lösungen 
gütigen  Dissociationsgrades  der  Säure  durchläuft. 

Es  tritt  die  Frage  auf,  ob  sich  in  dem  bei  der  Verdünnung  ein- 
tretenden Anstieg  des  molecularen  Brechungsvermögens,  der,  wie  wir  sahen, 
im  Allgemeinen  durch  den  Verlauf  des  Molecularvolumens  erklärt  wird, 
vielleieht  wenigstens  beim  H-.Ion  ein  Einfluss  der  Dissociation  noch  er- 
kennen lasse,  ob  dort  etwa  nach  Berücksiclitigung  der  .\enderuug  des 
.Molecularvolumens  noch  eine  genügend  grosse  .Aemleruug  des  molecularen 

•)  S.  auch  .\imioikmi!;  ***)  )i.  7!t. 


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75 


Brecliungsvermögens  bestehen  bliebe,  um  trotz  des  Vorhandenseins  des 
erwälinten  Nebeneinflusses,  den  wir  kurz  Concentrationseinfluss  nennen 
wollen,  noch  einen  einwandfreien  Schluss  zuzulassen. 

Zur  Beantwortung  dieser  Frage  können  die  bereits  in  den  ersten 
Paragraphen  zum  Theil  verwendeten  Versuche  an  Trichlor-  und  Dichlor- 
essigsäure  dienen.  Darauf,  dass  gerade  die  letztere  hier  die  meiste  Aus- 
sicht bietet,  hat  schon  Herr  Le  Blanc  hingewiesen. 

Zunächst  mögen  die  Versuche  an  den  genannten  Körpern  mitgetheilt 
werden.  Ich  habe  dieselben  bis  zu  grossen  Concentrationen  fortgesetzt, 
obwohl  bei  diesen  Concentrationseinflüsse  auf  die  Aeiiuivalentrefraction 
im  Allgemeinen  stärker  wirken  werden,  so  dass  es  nicht  möglich  ist,  den 
Kinfluss  der  Dissociation  daneben  einigermassen  sicher  zu  bestimmen. 
Diese  concentrirteren  Lösungen  sollten  dann  beim  Vergleich  mit  den  ver- 
dünnteren  einen  Aidialtspunkt  fiir  den  Concentrationseinfluss  liefern. 

Die  folgenden,  die  Resultate  der  Messungen  enthaltenden  Tabellen 
sind  ira  Allgemeinen  ebenso  angeordnet,  wie  die  § 8 für  Cd  Br®  gegebenen. 
Da  bei  Di-  und  Trichloressigsiiure  alle  vier  Einstellungen  genommen,  nicht 
nur  a,  sondern  auch  a'  (siehe  p.  54)  beobachtet  worden  war,  ergaben  sich 
die  ßcurr  einfach  als  deren  .Mittel.  Die  Keduction  auf  12,5"  war  hier  bereits 
an  den  Einzelbeobachtungen  bewirkt  worden. 


Tabelle  VIII. 

Trichloressigsäure,  Dichtebeobachtungen. 
t^,=  12,50“;  CC1‘>C0®H=  163,35;  Q = 0,(«W4«;  A,Q  = 163,44. 


V 1J,5“ 

T 

g 

1 ßeorr 

8 — 1 
® 12, i 

1000 

tt(s— 1)  1 

9'  l»4i® 

OO 

12,fi36“ 

' 3,23610 

’ 3,23457 

, 

— 

— 

62,»i 

12,792" 

3,13108 

.3,12833 

0,IX)1311 

82,5 

' 80,9 

CC*) 

12,5liO" 

•3.23517 

3,2.3422 

— 

— 

— 

31,49 

12.529" 

3,02487 

.3,02419 

0,002592 

81,60 

81,64 

15,725 

12, .530" 

2.61639 

2,61.5,2 

0,IK)51I44  ' 

81,21 

82,23 

7,873 

12, .529" 

2,40113 

2,40051 

0,010286 

80,99 

82,45 

3,930 

12,501"  : 

1,57121 

1,57096 

0,020524 

80,66 

; 82,78 

Pt  Zulage**) 
in  H*0 

12,5o" 

1,59108  ' 

1 

1, .59084 

j 

— 

j 

1,9081 

12.4144" 

1 

1,51776  1 

1,51600 

0,040767 

80,23 

83,21 

0,9814  1 

12,7o" 

8 = 1,08092 

0,06094 

79,43 

84,01 

0,19«7t>  j 

12.f50" 

S = 1,36124 

0,36133  ' 

71,10 

92,34 

*1  Kin  Stückchen  Platimlraht  war  verloren.  .Ausserdem  tiefand  .sich  von  hier  ab 
von  zwei  durch  sehr  dünnen  Pt  Draht,  der  durch  die  Klüssigkeitsobcritäche  ging,  ver- 
bundenen Platinringen,  in  deren  einen  der  (ilaskürpcr.  in  deren  anderen  der  zur  Wagsehale 
führende  Dniht  eingehiingt  war.  der  anilere  wie  beim  ersten  Versuch  innerhalb  der 
Flü.ssigkeit.  Deshalb  neue  Wägung  in  Il'U. 

ülaskörper  erhielt  eine  Platinbesehwening,  so  da,ss  das  Gewicht  in  Wasser 
von  12, 5o"  nun  + l,rs«wi  = d.uers»  wurde. 


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76 


Tabelle  IX. 


Trichloressigsäure,  Optische  Heobachtungen;  12, .Vi“. 


t'  13^“  j 

j «corr  13.5» 

n — iio 

1 1000 
l'’0>-no) 

1 

j '^8  1 

AU  1 

I 

AR' 

rt 

62,9« 

1“  43'  50"*) 

0,000.3419 

21,53 

[ 26,97 

48,50 

28,72 

0.9« 

31,49 

2“  26'  0" 

O,000(i758 

21,27s 

! 27,28, 

48,5«  i 

28,77 

0,9.3 

15,725 

.3“  26' 22" 

0,0018490 

1 21,21, 

27,4  lo 

48,62 

28,81 

0.91 

7,873 

4“  50'  24" 

0,ooo2««7 

20,99- 

27,48, 

48,48 

28,73 

i 0,88 

3,930 

6“  50'  16" 

0,0tXi.530« 

20,8.5, 

27,59, 

48,44 

28,71 

i 0,81 

1,!)Ö81 

9“  38'  28" 

O,0t)10478 

27,73, 

48,36 

28,65 

1 0,71 

0,9814 

13®  .35' 2,3" 

0,0020547 

20,16, 

28,00 

48,16 

28,.52 

, 0,54 

0,1967« 

28»  55' 69" 

0,8.5059 

16,73, 

30,78  1 

47,52  j 

28,14 

0,Ot> 

Von  den  benutzten  Lösungen  wurde  gelegentlich  auch  das  Leit- 
Termögen  k für  die  hier  benutzten  tiefen  Temperaturen  bestimmt.  Aus 
den  Curven  für  das  moleculare  Leitvermögen  A ergab  sich  unter  Mit- 
benutzung der  Curven,  welche  nach  Ostwald’s  für  25“  gütigen  Werthen 
construirt  wurden,  A^.u^=292.  Damit  sind  die  Dissociationsgrade  a 
berechnet.  Die  Bestimmungen  der  Leitvermögen  mögen  hier  Platz  finden. 


Tabelle  X. 

Trichloressigsäure,  Leitvermögen,  12,.%“. 


t’rt.5“ 

“o’‘ 

t 

10’ k 

10’ k 

ia,5" 

ISX" 

a 

62,96 

0,2514 

12,45® 

4,405 

4,415 

277,4 

0,9,55 

31,49 

0,3167 

12,31 

8,62 

8,646 

272,3 

0,933 

16,725 

0„3991 

12,71 

16,97 

16,92 

266,1 

0,911 

3,9:io 

0,f>;i37 

12,79 

60,52 

60,25 

236,9 

0,811 

1,968 

0,7980 

12,57 

105,4 

105,3 

207,4 

0,711 

0,9814 

l,<Xt« 

12,52 

161,7 

161,6 

158,6 

0,545 

0,1968 

1,719 

12,55 

87,5 

87,4 

17,21 

0,o56 

Tabelle  XI 

Dichlores 

sigsäure 

!,  Dichtebeobachtungen 

. 

t„=  12,50® 

; A=CC1-HC0’H 

= 128,91 

; = 128,98;  Q = 

= 0,99948. 

V 

12.5 

1000 

t3j,S“ 

T 

g 

Scott 

s ,,  —1 

12,5 

r(s-l) 

CO**) 

12,560® 

3f2.3517 

3,23422 

— 

— 

— 

64,4 

1 2,515 

3,15608 

3, 1,5550 

0,000971 

62,6 

66,4 

32,18 

12  „539 

3,07913 

3,07837 

0,001923 

61,89 

67,09 

16,068 

12,497 

2,92904 

2.92862 

0,003771 

60,59 

68,39 

4,017 

12,580 

2,05283 

2,0,5176 

0,014593 

58,62 

70.36 

1,0054***; 

1 12,528 

0,2.5589 

0,2-5537 

0,O,5t>338 

56,63s 

72,34 

0,20110 

13,42 

1 = 1, 

25321 

0,2.5;)89 

52,90 

76,08 

*)  Pie  Werthe  sind  der  Tabelle  auf  |>.  57  entnommen,  in  einigen  Fallen,  wo 
zwei  Versuchsreihen  ausgefiihrt  woidcn  waren,  siehe  y.  BO,  wurde  denm  Mittel  henUtzt, 
wodurch  sich  die  in  der  7.,  hezw.  hei  der  c = 1 Losung  in  der  6.  Peeimale  eintretenden 
kleinen  .\endeniugen  erklären. 

**)  8iehe  Talielle  VUI  und  p.  75  .Anmerkung  *). 

•**)  (ilasköriier  mit  l’t-Zulage  gebraucht,  siehe  l>.  75  Anmerkung  **). 


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77 


Tabelle  XII. 

Dichloressigsäure,  Optische  Beobachtungen;  12,50®. 


r i!,.v 

u 

corr 

i2,!y 

n — n„ 

KXK) 

r(n— nj 

vU 

AR 

AR' 

a 

64,40 

1® 

33' 

22"*) 

0,(KX)276,5 

17,74 

22,14 

39,88 

23,62 

0,81 

32,18 

2® 

10' 

13" 

0,0005377 

17,30 

22,36 

39,67 

23,50 

0,77 

16,068 

3® 

1' 

34" 

0,(XII0446 

16,785 

22,797 

39„58 

23,48 

0,69 

4,017 

5® 

52' 

15" 

0,003918 

15,738 

23,458 

39,19 

23,30 

0,43 

1,0054 

11« 

26' 

14" 

0,014664 

14.743 

24,113 

38,86 

23,12 

0,23 

0,2üllü 

24® 

50' 

7" 

0,064589 

12,987 

25,360 

38.35 

22,80 

0,025 

Tabelle  XIII. 


Diehlo 

ressigsäure,  Leitv 

ermögen;  12,50® 

l'lS.5» 

mV« 

t 

10®  k 

10®  k 

i. 

u 

284 

0,0920 

12.39 

0,2160 

0,2164 

277,3 

0,934 

64,40 

0,2495 

12.38 

3,773 

3,780 

243,4 

0,813 

4,017 

0,6290 

12,54 

31.80 

31,78 

127,6 

0,431 

2,011 

0,7923 

12,71 

48,15 

48,01 

96,5 

0,330 

1,005 

0,9982 

12,43 

65,91 

65,98 

66,3 

0,229 

0,2011 

1,707 

12„58 

37,71 

37,67 

7,67 

0,025 

Analog 

wie  oben  für  C CP’CO*H  angegeben  ist. 

fand  sich 

. = 

Tabelle  XIV. 

Kaliumsalze  der  beiden  Säuren. 

-r  T . 1000  A 

•'la-v  1 gri  gimT  S,.  — 1 r(9_i)  ^ SPx 

CCl®CO*K  7,852  12,040®  2,08444  3,23577  0,014205  111,.54  201„59  90,05 

CCl^HCO’K  7,921  ,554  2,28149  3,23512  0,011766  93,22  1 67,13  73,91 


180 — tp 


Ja., 


Jut 


1000 

»0  «(n— u,,) 


AR  AK' 


CCFCO’K  12,(4”  5"  4'.33"  +41,o"  +3,3"  5”  5'17"  0,(k»2946  23,130  63,15  31,49 
CCPHCO’K  „55  4'’42'25"+41,ü  +1,2"4“43'  7"  0,oo2r,3o  20, o85  44,72  26,46 


Der  Gehalt  der  Lösungen  beruht  aufTitrining  mit  0,i  KOH  Lösung. 
Bei  C Cl*CO’H  ergab  letztere  bei  etwa  ' normalen  Säurelösung  t’jy.  = 
15,724,  bei  einer  etwa  normalen  Lösung  = 3,93.53.  Berechnet  man 
aus  diesen  Werthen  den  Gehalt  der  Originallösung,  aus  welcher  alle  anderen 
durch  Verdünnen  mit  Pipette  und  Messkolben  hervorgingen,  so  findet  sich 
dafür  i',2»  = 5,082  bezw.  5,076.  Die  Wertlie  stimmen  bis  auf  l,2®/oo  überein; 
der  erstere  derselben  wurde,  da  er  auf  umfangreicheren  Beobachtungen 
beruht,  zu  Grund  gelegt.  Aus  dem  Gewicht  der  zur  Originallösung  ver- 
wendeten Substanz  (Kahlbaum)  und  dem  Lösungsvolumen  fand  sich 
ti,y>  = 5,054,  was  in  guter  Uebereinstimmung  mit  dem  obigen  ist. 


*)  Siehe  p.  76  Anmerkung  *). 


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78 


Für  CC1*HC0*H  ergab  die  Titrirung  der  etwa  ’ Uisung  für  die 
Originallösung  t’is.,«  = 0,2012.  während  aus  der  Herstellung  0,2005  folgt. 
Der  erstere  \Verth  war  in  den  Tabellen  anzuwendon. 


Den  Gehalt  der  K- Salzlösungen  lieferte  deren  Herstellung.  Eine  der 
Säurelüsungen  wurde  mit  KO II  scharf  ncutralisirt,  der  Haltbarkeit  wegen 
eine  Spur  Säure  zugesetzt  und  dann  auf  gemessenes  Volum  aufgefüllt. 

Den  Temperaturreductionen  der  optischen  Beobachtungen  liegen  die 
X des  § 5 zu  Grunde.  Die  für  die  Dichtereductionen  erforderlichen  Aus- 
dehnungscoefficienten  wurden  bestimmt  und  ergaben; 


Tabelle  XV. 


10*« 

t 

C CP  CO- 11 

0,197 

7,17 

12,6" 

3,93 

1.17 

12, h" 

11 

G3,0 

1,17 

12,6" 

CCFHCO’H 

0,201 

7.1 

12,5" 

-1,02 

1,16 

12„5« 

CCPCO’K 

7,8.') 

L.il 

12,4" 

CCPHCOMv 

7,92 

1.50 

12„5" 

Was  den  Vergleich  mit  meinen  früheren  Beobachtungen  betrifft,  so 
ist  zu  berücksichtigen,  dass  jetzt  ein  viel  grösseres  Conceutrationsintervall 
benutzt  ist.  Dadurch  wird,  wie  sicli  aus  dem  Folgenden  ergiobt,  schon 
wegen  des  Concentratiouseiuflusses  ein  Ansteigen  der  Aequivalentrefraction 
bewirkt.  Bescliränkt  man  sicli  auf  das  früher  benutzte  Intervall,  so  ist 
der  Anstieg  von  B,  procentiscli  genommen,  etwa  so  gross,  wie  früher  bei 
Schwefelsäure,  indess  bleibt  er  jetzt  aber  auch  in  den  li'-Werthen  bestehen. 
Absolut  genommen,  ist  er  etwa  so  gross,  wie  früher  bei  Zucker,  bei  dem 
jedoch  der  Grösse  der  Molecularrefraction  wegen  der  .absolute  Betrag  der 
Aeuderung  nur  mit  geringer  Genauigkeit  bestimmt  werden  kann. 

Um  etwas  darüber  schliessen  zu  können,  inwieweit  der  aus  den  Tabellen 
ersichtliche  Anstieg  der  Refraction  mit  der  Verdünnung  von  der  Dissociatiou 
abhängt,  mögen  zunächst  die  Refractionsuuterschiede  zwischen  Salz  und 
Säure  für  gleich  dissociirte  Lösungen  von  Salzsäure,  Di-  und  Trichlor- 
essigsäure  zusammengestellt  werden.  Der  erste  Absatz  der  Tabelle  enthält 
die  von  Herrn  Le  Blanc  und  Rohland  gegebenen  Werthe,  die  folgenden 
wesentlich  auf  meinen  Bestimmungen  beruhende.  Die  Bezeichnungen  sind 
die  oben  gebrauchten. 


Tabelle  XVI. 


a 

AR 

Diffe- 

AR' 

Diffe- 

Säure 

Xa-Salz 

Säure  Xa-.Salz 

renz 

Säure 

Na- Salz 

renz 

HCl*) 

1 0,65 

0.66 

14,5 

15.9 

1.4 

8.18 

0,23 

0,76 

CCPCO-'H 

1 0,65 

0,71 

48.1 

50.2 

2,1 

28„52 

29.68 

l,n 

CCFH  CO’ 11 

1 0,13 

0,66 

.38,8 

41,6 

2,8  i 

23.11 

24..50 

1,39 

•)  Dieser  erste  Tlicil  der  Tabelle  nach  Le  Blanc  und  Rohland. 


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79 


a 

All 

Difle- 

AR' 

Diffe- 

Säure 

K - Salz 

Säure 

K-8alz 

renz 

Säure 

K - Salz 

renz 

C CPCODI 

0,81 

47,.->2 

53,14 

5,62 

28,14 

31.49 

3,35 

C CP  11  CO"  11 

1» 

9«, 42 

44,78 

6,36 

22,84 

26,46 

3,62 

HCl*) 

0,21 

0.81 

I l,2(i 

19,04 

4,78 

8,;4o 

11.18 

2,88 

CCPCO’H 

n 

47,72 

53.11 

5,42 

28,27 

31.49 

3,22 

CCTIICO  II 

1» 

38,82 

44.78 

5,96 

23,12 

26,46 

3,34 

II  CI 

0,*)5 

0,81 

14.5 

19,04 

4, .54 

8.48 

11,18 

2,70 

ccp’coni 

1 V 

48,29 

53,14 

4,85 

28,62 

31,49 

2,87 

CCPIlCü-lI 

•■i 

»J 

39,5 

44,78 

5,28 

23,49 

26,46 

2,97 

HCl 

' 0,81 

0,81 

14,44 

19,04 

4,60 

8,43 

11,18 

2,75 

CCFCOHI 

48,44 

53,14 

4,70 

28,71 

31,49 

2,78 

C CP  H CO- 11 

39,88 

44,78 

4,j)o 

23,62 

26,16 

2,81 

IPSO***) 

0,75 

)} 

11,(14 

16.59 

4j75 

9,60 

6,74 

2,86 

Aus  der  Tabelle  sind  die  für  eine  Reihe  gleicher  Dissociationsgrade 
bestehenden  Kefractionsdiffereuzen  der  drei  Säuren  gegen  ihr  Kaliumsalz 
zu  ersehen.  Sie  sind  bei  sehr  grosser  Dissociation  (grosser  Verdünnung) 
für  die  verschiedenen  Säuren  einander  fast  gleich,  werden  aber  mit  ab- 
nehmender Concentration  immer  ungleicher.  Bei  20  " „ Dissociation  unter- 
scheiden sie  sich  für  Salz-  und  Dichloressigsäure  um  1,2  Einheiten.  Daraus 
ergiebt  sich  wieder  eine  quantitative  Schätzung  des  Conceutratioiisein- 
flusses***),  derselbe  ist,  falls  bei  andern  Substanzen  ähnliche  Aenderungen 
eintreten,  wie  bei  den  obigen  drei  Säuren,  von  gleicher  ürössenordnung 
wie  ein  wahrscheiidich  bestehender  Einfluss  der  Dissociation. 

Dass  der  letztere  besteht,  dass  er  zur  Erklärung  eines  Theiles  des 
Anstieges  der  Aequivalentrefraction  jedenfalls  bei  der  Dichloressig.säure 
sehr  wahrscheinlich  herangezogen  werden  muss,  ist  ebenfalls  aus  der 
Zusammenstellung  ersichtlich.  Wenn  darüber  wegen  des  verhältnissmässig 
grossen  Concentrationseindusses  noch  Zweifel  Zurückbleiben  könnten,  so 
heben  sich  diese  bei  einer  Vergleichung  mit  den  für  Essigsäure  früher 
gefundenen  Werthen,  bei  denen  innerhalb  der  Verdünnungen  von  1 bis  100 
eine  Constanz  der  21,4.5  betragenden  Aequivaletitrefraction  bis  auf  0,02 
Einheiten  uachgewiesen  werden  konnte.  Von  solchen  Einflüssen,  welche 

*)  Die  Werthe  für  HCl  nach  I.e  Jllunc.  die  für  KCl  nach  Düken. 

**i  Für  U*.S0‘  ans  eisrenen  Werthen  für  diese  Säure,  uuit  Wcilhen  von  Ilemi 
Dijken  für  XH,Ci  und  KCl  berechnet. 

•**i  Den  Umstand,  dass  auf  die  Wertlie  AR  liezw.  AH'  noch  iinbekannte  Einiiü.sse. 
hier  Concentrationseinlfttsse  genannt,  wirken,  hielt  ich  lieitn  Abfn.ssen  früherer  .■\rbeiten 
für  allgemein  bckiinut  und  beschrankte  mich  deshalb  auf  die  Untersuchung  möglichst 
verdünnter  l.ösungen.  Ich  wies  auf  denselben  (z.  R.  Wied.  .\nn.  5.1,  1894.  p.  11)  mit 
den  Worten  hin:  . . . „andererseits  ist  ja  ilie  Unveriinderliclikeit  des  Ilrechuugsvermögens 
auch  sonst  nur  annäherungsweise  vorhanden  und  zu  erwarten."  Zu  diesen  Worten  fügt 
Herr  Dijken  nicht  in  »einer  Dis.«ertation,  aber  in  dem  Auszug  derselben  in  Ztschr. 
jihys.  Chem.  1.  c.  die  Bemerkung,  du.ss  sie  ihm  nicht  klar  seien.  .\us  dem  Obigen  ist 
ersichtlich,  was  ich  damit  gemeint  habe.  Uehrigens  m'öchte  iih  hinznfügen,  dass 
Herr  Dijken  meine  Schlüsse  in  seiner  Dis.sertation  zwar  genügend  vollständig  oitirt, 
dass  dieselben  in  dem  erwähnten  Auszug  aber  infolge  des  Zusammenstreichens  meine 
Auschauiutg  nicht  mehr  genügend  wietK'rgeben. 


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80 


mit  der  Dissociation  weder  direct  noch  indirect  zusammeiihänpen,  dürfte 
aber  bei  der  Essigsäure  aucli  noch  etwas  constatirbar  sein  müssen, 
wenn  sie  bei  ilireii  Cblorsubstitutionsproducten  eine  grössere  Rolle  spielen 
würden. 

Wenn  sich  also  die  Schlüsse  der  Herren  Le  Blanc  und  Rohland  in 
einem  der  beiden  von  ihnen  angegebenen  Fällen,  beim  Bronicadmiuin, 
als  irrthümlich  erwiesen  haben,  so  erbalten  wir  in  dem  anderen,  bei 
Dichloressigsäure,  durch  den  Verlauf  der  Ae<juivalentrefractiou  bei  Ver- 
änderung der  Conceiitration  eher  eine  Bestätigung  derselben.  Der  II  nimmt 
sehr  wahrscheinlicher  Weise  eine  quantitative  Ausnahmestellung  in  der 
Richtung  ein,  dass  bei  ihm  die  Dissociation  genügend  grossen  Kintluss 
auf  die  Aequivalentrefraction  hat,  um  auch  trotz  sich  überlagernder  anderer 
Einwirkungen  wahrgenommen  werden  zu  können. 

Hinsichtlich  der  Frage,  von  welcher  Art  der  „ConcentrationseinHuss“ 
ist,  folgt  zunächst  aus  den  Beobachtungen  mit  Zucker,  d.ass  er  jedenfalls 
zum  Theil  mit  der  Dissociation  auch  indirect  nicht  zusammenhängt,  zum 
Theil  könnte  er  aber  auch  von  der  Dissociation  mit  veranlasst  sein, 
indem  beispielsweise  eine  von  der  Conceiitration  abhängige  Wechsel- 
wirkung zwischen  Jonen  und  Lösung,  welche  einen  EinRuss  auf  die 
Aequivalentrefraction  hätte,  bestehen  könnte. 

Was  die  Quantität  des  Einflusses  der  Dissociation  auf  das  Brecliungs- 
vermögen  des  II  betrift't,  so  lässt  sich  darüber  weder  aus  den  hier  ange- 
gebenen Versuchen  noch  aus  denen  der  Herren  Le  Blanc  und  Rohlaud 
etwas  schliesseu,  da  über  den  Concentrationscinfluss  genügende,  quantitative 
Annahmen  nicht  gemacht  werden  können.  Die  Messungen  an  den  Essig- 
säuren würden  für  den  Uebergang  vom  undissociirten  in  den  vollständig 
dissociirten  Zustand  etwa  O.h  Einheiten  ergeben  (für  AR').  Bei  Salzsäure 
kann  ein  ähnlicher  Vergleich,  wie  der  mit  Essigsäure,  nicht  herangezogen 
werden.  Wenn  man  aber  die  Werthe  für  Salzsäure  überblickt  und  mit  denen 
für  Essigsäure  vergleicht,  so  sieht  man  sich  zu  der  im  vorigen  Absatz 
angegebenen  Folgerung  gedrängt,  so  dass  für  die  Dissociirung  des  II 
ein  von  der  Substanz,  in  welclier  er  enthalten  ist,  unabhängiger  Werth 
der  Steigerung  der  Aequivalentrefraction,  vielleicht  gar  nicht  zu  erhalten 
ist  (d.  h.  e.xperimentell  könnte  ein  constanter  und  ein  variabeler  Theil 
untrennbar  sein),  was  ja  mit  der  Dissociationstheorie  keinen  Widerspruch 
bildet. 

Bei  weiteren  Versuchen  etwa  die  verschiedenen  Einflüsse  zu  trennen, 
dürfte  es  augezeigt  sein  zu  berücksichtigen,  dass  die  Schlussweise  des  Herrn 
Le  Blanc  auf  Wertlien  beruht,  welche  DitVerenzen  von  Difterenzen  von 
Differenzen  sind.  Es  handelt  sich  ja  um  die  Unterschiede  der  .\equivaleiit- 
refractionsdifferenzen  von  Säure  und  zugehörigem  Salz.  Die  Aeiiuivaleut- 
refractionen  bilden  aber  selbst,  wie  aus  der  p.  7ü  citirten  Formel  ersicht- 
lich ist,  die  Summe  zweier  Diflerenzen,  nämlich  der  molecularen 
Brechungsdifferenz  und  des  Molectilarvolumens,  welch’  letzteres  die 
Differenz  des  Volumens  von  Lösung  und  darin  befindlichem  Wasser  dar- 
stellt. Daraus  folgt,  dass  für  weitere  Bestimmungen  die  schärfstoii 
Methoden,  insbesondere  auch  für  die  optischen  Bestimmungen,  Diff'erential- 
methoden,  anzuwenden  sind.  Ferner  wäre  zu  berücksichtigen,  dass  der 
Schlussweise  des  Herrn  Le  Blanc  wesentlich  durch  die  systematische  Folge 
der  untersuchten  Verbindungen  Wahrscheinlichkeit  verliehen  wird,  so  dass 
es  erwünscht  ist,  die  Zahl  der  untersuchten  Säuren  zu  vermehren. 


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S1 


Schliesslich  möge  noch  darauf  hingewiesen  werden,  dass  die  Durch- 
sicht der  Tab.  XVI  zeigt,  dass  die  R'-Werthe  den  Concentrationseinfluss 
besser  eliminiren  wie  die  It-\Verthe*). 

Zusammenstellung  der  Resultate.  Es  ist  die  Theorie  des 
Umdrehverfahrens  bei  der  Differentialmethode  mit  streifender  - Incidenz 
des  Verfassers  gegeben  und  zwar  unter  Berücksichtigung  der  VVinkelfehler 
des  Trogs  und  der  Abweichungen  <!er  Platte  vom  Planparallelismus.  Die 
Genauigkeit  der  Methode  ist  e.\periraentell  nachgewiesen,  die  Brechungs- 
differenzen lassen  sich  bis  auf  etwa  1,5  Eiidieiten  der  sechsten  Decimalo 
bestimmen.  Die  untere  Grenze  der  erreichbaren  n — n„  ist  etwa  3X10-^ 
wobei  man  noch  über  '/i  **/o  Genauigkeit  hat.  Der  Einfluss  der 
Temperatur  auf  die  Beobachtungen  und  die  daraus  entspringenden 
Temperaturcorrectionen  sind  dargelegt. 

Die  Frage  nach  der  Abhängigkeit  des  Brechungsvermögens  von  der 
Concentration,  insbesondere,  ob  sich  dabei  ein  Einfluss  der  Dissociation 
zeigt,  ist  dahin  zu  beantworten,  dass  ein  solcher  Einfluss  von  sicher  deut- 
barer Grösse  im  Allgemeinen  nicht  vorhanden  ist,  dass  etwa  bestehende 
Aenderungen  zu  klein  sind,  um  sicher  gedeutet  werden  zu  können. 
Die  Zunahme  der  Breohungsdifl’erenz  mit  wachsender  Verdünnung  findet 
im  Allgemeinen  eine  Erklärung  durch  den  Gang  der  Dichte.  Dass  der 
H wahrscheinlicher  Weise  hiervon  eine  Ausnahme  bildet,  worauf  Herr 
Le  Blanc  geschlossen  hat,  wurde  bestätigt.  Ueber  die  Grösse  des  Einflusses 
lässt  sich  nichts  Sicheres  aussageu,  da  der  sich  überlagernde  Concentrations- 
einfluss von  derselben  Grössenordnung  ist.  Der  hei  Bromcadmium  von 
Herren  Le  Blanc  und  Rohland  gefundene  grosse  Einfluss  der  Dissociation, 
der  einzige  Fall,  in  dem  der  Concentrationseinfluss  gegenüber  dem  anderen 
verschwändet,  und  der  somit  einen  einwandfreien  Schluss  gestattet  hätte, 
beruht  auf  einem  Irrthum. 

*)  S.  auch  Wied.  .\nn.  53,  189-t,  p.  11. 

December  1898. 


Technische  Hochschule  Dresden. 


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V.  Resultate  der  floristisclien  Reisen  in  Sachsen  und 

Thüringen.*) 

Von  Prof.  Dr.  O.  Drude. 


In  der  Festsitzung  unserer  Gesellschaft  am  14.  Mai  1885  hatte  ich 
die  Ehre,  als  wissenschaftliches  Vortragstheina  „Sachsens  ptlanzengeo- 
graphischen  Charakter“  zu  behandeln;  eine  Anmerkung  im  Referat  über 
diese  Sitzung  besagt,  dass  von  einer  Drucklegung  dieses  Vortrages  ab- 
gesehen werden  sollte  in  Hinsicht  auf  die  geplante  Erweiterung  des  ganzen 
Gegenstandes  zu  einer  grösseren,  durch  Karten  erläuterten  Abhandlung. 

Dreizehn  Sommer  sind  inzwischen  in  das  Land  gegangen,  und  jeder 
fügte  wesentliche  Hausteine  zu  der  Lösung  jener  Aufgabe  hinzu.  Vom 
Jahre  1888  an  .stellte  das  Ministerium  des  Cultus  und  üft'entlichen  Unter- 
richts einen  besonderen  Etat  für  die  Vorbereitungen  zu  einer  „Flora 
Sa.\onica“  dem  botanischen  Institut  zur  Verfügung,  so  dass  die  vielen 
nothwendigen  E.\cursionen  und  weiteren  Reisen  gleichzeitig  mit  dessen 
Assistenten  veranstaltet  und  auch  der  Samralungsdiener  zur  Unterstützung 
beim  Sammeln  und  Trocknen  der  Helegexemplare  herangezogen  werden 
konnten.  Dr.  C.  Reiche,  Dr.  Naumann  und  Dr.  H.  Schorler  traten  so 
der  Reihe  nach  in  den  Dienst  der  schönen  Aufgabe,  in  unserem  Herbarium 
zunächst  einmal  eine  grosse,  das  nächstliegende  Landesinteresse  berück- 
sichtigende Sammlung  zusammenzubringen  und  die  speciellen  Ausarbei- 
tungen vorzubereiten  in  einer  consequent  durchgeführten  Etikettirung  und 
Aktenführung;  Dr.  Schorler,  nunmehr  als  Custos  unserer  bosnischen 
Sammlungen  an  der  Technischen  Hochschule,  übernahm  dann  si)äter  auch 
die  zeitraubende  Abtheilung  der  niederen  Sporenpflanzen  und  hat  häufig 
der  botanischen  Section  Proben  seiner  andauernden  Untersuchungen  luit- 
getheilt.  258  Tage  habe  ich  pcrsöidich  in  meinen  Floreunotizbüchern 
verzeichnet  als  solche,  die  ich  in  den  ganzen  .Jahren  mit  pflanzengeogra- 
phischem Studium  des  hercynischen  Florenbezirks  zwischen  Weser  und 
Lausitzer  Neisse  in  freier  Natur  zugebracht.  Tage  genussreich  und  arbeits- 
voll zugleich,  die  das  volle  Gefühl  einer  harmonischen  Hefriedigung  zurück- 
gelassen haben,  indem  sie  zeigten,  dass  auch  in  unseren  gut  durchforschten 
Gauen  die  .\rbeit  für  den  Naturforscher  nicht  aufhört,  dass  im  Gegentheil 
jede  neue  Idee  dazu  zwingt,  die  alten  Pfade  der  Vorgänger  wieder  zu  be- 
treten und  die  Naturvorgäuge  in  neuem  Lichte  wiederum  an  der  Quelle  zu 

*)  Vortrag,  gehalten  in  der  botanisch -zoologischen  Section  der  naturwissenschaft- 
lichen Gesellschaft  Isis  in  Dresden  am  20.  October  I8f)S. 


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8.-! 


beobachten.  Zugleich  enthält  eine  solche  pflanzengeographische  Landes- 
durchforschung die  Grundzüge  über  die  Vertheilung  der  Gunst  und  Ungunst 
in  der  Bodencultur.  — Die  grössere  „pflanzengeographische  Abhandlung“ 
über  Sachsen  und  Thüringen  ist  nunmehr  im  Werden;  sie  soll  einen  Band 
des  grossen,  von  mir  in  Gemeinschaft  mit  A.  Engler-Berlin  unter  dem 
Titel  „Vegetation  der  Erde“  in  Einzelbearbeitungeu  herauszugebenden 
Werkes  bilden.  Im  Augenblicke,  wo  der  ganze  Stoff  zur  ausführlichen 
Verarbeitung  herangezogen  wird,  drängt  es  mich,  unserer  Section  in 
freierer  Weise  über  die  leitenden  wissenschaftlichen  Principien  kurze 
Mittheilung  zu  machen. 

Wenn  heute  naturwissenschaftliche  Reisen  und  Ausflüge  unternommen 
werden,  so  hängen  die  zu  erwartenden  Resultate  wesentlich  von  den  Ideen  ab, 
die  auf  den  Schienengleisen  der  Eisenbahn  in  die  Natur  hinausgetragen  wer- 
den, von  den  wissenschaftlichen  Vorbereitungen,  die  dafür  getroffen  sind, 
von  den  Zwecken,  die  als  Beohachtungsziele  vorschweben,  ln  floristischer 
Beziehung  gab  es  in  alten  Zeiten  nur  eine  Mauptriclitung,  die  der  Species- 
systematik;  in  neuer  Zeit  ist  die  geographisch-biologische  Forschung  als 
selbständiges  und  neues,  sich  in  mannigfache  Aufgaben  theilendes  Gebiet 
dazugeküininen.  Wenn  ich  mit  meinen  wissenschaftlichen  Reisebegleitern 
hauptsächlich  der  letzteren  Richtung  zu  dienen  mir  vorgenominen  hatte, 
so  geschah  das  in  Erkenntniss  der  veränderten  Anschauungen  über  das 
w'andelbare  Wesen  der  ISpecies,  w'elchc  nur  auf  dem  Umwege  der  zweiten 
Richtung  erfolgreicher  Forschung  weichen  können,  während  die  ältere 
Herbarium -Richtung  der  einfachen  diagnostischen  Definition  unter  Hinzu- 
fügung eines  Namens  in  vielfacher  Hinsicht  zur  Belastung  und  Verwirrung 
der  höheren  Ziele  in  der  Naturbeschreibung  beiträgt.  Jedenfalls  stehen 
sich  die  beiden  Richtungen  niclit  fremdartig  gegenüber,  sondern  ergänzen 
sich  zu  einer  nothwendigen  Einheit  und  durclidringen  sich  gegenseitig; 
dass  ausserdem  die  ältere  Speciessystematik  das  Grundgerüst  der  ganzen 
F'lora  liefert,  an  dessen  correctein  Ausbau  und  Verbessern  unausgesetzt 
w eitergearbeitet  werden  muss,  ist  so  selbstverständlich,  wie  etwa  die  An- 
lehnung von  Geschichtsforschern  an  die  nackten,  in  den  Geschichtstabellen 
überlieferten  Namen  und  Jahreszahlen,  welche  gleichwohl  nicht  das  Wesen 
der  Geschichte  ausmachen.  Zudem  muss  betont  werden,  djiss  die  Weiter- 
entwickeluug  des  schwierigen  Speciesbegriff’s  auf  Reisen  viel  weniger  ge- 
fördert werden  kann,  als  durch  Versuche  in  botanischen  Gärten  und  durch 
analytische  Vergleiche  im  Herbarium,  wozu  allerdings  eine  fornienreiche 
Sammlung  unermüdlich  zusammengetragen  sein  will.  Und  wie  dies  unsere 
Absicht  war,  davon  legt  das  sächsisch-thüringische  Herbarium  im  bota- 
nischen Institut  Zeuguiss  ab,  welches  sich  aus  den  unbedeutenden  An- 
fängen weniger  Fascikel  unter  Mitwirkung  so  mancher  eifriger  Floristen 
im  Lande  zu  einer  ansehnlichen  Sammlung  vergrössert  h.at. 

Es  musste  sich  also  darum  handeln,  durch  eigene  Beobachtungen  den 
grösseren  floristischen  Bezirk  zu  erkennen,  der  Sachsen  und  Thüringen  ein- 
schliesst,  dessen  Grenzen  festzusetzen  und  eine  naturgemässe  häntheilung 
seiner  einzelnen  Glieder  vorzunehmen.  Dies  konnte  nur  geschehen  auf 
Grundlage  der  natürlichen  Bestände  oder  Vegetations-Formationen 
sammt  ihren  hervorragenden  „Leitpflanzen“,  wie  dieselben  in  der  Isis- 
Festschrift  vom  Jahre  1885  (S.  81)  erklärt  sind. 

Es  ist  die  grössere  floristische  Einheit  gefunden  worden  in  der  Zu- 
sammenfassung eines  „hercynischen  Florenbezirkes“,  welcher  sich 

«• 


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vom  Lausitzer  Gebirge  bis  zu  den  westlichen  Wasserscheideu  der  Weser 
gegen  das  rheinische  Gebiet  eretreckt,  im  Norden  den  Harz  mit  seinem 
ganzen  Vorlande  Braunschweig — Magdeburg  umfasst,  als  Südgrenze  den 
grossen  zusammenhängenden  Gehirgswall  Lausitzer  Bergland  — Erzgebirge  — 
Eichtelgehirge  — EraTikenwald — Thüringer  Wald  nimmt,  dabei  aber  den  am 
Fichtelgebirge  angeknoteten  Böhmerwald  als  südöstlichste  Zunge  mit  ein- 
schliesst,  und  endlich  im  Südwesten  als  Grenzmark  gegen  Franken  und 
den  Khein  die  basaltische  Itliön  zum  Eckpfeiler  wählt,  so  class  das  vom 
Thüringer  Becken  nicht  ahzutrennende  Werraland,  von  Meiningen  an  bis 
herüber  zur  Fulda,  mit  eingeschlossen  wird.  Dieser  hercynische  Bezirk 
nimmt  noch  Theil  an  den  gemeinsam  um  die  Alpen  herum  gruppirten  und 
zum  Theil  von  ihnen  ausstrahlcnden  l'rtanzenheständen  der  Berg-  und 
Hügelregion;  er  hat  demnach  grössere  Beziehungen  zum  Süden  als  zum 
Norden  und  macht  gegen  die  norddeutsche  Niederung  Front  mit  seinem 
Grenzwall  von  Hügelketten  aus  den  Trias-,  Jura-  und  Kreideschichten  von 
Hannover  bis  Magdeburg.  Besonders  deutlich  ist  die  Grenze  gegen  den 
deutschen  Nordwesten,  gegen  die  sogenannte  „nordatlantische  Niederung“; 
von  den  1564  im  hercynischen  Florenbezirk  zusammenkominenden  Arten 
an  Blüthenptlanzen  und  Farnen  kann  man  nur  ungefähr  die  Hälfte  noch 
zum  wirklichen  Besitz  dieses  nordwestlichen  Deutschlands  rechnen,  wie 
allerdings  auch  ebenso  unter  den  1564  hercynischen  Arten  nicht  wenige 
sind,  welche  nur  als  äusserste  Vorposten  und  gleichsam  verschlagene  Stand- 
orte an  einzelnen  Stationen  mitgezählt  sind  und  als  fremdartige  Zuzügler 
erscheinen. 

Das  hercynische  Berg-  und  Hügelland  ist  demnach  in  seinem  Floren- 
charakter wesentlich  mitteldeutsch  und  tlieilt  daher  viele  Eigenschaften 
mit  seinen  östlich  und  westlich  angrenzenden  Nachbargauen,  zwischen 
welche  es  sich  wie  ein  Keil  hineinschieht  und  naturgemäss  Verbindungs- 
glieder in  den  Grenzlandschaften  erzeugt.  Im  Osten  hat  es  den  sudeti- 
schen  Florenbezirk,  im  Westen  den  rheinischen  zum  Nachbarn;  die  Sudeten 
haben  mit  ihrer  karpathischen  Verwandtschaft  zugleich  eine  viel  stärkere 
Entwickelung  von  Formationen  des  oberen  Berglandes,  als  irgend  eines 
der  hercynischen  Gebirge;  sogar  schon  in  den  niederen  Uegionen  stecken 
ganz  neue  Areale,  wie  das  grünlich  blühende  Veratrum  allnim  Jedem  zeigt, 
der  vom  Jeschken  ausgehend  d.as  der  Lausitz  angrenzende  Isergebirge 
betritt.  Und  am  Bhein  nehmen  I’tlanzenarten  des  Südwestens  ihre  Grenze 
(z.  B.  Acer  mompeasulumim  uiul  R-unus  Mulialeb),  welche  im  hercynischen 
Hügellande  nur  noch  als  CulturpHanzen  der  geschützten  Hügelregion  ge- 
deihen. 

Der  hercynische  Bezirk  ist  am  besten  in  seinen  Borgwald-  und  Hügel- 
formationen ausgeprägt,  während  z.  B.  die  Wasserpflanzen -Formationen 
eine  unbedeutendere  Holle  spielen.  Selbstverständlich  herrschen  ähnliche 
Verhältnisse  in  den  sudetisciicn  und  rheinischen  G.aucn,  doch  in  vielfach 
geänderter  Zusammensetzung  und  Ausprägung;  besonders  aber  muss  die 
Erwägung,  dass  die  von  dem  sächsisch-thüringischen  Grenzwall  umschlos- 
senen und  mit  dem  Harz  im  Nonien  zu  neuem  Gebirge  aufgethürmten 
Landschaften  eine  geographische  Einheit  bilden,  in  der  die  Eigenschaften 
des  Beckens  von  den  Gebirgen  selbst  abhängen,  den  Grundgedanken  zu 
dieser  hercynischen  Gru[)penhildung  liefern,  und  dann  wird  die  Anglicdc- 
rung  des  Böhmerwaldes  im  Süden  und  die  des  Werra- Fulda-Weserlaudes 
im  Westen  zur  weiteren  Nothwendigkeit,  um  zu  der  einfachsten  Dreithei- 


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lung  des  mitteldeutschen  Berg-  und  Hügellandes  iin  vorhingenannten  Sinne 
zu  gelangen.  In  diesem  hercynischen  Bezirke  erfreuen  sich  nun  die  Berg- 
wälder  überall  des  Besitzes  von  Acer  Pi-eudojilatanm,  alle  mit  Ausschluss 
des  Harzes  auch  noch  der  Abies  pcctinata,  überall  ist  Sambucus  racemosa 
Cliarakterstraueh,  vielfach  auch  Loniccra  ni(jru\  die  Massenstaude  Stmecio 
nemoremis,  d;is  wogende  Gehiilm  von  Calnmaijrostis  Hallerüina,  die  Rudel 
von  Atropa  Belladonna,  im  westlichen  Theil  die  ungeheuren  Massen  von 
Digitalis  purjnirea:  sie  alle  zeigen  den  hercynischen,  gen  Norden  scharf 
abschliessenden  h’lorencharakter  an.  In  den  Hügelformationen  herrscht 
neben  der  allgemeinen  Salvia  pratensis  auch  S.  verticillata,  selten  auch 
S.  silvestris;  die  Teucrinm  - Arten  spielen  zumal  auf  Kalkboden  eine  im- 
posante Rolle;  Ornithogalum  nmbellatam  blüht  in  Masse  auf  den  Hügel- 
wiesen und  Meiim  athanianticnm  bildet  im  Berglande  fast  überall  die 
Zierde  torfiger  Wiesen;  von  den  unteren  Hainen  bis  zu  den  kahlen  Berg- 
gipfeln hinauf  steigeti  die  Rudel  von  Lazuln  nemorosa  (albida),  und  in 
manchen  östlichen  Gauen  ist  Carex  brizoides  wie  in  Süddeutschland  eines 
der  gemeinsten,  ganze  Hainbestände  dicht  erfüllenden  Riedgräser:  auch 
diese  enden  alle  mit  N'ordgrenzen  gegen  die  Niederung  oder  verlieren  sich 
nach  dorthin  unregelmässig.  Es  fehlt  aber  in  dieser  gedrängten  Skizze  an 
Raum,  um  in  die  tloristischen  Einzelheiten  tiefer  einzudringen. 

Die  Frage  drängt  sich  dagegen  von  selbst  als  eine  von  hervorragen- 
der Bedeutung  auf:  wie  sieht  es  mit  der  inneren  Gliederung  des  ganzen 
Florenbezirkes  aus?  Sind  etwa  nur  Berg-  und  Hügellandschaften  zu  unter- 
scheiden, oder  drückt  sich  ein  weiterer  Unterschied  in  deren  Lage  nach 
O.,  W.  oder  S.  aus?  Diese  Frage,  die  Abgrenzung  natürlicher  Landschaften 
im  Ganzen,  w'ar  selbstverständlich  eine  der  wichtigsten  Aufgaben  für  die 
pflanzengeographische  Durchforschung  und  hat  zu  der  Aufstellung  von 
14  „Landschaften“  (oder  Territorien)  geführt,  deren  Namen  nachher 
folgen  werden.  Wovon  hängt  diese  innere  Gliederung,  ilie  Beschaffenheit 
iler  einzelnen  Theile  ab?  Drei  Hauptfactoren  lassen  sich  dafür  angeben: 

a)  Der  Einfluss  der  verschiedenen  Floreneleinente,  welche  zur  Be- 
siedelung zur  Verfügung  standen,  und  je  nach  südöstlicher,  nord- 
östlicher, südwestlicher  o<ler  nordwestlicher  Lage  der  Landschaft 
nicht  unerheblich  verschieden  waren;  in  dieser  Lage  muss  sich 
zugleich  der  Einfluss  des  sudetischen,  böhmischen,  fränkischen 
oder  rheinischen  Nachbarbezirkes  ausdrücken.  Hierbei  handelt 
es  sich  also  haui)tsächlich  um  den  Einfluss  der  postterfiären  und 
postglacialen  Entwickelung,  die  Ablagerungen  von  Löss  für  steppen- 
artige Formationen  (und  es  ist  sicher,  dass  die  östlichen  Genossen- 
schaften von  Meissen  bis  Magileburg  alle  auf  Bodensorlen  mit 
gewissen  gleichmässigen,  staubig-trockenen  Eindruck  hervorrufen- 
den Eigenschaften  Vorkommen);  die  Erklärung  der  Relicte  fällt 
hier  hinein. 

b)  Der  Einfluss  der  Höhenlage  und  des  davon  abhängigen  Klimas 
nach  den  beiden  wichtigsten  liebeln  der  Vegetationsprocesse,  Wärme 
und  Nässe.  Bei  400  — 500  m Höhe  beginnt  an  Nordhängen  im 
-Allgemeinen  die  Bergzone,  bei  1100 — 1300  m endet  die  letztere 
mit  dem  Fichtenwalde  und  es  beginnt  ein  schwacher  Anfang  von 
subalpiner  Zone,  welche  zu  Ende  ist,  ehe  sie  zum  ordentlichen 
•Ausdruck  gelangen  konnte.  In  diesem  Mangel  der  Entwickelung 
einer  besonderen  llochgebirgsrcgion  liegt  ein  wesentlicher  herey- 


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H(! 


nischer  Charakter;  ihm  ist  die  im  Grossen  und  Ganzen  herrschende 
Einförmigkeit  in  den  dichten  Eichtenbeständeii  der  Bergkämme 
zuzuschreiben,  die  sich  nur  einmal  da  ändert,  wo  ein  Hochmoor 
ausgebreitet  liegt,  oder  wo  für  hochgelegene  qucllige  Schluchten 
und  geröllführende  Berghaiden  genügender  Platz  vorhanden  ist. 
c)  Der  Eintluss  des  Bodens,  in  seiner  Zusammenwirkung  mit  Ver- 
witterung, Insolation  und  Befeuchtung,  welche  dem  Boden  erst 
die  eigentliche  Bedeutung  verleihen.  Die  Bodenarten  sind  iin 
hercynischen  Bezirke  in  allen  möglichen  Abstufungen  von  Ur- 
gesteinen, paläozoischen  Grauwacken,  Thon-  und  Kieselschiefern, 
in  der  .Abwechselung  von  Buntsandstein  und  Muschelkalk  in  den 
Triaslandschaften,  seltener  mit  Keupersandsteinen,  in  Quadersand- 
steinen, diluvialen  Geschieben  und  endlich  in  mächtigen  Basalt- 
erhebungen und  Porphyrmassen  vertreten;  bis  zu  einem  gewissen, 
mit  floristischem  Takt  einzubaltenden  Grade  sind  einzelne  Land- 
schaftsgrenzen sehr  wohl  mit  bestimmten  geognostischen  Boden- 
klassen in  Uebereinstimmung  zu  bringen;  oft  ist  aber  eine  rein 
orographische  Linie  wichtiger  als  das  Auftreten  einer  anderen 
geologischen  Formation. 

Das  waren  die  wesentlichen  Gesichtspunkte,  welche  an  der  Hand  der 
nöthigen  Hilfsmittel  auf  unseren  Botanisirreisen  den  Leitfaden  für  die 
Florenaufnahmen  bildeten  und  welche  mit  den  wirklich  Vorgefundenen 
Beständen  in  Uebereinstimmung  zu  bringen  waren.  Und  welche  Viel- 
heit in  diesen  Beständen!  Gleichen  sich  schon  die  Wiesen  selten,  wie 
viel  weniger  noch  der  Wald  in  seiner,  je  nach  Banmarten  wechselvollen 
Zusammensetzung.  Hierüber  kann  ich  heute  um  so  rascher  hinweggehen, 
als  ich  schon  früher  (Isis  1888,  S.  68)  eine  .ausführliche  Formationsliste 
von  den  hercynischen  Landschaften  .als  Krgebniss  der  <larauf  gerichteten 
Untersuchungen  entworfen  habe.  Dieselbe  ist  aber  vielleicht  noch  etwas 
zu  mannigfaltig,  was  eher  zu  Schwierigkeiten  in  der  Verwendung  führt 
.als  das  Gegentheil;  daher  gebe  ich  hier  eine  kurze,  handlichere  Zusamraen- 
ziehung  unter  Anführung  mancher  charakteristischer  Pflanzcnartcn  als 
Beispiele.  Diese  Zus.aramenziehung  entspricht  einer  biologischen  Gliede- 
rung der  Standorte  nach  dem  geringsten  Maasse. 

Die  10  hercynischen  Formationsgruppen  in  charakteristischer 
Ausprägung.  (Höhenangaben  im  Mittel.) 

I.  AVälder,  trocken,  100  — 500  m (CaTjiimis,  TiUa,  Betula,  Quercus, 
Fagus).  — (Aor  cainjuvtre,  L.  Xglosteiim). 

II.  Wälder,  bruchig,  80  — .800  m {Ahntti!  Fraiinus,  Quercus,  Car- 

piniis).  (Frangida!  Angelica  silvestris  :);). 

III.  a)  Wälder,  montan,  500 — 1200  in  {Ahies,  Fagus,  Acer  Pseudoplal., 

Picea).  — {Sambucus  racemosa,  Loniccra  nigra). 
b)  Quellflur.  (Chrgsosplenium,  Chaernphgllum  hirsutum.  — Mul- 
gedium  alpiuum  600 — 1200  m). 

IV.  Kiefernhaidewald.  {Pnus  silvestris,  Betula).  {Crdluna,  Saro- 

thumnus,  Gnaphal.  dioicum). 

V.  Hain-,  Fels-  und  Geröllfluren  auf  dysgeogen-pelit.  Boden. 
(Bosaceae:  Crataegus,  Bosa , Pnnius  spinosa,  Cotoneaster, 
Aroma,  Sorhus  Aria.) 


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87 


150 

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c) 


VI. 


VII. 


VIII. 


IX.  a) 

b) 

X. 


Kalk:  Bupleurum  falcatum,  Sesleria,  Clematis  Vitalba.  Gen- 
tiana ciliata.  — Die  TeMcnxw-Gruppe. 

Silicat  und  indifferent:  Anthericum , Lactnca  perennis.  Carex 
hamilis,  Puuced.  Cei'varia.  {Puls,  pratensis,  Potcnlilla  arenaria). 

montan- subalpin:  Diantlms  caesius.  Woodsia  ilvensis.  Saxifrai)a 
decipiens.  Aster  aljnntts.  — Andreaea!  Gi/rophora  und  Um- 
hilicaria. 

Wiesen,  a)  100  — 500  m (Cirsium  oleraceim,  Geranium pratense, 
Carum  und  Heradeum,  Crcpis  l/iennis). 
b)  600— 1200  m (Meum  alliamanticum,  Geranium  silva- 
ticum,  Crepis  succisifolia,  Cirsitim  heterophijUum). 

Moore,  a)  Caricetum  ohne  Sphai/na  und  Vaccinium  Oxijcoccus. 

Erioph.  pohjstachpum ; Carex  vulgaris,  panicea  etc.), 
b)  Sphagncta  mit  Erioph.  vaginatum,  Vaccinia!  Cal- 
luna.  — (Phius  montana,  Andromeda,  Empctrum  etc.) 

Herghaide  und  Borstgrasmatte.  (Callitna  und  Vitis  idaea! 
Calamagrostis  HaUcriana!  Nardus!  Luzula  sudetka.  Jtmcus 
squarrosas.  Empetrum.  Trientalis.  Cetraria). 

Binnengewässer-(Ufer-  und  Wasserpflanzen-) Formationen. 

Salicomia  - Salzsümpfe. 

Culturfo  rmationen;  Unkräuter,  Brachpflanzen,  Ruderalpflanzen. 


Nach  dem  Auftreten  dieser  Formationsgruppen  in  besonderer  ört- 
licher .\usgestaltung  („Facies“)  und  mit  besonderen  oder  allgemein  durch- 
gehenden Lcitpflauzen  versehen,  bestimmen  sich  die  Charaktere  der  14 
Landschaften  im  hercynischen  Florenbezirk.  Um  von  ihrer  Bestaudesab- 
wechselung  eine  flüchtige  Skizze  zu  zeichnen,  versetzen  wir  uns  in  die 
Eindrücke  einer  Botanisirfahrt  durch  einen  grossen  Theil  unseres  Gebietes 
und  verlassen  die  uns  am  genauesten  bekannten  Gefilde  im  Dresdner  Elb- 
thal zu  raschem  Aufstieg  auf  die  Höhen  des  Erzgebirges  bei  Oberwiesen- 
thal und  Gottesgab.  Hier,  an  den  Abhängen  des  Fichtel-  uml  Keilherges, 
finden  wir  die  Formationen  F.  lila  und  HIb,  VI  b,  Vllb  und  VIII,  während 
fast  alles  Andere  fehlt.  Die  Quellflur  erhält  ihre  besondere  Ausprägung 
liier  durch  Streptopus,  Bergwald  und  Borstgrasmatte  durch  Homoggne. 
während  Mulgedium  und  liatiunculus  aconitifolius  als  gemeinsame  her- 
cynische  Bestandtheile  auftreten;  Udieudizeria,  Carex  limosa,  Betula  nana, 
tinertia  und  die  dichten  Bestände  von  Pinus  montana  und  Betula  carpathica 
machen  die  Hochmoore  besonders  interessant. 

Ira  raschen  Wechsel  der  Unterholzflora  in  den  Bergwäldern  steigen 
wir  am  Südabhang  des  Gebirges  von  unseren  1200  m überragenden  Höhen 
herab  und  treflen  hier,  in  voller  Sonuenwirkung,  schon  bei  relativ  bedeu- 
tenden Höhen  (über  600  m)  in  den  zahlreichen  die  Gebüsche  durchsetzen- 
den Trauben  goldgelber  Blüthen  von  Cgtisus  nigricans  die  obersten  Merk- 
zeichen von  F.  \ b,  während  rasch  Meum  athamantkum  nebst  Hrnfcn  montana 
auf  den  Bergwiesen  abnimmt  und  schwindet.  Nicht  lange  dauert  es  und 
Balvia  pratensis  tritt  dafür  an  deren  Stelle,  auf  kahlen  Felsen  erblühen 
die  Nedum-Arten,  Labiaten  häufen  sich  und  bei  Hauenstein  oberlndb  der 
Eger  ist  Campanula  glomerata  ein  gemeiner  Bestandtheil  der  Haine.  Das 
Egerthal  tritt  hier  ein  in  das  böhmische  Mittelgebirgsland;  wir  eilen  strom- 
auf nach  den  Höhen  des  Kaiserwaldes,  wo  uns  (wie  im  Elstergebirge)  in 
Erica  camea  und  Pulygala  Chamadmxus  zwei  am  Fichtelgebirgsknoten 


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H8 


allein  im  (jebiet  auftretende  nordalpiue  Arten  aufstossen,  hier  als  selt- 
sames Beigeraisch  zu  der  unteren  Stufe  der  Bergwälder,  im  Schutze  mäch- 
tiger Weisstannen  und  Fichten.  Ueber  Eger  geht  es  zum  Fichtelgebirge 
hinauf,  über  Pingtticula  und  Meum  führende  Bergwiesen,  zum  alten  Moor 
am  Fichtclsee  im  Bereich  hochstämmiger  Pinus  montana.  Im  Südosten 
schimmern  die  Kuppen  des  tannenreichen  Böhmerwaldes  herüber,  auf 
denen  das  gemeine  Mcum  athamanticum  durch  beschränkteres  .\uftreten 
von  Liijustimni  Mutellhia  ersetzt  wird.  Wir  wollen  aber  unsere  botanische 
Reise  nordwärts  fortsetzen  und  wählen  als  Wegweiser  die  Thüringer  Saale. 
Ihre  Quelle  hat  sie  7ÜB  m hoch  unter  dem  Granitwall  des  Waldsteins  und 
von  hier  bis  zu  ihrer  Einmündung  in  die  Elbe  durchströnit  sie  wechsel- 
volle Landschaften  in  anziehender  Abwechselung  der  Ilauptformatiouen. 
Die  Saale  ist  von  allen  hercynischen  Flüssen  der  bedeutungsvollste,  weil 
sie  der  hercynischen  Flora  durchaus  treu  bleibt;  die  reizvollen  Abschnitte 
des  Elbe-  und  Weser-Stromthales,  soweit  sie  unserem  Beziike  angehören, 
enthalten  die  Marksteine  der  östlichen  und  der  westlichen  Hügelformationen 
an  ihren  beiderseitigen  Ufern,  aber  die  Saale  bezeichnet  in  ihrem  mit 
vielen  Krümmungen  nordwärts  gerichteten  Laufe  selbst  eine  der  wichtig- 
sten Scheiden  von  östlichen  und  westlichen  Formations-Ausprägungen,  wenn 
auch  der  eine  und  andere  Florencharakter  bald  hier,  bald  ila  über  den 
Fluss  herübergreift  und  sich  seiner  ganzen  Gehänge  bemächtigt.  Zuerst 
greift  der  östlich-montane  Florencharakter  nach  West  herüber:  Piwinthes, 
Ariincus,  in  den  Gebüschen  Ci/tisus  nifp'icans,  finden  sich  zahlreich.  In 
den  schluchtenartigen  Engpässen  von  Burgk  und  Ziegenrück  bis  Saalfeld 
ist  die  F.  Vc  mit  Diantliiis  caesius,  Woodsia  üvvnsis  und  Aater  (djiinus 
recht  hübsch  vertreten,  und  bei  Ziegenrück,  wo  der  Saalespiegel  nur  noch 
etwa  300  m Höhe  besitzt,  trifft  sich  ein  merkwürdiges  Gemisch  von  Berg- 
waldarten {Diyitalis  purpurca,  Lonicera  7iiyra,  Anincus)  mit  IIügeli)fianzen 
wie  Digitalis  amhigua,  Sedum  rupestre  und  Anthemis  tinctoria,  welche 
stromabwärts  bald  zahlreichere  Genossen  finden.  Einen  lehrreichen  For- 
raationswechsel  kann  man  sich  vor  .\ugen  führen,  indem  man  von  Ziegen- 
rück aus,  da  w'o  die  Saale  sich  westwärts  nach  Saalfeld  wendet,  um  als- 
bald in  den  Triasschichten  nordwärts  umzubiegen  und  dann  nach  Osten 
zurückzukehren,  quer  über  das  zwischenliegende  Gefilde  nach  Ranis-Bössneck 
zu  marschirt,  wo  schon  der  hier  auftretende  Zechsteingürtel  ganz  neue 
Yegetationsbilder  schafft,  und  nun  von  Bössneck  weiter  nordwärts  auf  die 
Saale  zustrebt,  die  man  in  ca.  170  m Höhe  bei  Orlamünde  wieder  erreicht. 
Und  wie  findet  man  sie  wieder!  Breite  Wiesenthäler  an  einer  Seite  des 
Stromes,  bedeckt  mit  F.  Via,  an  der  anderen  Seite  die  Steilmauern  rothen 
Sandsteines,  und  an  diesen  im  Gebüsch  oder  in  den  Felsspalten  eine  ge- 
wöhnliche warme  Hügelfiora  der  Gruppe  Vb  mit  Conyza  als  Leitptlanze, 
d.arin  schon  Isatis  tinctoria.  Aber  über  Orlamünde  steigen  auf  dem  breiten 
Sockel  des  Buntsandsteines  spitzere  Kuppen  von  Muschelkalk  auf,  die  sich 
schon  aus  der  Ferne  durch  hellen  Schimmer  verrathen;  ihr  Schotterboden 
ist  mit  zerstreut  stehenden,  ganz  kurzen  Kiefern  überdeckt,  dazwischen 
ganz  kahle,  sonnenheisse  Stellen:  hier  wogt  im  Winde  eine  kleine  Steppe 
von  Melica  ciliata  und  im  Geröll  ist  anstatt  des  Thymian  Alles  erfüllt 
von  Teutrium  Chamaedrys-,  Antherkum  ramosum  wetteifert  an  Häufigkeit 
mit  Bupleurumfalcatum  und  in  den  Ligustrum-  wie  Cbrnits-Büschen  klettert 
w'eithin  die  Clematis  V’italhn.  Da  ist  zum  ersten  .Male  auf  diesem  unserem 
Reisewege  die  Vollentwickelung  der  F.  Va  uns  entgegen  getreten  und  sie 


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8i) 


bezeichnet  nebst  den  humusreichen  Buchenwäldern  mit  vielerlei  neuen  Arten 
den  Charakter  des  Thüringer  Beckens  am  schönsten. 

Wir  folgen  der  Saale  bis  zur  ünstrutmündung  nahe  Freyhurg;  neue 
Arten  beginnen  hier  sich  zu  zeigen,  seltenere  Areale  reichen  bis  hierher. 
Der  fest  anstehende  Kalk  wird  spärlicher;  Geschiebe  treten  dazwischen, 
Porphyrhügel  umsäumen  das  Flussbett  bei  Halle:  hier  sind  die  Uferhöhen 
bei  Wettin  und  Rothenburg  durch  eine  ganz  andere  Variante  der  Hügel- 
formationen bekleidet,  südöstliche  Arten  sind  häufig  wie  im  böhmischen 
Mittelgebirge;  Sei‘eli  Hippomarathrum  giebt  den  Ton  an,  weniger  häufig 
zu  sehen  stimmen  Astrayalns  exscapus  und  Oxytropis  pilosa  in  dieselbe 
Melodie. 

Wir  wählen  den  letzten  Nebenfluss  der  Saale  von  Westen  her,  die 
Bode,  zu  einer  erneuten  Bergwanderung  zum  Harz.  Sie  führt  uns  aus 
dem  Hügelgelände  mit  Steppencharakter  und  Abhängen  voll  fliegender 
Grannen  der  Stipa  capillata  heraus  in  die  Engpässe  eines  steilen  Gebirgs- 
thales,  wo  an  200  m hohen  Granitwänden  Saxifraya  decipiens,  spärlich 
auch  Aster  alpinus  den  Montancbarakter  verratben,  während  die  geringe 
Durchschnittshöhe  den  Arten  von  F.  Vb  (wie  Allitim  fallax)  die  Ansiede- 
lung auch  noch  gestattete.  Aus  dem  Bodekcssel  wandern  wir  zu  den 
schweigsamen  Hochwäldern  des  Oberharzes,  bis  uns  der  kleiner  werdende 
Bach  stromauf  bis  zum  Brockenfelde  geleitet  und  nordwärts  hinauf  zum 
Vater  Brocken  selbst,  durch  die  letzten  mit  dem  Sturme  kämpfenden 
F’ichten  auf  die  kahle  Höhe  mit  ihrer  Berghaide.  Keine  Homoyyne,  kein 
Streptopiis  ist  hier  zu  sehen,  wohl  aber  dieselben  Rosetten  von  Athyrium 
alpestre  wie  am  Keilberge,  und  — ein  neuer  Reiz  an  dieser  Stelle  — die 
Brockenblume  mit  ihren  zu  „Hexeubesen“  verwandelten  Früchten,  Pidsa- 
tilla  alpina,  und  neben  richtigem  Hieracium  cdpinum  auch  eine  beson- 
dere Abart  des  H,  niyrescens.  W'ie  hier  die  ’F.  VHl  in  anderer  Ausprä- 
gung durch  neue  Artgenossenschaft  erscheint,  so  auch  die  Moore,  die 
Fichtenwälder.  Betida  nana  wird  hier  an  ihren  seltenen  Stellen  fast 
erstickt  von  den  grossen  Rasen  des  Scirpus  {Trichophoram)  caesjnlosus, 
aber  kein  Sumpfkiefergehüsch  unterbricht  den  graugrünen  Ton  des  Moores 
mit  den  weissen  Köpfen  von  Eriophorum  vayinatum.  In  den  Wäldern  kein 
E^enanthes,  kein  Thalictrnm  aquUeyifoUum  oder  Anmcus,  keine  Euphorhia 
dtdds;  aber  bei  Andreasherg  tritt  uns  zuerst  auch  hier  in  En.  amyydaloides 
eine  Art  des  W^estens  entgegen,  Digitalis  purjmrea  erfüllt  alle  Gehänge, 
in  den  Quellgründen  wächst  Midyvdiim  mit  Eaminculus  aconitifolius  wie 
in  allen  hercynischen  Gebirgen. 

Durch  den  Hildesheimischen  Gau  lenken  wir  zur  Weser;  Rudel  von 
Bosa  arvensis  auf  Aengern  mit  Spiranthes  autumnalis  sind  wohl  der  Auf- 
merksamkeit werth,  noch  mehr  auf  den  Kalkhöhen  bei  Holzminden  und 
Höxter  die  seltene  Dolde  Siler  trilohiim.  Weniger  reiche  Bergwälder  der 
unteren  Stufe  geleiten  uns  die  Weser  aufwärts  bis  zu  der  Stätte,  wo  Werra 
und  Fulda  sich  zum  Hauptstrom  vereinigen,  und  diese  beiden  w'estlichsten 
Ströme  führen  uns  durch  das  Casseler  und  Meininger  Land  bis  zu  den 
Südwestgrenzen  unserer  Ilercynia.  Zunächst  lockt  uns  die  W'erra  in  dem 
Bereich  zwischen  Eisenach  und  Witzenhausen,  wo  sie  in  prächtigen  Win- 
dungen um  den  Ringgau  herum  durch  die  Schichten  der  Trias  bricht  und 
westwärts  ihres  Thaies  den  mächtigen  Basaltklotz  des  Meissner  zum 
Wächter  hat.  Zwischen  quellenreichen  Buntsandsteinwaldungen  wechselt 
hier  die  Landschaft  mit  Steilniaucrn  von  Muschelkalk,  einer  neuen  präch- 


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90 


tigen  Entfaltung  von  F.  Va  in  ähnlicher,  doch  anderer  Zusammensetzung 
wie  an  der  Saale.  Amelanchier  krönt  mit  Sorhis  Aria,  Cormis  mas  und 
Cotoncuster  viele  Steilhiinge,  Lanerpitium  und  Libanotis  sind  häufige 
Charaktenlolden,  Aster  Amdlus  mischt  sich  mit  Linum  tenuiflorum. 

Und  so  können  wir  zum  Schluss  den  südwestlichen  Eckpfeiler,  die 
Rhön,  betreten,  ein  Gebirge  mit  schon  weit  mehr  südlichem  Anstrich  als 
irgend  eines  der  anderen.  Denn  hier  fehlt  auch  bei  Erhebungen  über 
900  m der  montane  hercynische  Fichtenwald,  nur  das  untere  Glied  von 
F.  lila  mit  vorwaltender  Ruche  ist  entwickelt,  und  in  deren  Schatten 
wächst  hier  Jitnuinadus  aconitifolius  mit  Aconitum  Li/coctonnm  und  Cen- 
taurea  montana,  zeigen  sich  die  schönen  Blüthensträusse  von  Campanula 
latifoUa  und  ganze  gesellige  Unterwuchsbestände  von  Lunaria  rediviva. 
An  einzelner  Stelle  ist  Fleurospcrmum  austriamm  üppig  entwickelt,  wie 
in  der  Tatra  oder  dem  Gesenke;  die  weiten  Rasenflächen  sind  bis  hoch 
hinauf  auf  die  Höhen  mit  Ibunclla  grandißora  geschmückt.  Aber  auch 
hercynische  Moore  sind  eingestreut  in  820  ra  Höhe  und  nahe  den  obersten 
Kuppen  der  östlichen  Gebirgserhebung,  monoton  und  nicht  so  pflanzen- 
reich  wie  die  ersten  auf  unserem  Reisewege,  doch  durch  Carex  limosci 
und  iicheuchzeria  ihnen  verwandt;  Sumpfkiefer  fehlt,  nur  Empetrum  mit 
Andromeda  sind  neben  den  nie  fehlenden  Restandtheilen  der  F.  VHb 
eben  so  häufig,  und  es  fehlt  auch  nicht  an  den  Krüppelgehölzen  der 
Sumpfbirken. 

So  können  wir  vom  Gipfel  des  Kreuzberges  aus,  der  besser  als  die 
waldlose  Wasserkuppe  djis  Aushalten  der  Buche  im  Gemenge  mit  Fichte 
und  Tanne  zeigt,  hinüberschauen  auf  die  Thalzüge  der  fränkischen  Saale 
und  wir  vei-steheu  bei  der  Geringfügigkeit  der  Erhebungen,  welche  deren 
Wasserscheide  gegen  die  Werra  bilden,  wie  an  der  Ostflanke  der  hohen 
Rhön  die  fränkische  Flora  ihre  Sendlinge  nordwärts  ausbreiten  konnte  bis 
zum  südlichen  Hannover  und  mit  ostwärts  gerichteter  Abschwenkung  auch 
theilwcise  in  das  Thüringer  Becken,  wo  immer  die  Gesteinsbildiing  vor- 
nehmlich des  Muschelkalkes  die  für  wärmere  Hügel])flanzen  erforderlichen 
Plätze  bot.  Das  böhmische  Mittelgebirge  gab  seine  Sendlinge  an  die 
Lausitz  und  das  Dresdner  Elbthal  ab,  das  Frankenland  an  die  von  Werra 
und  Fulda  durchströmten  Lande. 

Fassen  wir  nun  entsprechende  Wahrnehmungen  im  ganzen  hercyui- 
schen  Bezirke  zusammen  zu  einer  Gliederung  des  (>anzeu,  so  ergeben 
sich  als  ziemlich  natürlich  folgende  14  Landschaften : D,as  Weserland, 
Braunschweiger  Land,  Werra-  und  Fuldaland  mit  der  Rhön,  das  Thüringer 
Becken,  das  Land  der  unteren  Saale,  das  Land  der  Weissen  Filster  (Gera- 
Leipzig),  das  vogtländische  Berg-  und  Hügelland  mit  dem  Frankenwalde, 
das  sächsische  Muldenland,  das  Hügelland  der  mittleren  Elbe  (Pirna-Strehla), 
das  Lausitzer  Hügel-  und  Bergland;  diesen  zehn  L.andschaften  mit  vor- 
wiegendem Charakter  der  Hügel-  und  niederen  Bergzone  gesellen  sich 
nunmehr  noch  die  vier  hercynischen  bedeutenderen  Ilergländer  zu:  der 
Harz,  Thüringer  Wald,  das  Erzgebirge  und  der  Böhmer  Wald.  Sie  liefern 
die  kleineren  Einheiten  für  Schilderung  der  ptlanzengeographischen  For- 
mationen, für  die  Untersuchungen  der  Wanderung  und  Fiorenbesiedelung 
nach  Beurtheilung  der  geologischen  Entwickelung  und  der  Arealstudien 
(siehe  .Anhang!),  oder  für  die  ganz  andere  ökologische  Seite  der  Forschung, 
welche  die  Mittel  zu  prüfen  hat,  mit  denen  die  einzelnen  Arten  sich  an 
ihren  oft  heiss  umstrittenen  Standorten  zu  erhalten  vermögen. 


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Von  grosser  Bedeutung  würde  es  sein,  wenn  die  zoologischen  Facli- 
genossen  in  unserer  Gesellschaft  nach  den  von  der  Pflanzengeographie 
gelieferten  Grundzügen  die  Verhreitungsverhältnisse  der  heimischen  Thier- 
welt und  deren  Abhängigkeit  entweder  direct  von  bestimmten  Vegetations- 
forniationen,  oder  aber  von  den  gleichen  zwingenden  Verbreitungsursachen 
in  Hinsicht  auf  Areal  und  geologisches  Aushreitungsvermögen,  zu  ent- 
sprechenden Bildern  verarbeiten  wollten,  ln  manchen  Fällen,  wie  z.  B. 
bei  der  Verbreitung  des  Hamsters  und  ähnlicher,  erscheint  es  schon  jetzt 
nicht  schwierig;  in  anderen  Fällen  werden  wahrscheinlich  die  Resultate 
je  nach  ThierUassen  verschiedenartig  ausfallen  und  da  wären  vielleicht 
die  Schnecken  und  die  Schmetterlinge  zunächst  mit  einander  zu  ver- 
gleichen. 


Anhang. 

• Die  Arealstudien,  die  Zugehörigkeit  der  charakteristischen  Arten 
bestimmter  Formationen  zu  verschiedenen  Verbreitungsgruppen,  bilden 
den  streng  pflanzengeographischen  Theil  der  im  Vorhergehenden  kurz  an- 
gedeuteten Formationsschilderungen.  Nach  einem  weiteren  Vortrage  in 
der  botanischen  Section  der  Isis  am  9.  Februar  1899  über  diesen  Gegen- 
stand sei  daher  zur  Ergänzung  des  ersten  Vortrages  noch  Folgendes  hier 
kurz  angeführt: 

Die  Areale,  welche  für  die  Mehrzahl  der  Arten  in  einzelnen  Ländern 
geschlossene  Figuren  bilden  und  von  deren  Rändern  aus  sich  noch  als 
„sporadische  Standorte“  in  weiteren  Umkreisen  ausdehnen,  werden  zweck- 
mässiger Weise  nach  besonderen  Typen  zusainmengefasst.  Die  für  Deutsch- 
land gütigen  Typen  umfassen  sowohl  geschlossene  Areale,  wie  z.  B.  das 
Areal  der  Buche  und  Tanne  in  wichtigen  Autheilen,  als  auch  sporadische 
Standorte  jenseits  der  Grenzen  nordischer,  östlicher,  westlicher  und  süd- 
licher Hauptareale,  wie  z.  B.  derjenigen  von  Lmnaea  horealis,  Adonis  vcr- 
nalis,  Erica  cinerea  und  Rata  graveolens.  Nach  der  Form  und  Lage 
dieser  Areale,  welche  Deutschland  theils  mit  der  geschlossenen  Hauptfigur, 
theils  nur  mit  den  sporadischen  Standorten  erreichen  und  durchsetzen, 
unterscheideich  für  das  ganze  in  „Deutschlands  Pflanzengeographie“,  Bd.  I 
durchmusterte  Gebiet  von  3020  Blüthenpflanzenarten  24  Typen,  welche 
ich  zur  leichteren  Kennzeichnung  mit  einer  abgekürzten  Signatur  versehe; 
dabei  bedeuten  die  Buchstaben: 

H.  Hochgebirge  (Alpen,  Karpathen,  ausstrahlend  auf  die  Mittelgebirge), 
E.  Europa,  bezw.  europäischer  Antheil  borealer  Areale, 

M.  Mitteleuropa  im  Sinne  des  Florengebietes, 

B.  Boreal,  d.  h.  von  weiter  nördlicher  Verbreitung, 

U.  Uralisch,  d.  h.  für  Europa  besonders  von  Westsibirien  und  dem  nord- 
östlichen Russland  herkommend, 

Po.  Pontisch,  d.  h.  mit  dem  Hauptareal  in  den  südrussischen  Steppen 
vorkommend, 

P.  Pontisch  im  weiteren  Sinne,  d.  h.  mit  dem  Hauptareal  auf  das  untere 
Donaugebiet  fallend, 

Atl.  Atlantisch,  NAtl.  Nordatlantisch, 

W.  Westeuropäisch  in  der  Bergregion  Pyrenäen  — Rhein  etc.  und 
A.  Arktisch,  d.  h.  in  Island  — Grönland  — Spitzbergen  vorkominend. 


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Diese  Arealtypen  und  Abkürzungen  sind  auf  mitteleuropäische  Pflanzen- 
geographie  zugeschnitten  und  würden  für  andere  Gebiete  zweckmässig 
anders  zu  fassen  sein;  sie  schliessen  gleichzeitig  bestimmte  Vegetations- 
linien in  sich,  z.  B.  den  bekannten  Gegensatz  pontischer  Areale  mit  nord- 
westlichen, und  atlantischer  Areale  mit  südöstlichen  Vegetationslinien. 

Die  deutschen  Arealtypen  mit  ihren  Signaturen  sind  in  der  folgen- 
den Liste  zusammengestellt  und  durch  bequem  vorliegende  Beispiele  ge- 
kennzeichnet; diejenigen,  welche  für  den  hercynischen  Florenbezirk  von 
Bedeutung  sind,  erhalten  Fettdruck. 

ME‘  Fagns  silratka:  engeres  Mitteleuropa. 

ME'  Ahiuti  ghitinosa:  Mitteleuropa,  erweitertes  Gebiet. 

Mm  Abtes  pedinata,  Acer  Pseudopintanus:  engeres  montanes  Areal 

von  dem  den  Alpen  vorgelagerten  Theile  Mitteleuropas. 

S Castanea,  Ostrya:  Südeuropäische,  Deutschland  im  SW.  und  SO. 
berührende  Areale. 

Mb'  Picea  excelsa:  erweitertes  mitteleuropäisch -boreales  Areal. 

MbA  Vaccinium  Vitis  idaea:  das  Fichtenareal  Mb'  bis  zum  arktischen 
Gebiet  erweiternd. 

HU  Cemhra,  Larix:  mitteleuropäische  Hochgebirge  und  uralisches 
Europa,  das  Areal  disjunct,  d.  b.  durch  einen  breiten  Länderraum 
getrennt. 

H'  Widfenia  carinthiaca:  auf  die  Alpen  als  Endemismen  beschränkte 
Areale. 

II'  tdaxifraga  carpathica,  perdnram:  auf  die  Karpathen  als  Endemis- 
inen beschränkte  Areale. 

H"  lihododcndron  ferrugineum,  hirsutum.  — Pidsatilla  alpina,  Hoino- 
ggne:  alpin-karpathische,  auch  sonst  weiter  in  den  Hoch-  und 
.Mittelgebirgen  des  Gebietes  Mm  verbreitete,  den  Harz  nach 
Norden  nicht  überschreitende  .^rcale. 

Stcertia  peretinis:  dem  Areal  wie  unter  II’  gesellen  sich  noch 
sporadische  Standorte  in  der  atlantisch -baltischen  .Niederung  zu. 

H'  linnutiadus  aconitifoUus:  das  Arc.al  wie  unter  11’  ist  auf  Skan- 
dinavien ausgedehnt,  wo  die  .Moutanarten  in  tieferen  Regionen 
wiederkehren. 

A H IJrgas  octopetalu : ein  der  Haujitsache  nach  arktisch-circumpolares 
Areal  ist  gleichzeitig  auf  die  in  11’  bozeiclineten  Gebirge  ausgedehnt 
(nicht  auf  die  Niederung). 

-\E'  Pcdicularis  sudetica:  ein  arktisches  Areal  hat,  durch  weite  Länder- 
rätiine  getrennt,  in  den  mitteleuropäischen  Gebirgen  beschränkte 
Standorte  und  ist  nicht  alpin-verbreitet. 

AE'  Bdula  nana:  ein  arktisches  Areal  von  weiter  nordeuropäischer 
Hauptfigur  durchsetzt  mit  nach  S.  abnehmenden  sporadischen 
Standorten  die  baltische  und  mitteldeutsche  Flora  bis  zu  den 
Alpen. 

BU'  Chamaedaphue  calgculata:  boreale,  in  Europa  uralische  Are.ale 
schliessen  mit  einer  westlichen  Vegetationslinie  vor  den  Arealen 
ME'  beziv.  Mm  ab. 

HF'  Heiirospermum  aiistrianini:  die  gleichen  Areale  durchsetzen  Mittel- 
europa weit  gen  W. 


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WM  in  Digitalis  purjmrea,  Meum  athamanticion:  westeuropäische  Berg- 
areale, welche  von  den  Pyrenäen  bezw.  Central  Frankreich  an  über 
die  den  Uhein  begleitenden  Bergländer  bis  in  die  bercyniscben 
Berge  ausgedehnt  sind,  die  Alpen  aber  nur  berühren  oder  aus- 
scbliessen. 

Atl  Aquifoliam:  Areale  des  ganzen  südwestlichen  Europas. 

NAtl  Erica  Tetralix,  Mgrica  Oale:  Areale,  welche  ihre  Hauptfigur  an 
der  Atlantischen  Küste  von  Frankreich  — Holland  — England  be- 
sitzen. 

Po*  Jurinea  cyanoides:  politische  Areale  von  enger  Ausbreitung  nach  W. 

Po*  Stipa  pennata,  capillata:  pontische  Areale  von  weiter  Ausbreitung 
nach  W.,  zugleich  auch  in  der  nördlichen  Mediterranregion  ver- 
breitet. 

PM*  Daphne  Blagayana:  endemische  Arten  des  westpontischen  Be- 
zirkes, welche  von  Serbien  — Bosnien  aus  die  Ostalpen  berühren. 

PM*  Cytisns  nigricans:  weite  Areale  desselben  Bezirkes,  deren  Haupt- 
figur vom  südwestlichen  Russland  bis  zum  östlichen  Deutschland 
reicht  und  die  russischen  Steppen  am  Don  ausschliesst. 

Diese  Arealtypen  lassen  sich  nun  zur  Ermittelung  des  eigentlichen 
pflanzengeographischen  Charakters  der  Formationen  benutzen,  indem  man 
sowohl  auf  die  Arten  achtet,  welche  deren  Grundton  ausraacheii,  als  be- 
sonders auf  die  charakteristischen,  als  „Leitpflanzen“  bezeichneten  Arten. 
(Siehe  Festschrift  der  Isis  1885,  S.  81  u.  flg.)  Wenn  wir  z.  B.  die  Areale 
der  in  den  Abhandlungen  unserer  Gesellschaft  1895,  S.  47  aufgeführten 
Formationsglieder  unserer  Elbhügel -Flora  daraufhin  j)rüfen,  so  ergiebt 
sich  eine  Hauptmasse  von  politischen  und  westpontischen  Arealen  der 
Gruppe  Po*  und  P.M*,  kein  einziges  atlantisches  oder  arktisch -boreales. 
Diese  letzteren  sind  dagegen  in  den  Gebirgsformationen  zahlreich  vor- 
handen, von  denen  ich  hier  zunächst  eine  Probe  aus  den  quelligen  Matten 
und  Hochmooren  des  Erzgebirges  am  Fichtel-  und  Keilberge  mittheile. 

Zusammenstellung  von  Charakterarten  aus  der  Formationsgruppe  Vllb 
und  VIII  des  oberen  Erzgebirges  nach  typischen  Arealformen. 

AH  (Dr(/os- Typus)  Streptopus  amplexif alias. 

AE*  Betula  nana  unil 'i*  airpathica,  Empetrum  yiigrum,  Andromeda 
polifulia,  Vacciniiim  Oxycoccus  und  idiginosum,  Gymnadenia  albida. 

BU*  (P/ei«'osperwi»m-Typus.)  Sdmirhzeria palustris,  Carex  limosa  *ir- 
rigtia,  C.  paaciflora,  Trientalis  europaea. 

H*  Ran  unculus  aconitif alias  *plalanif alias,  Peucedanum  (Sect. 
Imperatoria)  Ostruthium. 

H*  Swertia  perennis. 

H*  (Pulsatüla  rtfpma-Typus)  Homoyyne  alpina,  Pinus  montana  'uli- 
ginosa. 

WMm  Me  um  athamanticum. 

MbA  Vaccinium  Vitis  idaea,  Jancus  sqaarrosus. 

Mb’  (P'cea- Typus)  Vaccinium  Myrtillus,  Arnica  montana^. 

ln  dem  oberen  Erzgehirgswald  derselben  Landschaft  am  Fichtel-  und 
Keilberge  treten  bekanntlich  auch  als  Charakterpflanzen  Homogyne  alpina 
mit  Trientalis  ein;  dennoch  ist  es  für  die  Homogyne  wohl  nicht  zweifel- 
haft, dass  sie  ursjirünglich  zu  den  Mattenformatiouen  der  Gebirge  gehört, 


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94 


während  wir  in  Trientalis  vielleicht  eine  ursprünglich  nordische  Waldpflanze 
vor  uns  haben  könnten.  Lassen  wir  aber  diese  beiden  Arten  bei  Seite 
und  stellen  ohne  sie  eine  Reihe  von  Charakterarten  des  oberen  Erzgebirgs- 
waldes  zusammen,  so  erhalten  wir  folgende  Typen: 

H»  Ra  nunculus  aconitifolius,  Athyrium  alpestre,  lAizula  silvatica. 
Mm  (A6ies-Typus)  Cliaerophyllum  hirmtnm,  Lonicera  nigra,  Prcnanthes 
pnrpurca. 

Mb'  Picea  excelsa,  Pirola  unifiora,  Sorbus  aumparia,  Polyyonaium 
vertidllatam,  Melampyrum  süvaticum.  — 

Diese  kurzgefassten  Beispiele  mögen  genügen,  um  die  pflanzengeo- 
graphische Charakteristik  der  Formationen  durch  die  Arealformen  der 
Leitpflanzen  zu  erläutern.  Wie  man  sieht,  kommt  es  darauf  an,  bei 
solcher  pflanzengeographischer  Analyse  sich  an  die  natürlichen  Einheiten 
zu  halten  und  diese  sind  in  den  V egetationsforinationen  gegeben.  Nicht 
um  eine  summarische  Statistik  handelt  es  sich,  wie  man  sie  nach  einem 
Florenkataloge  von  Sachsen  entwerfen  könnte,  sondern  um  den  Hinweis 
darauf,  dass  sich  entwickelungsgeschichtlich  verschiedenartige  Ele- 
mente in  demselben  Lande  dadurch  zusammengefunden  haben,  dass 
dieses  Land  verschiedenen  Formationen  geeignete  Besiedelungs-  und  Er- 
haltungsbedingungen hot. 


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VI.  lieber  das  Vorkommen  des  Ziesels  ln  Sachsen. 

Von  Dr.  J.  Thallwitz. 


Ueberall,  wo  man  das’  Ziesel  {Spermophilus  citülm  L.)  als  Bürger 
der  deutschen  Fauna  aufgeführt  findet,  knüpft  sich  daran  die  einschränkende 
Bemerkung,  dass  es  nur  in  Ostdeutschlaml  heimisch  sei.  Weiter  östlich 
reicht  sein  Verhreitungsbezirk  allerdings  bis  Sibirien.  Als  europäische 
Heimathländer  des  Ziesels  sind  insbesondere  Schlesien,  Polen,  Oesterreich, 
Ungarn  und  Russland  verzeichnet.  Neuerdings  machte  Prof.  Wiesbaur 
in  den  „Mittheilungen  des  nordböhmischen  Excursionsclubs“,  1894,  Heft  3 
Angaben  über  die  V'erbreitung  und  Benennung  des  Ziesels  im  nordwest- 
lichen Böhmen.  Er  konnte  feststellen , dass  Spermophilus  citillus  fast  in 
der  ganzen  Nordhälfte  Böhmens  verbreitet  ist.  Obwohl  auch  dort  das 
Ziesel  in  der  Niederung  häufiger  ist,  fehlt  es  doch  in  den  Bergen  nicht 
und  ist  selbst  auf  dem  Erzgebirge  heimisch.  Es  sei  wahrscheinlich,  meint 
Wiesbaur,  dass  das  Thier  auch  jenseits  der  sächsischen  und  bayrischen 
Grenze  noch  verkomme,  und  dass  es  überhaupt  weiter  westwärts  ver- 
breitet sei,  als  bisher  angenommen  wird.  In  Th.  Reibisch’s  „Verzeichniss 
der  Säugethiere  Sachsens“  {Isisbericht  1869,  S.  86 — 89)  ist  die  Lausitz 
als  einziger  Fundplatz  angeführt. 

Es  interessirte  mich,  naehzuforschen,  ob  das  Ziesel  anderwärts  in 
Sachsen  noch  anzutreffen  sei,  und  ob  sich  insbesondere  Wiesbaur's  Ver- 
rauthung  bestätige,  dass  der  Verbreitungsbezirk  des  Thieres  die  Erzgebirgs- 
grenze  nach  Sachsen  zu  überschreite.  Unter  freundlicher  Beihilfe  des 
Herrn  Oberförsters  a.  U.  Lasse  aus  Lauenstein  gelang  es  festzustellen, 
dass  das  Ziesel  in  der  Gegend  der  Orte  Oelsen,  Oclsengrund,  Breitenau, 
Liebenau,  sowie  auch  um  Lauenstein  sich  vorfindet  und  daselbst  durchaus 
nicht  selten  ist.  Um  Oelsengrund  und  auf  Breitenauer  Flur  hat  Ober- 
förster Lasse  selber  in  kurzer  Zeit  30  Stück  mit  Hilfe  von  Klappfallen 
gefangen,  die  er  in  der  Nähe  der  Baue  auf  Halden  und  Feldrändern 
aufstellte,  wobei  er  Schoten  als  Lockspeise  benützte.  Der  Landbevölkerung 
der  oben  genannten  Orte  ist  das  Ziesel  unter  dem  Namen  ,,Kritschel“ 
wohlbekannt,  einem  Namen,  den  es  nach  Wiesbaur  in  einigen  Gegenden 
Nordböhmens*)  ebenfalls  führt.  Auch  bei  uns  wird  das  Thier  als  Getreide- 
schädling von  der  Bevölkerung  verfolgt.  Gewiss  wird  sich  schliesslich 
herausstellen,  dass  das  Ziesel  in  Sachsen  noch  anderwärts  vorkommt, 

*)  In  Bühmen  führt  es  noch  die  l,oralnamen  Tritschel.  Sislich,  Erdhundel,  Rätzel, 
nirgend.«  aber  scheint  es  hier  wie  dort  ,.JCiesel“  genannt  zn  werden. 


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doch  habe  ich  trotz  wiederholter  Bemühung  Belege  über  sein  Vorkommen 
in  anderen  Gegenden  bisher  nicht  erlangen  können. 

Nachdem  ich  dies  niedergeschrieben,  erhielt  ich  von  Herrn  Cantor 
Böhme  in  .Markersbach  bei  Pirna  noch  die  briefliche  Mittheilung,  dass 
auch  auf  Hellendorfer  Feldern  das  Ziesel  anzutreffcn  ist  und  insbesondere 
im  Sommer  1894  sehr  häutig  dort  gefangen  wonlen  ist.  Cantor  Böhme 
fing  selbst  innerhalb  dreier  Tage  auf  einem  Brachfelde  fünf  dieser  Nager 
in  von  ihm  gelegten  Schlingen.  In  den  folgenden  Jahren  konnte  er  keine 
neuen  Baue  auffinden,  doch  versichern  ihn  Personen,  welche  das  Thier 
genau  kennen,  einzelne  Ziesel  letztes  Jahr  auf  dortiger  Flur  gesehen 
zu  haben.  Dass  solche  um  Bienhof  und  Peterswald  jenseits  der  liUndes- 
grenze  vielfach  gefangen  und  getödtet  werden,  war  auch  Herrn  Lasse 
bekannt.  Vielleicht  gelingt  es  Herrn  Böhme  in  diesem  Jahre,  mir  doch 
noch  ein  Kxemplar  aus  der  Gegend  von  Markersbach  und  Hellendorf  zu 
übermitteln. 


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VII.  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  im  Jahre  1898. 

Von  Dr.  B.  Schorler. 


Auch  in  diesem  Jahre  sind  wieder  eine  Anzahl  bemerkenswerther 
Pflanzenfuiide  in  unserem  engeren  Vaterlande  gemacht  worden,  darunter 
auch  einige  Arten,  die  für  das  Gebiet  neu  sind.  Neben  verschiedenen 
Adveutivpflanzen,  die  in  der  folgenden  Liste  durch  das  übliche  f hervor- 
geboben  wurden,  sind  hier  besonders  Helianthemum  guttatum  Mill.  und 
Spergularia  echinosperma  Cel.  zu  neunen,  üie  erstere,  eine  südliche,  resp. 
südwestliche  Form,  ist  in  Mitteleuropa  recht  selten,  die  letztere,  von 
Celakovsky  ursprünglich  als  Varietät  von  Sp.  rubra  aufgestellt,  ist  wohl 
bisher  nur  vielfach  übersehen  worden.  Die  meisten  Funde  wurden  im 
Elbhügellande  gemacht  und  Belegexemplare  von  den  Findern,  die  in  der 
Liste  bei  jeder  Art  angegeben  sind,  in  daukeuswerther  Weise  dem  Herbarium 
der  Flora  Saxonica  zur  Verfügung  gestellt 

Equisetum  hiemale  L.  var.  Schleicheri  Milde.  Elbthal : auf  Kiesbänken  im 
alten  Elbbette  unterhalb  der  Niederwarthaer  Brücke,  cop.  (Stiefelhagen). 

Woodsia  ilvensis  Babington*  rufidula  Aschers.  Lausitz:  am  Tollenstein 
bei  Wamsdorf  i.  B.  (Hofmann). 

Idiegopteria  Rohertianum  A.  Br.  Dresden:  zwischen  Neundorf  und  Lang- 
hennersdorf auf  Kalkblöcken.  In  derselben  Schlucht  wächst  Carex 
maxima  (Stiefelhagen). 

Änthericum  Liliago  L.  Wurzen:  Hohburger  Berge  (Müller). 

Juncus  tenuis  Willd.  Dresden:  Kiefernhaine  nördlich  vom  Lössnitzgrundc 
und  Wegrand  bei  Lindenau.  cop.  (Drude,  Stiefelhagen). 

Fotamogeton  obtusifolius  M.  et  K.  Dresden:  bei  Steinbach  in  den  Tümpeln 
von  Lehmgruben  (Stiefelhagen).  — Grossenhain:  bei  Skassa  (Müller). 

— trichoides  Cham,  et  Schldl.  Dresden:  Volkersdorf  im  oberen  Waldteich, 
cop.  (Stiefelhagen). 

Carex  paradoxa  Willd.  Rochlitz:  bei  Tautenhain  (Schorler). 

Cyperu»  fusctts  L Dresden:  in  diesem  Jahre  bei  Loschwitz,  Saloppe, 
Gehege,  Uebigau  und  Kötzschenbroda  auf  Elbschlamm  nicht  selten 
(Stiefelhagen). 

■\ Fhalaris  trwncata  Guss.  Dresden:  auf  einem  Schuttplatze  bei  Plauen, 
spärlich  (Dr.  Wolf). 

t — paradoxa  L.  Dresden:  sandiges  Elbufer  gegenüber  Uebigau  (Dr.  Wolf). 

Panicuin  capillare  L.  Dresden:  bei  Kötzschenbroda  am  sandigen  Elbufer 
unter  Weiden  (Fritzsche). 


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t Polamoi/cton proUfpmm  Lam.  (N’ach  der  Bestiinmuag  von  (lackel.)  Dresden: 
sandiges  Klbufer  gegenüber  Uebigau  mit  Eragrostis  major  und  E.  tm’nor, 
Pünicum  capülare  etc.  (Stiefelhagen). 

Melica  unijlora  Retz.  Wurzen;  Ilohburger  Berge  (Müller). 

\ Eragrostis  major  Host.  Dresden:  sandiges  Elbufer  gegenüber  Uebigau 
mit  Solanum  rostratum,  Diplotaxis  etc.  (Stiefelhagen), 
f — minor  Ilost.  Dresden:  1898  am  ganzen  Elbufer  von  Pirna  bis  Meissen 
vereinzelt  (Stiefelhagen). 

Olgceria  distans  Wahlbg.  Meissen:  Schuttplatz  in  Cölln  (Stiefelhageii). 

Fcstuca  sciuroides  Roth.  Riesa:  bei  Zeithain  nicht  selten  (.Müller). 

Bromus  erectus  Huds.  Meissen:  Trockene  Hügel  zwischen  Schieritz  und 
Piskowitz  (Stiefelhageii). 

f — unioloides  Humb.  Kth.  Dresden:  Schuttplätze  unter  der  Marienbrücke, 
spärlich  (Dr.  Wolf). 

t — squarrosus  U.  Dresden;  ini  Gehege  (Müller), 
t — commutatus  Schrad.  Dresden:  im  Gehege  (Müller). 

Polggomim  minus  Huds.  Dresden:  bei  Brockwitz  und  Volkersdorf.  Hier 
auch  eine  sehr  üppige  Form  von  P.  minus,  die  mit  dem  Reichen- 
bach’schen  P.  multispicatum  übereinstinimt  (Stiefelhagen). 

■f  — orten  täte  E.  Dresden;  Elbufer  unterhalb  Uebigau  unter  Weiden 
(Sticfelhagen). 

jKochia  scoparia  L.  Dresden:  Elbufer  gegenüber  Uebigau  in  nur  einem 
üppigen  Exemplare.  Die  Art  ist  schon  1890  einmal  am  Neustädter 
Elbquai  gefunden  worden  (Stiefelhagen). 

Chenopodium  ficifolium  Sm.  Dresden:  von  Pirna  bis  Meissen  am  Elbufer 
unter  Weiden  nicht  selten  (Stiefelhagen). 

— album  X Vulvaria.  Diesen  bisher  wohl  noch  nicht  beobachteten  Bastard 
fanden  Dr.  Wolf  und  Stiefelhagen  auf  Schuttplätzen  an  der  Marieu- 
brücke  unterhalb  Dresden  unter  den  Eltern.  Die  Pflanze  war  fast 
meterhoch,  sehr  üppig,  aber  die  ßlüthenstände  verkümmert  und  un- 
fruchtbar. Blätter  zwischen  denen  der  Eltern,  dem  C.  opidifolium 
sich  nähernd.  Geruch  genau  wie  C.  Vulvaria. 
jAmarantus  albus  L.  Dresden:  Elbufer  gegenüber  Uebigau  (Stiefelhagen). 
Der  in  den  tsis-.\l)handlungeu  1897,  2. 11.  erwähnte  Amarantus  Silvester, 
welcher  als  neuer  Bürger  der  Flora  Saxonica  angegeben  war,  stellte 
sich  beim  Vergleich  mit  den  Arten  des  Kg.  Herbariums  auch  als  die 
nordamerikanische  Art  A.  albus  heraus.  An  dem  ersten  Standort 
Meissen:  unterhalb  der  Knorre,  war  sie  auch  in  diesem  Jahre  noch 
zu  finden. 

t — paniculatus  L.  Dresden;  Elbkies  zwischen  Kötzschenbroda  und  Meissen 
(Stiefelhagen). 

Spi  rgularia  echinosperma  Cc\ak.  Dresden:  bei  Loschwitz  (Dr.  Wolf).  Ein 
für  Sachsen  neuer  Fund,  der  die  bisher  weit  von  einander  entfernten 
Standorte  in  Böhmen  und  Wittenberg,  resp.  der  Altmark  (Billberge 
und  Arneburg)  einander  etwas  näher  bringt.  Kommt  wahrscheinlich 
auch  an  anderen  Stellen  des  Elbufers  vor,  ist  aber  bis  jetzt  über- 
sehen worden.  (Näheres  über  diese  Art  s.  b.  Ascherson  und  Gräbner 
in  Ber.  d.  d.  Botan.  Ges.  1893,  S.  516.) 

Cerastium  brach gpetal um  Desp.  Im  ganzen  Meissener  Gebiet  auf  trockenen 
Hügeln  überall  zu  finden,  bei  Zadel  copiös  (Stiefelhagen). 


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m 


Silcne  Otites  Sm.  Riesa:  bei  Gohlis  und  Glaubitz,  hier  in  und  an  den 
Steiiibrüchcn  mit  Potentilla  cinerea,  Carex  humüis,  Phleam  Boehmeri 
und  Festuca  Myurm.  Auch  weiter  nördlich  ausserhalb  Sachsens  bei 
Mühlberg.  Hier  mit  Jurinea,  Stachys  rccta,  Bismtella  lueviyata  und 
Alysmm  montanum  (Müller). 

NiyeUa  arvensis  L.  Riesa:  bei  Gohlis  auf  einem  Brachfelde  häufig  (Müller). 

Nasturtium  armoracioides  Tausch.  Meissen:  am  Elbufer  bei  Meissen  und 
Zehren  (Stiefelhagen). 

•f  Sisymlirium  Columnac  L.  Dresden:  Plauenscher  Gnind,  auf  Schuttplätzen 
am  Hohen  Stein.  Stiefelhagen  beobachtete  diese  Art  nicht  nur  an 
dem  angegebenen,  sondern  zahlreichen  anderen  Standorten,  auch  bei 
Meissen.  Sie  hält  sich  jedoch  überall  nirgends  lange  und  gewinnt 
nicht  so  an  Ausdehnung  wie  Sisyfnhriam  Simwistrum.  Auch  ist 
auffallend,  dass  die  Schoten  sehr  häufig  nicht  recht  zur  Entwickelung 
gelangen. 

i Erysimum  repandum  L.  Dresden:  Plauenscher  Grund  auf  Schultplätzen 
auf  dem  Hohen  Stein  schon  seit  mehreren  Jahren  (Stiefelliagen). 

t — odoratum  Ehrh.  Dresden:  Elbufer  im  Grossen  Gehege  (Stiefelliagen). 

Alyssim  montamim  L.  Riesa:  bei  Gohlis  (.Müller).  Auch  ausserhalb  der 
Grenze  bei  Mühlberg  mit  der  folgenden  Art. 

Biscutella  laeviyata  L.  Riesa:  bei  Gohlis.  War  bisher  auch  nur  aus  der 
Umgebung  von  Dresden  und  Meissen  bekannt  (Müller). 

fLepidium  pcrfoUatum  L.  Dresden:  in  Coswig  auf  Schutt  (Stiefelhagen), 
an  der  Spitzgrundmühle  bei  Coswig  (Müller). 

Bapistrum  perenne  All.  Dresden:  Plänerkalkhügel  au  der  Leutewitzer 
Windmühle  mit  Lepidium  perfoliatum,  doch  nur  vereinzelt  (Stiefel- 
hagen). 

t — ruyosum.  A\L  Dresden:  Altstädter  Elbquai,  selten  und  stets  nur  ver- 
einzelt auftretend,  auch  im  Plauenschen  Grunde  und  im  Grossen 
Gehege  (Stiefelhagen). 

Helianthennim  yuttatum  Mill.  Riesa:  unweit  Gohlis  bei  Zeithain.  In 
lichtem  Kiefernwald  auf  sandigen  begrasten  Boden  mit  Helianllmiium 
vidgare,  Helichrynum  armariam,  Centaurea  panicuJatu,  Jasione 
Montana  und  Biscutella  laeviyata.  Neu  für  Sachsen  (Müller).  Viel- 
leicht findet  sich  diese  interessante  Art  zwischen  Elsterwerda,  dem 
nächsten  aussersächsischen  Standorte,  und  Riesa  auch  noch  ander- 
weitig. 

Hypericum  pulchrum  L.  üschatz;  Striesaer  Haide  (Müller). 

Halva  rotundifolia  L.  Dresden:  auf  Schuttplätzen  unter  der  Marionbrücke, 
ira  Plauenscheu  Grunde  und  verschiedenen  anderen  Standorten.  Um 
Dresden  gar  nicht  selten,  aber  bis  jetzt  übersehen  (Dr.  Wolf),  zwischen 
Loschwitz  und  der  Saloppe  im  Elbkies  sehr  üppig  (Stiefelliagen). 

Geranium  divaricatum  Ehrh.  Wünsche  giebt  als  Standorte  für  diese  Art 
nur  Schwarzeuberg  und  Wolkenstein  an.  Sie  kommt  jedoch  auch 
noch  bei  Dohna  (1890  Prof.  Drude)  und  Dresden  bei  Zitzschewig 
1893  (Fritzsche)  vor. 

Pötentilla  arenaria  Borkh.  Riesa:  unweit  Gohlis  bei  Zeithain  (.Müller). 

Ulex  europaeus  L.  Dresden:  bei  Königsbrück  an  der  Waldstrasse  zwischen 
Schwepnitz  und  Cosel  (Stiefelliagen).  Ob  augepfianztV 

Lotus corniculatus  L.  var.  tenuifoUus  Rchb.  Dresden:  zwischen  Dresden  und 
Plauen  an  mehreren  Stellen  in  einer  aufgelasseuen  Gärtnerei  (I)r.  Wolf). 


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lOÜ 


Hrola  umbellata  L.  Dresden;  bei  Königsbriick  zwischen  Cosel  und  Gute- 
born im  Kiefemwalde  sparsam  (Stiefelhagen), 
t Solanum  rostratum  Dum.  Dresden:  Sandflächen  am  Elbufer  gegenüber 
Uebigau,  hier  schon  1889  einmal  gesammelt  (Stiefelhagen).  Ist  bis- 
her aus  Sachsen  nur  von  Bautzen  bekannt,  wo  ihn  1893  und  94 
Neumann  beobachtete.  (Verbreitung  etc.  s.  bei  Ascherson  in  Naturw. 
Wochenschr.  1894,  Nr.  2,  u.  1896,  S.  177). 

Verbascum  jyhoeniceum  L.  Riesa:  unweit  Gohlis  bei  Zeithain  (Müller). 
Diese  interessante  Art  wurde  in  diesem  Jahre  am  22.  September  1898 
in  wenigen  blühenden  Exemplaren  von  Stiefelhagen  auf  Elbkies  ober- 
halb Kötzschenbroda  gesammelt. 

Linaria  Elatine  Mill.  Dresden:  am  Wiudberg  bei  Deuben.  Hier  schon 
seit  1889  (Stiefelhagen). 

Melampijrum  cristatum  L.  Meissen;  VValdschlag  bei  Naundörfel  bei  Cölln 
mit  Rosa  gallica  und  Potentilla  alba.  cop.  (Stiefelhagen). 

Stafhys  recta  L.  Mühlberg:  hei  Weinberge  an  der  Elbe  (Müller). 

Teucrium  Dotrys  L.  Dresden:  an  der  Elbe  bei  Kötitz  unter  Elaeagnus- 
Sträuchern  (Stiefelhagen  i. 

\ Ambrosia  artemisiifolia  L.  Dresden;  am  Elbufer  auf  Geröll  bei  Kötzschen- 
broda, ca.  20  kräftige  Exemplare  (Fritzsche). 
f — trifida  L.  Dresden:  am  Elbufer  bei  Kötzschenbroda  unter  Weiden  in 
nur  einem  Exemplar  (Fritzsche). 

t Artemisia  Toumefortiana  Rchb.  Dresden:  bei  Striesen  auf  dem  Brach- 
land einer  aufgelassenen  Gärtnerei  (Dr.  Saupe). 

Anthemis  austriaca  Jacq.  Dresden:  alljährlich  am  Elbufer  von  Pirna  bis 
Meissen  vereinzelt  auftretend,  z.  B.  bei  Pirna,  Tolkewitz,  Loschwitz, 
Gehege,  Serkowitz  und  Kötzschenbroda  (Dr.  Wolf,  Stiefelhagen). 

— rttihenica  MB.  Tritt  auch  von  Dresden  bis  Meissen  .am  Elbufer  oft 
mit  der  vorigen  zusammen  sporadisch  auf.  Wurde  1898  von  Dr.  Wolf 
und  Stiefelhagen  beobachtet  bei  Tolkewitz,  Uebigau,  Briesnitz,  Gohlis, 
Kötzschenbroda  und  Kötitz.  An  dom  Standort  im  Birkenwäldchen 
scheint  sie  in  den  letzten  Jahren  verschwunden  zu  sein. 

Cirsium  lanceolatum  Scop.  var.  nemoralc  Rchb.  Leipzig:  in  der  Lauer 
(Müller). 

Cirsium  canum  palustre.  Meissen:  n.asse  Aue,  unter  den  Eltern  (Stiefel- 
hagen). 

Thrincia  hirta  Roth.  Dresden:  am  Karauschenbruch  an  der  Grossenhainer 
Strasse  sehr  häufig,  auch  bei  Steinbach  (Stiefelhagen). 


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ym.  Sardinische  Tertiärpflanzen.  11. 

VoB  Prof.  H.  Engelhardt. 


Im  Jahre  1897  gab  ich  in  Heft  II  unserer  Abhandlungen  ein  Ver- 
zeichniss von  Tertiärpflanzen,  welche  von  Herrn  Prof.  Lovisato  in 
Cagliari  auf  Sardinien  gesammelt  worden  waren.  Bei  dem  Interesse,  das 
fossilen  Pflanzen,  welche  aus  weniger  durchforschten  Gebieten  stammen, 
entgegen  gebracht  wird,  halte  ich  es  für  meine  Pflicht,  mich,  wenn  auch 
in  aller  Kürze,  über  die  zu  verbreiten,  welche  mir  in  zweiter  Sendung 
von  derselben  Insel  zukamen. 

Mittleres  Eocin. 

Aus  dem  feinkörnigen  Sandstein  von  Bacu-Abis  (Gonnesa,  Cagliari): 

Sahal  maior  Ung.  sp.  Die  untere  Seite  eines  Fächerstücks  mit  Spindel 
und  Blattstiel.  Der  stachellose  Blattstiel  ist  bis  zur  Länge  von  15  cm 
vorhanden,  3 cm  breit,  fein  gestreift;  die  dreieckige,  spiessförmig  in  den 
Fächer  eindringende  Bhachis  reichlich  5 cm  lang;  die  Blattstrahlen  sind 
bis  zur  Länge  von  10  cm  erhalten , am  Grunde  schmal  (die  unteren  am 
meisten,  die  oberen  breiter),  nach  vom  erweitert,  stark  gefaltet,  die  Längs- 
nerven deutlich  sichtbar. 

Darunter  befindet  sich  in  schräger  Lage  ein  ebenfalls  flacher  Blatt- 
stiel, auf  dessen  einem  Theile  die  Spindel  des  oben  beschriebenen  Blattes 

auflagert.  Er  ist  sogar  4 cm  breit.  Auf  der  einen  Seite  desselben  zeigen 

sich  Strahlen  aus  der  mittleren  Partie  eines  Fächers,  der  derselben  Art 
zugerechnet  werden  muss,  auf  der  anderen  solche,  die  vielleicht  hierher 
zu  ziehen  sind. 

Ein  zweites  Stück  von  geringerer  Grösse.  Der  Blattstiel  ist  nur  bis 
zur  Länge  von  6 cm  erhalten  und  3 cm  breit,  die  Spindel  4 cm  lang;  die 

Strahlen  zeigen  eine  Länge  bis  5 cm.  Alle  Theile  sind  von  Kohlen- 

substanz, die  am  vorigen  Stücke  nur  stellenweise  zu  sehen  ist,  geschwärzt. 

Ein  Fächerstück  von  9 starkgefalteten  Strahlen,  das  man  leicht  zu 
Sahal  Lamanonis  Brongn.  sp.  rechnen  könnte,  aber  der  zahlreicheren  Nerven 
wegen  wohl  hierher  zu  ziehen  ist. 

Stücke  eines  Fächers,  dessen  Strahlen  1,5 — 2 cm  breit  waren  und  die 
Nervatur  ausgezeichnet  sehen  Hessen. 

Ein  solches  von  13  Strahlen  mit  ausgezeichnet  erhaltener  Nervatur. 

Eine  wenig  gut  erhaltene  Fächerpartie. 


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Flabelia)  ia  latiloba  Heer.  Es  sind  nur  neben  einander  hegende 
Strahlenstucke  eines  zerfetzten  Fächers  vorhanden,  nicht  Spindel,  nicht 
Stiel.  Dieselben  zeigen  eine  Breite  von  3 cm,  in  der  Mitte  einen  starken 
Mittelnerven,  dem  eine  Menge  sehr  deutlich  sichtbarer  Längsnerven 
parallel  laufen.  Die  Faltung  ist  gering. 

Dazu  kommt  noch  ein  kleineres  Fächerstück,  das  hierher  gehören 
dürfte. 

Ein  grösseres  Stück  Blattstiel,  an  dessen  Grunde  sich  einige  Dornen 
zeigen,  welche  auf  eine  dritte  Palmcnart  {ChamacropsT)  hinweisen.  Neben 
ihm  einige  nicht  bestimmbare  Blattfetzen. 

Sonst  noch  BlattstUcke,  die  Palmen  angehören  können,  aber  mit 
Sicherheit  nicht  zu  diesen  gezogen  werden  dürfen. 

Ein  Stammstück  von  15  cm  Breite,  54  cm  Länge  und  2 cm  Dicke 
liegt  in  zusammengepresstem  Zustande  vor.  An  der  Aussenseite  ist  es 
von  dicht  an  einander  liegenden,  senkrecht  verlaufenden  Gefässbündeln 
bedeckt.  An  einigen  Stellen  sieht  man  darunter  schräg  verlaufende. 
Das  Innere  zeigt  nur  feinen  Sandstein,  der  wohl  als  Ausfüllungsmasse  des 
ausgefaulten  Inneren  anzusehen  ist.  Dasselbe  gehört  wahi-scheinlich  einer  der 
Palmenarten  an,  von  denen  Blattstücke  gefunden  worden  sind.  Bestimmteres 
lässt  sich  wegen  der  ungenügenden  Erhaltung  des  Ganzen,  die  eine 
mikroskopische  Untersuchung  nicht  zulässt,  nicht  sagen. 

Ein  Stamm  stück,  von  dem  nicht  gesagt  werden  kann,  zu  welcher 
Familie  oder  Gattung  es  gehöre.  Es  zeigt  unter  dem  weicheren  Aeusseren 
einen  harten  cylindrischen  Kern  von  elliptischem  Durchmesser. 

Ein  Staramstück  von  geringerem  Durchmesser,  das  an  der  Ober- 
fläche Gefässbüudel  zeigt. 

Juylans  acuminata  A.  Braun.  Neben  einem  sehr  verdrückten  Blatt- 
fetzen liegt  eine  wohl  erhaltene  flach  gerunzelte  Frucht  dieser  Art. 
Länge  2 cm,  Breite  1,6  cm.  — Ein  Blatt,  dem  die  Sjjitze  fehlt  und  das 
sich  am  einen  Rande  etwas  verletzt  zeigt.  Es  gehört  der  Form  latifolia 
an,  ist  ain  Grunde  spitz  und  hat  in  der  Mitte  G — 7 cm  grösste  Breite. 
Wahrscheinlich  betrug  die  Länge  13 — 14  cm.  Nervillen  sind  gut  sichtbar. 

Terra  Segada  (Gonnesa,  Cagliari): 

Stücke  mit  Blätterdetritus. 

Tongrien  oder  Aqnitanien. 

Aus  dem  Sandstein  von  Nurri  (Prov.  Cagliari): 

Ein  fossiler  Rest,  von  dem  mir  nur  das  in  VVasserfarben  ausgeführte 
Bild  vorlag.  Es  steckt  iti  einem  50  cm  breiten  und  gegen  30  cm  hoben 
Steinblock  und  dürfte  wohl  zu  Bainbusa  zu  rechnen  sein.  Es  ist  reichlich 
40  cm  lang,  8 — 9 cm  breit  und  an  drei  Stellen  geknickt  oder  ganz  ge- 
brochen. Das  Innere  erweist  sich  da,  wo  die  obere  Halnipartie  verloren 
gegangen,  so  dass  die  Infolge  von  Quetschung  unmittelbar  darunter 
liegende  untere  sichtbar  wird,  als  hohl,  nicht  ausgefüllt.  Der  Halm  hat 
die  Dicke  eines  lebenden  Bambus  von  gleicher  Grösse.  Zw'ei  Knoten  sind 
sichtbar,  am  einen  auch  der  Ansatz  eines  Blattes. 


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Ein  unbestimmbares  Ast-  oder  Stiuiunstück,  dem  die  Spitze  fehlt, 
von  6 cm  Länge.  Es  ist  an  dem  einen  Ende  3,4  ctn  breit,  am  anderen 
nach  der  einen  Richtung  1,8  cm,  nacli  der  anderen  l,i  cm  breit  und  an 
der  Oberfläche  mit  6 mm  von  einander  entfernten,  wenig  hervortretenden 
Längsstreifen  versehen.  Das  Innere  bildet  feiner  Sandstein. 

Langhien. 

Aus  dem  Thonmergel  von  Biugia  Fargeni  (Fangana,  Cagliari): 

Ein  Rindenstück  mit  Ausfüllungen  von  sich  dicht  an  einander 
reihenden  Larvengängeu.  Dieselben,  im  Durchmesser  von  2 — 4 mm, 
machen  zuerst  eine  Biegung,  laufen  dann  geraile  aus,  um  sich  darauf 
wieder  umzubiegen. 

Sonst  waren  noch  vorhanden  Stücke  mehrerer  Arten  von  Cylindrites, 
ein  Stück  versteinertes  Holz  und  aus  dem  Sandstein  von  Fesdas  de  Fogu, 
der  zahlreiche  Einschlüsse  von  Chalcedon  zeigt,  eine  nicht  vollständig 
erhaltene  Muschelschale  (Pecten?). 


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Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1898. 


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I.  (üeschlchtete  Danerentladung  in  freier  Lnft  (Büschel 
lichtbogen)  nnd  Righi’sclie  Kngelfunken. 

Von  Dr.  Max  Toepler. 

(Mit  Tafel  I.) 


An  anderem  Orte*)  habe  ich  angegeben,  wie  man  leiebt  geschichtete 
elektrische  Entladungen  in  freier  Luft  erhalten  kann  und  zugleich  nach- 
gewiesen, dass  die  Gesetze  der  Schichtenbildung  ähnlich  sind  denen  der 
bekannten  Schichtung  des  sogenannten  Anodenlichtes  in  stark  evaeuirten 
Kohren. 

Ich  stellte  mir  nun  die  Aufgabe,  erstgenannte  geschichtete  Entladungs- 
art in  ihrer  Gestalt  und  Earbenanordnung  der  einzelnen  Lichtschichten  über 
einen  möglichst  grossen  Druckbereich  zu  verfolgen.  Es  zeigte  sich  hier- 
bei, dass  im  ganzen  Bereiche  von  Atmosphärendruck  his  zu  0,oi  cm  Queck- 
silberdruck abwärts  eine  einheitliche  Beschreibung  der  in  Rede 
stehenden  Erscheinung  möglich  ist,  worüber  im  Nachfolgenden  be- 
richtet wird.  Es  wird  sich  dabei  zeigen,  dass  eine  von  Herrn  A.  Wüllner**) 
beobachtete  Form  der  Ruhmkortfentladung,  sowie  eine  von  Herrn  A.  Righi***) 
eingehend  untersuchte  stark  verlangsamte  Eutladungsart  grosser  Leydener 
Batterien  (von  ihm  „Kugelfunken“  genannt)  mit  der  von  mir  behandelten 
geschichteten  Entladung  identisch  sind,  nur  beschränken  sich  die  Unter- 
suchungen von  Herrn  Wüllner  und  Herrn  Righi  auf  Drucke  zwischen  6 
und  1 cm.  Die  nähere  Beschreibung  der  Lichterscheinungen  im  Uebergangs- 
gebiete  zwischen  Kugelfunken  und  der  bekannten  gewöhnlichen  geschich- 
teten Entladung  (in  Geisslerröhren  bei  niedrigstem  Drucke)  wird  ergeben, 
dass  in  demselben  Rohre  bei  gleichem  Drucke  je  nach  der 
Stromstärke  beide  schichtenbildenden  Entladungsarten  auf- 
treten  können. 

Bei  der  bedeutenden  Veränderlichkeit  der  Schichtenstellung  je  nach 
der  Stromstärke  ist  sowohl  die  Ruhmkorff-  als  auch  die  (durch  Widerstände 
im  Schliessungskreise  stark  verlangsamte)  Batterieentladung  zur  Unter- 
suchung der  Schichtung  wenig  geeignet,  da  bei  beiden  die  Stromstärke 
während  jeder  einzelnen  Entladung  variirt.  Ich  habe  daher  in  vorliegender 
Notiz  von  diesen  Hilfsmitteln  abgesehen  und  einfach  den  directen  Strom 


*)  M.  Toepler,  Wied.  Ann.  6.%  1897,  p.  109. 

**)  A Wllllner,  Fogg.  Ann.  .Inbelhand  1874,  p.  32. 

•••)  A.  liiglii,  Lnm.  Electr.  42,  1891,  p.  501  n.  (i04;  Mcm.  Acend.  Bol.  189.5,  p.  446. 


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einer  60  plattigen  Toepler'schen  Maschine  benutzt*).  Der  Maschinenstrom 
ist  bei  Einschaltung  grosser  Flüssigkeitswiderstäude  als  nahe  constant  zu 
betrachten;  auch  ist  seine  mittlere  Intensität,  wie  bekannt,  innerhalb  recht 
weiter  Grenzen  unabhängig  von  der  Spannungsdifferenz  der  Maschinen- 
pole, er  bot  also  für  meinen  Zweck  ganz  besonders  günstige  Verhält- 
nisse. 

Die  Art  des  entstehenden  Entladungsvorganges  in  einer  im  Stromkreise 
befindlichen  Funkenstrecke  hängt  ausser  von  der  mittleren  Stromstärke 
vor  Allem  ab  von  der  Grösse  und  Anordnung  eingeschalteter  Widerstände, 
der  Schlagweite,  dem  Drucke  der  Luft  im  Schlagraume  und  der  Tempe- 
ratur in  letzterem.  Die  Entladung  kann  dem  zeitlichen  Verlaufe  nach 
ausgesprochen  discontinuirlich,  nahe  continuirlich  oder,  soweit  zu  er- 
kennen, continuirlich  sein**);  eine  scharfe  Grenze  zwischen  diesen  Eiit- 
ladungsarten  gieht  es  freilich  nicht  In  vorliegender  Arbeit  wird  nun  fast 
ausschliesslich  die  Schichtenbildung  bei  nahe  continuirlicher  Entladung 
(Dauerentladuug)  behandelt  werden;  als  nahe  continuirlich  glaube 
ich  die  untersuchte  Art  von  elektrischen  Lichtbogen,  abgesehen  von  anderen 
Gründen,  deshalb  bezeichnen  zu  dürfen,  weil  sie,  wie  man  im  rotircnden 
Spiegel  erkennt,  zumeist  zwar  aus  einer  zeitlich  mehr  oder  minder 
zusammengedrängten  Reihe  von  Partialentladungen  bestand,  zwischen 
denen  jedoch  der  Lichtbogen  nie  ganz  erlosch  (vergl.  z.  B.  Phot  17). 
Seine  Intensität  schwankte  nur  zwischen  mehr  oder  minder  einander  an 
Lichtstärke  nalie  kommenden  Leuchtmaximis  und  Minimis  ***). 

Herr  0.  Lehmann  unterscheidet  bekanntlich f)  vier  Tj’pen  der  (leuch- 
tenden) Entladung  durch  Gase,  Glimm-,  Büschel-,  Streifen-  und  Funken- 
entladung. Will  man  eine  Zuordnung  vornehmen,  so  hätte  man  die 
geschichtete  Dauerentladung  (nahe  continuirliche  Entladung) 
und  demnach  auch  die  Uighi’schen  Kugelfunken  als  specielle 
Fälle  der  Büschelentladung  aufzufassen;  man  würde  sie  dann 
zweckmässigerweise  als  „Büschellichtboigen“  z u bezeichnen  haben. 
Ich  halte  es  jedoch  für  möglich,  dass  bei  eingehenderem  Studium  die 
nahe  continuirliche  Entladungsfonn  den  Weg  zu  einer  einheitlichen 
Beschreibung  aller  Entladungsformen  durch  Luft  zeigen  wird. 

Um  eine  klare  und  richtige  Auffassung  der  Lichterscheinungen  zu 
erleichtern,  glaubte  ich,  soweit  es  möglich  war,  besonderes  Gewicht  auf 
eine  Ergänzung  dos  Textes  und  seiner  Figuren  durch  photographische 
Darstellungen  legen  zu  müssen.  Ich  habe  deshalb  von  meinen  mehr  als 
400  Einzelaufnahmen  der  Entladungen  die  am  meisten  charakteristischen 
auf  der  beigegebenen  Tafel  No.  I mitgethcilt  Ein  V'erzeichniss  der  Photo- 
gramme mit  Angaben  über  zugehörige  Einzelheiten  findet  sich  am  Schlüsse 

*)  Nnr  wo  die  .Stromstärke  der  benutzten  Maschine  nicht  voll  ansreicht,  habe  ich 
ganz  vorübergehend  zur  langsamen  Batterieentladung  gegriflVn. 

**)  Ob  es  im  strengsten  Sinne  continuirliche  Entladung  selbst  dim-h  verdünnte 
Oase  Überhaupt  gieht,  ist  bekanntlich  noch  immer  zweifelhalt. 

**•)  .Schaltet  man  in  den  Schliessungskreis  einer  grös.seren  Influenzmaschine  hinter- 
einander ein  üeisslerrohr  und  eine  Punkenstrecke,  so  erhält  man  in  erstcrem  keine 
.Schichtenbildung,  solange  in  der  Funkenstrecke  der  Maschinenstrom  in  F’orm  einer  Reihe 
zeitlich  getrennter  Einzeltünken  übergeht  (vergl.  E.  Wiedemann,  W'ied.  Ann.  20,  18S3, 
p.  760).  Schichtung  im  Geis.sleiTohre  trat  aber  in  der  Regel  mit  dem  Augenblicke  ein, 
in  dem  in  der  Eunkenstrecke  an  Stelle  der  Einzelfnnken  nahe  continiürlicbe  Entladung 
zur  Ausbildung  kam;  dies  n'qhtfertigt  gleichfalls  die  Bezeichnung  .nahe  continuirlich“. 

f)  i).  Lehmann,  Wied.  Ann.  U,  1860,  p.  687;  22,  1884,  p.  305. 


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der  Abhandlung.  Es  sei  jedoch  schon  hier  vorausbemerkt,  dass  die  Photo- 
gramme 1 bis  16,  23  bis  31  und  36  bis  45  Lichterscheinungen  wiedergeben, 
M'elche  bei  constautem  Drucke  und  constanter  Stromstärke  beliebig 
lange  (stundenlang)  nahe  ungeändert  dauernd  die  gleichen  bleiben. 
Die  Photographien  1 bis  11  zeigen  derartige  Dauererscheinungen  in 
freier  Luft,  desgleichen  12  bis  16  in  Glasröhren  bei  Atmosphärendruck, 
23  bis  31  bei  etwa  5 cm  Druck,  36  bis  45  schliesslich  bei  niedrigsten 
Drucken  unter  0,03  cm).  Die  Photogramme  17  bis  21  geben  geschichtete 
Batterieentladungen  in  freier  Luft  wieder. 

Die  Lichterscbeinungen  in  unmittelbarer  Nähe  der  Kathode  sind  bei 
höheren  Drucken  wegen  ihrer  geringen  räumlichen  Ausdehnung  nur  auf 
Üriginal-Photogrammen  klar  zu  unterscheiden*).  Es  sei  daher  schon  hier 
ein  für  alle  Mal  bemerkt,  dass  bei  nahe  continuirlicher  Entladung  (ganz 
wie  bei  den  bekannten  Lichterscheinungen  in  Geisslerröhren)  bei  allen 
Drucken  an  der  Kathode  auftreten: 

der  dunkele  (Goldstein’s)  Kathodenraum, 

das  helle  Kathodenlicht, 

der  Trennungsraum**)  (Faraday’s  Dunkelraum), 

auf  letzteren  folgten  dann  die  übrigen  Lichter,  deren  Beschreibung  Auf- 
gabe der  vorliegenden  Arbeit  sein  wird. 

I.  Nahe  continnirliche  Entladung  (Büschellichtbogen)  ln  freier  Luft 

Im  Vergleiche  zu  den  Lichterscheinungen  in  sehr  verdünnten  Räumen 
erscheint  die  geschichtete  Entladung  in  freier  Luft  als  ein  räumlich  sehr 
zusammengedrängtes  Gebilde.  Besonders  der  interessanteste  Tbcil,  das 
Eunkengebiet  in  der  Nähe  des  negativen  Poles,  ist  so  zusammengeschrumpft, 
dass  eine  genaue  Beobachtung  desselben  schwer  ist.  Wir  denken  uns  da- 
her die  für  die  Beobachtung  günstigste  Versuchsanordnung  hergestellt: 
negativer  Maschinenpol,  metallische  Leitung,  negative  Polspitze  — Eunken- 
strecke  mit  Halbleiter  (Basaltplatte)***)  — positive  Polspitze,  metallische 
Leitung,  positiver  Maschinenpol. 

1.  MetaUspitse  Kathode  — Halbleiter  Anode. 

Liegt  der  Halbleiter  an  der  positiven  Metallspitze  an,  so  beobachtet 
man,  solange  der  Schlagraum  zwischen  ihm  und  der  negativen  Polspitze 
klein  ist,  bei  wachsender  Stromstärke  Folgendes: 

Bei  geringer  Stromstärke  tritt  an  der  Metall- Kathode  zunächst  der 
bekannte  negative  Büschel  auf,  bestehend  aus  hellster  weissvioletter  Aus- 


•)  Von  den  Reprodnetionen  auf  Taf.  I lässt  Phot.  21  manche  Details  recht  gnt 
erkennen. 

••)  Diese  Bezeichnungen  sind  von  E.  Wiedemann  eingefühlt;  vergl.  Wied.  Ann. 
20,  18«3,  p.  7.57. 

*•*)  Die  Vorzüge  speciell  des  Basaltes  bestehen  darin,  dass  in  ihm  ein  gegen 
Zerstörung  widerstandsfähiges,  leitendes  .5Iaterial  (Magnetit)  in  kleinsten  Tlieilen  gleich- 
mHssig  vertheilt  ist,  während  in  dem  sonst  auch  recht  geeigneten  Schiefer  die  Kohle- 
theilcnen  rasch  verbrennen.  Auch  zwischen  Metallkathode  und  einer  Alkoholoberfläche 
als  Anoile  erhielt  ich  schön  geschichtete  Kugelfunken.  Selbst  vorgeschaltete  (Jcissler- 
rohre  können  die  Ausbildung  geschichteter  nahe  continuirlicher  Entladung  in  freien 
Luftstrecken  begünstigen. 


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trittsfläche  (dem  hellen  Kathodenlichte)  und  dem  von  ihm 
durch  einen  verwaschenen  dunklen  Trenuungsraum  geschie- 
, denen  Büschel  (Fig.  1).  Aus  der  Mitte  des  Letzteren  wächst 
‘ bei  gesteigerter  Stromintensität  eine  rosa  gefärbte  Licht- 
spitze heraus  (Fig.  2),  welche  bei  weiter  vermehrter  Strom- 
stärke nach  dem  Halbleiter  zu  sich  verlängert.  Die  Ober- 
tiäche  des  Halbleiters,  d.  h.  die  Anode,  zeigt  unterdessen 
+ folgende  Lichteiitwickelung.  Aus  einer  violetten  Lichthaut 
(Phot.  1)  wächst  ein  violetter  Lichtpilz*)  heraus  (Fig.  3).  Trifft 
bei  grösserer  Stroiniutensität  der  positive  LichtpUz  mit  der 
negativen  Lichtspitze  zusammen,  so  weicht  er  ihr  aus 
-t-  (Fig.  4 und  Phot.  2).  Diese  Deformation,  sowie  die  Rotation, 
welche  der  deformirte  Lichtpilz  bei  weiter  vermehrter 
Stromstärke  um  die  negative  Lichtspitze  zuweilen  aus- 
führt (Fig.  5 und  Phot.  3)  dürfte  durch  den  von  der  nega- 
tiven  Polspitze  ausgehenden  heissen  Luftstrom  veranlasst 
werden.  Schbesslich  verschmelzen  die  beiden  Theile  der 
Lichterscbeinung  (Fig.  6 sowie  Phot.  4 und  5);  hierbei 
wird,  soviel  sich  erkennen  Hess**),  die  Lichtspitze  zur 
_|_  ersten  Schicht,  d.  h.  zum  zweiten  Lichte  (das  helle  Kathoden- 
licht als  erstes  gezählt),  der  Lichtpilz  zur  zweiten  Schicht, 
d.  h.  zum  dritten  Lichte.  Der  Abstand  des  dritten  Lichtes 


von  der  Kathode  nimmt  mit  weiter  gesteigerter  Strom- 

I stärke  erst  rasch,  dann  langsamer  alJ  (Phot.  6,  7 und  8 

zeigt  dies  bei  grösserer  Schlagweite***);  hierbei  ändert 
sich  auch  die  Färbung  der  einzelnen  Dauerfunkeutheile  in  der  Weise,  dass 
die  Lichts])itze  (resp.  erste  Schicht)  ziegelrot  he,  der  Lichtpilz  (resp. 
zweite  Schicht)  dagegen  karminrothe  Färbung  annimmtf). 

Der  geschilderte  allmähliche  Uebergang  aus  BUschelentladung  in 
die  nahe  continuirliche  Hess  sich  nur  bei  der  hier  angegebenen  Versuchs- 
anordnung und  nur  bei  kleinen  Schlagweiten  (unter  0,5  cm)  beobachten. 
Im  Allgemeinen  tritt  bei  successiver  Stromvermenrung  zunächst  ein  Funkeu- 
strom  an  die  Stelle  der  Büschelentladung  und  erst  bei  wesentHch  höherer 
Stroniintensität  geht  die  zeitlich  discontinuirliche  Funkenfolge  in  Dauer- 
entladung über.  Letztere  erscheint  dann  sogleich  in  dem  der  Poldistanz 
und  Stromstärke  entsprechenden  Entwickclungsstadium  (Phot.  9 zeigt  ver- 
grössert  dieses  SUdiuru  für  2 cm  Schlagweite).  Die  längsten  Dauer- 
funken, die  ich  erhalten  konnte,  waren  ca.  8 cm  lang  (Phot  10  zeigt 
verkleinert  Dauerentladung  bei  5 cm  Scblagweite,  ver^l.  auch  Phot.  11). 
Die  Lichtgestalt  langer  Funken  difl'erirt  von  der  kurzer  nur  insofern,  als  zu 


*)  Der  obere  Theil  des  Pilzes  kann  sich  bei  constant  erhaltenem  Strome  von 
dem  Stiele  ablösen  ntid  nach  der  Kathode  zu  in  Bewegung  setzen,  wobei  er  rasch  ver- 
blasst; das  neu  entstehende  Pilzende  kann  dies  wiederholen  u.  s.  f.  (Vergl.  hierzu 
Abschnitt  8 und  Fig.  18.) 

••)  Dieser  Uebergang  bedarf  noch  eingehenderer  Untersnehnng;  wahrscheinlich 
liegen  genau  genommen  die  Verhältnisse  nicht  immer  ganz  so  einfach,  wie  hier  ge- 
schildert ist. 

♦♦•)  Ueber  die  Abhängigkeit  des  Kathodenabstandes  des  zweiten  Lichtes  von 
der  Stromstärke  vergl.  das  Ende  des  sechsten  Abschnittes. 

t)  Besonders  deutlich  tritt  dieser  Unterschied  der  Färbung  bei  niedrigeren  Gas- 
drücken hervor.  Man  kann  diese  Färbung  als  typisch  für  Luft  (bei  mittleren  Strom- 
stärken) auschen.  Vergl.  such  0.  Lehmann,  Zciuchr.  f.  phys.  Chemie,  XVIII,  p.  104. 


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der  ersten  karminrothen  Schicht  noch  weitere  hinzutreten,  einfache  Wieder- 
holungen der  ersten.  Es  erscheint  mir  daher  zweckmässig,  die  Schichten- 
zählung nicht  mit  dem  oben  als  ziegelroth  (in  Luft)  gekennzeichneten 
Lichte  zu  beginnen,  sondern  mit  der  ersten  karminrothen  Schicht 

Die  vollständige  Lichtgestalt  der  Dauerentladung  zerfällt  also  in: 
[Metallkathode]  helles  weissviolettes  Kathodenlicht  mit  Trennungsraum 
— zweites  (ziegelrothes)  Licht  — drittes,  karminrothes  Licht,  eventuell  in 
eine  Anzahl  karminrother  Schichten  zerfallend  — Änodeudonkelraum  — 
zahlreiche  aequivalente*)  positive  Gliinmlichtpunkte  [Halbleiter], 

Für  die  Schichtung  des  karminrothen  Lichtes  gilt  nun: 

Die  Schichten  haften  an  der  Kathode;  (genauer  in  Hinsicht 
auf  Abschnitt  4 und  7:  Die  Schichten  des  negativen  Antheiles 
haften  an  der  Kathode;  bei  Schlagweitenvergrösserung  treten 
mehr  und  mehr  neue  Schichten  aus  der  ausgezeichneten  Stelle 
resp.  dem  dunklen  Anodenraume  hervor,  und  umgekehrt  ver- 
schwinden sie  daselbst  bei  Schlagweitenverkleinerung). 

Mit  wachsender  Stromstärke  verringert  sich  sowohl  der 
Abstand  der  ersten  (karminrothen)  Schicht  von  der  Kathode,  als 
auch  der  gegenseitige  Schichtenabstand;  bei  constauter  Schlagweite 
treten  demnach  zu  den  schon  vorhandenen  neue  Schichten  aus  der  Anode 
(genauer:  aus  der  ausgezeichneten  Stelle  resp.  dem  Anodendunkelraume) 
hervor. 

Die  Schichten  sind  wahrscheinlich  völlig  aequidistant,  wenn 
die  Entladungsbahn  gleich  breit,  d.  h.  die  Stromdichte  auf  derselben  die 
gleiche  bleibt**). 

Die  Schichten  wenden  in  freier  Luft  der  Kathode  stets  die  abgekugelte, 
der  Anode  die  zugespitzte  Seite  zu  (vergl.  Phot.  B bis  11  sowie  19;  Phot.  12 
bis  16,  Schichten  in  Glasröhren  zeigend,  gehören  nicht  hierher). 

Während  der  Dauerentladung  herrscht  in  der  Nähe  der  Funkenbahn 
eine  starke  Luftbewegung  von  der  Kathodenspitze  nach  dem  Halbleiter 
hin.  Mit  dem  bekannten  Schlierenapparate  meines  Vaters  erkennt  man, 
dass  sich  an  die  Kathodenspitze  ein  Kegel  heisser  Luft  ansetzt,  dessen 
Spitze  das  helle  Kathodenlicht  ist.  In  der  Nähe  der  Kegelachse  befindet 
sich  der  Dauerfunken,  d.  h.  der  leuchtende  Theil  des  gesummten  Entladungs- 
vorganges. Bei  Anwendung  momentaner  Beleuchtung  konnte  ich  mit  dem 
Schlierenapparate  erkennen,  dass  in  den  leuchtenden  Dauerfunken- 
tbeilen  (karminrothen  Schichten)  eine  höhere  Temperatur 
herrscht  als  in  den  dunklen  Zwischenräumen***). 

Im  langsam  rotirenden  Spiegel  erscheint  der  Dauerfunken  meist  als  mattes 
Lichtband,  welches  von  hellen  Partialentladungen  durchsetzt  ist  (vergl.  die 
Einleitung).  Man  bemerkt  nun  folgende  auffallende  Thatsache.  Die  Bilder 
der  Partialentladungen  stehen  um  so  schiefer  im  Lichtbande,  je  rascher  der 
Spiegel  rotirt;  der  Sinn  der  Neigung  hängt  vom  Sinne  der  Spiegel- 


*)  „Aeqoivalent“  in  dem  Sinne,  als  sie  zusammen  eine  einzige  ansgedehntere 
Olimmlläcbe  ersetzen. 

♦*)  Da  bei  (iegenOberstellung  von  Metallspitze  und  Halbleiter  die  Strombahn  sich 
nach  dem  Halbleiter  zu  öffnet  und  somit  die  Stromdichte  abnimmt,  so  drängen  sich  die 
Schichten  meist  nach  der  Metallspitze  zu  etwas  zusammen.  Siehe  Pliot.  17,  18,  19,  20. 
(Dies  gilt  sowohl,  wenn  letztere  Kathode  als  auch,  wenn  sic  Anode  ist). 

***)  Die  Temperatur  im  Dauerfunken  ist  nicht  unerheblich;  Siegellack  schmilzt  und 
entzündet  sich  au  ihm  wie  in  einem  Kerzenlichte,  dünne  Glasfäden  werden  geschmolzen. 


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tlrehung  ab.  Dies  scheint  darauf  hinzuweisen*),  dass  das  Aufleuchten 
der  einzelnen  Schichten  jeder  Partialentladung  nicht  gleichzei- 
tig, sondern  (von  der  Kathode  ausgehend)  nach  einander  erfolgt 

2.  Motallspitze  Anode  — Halbleiter  Kathode. 

War  die  Metallspitze  Anode,  lag  also  der  Halbleiter  an  der 
negativen  Metallspitze  an,  so  änderte  sich  der  Charakter  der  Licht- 
erscheinungen nur  insofern,  als  es  nicht  möglich  war,  auch  bei  schwachen 
Strömen  Üauerentladungen  zu  erhalten.  Vielmehr  trat  bei  allmählicher 
Stromstärkenvermehrung  selbst  bei  kleinen  Polabständen  der  Daucrfunkeu 
plötzlich  in  voller  Ausbildung  an  die  Stelle  der  discontinuirlichen  Funken- 
folge. Figuren  7,  8 und  9 geben  verschiedene  Formen  der  discontinuir- 
lichen Entladung,  Figuren  10,  11  und  12  der  Dauerentladung.  Letztere 
zeigt  auch  hier  von  der  Kalliode  (Halbleiter)  ausgehend  den  Trennungs- 
raum, einen  ziegelrothen  (paraboloidischen)  Lichtstumpf  (oder  auch  mehrere, 
aequivalente,  in  einander  zusaminentliessende)  und  das  karminrothe  Licht. 

Hemerkenswerth  fürdas  Verständniss  der  Analogien  der 
Lichterscheiuungen  in  freier  Luft  und  in  gasverdünnten 
lläumen  ist  es,  dass,  wie  Fig.  11  andeutet,  manchmal 
vor  dem  karminrothen  Lichtkolben  nach  der  Kathode 
zu  noch  ein  ziegelrothes  Lichtwölkchen  erscheint; 
zuweilen  ist  dieses  auch  mit  dem  ziegelrothen  Licht- 
paraboloide  durch  eine  lichtschwache  Brücke  ver- 
bunden (Fig.  12).  Das  ziegelrothe  Licht  kann  also  in 
zwei  lichtstärkste  Theile,  einen  am  Trennungsraume 
und  einen  zweiten  am  karminrothen  Liebte  zerfallen. 

Bei  Verlängerung  der  Funken  gilt  hier  dasselbe 
wie  oben;  es  treten  auf  der  Funkenbahn  Wieder- 
holungen der  ersten  karminrothen  Schicht  auf.  Diese 
Schiehten  haften  bei  Schlagweiten  vergrös- 
serung  an  der  Anode,  oder  vielmehr  mit  Hinweis 
auf  Abschnitt  7 au  der  ausgezeichneten  Stelle, 
welche  sich  hier  stets  nahe  am  Halbleiter  ausbildete. 

Die  Lichterscheinungen  der  Dauerentladung 
unterscheiden  sich  also  nicht  wesentlich,  wenn  der 
Halbleiter  Kathode  oder  wenn  er  Anode  ist. 

Natürlich  kann  man  aiich  zwischen  zwei 
Halbleitern  geschichtete  Dauerentladung  erhalten. 

Für  die  richtige  Auffassung  der  zeitlich  disconti- 
nuirlichen Entladung  ist  noch  hervorzubeben,  dass 
sich  das  karminrothe  Licht  offenbar  schon  bei 
dieser  angedeutet  findet  in  dem  Stiele  des  bekannten  positiven 
Lichtpinsels  (siehe  Figuren  7 bis  9**). 

*)  Leider  wird  die  Deutung  von  Beobachtungen  im  rotirenden  Spiegel  ausser  durch 
hiliifige  Unregelmässigkeiten  auch  dadurch  erschwert,  da.ss  auch  hei  grösserer  Schlagweite 
die  Dauerfunkenbahn  oft  rotirt,  und  zwar  beschreibt  sic  hierbei  einen  Kegelmantel,  dessen 
Spitze  in  dem  hellen  Kathodenlichte  liegt.  Der  Einliuss  der  Luftbewegung  infolge  der 
Spicgeldrehiing  war  leicht  (durch  eine  zwlschengcschobene  Glasplatte)  anszuschliesscn. 

'*)  Die  Eärbung  des  hellen  Stieles  in  Fig.  7— i)  ist  karminroth  bis  violettroth,  des 
lichtschwächeren  Tbeiles  violcttblau  bis  blau.  Eine  der  Fig.  9 gleichende  Entladungs- 
fomi  (gewundene,  halb  roth  und  blau  gefärbte  Liehtfäden)  tritt  bei  niederen  Drucken 
häutig  auf  , vergl.  Abschnitt  9 und  l’hotogr.  23  und  iA. 


Fig.  7-9. 


+ 


+ 


+ 


Fig.  10—13. 

-I — 


-f 


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9 


3.  Halbleiter  mitten  im  Scblagraume. 

Steht  ein  plattenformiger  Halbleiter  frei  mitten  zwischen  zwei 
gleichbeschaffenen  Metallpolen,  so  dass  links  und  rechts  je  ein 
Zwischenraum  bleibt,  so  bilden  sich  natürlich  zwei  Funken  aus,  deren 
einer  Metall  als  Kathode,  Halbleiterplatte  als  Anode  hat,  der  andere  um- 
gekehrt Nur  bei  Anwendung  sehr  starker  Ströme  erhielt  ich  hier  ausnahms- 
weise beiderseits  Dauerfunken.  Diese  zeigen  dann  das  Aussehen  wie 
Fig.  6 und  10  combinirt  Die  Entladung  erfolgt  also  in  diesem  Falle  voll- 
ständigster Ausbildung  nach  dem  Schema:  [Metallkathode]  helles  Kathoden- 
licht mit  Trennungsraum,  — zweites  (ziegelrothes)  Licht  — drittes  eventuell 
geschichtetes  (karminrothes)  Licht,  — Anodendunkelraum,  — zahlreiche 
aequivalente  Änodenglimmstellen  [Halbleiter]  zahlreiche  aequivalente  helle 
Katbodenlichter  mit  zugehörigen  Treuuungsräumen  — zu  einem  zusammen- 
lliessende  aequivalente  zweite  (ziegelrothe)  Lichter,  — drittes,  karmin- 
rothes, eventuell  geschichtetes  Licht  — Anodenglimmen  [Metallanode]. 

In  der  Hegel  erhält  man  jedoch  nach  der  Seite  der  Metallkathode 
bei  Weitem  leichter  Dauerentladung  als  auf  der  anderen  Seite,  auf  letzte- 
rer tritt  meist  discontinuirliche  Entladung  auf;  wir  haben  daher  meist 
etwa  Fig.  8 mit  Fig.  6 combinirt*).  Hieraus  erklärt  es  sich,  dass  der 
Anblick  des  positiven  und  negativen  Antheiles  meist  sehr  verschieden  ist 
(Vergl.  Fig.  1,  2 und  3 meiner  Eingangs  citirten  Arbeit  in  Wied.  Ann.) 

4.  Haften  der  Sobiohten  an  den  Elektroden. 

Der  Satz,  dass  alle  Schichten  an  einer  Elektrode  haften,  hat  nur  als 
Grenzfall  volle  Giltigkeit.  Bei  Dauerfunken  zwischen  Metallelektroden 
tritt  dagegen  in  der  Regel  der  Fall  ein,  dass  ein  Theil  der  Schichten  an 
der  Kathode,  ein  andrer  jedoch  bis  zu  einem  gewissen  Grade  an  der 
Anode  haftet**).  Aber  auch  bei  Anwendung  eines  Halbleiters  als  Anode 
kann  man  derartige  Entladungen  erhalten.  Bei  Phot.  11  war  z.  B.  die 
Versuchsanordnung  folgende:  positiver  Maschinenpol,  grosser  Wasserwider- 
stand, Metallspitze,  2 cm  starke  Basaltplatte,  — Funkenstrecke  — Messing- 
polspitze, negativer  MaschinenpoL  Um  die  successive  Entwickelung  der 
Lichterscheinungen  bei  geänderter  Schlagweite  in  einem  Bilde  zu  erhalten, 
wurde  die  Kathodenspitze  während  der  Aufnahme  continuirlich  zurück- 
gezogen, und  zugleich  die  photographische  Platte  langsam  senkrecht  zur 
Funkenrichtung  verschoben.  Das  so  entstandene  merkwürdige  Photo- 
gramra  11  zeigt,  dass  hierin  der  That  nicht  alle  Schichten  sich  mit  der 
bewegten  Kathode  verschoben  haben. 

Da,  wie  Eingangs  erwähnt,  die  mittlere  Stromstärke  (bei  gleichmässigem 
Gange  der  Maschine)  unabhängig  von  der  Schlagweite  ist,  so  zeigt  Phot.  11, 
dass  für  die- an  der  Kathode  haftenden  Schichten  der  Satz  gilt:  Der  Ab- 
stand der  Schichten  von  der  Kathode  ist,  bei  gleichbleibender 
Stromstärke,  unabhängig  von  der  Schlagweite  des  Dauerfunkens. 

P'ür  die  Beurtheilung  des  Wesens  der  Schichtenbildung  ist  die  That- 


*)  Dieser  Unterschied  steht  im  Einklänge  mit  den  Versiichsergebnissen  von  G.  Wiede- 
mann und  Hilhlmann  über  da.s  verschiedene  Ausströmen  positiver  und  negativer  Elektri- 
zität. Vergl.  Wied.,  Elektr.,  Bd.  IV,  S.  462.  1885. 

*•)  Es  ist  dies  wahrscheinlich  eine  analoge  Erscheinung,  wie  sie  bei  Entladung  in 
einzelnen  Funken  in  der  Kegel  eintritt,  nämlich  der  Zerlall  jedes  Funkens  in  einen 
positiven  und  einen  negativen  Antheil;  vergl.  hierzu  Abschn.  7. 


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10 


Sache  von  hoher  Wichtigkeit,  dass  (wie  Phot.  11  dreimal  wiederholt  er- 
kennen lässt)  zwei  Schichten  ohne  Weiteres  ganz  allmählich  aus 
einer  entstehen  oder  umgekehrt  verschmelzen  können*).  Dies 
deutet  darauf  hin,  dass  die  Schichten  keineswegs  als  eine  Art 
stehender  Schwingungen  aufzufassen  sind.  Auf  weitere  Erechein- 
ungen,  die  in  demselben  Sinne  sprechen,  werden  wir  hei  der  Lcuchtmassen- 
bildung  in  gasverdünntcn  Räumen  stosseu. 

6.  Entladung  in  Olasrohren. 

Ganz  besonders  schön  ausgehildet  waren  die  Lichterscheinungen, 
manchmal  bei  Dauerentladung  in  engen  (mit  der  freien  Luft  communi- 
cirenden)  Glasröhren.  Phot.  12  bis  lü  zeigen  die  hier  auftretende  Gestalt 
und  Ausbildung  der  einzelnen  Lichter  in  einem  5 mm  w'eiten  Glasrohre 
bei  etwa  5 cm  Distanz  der  Metallpolspitzen,  wenn  in  den  Schliessungskreis 
ein  grosser  Basalt-  oder  Alkoholwideretand  eingeschaltet  war.  Hier  nahmen 
die  karminrothen  Schichten  schon  ganz  das  Aussehen  an,  welches  sie,  wie 
wir  sehen  werden,  auch  in  Glasröhren  bei  nur  geringem  Luftdrucke  zeigen 
(vergl..  hierzu  z.  B.  Phot.  29  bis  31). 

Die  Photogramme  12  bis  16  sind  aufgenommen  bei  je  etwas  vermehrter 
Stromstärke;  die  Erscheinung  beginnt  (Phot.  12)  mit  zeitlich  getrennt  das 
ganze  Rohr  erfüllenden  Lichterscheinungen,  welche  beim  Anwachsen  der 
Stromstärke  in  geschichtete  Danereutladung  (Phot.  13  bis  16)  übergeht.  Ein 
V'ergleich  der  Phot,  13,  14  und  15  lässt  die  allmähliche  Umwandlung 
einer  Schicht  in  zwei  durch  Stromstärkenvermehrung  erkennen 
(ganz  analog  wie  oben  bei  Phot.  11  durch  Schlagweitenvergrüsserung). 

Das  Glasrohr  erwärmte  sich  beim  Stromdurchgange  jedesmal  in  kurzer 
Zeit  so  sehr,  dass  bald  die  ganze  Entladung  weiterhin  durch  das  leitend 
gewordene  Glas  erfolgte. 

Fig.  13  zeigt  in  schematischer  Zeichnung  die  Lichtentwickelung  in 

Fig.  13. 

K ^ ~~  A 

flb|  C|  Cg  Cg 

Glasröhren  bei  Atmosphärendruck;  es  folgen  nach  einander: 

(nach  Goldstein’s  Dunkelraum  zunächst) 

a = helles  Kathodenlicht, 

(dann  Trennungsraum,  hierauf) 

b,  = erstes  Lichtinaximura  des  zweiten  ziegelrothen  Lichtes, 

(lichtschwaches  Gebiet) 

bj  = zweites  Maximum  des  zweiten,  ziegelrothen  Lichtes, 

c, ,  Cj  und  Cj  drei  Schichten  des  dritten,  karminrothen  Lichtes. 

Fig.  13  kann  als  typisch  betrachtet  werden  für  die  nahe  continuir- 

liche  Entladung  in  Glasröhren  (auch  bei  niedrigeren  Drucken)**). 


*)  Bemerkenswerth  ist  auch,  lia.ss  ein  zur  Erde  abgeleiteter  Draht  (abgesehen  von 
einer  Atilenkuug  der  Fniikenl)shn)  in  der  Umgebung  seines  dem  Dauerfunken  auf  etwa 
0,05  cm  genäherten  freien  Endes  eine  dunkle  Stelle  in  der  Funkenbahn  erzeugt,  ohne 
den  Dauerfunken  zu  zerstören ; auf  diese  Weise  läs.st  sich  z.  B.  eine  Schicht  des  Dauer- 
funkens während  der  Drahtaiinäliernng  in  zwei  Hälften  zertheilcn. 

••)  Zu  berücksichtigen  ist  freilich,  dass  diese  Lichtge.stalt  sich  etwas  ändert,  je 
nach  der  specicllen  Lage  der  ausgezeichneten  Stelle  in  ihr  (vergl.  Abschnitt  7 und  12). 


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11 


6.  Verlangsamte  Batterieentladving. 

Unter  den  zeitlich  discontinuirlichen  Entladungen  in  einzelnen  Funken 
steht  der  nahe  continuirlichen  wohl  am  nächsten  die  (in  der  1.  c.  von  mir 
angegebenen  Weise)  stark  verlangsamte  Entladung  grosser  Leyde- 
ner Batterien.  Jede  derartige  Entladung  besteht  (ähnlich  dem  kurzen 
Iluhmkorfffunken)  aus  einem  die  Entladung  einleitenden  Initialfunken  und 
dem  darauf  folgenden  nahe  continuirlichen  langsamen  Ahdiessen  der  Elek- 
tricität  mit  rasch  abnehmender  Stromintensität  in  der  sogenannten  Aureole; 
schliesslich  erlischt  der  langsame  Funken  und  nach  einiger  Zeit  setzt  eine 
neue  Entladung  mit  einem  neuen  Initialfunken  ein.  Die  Abnahme  der 
Stromintensität  während  jeder  langsamen  Entladung  erklärt  es,  dass  die 
zu  Beginn  derselben  dicht  gedrängten  Schichten  während  jeder  Entladung 
mehr  oder  minder  auseinander-,  von  der  Kathode  abrücken.  Phot.  17 
zeigt  derartige  stark  verlangsamte  Batterieentladungen  (Metallkathode, 
Basaltanode),  Phot.  18  eine  weniger  verlangsamte  (zwischen  Metallelektro- 
den*). 

Ist  bei  kleineren  Schlagweiten  die  Stromzuführung  hinreichend  ergiebig, 
um  Dauerentladung  zu  geben,  so  kann  auch  die  Batterieentladung  nur  der 
Dauerentladung  die  Strombahn  öffnen;  für  letztere  dient  die  Batterie 
weiterhin**)  nur  noch  als  stromregulirendes  Sammelbecken.  Phot.  19  zeigt 
einen  solchen  Uebergang  einer  langsamen  Batterieentladung  in  Dauer- 
entladung; zugleich  erkennt  man  hier  besonders  deutlich  die  Auflösung 
der  Entladung  in  geschichtete  Partialfunken. 

Als  eine  dritte  Form  langsamer  Batterieentladungon  kann  man  schliess- 
lich diejenigen  auffassen,  bei  denen  unter  sehr  grosser  Rückstandsbildung 
die  Reihe  der  Partialentladungen  ahbricht,  noch  ehe  die  mittlere 
Stromstärke  der  Entladung  wesentlich  abgenommen  hat,  d.  h.  ehe  sich 
die  Schichtenstellung  im  Schlagraumc  geändert  hatte.  Nur  solche  nach 
Kurzem  abbrechende  Entladungen  können  natürlich  auf  photographischen 
Platten,  die  während  der  Aufnahme  ruhten,  Photogramme  mit  klarer 
Schichtung  hervorrufen  (vergl.  Phot.  20). 

Trotz  der  Inconstanz  der  Stromstärke  langsamer  Batterieentladungen, 
wird  man  letztere  für  das  Studium  der  geschichteten  Entladung  zunächst 
kaum  ganz  entbehren  können,  da  die  in  ihnen  auftretenden  (hohen 
Spannungen  und  zugleich)  grossen  Stromstärken  auf  anderem  Wege  nur 
sehr  schwer  zu  erreichen  sind.  So  konnte  ich  nur  an  langsamen  Batterie- 
entladungen (vergl.  Phot.  21,  eine  Vergrösserung  des  betreffenden  Theiles 
einer  langsamen  Batterieentladung  nach  Art  von  Phot.  17)  constatiren,  dass 
sich  das  lichtschwache  ziegelrothe  Licht  mit  abnehmender 
Stromstärke  der  Kathode  resp.  dem  hellen  Kathodenlichte  nähert, 
während  (wie  im  ersten  Abschnitte  schon  angegeben)  die  karminrothen 
Schichten  sich  gleichzeitig  von  der  Kathode  entfernen. 


•)  Bei  Phot.  17, 18,  19  und  21  war  die  photographische  Platte  während  der  Aufnahme 
gleichmäasig  schnell  (je  circa  1 cm  pro  Seennde)  bewegt  worden;  bei  Phot.  20  ruhte  die 
Platte  während  der  Aufnahme.  .\uf  Phot.  18  und  21  erkennt  mau  deutlich  den  Initial- 
funken.  Derselbe  besteht,  soweit  meine  Phutogramme  erkennen  la.s.sen,  aus  dem  hellen 
Kathüdenlichte,  dem  (sehr  verwaschenen)  Trennungsraum  und  einer  in  der  Kegel  mige- 
schichteten  Lichtsänle.  In  Phot.  21  Uegt  die  Kathode  unten,  sonst  links. 

**)  Nattlrlii-h  ist  stets  gleichmässiger  Gang  der  stromgebenden  Maschine  während 
der  Versuche  vorausgesetzt. 


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12 


7.  Metallelektroden  ohne  Halbleiter;  ausgezeiohnete  Stelle*)  der 

Entladung. 

Stehen  sich  zwei  Metallelektroden  in  grösserer  Entfernung  als  Kathode 
und  Anode  gegenüber,  so  bildet  sich  hei  genügender  Potentialdifferenz 
auf  ersterer  der  bekannte  negative  Büschel,  auf  letzterer  der  in  der  Regel 
gestielte  positive  Lichtpinsel. 

In  ihnen  lassen  sich  meist  nur  folgende  Lichttheile  der  Dauerentladung 
wiedererkennen:  [Metallkathode]  helles  Kathodenlicht  mit  Trennuugsraum 
— zweites,  hier  meist  violett,  nicht  ziegelroth  gefärbtes  Licht  — . . . . 
[Luftschicht  ohne  Licht]  ....  — drittes  (karminrothes)  Licht,  d.  h.  Stiel 
des  positiven  Pinsels  — Anodenglimmen  [Metallanodej. 

Bei  dem  Nähern  der  Elektroden  bleibt  (Widerstände  im 
Schliessungskreise  vorausgesetzt)  das  dunkle  Luftstück,  welches 
gcwissermassen  die  Rolle  eines  Halbleiters  (einer  gasförmigen  Zwischen- 
elektrode) in  der  Funkenbahn  spielt,  auch  hei  nahestehenden  Elektroden 
erhalten.  Jeder  einzelne  verlangsamte  Funken  resp.  der  Dauerfunken 
zerfällt  deutlich  in  zwei  Theile,  in  einen  negativen  und  in  einen  positiven 
Antheil  (vergleichbar  dem  negativen  und  dem  positiven  Büschel);  der 
erhöhten  Stromdichte  entsprechend,  ist  hier  jedoch  die  Ausbildung  der 
Lichter  eine  vollkommenere.  Man  erkennt  jetzt: 


pietallkathode] 

helles  Kathodenlicht  mit  Trennungsraom  ...» 

zweites  (ziegelrothes)  Licht InegativerFunkenantheil, 

drittes  (karminrothes)  Licht  resp.  seine  Sclüchten  ) 

schmale  dunkle  Luftschicht  (ausgezeichnete  Dunkelstelle), 

drittes  (karminrothes)  Licht,  weist  ungeschichtet  | 

[Metallanode]. 

Folgen  eine  Reihe  verlangsamter  Einzelentladungen  rasch  hinter  ein- 
ander, oder  geht  der  Funkenstrom  in  Dauerentladung  über,  so  kann  die 
sich  ausl)ildende,  heftige,  von  den  Elektroden  ahgewandte  Bewegung 
erhitzter  Luft  einen  wesentlichen  Einfluss  auf  die  Gestalt  der  F'unken- 
bahn,  sjjeciell  auch  auf  Lage  und  Ausbildung  der  ausgezeichneten  Dunkel- 
steile  zwischen  positivem  und  negativem  Antheile  haben.  Dies  lässt 

sich  durch  folgendes  Experiment  zeigen. 
Zwei  Metallspitzen  seien  einander  bei  a 
— — ■ , und  c (Fig.  14)  gegenübergestellt.  Die  Ent- 

' V.  fernungen  ah,  bc,  cd,  da,  seien  je  ca.  2 cm, 

dann  geht  der  Funkenstrom  (resp.  der 
Dauerfunken)  von  a über  b nach  c.  Der 
negative  Antheil  reicht  von  c bis  b,  der 
positive  von  a bis  b.  Bei  b liegt  die  aus- 
gezeichnete Dunkelstelle  zwischen  dem  posi- 
tiven und  negativen  Antheile,  wohl  zu 
unterscheiden  von  dem  bei  c angedeuteten 
dunklen  (Goldstein’schen)  Kathodeninum 
und  dem  gleichfalls  bei  c angegebenen 
Trennungsraum  (dem  Faraday’schen  Dunkel- 
raume  zwischen  Kathoden  und  Anodenlicht 





\ 


*)  Vergi.  Wiedemaun,  Elektr.  IV,  §§816,  861,  868  und  1012. 


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13 


in  hochverdünnten  Geisslerrohren).  Hierbei  kann  jeder  der  beiden  Antheile 
für  sich  mehr  oder  minder  klar  geschichtet  sein,  ln  der  Verlängerung 
von  ab  und  cb  kann  man  je  einen  warmen  Luftstrom  fühlen  (welcher 
z.  B.  im  Stande  ist,  bis  auf  ca.  2 cm  von  b entfernt  Wachs  zu  schmelzen*). 
Am  bezeichnendsten  ist  aber  folgende  Erscheinung.  Bewegt  man  die 
Kathode  c parallel  sich  selbst  langsam  nach  d hin,  so  verschiebt  sich 
auch  mit  ihr  der  negative  Antheil  cb  parallel  sich  selbst,  während  der 
positive  Antheil  successive  kürzer  und  kürzer  wird.  Schliesslich  ver- 
schwindet letzterer  ganz,  wenn  die  Kathode  die  Stelle  d erreicht  bat;  von 
d nach  a findet  jetzt  geradlinig  Entladung  nur  negativen  Charakters 
statt.  Gerade"  umgekehrt  verschwindet  der  negative  Antheil,  wenn  die 
Kathode  von  c nach  b hin,  oder  die  Anode  von  a nach  d hin  sich  selbst 
parallel  verschoben  werden.  Stehen  sich  die  Elektroden  direkt  gegen- 
über, sind  also  die  Gebläse  unter  180“  gegeneinander  gerichtet,  so  liegt 
die  ausgezeichnete  Stelle  bald  hier  bald  dort  auf  der  Funkenbahn,  meist 
bekanntlich  näher  der  Kathode  als  der  Anode.  Mit  dem  Schlierenapparate 
erkennt  man,  dass  auch  hier  die  ausgezeichnete  Dunkelstelle  stets 
dort  liegt,  wo  die  beiden  warmen  Luftströmungen  aufeinander 
treffen.  Hierdurch  erst  gewinnen  wir  volles  Verständniss  der  in  den 
vorigen  Abschnitten  geschilderten  Lichtgestalten  bei  nahe  continuirlicher 
Entladung  unter  Anwendung  von  Ilalbleiterelektroden. 

Eine  spitze  Metallelektrode  begünstigt  mechanisch  und  elektrisch  die 
Ausbildung  des  zugehörigen  Gebläses,  eine  plattenförmige  Ilalbleiter- 
elektrode  erschwert  sie. 

Dies  giebt  uns  einen  Anhalt,  wo  wir  in  den  behandelten  Lichter- 
scheinungen die  ausgezeichnete  Stelle  zu  suchen  haben. 

Fehlt  das  positive  Gebläse  ganz,  so  erkennen  wir  die  ausgezeichnete 
Stelle  wieder  in  dem  in  diesem  Falle  meist  zu  beobachtenden  auffallend 
ausgedehnten  Anodendunkelraume  zwischen  Anodenglimmen  und 
den  karminrothen  Schichten  des  negativen  Autheiles.  Das  Anodenglimmen 
ist  der  letzte  Rest  des  unterdrückten  positiven  Antheiles  (vergl.  Phot.  17, 
19,  20  und  21). 

Fehlt  das  negative  Gebläse  ganz,  so  finden  wir  die  ausgezeichnete 
Stelle  meist  als  einen  ausgedehnten  Dunkelraura  wieder,  welche  zwischen 
der  letzten  karminrothen  Schicht  des  positiven  Antheiles  und  dem  ziegel- 
rothen  Lichte  des  negativen  liegt;  von  letzterem  bleibt  also  nur  die  helle 
Austrittsfläche  und  das  ziegelrothe  Licht  erhalten  (vergl.  Fig.  10).  Häufig 
freilich  ist  in  diesem  Falle  die  ausgezeichnete  Stelle  nur  wenig  markirt, 
wie  bei  Fig.  11  und  12. 

Oft  verschmelzen  auch  die  Lichter  beider  Antheile  continuirlich  in 
einander**),  wobei  jedoch  die  ausgezeichnete  Stelle  nur  scheinbar  ver- 
schwindet. Ihr  Vorhandensein  und  ihre  Lage  ist  dann  nur  indirect 
z.  B.  aus  dem  Verhalten  der  Lichttheile  bei  Aenderung  der  Schlagweite 
(wie  in  Phot.  11  Abschn.  4)  oder  der  Strorasstärke  (wie  in  Phot.  13  bis  16 
Abschn.  5)  zu  erkennen;  auch  der  Schlierenapparat  kann  hier  gute  Dienste 
leisten. 


*)  Besonders  bequem  und  deutlich  lassen  sich  die  beiden  Luftstriime  (des  positiven 
und  des  negativen  Funkenantheiles)  natürlich  mit  dem  Sehliereuapiiunite  beobachten. 

*•)  Hierher  gehört  n,  A.  Fig.  5 und  6 sowie  Phot.  4 bis  mit  10;  in  Fig.  3 und  4 
sowie  in  Phot.  2 und  3 gehörte  der  Liuhtpilz  sicher  zum  positiven  Antheile,  die  wenig 
markirte  ausgezeichnete  Stelle  liegt  hier  zwischen  ihm  und  dem  ziegelrothen  Lichte. 


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14 


Das  letzte  Beispiel  und  vor  Allem  das  Auftreten  der  ausgezeichneten 
Stelle  auch  in  luftverdiinnten  Bäumen  (wo  von  heftigen  Luftströmungen 
kaum  die  Rede  sein  kann,  vergl.  Abschn.  12)  zeigt,  dass  zwar  in  freier  Luft 
die  Lage  der  ausgezeichneten  Stelle  durch  Luftströmungen  beeinflusst 
wird,  dass  jedoch  elektrische  Vorgänge  ihre  Ausbildung  veranlassen. 

Die  ausgezeichnete  Stelle  zwischen  negativem  und  positivem  Antheile  ist 
vielfach  untersucht  worden.  Sie  lässt  sich  bekanntlich  sogar  bei  immer 
weniger  verlangsamten  Entladungen  beobachten,  bis  weit  in  den  Be- 
reich nichtoscillirender  Funkenentladung  hinein.  Es  liegt  demnach 
nahe,  das  oben  angegebene  Schema  der  Lichterfolge  auch  hier  als  das  zu 
Gninde  liegende  anzuselien,  wenn  auch  die  Lichterscheinuhg,  wohl  infolge 
ihrer  Helligkeit,  keine  Unterschiede  mehr  auf  der  Funkenbahn  zeigt,  und 
solche  nur  noch  an  den  verschiedenen  Wärme  Wirkungen  längs  derselben 
(z.  B.  mittels  des  Schlierenapparates)*)  nachweisbar  sind.  Selbstverständlich 
kann  man  jedoch  bei  dem  hervorragend  mitbestimmenden  Einflüsse  von 
Zufälligkeiten  auf  die  Funkenbildung  bei  dieser  bis  ins  Einzelne  gehende 
Regelmässigkeit  nicht  erwarten. 

Ganz  besonders  deutlich  lässt  sich  bekanntlich  die  ausgezeichnete 
Stelle  oft  in  den  Russspuren  erkennen,  welche  Funken,  längs  berusster 
Glasplatten  entlang  schlagend,  hinterlassen*).  Nach  Beobachtungen  meines 
Vaters  kann  man  sogar  das  Auftreten  eines  augenförmigen  Russgebildes 
an  der  ausgezeichneten  Stelle  als  Kriterium  dafür  betrachten,  dass  die 
Russspuren  gebende  Entladung  soeben  nicht  mehr  oscillircnd,  sondern 
gleichgerichtet  (jedoch  noch  ohne  Partialfunkenbildung)  erfolgte;  Phot.  22 
zeigt  in  natürlicher  Grösse  das  Bild  einer  derartigen  Russspur  mit  aus- 
gezeichneter Stelle.  Die  Unzulänglichkeit  unserer  Kenntniss  über  das 
Wesen  der  ausgezeichneten  Stelle  und  über  den  Einfluss  ihrer  Lage  in 
der  Funkenbahn  auf  die  Lichterscheinung  der  elektrischen  Entladung  ist 
sicher  das  llaupthinderniss,  welches  uns  noch  immer  von  einer  einheitlichen 
Auffassungsweise  der  letzteren  (und  zwar  nicht  nur  bei  höheren  Drucken) 
fernhält. 

n.  Nahe  continuirliche  Entladnng  (Bascheilichtbogen)  in 
verdünnter  Luft. 

Mit  abnehmendem  Drucke  nimmt  die  Längendimension  der  Lichter 
rasch  zu,  und  nur  in  langen  Rohren  lassen  sich  infolge  dessen  bei  niederen 
Drucken  alle  Lichter  vollkommen  ausgebildet  erhalten. 

Da  in  dem  Druckbereiche  von  76  cm  bis  ca.  5 cm  hinunter,  soviel 
ich  beobachten  konnte,  der  Charakter  der  Lichterscheinungen  sich  in  regel- 
mässiger Weise  stetig  ändert,  so  genügt  es,  für  die  vorliegende  qualitative 
Untersuchung  die  Ausbildung  der  Lichter  zu  schildern,  wie  wir  sie  bei 
Drucken  um  5 cm  wiederfinden.  Erst  bei  weiter  abnehmendem  Drucke 
treten  dann  wesentliche  Complicationen  ein. 

Um  mich  möglichst  davor  zu  schützen,  auf  Nebenerscheinungen  Ge- 
wicht zu  legen,  welche  nur  von  dem  Einflüsse  der  Rohrwand  herrühren, 
habe  ich  die  Entladung  in  verschieden  weiten  Rohren  beobachtet.  Freilich 
konnte  ich  in  weiten  Rohren  manche  der  erwarteten  Erscheinungen  bei 
Dauerentladuug  selbst  mit  der  benutzten  öOplattigen  Toepler’schen 
Maschine  nur  schwer  oder  überhaupt  nicht  erhalten. 


*)  A.  Toepler,  Wien.  AcaU.  Anz.  1874,  Nr.  1,4,  p.  lOö;  Pogg.  Ann.  134,  p.  191. 


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15 


8.  Bohr  A. 

In  einen  15  cm  weiten  60  cm  hoben  Glascylinder  (Fig.  15)  führte  von 
oben  durch  eine  1 cm  starke  Glasplatte  ein  Messingstab  (umhüllt  von 
einer  den  Elektricitätsaustritt  verhindernden  Glasröhre),  dessen  Ende_  eine 
Messingkugel  trug.  Den  Luftabschluss  unten  bewirkte  eine  2 cm  starke 
Schieferplatte.  Eine  gut  functionirende  Wasserstrahlpumpe  hielt  den 
Innenraum  constant  auf  dem  Maximum  der  von  ihr  geleisteten  Verdünn- 
ung (ca.  3 cm). 

Die  höchst  mannigfachen  Lichterscheinungen,  welche  man  hier  beobach- 
ten kann,  sind  Vergrösserungen  der  entsprechenden  bei  Atinosphärendruck. 

Speciell  die  bei  nahe  continuirlichem  Stromdurchgange  auftretenden 
Entladungsforinen  sind  denen  in  freier  Luft  (z.  B.  Fig.  3)  ganz  ähnlich, 
^ergl.  Fig.  16 — 19  in  ’/g  natürlicher  Grösse  und  Fig.  20  in  '/j  natürlicher 
Grösse.) 


Ist  die  Schieferplatte  Anode  und  steht  ihr  die  negative  Messingpol- 
kugel auf  ca.  5 cm  nahe,  so  erscheint  eine  ca.  1 qcm  grosse  Fläche  der 
Schieferplatte  von  hellen  violetten  Glimralichtpunkten  bedeckt,  üeber 
diesen  schwebt,  wenn  der  mittlere  Strom  1/3000  Amp.  überschritt,  eine 


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16 


sehr  lichtschwache  ziegelrothe  Lichtmasse.  Wird  die  Polkugel  auf  15  cm 
Abstand  zurückgezogen  (vergl.  Fig.  16),  so  erhebt  sich  über  der  Schiefer- 
platte eine  ca.  1 cm  breite  kamiinrothe  Lichtsäule  mit  karminrothem  End- 
knoten; letzterer  ist  von  einem  schwachen,  ziegelrotheu  Lichte  umhüllt. 
Wird  der  negative  Pol  bis  ca.  40  cm  von  der  Schieferplatte  entfernt 
(Fig.  17  und  18),  so  erhebt  sieb  die  positive  kamiinrothe  Lichtsäule  etwa 
10  cm  hoch  mit  ca.  2 cm  dickem  Endknoten.  Bei  starkem  Strome  bewegt 
sich  letzterer  langsam  auf  und  nieder  und  kann  sich  auch  von  der  Lichtsäule 
ganz  loslösen  (Fig.  17),  ja  bei  weiter  vermehrter,  con  sta  nt  e r mittlerer  Strom- 
stärke stösst  diese  Lichtsäule  successive  eine  Reihe  gleicher  Lichtkugeln  von 
sich,  welche  langsam  nach  oben  der  Kathode  zuschweben*,)  hierbei  jedoch 
je  immer  lichtschwächer  werden,  bis  sie  ganz  verschwinden,  wenn  sie  etwa 
die  Hälfte  des  Weges  zum  negativen  Pole  zurückgelegt  haben  (Fig.  18). 
Diese  Erscheinung  vollzieht  sich  innerhalb  eines  sehr  lichtschwachen,  ziegel- 
rothen  Lichteylinders. 

Die  Lichterscheinungen  am  negativen  Pole  sind  bekannt;  sie  bestehen 
aus  hellem  Kathodenlichte  mit  Trennungsraume  und  dem  ziegelrothen 
Lichtparaboloide;  diese  Lichter  waren  zusammen  etwa  0,ö  cm  lang. 

Ist  der  Schiefer  Kathode  (Fig.  19),  so  erhebt  sich  über  einer  grossen 
Zahl  aequivalenter  violetter  Lichtpunkte  (dem  hellen  Kathodenlichte)  eine 
bis  zu  6 cm  hohe,  1 cm  breite  ziegelrothe  Lichtsäule  von  paraboloidischer 
Begrenzung  (Fig.  19).  Unter  Umständen  bildet  sich  auch  über  jeder  ein- 
zelnen hellen  Kathodenschicht  je  das  zugehörige  ziegelrothe  Theilparaboloid 
aus  (Fig.  20);  diese  Paraboloide  convergiren  dann  nach  einem  gemeinsamen 
lichtlosen  Mittelpunkte  und  es  gewährt  einen  eigenartigen  Anblick,  wie 
sich  alle  bei  zufälliger  Lagenänderung  des  lichtlosen  Centrums  gemein- 
sam hin-  und  herneigen;  diese  Erscheinung  beweist,  dass  auch  die  unsicht- 
bare, lichtlose  Entladung  zwischen  den  Lichtem  an  den  Elektroden  nur 
auf  verhältnissmässig  schmaler  Bahn  erfolgt. 

Aus  der  (Metall-)  Anode  wuchs  hier  das  nur  ca.  1 cm  lange  karmin- 
rothe  Anodenlicht  keulenartig  heraus  (Fig.  19);  an  das  knotige  Ende  setzte 
sich  auch  hier  eine  sehr  lichtschwache  ziegelrothe  Lichtsäule  an. 

Der  ausgedehnte  Dunkelraum  zwischen  den  Lichtern  än  der  Kathode 
und  denen  an  der  Anode  entspricht  offenbar  der  ausgezeichneten  Stelle 
des  siebenten  Abschnittes. 

Zu  voller  Ausbildung  der  Lichterscheinungen  reichte  der  Maschinen- 
stroin  nicht  aus ; mit  grossen  Batterien  konnte  ich,  wie  zu  erwarten,  auch 
hier  ganz  wie  in  freier  Luft  langsame  Entladungen  mit  mehreren  (je  etwa 
5 cm  langen  und  0,5  cm  breiten)  karminrothen  Schichten  erhalten. 


9.  Rohr  B. 

Als  ich  . bei  Drucken  um  2 cm  an  Stelle  des  16  cm  weiten  Rohres 
ein  solches  von  3 cm  Weite  und  82,8  cm  Abstand  der  beiden  Kupfer- 
polspitzon  benutzte,  erhielt  ich  den  oben  beschriebenen  ähnliche  Licht- 
erscheinungen. Diese  bildeten  sich  meist  in  der  Achse  des  Rohres  aus 
und  füllten  den  Querschnitt  desselben  noch  an  keiner  Stelle. 

*)  Derartige  bei  coustanter  Stromstärke  wandernde  Leuchtkugeln  konnte  ich  hei 
Atinosphärendruck  nur  ganz  ausnahmsweise  (vergl.  Anmerkung  zu  Ahschn.  1)  heobachten; 
hier  waren  sie  oft  und  leicht  zu  erhalten. 


Cicru^lc 


17 


Die  Photogramme  23  bis  27,  aiifgenommen  bei  immer  grösseren  aber 
je  constanten  mittleren  Stromstärken  (und  je  6 Secunden  Belichtung), 
zeigen  die  zu  besprechenden  Lichterscheinuugen. 

Auf  das  helle  Kathodenlicht  mit  Dunkelraum  folgt  auch  hier  das  erste 
Lichtmaximum  des  zweiten,  ziegelrothen  Lichtes,  diese  Lichter  sind  jedoch 
auf  den  Photogrammen  wegen  ihrer  geringen  räumlichen  Ausdehnung  nicht 
von  einander  zu  unterscheiden*).  Nach  dem  ausgedehnten  lichtschwachen 
Theile  des  ziegelrothen  Lichtes  lolgt  dann,  als  lange  ziegelrothe  Lichtsäule, 
dessen  zweites  Lichtmaximum. 

Als  auffallendster  Lichttheil  folgte  schliesslich  das  hier  sehr  helle 
dritte,  karminrothe  Licht.  Charakteristisch  war  auch  hier  für  dieses  Licht 
sein  pilzartiges,  der  Kathode  zugekehrtes  Ende.  Photogramm  28  zeigt  das 
Grenzgebiet  zwischen  ziegelrothem  und  karminrothem  Lichte  nochmals, 
jedoch  nur  mit  1 Sec.  Belichtung,  um  den  bedeutenden  Helligkeitsunter- 
schied beider  Lichttheile  deutlich  zu  machen. 

Vorübergehend  konnte  ich  auch  schon  in  diesem  Rohre  einen  Zerfall 
des  karminrothen  Lichtes  in  (drei)  ruhende,  klare  Schichten  — Leucht- 
massen, Lichtwolken  — erhalten. 

Die  Photogramme  23  bis  28  zeigen  aber  auch  folgende  interessante 
Thatsache;  man  sieht,  dass  das  karminrothe  Licht  schon  bei  ausgesprochen 
zeitlich  discontinuirlichen  Entladungen,  auf  Funkenbahnen,  welche  sonst  von 
einer  Schichtung  noch  keine  Spur  zeigen  (vergl.  Phot.  23  und  24),  deutlich 
zu  erkennen  ist.  In  all  den  Fällen,  in  denen  in  gasverdünnten  Räumen  die 
discontinuirliche  Entladung  aus  Lichtfäden  besteht,  die  je  aus  einem  blauen 
Theile  nach  der  Kathode  zu  und  einem  röthlichen,  violettrothen  oder 
karminrothen  nach  der  Anode  hin  bestehen,  müssen  wir  in  dieser  Zwei- 
theilung einen  Ansatz  zur  Ausbildung  des  zweiten  und  dritten  Lichtes 
erkennen,  mit  der  angegebenen,  den  veränderten  Verhältnissen  ent- 
sprechenden Farbentönung.  Der  rothe  Theil  der  Lichtfäden  in  (engen) 
Glasröhren  und  niederen  Drucken  entspricht  hiernach  und  nach  den 
Bemerkungen  in  Abschn.  2 dem  Stiele  des  positiven  Büschels  in  freier 
Luft**). 

10.  Bohr  C. 

Bei  constanter  Stromstärke  absolut  ruhende  Schichten  des  dritten 
karminrothen  Lichtes  (Righi’sche  Leuch tmassen  — „masse  luminose“) 
erhielt  ich  im  Druckbereiche  um  5 cm  mit  den  verfügbaren  Stromiutensi- 
täten  erst  in  einem  noch  etwas  engeren  Rohre  als  dem  ira  vorigen  Ab- 
schnitte benutzten. 

In  dem  hier  verwendeten  2,3  cm  (ira  Lichten)  weiten  Rohre  standen 
sich  im  Abstande  von  61,5  cm  als  Elektroden  zwei  Aluminiumscheiben 

*)  Das  erste  Lichtmaiinuini  des  ziegelrothen  Lichtes  zeigte  hier  oft  einen  eigen- 
thilmlichen  Zerfall  in  dichtgedrlngtc  Schichten,  Untcrahtheilungen.  jp- 

Stromvennehrung  begünstigte  diese  seenndäre  Schichtung,  welche 
sich  am  hellsten  und  deutlichsten  nach  dem  Trennungsrauin  zu  aus- 
bildete.  Fig.  ZI  zeigt  (vergriissert)  diese  Krscheinung.  An  der 
Metallkathodp  K liegt  zunächst  das  helle  KathiMlenlieht,  in  etwas 
grösserer  Entfernung  folgt  das  in  Rede  stehende  geschichtete  ziegel- 
rothe Licht.  Der  Abstand  der  ersten  Schicht  des  letzteren  von  der  Kathode  nahm 
zu  mit  zunehmender  Strom.stärke. 

*•)  Die  karminrothe  Lichtsäulc  zeigt  die  Tendenz  spiraliger  Anordnung  mit  conti- 
nnirlicher  Rotation  (auf  welche  hier  nicht  eingegangen  werden  soll),  man  sieht  sic  in 
Phot.  23  bis  27  angedeutet. 

« 


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18 


gegenüber,  den  Rohrquerschnitt  fast  vollständig  ausfullend.  Um  auch 
schon  hei  schwachem  Strome  und  höheren  Drucken  nahe  continuirliche 
Entladung  zu  erhalten,  war  auch  hier  der  Kathode  ein  (kleiner)  Flüssigkeits- 
Widerstand  vorgeschaltet. 

Bei  Drucken  oberhalb  5,5  cm  wurde  das  Rohr,  wenn  überhaupt,  nur 
von  zeitlich  getrennten  (discontinuirlichen)  Funkenentladungen  durchsetzt. 
Bei  einem  Drucke  von  5,3  cm  und  schwachem  Strome  war  die  Entladung 
auch  noch  discontinuirlich;  jeder  Funken  bestand  (ganz  wie  im  vorigen 
Abschnitte  behandelt)  aus  einer  blauen  Hälfte  nach  der  Kathode  zu  und 
einer  rothen  Änodenhälfte.  Bei  Stroravermehrung  erschienen  dann  die 
analogen  Lichterscheinungen  wie  Phot  23  bis  27,  nur  waren  sie  hier  licht- 
schwächer und  unvollkommen  ausgebildet''). 

Wurde  (nach  Erreichung  des  Stadiums,  welches  Phot.  27  entsprach) 
die  Stromstärke  weiter  vermehrt,  so  schnürte  sich  der  der  Kathode  nächste 
Theil  des  karminrothen  Lichtes  ab  und  bildete  eine  bei  constantem  Strome 
absolut  ruhende  Schicht,  eine  Righi’sche  Leuchtmasse.  Zugleich  zerfiel 
der  übrige  Theil  des  karminrothen  Lichtes  in  eine  Reihe  von  Leucht- 
massen; letztere  ruhten  aber  bei  constantem  Strome  keineswegs,  vielmehr 
stiess  die  Anode  beständig  Leuchtmassen  von  sich,  welche,  nach  der  Ka- 
thode zu  eilend,  in  dem  Augenblicke  erloschen,  wo  sie  die  erste,  ruhende 
Leuchtmasse  erreichten. 

War  der  Strom  weiter  verstärkt  worden,  so  bildete  sich  zwischen  der 
ersten  ruhenden  Leuchtmasse  und  der  Anode  eine  zweite,  gleichfalls  ruhende 
Leuchtmasse  aus.  Die  von  der  Anode  aus  wandernden  Massen  erloschen 
jetzt  beim  Erreichen  der  zweiten  ruhenden  Leuclitmasse. 

Dieser  Process  wiederholte  sich  bei  abermaliger  passender  Stroraver- 
mehrung; eine  dritte  Leuchtmasse  wurde  fest,  sodass  schliesslich  das 
61,5  cm  lange  Rohr  bei  constantem  Strome  drei  (oder  mehr)  beliebig  lange, 
absolut  ruhig  stehende  Leuchtmassen  zeigte  (vergl.  Phot.  31  **). 

Ging,  nachdem  sich  die  drei  ruhenden  Schichten  gebildet  hatten, 
längere  Zeit  ein  constanter,  möglichst  starker  Strom  durch  das  Rohr,  so 
wurden,  offenbar  im  Zusammenhänge  mit  den  Temperaturverhältnissen, 
die  ruhenden  Leuchtmassen  immer  stabilere  Gebilde.  Wurde  jetzt  die 
Stromstärke  successive  geändert,  so  erschienen  wandernde  Schichten  nur 
vorübergehend.  Es  galten  jetzt  folgende  Sätze: 

Die  ruhenden  Lcuchtmassen  sind  nahe  aequidistanL 

Die  Leuchtintensität  der  Leuchtmassen  ist  bei  den  von  der 
Kathode  fernsten  am  geringsten  (vergl.  Phot.  30  und  31). 

Mit  zunehmender  Stromstärke  nimmt  sowohl  der  Abstand 
der  ersten  ruhenden  Leuchtmasse  von  der  Kathode,  als  auch 
der  Abstand  je  zweier  ruhender  Leuchtmassen  von  einander  ab. 
Mit  abnehmender  Stromstärke  verschwand  daher  eine  Leuchtmasse  nach 
der  anderen  in  der  Anode;  im  Schlagraum  bilden  sich  nur  so  viel  ruhende 
Leuchtraassen  aus,  als  der  Stromstärke  entsprechend  zwischen  Anode  und 
Kathode  Platz  haben. 

Es  sind  das  dieselben  Sätze,  die,  wie  nachgewiesen  wurde,  auch  für 
die  Schichteubildung  in  freier  Luft  Geltung  haben. 


•)  Besonders  lichtschwach  war  hier  meist  der  zweite  Theil  des  ziegelrothen  Lichtes. 
•*)  Wurde  das  Kohr  C in  geeigneter  AV>ise  vorgewärmt,  ao  erfolgte  in  ihm  auch 
schon  hei  Lntcken  von  9 cm  und  mehr  die  Bildung  ruhender  Leuchtma.s.sen. 


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19 


Phot.  29,  30  und  31  (aufgenonimen  mit  je  6 Secunden  Beleuchtungs- 
dauer) zeigen  für  5,3  cm  Druck  geschichtete  Entladung  (Kugelfunken)  mit 
ruhenden  Leuchtmassen  bei  je  constantem  Strome  und  zwar  Phot.  29 
bei  kleinster  (ca.  1/2000  Amp.),  Phot  30  bei  grösserer  und  Phot  31  bei 
grösster  (ca.  1600  Amp.)  Stromstärke. 

Das  zweite  Lichtmaximum  des  ziegelrothen  Lichtes  war  im  benutzten 
Rohre  meist  sehr  lichtschwach*),  das  erste  dagegen  sehr  deutlich; 
dieses  entfernt  sich  (ebenso  wie  bei  Atmosphärendruck,  vergl.  Abschn.  6) 
mit  wachsender  Stromstärke  von  der  Kathode.  Auch  das  helle 
Kathodenlicht  mit  Trennungsraum  war  scharf  ausgebildet**). 

11.  Nahe  oontinuirliohe  Entlsdxmg  (Büsohelliohtbogen)  und  ‘ 
Blghi’sohe  KugelfUnhen. 

Die  Lichterscheinungen  der  untersuchten  Entladungsart  zeigen  also 
vom  Atmosphärendruck  bis  zu  5 cm  herab  genau  die  gleichen  charak- 
teristischen Gestaltseigenthümlichkeiten  und  die  gleiche  Anordnung  der 
Lichter,  zeigen  auch  qualitativ  die  gleiche  Abhängigkeit  von  der  Strom- 
stärke. 

Ueber  die  hier  von  mir  behandelte  Eutladungsart  liegen  meines 
Wissens  bisher  nur  zwei  eingehendere  Untersuchungen  vor,  nämlich  die 
schon  Eingangs  erwähnten***)  von  A.  Wüllner  und  A.  Righi,  beide  für  den 
Druckbereich  um  5 cm.  Dass  die  von  mir  behandelte  „nahe  continuirliche“ 
Entladungsart  (Dauerfunken,  Büschellichtbogen)  mit  der  von  genannten 
Beobachtern  untersuchten,  von  A.  Righi  als  „Kugelfunken“  bezeichneten, 
identisch  ist,  lehrt  ohne  Weiteres  ein  Vergleich  meiner  Phot.  29,  30  und 
31  mit  den  von  Righi  mitgetheilten  Abbildungen. 

Bei  der  hier  untersuchten  geschichteten  Entladungsart  (Righi’schen 
Kugelfunken)  mit  Leuchtmassen  erfolgt  der  Elektricitätsfluss  zwischen  den 
Elektroden  oflfenbar  streckenweise  fast  lichtlos  auf  breiter,  streckenweise 
mit  Lichtentwickelung  auf  enger  Bahnt).  Diese  Bahnverengerung  kann 
sehr  weit  gehen,  und  man  hat  wahrscheinlich  jede  Lcuchtmasse  aufzufassen 
als  einen  Funken  zwischen  lichtlosen  Räumen,  Gaselektroden  ff).  Die 
Leuchtmässenbildung  besteht  also  in  einem  Zerfalle  des  Gesammtfunkens 
in  mehr  oder  minder  ausgedehnte  Theilfunken  (gewissermassen  unter  Ein- 
fügung gasförmiger  Zwischenelektroden  ftt)-  Hieraus  erklärt  sich  unge- 


•)  Daher  ist  auch  auf  Phot.  29  l)is  81  die  ziegelrothe  Lichtsänle  nicht  zu  sehen. 
Es  sei  gleich  hier  voransgreifend  bemerkt,  dass,  wohl  aus  demselben  Grunde,  auch  auf 
den  Phot ogrammen  von  Righi  die  ziegelrothe  Lichtsänle  fast  ausnahmslos  fehlt; 
dagegen  findet  sie  sich  deutlich  wiedergegehen  auf  der  Zeichnung  von  Wüllner, 
1.  c.  Taf.  I,  Fig.  4. 

**)  Wegen  ihrer  Kleinheit  ist  die  Lichterfolge  an  der  Kathode  auf  den  Phot.  29 
bis  31  nicht  klar  zu  unterscheiden. 

••*)  Vergl.  die  Litteraturangabe  in  der  Einleitung.  Zur  nahe  continuirlichen  Ent- 
ladungsart gehören  auch  die  Entladungsformen,  welche  0.  I.ehmaim,  Zeitschr.  f.  phjs. 
Chemie  18,  107,  1895  beschreibt;  jedoch  war  hierbei  die  Schlagweite  zu  klein  im  Ver- 
hältnisse zu  dem  geringen  Drucke  und  zu  der  grossen  Rohrweite,  als  dass  sich  Leucht- 
massen hätten  bilden  können;  dagegen  ist  bei  diesen  Formen  die  ausgezeichnete  Stelle 
gut  zu  erkennen. 

f)  Die  Glasfluorescenz  um  die  Orte  des  Lenchtens  in  der  Rohrachse  täuscht  leicht 
bei  erster  Betrachtung. 

fi)  Die  elektrische  Ladung  der  tilaswand  ist  bei  engen  Rohren  ebenfalls  zu  be- 
rücksichtigen. 

ttt)  VergL  die  ähnliche  Deutung  von  Righi,  Lura.  EL  42,  1891,  [i.  618. 


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20 


zwungen  die  Möglichkeit  des  leichten  Verschmelzens  zweier  Schichten 
(vergl.  Abschnitt  4),  sowie  die  Mehrzahl  der  Erscheinungen,  welche  im 
folgenden  Abschnitte  behandelt  werden  sollen.  Um  speciell  das  Wandern 
der  Schichten  mit  oder  gegen  den  elektrischen  Strom  zu  erklären,  braucht 
man  nur  anzunehmen,  dass  durch  die  Leuchtmassen  um  ein  Geringes 
weniger  resp.  mehr  Elektricität  in  der  Zeiteinheit  fliesst  als  durch  die 
dunklen  Zwischenräume. 

12.  Qegeneinander  wandernde  IieuohtmaBsen. 

In  den  vorangegangenen  Abschnitten  sind  wir  fast  ausschliesslich  Licht- 
erscheinuugen  begegnet,  deren  Theile  ihre  Lage  im  Schlagraume  bei  con- 
stanter  Stromstärke  und  constantem  Drucke  constant  heibebalten.  Ganz 
anderen  Verhältnissen  begegnete  ich  jedoch  (bei  dem  zuletzt  benutzten 
llohre  C)  in  dem  Druckbereiche  zwischen  4,6  cm  und  0,8  cm.  Sank  der 
Druck  nämlich  unter  4,6  cm,  so  wurde  mehr  und  mehr  der  Zustand  im 
Rohrinnern  labil  in  Bezug  auf  das  Entstehen  von  Leuchtmassen.  Zur 
Ausbildung  ruhender  Leuchtmassen  kam  es  hier  überhaupt  nicht  mehri 
oder  nur  ganz  vorübergehend. 

Zunächst,  bei  Drucken  um  4 cm,  bildete  das  zweite  Lichtmaxiraum 
des  ziegelrotheu  Lichtes  wie  bei  höherem  Drucke  noch  eine  zusammen- 
hängende lange  Lichtsäule*).  Die  bei  constanter  Stromstärke  rasch 
wandernden  Schichten  des  karminrothen  Lichtes  Hessen  sich  aber  nicht 
mehr  durch  Stromvermehrung  fest  machen**);  sie  erloschen  auch  hier, 
sobald  sie  das  Ende  der  ziogelrothen  Lichtsäule  erreichten. 

Bei  möglichst  starkem  constanten  Strome  trat  nun  noch  eine  weitere 
höchst  beraerkenswerthe  Complication  der  Leuchtmassenbildung  ein.  Bei 
constantem  Strome  beobachtete  ich  folgende  sich  beliebig  oft  in  nahe 
gleichen  Zeiten  wiederholende  Erscheinung.  Das  der  Anode  zugekehrte 
Ende  des  ziegelrothen  Lichtes  rückte  nach  der  Anode  zu  vor,  schliesslich 
löste  sich  von  der  ziegelrothen  Lichtsäule  ein  Säulenstück  (von  nicht 
immer  gleicher  Länge***)  ab,  welches  sich  langsam  nach  der  Anode 
zu  in  liewegung  setzte,  während  das  neue  Ende  der  ziegelrothen  Licht- 
säule nach  der  Kathode  zu  zurUckschnellte.  Phot.  32  bis  35  zeigen  das 
der  Anode  zugekehrte  Ende  der  ziegelrothen  Licbtsäulc  in  verschiedenen 
Stadien  des  Losreissens  langsam  der  Anode  zuwandernder  Leuchtmassen. 

Man  kann  den  Process  der  Losreissung  von  Leuchtmassen  beschleu- 
nigen oder  auch  unter  Verhältnissen,  bei  denen  er  noch  nicht  spontan 
erfolgt,  hervorrufen,  indem  man  mit  der  Hand  von  der  Kathode  nach  der 
Anode  zu  an  der  ziegelrothen  Lichtsäule  längs  des  Glasrohres  entlang 
streicht  f);  die  so  erzeugte  Schicht  setzt  dann  ebenso  wie  eine  selbständig 
gebildete  beim  Wegziehen  der  Hand  ihren  Weg  nach  der  Anode  zu  fort. 


*)  Es  kam  sogar  vor,  da.ss  das  ziegelrotlie  Licht  sieh  bis  auf  etwa  5 cm  der 
Anode  näherte,  also  beinahe  60  cm  lang  war. 

**)  Die  Wanderungsgeschwiudigkeit  nahm  zn  mit  wachsender  Stromstärke.  Bei 
sehr  raschem  tVandem  modilicirtc  .sich  die  Gestalt  der  Leuchtmassen  etwas;  diese 
wurden  mehr  und  mehr  a.symmetrisch  und  ihr  voraiiaeilendc.s  Ende  kugelte  sich  pilzartig  ab. 

•**)  Das  bei  gleichem  Drucke  und  gleicher  Stromstärke  sich  ablösende  Säulenstilck 
war  5 bis  ZO  cm  lang;  die  ganze  Ijic.hf.säiilo  des  ziegelrothen  X/ichtes  kann  man  daher 
auch  auffassen  als  eine  ruhende  Lenchtmasse  von  grosser  l.,änge|  welche  die  Fähigkeit 
besitzt,  sich  beliebig  zu  theih  n. 

f)  Die  Ura.Hpanunng  mit  der  Hand  wirkt  analog  einer  Rohrverengemng  in  dem 
Sinne,  als  die  letztere  nach  Itighi  die  Aushibiiing  einer  l.euchtschicht  erleichtert. 


Digitiz=ri '-xk 


21 


bis  sie  auf  eine  der  von  der  Anode  ihr  entgegenkommenden  Leuehtmassen 
des  karminrothen  Lichtes  trifft*). 

Wir  haben  also  zwei  Schaaren  von  Leuchtmassen,  die  eine 
zeigt  von  der  Kathode  langsam  fortwandernde,  die  andere  von 
der  Anode  aus  der  ersteren  rasch  entgegeneilende  Leucht- 
massen. Es  bildeten  sich  also  ganz  wie  bei  Atmosphärendruck  (vergl. 
Abschnitt  4)  zwei  von  einander  unabhängige  Systeme  von  Schichten,  nur 
ruhten  dort  die  Schichten  (bei  ruhenden  Elektroden),  hier  wandern  sie; 
es  kann  demnach  hier  wie  dort  die  Entladung  als  in  einen 
positiven  und  negativen  Antheil  (je  mit  selbständiger  Schichten- 
bildung) zerfallend  angesehen  werden**).  In  dem  Zusammentreff- 
punkte der  gegen  einander  wandernden  Leuchtmassen  erkennen  wir  dem- 
nach die  ausgezeichnete  Stelle  (vergl.  Abschn.  7)  wieder. 

Besonders  auffallend  war  es  hierbei,  dass  sich  beim  Aufeinandertreffen 
zweier  Schichten  weder  mit  blossem  Auge  noch  im  rotirenden  Spiegel 
irgend  welche  Eigenthümlichkeit  zeigte;  zwei  aufeinandertreffende 
Leuchtmassen  verschmelzen  zunächst;  die  verschmolzene  Licht- 
säule verkürzt  sich  mehr  und  mehr  und  verschwindet  schliess- 
lich spurlos***). 

Die  Ausgleichstelle,  bis  zu  welcher  die  von  der  Anode  aus  wandernden 
Leuehtmassen  nach  der  Kathode  zu  Vordringen,  rückt  sowohl  mit  wach- 
sender Stromstärke,  als  auch  mit  wachsender  Verdünnung  immer  weiter 
nach  der  Kathode  zu  vor;  der  negative  Antheil  der  Entladung  verkürzt 
sich  dem  entsprechend.  Mit  abnehmendem  Drucke  verwischen  sich  die 
Lichterscheinungen  und  bei  Drucken  unter  0,8  waren  zwar  bei  schwachem 
Strome  noch  deutlich  ruhende  Leuehtmassen  zu  erkennen,  diese  flössen  je- 
doch bei  Stromvermehrung  (ohne  deutliche  Ausbildung  wandernder  Schichten) 
in  einander  und  verschmolzen  schliesslich  zu  einer  homogenen  Lichtsäule. 


13.  Letzte  Spuren  der  nahe  continuirliohen  Entladungsart. 

Die  (irenzverhältnisse  zwischen  nahe  continuirlicher  Entladung  und  dem 
bekannten  Phänomen  der  zeitlich  continuirlicken  Entladung  in  (leisslerrohren 
hat  mau  sich  etwa  folgenderraassen  zu  denken.  Die  Grenzstromstärke,  bei 
der  soeben  die  letztgenannte  (continuirliche)  Entladungsai't  auftritt,  nimmt 

*)  Oft  genügte  ein  Bewegen  der  Hand  schon  im  Abstande  von  10  cm  vom  Kohre,  um 
eine  derartig  fortschreitende  .sinxessive  Entladung  auszniiisen;  man  sieht,  in  wie  hohem 
Grade  die  Entwickelung  der  Lichtphänomene  von  äusseren  Umständen  abhängig  sein  kann. 

**)  Zu  genauerer  Untersuchung  müssten  wohl  die  Elektroden  in  den  Kohren  ver- 
schieblich gemacht  werden,  anch  müsste  der  Eiuliiiss  der  Anordnung  des  Widerstandes 
im  Stromkreise  beriick.sichtigt  werden. 

**')  Auf  die  vielfachen  Eigenthümlichkeiten  der  wamlemden  Leuehtmassen  einzu- 
gehen, würde  zu  weit  führen;  es  sei  nur  noch  auf  einige  si(rher  zu  beobachtende  That- 
sachen  hingewiesen.  Die  Wandemngsgeschwindigkeit  der  von  der  Katliode  wegwan- 
demden  Leuehtmassen  war  stets  geringer  als  diejenige  der  entgegenkommenden.  Bei 
höheren  Drucken  zeigten  erstere  mehr  ziegclrothe,  letztere  mehr  karminrothe  Färbung; 
mit  abnehmendem  Drucke  verschwand  bald  ilieser  Farbenunterschied  (bei  den  hier  be- 
nutzten höheren  Drucken  spielt  der  Quccksilherdampf  hez,  der  Sclüchtenfärbung  noch 
keine  wesentliche  Kolle).  Es  kam  vor,  dass  das  ganze  Kohr  bis  znr  Anode  hin,  nur 
Lenchtmassen  enthielt,  die  von  der  Kathode  w e g wanderten ; erlölgte  dies  Wandern 
hinreichend  langsam  (ca.  1 cm  per  Secunde),  so  konnte  man  deutlich  erkennen,  da.ss 
die  Lenchtmassen  nicht  in  der  Anode  allmählich  untertauchten,  sondern  je  ganz  succes- 
sive  an  der  Grenze  eines  erst  hierdurch  bemerkbar  werdenden  (bis  zu  2 cm  langen) 


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22 


rasch  ab  mit  abnehmendem  Drucke*).  Das  Stromstärkengebiet  der  nahe 
continuirbchen  Entladungsart  wird  daher  mit  abnehmendem  Drucke  immer 
schmäler  und  unterhalb  0,8  cm  geht  die  discontinuirliche  Entladung  bei 
successiver  Stromverstärkung  meist  direct  in  die  continuirliche  über.  Einen 
bestimmten  Druck  (oder  Druckbereich),  welcher  etwa  die  Grenze 
zwischen  Schichtenbildung  durch  Leuchtmassen  und  der  gewöhnlichen 
Schichtung  des  Anodenlichtes  niedrigster  Drucke  bildet,  giebt  es  nicht 
Ich  konnte  vielmehr  selbst  hei  so  geringen  Drucken,  bei  denen  das 
Anodenlicht  schon  längst  in  der  bekannten  Weise  deutlich  geschichtet 
war,  in  der  Kegel  noch  die  nahe  continuirliche  Entladungsart  unzweifel- 
haft erkennen,  wenn  ich  nur  auf  die  Lichterbildung  bei  sehr  schwachen 

Strömen  mein 


Augenmerk  rich- 
tete. Hierbei  bin 
ich  auf  manche 
eigenthümUche 
Erscheinungen  ge- 
stossen,  von  denen 
die  bemerkens- 
wertheste  im  Fol- 
genden geschildert 
ist. 

Bei  einem  Drucke 
von  0,007  cm  Hg.  er- 
hielt ich  im  Rohre 
C folgende  Licht- 
entwickelung. 

Bei  sehr  schwa- 
chem mittleren 
Strome  ruhte  nahe 
der  Anode  in  der 
Rohrachse  eine 
Licbtsäule , deren 
freies  Ende  (vergl. 
den  Pfeil  der 
Fig.  22)  nach  der 
Kathode  hin  rhyth- 
misch aufzuckte. 
Bei  etwas  stärkerem  Strome  war  zu  erkennen  Goldstein’s  Dunkel- 
raum, helles  Kathodenlicht  mit  ziemlich  ausgedehnten  Glimmlichtstrahlen 


Fig.  22. 
Fig.  23. 


Fig.  24. 


Fig.  25. 


Fig.  2 6. 


Fig.  27. 


Fig.  28. 


Fig.29. 


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cxxinrx: 

Anodcndnnkelriuimes  verschwanden.  (Die  Lenchfmaasen,  welche  nach  der  Kathode  zn 
wandern,  kamen  dagegen  direct  ans  der  Metallanode  heraus.)  Die  Ausbildung  eines 
ausgedehnten,  scharf  begrenzten  Anodendunkelraumes  scheint  demnach 
nur  stattzufinden,  wenn  der  negative  Entladungsantheil  bis  nahe  zur 
Anode  heranreicht.  Dasselbe  war  auch  bei  nahe  eontinuirlicher  Entladung  in  freier 
Luft  zu  beobachten  (vergl.  Phot.  17,  und  20  mit  11).  Der  Anodendunkelraum  dürfte 
also  hier  (vergl.  Abschn.  7)  der  ausgezeii  hneten  Stelle  entsprechen.  Die  Anode  selbst 
zeigt  auch  hier  ganz  wie  im  analogen  Falle  bei  Atmosphäreudruek  zahlreiche  Anoden- 
glimmpunkte. d.  b.  den  letzten  Best  des  positiven  Antheiles. 

*)  VergU  die  Zahlenangaben  von  Hittorf,  Wied.  Ann.  20,  1883,  p.  722.  Es  wird 
jedoch  sicher  miiglich  sein,  bei  allen  Drucken  die  einzelnen  Entladnngsarten  ganz  all- 
mählich in  einander  überzuführen,  wenn  man  nur  die  Versuchsbedingungeh  geeignet  wählt. 


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23 


(a  in  Figur  23)*)  und  Trennungsraum,  eine  äusserst  matte  ziegelrothe  Licht- 
säule (b),  eine  matte  rothe  ruhende  Leuchtmasse  (c)  imd  nach  der  Anode 
zu  eine  Lichtsäule  (d)**).  Es  war  also  die  nahe  continuirliche  Ent- 
ladungsart bei  einem  Drucke  unter  0,oi  cm  noch  sicher  zu  be- 
obachten! Näherte  ich  in  diesem  Stadium  die  Hand  oder  ein  Stück 
abgeleitetes  Stanniol  (S  in  Figur  24  und  25)  dem  Rohre,  so  bildete  sich 
im  Rohre  auf  der  abgewandten  Seite  eine  Leuchtmasse,  ganz  wie  bei 
höheren  Drucken;  diese  zerfiel  aber  hier  in  eine  Reihe  von  Schichten 
(vergL  Fig.  24  und  25).  Diese  lichtschwache  secundäre  Schichtung  ähnelte 
der  Schichtenbildung  des  bekannten  Anodenlichtes,  ist  aber  mit  dieser 
keineswegs  zu  verwechseln. 

Bei  stärkerem  Strome  erschien  plötzlich  die  helle,  rosa  gefärbte 
Säule  des  bekannten  Anodenlichtes  (Figur  26);  es  zeigte,  der  Verdünnung 
entsprechend,  schon  deutlich  seine  bekannte  üeisslerrohr- Schichtung. 
Zwischen  seiner  ersten  Schicht  und  der  Kathode  blieb  aber  deutlich  ein 
lichtschwaches  ziegelrothes  Lichtwölkchen  (w)  zu  erkennen***).  Näherte 
ich  jetzt,  wie  oben,  Hand  oder  Stanniol  (S  in  Figur  27,  28  und  29), 
so  wui'de  die  Säule  des  bekannten  Anodenlichtes  nur  wenig  beeinflusst, 
um  so  mehr  aber  das  ziegelrothe  Lichtwölkchen.  Hierbei  zeigte  sich,  dass 
diese  Lichtwolke  nur  ein  Theil  einer  die  Anodenlichtsäule  mindestens 
20  cm  weit  durchdringenden,  von  dieser  aber  so  gut  wie  unabhängigen 
Lichterscheinung  war.  Durch  Nähern  des  Leiters  S Hess  sich  auch  jetzt 
noch  (ganz  wie  in  Figur  24  und  25)  aus  der  Rohnnitte  an  die  entgegen- 
gesetzte Rohrwand  eine  geschichtete  Lichtsäule  drängen  (Figur  27  und  28), 
ganz,  als  ob  die  ihrerseits  geschichtete  Anodenlichtsäule  gar  nicht  vor- 
handen wäre.  Durch  Verschieben  des  Leiters  längs  des  Glasrohres  liess 
sich  constatiren,  dass  das  vom  Leiter  bewegte  Schichtensystem  stets  die 
erste  Schicht  gegenüber  der  Berührungsstelle  des  Leiters  ausbildete;  dass 
an  dieser  ersten  Schicht  nach  der  Anode  zu  eine  ganze  Reihe  (10  bis  15) 
weitere  aequidistante  Schichten  hingen,  welche  bei  einer  durch  Bewegung 
des  Leiters  veranlassten  Verschiebung  der  ersten  Schicht  sämmtlich  mit- 
genommen wurden,  dass  diese  lichtschwache  zweite  Schichtung  auch  vor- 
handen war  bei  Abwesenheit  des  Leiters  und  dass  die  lichtschwachen 
Schichten  in  diesem  Falle  meist  zusammenfielen  mit  den  Schichten  des 
Anodenlichtes  (mit  Ausnahme  der  ersten,  der  schwachen  Lichtwolke). 

Es  hatte  demnach  ganz  den  Anschein,  als  ob  zwei  von  einander  un- 
abhängige, gegen  äussere  Einflüsse  verschieden  empfindliche  Lichters<;hei- 
nungen , jede  mit  selbständiger  Schichtung,  sich  durchdrängen.  Mehr- 
maliges Lufteinlassen  in  das  Rohr  und  erneutes  Auspumpen,  Vorschalten 
von  Widerständen  an  Anode  oder  Kathode,  Ableitung  von  Kathode  oder 
Anode  zur  Erde,  alles  dies  änderte  die  Erscheinung  nicht  wesentlich. 
Durch  Stromstärkenvermehrung  bis  zu  1/600  Ampere  konnte  freilich  die 


*)  Fig.  22  und  23  sind  etwa  in  ’/s  nnt.  Grösse,  Fig.  24  bis  29  etwa  in  V,  nat.  Grösse 
schematisch  gezeichnet,  jedoch  ohne  genaue  Innehaltung  der  relativen  Grössenverhältnisse 
der  Lichter. 

•*)  Auch  Uchtschwache,  verwaschene,  wandernde  Leuchtmassen  waren  in  diesem 
Stadium  (im  rotirenden  Spiegel)  ab  und  zu  zu  bemerken. 

*♦*)  Mit  der  ersten  Anodenschicht  war  das  lächtwülkchen  keineswegs  zu  verwechseln; 
es  war  wesentlich  lichtschwächer  als  alle  Anodenschichten,  auch  stand  es  von  der  ersten 
derselben  weiter  ab  als  die  Anodenschichten  unter  einander.  Auch  sonst  zeigte  die 
Lichtwolke  besondere  Kigenthiimlichkeiten. 


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24 


Scliichtenzahl  des  Geissler’schen  Anodenlichtes  vermehrt,  die  eigenthüm- 
liche  lichtschwache  zweite  Entladungserscheinung  aber  nicht  zum  Erlöschen 
gebracht  werden.  Beobachtungen  im  rotirenden  Spiegel  schienen  darauf 
hinzudeuten,  dass  beide  Entladungsarten  zeitlich  rasch  alterni- 
rend  im  Uohr  auftraten. 

Bei  Verdünnungen  unter  O.oi  cm  nimmt  die  Ausdehnung  und  Licht- 
intensität der  Glimmlichtstrahlen  rasch  zu,  ebenso  die  Glasfluorescenz, 
(erzeugt  durch  die  alle  Schichten  allmählich  durchdringenden  Kathoden- 
strahlen). Im  Glanze  dieser  Lichterscheinungen  verschwindet  zuerst  das 
(ziegelrothe)  Lichtwölkchen,  dann  auch  das  mehr  und  mehr  verblassende 
geschichtete  Anodenlicht,  schliesslich  erstrahlt  das  ganze  60  cm  lange 
Glasrohr  im  blendenden  hellgrünen  Fluorescenzlichte  und  sendet  seiner 
ganzen  Länge  nach  die  bekannten  Itüntgenstrahlen  aus. 

Trotz  der  in  diesem  Abschnitte  geschilderten  und  anderer  weniger 
interessanten  Complicationen  der  Erscheinungen  ist  es  kaum  zweifelhaft, 
dass  die  nahe  continuirliche  Entladungsart  (Kugclfunken,  Büschellicbtbogen) 
und  die  gewöhnliche  continuirliche  Geisslerrohrentladung  sich  ohne  üu- 
stätigkeit  ineinander  überführen  lassen,  dass  beide  Entladungen  derselben 
Art  sind. 

Die  gewöhnlich  auftretende  Anndeidichtsäule  der  continuirlichen  Ent- 
ladung ist  wahrscheinlich  aufzufassen  als  eine  Lcuchtmasse  (resp.  auch 
nach  den  Angaben  am  Schlüsse  des  12.  Abschnittes  als  mehrere  vollständig 
ineinander  geHossene  Leuchtmassen)  des  positiven  Antheiles.  Der  aus- 
gezeichneten Stelle  entspricht  dann  das  Gebiet  zwischen  der  Anodonlicht- 
säulo  und  dem  ziegelrothen  Lichtwölkchen,  wir  haben  also  dieselbe 
Entladungsform  vor  uns,  welche  Fig.  10  Abschnitt  2 für  den 
Elektricitätsdurchgang  durch  Funkenstrecken  in  freier  Luft 
zeigt.  Fehlt,  wie  es  wohl  in  der  Kegel  der  Fall  ist,  das  ziegelrothe 
Licht  ganz,  so  fallen  Trenuuugsraum  und  ausgezeichnete  Stelle  zusammen. 
Bei  der  Entladung  in  freier  Luft  (Fig.  10)  bildete  sich,  wie  schon  an- 
gegeben, die  ausgezeichnete  Stelle  immer  in  nahe  gleichem  Abstande  von 
der  Halbleiterkathode  aus,  das  positive  kanninrothe  Licht  endigte  stets 
in  gleicher  Entfernung  von  der  Kathode;  das  .\nalogon  hierzu  ist  die  von 
Faraday  bemerkte  Thatsache,  dass  die  Anodenlichtsäule  (in  gasverdünnten 
Käumen)  bei  Verschieben  der  Elektroden  stets  in  nahe  demselben  Abstande 
von  der  Kathode  endigt. 

In  Abschnitt  7 wunle  nun  gezeigt,  dass  die  Entladungsform  der 
Fig.  10  nur  ein  Specialfall  einer  allgemeineren,  vollständigeren  ist,  deren 
Schema  sich  gleichfalls  in  Abschnitt  7 angegeben  findet.  Wir  haben 
demnacb  anzunebmen,  dass  auch  die  gewöhnliche  Geisslerrohrentladung 
(ebenso  wie  ihr  Analogon  Fig.  10)  nur  ein  (in  der  Regel  auftretender) 
specieller  Fall  einer  ganzen  Anzahl  möglicher  Eutladungsformen  ist*), 
deren  Lichtcrbildung  sich  auf  das  .\bschnitt  7 angegebene  allgemeinere 
Schema  zurückführen  lässt.  Letzteres  würde  freilich  noch  durch  einige 
erst  in  gasverdünnten  Räumen  zu  beobachtende  Einzelheiten  zu  er- 
gänzen sein. 

*)  Welche  Entla<lungKf()rm  Rpccicll  bei  lien  Beotjachtmieen  im  Abschiiin  13  mit 
der  gewöhiiliehcii  alteniireml  auftiat,  muss  (luhiin;estcllt  bleiben.  Mehrere  Schichten- 
svHtcnie  bei  (leii.ielbeii  Dmekbciliiignnfren  beobachtete  auch  V.  Felix;  vcrgl.  Sitzungsber. 
lies  uaturwiss.  Vereins  f.  Schleswig-Uulsteiu,  Ud.  XI,  1H!*6,  p.  21. 


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25 


Der  Zerfall  der  Anodenlichtsäule  in  die  bekannten  Anodenschichten 

Ö.  Phot.  3G — 45)  ist  nur  ein  specieller  Fall  der  oft  zu  beobachtenden 
ache,  dass  ausgedehntere  Lichter  leicht  in  Unterabtheilungen  zer- 
fallen (wie  es  z.  B.  Fig.  21  für  das  erste  Lichtniaximum  des  ziegelrothen 
Lichtes  zeigt;  vergl.  vor  Allem  auch  Fig.  24).  Diese  Schichtung  des 
(Geissler’schen)  Anodenlichtes  ist  nach  den  verschiedensten  Seiten  durch- 
forscht. Der  Vollständigkeit  halber  sei  durch  Phot.  36  bis  45  für  das 
Rohr  C die  Abhängigkeit  der  Stellung  dieser  Schichten  von  Druck  und 
Stromstärke  illustrirt*);  zugleich  wollte  ich  durch  den  Anblick  letzterer 
Photogramme  im  Vergleiche  mit  Phot  29,  30  und  31  den  grossen  Unter- 
schied zwischen  dem  Zerfalle  der  üesammtentlailung  in  Leuchtmassen  und 
der  Schichtung  des  Anodenlichtes  anschaulich  hervortreten  lassen. 

Beiden  Schichtenbildungen  (Leuchtmassen  und  Anodenschichten)  sind 
gemeinsam : 

Die  Abnahme  der  Ausbildungsschärfe  der  Schichten  mit 
zunehmender  Entfernung  von  der  Kathode. 

Die  Aequidistanz  der  Schichten. 

Die  Abnahme  des  Abstandes  benachbarter  Schichten  mit 
wachsender  Stromstärke. 

Dagegen  unterscheiden  sich  beide  Schichtungsarten  dadurch,  dass 
bei  höheren  Drucken  die  erste  der  alsdann  entstehenden  Leuchtraassen 
(von  der  Kathode  aus  gezälilt)  mit  wachsender  Stromstärke  sich  der 
Kathode  nähert,  während  die  erste  Anodenschicht  der  bei  niederen  Drucken 
entstehenden  Lichterscheinung  sich  mit  wachsender  Stromstärke  von  der 
Kathode  entfernt  (vergl.  Phot.  29  bis  31  mit  36  bis  40). 

In  dem  Druckbereiche,  in  welchem  beide  Schichtungserscheinungen 
zugleich  auftreten,  besitzen  die  „Leuchtraassen“  viel  grössere  (ca.  die 
10  fache)  Längenausdehnung  als  die  Anodenschichten. 

Januar  1898. 

Physikalisches  Institut 
der  K.  Technischen  Hochschule  zu  Dresden. 


*)  Es  war  hierlipi 


No.  des  Phot. 

38 

37 

3M 

;i9 

40 

41 

42 

43 

44 

46 

Druck  in  cm  Hg 
Mittl.  Strom.st. 
in  Tausentel 

0,019 

0,019 

0,019 

0,019 

0,019 

O,0027 

0,0027 

ü,0027 

0,0027 

O,0027 

Ampere 

0,n 

0,50 

I 

0,8S 

i,18 

1,42 

0,31 

0,58 

0,80 

liH 

1,51 

Bei  allen  Photogrammen  (3G  bis  4.'j)  war  die  Expositionszeit  die  gleiehe,  je  ca. 
5 Seennden. 

Da  bei  Stromvermehmng  der  Abstand  der  ersten  Anodenschicht  von  der  Kathode 
zn-,  der  Abstand  der  Schichten  unter  einander  jedoch  abninimt,  so  rückt  zwar  die  erste 
Anodenschicht  bei  Stromvemiehning  von  der  Kathode  ab,  gleichzeitig  kommen  jedoch 
ferner  stehende  Schichten  der  Kathode  näher  (vergl  in  Phot.  41  bis  4.Ö  die  Lagen- 
ändemng  der  ersten  etwa  mit  der  zehnten  Schicht,  beide  von  der  Kathode  aus  ge- 
zählt). 


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26 


Erklärung  zn  Tafel  I. 


No. 

Ver- 

Druck  in 

Abschn., 

Phot.-Pl. 

Art  der 

der  Photo- 

grösser- 

cm 

Kathode  Anode 

indem  da^ 

während 

Ent- 

grapbie 

ung 

Queok- 

1 

Phot,  be- 

der  Auf- 

laduug 

(GeRennt.  I) 

Silber 

handelt  ist 

nähme 

1 bis  5 

2 

ca.  70 

Messingsp.  Basaltpl. 

1 

mhend 

1 nahe  con- 

6 bis  9 

2 

1 

1 tinuirl. 

10 

0,70 

«•  « 

1 

(Entldg.  in 

11 

0,70 

••  n 

4 

bewegt 

1 freier  Luft 

12  bis  10 

0,70 

ca.  70 

Messingsp.  Jb-ssingsp. 

5 

mhend 

i.  Glasrohr 

17  bis  19 

0,63 

ca.  70 

MeotiDgkugel  ßasaltpl. 

H 

bewegt 

1 Verlang». 

20 

0,76 

. Scbicferpl. 

0 

mhend 

I Battofieraü. 

21 

U 

. Basaltpl 

0 

bewegt 

(ln  freier  La  fl 

22 

1 

■ 



7 

— 

Zi  bis  28 

0,188 

ca.  4 

Kupfersp.  Kupfersp. 

9 

mhend 

)nahc  eont. 

29  bis  Bl 

0,1SS 

5,3 

Alnm.-Pl.  Alum.-Pl. 

10 

^ Entl.  bei 

32  bis  35 

ca.  4 

12 

J Luftverd. 

30  bis  40 

0yl67 

0,01» 

" i ^ 

13 

40  bis  4.Ö 

0,167 

0,oo»7 

1. 

13 

" 

Alle  Photogi'amrae  geben  elektrische  Entladungen  in  Luft  wieder. 
Die  Kathode  liegt  in  allen  Photogrammen  links  (nur  in  Phot  21  unten, 
in  Phot.  22  oben).  Die  jo  zusammengehörigen  Phot.  1—  5,  6 — 8,  12 — 16, 
23—27,  29—31,  36—40,  41 — 45  zeigen  Lichterscheinungen  je  unter 
sonst  gleichen  Umständen  nur  hei  schrittweise  vermehrter  Stromstärke. 


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II.  Studien  über  den  Dresdner  Haidesand. 

Von  Oberlehrer  Dr.  H.  STessig. 


Wenn  es  heute  nicht  mehr  zweifelhaft  erscheint,  dass  die  ausgedehnten 
Ählagerungen  sandiger  Sedimente,  sowohl  im  Dresdner  Elbthalkessel,  wie 
am  Abfalle  und  auf  der  Lausitzer  Hochfläche  selbst,  den  Fluthen  der 
diluvialen  Elbe  zuzuschreiben  sind,  so  wissen  wir  doch  über  die  Herkunft 
des  klastischen  Materials,  über  die  Antheiluahme  von  eruptiven  und  von 
Schichtgesteinen  der  näheren  und  weiteren  Umgehung  noch  recht  wenig.  Im 
Allgemeinen  begnügt  man  sich  damit,  die  Beisteuer  zur  Sandbildung  den 
im  heutigen  Stromgebiet  der  Elbe  anstehenden  Felsarten  zuzuschreiben, 
obwohl  viele  dieser  Gesteine,  z.  B.  die  Lausitzer  Granite,  nach  ihrem  grusigen 
Zerfall  und  nach  Abrollung  der  discreten  Gesteinspartikel  so  wenig 
charakteristische  Bestandtheile  liefern,  dass  man  sie  aus  dem  wirren  Durch- 
einander der  Sandkörner  nicht  mehr  auf  ihr  Ursprungsgebiet  zurückführen 
kann.  Was  vom  Granite  gilt,  lässt  sich  auch  von  dem  archäischen  Grund- 
gebirge sagen,  welches  bei  der  jedenfalls  ganz  erheblichen  Erosion  der 
Wasserläufe  im  Quellgebiet  der  Elbe  angeschnitten  und  nach  der  Zer- 
störung als  von  granitischen  Zerfallproducten  nicht  unterscheidbares  Ge- 
trümmer den  Schwemmgebilden  einverleibt  worden  ist.  Es  erscheint  dem- 
nach geradezu  unmöglich,  die  im  Elbsande,  Thalsande  und  Haidesande 
vorherrschenden,  gewöhnlichen  Quarze,  das  relativ  widerstandsfähigste 
Material  dieser  Bildungen,  auf  Granit  oder  Gneiss  zurückzuführen.  Anders 
steht  es  mit  den  spärlicheren  Quarzen  von  grauer  bis  graublauer,  ja  bis- 
weilen Cordierit-ähnliclier  Färbung,  bei  denen  es  möglicherweise  gelingen 
wird,  das  Ursprungsgebiet  zu  ermitteln.  Es  dürften  die  grauen  bis  rauch- 
grauen Quarze  zumeist  aus  dem  Granitit  oder  einglimmerigen  Granit  der 
Lausitz  und  des  lliesengebirgsmassivs,  die  mehr  Cordierit-ähnlichen*)  aus 
dem  nur  in  untergeordneteren  Partieen  im  Granitit  vorkommenden,  zwei- 
glimmerigen  Granit  stammen.  So  beobachtete  Jokely**)  Cordierit- ähnliche, 
blaugraue  Quarze  im  Granit  von  Hohenwald  und  Wetzwalde  im  Isergebirge, 
und  mir  gelang  es,  solche  ganz  charakteristische  Quarze  zu  entdecken  in 
einer  Probe  von  rothliegenden  Conglomeraton,  die.  ich  aus  Schlesien,  von 
dem  am  Bober  gelegenen  Frauenberge  zwischen  Löwenberg  und  Lähn 


*)  ErlHuternngen  za  dergeologischenUebcrsichtskartc  von  Schlesien,  von  Dr.  Georg 
Güricn.  Breslau  1890,  S.  9 und  13. 

•*)  Jahrliucli  der  geologischen  Reich.sanstalt  18.o9,  S.376;  vergl  auch  Zirkel: 
Petrographie  11,  S.  7. 


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28 


erhielt.  Diese  Mineralkörner  sind  mit  Sicherheit  auf  die  Hirachherger 
Graniteinlagerung  zurückzuführen.  Im  Gegensatz  hierzu  fehlen  die  blauen 
Quarze  in  einer  Probe  des  Rothliegenden  vom  „Rothen  Berge“  zwischen 
Löwenberg  und  Ilagendorf,  da  Granit  in  der  Umgebung  nicht  auftritt. 
Noch  günstiger  wie  für  diese  grauen  und  graublauen  Quarze  scheinen  die 
Verhältnisse  für  die  in  den  Sanden  so  auffälligen,  gelblichen  und  rosen- 
rotheu  Körner  dieses  Minerals  zu  liegen.  Sie  finden  sich  nicht  nur  in  den 
recenten  Flusssanden  des  Elhstromes,  sondern  auch  in  den  diluvialen 
Thal-  und  Haidesanden,  ja  sie  bilden  einen  oft  recht  häufigen  Bestandtheil 
vieler  grobkörnigen  Quadersandsteine,  besonders  des  Brongniarti-Hori- 
zontes.*)  Massenhaft  konnte  ich  dieselben  im  verwitterten  Sandstein 
des  mittleren  Gipfels  der  Kaiserkrone,  im  Quader  oberhalb  des  Schramm- 
thores  und  an  anderen  Orten  nachweisen. 

Was  zunächst  die  Färbung  dieser  Körner  anbetrifft,  so  scheint  die 
rosenrothe  Farbe  bewirkt  zu  werden  durch  Titanoxyd-haltiges  Eisenoxyd, 
welches  die  ganze  .Mineralmasse  gleichmässig  durchtränkt,  auf  feinsten 
Haarrissen  und  Mikrospaltcn  infiltrirt  erscheint.  Daher  erklärt  es  sich 
auch,  dass  eine  Behandlung  mit  Säuren  keine  Entfärbung  zur  Folge  hatte. 
Um  nun  zu  entscheiden,  oh  etwa  ein  Gehalt  an  Bitumen  die  Färbung 
bewirkt,  wurden  rothe  Quarzkörner  im  Gebläsefeuer  geglüht,  aber  keine 
Zerstörung  der  färbenden  Substanz  erzielt,  im  Gegentheil,  die  gelblichen 
Quarze  wurden  durch  das  Glühen  zu  rosenrothen,  eine  Erscheinung,  die 
uns  erkennen  lässt,  dass  das  gelbfärbende  Pigment  Eisenoxydhydrat  ist, 
welches  durch  Wasserverlust  in  Eisenoxyd  übergeht. 

Woher  stammen  nun  diese  charakteristischen  Bestandtheile  der 
schüttigen  Sande  wie  der  cementirten  Sandsteine?  Dass  diese  Körner  in 
die  diluvialen  Sande  zumeist  erst  aus  zerstörten  Quadersandsteinen  gelangt 
sind,  ist  bei  der  weiten  Verbreitung  derselben  in  solchen  Felsarten  und  bei 
der  ausgiebigen  und  noch  heute  fortgesetzten  Erosion  dieses  cretaceischen 
Schichtcncomplexes  leicht  einzusehen,  anders  steht  es  mit  der  Frage,  von 
woher  diese  farbigen  Mineralkörner  in  die  Sandsteine  gelangt  sind.  Nimmt 
man  die  geologischen  Karten  der  Sudeten  und  des  Böhmerlandes  zur  Hand, 
überhaupt  des  Elbstromgebietes,  so  erkennt  man,  dass  die  Urgesteine, 
Gneiss-  und  (ilimmcrschiefer  zumal,  ebenso  der  Granit  grosse  zusammen- 
hängende Areale  eiunehmen,  dass  aber  die  Sedimentärforraationen  in  mehr 
oder  minder  zerschlitzten  und  isolirten  Lapiien  und  Fetzen  erscheinen. 
Dies  gilt  namentlich  von  den  Bildungen  der  oberen  Kreide,  weniger  von 
denen  der  Uenomanstufe,  besonders  aber  noch  von  dem  Rothliegenden  und 
dem  Silur.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  alle  diese  Formationen  einst 
zusammeidiängende  Gesteinsfelder  gebildet  haben,  dass  aber  eine  gewaltige 
Erosion  und  Abtragung  sie  auf  die  heute  noch  vorhandenen  Reste  reducirt 
hat.  Am  greifbarsten  ist  die  Ausnagung  der  cenomanen  Felsgebilde  im 
Gebiet  der  Ileuschouer,  wo  die  Adersbacher  und  Weckelsdorfer  Felslabyrinthe 
eine  verständliche  Sprache  reden.  Die  Formation  nun,  welche  infolge  ihrer 
beträchtlichen  Abtragung  namentlich  in  Frage  kommt,  wenn  es  sich  darum 
handelt,  für  unsere  rothen  Elbquarze  die  Heimath  zu  ermitteln,  ist  das 
Rothliegende.  Es  findet  sich  am  Nordabfalle  des  Riesen-  und  Eulengebirges 
im  Verein  mit  dem  Zechstein  in  vielen  isolirten  Fetzen  erhalten,  füllt  im 


*)  Sect.  Königstein,  S.  12;  I.sisberichte  1895,  S.  78,  und  1897,  3.27. 


' / C'iooglc 


29 


Süden  den  Innenraum  der  Waldenburger  Kohlenmulde*)  aus,  in  dessen 
Mitte  es  vom  Kreidegebirge  überdeckt  wird,  und  greift  dann  bei  Schatzlar 
über  das  Carbon  in  einem  inselartigen  Reste  über,  der  letzte  Zeuge  der 
einst  zwischen  dem  nordböhmischen  Uothliegenden  und  dem  der  ülatzer 
Mulde  vorhanden  gewesenen  Verbindung.  Hier,  wo  eine  intensive  Erosion 
den  Zusammenhang  zerstörte,  fiiesst  heute  ein  Nebenfluss  der  Elbe,  die  bei 
Josephstadt  in  die  Elbe  sich  ergiessende  Äupa,  die  unterhalb  Trautenau 
noch  Zuflüsse  aus  dem  Rothliegenden  - Rest  von  Schatzlar  und  dem  der 
Waldenburger  Carbonnmlde  empfängt.  In  Nordböhmen  bildet  das  von  der 
Aupa  und  Elbe  durchflossene  Rothliegende  eine  breite  Zone,  die  zwischen 
Iser  und  Aupa  auf  dem  krystallinischen  Schiefermantel  der  Riesengebirgs- 
Granitellipse  aufruht  Hier,  meine  ich,  hat  man  den  Ursprung  vieler  Be- 
standtheile  des  Quaders  und  der  Thal-  und  Haidesande,  vielleicht  auch  die 
Heimath  unserer  farbigen  Quarze  zu  suchen.  Die  Gesteine,  welche  daselbst 
das  Rothliegende  aufbauen,  sind  rothe  Sandsteine  und  Conglomerate, **) 
und  von  den  letzteren  wird  berichtet,  dass  sie  namentlich  aus  Quarzen 
bestehen.  Auch  das  Gebiet  des  Rothliegenden,  welches  sich  nördlich  von 
Pilsen  ausdehut  und  von  der  Berauii  durchflossen  wird,  dürfte  mit  seinen 
Zerstörungsproducten  zur  Sandbildung  des  Elbstromes  beigetragen  haben, 
zugleich  mit  den  silurischen  Kieselschiefern,  die  im  Berauner,  Rakonitzer 
und  Leitmeritzer  Kreis  von  der  Uslawa,  Rakonitza  und  Beraun  aufge- 
nommen und  in  die  Elbe  eingeschwemmt  worden  sind,  in  deren  jüngsten 
Geröllabsätzen  sie  so  häufig  erkennbar  sind.***)  Wir  haben  bisher  das 
Rothliegende  nur  für  die  Mitbildung  der  Quader-  und  Diluvialschichten  in 
Anspruch  genommen,  doch  sind  auch  von  einem  böhmischen  Geologen, 
Herrn  Prof.  Hibschf)  Gerölle  und  Geschiebe  aus  dem  Rothliegenden  im 
Tertiär  (Oligocänsande)  erkannt  und  ein  Transport  aus  dem  Osten  des 
Böbmerlandes  nach  dem  Elbgebiet  angenommen  worden. 

Selbstverständlich  haben  auch  die  vom  Ostabhange  des  Böhmerwaldes 
und  vom  mährischen  Hügelland  herabkommenden  Zuflüsse  des  Elbstromes 
sieb  an  der  Schutt-  und  Geröllabfuhr  betheiligt,  doch  kommen  dieselben  aus 
Gebieten,  wo  fast  ausschliesslich  archäische  Schichten  abgetragen,  also  keine 
charakteristischen  Gesteinstrümmer  geliefert  wurden.  Bei  der  ausseror- 
dentlichen Mächtigkeit  der  noch  vorhandenen  Kreideformation  muss  auf 
eine  ganz  gewaltige  Abtragung  in  den  archäischen  Gebieten  sowohl,  wie  im 
Bereich  der  paläozoischen  Formationen  geschlossen  werden,  die  in  der  meso- 
zoischen Zeit  fortgesetzt,  in  der  Zeit  des  Diluviums  ihr  Maximum  erreichte 
und  die  z.  B.  in  der  heutigen  sächsischen  Schweiz  fast  den  ganzen  Ueber- 
quader  abtrug,  der  sicher  einst  in  grösserer  Ausdehnung  den  Oberquader  be- 
deckte. In  der  Richtung  der  Elbthalspalte  wurde  die  Erosion  weiter  ge- 
führt, bis  bei  Niedergrund  die  Grundschwelle  des  Lausitzer  Granites  erreicht 
und  das  cafionartige  Elbthal  fertiggestellt  wurde.  Leider  ist  es  mir  bisher 
noch  nicht  gelungen,  geeignete  Proben  des  Rothliegenden  vom  Südfusse 
des  Sudetenzuges  zu  erhalten,  um  die  Frage  nach  der  Herkunft  der  rosen- 
rothen  Quarze  endgültig  zu  entscheiden,  immerhin  aber  hat  die  Prüfung  der 
schon  erwähnten  Proben  des  Rothliegenden,  wie  es  in  der  Umgebung  von 

*)  G.  Gürich,  a.  a.  (),  S.  90  ; Creilner:  Geologie,  8.  Anfl.,  1897,  S.  510, 

•*)  G.  G ürich,  a.  a.  0.  S.  91. 

*•*)  F.  Zirkel:  Petrographie  III,  S.  545. 

f)  .1.  K.  Hibach:  Geologische  Karte  des  bShmisiheii  Miltelgebirge.s,  Blall  I 
(Tetachen),  8.27;  Blatt  III  (Bensen),  8.  9,  10. 


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Löwenl)erg  entwickelt  ist,  die  Abstammung  der  fraglichen  Mineralkörner 
aus  dieser  Formation  höchst  wahrscheinlich  gemacht.  Vor  einer  Täuschung 
hat  man  sich  bei  diesen  Untersuchungen  zu  hüten.  Die  feinkörnigen  Trümmer- 
gesteine, wie  sie  auch  in  unserem  Döhlener  Becken  Vorkommen  und  im 
Profil  des  Windbergesund  des  Backofenfelsens  aufgeschlossen  sind,  enthalten 
gleichfalls  zahlreiche  durch  eisenschüssigen  Detritus  pigmentirte  Quarze, 
doch  hier  durchdringt  das  färbende  Eisenoxyd  meist  nicht  das  Mineral- 
korn, sondern  überzieht  es  nur  als  abwaschbare  oder  durch  Säure  ent- 
fernbare Haut. 

Die  Betheiligung  der  rothen  und  gelben  Quarze  an  der  Zusammen- 
setzung der  diluvialen  und  recenten  Sande  des  Elbthales  ist  meist  eine 
solche,  dass  von  einem  Einflüsse  auf  die  allgemeine  Färbung  dieser 
schüttigen  Sedimente  nicht  wohl  geredet  werden  kann.  Der  Farbenton 
wird  vornehmlich  bestimmt  durch  die  überwiegenden  grauen  und  weissen 
Quarze  und  die  anderen  Gesteinspartikel,  unter  denen  die  gerundeten 
Grusbrocken  des  Lausitzer  Granites  bisweilen  eine  hervorragende  Rolle 
spielen,  ln  der  Hauptsache  wird  die  Färbung  durch  einen  mehr  oder 
minder  starken  Gehalt  von  Eisenoxydhydrat  bedingt,  der  den  Sanden  eine 
gelbliche  Farbe  verleiht.  Neben  diesem  vorherrschenden  Farbenton  sind 
es  besonders  noch  zwei  Färbungen,  die  unser  Interesse  erregen,  einmal 
die  intensiv  dunkelrothbraune  Pigmeutirung,  wie  sie  im  Bereich  des 
Eisenborngrundes  und  in  der  Sandstufe  südlicb  vom  Wolfshügel  entwickelt 
ist,  und  eine  fast  schneeweisse,  an  Oligocänsande  erinnernde  Beschaffenheit. 
Die  chemische  Prüfung  der  rothbraunen  Sande  ergab,  dass  die  als  Pigmeut- 
haut  die  Sandkörner  überziehende  Schicht  vorzugsweise  aus  Eisenoxyd 
und  etwas  Manganoxyd  besteht.  Woher  rührt  aber  der  starke  Eisengehalt 
dieser  Sedimente?  Nun  der  Name  Eisenborubach  verräth  uns  schon,  dass 
er  seinen  Ursprung  an  einem  Orte  hat,  wo  eisenhaltiges  AVasser  dem  Boden 
entquillt,  und  damit  sind  wir  zugleich  in  ein  Gebiet  unseres  Haideplateaus 
verwiesen,  in  dem  mir  die  Lösung  der  interessanten  Frage  nach  der  Her- 
kunft des  Eisenpigmentes  in  schöner  Weise  gelungen  ist. 

Wie  bekannt,  enthält  unsere  Haide  zwischen  dem  der  Elbe  zuge- 
wandten Steilrande  und  dem  erst  in  Lausitzer  Richtung  eingeschuittenen, 
dann  in  die  zwischen  dem  Meissner  und  Lausitzer  Massiv  vorhandene  Ver- 
werfungskluft einleiikenden  Priessnitzbache  ein  zerlapptes  Sumpfgebiet. 
Das  granitische  Grundgebirge  weist  vielfach  Senkungen  und  flach  mulden- 
förmige Vertiefungen  auf,  die  meist  miteinander  communiciren.  Vereinzelt 
heben  sich  Rücken  und  Buckel  des  Grundgebirges  aus  dem  flachen  Sumpf- 
lande heraus,  so  <lass  es  dadurch  seinen  zerlappten  Charakter  gewinnt. 
In  früheren  Zeiten  jedenfalls  fast  abflusslos,  wird  es  jetzt  durch  eine  Anzahl 
kleiner  Rinnsale,  welche  die  granitische  Randschwelle  durchsägt  haben, 
nach  der  Elbe  zu  durch  das  verlorene  Wasser,  den  Eisenbornbach,  den 
Gutebornliach,  den  Mordgrund-  und  den  Loschwitzbach  entwässert.  Auch 
nordwärts,  nach  der  Priessnitz  zu  findet  eine  theilweise  Entwässerung 
statt.  Wenn  nun  durcli  die  muldenförmigen  Depressionen  des  Granites 
die  Gelegenheit  zur  Bildung  von  Moorgebieten  gegeben  war,  so  wurde  sie 
factisch  bewirkt  durch  die  Verwitterung  dieses  Gesteines,  dessen  Zer- 
setzungsrückstände bekanntlich  Wasser  undurchlässige  Thone  sind.  Dieser 
mechanisch-chemische  Umwandlungsprocess  Hess  aber  auch  Minerallösungen 
entstehen,  die  thcils  durch  die  natürlichen  Abzugskanäle  fortgeführt,  theils 
im  Sumpfgebiet  zurückgehalten  wurden  und  dort  Mineralstofie  zur  Aus- 


31 


Scheidung  brachten.  Ein  solcher  Bestandtheil  ist  das  Eisen.  Vergleicht 
man  chemische  Analysen  von  Graniten  im  frischen  und  im  angewitterten, 
schliesslich  im  verwitterten  Zustande,  so  erkennt  man  sofort  eine  relative 
Anreicherung  der  Kieselsäure,  der  Thonerde  und  des  Eisens,  während  der 
Alkaliengehalt  schnell  abnimmt.  Zum  Vergleich  dienen  drei  Analysen  des 
Granites  vom  Hauzenberg  bei  Passau.*) 


I. 

II. 

III. 

Si  0,  . . . 

Frisch: 

Verwittert: 

Gefüge  gelockert 

. 73,13 

73,71 

73,78 

A1,U,  . . 

. 10,50 

10,78 

11,61 

Fbj  Oj  . . 

. 3,16 

3,18 

3,76 

Mg  0 . . . 

. 1,12 

0,82 

0,99 

K,0  . . . 

. 9,04 

8,51 

7,07 

Na-  0 . . . 

. 1,80 

0,92 

0,33 

H,U  . . . 

. 0,46 

0,92 

1,76. 

Diese  Zunahme  namentlich  des  Eisenoiydgehaltes  unter  gleichzeitiger 
Abnahme  des  Gehaltes  von  Eisenoxydul  wurde  neuerdings  von  der  geo- 
logischen Landesuntersuchung  des  Grossherzogthums  Hessen  am  Granit 
von  Weinheim**)  beobachtet.  In  unserer  Haide,  wo  in  den  Depressionen  die 
Verwitterung  des  Granites  grosse  Fortschritte  gemacht  und  thonige  Lagen 
im  Grunde  geschaffen  hat,  sind  nun  die  Bedingungen  für  die  Abfuhr  der 
durch  die  Granitverwitterung  geschaffenen  Rückstände  verschieden.  Stellen- 
weise wird  nach  der  Vergrusung,  d.  h.  nach  dem  schüttigen  Zerfall  der 
Felsart,  das  zersetzte  Gestein  schnell  seiner  leicht  abschlämmbaren  Be- 
standtheile,  wie  der  Glimmerblättchen  beraubt,  es  verliert  beim  Abrollen 
der  Grusbrocken  in  den  Rinnsalen  alsbald  die  braune,  auf  hohen  Eisen- 
gehalt deutende  Färbung,  und  die  in  kürzester  Frist  abgerollten  Körner 
erscheinen  dann  als  Bestandtheile  des  Sandes  in  den  Bächen.  Ein  Ort, 
wo  man  dies  auf  einer  Strecke  von  wenigen  Metern  beobachten  kann,  ist 
der. Wassergraben  zur  Rechten  der  Strasse,  die  von  der  Haidemühle  auf- 
wärts nach  der  Hofewiese  führt.  Nicht  immer  aber  gelangen  die  Ver- 
witterungsproducte  gleich  in  schnellfliessende  Gewässer.  In  den  Sumpf- 
regionen schwängern  sich  die  stagnirenden  Wasser  mehr  und  mehr  mit 
Mineralsolutionen  und  es  kommt  alsbald  zum  Absatz  dieser  Producte, 
namentlich  der  Eisenverbindungen  gewöhnlich  direct  auf  dem  in  der  Zer- 
setzung begriffenen  Granitgesteiue,  dessen  Feldspath,  mehr  noch  dessen 
Glimmer  das  Eisen  geliefert  haben.  So  kommt  es  zur  Bildung  von  Braun- 
eisen, und  wo  organische  Säuren  mitwirken,  zur  Bildung  von  Raseneisen- 
stein,***) während  das  in  Lösung  bleibende  und  vom  fliessenden  Wasser 
Weggefährte  Eisen  sich  entweder  in  den  von  den  Abflussrinnen  durch- 
schnittenen Sandschichten  ahsetzt  und  dieselben  dann  roth  färbt  oder  durch 
die  Lebeusthätigkeit  von  Mikroorganismen  allmählich  ausgeschieden  wird. 

Es  ist  mir  gelungen,  in  der  Umgebung  des  Flügel  C,  zwischen 
Schneise  16  und  14,  wo  man  in  diesem  Frühjahr  gerodet  und  neue  Culturen 
angelegt  hat,  die  Verwitterung  des  Granites,  der  hier  übrigens  von  einem 
schönen  Schriftgranitgang  durchsetzt  zu  werden  scheint,  die  Eisenab- 


•)  Zirkel;  Petrographie  II,  S 31. 

**)  Urläntemngen  zur  geol.  Karte  des  Grossherzogthums  Hessen,  IV.  Lieferung: 
Blätter  Zwingenherg  und  Bensheim,  S.  42. 

**•)  Vergl.  Section  Pillnitz,  S.  56. 


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Scheidung  in  Form  von  Brauneisen  und  Raseneisen  nachzuweisen.  Wir 
sehen  hier  den  übrigens  nicht  aufgeschlossenen,  sondern  nur  in  Form  von 
zahlreichen  Fragmenten  im  Moorboden  eingebetteten  Granit  mit  einer 
eisenschüssigen  Verwitterungskruste  auftreten,  die  sich  bei  fortschreitender 
Zersetzung  verdickt  und  auf  welcher  alsbald  kleine  Inkrustate  von  Braun- 
eisen sich  zeigen,  bis  endlich  hei  dem  schaligen  und  schüttigen  Zerfall  des 
alterirten  Gesteines  das  Eisenerz  die  restirenden  Granitkenie  und  den 
sandigen  Schutt  verkittet  und  in  mehr  oder  minder  dicken,  schwammigen 
Lagen  im  Boden  zur  Ausscheidung  gelangt.  Was  hier  von  dem  Eisen- 
gehalt in  das  Bereich  der  Abflussrinnen  gelangt,  erscheint  alsbald  als 
schmierig  rostbrauner  Belag  auf  dem  Boden  der  leise  sickernden  und  träge 
rinnenden  Wasseradern.  Die  chemische  Untersuchung  der  Brauneisenerze 
ergab  neben  dem  Eisenoxyd  nur  einen  schwachen  Gehalt  von  Manganoxyd, 
ein  Umstand,  der  seine  Erklärung  darin  findet,  dass  die  Granite  über- 
haupt entweder  gar  kein  Mangan  oder  nur  Spuren  desselben  enthalten. 
Bekannt  ist  ein  Mangangehalt  eigentlich  nur  von  britischen  Graniten. 
Auffällig  bleibt  nun  noch,  dass  gerade  in  diesem  Sumpfgebiet,  wo  die 
färbenden  Eisensolutionen  Alles  durchdringen,  ganz  schneeweisse  Haide- 
sande  verkommen,  und  zwar  entweder  auf  breiten,  höher  liegenden  Moor- 
rücken oberflächlich  oder  in  den  Ahflussrinnen  schnellfliessender  Ge- 
wässer. Hier  ist  es  das  schnell  zu  Thal  rinnende  Wasser,  auf  höher  ge- 
legenen Moorrücken  das  aufschlagende  Regenwasser,  welches  den  Eisen- 
schuss rasch  auswäscht  und  Quarze  und  Granitkörner  ohne  Brauneisen- 
steinhaut zurücklässt. 

Interessant  ist  hier  ein  Vergleich  mit  der  rasch  fliessenden  Priessnitz. 
Zum  Zwecke  der  Wasserversorgung  der  Militäranstalten  der  Albertstadt 
hat  man  vor  Kurzem  drei  Bohrlöcher  unten  im  Grunde  zwischen  der 
„Neuen  Brücke“  und  der  „Kücheubrücke“  geschlagen,  aber  in  den  durch- 
teuften Sandeu  keine  oder  nur  unbedeutende  Spuren  von  Eisenschuss 
beobachtet.  Die  Bohrlöcher  stehen  bei  26,50  m Tiefe  im  kiesigen  Haide- 
sande, der  neben  zahlreichen  rosenrothen  und  gelben  Quarzen  in  den  Kies- 
lagen auffällig  viel  Geschiebe  von  böhmischen  Basalten  aufwies,  zum 
Zeugniss  dafür,  dass  auch  hier  die  diluvialen  Gewässer  böhmisches  Ge- 
schiebeinaterial  zum  Absatz  brachten. 


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III.  Ueber  die  Bedeutung  der  Milch  als  Nahrungsmittel. 

Von  Dr.  med.  Arthur  Sohlossmaim. 


Unter  Milch  versteht  man  ein  Secret  des  thierischen  Körpers,  das 
von  gewissen  Thierarten,  nämlich  den  Säugethieren,  und  zwar  im  Allgemeinen 
nur  von  den  weiblichen  Individuen  dieser  Klasse  und  auch  nur  in  gewissen 
Entwickelungsphasen  ausgeschieden  wird.  Das  Organ,  dem  die  Secretion 
der  Milch  zukoromt,  sind  bekanntlich  die  Brustdrüsen,  die  im  Anschluss 
an  die  der  Befruchtung  folgenden  Vorgänge  während  der  Schwanger- 
schaft resp.  Trächtigkeit  sich  successive  entwickeln  und  so  in  der  Lage 
sind,  nach  der  Geburt  dem  jungen  Individuum,  das  bisher  direct  alles 
zu  seinem  Aufbau  Nöthige  von  der  Mutter  bezogen  hatte,  wenigstens  in- 
direct  noch  eine  gewisse  Zeit  in  ähnlicher  Weise  als  Nahrungsquelle  zu 
dienen.  Die  Ernährung  des  eigenen  Jungen,  das  ist  also  die  Aufgabe  der 
Milch  eines  jeden  Individuums  und  dieser  seiner  Aufgabe  vermag  die 
Milch  einer  jeden  Thierart  auch  vollständig  gerecht  zu  werden,  denn  die  , 
Milch  jeder  Thierart  enthält  alles  das,  was  das  betreffende  Junge  zum 
Aufbau  seines  Körpers  sowie  zum  Unterhalt  seiner  vitalen  Functionen 
wenigstens  für  eine  gewisse  Zeit  seines  Lebens  bedarf.  Hierüber  lässt  ja 
schon  die  tägliche  rirfahrung  gar  keinen  Zweifel  aufkommen,  die  uns 
immer  von  Neuem  zeigt,  wie  durch  die  Milch  des  mütterlichen  Organismus 
das  junge  Säugethier  und  allen  voran  der  junge  Mensch  in  seiner  Ent- 
wickelung gefördert  wird.  Da  somit  die  Milch  jeder  Säugetliierart  für 
kürzere  oder  längere  Zeit  Individuen  derselben  Klasse  als  einzige  Nahrung 
dient  und  auch  genügt,  so  müssen  wir  die  Milch  als  ein  Nahrungsmittel 
im  allerweitesten  Sinne  dieses  Wortes  auffassen.  Ja,  kein  anderes  Nahrungs- 
mittel kann  sich  der  Milch  in  dieser  Beziehung  an  die  Seite  stellen,  da 
keins  im  Stande  ist,  für  sich  allein  genossen  dauernd  dem  Menschen  in 
irgend  einer  Phase  seines  Lebens  alles  das  zuzuführen,  was  er  zur  Ver- 
richtung der  ihm  obliegenden  Lebensthätigkeiten  bedarf.  Ist  die  Milch 
ein  vollständiges  Nahrungsmittel,  das  den  Anforderungen  des  Säuglings 
als  einzige  Nahrung  ganz  genügt,  so  muss  sie  auch  alles  enthalten,  was 
zur  Unterhaltung  des  thierischen  Lebens  erfahrungsgemäss  unbedingt 
nöthig  ist,  uämlich  Wasser,  Eiweiss,  Fett,  Kohlehydrate  und  anorganische 
Salze,  denn  aus  diesen  Bestandtheilen  setzt  sich  ja  bekanntlich  der  thierische 
Körper  zusammen,  und  da  fortgesetzt  einzelne  Theile  dieser  Substanzen 
zu  Grunde  gehen  und  ausgeschieden  werden,  so  muss  eben  für  ihren 
Ersatz  Sorge  getragen  werden.  Dieser  fundamentalen  Anforderung  wird 
also  die  \Ulch  in  vollem  Maasse  gerecht,  indem  sie  alle  diese  Bcstand- 


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34 


theile  enthält.  Ich  füge  liier  gleich  ein,  dass  das  quantitative  Verhältniss, 
in  dein  die  verschiedenen  llestandtlieile  der  Milch  zu  einander  stehen,  ein 
sehr  verschiedenes  ist,  je  nachdem  von  welchem  Säugethiere  die  Milch 
stammt;  ja,  auch  bei  ein  und  derselben  Thierart  ist  ganz  abgesehen  von 
individuellen  oder  durch  die  Ernährung  bedingten  Verschiedenheiten  die 
Zusammensetzung  quantitativ  keine  ganz  gleichmässige,  sondern  je  nach 
der  seit  der  Geburt  des  Jungen  verflossenen  Zeit  in  gewissen  Grenzen 
differirend.  Auf  die  Bedeutung  dieser  Thatsachen  komme  ich  nochmals 
zurück. 

Die  Milch  aller  Thierarten  ist  eine  weissliche  bis  weisslich- gelbe 
Flüssigkeit,  die  zum  grössten  Tbeile  aus  Wasser  besteht  und  die  übrigen 
Bestandtheile  theils  gelöst,  theils  in  suspendirtem  Zustande  enthält.  Be- 
trachten wir  zunächst  den  Wassergehalt,  so  ist  derselbe  bei  den  ver- 
schiedenen Thierarteii  ganz  besonderen  Schwankungen  unterworfen  und 
übt  natürlich  auf  Farbe  und  Coiisistenz  der  Milch  einen  ganz  hervor- 
ragenden Einfluss  aus.  So  enthält  z.  B.  die  Milch  des  Delphins  nur  etwa 
48  ®/p  Wasser,  während  bei  den  uns  vorwiegend  interessirenden  Miloharten, 
nämuch  der  Kuhmilch  und  etwa  noch  der  Frauenmilch,  auch  vielleicht 
noch  der  Ziegen-  und  Eselsmilch  der  Wassergehalt  ein  bedeutend  höherer 
ist  und  zwischen  86  und  90  “ „ schwankt  (siehe  auch  Tabelle  auf  Seite  38). 

In  dem  das  Constituens  der  Milch  bildenden  Wasser  gelöst  finden 
sich  die  Kohlehydrate,  die  anorganischen  Salze  und  ein  Theil  der  stick- 
stoffhaltigen Substanzen.  Von  Kohlehydraten  findet  sich  in  der  Milch 
aller  uns  interessirenden  Thierarten  ein  und  dasselbe  und  zwar  nur  dieses 
eine,  nämlich  der  Milchzucker.  Der  Milchzucker  gehört  zu  der  Klasse  der 
Disaccharide  und  es  ist  eine  jedenfalls  auffällige  und  bis  jetzt  noch  nicht 
genügend  erklärte  Thatsache,  warum  die  Milch  gerade  ausschliesslich  einen 
, ilepräsentanten  dieser  Zuckerart  enthält  an  Stelle  der  sonst  im  Thierkörper 
verbreiteteren  Monosaccharide.  Diese  Thatsache  wird  um  so  auffallender, 
wenn  wir  berücksichtigen,  dass  der  Milchzucker  im  Organismus  des  jungen 
Individuums  erst  wieder  in  Monosaccharide  gespalten  wird,  ehe  er  zur  Ver- 
brennung gelangt.  Es  zerfällt  der  Milchzucker  dabei  in  seine  beiden 
Componenten,  in  Galactose  und  De.xtrose.  Somit  findet  in  der  Milchdrüse 
zunächst  eine  Synthese  statt;  denn  unzweifelhaft  wird  der  Milchzueker 
daselbst  aus  den  He.\osen  des  Blutes  aufgebaut,  und  dieses  synthetische 
l’roduct  wird  im  jugendlichen  Organismus  sofort  wieder  gespalten.  Man 
könnte  nun  daran  denken,  dass  die  Bindung  der  beiden  Uexosen  als  ein 
Vorgang  aufzufassen  sei,  der  dazu  dient,  dem  jugendlichen  Organismus  Spann- 
kräfte zuzuführen  derart,  dass  durch  die  Spaltung  des  Milchzuckers  mehr 
tVärmequellen  zugeführt  würden,  als  wie  wenn  einfach  die  beiden  Uexosen 
direct  consumirt  würden.  Diese  von  mir  ursprünglich  gehegte  Anschauung 
ist  jedoch  eine  irrige,  denn  wie  mir  Herr  l’rofessor  Ostwald,  au  den  ich 
mich  als  die  auf  diesem  Gebiete  hervorragendste  Capacität  wandte,  freund- 
lichst  mittheilte,  beträgt  die  Verbrennungswärme  der  Galactose  6586  Calorien, 
die  der  Dextrose  6646  Calorien,  in  Summa  also  13  232  Calorien,  die  des 
Milchzuckers  13  259  Calorien  (alles  auf  ein  Gramm  Molekulargewicht  be- 
rechnet). Es  wird  somit  also  beim  Zerfall  des  .Milchzuckers  eine  geringe 
Wärmemenge  gebunden,  da  diese  aber  nur  2 pro  Mille  von  der  gesammten 
Verbrennungswärme  bidrägt,  so  kommt  sie  praktisch  nicht  in  Betracht. 
Dahingegen  weist  mich  l’rofessor  Ostwald  auf  ein  anderes  Moment  hin,  das 
in  der  That  sehr  beachtenswerth  ist  und  uns  den  Schlüssel  für  die  bc- 


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35 


sprochene  Erscheinung  an  die  Hand  geben  dürfte.  Es  liegt  ja  die  Noth- 
wendigkeit  vor,  dass  der  mütterliche  Organismus  den  Milchzucker  aus  dem 
Blute  aufspeichern  muss,  da  ja  die  Zellen  der  Brustdrüse  und  das  diese 
umspülende  Serum  während  der  Ruhezeiten,  während  der  Zeiten  also,  in 
welchen  Anforderungen  an  die  Drüse  nicht  gestellt  werden,  dafür  besorgt 
sein  müssen,  alle  die  Stoffe,  die  bei  der  Milchausscheidung  von  Nöthen  sind, 
in  grösserer  Menge  in  Vorrath  bereit  zu  stellen.  Der  Organismus  des  Kindes 
hat  umgekehrt  die  Aufgabe,  den  Milchzucker  der  Verdauung  zugänglich 
zu  machen.  Da  nun  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  Milchzucker  schwerer 
dissociirt  als  seine  Bestandtheile,  so  ist  seine  Bildung  in  der  Milchzelle 
ein  ebenso  nützlicher  Vorgang  als  seine  Spaltung  im  Darme  des  Kindes. 
Was  die  Menge  an  Milchzucker  anbetriff't,  die  in  den  verschiedenen  Milch- 
arten enthalten  ist,  so  steht  die  Frauenmilch  obenan  mit  einem  Gehalt 
von  6,  ja  sogar  häufig  noch  höherem  bis  zu  7 ®/„  reichendem  Gehalt, 
während  die  Kuhmilch  nur  3,5—4  "L  aufzuweisen  hat;  Ziege  und  Esel 
stehen  in  dieser  Beziehung  zwischen  Kuh  und  Mensch.  An  anorganischen 
Bestandtheilen  übortrifft  die  Kuhmilch  ganz  bedeutend  die  der  anderen 
Hausthiere  sowie  des  Menschen;  ihr  nahe  steht  die  Ziege,  es  folgen  Esel 
und  Mensch.  Der  Gehalt  an  Salzen  beeinflusst  im  Speciellen  ebenso  wie 
die  Gesammtzusammensetzung  der  Milch  überhaupt  die  Entwickelung  des 
jungen  Individuums  und  so  konnte  erst  vor  Kurzem  Pröscher*)  in  Bunge's 
Laboratorium  zeigen,  wie  der  Aschengehalt  und  die  Gewichtszunahme 
in  einem  ganz  eclatanten  Verhältniss  zu  einander  stehen.  Dabei  ergiebt 
sich  Folgendes:  Es  verdoppelt  sein  Gewicht  von  der  Geburt  ab 

der  Mensch  in  180  Tagen,  Asche  der  menschlichen  Milch  2,2 
das  Pferd  „ 60  „ Aschengehalt  der  Milch  . . 4,1 

das  Rind  „ 41  „ „ „ „ . . 8,o 

der  Hund  „ 8 „ „ „ „ . . 13,1  pro  Mille. 

In  ähnlicher  Weise  habe  ich**)  bereits  vor  geraumer  Zeit  auf  den 
Zusammenhang  zwischen  der  Zusammensetzung  der  Milch  und  der  Ent- 
wickelung der  verschiedenen  Thierarten  hinweisen  können. 

Gelöst  finden  sich  endlich  in  der  Milch  gewisse  stickstoffhaltige  Be- 
standtheile der  Milch,  so  in  erster  Linie  die  sogenannten  Extractivstoffe, 
die  wohl  in  keiner  Milch  fehlen  und  die  direct  aus  dem  Blute  stammen. 
Erwähnenswerth,  weniger  durch  die  Wichtigkeit,  die  sie  für  den  Werth 
der  Milch  besitzen,  als  durch  die  Regelmässigkeit  ihres  Vorkommens,  sind 
Harnstoff,  Kreatin  und  Kreatinin.  Ungleich  bedeutungsvoller  sind  die- 
jenigen stickstoffhaltigen  Substanzen,  die  in  der  Milch  gelöst  enthalten 
sind  und  sich  unbedingt  nur  zu  den  Eiweisskörpern  rechnen  lassen.  Es 
enthält  nämlich  die  Milch  aller  Thiere,  soweit  man  bisher  dieselbe  darauf- 
hin untersucht  hat,  ebenso  wie  die  der  Frau  ausser  dem  Hauptmilch- 
eiweisskörper, dem  Casein,  noch  andere  Eiweissköq)er,  die  sich  gerade  in 
Bezug  auf  die  Art  und  Weise,  wie  sie  in  der  Milch  enthalten  sind,  von 
diesem  unterscheiden.  Das  Casein  nämlich  ist  nicht  eigentlich  in  der 
Milch  gelöst,  es  ist  vielmehr  in  derselben  in  einem  Zustande  enthalten, 
den  man  als  den  der  colloidalen  Quellung  bezeichnen  kann.  Gerade  in 
neuester  Zeit  haben  ja  derartige  colloidale  Körper  das  Interesse  der 


*)  Zeitsebr.  für  physiol.  Chemie,  Bd.  XXIV. 

•*)  Zeitsebr.  für  physiol.  Chemie,  Bd.  XXII. 


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Chemiker  in  hohem  Grade  erregt  und  ich  brauche  nur  an  die  Mittheilungen 
der  Herren  Professor  von  Meyer  und  l)r.  Lottermoser  in  dieser  Gesell- 
schaft über  das  von  ihnen  dargestellte  colloidale  Silber  und  Quecksilber 
zu  erinnern.  Nun,  ganz  ähnlich  scheint  die  Sache  sich  bei  dem  Casein 
zu  verhalten,  auch  dieses  findet  sich  in  einem  colloidaleu  Zustande  in  der 
Milch.  Neben  dem  Casein  enthält  nun  die  Milch  noch  andere  Eiwoiss- 
körper,  die  im  Gegensatz  hierzu  wirklich  gelöst  sind.  Es  sind  dies 
Globulin  und  vor  Allem  ein  Albumin,  also  ein  Körper,  der  dem  Serum- 
albumin des  Blutes  und  dem  Ovalbumin  des  Hühnereies  sehr  nahe  steht 
und  mit  diesen  die  Eigenschaft  gemein  hat,  bei  höheren  Temperaturen 
zu  coaguliren,  andererseits  aber  sehr  leicht  resorbirbar  zu  sein.  In 
Bezug  auf  das  Verhältniss,  in  dem  Casein  zu  dem  gelüsten  Eiweiss  steht, 
finden  sich  nun  ganz  eclatante  Unterschiede  zwischen  den  verschiedenen 
Milcharten.  Wenn  auch  so  manches  in  dieser  Beziehung  noch  strittig 
ist,  so  lassen  sich  doch  zwei  Thatsachen  als  fest  erwiesen  annehmen, 
erstlich  einmal,  dass  die  Milch  aller  Thierarten  unmittelbar  nach  der 
Gebm’t  des  Jungen  wesentlich  mehr  an  gelöstem  Eiweiss  im  Verhältniss 
zum  Gesammteiweiss  enthält,  als  in  späteren  Stillperioden.  Das  geht  so 
weit,  dass  die  Milch  der  ersten  Tage  oder  Wochen  so  viel  gelöstes  Eiweiss 
und  zwar  im  Speciellen  gerade  Lactalbumin  enthält,  dass  dieses  seine 
Eigenschaft,  bei  Erliitzung  zu  gerinnen,  auf  die  gesammte  Milch  überträgt. 
Wenn  Sie  also  eine  solche  .Milch  sieden,  so  gerinnt  dieselbe  in  feinen 
Klocken.  Man  benennt  eine  solche  Milch,  die  sich  auch  anderweit  in 
Bezug  auf  ihre  Zusammensetzung  noch  wesentlich  von  der  der  späteren 
Milchporiode  unterscheidet,  Colostrum.  Die.ser  colostr.ale  Zustand  der  Milch 
hält  bei  den  verachiedenon  Thierarten  verschieden  lange  an,  im  Allgemeinen 
etwa  10  Tage  in  maxiino.  Es  nimmt  alsdann  der  Gehalt  an  Lactalbumin 
ganz  wesentlich  ab.  Als  zweite  Thatsachc  in  dieser  Beziehung  müssen 
wir  aber  daran  festhalten,  dass  keine  andere  Milchart  relativ  im  Verhältniss 
zum  Gesammteiweiss  soviel  Albumin  dauernd  enthält  als  die  Frauenmilch. 
Hierin  ist  einer  der  Hauptunterschiede  zwischen  Frauen-  und  Kuhmilch 
begründet,  hierin  liegt  aber  auch  die  Ursache  zu  der  ebenso  bedauerlichen 
als  bisher  durch  nichts  aus  der  Welt  zu  schaffenden  Thatsache,  dass 
S.äuglinge  die  Kuhmilch  um  so  viel  schlechter  vertragen  als  die  Mutter- 
milch. Der  Grund  für  diese  Thatsachen  wird  uns  leicht  verständlich, 
wenn  wir  uns  vergegenwärtigen,  welche  Schicksale  denn  die  Eiweisskörper 
der  Milch  bei  ihrer  Verdauung  im  thierischen  Organismus  erleiden.  Wenn 
die  Milch  in  den  Magen  kommt,  so  gelangt  dieselbe  nämlich  zur  Gerinnung. 
Diese  Gerinnung  beruht  dar.auf,  dass  das  Casein  ausgefällt  wird  und  zwar 
kommt  diese  Ausfällung  durch  zwei  Momente  zu  Stande,  einmal  nämlich 
durch  die  saure  Keaction  des  Magensaftes,  die  in  erster  Linie  durch  den 
Gehalt  an  Salzsäure  desselben  bedingt  ist,  und  zweitens  durch  die  Gegen- 
wart eines  durch  die  Magendrüsen  abgeschiedenen  Fermentes,  des  Lab- 
fermentes,  dem  eben  die  merkwürdige  Eigenschaft  zukommt,  die  Gerinnung 
des  Caseins  herbeizuführen.  Wenn  Sie  den  Labmagen  eines  Kalbes  mit 
Glycerin  ausziehen  und  sich  auf  diese  Weise  eine  Lablösung  beschaffen, 
oder  wenn  Sie  ein  getrocknetes  Stück  Kalbsniagen  in  eine  beliebig  grosse 
Monge  Milch,  in  .5 — 10  Liter  werfen  und  die  -Milch  etwa  eine  halbe  Stunde 
auf  Körpertemperatur  — 37  Grad  Celsius  — erwärmen,  so  gerinnt  die  ge- 
sammte Milch  zu  einem  dicken  Kuchen,  über  dem  eine  durchsichtige 
Flüssigkeitsschicht,  das  Milchseium,  steht,  das  aus  dem  Wasser,  den  Kohle- 


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hydraten,  den  Salzen  sowie  dem  gelüsten  Eiweiss  besteht,  während  das 
ganze  Casein  ausgefällt  ist  und  eben  den  vorerwähnten  Kuchen  bildet. 
Aehnlich  wohl,  aber  nicht  gerade  analog,  ist  das  Schicksal  der  Milch  im 
Magen  des  lebenden  Thieres,  nur  kommt  es  hier  nicht  zur  Bildung  eines 
zusammenhängenden  Coagulums,  vielmehr  bewirkt  die  motorische  Kraft 
des  Magens,  dass  der  Inhalt  desselben  bei  der  V’erdauung  fortgesetzt  be- 
wegt wird,  es  bilden  sich  dabei  also  statt  eines  zusammenhängenden 
Gerinnsels  zahlreiche  kleine.  Die  Grösse  und  die  Festigkeit  dieser  Ge- 
rinnsel ist  nun  einerseits  eine  recht  verschiedene  je  nach  der  Milchart, 
denn  offenbar  ist  das  Casein  der  verschiedenen  Milcharten  nicht  ein  und 
derselbe  Körper,  sondern  es  sind  chemisch  verschiedene,  wenn  auch  zu 
einer  grossen  Familie  gehörige  Körper.  Die  verschiedenen  Caseinarten 
haben  aber  die  Eigenschaft,  verschieden  zu  gerinnen,  und  zwar  gerinnt 
am  feindockigstcn  das  Casein  der  Frauenmilch,  während  das  der  Kuh- 
milch im  Gegensatz  hierzu  sehr  compacte,  zähe  Gerinnsel  bildet.  Aber 
noch  durch  andere  Umstände  wird  die  Gerinnungsart  des  Caseins  beeinflusst. 
So  bängt  dieselbe  wesentlich  von  dem  Fettgehalt  der  Milch  mit  ab,  indem 
die  Coagula  um  so  feinflockiger,  um  so  zarter  werden,  je  mehr  Fett  in 
der  Milch  enthalten  ist.  Der  weit  verbreitete  Glaube,  dass  eine  magere 
Milch  leichter  zu  verdauen  ist  als  eine  fette,  ist  daher  in  dieser  Allgemein- 
heit gefasst  als  Irrthum  zu  bezeichnen.  Weiter  hängt  die  Gerinnungsart 
des  Caseins  von  der  procentualcn  Menge  ab,  die  dieselbe  an  Casein  ent- 
hält. Eine  Milch,  die  wenig  Casein  enthält  oder  bei  der  der  Case'ingebalt 
durch  Verdünnen  herabgesetzt  worden  ist,  wird  immer  feinflockiger  aus- 
gescbieden  werden  als  eine  mit  höherem  Caseiugehalt.  Endlich  spielt  in 
gleicher  Richtung  auch  die  Gegenwart  von  gelöstem  Eiweiss  eine  bedeu- 
tende Rolle.  Aus  allen  diesen  Punkten  ist  ersichtlich,  dass  die  Frauen- 
milch vor  der  Kuhmilch  — ich  will  mich  auf  die  Gegenüberstellung  dieser 
beiden  Milcharten  beschränken  — in  jeder  Beziehung  den  Vortheil  der 
feineren  Caseingerinnung  voraushaben  muss.  Denn  einmal  enthält  die 
Frauenmilch  ein  Casein,  das  schon  an  und  für  sich  ungleich  feiner 
gerinnt,  dann  enthält  die  Frauenmilch  noch  nicht  einmal  ganz  1 "/o 
Casein,  während  die  Kuhmilch  gegen  3 % aufzuweisen  hat,  ferner 
ist  die  Frauenmilch  relativ  viel  fettreicher,  denn  dieselbe  schwankt  in 
ihrem  Fettgehalt  zwischen  3 und  4 während  unsere  Marktmilch 
selten  viel  über  3 enthält,  endlich  aber  finden  wir  in  der  Frauen- 
milch ganz  bedeutende  Mengen  gelösten  Eiweisses,  während  die  Kuh- 
milch hierin  sehr  arm  ist.  So  sind  denn  alle  Bedingungen  gegeben, 
ilie  dazu  führen  müssen,  dass  die  I’rauenmilch  im  kindlichen  Magen  sehr 
fein  und  zartflockig  gerinnt,  während  die  Kuhmilch  in  zähen  compacten 
Coagulis  durch  den  Magensaft  niedergeschlagen  wird.  Die  Art  der  Milch- 
gerinnung ist  aber  von  allergrösstem  Einfluss,  denn  die  Ausscheidung  in 
Coagulis  bedeutet  ja  nur  den  ersten  Schritt  bei  der  Verdauung,  müssen 
doch  nunmehr  die  Milchgerinnsel  ordentlich  von  den  Säften  des  Magens 
und  des  Darmes  durchtränkt  wenlen  und  die  Caseinflocken  wieder  gelöst 
und  in  solche  Eiweisskörper  übergeführt  werden,  die  sich  zur  directen 
.Aufsaugung  durch  die  Drüsen  des  Darmes  eignen.  Es  ist  aber  ohne 
Weiteres  leicht  verständlich,  dass  eine  feine  zarte  Caseinflocke  leichter 
von  den  Verdauungssäften  angegrifieu  und  gelöst  werden  kann,  als  ein 
zähes  dickes  Coagulum.  Der  Vortheil  der  Frauenmilch  vor  der  Kuhmilch 
ist  somit  ein  doppelter,  erstlich  enthält  dieselbe  einen  namhaften  Theil 


• -lugle 


ea  C“ 


38 


ihres  Eiweisses  gar  nicht  als  Casein,  sondern  als  Albumin,  und  dieser 
Eiweisskörper  braucht  gar  nicht  erst  coagulirt  und  wieder  gelöst  zu  werden, 
sondern  kann  direct  im  Magen  und  Darm  aufgesaugt  werden,  andererseits 
wird  das  Casein  der  Frauenmilch  bei  der  Verdauung  des  Kindes  feiner 
ausgeschieden  und  rascher  und  vollständiger  wieder  gelöst.  Ungelöste 
Eiweissmassen,  die,  um  verdaut  zu  werden,  lange  im  Darme  weilen  müssen, 
bilden  aber  eine  grosse  Gefahr  für  das  betretl'ende  Individuum,  da  es 
alsdann  leicht  zur  Fäulniss  und  zur  Zersetzung  der  im  Darmkanal  stagni- 
renden  Eiweissmassen  kommen  kann,  ilie  zu  den  schwersten  Erscheinungen, 
zu  langwierigen  Darmkatarrhen  und  dem  erschreckenden  Hilde  der  Kinder- 
cholera zu  führen  vermögen.  Der  Verdauungsapparat  des  Menschen  und 
vor  Allem  der  des  Kindes,  ist  eben  von  dem  des  Thieres  — hier  des 
Kalbes  — wesentlich  verschieden  eingerichtet.  Wer  je  den  mächtigen  Magen 
eines  neugeborenen  Kalbes  und  dasselbe  Organ  eines  jungen  Kindes  ge- 
sehen hat,  dem  wird  es  auch  völlig  selbstverständlich  erscheinen,  dass 
eine  Aufgabe,  die  von  dem  ersteren  spielend  gelöst  wird,  von  dem  letzteren 
nicht  verlangt  werden  kann,  und  dass  jeder  Versuch  zu  dauernden  Schä- 
digungen führen  muss.  Von  der  Darreichung  unverdünnter  Kuhmilch  ist 
man  denn  auch  wenigstens  bei  jüngeren  Säuglingen  völlig  abgekommen 
und  versucht  auf  mancherlei  mehr  oder  weniger  zweckmässige  Art  und 
Weise  die  Unterschiede  zwischen  Kuh-  und  Frauenmilch  auszugleichen, 
deren  Erörterung  an  dieser  Stelle  uns  freilich  zu  weit  führen  würde. 


Durchschnittliche  Zusammensetzung  der  Milch  in  Procent: 


Frau 

Kuh 

Ziege 

Esel 

Fett  .... 

3,5 -4,0 

3,0  — 3,6 

3,6  — 4,0 

0,3  — 1,0 

Eiweiss  . . . 

0.8 — 1.2 

3,0  — 3,6 

2,8— 3,8 

1,2— 1,8 

Milchzucker 

6,0 — 7,0 

3,5 — 4,5 

4,0— 4,5 

4,6  — 6,5 

Salz  .... 

0,25 

0,70 

0,70 

0,35 

Wasser  . . . 

88—89 

87—88 

GO 

1 

00 

88—89 

M’'as  das  Fett  der  Milch  nnbetrifft,  so  ist  es  in  derselben  in  feinsten 
kleinen  Tröpfchen  suspendirt  und  keineswegs  in  gelöstem  Zustande.  Um 
das  in  der  Milch  suspendirte  Fett  zu  lösen,  ist  es  nöthig,  die  feine  aus 
Eiweiss  bestehende  Membran,  die  jedes  dieser  nur  mikroskopisch  wahr- 
nehmbaren Fetttröpfchen  umgiebt,  zu  lösen,  was  durch  eine  geringe  Menge 
von  Säure  oder  Uauge  mit  Leichtigkeit  geschehen  kann.  Alsdann  kann 
man  das  .Milchfett  in  Aether  oder  Amylalkohol  lösen  und  seine  Menge 
gewichtsanalytisch,  volumetrisch  oder  aerometrisch  feststellen.  Wie  schon 
erwähnt,  beträgt  der  Fettgeh.alt  unserer  Marktmilch  in  der  Hegel  3 “L, 
bei  geeigneter  Fütterung  gelingt  es  aber,  eine  Kuhmilch  zu  erzielen,  die 
ungleich  fettreicher,  die  4,  ja  5 Fett  enthält.  Die  Frauenmilch  enthält 
in  der  Regel  3’/«  — 4%  Fett,  doch  spielt  auch  hier  die  Ernährung  eine 
wichtige  Rolle.  Etwa  gleich  in  Hezug  auf  den  Fettgehalt  kommt  der 
Frauenmilch  der  Fettgehalt  der  Ziegenmilch,  während  die  Fiseismilch,  die 
eine  veraltete  Lehranschauutig  für  der  Muttermilch  sehr  ähnlich  hielt,  von 
dieser  aber  sich  mehr  als  irgend  eine  andere  Milchart  unterscheidet,  kaum 
1 " häutig  sogar  noch  viel  weniger  Fett  enthält  und  sich  somit  als  völlig 
ungeeignet  zur  Ernährung  von  Säuglingen  erweist,  für  die  schon  der  hohe 


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Preis  hinderlich  sein  würde.  In  Bezug  auf  die  Art,  in  der  sich  das  Fett 
in  der  Milch  findet,  wäre  noch  zu  erwähnen,  dass  die  Fettkügelchen 
am  kleinsten,  dass  die  Vertlieilung  derselben  am  feinsten  in  der  Frauen- 
milch ist,  während  die  Milch  aller  übrigen  Thierarten  grössere  Fett- 
tröpfchen enthält. 

Die  Zusammensetzung  der  Milch  lässt  es  ohne  Weiteres  als  verständ- 
lich erscheinen,  dass  die  Ausnutzung,  die  die  Milch  im  menschlichen  Ver- 
dauungskanal erfahrt,  eine  ganz  vorzügliche  ist.  Das  letzte  Wort  über 
diese  i'rage  ist  zwar  noch  nicht  gesprochen,  doch  lässt  sich  so  viel  mit 
Sicherheit  sagen,  dass  in  vielen  Fällen,  vor  Allem  dann,  wenn  keine  allzu 
reiche  Zufuhr  statthat,  der  Säugling  die  Muttermilch  nahezu  ideal  ausnutzt, 
das  heisst,  dass  alle  in  der  Nahniug  enthaltene  Energie  auch  seinem  Organis- 
mus zu  Gute  kommt  und  nicht  unverbraucht  wieder  ausgeschieden  wird. 
In  ganz  besonderem  .Maassstabe  gilt  dies  für  die  Kohlehydrate,  nicht  viel 
weniger  für  das  Eiweiss,  während  von  Salzen  und  Fett  sich  mitunter 
etwas  grössere  Mengen  in  den  Stühlen  wiederfinden,  doch  dürfte  nur 
ausnahmsweise  der  V^erlust  mehr  als  10  betragen,  wenn  die  Er- 
nährung eine  genau  beobachtete  war.  Etwas  schlechter,  immerhin  aber 
noch  ausgezeichnet  wird  die  Kuhmilch  vom  Kinde  wie  vom  Erwachsenen 
ausgenutzt.  Während  aber  für  das  Kind  die  Milch  als  einzige  Nahrung 
genügt,  ja,  während  der  ersten  Monate  seines  Lebens  sogar  seine  einzige 
Nahrung  bilden  muss,  wenn  anders  man  seine  Lobensaussichten  nicht  ge- 
fährden will,  kann  man  einen  Erwachsenen  nicht  dauernd  rationell  mit 
Milch  ernähren,  wie  eine  kurze  Betrachtung  der  einschlägigen  Verhältnisse 
uns  ohne  Weiteres  erkennen  lässt.  Ein  erwachsener  arbeitender  Mann 
bedarf  täglich,  um  die  Ausgaben  seines  Stoffwechsels  zu  decken,  105  Gramm 
Eiweiss,  50  Gramm  Fett  und  400  — 500  Gramm  Kohlehydrate.  Diese  be- 
nöthigten  105  Gramm  Eiweiss  würden  sich  in  3'/a  Liter  Milch  finden  (pro 
Liter  3 ®/„  Eiweiss  gerechnet),  mit  diesen  3'  „ Liter  Milch  würde  der  Be- 
treffende auch  105  Gramm  Fett  consumiren,  an  Kohlehydraten  jedoch  kaum 
140  Gramm  aufnehmen.  Nun  enthalten  ja  die  3'/.^  Liter  Milch  statt  der 
benöthigten  50  Gramm  Fett  deren  105,  also  55  Gramm  mehr,  und  diese 
55  Gramm  Fett  entsprechen  etwa  125  Gramm  Kohlehydrat,  da  1 Gramm 
Fett  9,3  Calorien,  1 Gramm  Kohlehydrat  4,1  Calorien  ausmacht,  und  bei 
der  Ernährung  des  Erwachsenen  eine  Vertretung  der  einzelnen  Nahrungs- 
mittel in  gewissem  Grade  nach  ihrem  Calorienweithe  möglich  ist.  Immer- 
hin würden  dem  mit  3 Liter  Milch  genährten  Individuum  noch  140  bis 
240  Gramm  Kohlehydrat  fehlen.  Es  müsste  somit  hierfür  eine  entsprechende 
Menge  Brot  mitgenossen  werden.  Eine  ausschliessliche  Milchernähruug 
hat  übrigens  den  Nachtheil  für  Erwachsene,  dass  sich  gegen  den  ausschliess- 
lichen Gennss  von  Milch  in  Bälde  ein  Widerwille  einstellt.  Ist  eine  aus- 
schliessliche Milebernährung,  abgesehen  vom  frühen  Kindesalter,  .also  un- 
rationell und  verwerflich,  so  ist  doch  die  Milch  ein  ganz  vorzügliches  und 
überaus  wohlfeiles  Hilfsmittel  bei  der  Ernährung  und  verdiente  als  solches 
sogar  noch  viel  mehr  Beachtung,  als  ihr  hier  bei  uns  zu  Theil  wird. 
Ganz  besonders  in  der  Form  der  milchhaltigen  Mehlspeisen,  wie  man 
solche  in  Oesterreich  und  auch  in  Süddeutschland  geniesst,  kann  dieselbe 
für  die  Tafel  von  Arm  und  Reich  empfohlen  werden.  Wie  billig  man  in 
der  Milch  Nährstoffe  zu  kaufen  bekommt,  zeigt  folgende  Rechnung:  Für 
eine  Mark  erhält  man  circa  6 Liter  Milch  mit  180  (Jramm  Eiweiss,  180  Gramm 
Fett  und  mit  240  Gramm  Kohlehydraten.  Für  dasselbe  Geld  erhält  man 


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40 


1 Kilo  Ochsenfleisch  und  dabei  sogar  blos  eine  geringe  Qualität,  und  mit 
diesem  Kilo  mageren  Ochsenfleisches  210  Gramm  Eiweiss,  17  Gramm  Fett 
und  so  gut  wie  gar  keine  Kohlehydrate.  Hierbei  ist  pro  Pfund  Rindfleisch 
nur  50  Pf.  gesetzt,  was  entschieden  doch  bei  den  heutigen  Fleischpreisen 
zu  niedrig  gegriffen  sein  dürfte. 

Aus  dem  eben  Angeführten  geht  hervor,  welclie  Bedeutung  die  Milch 
als  Nahrungsmittel  hat,  und  lässt  es  erklärlich  erscheinen,  dass  der  Milch- 
consum  ein  ganz  bedeutender  ist,  und  die  Milchgewinnung  und  der  Ver- 
kehr und  Handel  mit  Milch  eine  Ausdehnung  angenommen  hat,  die  der 
ferner  Stehende  in  der  Regel  wohl  unterschätzen  dürfte.  So  consumirt 
Dresden  — ich  entnehme  diese  Zahlen  einer  sehr  lesenswerthen  Schrift 
des  Herrn  Dr.  Pfund  — täglich  etwa  90000  Liter  Milch,  von  denen  5600 
in  der  Stadt  selbst  producirt  werden,  33000  Liter  werden  per  Wagen  von 
den  umliegenden  Ortschaften  eingeführt  und  51000,  also  der  bei  Weitem 
grösste  Theil,  kommt  per  Bahn,  also  wie  man  wohl  annchmen  kann,  aus 
dem  weiteren  Umkreise  der  Stadt.  Dabei  erweist  sich  Dresden  durchaus 
nicht  als  eine  stark  Milch  consumirende  Stadt,  da  ja  pro  Tag  und  Kopf 
noch  nicht  einmal  ein  Drittelliter  verbraucht  wird. 

Ein  derartiger  Consumartikel,  als  den  wir  somit  die  Milch  betrachten 
müssen,  wird  natürlich,  umsomehr  als  sehr  zahlreiche  und  ökonomisch 
schwache  Hände  bei  Gewinnung,  Transport  und  Verkauf  in  Betracht  kommen, 
menschlicher  Habsucht  als  willkommenes  Ausnutzungsobject  dienen,  und 
in  der  That  giebt  es  kein  Nahrungsmittel,  das  so  oft  verfälscht  oder 
minderwerthig  in  den  Handel  gebracht  wird,  deshalb  ist  die  Aufmerksam- 
keit der  Behörden  schon  seit  langer  Zeit  auf  den  Wandel  und  Handel  der 
Milch  gerichtet. 

Fassen  wir  zunächst  die  Verfälschungen,  denen  die  Milch  ausgesetzt 
ist,  ins  Auge,  so  ist  als  die  häutigst  vorkommende  diejenige  anzuseheu, 
die  durch  Wasserzusatz  das  Volumen  der  Milch  vermehren,  und,  da  ja 
allgemein  nach  volumetrischen  Maassen  gekauft  wird,  somit  die  zu  er- 
zielende Einnahme  erhöhen  will.  Der  Nachweis  des  erfolgten  Wasser- 
zusatzes kann  mit  grossen  Schwierigkeiten  verknüpft  sein,  vorausgesetzt, 
dass  der  Milchfälscher  vorsichtig  zu  Werke  geht,  was  ja  glücklicherweise 
nicht  der  Fall  zu  sein  pflegt.  So  vennag  der  Nachweis  von  Salpetersäure, 
die  sich  im  Brunnenwasser  fast  ausnahmslos  findet,  während  sie  der  reinen 
Milch  stets  fehlt,  schon  zur  Erkennung  des  Wasserzusatzes  hinzuführen. 
An  und  für  sich  wird  ja  ein  Wasserzusatz  zur  Milch  sogar  häufig  nöthig 
sein,  wenn  man  dieselbe  zum  Beispiel  kleinen  Kindern  geben  will,  und 
natürlich  kann  man  einer  Mutter,  die  ihrem  Säugling  die  .Milch  ent- 
sprechend verdünnt,  keine  Fälschung  vorwerfen.  Die  Benachtheiligung 
aber,  die  der  Milchkäufer  durch  den  Wasserzusatz  seitens  des  Milch- 
producenten oder  seitens  des  Milchhändlers  erfährt,  liegt  einmal  darin, 
dass  die  werthvollen,  der  Ernährung  dienenden  Bestandtheile  hierdurch 
verdünnt  werden,  der  Käufer  somit  weniger  davon  erhält,  als  er  in  dem 
Glauben,  reine  Milch  zu  erhalten,  bezahlt.  Andererseits  ist  das  zu- 
gesetzte Wasser  aber  meist  von  recht  frngwünliger  Güte  und  Reinheit 
und  kann  so  direct  zu  Gcsundheitsschädiguugen  führen.  Da  sich  ein  be- 
deutenderer Wasserzusatz,  besonders  wenn  derselbe  zu  an  und  für  sich 
schon  nicht  sehr  guter  Milch  erfolgt,  sich  leicht  durch  die  durchsichtige 
bläuliche  Farbe  der  so  behandelten  Milch  verräth,  so  wird  nicht  selten 
durch  Zusatz  von  Stärke,  Mehl  oder  sogar  von  Gyps  die  Farbe  wieder 


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41 


aufgebessert.  Natürlich  ist  der  Nachweis  dieser  Körper  unschwer  zu  er- 
bringen. 

Eine  weitere  und  wohl  die  allerhäufigste  betrügerische  Manipulation, 
der  die  Milch  unterworfen  wird,  ist  die  des  Abrahmens.  Bekanntlich  ist 
die  Sahne,  das  Milchfett  das  relativ  Werthvollste  an  der  ganzen  Milch, 
da  diese  ja  in  ihrer  Verarbeitung  zu  Butter  sowie  in  ihrer  Verwendung 
als  Sahne  und  Schlagsahne  viel  begehrt  ist.  Es  liegt  also  sehr  nahe, 
dass  man  die  Milch  durch  Abschöpfen  des  sieh  oben  abscheidenden 
Fettes  von  einem  Theil  ihrer  werthvollsten  Nährsubstanzen  beraubt.  An 
und  für  sich  ist  ein  derartiges  Vorgehen  durchaus  nichts  Ungerechtes  und 
geschieht  in  allen  Molkereien,  ja  die  moderne  Technik  hat  sogar  vortreff- 
liche Apparate  ersonnen,  mit  Hilfe  deren  es  möglich  ist,  das  Fett  aus  der 
Milch  so  gut  wie  vollständig  abzuscheiden.  Die  so  mit  Centrifugen  ent- 
fettete Milch  nennt  man  Magermilch.  Unbedingt  nöthig  und  zu  verlangen 
ist  es  nun  aber,  dass  der  Käufer  der  Milch  genau  weiss,  ob  er  sämmt- 
liche  von  vornherein  in  der  Milch  befindliche  Bestandtheile  der  Milch  auch 
wirklich  erhält  oder  ob  solche  derselben  entnommen  worden  sind.  Daher 
fordert  mit  Recht  die  Behörde,  dass  jedes  Milchgefäss  eine  genaue  Be- 
zeichnung trägt,  ob  in  derselben  Magermilch  oder  Vollmilch  enthalten  ist. 
So  kann  sich  der  Käufer  genügend  orientiren  und  entweder  eine  Milch 
erstehen,  die  nur  einen  Theil  der  naturgemäss  in  ihr  vorkommenden  Nähr- 
stoffe enthält,  oder  aber  eine,  die  in  dieser  Beziehung  vollwerthig  ist. 
Der  Kauf  von  Magermilch  bedeutet  übrigens  keinen  Nachtheil,  sondern 
vielmehr  sogar  einen  Vortheil  für  den  Käufer  und  ist  daher  armen  Leuten 
anzurathen,  denn  der  Marktpreis  der  Magermilch  ist  im  Verhältniss  zu  den 
darin  enthaltenen  Nährstoffeinheiten  ein  geringerer,  wie  die  folgende  Er- 
wägung zeigt:  Ein  Liter  Vollmilch  enthält  in  30  Gramm  Fett  273  Calorien,  in 
30  Gramm  Eiweiss  123  Calorien  und  in  46  Gramm  Milchzucker  184  Calorien, 
zusammen  680  Calorien;  ein  Liter  centrifugirte  Magermilch  enthält  etwa 
3 Gramm  Fett  entsprechend  27  Calorien,  wieder  30  Gramm  Eiweiss  mit 
123  Calorien  und  46  Gramm  .Milchzucker  mit  187  Calorien,  zusammen 
333  Calorien.  Es  enthält  also  die  Magermilch  etwa  66  % ‘l^r  in  der  Voll- 
milch zu  findenden  Nährstoffe  in  Calorien,  der  Preis  derselben  ist  jedoch 
nur  wenig  mehr  als  ein  Drittel  der  Vollmilch,  da  nach  der  Regel  für  einen 
Liter  gute  Vollmilch  18,  für  einen  Liter  Magermilch  nur  7 Pf.  gezahlt 
werden.  Die  Magermilch  ist  somit  nicht  nur  aljsolut,  sondern  auch  relativ 
billiger  als  die  Vollmilch.  Freilich  muss  das  dabei  weniger  verabreichte 
Fett  auf  andere  Weise  dem  Organismus  zugeführt  werden.  Ganz  anders 
ist  die  Entrahmung  natürlich  zu  beurtheilen,  wenn  dieselbe  ohne  Vorwissen 
des  Käufers  geschehen  ist,  wie  dies  überaus  häufig  vorkoramt.  F^s  sind 
daher  gesetzliche  Bestimmungen  getroffen,  die  der  Entrahmung  der  Milch 
Einhalt  gebieten  sollen.  Doch  leiden  alle  hierauf  abzielendcn  Maassregeln 
unter  der  Schwierigkeit,  sie  exact  durchzuführen.  Da  nämlich  der  Fett- 
gehalt bei  verschiedenen  Kühen  — und  um  Kuhmilch  handelt  es  sich  ja 
so  gut  wie  ausschliesslich  — nach  Rasse  und  Emährungsart  äusserst  ver- 
schieden ist,  so  lässt  sich  natürlich  keine  Zahl  finden,  die  wirklich  als 
stricte  Grenze  aufgefasst  werden  kann,  bis  zu  der  der  Fettgehalt  in  minimo 
sinken  darf.  An  verschiedenen  .Orten  ist  diese  Grenze  verschieden  hoch 
angenommen,  hier  bei  uns  beträgt  dieselbe  zur  Zeit  3 °/^.  Fintbält  also 
eine  Milch  weniger  als  3 Fett,  so  wird  angenommen,  dass  dieselbe  ent- 
weder abgerahmt  oder  mit  Wasser  verdünnt  worden  ist.  Nach  beiden 


42 


Seiten  liin  wird  diese  Annalime  freilich  im  einzelnen  Falle  falsch  sein 
können.  Einmal  steht  es  nämlich  demjenigen  Milchproducenten  oder  Milch- 
händler, dessen  Milch  etwa  3*/i — 4“/„  oder  mehr  Fett  enthält,  frei,  seine 
Milch  his  auf  einen  Fettgehalt  von  3%  abzurahmen,  ohne  dass  er  für 
diese  That  Entdeckung  oder  Strafe  zu  erwarten  hat,  andererseits  kann 
es  aber  auch  Vorkommen,  dass  eine  Milch  wirklich  nur  2,9  oder  sogar 
noch  weniger  Fett  enthält,  ohne  dass  irgend  ein  betrügerischer  Eingriff 
erfolgt  ist,  und  der  Betreffende  kann  somit  in  den  falschen  Verdacht  der 
Milchpanscherei  kommen.  Die  Controle  der  Milch  erfolgt  hier  durch  Beamte 
der  Wohlfahrtspolizei,  die  alle  diejenigen  Milcharten,  die  ihnen  verdächtig 
erscheinen,  der  Behörde  zur  Vornahme  der  chemischen  Analyse  anzuhalten 
haben.  Zur  vorläufigen  Bestimmung  des  Fettgehaltes  an  Ort  und  Stelle  der 
Entrahmung  dienen  calorimetrische  Methoden,  verbunden  mit  der  Bestim- 
mung des  specitischen  Gewichts.  Alle  diese  Methoden  sind  vollkommen  un- 
genügend und  cs  steht  zu  erhoffen,  dass  seitens  der  Wohlfahrtspolizei 
nunmehr  eine  neue  zur  Einführung  gelangt,  die  allen  Anforderungen , die 
man  an  eine  marktpolizeiliche  stellen  darf,  genügt,  und  zwar  sowohl  in 
Bezug  auf  die  Einfachheit  und  Schnelligkeit  in  der  Ausführung,  als  auch 
in  Bezug  auf  die  Genauigkeit.  Es  ist  dies  die  Gerber’sche  Methode,  die 
vermittelst  einer  IlugersholTschen  Centrifuge  volumetrisch  den  Fettgehalt 
der  Milch  ermittelt.  Es  werden  zu  diesem  Zwecke  in  bestimmten  graduirten 
Messgefässen  11  Cubikeentimeter  .Milch  mit  10  Cubikeentimeter  concentrirter 
Schwefelsäure  versetzt  und  hierdurch  die  Eiweisskörper  zunächst  ausgefällt 
und  alsdann  wieder  zur  Lösung  gebracht;  hierauf  wird  1 Cubikeentimeter 
Amylalkohol  zugesotzt,  der  das  Fett  in  durchsichtiger  Flüssigkeit  löst,  und 
das  Gemisch  gut  centrifugirt.  Man  vermag  in  kuraerZeit  den  Fettgehalt  direct 
abzulesen.  Die  ganze  Methode  gestattet,  eine  grosse  Anzahl  von  Bestimmungen 
zu  gleicher  Zeit  vorzunehmen,  und  ich  kann  aus  vielen  Hunderten  von  Unter- 
suchungen, die  ich  auf  diese  Weise  mit  der  Milch  verschiedener  Thierarten 
vorgenommen  habe,  bestätigen,  dass  die  Bestimmung  eine  überaus  genaue 
ist,  die  mit  den  gewichtsanalytisch  gefundenen  Uesultaten  sehr  gut  überein- 
stimmt. 

Die  Abrahmung  der  Milch  hat  uns  schon  darauf  hinweisen  lassen, 
dass  manche  Milch  nur  sehr  wenig  Fett  enthält;  und  solche  Milch,  die  von 
vornherein  sehr  fettarm  ist,  müssen  wir  als  minderwerthig  bezeichnen. 
Statt  im  Melkeimer  verdünnen  nämlich  manche  Milchproducenten  die  Milch 
schon  im  Euter  des  Thieres,  indem  sie  demselben  eine  wasserreiche,  an 
festen  Bestandtheilen,  vor  Allem  an  Fett  arme  Xahrung  gewähren.  Auf 
diese  Weise  bringen  sie  die  Kühe  dahin,  viel,  aber  fettarme  .Milch  zu  geben. 
Die  Grossconsumenten  wissen  sich  nun  neuerdings  sehr  gut  gegen  derartige 
.Manipulationen  zu  schützen,  indem  sie  die  .Milch  nicht  mehr  per  Liter, 
.sondern  nach  dem  gelieferten  Fett  bezahlen.  Sie  untersuchen  jeden  Tag 
auf  die  vorhin  angedeutete  Weise  die  zur  Ablieferung  gebrachte  .Milch  und 
bezahlen  dieselbe  je  n.ich  ihrem  Fettgehalte  mit  höherem  oder  geringerem 
l’reise.  Eine  immer  weitere  Verbreitung  dieser  Maassnahmen  lässt  er- 
hoffen, dass  die  Landwirthe  mehr  und  mehr  auch  in  ihrem  Interesse 
darauf  sehen  werden,  eine  fetthaltige  Milch  zu  produciren. 

Als  minderwerthig  ist  ferner  ausnahmslos  alle  Milch  zu  bezeichnen, 
die  von  kranken  Thiercn  stammt.  Dem  Laien  erscheint  dies  eigentlich 
ganz  selbstverständlich,  doch  ist  man  in  Wirklichkeit  noch  sehr  weit 
davon  entfernt,  diese  Forderung  des  Hygienikers  anzuerkennen.  Ja,  vor 


,.jglc 


43 


nicht  langer  Zeit  hat  ein  Oekonom  in  der  vom  preussischen  Ministerium 
zur  Besprechung  dieser  Fragen  zusammengerufenen  Commission  erklärt, 
dass  bei  Durchfühning  einer  solchen  Forderung  die  Landwirthe  es  sich 
wohl  überlegen  würden,  weiter  Milch wirthschaft  zu  betreiben.  Diese 
Behauptung  entbehrt  jeder  Berechtigung,  denn  diejenigen  Oekonomen, 
die  ausschliesslich  gesundes  Vieh  zur  Milchgewinnung  benutzen,  machen 
hierbei  brillante  Geschäfte.  Betrübend  ist  allerdings  die  Thatsache,  dass 
es  in  ganz  Deutschland  wohl  kaum  ein  Dutzend  Ställe  giebt,  in  denen 
nur  gesundes  Vieh  steht.  Bei  den  meisten  Ställen  leiden  ein  Drittel,  die 
Hälfte  oder  noch  mehr  Thiere  an  der  Perlsucht,  dieser  der  Tuberkulose 
des  Menschen  entsprechenden  Krankheit,  welche  in  gar  nicht  zu  seltenen 
h'ällen  auch  wirklich  auf  diese  Weise  eben  durch  den  Genuss  der  rohen, 
von  perlsüchtigen  Thieren  stammenden  Milch  auf  den  Menschen  übertragen 
wird.  Ebenso  können  auch  die  Erreger  anderer  Seuchen  auf  den  Menschen 
überschlcppt  werden. 

Ebenfalls  als  minderwerthig  ist  alle  diejenige  Milch  zu  bezeichnen, 
die  nicht  sauber  gemolken  und  nicht  zweckentsprechend  aufbewahrt  wird. 
Schon  was  die  Reinlichkeitsverhältnisse  in  den  Ställen  anbclangt,  so  be- 
kommt man  da  manchmal  fast  Unglaubliches  in  Bezug  auf  Unreinlichkeit 
zu  sehen.  Ein  Herkules  würde  da  an  der  Möglichkeit  einer  Säuberung 
verzagen.  Der  Volksmund  rechnet  übrigens  hiermit  schon  als  einer  fest- 
stehenden Thatsache  und  nennt  eben  einen  besonders  schmutzigen  Ort 
einen  Stall.  Dieses  Vomrtheil  zu  widerlegen  ist  der  erste  Schritt  auf  dem 
Wege  der  Besserung. 

Es  ist  nämlich  eine  durch  die  Erfahrung  immer  wieder  bestätigte 
Thatsache,  dass  durch  Unsauberkeit  bei  der  Gewinnung  und  der  Auf- 
bewahrung der  Milch  die  Haltbarkeit  derselben  naebtheilig  beeinflusst  wird. 
Es  kommen,  wenn  man  nicht  die  nöthigen  Vorsichtsmaassregcln  bewahrt, 
in  die  von  Haus  aus  keimfreie  Milch  zahlreiche  Mikroorganismen  hinein, 
die  sich  in  dem  für  ihre  Entwickelung  sehr  geeigneten  Nährboden,  zumal 
wenn  die  Aussentemperatur  hierzu  günstig  ist,  schrankenlos  vermehren. 
Hierbei  findet  eine  Veränderung  statt,  die  der  regelmässig  im  Nlagen  ein- 
tretenden bis  zu  einem  gewissen  Grade  ähnelt;  nämlich  auch  durch  die 
Vermehrung  der  Mikroorganismen  kann  es  zu  einer  Gerinnung  der  Milch 
kommen,  indem  der  Milchzucker  in  Milchsäure  gespalten  wird.  Ist  auf 
diese  Weise  eine  bestimmte  Menge  Milchsäure  entstanden,  so  kommt  es 
durch  dieselbe  ebenso  zur  Gerinnung  der  Milch,  wie  durch  die  Salzsäure 
des  Magens.  Andere  Keime  wieder,  die  durch  Uusauberkeit  in  die  Milch 
gelangen  können,  sind  noch  verhängnissvoller  gerade  dadurch,  dass  sie 
keine  Säurebildner  sind;  sie  vermehren  sich,  ohne  zur  Gerinnung  zu  führen. 
Gerade  die  Gerinnung  der  Milch  ist  aber  auch  dem  Laien  ein  deutlicher 
Hinweis  darauf,  dass  die  betreffende  Milch  verdorben  ist.  Im  Uebrigen 
ist  es  ja  bekannt,  dass  auch  eine  sauer  gewordene  Milch  sich  sehr  gut 
zur  Nahrung  eignen  kann  und  von  manchen  Menschen  sehr  gern  genommen 
wird.  Gefährlich  ist  aber  jede  angesäuerte  Milch  für  kleine  Kinder,  die 
auf  den  Genuss  derselben  schwer  zu  erkranken  pflegen.  Für  diese  und 
ebenso  für  Erwachsene  kann  aber  eine  nicht  sauere  Milch  auch  im  höchsten 
Grade  schädlich  sein,  wenn  dieselbe  die  vorhin  erwähnten  anderen  Keime 
enthält.  Von  der  Zahl  der  Mikroorganismen,  die  sich  in  der  Kuhmilch 
finden,  wenn  diese  nicht  sauber  gemolken  worden  ist,  kann  sich  der  mit 
diesen  Verhältnissen  nicht  Vertraute  kaum  eine  Vorstellung  machen.  So 


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44 


kann  es  Vorkommen,  dass  in  einer  Milch,  die  noch  nicht  einmal  so  weit 
verdorben  ist,  dass  sie  durch  Gerinnung  Jedermann  als  minderwerthig  ins 
Auge  füllt,  im  Cubikcentiraeter  15  Millionen  Keime  enthalten  sind.  Ausser 
den  Keimen  enthält  jedoch  eine  unsauber  gemolkene  Milch  auch  noch  eine 
beträchtliche  Menge  anderer  directer  Verunreinigungen.  Auf  diese  That- 
sache  ist  zuerst  von  einem  Mitgliede  unserer  Gesellschaft,  Herrn  Professor 
Renk,  mit  dem  nöthigen  Nachdruck  hingewiesen  und  zugleich  eine  Methode 
ausgesomien  worden,  mit  Hülfe  derselben  es  leicht  gelingt,  die  Menge  des 
Milchschmutzes  zu  bestimmen.  Es  ist  nun  die  Ptlicht  des  Milchproducenten, 
uns  eine  Milch  zu  liefern,  die  möglichst  wenig  Keime  und  möglichst  wenig 
.Milchschmutz  enthält.  Die  ideale  Forderung,  ganz  keimfreie  und  reinliche 
Milch  zu  erhalten,  würde  sich  ja  doch  vorläufig  noch  nicht  realisiren  lassen, 
den  guten  Willen  hierzu  konnte  man  aber  wenigstens  verlangen.  Die  Ställe 
müssten  luftig  gebaut  sein,  und  ebenso  wie  unsere  W ohnungspolizei  darauf 
sieht,  dass  in  keinem  Raume  mehr  Menschen  zusammengepfercht  werden, 
als  hygienisch  gedacht  darin  Platz  haben,  ebenso  müsste  jedem  Landwirth, 
der  die  Milch  seiner  Kühe  zu  Markt  bringen  will,  genau  vorgezeichnet 
sein,  wie  geräumig  und  wie  hoch  sein  Stall  sein  muss.  Ebenso  erwächst 
der  liehörde  meines  Erachtens  die  Ptlicht,  die  Entwässerungs-  und  Ent- 
kothungsvorrichtungen  zu  überwachen.  Mindestens  einmal  am  Tage  ist  der 
helle  geräumige  Idealstall  sorgfältig  zu  reinigen.  Vor  dem  Melken  sind 
die  Euter  der  Thiere  abzuwaschen,  desgleichen  die  Hände  des  Melkenden 
sorgfältigst  zu  säubern.  Das  übliche  schmutzige  Kostüm,  das  die  Schweizer 
oder  Kuhmägde  dabei  zu  tragen  pflegen,  vermag  den  Appetit  auf  die  so 
gemolkene  Jlilch  auch  nicht  zu  erhöhen  und  die  Haltbarkeit  der  Milch 
nicht  günstig  zu  beeinflussen.  Man  wird  dem  melkenden  Personal  zweck- 
entsprechend weisse  Kittel  zum  Anziehen  geben  und  schliesslich  auch  noch 
dafür  Sorge  tragen,  dass  die  Kuh  nicht  mit  ihrem  Schwänze  die  Milch  zu 
verunreinigen  vermag.  Die  ersten  Striche  lässt  man  nicht  in  den  Melk- 
eimer, sondern  in  ein  e.vtra  Gefäss,  da  diese  ersten  Portionen  der  Milch 
noch  die  in  den  Milchgängen  sitzenden  Unreinlichkeiten  mit  enthalten. 
Dieselbe  kann  an  die  Schweine  verfüttert  werden  oder  ist  sofort  abzu- 
kochen, um  dann  auch  noch  für  menschlichen  Gebrauch  geniessbar  zu  sein. 
Die  (Jefässe,  in  welche  hinein  gemolken  wird,  müssen  peiulichst  sauber,  wenn 
möglich  durch  Auskochen  oder  Sterilisiren  im  Dampfe  keimfrei  gemacht 
sein.  Die  gemolkene  Milch  ist  sofort  ziizudecken  und  andauernd  zugedeckt 
zu  halten,  auch  das  Umschütten  in  andere  Gefässe  möglichst  zu  vermeiden. 
Aeusserst  wichtig  ist  ferner,  dass  die  .Milch  sofort  nach  dem  Melken  nach 
.Möglichkeit  abgekühlt  wird,  jedenfalls  soll  die  Temperatur,  auf  der  sie 
erhalten  wird,  nicht  über  8 Grad  Celsius  liegen,  denn  es  entwickeln  sich 
bei  einer  derartig  niedi-igen  Temperatur  die  eventuell  doch  in  die  Milch 
gelangten  Keime  gar  nicht  oder  doch  nur  spärlich  und  langsam.  Auch 
beim  Transport  in  das  Haus  des  Abnehmers  und  bis  zum  (Jonsum  soll  die 
.Milch  authmernd  auf  gleicher  Temperatur  erhalten  werden.  Eine  so  ge- 
wonnene .Milch — natürlich  unter  der  Voraussetzung,  ilass  sie  ausschliess- 
lich von  gesunilen  Thieren  stammt,  ist  als  tadellose  Milch  zu  bezeichnen 
und  könnte  innerhalb  24  Stunden  nach  der  erfolgten  Gewinnung  anstands- 
los von  Gross  und  Klein  sogar  in  unabgekochtcin  Zustande  genossen  werden. 
Freilich  in  der  Wirklichkeit,  da  wirtl  es  heute  wohl  kaum  irgendwo  eine 
Milch  geben,  die  diesen  idealen  .■tnforderungen  entspricht.  Ich  freilich 
für  meine  Person  zweifle  nicht  daran,  dass  wir  noch  einmal  hierzu  ge- 


C.oo>ilc 


45 


langen  werden.  Wie  viel  Zeit  bis  daliin  vergehen  wird,  wie  viele  Tausende 
von  Kindern  vorher  noch  zu  Grunde  gehen  werden,  bis  man  durch  Schaffung 
der  nöthigen  Tliierseuchen-  und  Milchhandelsgesetze  die  erwünschte  Sicher- 
heit hierin  schaffen  wird,  das  steht  dahin.  An  unermüdlichen  Mahnern 
wird  es  nicht  fehlen.  Natürlich  wird  es  nicht  möglich  sein,  all  den  auf- 
gestellten Forderungen  auf  einmal  gleich  Geltung  zu  schaffen.  Zweierlei 
thut  aber  eiligst  Noth;  einmal  nämlich,  dass  wenigstens  diejenige 
Milch,  die  unter  dem  Namen  Kindermilch  verkauft  wird,  im 
Wesentlichen  den  oben  aufgestellten  Grundsätzen  entsprechend 
gewonnen  werden  muss;  denn  jetzt  bedeutet  die  Bezeichnung 
Kindermilch  vielfach  weiter  nichts,  als  dass  das  betreffende 
Product  theurer  ist  als  andere  Milch.  Zum  anderen  aber 
müssten  staatliche  oder  städtische  Musterställe  eingerichtet 
werden,  in  denen  den  Landwirthen  gezeigt  wird,  wie  man  eine 
ideale  Milch  gewinnen  kann,  und  aus  denen  nicht  nur  für  die 
entsprechenden  Krankenanstalten  eine  einwandfreie  Milch  ge- 
wonnen wird,  sondern  auch  die  ärmeren  Bevölkerungsschichten 
mit  einem  tadellosen  und  preiswerthen  Product  besonders  zum 
Zwecke  der  Säuglingsernährung  versorgt  werden  könnten.  Da 
ja  viele  Städte  Landbesitz  haben,  ist  der  Gedanke  jedenfalls 
ausführbar. 

Heute  sind  wir  nun  noch  sehr  weit  davon  entfernt,  diese  Idealmilch 
zu  einem  Idealpreise  uns  im  städtischen  Musterstall  holen  zu  können,  wir 
müssen  also  erwägen,  wie  wir  uns  vor  den  Gefahren  schützen  können,  die 
uns  aus  dem  Genüsse  weniger  subtil  gewonnener  Milch  drohen.  Bis  zu 
einem  gewissen  Grade  giebt  uns  nun  das  Abkochen  und  noch  mehr  das 
Sterilisireu  eine  relative  Sicherheit,  da  ja  bei  einer  höheren,  dom  Siede- 
punkt nahe  liegenden  Temperatur  die  meisten  Mikroorganismen  zu  Grunde 
gehen.  Freilich  verliert  die  Milch  durch  das  Kochen  und  Sterilisiren  in 
ganz  beträchtlichem  Grade  an  Nährwerth.  Ganz  neuerdings  hat  man 
übrigens  auf  einem  dem  Kochen  gerade  entgegengesetzten  Wege  eine  Ver- 
besserung der  einschlägigen  V'erhältnisse  erstrebt,  indem  man  die  Milch 
unmittelbar  nach  dem  Melken  zum  Gefrieren  gebracht  hat.  Dadurch 
kann  man  die  Milch  auch  beliebig  lauge  haltbar  machen  und  milcharme 
Gegenden  durch  die  Milch  aus  milchreichen  Gegenden  entsprecliend  ver- 
sorgen. In  einer  sehr  geschickten  Weise  benutzt  die  Firma  Gehr.  Pfund 
bereits  diese  V'erbesserung  der  Molkerei-Technik,  indem  sie  in  die  Milch, 
die  sie  auf  ihren  Wagen  zu  den  Kunden  fahren  lässt,  solche  Stücken  ge- 
frorene Milch  hineinwirft.  Hierdurch  wird  die  Temperatur  der  Milch 
herabgedrückt  und  die  Wahrscheinlichkeit  ihres  Verderbens  herabgesetzt. 

Ich  bin  am  Schlüsse  meiner  Auseinandersetzung;  sollte  dieselbe  den  Er- 
folg haben,  dass  Sie  mit  mir  die  enorme  Wichtigkeit  der  Milch  als  Nahrungs- 
mittel anerkennen,  und  dass  Sie  Jeder  von  seiner  Stelle  aus  die  Bc.sserung 
besserungsbedürftiger  Zustände  in  Bezug  auf  Gewinnung  und  Vertrieb 
derselben  erstreben  wollen,  so  hat  dieselbe  in  vollstem  Maasse  ihren 
Zweck  erreicht. 


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Iler 

Naturwissenschaft! iehen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions-Comite. 


Jahrgang  1899. 


Mit  Alibiliiungen  im  Text. 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Ilofbiiclihandlung  H.  Biinlacli. 

I 000. 


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Inhalt  des  Jahrganges  1899. 


Verzeichnis»  der  Mitf^Iieder  S.  I. 

Dr.  meil.  Friedrich  Theiie  -j-  S.  V. 

A.  Sitzungsberichte. 

I.  Section  für  Zoologie  S.  3 und  19.  — Kalkowsky,  E.;  Nene  LiUerutur  S.  19.  — 
Kuntzc,  A.:  Vorlagen  8.3.  — Nitsclie,  H.:  Morphologie  der  Mnndwerkzeugc  bei 
den  Insecten  8.  3;  Bau  der  Lungen  und  Gefangenleljen  des  Chiunäleon,  Einschleppung 
japanischer  Laubhenschreckeu,  Fra.ss  des  Fi<  htenne.«twicklcr.s  S.  4;  zoologische  Reise- 
eindrücke aus  Ungarn,  Bosnien  und  der  Herzegowina  S.  19;  neue  Litteratnr  S.  19.  — 
Putscher,  W.:  vVirlagen  S.  4.  — Reibisch,  Th.:  Elektrische  Erscheinungen  an 
einer  Land.schnei:ke  S.  3;  Knochenbau  des  Chamäleon  S.  4.  — Thallwitz,  J.:  Kampf 
zwischen  Käfern,  Hydrobiologie  der  Elbe  S.  3;  Befruchtung  und  Zelltheorie  S.  19.  — 
Geschenk  für  die  Bibliothek  S.  3. 

II.  Section  für  Botanik  S.  4 und  19.  — Drude,  0.:  Areale  der  Leitplianzen  in  den 
PHanzenformationen  Sachsens  und  Thüringens  S.  4 ; die  Petersburger  Gartenbau- 
Au.sstellung,  Referat  über  Schimper:  „Pflanzengeographie  auf  physiologischer  Grund- 
lage“, neue  Litteratnr  S.  5;  Thätigkeit  der  biogeographischen  .Section  des  VII.  inter- 
nationalen Geographeutagfs  zu  Berlin  8.  20,  mit  Bemerkungen  von  \V.  Bergt.  — 
.Schorler,  B.:  Das  Plankton  der  Elbe  liei  Dresden  S.  19.  — Stiefelhagen,  H.: 
Vorlagen  frühblühender  Pflanzen  8.  4,  mit  Bemerkungen  von  F.  Ledien  und 
A.  Thümer.  — Auffordening  zum  .Sammeln  sächsischer  Moorhölzer  S.  B. 

III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  5 und  20. — Bergt.  W. : Musclielkalk- 
brüche  von  Rüdersdorf  8.5;  Uber  vulkanischen  Staub,  über  Moldawite  8.6;  Vor- 
kommen von  Turmalingranit  bei  Miltitz  8.21;  neue  Litteratnr  S.  5,  6 und  20.  — 
Engelhardt.  H.:  Neue  Kreidepttanze  ans  Sachsen,  tertiäre  Pflanzen  von  Sardinien 
und  ans  der  Rhön.  Bestimmung  fossiler  Palmenreste.  Thoneinlagerungen  unter  dem 
Haidesand,  neue  Litteratnr  8 3.  — Franckc,  H.:  Neue  Mineral  Vorkommnisse  8.20. 
— K alkowsky,  E.;  Natur  und  Entstehung  des  Chilisalpeters  8.5;  paläozoische  Korallen 
aus  Nordamerika  S.  20.  — Naumann,  E.:  Tektonische  Störungen  der  triadischen 
Schichten  bei  Kahla  8.21.  — Nessig,  R.:  Rechtselbische  Bohrlöcher,  Aufschlnss 
im  Syeuitconglomerat  und  Leopardensandstein  bei  Coschütz  8.6.  — Nit  sehe.  H. ; 
Verbreitung  des  Fischreihers  in  Sachsen  und  ihre  Beziehung  zu  Urstrorathälern 
8.20.  — Siegert,  L.:  Urströme  in  Norddeutscbland  8.20.  — Wagner,  P. : Erd- 
pyramiden, neue  Litteratnr  8.  3. 

IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen  8.  3 und  21.  — DeichmUller.  .1.: 
lieber  die  Büste  einer  Frau  aus  dem  Pfahlbau  Auvernier.  neue  Enverbungen  der  K.  Prä- 
historischen Sammlung  8.7;  Urnenfnnde  bei  Klein  - Zschachwitz  und  am  Bahnhof 
Klotzsche,  neue  Litter.Uur  8.  22;  Vorlagen  8.  7 und  22.  — Döring.  H.;  Der 
Burgwall  von  Arkona,  Vorlagen  8.7.  — Kalkowsky.  E.;  Ueber  das  Hakenkreuz 
(Sva.stika)  8.21,  mit  Bemerkungen  von  A.  Pcuckert.  — Nobbe,  F.:  Vorgeschicht- 
liche Funde  im  K.  Forstgarten  zu  Tharandt  S.  6.  — Osborne,  W.;  Das  Alter  des 
Menschengeschlechts,  Vorlagen  8.  7.  — Excursion  nach  Heriiisdorf  und  Klotzsche  8.  7 
und  nach  Klein -Zschachwitz  8.22. 

V.  Section  für  Physik  und  Chemie  .S.  8 und  22.  — Drossbach,  G.  P.:  Die  industrielle 
Verwerthung  der  Elemente  der  Ger-  uud  Zirkongruppe  8.  22.  — Hcmpel,  W.:  Leber 
Kryoihcmie  8.  8.  — Heutschel,  W.:  Die  chmnischen  Grundlagen  des  Pflanzenbaues 
.S.  2.'l.  — Kelling,  G.:  Physikalische  Methoden  znr  Imtersnchnng  des  Magens  und 


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IV 


«lor  Speiseröhre  S.  9.  — Müller,  K.:  Elcktroljtisibes  Verfahren  zur  Herstellung 
ehlor-,  brom-  und  jodsanrer  Salze  S.  9.  — Rehenstorff,  A.;  Neue  Versuche  und 
Apparate  für  den  physikalischen  Unterricht  S.  10.  — Schlossmann,  A.:  Entwickelung 
der  Heilkunde  unter  dem  Einfluss  von  Physik  und  Chemie  S.  9.  — Uhlmann,  P.;  Die 
eporhemachend-sten  Fort.schritte  der  Theerfarben-Industrie  seit  1890  S.  8. 

VI.  Secttoii  fUr  Mathematik  .S.  10  und  24.  — Müller,  K.:  Ueher  Wiukeltlieilunp- 
curvin  und  Krci.stheilungsgleichungen  S.  24.  — Rohn,  K.:  Anwendung  der  Schnitt- 
imnkt.syslem.siitze  auf  die  elieuen  Curven  4.  Ordnung  S.  10;  die  .Viiordnung  der  Kiystall- 
molekeln  S.  24.  — Wittin g,  A.:  Die  Constructionen  von  Mascheroni  mit  dem 
Zirkel  S.  11. 

VII.  Ilauptversammlongen  S.  11  und  25.  — V'eräudeningen  im  Mitgliederbestände  .S.  14 
und  2fi.  — Beamte  im  .fahre  1900  .S.  28.  — Reehenschaftabericht  für  1898  S.  13  und  1«.  — 
Voranschlag  für  1899  S.  13  und  14.  — Uehergabe  der  Kasse  S.  13;  freiwillige  Beiträge 
zur  Kasse  S.  27.  — Bericht  des  Bibliothekars  .S.  30.  — Dr.  med.  Friedrich  Theil  e ■{■ 
S.  25  — Drude,  O.:  Pflanzengeogiaphisehe  Betrachtungen  ül)or  Klima  und  Flora  der 
Eiszeit  in  Mitteleuropa .S.  13.  — Ehert , R.:  Zusammenhang  von  Wald  und  Niederschlags- 
mengen S.  2«.  — Engels,  H.:  Das  neue  Flussbaulaboratorium  der  K.  Technischen 
Hochschule  S.  14.  — Uravelius,  H.:  Vertheilung  des  Regens  auf  der  Erde  S.  11.  — 
H e 1 m . U. : Statistische  Beobachtungen  biologischer  Erscheinungen  S.  1 1 . — H e m p e 1 . W. ; 
Ent.stehung  der  Golderzlagerstätten  in  den  Propyliien  S.  13;  die  Argongruppe  und  das 
Vorkommen  von  Oasen  in  Üesteinen  S.  20.  — Kalko  wsky , E. ; Zur  Oeologie  des  Ooldes 
S.  13;  neue  Litteratur  S.  25.  — Pattenhausen,  B.;  Wissenschaftliche  Begründung  des 
metrischen  Syatenm  S.  14.  — Petrascheck,  W. : p'aciesbildungen  im  Gebiete  der 
sächsischen  Kreidefonnation  S.  25.  — StUbel,  A.:  Die  Vulkauberge  von  l'olombia 
S.  25.  — Treu,  G.;  Galton's  Ertimlnng,  auf  dem  Wege  photographischer  Registrirnng 
zu  einer  Darstellung  von  Typen  des  menschlichen  Antlitzes  zu  gelangen  S.  12.  — 
Wagner,  P.:  Die  Schneeverhältnisse  des  Bayrischen  Waldes  S.  26. 


B.  Abhaiidlunjs^en. 

Bergt,  W. : Das  erste  Anhydritvorkommiiiss  in  Sachsen  (und  Böhmen).  S.  88. 
Deichmüller,  J.:  Neue  Urnenfelder  aus  Sachsen.  I.  II.  Mit  Abbildimgen.  S.  23  und  85. 
Nessig,  R.:  .Neue  Tiefbohrungen.  .S.  16. 

Nobhe,  F.:  Ueher  die  Funde  antiker  Bronzen  im  akademischen  Forstgarten  zu 
Tharandt.  S.  19. 

.Schlimpert,  X.  M.:  Hosenformen  der  Umgebung  von  Meissen.  S.  3. 

Petrascbeck,  W.;  Studien  über  Faciesbildungen  im  Gebiete  der  .sächsischen  Kreide- 
formation. Mit  14  Abbildungen.  8.  31. 


Die  Autoren  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 
Allhandlungen. 


Die  Autoren  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  .Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonder- Abzüge  gratis,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Erstattung 

der  Herstellungskosten. 


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t 

Dr.  med.  Friedrich  Tlieile. 

Am  16.  August  cl.  J.  ist  der  letzte  der  Männer,  welche  vor 
nunmehr  66  Jahren  unsere  naturwissenschaftliche  Gesellschaft 
Isis  gegründet  haben,  Dr.  med.  Friedrich  Theile  in  Lockwitz  in 
die  Ewigkeit  abgerufen  worden. 

Friedrich  Theile  wurde  am  12.  Juli  1814  in  Chemnitz  geboren,  wohin 
die  Mutter  von  Dresden  zu  den  Eltern  gezogen  war,  nachdem  der  Vater 
als  Feldproviantbeamter  der  sächsischen  Armee  den  Verbündeten  nach 
Frankreich  gefolgt  war.  Kaum  ein  Jahr  alt  verlor  der  Knabe  schon  die 
Mutter,  ohne  dass  diese  den  Gatten  wiedergesehen  hatte,  der  erst  im 
Herbst  1815  aus  Frankreich  nach  Dresden  zurückkehrte.  Hier  zuerst  im 
grosselterlichen  Hause  erzogen  fand  das  Kind  nach  der  Wiederverehelichung 
des  Vaters  in  der  zweiten  G.attin  desselben  eine  treufürsorgende  Mutter. 
Den  ersten  Unterricht  genoss  er  in  einer  Privatschule,  vom  zehnten  Jahre 
an  besuchte  er  die  Kreuzsehule,  welche  er  18.82  als  Abiturient  verliess. 
Die  Pedanterie,  welche  damals  das  Gymnasium  beherrschte  und  den 
Schüler  wohl  in  die  grammatikalischen  Kegeln  des  Latein  und  Griechisch, 
nicht  aber  in  den  Geist  der  alten  klassischen  Schriftsteller  eiuweihtc, 
hatte  ihn  nicht  befriedigt,  sein  Sinn  verlangte  nach  Naturwissenschaften 
und  bestimmte  ihn,  das  medicinische  Studium  zu  ergreifen. 

Zunächst  besuchte  Friedrich  Theile  drei  Jahre  lang  die  zur  Ausbildung 
von  .Militärärzten  bestimmte  chirurgisch-medicinische  Akademie  in  Dresden. 
In  die  Zeit  dieses  Dresdner  Studiums  fällt  die  Gründung  unserer  Gesell- 
schaft; am  13.  December  1833  versammelten  sich  zwölf  Herren,  unter 
ihnen  auch  Friedrich  Theile,  um  über  die  Statuten  einer  neuzubegründenden 
Gesellschaft  für  Naturkunde  zu  berathen,  aus  welcher  in  der  Folge  unsere 
naturwissenschaftliche  Gesellschaft  Isis  hervorging.  In  einer  der  ersten  vier 
monatlichen  Versammlungen  der  neubegründeten  Gesellschaft  hielt  Theile 
einen  Vortrag  über  die  physiologischen  und  physischen  Farben. 

Zur  Fortsetzung  seiner  Studien  bezog  er  1835  die  Universität  Leipzig, 
wo  er  sich  auch  mit  der  d.amals  verpönten  Homöopathie  beschäftigte  und 
an  seinem  eigenen  Körper  die  Wirkungen  homöopathischer  .Arzneimittel 
erprobte.  Mit  eisernem  Fleisse  gal)  er  sich  seinen  Studien  hin,  von  den 
Ausschreitungen  des  Studentenlebens  hielt  er  sich  fern.  Botanische  Studien 
führten  ihn  oft  in  die  nähere  und  weitere  Umgebung  der  Universitäts- 
stadt; das  lebhafte  Interesse  auch  an  den  technischen  Errungenschaften 
der  damaligen  Zeit  veranlasste  ihn  sogar  zu  einer  Fusswanderung  nach 


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vr 


Nürubcrg,  um  die  von  dort  nach  Fürth  erhaute  erste  deutsche  Eisenhalin 
zu  sehen  und  zu  hefalircn.  Nach  drei  Jahren  sddoss  er  18B8  seine 
Studien  in  Leipzig  ah  und  machte  mit  günstigem  Erfolge  sein  Doct('r- 
examen.  Die  von  ihm  verfasste  Dissertation  hehandelt  die  Wirkungen  des 
Kellerhalses;  „De  viribus  Daphnes  Mezerii  nonnulla“. 

Seine  Liehe  zum  Landleben  bestimmte  ihn,  sich  als  Arat  auf  dem 
Lande  niederzulasson,  um  mit  der  ärztlichen  Praxis  auch  den  Betrieb  der 
Landwirthschaft  verbinden  zu  kiinnen.  Zur  Erlangung  der  hierzu  nöthigen 
Kenntnisse  wählte  er  sich  zunächst  das  Rittergut  Rottwerndorf  hei  Pirna 
zum  Aufenthalt,  wohin  ihm  auch  seine  ihm  kurz  zuvor  angetraute  üattin 
Pauline  geh.  Rinnehösel  aus  Leipzig  folgte.  Zwei  Jahre  wurden  so  in 
Rottwerndorf  verlebt,  bis  sich  1840  Gelegenheit  hot,  ein  seinen  Wünschen 
entsprechendes  Landgut  in  Lungwitz  hei  Kreischa  zu  erwerben.  Trotzdem 
die  Rewirthschaftung  dieses  und  des  später  hinzugekauften  N'aehhargutes 
seine  Thätigkeit  stark  in  -■Vnspruch  nahm,  fand  Theile  noch  Zeit,  auch 
helehrcnd  auf  seine  Umgehung  einzuwirken.  Die  von  ihm  ins  Lehen  ge- 
rufenen allmonatlichen  Ahcndunterhaltungen  versammelten  in  seinem  Hause 
die  Nachbarn  zur  Resprechung  kirchlicher  und  ])nlitischer,  wie  natur- 
wissenschaftlicher und  landwirthschäftlicher  Fragen.  Zur  Hebung  dieses 
regen  geistigen  Verkehrs  wurde  Ostern  184(>  von  ihm  ein  anfänglich  ge- 
schriebenes „Kreischaer  Wochenblatt“  herausgegehen,  welches  seit  Anfang 
1847  als  „Kreischaer  Dorfzeitung“,  von  1848  an  als  „Vaterländische 
Dorfzeitung“  gedruckt  erschien,  ln  dieser  Zeitung,  welche  auch  dem  1846 
von  Theile  gegründeten  Kreischaer  Turnverein  als  \'ereinsorgan  diente, 
wurde  iler  in  jenen  .\hendnnterhaltiingen  begonnene  gegenseitige  Gedanken- 
austausch in  geeigneter  Weise  fortgesetzt  und  nach  Gewährung  der  Press- 
freiheit auch  die  Politik  zum  Gegenstand  der  Resprechungen  gemacht. 
In  der  ersten  Nummer  der  „Vaterländischen  Dorfzeitung“  legte  Theile 
sein  politiscdies  Glauhenshekenntniss  nieder,  aus  welchem  hervorgeht,  dass 
der  später  so  vielfach  mit  Unrecht  angefeiudete  .Mann  mit  Ueherzeugung 
und  Entschiedenheit  sich  gegen  die  republikanische  Staatsverfassung  aus- 
sprach und  für  die  Erhaltung  der  constitutionell  monarchischen  Staats- 
form eiutrat.  Das  Vertrauen  seiner  .Mitbürger  berief  ihn  zunächst  in  das 
Amt  des  Gemeindevorstandes  für  Lungwitz  und  1848  als  Abgeordneter 
in  die  erste  Kammer  des  sächsischen  Landtages. 

Der  schwere  Uonflict,  in  welchen  Dr.  Theile  durch  seine  Retheilignng 
an  der  Volkserhebung  dos  Jahres  1849  mit  der  Regierung  gerieth,  zog 
ihm  eine  mehrjährige  Freiheitsstrafe  zu,  die  er  in  Waldheim  verhüsste. 
Hier  wurde  ihm  gestattet,  sich  schriftstellerisch  zu  beschäftigen,  von  hier 
aus  leitete  er  auch  schriftlich  die  Erziehung  seiner  beiden  Kinder  Hedwig 
und  Uonrad,  wie  die  Rewirthschaftung  seiner  mit  Reschlag  belegten  Güter. 

In  den  Jahren  nach  seiner  Rückkehr  in  den  Familienkreis,  1854 — 1862, 
widmete  sich  Dr.  Theile  in  erster  Linie  der  Verwaltung  seiner  beiden 
Güter,  ergriff  aber  auch  jetzt  wieder  jede  Gelegenheit,  durch  Wort  und 
Schrift  die  Volksbildung  zu  fördern;  nebenbei  arbeitete  er  als  Lehrer  der 
Naturwissenschaften,  der  Mathematik  und  des  Turnens  in  Dippoldiswalde 
und  gab  N’eranlassuug  zur  Gründung  eines  Localmuseums  für  Dippoldis- 
walde und  Umgehung,  welches  aber  später  mangels  eines  geeigneten  Leiters 
wieder  oinging. 

Die  vom  Staate  und  der  Stadt  Dresden  erhobenen  grossen  Schaden- 
ans])rüche  uiul  die  Verheirathung  seiner  Tochter,  durch  woh'he  ihm  eine 


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VII 


wesentliclie  Stütze  in  der  llewirthschaftuiig  seiner  (iüter  verloren  ging, 
veranlassten  ilin,  sein  Ilesitzthuni  in  Lungwitz  zu  veräussern  in  der  Ab- 
sicht, die  ärztliche  Praxis  wieder  aufzunehmen.  Zu  diesem  Zwecke  be- 
suchte der  nun  48  Jahre  alte  Mann  nochmals  drei  Semester  von  1862  bis  1864 
die  inedicinischen  Kliniken  und  Vorlesungen  an  der  Universität  Leipzig,  im 
Sommersemester  1864  die  Kliniken  von  Oppolzer,  Skoda,  Hebra  u,  A.  in  Wien, 
und  siedelte  Ende  September  1864  als  Arzt  nach  Lockwitz  über.  Seine  Liebe 
zu  anderen  Wissenschaften  und  die  Neigung,  als  Lehrer  für  die  Ver- 
breitung namentlich  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse  im  Volke  zu  wirken, 
veranlassten  ihn  aber,  als  Lehrer  der  Naturwissenschaften  am  Institut  des 
Fräulein  von  Schcpke  in  Dresden,  als  Gemeinderathsmitglied  in  Lockwitz 
wie  als  Vortragender  in  verschiedenen  Vereinen  von  Lockwitz  und  Um- 
gegend thätig  zu  sein,  seine  ärztliche  Wirksamkeit  trat  mehr  und  mehr 
zurück. 

Im  Jahre  1877  traf  ihn  und  seine  Gattin,  die  ihm  in  schweren  und 
frohen  Stunden  immer  treu  und  liebevoll  zur  Seite  stand,  ein  schwerer 
Schlag  durch  den  Tod  seines  einzigen  Sohnes  Conrad,  der  als  Thierarzt 
auf  einem  Rittergute  in  Preusseu  lebte. 

Seit  1880  bis  Anfang  1899  widmete  sich  Dr.  Theile  fast  au.sschliesslich 
der  Redaction  des  vom  Gebirgsverein  für  die  Sächsische  Schweiz  heraus- 
gegebenen Vereinsorgans  ,,Ueber  Berg  und  Thal“,  in  welcher  Zeitschrift 
er  auch  mit  Vorliebe  die  Ergebnisse  seiner  wissenschaftlichen  Thätigkeit 
niederlegte.  Diese  Aufsätze  legen  Zeugniss  von  seinen  vielumfassenden 
Kenntnissen  ab;  mit  Vorliebe  arbeitete  er  für  die  Ortskunde,  daneben 
beschäftigten  ihn  geologische  Fragen,  wie  die  Eiszeit  und  die  Entstehung 
der  Kantengeschiebe,  der  sogenannten  Dreikantner,  deren  Ausbildung  er 
durch  gegenseitige  Abreibung  kugeliger  und  eiförmiger  Geschiebe  in  der 
Grundmoräne  der  diluvialen  Gletscher  zu  erklären  suchte.  Von  seinem 
grossen  Interesse  für  Botanik  zeugt  der  Garten,  welcher  sein  Wohnhaus 
in  Lockwitz  umgiebt;  liier  entwickelten  sich  unter  seiner  sorgsamen  Pflege 
zahlreiche  fremde  und  einheimische  Pflanzen,  und  man  konnte  ihm  eine 
grosse  Freude  hereiten,  wenn  man  ihn  um  eine  seiner  Seltenheiten  bat, 
die  er  gern  und  willig  abgab. 

1885  ernannte  ihn  unsere  Gesellschaft  Isis  aus  Anlass  ihres  fünfzig- 
jährigen Bestehens  zum  Ehrenmitgliede.  Zu  wiederholten  Malen  ist  er 
dann  in  unseren  Versammlungen  erschienen  und  hat  in  unserem  Kreise 
sein  geologisches  Lieblingsthema,  die  Entstehung  der  Dreikantner,  welchem 
er  bis  zu  seinem  Ende  fortgesetzte  Aufmerksamkeit  zuwendete,  in  Vor- 
trägen behandelt. 

1888  feierte  Dr.  Theile  in  möglichster  Stille  sein  fünfzigjähriges  Doctor- 
jubiläum,  beglückwünscht  von  Behörden  und  Vereinen,  und  1894  in  geistiger 
und  körperlicher  Frische  im  Kreise  der  Seinen  den  80.  Geburtstag,  bei 
welcher  Gelegenheit  ihm  auch  unsere  Gesellschaft  ihre  Glückwünsche  durch 
eine  Abordnung  darbringen  liess. 

Nachdem  Dr.  Theile  Anfang  April  1899  trotz  seines  hohen  Alters 
seine  Redactionsgcschäfte  noch  selbst  in  Dresden  erledigt  und  sich  in  ver- 
schiedenen Bibliotheken  Unterlagen  für  seine  schriftstellerische  Thätigkeit 
geholt  hatte,  erlitt  er  am  16.  .April  d.  J.  in  l'olge  zu  grosser  körperlicher 
Anstrengungen  bei  Arbeiten  in  seinem  Garten  einen  Schlaganfall,  von  dem 
er  sich  nicht  wieder  vollständig  erholen  konnte.  .Am  16.  August  1899  früh 


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VIII 


^|^b  Uhr  setzte  ein  erneuter  Sclilaganfull  seinem  arbeitsreichen  Lehen 
ein  Ziel. 

Am  19,  August  d.  J.  fand  sein  Begrähniss  auf  dem  stillen  Friedhofe 
in  Lockwitz  statt,  nachdem  zuvor  der  Ortsgeistliche  am  Sarge  des  Ver- 
ewigten inmitten  des  sein  schlichtes  Heim  umgehenden  Blumengartens  in 
erhellenden  Worten  die  trefHichen  Charaktereigenschaften  des  Dahin- 
geschiedenen  geschildert  hatte.  Die  herzliche  Theilnahme  zahlreicher 
Freunde  aus  allen  Lehens-  und  Berufskreisen,  von  Vereinen  und  Körper- 
schaften aus  Dresden  und  Lockwitz  legte  ein  beredtes  Zeugniss  von  der 
Liebe  ab,  welche  der  Verewigte  unter  seinen  Freunden  und  Mitbürgern 
genossen  batte. 

Mit  voller  Ueberzeugung  können  wir  die  Worte  wiederholen,  die  ihm 
der  Gebirgsverein  in  seinem  Vereinsorgan  „Ueber  Berg  und  Thal“  nach- 
gerufen hat:  „Das  ganze  Lehen  des  Verstorbenen  war  nur  dem  Dienste 
Anderer  gewidmet.  Nie  arbeitete  er  für  sich  selbst;  selbstlos  und  be- 
scheiden fand  er  sein  grösstes  Glück  in  der  Beglückung  Anderer.  Darum 
war  er  hochgeachtet,  geliebt  und  verehrt  in  den  weitesten  Kreisen.  Er 
hatte  keinen  Feind.“ 


Sein  für  alles  Wahre,  Gute  und  Schöne  stets  empfänglicher  Geist, 
seine  grosse  Liebe  für  die  Menschheit  sichern  ihm  ein  bleibendes  An- 


denken. 


J.  Deichmüller. 


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Verzeichniss  der  Mitglieder 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden 


im  Jnni  1899. 


Berichtiijnngon  bittet  man  an  den  Spcretär  der  Gesellsdmft, 

d.  Z.  l’rof.  Dr.  J.  V.  DoIehmUIler  in  Ilrenden,  K.  Mineral.- geolonisclies  Museum  im 

Zwinger,  zn  richten. 


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Inhalt  des  Jahrganges  1899. 


A.  Sitzungsberichte. 

I.  Sectlon  für  Zoologie  S.  3 und  19.  — Jenke,  A.:  Vorlagen  von  Schizoneura  lanigera 
8.  19.  — Nitache,  H.;  Entwickelung  nnd  Wechael  der  Hörner  bei  der  amerikanischen 
Gabelantilope,  Linnö'sche  Systematik  der  Sängethiere,  elektrische  Fische,  K.  Leuckart  •{• 
S.  3;  zoologische  Reiseeindrücke  ans  England,  Vorkommen  von  Leveaspius  delineatus 
und  Khodeu$  amarus  8.  19.  — Reibisch,  Th.:  Binnenconchylien  aus  Ecuador  8.3; 

Einfühning  von  Helix  eandicane  im  Planenachen  Grunde  8.  4; und  R.  Ebert: 

Berichtigungen  ,S.  4.  — Schiller,  K.:  Vorlagen  von  Cyclops  und  Daphnia  S.  19. — 
Schorler,  B.:  Kalkalgen  des  Süsswa-asera  nnd  ihre  Beziehungen  zu  den  sogenannten 
Fnrehensteinen  S.  2il,  mit  Bemerkungen  von  0.  Drude,  H.  Nitsche  und  P.  W agner. 

— Thallwitz,  J.:  Stärke  der  Schläge  de.a  Zitterrochens  S.  4;  Vorkommen  von  Sper- 
mophilus  cilillus  im  sächsischen  Erzgebirge  S.  19;  über  Hydroidpolypen  und  Medusen 
des  Mittelmeeres  S.  20,  mit  Bemerkungen  von  R.  Ebert  und  H.  Nitsch  e.  — Vogel,  CI.; 
Bastardirungsvorgänge  bei  Sängethieren  S.  3,  mit  Bemerknn^n  von  U.  Nitsche  und 
A.  Schöpf.  — Wagner,  P.:  üeber  Rillensteine  S.  19.  — Geschenke  für  die  Biblio- 
thek S.  19. 

n.  Sectlon  fOr  Bottinik  S.  4 nnd  20.  — Drude,  0.;  Milchsaftröhren  der  Euphorbien, 
gegenwärtiger  Stand  der  Nomenclaturfrage  8.  4;  stickstoffsammelnde  Thätigkeit  der 
Bodenbakterien  S.  5;  Resultate  botanischer  Reisen  in  Sachsen  und  Thüringen  S.  20; 
neue  Littcratur  S.  5 nnd  20.  — Fritzsche,  F.:  Vorlagen  von  Blttthen-Abuormitüton 
S.  5 — Oründler,  J.:  Ueber  Bacillariaceen  8.  5.  — Pohle,  R.:  Demonstration 
des  Heu  - Bakteriums,  Beginn  der  Cambium- Thätigkeit  bei  Populua  canadensis  S.  h. 

— Schorler,  B.:  -\ntheil  der  Pflanzen  an  der  Selbstreinigung  der  Flüsse  S.  4;  stein- 
zerstörende Algen  8.  20;  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  S.  21.  — Stiefel- 
hagen, H.;  Neue  Carc.i-- Formen  nnd  Hybriden  S.  21.  — Walther,  R.:  Neuer 
Desinfectionsapparat  für  geschlossene  Räume  S.  4. 

III.  Sectlon  für  Mineralogie  nnd  Geologie  S.  ö nnd  21.  — Bergt,  W.:  Geologie 
der  Antillen,  Bestimmung  von  Calamiten  S.  ö;  neue  Eitteratur  S.  K und  21.  — Engel- 
hardt, H. : Pflanzen  ans  dem  Polirschiefer  von  Sniloditz,  neue  Litteratur  S.  6.  — 
Kalkowsky,  E.;  Zwillingsbildungen  des  Quarzes  S.  5;  Begriff  und  Werth  der  Edel- 
steine S.  6;  neuer  Aufschluss  im  Diluvium  in  Dresden,  Vorlagen  S.  21;  neue  Litte- 
ratur S.  5 und  f).  — Naumann,  E. : Concretionen  im  Glacialmergel  S.  ti.  — Nessig,  R : 
Studien  Uber  den  Dresdner  Haidesand  S.  6;  Graphit-Vorkommnisse  im  Lausitzer  Granit 
bei  Dresden  S.  21. 

IV.  Sectlon  für  prähistorische  Forschungen  S.  K und  21.  — Deichmüller,  _J.- 
Schutz  der  vorgeschichtlichen  Alterthttmer,  Brouzefnnd  von  Velem  St.  Veit  S.  7;  Vor- 
geschichte .Sachsens,  mit  Vorlagen  8.  21.  — Döring,  H.:  Prähistorisches  aus  dem 
Muldenthal  zwischen  Nossen  und  Ros.swein  ,S.  21.  — Ebert,  O.:  Vorlagen  S.  23.  — 
Nitsche,  H. ; Die  sogen.  Wetzikonstäbe  S.  fi;  uralte  Formen  von  Angelgeräthen, 
über  Fisch.speere  S.  7.  — Exenraion  nach  Lockwitz  S.  7. 

V.  Sectlon  für  Physik  und  Chemie  S.  7 und  23  — Foerster,  F. : Einwirkung  von 
Chlor  auf  Alkalien  8.  24.  — Heger,  R.:  Optische  Beobachtungen  in  den  Alpen 
8.  23,  mit  Bemerkung  von  F.  Pockels  ,S  il  — Lottermoser,  A.:  Das  collmdale 
Quecksilber  S.  9.  — Möhlau,  R.:  Neue  Anwendungsfurmen  der  Cellulose  S.  2.3.  — 
Pockels,  F. : Die  bei  Blitzentladungen  vorkommenden  Stromstärken  8.  H.  — Schloas- 
mann,  A.:  Die  Milch  nnd  ihre  Bedeutung  als  Nahrungsmittel  S 9.  — Toepler,  M : 
Schichtung  elektrischer  Funken  nnd  über  Gleitfnnken  S.  8.  — Walther,  R.:  Ueber 
Explosivstoffe  S.  7. 


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IV 


VI.  Sectlon  für  Mathematik  S.  9 und  24.  — Gravelins,  H.:  Grundgedanken  der 
GyldSn'schen  Stömngstheorie  S.  25.  — Krause,  M : Partialbruclizerlegung  bei  trans- 
cendenten  Functionen  S.  10.  — Rohn,  K.:  Zusammensetiung  von  Bewegungen  und 
reguläre  Raumeintheiinng  S.  9;  Kigenschaften  der  Gurren  d.  und  4.  Ordnung  S.  24 ; 
Methode  der  Construction  des  Krllmmungskreises  an  einem  der  fünf  gegebenen  Punkte 
eines  Kegelschnitts  ,S.  2.5.  — Witting,  A.:  Planimetrische  Constructionen  in  be- 
grenzter Ebene  S.  10. 

Yll.  HaoptTersammlnngeii  S.  11  und  25.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  10 
und  2ti.  — Beamte  ira  .Tahre  1899  S.  28.  — Rechenschaftsbericht  für  1897  S.  11  und  15. 
— Voran.schlag  für  1998  S 11.  — Freiwillige  Beiträge  zur  Kas.se  S 27.  — Bericht 
des  Bibliothekars  S.  90.  — Massregeln  zum  Schutz  der  vorgeschichtlichen  AlterthUmer 
S.  II,  12  und  25.  — G.  Zeuner's  70.  Geburtstag  S.  25.  — Bergt,  W.;  Geologie  von 
Schantun^ (Kiautschon) S.  12.  — Engelhardt,  H.:  Neue Litteratur  S.  13. — Fiacher,H.: 
Die  Wesfinghouse  - Bremse  S.  13.  — Grosse,  J.:  Garl  Gustav  Carus  in  seiner  Be- 
deutung für  die  Naturwissenschaften  S.  11.  — Krause,  M. : Uebcr  Universität  und 
Technische  Hochschule  S.  20.  — Lewicki,  E.:  Ueber  Centrifwalguss  S.  12.  — 
Lewicki,  L.:  Das  maschinentcchnische  Laboratorium  der  K.  Tcchn.  Hochschule 
,S.  11.  — Lohmann,  H.:  Ueber  Eishöhlen  und  Höhleneis  S.  11.  — Renk,  F.:  Das 
hygicinische  Institut  der  K.  Teehn.  Hochschule  und  die  K.  Centralstelle  für  öffent- 
liche Gesundheitspflege  S.  28.  — Schlossmann,  A.:  Nene  Art  der  Wohnungsdea- 
infection  S.  12;  Reiseschilderungen  ans  Spanien  S.  26.  — Wagner,  P. : Physikalische 
und  geolo^sche  Untersuchungen  der  Böbmerwaldseen  S.  12.  — Excursionen  nach 
Demitz  bei  Bischofswerda  S.  12  und  nach  Planen  b.  Dr.  8.  25. 


B.  Abhandlungen. 

Drude,  0.:  Resultate  der  floristischen  Reisen  in  Sachsen  und  Thüringen.  S.  82. 
Engelhardt,  H.:  Sardinische  Tertiärpflanzen.  II.  S.  101. 

Hallwachs,  W.;  Ueber  ein  Doppeltrogrefractometer  und  Untersuchungen  mit  dem- 
selben an  Lösungen  von  Bromcadmium,  Zucker,  Di-  und  Trichloressigsänre 
sowie  deren  Kalinmsalzen,  mit  3 .Abbildungen.  S.  49. 

Nessig,  R.:  Studien  über  den  Dresdner  Haidesand.  S.  27. 

Schlossmann,  A.;  Ueber  die  Bedeutung  der  Milch  als  Nahrungsmittel,  fi.  33. 
Schorler,  B.:  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  im  Jahre  1898.  S.  97. 

Thallwitz,  J. : Ueber  das  Vorkommen  des  Ziesels  in  Sachsen.  S.  95. 

Toepler,  M. ; Geschichtete  Danerentladung  in  freier  liuft  (ßüschellichtbogen)  uml 
Righi’sche  Kugelfunken,  mit  Tafel  I und  29  Abbildungen.  S.  3. 


Die  Autoren  »ind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 
Abhandlungen. 


Die  Autoren  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wun.sch  25  Sonder-Abzüge  gratis,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Erstattung 

der  Herstellungskosten. 


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I.  Wirkliche  Mitglieder. 

A.  in  Dresden.  j.hr  der 

Aufnahmn. 

1.  AlTenslebpn,  Ludw.  Osc.  von,  Landschaftsmaler,  Kaitzerstr.  7 .....  . 1895 

2.  Baenach,  Willi.,  VerlaKsbuidihandlmig  und  Buchdrnckerei,  Waiseiihansstr.  34  1898 
'3.  Barth,  C'urt,  T>r.  phil.,  Chemiker  an  der  städtischen  (jasanstalt,  Kitnigshrücker- 

strasse  97  1899 

4.  Banmeren  G.  Hermann,  Privatns,  Holbeimstr.  38 1852 

5.  Beck,  F.  Heinr.,  Bczirksschiillehrcr,  Mathildenstr.  60  1896 

6.  Becker,  Herrn.,  Dr.  med.,  Pragerstr.  46  1897 

7.  Beiger,  Gottl.  Und.,  BUrgerschnllehrer,  Wittenbergerstr.  67  1893 

8.  Berger,  Carl,  Dr.  med.,  Striivestr.  9 1898 

9.  Besser,  C.  Emst,  Professor  a.  D.,  LSbtanerstr.  24  1863 

10.  Beyer,  Th.  Washington,  Ma.schinenfabrikant,  Grossenhainerstr.  9 1871 

11.  Biedermann,  Paul,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Annenschule.  Rabenerstr,  7 1898 

12.  Bley,  W.  Carl,  Apothekenverwalter  am  Stadtkrankenhause,  Friedrichstr.  39  . 1882 

13.  BSttger,  Adolf,  Healschnloberlehrer,  Seidnitzerstr.  14 1897 

14.  Bose,  C.  Mor.  von,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Leipzigerstr.  11 1868 

15.  Bothe,  F.  Alb.,  Dr.  phil.,  Professor,  Conrector  an  der  Dreiklinigschule,  Tieck- 

strasse  9 1859 

16.  Calberla,  Gnst.  Mor.,  Privatus,  BUrgerwiese  8 1846 

17.  Calberla,  Heinr.,  Privatus,  Biirgerwiese  8 1897 

18.  Crnslns,  Georg,  Dr.  phil.,  Privatu.s,  Lindenga.s.se  24 1888 

19.  Clippers,  Friedr.,  Kaufmann,  Comeniusstr.  43  1896 

20.  Delchmilller,  Job.  Vict.,  Dr.  phil.,  Professor,  Dircctorial- Assistent  am 

K.  Mineral. -geolog.  Museum  nebst  der  Prahistor.  Sainmlnng,  Fürstenstr.  64  1874 

21.  Düring,  Herrn.,  Bü^ersehullehrer,  Keissigerstr.  19 1885 

22.  Doerlng,  Carl,  Bezirksschnllehrer,  Cottaerstr.  7 1899 

23.  Drude,  Osc.,  Dr.  phil.,  (ich.Uofrath,  Professor  an  der  K. Technischen  Hochschule 

und  Dircctor  des  K.  Botanischen  Gartens,  StUbel-Allee  2 1879 

24.  Ebert,  Gust.  Kob.,  Dr.  phil.,  Professor  am  VitztUum’schen  Gymnasium, 

Gr.  Plauenschestr.  15 1863 

25.  Ebert,  Otto,  Lehrer  an  der  Tanhstnmmen- Anstalt,  Llibtanerstr.  9 . . . . 1885 

26.  Ehneia,  Osc.  Max,  Vemiessungs- Ingenieur,  Zinzendorfstr.  6t)  . . . . . 1893 

27.  Engelhardt,  Bas.  von,  Dr.  phil.,  Kais.  Rnss.  Staatsrath,  Astronom,  Liebig- 

stra.sse  1 • 1884 

28.  Engelhardt,  Herrn.,  Professor  an  der  DreikBnigschnle,  Bautznerstr.  34 . . . 1865 

29.  Fickel,  Job.,  Dr.  phil,  Professor  am  Wettiner  Gymnasium.  Fürstenstr.  65 . . 1894 

30.  Fischer,  Hugo  Kob.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Sclinorr- 

strasse  67  1879 

31  Flachs,  Rieh.,  Dr.  med.,  Pragerstr.  21 1897 

32.  Foerster,  J.  S.  Friedr.,  Dr.  phil,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Wertlerstr.  23  1895 

33.  Freude,  Aug.  Bnino,  Bürgerschullehrer,  Bcrlinerstr.  8 1889 

31.  FVeyer,  Carl,  Bürgerschnllehrer,  Tittinaniistr.  25  1896 

,35.  Friedrich,  Eilm.,  Dr.  med.,  lundcngasse  20 1865 

36.  Frölich,  Gust.,  K.  Hofarchitekt  und  Hof  hauinspector,  Ludwig  Kichterstr.  9 . 1888 

37.  Galewsky,  Eug.  Eman.,  Dr.  med.,  Waisenhans.str.  21 18i)9 

38.  Gebhardt,  Mart,  Dr.  phil,  Realgymna.siallehrer  an  der  Annenschule,  Winckel- 

raannstr.  47  1894 

*• 


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IV 

Jfthr  dpr 
Aufofthtn^. 

3H.  (ieinitz,  C.  Lcop.,  Bürean-Assistont  an  den  K.  SSclia.  StaatsUahnen,  I.iudenau- 

Btraase  10 1886 

40.  Glseke,  Carl,  Privatus,  Franklinstr.  9 1893 

41.  draTelina,  Harry,  I)r.  phil.,  Astronom,  Profes.sor  an  der  K.  Technischen 

Hochschale.  Beissigerstr.  13 1897 

42.  OroBse,  C.  Joh.,  lir.  med.,  Chcranitzerstr.  ,53  1893 

43.  Grab,  Carl,  .8tabsapotheker  a.  D.,  Hasseslr.  6 1890 

44.  (ilrUndler,  .Joh.,  Dr.  med.,  Comeniusstr.  31 1897 

45.  GOhne,  Herrn.  Beruh.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigachule,  Ji%'ei-str.  28  1896 

46.  Günther,  Rud.  Biedemi.,  Dr.  med.,  (leh.  Rath,  Präsident  des  K.  Landes- 

medicinal- Collegiums,  Eliasstr.  22  1873 

47.  Gnthmann,  Louis,  Fabrikbesitzer,  Pragerstr.  34  . _ 1884 

48.  Häiiel,  l’aul,  Chemiker,  Hertelstr.  29 ’ 1899 

49.  Uallwachs,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochaclmle, 

Schweizerstr.  14 1893 

60.  Hartig,  C.  Emst,  Dr.  ])liil..  Geh.  Regierungsrath,  Professor  an  di^r  K.  Tech- 

nischen Hochschule,  Winckelnianustr  31 1866 

61.  Hartmaun,  Alb.,  Ingenieur,  Reichenbachstr.  11 1896 

62.  Uefelmann,  Kud.,  l)r.  phil.,  Chemiker,  .Sehreibergasse  6 1884 

53.  Heger,  Gust  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K Technischen  Hochschule  nud 

am  Wettiner  Gymnasium,  W’inckelmannstr.  37  1868 

64.  Heinrich,  Carl,  Ilui  hdruckereibesitzer,  .Vieritzstr  14 1898 

66.  Helm,  Georg  Fenl,,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Techni.schen  Hochschule, 

Winckelmannstr.  27 1874 

66.  Hempel,  Waith.  .Matthias,  Dr.  phil..  Geh.  Hofrath,  Piofessor  au  der  K.  Tecli- 

uisehen  Hochschule,  Zelle.schestr.  44  1874 

67.  Henke,  C.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor,  Conrcctor  an  der  Annensehule,  Linilenan- 

strassc  9 1898 

68.  Hering,  C.  Adolph,  Berg-  und  Hiitten-ingenieur,  Gutzkowstr.  lü 1893 

69.  Hertnrig,  Theod.,  Bergdirectnr  a.  1).,  .Stephanienstr.  26  1888 

(X),  Hirt,  F.  Roh.,  Stadtrath  a.  D.,  Fabrikbesitzer,  Btirgenviese  1 1886 

61.  Hofniann,  Alei.  Emil,  Dr,  phil..  Geh.  Hofrath,  Giithestr.  6 1866 

62.  Hofmann,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Rittergntshesitzer,  Eliasstr.  31 1883 

63.  Hoyer,  (’.  Emst,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  1.  Realschule,  Schnbertstr.  29  1897 

64.  Hübner,  Georg,  Dr.  ])hil.,  Apotheker,  .Am  Markt  3 und  4 1888 

65.  Hupfer,  Paul,  Dr.  phil.,  Lehrer  an  der  öfl'enlliehen  Handelslehranstalt,  Loth- 

riiigerstr.  4 1896 

66.  Jani,  F.  Herrn.,  Privatus,  Kiiiiigstr.  17 1871 

67.  Jenke,  Andreas,  Bezirkssehullehrer,  Circusstr.  10 1891 

68.  Jentseh,  .loh.  Ang.,  Bezirksschullehrer,  Ei.senbergerstr.  13 188.5 

69.  Ihle,  Carl  Herrn.,  Oberlehrer  am  K.  Gymna-sinm  zu  Neustadt,  Kamenzerstr.  9 1894 

70.  Kämnltz,  Max,  Chemiker,  Bautznerstr.  79  1894 

71.  Küseberg,  Mor.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Institntslehrer,  Kl.  Planensehest r.  29  . . . 188ti 

72.  Kalkonsky,  Emst,  J)r.  phil.,  Profe.ssor  an  der  K.  Technischen  Hochschule 

und  Direetor  des  K.  Mincr.-geidog.  Museums  nebst  der  Prähistor.  Sammlung, 
Franklinstr.  32  1894 

73.  Kavser,  Agnes,  Sanilätsraths-Wittwe,  Terrassenufer  3 1883 

74.  Keil,  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Annensehule,  Lindenanstrasse  12  . 1873 

75.  Kelling,  E m.  Georg,  Dr.  med.,  Cliristianstr.  30  1899 

76.  Klein,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Profes.sor  am  Vitzthnm’schen  Gymnasium,  Grosse 

Plauenschestr.  13 186;{ 

77.  Klette,  Alphons.  Privatus,  Residenzstr.  18 1883 

78.  Klette,  Emil,  Privatus,  Elsasserstr.  2 1893 

79.  König,  Clem.,  Professor  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt,  Katharineiistr.  16.  1890 

80.  Kopeke,  Clausa,  Geh.  Rath.  Strehlencrstr.  23  1877 

81.  Krause,  Mart.,  Dr.  phil..  Geh.  Hofrath,  Professor  au  der  K.  Techni.schen  Hoeh- 

seliiile,  Kaitzer.str.  12 1888 

82.  Krone,  Herrn.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch.schule,  .loscphinenstr.  2 18,52 

Hi).  KUhnseherf,  Emil,  Fabrikbesitzer,  Gr.  Plauen-schestr.  20  1866 

84.  Kuntze,  F.  Alb.  Artli.,  Bankier,  Hohestr.  4 1880 

83  LangsdorlT,  Carl  Alex,  von,  Geh.  Oekonoraicrath,  Professor  an  der  K.  Thier- 

ärztlichen  lloehsehiile,  Franklinstr.  22  1885 

86.  Ledebnr,  Haus  Ein.  Freiherr  von,  Friedensrichter,  IJhlandstr.  6 . ...  18K5 

87.  Ledien,  F'ranz,  Garten-IusiK’ctor  am  K.  Botanischen  Garten,  .StUhel-Allec  2 1889 


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V 


Jahr  der 
Aufoabme. 

88.  Lehmann,  F.  Georg,  K.  Hofbachhändlcr,  Albrechtstr.  22  1898 

89.  Leuner,  F.  Oac.,  Ingenieur,  Franklinstr.  84  1885 

90.  Lewlcki,  .1.  Leonidas,  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Zelleschestr.  29  1875 

91.  Littrow,  Arth,  von,  Dr.  phil.,  SecretSr  des  landwirthschaftl.  Kreisvereins, 

Gr.  Planen.schestr.  21 1891 

92.  Lohmann,  H-aiis,  Dr.  uhil.,  Oberlehrer  an  der  Annenschule.  Schnorratr.  82  . 1896 

93.  Lotternioser,  C.  A.  Alfred,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K Technischen  Hoch- 

schule, Zelleschestr.  31 1898 

94.  Lndwlg,  J.  Herrn.,  liezirksschullehrer,  Wintergartenstr.  58  1897 

95.  Meinert,  Eng.,  Dr.  jnr.,  Moltkeplatz  3 1895 

96.  Meissner,  Herra.  Linus,  BUrgerschullehrer,  Löbtauerstr.  24 1872 

97.  Menzel,  Paul.  Dr.  raed.,  Mathildenstr.  46  1894 

98.  Meyer,  Ad.  Benih.,  Dr.  med.,  Geh.  Hofrath,  Direetor  des  K.  Zoolog,  und 

Anthrop.-ethnogr.  Musenms,  Wiencrstr.  43  1875 

99.  Meyer,  Emst  von,  Dr.  phil.,  Geh  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Lessingstr.  6 1894 

100.  Modes,  Henn.,  Ingenieur,  Antonstr.  18 1887 

101.  Mühlan,  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

.Semperstr.  I 1895 

102.  Mollier,  Kob.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Gutzkowstr.  29  1897 

K^.  Morgenstern,  Osc.  Wold.,  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Ohemnitzerstr.  21  1891 

104.  Miihlfrledel,  Rieh.,  Bezirksschul-Oberlchrer,  Haydnstr.  9 1898 

105.  Mttller,  C.  Alb.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  ilffentlichen  Handelslehrunstalt, 

Mathildenstr.  66  1888 

106.  Müller,  Herrn.  Otto,  Forstasses.sor,  Sohnorrstr.  12 1896 

107.  Müller,  Mas  Erich,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Wasastr.  15 1898 

108.  >’fttsch,  Emil,  Dr.  phil.,  Privatdocent  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Gluckstr.  6 1896 

109.  Kanmann,  C.  Amo,  Dr.  phil.,  Assistent  am  K.  Botanischen  Garten  und  Lehrer 

an  der  Gartcnbauschule,  Ziillnerstr.  7 1889 

110.  Tianmann,  Emst,  Dr.  phil.,  Assistent  am  K.  lliner.-geolog  Museum,  Holbein- 

str.isse  17 1898 

111.  Jiessig,  Roh.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  au  der  Dreikünigschule,  Martin  Lntherstr.  6 1893 

112.  Kledner,  dir.  Franz,  Dr.  med.,  Olicrmediciualrath,  Stadtbezirksarzt,  Winckel- 

mannstrasse  33  1873 

113.  Nowotny,  Franz,  Ober- Finanzrath  a.  D.,  Chemnitzerstr.  27  1870 

114.  Ostermaier,  .Joseph,  Kaufmann,  Gcrok.str.  45 1896 

115.  Pattenhansen,  Berah.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule  und 

Direetor  des  K.  Mathem.-physikal.  8alon.s.  Eisenstuekstr.  43  1893 

116.  Panlack,  Theml.,  Apotheker,  Pani  Gerhardtatr.  4 1898 

117.  Pestei,  Rieh.  Martin,  Mechaniker  und  Optiker,  Hanptstr.  1 und  3 . . . . 1899 

118.  Penckert,  F Adolf.  Institntslehrer,  Seilergasse  2 1873 

119.  Pockels,  Fricdr.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Sedanstr.  8 1896 

120.  Pütsrhke,  .Tul..  Techniker,  Gärtnerga.s.se  5 1882 

121.  Pohle,  Rieh.,  Assistent  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  .Schweizerstr.  12  1897 

122.  Polscher,  A.,  Zahnklinstler,  Prager.str.  13 1897 

123.  Prinzhorn,  Joh.  Lndw.,  Direetor  einer  T,ehr-  und  Erziehungsanstalt  für 

Knaben,  Ferdinandstr.  17  1896 

124.  Pntscher,  .1.  Wilh.,  Privatns,  Bergstr.  44  1872 

125.  Rabenhorst,  G.  Ludw.,  Privatu.«,  Stolpenerstr.  8 1881 

126.  Range,  E.  .Albert,  Strassen-  und  Wasserbau-Inspector,  BUrgenviese  8 . . 1898 

127.  Raspe,  Frledr.,  Dr.  pbil.,  Chemiker,  Terra.ssenufer  3 1880 

128.  RebenstorlT,  Herrn.  Alb.,  Oberlehrer  beim  K.  Cadcttencoriis,  Priessnitzstr.  2 18it5 

129.  Reichardt,  Alex.  Wilibald,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Wettiner  Gymnasium, 

Chemnitzerstr.  35  1897 

130.  Renk,  Frledr.,  Dr.  med..  Geh.  Medi<’inalrath,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule  und  Direetor  der  Centralstelle  für  öfl'entliche  Gesundheitspflege, 
Residenzstr.  10 1894 

131.  Richter,  C.  Wilh.,  Dr.  med.,  Hiihnelstr.  1 1898 

1.32.  Risch,  Osc.,  Privatns,  Gutzkowstr.  10 1893 

1.33.  Röbner,  C.  Willi.,  Bezirksschnllehrcr,  Elisenstr.  16 1898 


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VI 


J4br  d«r 
Aufokbrne. 

184.  Robn,  Carl,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Liehig- 

strasse  18 1885 

1.85.  Sslbacli,  Franz,  Ingenieur,  Victoriastr.  3 1895 

13fi.  Schaedc,  Benno,  Amtsgerichtsrath  a.  D.,  Uhlanilstr.  24  1891 

137.  Schanz,  Alfr.,  Dr.  med.,  Georgplatz  11 1897 

138.  Scheele,  Curt,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Wettiner  Gvmuasinm,  Keichenbach- 

1 ^*^03 

139.  Schiller,  Carl,  Privatus,  Bautzner.«tr.  49  1872 

140.  Schlossmann,  Arth.  Herrn.,  Dr.  med.,  I’rivatdocent  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Franklinstr.  7 1896 

141.  Schmidt^  Herrn.,  Bezirkssi  hnllehrer.  Schumannstr.  29  1898 

142.  Schneider,  Bernh.  Alfr,  Dr.  phil.,  Corpsstabsapotheker,  Bietschelstr.  14 . . 1895 

143.  SchSpf,  Adolf,  Betriebsilirector  des  Zoologischen  Gartens,  Thiergartenstr.  1 1897 

144.  Schorler,  Bernh.,  Dr.  phil.,  Kealschullehrer  nud  Assistent  an  der  K.  Tech- 

nischen Hochschule,  Haydnstr.  5 1887 

145.  Schulze,  Georg,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule,  Markgrafen- 

strasse 34  1891 

146.  Schulze,  .lul.  Ferd.,  Privatus,  Liebigstr.  2 1882 

147.  Schuster,  Osc.,  Generalmajor  z.  D.,  Sedanstr.  1 18ti9 

148.  Schweissinger,  Otto,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Dippoldiswaldaetjdatz  3 . . . 1890 

149.  Schwotzer,  Mor.,  Btirgerschullebrer,  Kl.  l’hmenschcstr.  12 1891 

150.  Seyde,  F.  Ernst,  Kaufmann,  Strehlenerstr.  29 1891 

151.  Slegert,  Theod.,  Professor,  Antonstr.  16 1895 

152.  Siemens,  Friedr.,  Civil -Ingenieur  und  Fabrikbesitzer,  Liebigstr.  4 . . . . 1872 

1.53.  Slemers,  Auguste,  Privata,  Schnorrstr.  45  1872 

154.  Slemers,  Florentine,  TonkUnstlers  Wittwe,  Schnorrstr.  45  1872 

155.  Steuer,  Wilibald  Ferd.,  Privatus,  Unterer  Kreuzweg  3 1889 

166.  Stlefelhngen,  Hans,  Bezirks.schullehrer,  LUttichaustr.  13 1897 

157.  Stopp,  Paul,  Bankbeamter,  .Schiissergasse  4 1895 

158.  Streit,  Willi.,  Verlagsbuch-  und  Kunsthilndler,  llhlandstr.  8 1897 

159.  Stresemann,  Kich.  Theod.,  Dr.  phil.,  Aiiolheker,  Kesideuzstr.  42  ....  1897 

160.  Struve,  Alex.,  Dr.  phil , Fabrikbe.sitzer,  Stnivestr.  8 1898 

161.  StUbel,  Mor.  Aluhons,  Dr.  phil.,  Geolog,  Feldgasse  lo 1856 

162.  Süss,  P.,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Teehni.'‘cheii  Hochschule,  Behrischstr.  1 1899 

163.  Teicbmann,  Balduin,  Major  a.  D.,  Wieneiatr.  26  1895 

164.  Tempel,  Paul.  Oberlehrer  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt,  Markgrafenstr.  37  1891 

165.  Tballwltz,  Job,,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  II.  llealschnlc,  Sehiiorrstr.  70  . 1888 

166.  Thiele,  Henn.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Winckelmannstr.  27  1895 

187.  Thonuer,  Franz,  l’nvatus,  Uhlandstr.  9 1896 

168.  Toepler,  Ang„  Dr.  phil.  et  med..  Geh.  llofratli,  Profes.sor  au  der  K.  Technisehen 

Hoehsehnle,  Winckelmannstr.  43  1877 

169.  Toepler,  Maximilian.  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Teehui.sehen  Hochsi  hule, 

Wincki  ImannstT.  43  1896 

170.  Ulbricht,  F.  llich.,  Dr.  phil.,  Finanz-  und  Baurath,  Professor  an  der  K.  Tech- 

nischen Hia  hsehnle,  Strehlenerstr.  43  1885 

171.  Umlauf,  Carl.  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der.  Dreikouigsclmle,  Sehillerstr.  40 . 1897 

172.  Vetters,  Carl  W.  E,.  em.  BUrgersehul- Oberlehrer,  Gorlilzerstr.  28  ....  1865 

173.  Vlehmeter,  Hugo,  Bczirkssehullehrer,  Beissigerstr.  21 1898 

174.  Vieth,  Job.  von,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt,  Arndt- 

strasse  6 1884 

175.  A'ogel,  G.  Clem.,  Bezirksschnllehrer,  Liiidcnanstr.  25  1891 

176.  Vogel,  J.  Carl,  Fabrikhesitzer.  Leuhnitzerstr.  14 1881 

177.  Vorländer,  Herrn.,  Privatus,  Parkstr.  2 1872 

178.  IVähmuiiii,  Friedr.,  Bezirkssihullelirer,  Fürstcuplatz  1 1898 

179.  Wagner,  J’aul,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  I.  Kealsehnle,  HUlderstr.  9 . . 1897 

180.  Walther,  Beinhohl,  Dr.  phil.,  l’rofessor  an  der  K.  Technischen  Hoehsehnle, 

Schnorrstr.  40  189.5 

181.  AVeber,  Friedr.  Ang„  Imstitiitslehrer,  Circusstr.  34  186.5 

182.  Weigel,  Johannes,  Kaufmann.  Marienstr.  12 1894 

183.  Welssliach,  Kob.,  Geh.  Jlofrath,  Professor  .m  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Schnorrstr.  5 1877 

184.  Werther,  Johannes,  Dr.  med.,  Amalienstr.  23 1896 

185.  B'ilkens.  Carl,  Dr.  i>hil.,  Direetor  der  Steingtitfahrik  von  Villeroy  it  Bwb. 

Leipzigerstr.  4 1876 


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VII 


.lahr  iler 
All  fDahmo. 

IS6.  Wlnthropp.  JJeilson,  Privatns,  Wienerstr.  32 189ö 

187.  WittlD^,  Alex.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Krenzschnle,  Residenzstr.  32  . 1886 

188.  Wobst,  Carl,  Oberlehrer  an  der  Annen.schule,  Ammonstr.  78  1868 

189.  WollT,  Ernst,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  K.  Cadettencorp.s,  Weintranbenstr.  11  1896 

190.  Worjrltzky,  Eng.  Georg,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Kreuzsehule,  Pestalozzi- 

strasse 10 18!H 

191.  Zeoner,  Gust.,  Dr.  phil..  Geh.  Rath,  Professor  a.  D.,  'Winekelmannstr.  25  . 1874 

192.  Zielke,  Otto,  Apotheker,  Altmarkt  10 1899 

193.  Zipfel,  E.  Aug.,  Oberlehrer  und  Dirigent  der  II.  städtischen  Fortbildungs- 

schule, Zöllnerstr.  7 1876 

194.  Zschsu,  E.  Fehgtt.,  Professor  a.  D.,  Zwickanerstr.  44  1849 

193.  Zschuppe,  F.  Aug.,  Finanz -Yermessungs- Ingenieur,  Holbeinstr.  15  . . . 1879 


B.  insserhalb  Dresden. 

196.  AUenkirch,  Gust  Mor.,  Dr.  phil.,  Realschullehrer,  in  Plauen  b.  Dr , Coschützer- 

strasse  39 ' 1892 

197.  Beck,  Ant.  Rieh.,  Porstassessor  in  Tharandt 1896 

198.  Bergt,  Waith.,  Dr.  phil,  Privatdocent  an  der  K.  Technischen  Hochschule 

und  Assistent  am  K.  Mineral.- geolog.  Museum,  in  Plauen  b.  Dr.,  Bienert- 
strasse.  19 1891 

199.  Boxberg,  Georg  von,  Rittergutsbesitzer  auf  Rehnsdorf  bei  Kamenz  . . . 1883 

200.  Büttner,  Gust.  Ad.,  Forst^'ärtner  in  Tharandt 1896 

201.  Carlowitz,  Carl  von,  K.  Kammerherr,  Majoratsherr  auf  Liebstadt  ....  1885 

202.  Contractor,  Noshirvan,  Student  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  . . 1899 

203.  Degenkolb,  Herrn.,  Rittergutsbesitzer  auf  Rottwerndorf  bei  Pirna  ....  1870 

204.  DiekbolT,  Alphous,  l’rivatus  in  Bla.sewitz,  Forsthausstr.  5 1898 

205.  Dressier,  Heinr.,  Seminar-Oberlehrer  in  Plauen  b.  Dr.,  Reisewitzerstr.  30  . 1893 

20<>.  Drossbacb,  G.  P.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Deuben 1897 

207.  Engelhardt,  Rnd.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Radebeul,  Leipzigerstr.  2 . . . 1896 

208.  Erancke,  Hugo,  Dr.  phil.,  Mineralog  in  Planen  b.  Dr.,  Kathhaus.<tr.  5 . . . 1889 

209.  Fritzscbe,  Foix,  Privatus  in  Kötzschenbroda.  Moritzburgerstr.  2 . . . . 1890 

210.  Günther,  Osw.,  Chemiker  in  Blasewitz,  Weststr.  1 1899 

211.  Günther,  Rieh.,  Architekt  in  Blasewitz,  Forsthausstr.  7 1891 

212.  Ilühle,  H.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Kadebeul,  Albcrtstr.  20  1897 

213.  Jacob]',  Julius,  K.  llofjuwelier  in  Blasewitz,  Einser  Allee  12 1882 

214.  Jentzscb,  Albin,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Kadebeul,  Friedrich  August- 

strasse 4 1896 

213.  Kesaelmeyer,  Carl,  Privatgelehrter  in  Altrinchaiii,  Cheshire 1863 

216.  Krntzscb,  Herrn.,  K.  ObeiTörster  in  Hohnsteiii 1894 

217.  Lewickl,  Emst,  Ingenieur,  Adjmiet  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  in 

Plauen  b.  Dr,  Bernhardstr.  20 1898 

218.  Müller,  Felix,  Dr.  phil.,  Profes.sor  a.  I).  in  l/oscliwitz,  Ueinrichstr.  12.  . . 1898 

219.  Müller,  Rnd.  Lndw.,  Dr.  med.  in  Blasewitz,  Friedrich  Augiistslr.  25  . . . 1877 

220.  Osborne,  Wilh.,  Privatus  in  Serkowitz,  AVasastr.  1 1876 

221.  Osborne,  AAMlb,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Serkowitz,  Wasastr.  1 1898 

222.  Reibisch,  Tlieod.,  Privatlehrer  in  l’lauen  b.  Dr,  Bieuertstr.  24  1851 

223.  Beheldhauer , Rieh.,  Civil- Ingenieur  in  Klotz.schc- Königswald,  Richard 

Wagnerstr.  16 1898 

224.  Schrelter,  Br,  Bergdirector  a D.  in  Berggic.sshUhcl 1883 

225.  Sehnnke,  Th.  Huldreich,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer  in  Blasewitz,  Waldpark- 

Strasse  2 1877 

226.  Seidel,  T.  J.  Rudolf,  Kunst-  und  Handelsgartncr  in  Laubegast,  Uferstr.  7 . 1899 

227.  Somme^  Carl,  Gymnasiallehrer  a.  D.  in  Meissen,  Bismarckplatz  ....  1898 

228.  Tboss,  Fr.  Aug.,  Seminarobcriehrer  in  Plauen  li.  Dr,  Hohestr.  56  ...  . 1898 

229.  Tbümer,  Ant.  Jul.,  Institutsdircetor  in  Blasewitz,  Residenzstr.  12  ...  . 1872 

230.  Weber,  Rieh.,  Apotheker  in  Königstein  a.  E 189.3 

231.  Wolf,  Curt,  Dr.  med.,  K.  Polizeiarzt  in  Planen  b.  Dr,  Reisewitzerstr.  22  . 1894 

232.  Wolf,  Theod.,  Dr.  phil..  Privatgelehrter  in  Plauen  b.  Dr.,  Hohestr.  15  . . 1891 


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vm 


II.  Ehrenmitglieder  . J>br  der 

Aufnabme, 


1.  Agasslz,  Alex.,  Dr.  phil.,  Cnrator  a.  D.  des  Museum  of  Coiuparalive  Zoology  in 

Cambridge,  Mass 1877 

2.  Corns,  Jul.  Vict.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  UniversitSt  in  Leipzig  . . . 1869 

3.  Credner,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Geh.  Bergrath,  Professor  an  der  üniversitSt  und 

Director  der  geologischen  Landesuntersuchung  des  Königreichs  Sachsen  in 

4.  Flügel,  Felix.  Dr.  phil.,  Vertreter  der  Smithsonian  Institution  in  Leipzig  . 18.55 

5.  Galle,  J.  O.,  Dr.  phil..  Geh.  Kegieruiigsrath,  Professor  a.  D.  in  Potsdam  . . 1866 

6.  Gelnltz,  Hans  Bnino,  Dr.  phil..  Geh.  Bath,  Professor  und  Director  a.  D.  des 

K.  Mineral.-geolog.  Museums  nebst  der  I’rähistor.  Sammlung  in  Dresden, 
Lindenaustr.  10 (18^)1894 

7.  Haughton,  Rev.  Sam.,  Professor  am  Trinity  College  in  Dublin 1862 

8.  Jones,  T.  Rupert,  Professor  a.  D.  in  London 1878 

9.  KSIIieker,  Alb.  von,  Dr.,  Geh.  Rath,  Professor  an  der  Universität  in  Würzbnrg  1866 

10.  Laube,  Gust..  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Prag 1870 

11.  Ludwig,  Friedr..  Dr.  phil..  Professor  am  Gvinnasium  in  Greiz.  . . . (1887)1895 

12.  Magnus,  Pani,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Berlin 1895 

13.  Mereklin,  (^arl  von,  Dr„  Geh.  Rath,  in  Petersburg 1868 

14.  Möhl,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Professor  in  Kassel 1875 

15.  Nltsene,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Profe.ssor  an  der  K.  Forstakadeinie  in  Tharandt  . 1893 

16.  Jiostiz-Wallwilz,  Herrn,  von,  Dr.,  Staatsminister  a.  D.  in  Dresden,  Kai.ser 

Wilhelmsplatz  10 1869 

17.  Omboni,  Giov.,  Professor  an  der  Universität  in  Padua 1868 

18.  Silva,  Mig.  Ant.  da,  Professor  an  der  Ecole  centrale  in  Rio  de  Janeiro  . . 1868 

19.  Stäche,  Guido,  Dr.  phil.,  K.  K.  Oherbergrath , Director  der  K.  K.  Geolo- 

a-ia  /v  x o«-»  * 


^IMIUCU  rVCK.UBnilMttiL  III  «V  ICH 

20.  Theile,  Friedr.,  Dr.  med.  in  Lockwitz  (Mitstiftcr  der  Isis) 1885 

21.  Tscherinnk,  (ist..  Dr.,  Hofrath,  Professor  an  der  Universität  in  Wien  . . . 1869 

22.  Yerbeek,  Rogier  D.  M.,  Dr.  phil.,  Director  der  geologischen  Landesuntersuchung 

von  Niederländisch-lndicn  in  Buiteuzorg 1886 

23.  Vlrchow,  Rnd.,Dr.  ined..Geh.  Medicinalrath,  Professor  an  der  Universität  in  Berlin  1871 

24.  Wolf,  Frz.,  Dr.  phil.,  Professor,  Realschnldirector  in  Rochlitz 1893 

25.  Zeuner,  Gust.,  Dr.  phil..  Geh.  Rath,  Profes.sor  a.  D.  in  Dresden,  Winckelmann- 

strasse  25  1874 

‘26.  Zirkel,  Ferd.,  Dr.  phil..  Geh.  Bergrath,  Professor  an  der  Universität  in  Leipzig  1893 


III,  Correspondirende  Mitglieder. 


1.  Albert!,  Osc.  von,  Berganilsreferendar  in  Freiberg 1890 

2.  Amthor,  C.  E.  A.,  Dr.  phil.,  in  Hannover '.  . 1877 

3.  Ancona,  Cesare  de,  Dr.,  Professor  am  R,  Institnto  di  .stndi  superiori  in  Florenz  1863 

4.  Ardissone,  Frz.,  Dr.  phil.,  Professor  an  dem  Technischen  Institut  und  der 

Ackerbauschnle  in  liailaiifl 1880 

6.  Artzt,  .Ant.,  Vermessungs  ingenieur  in  Plauen  i.  V 1883 

6.  Ascherson,  Paul,  Dr.  pliil..  Professor  an  der  Universität  in  Berlin  ....  1870 

7.  Itachinann,  Ewald,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Realschule  in  Plauen  i.  V.  . 1883 

8.  Baensch,  William  von,  Privatus  in  Stralsund 1886 

9.  Haessler,  Herrn.,  Director  der  Strafan.stalt  in  V'oigtsberg 1866 

10.  Baldanf,  Rieh.,  Bergdirector  in  Dux 1878 

11.  Baltzer,  A.,  Dr.  phil.,  Professor  au  der  Universität  in  Bern 188.3 

12.  Bernbardi,  ,Ioh.,  Landhatiinspector  in  Altenlmrg 1891 

13.  Bibliothek,  Königliche,  in  Berlin 1882 

14.  Blanford,  Will.  T.,  Esqu.,  in  Loinlon 1862 

15.  Blaschka,  Rud.,  naturwisscnsch.  Modelleur  in  Hosterwitz 1880 

16.  Bloebniaiin,  Rud.,  Dr.  phil.,  Physiker  am  Marine-Laboratorium  in  Kiel  . . 1890 

17.  Boniblcci,  Luigi.  Profe.ssor  an  der  Universität  in  Bologna 1869 

16.  Brusina,  Spiiidion,  Profe.ssor  au  der  Universität  in  Agram 1870 

19  Bnrean,  Ed..  Dr..  Professor  am  nafnrhi.stor.  Mnsenm  in  Paris 1868 

20.  Canestrini,  G.,  Profe.ssor  au  der  Universität  in  Padua 1860 


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IX 


.I*hr  der 
Aufnahme. 

21.  Carstens.  C.  Dietr.,  Ingenieur  in  Varel 1874 

22.  Conwentz,  Hugo  Wilh.,  Dr.  phil.,  Professor,  Director  des  Westprenss.  Pro- 

vincialrauseums  in  Danzig 1886 

23.  Danzig,  Emil,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Healschnle  in  Rochlitz  ....  1883 

24.  Datbe,  Emst,  Dr.  phil.,  K.  Prenss.  Lajidesgeolog  in  Berlin 1880 

25.  Dittmarsch,  A.,  Berg.schuldirector  in  Zwickan 1870 

26.  Döll.  Ed.,  Dr.,  Oherrealschnldirectür  in  Wien 1864 

27.  Dass,  Bruno,  Dr.  phil.,  Doccnt  am  Kais.  Polytechnikum  in  Riga 1888 

28.  Dzlednszjrcki.  Wladimir  tlnif,  in  Lemberg 1852 

29.  Eisei,  Koh.,  Curator  des  städtischen  Museums  in  Gera 1857 

30.  Fischer,  Aiig.,  Kaufmann  in  Pösneck 1868 

31.  Flohr,  Conrad,  Amtsgerichtsrath,  Amtsrichter  in  Leipzig 1879 

32.  French,  C.,  Esqn , Govemement  Entomologist  in  Mellmurne 1877 

33.  Frenzei,  A.,Dr.  phil.,  Lehrer  an  der  Bergschule  iiudK.  HUttenchemiker  in  Freiberg  1872 

34.  Frlederirh,  A.,  Dr.  mcd.,  S.anität.srath  in  Wernigerode 1881 

36.  Friedrich,  Osc.,  Dr.  phil..  Professor,  Conrector  am  Grmnasinm  in  Zittau  ! 1872 

36.  Fritsch,  Ant.,  Dr.  med.,  Professor  an  der  Universität  und  Custos  am  böhmi- 

schen Landcsmuscum  in  Prag 1867 

37.  (landry,  Alb.,  Dr.,  Merabrc  de  llustitut,  Professor  am  uaturhistorischeu 

Museum  in  Paris 18»i8 

38.  fJeheeb,  Adelb..  Apotheker  in  Geisa 1877 

39.  Geinitz,  Frz.  Eiig.,  Dr.  phil , Professor  an  der  Universität  in  Rostock  . . . 1877 

40.  Gonnermann,  Max,  Dr.  phil.,  Apotheker  und  Chemiker  in  Rostock  . . . 1865 

41.  Groth,  Paul,  Dr.  phil,  Professor  an  der  Universität  in  München 1865 

42.  Härtung,  11.,  liergmei.ster  in  Lohenstein- 1867 

43.  Helm,  Alb.,  Dr  phil.  Professor  an  der  Universität  und  am  Polytechnikum  in  Zürich  1872 

44.  Heine,  Ferd  , K.  Domänenpächter  und  Klo.stergutsbesitzer  auf  Hadmersleben  186.3 

45.  Hennig,  Georg  Rieh.,  Dr.  phil,  Docent  am  Kais.  Polytechnikum  in  Riga  1888 

46.  Herb,  .Salinendirector  in  Traunstein 1862 

47.  Hrrrmann,  Wilh.,  Dr.  theol.  et  phil,  Professor  an  der  Universität  in  Marburg  1862 

48.  Hlbsch,  Enmnuel,  Dr.  phil,  l'rofesaor  an  der  Höh.  Ackerbauschule  in  Lieb- 

wenl  bei  Tetschen I8R5 

49.  Hilgard,  W.  Eng.,  I’roft'ssor  an  der  Universität  in  Berkeley.  Californien  . . 1869 

50.  Hilgendorr,  Frz  , Dr.  phil,  Professor,  Custos  am  K.  zoolog.  Museum  iu  Ih-rlin  1871 

51.  Hirzel,  Heinr.,  Dr.  phil,  Professor  a.  D.  in  Leipzig 1802 

,52.  Hofmann,  Hmn.,  Biirgerschullehrer  in  Gros.senhain 1894 

53.  Hflbncr,  Ad.,  Oberhüttenmeister  anf  der  Halsbrückner  Hütte  bei  Freiberg  . 1871 

54.  HnU,  Ed.,  Dr.,  Professor  iu  London 1870 

55.  Isral'l,  A.,  Schulrath.  Scminanlirector  n D.  in  Zschopau 1868 

56.  Issel,  Arth.,  Dr.,  l’rofessor  an  der  Universität  in  Genua 1874 

57.  Jentzsch,  Alfr.,  Dr.  phil,  Professor  an  der  Universität  und  Director  des 

Ostpreuss.  Provincialniuseums  in  Königsberg 1871 

58  Kcsselmeyer,  Wilh..  in  Manchester 1863 

59.  Kirbach,  Fr.  Paul,  Dr.  phil,  Oberlehrer  an  der  Realschule  in  Mei.ssen  . . 1894 

60.  Klein,  Herrn.,  Herausgeber  der  „Gaea“  in  Köln 1865 

61.  Köhler,  Emst.  Dr.  phil,  .Scouinaroberlehrer  a.  D.  in  Schueeberg 1858 

62.  König  von  Warthansen,  Wilh.  Rieh.  Freiherr  von,  Kamnutrhetr  auf  Wart- 

hsusen bei  Hiberach 1855 

63.  Kornbaber,  Andreas  von,  Dr.,  Professor  am  Polytechnikum  in  Wien  . . . 18,57 

6-t.  Kosmabl.  Friedr.,  K.  Oberförster  a D.  in  Lange'hrück 1882 

65.  Krebs,  Willi.,  Privutgelehrter  in  .-Vltona 1885 

Wi.  Krieger,  W.,  Lehrer  in  Königstein 1888 

67.  KUhn,  E.,  Dr.  phil,  Schulrath,  Bezirk.sschulin.spector  in  Leipzig 1865 

68.  Kyber,  Arth.,  Chemiker  in  Riga 1870 

69.  Lange,  Theml.,  Dr.  phil,  .äpotheker  in  Werningshausen 1890 

70.  lainzi,  Matthaeus,  Dr  med.,  in  Rom 1880 

71.  Lapparent,  Alb.  de,  Ingenieur  des  mines,  Professor  in  Paris 1868 

72.  Lefevre,  Tbeod.,  Dr.,  in  Brüssel 1876 

73.  Le  Jolis,  Aiig.,  Dr.  phil,  Direetor  der  Soeiitä  nation.  des  Sciences  natiir.  et 

matbfm.  in  Cherbourg 1866 

74.  Leonbardt,  Otto  Emil,  Seminaroberlehrer  in  Nossen 18fl0 

7.5.  Ia>hrmann,  Emst,  Dr.  phil,  Oberlehrer  am  Realgyimmsinm  in  .\nnaberg  1892 

76.  LDttke,  Job.,  Fabrikbesitzer  in  Hamburg iHHl 

77.  Mayer,  Charles,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Zürich 1869 


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X 


Jahr  der 
Aufaahme. 

78.  Xehnert,  Ernst,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer  in  Pirna 1882 

79.  Menzel,  Carl,  Oberbergrath,  Hergamtarath  in  Ereiberg  . 1869 

80.  MBller,  Valerian  von,  wirkl.  Staatarath,  Oberberghanptmann  in  Petersburg . 1869 

81.  Nascliold,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Au.ssig 1866 

82.  Kaumann,  Ferd.,  Dr.  med.,  Jlarinestab.sarzt  a.  D.  in  Gera 1889 

83.  Tianmann,  Herrn.,  Oberlehrer  an  der  Kealschule  in  Bautzen 1884 

84.  Nenbert,  Gust.  Ad.,  Hofrath,  Profe.ssor  a.  D.  in  Klotzsche -Königswald  . . 18.57 

85.  Sobbe,Friedr.,Dr.  phil.,  Geh.Hofrath,Prof.anderK.Forstakadeuiie  in  Tharandt  1864 

86.  Pabst,  Mor.,  Dr.  phil.,  Professor,  Conrector  am  Kealgymnasium  in  Chemnitz  1866 

87.  Pabst,  Wilb.,  Dr.  phil.,  Cnstos  der  naturhistor.  Sammlungen  in  Gotha  . . 1881 

88.  Papperitz,  Erwin,  Dr.  phil..  Professor  an  der  K.  Bergakademie  in  Freiberg  1886 

89.  Peschei,  Emst,  Lehrer  in  Nttnehritz 1899 

90.  Petermann,  A.,  Dr.,  Director  der  Station  agronomique  in  Gembloux  . . . 1868 

91.  Pigorlni,  L.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  und  Director  des  Museums 

Kircherianum  in  Rom 1876 

92.  Prasse,  Emst  Alfr.,  Betriebsingenienr  a.  D.  in  Leipzig 1866 

93.  Rehmann,  Antoni,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Lemberg  ....  1869 

94.  Reiche,  Carl,  Dr.  phil.,  in  8antia§:o,  Chile 1886 

95.  Reidemeister,  C.,  Dr.  phil.,  Fabnkdirector  in  Schönebeck 1884 

96.  Richter,  Cour.,  Realschnllehrer  in  Aue 1895 

97.  Schimumy,  Paul  Rieh.,  Lehrer  in  Lommatzsch 1894 

98.  Schllenen,  H.  L.  von.  Oberst  z.  D.  in  Radebeul lSt>2 

99.  Schlimpcrt,  Alfr.  Mor.,  Apotheker  in  Cölln  bei  Meissen 1893 

100.  Schneider,  Ose.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.  in  Bla.sewitz 1863 

101.  Schnorr,  Veit  Hanns,  Professor  a.  D:  in  Zwickau 1867 

102.  Schreiber,  Paul,  Dr.  phil.,  Professor,  Director  des  K.  Sächs.  Mcteorolog. 

Instituts  in  Chemnitz 1888 

103.  Scott,  Dr.  phil.,  Director  der  Meteorological  Office  in  London 1862 

104.  Seidel,  Osc.  Mor.,  Seminaroberlehrer  in  Zschopau 18R3 

105.  Seidel,  Heinr.  Bemh.,  Seminaroberlehrer  in  Zschopau 1872 

106.  Seldlltz,  Georg  von,  Dr.  phil.,  in  Ludwigsort  bei  Königsberg  i.  Pr.  ...  1868 

107.  Sieber,  Georg.  Kittergutspächter  in  Grossgrabe  bei  Kamenz 1879 

108.  Sonntag,  F.,  Privatns  in  Berlin 1869 

109.  Stauss,  Waith.,  Dr.  phil.,  Ch«niker  in  Hamhurg 188.5 

110.  Stephani,  Franz,  Kaufmann  in  Leipzig 1893 

111.  Sterzei,  Joh.  Trang.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  I.  höheren  Mädchenschule 

in  Chemnitz 1876 

112.  Steuer,  Alei.,  Dr.  phil.,  Privatdocent  an  der  Universität  in  Jena  ....  1888 

113.  Steven.son,  J(jhn  .1.,  Profe.ssor  an  der  University  of  the  City  in  New-York  1892 

114.  Stossich,  Mich.,  Profes.sur  in  Triest 1860 

115.  Temple,  Kud.,  Director  des  Landesversicherangsamtes  in  Pesth 1869 

116.  Ulbricht,  R.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.  in  Dahme 1884 

117.  Ulrich,  George  11.  F.,  Dr  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Dnnedin, 

Nen-Seeland 1876 

118.  Vater,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Foratakademie  in  Tharandt  1882 

1 19.  Vetters,  K.,  Dr.  phil.,  Lehrer  an  den  Tccbniscbcn  Stjiatalehranstalten  in  Chemnitz  1 884 

120.  Voigt,  Bernh.,  Steuerrath,  Bezirks.steuerinspeetor  in  Chemnitz 18t!7 

121.  Voretzscli,  Max,  Dr  phil.,  Oberlehrer  am  Herzogi.  Erast-Realgymnasium  in 

Altenburg 1893 

122.  Waagen,  Wilh.  Heinr.,  Dr.  phil.,  Oberbergrath,  Professor  an  der  Universität 

in  Wien ' . 1877 

123.  Wartmann,  B.,  Dr.  mi^d.,  Professor  in  St.  Gallen 1861 

124.  Weinland,  Dav.  Friedr.,  Dr.,  in  Hohen  Wittlingen  bei  Urach 1861 

125.  Welse,  Aug.,  Buchhalter  in  Ebershach 1881 

126.  Welemensky,  Jac.,  Dr.  med.  in  Prag , 1882 

127.  Wentzel,  Gg.  Alb.,  K Hofgärtner  a.  D.  in  Pillnitz 1871 

128.  White,  Charles,  Dr.,  Curator  am  National -31u.seum  in  Washington  . . . 1893 

129.  Wiechel,  Hugo,  Baiiratli,  Betriebsinspector  in  Chemnitz 1880 

13<».  Wiesiier,  Jul.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Wien 1868 

131.  WollT,  F.  A.,  Seminaroherlehrer  in  Pirna 188:1 

132.  W'lliische,  F.  Otto,  Dr.  phil.,  Professor  am  Gymnasium  in  Zwickan  . . . 1869 

133  Zimmerninnii,  Osc , Dr  phil.,  Prtifessor  am  Realgymnasium  in  Chemnitz  . 188t) 


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Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1899. 


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I.  Section  für  Zoologie. 


Erste  Sitznngani  2.  Februar  1899.  Vorsitzender:  Prof.Dr.  H.  Nit  sehe. 
— Anwesend  27  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  überreicht  für  die  Bibliothek  der  Gesellschaft 
ein  Exemplar  seines  jüngst  erschienenen  Buches:  „Studien  über  Hirsche“, 
Heft  I. 

Institutsdirector  Th.  Iteibisch  berichtet,  dass  neuerdings  an  einer 
Landschnecke  elektrische  Erscheinungen  beobachtet  worden  seien. 

Dr.  J.  Thallwitz  schildert  einen  von  ihm  beobachteten  Kampf 
zwischen  zwei  Käfern. 

,Ini  Spiitxommcr  1898  Lciuerkte  ich  an  einem 'WaldrÄmlchcn  bei  Pirna  einen  zwischen 
dem  Oras  <lahineilenden  und  auf  meinen  Standort  zukommenden  Carabmi  aurahts.  Kaum 
znfiillig  auf  ihu  aufmerksam  geworden,  sah  ich,  wie  das  Thier  von  einem  Xecrophorus 
vespillo  angegriffen  wurde,  der  es  von  der  .Seite  her  antiel.  Da  sieh  der  Laufkäfer  kurze 
Zeit  darauf  nicht  mehr  regte,  fasste  ich  ihn  und  sah,  dass  er  eine  klaffende  Wunde 
uuterseits  hinter  dem  ersten  Brustring  aufwies  Wenn  der  Laufkäfer  clie  schwere 
Schädigung  auch  wahrscheinlich  vorher  anderswo  davongetragen  hat,  so  erschien  mir 
der  hastige  Angritf  des  Secropbcfrus  auf  ein  lebendes  Iiisect,  noch  dazu  auf  einen 
Carabus,  immerhin  als  eine  merkwürdige  Sache,  zumal  mich  der  umgekehrte  Fall  viel 
weniger  verwundert  hätte  “ 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  bespricht  in  einem  längeren  Vortrage  die 
Morphologie  der  Mundwerkzeuge  bei  den  Insecten  mit  besonderer 
Berücksichtigung  der  saugenden. 


Zweite  Sitzung  am  6.  April  1899.  Vorsitzender:  Dr.  J.  Thallwitz.  — 
Anwesend  20  Mitglieder. 

Dr.  J.  Thallwitz  hält  einen  Vortrag:  Zur  Hydrobiologie  der 
Elbe,  in  dem  er  den  Bau,  die  Entwickelung  und  die  Lebensart  der  in 
der  Elbe  vorkommenden  niederen  Krebse,  besonders  die  der  Blattfuss-, 
Muschel-  und  Spnltfusskrebse,  d.  h.  der  Phyllopoden,  Ostracoden  und 
Copepoden  behandelt.  Zur  Erläuterung  dienen  von  ihm  selbst  angefertigte 
Tafeln  und  mikroskopische  Präparate.  Einschlägige  Litteratur  wiial  vor- 
gelegt. 

Bankier  A.  A.  Kuntze  legt  eine  mit  Schildläusen  (wahrscheinlich  der 
Gattung  Afyiilasjris  angehörig)  besetzte  Apfelsine  vor. 


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4 


Dritte  Sitznn?  am  1.  Juni  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H.  Kitsche. 
— Anwesend  28  .Mitglieder. 

HerrM'.  Putsch  er  lässt  zunächst  den  genauen  Katalog  seiner  Mineralien- 
sammlung circuliren  und  zeigt  ein  in  seinem  Garten  aus  Samen  gezogenes 
Exemplar  von  Aquilcffia  vulgaris  vor,  dessen  Bliithen  merkwürdig  miss- 
gebildet und  vergrünt  sind. 

Institutsdirector  Th.  Reibisch  erläutert  an  einem  sehr  schönen 
Chamäleon-Skelett  die  besonderen  Eigenthümlichkeiten  des  Knochen- 
baues dieser  Gruppe. 

Prof.  Dr.  H.  Kitsche  schliesst  hieran  einige  Bemerkungen  über  den 
Bau  der  Lungen  und  das  Gefangenleben  dieses  Thieres. 

Prof.  Dr.  H.  Kitsche  berichtet  über  die  Einschleppung  einer 
japanischen  ungetiügelten  Laubheuschrecke  {lihaphidophorus  marmo- 
rahis)  durch  Eier.  Die  vorgelegten  Exemplare  stammen  aus  zwei  Glas- 
häusern in  Mittweida  in  Sachsen  und  Bückeburg. 

Derselbe  schildert  schliesslich  in  längerem  Vortrage  den  1897  und 
1898  über  fast  alle  sächsischen  Staatswaldungen  verbreiteten  Prass  des 
Pichtennestwicklers,  OrapJiolitha  tedeUa. 

Besonders  hervorznheben  ist,  dass  in  einigen  Revieren  dieser  Fras.s  durch  einen 
inseetentildtenden  Pilz,  durch  die  (jewühulich  nur  nnf  Kohlweisslingsranpen  vorkommende 
pAitomophthora  radicans  sein  Ende  fand. 


II.  Section  für  Botanik. 


Erste  Sitzung  am  9.  Februar  1899.  Vorsitzender:  Geh.  Ilofrath 
Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  36  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  hält  einen  Vortrag  über  die  Areale  der  Leit- 
pflanzen in  den  Pflanzenformationen  Sachsens  und  Thüringens. 

Derselbe  bildet  die  Fortsetzung  des  am  ao.  October  1898  vor  der  Gesellschaft  ge- 
haltenen Vortrages  und  ist  in  seinem  wesentlichsten  Inhalte  in  den  Abhandlungen  der 
Isis,  Jahrgang  1898,  S.  91,  als  „Anhang“  zu  demselben  gedruckt. 

Lehrer  II.  Stiefelhagen  legt  unter  anderen  vom  Herbste  her  bis 
jetzt  unausgesetzt  weiterblühenden  llerbstpflanzen  Aruhis  alhida  als  frühen 
Frühlingsblüber  dieses  merkwürdig  milden  M'inters  vor,  mitgebracht 
von  Cossebaude. 

Garteninspector  F.  Ledien  lenkt  die  Aufmerksamkeit  auf  den  sibiri- 
schen Frühblüher  Rhododendron  chrgsanthinn  im  botanischen  Garten. 

Institutsdirector  A.  Thümer  berichtet,  dass  Oalantlms  seit  Mitte 
J.anuar  in  Blasewitz  blühe. 

Zweite  Sitzuug  vom  13.  April  1899  fim  liörsaale  des  K.  Botanischen 
Gartens).  Vorsitzender:  Geb.  llofratb  Prof.  Dr.  O.  Drude.  — Anwesend 
22  Mitglieder  und  15  Gäste.  — Der  Sitzung  ist  eine  demonstrative  „Monats- 
versaminlung“  im  K.  Botanischen  Garten  um  5 Uhr  Kachmittags  voraus- 
gegangen. 


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o 


Prof.  Dr.  0.  Drude  bespricht  das  neu  erschienene,  höchst  anregend 
geschriebene  und  glänzend  ausgestattete  Werk  von  Prof.  Dr.  Schimper: 
„Pflanzengeographie  auf  physiologischer  Grundlage“,  beleuchtet  dessen 
Stellung  und  den  in  ihm  gebotenen  Fortschritt  zu  Grisebach’s  „Vegetation 
der  F.rde“,  sowie  zu  dem  in  jüngerer  Zeit  von  Warming  herausgegebenen 
„Lehrbuch  der  ökologischen  Pflanzengeographie“,  und  erklärt  unter  De- 
monstration geeigneter  Pflanzen  der  Gewächshäuser  die  Tendenz  des  Werkes 
an  einzelnen  herausgcgriffenen  Capiteln,  um  auf  das  Studium  desselben 
hinzu  wirken. 

Eine  von  Prof.  Dr.  H.  Conwentz,  Danzig,  als  Geschenk  eingegangene 
Broschüre  über  das  Vorkommen  der  Eibe  in  Deutschland  wird  vor- 
gelegt und  die  Bitte  des  Verfassers  mitgetbeilt,  dass  zu  seinen  Unter- 
suchungszwecken Proben  sächsischer  Moorhölzer  gesammelt  und  an  ihn 
gesendet  werden  möchten.*) 


Dritte  Sitzung  am  15.  Juni  1899  (im  Kalthause  des  K.  Botanischen 
Gartens).  Vorsitzender;  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend 
30  Mitglieder  und  2 Gäste.  — Der  Sitzung  ist  wiederum  eine  „Monats- 
versammlung“ um  5 Uhr  Nachmittags  vorangegangen,  doch  mussten  sich 
die  geplanten  Besichtigungen  wegen  anhaltenden  Regens  auf  die  Gewächs- 
häuser beschränken. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  hält  einen  Vortrag  über  die  Petersburger 
Gartenbau-Austeilung  vom  16. — 27.  Mai  d.  J.,  zu  welcher  ihn  ein 
Auftrag  des  K.  Ministeriums  des  Innern  als  Vertreter  des  sächsischen 
Gartenbaues  entsendet  hat,  legt  Photographien  jener  Ausstellung  im  Tau- 
rischen P.alais  vor,  und  bespricht  die  allgemeinen,  auf  das  strengere  Klima 
begründeten  Verhältnisse  des  russischen  Gartenbaues. 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 

Erst«  Sitzung  am  16.  Februar  1899.  Vorsitzender:  Privatdocent 
Dr.  W.  Bergt.  — Anwesend  38  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  macht  .an  der  Hand  einer  Probenummer  auf  die  in 
Spemann’s  Verlag  erscheinende  naturwissenschaftliche  Zeitschrift  „Mutter 
Erde“,  im  Einzelnen  .auf  einen  darin  enthaltenen  Aufsatz  über  die  geo- 
logischen Verhältnisse  Norddeutschlands  aufmerksam  und  knüpft 
daran  einige  Bemerkungen  über  die  interessanten  .Muschelkalkbrüche 
von  Rüdersdorf  bei  Berlin,  in  denen  für  den  Berliner  Geologentag  im 
Herbst  1898  Gletschertöpfe,  Gletscherschlitfe  und  ein  tiefes  Gletscherthal 
von  hervorragender  Schönheit  freigelegt  worden  waren. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  den  .angekündigten  Vortr.ag  über  Natur 
und  Entstehung  des  Chilisalpeters  mit  Vorführung  von  Gesteiiis- 
proben  und  Lichtbildern. 

*)  Vielleicht  hat  die  Verbreitung  dieser  Bitte  durch  den  Druck  Erfolg;  zur  Ver- 
mittelung erbietet  sich  der  Vorstand  der  botanischen  .Section  (Drude,  Wobst). 


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Prof.  H.  Engelhardt  berichtet  über  eine  neuentdeckte  Kreide- 
pflaiize,  ikissafras  Oeinitzi  Engelh.,  aus  dem  cenomanen  Quadersandstein 
von  Eutschütz,  über  neue  tertiäre  Pflanzen  von  Sardinien*)  und 
über  die  Bestimmung  von  fossilen  Palmenresten  im  Allgemeinen. 


Zweit«  Sitzung  am  20.  April  1899.  Vorsitzender:  Privatdocent 
Dr.  W.  Bergt.  — Anwesend  26  Mitglieder. 

Dr.  \V.  Bergt  hält  einen  Vortrag  über  vulkanischen  Staub  und 
veranschaulicht  denselben  durch  Proben  und  mikroskopische  Präparate. 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  spricht  über  Erdpyramiden  unter  Hin- 
weis auf  die  Schrift  von  Chr.  Kittlcr:  „Ueber  die  geographische  Ver- 
breitung und  Natur  der  Erdpyrainiden“,  Inaug.-Diss.  Erlangen  1897. 

Dr.  W.  Bergt  spricht  unter  Vorlage  von  Moldawiten  und  ähnlichen 
Bildungen  über  Suess:  „Ueber  den  kosmischen  Ursprung  der  Moldawite.“ 

Dritte  Sitzung  am  22.  Juni  1899.  Vorsitzender:  Privatdocent  Dr.  W. 
Bergt.  — Anwesend  22  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  mit  kurzer  Besprechung  das  Werk  von  0.  Herr- 
manu;  „Steinbruchindustrie  und  Steinbruchgeologie“  und  den  Katalog  der 
Mineraliensammlung  des  Herrn  W.  Putscher  zur  Einsicht  vor. 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  macht  auf  das  neu  erschienene  Werk  von 
Gürich:  „Das  Mineralreich“  aufmerksam. 

Oberlehrer  Dr.  K.  N'essig  giebt  einen  Bericht  über  rechtselbische 
Bohrlöcher  (vergl.  Abhandlung  II)  und  weist  auf  einen  verbesserten 
Aufschluss  im  Syenitconglomerat  und  Leopardensandstein  bei 
Coschütz  hin. 

Prof.  11.  Engelhardt  macht  einige  ergänzende  Bemerkungen  über 
Thoneinlageruugen  unter  dem  Haidesand,  legt  eine  Arbeit  von 
U.  Zeiller  über  SteinkohlenpHanzen  vor  und  berichtet  über  neue  tertiäre 
Pflanzen fundo  in  der  Uhön. 

Dr.  W.  Bergt  ergänzt  seinen  früheren  Vortrag  über  die  Moldawite 
und  führt  Präparate  natürlicher  Gläser  vor. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 

Erste  Sitzung  am  19.  Januar  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  26  Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  F.  Nobbe  spricht  über  vorgeschichtliche 
Funde  im  K.  Forstgarten  zu  Tharandt.  (Vergl.  Abhandlung  III.) 

In  der  sich  an  den  Vortrag  anschliessenden  Debatte  wird  namentlich 
die  Frage  erörtert,  ob  diese  Funde  als  Depotfunde  oder,  falls  sich  in  der 

*)  Vergl.  Abliandl.  I.^is  1898,  S.  101. 


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Nähe  des  Fundortes  in  urgeschichtlicher  Zeit  eine  Cultusstätte  befunden 
haben  sollte,  als  Opfergaben  anzusehen  seien. 

Herr  W.  Osborne  legt  eine  Bronzefibel  aus  dem  La  Tene-Griiber- 
felde  von  Iludnikersee  bei  Graudenz  und  ein  Feuersteingeräth  von 
der  Insel  Seeland  vor  und 

referirt  über  einen  von  John  Evans  auf  der  Jahresversammlung  der 
Gesellschaft  zur  Beförderung  der  Wissenschaften  zu  Toronto  gehaltenen 
Vortrag  über  das  Alter  des  Menschengeschlechts. 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  bringt  zur  Ansicht  einen  in  der  rauhen 
Fuhrt  bei  Diesbar  aus  der  Elbe  gebaggerten  Steinhammer,  in  dessen 
fast  vollendetem  Bohrloch  noch  der  wohlerhaltene  Bohrkern  steht, 

sowie  das  Bruchstück  eines  Steinbeils,  ein  topfartiges  Gefäss  mit  drei 
warzenförmigen  Ansätzen  und  eine  Anzahl  Gefassscherhen  mit  Stichband- 
verzierungen,  welche  aus  einer  Niederlassung  der  jüngeren  Stein- 
zeit im  Dorfe  Ilöderau  stammen. 

Zweite  Sitzung  am  16,  März  1899.  Vorsitzender:  Prof  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  15  .Mitglieder. 

Prof  Dr.  J.  Deichmüller  spricht  über  die  als  „Frau  von  Auver- 
nier“  bekannte  Büste,  welche  von  Prof  Dr.  J.  Kollmann  in  Basel  durch 
Aufträgen  der  IVeichtheile  auf  den  Schädel  einer  Frau  aus  dem  Pfahlbau 
Auvernier  hergestellt  worden  ist 

Lehrer  H.  Döring  hält  einen  Vortrag  über  den  Burgwall  von 
Arkona  auf  Bügen  und  legt  Photographien  und  Fundgegenstände  von 
demselben  vor. 

Derselbe  bringt  ferner  zur  Ansicht  ein  Steinbeil  von  Stönzsch 
bei  Pegau,  ein  Flachbeil,  einen  Spinnwirtel  und  einen  bandverzierten 
Gefässscherben  aus  neolithischen  Herdstellen  in  der  fiscalischen  Kies- 
grube von  Wiederau  bei  Pegau,  sowie  eine  Anzahl  Gefässreste  von  dem 
ßurgwall  bei  Altoschatz. 

Unter  letzteren  befinden  sieh  auch  solche  von  germanischem  Typus,  welche  darauf 
hindeuteu,  dass  dieser  Burgwall  vielleicht  bereits  in  vurslavischer  Zeit  errichtet  worden  ist. 

Prof  Dr.  J.  Deichmüller  berichtet  über  neue  Erwerbungen  der 
K.  Prähistorischen  Sammlung: 

Von  Steinhach  hei  Radeburg  erhielt  die  Sammlung  einen  Lappeneelt  aus 
Bronze,  ans  dem  beim  Kasernenhau  zu  Kamenz  aufgedeckten  (irfiberfelde  eine 
grosse  Anzahl  z.  Th.  wohlerhaltener  Gefilsse,  deren  Formen  den  jüngeren  Lausitzer 
Typus  zeigen  und,  wie  die  spärlichen  Eisenbeigaben,  beweisen,  dass  dieses  Gräberfeld 
in  den  letzten  Jahrhunderten  vor  Chr.  angelegt  worden  ist. 

Excursion  am  10.  Juni  1899  zur  Besichtigung  einer  angeblichen 
vorgeschichtlichen  Opferstätte  bei  Hermsdorf  zwischen  Klotzsche  und 
Königsbrück  und  eines  Burgwalls  bei  Klotzsche.  — Zahl  der  Theil- 
nehmer  9. 

Pie  nur  wenige  Minuten  sttdiieh  Hermsdorf  dicht  am  Wege  nach  Lansa  gelegene 
sogenannte  Opfer  stätte  ist  eine  flache  natürliche  Bodenerhebung  ohne  jede  Spur  künst- 
licher Erhöhung  oder  Umwallnng,  welche  von  einer  regellosen  Anhäufung  grosser  Stein- 
blöcke gekrönt  wird.  Das  zur  letzteren  verwendete  Material  sind  theils  kantige  Bruch- 


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stücke  des  den  Untergrund  bildenden  Lausitzer  Granits,  theils  abgeroUte  Blöcke  be- 
nachbarter contactmetaniorphischer  Grauwacken  und  nordischer  Granite  oder  erzgebirgisch- 
böhmischer  GranitiHirphvre  und  Basalte,  wie  sie  im  Diluvium  der  Umgebung  nicht  selten 
sind.  Dass  dieser  Steinban  in  vorgeschichtlicher  Zeit  errichtet  und  der  Platz  als  Opfer- 
Stätte  benutzt  wonien  sei,  dürfte  sich  nach  dciuirtlichen  Verhältnissen  kaum  bew  eisen  la.ssen. 

Der  östlich  des  Bahnhofs  Klotzsche  über  dem  Steinbruch  auf  dem  linken  Ufer  iles 
Priessnitzbaches  befindliche  Burgwall,  welcher  schon  auf  der  ans  dem  16,  .lahrhundert 
stammenden  Oeder'schen  Karte  als  Burgstadl  bezeichnet  wird  (vergl.  Sitzungsber.  Isis 
1897,  S.  7),  ist  ein  ans  Granitstücken  errichteter  Wallrest,  dessen  Alter  jedoch  mangels 
jeglicher  Fnndstücke  noch  unsicher  ist. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 


Erste  Sitzung  am  12.  Januar  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.F.  Foerster. 
— Anwesend  198  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  W.  Hempel  hält  einen  Vortrag  über  Kryo- 
chemie. 

Der  Vortragende  erörtert  zunächst  die  Fortschritte,  welche  Theorie  und  e.vperimen- 
telle  Hilfsmittel  erfuhren,  bis  rann  zu  der  heute  im  technischen  Ma.saslabe  möglich  gewor- 
denen V'ertlUssigung  der  früher  für  „permanent"  gehaltenen  Gase,  zumal  der  ßestandtheile 
der  atmosphärischen  Luft,  gelangen  konnte.  Die  Liiide'sche  Maschine  erlaubt  heute, 
flüssigen  Sauerstoff  in  beliebiger  Menge  zu  erzeugen.  Mit  Hülfe  eines  voni  Vortragenden 
selbst  nach  den  bei  dieser  Maschine  l>efolgten  Gnindsälzen  construirlen  .Apparates  wurde 
flüssiger  Saiierstoft'  in  reichlichem  Masse  hergestellt  und  dnreh  eine  Reihe  sehr  an- 
schaulicher Versuche  dargethan,  welche  Wirkungen  durch  eine  Emieilrigung  der  Tem- 
peratur auf  diejenige  des  siedenden  Sauerstoffs  hervorgebracht  werdmi  können ; es  wurde 
z.  B.  Ozon  als  indigoblauc  Fiüs,sigkeit  aus  ozonisirtcr  Luft  niedergeschlagen  nn<l  die 
grosse  Reactionsträgheit  bei  gewöhnlicher  Temperatur  explosionsartig  auf  einander 
wirkender  .Stoffe,  wie  Brom  und  Kalium,  gezeigt.  Die  Chemie  bei  niederen  Tempera- 
turen, die  Krvochemie,  ist  nun  aber  auch  bei  erlieblich  über  dem  Siedepunkte  des  Sauer- 
stoffs liegenden  Temperaturen  noch  so  gut  wie  unerforscht.  So  bietet  z.  B.  die  durch 
Kintragen  fester  Kohlensäure  in  Aether  verhältnismässig  leicht  zn  erhaltende  Temperatur 
von  — ■ft'’  der  Forschung  noch  ein  weites  Feld.  Der  Vortragende  hat  es  sich  an- 
gelegen sein  lassen,  die  Hiilfsmittel  zn  suchen,  die  man  zur  Aufrechterhaltnng  so 
niedriger  Temperaturen  zweckmässig  verwendet.  Er  hat  gefunden,  dass  ähnlich  guter 
Kälte.schutz  wie  durch  das  Vaciium  der  Dewar'schen  Köhren  auch  durch  Einpacken  der 
die  kalte  Flü.ssigkcit  enthaltenden  Geftissc  in  Eiderdaunen,  oder  billiger  in  gut  ge- 
trocknete, Schafwolle  zu  erreichen  ist.  Mit  solchen  Mitteln  arbeitend,  hat  er  flüssige 
Kohlensänrc  mit  Wasser  wie  mit  .Alkoholen  zu  starren  Verbindungen  vereinigen  können. 
Die  Bedeutung  dieser  sauren  Aether  und  des  Uvdrates  der  Kohlensäure  ffir  das  Ver- 
ständuiss  des  merkwürdigen  Unterschieds  zwischen  der  Festigkeit,  mit  der  einerseits 
die  natürlichen  kidilensaurcn  Wasser  und  der  echte  Champagner  ihre  Kohlensäure  znrück- 
halten,  und  der  Leichtigkeit,  mit  der  künstliches  Selterwasser  oder  .Schaumwein  das 
eingepresste  Kohleusäuregas  wieder  entlassen,  wird  am  Schluss  des  mit  grossem  Beifall 
anfgenommenen  Vortrages  erörtert. 


Zweite  Sitzung  am  2.  Mürz  1899.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  F'.  F^oerster. 
— Anwesend  50  .Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  P.  Uhlinann  spricht  über  die  epochemachendsten  F'ort- 
schritte  der  Theerfiirben- Industrie  seit  1890. 

Der  Vortragende  bespricht  zunächst  nach  einigen  historischen  Bemerkungen  die 
Bedeutung  des  Indigos  als  Farbstoff  und  schildert  des.sen  Verwendung  und  künstliche 
Darstellung  unter  Vorlegung  zahlreicher  i’räparate  und  Atnsfärlinngen  nebst  Druik- 
nmstern  Im  zweiten  Theile  seines  Vortrages  wendet  er  sieh  dann  zu  der  enormen 
Bedeutung,  welche  die  grosse  Gruppe  der  Azolärhstofte  in  Färberei  und  Zeugdnick  cr- 


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lanift  haben,  und  illustrirt  deren  Fixirung  und  Erzeugung  auf  der  Fager  durch  viel- 
fache Experimente,  um  dann  zu  den  erst  in  neuerer  Zeit,  zuerst  von  Vidal,  entdeckten 
gchwefelhaltigcm  Farbstoffen  üherzugehen,  wie  sie  neuerdings  auch  in  den  deutschen 
Faliriken  im  grossen  Massstabe  dargestellt  werden,  um  mit  einem  kurzen  statistischen 
Uelierblick  über  Import,  Export  und  Fabrication  zu  schliessen. 

Xächstdem  spricht  Dr.  E.  Müller  über  ein  elektrolytisches  Ver- 
fahren zur  Herstellung  chlor-,  brom-  und  jodsaurer  Salze. 

Nach  einer  Erliinterung  und  Vorführung  der  Verfahren  und  der  Apparate,  mit 
, deren  Hülfe  man  elektrolytische  Vorgiinge  an  unlilslichen  Elektroden  verfolgen  kann, 
erörtert  der  Vortragende  <lie  Schwierigkeiten,  welche  die  Herstellung  chlor-,  brom-  und 
jodsaurer  Salze  durch  Elektrolyse  der  Lösungen  von  Chloriden,  Bromiden  und  Jodiden 
entgegenstehen.  Diese  sind  vor  allen  Dingen  darin  zu  suchen,  dass  die  durch  die  anodi- 
schen Vorgänge  in  der  Lösung  erzeugten  Hnlogcnsauerstoflverbindungen  mehr  oder 
weniger  leicht  an  der  Kathode  wieder  zu  den  Halogeniden  reducirt  werden.  Es  ist 
dem  Vortragenden  gelungen,  im  eiufachchromsauren  Kali  einen  Stoff'  zu  finden,  der,  in 
kleiner  Menge  dem  Elektrolyten  zugesetzt,  die  kathodische  Reduction  fast  ganz  aus- 
schliesst.  Auf  diese  Weise  gelingt  es,  Bromate  und  .Iipdate  elektrolytisch  mit  einer 
über  iW/olichen  Strom-  uml  Materialansbeute  herznstellen 

An  der  sich  hieran  anschliessenden  Debatte  betheiligen  sich  Geh.  Hof- 
rath Prof.  Dr.  W.  Hcinpcl,  Prof.  Dr.  F.  Foerster  und  der  Vortragende  selbst. 

Dritte  Sitzung  am  4.  Mai  1899.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  F.  F oerster. 
— Anwesend  59  Jlitglieder. 

Privatdocent  Dr.  A.  Schlossniann  spricht  über  die  Entwickelung 
der  Heilkunde  unter  dem  Einfluss  von  Physik  und  Chemie. 

Der  Vortragende  schildert  einleitend  den  tiefen  Stanil  der  Medicin  zu  Anfang 
unseres  .lahrhunderts.  da  die  Diagnose  eine  rein  speciilative  war  und  die  Behandlung 
der  Krankheiten  wesentlich  in  der  Verabreichung  möglichst  zusammengesetzter  Arzneien 
bestand:  ferner  ilie  Einflüsse  des  Mesmerismus,  des  Spiritismus  und  der  Homöopathie. 
Erst  mit  der  syntheti.scheu  Darstellung  des  Harnstoffes  durch  Wühler  im  Jahre  1828 
begann  eine  neue  Epoche,  die  alte  Lehre  von  der  Lebenskraft  fiel,  und  clas  (lesetz  von 
der  Erhaltung  der  Kraft  wurde  auch  fiir  den  Aufljau  der  modernen  Meilicin  grundlegend, 
die  nun  erst  zu  einer  selbständigen  Wissen.schaft  hcranwuchs. 

Für  die  Erkennung  der  Krankbeiti'n  wurden  namentlich  die  phy.sikalischen  Methoden 
der  Percussion,  der  .\useultation , der  Thernnimetrie  und  der  Beidiachtung  des  Pulses 
dienstbar  gemacht.  Es  folgte  ilie  Erfindung  des  Augenspiegels  durch  ILlmholtz  und 
daran  anschliesscnil  die  Ausbildung  von  Methoden  zur  Beleuchtung  des  Kehlkopfes,  des 
Magens,  der  Blase  u.  s.  w.  Auch  die  Elektricität  konnte  in  den  Dienst  der  Diagnostik 
treten,  da  sich  die  Keizbarkeit  der  Muskeln  und  Nerven  gegenüber  dem  .Strome  in 
verschiedenen  abnormen  Zuständen  als  verschieden  berausstellte.  Für  manche  Fälle 
»Tirde  die  Bestimmung  iles  specitisehen  Gewichts,  z.  B.  des  Urins,  uni’rlässlich.  Endlich 
brachte  die  Entdeckung  der  X-Strahlen  für  einen  ganzen  Kreis  von  Erkrankungen  ein 
unentbehrliches  Erkennungsmittel.  Die  Chemie  leistete  nicht  minder  wichtige  Dienste 
durch  Stofi'wechseluntcrsuchungen,  durch  Untersiubung  des  Blutes  bei  einer  ganzen 
Reihe  von  Krankheiten,  besonders  bei  Vergiftnngsersebeinnugen. 

Beide  Wissenschaften  wirkten  aber  auch  fördernd  auf  dem  Gebiete  der  Therapie. 
Der  Physik  entsprangen  namentlich  die  Methoden  der  Elektrotherapie,  il(>r  mechanischen 
und  der  pneumatischen  Behandlungsweise,  während  die  Chemie  eine  Unzahl  wirksamer 
chemischer  Verbindungen  der  Medicin  zur  Verfügung  stellte. 

Von  grosser  Bedeutung  endlich  waren  auch  die  Vortheile,  welche  aus  der  An- 
wendung der  iihysikalischen  Üntersuchiingsmethoden  für  die  Verhütung  der  Krankheiten 
erwuchsen.  Als  die  wichtigste  Hülfe  aber,  welche,  Physik  und  Chemie  der  Medicin  ge- 
leistet haben,  ist  die  zu  betrachten,  dass  sie  ihr  methodisch  den  Weg  gewiesen  haben, 
eine  exacte  Naturwissenschaft  zu  werden. 

Im  Anschluss  an  den  Vortrag  macht  Dr.  med.  G.  Kolling  einige 
Mittheilungen  über  physikalische  Methoden  zur  Untersuchung  des 
Magens  und  der  Speiseröhre. 


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Oberlehrer  H.  A.  Rebenstorff  spricht  über  einige  neueVersuahe 
und  Apparate  für  den  physikalischen  Unterricht. 

Der  Vortragende  zeigt,  wie  man  beim  Lnftleermachen  eines  Kolbens  durch  Ans- 
kochen das  Wasser  durch  den  Dampf  selbst  aus  dem  Kolben  entfernen  kann.  Es  gelingt 
dies  durch  Anfügen  einer  langen  Glasröhre,  welche  naih  schnellem  Umkebren  des 
Kolbens  den  Druck  so  herabsetzt,  dass  das  Wasser  weiterkocht,  lii.s  iler  Kolben  leer  ist. 

Hierauf  wird  do.s  Motlell  einer  Dampfstrahlpumpe  vorgefilhrt  (Zeitschr.  für  den  phys. 
und  ehern.  Unt.  1K99,  S.  18).  Es  ist  leicht  herstellbar,  enthiilt  keine  durchbohrten  Korke 
und  gcestattet,  wahrend  de.s  Hctriebes  der  Dampfröhre  <iic  beste  Stellung  zu  gel»en.  Zu 
Imziehen  durch  die  Glasbläserei  von  Eichhorn.  Dre.sdcn,  Mittelstrasse.  • 

Nach  VorfUhning  einiger  Versuche  mit  Tauchern  (Zeitschr.  f.  d.  phvs.  und  ehern. 
Unt.  1898,  S.  213  — 221)  wird  der  neue  Apparat  für  Wärmeleitung  des  ifolzes  gezeigt. 
Derselbe  besteht  aus  einer  Holzpyramide  mit  in  der  Achse  gelegenem  Dampfrohr  und 
äusserem  thermoskopisehen  Earbmantel.  Mit  dem  Farbentlicrmoskop  (zu  l>eziehen  von 
G.  Ijoronz,  Chemnitz,  Sehillerstrasse)  wird  auch  die  Wärmeentwickelung  beim  Er- 
starren des  überkalteten  Schmelzflusses  von  Natriumaeetat  nachgewiesen  und  gezeigt, 
wie  man  zu  verfahren  hat,  um  mit  einem  farbenthcrmo.skopischen  l’apierstreifen  eine 
Temperaturerhöhung  sichtbar  zu  machen,  welche  den  Umwandlungspunkt  des  Silber- 
quei  k.silberjodids  (4ö®)  noch  nicht  erreichL 

Zu  Mittheilungen  über  die  Vorführung  der  Funkentelegraphie  im  Unterricht  über- 
gehcuil,  zeigt  der  Vortragende  einen  leicht  ans  Alumininmbilie  herzn.stellenden  Cohärer 
von  bedeutender  Emptindlichkeit,  berichtet  über  andere  Cohärerarten  und  erläutert  ein 
neues  Verfahren,  die  bei  der  Funkentelegraphie  so  störenden  Welten,  welche  von  dem 
elektromagnetischen  .\bklopfer  ausgehen,  wirkungslos  zu  machen.  Der  Cohärer  wird 
hierbei  nur  am  einen  Ende  und  zwar  federnd  befestigt,  während  am  anderen  Ende  sich 
ein  leicht  lösbarer  Platineontaet  betindet.  Mit  der  Mitte  des  Cohärers  ist  der  Hammer 
einer  elektriseheii  Klingel  durch  einen  dünnen  Faden  verbunden,  den  man  durch  Aus- 
einanderrücken der  Apparate  so  amspannt,  dass  der  federnde  Cohärer  durch  das  An- 
schlägen des  Hammers  mitbewegt  und  dailiirch  ahgeklopft  winl,  dass  er  gegen  ein  sehr 
nahe  angebrachtes  Widerlager  schlägt,  lieiin  Zurückspringtui  wird  er  zum  zweiten 
Mal  erschüttert.  Die  störenden  Wellen  treden  dann  nur  in  solchen  Augenblicken  auf, 
in  denen  der  Cohürerstromkreis  geöffnet  ist,  sodass  für  die  Zuleitung  der  Wellen  durch 
die  zum  Relais  führenden  Drähte  der  eine  ausser  Betracht  kommt.  Auch  die  Erregung 
durch  die  Wellen  in  dem  zum  befestigten  Uohärereude  führenden  Draht  ist  bei  offenem 
Cohärerstromkreis  nicht  vorhanden,  wenn  vor  dem  Cohärer  ein  langer,  dünner  Draht 
(am  besten  ein  Galvanoskop  von  etwa  100  Ohm)  eingeschaltet  ist.  Man  kann  auch 
statt  des  Cohärer  und  Relais  verhimlendeu  Drahtes  zwei  Leitungen  zur  Erde  anwenden. 
Die  in  zweiter  Linie  mögliche  Erregung  des  Cohärers  durch  akimtische  Einwirkimg 
der  Klingel  wird  infolge  des  grösseren  Abstandes  zwischen  beiden  Apparaten  gehindert; 
es  ist  indessen  rathsam,  zwei  getrenut  stehende  Tische  zur  Aufstellung  zu  benutzen. 
Bei  dem  mitgetheilteu  Verfahren  ist  es  möglich,  mit  den  empfindlichsten  Cohärern  zu 
arbeiten,  sodass  nach  dem  Berichte  iles  Vortragenden  die  schwachen  Fmiken  eines 
Elektrophors  innerhalb  i'ines  grossen  Zimmers,  sowie  hinter  einer  5 m entfernten  Thür 
ausreichten,  die  Klingid  zum  jedesmaligen  Anschlägen  zu  bringen. 

Der  V'ortragende  macht  ferner  <laranf  aufmerksam,  dass  man  in  bequemer  Weise 
einen  Ebonitelektrophor  iladureh  sehr  stark  elektrisiren  kann,  dass  man  ihn  wie  einen 
Coudensator  und  zwar  den  Deckel  negativ  von  der  Influenzmaschine  aus  ladet 

Aluminiumstriche  auf  Glas  besitzen  ein  erhebliches  Leitnugsvermügen,  welches 
durch  starke  elektrische  Wellen  sehr  herabgesetzt  wird. 


VI.  Section  für  Mathematik. 


Erste  Sitzung  am  19.  Januar  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Iv.  Rohn. 
— Anwesend  10  Mitglieder. 

Prof.Dr.  K.  Rohn  spricht  über  die  Anwendung  der  Schnittpunkt- 
systemsätze auf  die  ebenen  Kurven  4.  ürdnung. 


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Es  wenlen  die  63  Systeme  der  einhüllenden  Kegelschnitte,  die  28  Doppeltangenten 
und  gewisse  Qruppimngen  derselben,  sowie  ihrer  Berührungspunkte  behandelt. 


Zireite  Sitzung  am  20.  April  1899.  Voreitzender:  Prof.  Dr.  K.  Rohn. 
— Anwesend  8 Mitglieder. 

Dr.  A.  Witting  spricht  über  die  Constructionen  von  Mascheroni 
mit  dem  Zirkel. 

Nach  einigen  historisch-litterarischcn  Bemerkungen  über  die  in  älterer  und  neuerer 
Zeit  gemachten  Versuche,  planimetrische  Constructionen  entweder  bloss  mit  dem  Lineal, 
oder  bloss  mit  dem  Zirkel  auszuführen,  setzt  der  Vortragende  die  Constructionen  aus- 
einander, durch  welche  Mascheroni  eine  Reihe  von  Grnndaufgaben  der  Planimetrie  unter 
ausschliesslicher  Benutzung  des  Zirkels  zu  lösen  gelehrt  hat.  Insbesondere  werden  die 
Aufgaben  behandelt,  einen  gegebenen  Kreisbogen  zu  halbircn,  einen  Kreis  sowie  eine 
Strecke  in  eine  gegebene  Anzahl  gleicher  Theile  zu  zerlegen,  eine  Strecke  zu  verviel- 
fachen, Strecken  zu  addiren  sowie  zu  subtrahiren,  an  einen  Kreis  in  einem  gegebenen 
l’eripheriepnnkte  die  Tangente  zu  legen  u.  a. 


Vn.  Hauptversammlungen. 


Erste  Sitzung  am  26.  Januar  1899.  Vorsitzender:  Prof  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  64  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof  Dr.  G.  Helm  spricht  über  statistische  Beobachtungen 
biologischer  Erscheinungen. 

Der  Vortrag  geht  von  den  zahlreichen  Beobachtungen  Lndwig's  (Botan.  Cbl.  189.Ö  ff.) 
über  die  Zahl  der  Strahlcnblttthen  bei  Chri/sanihemum  Tjeuc.  ans,  um  zunächst  im  All- 
gemeinen das  Eigenartige  biologischer  Massenerscheinnngen  zn  erläutern.  Als  derartige 
Ma-ssenerscheinnngen  werden  nicht  nur  in  den  anthropometrischen  Untersuchungen  die 
Eigenschaften  des  menschlichen  Körpers  aufgefasst,  sondern  es  fügen  sich  auch  die 
menschlichen  Handlungen  dieser  Betrachtungsweise,  wie  schon  SUssmilch's  „Göttliche 
Ordnung“  1741  in  weitem  Umfange  darlegte.  Die  besonders  durch  (iuetelet's  zahlreiche 
Arbeiten  hervorgerufenen  Bedenken  metaphysischer  Natur  berührt  der  Vortrag  nur,  um 
dann  sogleich  das  Tbatsächliche,  allen  Massenerscheinungen  Gemeinsame  zu  beschreiben. 

Vor  Allem  wird  über  das  Individuum  Nichtwi.sseu  constatirt,  wenn  ein  Vorgang 
als  Massenerscheinung  aufgefasst  winl ; nicht  die  Höhe  dieses  Individnnms  vor  mir  oder 
»eine  Todesgefabren  sind  bekannt,  sondern  die  Höhe  etwa  des  Sachsen,  die  Sterblichkeit 
der  säebsiseneu  weiblichen  Bevölkerung  bilden  den  Gegenstand  der  Untersuchung.  Daher 
stehen  die  Massenersebeinungen  in  der  innigsten  Beziehung  zum  Wahrschcinlichkeits- 
begriff,  er  ist  es,  der  (etwa  wie  der  Eni^rgiebegriff  die  Verändemngen  in  der  Natur)  die 
ganze  Gesaramtheit  der  Miuiseiierscheinnngun  imispannt,  ohne  d.ass  deswegen  für  einzelne 
Gebiete,  wie  etwa  die  Beobachtung.sfehler,  besondere  Begriffsbildungen  neben  der  Wahr- 
scheinlichkeitsauftassnng  unberechtigt  oder  ausgeschlossen  wären. 

Es  ist  nämlich  in  allen  seinen  Anwendungen  das  Wesentliche  des  in  logischer 
Hinsicht  aus  dem  disjunctiven  Urtheil  hervorgegangenen  Wahrscheinliehkeitsbegriffes, 
da.ss  elementare  Einzelfälle  des  Vorganges,  auf  den  er  aiigewendet  wird,  abgezählt 
werden  können,  die  zwar  individuell  verschieden  sind,  jedoch  so.  dass  ihre  Unterschiede 
uns  unbekannt  bleiben  oder  als  unbekannt  betrachtet  werden,  sodass  diese  Einzelfälle 
als  ^leichmöglich  erscheinen.  Wenn  die  Wahrscheinlichkeit,  mit  einem  Wüi-fel  eine 
besüinmte  Nummer  zu  werfen,  als  V«  angegeben  winl,  so  wird  damit  über  keinen  ein- 
zelnen Wurf  etwas  ausgesagt  als  das  Negative,  dass  wir  über  die  individuellen  Be- 
dingungen dieses  einzelnen  Wurfs  nichts  wissen.  Dagegen  enthält  die  Angabe  ’/o  eine 
Eigenschaft  des  Würfels,  und  der  Würfel  ist  es  gerade,  der  das  bei  allen  einzelnen 
Würfen  Unveränderliche  darstellt.  Ihm  entspricht  in  den  Massenerscheinnngen  socialer 
Natur  der  sociale  Körper,  in  den  biologischen  Massenerscheinnngen  etwa  der  Species- 


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begriff;  allgemein  der  Typna.  So  kommt  es  denn  bei  den  Anwendungen  des  Wahr- 
scheiulichkeitsbegriffs  im  Grunde  genommen  nicht  auf  die  grosse  Zahl  der  Einselfiille 
an,  wie  so  oft  behauptet  wird,  sondern  vielmehr  auf  die  Gleichgültigkeit  der  Einzel- 
falie,  die  allerdings  im  Allgemeinen  um  so  mehr  gewährleistet  erscheint,  je  grösser  die 
Anzahl  der  Einzelfälle  wird. 

Wie  nun  nach  der  Wahrscheinlichkeitstheorie  bei  Versnoben  über  den  wiederholten 
Eintritt  eines  Ereigni.sses  von  nnveränderlicher  Wahrscheinlichkeit  .sieh  die  möglichen 
Häutigkeitszahlen  nach  dem  bekannten  mathematischen  Gesetze  der  Fehlerkurve  um 
den  wahrscheinlichsten  Fall  vertheilen,  so  müssen  auch  die  Versuche  über  eine  Massen- 
erscheinung dieses  Gesetz  der  Vertheilung  um  den  wahrscheinlichsten  Fall  zeigen, 
wenn  die  einzelnen  Versuchsreihen  unter  denselben  Bedingungen  stehen,  also  der  Typus, 
auf  den  sie  sich  beziehen,  unverändert  derselbe  bleibt.  Eine  Massenerscheinung  soll 
eine  einfache  Massenerscheinnng  oder  einfache  statistische  Erscheinung  heissen,  wenn 
sie  diese  theoretisch  ideale  Vertheilung  der  Wahrscheinlichkeitstheorie  zeigt.  Eine 
solche  einfache  Erscheinung  ist  z.  B.  die  Höhe  der  Schulkinder  gleichen  Stammes,  Alters 
und  Geschlechts  (Geissler  und  Uhlitzsch,  Zeitschr.  K.  stat  Bur.  1888),  während  sich 
offenbar  die  Höhen  einer  aus  Erwachsenen  und  Kindern  gemischten  Personengnippe 
keineswegs  um  die  mittlere  Höhe  der  Wahrscheinlichkeitskurve  gemäss  vertheüen 
würden. 

Schon  eine  einfache  statistische  Erscheinnng  erfordt  rt  zu  ihrer  Beschreibung  zwei 
Angaben : neben  dem  mittleren,  durchschnittlichen  oder  wahrscheinlichsten  Wertne  muss 
ein  Mass  für  die  Streuung  der  Versuchsergebnisse  um  ihn  angegeben  werden,  etwa  die 
wahrscheinliche  oder  die  uurchschnittlicbe  oder  die  mittlere  Abweichung,  das  Präcisions- 
ma.ss  Oller  die  Dispersion.  Hierbei  wird  zur  Erläuterung  auf  Galton’s  Apparat  hin- 
gewiesen, bei  dem  Schrot  aus  einem  Trichter  durch  Keilien  von  Drahtstiften  hindurch- 
mllt,  die  wie  beim  Tivolispiel  angeordnet  sind ; die  Sebrotkörner  hänfen  sich  schliesslich 
nach  einer  Wahrscheinlichkeitskurve  an,  und  die  Streuung  ist  um  so  grösser,  je  grösser 
das  Kaliber  des  Schrots  im  Vergleich  zum  Abstande  der  Stifte  ist. 

Im  Allgemeinen  aber  wird  eine  Massenerscheinuiig  nur  durch  möglichst  voll- 
ständige Angabe  der  ganzen  Vertheilungskurve  beschrieben,  z.  B.  durch  Angaben  nach 
Galton’s  percentiler  Skala.  (Vergl.  Gei.ssler,  Allg.  slatist.  Archiv  1892.) 

Wie  weit  eine  Massenerscheinnng  vom  Charakter  einer  einfachen  Erscheinung  ab- 
weicht, haben  Fechner  (Collectivmasslehre,  1897),  Levis  (Massenerscheinungen.  1877)  und 
Galton  (Inijuiries  into  human  faculty,  1883  und  Natural  inheritance,  1889)  untersucht. 
Jedenfalls  ist  die  Statistik  meist  unliewusst  bestrebt,  die  Erscheinungen  der  Natur  und 
des  socialen  Lebens  in  einfache  statistische  Erscheinungen  zu  zerlegen  und  ihre  Frage- 
stellungen auf  diese  zn  richten.  Mehr  ins  Bewusstsein  wird  dieses  Verfahren  der 
Analyse  gehoben,  wenn  man  aus  biologischen  Massenerscheinungen,  die  unregelmässige 
Vertheilung,  z.  B.  zwcigipfelige  Varia! ionskurven  zeigen,  geradezu  auf  Vermi.schung 
mehrerer  Species  oder  Typen  scbliesst,  ja  sogar  diese,  wie  bei  de  Vries'  ZUchtungs- 
versuehen,  rein  darzu.stellen  vermag,  wonach  die  einfache  Massenerscheinung  den  reinen 
Typus  charakterisirt.  (Litteratur  von  liUdwig,  Zeitschr.  f.  Math,  und  Phys.,  Bd.  43 
zusammengestellt.) 

Solchen  Bestrebungen  gegenüber  ist  man  zu  der  Erwartung  berechtigt,  dass  der 
Wahrschcinliehkeitsbegriff . von  dem  die  französischen  Analytiker  des  18.  Jahrhunderts 
so  grosse,  vielfach  übertriebene  Hoffnungen  hegten  und  der  dann  in  den  Händen  von 
Gauss  und  seinen  Nachfolgern  zu  einem  mächtigen  Mittel  der  Kritik  auf  dem  Gebiete 
der  Fehleftheorie  geworden  ist.  auch  berufen  sein  durfte,  zu  einer  schärferen  Theorie 
sociologischer  und  biologischer  Massenerscheinungen  hinzufuhren  und  zu  einer  wissen- 
schaftlichen Erkenntniss  des  Wesens  der  Begriffe  Species  und  Typus  vorzudringen. 

Im  Anschluss  an  diese  Ausführungen  bespricht  Geh.  Hofrath  Prof. 
Dr.  G.  Treu  Galton’s  Erfindung,  auf  dem  Wege  photographischer 
Uegistrirung  zu  einer  Darstellung  von  Typen  des  mensch- 
lichen Antlitzes  zu  gelangen  (Inquirios  into  human  faculty,  p.  8ff. 
und  339  ff.). 

Galten  stellte  seine  photographischen  Durchschnitts-  oder  Gattungsbilder  in  der 
Weise  her,  dass  er  Vorderansichten  von  Einzelküpfcn  in  gleichem  Ma.ssstab,  gleicher 
Beleuchtung  und  in  gleichen  ßruchtheilcn  der  zur  Herstellung  eines  Gcsammtbildes 
nötbigen  Evpositionszeit  auf  dieselbe  photograpbi.sche  Platte  anf  einander  projicirte.  Da 
bei  einem  solchen  Verfahren  die  den  einzelnen  Bildern  gemeinsamen  Formen  sich  durch 
Deckung  verstärken,  die  abweichenden  individuellen  Züge  znrücktreten  und  sich  ver- 


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wischen,  ohne  doch  ganz  zu  verschwinden,  so  wird  es  anf  diese  Weise  möglich,  Tjpen- 
hilder  zu  gewinnen,  welche  neben  den  constitnirenden  Hauptzügen  auch  Umfang  und 
Stärke  der  Abweichungen  zur  Anschauung  bringen. 

Galton  hatte  sein  Verfahren  zur  Herstellung  von  Familien-,  Verbrecher-  und 
Krankheitstypen  angewandt.  Fortgeführt  hat  seine  Versuche  namentlich  der  Professor 
der  Physiologie  in  Boston,  Dr.  H.  P.  Bowditch,  und  zwar  mit  der  Herstellung  von 
Standes-  und  Kassentypen  amerikanischer  Studenten  und  Studentinnen,  sächsischer  und 
wendischer  Soldaten  und  dergl.  mehr.  Vergl,  dessen  Aufsatz:  „Are  composite  photo- 
graphs  typical  pictures?“  in  Mc.  Clure's  Magazine,  September  1893,  und  P.  Pumpelly, 
Science  V,  p.  378. 

Eine  hochbedentsame  Eigenschaft  aller  dieser  Typenbilder  ist  die,  dass  sie,  je  mehr 
EinzcUndividuen  sie  umfassen,  nicht  nur  um  so  charakteristischer,  sondern  auch  uni  so 
schöner  erscheinen.  Es  ist  dies  ein  Umstand,  der  die  Vennuthungen  Kant  s über 
die  Ent-stehnng  der  „ästhetischen  Norraalidec“  vom  Menschen  in  schlagendster  Weise 
bestätigt  und  di(!  hiergegen  von  Lotze  vorgebrachten  Bedenken  widerlegt  (Kant,  Kritik 
der  Urthcilskraft,  Bd.  8.  79 ff.  der  Ausgabe  von  Hartenstein;  Lotze,  Gesch.  der 
Aesthetik,  S.  .’)66  f.  und  21  f.).  Jene  photographischen  Gattnngsbilder  geben  uns  in  der 
That  ein  Analogon  für  den  physischen  und  psychischen  Hergang  bei  der  Typen-  und 
Idealbildnng  innerhalb  der  künstlerischen  Phantasie.  Sie  gewinnen  damit  einen  hohen 
und  bisher  noch  nicht  gewürdigten  Werth  für  die  ästhetische  Theorie  des  Schönheits- 
begriffea.  Vergl.  hierüber  die  Ausführungen  von  Treu  im  Jahrbuch  des  K.  Archäo- 
logischen Institutes,  Bd.  V (1890),  Anzeiger  S.  fil  ff. 


Zweite  Sitzung  am  23.  Februar  1899.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  des  Verwaltungsrathes,  Prof.  H.  Engelhardt,  be- 
richtet über  den  Rechnungsabschluss  vom  Jahre  1898  (s.  S.  16)  und  legt 
den  Voranschlag  für  1899  vor.  Als  Rechnungsrevisoren  werden  Bankier 
A.  Kuntze  und  Architect  R.  Günther  gewählt.  Der  Voranschlag  wird 
einstinimig  genehmigt. 

Prof.  H.  Engelhardt  theilt  weiter  mit,  dass  die  Uebergabe  der  Kasse 
an  den  neugewählten  Kassirer,  Hofbuchhändler  G.  Lehmann,  statuten- 
gemäss  erfolgt  sei.  Die  Gesellschaft  beschliesst,  dem  nach  26jähriger 
uneigennütziger  Thätigkeit  aus  seinem  Amte  scheidenden  bisherigen  Kassirer, 
Ilofbuchhändler  H.  Warnatz  ihren  Dank  durch  ein  Schreiben  zum  Aus- 
druck zu  bringen. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  hält  hierauf  den  angekündigten 
Vortrag;  Pflanzengeographische  Betrachtungen  über  Klima  und 
Flora  der  Eiszeit  in  Mitteleuropa. 


Dritte  Sitzung  am  23.  März  1899.  Vorsitzender  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky. — Anwesend  61  Mitglieder  und  Gäste. 

Nach  Prüfung  des  Rechnungsabschlusses  für  1898  wird  dem  Kassirer 
Decharge  ertheilL 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  einen  Vortrag;  Zur  Geologie  des 
Goldes. 

An  diesen  Vortrag  knüpft  Geh.  Ilofrath  Prof.  Dr.  W.  Hempel  Be- 
merkungen über  die  Entstehung  der  Golderzlagerstätten  in  den 
jungen  Eruptivgesteinen,  den  Propyliten. 


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Tierte  Sitzung  am  27.  April  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky.  — Anwesend  64  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  H.  Engels  spricht  über  das  neue  Flussbau- 
laboratorium der  K.  Technischen  Hochschule. 

Der  Vortraffende  schildert  zunächst  die  Einwirkuns;  des  fliesaenden  Wassers  auf 
das  Flussbett,  welche  die  Ausführung  von  Flussbauten  zur  Hegulirniig  der  Wasserliefen 
erforderlich  macht.  Im  Laboratorium,  welches  dazu  bestimmt  ist,  den  Studirenden  am 
Experiment  diese  Wirkungen  vorzufiihren , zeigt  der  Vortragende  dann  au  einer  im 
kleinen  Massstab  ausgefiihrten  Nachbildnng  eines  Theile.s  des  Elblaufes,  wie  das  lüessende 
Wasser  und  seine  Sinkstoffe  das  Flussbett  bei  Hoch-  und  Niederwasser  verändern  und 
welchen  Einfluss  auf  die  Regelung  der  Waasertiefe  die  in  den  Strom  eingebauten 
Buhnen  haben. 


Fünfte  Sitzung  am  18.  Hai  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky.  — Anwesend  25  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  H.  Gravelius  spricht  über  die  Vertheilung  des  Regens 
auf  der  Erde. 

An  den  Vertrag  schliesst  sich  eine  längere  Debatte. 


Sechste  Sitzung  am  29.  Juni  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky.  — Anwesend  41  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  B.  Pattenhausen  hält  einen  Vortrag  über  die  wissenschaft- 
liche Begründung  des  metrischen  Systems. 

Auf  Antrag  des  Vorsitzenden  des  Verwaltungsrathes,  Prof.  H.  Engel- 
hardt, wird  eine  zum  Neudruck  von  Statuten  bestimmte  Nachtrags- 
forderung zum  Voranschlag  für  1899  einstimmig  genehmigt. 


Teränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  18.  März  1899  verschied  in  Newhaven,  Conn.,  Dr.  Othniel 
Charles  Marsh,  Ehrenmitglied  der  Isis  seit  1881. 

Othn.  Ch.  Marsh  hat  sich  gros.se  Verdienste  um  die  Kenntnias  der  fossilen  Wirbel- 
thiere  Nordamerikas  erworben,  die  Ergebni.s.«c  seiner  UnterBuchungen  sind  in  mehreren 
bedeutenden  Werken  niedergclegf.  Seine  mit  grossen  üclilopfcrn  erworbenen  Samm- 
lungen hat  er  in  hoihherziger  Weise  der  Yale  Üniversity  in  Newhaven  hinterlassen,  an 
welcher  er  seit  18Ö6  abs  Professor  der  Paliluntologie  gewirkt  hat. 

.\m  20.  März  1899  starb  in  Wien  ira  Alter  von  77  Jahren  Hofrath 
Franz  Ritter  von  Hauer,  ein  um  die  geologische  Erforschung  der 
österreichisch-ungarischen  Monarchie  hochverdienter  Gelehrter,  vormaliger 
Director  der  K.  K.  Geologischen  Reichsanstalt,  seit  1885  Intendant  des 
K.  K.  Naturhistorischen  Hofmuseunis  in  Wien.  Unserer  Gesellchaft  gehörte 
der  Verewigte  seit  1857  als  Ehrenmitglied  an. 

Am  26.  März  1899  starb  im  52.  Lebensjahre  K.  Hofbuchhändler 
Heinrich  Warn  atz  in  Dresden. 

Einer  Dresdner  Familie  entstammend,  widmete  sich  II.  Warnatz  nach  dem  Besuche 
ilcr  Kreuzschule  dem  Buchhandel  und  erwarb  im  December  1872  gemeinsam  mit  seinem 


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Freunde  G.  Lehmann  die  alte,  ihren  Ursprung  bia  auf  das  Jahr  1672  zurückfUhrende 
K.  S.  Hofbucbhaudlung  H.  Jlurdach  in  Dresden,  Ans  dieser  Firma  trat  er  im  Juni  1898 
aus,  um  die  grosse  Verlagsbuchhandlung  von  Otto  Hendel  in  Halle  a.  S.,  zu  der  neben 
dem  Buchverlag  auch  der  Verlag  mehrerer  grosser  Tageszeitungen  gehört,  zu  über- 
nehmen. Im  Frühjahr  1899  schwer  erkrankt,  suchte  H.  Wamatz  Genesung  im  Süden, 
wo  ihn  in  Locarno  am  26.  M&rz  d.  J.  ein  plötzlicher  Tod  ereilte. 

Unserer  Gesellschaft  gehörte  der  Verewigte  seit  November  1872  als  wirkliches 
Mitglied  an.  Nach  dem  im  Herbst  jenes  Jahres  erfolgten  Tode  des  früheren  Kassirers 
H.  Burdach  wählte  ihn  die  Isis  zu  dessen  Nachfolger,  und  der  Verewigte  hat  dieses 
Amt  bis  Ende  des  Jahres  1898  mit  grosser  Hingebung  verwaltet.  Unsere  Gesellschaft 
wird  ihm  für  seine  26jährige  uneigennützige  Thätigkeit  immer  ein  dankbares  Andenken 
bewahren. 

Am  26.  April  1899  starb  in  Dresden  Verlagsbuchhändler  Alexander 
Köhler,  wirkliches  Mitglied  seit  1884 

Am  3.  Juni  1899  starb  Fabrikbesitzer  Ernst  Heuer  in  Cotta  b.  Dr., 
wirkliches  Mitglied  seit  1879. 


Als  wirkliche  Mitglieder  sind  aufgenommen: 

Barth,  Gurt,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Dresden,  am  23.  März  1899; 
Contractor,  Noshirvan,  Forststudent  in  Tharandt,  am  29.  Juni  1899; 
Döring,  Carl,  Lehrer  in  Dresden,  am  27.  April  1899; 

Galewsky,  Eugen,  Dr.  med.  in  Dresden,  am  18.  Mai  1899; 

Günther,  Oswald,  Chemiker  in  Blasewitz,  i i inr,r> 

Ilänel,  Paul,  Chemiker  in  Dresden,  I ^6-  Januar  1899; 
Kelling,  Georg,  Dr.  med.  in  Dresden,  am  23.  Februar  1899; 

Pestei,  Rieh.  Martin,  Optiker  und  Mechaniker  in  Dresden,  am  29.  Juni  1899; 
Seidel,  Rudolf,  Kunst-  und  Handelsgärtner  in  Laubegast,  am  18.  Mai  1899; 
Süss,  Paul,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  am 
23.  März  1899; 

Zielke,  Otto,  Apotheker  in  Dresden,  am  23.  Februar  1899. 


Zum  correspondirenden  Mitglied  ist  ernannt: 
Pesch el,  Ernst,  Lehrer  in  Nünchritz,  am  26.  Januar  1899. 

Uebergetreten  sind  in  die  correspondirenden  Mitglieder: 

Kosmahl,  Friedr.,  K.  Oberförster  a.  D.  in  Langebrück; 

Richter,  Conrad,  Realscbullehrer  in  Aue; 

in  die  wirklichen  Mitglieder: 

Schuster,  Oscar,  Generalmajor  z.  D.  in  Dresden. 


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Kassenabschluss  der  ISIS  vom  Jahre  1898. 

Position.  Ehiiiahineu.  Position.  Ausgabeu. 


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Sitzungsberichte 

der 

N atunvisseiischaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1899. 


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I.  Section  für  Zoologie. 


Vierte  Sitzung  am  19.  October  1899.  V orsitzcnder;  Oberlehrer 
L)r.  J.  Thallwitis.  — Anwesend  32  iiitglieder. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  legt  vor  und  bespricht  mit  warmer Enipfebliing 

Hftckel,  E.:  Die  Kunstformen  in  der  Natur,  und 

„ „ Welträthsel,  Studien  über  monistische  Philosophie. 

Dr.  J.  Thallwitz  hält  einen  Vortrag  über  Ilefruchtung  und  Zell- 
th  eorie. 


Fünfte  Sitzung  am  7.  December  1899  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Section  für  Botanik).  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend 
45  Mitglieder,  und  1 Gast. 

Prof.  Dr.  II.  Nitsche  legt  vor  und  bespricht  kurz  zwei  neue  zoologische 
Prachtwerke 

Becker,  L.:  Les  Arachnides  de  lieleique.  Fol.  3 Theile  mit  70  Tafeln; 

V.  Graff,  h.'.  Mnnngraphie  der  Turhellarien.  II.  I.andplanarien.  Fol.  Mit  einem 
.Atlas  Von  58  Tafeln. 

Derselbe  berichtet  hierauf  über  zoologische  Iteiseeindrücke 
aus  Ungarn,  Bosnien  und  der  Herzegowina,  die  er  gelegentlich 
desJBesuches  des  ornithologischen  Congresses  zu  Sarajewo  im  September 
1899  sammeln  konnte. 

Der  Vortrag  winl  durch  Vorlage  bezüglicher  Pnhiieatiouen,  Photographien  und 
einzelner  Präparate  und  ethnographischer  Gegeustilnde  erläutert. 


II.  Section  für  Botanik. 


Vierte  Sitzung  am  2.  November  1899  (in  Gemeinschaft  mit ' der 
Section  für  Zoologie).  \'orsitzender:  Geh.  Hofratli  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — 
Anwesend  42  Mitglieder. 

Zunächst  spricht  Dr.  B.  Schorler  über  das  Plankton  der  Elbe 
bei  Dresden  (mit  Demonstrationen  unter  dem  Mikroskop). 

Es  knüpft  sich  daran  eine  rege  Discussion  über  die  Assimilation  der 
niederen  Algen  bei  trübem  Wetter  und  Sonnenmangel. 


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Darauf  folgt  der  Vortrag  des  Vorsitzenden  Prof.  Dr.  0.  Drude:  Die 
Thiitigkeit  der  biogeograpliischeii  Section  des  Vll.  iiiternatio- 
naleu  Geographeii-Tages  zu  Berlin,  September  bis  October  dieses 
Jahres. 

Redner  stliilderf  zunächst  die  schönen  äusseren  Verhältnisse,  unter  denen  die  Ver- 
sanimlnngen  slattfanden,  sowie  die  innere  Einrichtung  der  internationalen  geographischen 
Congresse,  Einer  der  biographisch  wichtigsten  allgemeinen  Vorträge  war  der 
tlber  die  Deutsche  Tiefsce-Expeditiou  der  ^Valdivia“  von  Prof.  Chnn  aus  Leipzig. 

Einen  Hanptgegenstand  in  den  Sitzungen  der  biogeographischen  Section 
bildeten  die  modernen  Arbeiten  in  der  kartographischen  Pflanzengeogfraphie.  einen  zweiten 
die  liegrilndung  einer  internationalen  Xomenclatur  für  die  pHanzeugeograpbischen  Begriffe 
(Drude,  Warhnrg).  Von  allgemeinerem  Intere.sse  war  auch  ein  Bericht  über  Versuche, 
die  südrussischeii  Stejipeii  wieder  aufznforsten.  von  Prof.  Kra.«snow-Charkow,  Herr  M. 
Ewan  sprach  Uber  die  Anbau-  und  Absatzländer  des  Thees  u.  s,  w. 

Dnter  den  Excursionen  war  eine  der  interessantesten  die  nach  den  Kildersdorfer 
Kalkstcinbröchen  unter  Wahn.schaffe's  Fühlung.  Den  Schluss  bildete  auf  die  Einladung 
der  Hamburger  Gesellscbaft  für  Erdkunde  ein  Ausflug  nach  Hamburg  znr  Besichtigung 
der  dortigen  wissenschaftlichen  Institute  und  des  Hafenverkehrs.  Sehr  beachtenswerth 
ist  das  neue  colonialbotanische  Museum  unter  Prof.  Sadebeck's  Leitung,  dessen  Ein- 
richtung Vortragender  bespricht.  In  der  Seewarte  waren  die  Tiefsee-Mess-  und  -Fang- 
Instrumente  der  „Valdivia^“  aufgestellt. 

Dr.  W.  Bergt  fügt  einige  Bemerkungen  über  die  Itüdersdorfer  Kalk- 
brüche hinzu  und  ladet  zu  der  nächsten  Sitzung  der  geologischen  Section 
der  Isis  ein,  in  welcher  von  einem  Geologen  über  den  Geograpben- 
Congress  berichtet  werden  wird. 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 

vierte  Sitzung  am  9.  November  1899.  Vorsitzender:  Privatdocent 
Dr.  W.  Bergt.  — Anwesend  51  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  E.  Treptow;  ..Der  Bergbau“,  W.  Deecke: 
„Geologischer  Führer  durch  Pommern  und  Bornholui“,  E.  Geinitz:  „Geo- 
logischer Führer  durch  Mecklenburg“  und  L.  von  Ammon:  „Geologischer 
Führer  durch  die  Fränkische  Alp“  vor. 

Dr.  L.  Siegert  hält  einen  Vortrag  über  Urströme  in  Nord- 
deutschland. 

Vcrgl.  hierzu  u.  A.  K.  Keilhack:  „Thal-  und  .Secbilduiig  im  Gebiet  des  Baltischen 
Höhenrückens“  (Verhandl.  der  Gesellschaft  für  Enikunde  zu  Berlin,  Bd.  XXVI,  18U9, 
Xo.  2 und  3.  mit  1 Karte). 

Im  Anschluss  daran  spricht  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  über  die  Ver- 
breitung des  Fischreihers  in  Sachsen  und  ihre  Beziehung  zu 
Urstromthälern. 

Dr.  II.  Francke  zeigt  und  bespricht  eine  Anzahl  interessanter 
Mineral vorkomm nisse  (Zinnober,  Aragonit,  Boleit,  Sapphir,  Pyrit,  lloth- 
kupfererz)  und  neuer  Mineralien  (Bouglisit), 

Prof  Dr.  E.  Kalkowsky  vom  K.  Mineralogisch-geologischen  Museum 
neuerworbene  paläozoische  Korallen  aus  Nordamerika. 


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21 


Fünfte  Sitzung  am  14.  December  1899.  V orsitzeiuler;  rrivutdocent 
Dr.  W.  liergt.  — Amveseml  30  Mitglieder. 

Dr.  E.  Naumann  spricht  unter  Vorlage  von  Karten  und  Verstei- 
nerungen über  tektonische  Störungen  der  triadischen  Schichten 
in  der  Umgebung  von  Kahla. 

Vergl.  die  Veröffentlichungin  des  Vortragenden  im  Jahrbuch  der  K.  Preussischen 
Cicologischen  I.andesanatalt  fui  1897  98. 

Dr.  W.  Bergt  berichtet  über  ein  neues  Vorkoinraniss  von  Turmalin- 
granit bei  Miltitz  im  Trieliischthal,  welcher  durch  Uebirgsdruck  stufen- 
weise in  Turnialinsericitgneiss-artige  Gesteine  ausgewalzt  ist. 

Die  Umwandlungaerseheinungen  weiilen  an  Hnnd.stücken  und  Diinnschliffjirojectioneu 
vorgetilhrt  und  ihre  ßedentung  fiir  die  Kruge  der  Eutatehung  der  krjstallinen  Schiefer 
kurz  erörtert. 


Sectiou  für  prähistorische  Forschungen. 


Dritte  Sitzuug  am  16.  November  1899.  V orsitzender:  Prof.  Dr.  J. 
Deichmüller.  — .\nwesend  30  .Mitglieder. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  einen  Vortrag  über  das  Hakenkreuz 
(Svastika). 

Das  fast  über  die  ganze  Erde  verbreitete  Hakenkreuz  (der  Svastika)  tritt  in  vor- 
historischer Zeit  wohl  zuerst  in  .Vsien  nördlich  vom  Uimalaya  auf  und  verbreitet  sich 
von  hier  ans,  aber  ohne  nach  Eräu  und  zu  den  semitischen  und  hamitischen  Völkern 
vnrzudringen.  Im  Sanskrit  ist  svastika,  das  .\djectiv  zu  svasti  (su  = wohI;  asti  = esist), 
Wohlsein,  Segen,  zur  Zeit  des  Urammatikers  Fänini  (nra  300  vor  Chr.)  ein  allgemein 
tiekanntes  Wort  und  Symbol;  letzteres  kann  nicht  als  altindischea  Schriftzeicheu , alier 
auch  nicht  als  Bild  der  Sonne  oder  als  das  eines  Feuerzeuges  gedeutet  werden.  Im 
Buddha  - Dien.st  wird  der  .Sva.slika  vielfach  verwendet,  und  in  der  im  ö.  Jahrhundert 
vor  Chr.  entstandenen  .laina-Iteligion  ist  das  Hakenkreuz  noch  heute  gemein  gebräuch- 
lich als  Symbol  für  die  Verbindung  von  Körper  und  Seele. 

In  China  ist  das  Hakenkreuz  seit  alter  Zeit  wahrscheinlich  bei  der  Sekte  der 
taö  ssT.  im  7.  Jahrhundert  nach  Chr.  eine  Zeit  lang  als  Schriftzeichen  für  .Sonne“  und 
gegenwärtig  noch  als  Oniamcnt  mit  dem  Namen  wän,  d.  h.  lOiXKI,  alle,  und  mit  der 
au.sgeaproi  henen  Bedeutung  .langes  Leben,  viele  Jahre,  (ilUck“  im  Gebrauch.  In 
Japan,  Koren.  Tibet  tindet  sich  das  Hakenkreuz  ebenfalls  noch  jetzt,  in  letzterem  Lande 
z.  B.  auf  die  Hand  tatuirt. 

Von  Innerasien  hat  sich  das  Hakenkreuz  nach  den  Kauka.snsländem  (Koban)  und 
nach  Vordera.sien  schon  in  prähistorischer  Zeit  verbreitet.  Reichlich  tindet  cs  sich  z.  Th. 
in  tlilchtigeu  Formen  auf  Gebrauchsgegeustilnden  des  gemeinen  Lebens  (Spinnwirteln) 
in  Ilios;  auf  griechischen  Inseln,  in  Griechenland  (z.  B.  Olympia-Fibel  mit  quadrati.scher 
F'nssplatte)  finden  sich  auch  die  Formen  des  Mäander-  und  .spiralhakenkrenzcs.  Die 
Inschrift  auf  einer  thrakischen  .Münze  (.Mes  und  Hakenkreuz  von  derselben  Höhe)  giebt 
eine  sichere  Deutung,  hier  im  .Staiitnamen  Mesembria  als  .Tag“. 

,\nch  nach  ünteritalien,  Etnirien.  alpinen  Pfahlbaugebicten,  .Südrussland,  Polen, 
Schlesien  hat  das  Hakenkreuz  seinen  Weg  gefunden,  und  ebenso  nach  .Süd-  und  Nord- 
Dentscbland  und  Skandinavien  und  mit  spärlicherer  Verbreitung  nach  dem  alten  Gallien 
und  den  britischen  Inseln.  Ein  ausgezeichnetes  Beiajiiel  für  geschichtUch  nachweisbare 
Wanderung  von  Symbolen  i.st  die  Verwendung  der  sicilischen  Triskele  im  Wappen  der 
Insel  Man;  doch  hat  dies  Zeichen  nichts  gemein  mit  dem  Hakenkreuz. 

Das  Hakenkreuz  hat  sich  spärlich  in  .Vfrika  gefunden,  hier  wohl  von  Aegypten 
her  in  jüngerer  Zeit  durch  Metallverkehr  verbreitet. 

Sehr  auffällig  ist  das  Vorkommen  von  ganz  normalen  Hakenkreuzen  in  vor- 
historischer Zeit  und  bis  in  die  Gegenwart  bei  Indianern  verschiedener  Stämme  in 


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iSorilftiiierikii . z.  Th.  mit  der  gfradezti  Hngegtdiemn  Hedcutung  „tililikl  gut  tiliUkl“ 
iSioher  ist  auch  die  -Angabe,  dass  hei  den  Azteken  ein  dem  nurnialeii  Hakenkreuz  sehr 
nahestehendes  Zeichen  Syiiibid  des  Jahreslaufes  war. 

In  Europa  ist  das  Hakenkreuz  in  vorhistorischer  Zeit  sicher  nicht  bloss  Ümament. 
sondern  ein  hedentungsvolles  Zeichen  gewesen;  sein  (iebrauch  ist  völlig  erloschen:  (d> 
das  Hakenkreuz,  das  noch  in  neuerer  Zeit  als  Steiumetzzeichen  gebraucht  worden  i.st. 
mit  dem  vorhistorischen  .Symljol  zusanunenhängt , oder  ob  es  eine  neue  Ertindung  ist. 
bleibt  ungewiss. 

Instilutslelirer  A.  Peuckert  weist  darauf  liiii,  dass  das  llakeiikreiu 
in  den  Steinnietzzeielien  nicht  selten  vorkommt. 

Prof.  Dr.  J.  Deichmiiller  legt  das  soeben  erschienene  Werk  von 
li.  Wuttke:  „Sächsische  Volkskunde“  vor  und 

berichtet  über  neue  Urnenfunde  auf  Klcinzschachwitzer  Flur, 
auf  dem  Gebiete  der  Haltestelle  Klotzsche  und  in  der  nordnordüstlich 
von  dort  liegenden  Kiesgrube.  (Vergl.  Abhandlung  VI.) 

Zur  Vorlage  kommen  weiter  ein  in  der  liaumschule  von  0.  Poscharsky 
in  Laubegast  gefundener  Steinhammer,  ein  zweiter  von  der  Halte- 
stelle Klotzsche,  welcher  zusammen  mit  schnurverzierten  Gefässen  ge- 
funden worden  ist,  und  ein  hei  Höhlen  bei  liCisnig  ausgeaekerter,  mit 
prachtvoller  blaugrüner  Patina  überzogener  Flachcelt  aus  Hroiize. 
Sämmtliche  Gegenstände  befinden  sich  in  der  K.  Prähistorischen  Samm- 
lung in  Dresden. 


Exenrsion  am  2S.  October  1899  zur  Untersuchung  eines  Urnen- 
feldes auf  Kleinzschachwitzer  Flur.  — Zahl  der  Theilnehmer  19. 

Die  Aufdeckung  mehrerer  Umengräber  gab  hier  den  Theilnehraent  (felegcuheit. 
iii  der  Natur  den  Kau  deiselbcn  mit  ihren  Steiiisctzungen  und  den  Inhalt  un<l  die 
Anordnung  der  (iefilsse  in  ilcn  (Jrühem  nach  Entfernung  der  Stcinhedcckungen  kennen 
zu  lenien.  Oelüuden  wurden  eine  grössere  Anzahl  meist  zerdrückter  Thongefiissc, 
luelirere  Bronzcnadeln  und  Thonperlcu  und  in  der  Steinsetznng  des  einen  Grabes  ein 
tiacher  .Mahlstein  ans  .Syenit.  Das  Gräberfeld  gehört  zur  jüngeren  Gmppe  der  Urnen- 
felder  vom  Lausitzer  Tyjius. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 


Vierte  Sitzung  am  5.  October  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  F.  Foerster. 
— ;\nwesend  62  Mitglieder  und  (iäste. 

Dr.  G.  P.  Drosshach  spricht  über  die  industrielle  Verwerthung 
der  Elemente  der  Cer-  und  Zirkongruppe. 

Unter  Vorzeignng  zahlreicher  Moiiazitprobcn  mid  Präparate  führt  der  Vortragende 
etwa  Eolgendes  aus: 

Die  Gewinnung  der  sogen,  selteueu  Erden,  d.  li.  der  Oxyde  der  Elemente  der  Cer- 
und  Zirkongrnppe  beginnt  mit  der  Kntwickelnng  der  Gasgiuhlicht- Industrie  und  ist 
heute  noeh  ausschliesslich  von  dieser  abhängig.  .Seit  Zirkonerde  als  LelIehtkül^ler  eine 
xvesentliche  Itolle  nicht  mclir  spielt,  ist  die  Verarbeitung  d(*s  in  den  beiden  Staaten 
Garolina  uinl  t'irginia  nnissenliaft  vnrkominenden  Zirkons  selir  znrUckgegangen  und 
lisn]itsächiicli  di  r Monazit  an  seine  Stelle  getreten  Die  Verwenilliarkeit  dieses  Alinerals 
lieriilit  auf  seinem  Thorium-Gelialt.  Da  der  Monazit  nur  .1— „ Thoriumoxyd  entliält, 
rc.<nltiren  die  restlichen  der  (’ergmiipe  als  znm  Tlieil  lästiges  Ncbcuprodnct. 


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23 


Der  Muiiazit  tiielct  sieh  sowohl  iu  Brasilien  (Bahia),  als  in  den  beiden  Carolina  als 
intejrrirender  Bcstandtheil  des  dortigen  Anirengneisses.  Durch  Vermahlen  nnd  Waschen 
des  tiesteins  wird  der  Monazit  nur  vereinzelt  in  Xord- Carolina  gewonnen,  die  Haupt- 
masse entstammt  dem  durch  Verwitterung  des  Uneisses  entstandenen  Latent,  welcher 
insbesondere  in  den  Bächen  dnrch  einen  natürlichen  Waschprocess  (iu  Brasilien  auch  an 
der  Ktlste)  soweit  in  Bezug  auf  den  specifisch  schweren  Monazit  (spec.  Uew.  = 5,0 — ,ö,3) 
angcreichert  ist.  dass  dessen  Gewinnung  lohnt. 

Die  Monazite  der  verschiedenen  Fundstätten  sind  oft  sehr  verschieden,  die  Brasil- 
inonaz.ite  stellen  sämmtlich  einen  ans  glänzenden  bernsteingelben,  völlig  abgeriebenen, 
hirsekorngrosseu  Mineralindividnen  bestehenden  Sand  dar,  der  vielfach  durch  t^uarz, 
Titanit.  Chromit  nnd  dergleich<‘ii  ventnreinigt  ist.  Sein  Gehalt  an  Tliorininoxyd  s<hwankt 
meist  zwischen  2.5  — 4,5"„,  doch  kommen  in  Sao  Paulo  auch  sechsprocentige  Monazite 
vor.  Der  Monazit  von  SUd-Carolina  bildet  grüngelbe,  der  Monazit  Xorf-Carolinas 
gelbe  bis  dunkelbraune,  wohlausgebildete,  monokline  Krystalle  vermengt  mit  Granat, 
Chromit,  Zirkon,  Columbit,  \’ivianit,  selbst  Gold  und  Platin,  Der  Gehalt  dieser  Monazite 
an  ThorinmoNyil  beträgt  4,5  — 8 “/„. 

Die  Verarbeitung  des  Monazits  selbst  erfolgt  in  der  Weise,  dass  das  feinst  gemahlene 
Mineral  in  geeigneter  Weise  aufgeschlossen  wird.  Obwohl  sich  der  Monazit  mit  So<la 
sehr  leicht  anfscliliessen  lässt,  und  die  zurUckblcibenden  Ozyde  sich  sehr  gut  fractionirt 
lösen  lassen,  verwendet  man  hierzu  ausschliesslich  die  .Schwefelsäure.  Die  .Sulfate  wnr<len 
früher  in  O.valate  verwandelt  (direct  durch  Fällen  mit  freier  Oxalsäure  aus  stark  sattrer 
j/osung)  nnd  diesen  durch  Soda  die  Thorerde  entzogen.  Heute  fractionirt  man  aus  der 
Snlf.itlauge  ilie  Thorerde  direct  als  Phosphat  aus  und  lässt  die  Mutterlauge,  welche 
tä.st  sämmtliches  Cer,  Lanthan,  Didym,  Krbium,  Yttrium  und  Ytterbium  enthält,  fort- 
laufeu,  insofern  nicht  ein  kleiner  Theil  zu  deren  Gewinnung  zurückgehalten  wird.  Der 
Thorphosphat- Niederschlag  kann  nai^h  der  Bunsen’schen  llethodc  weiter  gereinigt  und 
in  Nitrat  übergeführt  werden. 

Die  Gewinnung  des  Cers  ci-folgt  analog  den  älteren  aus  der  Verarbeitung  des  Cerits 
Iiekannten  Methoilen,  Meist  dient  hierfür  sowie  für  die  Gewinnung  aller  übrigen  Klemente 
der  Gruppe  der  mit  dem  Thoriumphosphat  mitgeris.seue  Gemeugtheil. 

Die  Verwendung  des  Thoriums  in  der  tiasglüblicht  lndustrie  erfolgt  in  der  Weise, 
dass  die  aus  Baumwolle  gestrickten  Netze  mit  einer  Lösung  von  Thoriumuitrut  unter 
Zusatz  von  1%  Cerinmnitrat  getränkt,  getrocknet  nnd  verascht  werden.  Killing  und 
Bunte  führen  das  Leuchten  der  Glühkörper  auf  die  Fähigkeit  des  Ceriums.  zwei  (jxyde 
zu  bilden  und  somit  als  Sauerstotlübei träger  wirken  zu  können,  zurück.  Vortragender 
tbeilt  diese  Ansicht  nicht,  sie  steht  im  Widerspruch  mit  der  Thatsache,  dass  nochu.3“„ 
Cer  einen  intensiv  leuchtenden  Glühkörper  bilden,  während  bei  Erhöhung  des  C'ergehalts 
die  Leuchtkraft  rasch  herabgeht.  .Andererseits  wirkt  das  Cerium  nur  im  Gemenge 
mit  Thoriumoxyd,  aber  mit  keinem  anderen  Gxvde.  Da  nun  andererseits  jede  Wärme- 
übertragung als  rein  iihysikalischer  A'organg  heim  Thor-Cer-Gemenge  keine  andere  sein 
kann  als  hei  anderen  Gemengen,  die  Leuchtkraft  aber  von  der  .Amplitude  der  Licht- 
schwingungen abhängt,  so  ist  es  wahrscheinlich,  dass  das  Ceriumoxyd  lediglich  dazu 
dient,  die  Thorinmmolekiile  bis  zur  günstigsten  Kesonanz  mit  den  heissen  Flammengasen 
abzustimmeu.  Dementsprecheinl  wirken  auch  andere  Oxyde  ähnlich,  wenn  auch  (ihrer 
Flüchtigkeit  wegen)  nur  vorübergehend.  So  z.  B.  Umnoxyd,  aber  auch  dieses  nur  im 
Gemenge  mit  Tlioriumoxyd. 

Cer.  Lanthan,  Didym  linden  als  Oxyde  in  der  Glasteehnik  einige  A'erwendung,  sei 
es  zum  Färlam  oder  Eutlärben  <les  Glases.  Die  Balze  des  Didyms  und  Lanthans  sind 
ausserdem  sehr  wirksame,  absolut  ungiftige  Desinfectionsmittel. 

ln  der  sich  anschliessenden  Discussion  wenleti  namentlich  die  An- 
sichten des  Vortragenden  über  die  Rolle  des  Cers  in  den  tilühkörpern 
erörtert  nnd  finden  Zustimtnung. 

Fünfte  Sitzung;  am  23.  November  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  F. 
Foerster.  — Anwesend  54  .Mitglieder  und  üäste. 

Dr.  phil.  W.  11  entschel  hält  einen  Vortrag  über  die  cheinisclien 
Grundlagen  des  Pflanzenbaues. 

Beit  Liebig  hat  sich  die  Erkenntniss  Bahn  gebrochen,  dass  die  hauptsächlichste 
Aufgabe  des  Pflanzenbaues  in  dem  Ersatz  der  mineralisihen  Pflauzennährstofte,  wie  sie 
in  ih  n Pflanzimaschen  vorliegen,  besteht. 


24 


Von  Xatnr  arme,  sanjige  oder  moorige  Ackerflilclieu  sind  iiberhaujjt  erst  iiaiti 
Zufuhr  ausreichender  Mengen  dieser  UlBliehen  mineralischen  lUlngestoffc  zn  einer  den 
Anfor<lerungeu  entsprechenden  l’roduetion  zu  bringen:  hier  erseticinen  jene  als  Roh- 
producte,  während  die  Ackertliiehe  im  Wesentlichen  die  Rolle  eines  Werkzeugs  spielt. 

Reichliche  Zufuhr  von  Kali  und  Kalk  in  erster  l.inie,  in  zweiter  l’hosphorsänre- 
DUngnng  erschlies.sen  hier  durch  V'emiittelnng  stickstoffsammelnder  Pflanzen  den  almo- 
sphärischen  .Stickstoff  und  ermöglichen  so  eine  gesfeigertc  billige  PHanzenproduction 
selbst  auf  änusten  Haidchöden.  die  wie  ein  modernes  Wunder  erscheint. 

Die  reicheren  Rüden  enthalten  oftmals  für  Jahrzehnte  und  .Tahrhuuderte  ausreichende 
Vorräthe  an  mineralischen  Planzeuniihrstofl'en.  Dieselben  können  indessen  nicht  in  dem 
i^wüusehten  Tempo  in  lösliche  Pflanzenkost  übergefubrt  wenleii.  Hier  ist  die  künst- 
liche IMlngung  die  Voranssetzung  der  gerade  auf  diesen  Böden  gebotenen  „intensiven 
Wirthschaft“ ; zugleich  bietet  sie  (lewähr.  dass  die  von  TJebig  zuerst  erkannte  Uefahr 
der  endlichen  Erschöpfung  der  Ackerflächen  für  <lie  Zukunft  niclit  mehr  in  Frage  kommt. 
In  diesem  Sinne  erscheinen  hesondeis  die  endlosen  Schätze  an  Kalisalzen,  die  in 
Deutschland  entdeckt  worden  sind,  als  eine  tlewähr  für  Deutschlands  Zukunft. 

Der  Vortragende  sucht  in  liem  hier  nur  angedeuteten  Rahmen  seines  Vnrtiugs 
besonders  den  Nachweis  zu  führen,  da.ss  der  deutsche  PHanzenhaii  vielfach  im  (legensatz 
zu  ileni  des  Auslandes  auf  der  Höhe  der  Zeit  steht,  dass  es  sich  in  ihm  um  eine  voll- 
werthige  chemische  Technik  handelt,  was  besonders  auch  ans  dem  Zusammenwirken  mit 
einer  durch  vervollkommuete  Forschimgsmethoden  gehobenen  Theorie  zum  Au.sdntck 
kommt. 

An  der  Debatte  betheiligen  sich  Prof.  Dr.  F.  Foerster,  Dr.  A.  Scliloss- 
mann,  Chemiker  M.  Kiininitz  und  der  Vortragende  selbst. 


Sectioii  für  Mathematik. 


Dritte  Sitzung  am  12.  October  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K.  U o h n. 
— Anwesend  IR  .Mitglieder  und  Gäste. 

i’rof.  Dr.  K.  Uobn  spricht  über  die  Anordnung  der  Krystall- 
molekcln. 

Die  Anordmiug  der  Molekeln  eines  Krvstalls  lässt  sieh  als  eine  regelmässige 
ansehen,  imlem  man  annehmen  kann,  dass  jedes  auf  die  Anordnung  der  Xachharmolekeln 
genau  so  einwirkt,  wie  jedes  andere.  Jede  Molekel  ersetzt  man  dnndi  einen  Punkt 
und  erhält  dann  eine  regelmässige  Piinktgruppe  im  Rannt,  die  man  sich  in  nnbegreuzter 
Ausilehimng  vorstellen  kann.  Jeder  Punkt  ilieser  (iruppe  ist  dann  von  allen  übrigen 
genau  in  der  gleichen  Weise  umlagert,  wie  jeder  andere.  Es  bieten  sich  hier  drei 
Möglichkeiten  ilar:  I.  Verschiebt  man  die  tiriippe  parallel,  sndass  der  .Ausgangspunkt 
in  die  Lage  eines  hcliebigen  anderen  gelangt,  so  kommt  die  ganze  (iruppe  mit  sieh 
seihst  zur  Deckung.  2.  Kur  ein  Theil  der  Punkte  hat  die  Eigenschaft,  dass  eine 
Parallidverschiehiing  des  Ausgangspunktes  in  ihre  I.age  die  ganze  (Iruitpe  mit  sieh  zur 
Deckung  bringt,  a.  Für  keinen  Punkt  ist  diese  Eigenschaft  vorhanden.  Es  wird 
gezeigt,  dass  Ilieser  letzte  Fall  nicht  eintreten  kann  hei  regelmässigen  Punktgrnppen, 
deren  N'achbarpnnkte  keine  unemllieh  kleinen  Abstände  anfweisen.  Im  ersten  Falle  ist 
die  Anonlimng  der  Molekeln  die  eines  Pniiktgitters.  Im  zweiten  Falle  ordnen  sich  ilie 
Molekeln  in  mehrere  Piinktgilter  an. 


Vierte  Sitzung  am  14.  December  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K. 
Pvobii.  — Anwesend  11  .Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  F.  Müller  spricht  über  M'iukeltheilungscurven  und 
Kr  ei  st  hei  luiigsgleicliungen. 

Der  Vortragende  geht  aus  von  der  elementaren  Aufgabe,  die  Beziehung  zwischen 
den  .Seiten  eines  Dreiecks  zn  suchen,  in  welchem  Winkel  t;  = 2 ist.  Die  rationalen 
llreiecke  dieser  Art  hat  hendts  .Schweriiig  untersucht  und  für  seine  .Xufgahensammlniig 


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25 


verwertliet.  Es  lässt  sich  imii  die  Aufgabe  dahin  verallgcineinern.  dass  « = n;f  ist;  doch 
wird  die  allgemeine  Relation  zwischen  den  drei  Seiten,  die  mit  Hilfe  der  Moivre’schen 
Formel  abgeleitet  werden  kann,  filr  die  wirkliche  Aufstellung  der  Beziehungen  in  den 
specicllen  Fällen  sehr  bald  unbrauchbar.  Nun  giebt  es  aber  eine  einfache  Substitution 

1,2  1,  _ ß 

= b„  = , welche  diese  Relation  fUr  den  Fall  n in  die  folgende 

‘‘n  + 1 *11  + 1 


für  den  Fall  n + 1 überführt.  Mit  ihrer  Hülfe  lassen  sich  die  Relationen  für  n = 2,  3, H 

leicht  herleiten;  sie  gewinnen  eine  noch  einfachere  Form,  wenn  man  * **=n,  ^ = v 

° c 0 


setzt.  Die  obige  Aufgabe,  als  kinematisches  Problem:  ,Die  Dnrchschnittspunkte  zweier 
unendlichen  Geraden  zu  linden,  die  sich  um  die  Endpunkte  einer  Strecke  c,  von  dieser 
ausgehend,  mit  den  Winkelgeschwindigkeiten  w und  n.w  drehen“,  führt  auf  die  Winkel- 
theilungscurven,  sectrices  genannt,  weil  sie  einen  gegebenen  Winkel  in  n gleiche  Theile 
theilen.  Diese  Cnrven  sind  schon  1885  von  Schonte,  dann  von  ile  Longchamps,  Brocaird 
u.  A.,  und  kürzlich  von  Heymann,  der  sie  ihrer  Gestalt  wegen  Araneiden  nennt,  unter- 
sucht worden.  Der  Vortragende  stellt  die  allgemeine  Gleichung  derselben  in  recht- 
winkeligen Coordinaten  auf  und  geht  näher  auf  die  Trisectrix  und  die  Slaclaurin'sche 
Transformation  ein.  Alsdann  zeigt  er,  wie  sich  aus  den  zuerst  abgeleiteten  Relationen 
durch  die  Substitution  a = c = l.  b = x auf  sehr  einfache  Weise  die  Kreistheilungs- 
gleichungen  fyn(x)  = 0 herleiten  la.s.«en,  d.  h.  die  Gleichungen  n. Grades,  denen  die  Seite 
des  regelmäsigen  2 (2n -|- 1)- Ecks  genügt.  Mit  Hülfe  der  Moivre’schen  Formel  kann 
man  die  allgemeine  Form  dieser  Gleichungen  aufstellen,  aus  der  sich  die  Gauss’sche 
Kreistheilnn^gleichnng  z»  = 1 ableiten  lä.sst.  Aua  der  allgemeinen  Form  ergiebt  sich, 
dass  unsere  Gleichungen  Abelsche  Gleichungen  sind;  ferner  ergeben  sich  merkwürdige 
Beziehungen  zwischen  den  rationalen  Functionen  einer  einzigen  Wurzel,  als  welche  sich 
die  übrigen  Wurzeln  darstellen  las.seu.  Sic  führen  wieder  zu  einer  neuen  Darstellung 
iler  Function  711  (x). 

Den  .Schluss  des  Vortrags  bildet  der  Nachweis,  dass  durch  geeignete  Gruppining 
der  Wurzeln  der  Gleichung  7s  (x)  - 0 für  die  Seite  des  regelmässigen  34  - Ecks  eine 
sehr  einfache  Construction  des  regelmässigen  17-Eeks  gewonnen  wird 


VII.  Hauptversammlungen. 

Siebente  Sitzung  am  28.  September  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kiilkowsky.  — Anwesend  28  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  J.  Deichin üller  widmet  dem  am  16.  August  d.  J.  ver- 
storbenen letzten  Stifter  der  Isis,  Dr.  med.  Friedrich  Theile  in  Lock- 
witz,  einen  warm  empfundenen  Nachruf. 

Dr.  W.  l’etrascheck  spricht  über  Faciesbildungen  im  Gebiete 
der  sächsischen  Kreideformation.  (Vergl.  Abhandlung  V.) 

Achte  Sitzung  am  26.  October  1899.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  67  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  legt  als  Einleitung  für  den  nachfolgenden 
Vortrag  das  Werk  von  Dr.  W.  Bergt;  „Die  älteren  Massengesteine, 
krystallinen  Schiefer  und  Sedimente“,  aus  W.  Ueiss  und  A.  Stübel,  Geo- 
logische Studien  in  der  Republik  Colombia,  Bd.  II,  2,  Berlin  1899  vor. 

Hierauf  hält  Dr.  A.  Stübel  einen  durch  Vorführung  zahlreicher  Licht- 
bilder erläuterten  Vortrag  über  die  Vulkanberge  von  Colombia. 


* 


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26 


Neunte  Sitzung  am  30.  November  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  32  Mitglieder. 

Nacli  der  Wahl  der  Beamten  der  Gesellschaft  für  das  Jahr  1900 
(vergl.  die  Zusammenstellung  auf  S.  28)  spricht 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  über  die  Schneeverhältnisse  des 
Bayrischen  Waldes. 

Eingclieucle  Untersuclnmgen  Uber  die  Sehncedecke  des  bayriseh-bShiuischen  <irenz- 
gebirges  sind  von  dem  Vortragenden  in  der  ..Iieo]ioMiiia“,  lieft  XXXIIl  — XXXV, 
lSi)7— H!»  verilffenlliiht  worden. 

Prof.  Dr.  11.  Ebert  knüpft  an  diesen  Vortrag  Bemerkungen  über  den 
Zusammenhang  von  Wald  und  Niederschlagsmengen. 


Zehnte  Sitzung  am  21.  December  1899.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  11.3  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Ilofrath  Prof.  Dr.  W.  Ilempel  hält  einen  E.\perimentalvortrag 
über  die  Argongruppe  und  das  Vorkommen  von  Gasen  in  Ge- 
steinen. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  5.  August  1899  starb  Privatus  Hermann  Jani  in  Dresden, 
wirkliches  .Mitglied  seit  1871. 

Am  16.  .\ugust  1899  verschied  der  letzte  der  Stifter  unserer  Gesell- 
schaft, l)r.  mcd.  Friedrich  Theile  in  Lockwitz,  Ehrenmitglied  seit  1885. 

Nekrolog  ».  am  Anfang  dieses  Heftes. 

Am  19.  November  1899  starb  in  Meissen  Gymnasiallebrer  a.  D.  Carl 
Sommer,  wirkliches  Mitglied  seit  1898. 

Ara  27.  November  1899  starb  Geheimer  Conimerzienrath  Wilhelm 
von  Baensch,  K.  llofverlagsbuchhändler,  Begründer  und  Senior-Chef  der 
Firma  Wilhelm  Baensch,  Buchdruckerei  und  Verlagshandlung  in  Dresden, 
wirkliches  .Mitglied  seit  1898. 

Am  30.  Deceniher  1899  starb  in  Langebrück  Friedrich  August 
Kosmahl,  K.  Sächsischer  Oberförster  a.  D.,  seit  1882  wirkliches,  zuletzt 
correspondirendes  -Mitglied. 

Neu  aufgenomraene  wirkliche  -Mitglieder: 

Franck,  Paul,  HetUschullehrer  in  Dresden,  am  30.  November  1899; 
Ilentschel,  W.,  Dr.  jthil.,  in  Neugruna, 

Jahr,  Bich.,  Photochemiker  in  Dresden, 

Klähr,  .Ma.vimilian,  Kealschullehrer  in  Dresden, 

Uichter,  Arthur,  Chemiker  in  Blasewitz, 

Secfehlner,  Egon,  Privatdocent  und  Assistent  an 

der  K.  Technischen  Hochschule  in  Dresden, 

Siegert,  Leo,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Tech- 
nischen Hochschule  in  Dre.sden, 


I am  26.  October  1899; 
I am  30.  November  1899; 


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27 


Specht,  Carl.  Privatus  in  Niederlössnitz, 
Wislicenus,  Adolf,  iJr.  phil.,  Professor  an  der 
K.  Forstakadeniie  in  Tharandt, 


am  21.  Deeemher  189!); 


In  die  correspondirenden  Mitglieder  ist  übergetreten: 
Hering,  Adolf,  Berg-  und  llütten-Ingenieur  in  Freiberg. 


Freiwillige  Beiträge  zur  Gesellscliaftskasse 

zahlten:  Dr.  Amthor,  Hannover,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  B achinann,  Plauen  i.  V., 
3 Mk.;  Stadtarchivar  von  Baensch,  Stralsund,  3 Mk.  10  Pf.;  K.  Biblio- 
thek, Berlin,  3 Mk.;  naturwissensch.  Modelleur  Blaschka,  Hosterwitz, 
3 Mk.  10  Pf.;  Privatus  Eisei,  üera.  3 Mk.;  Bergmeister  Hartung,  Lohen- 
steiu,  5 Mk.;  Prof.  Dr.  Hi bsch,  Eiebwerd,  3 Mk.  1 Pf.;  Bürgerschullehrer 
Hofmann,  Grossenhain,  3 Mk.;  Oberlehrer  Dr.  Lohrmann,  Annaberg, 
3 Mk.;  Stabsarzt  Dr.  Naumann,  Gera,  3 Mk.;  Oberlehrer  Naumann, 
Bautzen,  3 Mk.;  Dr.  lleiche,  Santi.ago,  Chile,  3 Mk.;  Director  Dr.  lleide- 
meister,  Schönebeck,  3 Mk.;  Apotheker  Schlimpert,  Cölln,  6 Mk.;  Prof. 
Dr.  Schneider,  Blascwitz,  10  Mk.;  Oberlehrer  Seidel  1,  Zschopau,  3 Mk. 
15  Pf.;  Hittergutspachtcr  Sieber,  Grossgrabe,  3 .Mk.  10  Pf.;  Fabrikbesitzer 
Siemens,  Dresden,  100  .Mk.;  Chemiker  Dr.  Stauss,  Hamburg,  3 .Mk.; 
Oberlehrer  Dr.  Sterzei,  Chemnitz,  3 Mk.;  Privatdocent  Dr.  Steuer,  Jena, 
.3  Mk.;  Prof.  Dr.  Vater,  Tharandt,  3 Mk.;  Baurath  Wiechel,  Chemnitz, 
3 Mk.  10  Pf.;  Oberlehrer  Wolff,  Pirna,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Wünsche, 
Zwickau,  3 Mk.  — ln  Summa  187  Mk.  56  Pf. 

G.  Lehmann, 
Kassirer  der  „Isis“. 


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28 


Beamte  der  Isis  im  Jahre  1900. 

Vorstand. 

Krster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  !•’.  Kalkowsky. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Hngelhardt. 

Kassirer:  Ilofbuchhämller  G.  1. eh  mann. 


Directorium. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Als  Sectionsvorstände: 

Privatdocent  Dr.  W.  Dergt, 

Prof.  Dr.  .1.  Deiehmüller, 

Geh.  llofratli  Prof.  Dr.  0.  Drude, 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause, 

Prof.  Dr.  H.  Kitsche, 

Oherlehrer  H.  A.  liehen  stör  ff. 

Erster  Secretär:  Prof  Dr.  J.  Deichmüller. 

Zweiter  Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Verwaltungsrath. 

Vorsitzender:  Prof  11.  Engelhardt. 

-Mitglieder:  1.  Fahrikhesitzer  E.  Kühnscherf, 

2.  Dr.  Er.  Raspe, 

'd.  Prof  11.  Fischer, 

4.  Civil-lngenicur  und  I'ahrikhositzer  Fr.  Siemens, 

5.  Fahrikhesitzer  L.  Guthinann, 

6.  Privatus  W.  Putscher. 

Kassirer:  Hofhuchhändler  G.  Lehmann. 

Bihliothekar:  Privatus  K.  Schiller. 

Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Sectionsboanite. 

I.  Seotion  für  Zoologio. 

Vorstand:  Prof  Dr.  H.  Kitsche. 

Stellvertreter:  Oherlehrer  Dr.  J.  Thallwitz. 

Protokollant:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 


n.  Seotion  für  Botanik. 

Vorstand:  Geh.  Hofrath  Prof  Dr.  0.  Drude. 
Stellvertreter:  Oherlehrer  K.  Wohst. 
Protokollant:  Garteninspector  F.  Ledien. 
Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 


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29 


m.  Seotion  für  Mineralogie  und  Oeologio. 

Vorstand:  Privatdocent  Dr.  W.  I3ergt. 

Stellvertreter;  Oberlehrer  ür.  K.  Nessig. 

Protokollant:  Dr.  E.  Naumann. 

Stellvertreter:  Dr.  L.  Siegert 

IV.  Seotion  für  prähiatorlBohe  Forsohungen. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Stellvertreter:  Lehrer  II.  Döring. 

Protokollant:  Lehrer  O.  Ebert. 

Stellvertreter:  Lehrer  II.  Ludwig. 

V.  Seotion  für  Physik  und  Chemie. 

Vorstand:  Oberlehrer  H.  A.  Heben  stör  ff. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  R.  Freiherr  von  Walther. 
Protokollant:  Oberlehrer  Dr.  G.  Schulze. 

Stellvertreter:  Dr.  R.  Engelhardt. 

VI.  Seotion  für  Mathematik. 

Vorstand:  Geh.  Ilofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause. 
Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  A.  Witting. 

Protokollant;  Privatdocent  Dr.  E.  Nätsch. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  J.  von  Vieth. 


Kedactions  - Coniit^. 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Diroctoriums  mit  Ausnahme  des 
zweiten  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Secretärs. 


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Bericht  des  Bibliothekars. 


Im  Jalire  1899  wunle  die  Ilibliotliok  der  „Isis“  durch  folgende  Zeit- 
scliriften  und  Bücher  vermehrt: 

A.  Durch  Tausch. 

I.  Lil  IX  I'  o i>  n. 

1.  Dentsohland. 

AUvnhitrg:  Niiturforscliende  Gesellschaft  des  üsterlandes.  — Mitteil.,  neue 
Folge,  8.  Bd.  [Aa  fi9.] 

Annaherij-lituhholz:  Verein  für  Naturkunde.  — .X,  Bericht.  1894—98.  [.\a  50.] 
Angshitr;/:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Sehwahen  uinl  Neuhurg.  — 
33.  Bericht.  [Aa  18.] 

Jiamht'rg:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Bautzen’  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“. 

Berlin:  Botanischer  Verein  der  Provinz  Brandenhurg.  — Verhandl.,  .Jahrg.40. 
[Ca  6.] 

Berlin:  Deutsche  geologische  Gesellschaft.  — Zeitschr.,  Bd.  50,  lieft  3 
und  4;  Bd.  51,  Heft  1 uml  ’i.  [Da  17.] 

Berlin:  Gesellschaft  für  Anthropologie,  F.thnologie  und  Urgeschichte.  — 
Verhandl.,  Juni  1898  his  Mürz  1899.  [G  55,] 

Bonn:  Naturhistorischer  Verein  der  preussischen  llheinlande,  Westfalens 
und  des  Ueg.-Bez.  üsnahrück.  — Verh.andl.,  55.  Jahrg.;  56.  Jahrg., 
1.  Hälfte.  [Aa  9.3.] 

Bonn:  Niederrheinische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Sitzungs- 
her.,  1898;  1899,  1.  Hälfte.  [Aa  3:12.| 

Brannschu  eig:  Verein  für  Naturwissenschaft.  — 11.  Jahresher.  [Aa  ‘J45.] 
Bremen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Ahhandl.,  Bd.  XVI,  Heft  1—2. 
[Aa  2.1 

Breslau  : Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  — 76.  Jahresher., 
1898.  [Aa  46.] 

Chemnitz:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Chemnitz:  K.  Sächsisches  meteorologisches  Institut.  — Jahrhueh,  XI V.  Jahrg., 
3.  .\l)th.;  .XV.  Jahrg.,  l.u.  2.  .Vhth.  [Kc  57.) 

Danzig:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Schriften,  Bd.  IX,  Heft  3 — 4. 
[Aa  80.] 

Darmslailt:  Verein  für  Krdkundc  und  Grossherzogi.  geologische  Landes- 
anstalt. — Notizhl.,  4.  Folge,  19.  Heft.  [Fa  8.J 
Donaucschingen:  Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte  der  Baar  und 
der  angrenzenden  Landestheile. 

Dresden:  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde. 


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31 


Dremletr.  Gesellscluift  für  llotanik  und  Gartenbau  „Flora“.  — Sitzungsbcr. 

und  Abhandl.,  n.  F.,  Jalirg.  3.  [Ca  20.] 

Dresden:  K.  Mineralogisch -geologisches  Museum. 

Dresden:  K.  Zoologisches  und  Anthrop.-ethnogr.  Museum. 

Dresden:  K.  Oefientliche  Bibliothek. 

Dresden:  Verein  für  Erdkunde.  — Jahresberichte,  Jahrg.  XXIV.  [Fa  6.] 
Dresden:  K.  Sächsischer  Altertumsverein.  — Neues  Ai’chiv  für  Sachs. 
Geschichte  und  Altertumskunde,  Bd.  XX.  [G  75.1  — Die  Sammlung 
des  K.  Säclis.  Altertumsvereins  in  ihren  Hauptwerken.  Lief.  2 und  3, 
Bl.  XI -XXX.  [^G  75b.] 

Dresden:  Oekonomismie  Gesellschaft  im  Königreich  Sachsen.  — Mittheil. 
1898-99.  jlla  9.] 

Dresden:  K.  Thierärztliche  Hochschule.  — Bericht  über  das  Veterinärwesen 
in  Sachsen,  43.  Jahrg.  [Ha  26.] 

Dresden:  K.  Sächsische  Technische  Hochschule.  — Bericht  über  die  K.  Sachs. 
Techn.  Hochschule  a.  d.  Jahr  1898—99.  [Je  63.]  — I’ersoualverz.  Nr. 
XIX— XX.  [Je  63b.] 

Dürkheim:  Naturwissenschaftlicher  Verein  der  Rheinpfalz  „Pollichia“.  — 
LVI.  Jahresber.;  Mitteil.  Nr.  12,  [Aa  66.] 

Düsseldorf:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Elberfeld:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Jahresberichte,  Heft  9. 
[Aa  2,36.] 

Emden:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Kleine  Schriften,  Nr.  XIX. 
[Aa  48b.l 

Emden:  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer. 
Erfurt:  K.  .\kademie  gemeinnütziger  Wissenschaften. 

Erlum/en:  l’hysikalisch-mcdicinische  Societät,  — Sitzungsber.,  SO.Heft,  1898. 
[Äa  212.] 

Frankfurt  a.  M.:  Senckenbergische  naturforschende  Gesellschaft. — Bericht 
für  1899.  [Aa  9a.] 

Frankfurt  a.  M.:  Physikalischer  Verein.  — Jahresber.  für  1897 — 98. 

[El.  ,35.] 

Frankfurt  a.  0.:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Regierungsbezirks 
Frankfurt.  — „Helios“,  16.  Bd.;  Societatum  litterae,  Jalirg.  XII, 
Nr.  5-12.  [Aa  282.] 

Freiherg:  K.  Sachs.  Bergakademie.  — Programm  für  das  134.  Studien- 
jahr 1899-1900.  [Aa  32.3.] 

Freiburg  i.  ß.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Clera:  Gesellschaft  von  Freunden  der  Naturwissenschaften. 

Giessen:  Oberhessische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — 32.  Bericht. 
[Aa  26.] 

Görlitz:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Görlitz:  Oberlausitzische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Neues  Lau- 
sitzisches  Magazin,  Bd.  75,  1.  Heft;  Code.x  diplomaticus  Lusatiae 
superioris,  Heft  4.  [Aa  64.] 

Görlitz:  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Oberlausitz. 
Greifsieald:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Neu -Vorpommern  und 
Rügen.  — .Mittheil.,  30.  Jahrg.,  1898.  [Aa  68.] 

< Greifsieald:  Geographische  Gesellschaft. 

Gubien:  Niederlausitzer  (iesellschaft  für  .\nthropologie  und  Urgeschichte. — 
Mittheil.,  V.  Bd.,  Heft  8;  VI.  Bd.,  Heft  1.  [G  102.] 


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32 


Onxtrow : Verein  der  Freunde  der  Naturgcscliichtc  in  Mecklenburg. 

Halle  a.  S.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Halle  a.  S.'.  Kais.  Leopoldino-Carolinisclie  deutsche  .\kademie.  — Leopoldina, 
Heft  XXXIV,  Xr.  12;  Heft  XXXV,  N'r.  1-11.  [Aa  02.] 

Halle  a.  S.:  Verein  für  Erdkunde.  — Mitteil.,  Jahrg.  1899.  IFa  16.] 
Hamhurf):  Xaturhistorisches  Museum.  — Jahrbücher,  Jahrg.  XV,  mit  Bei- 
heft 1 — 2.  [Aa  276.] 

Hamhurq-,  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Verhandl.,  III.  Folge,  6.  Heft. 
1898.  [Aa  293b.] 

Hamhurg:  Verein  für  naturwissenschaftliche  Unterhaltung. 

Hatiati:  Wetterauische  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde.  — 
Berichte  vom  1.  Mai  1895  bis  31.  März  1899.  [Aa  30.] 

Hannover-.  Naturhistorische  Gesellschaft. 

Hannover:  Geographische  Gesellschaft. 

Heidelberg:  Naturhistorisch -medicinischer  Verein.  — Verhandl..  Bd.  VI, 
Heft  1-2.  [Aa  90.] 

Huf:  Nordoberfränkischer  Verein  für  Natur-,  Geschichts-  und  Landes- 
kunde. 

Karlsruhe:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Kassel:  Verein  für  Naturkunde.  — Abhandl.  und  Berichte,  Nr.  41  u.  44. 
[Aa  242.] 

Kassel:  Verein  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde,  — Zeitschr., 
Bd.  24,  1.  Hälfte;  .Mittheil.,  Jahrg.  1898.  [Fa  21.] 

Kiel:  Naturwissenschaftlicher  \ erein  für  Schleswig-Holstein.  — Schriften, 
Bd.  XI,  2.  Heft.  JAa  189.] 

Köln  : Bedaction  der  Gaea.  — Natur  und  Leben,  Jahrg.  35.  [Aa  41.1 
Königsberg  i.  P>.:  riiysikalisch-ökonomische  Gesellschaft.  — Schriften. 

39.  Jahrg.,  1898.  [Aa  81.] 

Königsberg  i.  iV.:  Altertums-Gesellschaft  Frussia. 

Krefeld:  Verein  für  Naturkunde. 

Landshut:  Botanischer  Verein. 

Leipzig:  .Naturforschende  Gesellschaft.  — Sitzungsberichte,  24.-25.  Jahrg. 
[Äa  202.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Berichte  über 
die  Verhandl..  mathem.-physikal.  Klasse,  1898,  L.  Bd.,  naturwissensch. 
Theil;  1899,  LI.  Bd.,  mathemat.  Theil,  Heft  1—5.  [Aa  296.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  geologische  Landesuntersuchung. 

Lübeck:  Geographische  •Gesellschaft  und  naturhistorisches  Museum.  — 
Mitteil.,  2.  Beihe,  Heft  12  und  13.  [Aa  279b.] 

Lüneburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  das  Fürstentum  Lüneburg. 
Magdeburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Mannheim:  Verein  für  Naturkunde. 

Marburg:  Gesellschaft  zur  Befiirderung  der  gesammten  Naturwissenschaften. 
Meissen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“.  — Beobacht,  d.  Isis- 
Wetterwarte  zu  Meissen  i.  J.  1898.  [Ec  40.]  — ^ Mittheilungen  aus  den 
Sitzungen  des  Vereinsjahres  1898 — 99.  [.\a  319.] 

Münster:  Westfälischer  Provinzialverein  für  Wissenschaft  und  Kunst.  — 
26.  Jahresber.,  Jahrg.  1897  — 98.  [Ca  231.] 

Xeisse:  Wissenschaftliche  Gesellschaft  „l’hilomathie“.  — 29.  Bericht, 
1896-98.  [Aa  28.] 


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33 


NürnlMrif.  Naturliistorische  Gesellschaft.  — .lahresbcr.  für  1891  uml 
1898,  nebst  Abbandl.,  IX.  uiul  XII.  liil.  [Aa  6.] 

Offenbach:  Verein  für  Naturkunde. 

Osnabrück:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — 13.  Jahresber.,  1898.  [Aal77.] 
Passati:  Naturhistorischer  Verein. 

Posen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Zeitschr.  der  botan.  Abtheil., 
5.  Jahrg.,  Heft  3;  6.  Jahrg.,  Heft  1—2.  [Aa  316.] 

Eegensburej:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Pegcnsbnrg:  K.  botanische  Gesellschaft.  — Denkschr.,  n.  F.,  1.  Bd.  [Cb  42.] 
Peichenbach  i.  V.:  Vogtländischer  Verein  für  Naturkunde. 

Reutlingen:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Schneeberg:  Wissenschaftlicher  Verein.  — Mitteil.,  Heft  4.  [Aa  236.] 
Stettin:  Ornithologischer  Verein.  — Zeitschr.  für  Ornithologie  und  prakt. 

Geflügelzucht,  Jahrg.  XXIII.  [Bf  57.] 

Stuttgart:  Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württemberg.  — Jahres- 
hefte, Jahrg,  55.  [.\a  60.] 

StutUjart:  Württembergischer  Altertuinsverein.  — Württemberg  Viertel- 
jahrsheftc  für  Landesgeschichte,  n.  F.,  8.  Jahrg.  [G  70.] 

Tharandt:  Redaction  der  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  — Land- 
wirtsch.  Versuchsstationen,  Bd.  LI,  Heft  2 — 6;  LH,  Heft  1—4. 
(In  der  Bibliothek  der  Versuchsstation  im  botan.  Garten.) 

Thom:  Coppernicus -Verein  für  Wissenschaft  und  Kunst.  — Mitteil., 
XII.  Heft.  [Aa  145.] 

Trier:  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen. 

Ulm:  Verein  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften. 

Ulm:  Verein  für  Kunst  und  Altertum  in  Ulm  und  Oberschwaben. 
Weimar:  Thüringischer  botanischer  Verein.  — Mittheil.,  n.  F.,  12.  Heft. 
[Ca  23.] 

Wernigerode:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Harzes. 

Wiesbaden:  Nassauischer  Verein  für  Naturkunde.  — Jahrbücher,  Jahrg.  52. 
[Aa  43.] 

Würzburg:  Physikalisch-medicinische  Gesellschaft.  — Sitzungsber.,  Jahrg. 
1898.  [Aa  85.] 

Ztiiekau:  Verein  für  Naturkunde.  — Jahresber.  1898.  [Aa  179.] 


2.  Oesterreich- Ungarn. 

Aussig:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Bistritz:  Gewerbelchrlingsschule.  — X.XHI.  Jahresber.  [Je  105.] 

Brünn:  Naturforschender  Verein. — Verhandl.,  Bd.  .XXXVI,  u.  16.  Bericht 
der  meteorolog.  Commission.  [Aa  87.] 

Budapest:  Ungarische  geologische  Gesellschaft.  — Földtaui  Közlönv,  XXVHI. 

köt.,  10.— 12.  füz.;  XXIX.  köt.,  1.,  5—10.  füz.  [Da  25.] 

Budapest:  K.  Ungarische  naturwissenschaftliche  Gesellschaft,  und:  Ungarische 
Akademie  der  Wissenschaften. 

Graz:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Steiermark.  — Mittheil.,  Jahrg. 
1898.  [Aa  72.) 

Hermannstadt:  SiebcnbürgischerVerein  für  Naturwissenschaften. — Verhandl. 

und  Mittheil.,  XLVHI.  Jahrg.  [Aa  94.] 

Iglo:  Ungarischer  Karpathen -Verein.  — Jahrbuch,  XXVJ.  .Jahrg.  [Aa  198.] 


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34 


Inmbnak:  Xaturwissensclmftlich-nicdicinisdier  Verein.  — Bericlite,  XXIV. 
Jalirg.  [Aa  171.] 

Khujcufurt-,  Katurliistorisclies  Land  es -Museum  von  Kärnthen.  — Jahrbuch. 
25.  Heft.  [Aa  42.]  — Diagramme  der  magn.  und  meteorolog.  Be- 
obaclitungeii  zu  Klagenfurt  von  1898.  [Ec  94.] 

Knihnr.  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1898.  Xr.  9—10;  1899, 
Xr.  1-7.  TAa  .302.] 

Laibach'.  Musealverein  für  Krain. 

Lim:  Verein  für  Naturkunde  in  Oesterreich  ob  der  Enns.  — 28.  Jahresber. 
[Aa  213.] 

Linz:  Museum  I’rancisco-Carolinum.  — 57.  Bericht  nebst  der  51.  Lieferuiif' 
der  Beiträge  zur  Landeskunde  von  Oesterreich  ob  der  Enns.  [Fa  9.] 
Pra(j:  Deutscher  naturwissenschaftlich -medicinischer  Verein  für  Böhmen 
„Lotos“.  — Sitzungsber.,  Jahrg.  1896,  XVI.  Bd.;  Jahrg.  1897,  XVII.  BO. 
[Aa  6.3.] 

Prag:  K.  Böhmische  Oescllschuft  der  Wissenschaften.  — Sitzungsber., 
mathem.-naturwissensch.  CI.,  1898.  [Aa  269.]  — Jahresber.  für  1898. 
[Aa  270.] 

P-ag:  Gesellschaft  des  Museums  des  Königreichs  Böhmen.  — Pamdtky 
archaeologicke,  dilu  XVIII,  ses.  3 — 5.  [G  71.] 

P-ag:  Lese-  und  Iledehalle  der  deutschen  Studenten. 

P-ag:  Ce.ska  Akademie  Cisare  Frantiska  Josefa.  — Rozpravy,  Trida  II, 
Uocnik  7.  [Aa  313.]  — Bulletin  international,  classe  des  Sciences 
niathematiques  et  naturelles,  Xr.  V.  [Aa  31.3  b.J 
P'esbarg:  Verein  für  Heil-  und  Xaturkunde.  — Vernandl.,  n.  F.,  Heft  10. 
[Aa  92.] 

lieichenherg : Verein  der  Xaturfreunde.  — Mittheil.,  Jahrg.  30.  [.\a  70. J 

isalzburq:  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde.  — Mittheilungen, 
lUi;  XXXIX.  [Aa  71.] 

Temesvär:  Südungarische  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften.  — Termes- 
zcttudoiuiinyi  Füzetek,  XXII.  köt.,  füz.  1 und  4;  XXXIII.  köt.,  füz.  3 und  4. 
[Aa  216.] 

Trencsin:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Trencsiner  Comitates.  — 
.lahresheft,  Jahrg.  XI — XII.  [Aa  277.] 

Triest:  iMuseo  civico  di  storia  natur.ale. 

Triest:  Societä  Adriatica  di  scicnze  naturali. 

HVen:  Kais.  .Akademie  der  AVissenschaften. 

Wien:  Verein  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse.  — 
Schriften,  Bd.  XXXIX.  [.Aa  82.] 

IFön:  K.  K.  naturhistorisches  Ilofmuseum.  — Annalen,  Bd.  XIII,  Xr.  2 — 4; 
Bd.  XIV,  Nr.  1-2.  [Aa  280.] 

HVt'W:  Anthropologische  (iesellschaft.  — Mittheil.,  Bd.  XXVIII,  Heft  5— 6; 
Bd.  XXIX,  Heft  1— .5.  [B.l  1.] 

HVcn:  K.  K.  geologische  KeichsanstaU.  — Jahrbuch,  Bd.  XLVIII;  Bd.  XLIX, 
Heft  1—2.  [Da  4.]  — Verh.amlL,  1898,  Xr.  13-18;  1899,  Xr.  1— 10. 
[Da  16.]  — Geologische  Karte  der  Oesterreich-Ungarischen  Monarchie. 
Zone  5,  Col.  XA'I;  Zone  6,  Col.  XVII;  Zone  8,  Col.  XV;  Zone  9, 
Col.  XVI;  Zone  10,  Col.  Xl\  ; Zone  18,  Col.  XVI;  Zone  20.  Col.  XI — XIV. 
[Da  33.] 

KVcm:  K.  K.  zoologisch -botanische  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XLVIII. 
[Aa  95.] 


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35 


Wien:  Naturwisseiiscliaftliclier  Verein  an  der  Universität. 

Wien:  Central- Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  — Jahr- 
bücher, Jahrg.  1895,  189G  und  1898.  [Ec  82.] 


3.  Rumänien. 

Bukarest:  Institut  meteorologique  de  Uoumanie.  — Annales,  tome  XIII,  1897. 
[Ec  75.] 

4.  Schweiz. 

Aarau:  Aarg.<iuische  naturforschende  Gesellschaft. 

Basel:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Bern:  Xaturforschende  Gesellschaft.  — Mittheil.,  1807,  Nr.  1436  — 1450. 
[Aa  254.] 

Bern:  Schweizerische  botanische  Gesellschaft.  — Berichte,  Heft  9.  [Ca  24.] 
Bern:  Schweizerische  naturfoi’schende  Gesellschaft.  — Verhandl.  der  80. 

(Engelberg  1897]  und  81.  [Bern  1898]  Jahresversammlung.  [Aa  255.] 
Chur:  Naturforschende  Gesellschaft  Graubündens.  — Jahresber.,  n.  I'., 
Jahrg.  XXXIX  und  XLII.  [Aa  51.] 

Frauenfehl:  Thurgauische  naturforschende  Gesellschaft. 

Freihurg:  Societe  Fribourgeoise  des  Sciences  naturelles. 

St.  Oallen:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht  für  1896  — 97.  [Aa  23.] 
Lausanne:  Societe  Vaudoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  4.  ser., 
vol.  XXXIV,  no.  130;  vol.  XXXV,  no.  131—132.  [Aa  248.J 
Neuchatel:  Societe  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  tome  XXI  — XXV. 
[Aa  247.] 

Schaff  hausen:  Schweizerische  entomologische  Gesellschaft.  — .Mittheil., 
Vol.  X,  Heft  5.  [Bk  222.] 

Sion:  La  Murithienne,  societe  Valaisanne  des  Sciences  naturelles. 

Zürich:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Vierteljahrsschr.,  Jahrg.  43, 
Heft  4;  Jahrg.  44,  Heft  1 — 2.  [Aa  96.] 

5.  Frankreich. 

Amiens:  Societe  Linneenne  du  nord  de  la  France. 

Bordeaux:  Societe  des  Sciences  physiques  et  naturelles.  — Memoires, 
ser.  5,  tome  IV  et  appendice  au  tome  IV;  proces-verbaux,  annee 
1897  — 98.  [Aa  253.] 

Cherbourg:  Societe  nationale  des  Sciences  naturelles  et  matheuiatiques. 
Dijon:  Academie  des  Sciences,  arts  et  helles  lettres.  — Memoires,  ser.  4, 
tome  VI.  [Aa  138.  | 

Le  Mans:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe.  — Bulletin, 
tome  XXVIII,  fase.  4;  tome  XXIX,  fase.  1.  |.\a  221.1 

Lgon:  Societe  Linneenne.  — .\nnales.  tome  45.  [Aa  132.J 
Lyon:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  industrie.  — Annales,  ser.  7.  tome  5. 

[Aa  133.]  , 

Lyon:  Academie  des  Sciences  et  lettres.  — Memoires,  ser.  3,  tome  6. 
[Aa  139.] 

Rtris:  Societe  zoologique  de  France.  — Bulletin,  tome  XXIll.  [Ba  24.] 
Toulouse:  Societe  Framjaise  de  botanique. 


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6.  Belgien. 

Brüssel:  Societe  royale  malacologique  de  Belgique.  — Aniiales,  lome 
XXXIl.  [Bi  1.]  — Proces-verbaux  des  seaiices.  tome  XXVII,  August- 
Deceniber  1898;  Bulletins  des  seances,  tonie  XXXIV,  pag.  1 — 50; 
meinoires,  tome  XXXIV,  pag.  1 — 16.  [Bi  4.] 

Brüssel:  Societe  entomologique  de  Belgique. 

Brüssel  : Societe  royale  de  botauiciue  de  Belgique.  — Bulletin,  tome  XXXVII. 
rCa  16.1 

Gembloux:  Station  agronoinique  de  l'etat.  — Bulletin,  no.  66.  [11b  75.] 

Lüttich:  Societe  geologique  de  Belgique. 


7.  Holland. 

Qent:  Kruidkundig  Genootschap  „Dodonaea“.  — Botanisch  Jaarboek, 
9. — 10.  Jaarg.  [Ca  21.] 

Groningen:  Naturkundig  Genootschap.  — 98.  Verslag,  1898.  [Je  80.]  — 
Centralbureau  voor  de  Kennis  van  de  Proviiicie  Groningen  en  omgebgen 
streken:  Bejdragen,  deel  I,  stuk  1.  [Je  80b.] 

Harlem:  Mus6e  Tej-ler.  — Arehives,  ser.  II,  vol.  VI,  p.  3 — 4.  [Aa  217.] 
Hartem:  Societe  Hollandaise  des  Sciences.  — Arehives  Xeenandaiscs 
des  Sciences  exactes  et  naturelles,  ser.  II,  tome  II,  livr.  2 — 5;  tome  111, 
livr.  1 - 2.  [Aa  257.] 


8.  Luxemburg. 

Luxemburg:  Societe  botanique  du  Grandduche  de  Luxembourg. 
Luxemburg:  Institut  royal  grand-ducal. 

Luxemburg:  Verein  Luxemburger  Naturfreunde  „Fauna“. 


9.  Italien. 

Brescia:  Ateneo.  — Commentari  per  Tanno  1898.  [Aa  199.] 

Catania:  .Accademia  Gioenia  di  seienze  naturale.  — Bollettino,  fase.  L, 
LI,  LV-LIX.  [Aa  149.] 

Florenz:  R.  Instituto. 

Florenz:  Societä  entoraologica  Italiana.  — Bullettino,  anno  XXX.  IBk  193.] 
Mailand:  Societä  Italiana  di  seienze  naturali.  — Atti,  vol.  XXXVII. 

fase.  4;  vol.  XXXVIII,  fase.  1—3.  [Aa  150.] 

Mailand:  K.  Instituto  Lombardo  di  seienze  e lettere.  — Rendiconti,  ser.  2, 
vol.  XXXI.  [Aa  161.]  — Memorie,  vol.  XVIII,  fase.  6.  [Aa  167.] 
Modena:  Societä  dei  naturalisti.  — Atti,  ser.  3,  vol.  XV,  fase.  1 — 2; 
vol.  XVI,  fase.  1—3.  [Aa  148.] 

lüdtta:  Societä  Veiieto  Trentina  di  seienze  naturali.  — Bullettino,  tomo  VI, 
no.  4.  [Aa  193b.l  — Atti,  vol.  III,  fase.  2.  [Aa  193.] 

Parma:  Redazione  del  Bullettino  di  paletnologia  Italiana. 

Pisa:  Societä  Toscana  di  seienze  naturali.  — Processi  verl)ali,  vol.  XI 
(.3.  VII.  98 — 7.  V.  99';  Memorie,  vol.  XVL  [Aa209.] 

Rom:  .Accademia  dei  Lincei.  — Atti,  Rendiconti,  ser.  5,  vol.  VII,  fase.  11 — 12; 

vol.  VllL  1.  sein.;  2.  sem.,  fase.  1 — 10.  [Aa  226.] 

Rom:  R.  Comitato  genlogico  d’Ualia. 


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37 


Turin:  Societä  nieteorologica  Italiana.  — liollettiiio  mcusuale,  ser.  II, 
vol.  Will,  no.  9—11;  vol.  XIX,  no.  1—7.  [Ec  2.]  — Annuario  storico 
meteorologico  italiano,  vol.  1,  1898.  [Ec  2 o.] 

Venedig:  R.  Instituto  Veneto  di  scienze,  lettere  e arti. 

Verona:  Accademia  di  Verona.  — Memoire,  ser.  111,  vol.  LXXIV,  fase.  1 — 2. 
[Ha  14.) 


10.  Grossbritannien  und  Irland. 

Dublin:  Royal  geologic.al  society  of  Irland. 

Edinlmrg:  Geological  Society.  — Transactions,  vol.  VH,  p.  4.  [Da  14.] 
Edinhurg:  Scottish  meteorological  society. 

Glasgow:  Natural  history  society.  — Transactions,  vol.  V,  p.  2.  [Aa  244.] 
Glasgow:  Geological  society. 

Manchester:  Geological  society.  — Transactions,  vol.  XXVI,  p.  1 — 9. 
[Da  20.] 

Xeucastle-upon-Tgne:  Tyneside  naturalists  field  club,  und:  Natural  history 
society  of  Nortliumberland,  Durham  and  Newcastle-upon-Tyne.  — 
Nat.  histoi7  transactions,  vol.  XII,  p.  1.  [Aa  126.] 


11.  Schweden,  Norwegen. 

Bergen:  Museum.  — Aarbog  for  1898  und  1899.  [Aa  294.]  — Report  on 
Norft'egian  marine  investigations  1895  — 97.  [Ab  87. [ 

Christiania:  Universität.  — Üniversitets- Programm  for  1897.  [Aa  251.] 

Chrisliania:  Foreningen  til  Norske  fortidsmindesmerkers  bevaring.  — Aars- 
beretning  for  1897.  [G  2.]  — Kunst  og  bandverk  fra  Norges  fortid, 
2.  Reihe,  3.  Heft.  [G  81.] 

Stockholm:  Entomologiska  Föreniiigen.  - Entomologisk  Tidskrift,  Arg.  19. 
[Bk  12.] 

Stockholm:  K.  Vitterhets  Historie  och  Antiqvitets  Akademien.  — Antiquarisk 
Tidskrift,  Del  XIV,  1.  [G  135.]  — Mäuadsblad,  1895.  [G  135a.J 

Tromsoe:  Museum.  — Aarsberetning  1895  — 97;  Museums  Aarsheftcr, 
XIX  — XX.  [Aa  243.] 

Upsala:  The  geological  institution  of  the  uiiiversity.  — Bulletin,  vol.  IV,  p.  1 
(no.  7),  1898.  [Da  30.] 


12.  Russland. 

Ekathurinenburg:  Societe  Ouralienne  d’amateurs  des  Sciences  naturelles. 
Helsinyfors:  Societas  pro  fauna  et  Hora  fennica.  — Meddelanden,  Heft  23. 

[Ba  20.]  — Acta,  vol  XIII  — XIV.  [Ba  17.] 

Khurkow:  Societe  des  naturalistes  ä l’universite  imperiale. 

Kiew:  Societe  des  naturalistes. 

Moskan:  Societe  imperiale  des  naturalistes.  — Bulletin,  annee  1898,  no.  2— 4. 
[Aa  134.[ 

Odessa:  Societe  des  naturalistes  de  la  Nouvelle-Russie.  — Memoires,  tome 
XXII,  p.  2.  [Aa  256.] 

Petersburg:  Kais,  botanischer  Garten. 

Petersburg:  Coniite  geologique.  — Bulletins,  vol.  XVH,  no.  6—10;  vol.  XVIII, 
no.  1 — 2.  [Da  23.]  — Memoires,  vrd.  \ lll,  no.  4;  vol.  XII,  no.  3. 
[Da  24.] 


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38 


Pftembim/:  riivsikalischos  Centralobservatüiiiim.  — Aimaleii,  Jalirg.  1897. 

[Kc7.]  ■ 

Petersburg:  Academie  imiieriale  des  Sciences,  — Bulletin,  nouv.  Serie 
tonie  VIH.  no.  5;  toine  IX;  tome  X,  no.  1 — 4.  [Aa  315.] 

Petersburg:  Kaiser!.  Russische  mineralogische  Gesellschaft.  — Verhamil., 
2.  Ser.,  Bd.  30.  |Üa  29.]  — Materialien  zur  Geologie  Russlands, 
XIX.  Bd.  [Da  29h, J 
Biga:  Naturforscher- Verein. 


II.  .A.  in  e I*  i Iz  a. 

1.  Nord-Amerika. 

Albang:  New  York  state  nuiseum  of  natural  history.  — Annual  report  49; 
50.  p.  1.  [Aa  119.] 

Baltimore:  John  Hopkins  university.  — University  circulare,  vol.  XIII, 
no,  108;  vol.  XIV,  no.  115;  vol.  XV,  no.  121;  vol.  XVIII,  no.  137—138, 
141.  [.\a  278.1  — American  journal  of  inatheinatics,  vol.  XX,  no.  4; 

XXI,  no.  1 — 2.  [Ka  38.1  — American  Chemical  journal,  vol.  XX,  no.8 — 10; 
vol.  XXI,  no.  1 — 5.  [rld  60.]  — Studies  in  histor.  and  politic.  scienoe, 
ser.  XI,  no.  7—8;  ser.  XV,  no.  3—5;  ser.  XVI,  no.  10 — 12;  ser.  XVII, 
no.  1—5.  [Bh  125.]  — American  journal  of  philology,  vol.  XIX,  no.  2-4. 
[Ja  64.J 

Berkeley:  Lniversity  of  California. — Departement  of  geology;  Bulletin  II, 
no.  4.  [Da  31.]  — ,\griculturial  experinient  Station:  I’arti.al  report 
1895 — 96,  1896 — 97;  hiennial  report  1896  — 98;  .annual  report  1898. 
[Da  31h.j 

Boston:  Society  of  natural  history.  — Memoirs,  vol.  V,  no.  4 — 5. 
[Aa  106.] 

Boston:  American  academy  of  arts  and  Sciences.  — l’roceedings,  new  ser., 
vol.  XXXIV,  2-23;  XXXV,  1-3.  [Aa  170.] 

Buffalo:  Society  of  natural  Sciences. 

Cambridge:  Museum  of  comi)urative  zoology.  — Annual  report  for  1897—98. 
1898—99;  Bulletin,  vol.  XXXIl,  no.  9 — 10;  vol.  XXXIII;  vol.  XXXIV; 
vol.  XXXV,  no.  1—6.  [Ba  14.] 

Chicago:  Academy  of  Sciences.  — Bulletin,  vol.  II,  no.  2;  40.  annual  report, 
1897.  [Aa  123  b.] 

Chicago:  Field  Columbian  Museum.  — l’ublic.ations  29—39.  [Aa  324.] 

Davenyort:  .\cademy  of  natural  Sciences. 

Halifax:  Nova  Scotian  institute  of  natural  science.  — Proceedings  and 
transaetions,  2.  ser.,  vol.  II,  p.  4.  [;\a  304.] 

Lawrence:  Kansas  University.  — Quarterly,  series  A:  Science  and  mathe- 
matics.  vol.  1,  no.  1,  3,  4;  vol.  11 — IV;  vol.  V,  no.  1 — 2;  vol.  VI— Vll; 
vol.  VIII.  no.  1 — 3.  [Aa  328.] 

Madison:  Wisconsin  Academy  of  Sciences,  arts  and  letters.  — Transactions, 
vol.  XII,  p.  1.  [,\a  206.j 

Mexiko:  Sociedad  cientitica  „Antonio  Alzate“.  — Memorias  y Revista, 
tomo  XI,  cuad.  9 — 12;  tomo  Xll,  cuad.  1 — 10.  |.\a  291.1 

Milwaukee:  Public  Museum  of  the  City  of  .Milwaukee.  --  16.  annual  report. 
[Aa  233.] 


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39 


Montrrul:  Xatuial  liistory  society.  — The  caiiadian  record  of  Science, 
vol.  VII,  110.  8.  [Aa  109.] 

Neiv-Haven:  Connecticut  academy  of  arts  and  Sciences.  — Transactions, 
vol.  X,  p.  1.  [Aa.l24,] 

Netc- Yorlx".  .Academy  of  Sciences.  — Annals,  vol.  XI,  no.  3;  vol.  XII, 
no.  1.  [Aa  101.] 

iVcM'- lorÄ:;  .American  niuseuin  of  natural  liistorj-. 

York:  State  geologist. 

FItiladehthia:  Academy  of  natural  Sciences.  — Procecdings,  1898.  n.  11— III; 
1899,  p.  I.  [Aa  117.] 

Philadelphia:  American  philosopliieal  society.  — l’roceediiigs,  vol.  XXXVII, 
no.  158;  vol.  XXX VIII,  no.  159.  [Aa  283.] 

PItiladelphia:  Wagner  free  institute  of  Science. 

Piiladdphia:  Zoological  society.  — Annual  report  27.  [Ha  22.) 

Itoihester:  Academy  of  Science. 

Rocliester:  Gcological  society  of  America.  — Bulletin,  vol.  IX— X.  [Da  28.] 

Salem:  Essex  Institute.  — Bulletin,  vol.  XXVIII,  no.  7-12;  vol.  XXIX, 
no.  7— 12;  vol.  XXX.  [Aa  16.3.] 

San  Francisco:  California  academy  of  Sciences.  — üccasional  papers, 
vol.  VI.  [Aa  1121).]  — Proceedings,  3.  ser.,  vol.  I,  no,  6 — 12. 
[Aa  112.] 

St.  Louis:  Academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  VIII,  no.  8-12; 
vol.  IX,  no.  1 — 5,  7,  [Aa  125.] 

St.  Louis:  .Missouri  botanical  garden.  — 1.,  2.,  4. — 10.  annual  report. 
[Ca  25.] 

Topeka:  Kansas  academy  of  Science. 

Toronto:  Canadian  institute.  — Proceedings,  n.  ser.,  no.  7 — 8,  vol,  2,  p.  1—2. 
[Aa  222.] 

Tafts  College. 

Washington:  Sniitlisonian  institution.  — Ileport  of  tlie  U.  St  nat.  niuseuin, 
1896.  [Aa  120c.] 

Washington:  United  States  geological  survey.  — XVlIl.  annual  report 
1896—97,  p.  1 - 5;  XIX.  annual  report,  1897 — 98,  p.  1,  4,  6.  [De  120a.] 
— Bulletin,  no.  8R  89,  149.  (De  120b.]  — Monographs,  vol.  XXIX 
bis  XXXI,  XXXA’  mit  Atlas.  [De  120c.j 

Washington:  Bureau  of  educ.ation. 


2.  Slid-Ämerika. 

Buenos- Aires:  Museo  nacional.  — Anales,  tomo  VT;  communicaciones, 
toiHo  l,  no.  2— 4.  [.Aa  147b.] 

Buenos-Aires:  Sociedad  cientilica  .Argeatina.  — Anales,  tomo  XLVI, 
entr.  5—6;  tomo  XEVIl;  tomo  XI.VHI,  entr.  1 — 5.  [.Aa  2.30.] 
Cordoha:  Academia  nacional  de  ciencias.  — Boletin,  tomo  XVI,  entr.  1. 
[Aa  2081).] 

Montevideo:  Museo  nacional.  — Anales,  fase.  X — XI.  [.Aa  326.] 

Rio  de  Janeiro:  Museo  nacional. 

San  Jose:  Instituto  tisico-geografico  y del  museo  nacional  de  Costa  Rica.  — 
Informe  1898 — 99.  [,Aa  297.] 


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Sao  Paulo-,  Comnüssao  geographica  e geologica  de  S.  Paulo.  — Dados 
climatologicos,  1893 — 97.  [Aa  305b.] 

La  Plata : Museum. 

Santiaijo  de  Chile:  Deutscher  wissenschaftlicher  .Verein.  — Verhandl., 
Dd.  III,  Heft  6.  [Aa  286.] 


111.  .A.sien. 

Batavia:  K.  naturkundige  Yerceniging.  — Natuurk.  Tijdschrift  voor 

Xederlandsch  Indie,  Deel  58.  [.\a  250.1 

Calciitta:  Geological  survey  of  India.  — Palaeontologia  Indica,  Ser.  XV. 
vol.  1,  p.  3.  [Da  9.]  — General  report  1898 — 99.  [Da  18.]  — Economic 
geology,  P.  1.  [Da  11b.] 

Tokio:  Deutsche  Gesellschaft  für  Natur-  und  Völkerkunde  Ostasiens.  — 
Mittheil.,  Bd.  VII,  Th.  1 und  2;  Suppletn.:  Khmann,  Japan.  Sprich- 
wörter, Th.  V.  [Aa  187.] 


IV.  Australien. 

Melbourne:  Mining  departnient  of  Victoria.  - - Annual  report  of  the  secretary 
for  niines,  1898.  [Da  21.] 


B.  Durch  Geschenke. 

Albert,  F.:  La  propagacion  de  la  langosta.  Sep.  1898.  [Bl  42.] 

Anders,  J.:  Lic.honologisches  vom  Jeschken.  Sep.  1898.  [Ce  36.] 
Burrande..  J.:  Systeme  silurien  du  centre  de  la  Boheme.  Vol.  VH,  p.  2. 
[Dd  3.) 

Bruxelles:  Societe  beige  de  geologie,  de  paleoutologie  et  dhydrologie.  — 
Proces-verbau.v,  annee  1896,  touie  X.  [Da  34.] 

Central- Commission,  K.  K.,  für  Erforschung  und  Erhaltung  der  Kunst- 
und  historischen  Denkmale:  Normative  und  Berichte.  Wien  1898. 
[G  142.1 

Conuvnte,  H.:  Neue  Beobachtungen  über  die  Eibe.  [Cd  106  d.] 

Cory,  Ch.:  The  birds  of  Eastern  North  America,  p.  1:  Waterbirds.  I Bf  72.] 
Damiy,  E.:  Die  llealschul- Wetterwarte  zu  Rocblitz,  1881—98.  [Ec  92.] 
Drcics  und  Hueppe:  Die  Grundlagen  der  geistigen  und  materiellen  Cultur 
der  Gegenwart.  Sep.  1899.  [Ja  79.] 

Engelhardt,  H.:  Tertiärtiora  von  Berand.  [Dd  94  q.] 

Forest  Heald,  F.  de:  Gametophytic  regeneration  as  e.\hibited  by  inosses, 
and  conditions  for  the  germination  of  cryptogam  spores.  Diss.  97. 
[Cb  45  i.]  (Gesell,  v.  Prof.  Engelhardt.) 

Friedrich,  0.:  Die  ehemalige  Entwässerung  Böhmens  durch  die  Südlausitz. 
Sep.  1898.  [De  109  c.] 

Fritsch,  .4.:  Fauna  der  Gaskohle  und  der  Kalksteine  der  Permformation 
Böhmens.  Bd.  IV,  Heft  1 und  2.  [Dd  19.] 


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41 


Gräntz,  F.:  lieber  den  Einfluss  des  Lichtes  auf  die  Entwickelung  einiger 
I’ilze.  Diss.  1899.  [Cb  45b.]  (Gescb.  v.  l’rof.  Engelh.ardt.) 

Graveluis,  H.:  3 Sep.  aus  der  Zeitschrift  für  Gewässerkunde,  1898. 
[Ec  90a — c.] 

Grosse,  J.:  Leuckart  in  seiner  Bedeutung  für  Natur-  und  Heilkunde. 
Sep.  1898.  [Jb  78.] 

Jcntzsch,  A.:  Eine  Tiefbobrung  in  Graudenz.  Sep.  1898.  [De  114bb.[ 
Jifitzsch,  Ar.  Maasse  einiger  llentbierstangen  aus  Wiesenkalk.  Sep.  1898. 
[De  114cc.] 

Isis-Osiris-Bliitter,  Nr.  1—3.  [Ja  78  b.] 

Köhler,  E.:  Zur  Geschichte  des  ehemaligen  Arznei-Laborantenwesens  im 
westlichen  Erzgebirge.  1898.  [Hb  128.] 

Köniy,  II'.:  Goethe’s  optische  Studien.  Festrede,  1899.  [Eb  4G.j 
Königsberg  •.  Preussiseber  botanischer  Verein.  — Flora  von  Ost-  und  West- 
preussen.  1.  Hälfte.  [Cd  119.] 

Li-f'ort,  F.:  Faussete  de  l'idee  evolucioniste.  Sep.  1899.  [De  240.] 
Maiden,  J.:  Botauic  gardens  and  domains  in  Sydney.  Rep.  for  1898. 
[Cd  118.] 

Möhl,  H.:  Die  Witterungsverbältnisse  der  Jahre  1895—98.  Sep.  [Ec  91.] 
München:  71.  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Aerzte,  mit  2 Beil. 
[Ab  89.] 

Katunatin,  Er.  Tektonische  Storungen  der  triadisclien  Schichten  in  der 
Umgebung  von  Kahla.  Sep.  1897.  |Dc  239.] 

Nehring,  A.:  lieber  Alactaga  saliens  fossilis  Nelir.  Sep.  1898.  [Dd  147.] 
Kitsche,  H.:  Studien  über  Hirsche,  Heft  1;  Untersuchungen  über  melir- 
stangige  Geweihe  und  die  Morphologie  der  Ilufthierliörner  im  All- 
gemeinen. 1898.  [Be  35.] 

Osirisblatt:  Der  Lange.  2.  Jabrg.,  Nr.  15.  [Ja  78.] 

Prag:  Gedenkbuch  zum  50jährigen  Regierungsjubiläum  Kaiser  Franz  I. 
(Czechiscli.)  [.\b  88.] 

Jialcigh:  Elisha  Mitchell  scientific  societv.  — Journal,  vol.  XV — XVI,  p.  I. 
[Aa  300.] 

Sars,  G.:  An  account  of  the  Crustacea  of  Norway,  vol.  H,  p.  13 — 14. 
[Bl  29  b.] 

Schmidt,  A.:  Nachruf  von  Dr.  Gründler.  [Jb  80.] 

Schweder,  G.:  Die  Bodentemperatureu  hei  Riga.  Sep.  [Ec  98.] 

Stossirh,  M.:  Appunti  di  elmintologia.  Sep.  1899.  [Bm  54cc.] 

Stossich,  Mr.  Le  smerahramento  dei  Brachycoeliuni.  Sep.  1899.  [Bin  54dd.] 
Stossich,  M.:  La  sezione  degli  Echinostomi.  Sep.  1899.  [Bm  64ec.] 
Stossich,  M.:  Strongilidae,  lavora  monografico.  Sep.  1899.  [Bm  5411'.] 
Theile,  Fr.:  Gedächtnissrede  von  Pfarrer  Zenker-Lockwitz.  |Jh  79.1 
Thiele,  IL:  Die  Temperaturgrenzen  der  Schimmelpilze  in  verschiedenen 
Nährlösungen.  Diss.  [Cb  45  k.] 

Thonner,  Fr.:  Analytical  key  to  the  natural  Orders  of  flowering-plants. 
[Cd  120.] 

Thonner,  Fr.:  Anleitung  zum  Bestimmen  der  Familien  der  Phanerogamen. 
[Cd  121.] 

Thonner,  Fr.:  Vergleichende  Gegenüberstellung  der  Pfl.anzenfamilien,  welche 
in  den  Handbüchern  von  Bentham-Hooker  und  Engler-Prantel  unter- 
schieden .sind.  [Cb  47. [ 

Thonner,  Fr.:  Im  afrikanisclien  ürwahl.  [Fh  1.32.] 


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42 


Vorelzsch,  M.-.  Festrede  zur  Feier  des  80jährigen  Bestehens  der  natur- 
forschenden  Gesellschaft  des  Osterlandes.  Sep.  1898.  [Aa  69.] 
]\’ashington:  National  academy  of  Sciences. — Memoirs,  vol.  VIII.  [Aa  320.] 


C.  Durch  Kauf. 

Aliliandlun</en  der  Senckenhergischen  naturforschenden  Gesellschaft, 
Bd.  XXI,  Heft  3-4;  Bd.  XXIV,  Heft  4.  [Aa  9.] 

Anzeiger  für  Schweizer  Alterthümer,  Jahrg.  XXXI.  Nr.  4;  neue  Folge,  Bd.  1, 
Heft  1 — 3,  mit  Beil.  [G  1.1 

Anzeiger,  zoologischer,  Jahrg.  XXII,  Nr.  .577 — 604.  [Ba  21.1 
Bromis  Klassen  und  Ordnungen  des  Thierreichs,  Bd.  II.  Abtli.  3 (Echino- 
dennen),  Lief. 22— 28;  Bd.  lll  (Mollusca),  Lief.  35—47;  Bd.  IV  (Vennes), 
Suppl.,  Lief.  14—17;  Suppl.,  Bd.  V (Crustacea),  Ahth.  2,  Lief.  53  — 56; 
Bd.  VI,  Ahth.  5 (Mammalia),  Lief.  54 — 56.  [Bh  ,54.] 

Gebirgsverein  für  die  Sächsische  Schweiz:  Ueber  Berg  und  Thal,  Nr.  245 
bis  262.  [Fa  19.J 

Geradflügler  Mitteleurop.a’s  von  Tümpel,  Lief  1—6.  [Bk  243.] 

Hedwigia,  Bd.  ,38.  [Ca  2.1 

Jahrbuch  des  Schweizer  Alpencluh,  Jahrg.  34.  [Fa  5.] 

Monatsschrift,  deutsche  botanische,  Jahrg.  17.  [Ca  22.] 

Mutter  Erde,  Jahrg.  I — 11.  [Ila  35.]  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 

Eaehrichten,  entomologische,  Jahrg.  15.  [Bk  235.]  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 
Natur,  Jahrg.  47.  [Aa  76.]  (Vom  Isis- Lesezirkel.) 

Ptdaeontographical  societg,  London,  vol.  LH.  [Da  10.] 

Prähistorische  Blätter,  Jahrg.  XI.  [G  112.] 

Wochenschrift,  naturwissenschaftliche,  Bd.  XIV.  [Aa  311.]  (Vom  Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift  für  die  gesammten  Naturwissenschaften,  Bd.  71,  Nr.  4—6; 

Bd.  72,  Nr.  1—2.  [Aa  98.] 

Zeitschrift  für  Meteorologie,  Bei.  16.  [Ec  66.] 

Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Mikroskopie,  Bd.  XVy  Heft  2 — 4;  Bd.  XVI, 
Heft  1 — 3.  [Ee  16.] 

Zeitschrift,  Oestcrreichische  botanische,  Jahrg.  49.  [Ca  8.] 

Zeitung,  botanische,  Jahrg.  57.  [Ca  9.] 

Abgeschlossen  am  31.  Deceinber  1899. 

C.  Schiller, 
Ilibliotbekar  der  „Uia“. 


Zu  besserer  Ausnutzung  unserer  Bibliothek  ist  für  die  Mitglieder  der 
„Isis"  ein  Lesezirkel  eingerichtet  worden.  Gegen  einen  jährlichen  Beitrag 
von  3 Mark  können  eine  grosse  .\nzahl  Schriften  bei  Sclbstheförderung 
der  Lesemappen  zu  Hause  gelesen  werden.  .Vnmeldungen  nimmt  der  Biblio- 
thekar entgegen. 


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Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1899. 


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I.  Roseiiformen  der  Umgebung  von  Meissen 

Von  A.  M.  Sohlimpert.*) 


Bei  dem  Versuche,  eine  Specialflora  der  Umgegend  von  Meissen  auf- 
zustellen, fiel  mir  der  Fonnenreichthum  unserer  wilden  Rosen  auf,  und 
während  ich  in  derselben  nur  die  wichtigsten  guten  Arten  anführte,  gebe 
ich,  nach  sechsjährigem  Studium  und  nach  über  500  zurückgelegteii 
grösseren  und  kleineren  Excursionen,  eine  Ergänzung  jener  Lücke. 

Wenn  Christ  die  schweizerische  Jurakette  vom  Saleve  bis  zum  Schaff- 
hauser  Hügelland  den  „Rosengarten  Europas“  nennt,  so  dürfte  das  Meissner 
Terrain  ein  herrliches  Bosquet  in  demselben  bilden,  ja  nach  Aussage  einiger 
bekannter  Rhodologen  soll  dasselbe  sogar  jenem  Rosengarten  mindestens 
sehr  nahe  kommen. 

Wohl  mag  unser  Gebiet  nicht  so  viel  Gelegenheit  bieten,  Beobachtungen 
über  den  Einfluss  der  Höhenlage  etc.  anstellen  zu  können,  denn  die  Höhen- 
lage desselben  variirt  nur  von  100  bis  höchstens  260  ra  über  dem  Meere, 
aber  trotzdem  weist  es  auch  seinen  eigenartigen  Charakter  auf. 

So  ist  z.  B.  der  Parallelismus  der  Caninen  bezüglich  der  Bekleidung 
und  Zahnung  schön  ausgeprägt: 


Zahnung  einfach 
Lutetiana  Li^m. 


anderthalbfach 
Swartzii  Fr. 


Nudae  Desegl. 

zweifach 
(Inmalis  Bchst. 


mehrfach 
biserrata  Mer. 


Kelchzipfel  nnd 
Blilthenst.  drüsig 
dolosa  God. 


subcanina  Chr.  svbeanina  t'hr. 
Reuteri  f.  typica  Chr. 


(Uebergangsform.) 

subcanina  Chr.  subcanina  Chr.  — 

complicata  Chr.  myriodonta  Chr.  cabaUicens  Bug. 


Pubescentes  Crep. 

(Uebergangsform.) 

subcollina  Chr.  subcollina  Chr.  subcollina  Chr.  subcollina  Chr.  — 

coriifolia  Fries.  complicata  Chr.  biserrata  Chr.  scaphusiensis  Chr. 

dumetorum  Th.  und  Formen  derselben  — — 


Andegavensis 

Bast. 


Hispidae  Desegl. 

hirtella  Chr.  Kosinsciana  verticillacantha 

„ Ripart  Besser.  Baker. 


•)  Kine  vollständige  Sammlung  der  Belegexemplare  in  Originalbenennung  ist  von 
dem  Verfasser  der  Flora  Saxonica - Abtlieiluiig  des  K.  Herbariums  iu  der  Techiiischen 
Hochschule  als  Geschenk  einverleibt.  (Anm.  d.  Ked.) 


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4 


Benieikenswcrth  ist  das  Auftieten  coniplicirter  Zahnung  fast  aller 
Hosen. 

Bei  der  dumetorum  ist  dies  nicht  ohne  Wichtigkeit,  denn  sie  erhält 
dadurch  den  Charakter  einer  tomentclla  und  führt  zu  irrigen  Bestimmungen. 
So  habe  ich  im  folgenden  Verzeichniss  auch  nur  eine  einzige  Tomentella- 
form  aufgenommen  und  diese  nur,  weil  Hasse,  W'itten,  dieselbe  Form  in 
Westfalen  fand  und  f.  rotundifolia  H.  mod.  Giiglingenais  H.  benannte. 

Diese,  der  tomentella  ähnlichen,  kritischen  Dumetorumformen  sandte 
ich  an  Herrn  l’rof.  Dr.  Christ.  Derselbe  schreibt;  „Ob  Formen  wie 
Ihre  Nr.  x zu  tomentella  oder  zu  dumetorum  zu  rechnen  sind,  darüber 
wiril  man  nie  einig  worden“,  und  weiter:  ,,lhr  Gebiet  zeichnet  sich  aus 
durch  starke  doppelte  Zahnung  aller  Kosen,  besonders  der  dumetorum,  die 
dadurch  schwer  von  tomentella  za  trennen  sind“.  Mons.  Direct  Crepin 
äusserte  sich  über  dieselben  Formen;  „Neben  der  typischen  tomentella 
giebt  es  eine  ganze  Anzahl  von  Formen,  die  man  mit  ihr  nicht  identificiren 
kann,  und  die  man  erst  noch  classificiren  muss.  Dies  erklärt  Ihnen  meine 
Verlegenheit,  die  Varietäten  dieser  Gruppe  aus  Sachsen  genau  zu  be- 
stimmen. Die  E.  tomentella  in  ihrem  echten  Typus  ist  nur  ira  Südosten 
Fiuropas  verbreitet". 

Nachdem  ich  echte  Tomenteilen  mach  Zahnung  und  Drüsigkeit  unter- 
sucht, glaube  ich  kaum  tomentella  im  Gebiet  zu  haben  — es  sind  nur 
Formen  der  dumetorum. 

Von  den  Tomentosen  findet  sich  im  Gebiet  nur  die  f.  dimorpha 
Besser  = f.  subglobom  Baker  = E.  subglobom  Sm.  — alle  anderen  sind 
Formen  der  vennsta  Scheutz. 

Durch  Hochüuthen  wurden  an  den  Elbufern  angeschlemmt:  E.  acati- 
thina  Desegl.  et  üzan.,  E.  amhhjphylla  Kip.,  E.  acutiformis  H.  Br. 

Möge  das  folgende  Verzeichniss  beitragen,  das  Interesse  an  unseren 
wilden  Kosen  anzuregen. 


I.  Sect.  Synstylae.*) 

Vacat. 

H.  Sect.  Indicae. 

Vide  II.  Gruner’s  „praktischer  Blumengärtner“  v.  L.  Reissner;  Wünsche’s 
ExcursionsHora  für  das  Königreich  Sachsen. 

III.  Sect.  Luteae. 

Eosa  lutea  Miller,  dict.  Nr.  11,  cd.  franc.,  1785,  VI,  p.  326  (=  E.  Eglan- 
terki  L.  sp.  1764,  p.  70.3  pr.  part.). 

Eosa  punicea  Miller,  Nr.  13,  1.  c. 

In  Oberspaar  u.  a.  0.  häufig  in  Gärten. 

IV.  Sect.  Fimpinellaefoliae. 

Eosa  jnmpinellifolia  L.  (=  E.  spmosissima  Sm.). 

In  Gärten,  Anlagen  und  an  Hecken  nicht  selten  anzutreffen. 

•)  Sci'tionen  und  .Subscctionen  nach  Crepin  in:  „Die  Kosen  von  Tirol  und  Vorarlberg.“ 


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5 


V.  Sect.  Cinnamonieae  L. 

ßosa  cinnamomea  L.  God.,  tl.,  200,  suppl.  68;  Grenier,  fl.,  233;  Reuter, 
cat.,  65;  Kapin,  Guide,  193. 

f.  foecundissima  Münchh.,  hausT.  V,  279. 

In  Gärten  und  oft  verwildert,  z.  B.  am  Fürstengraben.  In 
Grobem  in  einer  Hecke. 

Jiosa  alpina  L.,  spec.  ed.  II,  p.  703. 

Von  Bienenhof  in  den  Garten  der  Frau  Bücher  in  Coswig 
verpflanzt  worden. 

VI.  Sect.  Oallicae. 

Mosa  gallica  L.  (jodet,  fl.,  207,  und  suppl.  67;  Rapin,  guidc,  197;  Reuter, 
cat.  73. 

(1)  f.  typica  Chr.  (M.  yallica  f.  inimila  L.  fil.  M.  austriaca  Crntz.  bei 

Gren.,  fl.,  223). 

Kommt  in  verschiedenen  Modiflcationen  vor. 

(2)  a)  Blättchen  auf  der  Ünterflächc  entweder  nur  auf  den  Nerven 

oder  auf  der  ganzen  Blattfläche  behaart  und  am  Rande 
gewimpert; 

b)  Blättchen  mehr  oder  w-eniger  behaart,  mit  Subfoliardrüsen; 

(3)  c)  Blättchen  klein,  oval-elliptisch,  13 : 23  mm  breit  und  lang, 

Mittelnerv,  theilweise  auch  die  Nervillen  behaart  und  drüsig. 
Am  Naundörfler  Holz,  Nasse  Aue,  Uberau. 

(4)  f.  data  Chr. 

Kommt  wie  oben  in  den  Modiflcationen  a und  b vor.  Naun- 
dörfler  Holz,  Nasse  Aue,  Wachtnitz. 

(5)  f.  Axmanni  Gmel. 

Griffel  behaart  und  säulenartig  verwachsen  und  hochgehoben. 
Unter  den  vorhergehenden  Formen  im  Naundörfler  Holz. 

Die  Rosa  yallica  ist  sehr  geneigt,  hybride  Formen  zu  erzeugen.  Die- 
selben kennzeichnen  sich  1.  durch  das  .Auftreten  einzelner  borstlicher 
Stacheln  und  Stieldrüsen  zwischen  den  normalen  der  Eltern  auf  den 
Zweigen,  2.  durch  Starrheit  und  seichte  Zahnung  der  grossen  Blättchen, 
die  sitzend  und  meist  an  der  Basis  etwas  herzförmig  sind,  3.  durch  die 
Länge  der  Blüthenstiele  und  4.  durch  eine  auffallend  starke  Entwickelung 
und  Färbung  der  Corolle.  Dies  sind  die  wesentlichen  Merkmale,  die  der 
Bastard  von  der  gallica  ererbt  hat.  Was  die  Ermittelung  des  anderen 
Parens  anlangt,  so  zeigt  sich  dieselbe  im  Allgemeinen  durch  die  Zahnung 
und  die  verschiedenartige  Bekleidung  der  Blattstiele  und  Blättchen.  (Siehe 
Christ,  Rosen  der  Schweiz,  p.  200,  und  Jena’s  wilde  Rosen  von  Max 
Schulze,  p.  43.)  Aufgefunden  wurden  bis  jetzt  die  wenigen  folgenden*): 

R.  canina  L.  var.  Lutetiana  et  dumetorum  x gallica. 

Zwischen  Piskowitz  und  Prositz  rechts  am  Abhange. 

R.  gallica  x glauca  var.  complicata. 

Am  Fusse  des  Wachtnitzer  Abhanges. 


*)  Ks  steht  wohl  sicher  zu  erwarten,  dass  noch  mehr  Hybriden  aufgcfiinden  wcnlen! 


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VII.  Sect.  Caninae. 

1.  Subsect.  Villosae. 

Rosa  pomifera  Ilcrrmann.  Koch,  syn.  ed.  I,  229;  Reuter,  cat.,  p.  67;  Rapin, 
guide,  193. 

f.  rccondita  Chr. 

Bei  Weinböhla,  Bei  Zehren.  Ara  Gartenzaun  und  in  der  Hecke 
der  Rotunde  bei  Thürraer  auf  der  Posel. 

2.  Subsect.  Tomentosae. 

Rosa  tomcntosa  Sm.  Sraith,  fl.  brit.,  1800,  II,  p.  639;  Grenier,  fl.,  233 
bis  234;  Reuter,  cat.,  p.  67  und  68. 

(6)  f.  dimorj)ha  Besser,  apud  Gren.,  fl.  jurassi.,  1864,  69. 

An  der  Strasse  von  Priestewitz  nach  Grossenhain;  iin  Gebiet 
nicht  häufig. 

(7)  f.  cuspidatoides  Crej)in  var.  timhelUßora  Christ,  Flora,  1874,  p.  612 

(=  R.  umbflliflora  Swartz  in  Sched.). 

In  reiner,  der  Diagnose  ganz  entsprechender  Form  kommt 
dieselbe  nicht  vor.  Alle  Sträucher,  die  man  obiger  Form 
angehörig  ansehen  könnte,  befinden  sich  im  Uebergang  zur 
venusta  und  lassen  sich  nach  den  von  Max  Schulze  in  ,,Jena’s 
wilde  Rosen“  aufgestellten  Schema  wohl  placiren.  Solche  Formen 
kommen  vor:  auf  der  Posel,  der  Karlshöhe,  bei  Weinböhla 
an  der  Köhlerstrasse  und  bei  Löbsal. 

(8)  lieber  eine  blendend  weissblühende  Form  von  dem  Spaargebirge 
schreibt  (dirist  in  litt,  den  11.  VIII.  1897:  „Eine  sehr  schöne 
Tomentosen-Form,  meiner  «mAellj/Ior«  „ähnlich“,  während  die- 
selbe von  Anderen  (Hasse  und  Dufl't)  für  die  echte  cristafa  Chr. 
gehalten  wurde.  Diese  Form  deckt  sich  aber  mit  der  Seite  6 
B 1.  b.  in  „Jena’s  wilde  Rosen“. 

(9)  f.  venusta  Scheutz,  Studier  öfver  de  Scandin.  art.  af  sclägtet  Rosa, 

1872,  p.  36.  — R.  pscudoruspidata  Crepin.  Christ,  Flora,  1874, 
p.  612;  id.  Flora,  1876,  p.  371. 

Rein  typische  Formen  bei  Zscheila  und  der  Riesensteinen, 
Klause-Steinberg  und  bei  Weinböhla;  Preuskermühle. 

Ein  hochinteressanter  Strauch,  der  verschiedene  Deutung  erfahren  — 
z.  B.  als  R.  alpina  x tomcntosa  var.  vimiistu,  als  ein  Bastard  etwa  der 
canina  biserrata  X tomcntosa  oder  glatica  tni/riodonta  mit  der  letzteren, 
endlich  als  pomifera  alabreseens'.  — harrt  noch  der  Bestimmung  und  der 
Beobachtung  im  blühenden  Zustande;  nichtsdestoweniger  gebe  ich  vor- 
läufig die  Diagnose  unter  meiner  Herbarnummer: 

,304b.  Strauch  ca.  2 m hoch.  Jüngere  Zweige  blaubereift. 
Stacheln  an  den  Schösslingen  aus  breiter  Basis  (8  mm  lang)  zugespitzt, 
gerade  und  plattgedrückt  bis  12  nun  lang,  gelbbraun;  an  den  Aesten  und 
Blüthenzweigen  zart  pfriemenfünnig,  gerade  oder  nur  leicht  gebogen,  hie 
und  da  dicht  und  gehäuft  stehend.  Nebenblätter  bis  18mm  lang,  aus 
schmaler  Basis  sich  meist  bogig  erweiternd,  auf  beiden  Flächen  kahl  und 


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haarlos,  der  Rand  mit  dunkelbraunen  Stieldrüsen  dicht  gewimpert  bis  fast 
gezähnelt,  Oehrchen  divergirend,  gespitzt.  Blattstiel  dicht  filzig  behaart, 
mit  aus  dem  Filz  hervorragenden  braunen  Stieldrüsen  und  ziemlich  zahl- 
reichen gelben,  gebogenen  Stächelchen.  Blättchen  zu  5,  7 und  „neun“ 
etwas  gestielt,  oberseits  grün  und  kahl,  selten  mit  Spuren  von  Haaren, 
unterseits  hellblaugrün,  auf  den  Nerven  und  Nervillen  kahl  oder  mit  einigen 
braunen  Drüsen  und  nur  dann  auch  mit  einzelnen  Härchen.  Endblättchen 
länglich  eirund  15  : 28  mm  bis  22  : 40  mm  Breite  und  Länge.  Die 
Zahnung  ist  eine  mehrfache,  der  Hauptzahn  mit  brauner  Weichspitze, 
auf  dem  Rücken  mit  ein  oder  zwei  Drüsenzähnen,  vorn  meist  nur  mit 
einem.  Blumenstiele  von  verschiedener  Länge,  10 — 25  mm,  ein-  und 
zweiblütliig,  haarlos  mit  horizontal  abstehenden  Drüsenborsten  mehr  oder 
weniger  dicht  bekleidet.  Brakteen,  obere  lanzcttlich  zugespitzt  oder  oval 
gespitzt,  unterseits  drüsig  und  filzig,  oberseits  kahl,  am  Rande  fast  drüsig 
gezähnelt  und  gewimpert;  untere  oftmals  kräftiger  entwickelt  und  meist 
blatttragend.  Kelchzipfel  aufrecht,  die  reife  Frucht  krönend.  Die  drei 
äusseren  bis  20  mm  lang,  auf  dem  Rücken  dicht  drüsig,  mit  untennischten 
Drüsenborsten  und  zwei  bis  drei  l’aaren  linealen,  6 mm  langen,  dicht 
drüsig  und  haarig  gewimperten  Fiedercheu.  Anhängsel  gestielt,  lanzettlich 
verbreitert  mit  1 — 2 Zähnchen;  die  beiden  inneren  wesentlich  kürzer 
(10  mm),  innen  filzig,  auf  dem  Rücken  drüsig  und  drüsenborstig.  Griffel- 
köpfchen dicht  filzig,  den  Discus  meist  verdeckend.  Frucht  eiförmig, 
seltener  rundlich,  in  einen  Hals  verjüngt,  12  mm  breit  und  16  mm  lang, 
theils  kahl,  theils  mehr  oder  weniger  drüsenborstig. 

f.  farinosa  Bechstoin. 

Diese  Form  soll  nach  Roichenbach  bei  Meissen  Vorkommen, 
der  Diagnose  auch  wirklich  entsprechend  fand  ich  sie  noch 
nicht,  weder  am  rechten  noch  linken  Elbufer, 

3.  Subsect.  Rubiginosae. 

Eosa  rubiginosu  L.  Godet,  fl.,  214,  excl.  var.  ß,  suppl.  77. 

f.  comosa  dir.  {E.  comosa  Ripart.  Gren.,  fl.,  249,  var.  y). 

Am  Waebtnitzer  Abhang  mit  der  nächst  folgenden  Form.  In 
Meissen  an  Hecken. 

(10)  f.  comosa  Chr.  in  transitu  var.  umbelluta. 

Am  Schieritzer  und  Waebtnitzer  Abhänge.  In  Oberau  auf  dem 
Tunnel. 

(11)  f.  umhellata  Chr.  (var.  ß und  y.  Gren.,  fl.,  249,  250;  E.  umhellata 

Leers;  E.  echinocarpa  Ripart.). 

In  rein  typischer  Form,  d.  h.  mit  vollständiger  Heteracanthie 
versehen,  tritt  dieselbe  im  Gebiet  häufig  auf,  z.  B.  an  der 
inneren  Mauer  des  Stadtkrankenhauscs,  auf  der  Karlshöhe  an 
einem  Feldraine,  Oberau  am  Bahndamme  nach  dem  Grenz- 
stein 25,  hinter  der  Kötitzer  Fabrik  und  dem  unmittelbar  an- 
grenzenden Acaziengebüsch,  in  Weinböhla,  im  Triebischtliale 
an  Felsen. 

E.  micrantha  Sm. 

Bisher  nur  an  der  Friedensburg  von  F.  Fritzsche  naebgewiesen 


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B.  graceolens  Gien.,  fl.  jur.,  248.  R.  pulverulenia  Baker,  mon.,  223,  non  M.  B. 

(12)  f.  ti^ka  Chr. 

Nach  der  Poselspitze  zu,  links  am  Wege.  In  Semmelsberg 
unter  dem  Hause  15  b an  der  Strasse.  Am  llafendamme.  In 
der  Gartenecke  der  Bezirksanstalt  in  Bohnitzscb.  Am  Eingänge 
zum  Rottewitzer  Ileuwege.  Auf  der  Proscbwitzer  Hübe. 

(13)  f.  calcarea  Chr. 

Klause-Steinberg  auf  der  Höhe,  an  der  alten  Weinbergsinauer. 
Ara  Wege  zur  Karlsböbe.  Auf  den  Korbitzer  Schanzen.  Am 
Dorfwege  in  Gruben. 

R.  sepkim  Tbuillier,  fl.  Paris,  1799,  p.  252. 

(14)  f.  tijpica  Gremli.  (Jf.  arvatica  Pug.  = f.  arvatica  Chr.) 

Auf  dem  Knorrplateau  ein  einziger  kleiner  Strauch. 

(15)  f.  Oizcllae  Borbas. 

Bei  Zscheila  ein  einziger  Strauch.  (Neuerdings  daselbst  noch 
zwei  Sträucber  aufgefunden.) 

(IG)  f.  inodora  Pries. 

ln  Miilbitz  bei  Grossenhain. 
f.  rohusta  Chr. 

Bei  Dobritz. 


4.  Subsect  Jnndzilliae. 

Rosa  Jnndzilliatm  Besser  ex  Charin  in  Sched.,  1861. 

(17)  Auf  dem  Iloitzscbberge.  Oberspaar  an  der  P’örster’scben 

Weinbergsmauer.  Auf  der  Poselspitze.  Ara  rechten  Elbufer. 
R.  trachyphylla.  Rauenum,  ros.  Wirceburg.,  124. 

(18)  f.  typica  Chr. 

In  der  Nähe  von  Schlechte  auf  der  Posel  links  am  Wege.  Vor 
dem  Tunnel  hei  Oberau.  Nasse  Aue  nach  Grobem  zu  am 
Raine.  Auf  dem  Roitzsebberge  am  Weinberge.  Ara  rechten 
Elbufer  vor  der  Karpfeusebänke.  Am  Wege  nach  den  Kor- 
bitzer Schanzen  vom  Triebiscbtbale  aus.  Am  Tunnel  in  Oberau 
in  der  Nähe  der  Bahmvärterbäuser.  Unmittelbar  hinter  der 
Knorre  am  steilen  l'clsen.  Am  Bahndämme  zwischen  Niederau 
und  Oberau.  Am  Bahndämme  obnweit  des  Bahnhofes  in 
Niederau.  Auf  der  Karlsbühe. 

(19)  f.  nitidiila  Christ.  P'!.,  1875,  p.  294. 

Am  Riesensteine  vor  dem  Bahnübergang.  Auf  der  Proscb- 
witzer Hübe.  .Am  Bretstuble  bis  zur  halben  Höhe  hinauf. 

(20)  f.  virgata  Gremli. 

Im  Walde  hinter  Naundörfel. 

(21)  f.  Aliothü  dir. 

Vor  dem  Winkewitzer  Gastbause  in  der  Stcinhalde  rechts  vom 
Wege.  Am  Waebtnitzer  Abhänge.  In  Ober.au  auf  dem  Tunuel- 
plateau. 


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6.  Subsect.  Encaninae. 

Rosa  ferruginea  Vill.  1799  (=  R.  nibrifolia  Vill.  1789). 
f.  Jurana  Uaudin,  fl.  helv.  111,  347. 

Wird  in  Gärten  und  Anlagen  in  Meissen  und  Cölln  sehr  häufig 
angetrofi’en. 

R.  montana  Chaix. 

ln  Sachsen  wohl  fehlend. 

R.  glauca  Villars  (=  R.  Reuteri  Godet). 

f.  typica  ehr.  (=  R.  montivuga  Desegl.) 

lin  Gebiet  noch  nicht  angetroffen.  Sträucher,  die  man  dafür 
hätte  ansehen  können,  entpuppten  sich  immer  als  R.  globosa 
Desv. 

(22)  f.  complicata  Chr. 

Bei  Weinböhla.  Am  rechten  Elbufcr  eine  Form  mit  auffällig 
langen,  flaschenförmigen  Früchten,  ln  Daubnitz  am  Abhange, 
ln  Diesbar  ohnweit  des  l’avillon.  ln  Oberspaar  an  der  Weinbergs- 
mauer von  Fischer.  Bei  Kotitz.  Am  Uottewitzer  Heuwege. 
Am  Wege  nach  Zscheila. 

(23)  f.  acuiiformis  11.  Braun. 

Am  rechten  Elbufer. 

(24)  f Sandbergi  Chr. 

Auf  dem  Riesenstein,  ohnweit  des  Bahnüberganges,  selten. 

(25)  f.  CdbalUcensis  Chr.  (=  R.  CahaUicensis  Füget). 

Am  Wege  von  Niederau  nach  der  Buschmühle.  Sehr  charak- 
teristisch! Die  Stieldrüsen  sind  zuweilen  auf  den  Blütheustiel 
erstreckt.  Selten. 

(26)  f.  myriodemta  Chr. 

Auf  der  Foselspitze.  ln  den  Proschwitzer  Anlagen. 

(27)  f.  subcanina  Chr. 

Am  Elbufer  bei  Oberspaar.  Hinter  dem  Fichtner’schen  Gut 
in  Zscheila.  Auf  der  Posel  an  der  kleinen  Bingc. 

R.  coriifolia  Fries.  Reuter,  cat,  69. 

(28)  f.  tgpica  Chr. 

Selten  rein  typisch!  Daubnitz,  ohnweit  der  Schule  am  Fusse 
des  Abhanges. 

(29)  f.  frutetonm  Chr. 

Bei  Bockwen  an  der  Strasse.  Am  Wege  nach  der  Korbitzer 
Höhe.  Hinter  Polenz  am  Sandwege.  Nach  der  Foselspitze  zu, 
rechts  an  den  Felsen.  Auf  dem  Tunnel  bei  Oberau  au  mehreren 
Stellen. 

(30)  f biserrata  Chr.  Separat-Abdruck  aus  den  Mittheilungen  des 

Bot.  Vor.  für  Gesammt-Thüringen,  Bd.  V,  S.  84. 

Vom  Rösschen  in  Diesbar  aus,  nach  Löbsal  zu,  rechts  an  der 
Weinbergsmauer.  An  der  Strasse  nach  Bohnitzsch  zu. 


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(31)  f.  Scaphuiiiemis  Clir.  Fl.,  1874,  p.  190;  Jena’s  wilde  Hosen  von 

Max  Schulze,  S.  39. 

Bliitlienstiele  oder  Basis  der  Früchte  hie  und  da  hispid  — 
so  an  der  Uorfstrasse  in  Lindenau.  Selten. 

(32)  f.  subcoUina  Chr. 

Am  Kalkberge  ohnweit  des  Wasserbassins. 

K.  canina  L.  ex  parte. 

var.  Lutetiana  Bemann. 

(33)  f.  glancescens  Desv. 

Am  Wege  zur  Karlshöhe  von  Klause -Steinberg  aus  und  sonst 
verbreitet. 

(34)  f.  syntrichostyla  Hip. 

Bei  Winkewitz  am  Heuwege.  An  der  Priestewitzer  Strasse. 

(35)  f.  nitens  Desv.  (Ist  die  „viridis  Hasse“.) 

An  Rainen  auf  der  Posel.  An  Weinbergsmauern  und  allen 
Süd-  und  nordwestlichen  Abhängen  nicht  selten. 

(36)  f.  globosa  Desv. 

Klause-Steinberg.  Am  Berliner  Eisenbahndamme  in  der  Nähe 
des  Ziegenbusches.  Auf  dem  Tunnelplateau.  .\in  Fahrwege 
in  der  Nassen  Aue.  Am  Wege  nach  Questenberg  zu. 

(37)  f.  fdiformis  Ozanon. 

Am  Abhange  vor  der  Knorre  und  der  Karlshöhe.  Der  Be- 
schreibung Ozanon’s  vorzüglich  entsprechend. 

(38)  f.  oxyodonta  Keni.  in  Sched.  und  Desegl.  in  litter.  ad  Kerner. 

An  dem  Elbufer  bei  N'iederfälira.  (Wohl  aus  Böhmen  an- 
geschwommen.) 


T ransitoriae 

var.  Schwartzii  Fr. 

(39)  f.  (issidens  Borbas. 

(40)  modificat.  acummata  H.  Braun. 

Bei  Oberau  am  Tunnel.  Am  rechten  Elbufer  nicht  selten.  Bei 
der  Knorre.  ln  den  Proschwitzer  Anlagen.  An  den  westlichen 
Abhängen.  In  der  Brombeergasse.  Ueberall  verbreitet. 

(41)  f.  mncronidata  Desegl. 

In  der  Nassen  Aue,  nach  dem  Roitzsehberge  zu.  Spaargebirge. 
f.  finmda  Godet,  suppl.  71  (=  M.  dolosa  Godet,  suppl.  72). 

Am  Bocksberge,  an  mehreren  Stellen.  Am  Fusse  des  Bret- 
stuhlos. 

(42)  f.  spuria  Pug. 

Auf  dem  Spaargebirge,  selten!  Nasse  Aue  an  einem  Haine, 
var.  dumalis  Christ.  (=  R.  dumalis  Bechst.) 

(43)  f.  rotinidifolia  Bräuker,  Deutschlands  wilde  Hosen,  Nr.  113. 

Am  Elbdamme  ohnweit  des  Fürstengrabens. 


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(44)  f.  eriostyla  Rip. 

Bisher  ausschliesslich  nur  längs  des  rechten  Elbufers  nicht 
selten  angetroffeu  und  wohl  daselbst  angeschwemmt. 

(45)  f.  rubelliflora  Rip. 

Im  Naundorf  1er  Gehölz. 

(46)  f.  rubescens  Rip. 

Auf  dem  Knorrplateau  und  den  westlichen  Abhängen  daselbst. 
Im  Naundörfler  Gehölz.  Häufig  i.  G. 

(47)  f.  glaherrima  Du  Mortier. 

Kommt  nicht,  wie  die  von  Sagorski,  die  Rosen  der  Flora  von 
Naumburg,  Seite  37  beschriebene  ochrolnica  mit  gelblich- 
weisser,  sondern  mit  blass-röthlicher  Blumenkrone  im  Gebiete 
vor,  z.  B.  bei  Wiukewitz,  in  den  Garlowitz’schen  Anlagen,  bei 
Lindenau. 

(48)  f.  insiynis  Gren. 

An  dem  rechten  Elbufer. 

(49)  f.  oblonya  Desegl. 

An  den  I’roschwitzer  Stufen.  Auf  Münch’s  Elbwiese.  Bei 
Scharfenberg. 

(50)  f.  sphaeroidea  Rip. 

In  Weinböhla  an  der  Köhlerstrasse.  In  Diesbar  nach  dem 
Pavillon  zu. 

(51)  f.  Schlimperti  Hofmann  (siehe  Anhang  I). 
var.  biserrata  M6rat. 

(52)  f.  typica  bei  Baker,  mon.  228. 

An  der  Knorre.  Am  Bretstuhle.  Bei  Niederau  am  Bahndamme 
Am  Fürstengraben  bei  Niederfähre. 

(53)  f.  Chaboisaei  Gren. 

Bei  Proschwitz. 

(54)  f.  ascita  Desegl.  (Stacheln  hakig). 

An  den  westlichen  Abhängen.  In  der  Nähe  des  Cöllner  Wasser- 
bassins. Bei  Prositz  an  einem  Feldrande.  Auf  dem  Spaar- 
gebirge. 

(56)  f.  squarrosida  Keil.  (Stacheln  gerade). 

Am  Riesenstein.  Unter  der  Poselspitze  mehrere  Sträucher. 

(56)  f.  labilijmda  Keller. 

Auf  dem  Roitzschberge. 

(57)  f.  villosiuscula  Rip. 

Am  Steinbruche  ohnweit  der  Knorre. 

var.  Andegavensis  Bast. 

(58)  f.  Andegavensis  Rapin,  Guide,  196. 

Jlünch’s  Elbwiese.  In  Weinböhla  an  der  Köhlerstrasse.  Am 
Bocksborg.  .4m  rechten  Elbufer.  In  Züchner’s  Weinberg. 


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(59)  f.  Kosinsciana  Hess. 

Auf  dem  Knorrplateau.  Ara  Katzensprung.  Am  Bretstuhle. 
Bei  Zscheila.  In  Weinböhla. 

var.  dumetonim  Thuill. 

(60)  f.  trichoneura  Chr. 

An  den  Abhängen  bei  Daubnitz  nicht  vereinzelt. 

(Gl)  f.  sphaerocarpa  Puget. 

In  Prositz  am  Abhange.  Im  Züchner’scheu  Weinberge  bei 
Zscheila.  Am  Karlshöhenweg.  Hinter  der  Knurre.  Hinter 
Zscheila  nach  dem  heiligen  Grunde  zu. 

(62)  f.  amhlyjthylla  Uip. 

Am  rechten  Elbufer  zwischen  Weiden. 

(63)  f.  urhica  Chr. 

Zwischen  Zscheila  und  Gröbern  an  der  Strasse.  In  Winkewitz 
nach  der  Winzerei  zu. 

(64)  f.  acanthina  Des.  et  Ozan. 

Am  rechten  Klbufer  in  Weidengebüschen  und  wohl  durch  Hoch- 
wasser angeschwemmt. 

(65)  f.  decalvala  Crep. 

Bei  Weinböhla  nicht  selten.  Vor  Sörnewitz  an  der  Strassen- 
mauer.  In  Winkewitz  an  der  Weinbcrgsmauor  von  Krumbiegel. 

(66)  f.  suhatrichostyla  Borb. 

Oberspaar  an  der  Eörster’schen  Weinbergsmauer. 

(67)  f.  suhglahm  Borb. 

Auf  dem  Knorrplateau. 

(68)  f.  interposita  mihi  (siehe  Anhang  II). 

Rottewitzer  Abhang  an  verschiedenen  Stellen, 
var.  tomentdla  Lern. 

(69)  f.  rolundifulia  Hasse  mod.  Güylinyrnsis  Hasse. 

An  der  Lehne  zwischen  der  Knorre  und  Winkewitz, 
var.  .‘‘cahrata  Crep. 

(70)  f.  Miifsniensis  mihi  (siehe  .\nhang  III). 

Im  Triebischthale,  nach  den  Korbitzcr  Schanzen  zu.  Bei  Garse- 
bach. Am  Steinbruche  bei  der  Knorre.  Am  Bretstuhle.  An 
den  westlichen  .Abhängen.  Bei  Wachtnitz.  Bei  Lindenau. 


Anhang  I. 

Rosa  canina  L.  var.  dumalis  Chr.  L Schlimperti  Ilofmann. 

(j’rejiin  in  litt.  <lc  31.  I.  1H97:  ..Eine  smz  eigcnni-tise  Fenn.  Ihr  Gesamintausseben 
erinnert  an  gewisse  zweifellose  Varietäten  von  1{.  sepitim  Tlmill.“  Derselbe  den 
4.  III.  1898;  „Fonn  ans  der  Gnippe  „dtimalis". 

W.  Hasse  den  12.  III.  1897;  — „ist  ein  wunderliebes  Gebilde,  wahrscheinlich  ein 
Bastard,  aber  wovon?“  Dei-selbe  den  1.  A'.  1898;  „f.  multiflora  AVirtg.  Für 
falcata  sind  die  Fruchtstiele  viel  zu  laug  und  die  Griffel  zu  wenig  behaart.“ 


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M.  Schulze,  Jena;  B.  qlavca  Vill.  yar.  falcala  Füget  (Christ  in  Flora,  1874,  p.  472). 

„Eine  sehr  seltene  Form,  die  ich  noch  niemals  selbst  antraf.“ 

C.  Diifft  den  15.  X.  1898:  „Wiii-de  ich  anch  fllr  eine  R.  dumalis  Bechst.,  die  durch 
schattigen  Standort*)  entstellt  ist,  halten,  wenn  die  Kelchzipfel  an  den  Schein- 
früchten znriickgeschlagen  yrären.  Sie  sind  aber  abstehend.“ 

Am  5.  Mai  d.  J.  theilt  mir  Herr  Hofmann,  Grossenhain,  mit:  „Die  mir  seiner  Zeit 
frcnndlichst  übersandte  intere.ssante  Kosenform  habe  ich  an  Herrn  Frof.  Sagorski  ge- 
schickt und  zwar  habe  ich  mir  erlaubt,  dieselbe  als  R.  Schlimperlinna  zu  bezeichnen. 
Herr  Prof  Sagorski  hält  dieselbe  für  eine  der  zahlreichen  Formen  der  dumalia  Bechst.“ 

Strauch  ca.  2'/o  m hoch.  Stamm  stark,  Rinde  desselben  aschgrau. 
Stacheln  des  Stammes  aus  verlängerter  Basis  hakig,  gerundet,  dunkel- 
aschgrau. Zweige  dünn,  bogig  oder  hin  und  her  gebogen,  Rinde  grün. 
Blüthenzweige  unbewehrt,  ein-  und  zwei-,  seltener  dreiblüthig.  Neben- 
blätter beiderseits  kahl,  drüsig  gewimpert,  Oehrchen  ziemlich  lang  ge- 
spitzt. Blattstiel  reichlich  mit  gelben  Stächelchen,  einigen  Stieldrüsen 
und  nur  selten  mit  einzelnen  Härchen  versehen.  Blättchen  etwas  ge- 
stielt, kahl,  vorwiegend  zu  fünf,  seltener  zu  sieben,  meist  18  mm  von 
einander  entfernt,  oberseits  dunkelgrün,  etwas  fettglänzend,  Unterseite 
heller,  bläulich  grün,  hie  und  da  leicht  weinroth  überlaufen.  End- 
blättchen an  ein  und  demselben  Zweige  oft  verschieden  gestaltet.  Vor- 
herrschend ist  die  oviillängliche  Form  von  30 : 60  mm  Breite  und  Länge. 
Das  untere  Blattpaar  misst  gewöhnlich  annähernd  die  Hälfte,  15  : 30  mm 
Breite  und  Länge.  Die  Basis  der  Endblättchen  ist  verschmälert  oder  ab- 
gestumpft. Die  andere  breitovale  Form  der  Endblättchen  mit  mehr  ge- 
rundeter Basis  misst  30 : 45  mm  Breite  und  Länge,  die  ellyptische  dagegen 
meist  18:32  mm  Breite  und  Länge.  Die  Zahnung  ist  doppelt  bis  drei- 
fach. Nebenzähnchen  drüsentragend,  im  Alter  theilweise  vergänglich. 
Brakteen  so  lang  oder  länger  als  die  Fruchtstiele  mit  aufsitzendem  Blatt 
oder  ohne  ein  solches  und  dann  aus  breitovaler  Form,  langgespitzt,  Hand 
drüsig  gewimpert.  Blüthenstiele  kahl,  meist  18  mm  lang,  mittlerer  bei 
mehrblüthigen  sehr  kurz,  im  Allgemeinen  vorwiegend  einblüthig,  seltener 
in  Corymben  zu  sieben  Blütheu.  Kelchzipfel  die  Knospe  überragend, 
die  beiden  inneren  20  mm  lang,  unterseits  ganz,  aussen  bis  zur  Mitte 
filzig,  mit  lanzettlichem,  drüsig  gesägtem  Anhängsel;  die  drei  äusseren 
26  mm  lang,  innen  filzig,  aussen  kahl  mit  drei  bis  vier  Paaren  linealen 
drüsig  gezähnten  Fiedern  und  erweitertem  drüsig  gezahntem  Anhängsel, 
anfangs  zurückgeschlagen,  mit  beginnender  Fruchtreife  theilweise  hori- 
zontal abstehend,  vor  der  Reife  aber  hinfällig.  Discus  breit,  schwach 
kegelförmig.  Griffel  wenig  zahlreich,  in  der  Jugend  leicht  beborstet, 
auf  der  Frucht  etwas  verkahlt  und  säulenartig  gehoben.  Blumenkrone 
hellrosa,  bis  52  mm  im  Durchmesser.  Frucht  rundlich,  oben  eingeschnürt 
oder  oval  bis  tiaschenförmig. 


Anhang  II. 

Rosa  dimetorum  Thuill.  f.  intcfposita  Schlimpert. 

Crepin  in  litt.  1894:  „Eine  interi'S.^iaiite  Fonn  der  Gnippe  dumetorum  Thuill.“ 

— in  litt.  1895:  „Ich  wage  nirlit,  über  diese  Xnmmcr  luiili  ansziisiireclien , weil  die 
Exemplare  mir  nicht  alle  zur  sicheren  Bestimmung  nöthigen  Theile  bieten.“ 

— in  litt.  1897:  „Diese  Nummern  können  wegen  ihrer  weichhaarigen  Blätter  mitraehr 
oder  weniger  drüsig  zusamraengeselztcr  Zahnung  zu  der  .Art  gezählt  werden, 

•)  Standort  sonnig. 


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welche  man  gewöhnlich  mit  dem  Namen  tomentcUa  Ldm.  bezeichnet,  aber  keine 
stellt  die  tyijische  Art  dar.  Sollten  sie  Varietäten  der  tomentel/a  darstellen  V Dies 
ist  möglich,  aber  nicht  sicher.  Man  muss  sic  provisorisch  unter  den  Namen  zur 
lomenfella  var.?  bringen.“ 

Crepin  in  litt.  1898;  „Es  giebt  unter  den  zahlreichen  Fonnen  der  Ji.  canina  eine  Formen- 
grappe mit  mehr  oiier  weniger  behaarten  Blättchen,  manchmal  mit  drüsigen  Secundär- 
ncrven,  mit  drüsigen  zusaimnengesetzten  Zähnen.  Zu  dieser  Gruppe  gehört  die 
R.  tomenlella,  welche  als  eine  Subspceies  der  R.  canina  betrachtet  werden  kann. 
Die  R.  tomenlethi  in  ihrem  echten  Typus  ist  im  Südosten  Europas  verbreitet.  Aber 
neben  der  typischen  R.  lomcnictla  giebt  es  eine  ganze  Anzahl  von  Formen,  die 
man  mit  ihr  nicht  identillciren  kann  und  die  man  erst  noch  classificiren  muss. 
D.as  erklärt  Ihnen  meine  Verlegenheit,  die  Varietäten  dieser  Grappe  aus  Sachsen 
genau  zu  identiüciren.“ 

Max  Schulze  in  litt.  189«;  ,11.  coriifolia  Fr.  var.  subcollina  Ohr.“ 

— in  litt  1897;  „R.  coriifolia  Fr.  var.  complicata  Chr.“ 

— in  litt.  1898;  „R.  tomenlella  var.  affinis.“ 

C.  Dufft  in  litt.  1898;  „Halte  ich  für  eine  Form  der  R dumetorum  Th.  mit  vollständig 
doppelt  gesägten  Blättchen,  sie  scheint  mir  der  var.  juncta  Fuget  (Beck  s Flor, 
v.  Nieder-Oesterrcich,  n.  798)  am  nächsten  zu  stehen  und  von  derselben  nur  durch 
stärker  behaarte  Griffel  abzuweiehen.“  *) 

Christ  in  litt,  den  4.  VI.  1897:  „Schwache  tomenlella  gegen  dumetorum  hin“ 

— in  litt,  den  11.  VIII.  1897;  „ — ist  für  mich  dumetorum  mit  starker  Hinneigung 
zur  tomentella  durch  Dürftigkeit  mid  doppelte  Zahnung  Man  sollte  dieser  Form 
einen  Varietätsnamen  geben  unter  dumetorum  als  Hauptart.“ 

Strauch  l'/j  bis  2 ni  lioch,  gedrungen  und  durch  sein  dunkles 
Colorit  schon  von  Weitem  auffällig.  Blüthenzweige  rechtwinklig  auf- 
strebend, robust,  bis  8 cm  lang  und  meist  wehrlos,  selten  an  der  Basis 
der  Blätter  mit  zwei  kleinen  hakigen  Stachelchen.  Die  starken  Zweige 
dagegen  an  der  Basis  der  Blätter  mit  gepaarten  grossen,  hakigen  Stacheln 
versehen.  Stacheln  der  Aeste  aus  langovaler  Basis  rund,  aschgrau,  hakig. 
Nebenblätter  gerade  gestreckt  mit  gespitzten  Oehrchen,  oberseits  kahl, 
unterseits  dicht  behaart,  am  Rande  drüsig  und  langhaarig  gewimpert 
Blattstiel  dicht  filzig  mit  mehr  oder  wenigeren  gestielten  oder  auch  im 
l'ilze  sitzenden  Drüsen,  stachellos.  Blättchen  fünf  bis  sieben,  lederig, 
kui-z  gestielt,  sich  gegenseitig  meist  deckend,  oberseits  dunkelgrün  mit 
eingesenkten  Nerven,  dicht  angedrückt  behaart,  unterseits  heller,  graugrün 
mit  stark  hervortretendem  Adernetz  und  dichter  Behaarung.  Endblättchen 
oval;  meist  16  ; 25  mm,  seltener  18  : 2(i  mm  breit  und  lang.  Die  Zahnung 
könnte  wohl  eine  vorwiegend  einfache  genannt  werden,  nicht  selten  aber 
hat  der  mit  Weichspitze  versehene  Hauptzahn  noch  ein,  auch  zwei  drüsige 
Nebenzähnchen.  Alle  Zähne  lang  wimperhaarig.  Blüthenstiele  kahl, 
cinblüthige  10  mm  lang,  bei  vier-  bis  fünfblüthigen  die  seitenständigen  bis 
14  mm  lang.  Brakteen  blatttragend,  oberseits  kahl,  unterseits  dicht 
behaart,  am  Rande  drüsig  und  haarig  gewimpert.  Kelchzipfel  vor  der 
Reife  hinfällig;  die  drei  äusseren  15  mm  lang,  aussen  nur  im  oberen 
Drittel,  innen  aber  ganz  behaart.  Fiederchen,  die  unteren  zwei  länglich- 
oval mit  zwei  bis  drei  Stieldrüsen,  das  obere  lineal.  Die  inneren  beiden 
Kelchzipfel  beiderseits  filzig.  Anhängsel  lanzettförmig,  beiderseits  filzig, 
ganzrandig.  Griffel  mässig  behaart,  sich  später  säulenförmig  über  den 
couischen  Discus  erhebend.  Blumeukrone  hellrosa.  30 — 66  mm  im 
Durchmesser.  Frucht  klein,  kugelig,  10  mm  lang  und  breit  oder  etwas 
oval,  10  mm  breit  und  12  mm  lang. 


*)  Blättchen  und  Blüthenzweige  weichen  ebenfalls  ab!  Schlinipert. 


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16 


Anhang  UI. 

Bosa  scahrata  Crepin  f.  Missniensis  mihi. 

Crcpin  in  litt:  „Varietät  aus  der  ürnppe  seabratae.  — Diese  Form  unterscheidet  sich 
von  R.  »cabrata  Cm.  durch  die  behaarten  Blattstiele  nnd  die  Behaarung  — sie 
nähert  sich  der  aclerophylla  Schentz  — aber  sie  kann  nicht  mit  ihr  identilicirt 
werden;  in  der  sclerophylla  sind  die  Blättchen  drüsiger  nnd  von  anderer  Form.“ 
Max  Schulze  in  litt:  „Einzelne  folioli,  auch  die  Zahnung,  erinnern  allerdings  bereits 
an  die  aclerophylla  Schentz.“ 

W.  Hasse  in  litt.;  „var.  acabrata  Crep.  — die  stark  behaarte  Form  müssen  Sie  Miaa- 
nienaa  heissen.“ 

Strauch  ca.  2 m hoch.  Zweige  dünn,  reich  bestachelt.  Blüthen- 
zweige  kürzer  oder  länger,  meist  unbewehrt.  Stacheln  des  Stammes 
aus  langer  Basis  hakig,  plattgerundet,  aschgrau,  an  den  Aestcben  weniger 
gebogen  bis  gerade.  Nebenblätter  breit,  drüsig  gewimpert,  üehrcbcn 
an  der  Spitze  mitunter  leicht  behaart.  Blattstiel  dicht  filzig,  stieldrüsig 
mit  kleinen  Häkchen.  Blättchen  dicklich,  oben  grün,  unten  bläulicb- 
grün.  Endblättcben  länglich-oval,  meist  18:24  mm  breit  und  lang, 
die  verkehrt  eiförmigen,  in  den  Stiel  verscbmälerten  18 : 27  mm  breit  und 
lang.  Mittelnerv  deutlich  behaart  und  drüsig.  Nebennerven  nur 
leicht  behaart  bis  kahl.  Das  Ademetz  unterseits  deutlich  hervortretend 
und  vom  Bande  herein  zerstreut  drüsig.  Die  Zahnung  ist  zwei-  bis 
dreifach;  die  grossen  Zähne  mit  hornartiger  Spitze,  tragen  nach  vorn 
meist  einen,  auf  dem  Rücken  aber  bis  drei  kleine  Drüsenzähne,  Blumen- 
stiel kahl,  14  mm  lang,  ein-  bis  dreiblüthig.  Brakteen  sehr  breit, 
blattig,  dicht  drüsig  und  leicht  haarig  gewimpert.  Kelch zipfel,  die 
beiden  inneren  auch  auf  dem  Rücken  leicht  filzig  behaart,  die  drei  äusseren 
gefiedert,  I'iedern  drüsig  gezahnt  oder  nur  stioldrüsig,  schwach  haarig 
gewimpert.  üriffelköpfchen  säulenartig  gehoben,  deutlich  behaart. 
Discus  nur  wenig  erhaben.  Blume nkroiie  hellrosa,  meist  nur  23  mm 
im  Durchmesser.  Frucht  länglich -eiförmig  oder  oval,  meist  in  einen 
kurzen  Hals  verjüngt. 

Auf  verwittertem  Granit. 


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II.  Neue  Tiefbolii’ungcii. 

Von  Oberlehrer  Dr.  H.  Nesslg. 


Die  in  der  Dresdner  Elbthalwanne  unter  diluvialen  und  alluvialen 
Absätzen  lagernden,  stark  erodirtcn  Pläner  wurden  linkselbisch  durch  den 
artesischen  Brunnen  auf  dem  Antonsplatze  in  16, i m Tiefe,  mit  dem  Bohr- 
loch in  der  Antonstrasse  in  Neustadt  in  16  m Tiefe  erreicht  Dass  die 
Pläner  auch  unter  den  Thal-  und  Haidesaiiden  bis  zum  Granitplateau 
weiterziehen,  beweisen  die  Aufschlüsse  an  den  Hellerbergen,  wo  die  durch 
die  Lausitzer  Hauptverwerfung  stark  zerrütteten  Labiatuspläner  mit  etwa 
45®  nach  SO  einfallen.*)  Neuerdings  ist  nun  eine  Tiefbohrung  von  Inter- 
esse geworden,  w'elche  im  Priessnitzgrunde,  in  der  Nähe  des  Wasserhauses 
rechts  der  Priessnitz  ausgeführt,  die  thonig  verwitterten  Pläner  sowohl 
wie  das  feste  Gestein  in  30,60  m Tiefe  erreichte,  während  eine  andere 
Bohrung  links  vom  Bach  mit  28  m das  Plänergebirge  noch  nicht  auf- 
schloss. Bemerkenswerth  ist  bei  dem  erstcren  Aufschluss  der  Wechsel  in 
der  Eärbung  der  durchteuften  Sandschichten,  weiter  das  Auftreten  von 
festen  Brauneiseusteinschichten  und  schliesslich  das  Gröberwerden  des 
Materials  mit  zunehmender  Tiefe,  so  dass  schliesslich  über  dem  Pläner 
echter  Kies  mit  elbgebirgischen  Gerollen  und  Geschieben  von  Sandstein, 
Basalt  u.  s.  w.  lagert. 

Diese  Verhältnisse  mag  beistehende  Bohrliste  offenbaren: 


Von 


0,0  — 1,20  m Waldboden, 

1,20—  1,60  „ lehmiger  Sand, 

1,50  — 3,70  „ weisser  Sand, 

3,70 — 4,0  „ rother  Sand  mit  Eisenschicht, 

4,0  — 6,40  „ gelber  Sand, 

6,40  — S,2o  „ gelber  Saud  mit  grossen  Steinen, 

8,20  — 16,90  „ feiner,  weisser  Sand  (bei  10, 20  m Eisenschicht), 
16,90  — 19,.tO  „ grauer  Sand, 

19,50  — 23,0  „ grauer  Kies, 

23,0  — 30,70  „ grober  Kies, 

30,70  — 30,so  „ Thonschicht,  ^ 

30,80  — 33,70  „ Letten  und  Felsen  (Pläner). 


*)  SecL  Moritzburg,  S.  46. 


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Eine  weitere  Bohrung  hinter  dem  Waldschlösschen  auf  dem  Exercir- 
platze  des  177.  Regiments  schloss  folgenden  Schichtenverband  auf: 

Von  0,0  — 0,20  m Rasennarbe, 

„ 0,20  — 13,80  „ feiner  Haidesand, 

„ 13,80  — 14,70  „ „ „ mit  Steinen, 

„ 14,70  — 16,0  „ „ „ „ Granitfragmenten, 

„ 16,0  — 18,40  „ gelber  Haidesand  (Wasserzufluss), 

„ 18,40  — 20,80  „ kiesiger  Haidesand, 

„ 20.80  — 22,20  „ brauner  Thon, 

„ 22,20  — 24,50  ,,  grauer,  fetter  Thon, 

„ 24,50  — 25,20  „ Kies, 

„ 25,20  — 26,80  „ Sand, 

„ 26,80  — 28,70  „ grober  Sand, 

„ 28,70  — 30,80  „ feiner  Schwimmsand  (Wasser), 

„ 30,80  — 33,30  „ grober  Sand, 

„ 33,30  — 35,50  „ feiner  Sand, 

„ 35, .50  — 38,60  „ Kies, 

„ 38,60  — 40,10  „ grober  Kies. 

Auffällig  in  dem  gebotenen  Profile  ist  das  Auftreten  der  in  20,80  m 
Tiefe  sich  einstellenden,  3,7o  m mächtigen  Thonschicht,  deren  Vorhanden- 
sein in  Wannen,  Sätteln  und  Linsen  im  Material  des  Haidesandes,  und 
zwar  zumeist  in  der  Höhe  des  heutigen  Elbspiegels,  schon  von  Gutbier*) 
nachweisen  konnte.  Einen  Einblick  in  diese  Verhältnisse  gewährten  s.  Z. 
die  Ausschachtungen  für  das  rechtselbische  Wasserwerk,  die  Kunstbauten 
im  Albrechtsberg  und  die  Brunnenbauten  für  das  Waldschlösschen  und  für 
die  Saloppe.  Der  Thon  wird  von  von  Gutbier  als  mager  bezeichnet,  offen- 
barte aber  in  dem  neuen  Bohrloche  durchaus  nicht  diese  Beschaffenheit. 
Die  obersten  Lagen  waren  bräunlich  durch  Eisensnhuss,  bald  aber  wurde 
das  Material  hellgrau,  von  feinen  schwarzen  Streifen  und  Striemen  durch- 
zogen, fett  und  speckig,  und  ergab  nach  dem  Aufweichen  und  Abschlämmen 
als  Rückstand  nur  wenige  kaolinisirtc  Granitkörner,  Quarze  und  kleine 
Eisenkiesconcretionen.  Die  Behandlung  mit  HCl  ergab  einen  starken  Kalk- 
gehalt, und  nach  dem  Aufschluss  mit  conc.  H„SO,  (nach  Seger)**)  blieb 
nur  ein  minimaler,  feinsandiger  Rückstand.  Eine  Probe  dieses  Thones, 
welche  im  Steingutofen  bei  1200®  gebrannt  wurde,  stand  nicht  im  Feuer, 
sondern  zerfloss  zu  einem  rothbraun  und  strohgelb  gestreiften  und  ge- 
flammten Kuchen,  ein  Verhalten,  welches  auf  den  reichen  Kalkgehalt 
zurückzufübren  ist.  So  erscheint  nun  das  Material  nicht  als  Thon,  sondern 
als  kalkreicher  Mergel,  und  es  entsteht  die  Vermuthung,  dass  diese  Lager 
als  Elbschlicke  über  dem  ältesten,  meist  von  groben  Sanden  und  Kiesen 
ausgefüllten,  alten  Elbbett  zum  Absatz  gelangten  — eine  Ansicht,  die 
dadurch  noch  eine  Stütze  enthält,  dass  über  dem  Thon  echter  Haidesand, 
unter  demselben  nur  schlecht  gerollter,  meist  grober  Sand  und  Kies  mit 
Basalt-  und  Quadersandsteingeschieben  angetroffen  wurde.  Wir  haben  hier 
jedenfalls  das  Elbbett  vor  uns,  welches  nach  den  Trachenbergen  zu  ge- 
richtet war.  Die  Höhenhage  der  Thonschicht  ist  wenig  höher  als  der 

•)  v.  Gutbier;  Die  Sandformen  der  Dresdner  Haide,  S.  37.  ’ — Vergl.  anih  Sect. 
Dresden,  S 71. 

••)  F.  Fischer:  Handbuch  der  chemischen  Technologie,  Leipzig  1893,  S.  778. 


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heutige  Elbspiegel.  Während  Pegel -Null  der  Carolabrücke  105,832  m 
beträgt,  liegt  die  Umgebung  des  Hohrloches  (Höhenbolzen  am  Einnehmer- 
häuscben  an  der  Dresden-Loschwitzer  Stadtgreuze,  Hautzner  Landstrasse) 
in  133,772  m Hohe.  Die  Differenz  von  27,H.to  entspricht  ungefähr  der 
Höhenlage  der  Sandschichten,  in  denen  das  Grund wasser  sich  einstellte, 
welches  nach  Auflassen  der  Hohrung  in  40, lo  Tiefe  ca  10  m hoch  im 
Bohrloche  stand. 


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ni.  ücber  die  Funde  antiker  Bronzen  im  akademischen 
Forstgarten  zu  Tharandt. 

Von  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  F.  Nobbe. 


Im  Herbst  1898  sind  auf  der  höchsten  Kuppe  des  Königlichen  Forst- 
gartens zu  Tharandt  eine  Anzahl  prähistorischer  Gegenstände  aus  Bronze- 
guss und  Stein  — im  Ganzen  20  — ausgegraben  worden. 

Der  genannte  botanische  Garten  liegt  an  den  Hängen  und  auf  der 
Höhe  des  Kiehnherges,  eines  Ausläufers  des  Erzgebirges.  Das  Plateau 
fällt  nordwestlich  zum  „Zeisiggrund“,  südöstlich  zum  Weisseritzthale  steil 
ah;  nach  Osten  dagegen  tragen  die  letzten  zwei  Abstufungen  die  Schloss- 
ruine und  weiterhin  die  Kirche  von  Tharandt 

Die  Höhenlage  des  Forstgartens  schwankt  zwischen  252  m (am  Grenz- 
stein im  Zeisiggrund)  und  331  m (an  den  „Königseichen“)  üb.  d.  Ostsee. 

Der  specielle  Fundort  der  antiken  Bronzegeräthe  ist  ein  sanft  nach 
Osten  geneigter  Hang  dicht  unter  der  Hochfläche,  welche  zwei  von  Sr.  Majestät 
dem  König  Johann  im  Jahre  1855  gepflanzte  „Königseicheu“  und  eine 
im  Frühjahr  1898  aus  Anlass  des  Regierungsjubiläums  Sr,  Majestät  des 
Königs  gesetzte  „König  Albert- Fichte“  {Picea  pungem  var.  glauca 
Hort)  trägt 

Veranlassung  zu  dem  Funde  wurde  dadurch  gegeben,  dass  der  er- 
wähnte Hang,  behufs  seiner  Einbeziehung  in  die  seit  1874  erfolgreich 
angestrebte  systematische  Ordnung  der  Bestände  des  Gartens,  mit  aus- 
ländischen Tannenarten  bepflanzt  werden  sollte.  Zu  diesem  Zwecke  wurde 
die  ganze  etw’a  12  a grosse  Fläche,  nach  Räumung  des  bisherigen  dichten 
und  ungeregelten  Bestandes  von  Fichten,  Wald-  und  Schwarzkiefern  und 
Birken,  gründlich  rajolt.  Die  humose  Bodendecke  überlagert  hier  nur 
‘/j — 7s  ™ stark  in  allmählichem  Uebergange  zu  den  Verwitterungstrümmern 
das  Felsgestein  (Felsitporphyr).  Sämmtliche  antike  Gegenstände  ruhten 
in  geringer  Tiefe,  und  zwar  lagerte  je  ein  Theil  derselben  in  drei  wenig 
von  einander  entfernten  Nestern  dicht  beisammen.  Dieses  Vorkommen 
deutet  wohl  mit  Sicherheit  darauf  hin,  dass  hier  Werthgegenstände  vor- 
liegen, welche  die  Urbewohner  der  Gegend  auf  diesen  einsamen  Höhen 
vor  herannahenden  Feinden  zu  verbergen  wünschten.  Dass  es  sich  um 
eine  Opferstätte  handelte,  erscheint  aus  weiterhin  anzufdhrenden  Gründen 
minder  wahrscheinlich. 

Eine  sehr  feste  Kruste  von  Erde  und  Oxyden  überzieht  die  Bronze- 
körper,  nach  deren  sorgfältiger  Beseitigung  ein  oft  sehr  schöner  blau- 


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grüner,  aus  basisch  koklensaurem  Kupferoxyd  bestehender  Edelrost  zum 
Vorschein  kommt,  welcher  die  an  sich  goldglänzende  Legirung  in  dünner 
Schicht  bekleidet. 

I.  Am  20.  October  1898  wurden  zunächst  folgende  sechs  Gegenstände 
ausgegraben.  Sie  lagen  zwischen  den  Wurzeln  einer  gefällten  Birke,  deren 
Stock  gerodet  wurde,  in  einem  Neste  von  etwa  35  cm  Durchmesser  und 
25  cm  Tiefe. 

No.  1—5.  Sogenannte  „SiclielmeBser“  ans  Bronzegnss  mit  1cm  langem  Stielfortsatz 
zur  Befestigung  des  (nicht  mehr  vorhandenen)  Griffes.  Sie  repräsentiren  zwei 
Formen,  wie  sie  in  den  ethnographischen  Museen  aus  Fundstätten  ganz  Deutsch- 
iauds  Uhereinstirainend  vorhanden  sind. 

No.  1 — 3 sind  imtcr  sich  von  gleicher  Form,  15  cm  lang,  2,5  cm  grösste  Breite,  je  etwa 
78.V  g (zusammen  2.34,7  g)  schwer,  nach  der  Spitze  verjüngt  und  so  stark  ge- 
krümmt, dass  der  Abstand  der  Schneide  von  einer  die  Spitze  und  Basis  ver- 
bindend gedachten  Linie  in  der  Mitte  4 — 5 cm  beträgt.  Die  eine  Seite  der 
Klinge  ist  flach,  die  andere,  welche  den  erwähnten  Stielfortsatz  trägt,  ist  vom 
Kücken  her  plötzlich  verjüngt  und  besitzt  zwei  dem  Kücken  parallel  laufende 
erhabene  Linien,  An  der  noch  ziemlich  scharfen  Schneide  sind  mit  der  Lupe 
Spuren  des  Schärfens  deutlich  erkennbar  und  die  Schneide  ist  durch  ihre  Uand- 
habung  stellenweise  etwas  umgebogen. 

No  4 u.  5 sind  unter  einander  wiederum  von  gleicbcr  Form , aber  länger  und  .scbwäcber 
gekrümmt  als  No,  1—3,  und  an  der  verjüngten  Spitze  scalpellartig  zurück- 
gebogen.  Ihre  Länge  beträgt  18 — 19  cm,  die  grösste  Breite  2,i  cm,  Gewicht 
67,3  bezw.  65,3  g.  No.  4 trägt  auf  der  Unterfläche  eine  erhöhte  Linie  parallel 
dem  Rücken,  No.  5,  welchem  die  Spitze  fehlt,  dagegen  zwei,  wie  die  Sichcl- 
messer  1 — 3.  Der  grösste  Abstand  der  Schneide  von  einer  gedachten  geraden 
Verbindungslinie  beträgt  hier  nur  2,7  cm. 

No.  6,  ein  kleiner  flacher  Bronzering  von  18  mm  Durchmesser,  1,5  mm  Höhe  und  3 mm 
Breite.  Gewicht  0,s  g.  Das  Kinglein  ist  leider  in  zwei  Theile  zerbrochen 
und  nicht  mehr  festzustcUen , ob  es  geschlossen  oder  etwas  klaffend  gewesen. 

II.  Am  5.  November  1898  fand  man,  4 m südöstlich  von  der  ersten 
Fundstätte, 

No.  7,  ein  kreisnmdes  Bronzeschild  von  11  cm  Durchme.sser.  Das  SchUd  ist  schwach 
(etwa  6 mm)  gewölbt,  im  Centrum  iler  concaven  Innenfläche  mit  einer  Ue.se 
(Griff)  versehen.  Gewicht  78, i g.  Dieses  werthvolle  Ftmdstück  ist  namentlich 
an  der  convexen  Oberfläche  von  schöner  glänzender  Patina  überzogen.  Auf 
den  ersten  Blick  erinnert  die  Scheibe  an  einen  Topf-  oder  ümendeckel,  und 
wurde  auch  von  den  Arbeitern  als  „Stürze“  angesprochen.  Wahrscheinlicher 
stellt  sie  ein  Brust  Schild,  jedenfalls  ein  Schmuck.stück  dar. 

III.  Am  3.  December  1898  wurde  am  oberen  (Südwest-)  Ende  des 
Hanges,  etwa  25  m von  dem  eisten  Fundorte  entfernt,  ein  dritter  bloss- 
gclegt.  Auch  dieser  lagerte  in  etwa  25  cm  Tiefe  und  hat  einen  Durch- 
messer von  30  — 40  cm.  Er  enthielt  folgende  9 Gegenstände. 

No.  8.  Eine  wohlerhaltcnc  bronzene  „Spiralspange“.  Sie  licsteht  aus  12  engen 
schrauljenförmigcn  Windungen,  ist  10  cm  hoch  und  — ahgerollt  — 2,so  m lang. 
Ihr  Gewicht  betragt  232,5  g.  Die  Weite  der  Spange  ist  am  unteren  Ende 

6 cm,  am  oberen  5 cm  im  Durchmesser,  würde  mithin,  als  Armspange  gedacht, 
eine  recht  schmächtige  Extremität  voraussetzen.  Das  Band  selbst  ist  unten 

7 mm  breit  und  1,6  mm  dick,  verjüngt  sich  aber  nach  oben  bis  auf  kaum 
4 mm  Breite.  I>ie  letzten  Enden  fehlen  beiderseits.  Die  etwas  convexe  Aussen- 
Seite  ist  in  primitiver  Weise  durch  verticale  Strichelungen  verziert  und  von 
schöner  Patina  ganz  überzogen.  Sie  entspricht  genau  einer  Abbildung  in 
Dr,  B Platz:  „Der  Mensch  etc.“,  3.  Auf!.,  S.  421. 

No.  9.  Eine  der  No.  8 ähnliche  Spiralspange,  aber  mit  nur  sieben  Windungen  und  nur 
6 cm  hoch.  Durchmesser  4,5  cm.  Gesammtlänge  des  Bandes  98  cm,  sein  Ge- 
wicht beträgt  41,7  g-  Das  Band  selbst  ist  auch  hier  in  der  Mitte  am  brei- 
testen (8  mm)  und  veijüugt  sich  nach  beiden  Seiten  bis  auf  mm.  Ver- 
zierungen fehlen. 


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No.  10.  Ein  unretrelmilssig  anfge^vundene.?  Bronzeband  von  206  cm  Eänge,  10  mm 
grösster  Breite,  veijüngt  sich  nach  beiden  Seiten,  um  scliliesslich  in  ein  beider- 
seits 23  cm  langes  stielrundea  Ende  ansziilaufen  Gewicht  204,7  g.  Wahr- 
scheinlich ein  vorläufig  roh  znsammengeschlagenes  Band,  dessen  regelmässige 
Ausformung  zur  Spange  Vorbehalten  blieb,  vielleicht  auch  war  dasselbe  für 
die  Einschmclzung  bestimmt. 

No.  11.  Ein  Bronzeband,  wie  No.  10,  jedoch  nur  l,sim  lang,  241,s  g schwer. 

No.  12, 13.  Zwei  ganz  identische  massive  Bronzeringe  von  6 cm  äusserem  Durch- 
messer. Das  eine  Ende  greift  2,s  cm  über  das  andere  hinaus,  nnd  zwar  aussen 
an  der  Peripherie,  nicht  schraubenfBrmig.  Die  obere  nnd  untere  Fläche  des 
liegenden  Ringes  ist  flach,  die  äussere  etwas  convex  und  in  regelmässigen 
Abständen  vertieal  gestrichelt  in  der  Art,  dass  je  10  — 12  Striche  den  Raum 
von  etwa  7 mm  Breite  einuehmen,  worauf  ein  fast  2 cm  breiter  Zwischenraum 
folgt,  hierauf  wiederum  Strichelung  etc.  Höhe  des  liegenden  Ringes  4 mm, 
Dicke  3 mm.  Ihr  Gewicht  beträgt  20,9  bezw.  17,5  g. 

No.  14.  Ein  massiver  Bronzering,  nach  Entfernung  der  Erdkruste  malachitartig 
glänzend.  Aensserer  Durchmesser  90  — 92  mm  Gewicht  164,5  g.  Die  Ring- 
masse ist  an  einer  Seite  flach ; ihre  grösste  Höhe  beträgt  10  mm ; sie  ist  nach 
beiden  — um  5 mm  klaffenden  — Enden  etwas  veijüngt  und  gerundet  und 
hier  oberseits  fein  schräg  gestrichelt. 

No.  15.  Ein  etwas  klaffender  ma.ssiver  Bronzering  von  124,o  g Gewicht.  Die  Ent- 
fernung der  beiden  abgeplatteteu  Enden  von  einander  beträgt  4 cm.  Dieser 
Ring  ist  nicht  kreisnind,  sondern  etwas  in  die  Breite  gezogen;  der  grösste 
Durchmesser  beträgt  (aussen)  11  cm,  der  kleinere  10, j cm.  Die  Masse  ist  fast 
1 cm  breit,  mit  einer  schraubenförmig  gewundenen  Furche  verziert,  welche  in 
etwa  15  mm  Entfernung  von  beiden  gestrichelten  Enden  aufhört,  und  deren 
Schraubenwindnngen  durch  eine  Abplattung  der  oberen  und  unteren  Fläche 
unterbrochen  iverdeu.  Die  Patina  ist,  wie  bei  No.  14,  sehr  schön  ausgebildet. 
No.  16.  Ein  12  cm  langes  gewundenes  Brouzestück  (Fragment),  der  No.  15  ähnlich. 
Gewicht  53,i  g. 

Von  No.  16  wurde  ein  2 cm  langes  Stück  (5  g)  abgeschnitten,  um 
nach  Entfernung  der  Oxydationsschicht  der  chemischen  Analyse  unter- 
zogen zu  werden.  Diese  im  Laboratorium  der  Königlichen  pflanzen- 
physiologischen Versuchs-Station  zu  Tharandt  durch  Herrn  Assistenten 
Störmer  ausgeführte  Analyse  hat  ergehen: 

91,60  Procent  Kupfer, 

8,60  „ Zinn, 

nebst  unwägbaren  Spuren  von  Blei,  Nickel,  Kobalt  und  Wismuth. 


Schon  in  früheren  Zeiten  — vor  40  — 50  Jahren  und  wiederum  vor 
etwa  25  Jahren  — sind  antike  Bronze-  und  Steingeräthe  an  verschiedenen 
von  den  obigen  entfernten  Punkten  des  Forstgartens  gefunden  worden, 
ein  Umstand,  5velcher  nicht  zu  Gunsten  der  Annahme  spricht,  dass  es 
sich  hier  um  eine  Opferstätto  handelt.  Diese  Gegenstände  — darunter 
Lanzenspitzen  etc.  — sind  s.  Z.  bedauerlich  in  Privatbesitz  übergegangen. 
Einiges  hofife  ich  noch  wieder  beizuziehen.  Bisher  war  es  nur  möglich, 
wieder  zu  erlangen: 

No.  17.  Ein  Steinbeil  von  10  cm  Länge,  4 cm  Höhe  nnd  4,5  cm  Rückenbreite. 

Die  sehr  harte  Ge.'teinsart  scheint  Grünstein  zu  sein,  was  durch  Dünnschliffe 
zn  erörtern  sein  wird  Das  Beil  besitzt  eine  15  mm  weite,  sich  auf  12  mm 
veijüngende  Durchbohrung  für  die  Einführung  des  Stieles. 

Eine  so  enge  Durchbohrung  dürfte  ein  Beweis  dafür  sein,  dass  das  Beil  für  einen 
metallenen  Stiel  bestimmt  gewesen  ist;  ein  hölzerner  würde  eine  kräftige  Handhabung 
nicht  erlaubt  haben;  woraus  dann  folgen  würde,  dass  das  Steinbeil  der  Bronzezeit 
angehürt.  Beispiele  für  ein  Herüberragen  von  Instiumenten  einer  früheren  urzeitlichen 


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22 


Periode  in  eine  apiltcre  sind  ja  überhaupt  nicht  selten,  wie  denn  neuerdings  eine  strenge 
Folge  der  Stein-,  Bronze-  und  Eisenzeit  entschieden  in  Abrede  gestellt  wird.*) 

No.  18—20.  Drei  durch  Wasser  linsenförmig  ahmschliffene  Steine,  der  eine  ans 
Qnarz,  die  anderen  beiden  ans  einem  noch  nicht  näher  bestimmten  Gestein. 
Ihre  Grösse  beträgt: 


Länge 

Breite 

grösste  Höhe 

No.  18 

70 

55 

35  mm. 

» 1» 

60 

48 

30  „ 

n 20 

52 

50 

80  . 

Unzweifelhaft  sind  diese  Steine  aus  dem  Flussthal  an  den  Fundort 
geschaift  worden.  Vielleicht  waren  es  sogenannte  Siedesteine,  welche 
geglüht  und  in  Wasser  geworfen  wurden,  das  in  nicht  feuerbeständigen  Ge- 
fässen  zum  Sieden  gebracht  werden  sollte:  ein  Verfahren,  welches  noch  heute 
bei  manchen  wilden  Völkern  in  Gebrauch  ist.**)  Doch  ist  auch  die  An- 
nahme nicht  ausgeschlossen,  dass  sie  als  Klopfsteine  zur  Zerkleinerung 
von  Getreidekörnern  gedient  haben. 

Die  vorstehend  beschriebenen  Fundstücke  sind  mit  Genehmigung  des 
Königlichen  Finanzministeriums  der  prähistorischen  Sammlung  zu  Dresden, 
als  Beitrag  zur  Vaterlandskunde,  überwiesen  worden.  Da  mit  Wahrschein- 
lichkeit anzunehmen  ist,  dass  der  akademische  Forstgarten  noch  mehr 
dergleichen  ethnographisch  werthvolles  Material  in  seinem  Schosse  birgt, 
wird  keine  Gelegenheit  verabsäumt  werden,  solches  zu  Tage  zu  fördern. 


*)  Vergl.  Dr.  B.  Platz:  Der  Mensch,  sein  Ursprung,  seine  Rasse  und  sein  Alter. 
3.  Aufl.  1898,  S.  415. 

*•)  Vergl.  W.  Boy  d Dawkins:  Die  Höhlen  und  die  Ureinwohner  Europas  (deutsch 
von  J.  W.  Spengel).  1878,  S.  72. 


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IV.  Neue  Urnenfelder  aus  Sachsen.  I. 

Von  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 


Weissbach  bei  Königsbrück. 

Beim  Bau  der  Eisenbahn  Königsbrüok- Schwepnitz  wurde  im  Januar 
1898  auf  Flur  Weissbach  nordöstlich  Königsbrück  ein  Urnenfeld*)  auf- 
geschlossen, welches  dem  Beginn  der  Periode  der  grossen  Urnenfelder, 
flem  älteren  Lausitzer  Typus,  angehört.  Die  Fundstelle  liegt  ca.  0,27  km 
vom  südlichen  Ausgang  des  Dorfes  in  der  Ilichtung  nach  Königshriick 
entfernt,  im  sogenannten  „Grund“,  einer  flachen  Einsenkung  zwischen  dem 
Lindenberg  W Weissbach  und  dem  Wagenberg  ONO  Königsbrück. 

Ueber  die  Auffindung  berichtet  das  Baubureau  Königsbrück  an  die 
K.  Generaldirection  der  Sächsischen  Staatseisenbahnen  unter  dem 
13.  Februar  1899  Folgendes: 

„Die  Urnen  wurden  im  Scheiteleinschnitt  bei  Station  28  -j-  50  südlich 
des  Ortes  Weissbach  etwa  unter  31“  35'  36"  w,  L.  und  61“  16'  45"  n.  Br. 
angetroffen. 

Die  Oberfläche  des  Fundortes  war  mit  Jungholz  — Birken  mit  Kiefern 
vermischt  — bestanden  gewesen,  der  aufgeschnittene  Einschnitt  enthält 
festgowachsene,  sandige  Massen.  Auf  der  Fundstelle  lagen  flache  Haufen 
von  Grauwackensteinen,  welche,  da  derartige  Steine  in  unmittelbarer  Nähe 
nicht  Vorkommen,  zusammengetragen  sein  müssen.  Unter  diesen  Grau- 
wackenhaufen wurden  zumeist  die  Urnenreste  vorgefunden. 

Es  kam  zunächst  eine  40 — 50  cm  starke  Humusschicht,  unter  welcher 
eine  höchstens  5 cm  mächtige  Schicht  grobkörnigen  Kieses  augetroften 
wurde,  die  mitunter  auf  einige  Quadratmeter  gänzlich  fehlte  oder  auf  noch 
kleineren  Flächen  trichterförmig  gesenkt  war.  W'ährend  der  Boden  sonst 
festlagernder  gelber  Sand  über  glacialem  Schotter  war,  war  er  an  den 
F'undstellen  locker  und  rostbraun  gefärbt.  Unter  der  erwähnten  dünnen 
Kiesschicht  lagen  die  Urnen,  fast  alle  bereits  zertrümmert  und  zerbrochen, 
Bodass  die  einzelnen  Scherben  mit  der  Hand  aus  dem  Boden  gezogen 
werden  konnten.  Es  war  jedoch  noch  zu  erkennen,  dass  die  Urnen  meistens 
— nicht  immer  — verkehrt  und  in  Gruppen,  welche  in  sehr  flachen, 
schalenartigen  Becken  lagen,  zusammengesetzt  waren.  Das  ganze  Urnen- 

*)  Die  in  mehreren  Tageszcitnnpen  anfcenommene  Mitthcilnng  von  dem  Fnnde 
von  Skeletten  mit  Münzen  de»  8.  JahrlinnderU  n.  dir.  ist  »piiter  widerrufen  und  he- 
richtigt  worden. 


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24 


feld  dürfte  sich  wohl  noch  über  die  Breite  des  Einschnittes  nach  Osten 
zu  erstrecken. 

Die  Urnen  waren  mit  schwarzem  Boden  fest  ausgestopft,  irgend  welche 
Gebrauchs-  oder  Schmuckgegenstände  wurden  nicht  entdeckt,  an  einigen 
Stellen  lagen  geringe  Knochen-  und  Aschenreste. 

In  der  geringen  Tiefenlage  der  Urnen  unter  der  Oberfläche  dürfte 
wohl  der  Grund  zu  suchen  sein,  warum  dieselben  fast  alle  zertrümmert 
Yorgefunden  wurden,  sie  waren  offenbar  vom  Froste  zersprengt  worden.“ 

Aus  diesem  Berichte  geht  hervor,  dass  die  einzelnen  Grabstätten 
ihrem  Bau  nach  P'lacbgräber  mit  Steinsetzungen  waren,  welche  in  der 
Tiefe  von  wenig  mehr  als  0,n  m unter  der  Oberfläche  in  den  diluvialen 
Decksand  der  Fundstelle  eingesetzt  waren.  Das  Material  zu  den  Stein- 
setzungcn  dürften  die  naheliegenden  untersilurischen  Grauwacken  des 
Linden-  oder  des  Wagenbergs  geliefert  haben.  Leider  ist  der  Direction  der 
prähistorischen  Sammlung  in  Dresden  eine  Anzeige  des  P’undes  nicht  zu- 
gegaugen,  sodass  eine  Untersuchung  einzelner  Gräber  an  der  Fundstelle 
selbst  nicht  mehr  möglich  war;  auch  sind  in  Folge  der  Unkenutniss  der 
beim  Bau  beschäftigten  Arbeiter  und  aufsichtführeuden  Beamten  fast  keine 
unbeschädigten  Gefässe,  nur  eine  Anzahl  grösserer  Bruchstücke  und  ein- 
zelner Scherben  in  die  Dresdner  Sammlung  gelangt.  Aus  diesen  Resten 
wurden  mehrere  Gefässe  fast  vollständig,  andere  so  weit  zusammengesetzt, 
dass  sie  den  nachstehenden  Abbildungen  zu  Grunde  gelegt  werden  konnten. 


Die  Fundstelle  ist  ziemlich  reich  an  verschiedenen  Gefässforroen,  welche 
sämmtlich  zu  den  in  den  älteren  Urnenfeldern  des  Lausitzer  Typus  ge- 
wöhnlichen gehören.  Doppclconische  Näpfe  sind  in  zw'eierlei  Gestalt  vor- 
handen, theils  in  der  häutigen  mit  hohem  Ober-  und  flachem  Untertheil 
(Fig.  1),  theils  in  der  selteneren  niedrigen  und  weiten,  bei  welcher  der 
fast  senkrecht  aufsteigende  obere  Theil  und  der  flache  untere  nahezu  die 
gleiche  Höhe  haben  (Fig.  2).  Auf  die  an  anderen  Fundorten  häufigen 
eiförmigen  Töpfe  mit  umgelegtem  Rand  w’eisen  verschiedene  Bruchstücke 
mit  geglätteter  oder  gerauhter  Aussenwandung  hin.  Die  für  die  älteren 
Urnenfelder  charakteristischen  Buckelgefässe  sind  durch  Bruchstücke  mit 
aufgeklebten  oder  aus  der  Gefässwanduug  herausgeformten,  elliptisch  um- 
randeten Buckeln,  sowie  durch  ein  kleines  napfartiges  Gefäss  vertreten, 
dessen  spitzwarzenförmige  Buckel  von  je  fünf  flachen,  halbkreisförmigen 
P’urchen  umgeben  werden  (Fig.  10).  Unter  den  Gefässen  mit  bauchigem 
Untertheil  und  hohem,  steil  aufsteigendem  Halse  (Fig.  4)  erscheint  auch 
eine  seltenere  Form,  welche  durch  die  Einschnürung  über  der  Standflächo 
pokalartig  wird  (Fig.  3).  Mit  diesen  Gefässen  verwandt  sind  doppelhenkelige. 


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25 


weitbauchige  mit  niedrigem,  senkrechtem  Hals  und  kugeligem  oder  nach 
dem  Hoden  conisch  verjüngtem  Bauch  (Fig.  6 und  6).  Hierzu  kommen 
Näpfe  mit  bauchigem  Untertheil  und  niedrigem,  ausladendem  Kande  (Fig.  7), 
zum  Theil  mit  engem,  ösenartigem  Henkel  (Fig.  8),  halbkugelige  Näpfe  mit 
centraler  Bodenerhebung  (Fig.  16),  breite,  niedrige,  tassenartige  Formen  mit 
■weitoffciiem,  bandartigem  Henkel  (Fig.  9)  und  kegelförmige  Tassen,  deren 
breiter  Henkel  in  der  Mitte  kantig  verdickt  und  deren  Band  beiderseits 
neben  dem  Henkel  höckerartig  erhöht  ist  (Fig.  12).  Grosse  Schalen  oder 
Schüsseln,  welche  vielleicht  als  Deckel  zu  den  Knochenurnen  dienten,  haben 
entweder  flachkegelige  Form  mit  breiter  Standfläche  (Fig.  13 — 15),  oder 
sind  zusammengesetzt  aus  einem  niedrigen  Untertheil  mit  massig  grosser 
Standfläche  und  einem  kurzen,  leicht  concav  geschweiften  Hals  (Fig.  17). 

Die  Verzierungen  der  Gefässe  sind  einfacher  Natur:  die  .Mittclkanten 
doppelconischer  Näpfe  oder  der  Oberrand  einer  Schüssel  sind  durch  mehr 
oder  weniger  scharfe  und  tiefe  Einschnitte  oder  Eindrücke  gekerbt,  die 
Wandungen  mancher  Gefässe  dicht  mit  radial  um  den  Boden  geordneten 
Strichen  oder  mit  horizontalen,  durch  verticale  getrennten  Strichgrup])en 
oder  mit  Gruppen  senkrechter  Striche  zwischen  flachen  Horizontalfurclien 
bedeckt.  Als  plastische  Ornamente  erscheinen  umrandete  Buckel  oder 
höckerartige  Erhöhungen  auf  Gefässrändern. 

Der  zu  den  aus  freier  Hand  geformten  Gefässen  verwendete  Thon 
ist  mit  Gesteinsgrus  gemengt,  die  Gefiissoberflächen  sind  mit  feingeschlämm- 
tem Thon  übei-zt)gen  und  zumeist  sorgfältig  geglättet.  Der  Brand  ist 
massig  hart,  lichte  Farben  wiegen  vor. 

Der  Inhalt  mancher  Gefässe  bestand  nach  dem  angeführten  Bericht 
aus  schwaraer  (holzkohlehaltiger)  Erde  und  aus  gebrannten  Knochenresten; 
Bronze-  und  andere  Beigaben  fehlten.  Welche  (iefässfonnen  als  Knochen- 
behälter gedient  haben,  ist  unbekannt,  weil  Gefässe  mit  Inhalt  nicht  auf- 
bewahrt worden  sind. 

Das  Urnenfeld  von  Weissbach  gehört  zweifellos  zur  älteren  Gruppe 
sächsischer  Urnenfelder  vom  Lausitzer  Tyjms.  Bau  der  Gräber,  Formen 
und  Verzierungswoisen  der  Gefässe  entsprechen  denen,  welche  aus  dem 
zu  Beginn  der  Periode  der  grossen  L'rnenfelder  angelegten  Gräberfelde 
auf  dem  Knochenberge  bei  Niederrödern  in  Sachsen  *)  bekannt  geworden  sind. 


Unterhalb  Yorwerk  Mannewitz  bei  Pirna. 

Von  Pirna  erstreckt  sich  nach  SO  ein  Sandsteinplateau,  die  Pirna- 
Struppener  Ebenheit,  an  dessen  westlichem  Baude,  etwa  1,2  km  südlich 
von  Schloss  Sonnenstein,  über  dem  Gottleubathal  das  Vorwerk  Manne- 
w'itz  liegt.  Von  der  Thalsohle  aufwärts  steigend  überschreitet  man  hier 
ein  sanft  geböschtes  Gehänge,  den  .\usstrich  der  Grünsandsteine  und  Mergel 
der  oberen  Kreideformation,  welche  den  darüber  steil  aufsteigenden 
Brongniarti-Quader  inantelartig  umgeben.  Das  zum  Theil  mit  Obstbäumen 
bepflanzte  Gehänge  ist  in  l’arzellen  getheilt,  welche  als  Acker-  oder 
Wiesenland  benutzt  werden. 

Beim  Umgrabeu  eines  solchen  bisher  mit  Gras  bedeckten  Grundstücks 
wurde  im  März  d.  J.  ein  Urnenfund  gemacht,  von  welchem  ich  durch 

*)  Mittheiluntfen  ans  dem  K.  Mineral. -gcolog.  und  Priiliislor.  Mnsi-nm  in  l're.sden, 
Heft  12  Ka.ssel  IH97. 


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2C. 


Herrn  Seminaroberlehrer  F.  A.  Wolff  in  Pirna  sofort  Kenntniss  erhielt. 
Die  Untersuchung  der  etwa  auf  halber  Höhe  des  Abhangs  liegenden  Fund- 
stelle ergab  das  Vorhandensein  von  Urnengräbern,  welche  aber  leider 
in  Folge  der  wiederholten  Umarbeitung  des  Hodens  bis  auf  wenige  Reste 
zerstört  waren.  Die  Gräber  liegen  so  flach  unter  der  Oberfläche,  dass 
die  Scherben  der  Gefässe  schon  beim  Umwenden  der  Grasnarbe  mit  dem 
Spaten  zwischen  den  Wurzeln  der  Gräser  zum  Vorschein  kommen.  Diese 
aussergewöhnlich  geringe  Tiefenlage  erklärt  sich  ans  der  fortgesetzten 
Abschwemmung  des  Erdreichs  nach  der  'I’halsohle  hin. 

Ausser  einzelnen,  auf  dem  schon  umgegrabenen  Theile  des  Feldes 
umhcrliegenden  Scherben  fanden  sich  noch  zwei  Grabstätten.  In  einer 
derselben  lagen  Hruchstücke  eines  doppelconischen  Napfes  mit  Ueberresten 
des  Kuocheninlialts  und  einer  Deckelschale  oder  -Schüssel.  Das  Erdreich 
war  in  der  nächsten  Umgebung  des  mit  einem  Kranz  grösserer  Sandstein- 
stüeke  umstellten  Grabes  durch  beigemengte  feinere  und  gröbere  Holz- 
kohlenbrückchen  dunkel  gefärbt. 

Nur  wenige  Schritte  davon  entfernt  lag  ein  zweites,  ebenfalls  schon 
stark  beschädigtes  Grab  ohne  Steinsetzung.  Als  Urne  diente  auch  hier 

ein  an  der  .Mittelkante  gekerbter, 
unten  gerauhter  doppelconischer 
Napf  (Fig.  20),  welcher  mit 
calcinirten  Knochen  zwischen 
schwärzlich  gefärbter  Erde  ge- 
füllt war.  Auf  dem  Inhalt  lagen 
Boden-  und  andere  Stücke  einer 
Schüssel  (Fig.  19),  um  die  Urne 
herum  Randstücke  desselben  Ge- 
fässes,  Bronzebeigaben  fehlten. 
Dicht  neben  der  Urne  fanden 
sich  Bruchstücke  eines  umge- 
kehrt gestellten  tassenartigen, 
auf  der  Olierseite  des  Gefäss- 
bauchs  mit  flachen,  schrägen 
Furchen  verzierten  Kruges  (Fig. 
21).  Die  Ausfüllung  der  Grube, 
in  welche  das  Grab  eingesetzt 
war,  bestand  auch  hier  aus  holz- 
kohlereicher, schwarzer  Erde,  die 
sich  von  dem  gelblichen,  lehmigen  Sandboden  der  Umgebung  scharf  abhob, 

Ini  Juni  d.  J.  erhielt  die  Dresdner  prähistorische  Sammlung  durch 
Herrn  Walter  Gebier  in  Pirna  von  derselben  Fundstelle  noch  eine 
grössere  Zahl  Gcfässscherben,  die  sieh  aber  leider  nur  zum  kleinsten  Theil 
zusammensetzen  Hessen,  Ein  durch  seine  Grösse  bemerkenswerther 
doppelconischer  Napf  (Fig.  18)  ist  über  der  durch  aneinander  gereihte 
Eindrücke  perlschnurartig  gekerbten  Mittelkante  mit  sieben  horizontalen 
Furchen  verziert,  auf  der  Unterseite  mit  Gruppen  radial  um  den  Boden 
gestellter  Striche,  deren  genauer  Parallelisinus  nur  mittels  eines  kamm- 
artigen Instruments  erzeugt  sein  kann.  Ein  zweiter  .Napf  der  gleichen 
Form  (Fig.  24)  zeigt  dieselbe  Verzierung  der  Mittclkante  und  gerauhte 
Unterseite.  Ein  kleinerer  (Fig.  22),  dessen  Oberthcil  leicht  nach  aussen 
gewölbt  ist,  trägt  über  der  perlschnurartig  verzierten  Mittelkante  vier 


Fig.  18—24  in  der  natilrlielien  Grösse. 


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27 


seicht  eingezogene  Horizontallinien.  Von  einem  dickwandigen,  grossen 
kesselartigen  Gefäss  aus  grobsandigem  Material  (Fig.  23)  ist  nur  ein  Bruch- 
stück vorhanden,  welches  aussen  roh  gerauht  und  mit  einer  aufgeklebten, 
durch  Fingereindrücke  kettenartig  gekerbten  Thonleise  verziert  ist. 

Alle  hier  gefundenen  Gefässe  sind  dunkel  gefärbt. 

Zu  welcher  Gruppe  der  Urnenfelder  vom  Lausitzer  Typus  das  hier 
beschriebene  gehört,  lässt  sich  bei  der  geringen  Zahl  der  Gefässe  und 
dem  Fehlen  charakteristischer  Formen  nicht  mit  Sicherheit  sagen.  Für 
den  älteren  Abschnitt  der  Periode  der  grossen  Urnenfelder  spricht  die 
Form  der  anscheinend  häufigeren  doppelconischen  Näpfe,  deren  beide  in 
der  Höhe  so  verschiedene  Theile  in  einer  scharfen  Kante  zusammen- 
stossen,  während  die  in  den  jüngeren  Urnenfeldern  Sachsens  vorkommenden 
gerundetere  Form  haben  und  der  obere  Theil  dieselbe,  oft  sogar  geringere 
Höhe  als  der  untere  hat. 

Wie  weit  sich  das  Urnenfeld  in  nördlicher  oder  südlicher  Richtung 
erstreckt,  war  nicht  festzustellen.  Vielleicht  bilden  die  Urnenfunde,  welche 
1886  am  unteren  Gehänge  des  Hausbergs,  im  Garten  des  der  scharfen 
Umbiegung  der  Hausbergstrasse  nach  Norden  gegenüber  liegenden  Grund- 
stücks gemacht  wurden*),  nur  die  nördlichen  Ausläufer  desselben.  Von 
letzterer  Stelle  wird  ein  doppelconischer  Napf  im  Museum  des  Gebirgs- 
vereins  für  die  Sächsische  Schweiz  in  Pirna  aufbewahrt. 


Casabrs  bei  Oachatz. 

Im  October  1898  theilte  mir  Herr  Lehrer  0.  Gutte  in  Casabra  mit, 
dass  beim  Ausheben  von  Erde  zur  Bedeckung  eines  Kartofl'elfeims  Urnen 
gefunden  und  bereits  mehrere  Gräber  von  ihm  aufgedeckt  worden  seien. 
Die  vom  Eigenthümer  des  Feldes,  Herrn  Gutsbesitzer  Henuig  in  Casabra 
bereitwilligst  gestattete  Untersuchung  der  Fundstelle  ergab  das  Vorhanden- 
sein eines  anscheinend  ausgedehnten  Urnenfeldes  vom  älteren  Lausitzer  Typus. 

Dasselbe  liegt  etwa  250  m vom  östlichen  Ausgange  des  Dorfes 
Casabra  links  der  Strasse  nach  Stauchitz,  nur  wenige  Schritte  davon 
entfernt.  Durch  die  zur  Gewinnung  des  Erdreichs  längs  der  Kartoft’elfdmcn 
ausgehobenen  flachen  Gräben  waren  mehrere  Urnengrabstätten  blosgelegt 
und  angeschnitten  worden.  In  einer  derselben,  deren  photographische 
Aufnahme  ich  Herrn  Gutte  verdanke,  hatten  in  einem  Steinkranz  zwei 
grössere,  mit  Knochen  gefüllte  und  mit  Schüsseln  bedeckte  Urnen  und 
eine  Anzahl  grösserer  und  kleinerer  Beigefässe  gestanden;  ein  zweites, 
dicht  daneben  befindliches  Grab  enthielt  einen  doppelconischen  Napf  mit 
Knochenresten,  bedeckt  von  den  Trümmern  eines  Deckelgefässes,  und 
einen  Topf,  über  den  eine  grössere  kegelförmige,  auf  der  Aussenseite  mit 
senkrechten  Strichen  verzierte  Tasse  gestellt  war.  In  einem  dritten  Grabe, 
welches  leider  fast  vollständig  zerstört  war,  fanden  sich  Bruchstücke  eines 
Buckelgefässes  und  einer  mit  schwarzer,  durch  beigemengte  Holzkohlen- 
stückchen gefärbter  Erde  und  mit  Kesten  des  Leichenbrandes  gefüllten  Urne. 

Ziemlich  vollständig  erhalten  waren  zwei  weitere  Gräber  ohne  Stein- 
packungen,  welche  in  den  Wandungen  der  Gräben  zum  Vorschein  kamen. 
Das  eine  derselben  enthielt  als  Urne  ein  doppelhenkeliges  Gefäss  mit 


•)  Sitzungsber.  Isis  Dresden  1885,  S.  40. 


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vier  aus  der  Wandung  herausgeforinten  flachen  Buckeln  (Fig.  33),  das 
von  einer  niedrigen  gehenkelten  Schüssel  (Fig.  32)  überdeckt  war. 
Der  Boden  der  Urne  lag  30  cm  unter  der  Erdoberfläche.  Als  Beigefäss 
stand  neben  der  Urne  umgekehrt  ein  eiförmiger  Topf  mit  niedrigem, 
wenig  ausladendem  Rande  (Fig.  31);  von  einem  zweiten  Topfe  derselben 
Form  waren  nur  noch  einzelne  Scherben  vorhanden.  Im  anderen  Urabe 
standen  ein  weitoffener,  bauchiger  Napf  (Fig.  25)  mit  Leichenbrandresten 
und  drei  Beigefässe;  ein  doppelhenkeliges  Gefäss  mit  seichten,  senkrechten 
Furchen  auf  dem  oberen  Gefässbauch  (Fig.  26),  ein  kleineres  ähnliches 
ohne  Verzierungen  (Fig.  29)  und  ein  kleiner  tassenartiger  Krug  (Fig.  27). 
Die  Bodentiefe  aller  (Jefässe  betrag  46  cm.  Die  Beigefässe  waren  dicht 
an  die  Urne  herangerückt,  zum  Theil  unter  dieselbe  geschoben.  Die  geringe 
Tiefenlago  der  Gräber  mag  wohl  auch  die  L'rsachc  sein,  warum  sämmtliche 
Gefässe  mehr  oder  weniger  zertrümmert  und  zerdrückt  sind. 


Ausser  den  den  letzterwähnten  beiden  Gräbern  entnommenen  Gefä.ssen 
erhielt  die  Dresdner  prähistorische  Sammlung  von  Herrn  Lehrer  0.  Gutte 
noch  einen  grösseren  terrinenartigen  Napf  (Fig.  34),  einen  Krug  mit  ge- 
drückt kugeligem  Untertheil  und  neben  dem  Henkel  zu  niedrigen  Höckern 
ausgezogenem  Rande  (Fig.  30)  und  ein  kleines  birnenförmiges  Näpfchen 
(Fig.  28),  dessen  Oberfläche  im  Brande  rissig  geworden  ist;  andere 
Gefässe  sind  in  den  Besitz  des  Herrn  Rechtsanwalt  Schmorl  II  in  Oschatz 
übergegangen. 

Von  Beigaben  hat  sich  bis  jetzt  nur  ein  wenige  Centimeter  langer, 
angeschmolzener  Bronzedraht  und  das  Bruchstück  eines  flachen  Mahlsteines 
aus  röthlichem  Quarzpor])hyr  gefunden,  doch  ist  zu  erwarten,  dass  fort- 
gesetzte Ausgrabungen  noch  weitere  Beigaben  aus  Bronze  oder  Thon  zu 
Tage  fördern  werden. 

Betreffs  der  Zeitstellung  des  Urnenfeldes  von  Casabra  gilt  das  für  das 
Weissbacher  Gräberfeld  Gesagte.  Formen  und  Technik  der  keramischen 
Erzeugnisse  weisen  auf  den  Beginn  der  Periode  der  Lausitzer  Gräberfelder 
hin,  wenn  sich  auch  in  der  Herstelhingsweise  der  Gefässe  von  Casabra 
geringe,  nur  als  örtliche  anzusehende  Unterschiede  gegenüber  denen  von 
Weissbach  bemerkbar  machen.  So  ist  der  zu  den  Gefässen  verwendete 
Thon  nicht  so  reich  an  groben  Gesteinsbrocken,  sondern  mehr  gleich- 
körnig grobsandig,  und  (lie  an  den  Weissbacher  Urnen  vorherrschenden 
gelben  Farbentöne  sind  hier  durch  weisse,  graue  bis  schwarze,  selten 
röthliche  ersetzt. 


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Ahhandlimgen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1899. 


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V.  Studien  über  Faciesbildiingeii  im  Gebiete  der 
sächsischen  Kreideformatioii. 

Von  Dr.  Wilhelm  Fetrasoheok. 


Das  Gebiet  der  sächsischen  Kreideformation  zerfällt  in  zwei  Facies- 
bezirke,  den  des  Quaders  und  denjenigen  des  Pläners.  Die  gegenseitigen 
Beziehungen  beider  zu  einander  zu  verfolgen  und  Zwar  namentlich  fest- 
zustellen, welche  Schichten  des  einen  Complexes  speciell  denen  des  anderen 
entsprechen,  sowie  klar  zu  legen,  in  welchem  .Maasse  mit  den  petro- 
graphischen  Faciesunterschieden  eine  faunistische  Differenzirung  Hand  in 
Hand  geht,  ist  die  Aufgabe  der  folgenden  Untersuchungen. 

Als  Grundlage  für  die  nachstehenden  FJrörterungen  dienten 

1.  H.  B.  Geinitz:  Charakteristik  der  Schichten  und  Petrefacten  des 
sächsisch -höhniischeu  Kreidegehirges.  Dresden  und  Leipzig  1839  — 42. 

2.  H.  B.  Geinitz:  Das  hähthalgehirge  in  Sachsen.  Palacontographica 
Bd.  20,  1871—75. 

3.  Die  nachstehenden  Blätter  und  zugehörigen  Erläuterungen  der 
geologischen  Specialkarte  des  Königreichs  Sachsen,  bearbeitet 
unter  der  Leitung  von  Hermann  Credner: 

Section  Meissen  und  Freiherg  von  A.  Sauer, 

„ Kötzschenhroda  von  Th.  Siegert, 

„ Tharandt  von  R,  Beck  und  A.  Sauer, 

„ Wilsdruff,  Dresden,  Kreischa- Hänichen,  Pirna,  Königstein 
und  Berggiesshühel  von  R.  Beck, 

„ Glashütte -Dippoldiswalde  und  Rosenthal -Hoher  Schnce- 
berg  von  F.  Sc  ha  Ich, 

„ Grosser  Winterberg -Tetschen  von  R.  Beck  und  J.  Hibsch. 

Die  übrige  in  Betracht  kommende  Litteratur  findet  sich  an  der  be- 
treffenden Stelle  citirt. 

Die  von  der  geologiscben  Landcsuntersuchuug  Sachsens  cingeführte 
und  in  deren  Publicationen  kartographisch  und  textlich  zur  Anwendung 
gebrachte  Stufen-Gliederung  der  sächsischen  Kreideformation  ist  auch 
unserer  Arbeit  über  die  Faciesbildungen  der  letzteren  zu  Grunde  ge- 
legt worden. 

Den  erforderlichen  palacontologischen  Studien  süinden  die  reichen 
Sammlungen  des  K.  Mineralogisch -geologischen  Museums  zu  Dresden  und 
der  K.  Sächsischen  Technischen  Hochschule,  sowie  die  Sammlung  der 
K.  Sächsischen  Geologischen  Landesanstalt  in  Leipzig  zu  Gebote.  Das 


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32 


iiuf  solclic  Weise  verfiigl)are  geologische  und  palaeontologische  Material 
wurde  durch  eigene  seit  mehreren  Jahren  angestellte  Beobachtungen  uiul 
sanmilerische  Ausbeutungen  ergänzt  und  vervollständigt. 

Ks  ist  meine  l'tlicht,  aucli  an  dieser  Stelle  meinen  Lehrern,  Herrn 
Geheimen  Bergrath  l’rof.  Dr.  H.  Credner  und  Herrn  I’rof.  Dr.  E.  Kalkowsky 
fiir  die  vielfachen  Förderungen  und  Unterstützungen,  die  sie  mir  hei  der 
Abfassung  vorliegender  Arbeit  zu  Theil  werden  liessen,  meinen  wärmsten 
Dank  auszusprechen.  Auch  den  Herren  l’rof.  Dr.  K.  Beck,  Prof.  Dr. 
J.  Ilibsch  und  Dr.  J.  Jahn  bin  ich  für  schätzenswerthe  Unterweisungen 
selir  zu  Dank  verbunden. 


Innerhalb  des  sächsischen  Kreidegehietes  erscheint  die  Stufe  des 
Inonramus  lahiatus  zur  Prüfung  und  Beantwortung  der  einschlägigen 
Fragen  besonders  geeignet,  weil  gerade  sie  die  ausgesprochenste  petro- 
graphische  Faciesdiflerenzirung  aufweist,  von  der  vorauszusetzen  ist, 
dass  sie  auch  in  faunistischen  Unterschieden  ihren  Ausdruck  finde. 

I.  Die  Quader-  und  Plänerfacies  der  Stufe  des  Inoceramns 

Utbiatutt. 

Das  Unter-Turon,  also  die  Labiatus-Stufe,  ist  in  Sachsen  in  zwei 
einander  schroft’  gegenübersfehenden  pctrographischen  Facies  zur  F.nt- 
wickelung  gelangt,  nämlich  dem  Labiatus- Quader  und  dem  Lahi.atus- Pläner. 
Der  erstere  beschränkt  sich  .auf  das  Verbreitungsgehict  der  Sächsisch- 
Böhmischen  Schweiz,  der  letztere  hingegen  .auf  das  nordwestlich  vor- 
liegende Elhthalareal  von  Mügeln  bis  Meissen.  Zwischen  diesen  beiden 
pefrographisehen  (iegensätzen  wird  ein  Uebergang  durch  kalkige  Quader 
und  sandige  Pläner  vermittelt.  Beck*)  hat  diesen  genau  verfolgt  und 
gezeigt,  dass  der  Kalkgehalt  zunächst  in  den  liegenden  Schichten  auftritt 
und  dann  nach  -\  W in  immer  höhere  (Jesteinsbänke  hinaufsteigt.  Ganz 
allmählich  und  stetig  ändern  die  Quader  utid  Pläner  ihre  Beschatfenheit. 
Bei  Königswahl  im  Eulauer  Thal  in  Böhmen  ist  der  Labiatus-Quader 
niittelkörnig,  er  bleibt  es  bis  in  die  Gegend  von  Klein-Cotta  in  der  süd- 
östlichen Ecke  von  Section  Pirna,  von  hier  ah  beginnt  er  feinsandig  zu 
werden  und  bildet  den  wegen  seines  feinen  und  glcichmässigen  Kornes 
geschätzten  Bildhauersandstein  von  Gross-Cotta,  Rottwerndorf  und  Dohna. 
Weiter  nach  NW  wird  sein  Bindemittel  kalkig,  und  kaum  merklich  geht 
er  in  sandigen  Pläner  über.  Solcher  steht  am  Wege  von  Gross-Sedlitz 
nach  Krebs  an  und  reicht,  immer  ärmer  an  Sand  werdend,  bis  in  die 
Gegend  nördlich  von  Dohna.  Erst  im  (Jehiete  der  Section  Dresden  und 
zwar  zunächst  hei  Leubnitz  ist  die  Lahiatus-Stufe  als  eigentlicher  Pläner 
entwickelt.  Die  Strecke,  auf  der  dieser  ganz  langsame  Uebergang  statt- 
lindet,  entspricht  einer  Entfernung  von  fast  20  km. 

1.  Die  Quaderfaoies. 

Der  Labiatus-Quader  stellt  einen  in  dicke,  1 bis  3 m mächtige  Bänke 
geschichteten,  fein-,  mittel-  bis  grobkörnigen  Sandstein  dar,  der  im 
äussersten  Südosten,  bei  Königswahl,  sogar  einzelne  Gerölle  in  sich  nuf- 

*)  Kilauti  nniKCii  Seel.  Pirim,  S.  lio. 


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33 


nimmt.  Quarz  und  zwar  von  weisser,  grauer,  seltener  von  rötlilicher  Farbe 
ist  bei  weitem  vorwiegend,  daneben  treten  vereinzelte,  ganz  kleine  Glimmer- 
schiippcben,  Glaukonit  und,  jedoeh  nur  als  mikroskopische  llestandtbeile, 
Turmalin,  Zirkon  und  Rutil  auf.*)  Das  Bindemittel  ist  thouig,  im  NW 
kalkig,  seltener  eisenschüssig.  Vom  Carinaten-Quader  unterscheidet  sich 
der  Labiatus- Quader  durch  seine  kleineren  und  spärlichen  Muskovit- 
schüppchen,  vom  Brongniarti-Quader  durch  das  Fehlen  kaolinisirter  Feld- 
spathe,  durch  die  geringere  Zahl  rosarother  Quarze  und  durch  das  Binde- 
mittel, das  bei  letzterem  meist  eisenschüssig  ist.  Diagonalschichtung  und 
Wellenfurchen  kennzeichnen  den  Labiatus -Quader  als  eine  Ablagerung 
des  seichten  Wassers** ••*)). 

Die  Verbandsverhältnisse  des  Labiatus -Quaders  sind  durch  die  tief 
in  die  Kreideschichten  einschneidenden  Flussthäler  wiederholt  klar  auf- 
geschlossen. Sein  Liegendes  wird  von  einem  plattigen,  feinkörnigen 
Sandstein  (Plänersandstein)  gebildet,  der,  wie  später  gezeigt  werden  soll, 
eine  selbständige  obere  Stufe  des  Cenomans  repräsentirt,  ein  Lagerungs- 
verhältniss,  welches  durch  das  von  Herrn  Geheimen  Bergrath  Prof.  Dr. 
11.  Credner  aufgenommene  und  mir  zur  Verfügung  gestellte  Profil  1 

Fig.  1. 


HU&od. 


Auf  den  Carinaten-Quader  (qc)  folgt  die  obere  Stufe  des  Cenomans,  ein  Pläner- 
sandstein (pac),  auf  diesen  der  lanbiatus-t^uader  (ql).  Nach  H.  tlredner. 


veranschaulicht  wird.  Im  Gottleuhathal  bei  Langenhennersdorf  bildet  ein 
blaugrauer  Thon,  der  nach  Geinitz  Inoceramus  labiatm  Schloth.  und 
Ammmiites  peramplus  .Mant.  führt,  das  Liegende,  erst  unter  diesem  folgt 
der  feinkörnige  Sandstein  des  Cenoman.  Das  Hangende  des  Labiatus- 
Quaders  stellt  die  Stufe  des  Inoceranms  Brongiüiirti  dar,  die  an  ihrer 
Basis  insofern  eine  ziemlich  wechselvolle  Ausbildung  zeigt,  als  sie  im 
Gottlcubathal  mit  einem  sandigen  glaukonitischen  Mergel  beginnt,  auf  den 
glaukonitischer  Sandstein  mit  Ithynchondla  bohvniica  Schlönb.  folgt. 


•)  Erhäutcrangen  Sect.  Hosenthal.  S.  IH. 

**)  Erläuterungen  Sect.  (irosser  Winlerberg-Tetschen.  S.  28,  und  Beck:  Ueher 
LitoralbUdungen  in  der  säch.sischen  Kreidefoniiation.  Her.  iiatf.  Ues.  Leipzig  l89.')/9lj,  S.5. 

••*)  .\nini  rkung  zu  Figur  1 : Die  von  uns  zur  Erklärung  aämmtlicher  Texttiguren 
benutzten  Buchstaliensyinb<de  für  die  einzelnen  Schichten  der  sächsischen  Kreide  ent- 
sprechen folgenden , auf  der  geologischen  Specialkarte  des  Königreichs  Sa<’hsen  für  die 
gleichen  Ablagerungen  zur  Anwendung  gebrachten  Symbolen.  Cenoman:  qc  = cl  9, 
pc  = c 1 p,  pjc  = tls.  — Labiatus -Stufe:  ql  = 1 1 s,  pl  = 1 1 p.  — Brongniart  i- 
Stufe;  in  = t 2 ni,  q Yi  = t 2g,  pb,  = t 2 ]i,  q y,  = 1 2 g,  p bj  = 1 2 m ~ t 2 p,  q b 
= t3s.  — Scaphiten-Stufe:  msc  = t 4. 


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34 


wiihrciiil  im  Uielathal  uml  am  l'usse  des  Hohen  Scliiieeberges  dieser 
letztere  den  Lahiatus-Quader  direct  überlagert. 

Der  Labiatus-Quader  bat  eine  betriiclitliclie  Zahl  von  Fossilien  ge- 
liefert, die  hauptsäcldicb  in  den  zablreichen  und  grossen  Steiidjrücben  des 
(iottleubatbales  und  des  Lohmgrundes  gesammelt  wurden.  Oeinitz, 
Deck  und  Scbalcb  citiren  die  folgenden  Arten: 


Callianai^sa  antiqua  Otto.  ss. 
Avmonites  Austeni  Sharpe.  s. 

— peramphis  Mant.  s. 

Lima  canalifera  Goldf.  ss. 

— psetidocardium  liss.  s. 

.Ire«  yluhra  l’ark.  ss. 

IMen  decemcontatus  Münst.  s. 
Pinna  Cottai  Gein.  s. 

— dcciissata  Goldf.  bb. 

— cretacea  Schlotb.  b. 

Inoceramus  lahialus  Scblotb.  bb. 

— Vripsii  .Mant.  8. 

L’xoyyra  tulumha  Dam.  b. 

lihijnchontjlla  hohenüca  Scblönb.  8. 
StvlUxster  albensis  Gein.  ss. 

Hohlster  snborliicularis  Defr.  s. 


Der  unbedeutenden  Spccieszabl  steht  der  Heiebtbum  an  Indiviilueii 
einzelner  Arten  gegenüber.  Inoreramns  htbiaius  Scblotb.  kommt  in 
ausserordentlich  grosser  .Menge  vor;  in  den  llottwerndorfer  Drüchen  bildet 
er  oft  Nester,  am  böbmisclien  Abhang  bei  Königswald  erscheinen  die 
Scbicbtfläcben  zuweilen  wie  damit  gepflastert.  Auch  Ea'ogyra  columba  Dam. 
ist  nicht  nur  in  zablreichen  einzelnen  Exemplaren  anzutreften,  sondern 
tritt  ausserdem  hie  und  da  bankförmig  angereichert  auf. 

2.  Bio  Flänerfaoios. 

Das  Verbreitungsgebiet  der  typischen  Labiatus-I’läner  liegt,  wie  bereits 
bervorgeboben,  nordwestlich  von  dem  des  Quaders  und  breitet  sich  in 
der  Elbthalwanne  zwischen  Mügeln  und  Meissen  aus.  Charakteristisch  für 
den  riäner  ist  seine  Schichtung  in  Dünke,  deren  Mächtigkeit  in  der 
Kegel  zwischen  0,2  und  0.5  m schwankt  und  denen  zuweilen  sebwaebo 
schieferige  Lagen  zwischengeschaltet  sind.  Der  Pläner  ist  sehr  feinkörnig 
bis  dicht,  von  blaugrauer,  aschgrauer  oilcr  bräunlicher  Farbe  und  weist 
meist  bräunliche  oder  graue  Flecken  auf.  Gewöhnlich  ist  er  kalkig, 
ausserdem  noch  thonig  oder  feinsandig.  Spärlich  enthält  er  kleine 
Glimmerblättchen  oder  Glaukonit.  Wenn  auch  der  Carinaten- Pläner  ge- 
wöhnlich zahlreichere  .Muskovitscbüppchen  enthält  als  der  Labiatus- Pläner, 
so  ist  es  doch  nicht  möglich,  beide  lediglich  auf  Gi-und  des  Gesteins- 
habitus sicher  zu  unterscheiden.  Ebensowenig  finden  sich  durchgreifende 
pctrographiscbe  Verschiedenheiten  zwischen  dem  Labiatus- Pläner  und  dem 
Drongniarti  - Pläner. 

Das  Liegende  der  Labiatus-Stufe  der  Dresdner  Fdbthalwanne  besteht 
aus  dem  Carinaten-PIäner.  welcher  durch  eine  O.5  bis  1 m mächtige  Schicht 
von  gelblichem  .Mergel,  die  in  den  Steiiibrüchen  von  Cotta  und  Leutewitz 


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39 


die  Conglomeratc  entwickelt,  die  liier  aus  abgerollten  Porphyr-  und 
tiranititgeschieben  bestehen.  Beides,  das  Pehlen  des  Quaders  und  das 
Auftreten  von  groben  Conglomeraten  ist  eine  Folge  davon,  dass  sich  der 
Untergrund  hier  zu  einer  Klippe  erhebt. 

Südöstlich  von  Dohna  befindet  sich  ini  Bahrethal  ein  von  Beck*) 
erwähnter  .\ufschluss,  welcher  den  auf  Granit  liegenden  Carinaten-Qiiader, 
hierauf  ein  lockeres  Conglotnerat  und  Thon  (zusammen  2 m mächtig), 
sodann  Plänersandstein  zeigt.  Diesen  letzteren  beschreibt  Beck  als 
feinkörnig,  von  thonigem  Bindemittel,  porös,  daher  auffallend  leicht  und 
von  nur  noch  geringem,  durch  Auslaugung  reducirtem  Kalkgehalt.  In  ihm 
fand  Beck  Cidaris  Sorüjneti  Des.  und  betrachtet  ihn  deshalb  mit  Recht 
als  ein  Aeijuivalent  des  Carinaten- Pläners.  Darüber  erst  lagert  der 
Labiatus-Quader,  gerade  so  wie  unterhalb  Dohna  über  dem  Carinaten- 
Pläncr  der  Labiatus -Pläner  folgt.  Am  besten  ist  diese  Ueberlagerung 
an  der  Haltestelle  Langenhennersdorf**)  aufgeschlossen.  Hier  liegt  über 
der  Crednerien-Stufe  der  Carinaten -Quader,  darauf  folgen  lose  Sande 
und  feinkörnige  Sandsteine,  die  dem  Plänersandstein  entsprechen,  und 
hierüber  eine  Schicht  Thon,  die  nach  Geinitz***)  Inoceramus  lahintm 
Schloth.  und  Ammonites  pcrampliis  Mant.  führt,  endlich  der  Labiatus- 
Quader.  Ebenso  bildet,  wie  diis  Profil  1 S.  33  darstellt,  bei  Eiland  ein 
Plänersandstein  das  Hangende  des  Carinaten -Quailers  und  auf  diesen 
folgt  erst  der  Labiatus-Quader. 

In  übersichtlicber  Zusammenfassung  der  obigen  Darlegungen  ergiebt 
sich  also  bei  Dohna  und  südöstlich  davon  folgende  Reihenfülgo  der  Schichten; 

4.  Labiatus-Pläner  oder  -Quader, 

Zwiscbenrnittel:  Tbon. 

3.  Carinaten-Pläner  nach  SO  übergehend  in  Plänersan  dstein. 
Zwischen  mittel:  Conglomerat  und  .Muschelbreccie  in  der 
Nähe  der  Kahlebuschklippe,  sonst  Mergel  oder  Thon. 

2.  Carinaten-Quader,  local,  besonders  am  Fusse  der  Klippe 
fehlend. 

1.  Crednerien-Stufe,  local  fehlend. 

Ganz  analoge  Lagerungsverhältiiisse  sind  südlich  und  westlich  von 
Dresden  und  zwar  am  vollständigsten  bei  Merbitz  und  Leutewitz  zu 
beobachten  t).  Ueber  der  Crednerien-Stufe  liegt  hier  der  Carinaten-Quader 
mit  Peden  asper  Lam  , darauf  folgt,  wie  Beck  in  Erfahrung  gebracht 
hat,  durch  eine  Thonschicht  getrentit  der  Carinaten-Pläner,  darüber, 
wiederum  unter  Zwischenschaltung  einer  Mergelschicht,  der  Labiatus-Pläner. 

An  den  Hängen  des  Plauenschen  Grundes  liegt  der  Carinaten-Pläner 
dem  Syenit  direct  auf.  Er  darf  al)cr  trotzdem  nicht  als  ältestes  Glied 
der  Kreide  aufgefasst  werden,  denn  der  Syenit  bildet  hier,  wie  später 
ausführlicher  gezeigt  werden  wird,  eine  dem  Kahlebusch  und  dem  Gamig- 
hübel entsprechende,  die  untersten  Schichten  der  Kreide  durchragende 
Klippe.  Der  Carinaten-Quader  umlagert  den  Syenit  mantelförmig,  ja 
selbst  vom  Carinaten-Pläner  greifen  nur  die  hängendsten  Schichten  über 
den  Syenit  hinweg,  während  ihn  die  älteren  ebenfalls  in  mantelförmiger 

•)  Erläuterungen  Sect.  Pirna,  S.  50. 

**i  Erläutenineen  Sect.  Berggies.sliiibcl,  .S.  titj  und  Fig.  3. 

•**)  Ell.tlmlgcbirge  II,  S.  VII. 

f)  Erläuterungen  Sect.  Wilsdruff,  S.  51. 


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40 


Umlaserung  umgeben,  wie  aus  dem  steilen  Einfallen  des  Syenits  unter 
den  IMilner  an  verschiedenen  Stellen  hervorgeht.  Itei  Coschütz  und  ebenso 
bei  Döltzschen  liegt,  wie  Profil  2 darstellt,  der  Carinaten- Pläner  über 
dem  Carinaten -Quader  und  wird  von  ihm  durch  mächtige  Conglomerate 
getrennt.  Der  Quader,  der  den  S)'enit  überlagert  und  sich  nach  W an 
dessen  Böschung  auskeilt,  wird  durch  ganz  schwache  Conglomeratschicliten 
in  drei  Bänke  gesondert,  deren  oberste  eine  rasch  wechselnde  Mächtigkeit 
besitzt.  Dieselbe  zeigt  zugleich  stellenweise  discordante  Parallelstructur 


Fig.  2. 

</c  ßiC 


Profil  durch  das  dem  Syenit  aufgelagerte  Cenoman  von  Coschütz 
am  Plauenscheu  Gründe  hei  Dresden. 


S — Syenit,  qc  = (’arinaten-Quadcr,  bei  y einen  Descensionsgang,  den  sogenannten 
Muschelfels  von  Coschütz  bildend,  k c = Conglomerat,  p c = Carinaten  - Pläner. 

und  führt  häufig  Petrefacten,  von  denen  Kudisten  am  interessantesten 
und  gar  nicht  selten  sind.  Von  solchen  fanden  sich  KadioUtes  Saxoniae 
Rüm.  und  liadioUtes  Oermari  üein.,  ausserdem  Patella,  radioUtarum  Gein. 
und  Aledrijonia  carinata  Lam.  Exemplare  von  Inoceramus  striatus  Mant. 
kommen  in  grosser  Menge  nesterweise  vor.  Das  über  dem  Quader 
liegende  grobe  Conglomerat  nimmt  nach  oben  hin  kalkiges  Bindemittel 
auf,  worin  sich  Ostrea  hippopodium  Nilss.  fand.  Noch  höher  geht  es  in 
eine  kalkige,  überaus  harte  Muschel breccie  über,  was  sich  auch  am 
gegenüberliegenden  Thalrande,  an  der  Str.asse  nach  Döltzschen,  beobachten 
lässt.  Die  Schalen  der  Muscheln  sind  vollständig  zertrümmert,  nur  hie 
und  da  kann  man  zwischen  den  unbestimmbaren  Fragmenten  den  Quer- 
bruch eines  CVdam- Stachels  vesindosu),  zuweilen  auch  einen  Pecten 
cf.  doni/ahts  entdecken.  Der  nun  folgende  Pläner  ist  in  dicke  B.änke 
geschichtet,  die  theils  sandig,  theils  so  k.alkreich  sind,  dass  sie  früher 
behufs  Kalkgewinnung  gebrochen  und  gebrannt  wurden.  Er  ist  arm  an 
organischen  Resten  und  lieferte  nur  Aleefnjonia  carinata  Lam.,  Vola 
notabilis  Münst.  mit  ausgezeichnet  erhaltener  OberHächenskulptur  und 
unbestimmbare  Inoceramus-  und  Spondi/lus-lle&ta.  Das  K.  Mineralogisch- 
geologische Museum  zu  Dresden  bewahrt  aus  dem  „unteren  Pläner  von 
Coschütz“  einen  Inoceramus  stnatus  Mant.  und  einen  Pecten  memhranacens 
Nilss.,  die  dem  Gesteinshabitus  nach  zu  schliessen  aus  den  kalkreichen 
Bänken  dieses  Pläners  stammen.  Verniuthlich  und  nach  Analogie  mit 
benachbarten  Vorkommnissen  grilT  dieser  Carinaten -Pläner  früher  von 
hier  ans  über  die  jetzt  zu  Tage  ansstreichenden  Conglomerate  und  Sand- 
steine weg  und  lagerte  dann  direct  auf  dem  Syenit  der  westlich  an- 
stossenden  Kuppe  auf.  Die  uni-egelmässige  Lagerung,  insbesondere  auch 
das  abnorme  nach  OSO  gerichtete  Einfallen  der  Schichten  erklärt  sich 
durch  mantelförniige  Auflagerung  auf  den  Syenit,  der  dort,  wie  mati 
wiederholt  beobachten  kann,  eine  verschiedentlich  auf-  und  absteigende 


^ioogle 


41 


Oberfläche  besitzt,  auf  deren-  tiefer  liegenden  Stellen  der  Quader  zur 
Ablagerung  gelangte,  während  auf  den  Einporragungen  nur  der  Pläner 
liegt.  Nuturgcmäss  wurden  locale  Klüfte  und  kesselartige  Vertiefungen 
des  Syenituiitcrgiundes  ini  Pereiche  des  Quaders  von  letzterem  ausgefüllt, 
so  dass  gangartige  Descensionen  entstanden,  wie  der  Coschützer  Muschel- 
fels vielleicht  eine  solche  vorstellt. 

Nur  in  der  Nähe  von  Coschütz  und  Döltzschen  wird  der  Carinaten- 
Pläner  von  Syenitconglonieraten  unterlagert,  weiter  nach  Westen  treten 
Mergel  an  ihre  Stelle.  Auf  den  Carinaten- Pläner  folgt  bei  Döltzschen 
und  Plauen,  und  zwar  durch  eine  zweite  Mergelschicht  getrennt,  der 
Labiatus- Pläner. 

In  übersichtlicher  Zusammenstellung  ergiebt  sich  hieraus  für  die 
Oegend  südlich  und  westlich  von  Dresden  folgendes,  demjenigen  von  Dohna 
ganz  analoge  Profil: 

4.  Dabiatus-Pläner, 

Zwischenniittel:  Mergel. 

3.  Carinaten- Pläner, 

Zwischenniittel:  Conglomerat  und  Muschelbreccie,  sonst 
Thon. 

2.  Carinaten-Quader,  local  auf  dem  Syenitrücken  fehlend. 

1.  Crednerien-Stufe,  local  fehlend. 

Das  Voretehende  lehrt,  dass  in  der  ganzen  bisher  betrachteten 
(legend,  in  der  das  Cenoman  am  vollständigsten  entwickelt  ist,  zwei  ver- 
schiedene thonige  Zwischenmittel  auftreten,  das  eine  liegt  im  Cenoman 
und  trennt  den  Carinaten-Quader  vom  Carinatcn-Pläner,  das  zweite  bildet 
die  (irenze  zwischen  Cenoman  und  Turon,  gehört  aber  bereits  dem  Turon 
an.  Dei  Vergleichung  von  an  verschiedenen  Orten  diesen  beiden  thonig- 
inergeligen  Schichten  entnonnnenen  Proben,  wobei  besonders  deren  Oehalt 
an  Sand,  Kalk,  Glimmer  und  Glaukonit  berücksichtigt  wurde,  konnten 
keine  durchgreifenden  Unterschiede  zwischen  beiden  Schichten  gefunden 
werden.  Jedenfalls  aber  ergiebt  sich,  dass  man  aus  der  Trennung  des 
Carinaten- Quaders  und  Plänersandsteins  auf  der  Goldenen  Höhe  durch 
eine  Thonschicht  allein  noch  nicht  schlicssen  darf,  dass  letzterer  zuin 
Turon  gehört. 

Ferner  wurde  gezeigt,  dass  nirgends  in  der  besjirochenen  Gegend  das 
Turon,  sei  es  als  (juader  oder  als  Pläner  entwickelt,  direct  auf  dem 
Carinaten-Quader  liegt.  Vielmehr  besteht  die  Heihenfolge  der  Schichten 

im  Plänerareal  (Dohna,  Plauen,  Leutewitz): 

Labiatus- Pläner, 

Carinaten  - Pläner, 

Carinaten  - Quader ; 

im  Plänersandsteinareal  (Zwirtschkau,  Langenhennersdorf, 
Eiland): 

Labiatus  - Quader, 

Carinaten  - Plänersandstein, 

Carinaten  - Quader. 

Da  nun  auf  der  Goldenen  Höhe  der  Plänersandstein  direct  über 
Carinaten-Quader  liegt,  so  ergiebt  sich  mit  zwingender  N'othwendigkeit, 
d.ass  auch  dieser  I’länersandstein  1.  dem  Cenoman  angehört. 


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42 


2.  eine  Faciesbildung  des  Carinaten-Pläners  ist.  Sein  Gesteins- 
habitus und  seine  Fossilien  stehen  damit  völlig  im  Einklang. 

Der  Plänersandstein,  der  auf  der  Prinzenhöhe  und  Goldenen  Höhe, 
ferner  von  hier  bis  nach  Sobrigau  und  Lockwitz  den  Carinaten- Quader 
überlagert,  ist  in  dicke  Bänke  geschichtet.  Auf  der  Prinzenhöhe  zählt 
man  deren  vier  von  je  ca.  1,5  m Mächtigkeit,  bei  Cunnersdorf  sechs  von 
geringerer  Stärke.  Der  Sandstein  ist  sehr  feinkörnig,  reich  an  thonigem 
Bindemittel,  mürbe,  porös  und  daher  auffallend  leicht.  Er  ist  entweder 
schwach  bräunlich  gefärbt  oder  weiss,  und  dann  gewöhnlich  von  vielen 
kurzen  Streifen  oder  kleinen  Flecken  von  brauner  Farbe  durchsetzt;  ausser- 
dem führt  er  zahlreiche  weisse  Glimnierscliüppchen.  Auf  der  Goldenen 
Höhe  und  auf  der  Prinzenhöhe  bemerkt  man  in  seinem  unteren  Niveau 
reihenweise  angeordnete,  von  lockerem  Sande  erfüllte  Höhlungen,  die  be- 
kannten Serpelhöhlen.  Kalk  ist  kaum  noch  nachweisbar.  Dieser  Umstand, 
sowie  die  Porosität  des  Gesteins  und  das  Vorhandensein  der  Höhlungen, 
deutet  darauf  hin,  dass  der  Kalkstein  durch  Auslaugung  seines  kalkigen 
Bindemittels  verlustig  gegangen  ist.  Die  kohlensäurehaltigen  Wässer,  die 
auf  (len  Kalk  lösend  wirkten,  griffen  auch  den  Quarzsand  au,  doch  schied 
sich  die  Kieselsäure  wenigstens  zum  Theil  bald  wieder  aus,  indem  sie  die 
berpeln  verkieselte,  sich  zuweilen  an  die  Stelle  der  eingeschlossenen  Kalk- 
schalen  der  Brachiopoden  und  Zweischaler  setzte  oder  in  kleinen  Krystall- 
aggregaten  auskrystallisirte.  Denn  die  wasserhellen,  scharfkantig  aus- 
geliildeten  Quarzkryställchen,  die  man  nicht  selten  im  Serpelsande  findet, 
können  nichts  anderes  als  derartige  Neubildungen  sein.  Der  Gesteins- 
habitus entspricht  also  durchaus  demjenigen  des  S.  39  beschriebenen 
Plänereandsteins  von  Zuschendorf  und  Liuclenthal  südöstlich  von  Dohna, 
welcher  letztere  auch  von  Beck  als  sandige  Facies  des  Carinaten-Pläners 
betr.aehtet  wird.  Zwar  sind  den  Serpelhöhlen  ähnliche  Gebilde  dort  noch 
nicht  beobachtet  worden,  aber  auch  im  Gebiet  südlich  von  Dresden  sind 
sie  nicht  überall  vorhanden  und  fehlen  z.  B.  im  Steinbruch  bei  Cunners- 
dorf völlig.  Da  der  Carinaten -Pläner  nicht  selten  ein  rein  klastisches, 
fast  kalkfreies  Gestein  ist,  sind  ihm  die  Plänersandsteine  von  der  Goldenen 
Höhe  auch  habituell  etwas  ähnlich. 

Die  Zahl  der  früher  aus  diesem  Plänersandstein  bekannten  Fossilien 
ist  sehr  gering.  Beck*)  führt  nur  Serpula  gordiaU$  Schloth.  an  und 
nennt  den  Samlstein  sonst  fast  versteinerungsleer.  Er  erwähnt  jedoch,  dass 
Günil)el  hier  Protocardiim  hiUanum  Sow.  und  eine  .-IrfcMte  cf.  anomala 
fiow.  gesammelt  habe.  Nachdem  es  uns  vor  einigen  .Tahren  gelungen  war, 
im  Steinljruch  auf  der  Prinzenhöhe  einige  Fossilien  in  dieser  Schicht  auf- 
zufinden,  l)esuchten  wir  seit  Sommer  1897  die  Steinbrüche  dieser  Gegend 
behufs  Aufsammlung  organischer  Reste  regelmässig,  von  denen  uns  bis 
jetzt  folgende  bekannt  geworden  sind: 

Micrabacia  coronulu  Goldf  sp.  2 Exemplare.  Steinbruch  bei  Cunnersdorf. 
ücrpitla  yordialis  Schloth.  lih.  Kommt  nicht  nur,  ebenso  wie  die  folgende 
Art,  in  den  Serpelliöhlen,  sondern  auch  einzeln  im  Sandstein  zerstreut 
vor.  Cunnersdorf,  Prinzenhölie,  llorkenberg,  Welschhufe,  Boderitz. 

— S(pknisuk(tta  Reich,  hb.  Aus  denselben  Orten. 
rioconcgphia  pertusa  Gein.  s.  ln  den  Serpelliöhlen  der  Prinzenhöhe. 

*)  Erläiiteningen  Sect.  Kreisclia.  .S.  7i>. 


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Cihrospongia  heteromorpha  Gein.  ss.  Ebendaher. 

Holdster  mborhimlaris  Defr.  s.  Nesterweise  zusammengeschaart,  von  der 
Prinzenhöhe. 

Terebratula  jihaseolina  Lani.  hh.  Cunnersdorf  und  Prinzenliöhe. 
Rhynchonella  compressa  Lam.  ss.  Prinzenhöhe. 

Exogtjra  columba  Lam.  s.  Horkenberg. 

— haliotoidea  Sow.  h.  Cunnersdorf  und  Prinzenhöhe. 

— lateralis  Nilss.  ss.  Prinzenhöhe. 

Pecten  membranaceus  Nilss.  hh.  Cunnersdorf  und  Prinzenhöhe. 

Vola  notabilis  Münst.  h.  Cunnersdorf  und  Prinzenhölie. 

Lima  pseudocardium  Kss.  s.  Prinzenhöhe,  Cunnersdorf. 

Lima  cenomanense  d’Orb.  h.  Cunnersdorf,  Boderitz,  Prinzenhöhe,  Ilorken- 
berg. 

Unna  cretacea  Schloth.  ss.  Prinzenhöhe. 

— decussata  Goldf.  s.  Cunnersdorf,  Prinzenhölie. 

Avicula  anomala  Sow.  Cunnersdorf. 

Inoceramus  striatus  Mant.  hh.  Bei  Cunnersdorf,  auf  der  Prinzenhölie  und 
am  Ilorkenberge  fanden  sich  eine  grössere  Zahl  von  Exemplaren,  die 
sicher  zu  dieser  Species  gehören.  Nessig*)  will  im  Plänersandstein 
von  Cunnersdorf  ein  Exemplar  von  Inoceramus  labiatus  Schloth.  ge- 
funden haben.  Wir  hingegen  sind  geneigt,  dasselbe  zu  I.  striatus 
zu  stellen,  üeberhaupt  gelang  es  uns  nicht,  1.  labiatus  in  diesem 
Plänersandstein  nachzuweisen;  allerdings  besitzen  wir  ein  Exemplar, 
das  wir  seiner  Unvollständigkeit  halber  nicht  zu  bestimmen  wagen, 
das  aber  allenfalls  I.  labiatus  sein  könnte. 

Area  glabra  Park.  s.  Prinzenhöhe. 

Eriphgla  lenticularis  Sow.  ss.  Cunnersdorf. 

Hierzu  käme  nach  Gümbel**)  noch  Protocardium  hillanum  Sow.  sp. 
Die  Fauna  besitzt  einen  ausgesprochenen  cenomanen  Charakter,  wenn 
auch  einzelne  Arten  derselben  in  höhere  Stufen  hinaufsteigen.  Das  einzige 
Fossil,  das  auf  Turon  hindeutet,  ist  Pintia  cretacea  Schloth.,  doch  ist 
diese  bereits  anderwärts***)  im  Cenoman  gefunden  worden,  und  auch  bei 
Hetzdorf  in  Sachsen  ist  ihr  Vorkommen  im  Carinaten-Quader  wahrscheinlich. 
Sollte  es  noch  gelingen,  Inoceramus  labiatus  Schloth.  in  diesem  Pläner- 
sandstein nachzuweisen,  so  würde  auch  dieser  Fund  nicht  im  Stande  sein, 
die  Bestimmung  dieses  Horizontes  als  Cenoman  zu  ändern,  denn  Söhlef) 
hat  auch  diese  Art  bereits  im  Cenoman  beobachtet. 

Zum  Vergleiche  und  zur  Erhärtung  des  cenomanen  Alters  des  Pläner- 
sandsteins der  Prinzenhöhe  mag  die  Fauna  eines  Aufschlusses  heran- 
gezogen werden,  dessen  cenomanes  Alter  auf  Grund  seiner  Verbands- 
verhältnisse und  Verstoinerungsführung  nicht  zu  bezweifeln  ist.  In  der 
nordöstlich  von  Alt-Coschütz  gelegenen  Seitenschlucht  des  l’lauenschen 
Grundes  war  eine  Zeit  lang  ein  sehr  mürber,  feinkörniger  und  glauko- 
nitischer  Sandstein  entblöst,  der  voraussichtlich  dem  Carinaten- Pläner 

•)  Geologische  Excursionen  in  der  Umgehnng  von  Dresden.  Dresden  1898,  S.  151. 

••)  1.  c.  S.  53. 

•*•)  Sohle;  Geognostische  Anfnainne  des  Laberirebirgcs.  Geognostiwhe  .lahresbefie 
Bd.  IX,  S.  37.  — Nötling:  Fauna  der  balli.seben  (Vnoiuaiigesehiebe.  Damesn.  Kavser. 
Pal.  Abh.  II,  1885,  S.  205. 

t)  I.  c.  S.  38,  Taf  4.  Kiu;  4. 


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eingeschaltet  ist.  Er  führt  eine  der  oben  aufgezählten  Fauna  des  Pläner- 
sandsteins von  der  Goldenen  Höhe  etc.  in  hohem  Grade  gleichende  Thier- 
welt, nämlich : 

Vhcnendcpora  undniatii  Mich.  ss. 

Micrahacia  coronula  Goldf.  s. 

Pijgaster  truncatus  Ag.  ss. 

Ciilaris  vi  i<iciiIosa  Goldf.  ss. 

Serpula  gordialis  Schloth.  hh. 

— septem.iuhata  Ueicli.  hh. 

lihynchonella  compressa  Lani.  s. 

Exoggra  haliotoidca  Sow.  h. 

— sigmoidea  Kss.  h. 

— culumba  Lam.  s. 

J\‘cten  mevtbranacens  Nilss.  h. 

— clongatus  Lam.  s. 

— airvatiis  Gein.  s. 

Vola  notahilis  Münst.  h. 

Lima  Ix’cichenhachi  Gein.  ss. 

— pseudocardium  Kss.  h. 

— cmomatmuis  d’Ürb.  h. 

Inoceramm  striatiis  Mant.  h. 

Pinna  decnssata  Goldf.  ss. 

Avictda  anomala  Sow.  h. 

— Eoxellana  d’Ürb.  ss. 

Modiola  Vottae  Köm.  ss. 

Ammoniten  ManteUi  Sow.  ss. 

und  Zapfen  von  Sequoia  Eekhenhuchi  Gein.  ss. 

Die  grosse  Aehnliehkeit  dieser  Fauna,  die  sich  auch  in  der  relativen 
Häufigkeit  einzelner  Arten  zeigt,  mit  derjenigen  des  Plänersandsteins  von 
der  Goldenen  Höhe,  Prinzeidiöhe  und  Cunnersdorf,  beweist  die  Zugehörig- 
keit des  letzteren  zum  Cenoman. 

Ist  aber  das  cenomane  Alter  des  Plänersandsteins  auf  der  Goldenen 
Höhe,  Prinzenhöhe  und  Cunnersdorf  erwiesen,  so  kann  auch  kein  Zweifel 
darüber  bestehen,  dass  er  ebenso  wie  der  Pliinersandstein  von  Zuschendorf 
ein  Aeipiivident  des  Carinaten- Pläners  ist,  wenn  auch  Alcctrgonia  carinata 
laiiii.  bis  jetzt  noch  nicht  in  demselben  nachgewiesen  worden  ist.  Der 
Plänersandstein  allein  ist  es,  der  nach  Norden  zu  allmählich 
in  Pläner  übergeht,  er  allein  hat  zwei  verschiedene  Facies, 
der  Quader  dagegen  erstreckt  sich  als  solcher  unter  ihm 
weiter,  ohne  diesem  Facieswechsel  unterworfen  zu  sein.  Der 
allniäldiche  IJebergang  des  Plänersandsteins  in  Pläner  lässt  sich  auch 
tbatsäehlich  verfolgen,  insbesondere  wenn  man  im  Auge  behält,  dass  der 
eigentliche  Plänerkalk  immer  nur  in  Form  einzelner  Bänke  oder  Knollen 
zwischen  mehr  sandige  Schichten  eingelagert  vorkommt,  welche  letztere 
man  gewöhnlich  ebenfalls  Pläner  nennt,  wenn  es  auch  richtiger  wäre,  sie 
als  Plänersandsteiu  zu  bezeichnen,  da  weder  chemisch  noch  mikroskopisch 
t'alcit  in  ihnen  nachweisbar  ist. 

Allerdings  beobachtet  man  von  der  Prinzenhöhe  über  Cunnersdorf  in 
der  Kichtung  auf  Coschütz  wandernd,  dass  sieh  auch  der  Carinaten- 
Qu.ader  in  seinem  Habitus  dem  Pläner  nähert,  indem  er  immer  feinkörniger 


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wird.  Er  geht  bei  Cunnersdorf  in  ein  Gestein  über,  das  zwar  dem 
Plänersandstein  sehr  nahe  steht,  dem  aber  die  für  diesen  charakteristische 
dünnbanki»e  Schichtung  und  das  Vorkommen  von  Kalkknollen  fehlt. 
In  diesem  Uehergang  mag  mit  ein  Grund  zu  der  Annahme  Beck’s  gelegen 
haben,  dass  der  Carinaten -Quader  dem  Facieswechsel  unterworfen  sei. 
An  der  Ileidenschanze  bei  Coschütz  und  im  Untergründe  Dresdens  hin- 
gegen ist  der  Carinaten -Quader  wieder  grobkörnig.  Es  beweist  dies,  dass 
bei  Cunnersdorf  nur  eine  locale  Modification,  wie  sie  gerade  der  Carinaten- 
Quader  öfters  zeigt,  vorliegt.  Man  vergleiche,  um  sich  von  der  Häufig- 
keit dieser  Abänderungen  des  Carinaten-Quaders  zu  überzeugen,  nur  die 
in  ihrem  Habitus  grundverschiedenen  Gesteine  von  Malter,  Mobschatz, 
Oberau,  Reinhardtsgrimma,  Tyssa  und  anderen  Orten.  Da  von  Reck 
keine  Fossilien  aus  der  dem  Plänersandstein  ähnlichen  Modification  des 
Carinaten-Quaders  angeführt  werden  und  auch  Nessig*)  daraus  nur 
Hemiaater  mhlucunosm  Gein.  citirt,  mögen  unsere  Funde  kurz  erwähnt 
werden.  Rudolfs  Stoinbruch  bei  Cunnersdorf  lieferte:  Sequoia  Iteichen- 
bachi  Gein.  sp.,  Crihrospongia  heteromorpha  Reuss,  Ithj/ncliotieUa  com- 
jyressa  Lam.,  Aledrtjonia  larinuta  Lam.,  Mytilus  Nepiuni  Goldf.  und 
Ammonites  Mantelli  Sow.  Aus  Mauls  Steinbruch  bei  Cunnersdorf  besitzen 
wir  Inoceramus  sp.,  Mytilus  Neptuni  Goldf.  und  ebenfalls  Hemiaster 
suhlacunostts  Gein.,  von  Boderitz  endlich  Pinna  dcciissata  Goldf. 

Für  die  Lagerungsverhältnisse  der  Kreideforniation  südlich  von  Dresden 
ergeben  die  bisherigen  Untersuchungen  folgendes  schematische  Profil  3. 


Fig.  3. 


S = Syenitrikken  des  PlanensobPii  Grundes,  r = Kofhliefrendes,  qc  = Carinaten- 
Quader,  nic=  Mergel,  local  Conglomerat,  pc  = Carinaten-l’läner  nach  SlUl  übergehend 
in  Plänersandstein  pjc,  ml  = tnroner  Mergel,  pl  = Labiatus- Pläner. 


Der  Carinaten -Quader,  der  nördlich  und  südlich  vom  Syenitrücken  dem 
Rothliegenden  auflagert,  umgiebt  den  Syenit.  Durch  ein  thoniges  in  der 
Nähe  des  Syenits  als  Conglomerat  entwickeltes  Z\vischenmittel  (nie)  ge- 
trennt, folgt  auf  dem  Quader  das  jüngere  Glied  des  Cenoraans,  der 
Carinaten- Pläner,  der  nach  S in  Plänersandstein  übergeht.  Dem  Gipfel 
des  Syenitrückens  liegt  der  Carinaten- Pläner  allein  auf.  Ueber  letz- 
terem breitet  sich,  durch  eine  mergelige  Schicht  getrennt,  der  Labiatus- 
Pläner  aus. 

*)  L c.  S.  15z. 


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2.  Die  Gliedemng  des  Cenomans. 

Aus  dem  Vorstehenden  ergiebt  sich  für  die  Gegend  von  Dresden  eine 
Gliederung  des  über  der  nur  local  entwickelten  Crednerien -Stufe  folgenden 
Cenoinans  in  zwei  Zonen,  eine  ältere,  den  Carinaten-Quader,  und 
eine  jüngere,  den  Cariuaten-l’läner  und  Plänersandstein,  eine 
Theilung,  die  von  Geinitz  schon  längst  im  Princip  erkannt  war  und  die 
auch  auf  der  geologischen  Specialkarte  des  Königreichs  Sachsen  insofern 
zum  Ausdruck  gebracht  ist,  als  beide  Schichten  mit  verschiedener  Farbe 
eingetragen  sind.  Es  fragt  sich  nun  weiter,  ob  und  wie  weit  diese  Zwei- 
theilung auch  in  den  übrigen  Cenomanarealen  Sachsens  durchführbar  ist. 

Da  im  Gebiete  des  Tliaraudter  Waldes  im  Cenoman  bereits  zwei 
Schichtengruppen  unterschieden  werden,  indem  vom  Carinaten-Qu.ader 
ein  jüngerer  aus  glaukonitischem  Plänersandstein  bestehender  Complex 
abgeschieden  wurde,  ist  zunächst  zu  erörtern,  in  welchem  Verhältniss 
dieser  letztere  zum  Carinaten- Pläner  und  Plänersandstein  der  näheren 
Umgebung  Dresdens  steht.  Der  Umstand,  dass  dieser  glaukonitische 
Plänersandstein  dem  Carinaten-Quader  aufgelagert  ist  und  von  ihm  durch 
lockeren  Sand  oder  Sandstein,  hie  und  da  auch  durch  grobkörnige, 
conglomoratartige  oder  endlich  durch  thonige  Zwischenmittel  getrennt  ist*), 
macht  es  wahrscheinlich,  dass  hier  ebenfalls  die  sandige  Facies  des 
Carinaten- Pläners  vorliegt.  An  Fossilien  hat  dieser  Plänersandstein  bis- 
her nur  Cühiris  Sorigneti  Des.  und  Exoggra  cohimha  Lam.  geliefert**), 
denen  wir  noch  Exoggra  lateralis  Nilss.  und  Vribrofqiongia  isoplcura  Reuss, 
beide  aus  dem  Steinbruch  südlich  von  Gross-Opitz,  und  Chenendopora 
undulata  Mich,  von  Grülleuburg  hinzufügen  können.  Die  Serpelhöhleri 
liegen  hier  unter  dem  glaukonitischen  Plänersandstein  und  nicht  in  dem- 
selben  wie  auf  der  Goldenen  Höhe.  Den  wichtigsten  Aufschluss  hierüber 
bot  Knöbers,  leider  jetzt  ganz  verschütteter  und  ausgeglichener  Steinbrucli 
in  Iletzdorf,  der  von  Sauer***)  sorgfältig  auch  in  Bezug  auf  seine 
Fossilien  untersucht  worden  ist.  Nach  der  Häufigkeit  einzelner,  auch  in 
dem  Plänersandstein  der  Goldenen  Höhe  etc.  sehr  gewöhnlicher  Fossilien 
(Serpeln  und  Terehratula  phasrolina  Lam.),  sowie  nach  dem  Vorkommen 
von  Micrabacia  coronula  Goldf.  zu  schliessen,  hat  man  wohl  in  Sauer's 
Profil  dieses  Steiubruches  die  lockeren  Sand-  und  Sandsteinschichten  bis 
zu  den  Serpelhohlen  hinab  zur  oberen,  also  Plänersandstein-Stufe  des 
Cenonians  zu  ziehen. 

Die  glaukonitischen  Plänersandsteine,  die  im  Tharandter  Walde  weite 
Verbreitung  gewinnen,  erstrecken  sich  bis  in  die  Nähe  des  Zschoner  Grundes, 
wo  sie  bei  l’ennrich  aufgeschlossen  sind.  Ueber  dem  lehmigen  Sande  der 
von  Beckf)  erwähnten  Ziegelei  liegt  eine  Sandsteinbank,  die  ihrem 
Habitus  nach  völlig  mit  dem  Grünsandstein  des  Tharandter  Waldes 
ül)ereinstimmt.  Der  Sandstein  ist  wie  dort  stark  thonig,  daher  sehr  zähe, 
feinkörnig  und  von  gelblich-grauer  Farbe,  enthält  in  grosser  Zahl 
Glaukonitkörner  eingesprengt  und  bricht  in  dicken,  unebenen  Platten. 
Da  er  reich  an  organischen  Resten  ist,  Hessen  sich  bei  wiederholtem 
Besuch  folgende  Fossilien  aufsammeln; 

*1  ErläiUernngen  ,Scct.  Freibi'rg,  S.  48,  49. 

**)  Erläiitenuigiai  Sret.  Frtähorg,  S -17.  umi  KrlSiatcruagcn  .Hect.  Tliarantlt.  .S.  7.5. 

•*•)  ErlSufcrmigc'ii  Sect  Kreilwig.  ,S.  44. 

t)  Erlüiiteriiiigen  Si'c.t.  WilsilrulV,  .S.  iVl. 


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47 


Serpula  gordialis  Schloth.  h. 

— septemsulcata  Reicli.  h. 

Osirea  hippopodium  Sow.  ss. 

Kxogyra  haliotoidea  Sow.  s. 

— lateralis  Nilss.  hh. 

Vola  notabilis  Müust.  h. 

Fecten  memhranaceus  Nilss.  hh. 

— nov.  spec.  s. 

Lima  psettdocardiitm  Reuss.  s. 

— cefwmanensis  d'Orh.  h. 

Avicula  RoxeUuna  d’Orh.  s. 

— anomala  Sow.  s. 

Pinna  decussata  Goldf.  ss. 


Die  Fauna  zeigt  namentlich  durch  das  Vorkommen  vieler  Serpcln, 
der  Vola  notabilis  Münst,  des  Pecten  membranaceus  Nilss.  und  vor  Allem 
der  Lima  cenomanensis  d’Orb.  grosse  Üehereinstimmung  mit  der,  die  oben 
aus  dem  Plänersandstein  der  Goldenen  Höhe  etc.  raitgetheilt  wurde, 
weshalb  die  Zugehörigkeit  des  glaukonitischen  Plänersandsteins  zu  der 
durch  den  Plänersandstein  der  Goldenen  Höhe  und  den  Carinaten- Pläner 
gebildeten  jüngeren  Zone  des  Cenomans  nicht  zu  bezweifeln  ist. 

Sauer*)  hält  den  Plänersandstein  des  Tharandter  Waldes  für  eine 
Faciesbildung  des  Carinaten-Quaders,  da  der  erstere  am  Landberge  bei 
Tharandt  in  grosser  Mächtigkeit  auftritt,  während  der  letztere,  also  der 
Carinaten-Quader,  stark  reducirt  erscheint.  Es  lässt  sich  dies  aber  auch 
dadurch  erklären,  dass  sich  der  Plänorsaudstein  unter  dem  Schutze  der 
darüber  liegenden  Rasaltdecke  des  Landberges  in  grösserer  Mächtigkeit 
erhalten  konnte,  als  in  der  Umgebung,  wo  er  dieses  Schutzes  entbehrte. 
Berücksichtigt  man,  dass  der  C'arinaten-Pläner  bei  Uöltzschen  einen  fast 
25  m mächtigen  Schichtencomplex  bildet,  so  wird  man  die  Mächtigkeit 
von  30  m für  den  Plänersandstein  als  nicht  zu  gross  finden,  um  so 
weniger,  als  es  begreiflich  ist,  dass  sandige  Aequivalente  kalkiger  oder 
thoniger  Ablagerungen  mächtiger  als  diese  letzteren  sein  können,  was 
auch  in  anderen  Gegenden  beobachtet  wurde**).  Dass  aber  die  Mächtig- 
keit des  Carinaten-Quaders  gleichzeitig  sehr  reducirt  erscheint,  was,  wie 
oben  erwähnt,  z.  B.  auch  im  Untergründe  Dresdens  der  Fall  ist,  kann 
nicht  auffallen,  fehlt  er  doch  hei  dem  nahen  Gross-Opitz  gänzlich.  Es  ist 
dies  lediglich  durch  die  Contiguration  des  Bodens  zu  erklären,  auf  den 
sich  das  älteste  Glied  der  Kreide,  der  Carinaten-Quader  auflagerte, 
wodurch  die  Unebenheiten  des  Untergrundes  planirt  und  ausgeglichen 
werden. 

Auf  die  Verbandsverhältnisse,  nämlich  Unterlagerung  durch 
den  Carinaten-Quader  und  Trennung  von  ihm  durch  ein  thonig- 
sandiges  oder  conglomeratartiges  Zwischenmittel,  sowie  auf 
die  Fossilien  gestützt,  halten  wir  den  glaukonitischen  IMäner- 
sandstein  des  Tharandter  Waldes  ebenso  wie  den  Plänersand- 
stein der  Goldenen  Höhe  etc.  für  eine  sandige  Facies  des 
Carinaten -Pläners. 


*)  Krlänternnpfn  Sect.  Tliaranüt,  S.  76,  nmi  ErUinterntnrPn  Sect.  Freibortr,  S.  47. 

*•)  Vergl.  Zahalka;  lieber  die  stratiirraplii.icbe  Hedeutimgderliisi  lüUerllebergangs- 
»chii  bteii.  Jalirb.  d.  K.  K.  tieol.  Iteicbsaiist.  IH'.to,  S,  !K). 

«« 


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48 


In  den  übrigen  Verbreitungsgebieten  der  sächsischen  Kreide  ist  das 
Cenoman  niclit  in  der  Vollständigkeit  aufgeschlossen,  wie  in  dem  bisher 
behandelten  Gelände.  Immerhin  sind  aber  genügend  Anzeichen  dafür 
vorhanden,  dass  die  Zweitheilung  durchführbar  ist.  Im  Tunnel  von 
Oberau  füllt  ein  der  Carinaten- Stufe  angehöriger  Grünsandstein  die 
Klüfte  und  Aussackungen  des  Gneisses  aus.  Er  wird  von  Pläner  über- 
lagert, in  dem  Geinitz  unter  anderem  Inoceramus  striatus  Mant.  und 
Äctinocamax  pleniis  lilainv.  fand,  welche  beide  im  K.  Mineralogisch - 
geologischen  Museum  zu  Dresden  aufbewahrt  werden.  Diese  Funde  be- 
weisen, dass  die  untersten  Plänerschichten  des  Tunnels  noch  zur  Carinaten- 
Stufe  gehören  und  nur  die  oberen  Complexe,  in  denen  Sicgert*) 
JwocerawiMS  laifnfMS  Schloth.  nachwies,  zur  Labiatus- Stufe  zu  stellen  sind. 
Es  ist  somit  auch  hier  das  Cenoman  in  zwei  Horizonten  entwickelt,  einem 
unteren,  der  aus  dem  Grünsandstein  gebildet  wird,  und  einem  oberen, 
der  aus  dem  Carinaten -Pläner  besteht. 

Im  Gebiete  der  Sächsischen  Schweiz  ist  die  Zweitheilung  des  Cenomans 
bei  Eiland  und  Tyssa  nachweisbar.  Das  Profil  1 S.  33  zeigt,  dass 
zwischen  dem  Carinaten -Quader  und  dem  Labiatus -Quader  bei  Eiland 
ein  Plänersandstein  vorhanden  ist.  Auch  bei  lieitza  und  Tyssa  wies 
Schalch**)  an  mehreren  Stellen  im  Hangenden  des  Carinaten -Quaders 
und  im  Liegenden  des  Labiatus -Quaders  diesen  feinkörnigen,  mürben, 
stellenweise  glaukonitischen,  stellenweise  porösen  und  glaukonitfreien 
Sandstein  nach  und  fand  in  ihm  Micrahaciu  coronida  Goldf.  und 
Tercbratula  phaseolina  Lam.  Aber  auch  die  für  diesen  Horizont  höchst 
charakteristische  Z/fma  cenomanensis  d’Orb.  ist,  wie  an  einem  von  Schal ch 
geschlagenen  und  in  Leipzig  aufbewahrten  Handstück  dieses  Plänersand- 
steins zu  erkennen  ist,  vorhanden. 

Ist  somit  die  weite  und  allgemeine  Verbreitung  der  beiden  Abtheilungen 
der  Carinaten-Stufe,  als  der  unteren  des  Carinaten-Quaders  und  der  oberen 
des  Carinaten-Pläners  beziehentlich  seines  aequivalenten  Faciesgebildes, 
des  Pläuersandsteins,  nachgewiesen,  so  erübrigt  es  noch  hervorzuheben, 
auf  welche  Weise  sich  beide  Horizonte  faunistisch  unterscheiden.  Zwischen 
der  Fauna  des  Quaders  und  der  des  Pläners  besteht  allerdings  eine  be- 
deutende Verschiedenheit,  doch  ist  einleuchtend,  dass  diese  zum  gi'ossen 
Theil  auf  der  veränderten  petrographischen  Facies  des  letzteren  beruht. 
Zwischen  dem  Quader  und  dem  Plänersandstciu  ist  dieser  Unterschied 
naturgemäss  weit  geringer.  Immerhin  sind  beide  Schichten  durch  etliche 
Fossilien  gekennzeichnet,  von  denen  einige  sicherlich  keine  Beziehung  zur 
Facies  haben  und  darum  als  Unterscheiduugsmittel  werthvoll  sind.  Zu 
diesen  letzteren  gehört  vor  Allem  AcHnocamax  plenus  Blainv.,  der  als  dem 
Nekton  angchörig,  auch  in  einer  Quaderfacies  Vorkommen  könnte  und, 
wie  Funde  von  Belemniten  in  anderen  Gegenden  und  anderen  Formationen 
beweisen,  auch  vorkommt.  Trotzdem  fehlt  er  im  Carinaten-Quader,  also 
in  der  älteren  Abtheiliing  der  Carinaten-Stufe  durchaus,  während  er  in  der 
jüngeren  Abtheilung  derselben  wiederholt,  und  zwar  nicht  nur  im  Pläner 
von  Plauen,  Ocknrwitz  **♦),  Oberau  und  Dohna,  sondern  auch  im  Pläner- 


*)  Erläntomngen  Sect.  Eütz.’rfinntirnda,  .“J.  37. 
**)  Krläiileriingi-n  .Sect.  Koseiitlml,  S.  13  iiml  1.'). 
***)  Nc.<isig,  1.  c.  ,S.  159. 


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49 


Sandstein  von  Goppeln*)  gefunden  wurde.  Ebenso  ist  Cidaris  Sorigneti 
nur  aus  der  oberen  Däner-  und  Plänersandstein -Zone  des  Cenomans  be- 
kannt und  hierin  weit  verbreitet.  Dasselbe  gilt  für  Lhna  cenomanmsis 
d’Orb.  und  Micrabacia  coronula  Goldf.,  die  beide  noch  nicht  mit  Sicher- 
heit im  Carinaten-Quader  nachgewiesen  wurden.  Ferner  begegnet  man 
Pecten  metnbranaceus  Nilss.  und  Vola  notahilis  Münst.  gerade  in  der 
jüngeren  Zone  des  Cenomans  sehr  häufig,  im  Carinaten-Quader  da- 
gegen recht  selten.  Dieser  letztere  führt  jedoch  im  Gegensatz  zur 
Stufe  des  Carinaten- Pläners  und  Plänersandsteins  Ptcrocera  incerta 
d’Orb.,  Vola  aequkostata  Sow.,  Pecten  asper  Lam.  und  Pyyurus  Lampas 
de  la  Beche. 

Wir  bezeichnen  demnach  den  älteren  Coinplex  der  Carinaten-Stufo, 
also  den  Carinaten-Quader,  als  Zone  mit  Pecten  asper  und  Vola 
aequicostata,  den  jüngeren  dagegen,  also  den  Carinaten- Pläner  und 
Plänersandstein,  als  Zone  mit  Actinocamax  plenus  und  Cidaris 
Soriyneti.  Eine  genaue  Vergleichung  und  Parallelisirung  des  sächsischen 
Cenomans  mit  den  drei  ceuomaneu  Zonen,  die  Schlüter  in  Norddeutsch- 
land unterscheidet,  ist  ebensowenig  wie  in  anderen  Gebieten  der  „her- 
cynischen  Kreidebucht“  (Gümbel)  möglich,  da  die  für  diese  drei  Zonen 
charakteristischen  Fossilien,  nämlich  Ammonites  lihotomagensis  Brng., 
Aviada  grgphaeoides  Sow.,  Ilemiaster  Griepenkerli  Stromb.,  Holaster 
mliglobosus  Leske  und  andere  der  Kreide  Sachsens  vollständig  fremd  sind. 
Catopggus  carinatus  Goldf.  dagegen  wurde  bisher  nur  bei  Tyssa  und  zwar 
im  Carinaten-Quader  und  Ammoiiites  varians  Sow.  erst  einmal  bei  Meissen 
gefunden**),  ohne  dass  es  sicher  bekannt  wäre,  welchem  speciellen  Hori- 
zont des  Cenomans  er  entstammt.  Dahingegen  ist  das  Vorkommen  von 
Actinocamax  plenus  Blainv.  ausschliesslich  in  der  jüngeren  cenomanen 
Zone  Sachsens  für  die  Gliederung  des  Cenomans  von  grösster  Bedeutung, 
denn  dieses  Leitfossil  wurde  noch  nirgends  tiefer  als  in  den  jüngsten 
cenomanen  Complexen  gefunden.  Wird  doch  die  nach  ihm  benannte 
Zone  von  manchen  Geologen  (Hebert***)  und  Schlüterf)  bereits  als 
unterstes  Turon  aufgefasst.  In  der  That  beobachtet  man  in  dieser  Zone 
überall,  wo  sie  abtrennbar  ist,  eine  eigenthümliche  .Mischung  cenomaner 
und  turoner  Arten.  So  enthält  sie  in  Frankreich  Inoceramus  labiatus 
Schloth.  und  Terebratula  semiglobosa  Sow.,  in  Nieder -Schlesien  ff) 
RhgnchoneUa  Mantelliana  Sow.  und  plicatilis  Sow.  Auch  in  Sachsen 
zeigt  der  Actinocamax  plenus  Blainv.  führende  Horizont  gewisse  Auklänge 
an  das  Turon,  indem  in  ihm  einige  turone  Arten  auftreten,  was  nament- 
lich von  Pinna  cretacea  Schloth.,  Mutiella  liingmertnsis  Mant.,  Lima 
cenomanensis  d'Orb.  und  Natica  Oetüii  Sow.  gilt.  In  Frankreich  wurde 
die  Zone  des  Actinocamax  plenus  durch  Hebert  fff)  als  solche  erkannt 
und  durch  Barroisf*)  in  den  Departements  Marne,  Ardennes  und  Aisue 
nachgewiesen.  Später  wurde  dieselbe  auch  in  Aube,  Normandie,  Cham- 


•)  Geinitz:  Charakteristik,  .S.  42  und  liH. 

**j  (ieinitz:  Sitzungsberichte  der  Isis  1877,  S.  17. 

♦•*)  Bull,  de  la  Soc.  Ofnlug.  de  France,  3.  .Ser.,  Bd.  16,  S.  485. 
f ) Zeit.  d.  d.  geolog.  Oes.  1879,  Bd.  28,  S.  469. 
ff)  Williger;  Uie  Löwenberger  Kreidemulde.  Jahrb.  der  I’reuss.  geolog.  I.andes- 
anstalt  1881,  S.  69. 

Comptes  renilus  hebd.,  25.  Juni  1866. 

t*)  l.a  Zone  ä lielemnites  plenus.  Ami.  soc.  g4id  du  Nord.  Lille  187.5.  p.  14ti 


(ioogle 


50 


pagnc,  Ilaiiiout  und  liouloiiais  erkannt*),  bis  sie  Coquand**)  als  etage 
carentonien  noch  weiter  verfolgte  und  ihre  Aequivalente  auch  im  Süden 
Frankreichs  constatirtc.  Von  den  64  Arten,  die  Barrois  aus  seiner 
rienus-Zone  namhaft  macht,  kommen  folgende  22  auch  im  obersten,  von 
uns  als  Zone  mit  Actinocamax  plenus  und  Cidaris  Soriyncti  angesprocheneii 
Cenoman  Sachsens  vor: 

Pti/chodiis  mammillaris  Ag. 

Actinocamax  plenus  Blainv. 

Inoceramus  striatus  Mant. 

Vota  qiiiuquecostata  Sow. 

Pvden  curvatiis  Gein. 

— memhranaccus  Nilss. 

— laminosus  Mant. 

— (raüie^inei  d’ürh. 

— elongatus  Lam. 

Spondijlus  stii'alus  Goldf. 

Exoggra  haliotoidea  Sow. 

— sigmoidea  Ueiiss. 

— luteralis  Nilss. 

Serjiula  annidata  Sow. 

— amphisbnena  Goldf. 

Mugas  Oeinitzi  Schliinh. 

TcrehraluUna  striata  Schhith. 

Jilignclionelta  Mnnteltiami  Sow. 

— grasiana  d'Orh. 

Cidaris  vesicutosa  Goldf. 

Epiaster  distinctus  Ag. 

Micrahacia  coronula  Goldf. 

Nach  Barrois***)  sind  sechs  .\rten  für  die  Zone  des  Actinocamax 
plenus  höchst  charakteristisch,  von  ihnen  führt  der  entsprechende  Hori- 
zont t^achsens  Actinocamax  plenus  Blainv.  und  Magns  Oeinitzi  Schlönh., 
die  übrigen  vier  {Ostrea  Xatimanni  Keuss,  Plicatula  nodosa  Duj.,  71re- 
bratulina  rigida  Sow.  und  Vermicularia  umbonata  Sow.)  stellen  sich,  so- 
weit sie  in  Sachsen  überhaupt  bekannt  sind,  erst  in  weit  jüngeren  Schichten 
ein.  Coquand  f)  nennt  ausser  den  von  Barrois  angeführten  noch 
19  weitere  Arten  aus  der  Blenus-Zone;  von  ihnen  sind  im  cenomaneu 
l’läner  und  riänersandstein,  also  dem  wabrseheiulichen  Aequi valent  der 
genannten  Zone,  folgende  sieben  vorhanden: 

Ammunites  Mantelli  Sow. 

Cgprina  quadrata  d'Orb. 

Exoggra  columba  Lam. 

Alectrgonia  carinata  l.am. 

Rbgnchonelta  compressa  Lam. 

Cidaris  Oorigneti  Des. 

Discoidea  subuculus  Lam. 

*)  De  Lapimreiil:  Traite  de  geologio.  p 1156,  11.5H,  1162  und  116.3. 

**)  Evistence  de  l eingc  carentoiiien.  Uull.  sec.  geel.  de  Franee  111,  8,  187U  «0, 
p.  311. 

**•)  I.  c.  p.  187. 

I)  1.  c.  p.  315. 


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61 


Die  Uebereinstinimung  beider  Faunen  ist  demnach  beträchtlich,  und 
es  kann  daher  kaum  zu  bezweifeln  sein,  dass  der  Pläner  und 
Plänersandstein  der  Stufe  der  Alectrijonia  carhiata  in  Sachsen 
mit  der  Zone  des  Actinocamax  plenus  Frankreichs  zu  paral- 
lelisiren  und  somit  aus  dem  Gesammtcomplcxe  der  Carinateu- 
stufe  als  Zone  mit  Actinocamax  plenus  und  Cidaris  Sorigneti 
abzuscheiden  ist.  Dass  diese  letztere  aber  noch  dem  Cenoman,  nicht 
aber  dem  Turon  zugehört,  geht  daraus  hervor,  dass  sie  die  charakteristi- 
schen Leitfossilien  des  sächsischen  Cenomans,  nämlich  Ammonites  Man- 
telli  Sow.,  Nautilus  elegans  Sow.,  Peden  acumiuatus  (iein.,  Vola  phascola 
Lam.,  Inocernmus  sfrialus  Mant.,  Alectrgonia  carinata  Lam.  und  andere 
mit  dem  darunter  lagernden  Quader  gemeinsam  führt.  Auch  Barrois 
und  Coquand  rechnen  die  Zone  ä Belemnitcs  plenus  noch  dem  Ceno- 
man zu. 

Nach  Obigem  erhalten  wir  folgende 


Tabellarische  TJebersiebt  über  die  Stufe  der  Ostroa  carinata 

Sachsens. 


Sandsteinfacies. 

Plänerfacies. 

Klippenfacies. 

c5 

cö 

00 

"ut 

es 

Typus  Sächsische 
Schweiz. 

Typus  Dohna. 

Ty]ins  Kahlebuseh. 
cf.  S 63  u.  f. 

c 

O 

cS 

ü 

'O 

Plänersanilstciii 

IMilner 

M erg  ei,  Kalke, 

s 

von  Tvssa,  Eiliiml, 

von  Dolma,  I’lanen. 

M nschelbreccicn 



es 

o 

Zwirtsclikau,  (iol- 

l.eutewitz,  mit  Acti- 

vom  Kahlehnsch, 

s 

^ o 

(lenp  Hübe,  Cunners- 

nocartia.r  plenus, 

(lamighühel,  Hoher 

p 

X ® 
ei  tß 

(iorf  uud  Tlmrandf, 

Pecten  membrana- 

Stein,  1’l.anen,  mit 

s ‘g 
S cS 

mit  JcHiwcnmax 

ceus,  Vola  notabilis. 

Actinocamaj-  ple- 

-w 

Q 

pienug,  Linui  ceno- 

Ofitrea  carinatn. 

nus,  Oaslropoden, 

0) 

mmiensig,  Pecten 

Inoceranius  stria- 

Pecten,  Modiola, 

membranaceuH^ 

tu8f  Cidaris  Sorig^ 

zahlrciciiCMi  Ausfgrn 

3 

Vo/a  notabilig,  lno~ 

ncti. 

und  Ihacliiopoden, 

a 

ceramus  striatus. 

Cidaris  ISorigneti 

cj 

0) 

Ciilaris  Sorigneti, 

und  vesiculosa. 

s 

Micrabacin  coro- 

Stockkorallen  und 

nula. 

Spongien, 

0 

rH 

© 

n© 

— ’3 

r er 

Ouadersandstein 

von  lianncwitz.  Co- 

Sandstein  der 

Hl 

schütz,  im  Unlergrnndc  Dresdens,  Weissig, 
Dohna,  Malter,  Tjssa,  mit  Alectrgonia 

Klippenfacies  von 
larekwilz  u.  Oberau, 

i 'S  S 

carinata,  Vota  aequieostata  und  phascola, 

mit  Austern,  einigen 

m 

4> 

S fc. 

O 

CI* 

ee 

«e 

Pcctcn  ngpcTf  yautilus  eiegans. 

Gastrojyoden  und 
Cidaris  vesiculosa. 

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52 


S.  Vergleioh  der  Fauna  des  Carinaten -Pläners  mit  derjenigen  des 
Flänersandsteins. 

Wir  hatten  Eingangs  am  Quader  und  Pläner  der  Labiatus-Stufe  Be- 
obachtungen darüber  angestellt,  ob  die  petrographische  Facies  mit  gewissen 
Unterschieden  der  von  ihr  beherbergten  Fauna  Hand  in  Hand  gehe.  Während 
die  Labiatus-Stufe  zur  Prüfung  dieser  Frage  sehr  geeignet  war,  weil  in  ihr 
die  beiden  schroffen  Gegensätze,  Quadcrsaudstcin  und  Pläner,  repräsentirt 
sind,  gilt  dies  nicht  in  gleichem  Maasse  von  der  Plenus-Zone.  Der  Carinaten- 
Pläner  weist  zwar  einen  Wechsel  in  der  Facies  auf,  indem  er  in  Pläner- 
sandstein übergeht,  doch  stehen  sich  beide  nicht  so  direct  gegenüber,  wie 
Pläner  und  Quader.  Der  Plänersandstein  ist,  was  schon  der  Xaine  aus- 
drückt, dem  Pläner  viel  verwandter,  als  der  Quader  dem  Pläner,  er  stand 
ihm  früher  noch  näher,  als  es  uns  heute  erscheint,  denn  er  war  kalkig 
und  hat  seinen  Kalkgehalt  erst  nachträglich  verloren.  Es  ist  einleuchtend, 
dass  in  F'olge  dessen  kein  bedeutender  Unterschied  in  den  Faunen  beider 
Sedimente  zu  erwarten  ist. 

Zwar  kennt  man  aus  dem  Carinaten -Pläner  eine  beträchtliche  Zahl 
von  Fossilien,  doch  wurden  diese  meist  in  einer  ganz  eigenthümlichen, 
sofort  zu  behandelnden  F’.acies,  der  Klippenfacies,  gefunden,  und  dürfen 
deshalb  nicht  zum  Vergleiche  herangezogen  werden.  In  der  eigentlichen, 
in  continuirlicher  und  schwebender  Lage  zur  Ablagerung  gelangten  Pläner- 
facies  sind  bis  jetzt  wenig  organische  Reste  gefunden  worden,  von  denen 
nach  Beck,  Deichmüller,  Geinitz  und  Nessig  nur  folgende  anzu- 
führen sind. 

Actinocamax  i>lenus  Blainv.  s. 

Ammoniten  Manteüi  Sow.  s. 

— Xejdiini  Gein.  ss. 

Hustellitria  l^iikhisoni  Mant.  ss. 

Tiirritella  sp.  ss. 

Area  Gulliennei  d’Orb.  ss. 

Inoceramun  striatus  Mant.  h. 

Avicnla  glahra  Rss.  ss. 

Lima  pseudocardium  Rss.  ss. 

Vota  notahilis  .Münst.  s. 

Pecten  membranaccun  Xilss.  s. 

— curvatus  Gein.  ss. 

— elongatus  Lam.  8. 

Spondghts  truncatm  Lam.  ss. 

Exoggra  lateralin  Xilss.  s. 

Alectrgonia  carinata  Lam.  s. 

Terebratula  pliaseolhia  Lam.  h. 

— capillata  d’Arch.  ss. 

Terebrutidina  striaUda  Wahlbg.  s. 

Ehgnrhonella  comprensa  Lam.  s. 

Cidarin  vesiculona  Goldf.  ss. 

— Sorigneti  Dosr.  8. 

Segphia  inopleara  Rss.  ss. 

Serpida  septvmsidcata  Reich.  s. 

Vergleicht  man  mit  dieser  Fauna  diejenige,  die  S.  42,  44  und  47  aus 
dem,  dem  Carinaten-Pläner  aequivalenten  Plänersandstein  angeführt  wurde. 


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53 


so  fällt  wieder  die  vcrliältnissmässig  grössere  Zahl  von  Lamellibranchiaten 
in  den  sandigen  Schichten  auf.  Vor  Allem  ist  Inoceramus  striatm  Mant 
im  Plänersandstein  viel  häufiger  anzutreffen  als  ira  Pläner.  Auch  ^vurde 
Pinna  wiederholt  im  Plänersandstein,  aber  noch  nicht  im  Pläner  gefunden. 
Nur  aus  letzterem  sind,  wenn  auch  als  Seltenheit,  üastropoden  bekannt, 
Von  den  Terebrateln  lieferte  zwar  der  Pläner  mehrere  Arten , doch  ist 
auffälligerweise  Terebrahda  phaseolina  Lam.  im  Sandstein  häufiger,  wo- 
bei aber  in  Betracht  zu  ziehen  ist,  dass  hier  ein  nachträglich  entkalkter 
Plänersandstein,  aber  kein  eigenllicher  Quadersandstein  vorliegt. 

Wir  kommen  demnach  zu  dem  Resultat,  dass  sich  zwar 
zwischen  dem  Pläner  und  dem  Plänersandstein  der  Pläner- 
stufe  gewisse,  der  verschiedenen  petrographischen  Facies  ent- 
sprechende faunistische  Unterschiede  geltend  machen,  die 
denjenigen,  die  zwischen  Lahiatus-Pläner  und  -tjuader  be- 
stehen, analog  sind,  dass  sie  aber  noch  unbedeutender  sind, 
als  diejenigen  zwischen  diesen  letzteren  beiden  petrographisch 
viel  schrofferen  Gegensätzen. 


III.  Die  Klippenfacies  des  Cenoniuns. 

1.  Wesen  und  Charakteristik  der  Klippenfacies. 

Ueher  die  Verfolgung  der  Südwestküste  des  sich  von  Böhmen  aus 
nach  N und  NW  erstreckenden  ohercretaceischen  Meeres  genaue  Angaben 
zu  machen,  ist  namentlich  aus  zwei  Gründen  sehr  erschwert.  Erstens 
vollzog  sich  nach  Ablagerung  der  oberen  Kreide  und  zwar  voraussichtlich 
in  der  Mitte  der  Tertiärperiode  die  gewaltige  Dislocation,  aus  der  der 
böhmische  Steilabsturz  des  Erzgebirges  hervorgegangen  ist,  durch  welche 
grossartige  Verwerfung  der  Zusammenhang  der  nordböhmischen  Kreide- 
ablagerungen mit  denjenigen  der  Hochfläche  des  heutigen  F’.rzgehirges  und 
seines  N'ordabhanges  aufgehoben  worden  ist.  Zweitens  vernichteten  seit 
der  Ablagerung  und  Trockenlegung  der  am  weitesten  auf  das  Erzgebirge 
vorgeschobenen  cenomanen  Urednerien-Stufe  und  Carinaten-Quaders  bis  in 
die  Diluvialzeit  hinein  intensive  Denudationen  weite  Flächen  dieses  Com- 
ple.xes  und  liessen  nur  local  minimale  Lappen  als  Residua  derselben  zurück. 
Ein  solches  Beispiel  ist  der  auf  dem  Rücken  des  Erzgebirges  gelegene 
Schönwalder  Spitzberg,  auf  dem  sich  unter  dem  Schutze  einer  Basaltkuppe 
der  Carinaten- Quader  erhalten  hat,  und  der  mit  einem  zweiten  jenseits 
der  Karamhöhe  bei  Jungferndorf  gelegenen  Vorkommniss  desselben  Quaders 
die  einzigen  Lappen  auf  einer  Fläche  von  über  100  (jkm  vorstellt.  Ein 
anderes  weit  vorgeschobenes  Kreiderelict  sind  die  Kiese  von  Langen- 
hennersdorf hei  Freiherg,  die  10  km  von  dem  nächsten  Kreidecomplex, 
dem  des  Tharandter  Waldes,  entfernt  liegen.  Auch  dieser  letztere  zeichnet 
sich  durch  grosse  Zerrissenheit  aus  und  ist  noch  ziemlich  isolirt,  da 
seine  Flntfemung  vom  zusammenhängenden  Kreidegebiet  im  Minimum  4 km 
beträgt.  Gleichfalls  ganz  vereinzelte  Lappen  von  cenomanem  Quader  be- 
finden sich  mindestens  5 km  von  der  (irenze  des  geschlossenen  Kreide- 
areals entfernt  zwischen  Rabenau  und  Reinhardtsgrimma. 

Wenn  auch  in  Folge  dieser  vollständigen  Zerstückelung  und  theilweisen 
Vernichtung  jener  Sedimente  ohne  weiteres  keine  südwestliche  Uferlinie 
des  cenomanen  Meeres  zu  ziehen  ist,  so  ergieht  sich  doch  aus  den  fol- 


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genden  Beobachtuugen , dass  alle  diese  Ablagoningen  sieb  ganz  in  der 
Nähe  des  Strandes  vollzogen  haben  müssen,  wonacb  dieselben  wenigstens 
eine  ungefähre  Reconstruction  der  alten  Küste  gestatten. 

(ierade  am  Südrande  der  heutigen  Kreideresidua  ist  die  litorale 
Crednerien- Stufe  nicht  nur  am  häutigsten,  sondern  auch  am  besten  ent- 
wickelt, so  bei  Niederschöna,  Grüllenburg,  I’aulsdorf,  im  Wilischbachthal, 
im  Uahrethal,  bei  Langenhennersdorf  und  bei  Tyssa.  Innerhalb  des  ge- 
schlossenen Kreidegebietes  dagegen  ist  dieselbe  nur  bei  Leuteritz  und 
Dohna  vorhanden.  Der  Reichthum  dieses  Coinplexes  an  wohlerhaltenen 
Resten  der  Blätter  und  Früchte  von  Laubhölzern  weist  demselben  auf  das 
Bestimmteste  die  Uferzone  als  Ablagerungsgebiet  zu.  Ferner  nehmen  an 
diesem,  der  voraussichtlichen  Küste  des  cenomanen  Meeres  entsprechenden 
Südrande  der  Kreiderelicte  Conglomerate  ausserordentlich  weite  Verbreitung 
an,  sie  bilden  nicht  allein  die  Basis  der  cenomanen  Schichten,  sondern 
iinden  sich  auch  in  diese  eingeschaltet.  Ihre  (leschiebe  erreichen  Faust- 
grösse und  bestehen  meist  aus  Quarzit,  oft  auch  aus  silurischem  Kiesel- 
schiefer,  SchloUwitzer  Amethyst,  (^uarzporphyr  und  Gneissen,  welche 
sämmtlich  der  erzgel)irgischcn  HochUiiehe  entstammen  und  im  Beginn  der 
Cenomanzeit  von  dort  aus  der  nahen  Küste  zugefübrt  wurden.  Das  häuäge 
Auftreten  von  discordauter  l’arallelstriictur  in  den  Sandsteinen  des  Süd- 
randes, besonders  schön  am  (.iötzenbüsebgen*)  unweit  Rabenau  und  bei 
Niederschöna**),  sowie  das  \'orkommen  von  wohlerbaltenen  in  ilie  marinen 
Sandsteine  der  Carinaten-Stufe  eingeschwemmten  l’flanzenresten,  z.  B.  bei 
Malter  und  Welschhufe  veranschaulichen  ebenfalls  die  Nähe  der  Küste. 

So  lässt  sich  denn  mit  ziemlicher  Wahrscheinlichkeit  annehmen, 
dass  die  südwestliche  Grenzlinie  der  cenomanen  Ablagerungen  auf  der 
llocliHäclie  des  jetzigen  Erzgebirges  von  etwa  der  Nollendorfer  Gegend 
in  nordwestlicher  Richtung  südlich  von  Dipimldiswalde  vorüber,  und  von 
hier  aus  in  mehr  westliclier  Richtung  auf  Freiberg  zu  verlaufen  sei.  Von 
dieser  freilich  nur  ganz  im  Allgemeinen  reconstruirbaren  Küstenlinie  aus 
erstreckte  sich  das  Huche  cenomane  Meer  nach  Nord  und  Nordost.  In  der 
Nachbarschaft  jener  Küste  kam  zunächst,  voraussichtlich  als  Deltabildung, 
der  Complex  der  Crednerien-Stufe  zur  Ablagerung,  üeber  diesem  folgt, 
wie  gezeigt  wurde,  in  weiter  und  allgemeiner  Verbreitung  der  cenomane 
tjuader.  Durch  beide  Complcxe  erfolgte  eine  Flanirung  des  Meeresbodens, 
soweit  dessen  Erhebungen  keine  beträchtlichen  Maasse  erreichten.  Höher 
vom  Boden  aiifragende  Rücken  und  Kui)pen  des  felsigen  Meeresgrundes 
blieben  von  diesen  ältesten  Cenoman -Ablagerungen  unbedeckt,  da  auf 
ihren  Gipfeln  die  lockeren  Sande  meist  keinen  Halt  fanden.  In  Folge  dessen 
durchragen  erstere  den  altcenonianen  Com]dex  meist  vollständig,  in  zwei 
Fällen,  bei  Lockwitz  und  bei  Oberau  jedoch  nur  zum  grössten  Theil, 
so  dass  sich  dessen  hängendste  Schichten  über  diese  Emporragung  hinweg 
erstrecken. 

Anders  gestalteten  sich  die  Verhältnisse  in  der  nun  folgenden  oberen 
Stufe  des  Cenoman,  nämlich  im  Carinaten- l’läner  und  l’länersandstein. 
Nicht  nur  auf  den  erst  kürzlich  zur  Ablagerung  gelangten  QuaderHäcben, 
sondern  auch  auf  den  noch  von  Sedimv'nten  freien  Emporragungen  breiteten 
sieb  die  kalkig-tbonigen  Massen  des  l'läners  aus.  In  Folge  -der  durch 

*)  Beck,  Krlänterungen  Sect.  Tharandt,  S. 

**J  Erläuterungen  Sect.  Freiljtrg,  S.  .ä5. 


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diese  felsigen  Pirhebungen  bedingten  örtlichen  Verhältnisse  kommt  inner- 
halb der  jüngeren  cenomanen  Stufe  eine  Localfacies  zur  Ausbildung,  welche 
an  die  Gehänge  und  Gipfel  dieser  submarinen  Erhebungen  gebunden  ist 
Sie  ist  es,  welche  wir  mit  Beck*)  als  „Klippenfacies“  bezeichnen.  Ihre 
Eigenart  giebt  sich  in  folgenden  Merkmalen  kund; 

1.  In  ihren  Niveauverhältnissen,  indem  die  hierher  gehörigen 
Sedimente  in  einem  höheren  Niveau  zur  Ablagerung  gelangt  sind,  als  die 
rings  um  diese  Klippen  verbreiteten,  aequivalenten  jungcenomanen  Schichten. 

2.  In  der  Lagerungsform  und  den  Verbandsverhältnissen, 
indem  die  Sedimente  der  Klippenfacies  verschiedentlich  gestaltete,  zum 
Theil  tief  eingreifende  Unebenheiten  der  Auflagerungsfläche,  als  Kessel, 
sack-  oder  spaltenartige  Vertiefungen  und  Taschen  ausfüllen.  Wie  charak- 
teristisch gerade  diese  durch  die  Unregelmässigkeit  des  Untergrundes  be- 
dingte Lagerungsform  für  die  Klippenfacies  ist,  erhellt  durch  die  That- 
sache,  dass  in  der  übrigen  allgemeinen  Verbreitung  der  cenomanen  Schichten 
eine  höchst  gleichmässige  und  continuirliche,  durchaus  schwebende  Lagerung 
herrscht.  Eine  solche  ist  zu  beohachten  z.  B.  an  der  Auflagerungsfläche 
des  Carinaten-tiuaders  auf  das  Rothliegende  bei  Cunnersdorf  unweit  Üresden, 
ferner  an  derjenigen  auf  Granit  von  z.  B.  Dohna,  Zwirtschkau  bei  l’irna 
und  Niedergrund,  endlich  auf  den  im  Contact  mit  Granit  in  Hornfelse 
umgcwandelten  Grauwacken  bei  Kauscha  unweit  Dresden. 

3.  In  ihrer  petrographischen  Ausbildung,  indem  die  Klippen- 
sedimente kleinere  oder  grössere  (ierölle  des  Untergrundes  in  beträcht- 
licher Zahl  in  sich  aufnehmen.  Diese  erreichen  zuweilen  einen  Durch- 
messer von  1 ni  und  stellen  dann  gewaltige  Rollhlöcke  \'or,  die  fast  stets 
wohl  gerundet  sind  und  augenscheinlich  ihre  Losreissung  und  Abrundung 
dem  Wogenschwall  der  einstigen  Untiefe  verdanken.  Ausserdem  beobachtet 
man,  dass  der  Pläner,  der  den  Klippen  auflagert,  meist  Glaukonit  in 
Gestalt  grösserer  Flecken  und  Flatschen  führt  und  dass  glaukonitische 
Substanz  auch  einen  Theil  der  Petrefacten,  sogar  gewisse  Gerölle  überzieht. 

4.  In  der  Fauna,  indem  die  Ablagerungen  der  Klippenfacies  durch 
das  Ueberwiegen  von  mit  Haftapparaten  ausgestatteten  und  dem  Unter- 
gründe aufwachsenden  Thierfornien,  insbesondere  massenhaften  Austern 
und  Spongien,  sowie  zahlreichen  stockbildenden  Korallen  charakterisirt  sind. 

Ganz  analog  gestalten  sich  die  Verhältnisse  im  Carinaten- Quader, 
dort,  wo  derselbe  wie  an  den  beiden  bereits  genannten  Stellen,  nämlich 
bei  Lockwitz  und  bei  Oberau,  ebenfalls  auf  die  Oberfläche  der  dortigen 
submarinen  Erhebungen  übergreift. 

Derartige  cenomane  Sedimente  vom  Charakter  der  geschilderten  Klippen- 
facies sind  auf  folgenden  Emporragungen  des  Litorals  bekannt: 

auf  dem  Syenitrücken,  welcher  sich  der  cenomanen  Küsten- 
linie  in  nordöstlicher  Richtung  vorlagert  und  jetzt  von  dem  tiefen 
Erosionsthal  der  Weisseritz  durclujuert  wird  und  zwar  bei  Plauen, 
auf  den  Emporragungen  des  sich  weiter  südöstlich  an- 
schliessenden Granitmassivs  am  Gamighübel,  hei  Kauscha  und 
bei  Lockwitz, 

auf  der  Porphyrkuppe  des  Kahlebusches  bei  Dohna, 
auf  dem  Granit  von  Zscheila  bei  Meissen, 
auf  dem  Gneiss  hoi  Oberau. 


■)  Erläuterungen  Sect.  Pirna,  S.  55. 


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Die  Verbältnisse,  wie  sie  sich  der  Beobachtung  auf  diesen  Vor- 
kommnissen der  Klippcnfacics  bieten,  sollen  im  Folgenden  ausführlich 
dargelegt  werden. 


2.  Besohreibung  der  Klippen faoies. 

a)  Die  Klippenfacies  auf  dem  Syenitrücken  bei  Plauen. 

Das  Meissener  Syenitmassiv  erstreckt  sich  von  Meissen  in  südöstlicher, 
also  Lausitzer  Richtung,  südwestlich  von  Dresden  vorüber,  und  bildet  hier 
einen  Rücken,  der  sich  zwischen  der  Elbthalwanne  und  dom  rothliegenden 
Döhlener  Becken  erhebt  und  der  von  der  Weisseritz  in  einem  tiefen  Thal, 
dem  Plauenschen  (irund,  durchschnitten  wird.  Nördlich  und  südlich  vom 
Syenit  verbreiten  sich,  wie  es  das  S.  46  initgetheilte  schematische  Profil 
Fig.  3 veranschaulicht,  die  Schichten  des  Rothliegenden.  Diese  werden 
vom  Carinaten- Quader  überlagert,  welcher  bis  an  den  Syenit  herantritl 
und  auch  noch  eine  Strecke  weit  auf  dessen  Böschung  übergreift,  üeber 
diesen  Quader  und  die  von  letzterem  unbedeckt  gebliebene  Gipfelzoiie  von 
Syenit  lagert  sich  der  Carinaten-Pläner,  wobei  er,  als  Klippenfacies 
ausgebildet,  die  Unregelmässigkeiten  der  Syenitoberfläche  ausfüllt,  und 
mannigfach  in  Taschen  und  Klüfte  desselben  eingreift,  Verhältnisse,  die 
an  den  Gehängen  des  Weisseritzthales  wiederholt  aufgeschlossen  und  zu 
beobachten  sind. 

Eine  deutliche  Vorstellung  von  diesen  Lagerungsverhältnissen  ergeben 
die  Aufschlüsse  an  der  Nordostböschung  des  Syenitrückens.  Bei  Rossthal 
wird  der  Carinaten-Pläner  von  einer  kleinen  Syenitkuppe  durchragt,  während 
der  Aufschluss  bei  Döltzschen  in  nur  600  m südöstlicher  Entfernung  zeigt, 
dass  hier  der  Syenit  ca.  25  m tiefer  liegt  und  zunächst  vom  Carinaten- 
Quader,  dann  von  Conglomerat  und  endlich  vom  Carinaten-Pläner  über- 
htgert  wird,  die  sich  demnach  sämmtlich  bis  auf  den  letzteren  in  der 
Richtung  nach  der  Rossthalcr  Kuppe  zu  an  den  Böschungen  des  Syenits 
auskeilen.  Die  gleichen  Verhältnisse  wiederholen  sich  von  Döltzschen  aus 

Fig.  4. 


(V'iltucbeo.  BegerburR.  IMauenirbcr  Grund. 

PC 

mc  ~ 


Diirchragung  der  unteren  cenomanen  Schichten  durch  den  Syenitrücken 
des  Plauenschen  Grundes.  Nur  die  hängendsten  Schichten  des  üarinaten- 
Pläners  greifen  als  Klippenfacies  entwickelt  Uber  den  Syenit  weg. 

S = Syenit,  (je  = Carina ten- Quader,  kc  = Conglomerat,  mc  = Mergel,  pc  — Cari- 
uatcu-Pläuer. 

in  nordöstlicher  Richtung  an  den  Gehängen  des  sich  hier  sanft  erhebenden 
Syenits  des  Plauenschen  Grundes.  Während,  wie  oben  gezeigt,  das  Cenoman 
bei  Döltzschen  noch  vollständig  entwickelt  ist,  greift  nur  sein  oberster 
Complex  auf  den  Syenitrücken  hinauf,  und  bedeckt  ihn,  als  Klippenfacies 
ausgebildet,  contiuuirlich,  sodass  an  den  beiderseitigen  Steilrändern  des 
Plauenschen  Grundes  unterhalb  der  Brauerei  zum  Felsenkeller  nur  die 


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vcrhältnissmiissig  schwache  Hülle  des  obersten  Cenoman  angeschnitten 
ist,  die  in  der  liegend  des  Hohen  Steins  in  voller  Mannigfaltigkeit  ihrer 
charakteristischen  Merkmale  an  verschiedenen  Tunkten  aufgeschlossen  ist, 
LagerungsverhiUtnisse,  die  das  Profil  4 veranschaulichen  soll.  Noch  weiter 
nach  Dresden  zu  beginnt  die  Syenitoberllächc  sich  wieder  zu  senken,  in 
Folge  dessen  nimmt  das  oberste  Cenoman,  also  der  Carinaten  - Pläner,  in 
gleichem  Schritte  fin  Mächtigkeit  zu,  nahe  an  der  Bienertstrasse  in  Plauen 
wurde  er,  den  Syenit  noch  direct  überlagernd,  erbohrt,  und  erst  beim 
Plauenschen  Lagerkeller  stellen  sich  zwischen  diesem  letzteren  und  dem 
Carinaten-Pläner  Vertreter  des  Carinaten-Quaders  ein. 

Aus  diesem  von  uns  hiermit  verfolgten  Profile  leuchtet  die  Thatsache 
klar  ein,  dass  auf  die  Erhebung  des  sycnitischen  Untergrundes  nur  der 
oberste  cenomane  Complex,  rings  um  diesen  Syenitrücken  aber  und  an 
seinem  Abfalle  das  gesammte  Cenoman  in  seiner  normalen  Entwickelung 
ausgebildet  ist.  Dass  aber  diese  schwache  Cenomanbedeckung  des  Syenit- 
rückens den  Habitus  einer  typischen  Klippenfacies  besitzt,  ergiebt  sich 
aus  den  folgenden  an  den  dortigen  Aufschlüssen  gemachten  Beobach- 
tungen. 

Den  schönsten  Einblick  in  die  der  Klippenfacies  des  Syenitrückens 
eigenthümlichen  Gebilde  bot  ein  Steinbruch,  der  am  Eingang  in  den 
Plauenschen  Grund  dicht  hinter  der  Gasanstalt  gelegen  ist  und  dessen 
prächtige  Profile  jetzt  leider  verschüttet  werden.  Die  Figur  5 vcranschau- 


Fig.  5. 


Auflagerung  des  Carinaten-l’läners  der  Klippenfacies  auf  den  Syenit 
ini  Steinbruch  hinter  der  Plauenschen  Gasanstalt 

S = Syenit,  p c = Carinaten-Pläner. 


licht  einen  Theil  der  felsig  zerrissenen  und  zerspaltenen  Oberfläche  des 
Syenits.  Man  gewahrt  in  diesem  verschiedene  tiefe  und  enge  Spalten, 
von  denen  eine  bei  einer  Breite  von  10 — 16  cm  nicht  weniger  als  H m 
tief  in  den  harten,  kaum  zersetzten  Syenitfels  hineinreicht.  Ausserdem 
weist  die  Oberfläche  noch  etliche  sackartige  oder  ganz  unregelmässig  ge- 
staltete Vertiefungen  auf,  die  mit  grobem  Geröll  erfüllt  sind.  Zahlreiche 
ganz  feine  Spältchen , die  nicht  immer  auf  der  Skizze  dargestellt  werden 
konnten,  durchsetzen  den  Syenit  am  Boden  dieser  Ausbuchtungen.  Daneben 
erheben  sich  steilwandige,  durch  die  Wogen  abgerundete  Buckel  und 
Kämme  bis  zu  mehreren  Metern  Höhe.  Alle  diese  Erscheinungen  ver- 
einigen sich  zum  Bilde  eines  rauhen  uiul  wilden  Klippenuntergrundes 


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des  cenomanen  Meeres.  Vervollständigt  wird  dasselbe  durch  die  An- 
häufung zum  Theil  gewaltiger,  dann  über  1 m grosser  Uollblöcke  des 
Syenits,  welche  sich  namentlich  in  den  Vertiefungen  zwischen  den  Einzel- 
klippen concentriren  und  jetzt  ein  ausserordentlich  grobes,  local  Riesen- 
Conglomerat  repräsentiren.  Ausser  diesen  Syenitgeröllen  fanden  sich  ganz 
vereinzelt  kleine,  ebenfalls  gut  gerundete  Geschiebe  von  anderen  Gesteinen, 
die  zum  Theil  einen  weiteren  Transport  durchgemacht  haben,  z.  B.  horn- 
steinartige aus  dem  Uothliegenden  stammende  Gerölle,  Kieselschiefer  und 
glaukonitiscber  Pläner  von  derselben  Beschaffenheit;'  wie  er  hie  und  da 
in  diesem  Bruche  ansteht.  Alle  diese  letzteren  waren  im  Gegensatz  zu 
den  Syenitgeschieben  von  einer  glaukonitischen  Hülle  umgehen.  Der 
diesen  Klippen  auflagernde  Pläner  weist  grosse  1—2  cm  messende  Fiat- 
scheu von  Glaukonit  auf  und  enthält  ausserdem  stellenweise  zahlreiche 
kleine  Glaukonitkörner,  sowie  einzelne  Schwefelkiespartikelchen  einge- 
sprengt. Unter  dem  Mikroskop  erw'eist  er  sich  vorwiegend  aus  Calcit 
und  Quarz,  ausserdem  spärlich  aus  Biotit,  Pyrit  und  Glaukonit  zusammen- 
gesetzt, neben  dem  man  noch  einzelne  Foraminiferen  gewahrt. 

Der  Pläner  ist,  soweit  er  die  Unregelmässigkeiten  des  Syenits  erfüllt, 
und  soweit  er  als  Conglomerat  entwickelt  ist,  ungescliichtet,  nach  oben 
zu  sondert  er  sich  in  einzelne  Bänke,  die  sich  ungefähr  der  Configuration 
des  Syenitbodens  anschmiegen,  deren  welliger  Verlauf  sich  aber  nach  oben 
beständig  verflacht  und  ausgleicht. 

Namentlich  als  Ausfüllung  der  Klüfte  und  Kessel  des  Syenits  enthält 
der  Pläner  viele  organische  Ueberreste  und  so  hat  dieser  Ort  eine  reich- 
h.altige  und  für  die  Klippenfacies  höchst  charakteristische  Fauna  geliefert, 
die  um  so  besser  bekannt  ist,  als  hier  ein  weit  grösseres  Stück  des  alten 
Meeresbodens  abgedeckt  und  durchforscht  worden  ist,  als  es  hei  allen 
anderen  Fundorten  innerhalb  der  Klippenfacies  der  ^äll  war.  Unter 
Benutzung  der  sehr  umfangreichen,  uns  in  dankenswerther  Weise  zur 
Bestimmung  überlassenen  Sammlung  des  Herrn  Ingenieur  Pohle,  Dresden, 
können  wir  folgendes  Verzeichniss  der  hier  vorgekommenen  Fossilien 
gehen: 

Dimorphastraca  parallela  Reuss  sp.  hh. 

iMÜmaeamlra  Fromenteh  Bölsche.  h. 


Thamnustrava  conferta  M.  Edw.  s. 

Cidaris  vesiculom  Goldf.  ss. 

lilnjyidionella  compressa  Lam.  hh. 

Tcrehmtula  hiplicaia  Sow.  h. 

— phaseoUnn  Lam.  h. 

Odrea  hippopodium  Nilss.  hh. 

AI(‘ctri/onia  carinata  Lam.  ss. 

— diluviana  L.  s. 

E.rogifra  lateraUs  Nilss.  hh. 

— sigmoidea  Reuss.  h. 

— haliotoidea  Sow.  hh. 

Spondglits  striutiis  Sow.  sp.  hh. 

l'ectv.n  lilwtomagensif!  d'tirh.  s. 

— clongatm  Lam.  h. 

— muminaius  Gein.  ss. 

Vola  dit/ilalis  Röm.  ss. 

Modioht  Cottae  Röni.  hh. 


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Modiola  cariUtoidcs  Gein.  s. 

— arcacea  Gein.  s. 

— irregulnris  Gein.  ss. 

Eriphi/la  striata  Sow.  sp.  ss. 

cf.  Protocardium  hillanum  Sow.  sp.  ss. 
Area  Galliennei  d’Orb.  s. 

— gtabra  l’ark.  sp.  8. 

Mutivlla  Ringmn-ensis  Mnnt.  ss. 

Cgprina  quadrata  d Orb.  ss. 

— trapezoides  Riim.  ss. 

Cardium  cenomanense  d’ürb.  s. 

— alternans  Ucuss.  s. 

Psammolna  Zitteliana  Gein.  h. 

cf  TurriMla  granidata  (iein.  ss. 

Plenrolomaria  plauensis  Gein.  s. 

— Gfinitzi  d'Orb.  ss. 

— sp.  SS. 

Natiea  pungens  Sow.  sp.  ss. 

Neritopsis  costidata  A.  Köln.  ss. 

— nodosa  (iein.  ss. 

Stidz7icria  cepacea  (iein.  ss. 

Trochus  Bimeli  d’Arch.  ss. 

Turbo  Geslini  d’Arcli.  s. 

Euchrgsalis  Luuheana  Gein.  ss. 

Vhemnitzia  Reussiana  (iein.  ss. 

Actinocamaa:  plenus  Blainv.  s. 

Gjgrhina  angiistidem  Keuss.  ss. 


Ausser  den  drei  erstgenannten  Stockkorallen  kommt  hier  nach  Nessig*) 
noch  eine  weitere,  nämlich  PsunmtoheUa  granidata  Ilölsche  vor. 

Auf  die  Eigenthiimlichkeiten  dieser  Klippenfauna  wird  später  ein- 
gegangen werden,  hier  soll  nur  auf  die  Häufigkeit  der  Austern,  Brachio- 
poden  und  der  Korallen,  sowie  darauf  hingewiesen  werden,  dass  fast 
alle  Arten  mit  Haftapparaten  ausgestattel  oder  dem  Untergründe  auf- 
gewachsen sind. 

Während  sich  bei  den  meisten  Petrefacten  die  kalkigen  Bestandtheile 
.aufgelöst  und  durch  (ilaukonit  ersetzt  haben,  ist  dies  nie  bei  den  Brachio- 
poden  und  selten  bei  den  Austern,  sowie  bei  manchen  Per.ten-  und  Modiola- 
Arten  der  Fall,  w.as  ganz  mit  analogen  von  Süss**)  mitgetheilten  Be- 
obachtungen übereinstimmt. 

Andere  sehr  schöne  Aufschlüsse  der  Klippenfacies  auf  dem  Syenit 
des  Plauenschen  Grundes  bietet  der  in  der  Nähe  dieses  Ortes  gelegene 
Kathssteinbruch,  in  dem  auf  einer  c.a.  120  m langen  Strecke  die  Auf- 
lagerung des  cenomanen  Pläners  auf  den  Syenit  ersichtlich  ist.  Wir  geben 
eine  Gesamratansicht  derselben  Eig.  6 und  zwei  Dctailprofilo  Fig.  7 und 
Fig.  8 (s.  nächste  Seite)  wieder,  die  ebenfalls  die  auffallend  unregelmässige 
Gestaltung  der  Syenitobertläche  veranschaulichen.  Der  sich  hier  nach  N 
senkende  Syenit  weist  auf  dieser  Linie  vier  buckelartige  Erhebungen  auf, 

*)  1.  e.  S.  122. 

•*)  Der  Bullen  der  Stadt  Wien.  18Ö2.  8.  112. 


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60 


Fig.  6. 


Auflagernng  des  Carinaten-PIKners  der  Klippenfacies  anf  den  Syenit 
im  KaMissteinbrnch  bei  Plauen. 


Fig.  6 Gcsammtprohl  der  Auflagemngsfläi  lip.  Fig.  7 und  Fig.  8 Spedali)rofile  der 
in  Fig.  (>  mit  * bezeicbncten  .Stellen.  S — .Syenit,  p c = Carinaten-Pläner. 


deren  Oberflächen  verschiedene  Vertiefungen  und  Spalten  zeigen.  Zwischen 
diesen  Buckeln  sind  local  üerüllansamralungen  aufgeschlossen.  Die  Syenit- 
geschiebe erreichen  nicht  die  gewaltige  Grösse  wie  im  vorigen  Steinbruche, 
stellenweise  sinken  sie  zu  solcher  Kleinheit  und  Beschaffenheit  herab,  dass  sie 
einen  Syenitgrus  darstellcn,  der  in  grosser  Menge  von  l’läner  eingeschlossen 
und  völlig  zersetzt  ist.  Der  l’läner  gleicht  demjenigen,  der  im  Steinbruch 
bei  der  Gasanstalt  ansteht,  völlig.  Auch  er  ist  in  Bänke  gesondert,  die 
sich  den  grösseren  Unebenheiten  des  Bodens  anschmiegen  und  sich  nach 
oben  ausgleichcn.  Zum  Sammeln  von  l’etrefacten  sind  hier  die  Verhält- 
nisse nicht  günstig,  immerhin  wurden  doch  einige  Gastropoden,  Beeten 
und  Brachiopoden  gefunden. 

Gegenüber  vom  Rathssteinbruch  liegt  das  Forsthaus,  neben  dem 
auch  noch  beute  die  Spaltenausfüllungen  sichtbar  sind,  die  Geinitz  im 
„Elbthalgebirge“  Bd.  I,  S.  13  abbildet  und  die  ihm  in  früherer  Zeit  eine 
Unmasse  verschiedenster,  vor  Allem  auch  winzig  kleiner  Fossilien  geliefert 
haben,  so  dass  Geinitz  von  einer  Uiliputfauna  spricht.  Ein  grauer  oder 
bräunlicher  Bläncr  mit  Glaukonittiecken  erfüllt  diese  Spalten.  Die  in 
denselben  und  zwischen  den  Conglomeratcn  eingescblossene  Fauna  war 
sehr  reich  an  Gastropoden  und  zwar  waren  sowohl  grosse  dickschalige. 


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61 


als  auch  eine  Menge  kleiner  Formen  vorhanden.  Ferner  fanden  sich 
zahlreiche  Austern,  Brachiopoden,  Seeigel  und  Seesterne,  Bryozoen  und 
einzelne  Stockkorallen. 


Kine  ebenfalls  sehr  reichliche  Ausbeute  an  Fossilien  im  Gebiet  der 
Klippcnfacies  wurde  früher  am  nahen  Hohen  Stein  gemacht.  Hier  be- 
findet sich  auf  dem  Gipfel  eines  Syenitbuckels,  auf  dem  der  „Frohberg’s 
Burg“  genannte  Thurm  steht,  eine  etwa  .3  ra  tiefe,  grosse  Einsackung, 
in  die  ein  gelblicher,  sehr  kalkreicher,  zahllose  Fossilien  einschliessender 
Mergel  eingelagert  ist.  Es  ist  das  diejenige  Stelle,  welche  Geinitz  im 


Fig.  9. 


„Elbthalgebirge“  Bd.  I,  S.  11  abbildet, 
und  von  der  wir  die  I’rofildarstellung 
Fig.  9 geben.  Vor  Allem  sind  Austern 
und  zwar  Exoyijra  haliotoidea  Sow., 
sigmoidea  Ileuss,  lateralis  Nilss.,  ferner 
und  zwar  nur  an  dieser  Stelle  in  solch 
grosser  Zahl  Alectnjonia  carinata  Lam. 
und  dütiviana  L.  häufig.  Auch  Stacheln 
und  Tafeln  von  Seeigeln  und  Seesternen, 

Zähne  von  Haifischen  und  vei-schiedene 
Gastropoden,  namentlich  grosse  Ceri- 
thien  und  Pleurotomarien  waren  hier 
sehr  gewöhnlich.  Ungefähr  60  m süd- 
lich von  dieser  Stelle  erhebt  sich  jen- 
seits des  Teiches  eine  niedrige  Syenit- 
wand, an  deren  oberem  Bande  die  Auf-  l’liinefs  als  Ausfüllung  eines  tie- 

lafreriint^fläclie  des  l^läners  deutlich  fen  Ivessels  im  Syenit  au  ,,I*roh- 
lagcrungsnacne  aes  i laners  aeutnen  jjurg«  östlich  vom  Plauen- 

autgeschlossen  ist.  Auch  hier  ist  eine  scheu  Grunde. 

ganz  ähnliche  Einsackung  wie  au  „Froh-  „ „ ,, 

berg  s Burg“  vorhanden.  Das  diese 

erfüllende  Material  hat  eine  mehr  sandige  Beschaffenheit  und  ist  stellen- 
weise hornsteinartig  silificirt.  Petrefacten,  namentlich  Austern  und  Cidaris- 
Stacbel  sind  auch  hier  in  grosser  Anzahl  vorhanden. 


Klippcnfacies  des  Carinaten- 


Am  Wege  neben  der  Begerburg  lässt  sich  gleichfalls  das  Eingreifen 
des  Cariuaten-Pläners  in  mehrere  enge  Spalten  des  Syenits  wahrnehmen. 
Dieselben  werden  theils  von  grauem,  kalkreichem  Pläner  mit  grossen 
Glaukonitfleckcn , theils  von  gelblichem  Hornstein  erfüllt,  welche  beide 
an  organischen  Besten  reich  sind  und  Cidaris  vesicidosa  Goldf.,  Ostrea 
hippopodium  Nilss.,  Exogijra  haliotoidea  Sow.  und  Pecten  elongatus  Ijani. 
lieferten.  — Noch  an  einigen  benachbarten  Stellen  des  Syenitrückens  sind 
diese  der  Klippenfacies  eigenthümlichen  Gebilde  aufgeschlossen,  doch  meist 
nicht  so  schön,  wie  an  den  beschriebenen  Orten,  oft  auch,  wie  am  oberen 
Bande  der  tiefen  Syenitbrüche,  nicht  zugänglich. 


b)  Die  Klippenfacies  auf  dem  Granitit  des  Gamighübels, 
bei  Kauscha  und  bei  Lockwitz. 

Zwischen  Kauscha  und  Leubnitz,  südöstlich  von  Dresden,  erhebt  sieb 
der  sich  unter  der  Kreide  ausbreitende  Granitit  zu  einer  kleinen  Kuppe, 
dem  Gamighübel*),  die  zwar  orographisch  wenig  auffiillt,  die  aber  doch 

*)  ?>läuternngen  Sect  Di-csilen,  S.  49. 


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62 


eine  beträchtliche  Emporragung  des  altcenoinanen  Meeresbodens  darstellt, 
denn  sie  durchragt  nicht  nur  den  gesaramten  Carinaten- Quader  und 
Carinaten-l’läner,  sondern  auch  noch  einen  Theil  des  turonen  Labiatus- 
riäners,  von  welchem  sie  rings  umgeben  wird.  Das  l’rofil  Fig.  10,  das 
unter  Benutzung  der  Aufschlüsse  der  Nachbarschaft  zusammengestellt  ist, 
veranschaulicht  diese  Lagerungsverhältnisse.  Auf  dem  Granitit  und  zwar 
in  Vertiefungen  seiner  Oberfläche  liegt  cenomancr  I’läner  und  ist  dem- 
nach hier  in  einem  höheren  Niveau  zur  Ablagerung  gekommen,  als  sogar 
die  turone  Labiatus-Stufe.  ln  der  etwa  1200  m westlich  vom  Gamighübel 
am  Wege  nach  Gostritz  gelegenen  Grube  ist  die  Auflageningsfläche  des 
Carinaten -Pläners  auf  dem  Carinaten -Quader  blossgelegt,  und  zwar  liegt 
dieselbe  in  einem  20  m tieferen  Niveau  .als  diejenige  der  entsprechenden 
.Schichten  auf  dem  Gamighübel,  ein  Umstand,  der  letzteren  als  Klippe 


Fig.  10. 


Durchragung  des  gesammten  Cenomans  und  des  Labiatua-Pl&ners  durch 
die  Granitit-Klipjie  des  liamigbtUiel s südöstlich  von  Dresden. 

O = Granitit,  qc  = Carinaten-Quader,  mc  = Mergel,  pc  = Carinaten-Pl&ner  auf 
dem  Gipfel  der  Granititkuppe  in  Klippenfacics  entwickelt,  p 1 = Dabiatus  - Planer. 

kennzeichnet.  Der  im  Granitit  dieser  Kuppe  angesetzte  Steinbruch  zeigt 
drei  unregelmässig  wannenförmige  Vertiefungen  in  der  granitischen  Ober- 
fläche, welche  durch  Ablagerungen  der  Plänerfacies  ausgefdllt  sind.  Zwei 
dieser  Kessel  enthalten,  in  einem  gelblichen  Mergel  eingebettet,  vereinzelte 
Granititgeschiebe,  die  theils  abgerollt,  theils  aber  noch  kantig  sind  und 
jedenfalls  dem  granitischen  Grundgebirge  entstammen.  Von  organischen 
Besten  werden  in  diesen  Mergeln  zahlreiche  Spongien  und  Austern  (siehe 
unten)  angetroflen.  Die  dritte,  2 — 3 m tiefe,  an  der  Nordwand  des  Stoin- 
bruches  sichtbare,  von  B eck  in  Fig.  3 seiner  Erläuterungen  zu  Section  Dresden 
abgobildete  Einsackung  hat  einen  ausserordentlich  unregelmässigen  Boden, 
der  sich  theils  zu  kleinen  Buckeln  erhebt,  theils  sich  rasch  auskeilende 
Spalten  in  den  Granituntergrund  entsendet.  Sie  wird  ebenfalls  von  weichem 
gelblichen  Mergel  erfüllt,  dem  zwei  schwache  Bänke  von  hartem  Pläner- 
kalk eingelagert  sind,  die  entsprechend  der  Confignration  ihrer  Basis 
flach  beckenförmige  Lagerung  besitzen.  Dieselben  sind  voll  von  winzigen 
Fischkoprolithen  und  enthalten  ausserdem  eine  Menge  Austern,  H.aifisch- 
zäbne  und  Stoinkerne  unbestimmbarer  Ceritbien.  Die  unter  diesen  Bänken 
liegenden  Mergel  sind  am  reichsten  an  Petreläeten.  Neben  Unmassen  von 
Ejoijip-u  haliotoidea  Sow.  und  sit/moidea  Keuss,  sowie  TervhraUdina  stria- 
iula  Maut,  stellt  sich  häufig  Ah‘drijonia  diluviana  L.  ein;  Ahriryonia  ruri- 
nnta  Lain.  dagegen  ist  seltener,  ln  .Menge  sind  Stacheln  von  Oidaris 
vesinilot<a  Goldf.  und  Horigudi  Des.  vorhanden,  ebenso  Spongien  wie 
Siphovin  piriformis  Goldf.,  SUIUspomjia  plnuriisis  Gein.,  Cupxdospongin 
ixifinidihiiliformis  G(ddf.  und  Kpitheks  rohusiu  Gein.  Nicht  selten  bc- 


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63 


obachtet  man  Steinkerne  von  Cerithien  und  Pleiirotomaria  Oeinitzi  d’Orb., 
sowie  eine  Stockkuralle  tSijnhelia  (jibbom  Miinst.  Auch  Haifischzähnc  sind 
sehr  häutig,  Nessig*)  nennt  vier  Species  derselben.  Namentlich  sind  es 
die  massenhaften  Austern  und  Spongien,  die  dieser  Fauna  ihren  eigen- 
thümlichen  Charakter  verleihen. 

Die  nächste  Stelle,  an  welcher  der  Granitit  in  südöstlicher  Richtung 
vom  Gamighübel  zu  Tage  tritt,  befindet  sich  bei  Kauscha  in  1 km  Ent- 
fernung von  dem  eben  beschriebenen  Aufschlüsse.  Der  Granitit  markirt 
sich  hier  topographisch  in  keinerlei  Weise,  sondern  ist  durch  das  Erosions- 
tbal  des  l’rohliser  Baches  angeschnitten,  also  an  dessen  Gehängen  bloss- 
gelegt worden.  Trotzdem  sind  auch  an  dieser  Stelle,  und  zwar  am  Nord- 
gehünge  des  genannten  Baches,  Reste  einer  einstmaligen  Klippenfacies 
nicht  zu  verkennen.  In  dem  Steinhruche  östlich  von  Kauscha  sieht  man 
von  der  denudirten,  verwaschenen  und  von  Löss  bedeckten  Oberfläche  des 
Granitits  aus  eine  cenomane  Spaltcnausfüllung  2 m tief  hinabsteigen,  die 
den  von  den  Höben  am  I’lauenschen  Grunde  S.  57  beschriebenen  analogen 
Gebilden  in  jeder  Richtung  gleicht.  Dieselbe  besteht  aus  einem  bräun- 
lichen, staubfeinen  Sande,  der  durch  ein  thoniges  Bindemittel  locker  zu- 
sammengehalten wird  und  neben  unbestimmbaren  Resten  von  Austern 
einen  scharfen  Abdruck  von  Cidaris  vesiculosa  Goldf.  lieferte. 

Je  weiter  wir  von  hier  aus  den  Granitit  nach  SO  verfolgen,  desto 
tiefer  sinkt  seine  Oberfläche.  Bei  dem  nur  1,5  km  von  Kauscha  entfernten 
Lockwitz  fallen  deshalb  die  dortigen  Klippenbildungen  bereits  in  die  untere 
Abtbeilung  des  Cenomans,  in  den  Carinaten-Quader,  bei  dem  4,5  km  weiter 
südöstlich  gelegenen  Dohna  lag  sie  so  tief,  dass  der  Quader  und  sein  Han- 
gendes, der  l’läner,  sich  ihr  continuirlich  und  zwar  schwebend  auflagerten, 
während  erst  die  dem  granitischen  Meeresboden  aufgesetzte  Porphyrkuppe 
des  Kahlebusches  von  Neuem  zur  Klippenbildung  Veranlassung  gab. 

Die  Klippenfacies  des  Carinaten  - Quaders  bei  Lockwitz  ist  dicht 
oberhalb  des  Ortes  durch  den  Granitbruch  bei  Adam’s  Mühle  am  oberen 
linken  Thalrande  aufgeschlossen.  Wie 
das  Profil  Fig.  11  darstellt,  erfüllt  der 
Carinaten -Quader  grössere  unregel- 
mässige Vertiefungen  und  die  spaltcn- 
förmigen  Ausläufer  derselben,  wäh- 
rend zugleich  steilbucklige  Köpfe  und 
Kämme  des  Granitits  in  ihn  hinein- 
ragen. Der  Quader  dieser  Ausfül- 
lungen ist  sehr  feinkörmig,  dem  Pläner- 
sandstein ähnlich.  An  den  tiefsten 
Stellen  hat  er  graue,  sonst  graulich- 
weisse  Farbe  und  weist  grössere 
grünliche,  glaukonitische  Flecken  auf. 

Eine  reiche  Fauna  stellt  sich  auch 
hier  wie  an  allen  übrigen  Klippen 
ein,  während  in  derNähedieses Ortes, 
ausserlnalb  der  Klippenfacies  der- 
selbe Quader  überaus  arm  an  Fossilien  ist.  Wir  sammelten  in  diesen 
Quadertaschen: 


•)  1.  c.  9». 


Fig.  11. 


'c  r 

' - 1 I _ 

NW  1 m SO 

KlippenfaciesdcsCarinaten-Quaders 
auf  dem  O raniti  t von  Lock  witz  (Seetion 
Krcischa-Hänicheii). 

6 = Granitit,  i]  c = Cariiiatcu-Qnader. 


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64 


Micriibacia  coromila  Goldf.  ss. 

Serpula  gordialis  Schloth.  h. 

Rhynchonella  comprcssa  Lam.  s. 

Pecten  elovgatus  Lam.  s. 

Vola  notabilis  Münst.  ss. 

Sponih/lus  striatus  Sow.  s. 

Lima  cenomanensis  d’Orb.,  ss. 

vor  Allem  aber  in  grösster  Häufigkeit 

Exogyra  lateralis  Nilss.  hh. 

— haliotoidea  Sow.  hb. 

— conica  Sow.  h. 

sowie  Cidaris  vesiculosa  Goldf.  bb. 


Hieraus  ist  ersicbtlicb,  dass  die  Fauna  dieses  Ortes  derjenigen  der 
oben  beschriebenen  Aufscblüsse  ganz  analog  ist.  Austern  treten  auch  hier 
in  bei  Weitem  überwiegender  Zahl  auf,  ein,  wie  bereits  betont,  charak- 
teristiscbes  Merkmal  der  Klippenfacies. 

c)  Die  Klippenfacies  auf  der  l’orpbyrkuppe  des  Kablebusches*). 

Bei  Dohna  und  nördlich  von  dieser  Stadt  breitet  sich  die  denudirte 
Oberfläche  des  Granitits  durchaus  eben  und  zwar  in  160—170  m Meeres- 
höhe aus.  Ihr  conform,  also  in  fast  schwebender,  nur  flach  nach  N ge- 
neigter Schichtenlage  ist  das  Cenoman,  und  zwar  wesentlich  als  l’läner- 
sandstein  zur  Ablagerung  gelangt  Ueber  diese  Ebenheit  erhebt  sich  bis 
zu  208, (i  m Meereshöhe,  also  ca.  40  in  über  das  Niveau  des  I’läners  eine 
dem  Granitit  aufgesetzte  glockenförmige  l’orphyrkuppe,  der  Kahlebuscli. 
Durch  den  Flauer  bis  in  den  unterlagernden  Granitit  ist  das  Thal  der 
Müglitz  eingeschnitten,  dessen  Gehänge  somit  aus  letzteren  Gesteinen  be- 
steht, während  die  die  Stadt  Dohna  tragende  Hochfläche  von  der  Pläner- 
decke gebildet  wird.  Am  besten  lassen  sich  diese  topographisch-geologischen 
Verhältnisse  von  einem  hoch  liegenden  Funkte  direct  südlich  von  Dohna 
überblicken  und  sind  in  dem  durch  die  geologische  Darstellung  auf  Section 
Firna  sich  zum  plastischen  Bilde  ergänzenden  Textprofil  Fig.  12  wieder- 
gegeben worden.  Die,  wie  erwähnt,  die  Hochfläche  bedeckenden  Fläner- 


Fig.  12. 

Stftdt  Dobna  Kabl«busch 


Profil  vom  Wasserreservoir  westlich  von  Dohna  his  jenseits  der 
Porphyrklippe  des  Kahlebusches. 


(1  = ( iranitit.  Pq  = (Inarzporpliyr,  me  — cenomaner  Mergel,  pc  = Carinaten-l’liiner, 
auf  dem  Gipfel  des  Kahlebusches  in  der  Klippenfacies .'nl.s  Ansfüllung  von  Vertiefungen 
des  Porphyr.s.  Nach  H.  Credner. 


*)  Deichmüller,  I c.  S.  iltl;  Lange,  I.  c.  .S.  10;  Heck,  Erläuterungen  Sech 
Pirna,  8.  55  und  Fig.  5. 


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65 


scliichtcn  ziehen  sich  eine  Strecke  weit  die  Böschung  des  Kahlebusches 
hinauf,  um  sich  dann  auszukeilen.  Erst  auf  dem  äussersten  Gipfel  und 
dessen  Umrahmung,  also  in  einem  Niveau  von  beinahe  40  m über  der 
Stadt  Dohna,  stellen  sich  von  Neuem  ausschliesslich  als  Ausfüllung  von 
Vertiefungen  auf  der  Borphyrklippe  cenomane  Gebilde  ein.  Dieselben 
charakterisiren  sich  durch  ihre  beträchtliche  Höhenlage  über  dem  normal 
ausgebildeten  Cenoman,  durch  ihre  Lagerungsform  zwischen  den  Uneben- 
heiten der  Borphyrklippe,  durch  ihren  petrographischen  Habitus  und  durch 
ihre  Fauna  als  ausgezeichnete  Vorkommnisse  der  Klippenfacies,  für  welche 
diese  letztere  Bezeichnung  von  Beck  zur  Einführung  gelangte. 

Während  früher  eine  grössere  Anzahl  solcher  kessel-  oder  wannen- 
förmigen  Vertiefungen  auf  der  Höhe  des  Kahlebusches  beobachtet  wurden, 
sind  augenblicklich  nur  drei  solche  aufgeschlossen.  Zwei  derselben,  von 
denen  die  eine  2,  die  andere  6 m tief  ist,  enthalten  ein  grobes  Borphyr- 
conglomerat,  dessen  völlig  abgerundete  und  zersetzte,  offenbar  dem  Unter- 
grund entstammende  Rollstücke  10  bis  25  cm  Durchmesser  haben.  Die- 
selben werden  durch  ein  kalkiges  Bindemittel  verkittet,  in  dem  man  nicht 
selten  Fragmente  von  Austern  findet.  Die  dritte,  .S  m breite  und  1,.^  m 
tiefe  wannenförmige  Einbuchtung  der  Borphyroberfläche  liegt  direct  auf 
dem  Gipfel  der  Kuppe  und  enthält  einen  gelblichen,  schwach  glaukonitischen 
Mergel.  In  ihm  sind  Fossilien  in  grösster  Menge  enthalten.  Die  von 
Deichmüller*)  aufgezählte  Fauna  ähnelt  durchaus  derjenigen  der  Klippen 
vom  Gamighübel  und  von  „Frohberg’s  Burg“. 

Vorwaltend  sind  auch  hier  die  folgenden  Austern:  Exoi/ifni  haliotoidea 
Sow.,  sigmaideaReuss,  lateralis  Nilss.,  Ostrea  hippopodinm  Nilss.,  Alectrgonia 
diluriana  L.  und  carinata  Lam.,  ferner  Spongien  und  zwar  namentlich 
Siphonia  piriformis  Goldf.  Sehr  häufig  sind  auch  Bryozoön  und  die 
SÜicheln  von  Cidaris  vesiculosa  Goldf.  und  Sorigneti  Des.  Von  Brachio- 
poden  ist  Terehratulina  striatida  Mant.  am  gewöhnlichsten.  Gastropoden 
dagegen  sind  selten.  Von  Bedeutung  ist  ausserdem  das  reichliche  Vor- 
kommen von  Stockkorallen,  so  von  Synhelia  gibbosa  Münst.,  Isis  tenuistriata 
Reuss,  Stichobothrion  foveolatum  Reuss  sp.  und  Thamnastrvu  conferta 
M.  Edw.,  sowie  dasjenige  von  Rudisten,  von  Stellaster  plaucnsis  Gein., 
Oreaster  thoracifer  Gern,  und  endlich  von  Pentarrinus  lanceolatus  libm.  und 
Actinocamax  plenus  Blainv.  Wiederum  spielen,  das  zeigen  schon  diese  kurzen 
Angaben,  sessile  .\rton  die  hauptsächlichste  Rolle  in  dieser  Klippenfauna. 

Wie  auf  dem  Gipfel  und  an  den  obersten  Abhängen  der  Borphyr- 
kuppe  des  Kahlebusches,  so  haben  die  Schichten  mit  Actinocamax  plenus 
auch  am  Fusse  derselben,  nämlich  auf  der  Böschung  seines  Sockels  eine 
von  der  normalen  abweichende,  in  vielen  Beziehungen  an  die  echte  Klippen- 
facies erinnernde  Ausbildung  angenommen.  So  sieht  man  an  dem  Ein- 
schnitte des  Weges,  der  nach  dem  Steinbruche  des  Kahlebusches  führt, 
<lirect  auf  dem,  die  Basis  der  Borphyrqucllkuppe  bildenden  Granitit  ein 
0,5  m mächtiges,  grusiges  Conglomerat  anstehen,  welches  wesentlich  aus 
bis  kopfgrossen  Geröllen  des  benachbarten  Granitits  und  Borphyrs  besteht, 
auf  welches  ein  0,3  m mächtiger  Blänermergel  folgt.  In  ihm  findet  sich 
eine  Fauna,  in  der  Austern  und  Schwämme  {Crihrospongia  subreücidata 
Münst.  und  Sgphonia  piriformis  Goldf.)  verhältnissmässig  reichlich  ver- 
treten sind. 

•)  1.  c.  S.  100. 


C6 


d)  Die  Klippenfacies  auf  dem  (iranitit  von  Meissen. 

Wie  im  SO,  so  sind  auch  im  äussersten  NW  der  das  sächsische  Elb- 
thalgebirge durchziehenden  Küstenlinie  des  Kreidenioeres  cenomane  Gebilde 
vom  Charakter  der  Klippenfacies  zur  Ablagerung  gelangt.  Ein  derartiges 
Beispiel  lieferte  die  directe  Umgehung  von  .Meissen  und  zwar  von  Zscheibi. 
Dieselben  wurden  von  Gumprecht  im  Beginne  der  30er  Jahre  sorgfältig 
untersucht  und  in  seinen  „Beiträgen  zur  geognostischen  Kenntniss  einiger 
Theile  von  Sachsen  und  Böhmen“,  Berlin  1835,  S.  10  u.  f.  beschrieben  und 
auf  Tafel  1 abgebildet.  Es  galt  damals  naclizuweisen,  dass  die  schein- 
baren Einschlüsse  vom  Pläner  im  dortigen  Granit  thatsächlich  keine  Ein- 
schlüsse seien,  sondern  mit  der  dem  Granit  aufgelagerten  Plänerdecke  in 
directem  Zusammenhang  gestanden  haben,  also  als  Descensionen  zu  be- 
trachten seien.  Wie  bei  Plauen,  so  füllte  auch  hier  ein  grauer  Kalkstein 
mit  Glaukonitflecken  die  spaltenartigen  Unebenheiten  des  Granits  aus. 
Glaukonit  überzog  ebenfalls  die  recht  häufigen  Fossilien,  von  denen  haupt- 
sächlich Brachiopoden,  sowie  einige  Gastropoden  citirt  werden*).  Aehn- 
liche  Gebilde  beobachtete  derselbe  Autor  auf  dem  Syenit  der  Kaths- 
weinberge.  Trotzdem  ihn  die  Fauna  an  <liejenige  der  Felscnrifi'e  der 
heutigen  Meere  erinnerte,  spricht  er  diese  Erscheinui>gcn  nicht  als  Klippen 
an,  sondern  erklärt,  dass  ihre  Entstehung  eine  „wahrscheinlich  nie  zu 
enträthselnde  Ursache“  habe.  Heute  sind  diese  Spaltenausfüllungen  nicht 
mehr  zu  sehen;  bereits  1840,  so  berichtet  Geinitz**),  hatte  der  Eifer 
älterer  Geologen  nichts  mehr  davon  übrig  gelassen.  Später  (1877)  fand 
Dittraarsch  über  dem  Granit  von  Zscheila  rothe,  eisenschüssige,  etwas 
sandige  Mergel,  die  zahlreiche  von  G einitz***)  bestimmte  Fossilien  lieferten, 
darunter  eine  Stockkoralle,  ferner  die  von  den  Kli])pen  bekannten  Brachio- 
poden und  Austern,  Spondi/liiH  striaUis  Sow.,  Pedm  elomiatus  L.ani., 
Opin  bicomis  Gein,,  Modiola-  und  Mtjfilus-Krien,  sowie  einige  Gastropoden, 
eine  Fauna,  welche  für  die  Klippenfacies  dieser  Loc.alablagerung  spricht. 

e)  Die  Klippenfacies  auf  dem  Gneiss  des  Oberauer  Tunnels. 

Zur  Klippenfacies  ge- 
hören endlich  diejenigen 
cenomanen  Ablagerungen, 
welche  nebst  ihrem  aus 
Gneiss  gebildeten  Unter- 
gründe mit  dem  Oberauer 
Tunnel  durchfahren  wur- 
den und  von  denen  G ei- 
nitz in  seiner  „Charak- 
teristik“ Tafel  A eine 
ansch.auliche  Abbildung 
giebt,  der  wir  das  Profil 
Fig.  13  entnehmen.  Der 
Gneiss  stellt  hier  eine 
vielfach  von  Granitgängen 
durchschwärmte  Scholle 

*)  Vergl.  Leonhardt  im  Neuen  .Tahrhuch  18.SJ,  ,S.  140. 

Charakteristik,  S.  li. 

•**j  Sitzuiiffsberii  hte  der  Isis  1877,  ,S.  17  und  74. 


Fig.  13. 


Profil  durch  den  Oberauer  Tunnel  nach 
G einitz  1840. 

gn  — Gneiss,  eine  Sihollc  im  Granit  des  Meissener 
Massivs  bildend,  seine  OberHiiehe  durch  klippenartige  Vor- 
sprünge und  spaltenartige  Klüfte  unregehnüssig  zerrissen, 
qc  = r.arinaten-()undiT,  diese  Unebenheiten  ansfüllend, 
als  Klippenfacies  entwickelt,  pc  = Carinaten-l’läner. 


.i;  vC;„.rglc 


67 


im  Meissener  Syenit- Graiiitmassiv  dar.  Die  Emporragung,  die  dieses 
Grundgebirge  auf  dem  altcenomanen  Meeresboden  bildete,  war  offenbar 
nicht  sehr  bedeutend,  sodass  sie  bereits  vom  Carinaten- Quader  über- 
lagert wurde,  welcher  hier  als  ein  an  Glaukonit  überaus  reicher  Grün- 
sandstein entwickelt  ist.  Ausfüllungen  von  Spalten,  die  sich  zum  Theil 
ähnlich  wie  diejenigen  von  Zscheila  in  der  Tiefe  sackförmig  erweitern, 
ferner  von  kleineren  und  grösseren,  unregelmässig  kesselförmigen  Ver- 
tiefungen, klippen förmige  llervorragungen,  endlich  grosse,  wohlgerundete 
Gerölle,  zuweilen  auch  scharfeckige  Bruchstücke  des  den  Untergrund 
bildenden  Gueiss  und  Granits  kennzeichnen  diese  Ablagerung  als  höchst 
charakteristisches  Gebilde  der  Klippen  facies.  Auch  die  Fauna  zeigte 
Analogien  zu  derjenigen  anderer  Klippenbildungen;  Terehratula  hiplicata 
Sow.,  Rhynchonella  compressa  Lam.,  die  folgenden  Austern:  Exogyra 
lialiotoidea  Sow.,  Oatrea  hippopotliuin  Nilss.,  Alntrijonia  diluviana  L.  und 
curimita  Lam.,  ferner  Trochus  Geinitsi  Reuss,  TurriteUa  yranulata  Gein. 
und  Ideurotomaria  sp.,  auch  kleine  Ilij)puritcn  wurden  meist  recht  häufig 
gefunden. 


3.  Büokbliok  auf  die  Fauna  der  Klippenfaoies. 

Allen  diesen  Klippenbildungen  ist,  wie  schon  ein  Blick  auf  die  ge- 
gebenen  Aufzählungen  der  in  ihnen  enthaltenen  Fossilien  zeigt,  eine  höchst 
charakteristische  Fauna  eigenthümlich,  deren  Eigenart  besonders  durch 
das  Ueberwiegen  solcher  Formen  zum  Ausdruck  kommt,  die  mit  llaft- 
apparaten  ausgestattet  oder  dem  Untergrund  direct  aufgewachsen  waren. 
Analogien  zu  den  Faunen  der  heutigen  felsigen  Meeresküsten  sind  in  der 
fossilen  Thierwelt  der  cenomanen  Klippenfacics  Sachsens  auf  das  deut- 
lichste ausgesprochen.  So  spiegelt  sich  in  diesen  Ablagerungen  die  Vor- 
liebe der  stockhildenden  Korallen,  sieb  an  felsigen  Klippen  in  geringer 
Meerestiefe  anzusiedeln*),  unverkennbar  wieder.  Die  ein  festes  Substrat 
erfordernden  Crinoiden  kommen  gleichfalls,  wenn  auch  als  Seltenheit,  in 
der  Klippenfacies  vor.  Die  Brachiopoden  leben  nach  Walther**)  in  ihrer 
grossen  Mehrzahl  auf  felsigen  Klippen  und  härteren  Bänken,  die  am 
Meeresboden  aus  sandigen  und  schlammigen  Gründen  hervorragen.  Ihre 
reichliche  Verbreitung  in  verschiedenen  Arten  der  Gattungen  Tcrehratidu, 
Tvrvhratidina  und  Rhynchonella  steht  damit  vollständig  im  Einklang. 
Von  den  mit  einer  Schale  aufgewachseneu  Lamellibrancliiaten  sind  die 
Ostreiden  ganz  besonders  zahlreich  vertreten  und  können  wahre  Hauf- 
werke und  bankartige  Vergesellschaftungen  bilden.  Einzelne  Arten  (Exoyyra 
lialiotoidea  und  siynwidea,  auch  lateralis  und  Ostrea  hippopodiiim)  sind 
allerorts  in  der  Klippenfacies  in  solcher  Zahl  vorhanden,  dass  sie  schon 
für  sich  allein  dieser  F’aeies  ein  eigenthümliches  Gepräge  verleihen.  Zu 
diesen  Zweischalern  gehören  ferner  auch  jetzt  noch  dem  Untergründe 
direct  aufsitzende  Individua  von  ISjumdylits  striatiis  Sow.  sp.,  sowie  die 
selteneren  Rudisten  und  Chamen,  weiche  sich  jedoch  nicht  selten  auch  im 
Quader  der  Carinaten-Stufe  vortinden,  der  ja  dort  ebenfalls  eine  Ablagerung 
des  seichten  Meeres  oder  der  Litoralzone  repräsentirt.  Von  den  Gattungen 
2Iytilus,  Modiola  und  Pecten,  die  sich  mit  ihrem  Byssus  befestigen, 

•)  Walther:  Die  Korallenriffe  der  Sinaihalhiusel,  Ahh.  der  sächs.  Ges. 

der  Wiss.  Bd.  1-1,  S.  473. 

**)  Einleitung  etc.  S.  348. 


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68 


kommen  verschiedene  Species  in  der  Klippenfacies  in  grosser  Häufigkeit 
vor,  was  ganz  besonders  für  Modiola  Cottae  Itiim.  gilt.  L)ie  in  den  Felsen 
bohrenden  Lithoilomiis  und  Phohis  sind  durch  mehrere  Allen  vertreten 
und  ebenfalls  gerade  in  dieser  Facies  häutig.  Stellenweise  sind  auch 
Gastropoden  sehr  gewöhnlich  und  sind  viele  derselben  nur  aus  dieser 
Facies  bekannt  geworden.  Als  charakteristisch  sind  die  dickschaligen 
Vertreter  der  Gattungen  Turbo,  TAiorina,  Cmthium,  CUvmnitzia  und 
Nerinea,  sowie  die  an  Felstlächen  aufsitzenden  l’atellen  zu  nennen.  Cepha- 
lopodeu  dagegen  sind  durcliwog  selten. 

Sehr  merkwürdig  ist  es,  dass  in  der  Kli])penfacies  auf  dem  Syenit  des 
Plauenschen  Grundes,  welche  auf  ihre  Fauna  am  besten  durchforscht  ist, 
verachiedene  Fundorte  gewisse,  auffallende  Unterschiede  in  der  Zusammen- 
setzung ihrer  Thierwelt  aufweisen.  Hesondei-s  deutlich  kommen  diese  localen 
Eigcnthümlichkeiten  an  der  von  Geinitz  aus  den  Siialtenausfüllungen  unter- 
halb des  Forsthauses  im  Plauenschen  Grunde  mitgetheilten  Fauna  und 
derjenigen  des  S.  57  genannten,  in  einem  etwas  tieferen  Niveau  gelegenen 
Steinbruches  bei  der  Plauenschen  Gasanstalt  zum  Ausdruck.  I)cr  erste 
Fundort,  also  der  am  Forsthause,  ist  besonders  durch  seinen  Ueichthuni 
an  Gastropoden  ausgezeichnet.  Die  Spalten  waren  ., überfüllt“  von  den 
kleinen  Schalen  derselben,  fast  alle  <lie  im  Hand  1 des  „Klbthalgebirges“ 
abgcbildeten  Arten  stammen  von  dieser  Stelle.  Während  viele  derselben 
recht  selten  waren,  traten  andere  in  um  so  grösserer  Zahl  auf.  Von 
Litorina  f/racilis  Sow.  sammelte  Geinitz*)  gegen  50  Exemplare,  von 
Turbo  lirichi  Gein.  mindestens  60,  auch  Xatica-  und  Chcnuiitzia- Arten 
waren  häutig.  Ausserdem  fanden  sich  noch  ziemlich  zahlreiche  Prachio- 
podeu,  verschiedene  Echinoiden  und  L.imellibranchiaten,  wie  Pvden  und 
Mytilus.  Die  Korallen  waren  hier  selten,  ln  dem  Aufschlüsse  bei  der 
(iasanstalt  hingegen  spielen  die  Gastropoden  eine  untergeordnete  Holle, 
hier  dominiren  die  Hrachiopoden  und  Uaniellibranchiaten,  auch  die  Korallen 
sind  häufig.  Die  Echinoiden  scheinen  dagegen  fast  ganz  zu  fehlen,  gelang 
es  uns  doch  nur  einen  einzigen  CWam-Stachel  aufzutinden.  Es  ist  nicht 
zu  verkennen,  dass  sich  hier  gewisse  Anklänge  an  die  Tiefenzouen,  wie 
man  sie  au  verschiedenen  Küsten  unterschieden  hat**),  offenbaren.  Der 
erste  Fundort,  beim  Forsthause,  ähnelt  den  Regionen  der  Patellen  und 
Korallinen,  während  der  zweite  die  tieferen  Regionen  repräsentiren  könnte. 
Da  jedoch  nicht  vorauszusetzen  ist,  dass  alle  Organismen  an  den  Stellen 
der  Klippen  gelebt  haben,  wo  wir  sie  heute  finden,  und  da  die  Fauna 
des  im  höchsten  Niveau  gelegenen  Fundortes,  „Frohberg’s  Burg“  durchaus 
nicht  mit  den  durch  die  beiden  anderen  l.ocalfaunen  angedeuteten  Regionen 
der  Litoralzone  übereinstimmt,  lässt  sich  über  den  Grund  dieser  Eigeu- 
thümlichkeiten  nichts  Sicheres  aussagen  und  ist  abzuwarten,  ob  auch  an 
anderen  Klippen,  vielleicht  am  Kahlebusch,  ähnliche  Beobachtungen  ge- 
macht wurden. 

Von  der  Fauna  der  sich  in  der  Nachbarschaft  der  Klippen  ausbrei- 
tenden (juader-  und  Plänerfacies  ist  diejenige  der  Klipi)enfacies  ausser- 
ordentlich verschieden.  Wir  gaben  S.  42,  44,  47  und  52  die  Veraeichnissc 
der  im  Caiinaten-Pläner  und  Pläncrsand.stein  aufgefundenen  F'ossilien;  es 
waren  deren  verhältnissmässig  wenige,  und  nur  einige  derselben  sind  häufig. 


*)  Elbthalgehirae,  S.  249  uinl  2.ä3. 

*•)  Walther,  Eiuleituug,  8.  112  u.  f. 


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6» 


Genau  dasselbe  gilt  für  den  Carinatcn-Quader.  Nicht  gross  ist  die  Zahl 
seiner  Arten,  etliche  aber,  besonders  Krofiyra  volumha  laiin.,  Inoceramun 
strintiis  Mant.  und  Vola  phasvula  Lam.  sind  sehr  gewöhnlich  und  kommen 
innerhalb  gewisser  Bänke  und  Nester  sogar  massenhaft  angehäuft  vor. 
An  den  bereits  besprochenen  Faunen  des  Lahiatus- Quaders  und  -Pläners 
machten  wir  wiederum  dieselbe  Beobachtung.  Es  ist  dies  offenbar  ein 
charakteristischer  Zug  der  am  flachen  Meeresboden  erfolgten  Ablagerungen. 
Ganz  anders  verhält  sich  die  Fauna  der  Klippenfacies.  Sie  zeichnet  sich 
durch  die  F’ülle  der  in  ihr  vertretenen  Gattungen  und  Arten  aus,  die 
ebenfalls  zum  Theil  in  grosser  Zahl  der  Individuen  vergesellschaftet  sind, 
ln  dieser  Reichhaltigkeit  und  Mannigfaltigkeit  besteht  <lie  vollste  Analogie 
zu  den  Verhältnissen,  die  heute  am  Boden  wenig  tiefer  Mecrestheile  zu 
bemerken  sind.*j  Auch  hier  findet  sich  an  steil  aufsteigenden  Felsen 
eine  artenreiche,  am  flachen  mit  Sand  oder  Schlick  bedeckten  Boden  hin- 
gegen eine  artenarme,  aber  individuenreiche  Thierwelt.  Dass  auch  die 
Fauna  submariner  felsiger  Erhebungen  von  derjenigen  des  diese  umgebenden 
Meeresbodens  verscliieden  ist,  hat  Walther**)  nachgewiesen.  Der  Um- 
stand, dass  in  der  Klippenfacies  hauptsächlich  sich  am  Boden  anheftende 
Thiere  lebten , unterscheidet  die  Fauna  derselben  ebenfalls  scharf  von 
derjenigen  des  Quaders  und  Pläners,  die  nur  verschwindend  wenige  solcher 
Arten  führen.  Die  Spongien,  Korallen,  Crinoiden,  Brachiopoden,  llryozoen, 
Cirrhipedien  und  Itudisten,  die  fa.st  ausschliesslich  sessil  leben,  haben  im 
Cenoman  Sachsens  ihre  Vertreter  hauptsäclilich  in  der  Klifipenfacies.  Zu 
ilinen  gesellen  sich  viele  Gattungen  der  Lamellibranchiaten  und  einige 
der  Gastropoden***)  (I'utdla  und  Litoriiia)  von  festsitzeuder  Lebensweise. 
Stockbildende  Korallen,  die  in  den  geschilderten  Ablagerungen  durch  die 
Gattungen  Syniiclia,  Tliumnastraca,  Dimorphaxtraea,  Astrocoenia,  Placo- 
xeriit,  Isis  und  SticJiohothrion  vertreten  sind,  gehören  ausschliesslich  der 
Klippenfacies  an.  Auch  gewisse  Asteroiden  (Stdlaster  plauetisis  Gein.  und 
Grellster  sp.)  sind  im  Cenoman  Sachsens  bisher  nur  in  dieser  Facies  nach- 
gewiesen worden  und  hier  nicht  selten.  Von  den  Echinoiden  sind  die 
Cularis-ktien  besonders  häufig,  I^eudodiailema  variolae  Brongn.,  Orthopsis 
gramdosus  .\g.  und  Cyphosoina  cenomaninse  Cott.  sind  bisher  allein, 
wenn  auch  als  Seltenheit,  an  den  beschriebenen  Klippen  beobachtet  worden. 
Anderentheils  aber  zeigt  es  sich,  dass  einige  im  Pläner  und  (juader  sehr 
häufige  Ai'ten  gerade  in  der  Klippenfacies  nur  selten  Vorkommen,  ein 
Verhältniss,  das  bei  Jnoceramus  striatiis  Mant.  und  Exogyra  colnmha  am 
auffälligsten  ist. 

Blicken  wir  auf  die  oben  geschilderten  Eigenthümlich- 
keiten  der  F’auna  der  Klippenfacies  des  sächsischen  Cenomans 
zurück,  so  lassen  sich  diese  in  kurzen  Worten  wie  folgt  zu- 
sammenfassen. Sie  bestehen  1.  in  der  Reichhaltigkeit  dieser 
Fauna,  verglichen  mit  der  formenarmen  Thierwelt  des  nor- 
malen Quaders  und  Pläners,  2.  in  dem  Vorwalten  von  fest- 
gewachsenen oder  mit  Haftapparaten  ausgestatteten  Arten, 
darunter  eine  zum  Theil  grosse  Zahl  von  Spongien,  Brachio- 
poden, Austern,  Rudisten  und  Modiola-Arten,  3.  im  Vorhanden- 


•)  Vergl.  Moebius:  Das  Thierleben  am  Boden  der  Ost-  und  Nordsee. 

••  i Kinleitnng,  S.  iJO. 

*•*)  Walther,  Kinleitung,  8.43!). 


70 


sein  vieler  und  zwar  besonders  grosser  und  dickschaliger 
üastropoden  (Nerinea,  Chemnitgia,  Cerithium  und  Naticu), 
4.  in  dem  auf  diese  Facies  beschränkten  Vertretensein  von  Stock- 
korallen. 

IV.  Die  Faclesgebilde  der  Stnfe  des  Inoceranins  Itrongniarti. 

1.  Die  bisherigen  Ansichten  bezüglich  der  Aequivalenzgebilde  der 

Brongnisrti  - Stufe. 

Der  Broiigniarti- Quader,  der  in  der  Sächsischen  Schweiz  die  all- 
gemeinste W'rbreitung  besitzt,  lässt  sich  in  unveränderter  h'acies  weit  nach 
Böhmen  hinein  verfolgen,  wo  er  einen  Theil  des  Complexes  bildet,  der 
von  böhmischen  Geologen  als  „Iser -Schichten“  bezeichnet  wird.  Ebenso 
ist  das  Aequivalent  des  Broiigniarti- Bläners  von  Strehlen  und  Weinböhla 
längst  und  mit  grösster  Sicherheit  in  den  Pliinerkalken  von  Huudorf  bei 
Teplitz  erkannt  und  ist  der  Typus  der  Zone,  welche  man  als  „Teplitzer 
Schichten“  bezeichnet  hat,  die  ebenfalls  in  Böhmen  eine  grosse  Aus- 
dehnung gewinnen.  Da  sich  beide  Complexe,  Iser-Schichten  und  Teplitzer 
Schichten,  in  ihrer  räumlichen  Verbreitung  ausschliessen,  erwog  man  schon 
längst,  üb  beide  aequivaleute  Faciesbildungen  seien.  Diese  Frage  wurde 
dadurch  complicirt,  dass  in  Böhmen  stellenweise  die  Teplitzer  Schichten 
die  Iser-Schichten  überlagern*)  und  demnach  jünger  als  diese  sein  sollten, 
währcnil  in  .Sachsen  das  Umgekehrte  der  Fall  sein  sollte**),  da  hier  der 
Brongniarti-tjuader  (Iser-Schichten)  über  derjenigen  Bank  von  Brongniarti- 
l’läner  (Teplitzer  Schichten)  lagert,  welche  unter  dem  Namen  des  Krietzsch- 
witzer  Bläners,  des  oberen  Bläners  oder  des  Spinosus-Bläners  der  Säch- 
sischen Schweiz  bekannt  ist.  J.  J.  Jahn’s  Untersuchungen***)  zeigten 
jodocli,  dass  die  erstere  .Annahme  unrichtig  sei,  da  die  in  Böhmen  für 
Teplitzer  Schichten  gehaltenen,  die  Iser-Schichten  überlagernden  Sedimente, 
nicht  diesen  ersteren,  sondern  einer  jüngeren  Stufe  angehören.  Jahn 
machte  es  hierdurch  aufs  Neue  wahrscheinlich,  dass  in  den  Iser-Schichten 
und  Teplitzer  Schichten  aequivaleute  Faciesgebilde  vorliegen.  Aber 
auch  darüber,  dass  in  Sachsen  die  Teplitzer  Schichten  (Brongniarti-Bläner) 
die  Iser-Schichten  (Brongniarti-Quader)  imterlagern  sollen,  herrscht  inso- 
fern keine  völlige  üebereinstimmung,  als  die  oben  erwähnte,  unter  dem 
Brongniarti-Quader  der  Sächsischen  Schweiz  liegende  Bank  von  Brongniarti- 
Bläner  von  den  eineiif)  zu  den  Teplitzer  Schichten,  von  den  anderenfj) 
zu  den  älteren  Malnitzer  Schichten  gestellt  wird. 

In  tabellarischer  Zusammenstellung  würden  sich  diese  bisherigen 
Anschauungen  über  die  Gliederung  und  Aequivalenz  der  Brongniarti-Stufe 
wäe  folgt  ausdrücken  lassen. 


*)  .t.Fritsch:  Studien  in  derbölimisihen  Kreidetörm.  iV:  Die  Teplitzer  Siliiclilcn. 
Archiv  für  die  natnrwi.ss.  J.andesdurehfürrtcliuug  von  Böhmen,  Bd.  7,  S 51. 

**)  Kriiiuterunfri’u  .Scct  Kosentlml.  S.  10. 

•••)  Bcitr,  zur  Kenntn.  der  hühniisclien  Kroidefonn.  Jahrh.  der  K.  K.  geol.  Keiclis- 
anstalt  1895,  S.  Z15. 

f)  (ieinitz:  Elhthalgeh.  IT,  .S.  250:  Beck:  Krläuterungen  Sect.  Uros^er  Wintcr- 
herg,  S 23:  Sclialch;  Erlivmerungen  Sect.  Uuseuthal,  S.  10. 
i't)  Weissenherg.  Schichten,  .S.  48. 


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71 


Sachsen. 


Sachsen. 


Böhmen.  Böhmen. 


(Geologische  I.andcs- 
nntersuchnng) 
Brongniarti- Quader 
= Iser-Schicnten. 
Bron^  11  iarti- Pläner 
von  Krietzschwitz -Hoher 
Schneelierg  = Teplitzer 
Schichten. 


(A.  Fritsch) 

Brongniarti- Quader 
= Iser-Schichten. 
Brongniarti -Pläner 
der  .Sächsischen  Schweiz 
= Malnitzer  Schich- 
ten. 


(X.  Fritsch) 


Teplitzer 

Schichten. 

Iser- 

Schichten. 


(Jahn) 

Teplitzer 
Schichten 
- Iser- 
Schichten. 


Die  uns  vorschwebende  Aufg.ibe  beschränkt  sich  auf  die  Klarlegung 
der  Ausbildung  der  Brongniarti-Stufe  innerhalb  Sachsens.  Hier  und  zwar 
in  der  Sächsischen  Schweiz  gliedert  sich  diese  von  unten  nach  oben  I.  in 
gl.aukonitischen  Sandstein  mit  Bhi/nchonella  hohemica  Schlönb.,  30-40  m 
mächtig*),  2.  in  glaukonitischen  l’lätier  oder  Mergel  {Krietzschwitzer  Pläner 
oder  Brongniarti-Pläner  der  Sächsischen  Schweiz),  20—30  m**),  die  beide 
vielfach  wechsellagern  und  als  ein  einheitlicher  Complex  aufgefasst  werden, 
3.  in  ()uader,  den  Brongniarti -Quader  (bis  250  ra  mächtig),  der  von  der 
Klbe  durchfurcht  wird  und  wesentlich  die  als  Sächsische  Schweiz  bekannte 
pittoreske  Landschaft  liefert.  Kr  wird  von  den  wenig  mächtigen,  schon 
nicht  mehr  zur  Brongniarti-Stufe  gehörigen  Scaphiten-.Mergeln  überlagert. 
Weiter  westwärts,  in  der  Dresdner  Elbthalwanne,  fehlen  die  für  die 
Sächsische  Schweiz  so  charakteristischen  Quadersandsteine,  an  ihre  Stelle 
tritt  die  Brongniarti-Stufe  in  kal  kig-thoniger  Entwickelung,  hauptsächlich 
als  Plänermergel.  Durch  Bohrungen  war  erwiesen,  dass  diese  eine  ganz 
bedeutende  Mächtigkeit  (über  150  m)  besitzen,  doch  war  es  nicht  möglich, 
diese  Pläuermergel  zu  gliedern,  da  es  an  geeigneten  Aufschlüssen  fehlte. 
Ein  solcher  war  früher  bei  Strehlen  vorhanden,  ist  aber  längst  verschüttet. 
Den  hier  gebrochenen  Plänerkalk  betrachtet  Beck***)  als  zur  Brongniarti- 
und  Scaphiten-Stufe  gehörig. 

Bezüglich  der  Aequivalenz  der  Quader-  und  Pläncrfacies  der  sächsi- 
schen Brongniarti-Stufe  ging  die  Ansicht  dahin,  dass  der  Strehlener  Pläner 
dieGesammtheit  der  Brongniarti-Schichteu  der  Sächischen  Schweiz  vertrete, 
wie  cs  folgende,  in  Uredner’s  Elementen  der  Geologie,  8.  Autl.,  S.  G43 
gegebene  tabellarische  Uebersicht  veranschaulicht. 


Stufe  der  Scaphiten. 

Stufe  des  Inoceramus  Brongniarti: 

a 

Brongniarti  - (Quader, 

Im 

o> 

Brongniarti-Pläner  von  Krietzschwitz, 

Glaukonitsandsteine  mit  Rhynchonella 

u 

bohemica. 

Ueber  die  Stellung  der  einzelnen  Complexe  der  Brongniarti-Stufe,  wie 
sie  in  der  Sächsischen  Schweiz  entwickelt  sind,  zu  dem  Gcsammtconiplexe 


•)  Erläiitcningen  Sect.  Rosenthal,  8.  28. 
*•)  Erläuterungen  Ro.senthal,  S.  .'tO. 
*‘*j  Erläuterungen  Scet  Dresden,  .8.  öo. 


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72 


der  Ktrehleiier  I’läiienncrgel  war  man  jedoch  keinesfalls  zu  einer  klaren 
Auffassung  gelangt.  Um  eine  solche  zu  erzielen,  handelt  es  sich  zunächst 
um  die  Feststellung  des  genauen  Horizontes  der  den  Ilrongniarti-Quader 
in  der  Sächsischen  Schweiz  unterteufenden  Hank  von  Hrongniarti-l’läner 
und  deren  Kecoguoscirung  in  der  riänerfacies  der  Gegend  von  Dresden. 


2.  Der  Brongniarti-PlSnor  der  Sächsischen  Schweiz  als  selbständige 
untere  Zone  der  Brongniarti-Stufe. 

Dem  Hrongniarti-l’läner  der  Sächsischen  Schweiz  begegnet  man,  von 
Dresden  kommend,  zunächst  hei  l’irna  (vergl.  Fig.  14,  S.  77).  Er  liegt 
hier  zwischen  zwei  Schichten  von  Griinsandstein,  von  denen  die  untere 
in  ihrem  Liegenden,  die  obere  in  ihrem  llatigcnden  eine  schwache  Mergel- 
schicht führt.  Diese  letzteren  beiden  .Mergel  und  auch  der  über  dem 
l’läner  liegende  Grünsandstein,  keilen  sich  nach  SO  bald  aus,  sodass  nur 
der  Hrongiarti- l’läner  und  der  Grünsandstein  allein  sich  weiter  in  das 
Gebiet  der  Sächsischen  Schweiz  hinein  erstrecken.  Hier  aber  nehmen 
beide  grosse  Verbreitung  an  und  sind  bis  zum  Hohen  Schneeberg,  den  sie 
unterlagern  und  dessen  Fuss  ihr  Ausgehendes  kranztormig  umzieht,  zu 
verfolgen.  Dieser  Erietzschwitz-Schneeherger  l’läner  nimmt  oft  mergelige 
Heschallenheit  an,  ist  dünnbankig  geschichtet,  sandig  und  führt  Glaukonit*). 
Der  ihn  begleitende  Grünsandstein  ist  mittel-  bis  feinkörnig,  besitzt  ein 
kalkiges  oder  kalkig -tboniges  Hindemittel  und  ist  ebenfalls  in  Hänke  ge- 
sebiebtet**).  Heide,  l’läner-  und  (irünsandstein,  scbliessen  sieb  eng  an 
einander  an,  wecbsellagern  wiederholt  mit  einander  und  sind  als  ein  Complex 
zu  betrachten,  der  zum  Liegenden  den  Labiatus-Quader,  zum  Hangenden 
den  Brongniarti-(juader  bat.  Diege  Verbandsverhältnisse  weisen  deutlich 
auf  die  Malnitzer  Schichten  in  Höbmen  bin,  wie  sie  bei  Lippenz  und 
Malnitz  unweit  l’ostelberg  aufgeschlossen  sind  und  von  wo  sie  vielen 
deutschen  Geologen  bekannt  sind.  Hier  liegt  auf  der  kalkigsandigen 
Labiatus-Stufe  ein  zur  Brongniarti-Stufe  gehörender  Grünsandstein,  der  im 
Hangenden  einen  gelblichen,  sandigen  Mergel  führt,  auf  welchen  erst 
die  jüngere  Abtheilung  der  Hrongniarti -Stufe  folgt,  die  hier  nicht  wie 
in  der  Sächsischen  Schweiz  in  sandiger,  sondern  in  kalkiger  Facies  als 
sogenannte  Teplitzer  Schichten***)  entwickelt  ist. 

Der  die  Basis  der  Brongniarti-Stufe  innerhalb  der  Sächsischen  Schweiz 
bildende  Grünsandstein  lieferte  nach  Schalchf)  unter  anderem  Inocerii- 
mus  Brongniarti  Sow.  und  Khijnchondlu  holwmica  Schlönb.  Letztere  ist 
darin  ausserordentlich  häufig  und  wurde  von  Schlönbach -i-j-)  aus  dem 
Exügyrensaiidstein  und  Grünsandstein  der  Malnitzer  Schichten  Böhmens 
beschrieben,  für  welchen  Horizont  sie  charakteristisch  ist.  Schalch’s 
uud  Heck’sftt)  Bemühungen  gelang  es  ferner  auch,  in  den  mit  diesem 
Grünsandstein  vergesellschafteten  Bänken  von  Brongniarti -Pläner  inner- 
halb der  Sächsischen  Schweiz  23  verschiedene  Arten  zu  sammeln,  die  bis 

’)  Krliiuterungen  Sect.  l’irna,  S.  64,  mal  Erläuterungen  Scct.  Rosenthal,  S.  28. 

**i  Erläuterungen  Sect.  Ro.sentlial,  S.  24. 

*•*)  G.  Bruder:  Die  Gegend  uni  .Siuiz  II,  S.  9. 
f)  Erläuterungen  Sect.  Ro.'tenthiil,  S.  26. 

■j"!-)  Kleine  palacontnlogischc  Mittheilungeu.  Jalirb.  d.  k.  k.  geid.  Reichsanstalt  1868, 
Bd.  18,  S.  157. 

Ltt)  Erläuterungen  Sect.  Rosenthal,  S.  29. 


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73 


auf  FtitrlJa  inconstans  Gein.  sänimtlich  in  den  MalnitzLT  Schichten  Böhmens, 
insbesondere  in  der  erwähnten  mergelig-sandigen,  unserem  Pläner  ent- 
sprechenden Schicht  bei  Malnitz  und  Laun  gefunden  wurden.  Von  den 
nach  A.  Fritsch*)  für  die  Malnitzer  Schichten  ganz  besonders  charak- 
teristischen Arten  sind  Ammonites  Wooh/ari  Mant.,  Area  suhglabra  d'Orb. 
und  Bapa  cancellata  Sow.  sp.  auch  aus  dem  Brongniarti-Pläner  der  Säch- 
sischen Schweiz  bekannt.  Es  mag  hauptsächlich  das  Vorkommen  des 
Inoceramus  Bromjniarti  Sow.  und  des  freilich  ausserordentlich  seltenen 
SiMfuIylus  S2mu)siu<s  Sow.  gewesen  sein,  welches  schon  Geinitz  und 
Gümbel  und  später  Beck  und  Schalch  bestimmten,  den  Brongniarti- 
Pläner  der  Sächsischen  Schweiz  mit  den  „Strehlener“  = „Teplitzer  Schich- 
ten“ zu  identificiren.  Allerdings  sind  diese  beiden  organischen  Reste  in  den 
letztgenannten  Schichtcomplexen  sehr  häutig,  jedoch  nicht  ausschliesslich 
auf  sie  beschränkt.  So  erscheint  Inoceramus  Brongniarti  Sow.  in  Böhmen, 
Nieder-Schlesien  und  am  Nordrande  des  Harzes  bereits  in  der  Labiatus- 
Stufe,  ebenso  ist  Spondglus  spinosus  Sow.  von  A.  Fritsch  in  Böhmen  in 
den  unserer  Labiatus-Stufe  entsprechenden  Weissenberger  Plänern  wieder- 
holt angetroffen  worden.  Es  kann  demnach  das  seltene  Vorkommen  des 
letzteren  ebensowenig  wie  dasjenige  von  Inoceramus  Brongniarti  Sow.  als 
Beweis  für  die  Aequivalenz  der  Krietzschwitz- Schneeberger  Plänerbank 
gerade  mit  den  „Strehlener  Plänern“  gelten.  Andererseits  ist  aber  auch 
kein  einziges  der  speciell  für  die  Strehlener,  also  Teplitzer  Schichten 
charakteristischen  Fossilien  in  dem  Brongniarti-Pläner  der  Sächsischen 
Schweiz  vorhanden,  selbst  nicht  die  in  ersterem  Horizonte  so  gewöhnliche 
Terebratula  semiglobosa  Sow.  Es  kann  daher  kaum  einem  Zweifel 
unterliegen,  dass  der  Brongniarti-  Pläner  von  Krietzschwitz  und 
dem  Hohen  Schneeberg  einen  von  dem  Strehlener  Pläner  ver- 
schiedenen Horizont  repräsenti rt.  In  diesem  Falle  weist  seine 
Lage  an  der  Basis  der  gesammten  Brongniarti-Stufe  der  Sächsischen  Schweiz 
von  vornherein  darauf  hin,  dass  sein  Aecjuivalent  im  Liegenden  der 
Strehlener  Pläner  zu  suchen  sein  wird.  Diese  unterste  Zone 
der  Brongniarti-Stufe  entspricht  somit  nicht  den  Teplitzer  Schichten 
(=  Strehlener  Pläner),  sondern  vielmehr,  wie  auch  A.  Fritsch  annimmt, 
(len  Malnitzer  Schichten  von  Postelherg  und  I.aun,  die  in  genannter 
Gegend  direct  unter  den  Teplitzer  Schichten  liegen. 


3.  ITaohweis  der  unteren  Abtheilung  der  Brongniarti-Stufe 
bei  Dresden. 

Aufschlüsse,  aus  denen  unmittelbar  hervorginge,  dass  eine  solche 
unterste  Brongniarti-Zone  die  Strehlener  Schichten  thatsächlich  unterteuft, 
sind  nicht  vorhanden.  Dahingegen  ist  es  im  höchsten  Grade  wahrschein- 
lich, dass  die  kalkreichen,  schwach  glaukonitischen  Plänerraergel,  welche 
in  den  Ziegeleien  von  Bossecker  und  Kehr  zwischen  Plauen  und  Räcknitz 
anstehen,  der  Repräsentant  dieser  untersten  Brongniarti-Zone  sind.  Beck**) 
hat  diese  Plänermergel  auf  Grund  eines  im  K.  mineralogisch-geologischen 
Museum  anfbewahrten  Exemplars  von  Inoceramus  lahiatus  Schloth.,  das 
nach  seiner  Eti(juette  aus  einer  dieser  Giuben  stammen  soll,  als  zur 

*)  Weissenberger  und  Malnitzer  .Sehicliten,  S.  21. 

**)  Erläuterungen  Sect.  Dresden,  S.  üti. 


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74 


Lal)iatus-Stufe  gehörig  betrachtet.  Jedoch  ist  dieser  Fund  ein  sehr  frag- 
licher und  wird  nach  dem  tiesteinshabitus  des  Handstückes  zu  schliessen 
noch  zweifelhafter,  sodass  seine  Verwerthung  zur  Horizontbestimmung  der 
Uäcknitzer  riänermcrgel  unthunlich  ist.  Dahingegen  steht  fest,  dass  die 
genannten,  mithin  in  ihrer  Stellung  noch  fraglichen  Uäcknitzer  Pläner- 
inergel  von  echten  Labiatus- Plänern  unterteuft  werden  und  unter  die 
Strehlener  Plänerkalke  einfallen.  Sie  würden  also  älter  sein  als  der  letztere 
und  genau  dieselbe  geologische  Stellung  eiunehmen,  wie  die  Malnitzer 
Schichten  in  Böhmen  und  die  Krietzschwitzer  Plänerbank  in  der  Sächsi- 
schen Schweiz,  falls,  wie  gezeigt  werden  soll,  der  dortige  Brongniarti- 
Quader  dem  Strehlener  Pläner  entsprechen  sollte. 

Dieser  Uäcknitzer  Plänermergel  lieferte  folgende  organische  Beste: 

Macrojioma  ManteUi  Ag.  ss,  ein  Koprolith.  Von  ferneren  Fisch resten  fanden 
sich  ein  schlecht  erhaltener  Zahn,  vielleicht  von  Corax  heUrodon  Beuss 
und  Flossenstacheln  ähnliche  Gebilde. 

Ammonitcs  WooUgari  Mant.  h,  oft  in  jungen  Flxemplaren,  wie  sie  Geinitz 
im  Elbthalgcbirge  II,  Taf.  33,  Fig.  4 und  6 abbihlet. 

Criocvras  cf.  eUipticum  Mant.  sp.  ss. 

Bamlites  haculoules  Mant.  h.  Schlecht  erhaltene  Exemplare  sind  sehr 
häutig,  doch  fand  sich  auch  eins  mit  deutlicher  Sutur. 

Aporrhais  calcarata  Sow.  s. 

— Eeiissi  var.  meyaloptera  Beuss.  s. 

Cerilliium  sp.  ss.  als  Steinkern.  Auf  12  mm  Länge  kommen  8 kantige 
Umgänge.  Es  entspricht  dem  von  Fritsch.  VVeissenberger  Schichten, 
S.  111,  Ihg.  60  aus  den  Launer  Kalkknollen  abgebildeten  lixemplar. 
Natica  Genta  Sow.  h. 

Tarritella  mulüstriata  Beuss.  s. 

DentuUum  medium  Sow.  h. 

— tstrehlense  Gein.  h. 

Eriphyla  lenticularis  Goldf.  s. 

Ivniis  falia  Sow.  s. 

Nucula  pectinala  Sow.  hh. 

Avicula  yluhra  Beuss.  ss. 

1‘inna  cf.  dccussata  Goldf.  ss. 

Gervillia  solmoides  Defr.  ss. 

Inocerumus  sp.,  verdrückte  und  schlecht  erhaltene  Exemplare,  wahr- 
scheinlich I.  Bronyniarti  Sow. 

Beeten  curvatus  Gein.  h. 

— orhiculuris  Sow.  hh. 

Lima  elonyata  Sow.  sp.  hh. 
iSpotidylus  hystrix  Goldf.  ss. 

Anomia  siditruncata  d’ürb.  ss. 

Exogyrn  lateralis  Nilss.  ss. 

Micraster  cor  testudinarium  Goldf.  ss. 

Jlolasicr  planus  .Mant.  s]>.  s. 

Cidaris  subvesiculosu  d'Orh.  ss.  Stachel. 

Diese  Fauna  zeigt,  dass  man  diesen  Mergel  nicht  zur  L.abiatus-Stufe 
stellen  darf,  namentlich  weist  das  Vorkommen  verschiedener  G.astropoden, 
der  Dentalien,  von  Micraster  uml  Holaster  sowie  Cidaris  subeesiculosa 
d'Orb.  mit  Bestimmtheit  auf  die  Brongniarti-Stufe  hin. 


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75 


Die  geologische  Verbreitung  der  Arten  innerhalb  der  in  Frage  kom- 
menden Schichten  soll  folgende  tabellarische  Uebersicht  veranschaulichen: 


LabiatuB- 

Krietzscbw. 

Malnitzer 

strehlener 

Macropoma  Mantelli  . . 

•Stufe. 

Pläner. 

.Sdiichteu. 

Pläner. 

X 

Ammonites  Woolh/ari 

X 

X 

X 

X 

Crioceras  cf.  ellipticnin  . 

— 

— 

— 

X 

DacuUtos  baculoides  . . 

X 

— 

X 

X 

Aporrhais  calcarata  . . 

— 

— 

— 

X 

— Reussi 

X 

X 

X 

X 

Cerithium  sp 

— 

— 

X 

— 

Natica  Gentii  .... 

X 

X 

X 

X 

l\irriteVa  muUintriata  . 

X 

X 

X 

X 

Dmtalium  medium  . . 

X 

X 

X 

X 

— strehlense  .... 

— 

— 

— 

X 

Eriphtßa  lenticularis  . . 

X 

X 

X 

X 

Venus  faha 

— 

— 

— 

X 

Nucula  pectinata  . . . 

X 

X 

X 

X 

Pinna  cf.  decussata  . . 

X 

— 

X 

— 

Oervillia  solenoidcs  . . 

X 

— 

X 

X 

Avictda  glabra  .... 

— 

— 

X 

X 

Pecten  curvatus  . . . 

X 

X 

X 

X 

— orbicularis  .... 

X 

— 

X 

X 

Lima  clont/ata  .... 

X 

X 

X 

X 

Hpondglus  hystrix . . . 

X 

— 

X 

— 

Anomia  sublmncata  . . 

X 

X 

X 

X 

Exoqyra  lateralis  . . . 

X 

— 

X 

X 

Micraster  cor  testudinarium 

— 

X 

? 

X 

Holaster  jdanus  . . . 

— 

— 

— 

X 

Cidaris  subvesiculosa  . . 

, 

— 

— 

— 

X 

Aus  dieser  tabellarischen  Zusammenstellung  ergiebt  sich,  dass  die 
Fauna  des  Räcknit/er  1‘länermergels  die  grösste  Aehnlichkeit  mit  der- 
jenigen besitzt,  die  als  solche  der  „Strchloner  Schichten“  niifgeführt  zu 
werden  pflegt,  .ledoch  fallen  bei  dieser  anscheinenden  Uebereinstinimung 
folgende  Erwägungen  ins  Gewicht:  1.  fehlen  in  den  Räcknitzer  Mergeln 
gerade  diejenigen  Formen,  welche  für  die  echten  Strehlener  Schicliten 
charakteristisch  sind,  so  z.  R.  Hi/])so(hm  Lewesieims  Ag.,  T'roihus  armatus 
(iein.,  Cardita  teniiicosta  Sow.,  Lima  Hoperi  Mant.,  Scaphites  Qeinitzi 
d’Orb.  u.  a.,  vor  Allem  aber  auch  die  dort  so  häufige  Tirchratula  simii- 
glohofd  Sow.  2.  ist  es  nicht  unwahrscheinlich,  dass  in  den  früheren,  jetzt 
längst  verschütteten  Strehlener  Steinbrüchen  nicht  nur  der  echte  Strehlener 
l'läncr,  sondern  auch  an  deren  Rasis  die  hängendsten  Schichten  gerade 
jener  Stufe  aufgeschlossen  waren,  die  als  unterste  Rrongniarti-Zone  auf- 
gefasst werden  muss  und  in  der  wir  gesammelt  haben.  Da  damals  die 
palaeontologische  Ausbeute  nicht  nach  ihrer  Herkunft  Schicht  für  Schicht 
getrennt  gehalten  wurde,  mag  eine  Vermischung  der  Fossilien  beider 
Horizonte  stattgefunden  haben.  Diese  Venmithung  wird  durch  die  Re- 
merkung  Schlönbach's*)  be.stärkt,  dass  in  den  tiefsten  Schichten,  die  in 


*)  .Jalirb.  der  k.  k.  geolog.  ReidisansUilt  1SH8,  Bd.  18,  S.  Mo. 


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76 


früherer  Zeit  in  den  Strehlener  Kalkbrüchen  zugänglich  waren,  Ammonites 
WooUgari  Mant.  in  solchen  Exemplaren  häufig  war,  die  ebenso  wie  die- 
jenigen der  Malnitzer  Schichten  früher  für  Ammonites  Ehotomagensis 
llrougn.  gehalten  wurden.  Ebendieselben  Formen  liegen  uns,  und  zwar 
in  grösserer  Zahl  aus  den  Ziegelgruben  von  Kücknitz  vor.  Da  dieser 
Auimonit  nirgends  in  den  Teplitzer  Schichten  Böhmens  und  auch  bei 
Weinböhla  nicht  gefunden  wurde,  ist  es  wahrscheinlich,  dass  er  nur  in 
diesen  liegendsten  Schichten  Strehlens  vorkam.  Die  üehereinstimmung 
der  Fauna  des  Käcknitzer  I’länermergels  mit  derjenigen  des  Krietzschwitz- 
Schnceherger  Brongniarti- Pläners  ist  zwar  eine  sehr  geringe,  immerhin 
ist  aber  bedeutungsvoll,  dass  alle  bei  Kücknitz  häufigeren  Arten  auch  ini 
Krietzschwitzer  Pläner  nachgewiesen  sind,  und  dass  in  letzterem  wie  bei 
Kücknitz  Ammoniien  WuoUgnri  Mant.  mit  Imceramm  Brongniiirti  Sow. 
und  Miaaster  cor  tesUulinarium  Goldf.  vergesellschaftet  ist.  Mit  den 
Malnitzer  Schichten  Böhmens  zeigt  dagegen  die  l'auna  von  Räcknitz  grosse 
Verwandtschaft, 

Durch  obige  Beobachtungen  und  Erörterungen  dürfte  nach- 
gewiesen sein,  dass  sowohl  in  der  Sächsischen  Schweiz,  wie 
bei  Dresden  im  Hangenden  der  Labiatus-Stufc  ein  bisher  nicht 
abgeschiedener,  zur  Brongniarti-Stufe  gehörender  Complex  vor- 
handen ist,  welcher  einen  untersten  Horizont  der  letzteren  re- 
präsentirt,  also  älter  ist  als  der  Strehlener  Pläner. 

Es  ist  zu  erwarten,  dass  sich  diese  Beziehungen  später,  wenn  in  ver- 
schiedenen anderen  Ziegeleien,  z.  B.  bei  Leubnitz  etc.,  dieselben  Pläner- 
mergel besser  aufgeschlossen  sein  werden,  weiter  begründen  und  erhärten 
lassen.  So  wird  bei  Klein-Luga  unweit  Niedersedlitz  ein  Mergel  gegraben, 
aus  dem  Beck*)  Micraster  cor  festudinarium  Goldf.  sowie  Lima  elnngata 
Sow'.  nennt,  denen  wir  noch  TurriUdla  multidriata  Keuss  und  Natica 
Oentii  Sow.  zufügen  können.  Wegen  seiner  Lagerung  im  Hangenden  der 
Labiatus-Stufe,  sowie  der  Häufigkeit  der  auch  bei  Kücknitz  reichlich  ver- 
tretenen Lima  dongata  Sow.  und  der  oben  genannten  Xatica,  dürften  die 
.Mergel  von  Luga  dem  nämlichen  Horizonte  angehören  wie  die  von  Räck- 
nitz. Dahingegen  repräsentiren  die  bei  Zschertnitz  aufgeschlossenen  Mergel 
ein  jüngeres  Niveau.  Wenn  sie  auch  an  dieser  Stelle  nur  sehr  w'enige 
und  zur  Horizontbestimmung  nicht  geeignete  Fossilien  lieferten,  so  ent- 
hielten doch  die  direct  in  ihrem  Liegenden  durch  einen  Brunnen  erreichten 
Mergel  Vertreter  der  typischen  Strehlener  Fauna  und  zwar,  wie  Geinitz**) 
berichtet,  u.  a.  Lima  Hoperi  Mant.,  Inoccramus  Brongniarti  Sow.,  Tere- 
hratula  semiglohosa  Sow,  und  Terehratidina  gradlm  Schloth.,  weshalb 
diese  und  die  ihr  unmittelbares  Hangende  bildenden  erst  erwähnten  Mergel 
Von  Zschertnitz  zu  den  Strehlener  Schichten  zu  stellen  sind. 


4.  Ser  Brongniarti-Quader  und  der  Strehlener  Pläner  als  aequivalente 

Faoiesgebilde. 

Haben  wir  somit  erkannt,  dass  über  demselben,  den  untersten  Hori- 
zont der  Brongniarti-Stufe  bildenden  Complex  von  Plilnern  und  Pläiier- 
mergeln  im  Gebiet  der  Sächsischen  Schweiz  der  Brongniarti -Quader,  bei 

•)  Krläutcruiifreu  Sect.  Kreisclio,  S.  74. 

*•)  Sitzuiigsberiilile  ilcr  Isis  18(>"),  S.  nö. 


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77 


Dresden  dagegen  der  Brongniarti- Pläner  folgt,  so  kann  kein  Zweifel  ob- 
walten, dass  beide  letzteren  gleiches  Alter  besitzen  und  demnach  aequivalcute 
Faciesgebilde  repräsentiren. 

Der  Brongniarti-Quader  der  Sächsischen  Schweiz  und  der  Brongniarti- 
Pläner  von  Strehlen  schliessen  sich  räumlich  aus  und  gelangen  nur  in 
einer  in  nord-südlicher  Richtung  ül)cr  Pirna  verlaufenden  schmalen  Zone 
zur  Vergesellschaftung.  Aus  Beck’s  genauer  Aufnahme  und  Kartirung 
dieses  Striches  lässt  sich  schliessen,  dass  hier  nicht,  wie  es  bei  den  bisher 
behandelten  Stufen  des  Inoceramus  labiatus  und  des  Actinommax  pUmus 
der  Pall  war,  ein  allmählicher  Uebergang,  sondern  vielmehr  eine  aus- 
keilende Wechsellagerung  zwischen  beiden  Facies  besteht. 

Eine  solche  auskcilende  Wechsellagerung  findet  aber  nicht  nur  zwischen 
den  eben  genannten  beiden  Faciesgebilden  der  oberen  Brongniarti -Stufe, 
also  zwischen  dem  Quader  und  dem  Strehlener  Pläner,  sondern  auch 
innerhalb  der  im  vorigen  Abschnitt  betrachteten  untersten  Abtheilung  der 
Brongniarti -Stufe  statt,  indem  sich  die  in  der  Sächsischen  Schweiz  im 
engsten  Verbände  mit  dem  Krietzschwitzer  Brongniarti  Pläner  auftretenden 
Grünsandsteine  nach  NW  auskeilen,  so  dass  in  der  Dresdner  Gegend,  wie 
oben  dargethan,  die  gesammte  Zone  aus  Plänermergel  besteht.  Zur  Er- 
läuterung der  angedeuteten  Verbandsverhältnisse  der  einzelnen  Glieder 
der  Brongniarti-Stufe  diene  das  beistehende  schematische  Profil  Fig.  14. 

Fig.  14. 

Firna 


j6 


Scüema.tisches  Profil  der  Brongniarti-Stufe  in  der  Pirnaer  Gegend  znr 
ErlSute'rung  der  Verknüpfung  der  Quader-  und  Pliinerfacies  dieser 
Stufe  durch  auskeilende  Wechsellagerung*). 

Labiatus-Stufe:  ql  = Labiatus- Quader,  pl  = Labiatus -Pläner,  in  einander 
übergehend.  — Untere  Brongniarti-Stufe:  pb,  ^ unterer  Brongniarti-l’länermergel 
und  -Pläner,  m=  Mergel  im  Liegenden  vou  qj',,  qy,  = unterer  GrUnsandstein,  qy, 
= oberer  Grünsandstein.  — Obere  Brongniarti-Stufe:  pbj  = oberer  Brnngniarti- 
Plänermergel,  q b = Brongniarti  - Quader.  — Scaphiten-Stufe:  msc  = Seapbiten- 
Mergel. 

Jlati  sieht  auf  demselben  zu  unterst  die  I-abiutus-Stufe,  die  von  SO  nach 
NW  aus  dem  Quader  ((jl)  in  den  Pläner  fplj  übergeht,  ferner  als  Han- 
gendes des  gesammten  zur  Darstellung  gebrachten  Schichten -Complexes 
die  Scaphiten- Mergel  (msc),  zwischen  beiden  die  verschiedenartigen  Ver- 
treter der  Brongniarti-Stufe,  zunächst  deren  untere  Abtheilung,  und  zwar 
rechts  in  der  Entwickelung  der  Sächsischen  Schweiz  die  Grünsandsteine  (iiyi) 
und  (ii/,),  den  Brongniarti -Pläner  (pb,)  und  den  untersten  Mergel  (m), 
säinmtlich  in  Wechsellagerung.  Nach  NW  zu,  also  im  linken  Thcile  des 


*)  Siehe  die  .\umerkiing  auf  S.  3d  ül»er  die  Bm-hstabensymbole. 


Digiti 


78 


Profils,  tindet  eine  allmähliche  Auskeilung  der  Grünsandsteine  statt,  so 
dass  die  Pläner  und  Mergel  allein  zur  lleri-schaft  gelangen.  Das  gleiche 
Verhältniss  lierrecht  innerhalb  der  oberen  Ahtheilung  der  Brongniarti-Stufe, 
dem  Brongniarti -Quader  der  Sächsischen  Schweiz  (qb)  und  dem  oberen 
Brongniarti-Pläner,  also  dem  Strehlener  Pläner  (pbj). 

innerhalb  der  unteren  Brongniarti-Stufe  ist  der  obere  Grünsand- 
stein (qy!)  nur  von  localer  Bedeutung,  er  steht  bei  llottwerndorf  und 
Krietzschwitz  als  /wischenmittel  zwischen  dem  unteren  (qb,)  und  dem 
oberen  (pb,)  Plänermergel  an,  keilt  sich  aber  nacli  jeder  Kichtung,  nach 
der  er  sich  verfolgen  lässt,  bald  aus.  Der  untere  Grünsandstein  (qy,) 
dagegen  bleibt  im  Gebiet  der  Sächsischen  Schweiz  allerwärts  im  Liegemlen 
des  dortigen  Brongniarti-Pläners  (pb,),  also  des  Krietzschwitz-Schneeberger 
Pläners  entwickelt  und  greift  auch  am  weitesten  von  allen  turonen  Sand- 
steinen nach  NW  über.  Während  er  am  Gottaer  Spitzberg  und  von  hier 
bis  in  die  Gegend  von  Pirna  noch  mehrfach  mit  Plänerraergeln  (m)  wefhsel- 
lagcrt,  die  sich  dort  zwischen  ihn  und  die  Labiatus -Stufe  einschieben*), 
findet  bei  Hinterjessen  das  gleiche  Verhandverhälfniss  zwischen  ihm,  dem 
Grünsandstein  und  ilem  sein  directes  Hangendes  bildenden  Krietzschwitzer 
Pläuermergel  statt**).  Hierin  kommt  die  auskeilende  Wechsellagerung 
zum  Ausdruck,  in  Folge  deren  der  Grünsandstein  von  der  Gegend  von 
Pirna  aus  gänzlich  durch  den  Pläner  und  Plänermergel  ersetzt  wird,  ln 
dem  nordwestlich  sich  anschliessenden  Plänergebiet  selbst  ist  derselbe 
nirgends  aufgeschlossen  oder  erhohrt  worden. 

Aehnliche  Verhältnisse  wie  in  der  unteren  Abtheilung  der  Brongniarti- 
Stufe  herrschen  in  deren  oberen  Abtheilung,  also  zwischen  dem 
Brongniarti- Quader  (qb)  der  Sächsischen  Schweiz  und  dem  bei  Dresden 
als  Strehlener  l’läner  entwickelten  oberen  Brongniarti-Pläner  und  Pläner- 
niergel  (pb,).  Letzterer  schiebt  sich  bereits  in  der  Gegend  von  Neundorf 
und  Krietzschwitz  zwischen  ilie  hier  local  entw-ickelte  obere  Grünsandstein- 
bank der  unteren  Stufe  und  den  normalen  Brongniarti -Quader  ein,  lässt 
sich  von  hier  aus  am  rechten  Thalgehänge  der  Gottleuba  bis  jenseits 
i’irna  verfolgen,  ist  bei  Copitz  und  Hinterjessen  unmittelbar  im  Liegenden 
des  Brongniarti -Quaders  aufgeschlossen  und  in  der  Klbniederung  bei 
Birkwitz  durch  eine  ausgedehnte  Grube  blossgelegt.  Von  hier  aus  bis 
in  die  Dresdner  Gegend  fehlen  .\ufschlüsse  dieses  oberen  kalkigen  Com- 
j)lexes  der  Brongniarti-Stufe,  erst  bei  Strehlen  war  derselbe  in  früheren 
Jahrzehnten  durch  die  dortigen  Steinbrüche  blossgelegt  und  hat  eine  so 
reiche  paliieontologische  Ausbeute  geliefert,  dass  die  ganze  Zone  nach 
diesem,  ihrem  günstigsten  Aufschlussorte  die  Bezeichnung  „Strehlener 
Pläner"  erhalten  hat.  Dass  die  Plänermergel,  welche  sich  von  Birkwitz 
und  Hinterjessen  aus  unter  den  sich  hier  bereits  auskeilenden  Brongniarti- 
tjuader***)  einschieben  und  sich  ebenfalls  bald  auskeilen,  in  der  That  dem 
Horizonte  der  Strehlener  Pläner  entsprechen,  geht  daraus  hervor,  dass 
ilicse  Mergel,  trotzdem  es  dort  an  günstigen  Aufschlüssen  fehlt,  ausser 
Foraminiferen  die  folgenden  typischen  Vertreter  der  Strehlener  Fauna 
geliefert  haben f): 

*)  Erläuterungen  Sect,  l'irna,  S.  (i‘i. 

**)  Erläuterungen  ,Se<  t.  Pim.v,  ,S.  «6. 

*•*)  Erläuterungen  Scct.  Pinia.  ,S  71. 

•fl  Mach  (ieinitz;  Charakteristik,  S.  106;  Bcck:  Erläuterungen  Sect.  Pirna,  ,S.  67. 
und  eigenen  Funden. 


79 


Hifpsodon  Lewcsiemin  Ag. 

(J.ri/rhina  MantelU  Ag. 

Corax  hetorodon  Iteuss. 

Knoplodi/tia  Leachi  Mant. 

&aphiten  Geinitzi  il'ürb. 

yaatilus  siiblaevigalus  d’Orb. 

Tniclius  armatus  d’Orb. 

Curdita  tenuicosta  Sow. 

T'c-niis  öoldfussi  Gein. 

Inoctramus  latus  Mant. 

Pectcn  Nilssoni  Goldf. 

Exogijra  lateralis  Nilss. 

Micrastvr  cor  testndinarium  Goldf.  sp. 

Cidaris  suhvesiculosa  d’Orb. 

Aus  der  Tliatsache,  dass  diese  dem  Strehlener  Horizonte  entspret'benden 
I’länermergcl  von  der  Gegend  südlich  und  östlich  von  I'irna  aus  durch 
den  sie  hier  überlagernden  llrongniarti -Quader  alltnählich  bis  zu  ihrem 
Verschwinden  verdrängt  werden,  da'-s  sie  andererseits  nach  NW,  also  nach 
Dresden  zu,  an  Mächtigkeit  zunclinien  und  zugleich  der  Quader  vollständig 
verschwunden  ist,  — aus  diesen  Thatsachen  lässt  sich  bereits  schliessen, 
dass  der  Brongniarti- (Quader  der  Sächsischen  Schweiz  und  die  oberen 
d.  h.  Strehlener  l’länermergel  und  Pläner  der  Dresdener  Klbthalwanne 
aequivalente  Faciesbildungen  der  oberen  Abtlieilung  der  Brongniarti-Stufe 
sind.  Es  fragt  sich  nun,  ob  diese  Schlussfolgerung  durch  den  Vergleich 
der  beiderseitigen  Faunen,  also  derjenigen  des  Brongniarti -Quaders  mit 
derjenigen  des  Brongniarti-riäners  von  Strehlen,  eine  Unterstützung  tindet. 
Ob,  mit  anderen  Worten,  beide  trotz  der  herrschenden  Faciesvcrschieden- 
beit  eine  genügende  Aehulichkeit  aufweisen. 

Aus  dem  jJrongniarti-Quader  der  Sächsischen  Schweiz  sind  bis  jetzt 
folgende  Fossilien  bekannt  geworden*): 


Bergx-  nmatus  Ag.  (St.) 

AmmoHites  peramplus  Sow.  (St.) 
Jdioladomga  nodutifera  Münst.  (St.) 
Glgcimeris  Geinitzi  Holzapfel.  (St.) 
cf.  Fenns  faha  Sow.  (St.) 

Eriphgla  lenticularis  Goldf.  (St.) 
Finna  cretarea  Schlötb.  (St.) 

— decussata  (ioldf.  (St.) 

cf.  Modiola  Cottae  Rom.  (St.) 

Inoceramns  Brongniarti  Sow.  (St.) 

— Lumarcki  i’ark.  (St.) 

Lima  pseudocardium  Heuss.  (St.) 

— semistdeata  Nilss.  (St.) 

— Boperi  Mant.  (St.) 

— ranalifvra  Goldf.  (St.) 

Pectcn  laevis  Nilss.  (St.) 

— cretosus  Defr.  (St.) 


*)  Geinitz  in  SitznngHliericlite  der  Isis  lH7rt.  .S.  HJ.  u.  1882,  S.  70.  Die  Ori- 
ginale beKnden  sieh  theils  iui  K.  Jlaseum.  theiis  in  der  Terlinisclien  Hocbschnle. 


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Vola  qiiadricostafa  Sow.  (St.) 

Kxo(/!/ra  columha  Lai«.  (St.) 

Rhi/nchondla  plicdtiUa  Sow.  (St.  ( 

Cidaris  siihvesiculosa  il'ürb.  (St  ) 

Ci/phnsoma  rudiatum  Sorg«.  (St.) 


Ötrdutsler  anatichi/tin  Lfske. 

Catop!/!iug  albensis  (iein. 

Stell(wier  Scliuhii  Uoicli. 

— allends  Gein. 

Die  überwiegende  iMelirzahl  derselben,  niimlich  die  durch  (St.)  ge- 
kennzeichneten Formen,  kommt  auch  im  Strehlener  Pläner  vor.  Das 
Fehlen  einiger  dieser  Qnaderfossilien  im  Pläner,  so  von  Finna,  Car- 
diasfer,  Catopyi/us,  Sttdluster  sp.,  wohl  auch  der  im  Quader  freilich  über- 
aus seltenen  Flioludomya,  dürfte  dadurch  zu  erklären  sein,  dass  diese 
Formen  die  sandige  Facies  bevorzugen.  Auch  die  sonstigen  Verschieden- 
heiten, die  sich  in  den  Faunen  des  Quaders  und  des  Strehlener  Pläners 
und  zwar  in  erster  Linie  in  der  grösseren  Reichhaltigkeit  des  letzteren 
kundgeben,  sind  wesentlich  Folgen  der  Faciesverschiedeuheit  beider  Ge- 
bilde. So  ist  der  Strehlener  Pläner  ausgezeichnet  durch  zahlreiche  Fisch- 
roste, wie  sie  im  Quader  fast  nie  erhalten  sind,  wo  nur  Wirbel  als  grosse 
Seltenheit  gefunden  werden,  so  solche  von  lirryx  ornatw>  Ag.,  einer  der 
charakteristischen  Arten  des  Strehlener  Pläners.  Der  häutigste  der  Streh- 
lener Cephalopodcn,  Ammonites  perumplus  Sow.  ist  im  Quader  vorhanden. 
Dass  in  letzterem  Gastropoden,  von  denen  namentlich  JioateUaria  in  Strehlen 
häutig  war,  fehlen,  kann  nicht  befremden,  da  solche,  wie  S.  3G  und  53 
erörtert,  kalkig-tlionige  Sedimente  bevorzugen.  Auch  die  V’erbreitung 
mancher  Lamellibranchiaten  ist  von  der  Art  der  Facies  abhängig.  So  ist 
z.  1!.  der  in  Strehlen  sehr  häutige  Spondi/lns  ftjiinoifits  Sow.  noch  nirgends 
im  Q>uadersandstein  gefunden  worden,  ist  er  doch  durch  seine  langen 
Stacheln  als  eine  Form  gekennzeichnet,  die  milden  schlammigen  Roden 
liebt.  Untel-  den  sonstigen  Zweischalern  Strehlens  befinden  sich  viele  mit 
dünner  Schale,  die  entweder  überhaupt  nicht  im  Quailer  auftreten,  oder 
in  ihm  nicht  erhalten  blieben.  Als  höchst  charakteristisch  für  den  Streh- 
lener Plänerkalk  gelten  ferner  Ihrbratula  mninlobom  Sow.  und  Tere- 
bratidma  grarilis  Schloth.,  welche,  wie  S.  3(i  gezeigt,  ebenfalls  nicht  in 
dem  meist  grobkörnigen  Quadersandstein  erwartet  werden  können.  Ferner 
dürfte  das  Fehlen  von  Micrader  und  Holasler  im  Quader  mit  grosser 
Wahrscheinlichkeit  auf  den  Finfiuss  der  Facies  zurückzuführen  sein,  da 
beide  sowohl  in  den  Pläncrniergeln,  die  älter  als  der  Rrongniarti-Quader, 
als  auch  in  denen,  die  .jünger  als  dieser  letztere  sind,  Vorkommen.  End- 
lich waren  die  Foraminiferen,  wie  sie  im  Strehlener  Pläner  zahlreich  vor- 
handen sind,  zur  Erhaltung  im  Quader  nicht  geeignet  und  voraussichtlich 
in  seinem  .Vblagerungsgebiet  überhaupt  nicht  vertreten.  jMit  Rcriicksich- 
tigung  dieser  faunistischen  Faciesuntcrschiede  zeigt  es  sich,  dass  die  Fauna 
des  l$rongniarti-()uaders  derjenigen  des  Strehlener  Pläners  analog  ist  und 
dass  beide  eine  Anzahl  charakteristischer  Leitfossilien,  so  Ammoniten 
j/eramphis  Sow.,  Inocvramiis  Brongniarti  Sow.  unil  Lamarchi  Park.,  Lima 
Hoperi  .Mant.  und  Vgphosoma  radiutum  Sorgn.  gemeinsam  haben.  Auch 
aus  palaeon tologischen  Gründen  kann  es  somit  nicht  zweifel- 
haft sein,  dass  beide  Sedimente,  der  Rrongniarti-tjuader  der 


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81 


Sächsischen  Schweiz  und  der  Strehlener  Plänerkalk  als  gleich- 
alterige  Faciesgebilde  zu  betrachten  sind. 

Das  Ergebniss  der  vorstehenden  Untersuchungen  lässt  sich  dahin  zu- 
samnaenfassen,  dass  in  der  Brongniarti-Stute  Sachsens  eine  Gliederung  in 
zwei  Zonen  durchführbar  ist.  Die  ältere,  direct  auf  die  Labiatus- 
Stufe  folgende  Zone  umfasst  einerseits  den  als  Krietzschwitzer  Pläner 
bekannten  Brongniarti- Pläner  und  den  früher  als  Copitzer  Griinsandstein 
bezeichneten  Glaukonitsandstein  der  Sächsischen  Schweiz,  anderentheils  als 
dessen  reine  Kalkfacies  einen  bisher  als  zur  I.abiatus- Stufe  gehörig  be- 
trachteten Pläuermergel,  der  augenblicklich  bei  Räcknitz  und  Klein-Luga 
aufgeschlossen  ist.  Charakterisirt  ist  diese  Zone  ausser  durch  Inoce- 
ratnus  Brongniarti  Sow.  durch  Ammonites  Woollgari  Maut.,  Lima  dongata 
Sow.,  ..4rca  snbglabra  d’Orb.  und  Bapa  cancellata  Sow.  sp.  Sie  ist  sowohl 
in  der  Sächsischen  Schweiz,  wie  bei  Dresden  als  Pläner  und  Pläuermergel 
entwickelt,  mit  denen  sich  irn  erstgenannten  Gebiete  noch  Grünsandsteine 
vergesellschaften.  Die  jüngere  Zone  der  Brongniarti-Stufe  besteht 
aus  jenen  Plänern  und  Plänermergeln,  denen  der  Brongniarti-Plänerkalk 
von  Weinböhla  und  Strehlen,  der  Plänermergel  von  Birkwitz  und  Ilinter- 
jessen  im  Wesenitz -Grunde  zugehören,  andererseits  aus  dem  sie  in  der 
Sächsischen  Schweiz  vertretenden  Brongniarti-Quader.  Als  für  diese  Zone 
charakteristische  Fossilien  sind  u.  a.  Inoceramns  Brongniarti  Sow., 
Ammonites  peramplns  Sow.,  Lima  Hoperi  Mant.,  Terebratula  semigJobosa 
Sow.  und  Cgphosoma  radiatnm  Sorgn.  zu  nennen.  Dieser  Comple.v  zeigt 
die  ausgesprochenste  Faciesdifferenzirung,  indem  er  in  dem  einen  Gebiet 
als  Quader,  in  dem  anderen  als  Pläner  und  Pläuermergel  auftritt.  Beide 
Facies  sind  durch  auskeilendc  Wechsellagerung  verbunden. 

Nicht  im  Einklang  mit  dieser  Zweitheilung  scheint  auf  den  ersten 
Blick  der  Umstand  zu  stehen,  dass  bei  Tetscheu  ein  Brongniarti -Quader 
dem  Labiatus-Quader  direct  auflagert,  ohne  dass,  wie  bei  Pirna  und  am 
Hohen  Schneeberg  der  aus  Grünsandstein  und  Pläner  bestehende  untere 
C'omplex  der  Brongniarti-Stufe  beiden  zwischengeschaltet  ist.  Oflenbar 
findet  hier  eine  Vertretung  auch  dieser  unteren  Abtheilung  der  Brong- 
niarti-Stufe durch  den  Quader  statt.  Bereits  auf  Section  Rosenthal  hat 
der  Krietzschwitz  - Schneeberger  Pläner,  wie  Schalch*)  berichtet,  die 
Tendenz,  sich  in  nördlicher  Richtung  auszukeilen:  ebenso  verliert  der 
Grünsandstein  mehr  und  mehr  seinen  Glaukonitgehalt,  bis  er  endlich  in 
der  Nähe  der  Elbthalrinne  glaukonitfreie  Ausbildung  erlangt  bat**).  Dort 
wo  diese  GrUnsandsteine  und  Pläner  fehlen,  also  in  der  Gegend  von 
Tetschen  und  Elbleiten,  weist  der  Brongniarti-Quader  zwei,  je  nach  ihrem 
Niveau  verschiedene  Ausbildungen  auf***).  Der  untere  Complex  ist  fein- 
körnig, weich,  plattig  oder  bankig  geschichtet  und  giebt  einen  bindigen 
Verwitterungsbollen,  der  obere  hingegen  ist  grob-  bis  niittelkörnig,  dick- 
bankig  geschichtet  und  verwittert  zu  Sand.  Da  der  erstere  auch  in  seiner 
Mächtigkeit,  nämlich  30  — 60  m,  völlig  dem  Complex  des  Krietzschwitz- 
Schneeberger  l’läners  und  Grünsandsteins  entspricht,  der  zweite,  darüber 


*)  Erläuterungen  Seit.  Kosenthal,  S.  .14. 

•*)  Erläutemngeii  Seit.  Rosenthal,  S.  Z7,  u.  Erläuterungen  Sect.  Oro.sser  Winterberg- 
Tetsi'hen,  S.  31. 

***)  Erläuterungeu  Sect.  Grosser  Wiuterberg-Xetschen,  S.  34. 


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82 


folgende  aber  viel  grössere  Mächtigkeit  besitzt,  ist  es  sehr  walir- 
scbeiiilich,  dass  dieser  untere,  feinkörnige  Ürongniarti-Quader 
eine  rein  sandige  Facies  des  Krietzschwitz  - Schneeberger 
Brongniarti-l’läners  und  (irünsandsteins,  also  der  unteren  Ab- 
theilung der  Brongniarti-Stufe  vorstellt,  und  dass  mir  der  obere, 
grobkörnige  Bningniarti- (Quader  die  Fortsetzung  des  zwischen  Pirna  und 
dem  Hohen  Schneeberg  über  dem  Krietzschwitzer  Planer  liegenden  Brong- 
niarti-Quaders  ist  und  somit  allein  die  obere  Abtheilung  der  Brongniarti- 
Stufe  repräsentirt.  Zahalka*)  constatirte  bei  liaudnitz  in  Böhmen  ganz 
ähnliche  Verhältnisse,  indem  er  zeigte,  dass  die  unteren  Quader  der  Iser- 
Scbichten  einem  gewissen  Horizont  der  Malnitzer  Schichten  entsprechen. 

In  der  Gegend  von  Dresden  und  derjenigen  von  Totschen-Elbleiten 
würden  also  die  Extreme  der  Faciesuntcrschiede  innerhalb  der  gesammten 
Brongniarti-Stufe  zu  suchen  sein,  in  ersterem  Gebiet  die  rein  mergelig- 
kalkige,  in  letzterem  die  rein  sandige  Facies. 

*)  1.  c.  S.  85. 


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Stale  fies  Inocei’amus  Hi'onj^niarti. 


83 


Nach  Obigem  erhalten  wir  folgende 

Tabellarische  XJebersleht  über  die  Gliederung  der  Brongniarti-Stufe 

Saohsens. 


Kein  sandige 

Sandig-kalkige 

Rein  kalkige 

Aequiva- 

Facies. 

Facies. 

Facies. 

lentc  in 

Ty]ius  Tetschen. 

Typus  Hoher 
.Sclmeeberg. 

Typus  Dresden. 

Biihraen. 

1 

Grobkörniger 

lOiadersandstcin 

Plänerkalk  nml  ^ 

QuadersaniUtein 

der  Sächs.  Schweiz 

• Merisel  von  Wein* 

von  Tetsclicn  ninl  1 

von  I’irna  bis  zum 

hohla,  Strehlen  nnd 

1 3 

Klbleiten,  mit  /«o* 

Hohen  Schneeberg, 

Birkwitz  mit  Ino- 

1 « 

cmmiiis  Broufj^ 

mit  Inoceramus 

Cframus  Brong- 

Teplitzer 

1 JS 

niarti  niid  Lima 

Brongniarfi,  Lima 

niarti , Lima  Ho- 

1 ^ 

ca«rt/i/ern.  ' 

canalifera  und  Ho- 

peri,  Spondylus  «/n- 

Schichten 

peri.Ct/phosoma  r«-! 

nosus,  Terebraluin 

und 

1 ^ 

(lialum  nnd  Ammo- 

gemigloboga,  Cypho- 

1 s 

1 

niteg  peramptus. 

8oma  radiatum,  Mi- 

Iser- 

cragter  cor  testmti- 

I O 

narium,  Anmioniteg 
peraniplug  und  Xep- 
luni,  Heteroeerag 
Hengginnum,  Sca- 
phiteg  Geinitzi  und 
/I  cfinocamnj-  gtreh- 

Schichten 
z.  Tb. 

lense.  | 

Feinkörniger 

Plänern.  -Mergel 

Plänermergel 

Quadcrsandstein 

von  Krietz.«chwitz, 

von  Räcknitz,  Klein- 

bb 

0 

von  TeUclien  und 

Langenliennersilorf 

I.nga  nnd  im  Unter- 

Elbleiten  mit  Ino- 

nnd  Schneeherg.  mit 

gnindc  von  Drt‘.sden 

Iser- 

SS 

0) 

ccranius  Brony- 
niarti. 

fnoceratnns  Brong- 
fiiarti,  Lima  eloti- 

mit  Mieraster  cor 
tesfudifinrium,  Ho- 

Schichten 

JA 

gnta,  Area  eub- 

lasfer  planus,  Lima 

z.  Th. 

JS 

glabra,  Hapa  can- 

e/ongata,  .-Immom- 

und 

ceUata^  Ämmonites 

teg  ifoollgari. 

V 

u, 

Woollgari,  u.(t  r ü n - 

Malnitzer 

O) 

.Sandstein  mit 

Schichten. 

Inoceramtis  Brony- 

i 

5 

niarti f Area  8ub- 
glnhra,  Rhyncho- 

nella  bohemica. 

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84 


Inhalts-VerzeichnisB. 

8cil« 

Kinleitendp  Benierkmigeii 31 

I.  Hie  Qnftiier-  und  IMHiierfnoies  der  Stufe  des  Inocernmu»  Inliiatus  32 

1.  Die  Quaderfaeies  (Profil  11 32 

2.  Die  Plänerfat-ies 34 

3.  Vergleich  der  Faunen  beider  Facies 35 

II.  Das  obere  Cenoman  und  seine  Faciesverschiedenheiten  ....  37 

1.  Da.s  Verbältniss  des  Carinaten-t:iuader8  zum  (‘arinaten-Pläner  (Profil  2 und  3)  37 

2.  Die  Gliederung  des  Cenomans 46 

3.  V'ergleieh  der  Fauna  des  Carinaten- Pläners  mit  deijeuigen  des  PlSner- 

sandsfeins »52 

III.  Die  K lippenfaeies  des  Cenomans 53 

1.  IVesen  und  Cliarakteristik  der  Klippenfaiies 53 

2.  Beschreibung  der  Klippenfaeies .56 

a)  Die  Klippenfaeies  auf  dem  .Syenitrücken  bei  Planen  (Profil  4—9)  . 56 

b)  Die  Klippenfaeies  auf  dem  Granitit  des  Gamighübela,  bei  Kauscha 

lind  bei  l.ockwitz  (Profil  10  und  11) 61 

c1  Die  Klippenfaeies  auf  der  Porphyrknpiie  des  Kahlebusches  (Profil  12)  64 

d)  Die  Klippenfaeies  anf  dem  Granitit  von  Meissen 66 

e)  Die  Klippenfaeies  auf  dem  Gneiss  des  Oherauer  Tunnels  (Profil  13)  66 

3.  KHckblick  auf  die  Fauna  der  Klippenfaeies 67 

IV.  Die  Faciesgebilde  der  Stufe  des  Inoceramus  Brongniarti  ....  70 

1.  Die  bisherigen  .\nsichten  bezüglich  der  Aeqnivalentgebilde  in  der  Brong- 

uiarti- Stufe 70 

2.  Der  Brongniarti -Pläner  der  Sächsischen  Schweiz  als  selbständige  untere 

Zone  der  Brongniarti- Stufe 72 

3.  Nachweis  der  unteren  Abtheilung  der  Brongniarti -Stufe  bei  Dresden  . . 73 

I.  Brongniarti  - (piader  und  Sirehlencr  Pläner  als  aeiinivalcnte  Faciesgebilde 

(Profil  14; 76 


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VI.  Neue  Unieiifelder  aus  Sachsen.  II. 

Von  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 


Haltestelle  Klotzsche. 

Ira  Frülijaltr  1884  wurde  beim  Bau  der  Secuiidäreisenbabn  Klotzsclie- 
Köriigsbrück  an  der  Stelle,  wo  dieselbe  von  der  Dresden-Görlitzer  Haupt- 
bahn abzweigt,  in  unmittelbarer  Nähe  der  Haltestelle  Klotzsche  eine 
Anzald  Urnengräber  aufgefunden,  über  deren  Aufdeckung  und  Inhalt 
H.  Wiechel  in  der  „Festschrift  der  naturwissenschaftlichen  Gesellschaft  Isis“ 
1885,  S.  125  u.  flg.  einen  kurzen  Bericht  veröffentlichte.  Aus  diesem  geht 
hervor,  dass  an  dem  Fundort  ein  Gräberfeld  der  älteren  Gruppe  der 
Urnenfelder  vom  Lausitzer  Typus  angeschnitten  worden  ist,  dessen  Zeit- 
stellung durch  das  mehrfache  Vorkommen  von  Buckelurnen  bestimmt  wird. 
Eine  vom  Verfasser  jenes  Berichtes  in  Aussicht  gestellte,  ausführlichere 
Veröffentlichung  über  die  Ausgrabung  mit  beigegebenen  Abbildungen  ist  nicht 
erfolgt,  die  Funde  selbst  gelangten  auch  nur  zum  Theil  und  zumeist  zer- 
brochen in  den  Besitz  der  prähistori- 
schen Sammlung  in  Dresden.  Die 
wenigen  besser  erhaltenen  Gefässe 
sind  in  den  nebenstehenden  Figuren 
1 — 7,  die  Bronzebeigaben  in  Fig.  16, 

17,  19  und  20  nach  Skizzen  dar- 
gestellt, welche  sich  bei  einem  von 
H.  Wiechel  an  das  Königliche  Finanz- 
ministerium erstatteten  Berichte  über 
die  Funde  von  Klotzsche  befinden. 

Unter  den  Gefässen,  deren  Fonnen 
zu  den  in  den  ältesten  Urnenfeldern 
Sachsens  sehr  häufigen  gehören, 
fallen  durch  ihre  Verzierungen  zwei 
Bruchstücke*)  auf,  deren  eines  (Fig.4) 
mit  eingefurchten  parallelen  länien 
und  dazwischen  gestellten  Reihen 
scharf  eingestochener  Punkto  ver- 
ziert ist,  während  das  andere  (Fig.  5)  am  Gefässhals  eine  horizontal  vor- 
stehende breite  Thonleiste  mit  Henkelansatz  trägt  — üriiamente,  welche 
vorher  aus  sächsischen  Urnenfeldern  nicht  bekannt  waren. 


♦)  An.s  Grab  1 kü  H.  Wiechel,  a.  a.  0.  .8.  126. 


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86 


11.  Wiechel  sprach  a,  a.  O.  S.  126  die  Verinuthuiig  aus,  dass  sich  das 
Gräberfeld  wohl  auch  über  den  Theil  des  liahnhofsareals  erstrecken 
dürfte,  auf  welchem  die  Geleise  der  Dresden-Görlitzor  Eisenbahn  und  die 
Anschlussgeleise  der  Sccundärbahn  Klotzsche- Kiinigsbrück  gelegt  sind  — 
eine  Vermuthung,  die  in  neuester  Zeit  durch  weitere  Urnenfunde  auf  der 
östlichen  Seite  des  Bahnhofsgebietes  bestätigt  worden  ist.  Wenig  mehr 
als  100  in  von  der  älteren  Fundstelle  in  südlicher  Richtung  entfernt 
wurden  im  Herbst  1899  bei  den  Vorarbeiten  für  eine  ausgedehnte  Central- 
weichenanlage in  dem  lockeren  Sandboden  wiedeiaini  versebiedene  Urnen- 
gräber aufgedeckt,  die  Gefässe  aber  in  Folge  der  Unkenntniss  der  Arbeiter 
bis  auf  wenige,  jetzt  in  der  Dresdner  prähistorischen  Sammlung  aufbewahrte 
Reste  vernichtet.  Von  grösseren  tiefässen  waren  nur  einzelne  Bruchstücke 
erhalten,  u.  a.  auch  solche  von  Buckelurncn.  Als  Deckel  zu  Urnen  mögen 
wohl  die  beiden  Schüsseln  (Fig.  1.8  und  14)  gedient  haben,  deren  eine 
gehenkelt,  <am  mittleren  Umfange  mit  perlschnurartig  an  einander  gereihten 
Hachen,  elli])tischen  Tupfen  geziert  und  auf  der  Unterseite  durch  Gruppen 
radi.al  gestellter  Striche  in  einzelne,  mit  horizontalen  Strichen  ausgefülltc 
F’elder  getheilt  ist.  Weiter  vorhanden  sind  ein  kleines  doppelheukeliges 
Gefäss  (Fig.  9)  und  mehrere  halbkugelige  oder  fluchgewölbte  Näpfchen 
(Fig.  8,  10  und  12).  Das  eine  in  Fig.  8 abgebildete  ist  am  Rande  mit 
einem  griffartigen  Ansatz  versehen  und  war  mit  feinem,  durch  reichlich 
beigemengte  llolzkohlentheilchen  dunkelgefärbtem  Sand  gefüllt.  Zu  den 
selteneren  Formen  gehört  ein  durch  seine  geringe  Grösse  auffallendes 
enghalsiges  Gefäss  (Fig.  11).  Von  Beigaben  wurden  gefunden  eine  scheiben- 
förmige Thonperle  (Fig.  15)  und  eine  Bronzenadel  mit  quergerippteni, 
scheibenförmigem,  nach  oben  fiaclikegelig  erhöhtem  Kopf  (Fig.  18). 

Üeher  die  Grabanlagen  selbst  konnte  nur  wenig  in  Erfahrung  gebracht 
werden;  alle  Gräber  waren  in  geringer  Tiefe  unter  der  Oberfläche  gefunden 
worden,  einzelne  mit  flachen  Bruchstücken  des  in  der  Nachbarschaft  überall 
auftretenden  Lausitzer  Granits  umstellt  gewesen,  in  mehreren  Gefässen 
hatten  sich  gebrannte  Knochen  befunden. 

Zweifellos  gehören  die  neuesten  Funde  derselben  Zeit  an  wie  die- 
jenigen aus  dem  J.ahre  1884;  nach  den  örtlichen  Verhältnissen  kann  als 
sicher  angenommen  werden,  d.ass  dieselben  nur  die  südlichen  Ausläufer 
desselben  Gräberfeldes  sind,  dessen  nördlicher  Rand  an  der  Secundär- 
eisenbahn  nach  Königsbrück  angeschnitten  wurde,  wenn  auch  über  das 
Vorkommen  von  Urnengräbern  in  dem  zwischenliegenden  Gebiete  nur 
unsichere  Angaben  vorhanden  sind*). 


Batin-Kiesgrube  NNO  Haltestelle  Klotzsche. 

In  Abtheilung  6.8  des  Langebrücker  Staatsforstreviers,  etwa  1,5  km 
nordnordwestlich  der  Haltestelle  Klotzsche,  zwischen  der  Dresden- 
Görlitzer  Flisenbahn  und  der  Strasse  von  Klotzsche  nach  Langebrück  ist 
vor  längerer  Zeit  zur  Gewinnung  von  Schüttungsmassen  für  Eisenbahn- 
bauten eine  Kiesgrube  angelegt  worden,  ln  dieser  wurde  im  September 
1899  beim  Abräumen  der  oberfläcblichen,  humusreichen  Erdschicht  durch 
Aufdeckung  zweier  Urnengräber  ein  neues  Urneufeld  aufgeschlossen,  welches 


•)  H.  Wiechel,  a.  a.  ü.  8.  1!16. 


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87 


sich  nach  Lage  der  Grabstellen  in  östlicher  liichtiing  nach  der  Klotzsche- 
Langehrücker  Strasse  hin  zu  erstrecken  scheint.  Die  Urnen  standen  in 
CU.  60  cm  Tiefe  unter  der  Dodenobertläche  und  waren  nach  Angabe  des 
den  Betrieb  der  Kiesgrube  überwachenden  Schachtineisters  mit  grösseren 
Steinen  umstellt.  Das  eine  Grab  enthielt  nur  eine  grössere,  mit  Knochen 
gefüllte,  doppelhenkelige  Urne  (Fig.  '21)  mit  hohem,  nach  der  Mündung 
nur  massig  verengtem  Hals  und  in  der  Mitte  stumpfkantig  gebrochenem 
Gefässhauch;  in  dem  anderen  standen  um  die  leider  gänzlich  zerstörte 
Urne  iin  Kreise  vier  Beigefässe  herum,  unter  denen  sich  ein  henkelloser, 


eiförmiger  Topf  mit  verhält- 
nissmässig  hohem,  einge- 
schnürtem Hals  und  nach 
aussen  umgelegtem  Rand  (Fig. 
il2),  ein  hoher  Krug  mit  wei- 
tem, bandförmigem  Henkel 
(Fig.  2S)  und  zwei  kleinere 
krugartige  Tassen  (Fig.  24 
und  25)  befinden.  Als  Beigabe 
Lag  in  einem  der  beiden  Grä- 
ber eine  zusaminengebogene 
Bronzenadel  aus  rundem 


Fig.  21—25  in  ’ Fig.  26  in  ’/j  rler  natürlichen 
Griisse. 


Draht,  deren  oberes  Endo  flach  gehämmert  und  spiralig  eingerollt  ist 
(Fig.  26).  Die  Fuiulgegenstände  werden  in  der  prähistorischen  Sammlung 
in  Dresden  aufbewahrt. 


Wenn  auch  in  diesem  Funde  von  den  für  die  älteren  Gräberfelder 


vom  Lausitzer  Typus  um  meisten  charakteristischen  Gefässformen,  den 
Buckelgertissen,  doppelconischen  Näpfen  und  henkellosen  eiförmigen  Töpfen 
nur  die  letztere  vertreten  ist,  so  weisen  doch  die  übrigen  Formen,  welche 
bisher  in  Sachsen  nur  in  den  ältesten  Urnenfeldern  gefunden  worden  sind, 
darauf  hin,  dass  die  Urnengräher  in  der  Bahnkiesgrube  auch  zu  Beginn 
der  Periode  der  grossen  Urnenfelder  angelegt  und  gleichalterig  mit  den 
an  der  Haltestelle  Klotzsche  uufgedeckten  sind.  Wegen  der  weiten,  mehr 
als  1 km  betragenden  Entfernung  von  letzterer  F’undstelle  können  beide 
Fundstätten  kaum  mit  einander  in  Verbindung  gebracht  werden.  Es  ist 
sicher  zu  erwarten,  dass  beim  Fortschreiten  des  Abbaues  der  Kiesgrube 
in  östlicher  Richtung  weitere  Urnengräher  aufgefundeu  werden. 


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VII.  Das  ei*ste  Aiiliydritvorkominniss  in  Sachsen 
(und  Böhmen). 

Von  Dr.  W.  Bergt. 


Im  l’hoiiolithbrucli  von  Schlössel  bei  Uammer-l'iiterwiesentlial*) 
fand  Herr  Lehrer  H.  Döring  zu  Dresden  im  Jahre  1896  ein  MineraL 
welches  nach  mehreren  Seiten  grösseres  Interesse  hcansprucht.  Der  basalt- 
ähnliche, augitreiche  l’honolithstock  des  genannten  Ortes  ist  durch  einen 
tiefen  Einschnitt  der  Bahn  und  durch  einen  in  lebhaftem  Gange  befind- 
lichen Steinbruch  sehr  gut  aufgeschlossen.  Er  zeichnet  sich  durch  prächtig 
entwickelte,  säulenförmige  Absonderung,  radialstrahlige  Stellung  der  Säulen 
und  senkrecht  zu  diesen  durch  ebenplattige  Auflösung  hei  der  Verwitterung 
aus.  In  den  im  Bruch  aufgehäuften  l’honolithblöcken  und  -stücken  findet 
mau  stets  zum  Theil  recht  hübsch  ausgebildete  Zeolithdrusen.  Die  Er- 
läuterung zu  Blatt  Kupferherg  führt  Natrolith,  Analciin,  VSkolezit,  ?Thom- 
sonit  und  Kalkspath  an. 

Das  von  Herrn  Döring  hier  gefundene  Mineral  ist  blauer  Anhydrit. 
Er  scheint  eine  kugelige  oder  ellipsoidische,  mandelähnliche  Masse  von 
beträchtlicher  Grösse  im  Phonolith  gebildet  zu  haben.  Denn  mehrere 
Proben  zeigen  den  Anhydrit  in  festem  Zusammenhang  mit  dem  Gestein; 
an  einem  90  X 70  mm  grossen  Handstück  .stellt  die  scharfe  Grenze  zwischen 
Mineral  und  Gestein  eine  leicht  gekrümmte  Fläche  mit  grossem  Krümmungs- 
radius dar,  vielleicht  den  Ausschnitt  aus  der  breiten  flachsten  Stelle  eines 
Ellipsoides. 

Das  Mineral  ist,  wie  eine  qualitative  und  ijuantitative  Analyse  ergab. 
Anhydrit  von  lebhaft  und  schön  smalteblauer  Farbe,  ln  seinem  groben 
Korn  und  seiner  meist  stengelig-strahligen  Structur  gleicht  es  z.  B.  der  in 
den  Sammlungen  verbreiteten  gelblichen  und  röthlichen  grobkörnigen  Aus- 
bildung von  Hallein.  Nach  den  Grenzen  zum  Phonolith  hin  nimmt  unser 
Anhydrit  meist  eine  weisse  Farbe  an,  weisse  Partien  schiessen  unregel- 
mässig strahlenförmig  in  die  blaue  .\nhydritmasse  hinein.  Während  diese  die 
dem  Mineral  eigenen  rechtwinkeligen  Spaltbarkeiten  nach  o&Poo,  ocPco 
und  nach  oP  deutlich  zeigen,  bemerkt  man  beim  Uebergang  in  die  er- 
wähnten weissen  Stellen  eine  allmähliche  Verwischung  der  .Anhydrit- 
spaltbarkeit, ebenso  eine  Umwandlung  der  grobkörnigen  in  eine  feinkörnige 
Structur  und  eine  Abnahme  der  Härte  des  Anhydrites  von  3—8,5  bis  zur 

•)  Gi'olugische  Spicialkarte  des  KiSnigreichs  Sachsen.  Watt  Kujiferberg  Xo.  118 
von  X.  Sauer.  1882.  S.  65. 


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Härte  2.  Eine  chemische  Untersuchung  bestätigte,  dass  diese  Erscheinungen 
die  bekannte  Umwandlung  des  Anhydrites  in  üyps  darstellen.  Während 
der  blaue  Anhydrit  einen  (Jlühverlust  (Wasser)  von  0,37  “o  zeigte,  ergaben 
zwei  Bestimmungen  der  veränderten  Substanz  2,54  “ i,  und  19,67  “o  Wasser. 
Dieser  letzte  Wassergehalt  kommt  dem  des  (jypses  mit  20,9.5  “ o fast  gleich. 
Zwei  über  wallnussgrosse  Proben  weissen  grob-  bis  feinblätterig  körnigen 
Gypses  aus  dem  gleichen  Steinhruch  dürften  zu  diesem  Vorkommniss 
geboren  und  ebenfalls  aus  .\nhydrit  entstanden  sein. 

Anhydrit  hez.  Gyps  stossen  aber  nicht  unmittelbar  an  den  Phonolith, 
vielmehr  schiebt  sich  zwischen  sie  eine  die  W’ände  des  Hohlraumes  aus- 
kleidende schmale  Schicht  dichten  weissen  Kalkes,  der  unter  dem  Mikro- 
skop ein  ziemlich  gleichmässiges  gröberes  Korn  zeigt. 

Anhydrit  scheint  in  dem  Phonolith  von  Schlüssel  nur  äusserst  selten 
aufzutreten;  ja  das  von  Herrn  Döring  aufgefundene  Vorkommen  dürfte 
bisher  das  einzige  bekannte  sein.  Das  mineralogische  Le.xikon  für 
das  Königreich  Sachsen  von  A.  Erenzel  (1874)  und  die  Erläuterung  zu 
Blatt  Kupferherg  berichten  davon  nichts,  auch  sonst  sind  dem  Verfasser 
keine  Nachrichten  darüber  bekannt.  Als  der  Verfasser  im  Jahre  180.8 
den  Bruch  besuchte,  waren  nur  Zeolithe  zu  finden.  Auch  ein  von  Herrn 
Döring  vcranlasstes  N’achforschen  nach  weiteren  Anhydritproben  in  den 
Jahren  1897  und  1898  blieb  erfolglos. 

Das  Vorkommen  von  Anhydrit  im  Phonolith  von  Schlüssel  beansprucht 
aus  zwei  Gründen  noch  besondere  Beachtung,  1.  weil  es  das  erste  Auhydrit- 
vorkommniss  für  Sachsen  hez.  Böhmen  überhaupt  zu  sein  scheint,  2.  wegen 
der  Frage  nach  seiner  Entstehung. 

1.  Der  Phonolithhruch  von  Schlüssel  liegt  unmittelbar  an  der  säch- 
sischen Grenze  auf  böhmischem  Gebiet.  Politisch  gehört  also  unser  An- 
hydrit unbestritten  zu  Böhmen.  Da  aus  diesem  Lande  weder  im  minera- 
logischen Le.xikon  für  Österreich  von  V.  v.  Zepharovich  (3  Bde.  1859, 
1873,  1893)  noch  in  der  Geologie  von  Böhmen  von  F.  Katzer  (1892)  An- 
hydrit aufgeführt  wird,  so  scheinen  wir  das  erste  Auhydritvorkommen 
in  Böhmen  vor  uns  zu  haben. 

Wissenschaftlich  aber  kann  man  den  Anhydrit  von  Schlüssel,  von  der 
unmittelbaren  Nachbarschaft  abgesehen,  deshalb  auch  für  Sachsen  in  An- 
spruch nehmen,  weil  das  genannte  Gebiet  zugleich  im  Bereiche  der  sächsi- 
schen geologischen  Karte  liegt.  Für  Sachsen  sind  nun  die  den  Anhydrit 
betreffenden  Verhältnisse  recht  merkwürdig,  ln  dem  mineralogischen  Lexikon 
von  A.  Frenzei  (1874)  fehlt  Aidiydrit  ganz,  und  in  den  Erläuterungen  zur 
sächsischen  geologischen  Specialkarte  wird  das  Mineral,  soweit  dem  Ver- 
fasser bekannt,  nicht  aufgeführt.  Dagegen  sind  schon  lange  zahlreiche, 
auf  Erzgängen  vorkommende  Pseudoiuorphosen  nach  Anhydrit  bekannt. 
J.  Roth*)  gieht  folgende  Zusammenstellung  mit  Litteraturangahen:  Pseudo- 
morphosen  nach  Anhydrit  von  Tautoklin  (Braunspath)  von  Kurprinz 
Friedrich  August  bei  Freiherg  nach  Breithaupt,  von  Spatheisen  von  Kur- 
prinz bei  Freiberg  nach  Dana  (Sideroplesit  nach  Frenzei),  von  Quarz  in 
Geyer,  Grube  Kurprinz  bei  Freiberg,  Frisch  Glück  bei  Blaucnthal  und 
Spitzleite  im  Eibenstöcker  Revier  nach  Blum,  Gemenge  von  Quarz  und 
Rotheisen  von  der  Spitzleite  nach  Breithaupt,  von  Rotheisen  auf  der  Grube 


*)  Chemische  (ieologie  I,  1879,  ,S.  19Z.3;  s.  anih  A.  Fretizel:  Mineralngischcs 
Lexikon,  8 83,  1.51,  ilöl,  Z9<J. 


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Frisch  Glück  bei  Eibenstock  nach  Zepharovicb,  Gemenge  von  Eisenkies 
und  Kalkspatb  von  der  (irube  Neue  Ilofinung  Gottes  bei  Brilunsdorf  nach 
Breitbaupt.  Bagegen  ist  dem  Verfasser  keine  Nachricht  über  stofflich 
erhaltenen  Anhydrit  bekannt,  ein  Umstand,  welcher  Zweifel  darüber 
aufkommen  lässt,  ob  alle  Deutungen  der  genannten  Pseudomorphosen 
nach  Atdiydrit  richtig  sind*). 

Wir  hätten  demnach  auch  für  den  Bereich  der  sächsischen 
geologischen  Karte  stofflich  das  erste  Auftreten  des  Minerales. 

2.  .Anh}'drit  und  mit  ihm  Gyps,  welche  aus  einander  hervorgehen, 
sind  als  Mineralien  und  Gesteine  an  drei  verschiedene  Lagerstätten  ge- 
bunden. Die  allermeisten  Vorkommnisse  mit  den  grössten  .Massen  tindeii 
sich  in  den  Sedimentformationen  vei-schiedenen  Alters  als  Begleiter  des 
Steinsalzes.  Man  hielt  sie  hier  bis  etwa  zur  Mitte  dieses  Jahrhunderts 
auf  der  einen  Seite  für  platonisch,  auf  der  anderen  für  nmgewandelte 
Kalke  (durch  Schwefelverbindungen,  besonders  schwefelige  und  Schwefel- 
säure), während  heute  allgemein  eine  nicht  inetaraorphe  Bildung,  ein  ur- 
sprünglicher .Absatz  aus  dem  .Meereswasser  für  sie  angenommen  wird. 
Diesem  lager-  oder  Hötzförmigen  .Auftreten  gegenüber  bergen  die  beiden 
anderen  Arten  auf  Erzlagerstätten  und  in  vulkanischen  tjcbicten  nur 
verschwindende  .Mengen  dieser  Mineralien.  An  A'ulkanen  entstehen  sie 
durch  Einwirkung  von  Schwefelverbindungen  auf  sublimirte  Chloride. 
Wie  oben  erwähnt,  giebt  es  in  Sachsen  verhältnissmässig  zahlreiche 
Vorkommnisse  von  Anhydrit  auf  Erzgängen,  freilich  nur  noch  der  Form 
nach,  nicht  stofflich.  L'nd  aus  vulkanischen  Gebieten  wird  Gyps  häutig, 
Anhydrit  dagegen  sehr  selten  und  .ausdrücklich  als  sehr  selten  auftretend 
erwähnt.  Einige  der  wenigen  dieser  Anhydritvorkommnisse  sind:  Einschlüsse 
in  der  Lava  von  Aphroessa  bei  Santorin,  in  Auswürflingen  des  Vesuvs,  au 
den  Soffionen  in  Toskana,  in  Kalinka  in  Ungarn  (nach  llaidinger  hier  durch 
Einwirkung  von  Schwefelwasserstoff  auf  Augitandesit  entstanden)**). 

Für  die  Entstehung  des  Anhydrites  im  l'honolith  von  Schlüssel 
kommen  zwei  Möglichkeiten  in  Betracht.  Entw'eder  ist  das  Mineral 

A.  eine  Neubildung  im  Gestein  wie  die  Zeolithe,  oder 

B.  ein  fremder  Einschluss. 

A.  „.Als  secundäres  neptunisches  Mineral  in  den  Leucitgesteinen“ 
erwähnt  J.  Both***)  Gyps,  „dessen  Schwefelsäure  aus  dem  Hauyn  her- 
rührt"; und  „unter  den  Verwitterungsproducten  der  schwefelsäurehaltigen 
Ilauyne  findet  sich  Gyp.s“T).  ln  gleicher  Weise  würde  die  Schwefelsäure 
unseres  Anhydrites  auf  den  llauyn  zurückzuführen  sein.  Dabei  muss 
aber  die  merkwürdige  Thatsache  berücksichtigt  werden,  dass  Hauyn  in 
den  Gesteinen,  Phonolithen  wie  Basalten,  des  Gebietes  (vergl.  Blatt 
Kupferberg  14S  und  Blatt  Wiesenthal  147)  zwar  ganz  allgemein  und 
zum  Theil  sehr  reichlich  verbreitet  ist,  dass  aber  gerade  der  Phonolith 
von  Schlüssel  ebenso  wie  die  drei  Phonolithlappen  von  Hammer- Untcr- 

*1  Die  Herren  Oberbergrath  Prof.  I)r.  Wei.sstiacb  uinl  Dr.  .A.  Freiizel  in  Frei- 
berg  halten  die  Frenndlichkeit,  dem  Verfasser  auf  seine  Anfrage  niitzntbeilen , dass 
ihnen  auch  kein  .Anhvdritvorkommniss  in  .Sachsen  hekaiiut  sai.  Herr  Dr.  Frenzei  be- 
zweifelt ehenfalla  die  l’seudoinorphoscn  Itreithanpl's. 

Vergl.  auch  .1.  Koth:  Chemische  Oeedogie  III.  Is90.  S.  103,  282.  297/8,  301. 

**')  Chemische  Oeologie  II,  .S.  208. 

t)  Khenda,  S.  2.')4,  Ztkj 


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wiesenthal  nach  den  Ausfulirunf;en  in  der  Erläuterung  zu  Blatt  Kupler- 
berg  frei  von  Hauyn  sind.  Dieser  ITinstaiul  bildet  aber  keinen  end- 
gültigen Beweis  gegen  die  Annahme  nachträglicher  Entstehung  des  An- 
hydrites.  Ist  es  doch  zur  Genüge  bekannt,  wie  wechselnd  selbst  in 
kleinen  Eruptivniassen  und  -gebieten  die  petrographische  Zusammensetzung 
häutig  ist.  So  wird  der  nicht  weit  nordwestlich  von  unserem  Phonolith 
im  Kalk  aufsetzende  Phonolithgang  ;ils  hauyuhaltig  angegeben.  Unter 
den  Bruchstücken  an  dem  Gehänge  dem  Kalkberge  gegenüber  (Bl.  14H) 
finden  sich  hauynarme  und  haiiynreiche  Phonolitbe,  darunter  solche,  in 
denen  erbsengrosse  zahlreiche  Hauyue  allein  den  porphyrischen  Geineng- 
theil  ausmachen. 

Man  könnte  vermutben,  dass  sich  bei  wässeriger  Bildung  nicht  das 
wasserfreie  Sulfat  Anhydrit,  sondern  das  wasserhaltige  Gyps  ausscheiden 
würde.  Diesem  Einwand  gegenüber  ist  zu  berücksichtigen,  dass  man  den 
Anhydrit  in  den  Sedimentforniationen  ebenfalls  für  eine  ursprüngliche 
neptunisebe  Bildung  hält  und  zwar  gestützt  auf  Erscheinungen  in  der 
Chemie  und  auf  Experimente,  welche  zeigen,  dass  unter  gewissen,  aller- 
dings noch  nicht  ganz  geklärten  Verhältnissen  (bedingt  durch  Druck, 
Temperatur  und  Gegenwart  von  Cblornatrium)  nicht  Gyps,  sondern  An- 
hydrit entsteht*). 

B.  Scheint  so  die  Möglichkeit  der  nachträglichen  wässerigen  Bildung 
unseres  Anhydrites  zu  bestehen,  so  si)rechen  zwei  Umstände  für  die  zweite 
Annahme,  für  die  Einscblussnatur.  Die  beiden  Umstände  sind:  1.  Der 
einschliessendc  Phonolith  zeigt  auch  in  der  Nachbarschaft 
keine  Zersetzungs-  und  Auslaugungserscheinungen,  er  ist  bis 
an  den  Einschluss  heran  frisch,  und  2.  an  der  unter  dem  Mikro- 
skoi>  buchtig  erscheinenden  Grenze  von  Gestein  und  Mineral, 
auch  frei  iin  Mineraleinscbluss  schwimmend  findet  man  zahl- 
reiche kleine  runde,  etwa  stecknadelkopfgrosse  Phonolith- 
bröckchen,  welche  ebenfalls  unverändert,  höchstens  durch  die 
nachträgliche  Wasserzufubr  beeinträchtigt  sind.  Als  endogene 
Contaetwirkung  müssen  aufgefasst  werden  die  feinblasigc 
(mikroskopisch)  Beschaffonlieit  und  die  abweichende  Structur 
einer  etwa  1 — 2 mm  breiten  Grenzzone  des  Phonolithes.  In 
dieser  findet  eine  Verdichtung  des  Gesteins  statt,  ausserdem 
nehmen  die  Grundmassenfeldspät he  eine  schärfere  und  zwar 
nadelförmige  Gestalt  und  eine  ausgeprägt  radialstrahlige  An- 
ordnung an.  Die  gleiche  Erscheinung  bemerkt  man  an  den 
erwähnten  Bröckchen  der  Grenzschicht. 

Bei  der  zweiten  .\nnahme  bieten  sich  wiedernm  zwei  Möglichkeiten; 
entweder  ist  der  Anhydrit  ein  ursprünglicher  unveränderter  Eremd- 
einschluss  oder  ein  metamorphes  Gebilde. 

Dass  Anhydrit  in  Sachsen  und  Böhmen  bisher  unbekannt  ist,  wurde 
schon  oben  erwähnt.  Wir  befinden  uns  hier  in  einem  rein  archäischen 
Gebiet,  in  der  Glimmerschieferformation,  in  der  bisher  unbekannt  ge- 
bliebene Anbydriteinlagerungen,  denen  unser  Einschluss  entnommen  sein 
könnte,  so  gut  wie  ausgeschlossen  erscheinen.  Ebensowenig  ist  hier  in  dem 
nur  aus  Basaltconglomerat  und  -tufl'  bestehenden  Tertiär  .\nhydrit  bekannt. 

*)  Vergl.  F.  Zirkel:  Petrographie  III.  1894.  S.  .523  4.  — .1.  Roth:  Chemische 
üeologie  I,  1879,  S.  6.52. 


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0> 


Eine  Möglichkeit  wäre,  dass  sich  in  kalkigthonigen  Tertiärschichten, 
ähnlich  wie  hei  den  oben  erwähnten  Soflionen  von  Toscana,  Anhydrit 
gebildet  hätte,  der  dann  vom  Phonolith  aufgenominen  wurde. 

Eine  nicht  von  der  Hand  zu  weisende  Annahme  ist  endlich,  dass  der 
Anhydrit  umgowandelter  Kalk  ist. 

Bereits  oben  wurde  die  bis  zur  Mitte  dieses  Jahrhunderts  vertretene 
Ansicht  erwähnt,  der  Elötzanhydrit  und  -gyps  wäre  durch  Schwefel- 
verbindungen umgewandelter  Kalk.  Wenn  auch  diese  Ansicht  der  neueren 
hat  weichen  müssen,  so  sind  doch  eine  ganze  Anzahl  von  kleineren  Gyps- 
und  Anhydritvorkominnissen  nacliweisbar  durch  vulkanische  Gase,  durch 
Schwefelwasserstoff  und  Scbwefel<iuellen  umgewandelte  Kalke  und  Uolo- 
mite  (Gyps  bei  Selvena  in  Toscana  nach  Coquand  1849,  Gyps  von  Aix  in 
Savoyen  nach  Murchison , die  Anhydrite  von  Modane  in  Savoyen  nach 
Ues  Cloizeau.x  1895,  Gypse  von  Tarascon  in  den  Pyrenäen  nach  Zirkel  und 
Pouech  1867  und  1882  u.  s.  «’.)*).  Für  eine  derartige  Entstehung  des 
Anhydrites  von  Schlüssel  bieten  sich  folgende  Anhaltspunkte.  Die  Gliminer- 
scliieferformation  unseres  Gebietes  ist  sehr  reich  an  Kalkeinlagerungen. 
Der  Kalkbcrg  südlich  von  Schlüssel  dürfte  den  zahlreichen  Kalkvorkomni- 
nissen  seinen  Namen  verdanken.  Wenig  über  1 km  nordwestlich  von  dem 
Phonolith  von  Schlüssel  streichen  bei  den  Berghäusern  sechs  kleinere  und 
grössere  Kalklager  zu  Tage  aus.  Das  südöstliche  Hauptlager  setzt,  wie 
man  durch  einen  Stölln  weiss,  noch  wenigstens  100  m unter  dem  Dasalt- 
tuff  fort**),  also  auf  den  Phonolith  von  Schlüssel  zu.  Es  liegt  so  durchaus 
in  dem  Bereich  der  W'ahrscheinlichkeit,  dass  der  Phonolithstock  von 
Schlüssel  eine  solche  Kalkeinlagerung  berührt  und  Gestein  davon  los- 
gerissen hat,  welches  dann  durch  die  im  Phonolithmagma  enthaltene 
Schwefelsäure  in  Anhydrit  verwandelt  wurde. 

Merkwürdigerweise  bietet  die  nächste  Umgebung  hierfür  das  allerbeste 
Beispiel.  Die  eine  von  den  sechs  Kalkeinlagerungen  bei  den  Berghäusern 
wird  von  einem  2 m mächtigen  Phonolithgang  durchsetzt.  Dieser  Phono- 
lith enthält  nun  Bruchstücke  des  Nebengesteines,  des  krystallinischen 
Kalkes,  die  stellenweise  so  häutig  werden,  dass  eine  durch  Phonolithceinent 
verbundene  Breccie  entsteht***). 

Bemerkenswerth  und  für  die  obige  .\nnahme  scheinbar  ungünstig  ist 
hier  nun  das  in  der  Erläuterung  zu  Blatt  Kupferberg  (148.  S.  69)  er- 
wähnte Ausbleiben  von  Contacterscheinungen:  „Die  Kalkeinschlüsse  schei- 
nen keine  Veränderungen  erlitten  zu  haben.“  Aber  auch  dafür  giebt  es 
in  der  grossen  Litteratur  der  Contactmctamorphose  zahlreiche  Beispiele. 

Aus  den  Erörterungen  geht  zur  Genüge  hervor,  welche  Bedeutung 
dem  an  sieh  geringfügigen  Anhydrit  im  Phonolith  von  Schlüssel  zukommt. 
Vielleicht  sind  weitere  Funde  und  Untersuchungen  (z.  B.  der  zuletzt  er- 
wähnten Kalksteinschlüsse)  in  dem  Gebiet  geeignet,  die  hier  gepflogenen, 
mehr  hypothetischen  und  theoretischen  Erörterungen  auf  sicherere  Füsse 
zu  stellen. 


*1  F.  Zirkel:  Petrugrnphie  III.  1894,  S.  5Z4  5. 
*•)  m 148.  S 48. 

Bl.  148,  S.  68  9. 


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der 


Naturwissensehaftliehen  Gesellschaft 

^ ISIS 

in  Dresden. 

Uerausgegeben 

von  dem  Redactions-Gomitö. 
Jahrgang  1900. 

Mit  K Tafeln  lud  Vi  Abbildungen  im  Text. 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandluug  H.  Bnrdach. 

1901. 


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Inhalt  des  Jahrganges  1900. 

Hanns  Brnno  fleinitz  | S.  V. 


A.  Sitzungsberichte. 

I.  Sectlon  für  Zoolog^le  S.  3 und  21.  — Bär,  W.:  Zwei  für  die  Omis  DenUchlands 
neue  Vogelarten  8.3.  — Drude,  O.;  Ueber  F.  Unger's  „Die  Pflanze  im  Moment  der 
Thierwerdung“,  mit  Bemerkungen  von  H.  Xitache,  8.  4;  neues  Mikroskop  der  Firma 
Seibert  S.  22;  Vorlagen  8.  4;  neue  I.itteratur  S.  4 und  22.  — Ebert,  R.:  Die  Fauna 
der  Tiefsee  im  .\llgemeinen  8.3;  Zunabme  einhcimi-siher  Vögel  8.4;  Chun’s  Tiefsee- 
Ezpedition  8.  22.  — Heiler,  K.;  Biologie  der  (.'opropliagen , über  eine  bei  Oi-öditz 
gefangene  8childkrötc  8.  21.  — Nitscbe,  H.;  H.  B,  Oeiiiitz  -j-,  .Sehwungfedern  des 
Kasuars  8.  3;  verschiedenartige  Ausbildung  der  oberen  Eckziibne  bei  den  verschiedenen 
Formen  der  recenten  Hirsche,  Vorkommen  dos  Wasserschmätzers  in  Sachsen  8.  4, 
Aussetzung  nichtsächsLscher  Amphibien  bei  Tharandt,  Schädel  einer  vierhörnigen 
iTabelantilone  8.21;  ornithidogische  Beobachtungen  im  Engadin  8.  22;  neue  Littcratnr 
8.  21.  — Schiller,  K.:  Neue  Lilteratur  8.  3,  4 und  21.  — Schöpf,  A.:  lieber 
sibirisches  Rehwild,  Vorlagen  8.  22.  — Schorler,  B.;  Neue  Litteratur  8.  22.  — 
Thallwitz,  J.:  Ueber  Höhleuthiere  8.4;  Missbrauch  beim  Verkauf  von  Krammets- 
vögeln  S.  22. 

II.  Sectlon  für  Botanik  8.  5 und  23.  — Drude,  O.:  Einrichtung  von  Herbarien  für 
pflanzengeo^phische  Demonstrationen,  vorläniige  Bemerkungen  (Iber  die  floristi.sche 
Kartographie  von  Sachsen  >S.  5;  phänologiscbe  Bemerkungen  Uber  die  Ketardation 
des  Frühlings  im  Jahre  IHOO  S.  B;  Ueberwinterung  immergrüner  Gewächse,  Aufblüh- 
geschwindigkeit  der  Biuthen,  Anordnung  der  Vegetation  im  Karwendelgehirge  8.7; 

neue  Litteratur  8.5,  6 und  23; und  Schorler,  B.:  Floristische  Arbeiten 

und  Ezeursionen  im  Sommer  1900  8.23.  — Ostermaier.  ,T.:  Vorlage  von  Ab- 
bildungen von  Alpenpflanzen  8.  ,5;  .Schutz  der  Alpenpflanzen,  Eintritt  der  Frühlings- 
flora  von  Überammergau  8.  6.  — Schiller,  K. : Neue  Litteratur  8.  5 und  23.  — 
Schorler,  B.:  Referat  über  Gradraann's  „Pflanzenleben  der  Schwäbischen  Alb“, 
neue  Litteratur  8.  .5.  — Wobst,  K.:  Vorlage  verschiedener  Ro.seuformeii  8.  5. 

III.  Sectlon  für  Hineralogic  und  Geologie  8.  8 und  23.  — Bergt,  W.;  Anhydrit 
ans  dem  Phonolith  von  Schlössel,  über  Mikromineralogie  8.  8,  neue  Litteratur  8.  8 
und  23.  — Engelhardt,  H.:  Neue  Litteratur  8.8.  — Kalkowsky.  E.:  Kieselige 
Sandsteine  aus  den  „Salzpfannen“  Südafrikas  8.21  — Menzel,  P.:  Entstehung  der 
Alpen  und  Bildung  des  .Mittelmeeres  8.8.  — Naumann.  E.:  Neues  Kalkspath- 
vorkommniss  vom  Zwieseler  Erbstolln  ,S.  24.  — Excursion  in  die  RathssteinbrUebe 
bei  Planen  8.  9. 

IV.  Section  für  prflhlstorisrhe  Forschnngen  ,S.  9 und  24.  — DeichmUller,  .1.: 
Bemalt.!  Geschiebe  aus  der  Höhle  von  .Mas  d'Azil  8 9;  neolithiache  Gefässe  von 
Klotzsche,  NUnchritz  und  t'ossebaude,  spät.slavisches  Skelcttgräberfeld  von  Nieder- 
sedlitz. Vorlage  von  .Steingerätlien  8.  II  ; der  12.  internationale  Anthropologencongress 
und  die  prähistorischen  Sammlungen  in  Paris  8.  24;  schnurverzierle  Gefässe  aus 
Sachsen  8.  25,  neue  Litteratur  8.  10,  24  und  25.  — Döring,  H.:  Feuersteinwerk- 
stätten auf  Rügen,  Nationalmnseum  nordischer  Alterthümer  in  Kopenhagen,  Fener- 
steingerüthe  aus  sächsischen  Fundorten  8.  9;  Funde  von  den  Burgwällcn  bei  Alt- 
coschütz, Niederwartha,  Lockwitz,  Altoschatz,  Leckwitz  und  Löbsal,  von  den  neo- 
lithischen  Herdstellen  in  Lockwitz,  neuer  .Steinzeitfund  aus  Lackwitz  8.  10;  über 
Kinderklappem  aus  Sachsen  8.24;  Vorlage  von  Steingeräthen  .S  24.  — Ebert,  O.: 
Vorgeschichtliche  Wandtafeln  für  Westpreussen  und  lUr  die  Provinz  Sachsen  8.  II. 
— Engelhardt,  H : Vorlage  eines  Steinbeils  .8.  25.  — Kalkowsky.  E : Prä- 
historisches aus  Ungarn  S 25.  — Ludwig,  H. ; Vorlage  eines  Mahlsteins  von  Kan.scha 


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IV 


S.  11;  vorgesehiclitliche  Xiederlassuiig  bei  Obcrpovritz  S 24.  — Wagner,  P.:  Neue 
Litteratnr  S.  24 

V.  Sectlon  für  Phjalk  und  Chemie  S.  II  und  25.  — Kevthien,  A.;  lieber  Geheim- 
mittel und  Nährpräparate  S 27.  — Hallwaehs.  W.:  Die  elektrolythiache  Leitung 
in  festen  Körjiem  und  deren  Anwendung  bei  der  Nemstlampe  S.  12.  — Heger,  R. ; 
lieber  Kueraetik  ini  Unterricht  S.  2ti.  Meyer.  E.  von:  Rückblick  auf  die  wich- 
tigsten Entwickelnn^phn.sen  der  Chemie  im  19.  Jahrhundert  S.  11.  — Pinnow,  J.: 
Unterscheidung  von  Talg  und  Schmalz  S 28.  — Rehenatorff,  H.  HersGlInng  der 

f rauen  Modilication  des  Zinns,  Beobachtung  vagabondirender  Ströme  S 12;  neue 
orm  des  Cartesianischen  Tauchers  S.  12  und  2.5;  Vorführung  physikalischer  und 
chemischer  Versuche  S.  25;  über  eine  neue  der  Taucherglocke  ähnliche  Vorrichtung, 
Elfindung  der  Taucherglocke,  Geschichte  der  Erlindung  des  Thermometers  S.  25  — 
Wolf.  C. : Zerstörung  der  Salpetersäuren  Salze  durch  Bakterien  8.  II. 

VI.  Sectlon  für  Mathematik  S.  13  und  27.  — Heger,  R.:  Berührungsaufgaben  und 
Kreisverwaiidt.schaft  S.  13;  Kugelberührnngsaufgaben  und  Kugelverwandtschaft  S.  27. 
— Helm.G.:  Ueber  Mathematik  und  Chemie  S 29.  — Krause,  M : Ueher  graphischen 
Calcül  .S.  13  — Müller,  F.:  Tabelle  zur  Kalenderhcsiimmung  S.  13.  — Nätscli,  E.: 
Ueher Translationsflächeu  S.  27.  — Pestel,  R.  M.:  Sphärometer  für dioptrische  Zwecke 
S.  28.  — Vieth,  .1  von:  Ueher  Ceniralhewegung  S.  13.  — Witting,  A.;  Fadeu- 
modell  der  abwickelbaren  SchraubenHäche  S.  14.  — . 

VII.  Hanptversammlungen  .S  14  und  29.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  15 
uud  30.  — tiedenkfeier  für  H.  B.  Geinitz  S.  14.  — Beamte  im  Jahre  1901  S.  32.  — 
Beschluss  über  8 ühr-Beainn  der  .Sitzungen  S.  30.  — Rechenschaftsbericht  für  1899 
8.  14,  15  und  18.  — Voranschlag  für  1900  S.  14.  — Freiwillige  Beiträge  zur  Kasse 
S.  80.  — G uthmauu- Stiftung  S.  14.  — Bericht  des  Bibliothekars  S.  34.  — Deich- 
milller,  J.:  Ueber  megalithische  Denkmäler  S.  .30  — Drude,  O.i  Entwickelungs- 
geschichte der  mitteldeutschen  Hügelflora  S 30.  — Engelhardt,  H.:  Neue  IJttera- 
tur  S.  29.  — Kalkowsky.  E.:  Uand  uud  läiute  von  Nordwales  S 14;  Oclächtniss- 
rede  auf  H,  B.  Geinitz  .S.  1.5.  — Michael,  E.:  Formen  uud  Ursprung  der  Uorfanlageu 
und  der  Flurauftheilung  in  Sach.<eu  S.  1.5.  — Ostermaier,  .1.:  Vorlagen  8.30.  — 
Pohle,  R.:  Reiseschilderuiigeu  aus  Nordrussland  S.  15.  — .Schlussmann,  A.:  Bei- 
trag zur  praktischen  Ernährungslehre  8.  14.  — Schneider,  O.:  Pillenwälzende  Käfer 
und  ihre  Bedeutung  für  die  ägypti.sche  Mythologie  S.  29.  — StUbel,  A.;  Rückblick 
auf  den  vulkanischen  Ausbruch  des  .lahres  1866  im  Golfe  zu  Santorin  S.  .30.  — Toepler, 
M. : Kathoden-  und  Becquerel- Strahlen  S.  1.5.  — Exenrsion  nach  Nossen  S.  1.5. 

ü.  Abhandlungen. 

Bergt,  W.;  Der  Plänerkalkhrnch  hei  Weinböhla.  Mit  Tafel  I.  S.  .37. 

Bergt.  W.;  Lausitzer  Diabas  mit  Kantengeröllen.  Mit  Tafel  VI.  S.  111. 
Deichmüller.  .1.;  Zwei  neue  Funde  neolithischer  achnurverzierter  Gefässe  aus  Sachsen. 
Mit  3 Abbildungen.  S.  18. 

Deichmüller.  J.:  Spätslavisches  Skelettgräberfeld  hei  Niedersedlitz.  Mit3  Abbild.  S 22. 
Düring.  H. : Ueber  Feuersteingeräthe  aus  sächsischen  Fundorten.  S.  15. 

Drude,  0.:  Vorläufige  Bemerkungen  über  die  floristische  Kaidographie  von  Sachsen.  S.26. 
Drude,  0.:  Die  posiglaciale  Entwickelungsgcschichte  der  hercynischen  Hügelformationen 
und  der  monfanen  Felstlora.  S.  70. 

Menzel,  P.;  Die  Gymuospermen  der  uordbfihmischen  Braunkohlenfomiation. 

Theil  I.  Mit  Tafel  II -IV  S.  49. 

Theil  II  Mit  Tafel  V und  1 Abbildung  im  Text.  S.  8.5. 

Nitsche,  H.:  Bemerkungen  über  das  Vorkommen  des  schwarzbäuchigen  Wasserschmätzers 
uud  einiger  anderer  seltenerer  Vögel  im  Königreiche  Sachsen  S.  32. 
Rebenstorff,  H.:  Schulversuche  mit  dcni  Gartesianischen  Taucher.  Mit  5 Abbildungen. 
S.  3. 

Die  Autoren  sinU  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 
Abhandlungen. 


Die  Autoren  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besondereu  Wunsch  25  Sonder- Abzüge  gratis,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Erstattung 

der  Hcrstelluugakosten. 


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t 

Hanns  Bruno  Geinitz. 


Die  Arbeit  seines  Lebens. 

Rede  in  der  öffentlichen  Sitzung  der  Isis  am  22.  Febmar  1900 

ruD 

Prof.  Dr.  Ernst  Ealkowsky. 


In  Hanns  Bruno  Geinitz  hat  die  naturwnssenschaftliche  Gesellschaft 
Isis  vor  wenigen  Wochen,  am  28.  Januar,  ihren  Ehrenvorsitzenden  verloren. 
Er  ist  der  Einzige  gewesen,  dem  die  Isis  dieses  in  ihren  Satzungen  nicht 
vorgesehene  Ehrenamt  übertragen  hat  in  der  Erkenntniss,  dass  diese  Ehre 
einem  um  die  Gesellschaft  hochverdienten  Mitgliede  und  einem  welt- 
bekannten Gelehrten  erwiesen  wurde.  Obwohl  Geinitz  als  stiller  deutscher 
Gelehrter  niemals  vor  die  breite  Oeffentlichkeit  getreten  ist,  obwohl  er 
niemals  anderswo  als  in  Dresden  gewirkt  hat,  ist  sein  Name  doch  überall 
auf  der  Erde,  wo  Naturwissenschaft  getrieben  wird,  bekannt  und  geehrt; 
durch  seine  eigene  Arbeit  hat  er  sich  unvergänglichen  Ruhm  erworben. 

Erst  in  hohem  Alter,  im  86.  Lebensjahre,  ist  er  am  Ende  seiner  Lauf- 
bahn angelangt;  vor  63  Jahren  begann  er  seine  wissenschaftliche  Thätig- 
keit,  ununterbrochen  folgte  ein  Werk  dem  .anderen,  er  erreichte  den  Gipfel 
seines  Wirkens  und  hatte  dann  noch  Jahre  lang  ordnend  und  ergänzend 
auf  d.as  Werk  seines  Lebens  zurückblicken  können,  geehrt  von  Allen,  die 
mit  ihm  in  Berührung  kamen.  Jetzt  gehört  seine  Thätigkeit  der  Geschichte 
an,  und  als  eine  Huldigung  mag  es  betrachtet  werden,  wenn  wir  im  Schoosse 
unserer  Gesellschaft  seine  Arbeiten  und  seine  Leistungen  an  uns  vorüber- 
ziehen lassen. 

ln  diesem  Hörsaale,  von  dieser  Stelle  aus  hat  H.  B.  Geinitz  vor  nun- 
mehr sechs  Jahren  zuletzt  zu  seinen  Studenten  gesprochen,  ihnen  von 
seinen  reichen  Kenntnissen  und  Erfahrungen  mittheilend  und  selbst  immer 
wieder  Kraft  ziehend  aus  dem  Verkehr  mit  der  .Jugend.  Wer  nicht  selbst 
sein  Schüler  gewesen  ist,  kann  über  seine  Lehrerfolge  und  seinen  Einfluss 
auf  die  Studirenden  nicht  urtheilen,  aber  alle  seine  Schüler  haben  ein- 
müthig  ihre  Anhänglichkeit  und  ihre  Dankbarkeit  zum  Ausdruck  gebracht, 
als  er  hochbetagt  aus  dem  Lehramte  schied,  um  bei  Gelegenheit  der  Er- 


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VI 


richtung  eines  vergrösscrten  mineralogisch-geologischen  Institutes  in  einem 
neuen  Gebäude  selbstlos  der  Zukunft  freie  Ilahu  zu  lassen.  Auf  Tauseude 
unserer  Studenten  hat  er  als  Lehrer  gewirkt,  sie  ausgestattet  im  Ilörsaal 
mit  mannigfaltigen  Kenntnissen  für  den  Bedarf  in  ihrer  Stellung  im  prak- 
tischen Leben,  sie  eingefübrt  auf  Ausflügen  in  die  Erkennung  des  Scbalfens 
der  Natur  in  unendlichen  Zeiträumen.  Und  mit  Freude  durfte  er  darauf 
hinweisen,  dass  es  ihm  auch  gelungen  war,  trotz  der  dem  nicht  günstigen  Auf- 
gaben der  Technischen  Hochschule,  einige  seiner  Schüler  für  seine  Wissen- 
schaften so  zu  begeistern,  dass  sie  ihre  Thätigkeit  dem  rein  wissenschaft- 
lichen Betriebe  der  .Mineralogie,  Geologie  und  Prähistorie  gewidmet  haben. 

Diesen  Wissenschaften  widmete  er  ja  selbst  sein  Leben  ausschliesslich, 
als  die  Zeit  dafür  gekommen  war.  Zuerst  aber  hatte  er  sich  mit  allen 
Naturwissenschaften  in  umfangreichem  Maasse  bekannt  gemacht,  wie  dies 
in  den  dreissiger  Jahren  für  joden  Naturforscher  selbstverständlich  und 
damals  eben  auch  noch  leichter  möglich  war,  ohne  eine  besonders  lange 
Lehrzeit  durchmachen  zu  müssen.  Wir  wollen  aber  auch  nicht  vergessen, 
dass  er  überhauiit  damals  einer  der  Wenigen  war,  die  sich  ganz  und  gar 
den  Naturwissenschaften  zu  widmen  wagten  zu  einer  Zeit,  als  die  Gegen- 
stände dersell)en  als  blosse  „Curiositäten“  bezeichnet  wurden.  Seine  all- 
seitige naturwissenschaftliche  Bildung  hat  er  dann  auch  in  seinem  Special- 
fache in  reichlichem  Maasse  verwenden  können. 

Nicht  etwa  in  allen  l)isci|)linen,  die  er  amtlich  zu  vertreten  hatte, 
ist  Geinitz  gleichmässig  als  Forscher  thätig  gewesen,  üeber  einzelne 
Mineralien  hat  er  sich  nur  gelegentlich  geäussert,  und  doch  war  er  auch 
Mineralog.  Davon  zeugen  die  prachtvollen  Stufen,  die  er  für  das  K.  Mine- 
ralogische Museum  ausgewählt  hat;  sie  beweisen,  wie  allgemein  anerkannt 
worden  ist,  dass  er  einen  vorzüglichen  Blick  hatte  für  lehrreiche  und 
werthvolle  Stücke.  Und  besondei-s  hervorgehoben  muss  es  werden,  dass 
er  auch  schon  vor  langen  Jahren  die  Mineriilien  nach  seinem  eigenen 
Systeme  angeordnet  hatte,  das  durchaus  .als  N'orläufcr  des  jetzt  allgemein 
und  allein  gültigen  Systems  der  Aufeinanderfolge  nach  rein  chemischen 
Grundsätzen  gelten  muss. 

Auch  in  der  Lehre  von  den  Gesteinen  hat  II.  B.  Geinitz  nur  wenig 
selbständig  gearbeitet;  immerhin  verdanken  wir  ihm  auch  einige  wichtige 
Beobachtungen  über  Kohlen  und  andere  Sedimentgesteine.  Die  „Uebersiclit 
der  im  Königreiche  Sachsen  zur  Chaussee- Unterhaltung  verwendeten  Stein- 
arten“, die  er  mit  C.  Th.  Sorge  „zusammenstellte“,  wie  es  im  Titel  heisst, 
verfolgte  mehr  praktisch -technische  Zwecke;  sie  hat  keinen  rein  wissen- 
schaftlichen Werth,  wohl  aber  die  Bedeutung,  dass  hier  den  Ergebnissen 
der  Wissenschaft  Beachtung  in  der  Praxis  erobert  wurde. 

Ueberall  in  11.  B.  Geinitzens  Werken  linden  wir  die  Spuren,  dass  er 
den  Problemen  der  allgemeinen  und  der  dynamischen  Geologie  rege  Theil- 
nahme  entgegenbrachte,  und  dass  er  mit  dem  bekannt  war,  w.as  Andere 
erforscht  hatten;  aber  diese  Gegenstände,  mit  denen  vor  40  und  50  Jahren 
leider  oft  genug  wenig  wis.senschaftlich  und  wenig  ergebnissvoll  gespielt 
wurde,  waren  vielleicht  eben  deshalb  nicht  gerade  nach  seinem  Geschmack. 
Fis  berühren  uns  dennoch  jetzt  manche  seiner  Darstellungen  recht  ab- 
sonderlich, z.  B.  die  über  lirhaltung  von  Versteinerungen,  die  auffällige 
Fehler  in  der  palaeontologischen  Behanillung  zur  Folge  hatten,  die  Angaben 
über  die  Firhebung  der  Gesteinsschichten  und  Th.albildung  durch  Basalte 
und  .\nderes.  Manche  solcher  bis  in  die  letzte  Zeit  festgehalteuer  Au- 


VII 


Behauungen  galten  längst  als  veraltet,  jedoch  um  ihretwillen  nimmt  man 
auch  nicht  seine  Werke  in  die  Hand.  Immerhin  hleiht  es  höchst  charak- 
teristisch, wie  H.  B.  Geinitz  sich  in  solchen  Fragen  nicht  selten  sehr 
vorsichtig  ausdrückt  und  sich  den  Rückzug  deckt  für  den  Fall,  dass  eine 
andere  Ansicht  als  die  seine  sich  doch  als  die  richtige  erweisen  sollte. 

Dass  H.  B.  Geinitz  trotz  seiner  so  umfangreichen  geologischen  Arbeit 
für  allgemeine  Geologie  kaum  etwas  geleistet  hat,  hängt  mit  seiner  Sinnes- 
art und  vor  Allem  mit  seinem  eigensten  Forschungsgebiete  zusammen. 
Wer  ihn  aber  jetzt  gerecht  beurtheilen  will,  muss  sich  bemühen,  nicht 
von  der  Gegenwart  aus  zu  urtheilen;  er  muss  sich  bemühen,  die  An- 
schauungen von  vor  40  Jahren  zur  Richtschnur  zu  nehmen  und  dabei 
noch  im  Auge  behalten,  dass  H.  B.  Geinitz  stets  innerlich  ebenso  fest 
und  unveränderlich  blieb,  wie  er  äusserlich  als  eine  höchst  charakteristische 
Persönlichkeit  allen  jüngeren  Geologen  stets  unverändert  vor  Augen  stand. 

Eine  Aufgabe  hatte  er  sich  bei  dem  Beginn  seiner  Thätigkeit  in 
Dresden  gestellt,  und  daran  hat  er  sein  ganzes  Leben  lang  mit  aller  Kraft 
und  ohne  alle  Abschweifungen  festgehalten,  die  Aufgabe,  um  seine  eigenen 
Worte  in  seiner  letzten  Veröffentlichung  vom  December  vorigen  Jahres 
zu  gebrauchen,  „die  Urgeschichte  Sachsens  in  allen  ihren  einzelnen  Epochen 
zu  erforschen  und  in  dem  wohlgeordneten  Museum  zu  verewigen“.  Dieses 
Ziel  hat  er  hartnäckig  verfolgt,  nicht  nur  mit  aller  seiner  Arbeit,  sondern 
auch  mit  Hülfe  seiner  ausgebreiteten  Bekanntschaft,  mit  Hülfe  seiner 
Kenntnisse,  seiner  Besuche  in  in-  und  ausländischen  Museen  und  seiner 
wissenschaftlichen  Reisen  in  Deutschland  und  in  fremden  Ländern.  Und 
dieses  Ziel  hat  er  auch  verfolgt  selbstbewusst  und  sich  wohl  bewusst, 
dass  er  das  als  einzelner  Mann  geleistet  hatte,  was  in  anderen  Gebieten 
auch  viele  Andere  nicht  zu  Stande  gebracht.  Als  ein  in  sich  abgeschlos- 
sener Charakter  verhielt  er  sich  Neuerungen  gegenüber  stets  sehr  zurück- 
haltend; er  war  daher  auch  nicht  geneigt,  sich  von  Anderen  belehren  zu 
lassen,  bis  er  seinen  Sinn  durch  eigenes  Studium  geändert  hatte.  Wenn 
er  dieses  nicht  durchführen  konnte,  blieb  er  standhaft  bei  seiner  Ansicht 
oder  doch  bei  seinen  Zweifeln;  aber  oft  hat  er  sich  auch  selbst  verbessert. 
Seiner  Zähigkeit  entspricht  es  auch,  diiss  er  mehrfach  denselben  Gegen- 
stand nicht  in  einer  neuen  Auflage  seines  Werkes,  sondern  in  einem  ganz 
neuen  behandelt  hat,  sobald  durch  anhaltenden  Sammeleifer  und  erneute 
Untersuchungen  für  sein  Thema  ein  neues  Gewand  gerechtfertigt  war, 
wie  dies  besonders  für  die  Werke  über  Kreideformation  in  Sachsen  gilt. 
Wer  in  günstigen  Verhältnissen  lebt,  ist  eher  geneigt,  sein  Thema  auf- 
zugeben, anderen  nachzugeben,  als  wer  durch  unablässige  harte  Arbeit 
mit  mancherlei  äusseren  Schwierigkeiten  kämpfend  allmählich  vorwärts 
dringt.  Und  hart  gearbeitet  und  brav  gekämpft  hat  H.  B.  Geinitz  in  der 
That  wie  wenig  Andere.  Wenn  man  ihm  nicht  lange  persönlich  nahe  ge- 
standen hat,  kann  man  überhaupt  gar  nicht  ausmachen,  wie  viel  er  in 
Wirklichkeit  gearbeitet  hat:  aber  was  der  Fremde  übereehen  kann,  wenn 
er  das  ganze  Lebenswerk  an  sich  vorüberziehen  lässt,  zeigt  doch  unzweifel- 
haft — unwillkürlich  drängt  sich  liier  eine  Uebertreibung  auf  — er  hat 
die  Arbeit  geleistet  von  zwei  Menschen.  Menschlich  ist  es  da  nur,  wenn 
er  auch  öfters  geirrt  hat,  wenn  er  manches  Mal  anderen  Forschem  nicht 
gerecht  geworden  ist.  Hundert«!  von  Geologen  haben  mit  seinen  Leistungen 
sowie  mit  seinen  Irrthümern  zu  thun  gehabt,  und  viele  werden  sich  auch 
noch  weiter  mit  dem  Werke  seines  Lebens  zu  beschäftigen  haben. 


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VIII 


Eine  eines  hervorragenden  Mannes  würdige  Beurtheilung  darf  seine 
Irrthümer  nicht  verschweigen;  auch  nach  Abzug  dieser  enthalten  seine 
Leistungen  immer  noch  so  sehr  viel,  dass  er  mit  Fug  und  Recht  als  einer 
der  verdienstvollsten  Gelehrten  unseres  Vaterlandes  für  alle  Zeiten  gelten 
muss.  Die  Gelehrtenwelt  hat  ja  auch  stets  sein  Wirken  voll  anerkannt 
und  ihm  ihre  Würden  und  Ehren  zu  Theil  werden  lassen  in  Deutschland 
wie  im  Auslande.  Die  letzte  Ehrung  hat  ihm  in  feiner  und  stiller  Weise  die 
Societe  geologique  de  France  in  Paris  erwiesen.  Vor  zwei  Jahren  glaubte 
er  seine  langjährige  Mitgliedschaft  bei  derselben  aufgeben  zu  müssen: 
man  antwortete  ihm,  dass  die  Societe  geologique  leider  keine  Ehren- 
mitglieder ernenne;  sie  wolle  es  sich  aber  zur  Ehre  anrechnen,  ihn  als 
Mitglied  in  ihren  Listen  weiter  zu  führen,  auch  wenn  er  ihr  nicht  mehr 
die  jährlichen  Leistungen  zukommen  Hesse. 

Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  die  Aufgabe,  die  sich  H.  B.  Geinitz 
für  seine  Lebensarbeit  gestellt  hatte,  nicht  ganz  so  umfangreich  war,  als 
wie  er  sie  mit  seinen  vorhin  angeführten  Worten  bezeichnete.  Er  wollte 
die  in  Sachsen  vorkomnienden  geologischen  Formationen  vom  palaeonto- 
logischen  Standpunkte  aus  durchforschen  und  die  in  den  verschiedenen 
Epochen  auftretenden  Formen  des  thierischen  und  pflanzlichen  Lebens 
schildern.  Die  ])alaeontologische  Geologie  in  Sachsen,  das  war  sein  un- 
beschränktes Reich.  Obwohl  in  Sachsen,  dem  in  vieler  Beziehung 
klassischen  Lande  der  Geologie  in  Deutschland,  im  ganzen  19.  Jahrhundert 
viele  Mineralogen  und  Geologen  gewirkt  haben,  die  auf  den  verschieden- 
sten Gebieten  Hervorragendes  leisteten,  so  hat  doch  Niemand  das  palaeonto- 
logische  Material  dieses  Landes  auch'  nur  annähernd  so  eingehend  be- 
handelt, wie  H.  B.  Geinitz:  mau  darf  selbst  sagen,  dass  auf  diesem  Ge- 
biete seinen  Leistungen  gegenüber  alles  Andere  verschwindet.  Ihm  stand 
ein  überwältigendes  .Material  zur  Verfügung,  das  er  selbst  gesammelt  und 
das  ihm  in  noch  viel  reicherem  Maasse  von  allen  Seiten  zur  Verfügung 
gestellt  wurde.  Er  konnte  dann  aus  dem  Vollen  schöpfen:  er  bestimmte 
es,  beschrieb  es,  bildete  es  ab,  inventarisirte  es.  Einmal  in  dieser 

Weise  bei  der  Arbeit,  hielt  er  auch  alles  Material  fest,  um  es  selbst  zu 
verarbeiten. 

H.  B.  Geinitz  erstrebte  die  Beschreibung  und  Abbildung  aller  in 
Sachsen  vorkomnienden  l’etrefacten;  viele  derselben  stellten  sich  als  bis- 
her unbekannte  Species  heraus,  und  die  seinen  Autornamen  tragenden 
Species  zählen  nach  Hunderten.  Der  Vergleichung  wegen  ging  er  aber 
auch  oft  über  Sachsen  hinaus  in  andere  Gebiete  Europas  und  auch  Nord- 
amerikas nach  pei-sönlichen  Studien  an  Ort  und  Stelle  und  nach  dem 
Material,  das  ihm  als  dem  dafür  Geeignetsten  von  anderer  Seite  zur 
Bearbeitung  überwiesen  wurde.  Hierbei  beschränkte  er  sich  durchaus 
auf  die  l’etrefacten  führenden  geologischen  Formationen,  die  im  Gebiete 
Sachsens  zur  Ablagerung  gelangt  sind:  er  hat  niemals  die  archäische 
Gruppe,  die  .Jura -Formation,  die  untere  Kreide,  das  Tertiär  und  das 
Diluvium  in  den  Bereich  seiner  eingehenderen  Studien  gezogen. 

Vor  der  Besprechung  seiner  Werke  muss  noch  eines  Verhältnisses 
gedacht  werdgn,  das  jene  erst  voll  verstehen  lehrt.  Es  ist  schwer,  sich 
hierüber  knapp  auszudrücken,  ohne  ein  Missverständniss  befürchten  zu 
müssen.  Eis  mag  paradox  klingen:  H.  B.  (ieinitz  w.ar  weder  (Jeolog  noch 
Palaeontolog;  er  war  eben  beides  zugleich,  palaeontologischer  Geologe 
oder  geologischer  Palaeontologe,  wenn  man  so  sagen  darf.  Nie  hat  er 


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IX 


kartirt  oder  auch  nur  Skizzen  veröffentlicht,  die  die  Ergebnisse  seiner 
Studien  und  seiner  Wanderungen  leichter  verständlich  gemacht  hätten 
und  dazu  beigetragen  hätten,  seine  Arbeiten  seihst  zu  klären.  Die 
einzelnen  geologischen  Horizonte  im  Gelände  streng  und  Schritt  für  Schritt 
zu  verfolgen,  war  ihm  nicht  genehm;  doch  muss  man  auch  hierbei  wieder 
eingedenk  bleiben  der  Art  und  Weise,  wie  diese  Verhältnisse  vielfach  von 
seinen  älteren  Zeitgenossen  aufgefasst  wurden.  Was  heute  nicht  mehr 
erlaubt  ist,  galt  damals  für  selbstverständlich  und  natürlich.  Ferner: 
obwohl  H.  B,  Geinitz  es  wesentlich  immer  nur  mit  organischen  Formen  zu 
thun  hatte,  hat  er  unsere  Kenntniss  der  einzelnen  Gruppen  ausgestorbener 
Lebewesen  doch  fast  niemals  durch  rein  palaeontologische  Forschungen 
anders  gefördert,  als  durch  eingehendere  Schilderung  einzelner  Formen; 
dabei  hat  er  selten  die  Kunst  der  Präparation  zu  Hilfe  genommen. 
Wesentlich  bezog  er  immer  nur  die  organischen  Reste  auf  die  geologischen 
Formationen.  Auch  hierin  war  er  ein  Sohn  seiner  Zeit;  die  Lehre  von 
der  allmählichen  Umwandlung  der  Arten  hat  sich  ja  zunächst  den  Palaeonto- 
logen  aufgedrängt,  aber  die  zielbewusste  Verfolgung  ihrer  Grundsätze  hat 
doch  erst  in  den  siebziger  Jahren  begonnen,  als  H.  B.  Geinitz  die  Haupt- 
arbeit bereits  hinter  sich  hatte.  In  seinem  „Grundriss  der  Versteinerung.s- 
kuude“  von  1846  wollte  er  den  Zeitgenossen  die  bisherigen  Ergebnisse 
der  palaeontologischen  Forschung  leichter  zugänglich  machen;  in  dieser 
ergebuissreichen  Zeit  der  Beschreibung  immer  wieder  neuer  Formen  er- 
schienen noch  mehrere  gleiche  Zwecke  verfolgende  Werke,  über  die 
die  Geschichte  das  hart  scheinende  ürtheil  fällen  musste,  dass  sie  kurz 
nach  ihrem  Erscheinen  veraltet  waren.  So  hat  auch  11.  B.  Geinitz’  um- 
fangreicher „Grundriss“  keine  weitere  Auflage  erlebt,  zumal  die  Zahl 
seiner  Schüler,  die  dafür  Interesse  hatten  und  die  Zahl  derjenigen,  die 
sich  mit  diesen  Dingen  tiefer  beschäftigten,  doch  nur  verhältnissmässig 
gering  war. 

Wollen  wir  die  lange  und  äusserst  umfangreiche  Reihe  der  Abhand- 
lungen und  Werke,  die  H.  B.  Geinitz’  Namen  tragen,  hier  nur  im  Allge- 
meinen überblicken,  so  müssen  wir  einmal  alle  kleineren  Veröffentlich- 
ungen übergehen,  und  uns  andererseits  an  die  Reihenfolge  der  Formationen 
halten,  um  die  auf  diese  bezüglichen  Werke  zu  würdigen. 

Die  ältesten  versteinerungsführenden  Formationen  finden  sich  in 
Sachsen  namentlich  im  Vogtlande  und  in  dem  sich  ostwärts  anschliessenden 
Gebiete  Ost-Thüringens  sowie  im  Fichtelgebirge.  Dort  treten  die  Schichten 
der  Cambriuras,  Silurs,  Devons  und  Untercarbons  auf  in  stark  gestörter 
Lagerung  und  nur  an  vereinzelten  Punkten  petrefactenhaltig.  Auch  trotz 
neuerer  sorgfältiger  Kartirungsarbeiten  ist  es,  wie  es  scheint,  noch  nicht 
gelungen,  völlige  Klarheit  in  die  Verhältnisse  des  ganzen  grossen  Gebietes 
zu  bringen;  so  ist  es  auch  nicht  wunderbar,  dass  H.  B.  Geiuitz  die  hier 
vorhandenen  Aufgaben  durch  die  Veröffentlichung  seines  Werkes  „Die 
Versteinerungen  der  Grauwackenformation  in  Sachsen  und  den  angrenzen- 
den Länderabtheilungen“  in  den  Jahren  1852  — 53  nicht  lösen  konnte. 
Wir  finden  hier  die  Petrefacten,  die  schon  aus  anderen  Ländern  be- 
schrieben waren,  bestimmt  und  auf  26  Steindrucktafeln  abgebildet.  Das 
Fossilien -Material  ist  wenig  gut  erhalten,  und  seit  H.  B.  Geinitz  ist 
unsere  Kenntniss  nur  durch  wenige  Einzeldarstellungen  vermehrt  worden, 
in  diesem  Werke  hat  11.  B.  Geinitz  besonders  auch  die  Graptolithen  be- 
handelt, damit  aber  wenig  Glück  gehabt;  bei  seinem  scharfen  Auge  für 


X 


Thierformen  erecheint  es  uns  ganz  befremdend,  dass  er  die  sogenannten 
Nereiten  und  ähnliche  schwer  deutbare  und  ziemlich  undeutliche  Gebilde 
zu  der  doch  sonst  scharf  und  klar  definirten  Gruppe  der  Graptolithen 
rechnete.  Er  hat  es  wohl  selbst  gefühlt,  dass  die  in  Sachsen  auch  nicht 
sonderlich  gut  erhaltenen  echten  Graptolithen  einer  erneuten  Untersuchung 
bedurften,  die  er  1890  in  einer  Abhandlung  über  „Die  Graptolithen  ira 
K.  Mineralogischen  Museum  in  Dresden“  gab.  Aber  auch  hiermit  dürften 
die  Acten  über  die  sächsischen  Graptolithen  noch  nicht  geschlossen  sein. 

Ein  grösserer  Formenreichthum  von  organischen  Resten  und  zwar 
von  Pflanzen  tritt  uns  in  der  productiven  Steinkohlenformation  in  Sachsen 
entgegen.  Das  reichliche  Material  aus  Sachsen  und  umfangreiches  V'er- 
gleichsmaterial  aus  anderen  deutschen  und  ausländischen  Gebieten  ging 
H.  B.  Geinitz  in  grosser  Fülle  zu,  und  er  hat  die  Pflanzenformen  fast 
aller  einzelnen  Gebiete  untersucht  und  bestimmt  in  der  Art  und  Weise, 
wie  (las  seiner  Zeit  alle  Geologen  machten.  Die  Phytopalaeontologie  aber 
ist  gerade  eines  der  dem  geologisch  geschulten  Forscher  am  schwersten 
zugänglichen  Gebiete,  das  auch  in  seinen  Bereich  hineinragt;  erst  in 
neuerer  Zeit  ist  man  zu  der  Ueberzeugung  gekommen,  dass  die  fossilen 
Pflanzen  von  botanisch  geschulten  Specialisten  untersucht  werden  müssen, 
nicht  nur  um  ihre  Stellung  im  natürlichen  System  der  Pflanzen  zu  be- 
stimmen, ihre  Verwandtschaftsverhältnisse  aufzuklären,  sondern  auch  um 
ihren  Werth  für  die  geologische  Stratigraphie  festzustcllen.  Dem  Scharf- 
blick H.  B.  Geinitzens  gelang  es  aber  doch,  bei  seinen  eingehenden 
Prüfungen  der  aus  den  verschiedenen  Teufen  herstammenden  Pflanzenreste 
schon  1856  in  seiner  „Geognostischen  Darstellung  der  Steinkohlenformation 
in  Sachsen“  mit  48  Steindrucktafeln  in  Folio  zu  erkennen,  dass  im 
Zwickau-Chemnitzer  Becken  verschiedenartige  Floren  auf  einander  folgen, 
die  er  von  unten  nach  oben  als  Sigillarien-,  Cal.amiten-,  Annularien-  und 
F’amenzone  bezeichnete.  Allerdings  wissen  wir  heute,  dass  eine  solche 
Gliederung  nur  localen  Werth  besitzt,  und  dass  es  nöthig  ist,  für  eine 
allgemeine  Gliederung  der  productiven  Steinkohlenformation  ein  anderes 
Schema  aufzustellen.  H.  B.  Geinitz  war  auch  selbst  überzeugt,  dass  mit 
seinen  Untersuchungen  über  die  Pflanzen  der  sächsischen  Steinkohlenfelder 
dieses  Thema  noch  nicht  erschöpft  war,  und  in  den  letzten  Jahren  seines 
arbeitsamen  Lebens  tiug  der  nie  rastende  Gelehrte  von  Neuem  an,  hier- 
über zu  arbeiten,  um  von  Neuem  zu  prüfen,  was  ihm  vor  langen  Jahren 
bei  der  Fülle  des  zu  bewältigenden  Materiales  vielleicht  zu  flüclitig  durch 
die  Hände  gegangen  war. 

Die  steigende  Bedeutung  der  Steinkohlen  für  unser  ganzes  wirth- 
schaftliches  Leben  bewog  II.  B.  Geinitz  1865  mit  Fleck  und  Hartig,  das 
gross  angelegte  Werk  „Die  Steinkohlen  Deutschlands  und  anderer  Länder 
Europas“  in  Angriff  zu  nehmen,  von  dem  er  den  ersten  Band,  die 
„Geologie“,  mit  einem  Atlas  von  28  Karten  herausgab  unter  der  Mit- 
wirkung von  mehreren  Dutzend  Gelehrten  und  Bergleuten.  Es  ist  seit- 
dem kein  ähnliches  umfassendes  Werk  mehr  erschienen,  und  man  muss 
staunen,  mit  welch  bedeutender  Kenntniss,  mit  welcher  Mühe  und  Sorg- 
falt nach  äusserst  beschwerlicher  und  weitschichtiger  Correspondenz 
II.  B.  Geinitz  hier  ein  Bild  der  rein  wissenschaftlichen  wie  auch  der 
technisch -bergbaulichen  Verhältnisse  zu  Stande  zu  bringen  bemüht  ge- 
wesen ist.  Wir  sehen  ihn  hier  in  ganz  hervorragender  Weise  auf  dem 
Gebiete  der  gleichzeitigen  Behandlung  von  Wissenschaft  und  Praxis  sein 


XI 


reiches  Wissen  und  Können  verwerthen,  und  wem  nicht  genaue  Kenntniss 
seines  Verkehrs  und  seiner  persönlichen  Beziehungen  und  auch  seiner 
Correspondenz  zur  Verfügung  steht,  der  kann  nur  ahnen,  welchen  Ein- 
fluss er  auch  auf  die  Entwickelung  des  Kohlenbergbaues  in  Sachsen  ge- 
habt hat.  Zur  Genüge  aber  ist  cs  Allen  bekannt,  wie  er  auf  Grund 
seiner  geologischen  Kenntnisse  vor  vergeblichen  Bohrungen  auf  Kohle 
gewarnt  hat,  leider  ohne  dass  auf  seine  Stimme  gehört  wurde. 

Da  die  Pflanzenreste  führenden  Schichten  des  Carbons  zum  Theil 
ganz  allmählich  in  die  des  Rothliegenden  übergehen,  so  erstreckten  sich 
die  Arbeiten  von  H.  B.  Geinitz  auch  auf  die  Floren  dieses  Systems,  und 
von  den  geringen  Ueberbleibseln  des  folgenden  Zechsteins  in  Sachsen  aus 
gelaugte  er  zum  Studium  des  Thüringer,  des  deutschen  Zechsteins,  des 
Zechsteins  in  anderen  Ländern.  Das  Perm  oder  die  Dyas,  welch’  letztere 
von  Marcou  eingeführte  Bezeichnung  II.  B.  Geinitz  aufnahm,  erhielt  durch 
ihn,  den  „besten  Kenner  dieser  Formation“,  die  umfassendste  Darstellung. 
Nach  vielen  Einzeluntersuchungen  und  kleineren  Abhandlungen  gab  er 
1861 — 62  das  grosse  Werk  in  zwei  Abtheilungen  „Dyas  oder  die  Zech- 
steinformation und  das  llothliegende“  heraus,  das  für  lange  Zeit  noch 
das  Grundwerk  bleiben  wird  für  die  faunistischen  Studien  über  diese 
Formationen.  Die  erste  Abtheilung  mit  23  Steindrucktafeln  behandelt 
die  animalischen  üeberreste,  die  zweite  Abtheilung  mit  42  Steindruck- 
tafeln die  Pflanzen  der  Dyas  und  Geologisches.  Eine  grosso  Anzahl  von 
Versteinerungen  ist  hier  besclirieben  und  abgebildet  worden,  viele  davon 
als  neue  Formen  zum  ersten  Male.  In  dem  geologischen  Theil  finden 
wir  ausführliche  Schilderungen  der  einzelnen  Verbreitungsgebiete  der  Dyas 
in  Deutschland  und  in  England,  wo  H.  B.  Geinitz  selbst  Beobachtungen 
angestellt  und  gesammelt  hatte.  Die  Beiträge  von  anderer  Seite  in 
diesem  grossen  Werke  sind  unbedeutend  gegenüber  der  persönlichen 
Leistung  von  H.  B.  Geinitz. 

Nach  seinen  eigenen  Untersuchungen  hatte  er  sich  über  die  Gliederung 
der  Dyas  eine  feste  Vorstellung  gebildet,  an  der  er  festhielt,  auch  als 
durch  neuere  Foi-schungen  namentlich  auch  in  entfernteren  Gebieten  un- 
zweifelhaft dargethan  war,  dass  schon  allein  der  Name  „Dyas“  nicht 
mehr  das  Richtige  traf.  Der  Streit  nm  ,,Dyas“  und  „Perm“  und  um  die 
specielle  Gliederung  dieser  Schichtengruppe  hat  ihm  bitteren  Aerger  und 
Kummer  bereitet. 

lieber  die  triassische  Schichtenreihe  hat  H.  B.  Geinitz  wenig  ver- 
öftentlicht;  hierher  gehört  aber  seine  Jenaer  Inaugural- Dissertation  vom 
Jahre  1837  „Beitrag  zur  Kenntniss  des  Thüringer  Muschelkalkgebirges“. 
Diese  erste  Arbeit  mag  besonders  genannt  werden,  um  die  Anhänglichkeit 
und  Vorliebe  zu  erwähnen,  die  H.  B.  Geinitz  stets  für  Jena  bewiesen  hat. 
Eine  grosse  Freude  war  ihm  die  Erneuerung  des  Doctor- Diploms  nach 
50  Jahren,  und  rührend  und  zugleich  für  ihn  höchst  bezeichnend  war 
es  zu  sehen,  wie  er  1890  auf  einer  E.\cursion  mit  Studirenden  der 
Hochschule  nach  Jena  kam  und  seine  dort  auch  noch  lebende  Wirtbin 
aus  der  Studienzeit  in  seiner  alten  Wohnung  besuchte,  als  wäre  das 
etwas  Alltägliches. 

In  Dresden  und  im  Elbthale  fand  H.  B.  Geinitz  sich  anf  dem  Boden 
der  Kreideformation  mit  ihrem  in  mehreren  damaligen  Aufschlüssen  er- 
staunlichen Fossilien- Rcichthum.  Hier  sammelte  er  selbst  und  hier 
gingen  ihm  von  vielen  anderen  Sammlern  grosse  Mengen  von  Petrefacten 


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XII 


zu : sind  doch  aus  den  Terhältnissmässig  kleinen  Kalkbrüchen  bei  Strehlen 
gegen  200  verschiedene  Thiere  gekommen  von  der  jetzt  völlig  bebauten 
Stelle,  die  nichts  mehr  ergiebt.  Dieses  Kreidegebiet  wurde  nun  von 
H.  B.  Geinitz  in  allen  Beziehungen  durchforscht  und  in  mehreren  zu- 
sammenfassenden Werken  wiederholt  beschrieben.  Die  complicirten  \^er- 
hältnisse  der  Kreideformation  in  Deutschland  wurden  nur  schrittweise 
klargelegt;  H.  B.  Geinitz  nahm  daran  auf  Grund  seiner  Untersuchungen 
an  Ort  und  Stelle  regen  Antheil,  kam  aber  auch  bald  mit  anderen 
deutschen  Geologen  in  Widerspruch,  bis  er  sich  dann  auf  die  Durch- 
forschung der  Kreideformation  in  Sachsen  beschränkte,  immer  aber  noch 
den  Namen  Ouadersandsteinformation  als  allgemeine  Bezeichnung  ver- 
theidigend,  ohne  sich  überzeugen  zu  lassen,  dass  diese  Bezeichnung 
genau  so  wenig  zutreffend  ist,  wie  der  gemeinübliche  Name  der  Kreide. 
Die  l’etrefacten  aber  hat  er  immer  wieder  von  Neuem  und  mit  neuen 
litterarischen  und  Sammlungshilfsmitteln  durchgearbeitet  und  bestimmt, 
sich  selbst  in  zahlreichen  Fällen  verbessernd,  bis  er  seine  Arbeit  zu 
einem  gewissen  Abschlüsse  brachte  in  dem  umfangreichen  zweibändigen 
Werke  1871 — 75  „Das  Filbthalgebirge  in  Sachsen“  mit  zusammen  113  Taf^eln 
Abbildungen  von  Fossilien.  Das  ist  ein  weiteres  hervorragendes  Werk 
H.  B.  Geinitzens,  das  noch  durch  manches  Geologen  Hände  gehen  und 
noch  manche  weiteren  Untersuchungen  veranlassen,  manche  Bestätigungen 
und  manche  Verbesserungen  erfahren  wird. 

Das  „Klbthalgebirge“  war  sein  letztes  grosses  Werk,  aber  seine 
Forschorarbeit  ging  noch  rastlos  weiter;  lange  nicht  Alles,  was  er  be- 
arbeitet hat,  konnte  erwähnt  werden  — und  noch  nicht  genug,  noch 
andere  Seiten  seiner  wissenschaftlichen  Thätigkeit  müssen  erwähnt  werden. 

Im  Jahre  18G3  trat  II.  B.  Geinitz  nach  dem  Tode  Bronn’s  in  die 
Redaction  des  Neuen  Jahrbuches  für  Mineralogie,  Geologie  und  l’alaeonto- 
logie  ein;  16  Jahre  lang  hat  er  sich  dieser  Thätigkeit  gewidmet  bis  zum 
Tode  seines  treuen  Mitarbeiters  Leonhard.  Als  1879  die  Redaction  dieser 
Zeitschrift  in  amlere  Hände  überging,  mussten  alsbald  zahlreiche  Mit- 
arbeiter für  dieselbe  herbeigezogen  werden.  Was  H.  B.  Geinitz  allein  zu 
bewältigen  versucht  hatte,  fiel  nun  auf  die  Schultern  einer  grossen  An- 
zahl von  Gelehrten.  Die  Referate  über  Geologie  und  Palaeontologie  in 
den  16  Jahren  sind  nicht  unterzeichnet;  es  lässt  sich  nicht  erkennen,  wie 
viele  gerade  in  der  Abtheilung  für  Geologie  von  H.  B.  Geinitz  herrühren, 
aber  eine  einfache  Durchsicht  der  16  Bände  ergiebt  doch,  dass  ungefähr 
3 — 400Ü  Referate  aus  seiner  Feder  stammen.  Welche  ungeheure,  müh- 
same und  oft  undankbare  Arbeit  steckt  in  diesen  Artikeln  und  in  der 
Correspondenz,  die  die  Redaction  mit  sich  brachte.  Es  erscheint  geradezu 
unbegreiflich,  wie  er  auch  noch  diese  Arbeit  neben  all  seiner  sonstigen 
Thätigkeit  leisten  konnte.  Dafür  musste  es  aber  auch  mit  Dank  an- 
erkannt werden,  dass  H.  B.  Geinitz  in  Dresden  seiner  Zeit  geradezu  ein 
j)ersönlicher  Centralpunkt  für  alle  geologische  Arbeit  in  Deutschland  war. 

Und  noch  nicht  genug!  Hand  in  Hand  mit  dieser  Thätigkeit  als 
Forscher  und  als  Lehrer  ging  noch  seine  Verwaltung  des  Königl.  .Minera- 
logisch-geologischen .Museums,  das  er  ja  in  den  51  Jahren  seiner  Leitung 
nicht  bloss  verwaltet,  sondern  zum  grössten  Theile  erst  geschalTen  hat. 
Alles  was  er  selbst  gesammelt  hatte,  was  ihm  von  so  vielen  Freunden 
und  Fachgenossen  niitgetheilt  wurde,  ist  schliesslich  in  dieses  Museum 
gekommen,  dessen  Schätze  die  Bewunderung  und  Anerkennung  aller 


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XIII 


Kenner  finden.  Und  nicht  bloss  Material,  das  ihm  leicht  zufloss,  hat  er 
hier  in  dem  Museum  aufgehäuft,  unter  beschränkten  Verhältnissen  hat 
er  auch  durch  zahlreiche  Tauschgeschäfte,  ja  selbst  durch  Handel  die 
Sammlungen  vermehrt,  stets  alles  ordnend,  bestimmend,  mühsam  kata- 
logisirend.  In  den  mittleren  Jahrzehnten  des  19.  Jahrhunderts,  als 
I’etrefacten  und  Mineralien  in  Deutschland  oft  genug  noch  als  gemeine 
Waare  angesehen  werden  konnten,  gelangte  so  viel  Material  in  das 
Museum,  dass  es  uns  nicht  Wunder  nehmen  kann,  wenn  II.  B.  Geinitz 
nun  auch  bemüht  war,  in  den  immerhin  beschränkten  Bäumen  möglichst 
viel,  möglichst  vielerlei  dem  Publikum  zugänglich  aufzustellen,  jedem 
Laien  ein  solches  Fassungsvermögen  ziimuthend,  wie  er  es  seihst  hesass. 
Und  nicht  bloss  Mineralogie  und  Geologie  brachte  er  in  dem  Museum 
zur  Anschauung,  er  bereitete  dort  seit  Mitte  der  siebziger  Jahre  auch 
noch  der  jüngsten  in  die  Culturgeschichtc  verlaufenden  Periode  der  Erd- 
geschichte, der  Periode  des  vorhistorischen  Menschen  eine  würdige 
Stätte,  auch  auf  diesem  Gebiete  seihst  litterarisch  thätig. 

Und  noch  nicht  genug!  Nicht  nur  im  engeren  Kreise  der  Fach- 
wissenschaft hat  II.  B.  Geiuitz  gewirkt,  sondern  auch  noch  als  Mitglied 
gemeinnütziger  Gesellschaften  in  Dresden,  im  Gewerbe -Verein,  in  der 
Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde,  in  dem  Sächs.  Ingenieur-  und 
Architekten-Verein  und  vor  allem  in  unserer  Isis,  Jahrzehnte  lang  deren 
rührigstes  Mitglied.  Fast  zwei  Jahrzehnte  lang  war  er  zweiter  V' ersitzender 
und  dann  viermal  1868,  1874 — 76,  1881 — 82,  1885  — 86  erster  Vor- 
sitzender und  inzwischen  fast  stets  Vorstand  der  Section  für  Mineralogie 
und  Geologie  oder  der  von  ihm  ins  Leben  gerufenen  prähistorischen 
Section.  Unzählige  Vorträge  hat  er  in  den  Sitzungen  der  Isis  gehalten 
und  sehr  oft  auch  Excursioncn  veranstaltet:  mehrere  seiner  kürzeren 
Abhandlungen  gereichen  den  Veröffentlichungen  der  Gesellschaft  zur  Zierde. 
Ueberdies  verdankt  es  ihm  die  Isis  auch,  dass  ihr  zur  Förderung  ihrer 
Aufgaben  mehrere  Stiftungen  zugingen.  Wir  haben  reichlichen  Anlass, 
ihm  ein  dankbares  Angedenken  zu  bewahren. 

In  Hanns  Bruno  Geinitz  war  mit  einem  äusserst  widerstandsfähigen 
Köi-per  ein  reicher  Geist  verbunden;  seine  unerschöpfliche  Arbeitskraft 
hatte  er  unaufhörlich  und  allein  dem  Dienste  der  Wissenschaft  und  des 
Vaterlandes  geweiht. 


Ehre  seinem  Angedenken! 


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Sitzungsberichte 

der 

N aturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1900. 


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I.  Section  für  Zoologie. 


Erste  Sitzung  am  1.  Februar  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 
Nitsche.  — Anwesend  42  Mitglieder  und  4 Gäste. 

Prof.  Dr.  n.  Nitsche  betont  in  tiefer  Wehmuth,  dass  dies  die  erste 
Gesellschaftssitzung  nach  dem  Heimgange  des  am  gestrigen  Tage  zur  ewigen 
Ruhe  bestatteten  Ehrenvorsitzenden,  Geh.  Rathes  Prof.  Dr.  H.  B.  Geinilz 
sei.  Ohne  einem  späteren  Nekrologe  von  berufenerer  Seite  aus  vorgreifen 
zu  wollen,  gedenkt  er  der  hervorragenden  Verdienste  des  Verstorbenen 
um  die  Isis. 

Die  Anwesenden  erheben  sich  von  den  Sitzen. 

Bibliothekar  K.  Schiller  legt  ein  neues  populäres  Werk  über  die 
Vögel  des  östlichen  Nordamerikas  vor  und  betont  dessen  knappe  Fassung 
und  reiche  Illustrirung.  Es  ist  dies 

Cory,  Ch.  B.:  The  Birds  of  eastcm  North  America.  Parti:  Water  Binls. 

Cliicago  1899.  4". 

Prof.  Dr.  II.  Nitsche  demonstrirt  fahnenlose  Schwungfedern  des 
Casuars,  die  der  Tharandter  Sammlung  von  Herrn  Walter  Rothschild 
zugewendet  wurden. 

Prof.  Dr.  R.  Ebert  bespricht  in  längerem  Vortrage,  ausgehend  von 
den  Ergebnissen  der  Chun’schen  Tiefsee-Expedition,  die  Fauna  der  Tief- 
see im  Allgemeinen. 


Zweite  Sitzung  am  22.  März  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 
Nitsche.  — Anwesend  16  Mitglieder  und  1 Gast. 

Bibliothekar  K.  Schiller  legt  als  neue  Erwerbungen  vor 

Abhandlungen  der  Senckenbergischen  naturforschenden  Ge.sell8chaft,  ßd.  XXVI, 
Heft  1 (Entwickelung  des  Krokodileies); 

Den  Norske  Nordhavs  expediticm  1876—1878.  Zoologi.  Bd.  XXV  und  XXVI. 

Herr  W.  Bär  als  Gast  referirt  über  zwei  für  die  Ornis  Deutsch- 
lands neue  Vogelarten. 

C.  Gessner  beschrieb  1.555  den  „Waldrapp“  Corvus  aylvaticua  sehr  genau  als 
schweizer  und  bayerischen  Zug-  und  Brutvogel.  Später  wurde  derscllm  von  Linnd  als 
Upupa  eremita  aufgefiihrt.  Da  er  aber  mit  keinem  Mitglicde  der  jetzigen  europäischen 
Fauna  sicher  indentificirt  werden  konnte,  wurile  diese  Beschreibung  später  entweder  anf 
die  schlecht  geschilderte  Alpeukrähc,  UijTrhocomx  maculua  bezogen  oder  als  apogryph 
angesehen.  Neuerdings  haben  nun  W.  llothschild  und  0.  Kleinscb midt  nachge- 
wiesen, dass  alle  Angaben  Ge.ssner's  genau  anf  die  bisher  meist  als  Ibia  oder  Oeronticua 


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oder  Comatibia  comalus  bezeiebnete  abbessynisebe,  durch  ihre  Lebensweise  als  Gebirgn- 
und  Felseiivogel  vun  den  übrigen  Arten  vUllig  verschiedene  Ibisforni  passen.  Es  stellt 
also  dieser  jetzt  richtig  als  Geronticus  eremila  L.  bezeichnete  \’ogel  ein  früheres,  jetüt 
nach  Afrika  verdrängtes  Mitglied  der  Vogeltäuna  Deutschlands  dar. 

Der  Vortragende  referirt  ferner  über  die  neueren,  die  Sumpfnieise  betreffenden 
Arbeiten  0.  Kleinschinidt’s,  der  die  alte  Species  Parua  palustris  in  zwei  Arten 
zerlegt:  Farus  subpahisln's  und  Parus  salicarius,  die  beide  wieder  in  eine  Keilie 
analoger  Ixicalfonnen  zerfallen. 

l’rof.  l)r.  II.  Ebert  berichtet  über  einen  in  der  wissenschaftlichen 
Beilage  der  Leipziger  Zeitung  erschienenen  Aufsatz  von  G.  Kretzschmar : 
„Ueber  Zunahme  einheiniischer  Vögel“,  in  welchem  besonders  die  neuerliche 
Vermehrung  des  Gartenspötters,  des  grauen  Fliegenschnäppers,  der  Amsel, 
der  Laubvögel,  der  Gartengrasmücke,  des  Baumpiepers  und  des  roth- 
rückigen  Würgers  betont  wird. 

Prof.  Dr.  IL  Nitschc  spricht  schliesslich  über  die  verschieden- 
artige Ausbildung  der  oberen  Eckzähne  bei  den  verschiedenen 
Formen  der  recenten  Hirsche. 


Dritte  Sitzang  am  17.  Hai  1900  (in  Gemeinschaft  mit  der  Section 
für  Botanik).  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  II.  Kitsche.  — Anwesend  43  Mit- 
glieder und  Gäste. 

Bibliothekar  K.  Schiller  legt  als  neue  Erwerbung  vor 

Cory,  t'h.  B. : Tbc  Birda  of  eastem  North  America.  Part  II:  Land  Bird.s. 

Chicago  1899.  4». 

Geh.  Ilofrath  Prof.  Dr.  O.  Drude  lässt  circuliren 

Radde,  G.:  Die  Sammlungen  de.s  kauka.sischen  Museums.  Bd.  I:  Säugethiere. 

Titü.s  1899.  4". 

Derselbe  weist  dann  zunächst  von  Dr.  K.  Reiche-Santiago  ein- 
gesendete Photographien  von  eigenthümlichen  chilenischen,  Rasenpolster 
bildenden  Umbelliferen  vor  und  hält  einen  ausführlichen  Vortrag  über 
F.  Unger:  „Die  Pflanze  im  Moment  der  Thierwerdung“  und  dessen 
Correspondenz  hierüber  mit  Endlicher,  anschliessend  an  eine  neue 
Publication  von 

Ilaberland,  G.:  Briefwechsel  zwischen  Franz  Unger  und  Stephan  EndUeher. 

Berlin  1899.  8». 

Prof.  Dr.  H.  Nitschc  fügt  als  weitere  Beispiele  irriger  ,\n- 
sichteu,  den  Uebergang  vom  Plauzen-  zum  Thierreiche  betreffend, 
einige  Bemerkungen  bei  über  Buffon’s  Anschauungen  über  die  vegeta- 
bilische Natur  des  Hirschgeweihes  und  die  zuerst  von  einem  spanischen 
•Mönche  Torrubia  beschriebene  „zoophytische  Fliege“,  d.  h.  der  Verbindung 
eines  todten  Inscctes  mit  dem  Fruchtträger  eines  Pilzes  aus  der  zu  den 
Pyroinyceten  gehörenden  Gattung  Cordyceps. 

Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz  hält  einen  ausführlichen  Vortrag  über 
Höhlenthiere,  anschliessend  an  die  neueren  Publicationen  über  dieses 
Thema. 

Prof.  Dr.  11.  Nitsche  weist  nach,  dass  in  S.aehsen  auch  die  nordische 
schwarzbäiichige  Abart  des  Wasserschmätzers,  Cindus  cindus  L.  als 
Brutvogel  vorkomnit,  z.  B.  an  der  Bobritzsch.  (Vergl.  Abhandlung  VT.) 


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II.  Section  für  Botanik. 


Erste  Sitzung  am  8.  Februar  1900  (Floristenabend).  Vorsitzender: 
Oberlehrer  K.  Wobst.  — Anwesend  28  Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Trof.  Dr.  0.  Drude  bespricht  und  legt  vor 

Pospichal:  Flora  der  österreichischen  Küstenländer; 

ßannkiacr,  C.:  Morpholoi'isch - hiologische  liearheitung  der  Monokotyledonen 
Dänemarks*),  ein  vortreffliches  Werk! 

Ira  Anschluss  daran  berichtet  Dr.  ü.  Schorler  über 

Häck,  F.:  GrundzUge  der  Pflanzengeographie; 

Kronteld,  M.;  Bilderatlas  zur  Pfl.anzengeographic ; 

Radde,  G.;  (rrundzüge  der  Pflanzenverbreitnng  in  den  Kankasnsländem; 

Knuth,  P.:  Handhuch  der  UlUtenhiologie ; 

Ludwig,  F.;  Lehrbuch  der  niedem  Kryptogamen. 

Oberlehrer  K.  W'ohst  erläutert  und  bringt  zur  Vorlage  folgende 
Pflanzenfornien : Itosa  Gremlii  dir.,  gesammelt  bei  Bad  Salzungen  in 
Thüringen;  Bosa  alba  L.  und  Rosa  tomenfosa  Sm.  var.  cmtrascens  Dum. 
aus  der  Umgebung  von  Hosterwitz,  erstere  in  mächtigen  Stöcken  daselbst 
verwildert 

Bibliothekar  K.  Schiller  setzt  hierauf  in  Umlauf 

Thonner,  Fr.:  Im  afrikanisihen  Urwald,  und 

Report,  annnal,  of  the  Missouri  Botanical  Ganlen,  8t.  Louis. 

Verlagsbuchhändler  J.  Osterraaier  legt  zahlreiche  Postkarten  mit 
Blüthenabhildungen,  welche  der  Alpenflora  entnommen  sind,  sowie  grossere 
Tafeln,  Alpenpflanzen  darstellend,  vor. 

Zum  Schluss  hält  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  einen  Vortrag 
über  Einrichtung  von  Herbarien  für  pflanzengeographische 
Demonstrationen  und  erläutert  denselben  durch  reichhaltige  Vorlagen, 
welche  verschiedene  Pflanzenformationen  Sachsens  illustrircn. 


Zweite  (ansserordentliche)  Sitzung  am  8.  März  1900.  (Floristen- 
abend). Vorsitzender:  Oberlehrer  K.  Wobst.  — Anwesend  26  Slitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  hält  folgenden  Vortrag:  Vorläufige 
Bemerkungen  über  die  floristische  Kartographie  von  Sachsen. 
(Vergl.  Abhandlung  V.) 

Dieser  Vortrag  verfolgt  die  Absicht,  der  Gesellschaft  Mittheilung  über  den  ge- 
planten Fortgang  weiterer  floristiacher  Arbeiten  aus  unserem  Herbarium  zu  machen 
und  womöglich  Mitarbeiterschaft  in  ihren  Kreisen  zu  gewinnen.  Denn  kartograpliLsche 
Aufnahmen  setzen  eine  Vertrautheit  mit  den  Kiuzelheiten  voraus,  wie  sie  ein  Einzelner 
sich  schwer  zu  erwerben  im  Stande  ist. 

Dr.  B.  Schorler  referirt  über  Gradmann’s  „Pflanzenlehen  der 
Schwäbischen  Alb“,  das  als  ein  nachahmenswerthes  Muster  einer  modernen 
Localflora  hingestellt  wird. 


*)  Dänischer  Titel:  De  Danske  Blumstcrplantcrs  Naturhistorie;  fürste  Bind: 
Enkimbladede.  Med  1089  Figurer  i 293  Gntpper,  for  stür.ste  delen  teguede  af  Ingehorg 
Raunkiaer  og  C.  Raunkiaer.  Kjohenhavn  1895 — 1899.  724  S.  in  gr.  8". 


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Verfasser  begnügt  sieb  nicht  mit  einer  blossen  Änfzählnng  der  Arten  nnd  Stand- 
orte seines  Gebietes,  sondern  charaktcrisirt  dieses  auch  in  vortrefflichster  Weise  pfianzen- 
geographiseb.  Wir  erfahren,  dass  die  Schwäbische  Alb  mit  der  Fränkischen  zusammen 
einen  pflanzengeographischen  Bezirk  bildet,  der  sich  von  den  benachbarten  Bezirken, 
dem  Schwarzwald,  dem  Alpenvorland,  dem  Schwäbisch -Fränkischen  Httgellande  und 
dem  Schweizer  Jura,  deutlich  heraushebt.  Charakteristisch  für  die  Schwäbische  Alb 
sind  die  als  Glacialrelicte  gedeuteten  alpinen  und  präalpinen  Arten,  die  im  Süd  westen 
am  häufigsten  auftreten,  im  mittleren  Theile  seltener  werden  und  im  Xordosten  voll- 
ständig fehlen.  So  bat  beispielsweise  die  südwestliche  Alb  an  alpinen  Arten:  Androsace 
lactea,  Anemone  narcissiflora,  Athamanta  eretensis,  Carex  aempervirena , Cyatopterie 
montana,  an  präalpinen  (montanen)  Arten  Dentaria  digitata,  Hoaa  alpina,  Adenostylia, 
Hieracium  amplexicaule , Lonicera  alpigena  etc.;  die  mittlere  Alb  dagegen  als  Wahr- 
zeichen Saxifraga  Aiioon,  der  bis  60i)  m hcrabsteigt,  Draba  aiiotdea,  Cochlcaria 
aaxatilis,  Campanula  puasilla  und  als  verbreitetstes  Felsen-//ifraci«»»  d.as  H.  Jaeguini, 
während  als  präalpine  Arten  hier  aufgeznhlt  werden  Hieracium  bupleuroides , Belli- 
diaalrum,  Valeriana  tripteria,  Gentiana  lutea,  Eoaa  rubrifolia,  Anthriscus  nitida 
nnd  andere,  ln  der  nordöstlichen  Alb  »erden  die  alpinen  und  präalpinen  Arten  durch 
poutische  ersetzt,  wie  Eryaimum  odoratum,  Linum  flavum,  die  beide  hier  ihre  W'est- 
grenze  erreichen,  Arabia  pauciflora,  Huta  graveolena,  Potentilla  rupeatria,  Stipa 
capillata,  Pleuroapermum  auatriacum  u.  s.  »'.  Bei  der  Masse  von  alpinen  Arten,  die 
übrigens  durch  bunte  Tafeln  vortrefflich  dargestellt  sind,  ist  das  Fehlen  aller  subalpinen 
Arten,  die  im  Schwarzwalde,  dem  Schweizer  Jura  und  auch  dem  Alpenvorlande  reichlich 
auftreten,  recht  anffiillig.  Kin  weiterer  bemerkenswerther  L'ntcrschied  gegen  die  Nach- 
bargebiete besteht  in  dem  Mangel  aller  atlantischen  Arten.  Während  z.  B.  Ilex,  Bu.rua 
und  Tamua  im  Schwarzwald,  Jura  und  Alpenvorland  gar  nicht  selten  Vorkommen, 
fehlen  diese  in  der  Alb  vollständig.  Verfasser  erklärt  diese  auffällige  Vertheilung  durch 
die  klimatischen  Verhältnisse,  die  Alb  hat  continentales,  die  benachbarten  Bezirke 
ozeanisches  Klima:  die  Januar-Null -Isothennc  verläuft  längs  der  Donau  bis  zu  deren 
(^uellgebiet , biegt  daun,  östlich  vom  Khein  und  Sehwarzwald,  nach  Norden  um  und 
verläuft  zur  Westküste  von  Schweden  und  Norwegen.  Durch  die  weitere  eingehende 
Schilderung  der  Flora  der  Nachbarbezirke,  durch  die  Hervorhebung  von  deren  Charakter- 
pflanzen, welche  in  der  Alb  fehlen,  wird  die  pflanzengeographische  Stellung  der 
Schwäbischen  Alb  noch  näher  präcisirt. 

Ein  grosser  Raum  ist  ferner  der  Schilderung  der  Formationen  nnd  ihrer  Ausbreitung 

f gewidmet.  Es  werden  Haupt-  und  Nebentypen  unterschieden,  die  Formationsglieder 
istenmässig  aufgezählt  und,  »-as  be.sonders  beachtenswert h ist.  auch  die  Ausrüstung 
derselben,  ihre  tdologischen  und  ökologischen  A'erhältuisse  geschildert  und  zwar  in  ,«o 
eingehender  und  anziehender  Weise,  dass  das  Studium  dieser  Capitel  als  Vorbereitung 
zu  Excursioneu  auch  in  unserem  hereynischen  Bezirk  mancherlei  Anregungen  bietet. 

Den  Scliluss  bililen  Heinerkungen  des  Verlagsbuchhilndlers  J.  Oster- 
maier über  den  Schutz  der  Alpenpflanzen  und  Beobachtungen  über 
den  Eintritt  der  Erühlingsflora  von  Oberamraergau. 


Dritte  Sitzung:  am  5.  April  1900  (im  Ilörsaale  des  K.  Botanischen 
Gartens).  Vorsitzender:  (>eb.  Hofrath  l’rof.  I)r.  0.  Drude.  — Anwesend 
20  Mitglieder  und  5 Gäste. 

Der  Vorsitzende  logt  eine  von  Dr.  L.  Meyer,  meteorologische 
Centralstation  in  Stuttgart,  entworfene  Aufbliihkarte  der  Kirsche  in 
Württemberg  im  Jahre  1899  vor  und  knüpft  an  dieselbe  phänologische 
Bemerkungen  über  die  Betardation  dieses  Frühlings  unter  Vor- 
lage der  meteorologischen  Aufzeichnungen  an  der  Station  des  K.  Botani- 
schen Gartens. 

Die  Frühlingshiiuptphase  ist  im  Mittel  der  .Tahre  1891  bis  1899  nach  den  Beob- 
achtuiigeu  im  Grossen  Garten  und  neuen  Botanischen  Garten  auf 

Tag  130  = 30.  April 


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gefallen.  Den  frühesten  um!  längsten  Vorfrühling  hatte  das  vergangene  Jahr,  einen 
der  spätesten  Vorfrühlinge  dieses;  trotzdem  kann  die  Hauptphase  noch  ziemlich  recht- 
zeitig fallen,  wenn  jetzt  warme  Witterung  eintritt*). 

Darauf  bespricht  der  Vorsitzende  im  Anschluss  an  Versuche,  welche 
im  K.  Botanischen  Garten  angestellt  worden  sind,  die  Ueberwinterung 
immergrüner  Gewächse  im  borealen  Klima  und  hebt  die  Gefahren 
der  Austrocknung  hervor,  welche  bislang  nicht  genügend  gewürdigt  sind. 

Es  werden  Verdunstungsversuche  an  Thuja  occidentali»  währeml  der  Winter- 
monate December  bis  Jlärz  besprochen,  lin  Anschluss  daran  wird  die  Aufnahmefähig- 
keit der  Blätter  für  Wasser  kurz  beleuchtet  und  Präparate  der  von  Schimper  genauer 
untersuchten  Bromeliaceen- Blätter  vorgelegt. 

Schliesslich  lenkt  der  Vortragende  die  Aufmerksamkeit  auf  den 
bisher  wenig  gewürdigten  Charakter  der  Aufhlühgeschwindigkeit  der 
Blüthen  einer  und  derselben  InÜorescenz,  für  deren  langsamen  Ablauf 
soeben  Möbius  ein  Beispiel  aus  den  Bromeliaceen  in  der  Gartenflora  rait- 
theilt. 

Auch  in  der  deutschen  Floristik  gicbt  es  hier  no<h  vielerlei  zu  sammeln  und  zu 
beobachten,  was  zum  Verständniss  der  Blilthenerscheinungen  in  unseren  Formationen 
dienen  kann,  obwohl  im  Allgemeinen  bei  uns  Alles  zu  einem  ra.scberen  Abschluss  der 
Blüthenentfaltung  drängt. 


Vierte  Sitzung  am  14.  Juni  1900  (im  K.  Botanischen  Garten). 
Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  28  Mit- 
glieder und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  hält  einen  Vortrag  über  die  Anordnung  der 
Vegetation  im  Karwendelgebirge,  anknüpfend  an  Beobachtungen  auf 
einer  soeben  beendigten  zweiten  Heise  nach  Oberbayern  zur  Frühlingszeit. 

Die  Situation  des  Gebirges  wird  durch  Schildenmg  des  Aufstieges  vom  Kochel- 
und Walchensee  her  erläutert.  Mittenwabl,  so  hoch  als  Oberwiesenthal  gelegen,  zeigte 
in  seiner  phänologischen  Entwickelung  in  die.sem  Jahre  (2.  bis  10.  Juni)  um  fast  einen 
3Ionat  spätere  Phasen  al.s  Dresden,  wälirend  die  lArche  imd  Birke  in  1500  m Hübe 
ca.  40  bis  45  Tage  Verspätung  ihrer  Ergrünung  zeigten.  So  standen  in  Mittenwald 
am  10.  Juni  Aeaculua  Uippocastanum  und  Horhus  aucuparia  iu  Vollblüthe,  während 
sie  in  Dresden  am  10.  Mai,  bez.  18.  Mai  ihren  Blüthenbeginn  gehabt  hatten.  Aber  der 
Frühlingseinzng  hatte  sich  in  diesem  Jahre  im  Gebirge  besonders  verspätet  und  bei 
1700  m traf  man  noch  auf  ausgedehnte  Schneefelder,  welche  an  Nordhängen  die  ürat- 
pfade  völlig  überdeckt  hielten,  während  iler  oberste  Eärchenwabl  sich  jetzt  erst  mit 
zartem  Grün  bekleidete. 

Der  Vortragende  skizzirt  die  zu  unterscheidenden  Formationen  und  vergleicht 
dieselben  ihrem  Vorkommen  nach  mit  entsprechenden  Beständen  in  den  hercjmisch- 
mitteldeutschen  Gebirgen.  Für  die  Florenentwickelungsgeschichle  Deutschlands  ist 
besonders  die  von  G.  v.  Beck  aufgestellte  und  sehr  gut  begründete  Formation  des  Vor- 
alpenwaldes von  grosser  Bedeutung.  Versetzen  wir  uns  in  den  Anfang  der  postglacialen 
Entwickelung  zurück,  so  wird  damals  ein  weiter  Kaum  der  jetzigen  Tiiasgebirge  in 
Südhannover,  Hessen  und  Thüringen  mit  einem  ähnlichen  Voralpenwalde  bedeckt  ge- 
wesen sein,  welcher  gerade  auf  dem  Kalke  seine  beste  und  kräftigste  Entwickelung 
erreicht.  Der  Schwäbische  Jura  zeigt  noch  beute  in  zahlreicben  Kelictcn  (vergl.  das 
Referat  Schorler's  über  Gradmann's  ausgezeichnete  Flora)  die  Verbreitnngslinien  präalpiner 
und  alpiner  KalkpHanzen  auf  Höhen  von  Ufki  bis  lOOt)  m,  wie  wir  sie  heute  mindestens 
400  m höher  in  den  Bayrischen  Alpen  zahlreich  linden,  und  auch  die  Kclicte  auf  den 
Gypsbergen  am  südlichen  Harz  gehören  höchst  wahrscheinlich  in  diese  Kategorie. 

*)  .Spätere  Anmerkung:  Dieselbe  ist  mit  viertägiger  Verspätung  gegen  das  letzte 
Mittel  auf  den  4.  Mai  gefallen. 


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Während  Sachsen  (im  Vogtlande)  nur  wenige  Relicte  solcher  Voralpenwald- Pflanzen 
besitzt.  Erica  carnea  und  Volygata  Chamaeöuxus,  ist  Thüringen  bis  zur  Rhön  und 
zum  Harz,  besonders  auch  noch  das  Werragebirge  bei  AUendorf,  reichlich  damit  rer- 
.sehen,  und  viele  dort  jetzt  als  Seltenheiten  oder  verbreitet  vorkommende  Arten,  die  diesseits 
der  Saale  auf  den  Urgesteinen  Sach-seus  völlig  fehlen,  scheinen  ihr  Vorkommen  von 
der  weiten  Ausbreitung  einer  üppigen  präalpinen  Wald-  und  Geröllformation  herzuleiten. 
Dahin  zählt  Vortragender  besonders  folgende  Arten: 


Amelanchier  vulgaris I 
Berberis  vulgaris. 

Yiburnum  Lantanal 
Sorbus  Ariai 

Pleurospermum  austriacum. 
Laserpitium  latifolium. 


Helianthemum  oelandicum. 
Polygala  amara. 
Hippocrepis  comosa] 
Coronüla  vaginalis, 
Sesleria  coe^ea'. 

Ophrys  muscifera, 


lauter  Pflanzen,  welche  dem  warmen  Hügellande  Sachsens  fehlen  und  deren  Zusammen- 
schlnss  zu  kennzeichnenden  Mitgliedern  der  westhercyiiischen  Httgelformationen  auf 
liedeutungsvolle  Ursachen  in  vorvergangenen  Perioden  hinzuweisen  scheint.  Vortragender 
betrachtet  dieselben  also  als  ver.sjircugte  oder  mit  der  gemeinen  trockenen  Httgelland-sflora 
sowie  mit  .Steppenpflanzen  vermischte  Ueberbleibsel  aus  der  Zeit,  wo  ein  dem  jetzigen 
Voralpeuwalde  der  Kalkalpen  von  HOO  bis  llüKl  m Höbe  ähnlicher  Uestand  auf  den 
Tria-skalken  an  der  Werra  imd  südlich  des  Harzes  die  Dbcrhand  hatte. 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Erste  Sitzung  am  15.  Februar  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.VV.  Bergt. 
— Anwesend  31  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  ein  von  Lehrer  H.  Döring  gefundenes  neues 
süchsisclies  (und  böhmisches)  Mineral,  Anhydrit  aus  dem  Phonolith 
von  Schlössel  bei  Hammer-Unterwiesenthal,  vor  (siehe  Abhandlungen  der 
Isis  1899,  S.  88—92)  und 

erläutert  in  einem  Vortrag  über  Mikromineralogie  an  Mineral- 
und  Gesteinsdünnschliffen  die  Bedeutung  der  in  der  zweiten  Hälfte  des 
19.  Jahrhunderts  für  die  mineralogischen  VVissenschaften  fruchtbar  ge- 
machten mikroskopischen  Untersuchungsmethode. 


Zweite  Sitzung  am  19.  April  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  W.  Bergt.  — 
Anwesend  33  Mitglieder. 

Prof.  H.  Engelhardt  legt  mit  erläuternden  Bemerkungen  G.  Laube: 
„Neue  Schildkröttm  und  h’ische  aus  der  böhmischen  Braunkohleiiformation“, 
1900,  und  „Schildkrötenreste  aus  der  böhmischen  Braunkohlenformation“, 
1890,  sowie  P.  Grosser:  „Die  Ergebnisse  von  Dr.  A.  Stübel’s  Vulkan- 
forschungen“, 1900,  vor. 

Dr.  P.  Menzel  spricht  eingehend  über  die  Entstehung  der  Alpen 
und  die  Bildung  des  Mittelmeeres. 

Prof.  Dr.  W.  Bergt  macht  an  der  Hand  von  A.  Rothpletz:  „Das 
geotektonische  Problem  der  Glarner  Alpen“,  1898,  auf  Wandlungen  in  der 
Auflassung  der  .Vlpentektonik  aufmerksam. 


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ExenrsiOB  am  21.  Jnni  1900  uach  den  Rathssteinbrüchen  am 
Ausgange  des  Plauenschen  Grundes.  — Zahl  der  Tbeilnohmer  3B. 

Hier  wurde  zunächst  die  maschinenmässiee  Herstellung  des  Steinschlags  ver- 
schiedener Grösse  besichtigt.  Im  unteren  Theile  des  Bruches,  im  Syenit,  war  ein 
2'(,  m mächtiger,  sehr  frischer,  am  oberen  Ende  verworfener  Kersantit^ng  aus- 
gezeichnet aufgeschlossen.  Der  obere  Theil  des  Bruches  bot  Gelegenheit,  die  unebene, 
laschen-  und  klippenreiche  Oberfläche  des  Syenits  (vergl.  Isis- Abhandlungen  1899,  S.  60, 
Fig.  6—8),  ferner  den  auflagemden  Carinaten- Pläner  mit  seiner  Grundschicht,  dem 
versteinerungsreichen  Syenitconglomerat,  und  den  Plänerbänken  zu  studiren.  Zum  ersteu 
Male  wohl  kam  hier  in  dem  obersten  Anschnitt  die,  Cariuaten-  und  Lahiaten-Pläner 
trennende- Mergelschicht  zum  Vorschein.  Sie  wird  bisher  in  den  Rathssteinbrüchen  nicht 
erwähnt,  ist  aber  durch  den  starken  Abbau  in  den  letzten  Jahren  blosgelegt  worden 
Als  ein  deutlich  sichtbares  0,jo — 0,to  m breites  Band  verläuft  diese  Mcrgcbschicht  vom 
Süd-  bis  zum  Nordende  des  Bruches,  am  Nordende  von  der  geneigten  Oberfläche  ahge- 
schnitten.  Der  überlagernde  Labiatus- Pläner  von  wechselnder  Mächtigkeit  bis  zu  2 m 
ist  meistens  in  kleine  Platten  und  Scherben  aufgelöst 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 

Erste  Sitzung  am  18.  Januar  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  23  Mitglieder. 

Lehrer  H.  D öring  spricht  über  Feuersteinwerkstätten  auf  Rügen. 

Der  Vortragende  weist  einleitend  darauf  hin,  dass  die  vergleichende  Forschunm- 
methode,  welche  allein  sichere  Ergebnisse  verspricht,  uns  dazu  iiöthigt,  öfter  über  die 
Grenzen  der  Heimath  hinaus  zn  blicken  und  die  Resultate  der  Urgeschichtsforschung 
in  anderen  Ländern  fortdauernd  im  Auge  zu  behalten. 

Der  Berichterstatter  benutzte  einen  mehrmaligen  Kuraufenthalt  auf  der  Insel 
Rügen,  um  einige  der  daselbst  zahlreich  vorhandenen  Fenersteinwerkstätten  zu  besich- 
tigen und  auf  das  Vorhandensein  prähistorischer  Geräthe  wiederholt  abzusnehen.  Aus 
der  vorhandenen  Litteratur  führt  er  16  Rügen’sche  Werkstätten  an,  berichtet  über  die 
beiden  umfiluglichsteu  Fundstätten  von  Jäetzow  und  über  die  kleinere  von  Drewoldtke 
unter  Benutzung  der  Veröffentlichungen  von  Dr.  Haas  - Stettin,  wie  auf  Grund  der  durch 
Besichtigung  gewonnenen  Anschauung.  Unter  Vorlegung  einer  reichen  Sammlung  von 
nahezu  4UO  piäbistorischen  FiinilstUckeii  sjiricht  der  V'ortragende  sodann  über  das  ver- 
arbeitete Material,  Uber  die  angewandte  Technik,  die  verschiedenen  Formen  der  Waffen 
und  Werkzeuge,  sowie  Uber  die  veminthlichc  Verwendung  derselben  im  Leben  der 
prähistorischen  Bevölkerung. 

Ein  Besuch  des  Nationalmuseums  nordischer  Alterthümer  in 
Kopenhagen  giebt  dem  Referenten  Veranlassung,  über  die  dortige  Ab- 
theilung der  Steinzeitreste  zu  berichten. 

Im  Anschlüsse  hieran  spricht  derselbe  Redner  weiterhin  über  b’euer- 
steingeräthe  aus  sächsischen  Fundorten.  (Vergl.  Abhandlung  11.) 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  legt  vor  und  bespricht  eine  Anzahl  be- 
malter Geschiebe  aus  der  Höhle  von  Mas  d’Azil  in  den  Pyrenäen, 
welche  von  Herrn  Ed.  Piette-Rumigny  der  K.  Prähistorischen  Sammlung 
in  Dresden  geschenkt  worden  sind. 

Ed,  Piette  hat  diesen  mit  merkwürdigen  Zeichen  liemalten  Flussgeröllen  in  der 
Zeitschrift  „L'Authro]>ologie  - VII.  p. -Wi  eine  eingehende  Beschreibung  und  Deutung 
gewidmet.  Die  Lagerstätte  derselben  ist  eine  Schicht,  welche  zwisihcn  der  jüngsten 
Abtheilnng  der  älteren  Steinzeit,  der  Renthierepoebe,  und  der  ältesten  der  jüngeren 
Steinzeit  eingeschaltet  ist  uud  als  Uebergangsformation  zwischen  beiden  betrachtet  wird. 
Die  aus  grauem,  quarzigem  Gestein  oder  Schiefer  bestehenden  Geschiebe  entstammen 
dem  nahen  Flussbett  der  Arize  und  sind  mit  in  rotbem  Eisenocker  kunstlos  ausgetührten 


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an  einander  gereihten  parallelen  Strichen  oder  rundlichen  Flecken , krenzfJlrmigcn 
Strichen  in  Verbindung  mit  Kreisen,  leiterartigen  Zeichnungen,  Schlangenlinien  und 
schriftähnlichen  Zeichen  bemalt,  die  von  Kd.  Piette  als  Sonnenbilder,  Oarstellungcn  von 
Bäumen,  uralte  Zahlen-  und  Schriftsysteme  gedeutet  werden. 


Zweite  Sitzung  am  10.  Mai  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  J.  Deicli- 
müller.  — Anwesend  22  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  macht  auf  eine  in  den  Protokollen  der  General- 
versammlung des  Gesammtvereins  der  deutschen  (ieschichts-  und  Alter- 
thumsvereine zu  Strassburg  i.  E.  1899  enthaltene  Arbeit  von  Dr.  Köhl: 
„üeber  die  neolithische  Keramik  Südwostdeutschlands“,  Berlin  1900,  auf- 
merksam. 

Lehrer  H.  Döring  berichtet  über  die  Ergebnisse  einiger  von  ihm 
unternommenen  Excursionen  nach  prähistorischen  Siedelungen. 

Von  dem  doppelschichtigen  Burgwall  Altcoschütz,  der  in  der  Urzeit  von 
(Jermanen  und  darnach  von  Slaveu  benutzt  wurde,  gelangen  eine  Anzahl  auf  Tafeln 
geordneter  germanischer  Scherben,  Knocheupfriemen  nnd  Knocheunadeln,  bearbeitete 
(ieweihstangen  und  Röhrenknochen,  eine  thönerne  Kinderklapper  in  Form  einer  kleinen 
Buckelnme,  ein  Webstuhlgewicht,  zwei  halbe  slavische  Töpfe  und  eine  Anzahl  Scherben 
mit  den  bekannten  slavischcn  ( iniamenten  zur  Vorlage. 

Auf  dem  Burgberge  bei  Niederwartha  fand  der  Berichterstatter  wiederum 
eine  grössere  Zahl  slavischer  Scherben,  unter  denen  Bndenstücke  mit  eingepriig-ter 
Töpfermarke,  sowie  Randstücke  mit  abnormem  Profil  und  verschiedene  auffällige  Cora- 
binationen  von  Verzierungsl'orinen  bemerkenswerth  sind.  Von  derselben  Fundstelle 
werden  noch  vorgelegt  das  Bruchstück  eines  dun  h Punkte  verzierten  Spinuwirtels  ans 
Thon,  sowie  sechs  Werkzeuge  aus  Stein,  die  zum  Schleifen  nnd  Poliren  der  Knochen- 
und  jletallwerkzeuge  gedient  haben  mögen. 

Unter  den  vom  Burg  wall  Kockwitz  stammenden  urgeschichtlichen  Funden 
zeigen  sich  ebenfalls  zwei  .Steinwerkzenge  zum  Schleifen  und  Poliren.  Als  besonders 
interessanter  Burgwallfund  wird  das  Bruchstück  eines  mit  slavischen  Ornamenten  ver- 
sehenen Gmiihitgefässes  hervorgelioben. 

Der  Berichterstatter  legt  weitere  slavische  Reste  von  den  Burgwällen  Alt- 
oschatz und  Leckwitz  a.  K.  vor  und  macht  dabei  auf  einen  Knochenpfriemen  von 
Leckwitz  und  auf  mehrere  abweichende  slavische  Verzierungsformen  an  Scherben  auf- 
merksam. 

Bei  einem  Besuche  der  Bnrgkuppe  zu  Löbsal  oberhalb  Diesbar,  die  bereits 
von  Preusker  (Blicke  in  die  vaterländi.sche  Vorzeit,  Band  III,  S.  1Z4)  ausführlich 
beschrieben  ist,  fand  Redner  an  der  Böschung  des  hoebaufragenden  berasten  Hügels, 
sowie  auf  dem  auliegeudi-n  Felde  Scherben,  von  denen  sich  die  grössere  Zahl  als  Bruch- 
stücke germanischen  Topfgeräthes  erwies,  während  andere  die  Characterzeichen  der 
slavischen  Herkunft  trugen.  Die  Burgkuppe  ist  demnach  ein  kleiner  doppcischichtiger 
Wall,  der  von  den  Uermaneu  angelegt  und  später  von  den  Slaveu  in  Benutzung 
genommen  wimle.  Unter  den  slavi.schen  Gefii.ssscherben  wuide  als  auffällige  Neuheit 
ein  Ornament  bezeichnet,  das  aus  fünf  ketteuartig  in  einander  greifenden  Riu^undrückeii 
besteht.  Dieselben  sind  sehr  scharf  beg'renzt  und  mögen  wohl  durch  .■Vufdrücken  einer 
Metallröhre  von  reichlich  1 cm  Durchmesser  hcrvorgcbracht  worden  sein. 

Von  den  neolithischen  Herdstellen  in  Lockwitz,  die  seit  1884  dnreh 
Dr.  Theilc  bekannt  geworden  sind  und  namentlich  in  den  letzten  Jahren  zahlreiche 
Fundstücke  ergaben,  legt  der  Belichterstatter  .Messer,  .Schaber  und  Bohrer  aus  Feuer- 
stein, sowie  eine  grosse  Reibschale  aus  Porjdiyr  vor.  Die  Scherben  zeigen  sogenannte 
Bandverziemng. 

Derselbe  Redner  berichtet  sodann  über  einen  neuen  Steinzeit- 
fund aus  Lockwitz. 

Bei  den  Abräumung'sarbeiten  im  zweiten  Steinbruch  am  rechten  Lockwitzgehänge 
fanden  die  ArbeiU>r  ein  Haches  Steinbeil  und  das  BmchstUck  einer  durchbohrten 
Steinaxt.  Die  Fundstelle  ist  au  der  steilen  Böschung  oberhalb  des  Braches  gelegen 
und  zeigt  weder  .schwarze  Krde  noch  Scherben,  sondern  nur  Oesteinsschutt. 


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Das  flache  Steinbeil  besteht  ans  lichtem  Grünstein,  ist  16,5  cm  lang,  oben  3 cm 
nnd  unten  8,5  cm  breit  und  2,5  cm  dick.  Die  Schneide  zeigt  bedeutende  Scharten  und 
lässt  eine  ausgiebige  Benutzung  vermuthen.  Das  l’undstück  weicht  in  Form  und  GrSsse 
von  den  in  neolithischen  Herdstellen  gefundenen  Flachbeilen  ab. 

Das  BnichstUck  der  durchbohrten  Steinaxt  besteht  ans  schiefrigem  Gestein  nnd 
hat  eine  Länge  von  15  cm  nnd  eine  Breite  von  4,5  cm.  Das  Geruth  mag  in  unverletztem 
Zustande  in  der  Länge  18  cm  und  an  dem  breiten  oberen  Ende  7 cm  gemessen  haben. 
Es  ist  Jedenfalls  bei  der  Arbeit  und  zwar  ganz  der  Natnr  des  schiefrigen  Materials 
entsprechend  längs  gespalten. 

Die  beiden  Fundstücke  dürfen  als  Einzelfunde  aus  neolithischcr  Zeit  gelten.  Sie 
sind  jedenfalls  nicht  mit  den  auf  der  anderen  Seite  des  Thaies  befindlichen  neolithischen 
Herdstellen  von  Lockwitz  in  Verbindung  zu  bringen. 

Lehrer  0.  Ebert  bespricht  die  zur  Ansicht  aushängenden 

Vorgeschichtliche  Wandtafeln  für  Westpreusson,  entworfen  im  West- 
m-eussischen  Provinzial  - Museum.  6 Blatt  mit  colorirten  Abbildungen  und  Erläuterungen, 
Berlin  1898; 

Vor-  und  frühgescbichtliche  Gegenstände  aus  der  Provinz  Sachsen, 
herausgegeben  von  der  Historischen  Commission  für  die  Provinz  Sachsen.  1 Blatt 
colorirter  Abbildungen  mit  erläuterndem  Text,  Halle  a.  S.  1898. 

Lehrer  11.  Ludwig  legt  das  Bruchstück  eines  hei  Kauscha  gefundenen 
Mahlsteins  aus  Quarzporphyr  vor. 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  berichtet  über  neuere  Funde  schnurver- 
zierter  neolithischer  üefässe  auf  der  Haltestelle  Klotzsche  und  bei 
Nünchritz  (vergl.  Abhandlung  111),  neolithischer  Kugelflaschen  bei 
Cossebaude  und  über  ein  spätslavisches  Skelettgrähcrfeld  hei 
Niedersedlitz  (vergl.  Abhandlung  IV). 

Derselbe  legt  zum  Schluss  vier  Flachbeile  und  eine  durchbohrte 
Hacke  aus  Ainphiholschiefer  vor,  welche  in  den  Lehmgruben  der 
sächsischen  Dachsteinwerke  am  „Weinberg“  NW.  Forherge  bei  Riesa 
gefunden  worden  sind. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 


Erste  Sitzung  am  11.  Januar  1900.  Vorsitzender:  Oberlehrer  11. 
Rebenstorff.  — Anwesend  72  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  E.  von  Meyer  hält  einen  Vortrag:  Rück- 
blick auf  die  wichtigsten  Entwickelungsphasen  der  Chemie  im 
19.  Jahrhundert. 


Zweite  Sitzung  am  15.  März  1900.  Vorsitzender:  Oberlehrer  11. 
Rebenstorff.  — Anwesend  61  Mitglieder  und  Gäste. 

Privatdocent  Dr.  C.  Wolf  spricht  über  die  Zerstörung  der  salpeter- 
sauren  Salze  durch  Bakterien. 

Der  Vortrageniie  führt  eine  grössere  Anzahl  von  Cnlturen  derjenigen  Bakterien 
vor,  welche  die  Processe  der  Denitritication  oder  Salpetergähmng  hervorrufen,  und 
begründet  ausführlich  seine  Ansicht,  dass  die  Reduction  des  Nitrates  zu  Nitrit  und  endlich 
zu  Stickstoff  durch  die  Stoffwechselproducte  der  betreffonden  Bakterien  bewirkt  werde. 


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Oberlehrer  H.  Rebenstorff  zeigt  eine  Form  des  Cartesian ischen 
Tauchers,  welche  nach  hlossem  Einsenken  sofort  die  richtige  Füllung  hat. 
(Vergl.  Abhandlung  1.) 

Früher  mitgetheilte  sowie  neue  Versuche  lassen  sich  daher  mit  diesem  Taucher 
besonders  beijuem  ansführen.  Zur  Vorführung  gelangt  der  Nachweis  der  l./öslichkeit 
der  Kohlensäure  in  Wasser.  Pie  Taucher  sind  von  A,  Kichhorn-Dresden,  Mittelstrasse, 
sowie  von  (i.  Lorenz-(’hemnitz  zu  beziehen.  Nähere  Mittheilungen  erfolgen  in  der 
Zeitschrift  für  den  physikalischen  und  chemis<  hen  Unterricht 

Der  Vortragende  zeigt  sodann  eine  Probe  der  sogenannten  grauen 
Modification  des  Zinns  und  berichtet  über  die  erst  vor  Kurzem  den 
Niederländern  Cohen  und  van  Eyk  gelungene  Herstellung  der  grauen 
Zinnform  in  beliebigen  Mengen. 

Derselbe  theilt  hierauf  mit,  dass  man  die  von  den  Schienen  der 
elektrischen  Strassenbahn  sich  abzweigenden  vagahondirenden  Ströme 
sehr  leicht  beobachten  kann,  wenn  man  die  Gas-  und  Wasserleitung  des 
Experiineiitirtisches  mit  einem  Spiegelgalvanometer  von  geringem  Wider- 
stande verbindet. 

Bei  der  auch  in  grösserem  Abstande  von  der  Bahnlinie  (460  m am  Beobachtungs- 
orte des  Vortragenden)  verhältnissmässig  bedeutenden  Stromstärke  (1  — 8 MUliamper) 
ist  für  empfindliche  Apjiarate  die  Benntznng  von  Nebenschlüssen  nothwendig.  Der 
Lichtzeiger  schwankt  beständig  mit  der  Annäherung  und  Kntfemung  der  Motorwagen. 
Zur  subjectiven  Beobachtung  der  Ströme  und  ihrer  mannigfaltigen  schnellen  lutensitäts- 
ändemngen  in  Folge  des  Arbeitens  der  Motoren  genügt  die  Verwendung  eines  Telephons 
nebst  Inductor.  Näheres  in  der  Zeitschrift  für  den  physikalischen  und  cheuii.schen 
Unterricht  1900,  Heft  3. 


Dritte  Sitzung  am  3.  Mai  1900.  Vorsitzender:  Oberlehrer  H. 
Uehenstorff.  — Anwesend  82  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  W.  Hallwachs  spricht  über  die  elektrolytische  Lei- 
tung in  festen  Körpern  und  deren  Anwendung  hei  der  Nernst- 
lanipe. 

Der  Vortragende  führt  von  ihm  seihst  nach  vielfachem  Probiren  ans  erdigen  Oxyden 
hergestcllte  Glühkörper  vor  und  erläutert  das  dabei  benutzte  Verfahren  eingcliend.  Ver- 
suche erläutern  dann  die  Abhängigkeit  des  Lcitungsvermögens  von  der  Temperatur. 
Bei  gewöhnlicher  Temperatur  liesson  sic  auch  nicht  den  schwächsten  Strom  durch 
(10 Amp.  wäre  nachweisbar  gewesen),  bei  höchster  Weissgluth  nahmen  sie  Ströme  von 
derselben  Grössenordnnng  wie  die  gewöhnlichen  Glühlampen  auf.  Die  elektrolytische 
Natur  des  Lcitnngsvorganges  wird  bcsiirochen.  Im  weiteren  Verlauf  der  Demonstrationen 
kommen  auch  einige  von  A.  E.  G.  entliehene  Nernstlampen  in  Betrieb.  Sowohl  Wechscl- 
als  auch  Gleichstrom  ist  anwendbar. 

Als  Vorzüge  der  Nernstlampe  hebt  der  Vortragende  die  ausserordentliche  Weisse, 
welche  er  duirh  einen  Versuch  demonstrirt,  sowie  die  verhältnissmässige  Billigkeit 
(etwa  0,6  der  gewöhnlichen  Glühlampen)  des  Betriebs  hervor,  als  Niuhtheile  den  Mangel 
der  S.elbstentzündnng.  welcher  erst  durch  besondere  ZUndvoirichtnngcn,  deren  Einrichtung 
dargclegt  wird,  zu  beseitigen  ist,  sowie  die  doppelt  so  stark  wie  in  den  gewülmlichen 
Glühlampen  auftretende  Variation  der  Lichtstärke  mit  der  Spannung. 

Die  weitere,  unter  Wahrung  iler  durch  das  wenig  zahlreiche  Versuchsmaterial 
gebotenen  Einschränkung,  auch  ((uantitativ  ausgeführte  Beurtheilnng,  welche  nicht  nur 
die  Lampen  selbst,  sondeni  auch  ihren  eventuellen  Einfiuss  auf  die  t.'entralen  u.  a. 
ins  -Auge  fasste,  führt  zu  dem  Schluss,  dass  die  Nernstlampe  in  ihrer  jetzigen  (iestalt 
die  elektrische  Beleuchtung  in  das  Stadium  einer  allgemeinen  Gebrauchsbeleuchtung 
überführen  wenle,  sei  nicht  wahrscheinlich.  Vor  der  Hand  stehe  für  dieselbe  nur  eine 
Anzahl  Specialgehiete  offen.  Ausgeschlossen  sei  natürlich  nicht  und  bei  der  kurzen 
Lebensgeschichte  der  Lampe  .sogar  wahrscheinlich,  das.s  noch  beträchtliche,  die  um- 
fassendere Einführung  begünstigende  Verbes.scrungcn  aufgefunden  würden. 


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Auf  eine  bezügliche  Anfrage  des  Photochemikers  R.  Jahr  fügt  der 
Vortragende  hinzu,  dass  die  Lampen  bis  100  Kerzen  fabricirt  würden, 
dass  aber  für  eine  Lampe  bestimmter  Kerzenzabl  noch  weitere  Ver- 
kleinerung des  Glühkörpers  bei  dem  jetzigen  Material  nicht  möglich  sei. 


VI.  SectioD  für  Mathematik. 


Erste  SitzDDg  am  18.  Januar  1900.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  13  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  J.  von  Vieth  spricht  über  Centralbewegung. 

Der  Vortragende  behandelt  mit  Hülfe  der  Grassmann’schen  Au.sdehnnngslehre  die 
Bewegung  eines  von  einem  festen  Centmm  angezogenen  Massen punktcs,  insbesondere 
die  Bewegung  eines  Planeten  um  die  Sonne. 


Zweite  Sitzung  am  8.  Härz  1900.  Vorsitzender:  Geb.  Hofrath  Prof. 
Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  16  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  über  graphischen 
Calcül. 

Vortragender  erinnert  zunächst  an  die  in  älterer  und  neuerer  Zeit,  zum  Theil  aus 
rein  theoretischem  Interesse,  zum  Theil  ans  praktisch  - pädagogischen  Gründen  nuter- 
nommeneu  Versuche,  mehr  oder  minder  ausgedehnte  Partien  der  Analysis  einer  geo- 
metrischen und  selbst  graphisch -constructiven  Behandlung  zugänglich  zu  machen,  und 
wendet  sich  dann  zu  einer  eingehenderen  Besprechung  der  vor  Allem  in  der  neuesten 
englischen  Litteratur  zu  Tage  getretenen  Bestrebungen,  die  analytischen  Methoden  sogar 
ans  der  Differential-  und  Integralrechnung  möglichst  ganz  durch  graphische  Methoden 
zu  verdrängen. 

Redner  legt  ausführlich  dar,  in  welcher  Weise  diese  Bestrebungen  in  einem  neuer- 
dings erschienenen  Lehrbuch  (Barker:  „Graphical  Calculus“,  mit  einer  Vorrede  von 
Goodman)  an  den  Grundbegriffen  des  genannten  Wissenschaftszweiges  diirchgeführt 
sind  und  macht  liierbei  auf  wesentliche  .Schwächen  aufmerksam,  welche  diese  — übrigens 
theilweise  nnverhältnissmässig  langen  — Betrachtungen  sowohl  in  logischer  als  auch 
in  pädagogischer  Hinsicht  aufweisen. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  kurze  Discussion. 

Prof.  Dr.  P.  Müller  legt  eine  von  ihm  construirto  Tabelle  vor, 
welche  es  in  einfacher  Weise  ermöglicht,  für  jedes  Jahr  des  19.  und 
20.  Jahrhunderts  den  Kalender  aufzustellen. 


Dritte  Sitznng  am  10.  Mai  1900.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof. 
Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  10  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  R.  Heger  spricht  über  Berührungsaufgaben  und  Kreis- 
verwandtschaft. 

Vortragender  erläutert  zunächst  kurz  die  theoretischen  Grundlagen  der  Lehre  von 
der  Kreisverwandtschaft,  insbesondere  die  auf  die  Abbildung  von  geraden  I.inien  und 
Kreisen  bezüglichen  Sätze,  und  giebt  zugleich  ein  liequemes  Mittel  zur  graphischen 
Herstellung  kreisverwandter  Figuren  an;  auch  wird  die  Möglichkeit  erörtert,  zwei 
gegebene  Kreise  mittels  Kreisverwandtschaft  so  abzuhilden,  dass  ihre  BUder  cougnieut 


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werden.  Hierauf  setzt  Uedner  aus  einander,  wie  die  Kreisverwandtschaft  benutzt  werden 
kann,  um  die  complicirten  Aufgaben  des  sogenannten  Tactions- Problems  auf  die  ein- 
facheren znrückzufiibren ; so  lässt  sich  die  Aufgabe , einen  Kreis  zu  ennitteln,  der  drei 
gegel)ene  Kreise  berilhrt,  falls  zwei  von  diesen  Kreisen  einander  schmaden,  sofort 
redneiren  auf  die  Aufgabe,  einen  Kreis  zu  construiren,  welcher  zwei  gegebene  gerade 
Linien  und  einen  gegebenen  Kreis  berührt;  dic.se  Aufgabe  aber  löst  Vortragender  durch 
ein  auf  Äehnlichkeitsbezichungen  beruhendes  Verfahren. 

An  der  auf  den  Vortrag  folgenden  Discussion  betheiligen  sich  Dr.  J. 
von  Vieth,  Prof.  Dr.  G.  Helm  und  Dr.  A.  Witting. 

Oberlehrer  Dr.  A.  Witting  legt  ein  von  ihm  für  die  Sammlung  der 
K.  Technischen  Hochschule  construirtes  Fadenmodell  der  abwickel- 
baren Schraubenfläche  vor  und  erläutert  die  Herstellung  desselben. 


VII.  Haiiptversammluiigeii. 


Erste  Sitzung  am  26.  Jaiinar  1900.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky.  — Anwesend  41  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  schildert  unter  Vorführung  zahlreicher 
Projectionsbilder  Land  und  Leute  von  Nordwales,  welche  er  auf  einer 
Studienreise  durch  Grossbritannien  und  Irland  im  Sommer  1899  kennen 
zu  leiTien  Gelegenheit  hatte. 


Zweit«  Sitzung  am  22.  Februar  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky. — Anwesend  47  Mitglieder  und  2 Gäste. 

Prof.  H.  Engelhardt,  Vorsitzender  des  Verwaltungsrathes,  erstattet 
den  Rechenschaftsbericht  für  1899  (siehe  S.  18)  und  legt  den  Vor- 
anschlag für  1900  vor,  welcher  geiiehinigt  wird.  Als  Rechnungsprüfer 
werden  Architect  R.  Günther  und  Rankier  A.  Kuntze  gewählt. 

Derselbe  tbeilt  ferner  mit,  dass  der  Gesellschaft  von  ihrem  Mit- 
glieds Fabrikbesitzer  L.  Guthmann  in  Dresden  500  Mark  zum  Geschenk 
gemacht  worden  seien.  Für  diese  hochherzige  Schenkung  wird  ihm  der 
Dank  der  Gesellschaft  ausgesprochen. 

Privatdocent  Dr.  A.  Scblossmann  hält  einen  Vortrag:  Beitrag  zur 
praktischen  Ernährungslehre. 


Die  sich  an  diese  Hauptversammlung  anschliessende,  von  68  Mitgliedern 
und  Gästen  besuchte 

OefTenfllche  Sitzung 

ist  dem  Andenken  des  am  28.  Januar  1900  verschiedenen  Ehren- 
vorsitzenden der  Isis,  des  Geheimen  Rathes  Prof  Dr.  Hanns 
Bruno  Geinitz  gewidmet. 

Von  derselben  Stelle,  an  welcher  der  Verewigte  bis  vor  wenigen 
Jahren  als  anregender  Lehrer  gewirkt  und  Tausende  dankbarer  Schüler 


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herangebildet  hat,  schildert  sein  Amtsnachfolger  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky 
in  längerer  Rede  das  Lebenswerk  des  bedeutenden  Gelehrten  und  Forschers 
und  die  grossen  Verdienste,  welche  er  sich  während  seiner  mehr  als 
sechzigjührigen  Mitgliedschaft  um  die  Entwickelung  der  Isis  erworben  hat. 
(Diese  Rede  siehe  S.  V.) 

Die  Anwesenden  ehren  das  Andenken  ihres  geschiedenen  Mitgliedes 
durch  Erheben  von  den  Plätzen. 


Dritte  Sitzung  am  29.  März  1900.  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engel- 
hardt. — Anwesend  54  Mitglieder  und  Gäste. 

Nachdem  der  Rechnungsabschluss  für  1899  von  den  Rechnungsprüfern 
für  richtig  befunden  worden  ist,  wird  der  Kassirer  entlastet. 

Herr  R.  Pohle  hält  einen  Vortrag:  Reiseschilderungen  aus  Nord- 
russland. Eine  grosse  Zahl  von  Photographien  der  vom  Vortragenden 
besuchten  Gegenden  wird  in  Umlauf  gesetzt. 


Vierte  Sitzung  am  26.  April  1900.  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engel- 
hardt. — Anwesend  40  Mitglieder  und  Gäste. 

Regierungsrath  E.  Michael  spricht  Uber  die  Formen  und  den 
Ursprung  der  Dorfanlagen  und  der  Flurauftheilung  in  Sachsen. 
Zur  Erläuterung  ist  eine  reiche  Sammlung  von  Flurkarten  ausgestellt. 


Fünfte  Sitzung  und  Excursion  am  24.  Mai  1900. 

Von  Dittmannsdorf  wunderten  die  12  Theilnehmer  bis  Krummen- 
hennersdorf, führten  von  hier  aus  die  romantische  Grahentour  bis  Oher- 
reinsherg  aus  und  wandten  sich  daun  dem  Zollhause  von  Bieberstein  zu. 
Nach  einer  Wanderung  durch  das  Muldenthal  bis  Nossen  und  nach  der 
Besichtigung  des  Parkes  von  Altzella  mit  seiner  Klosterruine  wurde  in 
„Stadt  Dresden“  in  Nossen  zur  Erledigung  geschäftlicher  Angelegenheiten 
eine  kurze  Hauptversammlung  unter  Vorsitz  von  Prof.  H.  Engelhardt 
abgehalten.  Die  Rückkehr  erfolgte  über  Meissen. 


Sechste  Sitzung  am  28.  Juni  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky. — Anwesend  70  Mitglieder  und  Gäste. 

Privatdocent  Dr.  M.  Toepler  hält  einen  Vortrag:  Kathoden-  und 
Becquerel-Strahlen. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder; 

Am  28.  Januar  1900  verschied  im  86.  Lebensjahre  Geheimer  Rath 
Dr.  Hanns  Bruno  Geinitz,  früher  Professor  der  Mineralogie  und  Geo- 
logie an  der  K.  Technischen  llochscliide  und  Director  des  K.  Mineralogisch- 
geologischen und  Prähistorischen  Museums  in  Dresden,  von  1838 — 1894 


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wirkliches,  dann  Ehrenmitglied  und  seit  1896  Ehrenpräsident  unserer  Ge- 
sellschaft. 

Eine  SclulJemng  der  reichen  I.eb€nsarbcit  des  Verewigten  ist  diesem  Hefte 
Torangestellt. 

Am  14.  Februar  1900  starb  Giovanni  Canestrini,  Professor  der 
Zoologie  und  vergleichenden  Anatomie  an  der  Universität  in  Padua,  Prä- 
sident der  Societä  Veneto-Trentina  di  Scienze  Naturali,  correspondirendes 
Mitglied  der  Isis  seit  1860. 

Am  4.  März  1900  starb  Privatus  Carl  Specht  in  Niederlössnitz, 
wirkliches  Mitglied  seit  1899. 

In  Wien  starb  am  23.  März  1900  der  Professor  der  Paläontologie  an 
der  dortigen  Universität  Dr.  Wilhelm  Heinrich  Waagen,  K.  K.  Ober- 
bergrath, correspondirendes  Mitglied  seit  1877. 

Am  27.  März  1900  starb  der  um  die  Firforschung  der  F'lora  der 
Umgehung  von  Meissen  verdiente  Apotheker  Alfred  Moritz  Schlimpert 
in  Colin  bei  Meissen,  correspondirendes  Mitglied  seit  1893. 

In  Klotzsche- Königswald  starb  am  30.  März  1900  nach  vollendetem 
71.  Lebensjahre  Ilofratb  Professor  Gustav  Adolf  Neubert. 

Er  war  in  Hartenstein  im  Erzgebirge  geboren  und  besuchte,  um  sich  zum  Volks- 
schullehrer  auszuhilden,  ilas  Seminar  iii  Dre.sden- Friedrichstadt  Nach  wnhlbestandeuer 
Lehrerprüfung  übernahm  er  die  Stelle  eines  Hauslehrers  in  Ostpreussen  in  der  Familie 
des  Grafen  zu  Dohna -Schlowitten,  eines  Nachkommens  der  alten  Grafen  von  Dohna. 
Mit  welchem  Segen  er  dort  gewirkt,  geht  aus  den  Worten  hervor,  die  ihm  wenige 
Wochen  vor  seinem  Tode  sein  .Schüler  noch  zurief:  „.Je  Älter  ich  werde,  um  so  mehr 
lerne  ich  schätzen,  wa.s  ich  Ihnen  zu  danken  habe“.  Nach  Sachsen  zurückgekehrt  wurde 
er  Lehrer  am  Hiittclier'schen  Institut  in  Dresden,  daniach  Oherlehrer  für  Naturgeschichte 
und  Chemie  an  der  Neustädter  Kealschule,  welche  Stelle  er  später  mit  der  Professur 
für  dieselben  Fächer  au  dem  hiesigen  Cadettenhanse  vertauschte. 

Unserer  Isis  gehörte  er  von  1857  bis  zur  üebersicdelung  nach  Klotzsche -Königs- 
wald im  Herbst  1897  als  wirkliches  Mitglied  an,  von  da  an  als  correspondirendes  Mit- 
glied. Wie  sehr  man  seine  Kraft  zu  schätzen  wus.ste,  geht  daraus  hervor,  da.ss  man 
ihn  in  den  Jahren  187Z  und  IH7t  zum  ersten  Vorsitzenden  der  Section  für  Physik  und 
Chemie,  in  den  Jahren  1873,  1881,  1885,  1888,  1888,  1889,  1895  und  1898  zum  zweiten 
Vorsitzenden  dieser  Section  wählte. 

Verschiedene  Abhandlungen  von  bleibendem  Werthe  zieren  unsere  Zeitschrift,  ans 
ihnen  seien  nur  hervorgehoben : „Resultate  aus  den  meteorologischen  Beobachtungen 
zu  Dresden  1878 — 1885“  und  „Ergebnisse  aus  den  Beobachtungen  der  meteorologischen 
Station  zu  Dresden  1848—1888“. 

Am  23.  April  1900  verschied  ganz  unerwartet  Geheimer  Regierungs- 
rath Professor  Dr.  Karl  Ernst  llartig,  wirkliches  Mitglied  seit  1866. 

Geboren  am  20.  .lanuar  1838  zu  Stein  bei  Rochlitz,  bildete  er  sich  auf  den  tech- 
nischen Lehran.stalten  in  Chemnitz  nnd  Dresden,  sowie  in  der  Fabrik  von  Richard 
Hartniann  für  das  Maschinenwesen  aus,  besuchte  darauf  die  Universität  Leipzig  und 
widmete  sich  dann  dem  technologischen  Lehrfache.  Zuerst  war  er  Assistent  des  Directors 
lies  Dresdner  l’olytechnikums  Ibrof.  Hülsse ; darauf  wurde  er  an  derselben  Anstalt  1863 
selbständiger  Lehrer.  .Seit  1885  bekleidete  er  die  Professur  der  mechanischen  Techno- 
logie an  der  K.  Technischen  Hochschule,  auch  war  er  Vorstand  der  mechanisch  - techno- 
logischen und  bautechnologischen  .Sammlung  wie  der  djTiamonietrischen  Station.  Sein 
Leben  ist  Arbeit  und  wieder  Arbeit  gewesen. 

Seit  1877  war  er  auch  Mitglied  des  Kaiserlich  Deutschen  Patentamtes,  als  welches 
er  das  Werk:  „.Studien  in  der  Praxis  des  Kai.serlichen  Patentamtes“,  Leipzig  1890,  ver- 
öffentlichte. Ausser  die.sem  veröffentlichte  er  noch:  „Untersuchungen  Uber  die  Heizkraft 
der  Steinkohlen  Sachsens“,  Leipzig  18(91,  welche  einen  starken  Band  des  von  H.  B.  Geinitz 
herausgegebenen  grossen  Werkes  über  die  Steinkohlengebiete  der  ganzen  Erde  ftillen, 


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nnd  in  Terschiedenen  Zeitungen,  auch  in  nnseren  Abhandlungen,  Aufsätze  über  techniscbe 
Versuche  an  Arheitsmaschinen  u.  a.  1875  übernahm  er  noch  die  Redaction  des  „Civil- 
ingenieur“. 

Dabei  fand  er  für  unsere  Isis  noch  immer  Zeit.  In  den  Jabren  1880,  1889  und 
1890  bekleidete  er  in  derselben  das  Amt  eines  ersten  Vorsitzenden,  in  den  Jahren 
1870—1872  und  1876—1879  das  eines  zweiten,  von  1867—1869  das  des  ersten  beziehentlich 
des  zweiten  Vorsitzenden  in  der  Section  für  Physik  nnd  Chemie  und  1896  das  des  ersten 
Vorsitzenden  der  Section  für  Mathematik. 

Gegen  50  längere  A'orträge  über  technologische  Gegenstände,  die  sein  tiefes  und 
ansgebreitetes  Wissen  bekundeten,  weisen  unsere  Sitzungsberichte  auf.  Seine  elementare. 
Allen  fassliche  nnd  Alle  packende  Vortragsweise  fesselte  uns  von  Anfang  bis  zu  Ende 
eines  jeden  an  sein  Wort 


Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Beckel,  E.,  emer.  Lehrer  in  Dresden,  i ne  i -i  mnn 
Bernkopf,  Georg,  Bildhauer  in  Dresden,  I 

Beythien,  Adolf,  Dr.  phil.,  Director  des  chemischen  Untersuchungsanites 
in  Dresden,  am  26.  Januar  1900; 

Bock,  Maximilian,  Dr.phil.,  Fabrikbesitzerin  Dresden,  am  22. Februar  1900; 
Jü Illing,  Franz,  [nstrumenterifabrikaiit  in  Dresden,  am  26.  April  1900; 
Keller,  Wilhelm,  Ingenieur  in  Grosszschachwitz,  am  25.  Januar  1900; 
Meier,  Gustav,  Gymnasiallehrer  in  Dresden,  am  26.  April  1900. 


In  die  correspondi rend en  Mitglieder  ist  iibergetreten ; 
Altenkirch,  Gustav,  Dr.  phil.,  Realschullehrer  in  Oschatz. 


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Kassenabschluss  der  Gesellschaft  ISIS  vom  Jahre  1899. 

Einnahme.  Position.  Ausgabe. 


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Dresden,  am  21.  Februar  1900.  G.  Lehmann,  z.  Z.  Kassirer  der  Isis. 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1900. 


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I.  Section  für  Zoologie. 


Vierte  Sitzung  am  1.  November  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 

Nitsche.  — Anwesend  .37  Mitglieder. 

Dr.  K.  Heller  bespricht  die  neueren  französischen  Untersuchungen 
über  die  Biologie  der  Copropbagen,  besonders  der  südlichen  Ateuchus- 
Arten  unter  Vorlage  von 

Fahre,  J.  H.:  Souvenirs  entoraologiques  V.  Paris  1897,  und 

Carus  Sterne:  Der  heUige  Käfer  und  seine  Verwandten.  Prometheus  1899, 
Nr.  531  und  63Z. 

Derselbe  theilt  ferner,  um  etwaigen  späteren  Irrungen  bei  faunisti- 
schen  Zusammenstellungen  vorzubeugen,  mit,  dass  die  im  Dresdner  Anzeiger 
vom  6.  October  19(X)  enthaltene  Nachricht  über  den  Fang  einer  2 Pfund 
schweren  Schildkröte  in  der  Skala  bei  Gröditz,  Amtshauptmannschaft 
Bautzen,  sich  nicht  etwa  auf  die  für  das  sächsische  Fauuengebiet  noch 
nicht  nachgewiesene  Sumpfschildkröte,  Eniys  liitaria,  sondern  auf  ein 
aus  der  Gefangenschaft  ausgekommenes  Exemplar  der  griechischen  Land- 
schildkröte, Testudo  qracea  beziehe.  Dies  wurde  auf  Bitte  des  Vor- 
tragenden durch  Prof.  H.  Naumann  in  Bautzen  festgestellt.  Das  Stück 
stammte  aus  dem  Parke  des  Rittergutsbesitzers  Struve. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  theilt  anschliessend,  um  ähnlichen  Irrthümem 
zuvorzukommen,  mit,  dass  er  im  Sommer  1900  bei  Tharandt  verschiedene 
der  sächsischen  Fauna  nicht  ungehörige  Amphibien  habe  aussetzen  lassen, 
nämlich  in  je  10  Exemplaren  den  schwarzen  Alpcnsalamander,  Sala- 
mander atra  und  den  Schweizermolch,  Triton  helveticus  (T.  palmatus, 
T paradoxus),  sowie  zwei  Exemplare  der  Geburtshelferkröte,  Ahjtes 
obstetrkans  und  10  Stück  der  gelbbäuchigen  Bergunke,  Bombinator 
pachypus.  Ein  Exemplar  des  ersteren  ist  inzwischen  bereits  wieder  ge- 
sehen worden. 

Derselbe  bespricht  ferner  kritisch  und  legt  vor 

Zehn  der,  1..:  Die  Entstehung  des  Lebens  aus  mechanischen  Qrundlagen  ent- 
wickelt, Th.  I und  II.  Tütjingen  1899  vrnd  1900. 

Bibliothekar  K.  Schiller  legt  als  Neuerwerbung  vor  die  Schluss- 
lieferungen von 

Tümpel,  R. : Die  Geradflügler  Mitteleuropas.  Eisenach  1900. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  demonstrirt  den  Schädel  einer  vierhörnigen 
Gabelantilope,  Antilocapra  americana,  den  die  Tharandter  Sammlung 
kürzlich  erworben  hat,  als  erste  bekannt  gewordene  solche  Monstrosität 

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bei  einem  nicht  domosticirten  üoviden,  da  die  bisher  beschriebenen  Fälle 
von  Vierhörnigkeit  bei  Gemsen  sich  stets  als  Fälschungen  gewinnsüchtiger 
Händler  erwiesen  haben. 

Derselbe  berichtet  ferner  über  einige  im  Herbst  1900  im  Engadin, 
besonders  bei  Tarasp  und  Pontresina  gemachte  ornithologische  Be- 
obachtungen. 

Dieselben  beziehen  sich  auf  Pasner  domesticus  var.  italiae,  Hirundo  rupestris, 
Cypsclus  melba,  Cindtis  cinclus  var.  meridionalis,  Stema  nigra,  Pyrrhocorax  alpinus 
awi  Xucifraga  caryocatactes.  Von  letzterem  und  vom  Eichhörnchen  beschädigte  Arven- 
zapfen werden  vorgelegt. 


Ffinfte  Sitzung  am  6.  Dec«mber  1900  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Section  für  Botanik).  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz.  — An- 
wesend 32  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  lässt  ein  Rundschreiben  des  ornithologischen 
Vereins  zu  Dresden  circuliren  über  Missbrauch  beim  Verkauf  von 
Krammetsvögeln.  Zugleich  legt  er  zwei  Tafeln  Abbildungen  von  Drosseln 
vor  aus 

Fürst,  H.:  Deutschlands  nützliche  und  schädliche  Vögel.  Berlin  1893. 

Director  A.  Schöpf  demonstrirt  eine  grössere  Anzahl  sibirischer 
Rehgeweihe,  eigenartig  in  Grösse,  Stärke  und  Gestaltung,  und  knüpft 
daran  Bemerkungen  über  das  sibirische  Rehwild  und  Aussetzungsversuche 
mit  diesem. 

Derselbe  führt  zwei  zoologische  Phantasiegebilde  chinesischer  Her- 
kunft aus  Baumwurzeln  vor,  über  deren  Herkunft  Geh.  Hofratb  Prof. 
Dr.  0.  Drude  noch  einige  Worte  spricht. 

Prof.  Dr.  R.  Ebert  hält  einen  Vortrag  über  Chun’s  Tiefsee - 
Expedition.  Es  circulirt 

Chun,  C.:  Aus  den  Tiefen  des  Weltmeeres.  Jena  1900. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  demonstrirt  und  bespricht  das 
neueste  Mikroskop  der  Firma  Seibert  in  Wetzlar  und  legt  vor 

Hager,  H.,  und  M et  z,  C.:  Da.s  Mikroskop  und  seine  Anwendung.  Berlin  1899; 

Schiniper,  A.  F.  W.:  Anleitung  zur  mikroskopischen  Untersuchung  der 
vegetabilischen  Nahrungs-  und  Gennssmittel.  Jena  1900. 

Dr.  B.  Schorler  berichtet  über  einige  neuere  Publicationen  und  giebt 
herum 

Eyferth,  B.:  Einfachste  Lehensformen  des  Thier-  und  Pflanzenreichs,  3.  Auflage. 
Braunschweig  1900; 

Engler,  A.,  und  Prantl,  K.:  Die  natürlichen  Pflanzenfamilien,  Bd.  I, 
Abth.  I und  II.  Leipzig  1896—1900; 

Weigelt,  C.;  Unsere  natürlichen  Fi.schgewässer,  wie  sie  sein  sollten  und  wie 
sie  geworden  sind.  Berlin  1900; 

Blücher,  H.:  Das  Wasser,  seine  Zusammensetzung  u.  s.  w.  Tjcipzig  1900. 


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II.  Section  für  Botanik. 


FQnfte  Sitzung  am  8.  NoTcmber  1900.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
l’rof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  38  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  legt  zunächst  neu  erschienene  botanische  Werke 
systematiscli-tioristischen  Inhalts  vor,  nämlich 

Engler,  A.:  Das  Pflanzenreich.  1.  Heft:  Musaceae.  Leipzig  IWOü; 

Dalla  Torrc,  C.ti.ile.iiml  Harras,  H.:  (ieneraSi|ihonagaraamm  LeipziglStOO; 

tViesner,  .1,:  Kohstofle  de.«  Pflanzt nreiche.s,  2.  .Auflage,  I.  Bil.  Leipzig  IHOU; 

Fritsch,  K.:  Schulflora  für  die  ii.sterreichischeii  Sudeten-  mul  Alpenländcr. 
Wien  HHXt; 

Schinz,  H..  und  Keller.  R.:  Flora  der  Schweiz.  Zürich  1900; 

Winkler.  W.:  Sudetcnflura.  mit  polychroraischen  Ähbildungen  von  Nenke  und 
Ostermaier.  Dresden  1!KX); 

Buhse,  F.  (-}-  Riga):  Flora  des  Alburs  und  der  kaspischen  Slldküste.  Riga  1S99, 

Bibliothekar  K.  Schiller  legt  einen  Katalog  der  Handelsgärtnerei 
von  K.  Böhmer  & Co.  in  Yokohama  vor,  welcher  durch  seine  -\b- 
hildungen  und  Herstellungsweise  hemeikenswerth  erscheint;  daran  schliesst 
sich  die  Vorlage  eines  botanischen  Heftes  von  dem  Bulletin  of  the  College 
of  agriculture,  Tokyo,  mit  Darstellung  japanischer  Nutzhölzer  und  Bei- 
trägen zur  Kenntniss  der  Gattung  Tilia. 

Den  wissenschaftlichen  Vortrag  für  tliese  Sitzung  hat  der  Vorsitzende 
zusammen  mit  Dr.  B.  Schorler  vorbereitet,  indem  beide  über  ihre 
floristischen  Arbeiten  und  K.xcursionen  im  verflossenen  Sommer 
sprechen  und  dabei  eine  Auswahl  bemerkenswerther  Arten  aus  ihren 
Sammlungen  zur  Vorlage  bringen. 

Zunächst  spricht  Dr.  B Schorler  über  das  Fichtelgebirge  und  das  obere  Eger- 
thal  von  Weissenstadt  bis  gegen  Eger  hin.  hemerkcnswertii  durch  Dimilhus  !ierfuieri, 
Polyqntn  Chamntburua  (ein  ganzer  Hügel  voll  davon  bei  Sinnatengrfin  nahe  Wun- 
siedel!)  und  Erica  camea.  sowie  über  das  fränkische  (iebiet  südlich  von  Bamberg. 

Geh. Hofrath  Prof.  Dr.O.  Drude  fügtnwh  Beobachtungen  über  die  Felsfloia  zwischen 
Berneck  am  Weissen  Main  und  der  Saaleqnelle  am  Grossen  Waldstein  hinzu,  und  lie- 
spricht  alsdann  das  sehr  iiitcreseaiite  Thüringer  Trias- Gelände  der  Drei  Gleichen  und 
Seeberge  zwischen  Arnstadt  und  Gotha.  Das.selbe  ist  dadurch  bemerkensweith,  dass 
hier  ilie  südwestlichste  Ecke  des  an  seltenen  Arten  reichen  Thüringer  Steppengebietes 
mit  Oj-ytrnjris  pilosa,  Nepeta  niuln,  Peucedaimm  alsalicum  n.  s.  w.  liegt,  in  welchem 
vor  einigen  Jahren  Gartenmeister  Zaiiel  aus  Hann.  Münden  (jetzt  in  (iothai  Orobanche 
Crrvariae  auf  einer  Grasirift  mit  Ptticcdanum  Cervaria  in  Masse  entdeckt  hat.  Es 
war  dem  Vortragenden  vergönnt,  diesen  auserlesenen  .Standort,  an  dem  auch  t'leuro- 
spermum  auatriacum  wächst,  unter  Zabels  trefflicher  Führung  am  11.  August  d.  J.  zu 
besuchen. 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Dritte  Sitzung  am  15.  November  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  W. 
Bergt.  — .Anwesend  40  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  legt,  theilweise  mit  Besprechung,  vor 

Toula,  F.;  Lehrbuch  der  Geologie,  mit  .Atlas.  AATen  1990; 

Berichte  über  den  internationalen  Geologencongress  in  Paris, 
enthalten  in  der  Zeitschrift  für  prakti.sche  Geologie  1900,  11.  Heft,  und 
im  Centralblatt  für  Mineralogie  1900,  7.  Heft; 


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Nekrolog  anf  K.  F.  Kammcisberg.  C'eiitralblatt  für  Mineralogie  1900, 
7.  Heft; 

Dalmer,  K.:  Die  westerzgebirgische  ürauitmassivzone,  Zeitschrift  für 

praktische  Geologie  19(XJ,  10.  Heft; 

Frech,  F.:  Ccber  die  Ergiebigkeit  und  voraussichtliche  Erschöpfung  der 
Steinkohlenlager,  aus  Dethäa  paläozoica.  Stuttgart  19(K). 

l’rof.  Dr.  E.  Kalkowsky  spricht  üher  kieselige  Sandsteine  aus 
den  „Salzpfannen“  Südafrikas  mit  Vorführung  von  Proben  und  Dünn- 
schliflfen. 

Ür.  E.  Naumann  legt  vor  und  bespricht  ein  neues  interessantes 
Kalkspathvorkommniss  vom  Zwieseler  Erbstolln  bei  Berggiess- 
hübel in  Sachsen. 


IV.  Sectiou  für  prähistorische  Forschungen. 


Dritte  Sitzung  am  18.  October  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  J. 
Deichraüller.  — Anwesend  28  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  legt  das  soeben  erschienene  Werk  von 

Woermann,  K,:  Geschichte  der  Kunst  aller  Zeiten  und  Völker.  1.  Band: 
Die  Kunst  der  vor-  und  ansscrchristlichen  Volker.  Leipzig  und  Wien  1900 

vor  und  berichtet  eingehend  über  den  von  ihm  besuchten  12.  inter- 
nationalen Congress  für  Anthropologie  und  prähistorische 
Archäologie  in  i’aris  vom  20. — 26.  August  1900  und  über  die  prä- 
historischen Sammlungen  in  Paris. 

Im  Anschluss  hieran  bringt  Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  zur  Vorlage 

Giraud,  1’.;  Lcs  iuvasions  palcolithiques  daus  l’Europe  occidentale.  Les 
origines  de  l'art  en  France.  Paris  IVOO. 

Oberlehrer  11.  Döring  legt  eine  in  Thon  geformte  Axt  und  zwei  Kinder- 
klappern, die  eine  in  Vogelform,  die  andere  in  Form  eines  Topfes,  aus 
einem  Urnengrabe  von  Löbsal  bei  Diesbar  vor  und  giebt  eine  Ueber- 
sicht  üher  die  bisher  in  Sachsen  gefundenen  Kinderklappern. 

Lehrer  H.  Ludwig  berichtet  über  eine  Niederlassung  aus  der 
Zeit  der  Gräberfelder  vom  älteren  Lausitzer  Typus  auf  dem 
Gartengrundstück  des  Lehrers  M.  Weidner  zwischen  Oberpoyritz  und 
Kleingraupc  östlich  von  Pillnitz. 

Ausser  Holzkohlen  und  .Stücken  von  Wandbewurf  fanden  sich  in  den  aufgedeekten 
Herdstellen  und  in  ilercui  ünigebnng  zahlreiche  GefiGsresle,  ilaruntcr  dickwandige  mit 
aufgekleljten,  kettenanig  gekerbten  Thonleiaten , das  Hruchstftck  eines  duppelcohischen 
Najifes  mit  einer  Scheidewand,  eine  tlachc,  einerseits  .<chalenartig  vertiefte  Thonperle 
und  eine  tonueiiförmige  Kinderklapper.  Ein  Theil  der  Funde  wird  vorgelegt. 

Oberlehrer  II.  Döring  bringt  zum  Schlüsse  einen  schnhleistenfcirraigeu 
Steinkeil  und  ein  Flachbeil  aus  Stein  von  Möritzsch  westlich  von 
Leipzig  zur  Ansicht. 


Vierte  Sitzung  am  13.  December  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  J. 
Deiclunüller.  — Anwesend  26  Mitglieder. 


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Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  bespricht  eingehend  das  Werk  von 

Montelins,  0.:  Die  Chronologie  der  ältesten  Bronzezeit  in  Norddentechland 
und  Skandinavien.  Brannschweig  1900. 

Prof.  H.  Engelhardt  bringt  ein  im  Rittergutsbezirk  Grossseitseben 
bei  Bautzen  get^uudenes,  wohl  erhaltenes  Steinbeil  aus  grobkörnigem 
Diabas  zur  Vorlage. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  einen  Vortrag:  Prähistorisches  aus 
Ungarn  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  ungarischen  Kupferzeit. 
Unter  den  ausgelegten  Werken  befinden  sich 

Pulszkj-,  Fr.:  Magyarorszky  archaeologiäja,  Bd.  I und  2.  Budapest  1897; 

Kalauz,  A.;  Magyar  nemzeti  muzeum.  Budapest  1899; 

Much,  M. : Die  Kupferzeit  Europas  und  ihr  Verhältniss  zur  Cultur  der  (ler- 
manen,  2.  Auflage.  Jena  1893; 

Cesnola,  L.  Palma  di:  Cypeni.  Seine  alten  Städte,  Gräber  und  Tempel, 
deutsch  von  L.  Stern.  Jena  1879. 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  bespricht  eine  grössere  Anzahl  ausgestellter 
schnurverzierter  Gefässe  aus  Sachsen,  welche  den  öfl'entlichen 
Sammlungen  in  Leipzig,  Pegau  und  Bautzen,  sowie  verschiedenen  Privat- 
sammlungen entnommen  sind. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 


Vierte  Sitzung  am  4.  October  1900.  Vorsitzender:  Oberlehrer  H. 
Rebenstorff.  — Anwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  führt  eine  Anzahl  physikalischer  und  chemi- 
scher Versuche  vor. 

ln  vereinfachter  Anordnimg  zeigt  er  die  bekannte  gegenseitige  Einwirkung  zweier 
gleichlanger  Fadenpendel,  die  Füllung  eines  Reagensglase.s  mit  dem  mittels  Natrium 
aus  Wasser  entwickelten  Wnsserstoft'  ohne  pneumatische  Wanne,  das  Abfangen  des 
nach  der  Verbrennung  von  Natrium  auf  Wasser  zurückbleibenden  Kügelchens  von 
Natriumhydroxyd  mittelst  eines  am  Ende  glühend  gemachten  Glasstabes.  Sodann  wird 
ein  für  die  Verbrennung  von  Magnesium  in  Wasserdampf,  sowie  in  Kohlensäure  ge- 
eigneter Verbrennungsraum  vorgefilhrt;  um  das  Zerspringen  des  Halses  des  gewöhnlich 
zu  diesen  Zwecken  bcnuiztcn  Kolbens  zu  vermeiden,  nimmt  mau  ein  Becberglas,  welches 
einen  Deckel  aus  Schablonenhlech  erhält,  den  man  mit  einer  centralen  Oeffnung  ver- 
sieht. Der  so  hergestellte  Verbrennnngsranm  kann  sehr  bequem  gereinigt  werden 
Verbrennt  man  das  Magnesium  nicht  in  trockener,  sondern  in  mit  viel  Wasserdampf 
vermischter  Kohlensäure,  so  ist  die  Verbrennung  ruhiger,  Magnesium  wird  weniger 
stark  fortgespritzt  und  der  aus  der  Kohlensäure  abgeschiedene  Kohlenstoff  ist  in  Stücken, 
welche  die  Form  des  Magnesiiimhandcs  nachahnien,  gut  zu  erkennen  (Zeitschr.  für  den 
physik.  und  chem.  Unterricht  Xlll,  S.  31,  183  und  218). 

Der  Vorsitzende  zeigt  die  Benutzung  der  neuen  Form  des  Car- 
tesianischen  Tauche  rs  nebst  einer  der  Taucherglocke  ähnlichen 
Vorrichtung  (dieselbe  Zeitschrift  Xlll,  S.  249), 

macht  im  Anschlüsse  hieran  einige  Mittheilungen  über  die  Erfindung 
der  Taucherglocke  und 

giebt  einen  Abriss  der  Geschichte  der  Erfindung  des  Thermo- 
meters unter  Benutzung  des  zur  Vorlage  gelangenden  Werkes  von  Ger- 


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2ß 


land  und  Traumüller;  „Cieschichte  der  physikalischen  Experimentir- 
kunst“,  Leipzig  1899. 

Prof.  Dr.  II.  Heger  spricht  über  Energetik  ira  Unterricht. 

Die  herrschende  Stellung,  die  der  Satz  der  Erhaltung  der  Arhcit  in  der  Physik 
einnimmt,  verpflhhtet  den  mechanischen  Untenichi,  im  .Sinne  der  Energetik  zu  ver- 
fahren. Xaehdeui  bereits  die  der  Mechanik  voi  hei  gehenden  Äbsihniite  Arbeit.-hetrach- 
tungen  in  dm  Vordergrund  gestellt  haben,  hat  die  Mechanik  die  energelisihen  (inind- 
heniiffe  nicht  erst  neu  zu  schaffen  Dabei  darf  dem  Sehnlunterricht  nicht  ahverlangt 
werden,  rein  energetisch  zu  verfahren;  der  Krafthegiiff  kann  nicht  ans  dem  Untenient 
ganz  entfernt  werden,  so  lange  er  in  der  Wissenschalt  noch  lebt.  Der  mechanische 
Unterricht  beginnt  (1.  Abschnitt)  mit  der  Arbeit  gegen  die  Schwere.  Aufnahme, 
Üebertragung,  Verw  andlung  der  Arbeit  in  Wärme  und  W ucht  (hier  noch  ohne  Formel), 
An  dieser  .Stelle,  nicht  in  einer  vorausgeschickten,  in  der  Luft  hängenden  Phoronomie, 
tritt  der  Begriff  der  (Seschwindiitkeit  auf.  2.  Abschnitt.  Arbeitsübcrtragnng  bei 

verbundenen  Gewichten.  W^enn  die  Gewichte  0,,  Gj ideal  und  so  mit  einander 

verbunden  sind , dass  die  senkrechte  Bewegung  von  G,  bestimmte  verhälrnissglei.  he 
.senkrechte  Bewegungen  von  (Jj,  (},....  bedingt,  und  wenn  dabei  die  algebraische 

Summe  der  Hubänderungen  Null  ist,  so  sind  G„  G« im  Gleichgewichte,  d.  i. 

es  verharrt  Ruhe,  sowie  gleichförmige  Bewegung.  Einfache  Maschinen,  Gewichte  an 
einer  starren  drehbaren  Ebene,  Hebel.  3.  Abschnitt.  Freier  Fall,  getreu  nach  Galilei, 
unter  Hervorhebung  von  v=gt  als  Hypothese,  sowie  der  Wurf,  unter  der  Hervor- 
hebung der  H.vpolhese  von  der  Znsainnien.setzung  endlicher  Bewegungen  der  Beharrung 
und  der  Schwere.  Gültigkeit  des  Arbeits.satzes  als  beste  .Stütze  dic.ser  Hypothesen.  W’ueht- 
formel.  4.  Abschnitt.  Bewegung  verbundener  Gewichte:  Wagen  auf  wagcrechter 
Bahn,  durch  sinkendes  Gew-icht  gezogen,  Gewichte  an  einfachen  idealen  Maschinen. 
Die  Arbeitsgleichung  führt  überall  zu  v:*~2g,h,  und  hierin  wird  gleichlbrmig  be- 
schleunigte Bewegung  mit  der  Be.schleuuigung  g,  erkannt.  5.  Abschnitt.  Hub  eines 
schweren  Küriters;  der  Schwerpunkt  als  der  Punkt,  in  dem  man  bei  Hubändernngen 
das  Gewicht  des  KSrpers  vereinigen  kann,  H.  Abschnitt.  Wucht  bei  Achsendrebung, 
Trägheitsmoment.  Schwungrad,  durch  sinkendes  Gewicht  bewegt  u s.  w.  7.  Abschnitt, 
Der  Stoas  weicher  und  elastischer  Kugeln.  Hierbei  können  die  Beziehungen  P = mp 
u.  a.  m.  nicht  wohl  nmgangeii  werden.  Wirkung  und  Gegenwirkung.  Die  Unterscheidung 
weicher  und  elastischer  Körper  erfolgt  energetis<  h , so  dass  für  den  ela-'tis.  hen  Stoss 
die  (fleichheit  der  Gesummt wncht  vor  und  naih  dem  Stoa<e  sofort  ausgesproi  hen  wird. 
8.  Abschnitt  Arbeit  elastischer  Kräfte,  als  Traj.ezfläche  bereihnet:  hieraus  die 
Formeln  der  elastischen  Schwingung  abgeleitet.  Das  Pendel.  8.  Abschnitt.  Gleich- 
förmige Bewegung  im  Kreise.  Ihre  Abbildung  auf  einen  Durchmesser  ergicht  elastische 
Schwingung  woiau.«  ceniripetale  BeMblennigurg  c*  r geschlo-sen  wird  Kt  Abschnitt. 
Arbeitsflb" rtrngnng  diinh  eine  ideale  gewichtslose  Flüssigkeit;  Boden-  und  Seiiendrnck 
schwerer  Flüssigkeit,  selbstredend  rein  energetisch  abgeleitet,  desgleichen  Niedettrieb 
und  Auftrieb,  sowie  die  Ansllussfonuel  Zum  .Schluss  das  Wasser  als  Aibeitsnuelle: 
.Sto.ssräiler,  ober-  und  mittelschlächtige  Mühliäder,  Turbinen  unter  einfachsten  Voraus- 
setzungen. 11.  Abschnitt.  Bei  den  Gasen  nehmen  das  Mariotte-Ga.v- Lussae’sche 
Gesetz  und  die  Abnahme  des  Drucks  mit  der  Höhe  den  breitesten  Kaum  ein  und  gehen 
zunächst  keinen  Anlass  zu  Arbeitsbetrachtungen.  Wohl  aber  kommen  diese  wieder  zu 
ihrem  Rechte  bei  der  Arheilsülierirngnng  durch  Gase  und  hei  einem  Schlu.ssabschniite 
Uber  die  specilischen  Wärmen  der  Luft  iiaumgleich,  drnckgleieh,  gleiches  Verhältniss 
von  Raum  und  Druck,  wärmedichtt.  Hieran  kann  sich  als  weitere  meihanische  Er- 
gänzung der  Wärmelehre  die  Heisslnftmaschiue  und  die  Heissdampfmaschine  schliessen*). 


Fünfte  Sitznng  am  22.  November  1900.  Vorsitzender:  Oberlehrer 
II.  Rebenstorff.  — Anwesend  51  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  J.  Pinnow  hält  einen  Vortrag  über  Unterscheidung  von  Talg 
und  Schmalz. 

Talg  und  Schmalz  werden  stenertechnisch  an  ihrem  verschiedenen  Oleingehalte 
erkannt.  Dieser  setzt  den  Erstarrungspunkt  der  abgeschiedenen  F’ettsäuren  herab 

♦)  Weitere  Ausführungen  in  K,  Heger;  Die  Erhaltung  der  Arbeit.  Hannover  1886. 


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27 


(Finkener)  und  erhöht  die  Jodzabl  (Hübl).  Beide  Methoden  leiden  an  technischen 
Fehlern  nnd  benihen  auf  mantrelhafter  wissenschaftlicher  Grundlage.  Der  Erstarrnn^s- 
pnnkt  ist  auch  abhängig  vom  Verhältniss  zwischen  Palmitin  und  Stearin,  3U'%  Stearin- 
säure setzen  den  Er.'tarrungspunkt  der  Palmitinsäure  um  H*  herab  (de  Visser).  Der 
Oleingehalt  schwankt  luneihalb  weiterer  Grenzen,  als  man  gemeinhin  annimmt,  und  wird 
zumal  durch  Mä.stung  erhobt  (Müntz)  De.ihalb  wurde  des  Oefteren  für  reine  ameri- 
kanische oder  australische  Talgsendungen,  weil  si  bmalzverdächtig,  der  höhere  Steuersatz 
gefordert.  Eine  brauchbare  ITiiterscbeidung  könnte  dagegen  aufgebaut  werden  auf  die 
Beobachtung  von  Kaumers,  da-s  Schmalz  ein  Linolaäureglycerid  enthält,  welches  sich 
durch  eine  höhere  innere  Jodzahl  verrätb,  nämlich  die  .lodzahl  der  ungesättigten  Säuren, 
deren  Bleisalze  in  Aether  löslich  sind.  Das  Auflihden  eines  Nachweises  der  Dinolsänre 
auf  Grund  von  Löslicbkeitsverhältnissen  ist  nicht  sehr  wahrscheinlich.  Eher  emiitiehlt 
sich  ein  vorhergehendes  systematisches  Studium  mehrfach  ungesättigter  Säuren  der 
Fettreihe  von  bekannter  Constitution  und  Anwendung  der  hierbei  gemachten  Erfahrungen 
auf  die  Erkenntniss  der  Linolsäure. 

Dr.  A.  Beythien,  Director  des  städtischen  chemischen  Untersuchungs- 
amtes, spricht  über  Geheiminittel  und  Nährpräparate. 

Nach  einem  Hinweis  auf  den  noch  immer  weite  Kreise  der  Bevölkerung  beherr- 
schenden Aberglauben  als  die  Quelle  des  Gebeimmittelnnwesens  bespricht  Vortragender 
zunächst  die  zur  Heilunk'  menschlicher  Krankheiten,  darauf  die  für  verschiedene  Zwecke 
der  Technik  nnd  des  Hanshalts  nnd  schlics.<lich  die  zur  Verschünening  des  mensch- 
lichen Körpers  iKosmetica)  angepriesenen  Geheiminittel.  das  Wesen  der  einzelnen  Gruppen 
an  der  Hand  einer  Reihe  typischer  Beispiele  vor  Augen  führend.  Durch  jedesmalige 
GegenUberstcllnng  der  Hcrstellumjsko.sten  und  des  Veikaufspreises.  sowie  durch  Hercor- 
hebnng  der  meist  völligen  Wirknngslosigkeit  der  Präparate  winl  gezeigt,  welche  grosse 
Schädigung  der  socialen  Wohlfahrt  durch  den  Vertrieb  dieser  Mittel  erwächst,  und  wie 
nothwendig  die  unanagesetzte  Bekämpfung  dieses  Unwesens  besonders  von  Seiten  des 
urtheilsrähinen  Publikums  i.st. 

Im  zweiten  Theile  seiner  Ausführungen  wendet  sich  Vortragender  zu  den  diäte- 
tischen Nährpräparaten,  welche,  zur  Ernährung  Kranker  bestimmt,  ihre  Nährstoffe  in 
leicht  löslicher  Form  enthalten,  und  hebt  besonders  hervor,  dass  das  Tropon,  im  Gegen- 
satz zu  der  vielfach  herrschenden  Annahme,  nicht  zu  ihnen  zu  rechnen  ist,  da  es  völlig 
unlösliches  Eiweiss  daratclit,  und  sich  von  dem  in  Fleisch  und  Hnhenftlb  hten  befind- 
lichen Eiweiss  nicht  unterscheidet.  Das  von  Professor  Finkler  zu  dem  Zwecke  geschaffene 
Tropon,  den  notorischen  Eiweissniangt  1 in  der  Nahrung  des  armen  Mannes  zu  ersetzen, 
kann  nur  als  Nahiungsmittel  beurtbeilt  werden,  ln  die.ser  Hinsicht  i.st  es  aber  zu  theuer, 
da  der  gleiche  Zweck  durch  einige  Fleisch.sorten,  besonders  aber  durch  das  in  der  Milch 
und  dem  Magerkäse  enthaltene  Eiweiss  auf  billige  Weise  erreicht  wird.  Vortragender 
schliesst  mit  dem  Hinweise,  dass  das  Problem  der  billigen  Eiwei.'snahrung  mit  dem 
Tropon  nicht  gelüst  sei,  nnd  mit  dem  Wunsche,  dass  gleiche  dahin  zielende  Bestrebungen 
von  Erfolg  gekrönt  sein  möchten. 


YI.  Section  für  Mathematik. 


Tierte  Sitznng  am  11.  October  1900.  V orsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  15  Mitglieder  und  Gäste. 

Privatdocent  Dr.  E.  Naetsch  spricht  über  Translationsflächen. 

Ausgehend  von  einigen  historischen  Bemerkungen  bespricht  Vortragender  zunächst 
die  wichtigsten  allgemeinen  Eigenschaften  der  Translatiüii.sffächen.  wobei  insbesondere 
derjenigen  Flächen  gedacht  wird,  welche  sich  auf  mehr  als  eine  Art  als  Translations- 
fläcdien  darstellen  lassen.  Hieran  schliesscn  sich  Mittheiliingen  über  solche  Translations- 
flächen, welche  zugleich  als  Rotationsflächen  angesehen  werden  können,  sowie  kurze 
zVndeutnngen  Uber  die  Mittel,  alle  derartigen  Flächen  zu  bestimmen. 

Prof.  Dr.  R.  Heger  spricht  über  Kugelherührungsaufgabeii  und 
Kugel  verwandt  Schaft. 


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28 


Im  Anschluss  an  seine  in  der  vorhergehendin  Sitzimg  (am  10.  Mai  1900)  gegebene 
Mittheiinng  Uber  die  Ijösnng  der  KreisberUhrungsaiifgaben  durch  Kreisverwaudtsebaft 
entwickelt  der  Vortragende  die  Auflösung  der  KugelberUhrungsaufgaben  durch  die 
Kngelvcrwandtschaft,  das  rSumliche  Seiten.stUck  der  Kreisverwandtschaft.  Die  15  Auf- 
gabeu  werden  auf  2 Stufen  vertheilt ■.  der  Unterstufe,  die  hier  ausser  Betracht  blieb, 
werden  die  5 Aufgaben  zugewieseu,  bei  denen  nur  Punkte  und  Ebenen  gegeben  sind, 
sowie  noch  die  Aufgabe  ,.3  Ebenen  nnd  1 Kugel“,  da  sie  durch  einen  die  3 Ebenen 
berührenden  Uindrehungskegel  auf  die  ebene  Aufgabe  „2  Iterade  und  1 Kreis“  zurtlck- 
gefuhrt  wird.  Die  Aufgaben,  hei  denen  neben  Ebenen  nnd  Kugeln  noch  mindestens 
1 Punkt  gegeben  ist,  werden  gelöst,  indem  man  eine  Kugelvcrwandtschaft  benutzt, 
deren  Verwandtschaftsmitte  der  gegebene  Punkt  (bez.  einer  der  gegebenen  Punkte)  ist, 
denn  die  gesuchte  Kugel  wird  alsdann  als  Ebene  abgcbildet  Hiernach  sind  noch  die 
Aufgaben  zu  erledigen,  bei  denen  2 Ebenen  nnd  2 Kugeln,  oiler  1 Ebene  und  3 Kugeln, 
oder  4 Kugeln  gegeben  sind.  Aus  dem  Gesainmtgebiete  dieser  Aufgaben  kann  man 
zwei  Gebietstheile  ausscheiden.  die  zum  Ganzen  ein  endliches  Verbältniss  haben.  Wenn 
nilmlich  3 von  den  gegebenen  Flüchen  x,,  >f,,  x,  einen  gemeinsamen  (realen)  Punkt  O 
haben,  so  werden  sic  von  O als  Vcrwandtsch’aftsmitte  aus  als  Ebenen  r/,  z,’,  z,'  abge- 
bildct,  und  hierdurch  wird  die  Aufgabe  auf  „3  Ebenen  und  1 Kugel“  zurückgefUhrt. 
Wenn  ferner  unter  den  4 gegebenen  Flüchen  2,  z,  und  z,,  sind,  die  sieh  nicht  schneiden, 
so  kann  man  sie  in  2 mitteugleiche  Kugeln  verwandeln,  indem  man  einen  der  lieiden 
Xullimnktc  de.s  Büschels  z,  z,  als  \’erwandtschaft.smitte  benutzt;  man  hat  dann  die 
Kugel  y zu  zeichnen,  welche  2 mittengleiche  Kugeln  z,’  und  z/  und  noch  2 andere 
Kugeln  z/  und  z,'  berührt.  — Für  das  Uestgehiet  führen  folgende  Betrachtungen  zum 
Ziele.  Eine  Kugel,  die  den  Ebenen  «,  n,  eingeschrieben  ist,  wird  von  einer  der  beiden 
Mittelcbencn  von  rechtwinklig  geschnitten;  durch  Kugelverwandtschaft  folgt  hieraus 
sofort,  dass  eine  Kugel  sr,  welche  die  Kugeln  z,  z„  berührt,  von  einer  der  beiden  Kugeln 
z , und  z,,'  rechtwinklig  geschnitten  wird,  die  dem  Büschel  z,  z.  angehören  und  die 
Kugeln  z,  z,.  unter  gleichen  Winkeln  schneiden.  Haben  die  Kugeln  die  Normal- 
gleichungen z,  — 0,  Zj  = 0 und  die  Halbme.sser  r,  nnd  Vj,  so  ist 

* 1 r.  ,1,1 

*u  c =0,  *n  = 

r,  Tg  r, 

Zu  den  4 Kugeln  z,,  z,,  z„  z,  gehören  3 Paare  winkelhalbirende  Kugeln 


>•« 

n' 

= 

0, 

*at,--r 

n 

+ r 

• *4  ^ 
4 

= 0 

bilden  8 

Bündel  ; 

zu  je 

ti  Kugeln, 

nii  inlieb 

n 

12, 

23, 

13, 

14. 

24, 

34 

5)  2.3, 

34, 

24, 

12', 

13', 

14' 

2) 

12, 

23, 

13, 

It', 

24', 

:u' 

ti)  12, 

34, 

13', 

24', 

23', 

14' 

3) 

12, 

24, 

It, 

13', 

2.3'. 

3t' 

7)  13, 

24. 

12', 

34', 

2:)', 

14' 

4' 

13, 

3t, 

14, 

12', 

23', 

24' 

8)  14. 

23, 

12', 

24', 

34', 

13' 

Man  hat  nun  die  s Kugeln  zu  zeichnen,  welche  je  eins  die.ser  8 Bündel  recht- 
winklig .schneiden  und  eine  der  4 gegebenen  Kugeln  berühren ; von  jedem  der  8 Bündel 
hat  man  dabei  natürlich  3 Kugeln  z.  u.  »■  zu  verwenden,  welche  nicht  ein  Büschel 
bilden.  Haben  /..  .u,  x einen  realen  Punkt  gemein,  so  nimmt  man  diesen  als  Verwandt- 
schaftsiiiitte;  .P  hat  dann  den  Schnittpunkt  der  Ebenen  i',  (i\  x'  zum  Mittelpunkte. 
Wenn  unter  den  3 Kugeln  i..  ii.  x zwei  sind,  die  sich  nicht  schneiden,  z.  B.  2 und  so 
bilde  man  sie  als  mittengleiche  Kugeln  ä'  /t'  ah;  y ist  daun  eine  Ebene,  welche  die 
g'emeinsame  .Mitte  von  X'  und  sowie  die  5Iitte  von  y enthillL  Wenn  keine  dieser  Voraus- 
setzungen zutriüt.  so  beachte  man.  dass  die  Kugeln,  welche  X,  «,  x rechtwinklig  schneiden, 
ein  Büschel  bilden,  dessen  (realer)  Grnudkreis  die  auf  der  Mittelebene  von  A,  «,  x ent- 
haltenen Hauptkreise  dieser  Kugeln  rechtwinklig  schneidet.  Nimmt  man  einen  Punkt 
dieses  Grundkreises  als  Verwaudtschaftsmitte , so  bildet  sich  r als  Ebene  i'  ab,  die 
eine  gegebene  Gerade  enthält. 

.\n  jeden  der  beiden  Vorträge  scliliesst  sich  eine  kurze  Discussion. 
llerrI{..M.  1‘estel  legt  ein  Sphärometer  für  d io  p Irische  Zwecke  vor. 


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29 


Ffinfte  Sitzung  am  13.  December  1900.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  18  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  G.  Helm  spricht  über  Mathematik  und  Chemie. 

Vortragender  erinnert  einleitend  an  die  Thatsache,  dass  chemische  Processe  bei- 
nahe ebenso  früh  zu  mathematischen  Betrachtungen  Anlass  gegeben  haben,  wie  astro- 
nomische nnd  physikalische  Vorgänge;  denn  der  einfachste  wie  der  compUcirteste  chemische 
Process  kann  niemals  Tüllig  erklärt  oiler  auch  iinr  beschrieben  werden  ohne  Berück- 
sichtigung Ton  quantitativen  Verhältnissen,  also  von  Grüssenbeziehnngeu.  — Zunächst 
zeigt  sich  der  Vortheil  streng  mathematischer  Betrachtungsweise  beim  Studium  stfichio- 
metrischer  Beziehungen;  den  Sinn  und  die  Bedeutung  einer  chemischen  Gleichung  kann 
man  in  erschöpfender  Weise  wiedergeben,  indem  man  dieselbe  durch  ein  gewisses  System 
homogener  linearer  Relationen  ersetzt,  wie  vom  Vortragenden  ausführlich  gezeigt  wird.  — 
Tiefer  greift  die  mathematische  Behandlung  ein  auf  dem  Gebiete  der  Energetik.  Führt 
das  Princip  der  Energie  noch  auf  lineare,  wenn  auch  nicht  mehr  auf  homogene  Gleichungen, 
so  erfordert  der  Begriff  der  Entropie  sogar  die  Znhillenahme  von  Differentialgleichungen! 
— Im  weiteren  Verlaufe  seines  v’ortrags  bespricht  Redner  eingehend  die  neuerdings 
von  Gordan  nnd  Alexejeff  entwickelte  Theorie,  welche  die  chemischen  Formeln  mit 
der  mathematischen  Invariautcntheoric  in  Verbindung  bringt.*)  Die  üntersnehungen 
Ton  Gordan  und  Alexejeff,  welche  übrigens  znm  Theil  an  frühere  Arbeiten  von  Syl- 
vester und  Clifford  (American  Journal  of  Mathematics,  I)  anknüpfen.  legendär,  dass 
die  auf  der  Werthigkeitstheorie  beruhenden  sogenannten  Structurfonueln  ersetzt  werden 
können  durch  symbolische  Ausdrücke,  welche  nach  den  Principien  der  Invariantentheorie 
aufgebaut  sind.  Vortragender  zeigt  an  einfachen  Beispielen,  wie  hierbei  zwei  der  lu- 
variantentheorie  geläufige  Operationen,  der  Evectanten-  und  der  Faltungs-iUeber- 
schiebnngs-)  Process  zur  Verwendung  kommen.  Redner  erinnert  dann  noch  kurz  an  die 
Möglichkeit,  unsere  Vorstellungen  über  chemische  Vorgänge  in  der  Weise  mathematisch 
einznkleiden,  dass  jeiles  Atom  als  ein  Strahlbüschel  mit  gewis.sen  ausgezeichneten  Strahlen 
gedeutet  wird,  wobei  dann  der  eindeutigen  (projectiven)  Verknüpfung  mehrerer  derartiger 
.Strahlbüschel  die  chemische  Verbindung  der  betreffenden  .Atome  entspricht 


VII.  Hauptversammlungen. 


Siebente  Sitzung  am  27.  September  1900.  Vorsitzender:  Prof.  H. 
Engelhardt.  — Anwesend  3.B  Mitglieder  und  1 Gast. 

Prof.  Dr.  0.  Schneider  hält  einen  Vortrag  über  die  pillen  wälzenden 
Käfer  und  ihre  Bedeutung  für  die  ägyptische  Mythologie. 

Zur  Vorlage  kommen  hierbei  zahlreiche  präparirte  Coprophagen,  Pillen,  geschnittene 
Scarabacen  nnd  andere  religiöse  .Sculptnren,  sowie  verschiedene,  auf  deu  Gegenstand 
des  Vortrags  bezugnehmende  Schriften. 

Ergänzende  Bemerkungen  zu  dem  Vortrage  macht  Dr.  K.  Heller. 
Prof.  H.  Engelhardt  legt  vor 

Zeiller,  R.;  Elömeuts  de  palöobotanique.  Paris  litOO. 


Achte  Sitzung  am  2a.  October  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky.  — Anwesend  53  Mitglieder  und  Gäste. 


*)  P.  Gordan  und  W.  Alexejeff:  Ueberein.stiminung  der  Formeln  der  Chemie 
nnd  der  Invariantentheorie  (Sitznugsberichte  der  physikalisoTi-mcilicinischen  Societät  zu 
Erlangen). 


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30 


Dr.  A.  Stübel  giebt  einen  Rückblick  auf  den  vulkanischen 
Ausbruch  des  Jahres  1866  im  (Jolfe  zu  Santorin  unter  Voifübrung 
zahlreicher  Projectionsbilder  von  Karten  und  Ansichten  dieses  Vulkan- 
ausbruches. 


Neunte  Sitzung  am  29.  NoTember  1900.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  43  .Mitglieder  und  Gäste. 

Nach  der  statutengemäss  vorgenonimenen  Wahl  der  Beamten  der 
Gesellschaft  für  das  Jahr  1901  (vorgl.  die  Zusammenstellung  auf  S.  32)  hält 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr  0.  Drude  einen  Vortrag  über  die  Entwicke- 
lungsgeschichte der  mitteldeutschen  Hügelflora.  (Vergl.  Abhand- 
lung IX.)  • 

Eine  reichhaltige  Auswahl  von  V’ertretem  dieser  Flora  ist  in  Herbarinms-Eiemplaren 
ausgelegt. 

Herr  J.  Osterniaier  bringt  eine  Anzahl  Postkarten  mit  Blumen- 
darstellungen zur  Ansicht  und  \'ertheilung  unter  die  Anwesenden. 


Zehute  Sitzung  am  20.  December  1900.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  59  .Mitglieder  mul  4 Gäste. 

Auf  Anregung  von  Prof  Dr.  E.  Kalkowsky  und  Geh.  Hofrath  Prof 
Dr.  ().  Drude  wird  beschlossen,  die  8itzungen  der  Gesellschaft  während 
der  Monate  Januar,  Februar  und  März  1901  probeweise  erst  um  8 Uhr 
beginnen  zu  lassen. 

Prof  Dr.  J.  Deichmüller  hält  einen  Vortrag  über  megalithische 
Denkmäler. 

Der  Vortragende  giebt  eine  eingehende  Schilderung  der  der  jüngeren  Steinzeit  an- 
gehürenden  Dolmen,  megalithischen  tianggrSber,  Menhirs,  Cromlechs  und  Steinreihen, 
bespricht  deren  Verbnätung  von  Indien  über  die  Küstenländer  des  Mittelmeere.s  bis 
nach  Skandinavien  und  führt  in  55  Projeclionsbildem  eine  grössere  Reihe  derartiger 
Bauten  aus  dem  gesammten  Verbreitungsgebiete,  namentlich  aus  der  Bretagne  vor. 


Teränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Neu  aufgenoinmene  wirkliche  Mitglieder; 

Grübler,  Mart.,  Kaiserlich  Russischer  Staatsrath,  Pro-] 

fessor  an  der  K.  Technischen  Hochschule  in  Dresden,  I am  26.  October 
Heller,  Karl,  Dr.  phil.,  Gustos  des  K.  Zoologischen  und!  1900; 

Anthropologisch-ethnographischen  .Museumsin  Dresden,  J 
Mann,  .Max  Gg.,  Dr.  nied.  in  Dresden,  ] 

Naumann,  Bruno,  Geh.  Commerzienrath  in  Loschwitz,  I am  29.  No- 
Petrascheck,  Willi.,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Tech-  | vember  1900; 

nischen  Hochschule  in  Dresden,  J 

Stutz,  Ludw.,  Docent  an  der  K.  Technischen  Hochschule  in  Dresden,  am 
20.  December  1900; 

Thiele,  Karl,  Apotheker  in  Dresden,  am  25.  October  1900; 


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31 


Weinmeister,  J.  Philipp,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  ForstakaJemie 
in  Tharandt,  am  29.  November  1900. 

In  die  wirklichen  Mitglieder  ist  ühergetreten ; 

Wiechel,  Hugo,  Finanz-  und  Bauratli  in  Dresden. 


Freiwillige  Beitrüge  zur  Gesellschaftskasse 

zahlten;  Dr.  Amthor,  Hannover,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  B achmann,  Plauen  i.  V., 
3 Mk.;  K.  Bibliothek,  Berlin,  3 Mk.;  naturwissensch.  ModelleurBlaschka, 
Hosterwitz,  3 Mk.  10  Pf.;  i'rivatus  Eisei,  Gera,  3 Mk.;  Bergingenieur 
Hering,  Freiberg,  3 Mk.  15  Pf.;  Prof.  Dr.  Hibsch,  Liebwerd,  3 Mk.; 
Bürgerschullehrer  Hofmann,  Grossenhain,  3 Mk.;  Oberlehrer  Dr.  Lohr- 
mann, Annaberg,  3 Mk.;  Stabsarzt  Dr.  Naumann,  Gera,  3 Mk.  6 Pf.; 
Prof.  Naumann,  Bautzen,  3 Mk.;  Fabrikbesitzer  Dr.  Naschold.  Aussig, 
10  .Mk.;  Betriebsingenieur  a.  D.  Prasse,  Leipzig,  3 Mk.;  Dr.  Reiche, 
Santiago-Chile,  3 Mk.;  Director  Dr.  Reidemeister,  Schönebeck,  3 Mk.; 
Oberlehrer  Richter,  Aue,  3 Mk.  15  Pf.;  Apotheker  Schlirnpert,  Cölln, 
3 Mk.;  Oberlehrer  Seidel  1,  Zschopau,  3 Mk.  10  Pf.;  Rittergutspachter 
Sieber,  Grossgrabe,  3 .Mk.  15  Pf;  Fabrikbesitzer  Dr.  Siemens,  Dresden, 
100  .Mk.;  Chemiker  Dr.  Stauss,  Hamburg,  3 Mk.;  Oberlehrer  Dr.  Sterzei, 
Chemnitz,  3 Mk.;  Landesgeolog  Dr.  Steuer,  Darnistadt,  3 Mk.;  Prof 
Dr.  Vater,  Tharandt,  3 Mk.;  Oberlehrer  Wolff,  Pirna,  3 Mk.  5 Pf  — 
ln  Summa  179  Mk.  75  Pf 

G.  Lehmann, 

* Kaasirer  der  „Isis“. 


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32 


Beamte  der  Isis  im  Jahre  190L 

Yorstand. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr.  Förster. 

Zweiter  Voi-sitzender:  Prof.  H.  Engelhardt 
Kassirer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Directorinm. 

Erster  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  Fr.  Förster. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Als  Sectionsvorstiinde; 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche, 

lieh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude, 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky, 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller, 

Prof.  Dr.  H.  Freiherr  von  Walther, 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause. 

Erster  Secretär;  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Zweiter  Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Y erwaltungsrath. 

Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Mitglieder:  1.  Prof.  H.  Fischer, 

2.  Civil-Ingenieur  und  Fabrikbesitzer  Dr.  Fr.  Siemens, 

3.  Fabrikbesitzer  L.  Guthmann, 

4.  Privatus  W.  Putscher, 

5.  Fabrikbesitzer  E.  Kühnscherf, 

6.  Dr.  Fr.  Kaspe. 

Kassirer;  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Dibliothekar;  Privatus  K.  Schiller. 

Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 


Sectionsbeamte. 

I.  Seotion  für  Zoologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  H.  Nitsche. 

Stellvertreter;  Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz. 
Protocollant;  Institutsdirector  A.  Thümer. 
Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 

n.  Seotion  für  Botanik. 

Vorstand:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude. 
Stellvertreter;  Prof.  K.  Wobst. 

Protocollant:  (iarteninspector  F.  Ledien. 
Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 


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33 


nx  Seotion  f&r  Uineralogie  xind  Geologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  W.  Bergt. 

Protocollant:  Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr,  P.  Wagner. 

IV.  Seotion  fär  prähistorisobe  Forschungen. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  H.  Döring. 

Protocollant:  Lehrer  0.  Ebert. 

Stellvertreter:  Lehrer  H.  Ludwig. 

V.  Seotion  für  Physik  und  Chemie. 

V'orstand:  Prof.  Dr.  R.  Freiherr  von  Walther. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  H.  A.  Rebenstorff. 

Protocollant:  Oberlehrer  Dr.  G.  Schulze. 

Stellvertreter:  Dr.  R.  Engelhardt. 

VI.  Seotion  für  Mathematik. 

Vorstand:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  A.  Witting. 

Protocollant:  Privatdocent  Dr.  E.  Nätsch. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  J.  von  Vieth. 

Redactions  - Comitd. 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Directoriums  mit  Ausnahme  des 
zweiten  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Secretärs. 


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Bericht  des  Bibliothekars. 


Im  Jahre  1900  wurde  die  Bibliothek  der  „Isis“  durch  folgende  Zeit- 
schriften und  Bücher  vermehrt: 

A.  Durch  Tausch. 

I.  Europa. 

1.  Deutschland. 

AUmhurg-,  Naturforschende  Gesellschaft  dos  üsterlandes. 
Arinaherg-BuchhoJz-.  Verein  für  Naturkunde. 

Augshiirg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schwaben  und  Neuburg.  — 
3-1.  Bericht.  [Aa  18.] 

liambeiy:  Naturforschende  Gesellschaft.  — XVII.  Bericht.  [Aa  19.] 
Bautzen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“. 

Berlin:  Botanischer  Verein  der  Provinz  Brandenburg.  — Verhandl.,  Jahrg.41 
[Ca  6.] 

Berlin:  Deutsche  geologische  Gesellschaft.  — Zeitschr.,  Bd.  51,  Heft  3 
und  4;  Bd.  52,  Heft  1 und  2.  [Da  17.] 

Berlin:  Gesellschaft  für  Antliropologie,  Ethnologie  und  Urgeschichte.  — 
Verhandl.,  April  1899  bis  Mai  1900.  [G  55.] 

Bonn:  Naturhistorischer  Verein  der  preussischen  liheinlande,  Westfalens 
und  des  Keg.-Bez.  Osnabrück.  — Verhandl.,  66.  Jabrg.,  2.  Hälfte. 
[Aa  93.] 

Bonn:  Niederrheinische  Gesellschaft  für  N.atur-  und  Heilkunde.  — Sitzungs- 
ber.,  1899,  2.  Hälfte.  [Aa  322.] 

lirannschtveig:  Verein  für  Naturwissenschaft.  — 8.  Jahresber.  [Aa  245.] 
Bremen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abh.andl.,  Bd.  XVI,  Heft  3. 
[Aa  2.1 

Breslau:  Schlesische  Gesellschatt  für  vaterländische  Cultur.  — 77.  Jahresber., 
1899.  [Aa  46.] 

Chemnitz:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft.  — XIV.  Bericht.  [Aa  20.] 
Chemnitz:  K.  Sächsisches  meteorologisches  Institut.  — Jahrbuch,  XV.  Jahrg., 
3.  .Vbth.  [Ec  57.]  — .Ahhandl.,  Heft  4.  [Ec  67b.]  — Dekaden  Monats- 
berichte 1898  und  99.  [Ec  57c.| 

Danzig:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Schriften,  Bd.  X,  Heft  1.  [Aa  80.] 
Darmstadt:  Verein  für  Erdkunde  und  Grossherzogi.  geologische  Landes- 
anstalt. — Notizbl.,  4.  Eolge,  20.  Heft.  [Ea  8.] 

Donaueschingen:  Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte  der  Baar  und 
der  angrenzenden  Landesteile.  — Schriften,  X.  Heft.  [Aa  174] 
Dresden:  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Jahresber.,  1898 — 99. 
[Aa  47.] 


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36 


Dresden'.  Gesellschaft  für  Botanik  und  Gartenbau  „Flora“. 

Dresden:  K.  Mineralogisch -geologisches  Museum. 

Dresden:  K.  Zoologisches  und  Anthrop.-ethnogr.  Museum. 

Dresden:  K.  Oeffentliche  Bibliothek. 

Dresden:  Verein  für  Erdkunde. 

Dresden:  K.  Sächsischer  Altertumsverein.  — Neues  Archiv  für  Sachs. 
Geschichte  und  Altertumskunde,  Bd.  XXI.  [G  76.]  — Die  Sammlung 
des  K.  Sachs.  Altertumsvereins  in  ihren  Hauptwerken.  Bl.  XXXI  — C. 
[G  76b.l 

Dresden:  Oelconoraische  Gesellschaft  im  Königreich  Sachsen.  — Mittheil. 

1899- 1900.  [Ha  9.] 

Dresden:  K.  ThierärztUche  Hochschule.  — Bericht  über  das  Veterinärwesen 
in  Sachsen,  44.  Jahrg.  [Ha  26.] 

Dresden:  K.  Sächsische  Technische  Hochschule.  — Bericht  über  die  K.  Sächs. 
Techn.  Hochschule  a.  d.  Jahr  1899 — 1900;  Verzeichniss  der  Vorlesungen 
und  Uebungen  sammt  Stunden-  und  Studienplänen,  S.-S.  1990,  W.-S. 

1900— 1901.  [Je  63.]  — Personalverz.  Nr.  XXI.  [Je  63b.l 
Dürlihehn:  Naturwissenschaftlicher  Verein  der  Kheinpfalz  „Pollichia“.  — 

Festschrift  zur  60jährigen  Stiftungsfeier  (1900).  [Aa  66.] 

Düsseldorf:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Mitteil.,  Heft  4 (Festschrift). 
[Aa  310.] 

Elberfeld:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Emden:  Naturforschende  Gesellschaft.  — 83.  und  84.  Jahresber.  [Aa  48b.] 
Emden:  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer. 
Erfurt:  K.  Akademie  gemeinnütziger  Wissenschaften. 

Erlangen:  Physikalisch-medicinische  Societät.  — Sitzungsber.,  31.Heft,  1899. 

[Aa  212.1 

Frankfurt  a.  M.:  Senckenbergische  naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht 
für  1900.  [Aa  9 a.] 

Frankfurt  a.M.  : Physikalischer  Verein.  — Jahresber.  für  1898 — 99.  [Eb  36.] 
Frankfurt  a.  0.:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Begiemngsbezirks 
Frankfurt.  — „Helios“,  17.  Bd.;  Societatum  litterae,  Jahrg.  XIII, 
[Aa  282.] 

Freiverg:  K.  Sächs.  Bergakademie.  — Programm  für  das  136.  Studien- 
jahr 1900-1901.  [Aa  323.] 

Freihurg  i.  B.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Gera:  Gesellschaft  von  Freunden  der  Naturwissenschaften.  — Bericht  und 
F’estbericht  über  die  26jährige  Jubelfeier  der  Abteilung  für  Tier- 
und  Pflanzenschutz.  [Aa  49.] 

Giessen:  Oberhessische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde. 

Görlitz:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Görlitz:  Oberlausitzische  GeseUschaft  der  Wissenschaften.  — Neues  Lau- 
sitzisches  Magazin,  Bd.  76,  2.  Heft.  [Aa  64.] 

Görlitz:  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Oberlausitz.  — 
Tafel  vorgeschichtlicher  Altertümer  der  Oberlausitz.  1900.  [G  113.] 
Greifswald:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Neu -Vorpommern  und 
Rügen.  — Mittheil.,  31.  Jahrg.,  1899.  [Aa  68.] 

Greifstiald:  Geographische  Gesellschaft.  — VII.  J^resber.,  1898  — 1900. 
[Fa  20.] 

Guben:  Niederlausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte. — 
Mittheil.,  VI.  Bd.,  Heft  2 — 6.  [G  102.] 


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36 


GiMrow  ■■  Verein  iler  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklenburg. 

Halle  a.  S.:  Naturforschende  üesellschaft. 

Halle  a.  S.:  Kais.  Leopoldino-Caroliuische  deutsche  Akademie.  — Leopoldina, 
Heft  XXXV,  Nr.  12;  Heft  XXXVI,  Nr.  1-11.  [Aa  62.] 

Halle  a.  S.'.  Verein  für  Erdkunde.  — Mitteil.,  Jabrg.  1900.  [Fa  16.] 
Hanibtiry:  Naturhistorisches  Museum.  — Jahrbücher,  Jahrg.  XVI,  mit  Bei- 
heft 1—4.  [Aa  276.] 

Hamburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  Bd.  XVI,  1.  Hälfte. 

[Aa  293.)  — Verhandl.,  III.  Folge,  7.  Heft.  1899.  [Aa  293b.] 
Hanmirg:  Verein  für  naturwissenschaftliche  Unterhaltung.  — Verhandl., 
Bd.  X,  1896—98.  [Aa  204.1 

Hanau:  VVetterauische  Üesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde. 
Hannover:  Naturhistorische  Gesellschaft. 

Hannover:  Geographische  Gesellschaft. 

Heidelberg:  Naturliistorisch-medicinischer  Verein.  — Verhandl..  Bd.  VI, 
Heft  3.  [Aa  90.] 

Hof:  Nordoberfränkischer  Verein  für  Natur-,  Geschichts-  und  Landes- 
kunde. — Bericht  II.  [Aa  325.] 

Karlsruhe:  Naturwissenschaftlicher  t'erein.  — Verhandl.,  Bd.  XII  — XIII. 
[Aa  88. 1 

Kassel:  Verein  für  Naturkunde.  — Abhandl.  und  Bericht,  Nr.  45.  [Aa  242.] 
Kassel:  N’erein  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde. 

Kiel:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schleswig-Holstein. 

Köln:  Kedaction  der  Gaea.  — Natur  und  Leben,  Jahrg.  36.  [Aa  41.J 
Königsberg  i.  Jb\:  Physikalisch -ökonomische  Gesellschaft.  — Schriften, 
40.  Jahrg.,  1899.  [Aa  81.] 

Königsln-rg  i.  Pr.:  Altertums-Gesellschaft  Prussia.  — Sitzungsber.,  Heft  21. 
[G  1 i4.] 

Krefeld:  Verein  für  Naturkunde. 

Landshui:  Botanischer  Verein. 

Leipzig:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Leipzig:  K.  Sächsische  (iesellschaft  der  Wissenschaften.  — Berichte  über 
die  Verhandl.,  mathem.-phys.  Classe,  1899,  LI.  Bd.,  mathemat.  Theil, 
Heft  6 mit  einem  naturw.  und  einem  allgem.  Theile.  [Aa  296.J 
Leipzig:  K.  Sächsische  geologische  Landesuntersuchung.  — Erläuterungen 
zu  Sect.  Waldheim -Bölingen  (Bl.  62),  2.  Aull.  [De  146.] 

Lüheck:  Geographische  Gesellschaft  und  naturhistonsches  Museum. 
Lüneburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  das  Füretentum  Lüneburg. 
Magdeburg:  Naturwissenschaftlicher  V’erein.  — Jahresber.  und  Abhandl., 
Jahrg.  1898-1900.  [Aa  173.] 

Mannheim:  Verein  für  Naturkunde. 

Marburg:  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  gesammten  Naturwissen- 
schaften. — Sitzungsber.,  Jahrg.  1898.  [Aa  266.] 

Meisse^x:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  ..Isis“.  — Beobacht,  d.  Isis- 
Wetterwarte  zu  Meissen  i.  J.  1899.  [Ec  40.]  — Mittheilungen  aus  den 
Sitzungen  des  Vereinsjahres  1899 — 1900.  [Aa  319.] 

Minister:  Westfälischer  Provinzialverein  für  Wissenschaft  und  Kunst.  — 
27.  Jaliresber.,  Jahrg.  1898—99.  [Ca  231.] 

Keisse:  Wissenschaftliche  Gesellschaft  „Philoniathie“. 

Nürnberg:  Naturhistorische  Gesellschaft.  — Jahresber.  für  1899,  nebst 
Abhandl.,  XHI.  Bd.  [Aa  5.] 


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37 


Offetibach:  Verein  für  Naturkunde. 

Osnabrück:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Ihssau:  Naturhistorischer  Verein. 

Posen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Zeitschr.  der  botan.  Abtheil., 
6.  Jahrg.,  Heft  3;  7.  Jahrg.,  Heft  1 — 2.  [Aa  316.] 

Regenshurg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — VII.  Bericht.  [Aa  296.] 
Regensburg:  K.  botanische  Gesellschaft. 

Reichenbach  i.  V.:  Vogtländischer  Verein  für  Naturkunde. 

Reutlingen:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Schneeberg:  Wissenschaftlicher  Verein. 

Stettin:  Ömithologischer  Verein.  — Zeitschr.  für  Ornithologie  und  prakt. 

Geflügelzucht,  Jahrg.  XXIV.  [Bf  57.1 
Stuttgart:  Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württemberg. ' — Jahres- 
hefte, Jahrg.  66.  [Aa  60.] 

Stuttgart:  Württemhergischor  Altertumsverein.  — Württemberg.  Viertel- 
jahrshefte für  Landesgeschichte,  n.  F.,  9.  Jahrg.  [G  70.] 

Tharandt:  Redaction  der  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  — Land- 
wirtsch.  Versuchsstationen,  Bd.  LH,  Heft  5 — 6;  Bd.  LHI  — LIV.  (In 
der  Bibliothek  der  Versuchsstation  ira  botan.  Garten.) 

Thom:  Coppernicus -Verein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 

Trier:  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen.  — Jahresber.,  1894  — 99. 
[Aa  262.] 

TJhn:  Verein  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften. 

Ulm:  Verein  für  Kunst  und  Altertum  in  Ulm  und  Oherschwahen. 
Weimar:  Thüringischer  botanischer  Verein.  — Mittheil.,  n.  F.,  13. — 14.  Heft 
[Ca  23.] 

Wernigerode:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Harzes. 

Wiesbaden:  Nassauischer  Verein  für  Naturkunde.  — Jahrbücher,  Jahrg.  53. 
[Aa  43.J 

Würzburg:  Physikahsch-medicinische  Gesellschaft  — Sitzungsber.,  Jahrg. 
1899.  [Aa  85.] 

Zerbst:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — 1.  Bericht  (1892 — 98).  [Aa  332.] 
Zuickau:  Verein  für  Naturkunde. 

2.  Oesterreioh-Üngarn. 

Aussig:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Bistritz:  Gewerbelehrlingsschule.  — XXIV.  Jahresber.  [Je  105.] 

Brünn:  Naturforschender  Verein. — Verhandl.,  Bd.  XXXVII,  u.  17.  Bericht 
der  meteorolog.  Commission.  [Aa  87.] 

Brünn:  Lehrerverein,  Club  für  N^urkunde.  — Bericht  I (1896 — 98), 
II  (1899).  [Aa  330.] 

Budapest:  Ungarische  geologische  Gesellschaft  — Foldtani  Közlöny,  XXIX. 

köt,  11.— 12.  füz.;  XXX.  küt,  1—9.  füz.  [Da  26.] 

Budapest:  K.  Ungarische  naturwissenschaftliche  Gesellschaft,  und:  Ungarische 
Akademie  der  Wissenschaften. 

Oraz:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Steiermark.  — Mitthoil.,  Jahrg. 
1899.  [Aa  72.] 

Hermannstadt:  SiebenhürgischerVerein  für  Naturwissenschaften. — Verhandl. 

und  Mittheil.,  XLIX.  Jahrg.  [Aa  94.] 

Iglo:  Ungarischer  Karpathen -Verein.  — Jahrbuch,  XXVH.  Jahrg.  [Aa  198.] 


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38 


Innsbruck:  Naturwissenschaftlich -niedicinischer  Verein.  — Berichte,  XXIII. 
und  XXV.  Jahrg.  [Aa  171.] 

Klagenflirt:  Naturhistorisches  Landes-Museum  von  Kärnthen. 

Krakau:  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1899,  Nr.  8—10;  1900, 
Nr.  1-8.  fAa  302.] 

Laibach:  Musealverein  fiir  Krain. 

Lim:  Verein  für  Naturkunde  in  Oesterreich  ob  der  Knns.  — 29.  Jahresber. 
[Aa  213.] 

Lim:  Museum  Francisco-Carolinum.  — 68.  Bericht  nebst  der  52.  Lieferung 
der  Beiträge  zur  Landeskunde  von  Oesterreich  ob  der  Enns.  [Fa  9.] 
Prag:  Deutacher  naturwissenschaftlich -medicinischer  Verein  für  Böhmen 
„Lotos“.  — Sitzungsber.,  Bd.  XIX.  [Aa  63.] 

Prag:  K. Böhmische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Sitzungsber.,  mathem.- 
naturwissensch.  CI.,  1899.  [Aa  269.]  — Jahresber.  für  1899.  [Aa  270.] 
Prag:  Gesellschaft  des  Museums  des  Königreichs  Böhmen.  — Starozit 
nosti  zemfi  öeske,  dil.  1.  [G  71.] 

Prag:  Lese-  und  Kedehalle  der  deutschen  Studenten.  — Jahresber.  für  1899. 
■ [Ja  70.] 

Prag:  Ceska  Akademie  Cisafe  Frantiska  Josefa.  — Rozpravy,  Trida  II, 
Rocnik  8.  [Aa  313.1 

Presburg:  Verein  für  Heil-  und  Naturkunde.  — Verhandl.,  n.  F.,  Heft  11. 
[Aa  92.] 

Beicnenberg:  Verein  der  Naturfreunde.  — Mittheil.,  Jahrg.  31.  [Aa  70.] 
Salzburg:  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde. 

Temesvlir:  Südungarische  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften.  — Termes- 
zettudomänyi  Füzetek,  XXIV.  köt.,  füz.  1 — 3.  [Aa  216.] 

Trencsin:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Trencsiner  Comitates.  — 
Jahresheft,  Jahrg.  XXI — XXU.  [Aa  277.] 

Triest:  Museo  civico  di  storia  naturale. 

Triest:  Societä  Adriatica  di  scienze  naturali. 

Wien:  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften. 

Wien:  Verein  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse.  — 
Schriften,  Bd.  XL.  [Aa  82.J 

irie«:  K.  K.  naturhistorisches  Hofmuseum.  — Annalen,  Bd.  XIV,  Nr.  3 — 4; 
Bd.  XV,  Nr.  1—2.  [Aa  280.1 

Wien:  Anthropologische  Gesellschaft.  — Mittheil.,  Bd.  XXIX,  Heft  6; 
Bd.  XXX,  Heft  1—6.  [Bd  1.] 

llVen:  K.  K.  geologische  Reichsanstalt.  — Jahrbuch,  Bd.  XLIX,  Heft  3—4; 
Bd.  L,  Heft  1.  [Da  4.]  — Jubiläums -Festbericht  1900.  [Da  4b]; 
zur  Erinnerung  an  die  Jubelfeier.  [Da  4c.]  — Verhandl.,  1899, 
_ Nr.  11—18;  1900,  Nr.  1—12.  [Da  16.] 

Wien:  K.  K.  zoologisch -botanische  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XLIX. 
[ Aa  95.1 

T17en:  Naturwissenschaftlicher  Verein  an  der  Universität. 

Wien:  Central  - Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  — Jahr- 
bücher, Jahrg.  1897.  [Ec  82.] 


. 3.  Rmnänien. 

Bukarest:  Institut  meteorologique  de  Roumanie.  — Annales,  tomeXIV,  1898. 
[Ec  75.] 


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39 


4.  Sohweiü. 

Aarau:  Aargauische  naturforschende  Gesellschaft. 

Basel:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XII,  Heft  3.  [Aa  86.J 
Bern:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Bern:  Schweizerische  botanische  Gesellschaft  — Berichte,  Heft  10.  [Ca  24.] 
Bern:  Schweizerische  naturforschende  Gesellschaft. 

Chur:  Naturforschende  Gesellschaft  Graubündens.  — Jahresber.,  n.  F., 
Jahrg.  XLIII.  [.\a  51.] 

FrauenfeUl:  Thurgauische  naturforschende  Gesellschaft. 

Freiburg:  Societe  Fribourgeoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  vol.  VII, 
no.  3-4.  [Aa  264.] 

St.  Gallen:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht  für  1897—98.  [Aa  23.] 
Lausanne:  Societe  Vaudoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  4.  ser., 
vol.  XXXV,  no.  133—134;  vol.  XXXVI,  no.  135—137.  [Aa  248.] 
Neuehatel:  Societe  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  tome  XaVI.  [Aa  247.] 
Schaffhausen:  Schweizerische  entomologische  Gesellschaft  — Mittheil., 
Vol.  X,  Heft  6—7.  [Bk  222.) 

Sion:  La  Murithienne,  societe  Valaisanne  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin, 
fasa  XX VH  — XXVIII.  [Ca  13.] 

Winterthur:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft.—  Mitth.,  Heft  1—2.  [ Aa  331.] 
Zürich:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Vierteljahrsschr.,  Jahrg.  44, 
Heft  3 — 4;  Jahrg.  45,  Heft  1 — 2.  [Aa  96.] 

5.  Frankreich. 

Amiens:  Societe  Linneenne  du  uord  de  la  France.  — Bulletin  mensuel, 
tome  XIII,  no.  293—302;  tome  XIV,  no.  .303 — 322.  [Aa  252.] 
Bordeaux:  Societe  des  Sciences  physiques  et  naturelles.  — Memoires, 
ser.  5,  tome  III,  cah.  2;  tome  V et  appendice  au  tome  V;  proces- 
verbaux,  annee  1898  — 99.  [Aa  253.] 

Cherbourg:  Societe  nationale  des  Sciences  naturelles  et  luathematiques. 
Dijon:  Academie  des  Sciences,  arts  et  helles  Icttres. 

Le  Mails:  Societe  d'jigriculture,  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe.  — Bulletin, 
tome  XXIX,  fase.  2 — 3.  [Aa  221.] 

Lyon:  Societe  Linneenne.  — Annales,  tome  46.  [Aa  132.] 

Lyon:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  industrie.  — Annales,  ser.  7.  tome  6. 
[Aa  133.] 

Lyon:  Academie  des  Sciences  et  lettres. 

Paris:  Societe  zoologique  de  France.  — Bulletin,  tome  XXIV'.  [Ba  24.) 
Toulouse:  Societe  Francaisc  de  botanique. 

6.  Belgien. 

Brüssel:  Societe  royale  malacologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  XXXI, 
fase.  2;  tome  XXIII.  [Bi  1.]  — Bulletins  des  seances,  tome  XXXIV', 
pag.  97 — 128.  [Bi  4.] 

Brüssel:  Societe  entomologique  tle  Belgique.  — Annales,  tome  XLIll. 

[Bk  13.]  — Memoires,  tome  VII.  [Bk  13b.] 

Brüssel:  Societe  royale  de  botanique  de  Belgique.  — Bulletin,  tome  XXX VIII. 
[Ca  16.1 

Oeinblouo’:  Station  agronomique  de  l'etat.  — Bulletin,  no.  67 — 68.  [Hb  75.] 
Lüttich:  Societe  geologique  de  Belgique. 


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40 


7.  Holland. 

Oent\  Kruidkundig  Genootschap  „Dodonaea“. 

Oroningen-.  Naturkundig  Genootschap.  - 99.  Verslag,  1899.  [Je  80.]  — 
Centralbureau  voor  de  Kennis  van  de  Provincie  Groningen  en  onigebgen 
streken:  Bejdragen,  deel  I,  stuk  2.  [Je  80b.] 

Harlern:  Mus6e  Teyler.  — Archives,  ser.  II,  vol.  VI,  p.  5;  vol.  VII,  p.  1 — 2. 
[Aa  217.] 

Hartem:  Societe  Hollandaise  des  scienees.  — Arebives  Neerlandaises 
des  Sciences  exactes  et  naturelles,  ser.  II,  tonie  III,  livr.  3—6;  tome  IV, 
livr.  1.  [Aa  257.] 


8.  Lnxembnrg. 

Luxemburg:  Societe  botanique  du  Grandduche  de  Luxembourg. 
Luxemburg:  Institut  royal  graiid-ducal. 

Luxemburg:  Verein  Luxemburger  Naturfreunde  „Fauna“.  — Mittheil.,  8.  bis 
9.  Jahrg.  (1898—99).  [Ha  26.] 

9.  Italien. 

Brescia:  Ateiieo.  — Commentari  per  l’aniio  1899.  [.Aa  199.] 

Catania:  Accadeniia  Gioenia  di  scienze  naturale.  — Atti,  ser.  4,  vol.  XII. 

[Aa  149.]  — Bollettino,  fase.  LX  — LXIII.  [Aa  149b.] 

Florem:  K.  Institute. 

Ftorem:  Societii  entomologica  Italiana.  — Bullettino,  anno  XXXI — XXXII. 
[Bk  193.] 

Mailand:  Societä  Italiana  di  scienze  naturali.  — Atti,  vol.  XXXVIll, 
fase.  4;  vol.  XXXIX,  fase.  1—2.  [.Aa  150.] 

Mailand:  B.  Instituto  Lonibardo  di  scienze  e lettere.  — Rendiconti,  ser.  2. 

vol.  XXXII.  [.Aa  161.]  — Memorie,  vol.  XVIII.  fase.  7 — 10.  [Aa  167.] 
Modena:  Societä  dei  naturalisti.  — Atti,  ser.  4,  vol.  1.  [Aa  148.[ 

Fadua:  Societä  Veneto  Trentina  di  scienze  naturali.  — Atti,  ser.  1,  vol.  V, 
fase.  2;  vol.  VI;  vol.  Xll,  fase.  1;  ser.  2,  vol.  IV,  fase.  1.  [Aa  193.] 
Fltrma:  Redazione  del  Bullettino  di  paletnologia  Italiana. 
iA'sa : Societä  Toscana  di  scienze  naturali.  — Processi  verbali,  vol.  XI  (2.  ATI.  99); 

vol.  XII  (19.  XI — 1.  ATI.  99);  Memorie,  vol.  XATI.  [Aa  209.] 

Eom:  Accademia  dei  Lincei.  — .Atti,  Rendiconti,  ser.5,  vol.  VIII,  fase.  11 — 12; 

vol.  IX,  1.  sein.;  2.  sein.,  fase.  1 — 10.  [Aa  226.] 

Eom:  R.  Comitato  geologico  dTtalia. 

Turin:  Societä  meteorologica  Italiana.  — Bollettino  mensuale,  ser.  II. 

vol.  XIX,  no.  8 — 10;  vol.  XX,  no.  1 — 6.  [Ec  2.] 

Venedig:  R.  Instituto  Veneto  di  scienze.  lettere  e arti. 

Verona:  Accademia  di  Verona.  — Memoire,  ser.  III,  vol.  LXXA',  fase.  1 — 3. 
[lla  14.[ 


10.  Grossbritannien  nnd  Irland. 

Dublin:  Roy.al  geological  society  of  Irland. 

Edinburg:  Geological  Society. 

Edinburq:  Scottish  raeteorological  society.  — Journal,  3.  ser.,  no.  XA' — XAT. 

[Ec- 3.] 


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41 


Glasgow.  Natural  history  society. 

Glasgow:  Geological  society. 

Manchester:  Geological  society.  — Transactions,  vol.  XXV^I,  p.  10—19. 
[Da  20.] 

NewcasÜe-upon-Tyne:  Tyneside  naturalists  field  club,  und:  Natural  history 
society  of  Northumberland,  Durham  and  Newcastle-upon-Tyne.  — 
Nat.  history  transactions,  vol.  XIII,  p.  3.  [Aa  126.] 

IL  Schweden,  Norwegen. 

Bergen:  Museum.  — Aarsberetning  1899;  Aarbog  1899,  2.  Heft  und  1900, 
1.  Heft.  [Aa  294.] 

Christiania:  Universität  — Den  Norske  Nord havs- Expedition  1876 — 78, 
Bd.  XXXV-XXXVU.  [Aa  251.1 

Christiania:  Eoreningen  til  Norske  fortidsniindesraerkers  bevaring. 
Stockholm:  Entomologiska  Föreningen.  — Entomologisk  Tidskrift,  Arg.  20. 
[Bk  12.] 

Stocwiolm:  K.  Vitterhets  Historie  och  Antiqvitets  Akademien. 

Tromsoe:  Museum. 

Upsala:  Geological  Institution  of  the  university.  — Bulletin,  vol.  IV,  p.  2. 
[Da  30.] 


12.  Russland. 

Ekatharinenhurg:  Societe  Ouralienne  d'amateurs  des  Sciences  naturelles.  — 
Bulletin,  tome  XX,  livr.  1;  tome  XXI.  [Aa  259.] 

Helsingfors:  Societas  pro  fauna  et  flora  fennica.  — Acta,  vol.  XV  und  XVIL 
[Ba  17.] 

Kharkow:  Societe  des  naturalistes  ä l’universite  imperiale.  — Travaux, 
tome  XXXHI- XXXIV.  [Aa  224.] 

Kiew:  Societe  des  naturalistes.  — Memoires,  tome  XVI,  livr.  1.  [Aa  298.] 
Moskau:  Societe  imperiale  des  naturalistes.  — Bulletin,  annec  1899,  no.  1 — 4. 
[Aa  134.]  _ 

Odessa:  Societe  des  naturalistes  de  la  Nouvelle-Russie. 

Petersburg:  Kais,  botanischer  Garten. — Acta  horti  Petropolitani,  tome  XV, 
fase.  2;  tome  XVH,  und  kurzer  Abriss  der  Geschichte  des  K.  botani- 
schen Gartens.  [Ca  10.] 

Petersburg:  Comite  geologique.  — Bulletins,  vol.  XVIII,  no.  3 — 10.  [Da  23.]  — 
Memoires.  vol.  VII,  no.  3 — 4;  vol.  IX,  no.  5;  vol.  XV,  no.  3.  [Da  24.] 
Petersburg:  Physikalisches  Centralobservatorium.  — Annalen,  Jahrg.  1898. 

[Ec  7.]  — Histoire  de  l’observatoire,  p.  1.  [Ec  7b.J 
Petersburg:  Academie  imperiale  des  Sciences.  — Bulletin,  nouv.  serie  V, 
tome  X,  no.  5;  tome  XI;  tome  XII,  no.  1.  [Aa  315.] 

Petersburg:  Kaiserl.  mineralogische  Gesellschaft.  — Verhandl.,  2.  Ser., 
Bd.  37;  Bd.  38,  Lief.  1.  [Da  29.]  — Materialien  zur  Geologie  Russ- 
lands, XX.  Bd.  [Da  29  b.]  — Travaux  de  la  section  geologique  du 
cabinet  de  Sa  majeste,  vol.  III,  livr.  1.  [Da  29c.] 

Riga:  Naturforscher-Verein.  — Arbeiten,  n.  h.,  8. — 9.  Heft.  [Aa  12.]  — 
Korrespondenzblatt,  XLIl  — XLIII.  [Aa  34.] 


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42 


11.  Amerika. 

L Nord-Amerika. 

Albany.  New  York  state  museum  of  natural  history. 

Baltimore:  John  Hopkins  university.  — University  circulars,  vol.  XIX, 
no.  142— 14.H.  [Aa  278.1  — American  journal  of  matheniatics,  vol.  XXI, 
no.  3 — 4;  XXII,  no.  1.  [Ea  38.]  — American  Chemical  journal,  vol.  XXI, 
no.  6;  vol.  XXII;  vol.  XXIII,  no.  1 — 4.  [Ed  60.]  — Studies  in  histor. 
and  politic.  Science,  ser.  XVII,  no.  6 — 12;  ser.  XVIII,  no.  1 — 4. 
[Fb  126.]  — American  journal  of  philology,  vol.  XX,  no.  1— 4.  [Ja  64.]  — 
Maryland  geoloRical  survey,  vol.  III.  [Da  35.]  — Maryland  weather 
Service,  vol.  I.  [Ec  95.1  — Annual  report,  no.  24.  [Aa  278  b.] 
Berkeley.  University  of  California. — Departement  of  geology;  Bulletin  II, 
no.  5—6;  register  1898  — 99,  vol.  I.  no.  1 — 2.  [Da  31.)  — University 
chronicle,  vol.  I,  no.  6;  vol.  II,  no.  3—4.  [Da  31h.| 

Boston:  Society  of  natural  history.  — Proceedings,  vol.  XXIX,  no.  1 — 8. 
[Aa  111.] 

Boston:  American  acaderay  of  arts  and  Sciences.  — Proceedings,  new  ser., 
vol.  XXXV,  4-27;  vol.  XXXVI,  1—8.  [Aa  170.1 
Buffalo:  Society  of  natural  Sciences.  — Bulletin,  vol.  VI,  no.  2 — 4.  [Aa  186.] 
Cambridge:  Museum  of  comparative  zoology.  — Bulletin,  vol,  XX.XV, 
no.  7 — 8;  vol.  XXXVI,  no.  1—4;  vol.  .VXXVII,  no.  1 — 2.  [Ba  14.] 
Chicago:  Academy  of  Sciences.  — Bulletin,  vol.  III.  [Aa  123b.] 

Chicago:  Field  Columbian  Museum.  — Publications  40  — 44  , 46  — 50. 
[Aa  324.J 

Davenjiort:  Academy  of  natural  Sciences. 

Halifax:  Nova  Scotian  institute  of  natural  Science.  — Proceedings  and 
transactions,  2.  ser.,  vol.  III,  p.  1.  [.Aa  304.] 

Lawrence:  Kansas  University.  — Quarterly,  series  A;  Science  and  matbe- 
matics,  vol.  VIII,  no.  4;  vol.  IX.  no.  1—2.  [Aa  328.] 

Madison:  Wisconsin  Academy  of  Sciences,  arts  and  letters. 

Mexiko:  Sociedail  cientifica  „Antonio  Alzate“.  — Memorias  y Revista, 
toino  XII,  cuad.  11—12;  tomo  XIV,  cuad.  1 — 10.  [Aa  291.] 
Müwaukee:  Public  Museum  of  tbe  City  of  .Milwaukee.  — 17.  annual  report. 
[Aa  2.33  b.J 

Milwaukee:  Wisconsin  natui-al  history  society.  — Bulletin,  new  ser.,  vol.  I, 
no.  1—2.  [Aa  23.3.] 

Montreal:  Natural  history  society.  — Tbe  canadian  record  of  Science, 
vol.  VIU,  no.  2 — 3.  [Aa  109.] 

New-Haven:  Connecticut  acadeniy  of  arts  and  Sciences. 

New-  York:  Academy  of  Sciences.  — Annals,  vol.  XII,  no.  2 — 3.  [Aa  101.]  — 
Meinoirs,  vol.  11,  p.  1.  [.Aa  258b.] 

New -York:  .American  museum  of  natural  history. 

News-  York:  State  geologist. 

Philadelphia:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  1899,  p.  II  — 111; 
1900,  p.  I.  [Aa  117.] 

Philadelphia:  American  philosophical  society. — Proceedings,  vol.  XXXVIII, 
no.  160;  vol.  XXXIX,  no.  161 — 162.  [Aa  28.3.]  — Memorial  vol.  I (1900). 
[Aa  283b.  [ 

lliiladelphia:  Wagner  free  institute  of  Science. 


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43 


Philadelphia:  Zoological  society.  — Annual  report  28.  [Ba  22.] 
Pochester:  Academy  of  Science.  — Proceedings,  vol.  III,  broch.  2.  [Aa  312.] 
Pochester:  Geological  society  of  America.  — Bulletin,  vol.  X.  [üa  28.] 
Salem:  Essex  Institute. 

San  Francisco:  California  academy  of  Sciences. 

St.  Louis:  Academy  of  science. 

St.  Louis:  Missouri  botanical  garden.  — 11.  annual  report.  [Ca  25.] 
Topeka:  Kansas  academy  of  science.  — Transact.,  vol.  XVI.  [Aa  303.] 
Toronto:  Canadian  institute.  — Proceedings,  n.  ser.,  no.  9,  vol.  II,  p.  3; 
.4a  222.]  — Transactions  vol.  VI;  semi-centennial  meinorial  vol.  1849 — 99. 
Aa  222  b.] 

Tafts  College.  — Studies,  no.  6.  [Aa  314.] 

Washington:  Smitbsonian  institutiou.  — Report  of  tbe  U.  St  nat.  muscum, 
1897.  [Aa  120c.] 

Washington:  United  States  geological  survey.  — XIX.  annual  report, 
1897-98,  p.2,  3,  5;  XX.  annual  report,  1898—99,  p.  1.  [De  120a.]  — 
Bulletin,  no.  150—162.  |Dc  120b.J  — .Monograpbs,  vol.  XXXII,  p.  2; 
vol.  XXXIII;  XXXIV;  XXXVI— XXXVIK.  [De  120c.l 
Washington:  Bureau  of  education. 

2.  Sttd-Ämerika. 

Buenos- Aires:  Museo  nacional.  — Anales,  tomo  VT;  communicaciones, 
torao  I,  no.  5—7.  [Aa  147b.] 

Buenos- Aires:  Sociedad  cientifica  Argentina.  — Anales,  tomo  XLVTII, 
entr.  6;  tomo  XLIX;  tomo  L,  entr.  1 — 3.  [Aa  230.] 

Cordoha:  Academia  nacional  de  ciencias. 

Moyitevideo:  Museo  nacional.  — Anales,  fase.  XII — XVI.  [Aa  326.] 

Pio  de  Janeiro:  Museo  nacional. 

San  Jose:  Instituto  fisico-geografico  y del  museo  nacional  de  Costa  Rica.  — 
Informe  1898 — 99,  2.  sem.;  1900.  [Aa  297.] 

Sdo  Pzido:  Commissao  geographica  e geologica  de  S.  Paulo. 

La  Plata:  Museum.  — Revista,  tomo  IX.  [Aa  ,308.] 

Santiago  de  Chile:  Deutscher  wissenschaftlicher  V'crein. 


111.  A.  s i e n. 

Batavia:  K.  naturkundige  Vereeniging.  — Natuurk.  Tijdschrift  voor 

Xederlandsch  Indie,  Deel  59.  [Aa  250.] 

Calcutta:  Geological  survey  of  India.  — Momoirs,  vol.  XXVTII,  p.  1; 
vol.  XXIX;  vol.  XXX,  p.  1.  [Da  8.]  — Palaeontologia  Indicsi,  ser.  XV\ 
vol.  I,  p.  2;  vol.  II;  vol.  III,  p.  1;  new  series,  vol.  1.  (Da  9.]  — General 
report  1899  — 1900.  [Da  18.] 

Tokio:  Deutsche  Gesellschaft  für  Natur-  und  V'ölkerkunde  Ostasiens.  — 
Mittheil.,  Bd.  VTI,  Th.  3.  [Aa  187.] 


l'V.  Australien. 

Melbourne:  Mining  department  of  VTctoria.  — .\nnual  report  of  tbe  sccretary 
for  mines,  1899.  [Da  21.] 


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44 


B.  Durch  Geschenke. 

Beythien,  A.:  Ueber  die  Gesundheitsschädlichkeit  bleihaltiger  Gebrauchs- 
gegenstände, insbesondere  der  Trillerpfeifen.  Sep.  1900.  [Hb  129a.] 
Beythic7i,  A.:  Ueber  die  Genauigkeit  des  Jörgensen'schen  Verfahrens  zum 
Bestimmen  der  Borsäure  der  Fleiscbkonserven  und  über  die  Trennung 
von  Borsäure  und  Borax.  Sep.  1899.  [Hb  129  c.| 

Beythien.  A.:  Beiträge  zur  chemischen  Untersuchung  des  Thees.  Sep.  1900. 
IHb  129  b.J 

Beythien,  A.:  Bericht  über  die  Thätigkeit  des  chemischen  Untersuchungs- 
amtes der  Stadt  Dresden  im  Jahre  1899.  [Hb  129d.] 

Bruxelles:  Societe  beige  de  geologie,  de  paleoutologie  et  d’hydrologie.  — 
Proces-verbaux,  1900,  tome  XIV,  fase.  1—3.  [Da  34.] 

Buchanan,  J.:  The  meteorology  of  Ben  Nevis  in  clear  and  in  foggy  weather. 
Sep.  1899.  [Ec  9-y 

Central-  Commission,  K.  K.,  für  Erforschung  und  Erhaltung  der  Kunst- 
und  historischen  Denkmale.  Normative  und  Bericlite.  Wien  1899. 
[G  142J 

Cory,  Ch.:  The  birds  of  Eastern  North  America,  p.  2:  Landbirds.  [Bf  72.] 
Credner,  H.:  Die  seismischen  Erscheinungen  im  Königreich  Sachsen  1898 
und  1899  bis  zum  Mai  1900.  Sep.  1900.  [De  137  h.] 

Deichmüller,  J.:  Sachsens  vorgeschichtliche  Zeit.  Sep.  1899.  [G  119b.] 
Dieck,  G.:  Moor-  und  Alpenpflanzen  und  ihre  Cultur  im  Nationalarboretura 
und  Alpengarten  Zoeschen  bei  Merseburg.  2.  Aufl.  [Cd  122.] 

Föyn.  N.:  Wolkenbeobachtungen  in  Norwegen.  1896 — 97.  [Ec  96.] 
Oeinitz,  E.i  Hans  Bruno  Geinitz,  ein  Lebensbild  aus  dem  19.  Jahrhundert. 
[Jb  82.] 

Oeinitz,  E.:  Mittheilungen  aus  der  Grossherzoglich  Mecklenburgischen 
Landesanstalt.  X — XI.  [De  217f,  g.] 

Hauer,  J.:  Drei  Nekrologe.  [Jb  83,  84,  85.] 

Janct,  Ch.:  Separata  über  Ameisen.  [Bk  240  q—y.] 

Jentzsch,  .4.:  Ueber  die  im  Ostpreussischen  Provinzialmuseum  aufbewahrten 
Gewichte  der  jüngsten  heidnischen  Zeit  Preussens.  [De  114dd.] 
Jentzsch,  A.:  Der  tiefere  Untergrund  Königsbergs  mit  Beziehung  auf  die 
Wasserversorgung  der  Stadt.  [De  114ee.J 
Kesselmeyer,  A.:  3 Separata  über  Maasse.  [Ea  46a — c.] 

Koch,  -4.:  Die  Tertiärbildungen  des  Beckens  der  Siebenbürgischen  Landes- 
theile.  II.  neogene  Abtheil.  [De  241.] 

Krone,  H.:  Dichtungen,  Bd.  1 und  2.  [Ja  80.] 

Lauhe,  0.:  H.  B.  Geinitz.  Sep.  1900.  [Jl)  81.] 

Montelim,  O.:  Der  Grient  und  Europa.  1.  Heft.  [G  144.J 
Nicolis,  E.:  Marmi  pietre  e terre  coloranti  della  provincia  di  Verona. 
[Hb  129  a.] 

Ferez,  B.:  La  provincia  di  Verona  ed  i suoi  vini.  Sep.  1900.  [Hb  129c.] 
Sars,  G.:  An  account  of  the  Crustacea  of  Norway,  vol.  III,  p.  3 — 8. 
[Bl  29b.] 

Stossich,  M.:  Contribiito  allo  studio  degli  Elminti.  Sep.  1900.  [Bm  54  gg.] 
Verheeli,  R.:  Voorloopig  verslag  over  eene  Geologische  reis  door  het 
oostelijk  gedeelte  van  den  indischen  Archipel  in  1899.  [De  234b.] 
Zahälka,  C.:  Ueber  die  Schichtenfolge  der  westböhmischen  Kreideforniation. 
Sep.  1900.  [De  2271).] 


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■ib 


C.  Durch  Kauf. 

Abhandlungen  der  Senckenbergischen  naturforschenden  Gesellschaft, 
Bd.  XX.  Heft  2;  Bd.  XXV,  Heft  1;  Bd.  XXVI,  Heft  1—2.  [Aa  9.] 
Anzeiger  für  Schweizer  Alterthümer,  neue  Folge,  Bd.  II,  Heft  1 — 2,  mit  Beil. 
[G  1.] 

Ayizeiger,  zoologischer,  Jahrg.  XXIII,  Nr.  605 — 631.  [Ba  21.] 

Bronn' s Klassen  und  Ordnungen  des  Thierreichs,  Bd.  H,  Abth.  3 (Echino- 
dermen).  Lief.  29  — 36;  Bd.  III  (Mollusca),  Lief.  48  — 63;  Suppl., 
Lief.  21 — 25;  Bd.  IV  (Vennes),  Lief.  59—62;  Bd.  V (Crustacea),  Abth.  2, 
Lief.  57—69;  Bd.  VI,  Abth.  6 (Mammalia),  Lief.  57 — 60.  [Bb  54.] 
Oehirgsverein  für  die  Sächsische  Schweiz:  UeberBerg  und  Thal,  Jahrg.  1900. 
[Fa  19.J 

Geradflügler  Mitteleuropa’s  von  Tümpel,  Lief.  7.  [Bk  243.] 

Hedtviqia,  Bd.  39.  [Ca  2.] 

Käferfauna  der  Schweiz  von  Stierlin.  I.  Theil.  [Bk  244.] 

Jahrbuch  des  Schweizer  Alpenclub,  Jahrg.  36.  [la  6.] 

Monatsschrift,  deutsche  botanische,  Jahrg.  18.  [Ca  22.] 

Nachrichten,  entomologische,  Jahrg.  16.  [Bk  235.]  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 
Natur,  Jahrg.  48.  [Aa  76.]  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 

Pälaeontographical  society. 

Prähistorische  Blätter,  Jahrg.  XII.  [G  112.1 

Wochenschrift,  naturwissenschaftliche,  Bd.  XV.  [Aa  311.]  (Vom  Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift  für  die  gesammten  Naturwissenschaften,  Bd.  72,  Nr.  3 — 4; 

Bd.  73,  Nr.  1—2.  [Aa  98.] 

Zeitschrift  für  Meteorologie,  Bd.  17.  [Ec  66.] 

Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Mikroskopie,  Bd.  XVT,  Heft  4;  Bd.  XVII, 
Heft  1—2.  [Ee  16.] 

Zeitschrift,  Oesterreichische  botanische,  Jahrg.  50.  [Ca  8.] 

Zeitung,  botanische,  Jahrg.  58.  [Ca  9.] 

Abgeschlossen  am  31.  December  1900. 

C.  Schiller, 
Bibliothekar  der  „Isis“. 


Zu  besserer  Ausnutzung  unserer  Bibliothek  ist  für  die  Mitglieder  der 
„Isis“  ein  Lesezirkel  eingerichtet  worden.  Gegen  einen  jährlichen  Beitrag 
von  3 Mark  können  eine  grosse  Anzahl  Schriften  bei  Selbstbeforderung 
der  Lesemappen  zu  Hause  gelesen  werden.  Anmeldungen  nimmt  der  Biblio- 
thekar entgegen. 


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Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1900. 


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I.  Schulversuche  mit  dem  Cartesianischeii  Taucher. 

Von  H.  BebenstorfT. 


Fast  sämmtlichc  Apparate,  mit  deren  Hilfe  die  naturwissenschaftliche 
Bildung  unserer  Jugend  begründet  wird,  haben  an  der  Hand  der  Fort- 
schritte Ton  Wissenschaft  und  Technik  besonders  in  den  letzten  Jahr- 
zehnten Constructionsänderungen  erfahren,  um  sie  für  ihren  Zweck  noch 
geeigneter  zu  machen.  Nur  an  wenigen,  besonders  einfachen  Apparaten 
gab  es  so  gut  wie  nichts  zu  verbessern,  sondern  es  war  höchstens  die 
Zahl  der  Anwendungen  zu  vermehren.  Hierhin  gehört  jene  Vorrichtung, 
„zwar  nicht  von  grossem  Belang,  aber  auch  nicht  ohne  Interesse“,  wie 
l’oggendorff  in  seiner  „üescbichte  der  Physik“  sagt,  an  welcher  sich 
Descartes’  Name  verewigt  hat.  Mit  seltener  Lebenskraft  haben  sich 
die  Cartesianischen  Taucher  oder  Teufelchen  in  derselben  Form  erhalten, 
welche  ihnen  von  dem  Entdecker  der  zu  Grunde  liegenden  Erscheinungen 
gegeben  war.  Auch  wenn  man  von  der  Benutzung  von  menschlichen 
Figuren  als  Taucher  absieht,  erscheint  das  hübsche  Sinken  und  Steigen 
der  Glaskörper  fast  als  Spielerei,  aber  gerade  mit  der  gefallenden  Leb- 
haftigkeit ihrer  Bewegungen  hängt  nun  einmal  der  Werth  der  Taucher 
für  den  elementaren  Physikunterricht  zusammen. 

Zweck  der  Taucherversuche.  Wer  sich  im  experimentellen  Unter- 
richt mit  dem  Nachweis  der  grundlegenden  Gesetze  begnügt,  wird  mit 
anderen  Apparaten  auskommen.  Nun  ist  aber  in  der  neueren  Zeit  die 
Erkenntniss  immer  allgemeiner  geworden,  dass  es  von  besonderem  Nutzen 
für  die  gründliche  Einführung  in  die  Naturwissenschaft  ist,  das  Experiment 
wirklich  das  sein  zu  lassen,  was  es  sein  soll,  ein  Theil  der  Sprache 
des  Lehrers;  dies  gilt  nicht  nur  für  die  Ableitungen  der  Grundgesetze, 
sondern  der  Lehrer  hat,  wenn  er  durch  Wiederholungen  und  allerlei  Auf- 
gaben ein  gesichertes  W'issen  und  vor  Allem  ein  freies  Verfügen  und 
„Können“  auf  seinem  Gebiete  hervorrufen  will,  auch  hierbei  vom  Experi- 
mente Gebrauch  zu  machen.  Eine  reiche  Auswahl  von  Versuchsreihen 
stellen  Experimentirbücher  und  die  bekannte  Zeitschrift  für  den  physi- 
kalischen und  chemischen  Unterricht  von  Poske  zur  Verfügung,  um 
auch  den  Wiederholungen  nicht  das  anschauliche  Element  fehlen  zu  lassen 
und  den  zu  stellenden  Aufgaben  wenigstens  theilweise  Gegenstände  zu 
verschaffen,  die  auf  dem  Tische  Gebrauch  linden  und  eine  Nachprüfung 
der  Aufgabeulösung  zulassen.  Ueberaus  erleichternd  wirkt  es  ebenso  bei 
der  kurzen  Denkfrage,  wie  bei  der  eine  längere  Uechnung  erfordernden 
Aufgabe,  wenn  deren  Gegenstand  aus  dem  Gebiete  der  Phantasie  heraus- 
gerückt werden  kann,  die  vielleicht  nur  deswegen  in  manchen  Fällen 


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nicht  recht  mitarbeitet,  weil  sie  sich  wegen  mangelnder  Gelegenheit  au 
der  concreten  Wirklichkeit  noch  nicht  hinreichend  ausbilden  konnte. 

Bisherige  V'erwendung  des  Tauchers.  Einen  kleinen  Beitrag 
zur  praktischen  Durchführung  der  angedeuteten  unterrichtlichen  Maass- 
nahmen kann  der  Cartesianische  Taucher  liefern,  der  vielfach  schon  früher 
in  dem  geschilderten  Sinne  Anwendung  fand.  Schon  der  fundamentale 
Taucherversuch  des  Sinkens  und  Steigens  in  Folge  von  Diuckänderungen 
giebt  Anlass  zur  Wiederholung  der  Gesetze  über  die  Volumänderung  der 
Gase  durch  Druckwechsel,  des  Archimedischen  Princips,  sowie  der  Fort- 
pflanzung und  Grösse  des  Druckes  in  Flüssigkeiten.  Von  besoiiderena 
Werthe  ist  hierbei  die  bequeme  und  anschauliche  Vorführung  des  eigen- 
artigen labilen  Gleichgewichtes.  Nicht  sonderlich  geht  die  Möglichkeit, 
diesen  Begriff  mit  Hilfe  des  Tauchers  zu  erklären,  aus  der  in  Hand-  und 
Lehrbüchern  mehrfach  anzutreffenden  Bemerkung  hervor,  „es  ist  nun 
leicht,  den  Druck  auf  die  Membran  so  zu  bemessen,  dass  der  Taucher  in 
jeder  Lage  schwebt“.  Lässt  man  den  auf  die  Membran 
oder  besser  mittels  einer  Wassersäule  ausgeübten  Druck 
(Fig.  1)  von  einem  Augenblicke  an  ungeändert  bestehen, 
in  welchem  der  Taucher  t mitten  in  der  Flüssigkeit  an- 
scheinend zur  Ruhe  gekommen  ist,  so  sieht  man  nach 
wenigen  Augenblicken,  dass  der  Taucher  nicht  wirklich 
schwebte,  sondern  nur  sehr  langsam  stieg  oder  sank  und 
sich  in  beschleunigter  Bewegung  von  der  Stelle  entfernt, 
wo  er  zu  schwehen  schien.  Heben  oder  Senken  des  Druek- 
rohres*)  verlegt  in  kürzester  Frist  den  Punkt  des  labilen 
Gleichgewichtes  weiter  nach  oben  oder  unten,  wodurch 
der  Versuch  wiederholt  wird.  Deutlich  erkennt  man, 
dass  der  Zustand  wahren  labilen  Gleichgewichtes  in  einer 
nur  angenähert,  aber  nicht  vollkommen  erreichbaren  Grenz- 
lage des  Tauchers  besteht.  Das  charakteristische  Kenn- 
zeichen dieses  Gleichgewichtes,  dass  der  Körper  bei  der 
allerkleinsten  Ueberachreitung  der  Grenzlage  aus  der  Ruhe  in  beschleunigte 
Bewegung  übergeht,  ist  mit  dem  Taucher  klar  demonstrirbar.  Bezüglich 
der  praktischen  Ausführung  der  Versuche  ist  zu  bemerken,  dass  man 
natürlich  bei  richtiger  Füllung  einen  Taucher  jeder  Form  verwenden  kann, 
dass  aber  der  weiter  unten  beschriebene  Apparat  die  Mühe  der  Vor- 
bereitung auf  ein  sehr  geringes  Maass  beschränkt  und  daher  auch  für 
die  längst  bekannten  Versuche  empfohlen  werden  kann.  Die  bisher  ge- 
brauchten Taucherformen  erfordern  eine  bisweilen  recht  zeitraubende, 
weil  leicht  misslingende  Füllung,  was  nicht  bei  einmaligen,  wohl  aber  bei 
schnell  auf  einander  folgenden  Anwendungen  des  Tauchers  in  Betracht 
kommt.  Methoden  zur  Füllung  tindet  man  in  den  ausgezeichneten  Vor- 
schriften der  bekannten  Werke  über  physikalische  Demonstrationen  von 
Weinhold,  Frick-Lehmann  u.  A.**).  Es  sei  nur  noch  die  Bemerkung 

*1  Die  Vcrauthsaiionlming  der  Figur  ist  die  gleiclie  wie  in  der  Mitlliciluiig- 
„Versnobe  mit  Tanehern“,  Poske's  Zeitsehr.  für  den  physik.  n.  ehern.  Unterricht  XI, 
S.  213.  Versuch  1. 

**j  Weinhold;  Vorschnle  der  Experimentalphysik,  4.  Aufl.,  S.  179.  — Frick- 
Lehmann:  l’hysikal.  Technik.  6.  .\ufl.  1.  .S.  3.33.  — Wein  ho  Id:  Physik.  Demonstrationen, 
3.  Anfl.,  S.  17ü.  — Uosenherg:  Experimentirhnch  für  den  Elementarunterricht  in  der 
Natnrlehre  II,  S.  42.  — K.  L.  Bauer,  Pogg.  Aiin.  Ergiiuzungsband  6,  S.  332. 


Fig.  1. 


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gestattet,  dass  man  gut  thut,  dem  Wasser,  in  dem  man  etwa  einen  Taucher 
dauernd  verweilen  lässt,  etwas  Salicylsäure  hinzuzufügen,  den  Taucher  für 
diesen  Zweck  in  der  bekannten  Weise  aus  einem  Keagensglase,  einem 
Kork  mit  Glasröhrchen  und  Quecksilber  als  Beschwerungsmittel  herstellt, 
da  das  Luftvolumen  in  Folge  Diffusion  sich  bei  anderen  Formen  schneller 
verkleinert.  Zum  Abschluss  des  Cylinders  dient  besser  ein  Gummipfropf 
(Weinhold),  als  eine  Membran;  ein  Stück  Blase  sollte  man  vor  dem 
Aufbewahren  wenigstens  etwas  loser  binden,  weil  sonst  in  Folge  der  Ver- 
dunstung von  Wasser  langsam  Luftverdünnung  eintritt,  die  saugend  auf 
die  Luft  im  Taucher  wirkt,  so  dass  er  später  wieder  neu  zu  füllen  ist. 
Ist  das  Röhrchen  des  erwähnten  Tauchers  entsprechend  gebogen,  so  zeigt 
man  die  beim  Steigen  auftretenden  Drehungen  in  Folge  des  Rückwirkungs- 
druckes. Einige  für  besondere  Zwecke  geschaffene  Taucherformen  sind  in 
den  erwähnten  Werken  beschrieben,  ebenso  findet  man  daselbst  ver- 
schiedene Verfahren,  den  Druck  zu  ändern*). 

Von  anderweitigen  Verwenduugsarten  des  Tauchers  sind  seit  geraumer 
Zeit  bekannt  die  Methode  von  Schwalbe**),  den  Taucher  als  Druck- 
indicator  zu  benutzen  bei  Versuchen  über  Fortpflanzung  des  Druckes  in 
Gasen,  ferner  die  Anwendung  zur  Erläuterung  der  Fallbewegung  und  zu 
einigen  anderen  Zwecken  nach  Heyden***).  Liebreichf)  benutzte  den 
Taucher  zu  Demonstrationen  über  den  interessanten  „todten  Raum“  bei 
Reactionen.  Sodann  hat  der  Verfasser  vor  zwei  Jahren  eine  kleine  Zahl 
von  Versuchen  mitgetheilt,  welche  der  Anwendung  des  Tauchers  theils 
im  Unterricht  bei  Gelegenheit  von  Wiederholungen,  theils  bei  den  soge- 
nannten Scbülerversuchen  dienen  sollten  ff). 

Einfacher  Reagensglas-Taucher.  Um  die  Anstellung  der  Ver- 
suche recht  bequem  und  auch  mit  den  geringsten  Mitteln  ausführbar  zu 
machen,  wurde  a,  a.  U.  vom  Verfasser  ein  Taucher  einfachster  Art,  nur 
aus  einem  Reagensglase  bestehend,  empfohlen.  Die  Füllung  mit  der 
erforderlichen  Luftmenge  geschieht  folgendermassen.  Man  giesst  zunächst 
soviel  Wasser  in  das  Gläschen,  dass  es  aufrecht  auf  dem  W'asser  schwimmt, 
und  tröpfelt  alsdann  vorsichtig  weitere  Mengen  Wasser  hinein,  bis  es  nur 
noch  wenig  aus  der  Wasseroberfläche  hervorragt.  Hierauf  zieht  man  das 
Gläschen  heraus,  verschliesst  es  mit  dem  Finger  und  taucht  es  verkehrt 
in  einen  zum  Ueberlaufen  vollen  Cyliiider  mit  Wasser  hinein.  Bei  einiger 
Hebung  gelingt  es  auf  diese  Weise  leicht,  die  Taucher  fast  regelmässig 
richtig  zu  füllen,  so  dass  nur  etwa  die  Hälfte  des  Bodens  aus  dem  Wasser 
hervorragt.  Zu  empfehlen  ist,  ein  leichtes  Drahthäkchen  mit  Siegellack 
auf  der  äusseren  Seite  des  Bodens  zu  befestigen,  um  einen  zu  wenig 
Luft  enthaltenden  Taucher  mit  einem  unten  kurz  umgebogenen  Draht  schnell 
wieder  empor  ziehen  zu  können.  Auch  hat  man  daran  zu  denken,  dass 
durch  unnöthiges  Umfa.ssen  des  Gläschens  mit  der  Hand  vor  dem  Ver- 
schliessen  mit  dem  Finger  ein  Theil  der  Luft  durch  Erwärmen  entfernt 
würde.  Uebrigens  gehört  ein  ein-  oder  zweimaliges  Misslingen  der 


*)  Ferner  bei  Antolik,  PoskeVs  Zeitechr.  IV,  S.  124. 

**)  Schwalbe,  Zeitechr.  zur  Förderung  des  phys.  Unt.  III,  1886. 

*•*)  Heyden,  ebenda. 

f)  Liebreich,  Vortrag  in  der  physik.  Gesell.schaft  in  Berlin,  ref.  in  Poske’s 
Zeitechr.  IV,  S.  211,  den  Hinweis  auf  den  labilen  Gleichgewichtszustand  des  Tauchers 
enthaltend. 

ff)  Rebenstorff,  a.  a.  0.,  S.  213  — 221. 


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beschriebenen  Taucherfüllung  wohl  zu  denjenigen  Momenten  des  Unter- 
richtes, die  bei  manchen  Schülern  erst  recht  zur  Gewinnung  des  Ver- 
ständnisses beitragen. 

In  letzter  Zeit  hat  der  Verfasser  den  einfachen  Reagensglas-Taucher 
mit  einer  seitlichen  Oeffnung  dicht  unter  derjenigen  Stelle  versehen, 
bis  zu  welcher  das  innen  befindliche  Wasser  bei  richtiger  Füllung  reicht. 
Man  erzielt  dadurch  die  Wirkung,  dass  man  den  Taucher  nur  ruhig  in 
das  im  Cylinder  befindliche  Wasser  einzusenken  braucht,  um  ihn  sofort  in 
brauchbarem  Zustande  zur  Verfügung  zu  haben.  Hierbei  ist  es  von  \'or- 
theil,  das  Luftvolumen  im  Taucher  vergrössern  zu  können;  deswegen  wird 
der  Taucher  entweder  unten  mit  Rlei  beschwert  oder  er  wird  aus  stark- 
wandigem  Glasrohr  hergestellt.  Die  erstere  Art  der  Ausführung  eignet 
sich  auch  zur  Anfertigung  durch  Schüler  und  man  kann  diesen  vorher 
die  Aufgabe  stellen,  aus  dem  Gewicht  des  Gläschens  und  seinem  Inhalt 
das  Gewicht  der  Bleimenge  zu  berechnen,  welche  bewirkt,  dass  der  Taucher 
noch  eben  schwimmt,  wenn  die  Oeffnung  am  Ende  des  ersten  Drittels 
— von  der  Mündung  des  Gläschens  an  gerechnet  — sich  befinden  würde. 
Die  Heretellung  des  beschwerten  Tauchers  geschieht  in  folgender  Weise. 
Von  einer  2 bis  3 mm  dicken  Bleiplatte  schneidet  man  mit  der  Scheere 
einen  schmalen  Streifen  ab,  welcher  annähernd  das  berechnete  Gewicht 
hat.  Man  windet  ihn  spiralig  um  das  Ueagensgläschen,  so  dass  er  zunächst 
am  geschlossenen  Ende  desselben  durch  Reibung  festsitzt.  Hierauf  bringt 
man  das  Gläschen  auf  das  in  einem  weiten  Gefäss  befindliche  Wjisser 
und  tröpfelt  so  viel  Wasser  hinein,  bis  der  Rand  nur  noch  wenig  heraus- 
ragt. Man  verschliesst  dann  das  etwas  angehobene  Gläschen,  ohne  viel 
mit  der  Hand  zu  erwärmen,  mit  dem  Finger  und  taucht  es  verkehrt  unter 
Wasser.  Bevor  man  loslässt,  schiebt  man  die  Bleispirale  hinab,  so  dass 
diese  nun  an  der  Mündung  des  Gläschens  liegt.  Man  überzeugt  sich 
hierauf  davon,  ob  das  Gläschen,  etwa  mit  der  Hälfte  seines  Bodens  aus 
dem  Wasser  ragend,  an  der  Oberfläche  schwimmt.  Andernfalls  wird  die 
Manipulation  des  Füllens  wiederholt.  Man  kann  übrigens  auch  mit  einem 
U-förmig  gebogenen  Glasfaden  mit  recht  feiner  Oeffnung,  der  noch  an 
dem  Glasrohre  sitzt,  welches  man  zu  seiner  Herstellung  auszog,  Luft  in 
kleinen  Mengen  in  den  Taucher  treiben  oder  daraus  entfernen.  Mit  einem 
auf  das  Glasrohr  geschobenen  kurzen  Stück  Gummischlauch,  den  man  in 
geeigneter  Weise  zudrückt,  gelingt  es  noch  leichter  als  durch  Blasen  und 
Saugen  mit  dem  Munde,  kleine  Luftmengen  in  Bewegung  zu  setzen. 
Ist  die  Luftmenge  ira  Taucher  die  richtige,  so  hebt  man  ihn,  unten  zu- 
greifend, etwas  empor  und  markirt  den  Stand  des  Wassers  in  ihm  mit 
dem  Sehreibdiamanten  oder  auch  nur  durch  Anlegen  des  Daunicnnagels 
der  linken  Hand,  hebt  den  Taucher  vollends  aus  dem  Wasser  und  macht 
etwa  1 mm  unterhalb  der  markirten  Stelle  einen  Feilstrich,  den  man  vor- 
sichtig bis  zur  Durchbohrung  des  Glases  vertieft  oder  an  dessen  Stelle 
man  mit  der  Stichflamme  und  durch  Abziehen  des  Glases  eine  kleine 
Oeffnung  herstellt. 

Als  käufliches  Lehrmittel  empfohlene  Taucherform.  Für 
die  .Anfertigung  ilurch  den  geübteren  Glasbläser  eignet  sich  mehr  die 
im  Wesentlichen  übereinstimmende  Herstellung  des  Tauchers  aus  stark- 
wandigem  Glasrohr.  Die  von  A.  Eichhorn  in  Dresden  verfertigten 
Taucher  sind  etwa  12  cm  lang  und  die  seitliche  Oeffnung  befindet  sich 
etwa  4 cm  vom  oll'enen  Etide.  Durch  bloses  Einsenken  erhalten  sie  <lie 


«VSle 


7 


für  die  Versuche  geeignete  Luftfüllung  und  schwimmen  und  tauchen  in 
fast  genau  senkrechter,  durchaus  stabiler  Haltung.  Nur  durch  heftige 
Erschütterung  werden  Luftbläschen  zu  der  seitlichen  Oeffnung  hinausge- 
trieben. Man  kann  sich  dies  zu  nutze  machen,  wenn  man  beabsichtigt, 
die  Luftmenge  etwas  zu  verkleinern.  Hat  man  den  Taucher  in  das 
Wasser  gleiten  oder  auch  aus  einiger  Höhe  senkrecht  hineinfallen  lassen, 
so  kann  man  bei  einiger  Hebung  an  der  Grösse  des  aus  der  Oberfläche 
hervorragenden  Bodenstückes  sofort  erkennen,  ob  ein  geringerer  oder 
grösserer  Wasserdruck  nöthig  ist,  die  Luftmenge  so  weit  zu  verdichten, 
dass  der  Taucher  die  ürenzlage  des  labilen  Gleichgewichts  überschreitet 
und  in  die  Tiefe  sinkt  Es  ist  jedoch  empfehlenswerth,  durch  eine  Marke, 
Diamantstrich,  eingeätzten  Bing  oder  dergleichen  sich  die  Stelle  über  der 
seitlichen  Oeffnung  zu  bezeichnen,  bis  zu  welcher  die  Luftfüllung  reicht, 
wenn  jene  Grenzlage  erreicht  wird.  Um  die  Marke  anbringen  zu  können, 
legt  man  provisorisch  einen  Zwirnsfaden  oder  sehr  schmalen  Schlauch- 
abschnitt um  den  Taucher,  einige  .Millimeter  über  der  seitlichen  Oeffnung. 
Man  erhöht  alsdann  nach  Abschluss  des  Cylinders  den  Druck  in  irgend  einer 
Weise  und  merkt  sich  die  Lage  des  Wasserniveaus  in  dem  Augenblicke, 
in  dem  der  Taucher  zu  sinken  beginnt  Die  Anbringung  der  Marke  durch 
den  Fabrikanten  kann  den  überaus  geringen  Preis  der  Taucher  nur  wenig 
erhöhen. 

Taucherglockenartige  Vorrichtung  als  Zubehör  zu  den 
Tauchern.  Ein  Taucher,  dessen  Luftfülluug  nicht  bis  zu  der 
erwähnten  Marke  reicht,  sinkt  zu  Boden.  Um  ihn  durch  Zu- 
führung von  Luft  zum  Ansteigen  zu  bringen,  kann  man  über 
den  aufrecht  am  Boden  stehenden  Taucher  ein  oben  geschlossenes, 
weites  Glasrohr  stülpen.  Aus  diesem  füllt  sich  der  Taucher 
fast  völlig  mit  Luft,  so  dass  er  beim  Anheben  der  weiten 
Böhre  mit  heraufkommt.  Da  die  oben  und  unten  gleich- 
weite Böhre  das  Wasser  im  Cylinder  leicht  zum  Ueberlaufen 
bringt,  so  benutzt  man  bequemer  ein  weites  Bohr  g (Fig.  2), 
welches  nur  einige  Uentimeter  länger  als  der  Taucher  ist  und  sich 
in  eine  etwa  4 mm  weite,  etwas  starkwandige  Böhre  r fortsetzt. 

Der  ganze  Apparat  wird  5 bis  6 dm,  für  besonders  hohe  Cylinder 
entsprechend  länger  angefertigt.  Die  lange  Böhre  der  „Taucher- 
glocke“, wie  der  Apparat  wohl  der  Kürze  halber  genannt  werden 
darf,  wird  natürlich  beim  Zuführen  von  Luft  oben  mit  dem 
Finger  verschlossen.  Zur  Erleichterung  des  Anfassens  befindet 
sich  am  Ende  der  Böhre  ein  Kork  k,  der  zugleich  die  Böhre  Fig.  2. 
vor  dem  Zerbrechen  schützt,  wenn  man  sie  — die  Erweiterung 
nach  oben  — zum  Umrühren  des  Wassers  iin  Cylinder  gebrauchen  will; 
ferner  kann  man  die  verkehrt  eingesenkte  „Taucherglocke“  zum  Hinab- 
drückeu  eines  Tauchers  verwenden,  weswegen  die  Endfläche  des  Korkes 
concav  ausgeschnitten  wird. 

Handhabung  der  Taucher,  ihr  Verhalten  im  Wasser.  Lässt  man 
die  Taucher  aus  der  einige  Ceutimeter  über  der  Wasseroberfläche  gehaltenen 
Hand  senkrecht  in  das  Wasser  gleiten,  so  sind  dieselben  so  weit  gefüllt, 
dass  die  Grenzfläche  der  Luft  annähernd  mit  dem  oberen  Bande  der 
seitlichen  Oeffnung  abschneidet.  Beim  Einfallenlassen  aus  grösseren 
Höhen,  wobei  der  bis  auf  den  Boden  hinabgehende  Taucher  grössere 
Mengen  Luft  mit  fortreisst,  fällt  die  Füllung  weniger  gleichmässig  aus. 


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Ist  die  Zimmerluft  erheblich  wärmer  als  das  Wasser,  oder  hatte  man  den 
Taucher  lange  in  der  Hand  gehabt,  so  kommen  natürlich  ebenfalls 
Unregelmässigkeiten  der  Taucherfülluiig  vor;  einfaches  Anheben  und  Ein- 
senken des  eine  kurze  Zeit  im  Wasser  befindlichen  Tauchers  gleicht  jede 
Unregelmässigkeit  wieder  aus.  Bei  den  von  A.  Eichhorn  gefertigten 
Exemplaren  war  ein  Druck  von  5 bis  7 dm  Wassersäule  erforderlich,  den 
ohne  Hast  eingesenkten  Taucher  zum  Untersinken  zu  bringen. 

Soll  die  Luftfüllung  geringer  sein,  so  ergreift  mau  den  an  der  Ober- 
fläche schwimmenden  Taucher  mit  den  Fingern,  hebt  ihn  einige  Centimeter 
empor,  und  stösst  ihn,  ohne  loszulasseu  ein  oder  mehrere  Male  in  das  Wasser. 
Dadurch  wird  meistens  eine  kleine  Luftmenge  zur  seitlichen  üeft'nung 
hinausgetrieben.  Man  überzeugt  sich  durch  Loslasseu,  ob  man  seinen 
Zweck  erreicht  hat,  indem  man  entweder,  wie  schon  oben  erwähnt,  auf 
die  Grosse  des  herausragenden  Bodentlieils  oder  auf  die  Lage  des  Wasser- 
niveaus zu  der  die  Grenze  desselben  beim  labilen  Gleichgewicht  angehenden 
Marke  achtet. 

Ein  anderes,  vielleicht  noch  besseres  Mittel,  die  Luftfüllung  zu  ver- 
kleinern, besteht  in  dem  Einsenken  des  kurz  zuvor  aus  dem  Wasser 
gezogenen  Tauchers  in  schräger  Stellung,  wobei  die  seitliche 
Oeffnung  o nach  oben  zu  halten  ist  (Fig.  3).  Nöthigenfalls 
neigt  man  auch  den  Cylinder  liierbei  etwas  auf  die  Seite. 
Merkt  man  sich  mit  dem  Augenmaass  den  Winkel,  unter 
dem  man  den  Taucher  langsam  einsenkt,  so  kann  mau 
in  dieser  höchst  einfachen  Weise  leicht  die  Luftfüllung  mit 
einiger  Sicherheit  beliebig  bemessen,  so  dass  der  Taucher 
je  nach  Wunsch  sofort  untersinkt  oder  seine  labile  Gleich- 
gewichtslage nur  ein  kleines  Stück  unterhalb  der  Wasser- 
oberfläche erreicht,  ln  Folge  der  Dicke  des  Glases  erwärmt 
sich  die  Luft  im  Taucher  durch  die  Finger  während  der 
kurzen  Handliabung  nicht  merklich. 

Der  beschriebene  Taucher  ersetzt  also  auch  jene  grossen 
Formen  der  Cartesianischen  Vorrichtung,  die  von  Weinhold 
u.  A.*)  angegeben,  an  der  Oberfläche  schwimmen,  nach 
dem  Hinabdrücken  bis  zu  einer  gewissen  Tiefe  sich 
nicht  wieder  erheben  können. 

Gleicht  man  nach  dem  mitgetheilten  Verfahren  das  Luftvolumen  so 
ab,  dass  die  labile  Lage  1 bis  2 dm  über  dem  Boden  des  Cylinders  ist. 
so  wird  der  Taucher  dadurch  sehr  hübsch  wieder  in  die  Höhe  gebracht, 
dass  man  den  Cylinder  um  einige  Centimeter  vom  Tische  erhebt  und  ihn  mit 
etw'as  Naclidruck  wieder  hinstcllt.  A'ur  bei  gar  zu  heftigem  Stoss  treten 
Luftmengen  zu  den  seitlichen  OetVnungen  hervor;  ist  dies,  wie  gewöhnlich, 
nicht  der  Fall,  so  hüpfen  die  Taucher  — man  lässt,  um  den  Eindruck 
des  Versuches  noch  zierlicher  zu  gestalten,  am  besten  mehrere  farblose 
und  bunte  bis  auf  den  Boden  sinken  — genügend  weit  empor,  um  die 
labile  Gleichgewichtsstcllo  zu  überschreiten.  Die  Taucher  müssen  hierzu 
aber  den  Boden  wirklich  berührt  haben,  sonst  können  dessen  Schwingungen 
beim  Hinsetzen  sie  nicht  treffen. 

Ebenfalls  recht  gefällig  sieht  das  Emportreiben  der  etwas  zu  schweren 
Taucher  durch  einen  Wirbel  aus,  den  man  durch  Umrühren  des  Wassers 

*)  AVeinlinlil,  Frick-Lehmiinn,  a.  a.  ü. 


Fig.  3. 


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I 


9 


ira  oberen  Theil  des  Cylinders  hervorruft.  Sobald  die  rotirende  Bewegung 
auch  die  unteren  Flüssigkeitsschichten  erfasst,  erheben  sich  die  Taucher, 
um,  wenn  ihre  Luftfullung  es  zulässt,  oben  schwimmen  zu  bleiben.  Das 
Emporwirbeln  eines  Körpers  in  einer  Flüssigkeit,  worin  er  nur  noch  ein 
sehr  geringes  Gewicht  hat,  ist  eine  ebenso  alltägliche,  wie  wohl  wenig  in 
den  Kreis  der  Betrachtungen  gezogene  Erscheinung.  Es  erinnert  zwar 
an  die  im  Innern  von  Luftwirbeln  u.  s.  w.  auftretende  Luftverdünnung, 
die  aufsteigende  Bewegung  in  der  Mitte  des  Flüssigkeitscylinders , welche 
die  Taucher  mit  empnrreisst,  ist  hier  aber  nicht  wie  dort  eine  der 
Ursachen,  sondern  Wirkung  der  Rotation.  Der  centrale,  nach  oben 
gerichtete  Strom  ist  der  Gegenstrom  einer  an  den  Wänden  des  Cylinders 
in  Spiralen  abwärts  gehenden  Strömung,  welche  aus  der  Centrifugal- 
kraft  der  Flüssigkeit  und  dem  Umstande  resultirt,  dass  die  Flüssigkeit 
am  Boden  eine  geringere  Geschwindigkeit  hat.  Man  kann  sich  in 
leicht  ersichtlicher  Weise  von  dem  Vorhandensein  der  beiden  Strömungen 
durch  Versuche  mit  kleinen,  im  Wasser  nahezu  schwebenden  Körpern 
überzeugen. 

Hatte  man  einen  Taucher  mit  so  wenig  Luft  versehen,  dass  er  nicht 
mehr  in  der  erwähnten  Weise  zum  Schwimmen  an  der  Oberfläche  zu 
bringen  ist,  so  stülpt  man  die  oben  mit  dem  Finger  zugehaltene  Taucher- 
glocke über  ihn  und  zieht  ihn  in  bequemster  Weise  wieder  empor.  Lässt 
man  hierbei  die  lange  Röhre  geschlossen,  so  wird  der  Taucher  bis  über 
die  Wasserobeidläche  angehohen.  Kähert  man  die  lufterfüllte  Taucher- 
glocke einem  am  Boden  liegenden  Taucher,  bis  sein  oberer  Theil  dicht 
unter  der  Taucheröffnung  liegt,  und  lässt  jetzt  durch  Oeffnen  der  langen 
Röhre  plötzlich  die  Luft  oben  heraustreten,  so  schnellt  der  Taucher  in 
die  Glocke  hinein.  Die  lebhafte  Bewegung  erinnert  in  besonderem  Maasse 
an  die  Saugwirkungen  des  Luftdruckes  und  eine  vergleichende  Behandlung 
dieser  Wirkungen  ira  Anschluss  an  den  Versuch  ist  wohl  im  Stande,  das 
Verständuiss  der  oft  nicht  recht  klar  werdenden  Vorstellungen  in  Betreff 
des  Luftdruckes  zu  verbessern.  Man  wähle  bei  dem  letzten  Versuch  den 
Cylinder  recht  hoch,  so  dass  der  Wasserdruck  den  Taucher  möglichst 
energisch  in  die  Glocke  emporschleudert. 

Wenn  man  die  Taucherglocke  einige  Zeit  in  Gebrauch  hat,  wird  man 
finden,  dass  die  einfache  Vorrichtung  auch  anderweitig  verwendet  werden 
kann.  Ausser  zur  Demonstration  des  durch  die  Bezeichnung  angedeuteten 
Apparates  dient  die  Vorrichtung  in  recht  wirksamer  Weise  zum  Nachweis 
des  Wasserstosses  und  zu  manchen  anderen  Zwecken.  Ein  halbes  Dutzend 
Taucher  nebst  „Glocke“  liefert  Eichhorn,  Dresden,  Mittelste,  für  2 Mark. 
Die  Taucher  werden  theils  aus  weissem,  theils  aus  hellfarbigem  Glasrohr 
hergestellt. 

Versuche  mit  Tauchern.  Die  1898  vom  Verfasser  a.  a.  0. 
beschriebenen  Versuche  werden  durch  Benutzung  der  neuen  Taucherform 
bequemer  ausführbar,  soweit  sie  nicht  derart  sind,  dass  sie  ein  Reagens- 
glas erfordern,  an  dem  eine  seitliche  Oeffnung  nicht  vorhanden  sein  darf. 
Letzteres  gilt  insbesondere  von  den  Versuchen  zur  Messung  des  Dampf- 
druckes leicht  siedender  Flüssigkeiten  und  des  Gasdruckes  von  höclist 
concentrirtem  Ammoniak.  Auch  die  Versuche  über  das  Auf-  und  Nieder- 
steigen eines  Tauchers  durch  den  wechselnden  Dampfdruck  von  Aether, 
sowie  von  Wasser  in  einer  unten  erwärmten  Flüssigkeitssäule  erfordern 
ein  gewöhnliches  Reagensglas. 


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Bei  allen  Versuchen  über  das  fast  röllige  Schweben  eines  Tauchers 
in  einem  gänzlich  mit  Wasser  gefüllten  und  überall  abgeschlossenen  Cylinder 
ist  die  Benutzung  des  Tauchers  der  neuen  Form  bequemer.  Man  kann 
dann  auch  die  Verwendung  des  mit  aufgeschlilfener,  durchbohrter  Glas- 
platte versehenen  Cylinders  umgehen  (a.  a.  0.  S.  215).  Dadurch  gestaltet 
sich  der  Versuch  sehr  einfach:  Eine  recht  hohe  Flasche  mit  einer  Oeffnung, 
die  nur  etwas  weiter  ist,  als  der  Durchmesser  des  Tauchers  beträgt,  wird 
mit  Wasser  ganz  gefüllt  und  dafür  gesorgt,  dass  nicht  an  den  Wandungen 
ein  Luftbläschen  zurück  bleibt.  Alsdann  senkt  man  den  Taucher,  am 
besten  schräg  — unter  seitlichem  Neigen  der  Flasche  — in  das  Wasser 
und  setzt  auf  die  Mündung  einen  Kork  mit  gebogenem  Glasrohre,  an 
welchem  ein  Schlauchstück  von  einigen  Centimetern  Länge  sitzi  Nach  dem 
Einfügen  des  Korkes  darf  weder  unter  diesem,  noch  in  der  Rohrverbindung 
ein  Luftrestchen  bleiben;  es  ist  rathsam,  die  Röhren  vor  dem  Aufsetzen 
des  Korkes  mit  Wasser  vollzusaugen,  das  Ende  des  Schlauchstückchens 
zuzudrücken  und  dies  erst  während  des  Eindrehens  des  Korkes  zu  öffnen. 
Hinterher  schliesst  man  es  durch  ein  zugeschmolzenes  Stückchen  Glas- 
rohr ah.  Der  Kork  muss  natürlich  sehr  dicht  sein;  da  er  keinen  grossen 
Durchmesser  zu  haben  braucht,  wird  man  leicht  einen  genügend  reinen 
finden,  so  dass  man  nicht  nöthig  haben  wird,  ihn  mit  einem  der  bekannten 
Hilfsmittel  abzudichten. 

Nach  dieser  Vorbereitung  wird  auf  das  Schlauchstückchen  ein 
Schraubenquetschhahn  gesetzt  und  dessen  Schraube  etwas  angezogen; 
meistens  wird  dies  den  Taucher  noch  nicht  zum  Sinken  bringen.  Man 
schiebt  dann  unter  Drehungen  das  im  Kork  sitzende  Knierohr  langsam 
so  weit  in  die  Flasche,  dass  der  Taucher  seine  gleichfönnige  Bewegung 
nach  unten  beginnt.  Durch  leise  Aenderungen  des  Druckes,  welche  man 
am  Quetsebhahn  vornimmt,  bringt  man  den  Taucher  dahin,  dass  seine 
Bewegungen  äusserst  langsam  werden  und  er  auf  geringe  Aenderungen 
der  Temperatur  reagirt.  Weiteres  in  Betreff  des  Verhaltens  des  Tauchers 
unter  den  Umständen  des  Versuches  bietet  die  citirte  Mittheilung.  Es  sei 
noch  hervorgehoben,  dass  der  Versuch  die  charakteristische  Eigenschaft 
der  Flüssigkeiten,  die  überaus  leichte  Verschiebbarkeit  der  Theilchen, 
besonders  deutlich  hervortreten  lässt.  Man  sorge  bei  der  Vorbereitung 
für  möglichst  klares  Wasser. 

Um  den  T.aucher  zum  sogenannten  wirklichen  Schweben  zu  bringen, 
kann  man  ihn  in  einen  Cylinder  fallen  lassen,  welcher  zur  Hälfte  mit 
Wasser,  zur  andern  Hälfte  mit  verdünntem  Spiritus  gefüllt  ist.  Dieser 
Taucher  reagirt  durch  mehr  oder  weniger  tiefes  Einsinken  auf  Aenderungen 
von  Temperatur  und  Uarometerstand  und  kann  als  Gegenstand  von  Auf- 
gaben Verwendung  finden. 

Dasselbe  gilt  von  einem  Taucher,  den  man  mittels  einer  dünnen 
Glasröhre,  die  von  unten  her  in  den  Luftraum  des  Tauchers  bineinragt, 
zum  Schweben  bringt.  Anleitung  zur  Bildung  von  Aufgaben  ergeben  sich 
aus  dem  a.  a.  0.  S.  216 — 218  Gesagten. 

Der  für  fast  völliges  Schweben  vorhin  beschriebene  Apparat  kann 
auch  nach  Anfügen  einer  längeren  Gumtniröhre  nebst  geradem  Glasrohr 
anstatt  des  kurzen  Schlauchstückes  zu  tleni  Versuche  (a.  a.  0.  No.  1)  benutzt 
werden,  die  Druckhöhen  des  Wassers  im  Rohre  s zu  vergleichen,  die  hin- 
reichen, um  den  Taucher  einmal  oben,  einmal  unten  ins  labile  Gleichgo- 


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wicht  zu  bringen  (Fig.  4).  Es  ergiebt  sich  OU  = o u.  Die  Volura- 
änderung  der  eingescblossenen  Luft  während  des  Emporsteigens  oder  Sinkens 
macht  sich  durch  Verschiebung  der  Wassersäule  in  der  Röhre  s be- 
merkbar. 

Eine  annähernde  Messung  dieser  Volumänderung  ist  auch  am  Taucher 
selbst  deswegen  leicht  ausführbar,  weil  er  überall  gleiche  Weite  hat. 
Eine  Erhöhung  des  Druckes  um  10  cm  Wassersäule 
verkleinert  zwar  das  Luftvolumeu  im  Taucher  nur  im 
Verhältniss  der  Zahlen  1043 : 1033,  d.  h.  um  ca.  1 Pro- 
cent, also  ein  8 cm  langes  Luftvolumen  wird  um  etwa 
0,8  mm  verkürzt.  Macht  man  die  mit  dem  Knierohr 
verbundenen  Röhren  etwa  1 m lang,  so  kann  man  durch 
senkrechtes  Anheben  derselben  nach  oben,  bez.  Senken 
nach  unten  schon  den  Druck  um  mehr  als  das  20-fache 
variiren  (es  kommt  noch  die  Steighöhe  des  Tauchers 
in  der  Flasche  hinzu).  Das  lange  Glasrohr  nehme  man 
bei  diesem  Versuch  etwas  eng,  damit  das  Wasser  beim 
Verkleinern  des  Druckes  nicht  herausrinnt.  Klebt 
man  einen  sehr  schmalen  Streifen  Millimeterpapier, 
den  man  mit  Lack  bedeckt,  an  den  Taucher  in  der 
Gegend  der  seitlichen  Oeffnung,  so  kann  man  einen 
Schüler  die  mehr  als  20  Procent  betragende  Gesammt- 
änderung  des  Luftvolumens  ablesen  lassen  und  die 
gefundene  Grösse  mit  der  Länge  der  Luftsäule  im 
Taucher  und  dem  Unterschied  der  Druckhöhen  zu 
einer  einfachen  Rechnung  auf  Grund  des  Mariotte’schen 
Gesetzes  verbinden.  Bei  diesem  Versuche  kann  das 
Wasserniveau  im  Taucher  nicht  unerheblich  unter  die 
seitliche  Oeffnung  sinken;  die  Luft  wird  am  lleraus- 
treten  durch  das  Oherflächenhäutchen  gehindert. 

Hat  man  einen  Taucher  in  eine  enghalsige  Flasche  gebracht,  in 
welcher  er  durch  irgend  welche  Ursachen  einen  zu  grossen  Theil  seiner 
Luftmenge  eingebüsst  hat,  so  kann  man  den  Taucher  auch  dadurch  wieder 
zum  Aufsteigen  bringen,  dass  man  die  Flasche  — etwa  mit  einem  Heber 
entleert  und  dann  neu  füllt. 

Die  Expansion  der  Luft  zeigt  man  sehr  anschaulich  durch  den  Luft- 
pumpenversuch, bei  dem  ein  halb  mit  Luft  gefülltes  Reagensglas  in  ein 
Gefäss  mit  Wasser  verkehrt  eingestellt  und  unter  den  Recipienten  gebracht 
wird.  Es  empfiehlt  sich,  auch  hier  den  Taucher  mit  seitlicher  Oeffnung 
zu  verwenden.  Man  senkt  denselben  derart  schräg  in  das  in  einem 
Cylinder  befindliche  Wasser,  dass  der  Taucher  auf  den  Boden  sinkt,  und 
stellt  den  Cylinder  entweder  unter  einen  hohen  Recipienten  oder  man 
versieht  ihn  mit  einem  guten  Kork,  in  dessen  Durchbohrung  ein  recht- 
winklig gebogenes  Glasrohr  sitzt,  das  man  durch  weitere  Stücke  Glasrohr 
und  festzubindende  Gummiröhren  an  die  Kolben-  oder  Wasserluftpurape 
anschliesst.  Gleich  nach  dem  Beginn  des  Evaeuirens  erhebt  sich  der 
Taucher  und  eine  Luftblase  nach  der  anderen  entweicht  aus  der  seitlichen 
Oeffnung.  Wenn  man  nun  nicht  gleich  möglichst  grosse  Luftverdüunung 
hervorruft,  sondern  von  Zeit  zu  Zeit  das  Arbeiten  der  Pumpe  unterbricht, 
so  kann  man  mit  dem  Taucher  annähernd  den  Grad  der  bereits  erreichten 
Luftverdünnung  feststellen.  Man  lässt  hierzu  vorsichtig  etwas  Luft  zurück- 


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treten  (bei  Benutzung  der  Kolbenluftpumpe  lässt  man  einfach  den  Kolben 
zurückgehen),  bis  der  Taucher  gerade  zu  sinken  beginnt.  Dieser  fällt 
jetzt  viel  schneller  auf  den  Boden,  als  wenn  über  dem  Taucher  der 
gewöhnliche  Luftdruck  besteht,  weil  das  Luftvolumen  im  Taucher  in  Folge 
des  unten  grösseren  Wasserdruckes  jetzt  viel  stärker  verkleinert  wird. 
Aus  der  Grösse  dieser  Volumabnabme  und  der  Höhe  der  Flüssigkeitssäulen 
kann  man  in  einer  einfachen  Aufgabe  eine  ungefähre  Feststellung  des 
über  der  Wasseroberfläche  vorhandenen  Druckes  gewinnen.  Beim  weiteren 
Evacuiren  macht  sich  der  Einfluss  des  Dampfdruckes  immer  mehr  bemerk- 
bar. Benutzt  man  die  Kolbenluftpumpe,  so  kann  man  mit  diesem  Versuch 
den  Nachweis  des  Siedens  von  Wasser  in  der  Kälte  unter  geringem  Druck 
gleichzeitig  erledigen. 

Lässt  man  einen  Taucher  längere  Zeit  hindurch  in  nicht  desinficirtem 
Wasser,  so  beobachtet  man  eine  langsame  Abnahme  der  Luftmenge,  die 
in  erster  Linie  von  dem  Verbrauch  des  im  Wasser  gelösten  Sauerstofifes 
durch  Mikroorganismen  herrührt.  Auch  ahgcsehen  hiervon  treten  ausser 
durch  VV'echsel  von  Temperatur  und  Barometerstand  Aendeningen  des  im 
Taucher  befindlichen  Luftvolumens  ein.  Will  man  zu  Versuchen , die  am 
Schluss  angedeutet  sind,  das  Luftvolumen  recht  lange  ungeändert  durch 
Lösungsvorgänge  bewahren,  so  wählt  man  zur  Aufnahme  des  Tauchers 
eine  andere,  leicht  bewegliche  Flüssigkeit,  Petroleum  oder  dergleichen. 
Versuche  hierüber  bat  der  Verfasser  erst  begonnen.  Man  hat  in  dem 
Aufsuchen  des  Punktes,  in  welchem  der  Taucher  sieb  im  labilen  Gleich- 
gewicht befindet,  ein  ziemlich  genaues  Mittel,  ganz  kleine  Aenderuiigen 
des  Volumens  unter  Berücksichtigung  von  Temperatur  und  Barometerstand 
zu  messen. 

An  einer  etwa  ’/j  m langen  (ilasröhre  sk  (Fig.  6),  die  innen  eine 
Millimetertbeiluug  auf  Papier  enthält  und  an  beiden  Enden  zugeschmolzen 
ist,  befinden  sich  unten  zwei  verschiebbare,  aber 
durch  Reibung  ziemlich  festsitzende  Spiralen  aus 
Draht  oder  kurze  Blechcylinder  b.  Dieselben  haben 
zwei  kurze,  von  der  Röhre  senkrecht  fortragende 
Ansätze,  welche  den  Taucher  zwischen  sich  fest- 
halten,  jedoch  derart,  dass  derselbe  sieb  um  1 bis 
2 mm  aufwärts,  bez.  abwärts  bewegen  kann.  Der 
untere  Träger  des  Tauchers  ist  ein  einfacher,  wie 
die  Figur  zeigt,  gebogener  Draht  d;  der  obere  ist 
ein  am  Ende  zu  einem  Ringe  r gebogener  Draht. 
Der  Ringdurchmesser  ist  kleiner  als  derjenige  des 
Tauchers.  Mau  befestigt  das  Skalenrohr  des  kleinen 
Apparates,  nachdem  man  diesen  mit  eingesetztem 
Taucher,  in  schiefer  Stellung  in  die  in  einem  Cylinder 
befindliche  Flüssigkeit  eingesenkt  hat,  so  in  einer 
Stativklemme,  dass  es  leicht  in  senkrechter  Richtung 
verschoben  werden  kann,  und  sucht  nun  diejenige 
Höhenlage  für  den  Taucher  auf,  in  welcher  er  nach 
einer  leichten  Erschütterung  durch  Klopfen  an  das 
Stativ  mit  dem  Finger  sich  etwa  ebenso  geneigt 
zeigt,  sich  an  den  oberen,  als  den  unteren  Tbeil 
der  seine  Bewegung  begrenzenden  Stützen  anzulegeu.  Man  kann  auch  die 
Skalenröhre,  nachdem  der  Ort  des  labilen  Gleichgewichts  annähernd  ge- 


rfLTl 


r 

U* 


Fig.  5. 


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fiinden  ist,  in  der  Klemme  fester  spannen  und  mit  einem  als  Pipette 
benutzten  Röhrchen  das  Flüssigkeitsniveau  im  Cylinder  ändern.  Schliess- 
lich liest  man  das  Skalenrohr  wie  ein  Aräometer  ab  und  notirt  Temperatur 
der  Flüssigkeit  und  Barometerstand. 

Diese  Beobachtung  wird  nach  einigen  Tagen,  während  welcher  der 
Apparat  ruhig  stehen  bleibt,  wiederholt  und  die  Ursache  der  inzwischen 
eingetretenen  Aenderungen  besprochen.  Auch  bei  Schülerversuchen  dürfte 
eine  Genauigkeit  der  Beobachtung  bis  auf  2 mm  leicht  erreichbar  sein, 
ein  Werth,  der  einer  Aenderung  des  Barometerstandes  um  etwa  ’/,  mm 
entspricht.  Die  Methode  gestattet  möglicherweise  auch  Anwendungen 
auf  der  Schule  fernerstehenden  Gebieten*). 

Für  solche  Gase,  die  wie  Kohlensäure  und  Acetylen  in  Wasser  leichter 
löslich  sind  als  Luft,  kann  diese  Eigenschaft  mit  dem  Taucher  viel  ein- 
facher constatirt  werden.  Man  füllt  diesen  entweder  wie  in  der  pneu- 
matischen Wanne  oder  durch  bloses  Einleiten  mit  dem  Gase,  wobei  man 
den  Taucher  mit  Daumen  und  Mittelfinger,  die  seitliche  Oeffuung  ab- 
schliessend, festhält;  nach  dem  Füllen  legt  man  den  Zeigefinger  auf  die 
Endöffnung  des  Tauchers  und  lässt  diesen  nunmehr  in  das  in  einem 
Cylinder  befindliche  W'asser  gleiten.  Der  mit  Kohlensäure  gefüllte  Taucher 
sinkt  in  reinem  Wasser  in  10  bis  15  Minuten,  in  sehr  verdünntem  Ammoniak 
in  etwa  2 Minuten  zu  Boden.  Ein  mit  Acetylen  gefüllter  Taucher  braucht 
in  reinem  Wasser  erheblich  mehr  Zeit.  Die  hierbei  raitwirkenden  Um- 
stände sollen  noch  näher  untersucht  werden. 

Wie  schon  Eingangs  erwähnt,  wurde  zuerst  von  Schwalbe  der  Car- 
tesianische  Taucher  als  Druckindicator  bei  Schulversuchen  benutzt**). 
Durch  sein  Sinken,  bez,  sein  Steigen  macht  der  Taucher  das  vielleicht 
nur  äusserst  kleine  Ueberschreiten  zweier  Druckgrenzen  in  einer  die  Auf- 
merksamkeit stark  erregenden  Weise  bemerkbar***).  Man  kann  nun  auch 
den  Taucher  dazu  verwenden,  die  innerhalb  zweier  Grenzwerthe  vor- 
handenen Drucke  in  einer  zwar  nicht  für  genaue  Messungen  geeigneten, 
aber  dafür  besonders  deutlich  sichtbaren  Weise  anzuzeigeu.  Bringt  man 
nämlich  mit  den  oben  angedeuteten  Mitteln  einen  Taucher  zum  sogenannten 
Schweben!),  so  wird  durch  Di-uckänderungen  im  Cylinder,  den  man  auf 
der  Aussenseite  mit  einer  lapidarisch  gemalten  Sk.ale  versehen  kann,  ein 
breit  herstellbarer  Index  verscboben.  Auf  diese  Weise  sind  die  a.  a.  0. 
beschriebenen  Apparate,  ein  Thermoskop,  sowie  ein  Differential -Thermo- 
skop  construirttf).  In  justirtem  Zustande  nicht  transportirbar,  weil  die 


*)  Die  angegebene  Genauigkeit  entspricht  einer  solchen  der  Beobachtung  kleiner 
Volumftnderungen  um  etwa  * y™.  Mit  Hilfe  von  auf  gleichem  Princip  beruhenden 
Apiiarateu  kUnnen  auch  grosse  VolumSnderungen  genau  gemessen  werden  — soweit 
dies  bei  Benutzung  von  Wasser  als  Sperrflüssigkeit  miiglich  ist  Weiteres  hierüber 
möchte  ich  einer  späteren  Arbeit  Vorbehalten. 

*•)  Vergl.  auch  den  Versuch  von  üeschöser,  l’oske's  Zeitschr.  XII,  S. 

***)  Beide  Grenzwerthe  des  Druckes  liegen  soweit  auf  einer  Wasserdnickskale  von 
einander,  wie  die  Höhe  der  vom  Taucher  dnrchfallenen  Flüssigkeitasäule  beträgt. 

!)  Nimmt  man  es  genau,  so  könnte  man  auch  bei  jenen  Versuebsanordnungen 
(a.  a.  0.  S.  214  unten  und  S.  21H  218)  nur  von  einer  besonderen  Art  des  Schwimmens 
reden  und  wohl  behaupten,  dass  nur  die  KlUssigkeitsmolekeln  und  die  in  die  gleichen 
Zustände  übergeführten  Molekeln  und  Jonen  gelöster  Körper  zu  .schweben“  ver- 
mögen. 

f!)  Das  Farbenthermoskop  hat  als  ein  Indicator  für  die  Ueberschreitnng  zweier 
Temperaturen  seinen  Anwendungsbereich  für  sich. 


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Luft  des  Tauchers  beim  Kippen  heraustritt,  haben  dieselben  vorläufig 
noch  den  Nachtheil,  dass  die  Luftmengen  auch  bei  ruhigem  Stehen  der 
Apparate  sich  langsam  verkleinern.  Dieser  Umstand  wird  wohl  durch 
Aenderungen  der  Construction,  insbesondere  durch  Fortschaffen  der  ohne- 
hin durch  Schlechtwerden  die  Brauchbarkeit  der  Apparate  beeinträch- 
tigenden Gummischläuche  und  Ausprobiren  der  besser  als  Wasser  geeigneten 
Flüssigkeit  zu  beseitigen  sein. 


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II.  lieber  Feuersteingerätlie  aus  sächsischen  Fundorten. 

Von  H.  Döring. 


Ein  Vergleich  zwischen  nordischen  und  sächsischen  Feuersteingeräthen 
muss  ohne  Zweifel  zu  Ungunsten  der  heimathlichen  Funde  ausfallcn.  Im 
Norden,  wo  der  Feuerstein  der  Kreide  eingebettet  ist,  lag  das  Rohmaterial 
zur  Fabrikation  von  Waffen  und  Werkzeugen  massenhaft  und  in  bester 
Qualität  zur  Auswahl  bereit.  Bei  uns  findet  sich  Feuerstein  dagegen  nur 
an  secundärer  Lagerstätte;  er  ist  in  den  Grundmoränen  der  diluvialen 
Gletscher,  also  im  Gcschiebelehm  eingelagert  oder  wurde  bei  der  Auf- 
arbeitung der  Formation  durch  diluviale  Wässer  über  die  Ebene  verstreut 
Die  unseren  neolithischen  Vorbewohnern  zur  Verfügung  stehenden  Feuer- 
steinknollen waren  also  nach  Zahl,  Umfang  und  Güte  wesentlich  geringer. 
Aber  gleichwohl  wurde  das  durch  Gletschereis  importirte  Rohmaterial 
wegen  seiner  Härte  und  Spaltbarkeit  von  den  heimathlichen  Urbewohnern 
gern  zu  Geräthen  verarbeitet. 

Bisher  sind  von  folgenden  Fundstellen  Sachsens  Feuersteingeräthe 
bekannt  geworden: 

1.  Im  Domholz  von  Grossdölzig  westlich  von  Leipzig:  2 ge- 
schliffene und  polirte  Flachbeilchen. 

2.  In  einer  Herdstelle  von  Grossmiltitz  westlich  von  Leipzig: 
Messerchen  und  Schaber. 

3.  An  der  Pulvermühle  nördlich  von  Zwenkau:  gemuschelte 
Lanzenspitze. 

4.  In  Herdstellen  bei  Zauschwitz  nördlich  von  Pegau;  Messerchen. 

5.  Auf  Flur  Ilohnstädt  nördlich  von  Grimma:  geschliffenes  Flach- 
beil (13,8  cm  lang,  grösstes  Exemplar  aus  Sachsen). 

6.  Auf  dem  Gaumnitzhügel  bei  Casabra  bei  Oschatz;  1 ge- 
schliffenes Flachbeilchen,  1 gemuschelte  Pfeilspitze,  Bohrer,  Schaber, 
Messer,  N’uclei,  Splitter,  Kugler. 

7.  Auf  dem  Festenberg  bei  Baderitz  südwestlich  von  Mügeln: 
gemuschelte  Pfeilspitze. 

8.  Bei  Kiebitz  südlich  von  Mügeln:  Messerchen. 

9.  In  einer  Herdstelle  bei  Hof  bei  Stauchitz;  Messerchen. 

10.  Auf  Feldern  von  Xünchritz  und  Leckwitz  an  der  Elbe  bei  Riesa: 
mehrere  geschliffene  Flachbeilchen,  4 gemuschelte  Pfeilspitzen, 
Hunderte  von  Messern  und  Schabern,  sowie  zahlreiche  Splitter. 

11.  Bei  Radewitz  bei  Riesa:  Nucleus  und  Messerchen. 


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16 


12.  Bei  Coss ebaude  bei  Dresden:  3 geschliffene  Flachbeile,  1 Meisel. 

13.  Bei  Cotta  bei  Dresden,  in  Herdstellen:  zahlreiche  Messerchen, 
Schaber,  Pfeilspitzen,  Abfallsplitter,  Schlagsteine  oder  Kugler. 

14.  in  Löbtau  bei  Dresden,  in  Herdstellen:  zahlreiche  Messerchen 
und  Schaber,  1 Bohrer  und  Splitter  in  grosser  Anzahl. 

15.  In  der  Haide  nördlich  Weisser  Hirsch  bei  Dresden:  Messer  und 
Abfallsplitter. 

16.  Auf  Feldern  von  Sporbitz  südöstlich  von  Dresden:  geschliffenes 
Flachbeil. 

17.  Bei  Lockwitz  südöstlich  von  Dresden,  in  Trichtergruben:  Messer, 
Schaber,  Nuclei,  Klopfsteine,  Schleudersteine,  Bohrer,  Pfeil-  und 
Lanzenspitzen,  sowie  Abfallsplitter  in  grosser  Zahl. 

18.  Bei  Kamenz:  1 Flachbeilchen. 

19.  Am  Abgott  bei  Oehna  nördlich  von  Bautzen:  zahlreiche  Schaber 
und  Splitter,  1 Nucleus. 

Vorstehende  Zusammenstellung  will  auf  Vollständigkeit  nicht  Anspruch 
machen,  es  geht  jedoch  mit  Sicherheit  daraus  hervor,  dass  in  unserem 
Heimathlande  das  Kleingeräth  überwiegt.  Geschliffene  und  fein  ge- 
muschelte  Artefacte  sind  selten.  Es  besteht  darum  Neigung,  dieselben 
als  prähistorische  Importwaare  aus  nordischen  Ländern  anzusehen. 

Von  dem  rohbehauenen  Geräth  wird  man  gewiss  als  sicher  annehmen 
dürfen,  dass  dasselbe  im  Lande  hergestellt  wurde,  da  man  nicht  nur 
geeignetes  Rohmaterial,  sondern  auch  zahlreiche  Klopfsteine,  Nuclei  und 
Abfallsplitter  auf  ncolithischen  Plätzen  vortindet.  Solcher  Feuerstein- 
werkstätten haben  wir  demnach  im  eigenen  Vaterlaude  eine  ganze  Reihe. 
Die  ausgeprägteste  derselben  ist  jedenfalls  Lockwitz  bei  Dresden,  aber 
auch  Leckwitz  und  NUnchritz  bei  Riesa,  Casabra  bei  Oschatz  und  Oehna 
scheinen  ergiebig  zu  sein. 

Einzelne  der  kleinen  Geräthe,  wie  Schaber  und  Bohrer,  sind  am  Rande 
gemuschelt  oder  gedengelt,  um  an  der  abgenutzten  Schneide  neue  Schärfe 
zu  erzeugen.  Wenn  wir  nun  dem  neolithischen  Erzeuger  des  Gerüthcs  die 
Geschicklichkeit  Zutrauen,  sein  Handgeräth  zu  schärfen  und  Grünstein- 
beile zu  schleifen  und  zu  glätten,  so  mag  er  wohl  auch  fähig  gewesen 
sein,  kleine  Pfeilspitzen  zu  muscheln  und  Flachbeilchen  zu  schlagen  und 
zu  schleifen.  Es  ist  doch  auffällig,  dass  wir  in  unserem  Lande  nur  kleine 
Formen  von  Feuorsteingeräth  finden,  während  der  Norden  durchgehends 
Funde  von  bedeutenderen  Dimensionen  aufweist.  Dieser  auffällige  Unter- 
schied findet  leicht  und  einfach  seine  Erklärung,  wenn  man  annimmt,  dass 
unsere  neolithischen  V'orbewohner  wegen  der  quantitativ  und  qualitativ 
geringeren  Auswahl  an  Rohmaterial  eben  nur  kleinere  Formen  erzeugten, 
während  der  neolithische  Rugianer  bei  seinem  Reichthum  an  Rohstoff 
die  Dimensionen  anders  bemessen  konnte.  Sicher  würde  doch  auch  bei 
einem  Imi)ortiren  der  geschliffenen  Feuersteinbeile  vom  Norden  herein  die 
grössere  llandelswaare,  wie  sie  eben  der  Norden  führt,  eine  höhere  Be- 
werthung  erfahren  haben  als  kleineres  Geräth.  Es  dürfte  darum  die 
Annahme,  dass  gemuschelte  Pfeilspitzen  und  geschliffene  Flachbeilchen 
aus  Feuerstein  heimische  Prodiicte  seien,  nicht  als  unberechtigt  erscheinen. 
Da  allerdings  der  Feuerstein  bei  uns  in  Sachsen  nicht  überall  gleich 
häufig  vorhanden  ist,  so  ist  immerhin  möglich,  dass  vollkommen  aus- 
gestaltete Feuersteingerätlie  eia  Object  des  Binnenhandels  gewesen  sind. 


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Eine  gewisse  üebereinstimmung  zwischen  nordischen  und  sächsischen 
Fabrikaten  besteht  nicht  blos  hinsichtlich  der  Hauptformen  des  Geräthes, 
sondern  auch  in  Bezug  auf  die  Technik  der  Herstellung  (Klopfsteine, 
Nuclei,  Spähne  und  Splitter).  Es  erklärt  sich  diese  Harmonie  zum  Theil 
durch  die  Gleichartigkeit  des  Stoffes;  vielleicht  haben  auch  die  einge- 
wanderten Neolithen  unseres  Landes  die  Fertigkeit  der  Feuersteinbe- 
arbeitung mitgebracht. 

Drei  der  erwähnten  sächsischen  Werkstätten  (Leckwitz,  Nünchritz  und 
Casabra)  haben  übrigens  in  ihrer  örtlichen  Lage  noch  ein  Moment  gemein- 
sam, worin  sie  ebenfalls  den  Uügen’schen  Plätzen  gleichen:  sie  liegen 
sämmtlich  auf  einer  flachen  Bodenwelle;  der  Untergrund  wird  von  Kies 
oder  Sand  gebildet,  doch  das  Wasser  ist  nicht  allzuweit  entfernt. 


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III.  Zwei  neue  Funde  neolithischer  schniirverzierter 
Gefiisse  aus  Sachsen. 


Von  Prof.  Dr.  J.  DeiohmüUer. 


Klotzsche  bei  Dresden. 

Das  Gebiet  der  Haltestelle  Klotzsche  der  Dresden -Görlitzer  Eisen- 
bahn wird  nach  NO.  hin  von  einem  tiefen  Graben  begrenzt,  dessen 
Böschung  im  Herbst  1899  heftige  Regengüsse  zerrissen  und  zerfurcht 
hatten.  In  einem  der  Wasserrisse  waren  Gefiissscherben  biosgelegt  worden, 
welche  die  mit  der  Ausbesserung  der  entstandenen  Schäden  beschäftigten 
Arbeiter  zu  weiterem  Nachgrahen  veranlassten , wodurch  ein  ziemlich 
vollständiges  Gefäss,  das  Untertheil  eines  zweiten  und  neben  letzterem 
eine  wohlerhaltene  Steinaxt  zu  Tage  gefördert  wurden.  Die  Fundstücke 
gelangten  in  den  Besitz  der  K.  Prähistorischen  Sammlung  in  Dresden, 
leider  in  stark  verletztem  Zustande;  eine  nochmalige  Nachgrabung  an  der 
Fundstelle  verlief  fast  ergebnisslos,  da  seit  der  Auffindung  mehrere 
Wochen  vergangen  waren  und  die  örtlichen  Verhältnisse  eine  ausgedehntere 
Untersuchung  nicht  zuliessen. 

Die  Fundstelle  liegt  ganz  in  der  Nähe  des  in  den  Abhandlungen  der 
naturwissenschaftlichen  Gesellschaft  Isis  1899,  S.  86  beschriebenen  ürnen- 
feldes  vom  älteren  Lausitzer  Typus.  Der  Fund  besteht  insgesamnit  aus 
drei  Gefässen  und  einer  Steinaxt,  welche  nach  Angabe  der  Arbeiter  dicht 
bei  einander  in  geringer  Tiefe  unter  der  Erdoberfläche  ohne  Steinpackuug 
in  dem  lockeren  Haidesandhoden  standen;  Skelettreste  sind  nicht  be- 
obachtet worden. 

Das  am  besten  erhaltene  Gefäss  (Fig.  1),  ein  deutlich  in  Hals  und 
Bauch  gegliederter  Becher  mit  breiter  Bodenfläche,  soll  nach  Aussage 
der  Finder  gehenkelt  gewesen  sein,  doch  ist  ein  Henkel  nicht  mehr  vor- 
haiulen,  auch  die  Ansatzstelle  eines  solchen  weder  am  Gefässbauch  noch 
an  dem  erhaltenen  Theile  des  Halses  zu  bemerken.  Letzterer  steigt 
senkrecht  auf  und  ist  oben  wie  unten  mit  einer  vierfachen  horizontalen 
Schuurlinie,  dazwischen  mit  unregelmässig  schräg  schraftirten  Dreiecken 
aus  Schnureindrücken  verziert.  Acht  an  einander  gereihte  ähnliche  Drei- 
ecke uinsäumen  den  Hals  oben  auf  dem  Gefässbauch*).  Alle  Schnurein- 

*)  J)ie  Si'hnnrvcrzieniiigpn  sind  an  allen  liier  beschriebenen  Gefftssen  mit  nach 
recht.s  gedrehten  .Schnuren  bergest  eilt. 


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drücke  sind  paarweise  angeordnet  und  scharf  ausgeprägt.  Die  Aussen- 
fläche  des  sauber  ausgeführten,  ziemlich  hart  gebrannten  Gefässes  ist 
gelb-  bis  schmutzigbraun,  die  Innenfläche  dunkelgrau , der  Querbruch  der 
4 mm  starken  Wandung  schwarz  gefärbt.  Weisse  Quarzkörnchen  und 
dunkle  Glimmerblättchen  durchsetzen  in  reichlicher  Menge  den  zur  Her- 
stellung des  Gefässes  verwendeten  Thon. 

Von  einem  zweiten  Gefäss  (Fig.  2),  einem  gehenkelten  Krug  ist  nur 
ein  grösseres  Bruchstück  mit  dem  Henkel  und  der  Boden  erhalten 
geblieben.  Hals  und  Bauch  gehen  in  seicht  S-förmig  geschwungener 
Linie  ohne  scharfe  Trennung  in  einander  über.  13  unregelmässige, 
horizontale  Schnurlinien  bedecken,  z.  Th.  durch  den  Henkel  unterbrochen, 
die  ganze  Halsfläche 
mit  Ausnahme  eines  ca. 

9 mm  breiten  Streifens 
unter  dem  Rande,  an 
einander  gereihte, 
schräg  schraffirte,  mit 
der  Spitze  nach  unten 
gestellte  Dreiecke  aus 
Schnurlinien  den  obe- 
ren Theil  des  Gefäss- 
bauches.  Auch  der 
Henkel  trägt  Schnur- 
verzierung in  drei- 
facher, im  Zickzack 
gebrochener  Linie.  Die 
Verzierungen  sind 
scharf  eingedrückt.  Die 
äussere  Oberfläche  hat 
schmutzigbraune,  die 
innere  schwarzgraue, 
der  Querbruch  der  ca.  3,3  mm  starken  Wandung  schwarze  Färbung. 
Der  reichliche  Zusatz  von  z.  Th.  gröberen  Quarzkörnern  zu  dem  ver- 
wendeten Thon  macht  das  Gefäss  rissig  und  bröcklig. 

Von  dem  dritten  Gefäss  sind  leider  nur  so  wenige  Bruchstücke  vor- 
handen, dass  sich  dessen  Form  nicht  genau  feststellen  lässt.  Der  untere 
Theil  (Fig.  3)  ist  weitbauchig,  der  Hals  (Fig.  3a)  anscheinend  senkrecht. 
Das  Gefäss  unterscheidet  sich  von  den  beiden  andereu  desselben  Fundes  durch 
das  Fehlen  von  Schnurverzierungen,  an  deren  Stelle  Schnittverzierungen 
angebracht  sind.  Auch  hier  wird  die  Basis  des  Halses  von  an  einander 
gereihten,  schräg  schraffirten , mit  der  Spitze  nach  unten  gerichteten 
Dreiecken  in  roher  Ausführung  umsäumt  (Fig.  3b).  Wie  das  Bruchstück 
des  Halses  erkennen  lässt,  war  auch  dieser  mit  solchen  Dreiecken  verziert 
(Fig.  3a*).  Die  Striche  sind  scharf  und  tief  eingeschnitten.  Bemerkens- 
werth ist  die  im  Verhältniss  zur  Grösse  des  Getässes  geringe  Wandstärke 
von  ca.  4 mm.  Querbruch  wie  Innen-  und  Ausscnfläche  sind  erbsgelh  bis 
fleckig  gelbbraun  gefärbt,  dunkle  Glinimerblättchen  in  reichlicher  .Menge 
und  sparsamer  weisse  Quarzkörner  in  der  ganzen  .Masse  vertheilt. 

Die  hei  letzterem  Gefäss  gefundene  Steinaxt  (Fig.  4)  ist  am  Stielloch 
beiderseits  verstärkt,  der  Grundriss  fast  fünfseitig,  der  Querschnitt  am 
Bahnende  gerundet.  Bahn  und  Oberseite  sind  in  der  Längs-  und  (^uer- 


’/j  (1er  natürlichen  Grösse. 


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richtung  flach  gewölbt,  die  stärker  gewölbte  Unterseite  zeigt  Spuren  von 
FacettenschliflT.  Jn  der  Seitenansicht  verbreitert  sich  das  Geräth  nach 
der  scharf  gekrümmten  Schneide  zu  axtartig.  Die  Achse  des  nahezu 
cylindrischen,  oben  16,  unten  14,5  mm  weiten  Stiellochs  verläuft  fast 
genau  in  der  Ilichtung  der  Schneide,  der  Rand  der  Dohrung  ist  oben 
scharfkantig,  unten  verbrochen.  Die  Steinaxt  ist  aus  feinkörnigem  Diabas 
hergestellt,  allseitig  sorgfältig  abgeschliCfen  und  nur  wenig  verw'ittert. 

Dieses  Vorkommen  neolithischer  schnurverzierter  Gefässe  bei  Klotzsche 
ist  nicht  das  erste  in  dortiger  Gegend,  bereits  1888  wurde  beim  Grund- 
graben für  die  Villa  des  Hofstuckateurs  C.  B.  Hauer  in  Klotzsche- 
Königswald  unter  den  Wurzeln  eines  Baumes  vereinzelt  eine  sehnur- 
verzierte  Amphore  gefunden,  welche  sich  jetzt  in  der  Sammlung  des 
Fabrikbesitzers  Emil  Kühnscherf  in  Dresden  betindet.  Die  Fundstelle 
liegt  ca.  660  ra  in  südwestlicher  Richtung  von  der  ersteren  entfernt. 

Das  wohl  erhaltene  Gefäss  (Fig.  5)  hat  eine  Höhe  von  12,4  cm.  Der 
niedrige,  weite,  nach  innen  geschweifte  Hals  sitzt  auf  einem  fast  kugeligen 
Bauch,  der  über  der  BodenÜäche  eingeschnürt  ist;  wenig  über  dem  grössten 
Durchmesser  in  halber  Höhe  des  Gefässes  sind  zwei 


.0^  ' 3 rohe,  ca.  17,5  mm  breite,  horizontal  durchbohrte 

Henkel  angebracht.  Um  den  Hals  läuft  spiralig  ge- 
wickelt  eine  neunfache  horizontale  Schnurlinie,  welche 
^ r V w ^ nach  unten  umsäumt  wird  von  neun  an  einander 
\ ^ gereihten,  nach  unten  gerichteten  Dreiecken  aus 

\ / drei-  bis  fünffach  in  einander  gestellten  Winkeln 

y von  Schnurlinien,  welche  durch  je  fünf  kurze  senk- 

^ rechte  Schnurlinien  über  den  Henkeln  in  zwei  Gruppen 

'/j  der  natürlichen  Grösse,  zu  vier  und  fünf  Dreiecken  getrennt  werden.  Das 
Gefäss,  dessen  Wandungsstärke  am  Rande  des  Halses 
4 bis  5 mm  beträgt,  ist  ziemlich  roh  gearbeitet,  die  Oberfläche  uneben 
und  durch  den  reichlichen  Zusatz  von  Quarzkörnern  zu  der  Thonmasse 
rauh  und  körnig.  Die  Verzierungen  sind  flüchtig  und  wenig  scharf  aus- 
geführt, namentlich  in  dem  Saum  von  Dreiecken,  deren  Schnurlinien  bald 
regelmässig  parallel  in  breiten  Abständen  angeordnet  sind,  bald  dicht 
beisammen  liegen,  z.  Th.  in  einander  fliessen.  Das  Gefäss  ist  ziemlich 
hart  gebrannt  und  innen  wie  aussen  gelblichroth,  mit  erbsgelben  Flecken 
gefärbt. 

Die  Funde  von  Klotzsche  sind  bis  jetzt  die  südlichsten  im  Gebiet 
der  neolithischen  schnurverzierten  Keramik  innerhalb  des  Königreichs 
Sachsen,  welche  sich  von  hier  aus  über  eine  schmale  Zone  längs  des 
Elblaufs  bis  in  die  Gegend  von  Riesa  verbreitet,  einerseits  nach  Westen 
hin  durch  ähnliche  Funde  bei  Lommatzsch,  Oschatz,  Wurzen,  Leipzig, 
Zwenkau  und  Pegau  mit  dem  grossen  thüringischen  Steinzeitgebiet  zu- 
saramenhäugt,  andererseits  mit  ihren  östlichen  Ausläufern  bis  in  die 
Gegend  von  Bautzen  reicht.  Im  unteren  sächsischen  Elbthal  ist  als 
neuer  Fund  der  eines  schnurverzierten  eimerartigen  Bechers  bei 


NUnchritz 

hinzugekommen.  Das  Gefäss  wurde  im  Februar  1900  beim  Abräumen 
der  Erddccke  im  Hangenden  eines  der  zwischen  Nünchritz  und  Sageritz 
in  dem  dort  anstehenden  Biotitgneiss  betriebenen  Steinbrüche  gefunden 


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und  der  Dresdner  Prähistorischen  Sammlung  von  Lehrer  K.  Peschei  in 
Niinchritz  zum  Geschenk  gemacht. 

Der  Becher  (Fig.  6)  ist  fast  cylindrisch  mit  nur  leicht  geschweifter 
Wandung  und  war  dicht  über  der  mittleren  Höhe  mit  einem  kleinen, 
12  mm  breiten,  horizontal  durchbohrten  Henkel  versehen,  der  aber  vom 
Finder  abgestossen  worden  und  verloren  gegangen  ist.  Das  sauber  aus- 
geführtc  Gefäss  hat  eine  Höhe  von  8, .5  cm  und  eine  Wandungsstärke  von 
4 mm.  Ein  6 mm  breiter  Streifen  längs  des  Oberraiides  und  wenig  mehr 
als  das  untere  Drittel  der  Aussontläche  sind  unverziert,  das  obere  Drittel 
wird  von  zehn  horizontalen  Schuurlinien  bedeckt,  welche  z.  Th.  durch  den 
Henkel  unterbrochen  und  nicht  schraubenförmig,  sondern  in  einzelnen 
Hingen,  deren  Anfang  und  Ende  au  mehreren  Stellen  deutlich  sichtbar 
werden,  um  das  Gefäss  gelegt  sind.  Den  Abschluss  nach  unten  bildet 
ein  Saum  von  neun  Dreiecken,  deren  Spitzen  nach  unten  stehen  und  die 
aus  je  vier  regelmässig  in  einander  gelegten  Winkeln  von 
Schnurlinien  zusammengesetzt  sind.  Die  Henkelansätze  lassen 
erkennen,  dass  auch  auf  dem  Henkel  fünf  senkrechte  Schnur- 
linien angebracht  waren.  Die  Schnurverzierungen  sinil  regel- 
mässig gelegt  und  scharf  abgedrückt.  Das  Gefäss  ist  aus 
reichlich  mit  Quarzkörnchen,  spärlich  mit  feinen  Glimmer- 
blättchen gemengtem  Thon  hergestellt  und  fest  gebrannt. 

Durch  die  röthlichgelbe,  sehr  dünne  Oberflächenschicht 
scheint  die  scbwai'ze  Färbung  des  Inneren  vielfach  hindurch. 

Die  Funde  von  Klotzsche  und  Nünchritz  haben  die  aus  dem  König- 
reich Sachsen  bekannte  neolithische  schnurverzierte  Keramik  durch  neue 
Formen  oder  Ornamente  nicht  wesentlich  bereichert.  Becher  wie  Fig.  1 
mit  deutlicher  Gliederung  in  Hals  und  Bauch,  z.  Th.  gehenkelt,  waren 
bereits  früher  bei  Cröbern  südlich  Leipzig,  bei  Stauda  bei  Priestewitz, 
bei  Nadelwitz,  Lubaebau  und  Quatitz  in  der  Umgegend  von  Bautzen 
gefunden  worden,  Amphoren  wie  Fig.  5 bei  Auritz  östlich  Bautzen  und 
in  mehreren  Exemplaren  bei  Cröbern.  Fundorte  für  cylindrische  Becher 
wie  Fig.  6,  ein-  oder  zweihenkelig,  sind  Cröbern,  Burgstädt  (V),  Bornitz 
bei  Oschatz  und  Niedercaina  bei  Bautzen.  Nur  die  in  Fig.  2 abgebildete 
Krugform,  ungegliedert  mit  S-förmig  geschweiftem  Profil,  scheint  bisher 
aus  Sachsen  noch  nicht  bekannt  zu  sein;  einige  Aehulichkeit  mit  dieser 
F'orm  zeigt  der  durch  H.  Jentsch*)  beschriebene  Krug  von  Strega  in  der 
Niederlausitz.  Unter  den  Verzierungsmustern,  welche  in  mannigfaltiger 
Abwechselung  zu  den  häufigsten  der  neolithischen  schnurverzierten  Keramik 
gehören,  ist  die  an  dem  Becher  Fig.  1 streng  durchgeführte  paarige 
Anordnung  der  Schnurlinien  bemerkenswerth. 

Die  hier  besprochenen  Gefässformen  haben  von  Neuem  gezeigt,  dass 
sich  die  neolithische  Schnurkeramik  im  Königreich  Sachsen  in  Form  wie 
Ornamentirung  an  die  Thüringens,  speciell  des  Saalegebietes**)  eng  an- 
schliesst,  deren  Einfluss  sich  bis  in  die  sächsische  Lausitz  geltend  macht. 


*/s  der  natUrl. 
Grüsse. 


♦)  Niederlansitzer  Mittheilnngeu  Bd.  VI,  Hft.  2,  1900,  S.  55,  Fig.  1. 

**)  A.  Götze:  Die  Gefässformen  und  Ornamente  der  neoüthischen  schnurverzierten 
Keramik  im  Flussgebiete  der  Saale.  Jena  1S91. 


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IV.  Spätslavisches  Skelettgräberfeld  bei  Niedersedlitz. 

Von  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 


Im  April  1900  theilte  mir  Herr  Caiid.  jur.  Alexander  Teetzmann 
mit,  dass  an  der  Windmühlenstrasse  in  Niedersedlitz  beim  Abgraben  von 
Kiesmassen  ein  slavisches  Skelettgräberfeld  aufgedeckt  worden  sei. 
Leider  kam  diese  Nachricht  zu  spät,  um  der  Vernichtung  der  Kunde  Vor- 
beugen zu  können,  denn  als  ich  anderen  Tages  die  Fundstelle  besichtigte, 
waren  die  letzten  Gräber  bereits  beseitigt  und  zerstört.  Neue  Funde 
haben  sich  seitdem  nicht  wieder  gezeigt,  obgleich  die  jetzt  beendeten 
Ausschachtungsarbeiten  um  mehrere  Meter  weiter  vorgeschritten  und  auch 
nach  Süden  ausgedehnt  worden  sind. 

Die  Fundstätte  liegt  am  östlichen  Rande  der  den  Ausgang  des  Thaies 
zwischen  Lockwitz  und  Niedersedlitz  auf  dem  linken  Ufer  des  Lockwitz- 
baches begleitenden,  flach  nach  N.  geneigten  diluvialen  Schotterterrasse, 
die  nach  dem  Bache  zu  durch  eine  mehrere  Meter  hohe  Steilböschung 
abgeschnitten  wird.  Die  von  Niedersedlitz  nach  der  Lockwitz -Dresdner 
Landstrasse  an  der  ehemaligen  holländischen  Windmühle  vorüberführende 
Windmühlenstrasse  durchschneidet  diese  Böschung  etwa  350  m östlich  der 
Mühle.  Südlich  dieses  Punktes  sind  im  März  und  April  d.  J.  die  Schotter- 
massen längs  des  Terrassenrandes  in  ca.  1,8  bis  2,o  m Mächtigkeit  von 
0.  nach  W.  ahgegrahen  worden,  um  zur  Anschüttung  neuer  Strassenkörper 
in  Niedersedlitz  Verwendung  zu  finden.  Hierbei  stiessen  die  Arbeiter 
auf  Reihen  von  Skeletten,  die  aber  bis  auf  wenige  unbedeutende  Reste 
zerstört  wurden.  Herr  Teetzmann  hatte  noch  Gelegenheit,  den  Rest  eines 
Kindesgrabcs  zu  untersuchen  und  hierbei  eine  Silbermünze  zu  finden. 

Üeber  die  Anordnung  und  den  Inhalt  der  Gräber  konnte  mir  der 
die  Erdarbeiten  leitende  Schachtmeister  einige  Mittheilungen  geben. 
Hiernach  wurden  etwa  20  bis  22  Gräber  gefunden,  die  in  drei  in  nord- 
südlicher  Richtung  verlaufenden  Reihen  angeordnet  waren.  Die  Gräber 
begannen  ca.  60  in  südlich  der  Windmühlenstrasse;  die  erste  Reihe  lag 
ungefähr  8 m vom  Rande  der  Terrasse  entfernt  und  bestand  aus  vier  oder 
fünf  Gräbern,  darunter  ein  Kindergrab.  Durch  einen  ca.  1 m breiten 
Streifen  davon  getrennt  folgte  eine  zweite  Reihe  aus  sieben  oder  acht 
und  weiter  im  gleichen  Abstande  eine  dritte  aus  neun  Gräbern,  unter 
diesen  mehrere  Kindergräber.  Die  Grabstellen  je  einer  Reihe  waren 
ca.  0,9  bis  1,0  in  von  einander  entfernt,  wenn  auch  nicht  immer  in  gleichen 
Zwischenräuinen;  die  Skelette  sollen  nicht  senkrecht,  sondern  schief  zur 
Längsachse  der  Reihen  in  der  Richtung  WNW\ — OSO.  gelegen  haben. 


Diyiiizöd  by  tjoogle 


23 


Pig.  1. 


Aufgefallen  ist  dem  Schachtmeister  die  wechselnde  Lage  der  Skelette  in 
den  drei  Reihen:  in  der  ersten  waren  dieselben  mit  dem  Kopf  nach  W., 
mit  den  Füssen  nach  0.  orientirt,  in  der  zweiten  umgekehrt,  während  in 
der  dritten  Reihe  die  Anordnung  der  ersten  sich  wiederholte.  Die  Gräber 
zweier  benachbarter  Reihen  alternirten  mit  einander. 

Die  Skelette  lagen  gestreckt  auf  dem  Rücken  in  90  bis  96  cm  Tiefe 
unter  der  Oberfläche  ohne  Unterlage  auf  dem  Kiesgrund.  In  der  Be- 
stattungsform hat  sich  zwischen  Erwachsenen  und  Kindern 
ein  Unterschied  bemerkbar  gemacht:  während  die  Leichen 
Erwachsener  ohne  jede  Umhüllung  in  der  Erde  ruhten, 
waren  die  Kinderleichen  kistenarti^  mit  Plänersandstein- 
platten umbaut,  die  derart  auf  die  Schmalseite  gestellt 
waren,  dass  die  Ränder  der  einzelnen  Platten  die  der 
beiden  benachbarten  überdeckten,  auch  sollen  solche 
Platten  zuweilen  den  Kopf  der  Kinderleichen  bedeckt  haben 
(Fig.  1).  In  einigen  Gräbern  erwachsener  Individuen  ist 
weiter  beobachtet  worden,  dass  auf  der  Leiche  einzelne 
grössere,  flache  Gerolle  und  darauf  Holzkohlen  lagen.  Die 
Gräber  selbst  hoben  sich  durch  dunklere  Färbung  von 
dem  lichteren  Kiesgrund  der  Umgebung  ab. 

Von  dem  Inhalt  der  Gräber  ist  leider  nur  sehr  wenig 
gerettet  worden,  obgleich  die  Skelette  der  Erwachsenen 
gut  erhalten,  die  der  Kinder  aber  meist  zerdrückt  gewesen  sein  sollen. 
Von  Skelettresten  sind  erhalten  der  unvollständige  Schädel  eines  älteren 
Individuums  und  zwei  Bruchstücke  von  Unterkiefern  kindlicher  Leichen, 
von  Beigaben  das  Bruchstück  eines  Thongefässes  und  eine  Silbermünze. 
Sämmtlicbe  Funde  sind  der  K.  Prähistorischen  Sammlung  in  Dresden  über- 
geben worden. 

Die  nachstehenden  Mittheilungen  über  die  Skelettreste  verdanke  ich 
Herrn  Dr.  Jablonowski,  Assistenten  am  K.  Zoologischen  und  Anthro- 
pologisch-Ethnographischen Museum  in  Dresden,  welcher  auf  meine  Bitte 
die  Untersuchung  derselben  bereitwilligst  vorgenommen  hat. 

„1.  Fragment  eines  ziemlich  geräumigen  Schädels,  aus  verschiedenen 
Stücken  zusammengeleimt.  Das  Schädeldach  ist  ziemlich  vollständig 
erhalten,  doch  fehlen  u.  a.  die  vorderen  Partieen  der  Squama  frontalis; 
sonst  sind  nur  noch  geringe  Reste  der  Seitenwände  und  der  Basis  vorhanden, 
darunter  die  Squama  occipitalis  fast  vollständig  und  von  den  Schläfen- 
beinen die  Pyramiden  und  die  Umgebung  des  Porus  acusticus  externus. 

Farbe  im  Ganzen  schmutzig  braun -gelb,  stellenweise  heller  oder 
dunkler.  Oberfläche  vielfach  angegrifien,  Knochensubstanz  sehr  zerreiblich. 

Sutura  coronalis,  sagittalis  und  lambdoidea  verstrichen  'oder  stark 
im  Verstreichen,  an  der  inneren  Oberfläche  im  Allgemeinen  in  höherem 
Grade  als  an  der  äusseren,  übrigens  regelmässig  gebildet 

Norma  verticalis  eiförmig.  Norma  occipitalis  fünfeckig,  die  drei 
oberen  Winkel  abgerundet  der  Spitzenwinkel  ziemlich  flach.  In  der  Norma 
temporalis  erscheint  der  Umriss  des  Schädeldaches  aus  drei  ziemlich 
geradlinigen  Abschnitten  zusammengesetzt:  der  erste  reicht  bis  etwa  zur 
Grenze  zwischen  zweitem  und  drittem  Fünftel  der  Sutura  sagittalis,  der 
zweite  bis  zur  Mitte  des  Planum  occipitale  der  Squama  occipitalis,  der  dritte 
bis  zum  hinteren  Rande  des  Foramen  magnum.  Der  höchste  Punkt  der 
Scheitelcnrve  fällt  anscheinend  in  das  zweite  Fünftel  der  Sutura  sagittalis. 


,uglt 


24 


Squama  frontalis  wenig  gewölbt,  Tuber  frontale  kaum  bervortretend. 
Foramina  parietalia  vorhanden,  linkes  grösser;  Tuber  parietale  wenig  aus- 
geprägt. Protuberantia  occipitalis  externa  sehr  schwach  markirt.  Es 
lassen  sich  beiderseits  ca.  3 bis  4 cm  weit  deutliche  Reste  der  Sutura 


occipitalis  transversa  wabrnehmen.  Im  lateralen  Theile  der  Sutura  lamb- 
doidea  beiderseits  Nahtknocben,  darunter  rechts  zwei  grössere.  Planum 
nuchale  squamae  occipitalis  schwach  skulpirt,  nur  Leiste  für  den  Musculus 
obliquus  capitis  superior  sehr  kräftig.  Incisura  mastoidea  ziemlich  tief. 
Fossa  mandibularis  tief,  mit  kräftigem  Ttiberculum  articulare  posticum, 
besonders  rechts.  Linea  temporalis  frontal  schwach  ausgeprägt,  weiter- 
hin undeutlich,  ihre  supramastoidale  Partie  wulstig.  Porus  acusticus 
extemus  oval,  vorgeneigt;  Spina  und  Fossula  supra  meatum  ausgeprägt. 
Processus  mastoideus  massig  gross.  — An  der  Innenfläche  am  Os  parietale 
deutliche  Sulci  meningei,  am  Os  occipitale  die  Eminentia  cruciata  stark 
ausgeprägt. 

Folgende  Maasse  lassen  sich  annähernd  bestimmen:  grösste  Breite 
ca.  144  mm,  Intertuberal- Länge  ca.  183  mm  (?)  (vorderer  Messpunkt  am 
Schädel  nicht  erhalten),  Ohrhöhe  ca.  113  mm.  Danach  würde  sich  ein 
Längen-Breiten-Index  = 78,7  (?),  ein  Längen-Ohrhöhen-Index  = 61,7  (‘.■‘) 
ergeben,  der  Schädel  also  als  raeso-orthocephal  zu  bezeichnen  sein. 

2.  Ein  Stück  Alveolarfortsatz,  entsprechend  den  linken  Incisivi  und 
kleinen  ar^renzenden  Partieen,  vom  Unterkiefer  eines  etwa  achtjährigen 
Kindes.  Es  zeigt  mehrfach,  besonders  am  Limbus  alveolaris  incis.  sin., 
grüne  Färbung*). 

Die  Alveolen  der  beiden  linken  Incisivi  des  Milchgebisses  sind  voll- 
ständig vorhanden,  aber  leer.  Incis.  1 sin.  des  Dauergebisses  nahe  am 
Durchbrechen,  2 war  ungefähr  ebenso  weit  entwickelt,  ist  aber  verloren. 

3.  Ein  Stück  des  linken  Alveolarfortsatzes,  entsprechend  dem  Caninus 
bis  Molaris  2,  vom  Unterkiefer  eines  etwa  zwölfjährigen  Kindes.  Unten 
ist  an  dem  Bruchstück  das  Foramen  mentale  gerade  noch  erhalten.  — 
Von  Zähnen  sind  vorhanden:  vom  Milchgebiss  der  1.  und  2.  Molar,  vom 
bleibenden  Gebiss  1.  Molar,  Caninus  (mit  der  Krone  bis  zur  halben  Höhe 
vorgerückt),  Praemolaris  1 (im  Begriff  hervorzubrechen  und  den  1.  Milch- 
molaren zu  ersetzen)  und,  noch  im  Kiefer  verborgen,  Praemolaris  2.  — 
Die  drei  functionirenden  Zähne  ersten  bis  leicht  zweiten  Grades  abge- 
schliffen; der  Dauermolar  ausserdem  mit  beginnender  Caries.“ 


Beigaben  sind  nach  Aussage  des  Schacht- 
meisters  nur  in  zwei  Gräbern  gefunden 
worden  und  zwar  ein  Thongefäss  bei  dem 
® j : Skelett  eines  Erwachsenen  und  eine  Silber- 

münze  am  Unterkiefer  einer  Kiuderleicbe, 
M y-  1.  letztere  von  Herrn  Teetzmann  gefunden. 

H w ‘1®"*  ursprünglich  unverletzten,  von 

S y'  ; ’ ■ ilen  Arbeitern  aber  zerschlagenen  Gefäss 

\ / ist  nur  noch  ein  Bnichstück  (Fig.  2)  vor- 

r',  '•■/  banden,  aus  welchem  sich  die  ungefähre 

!T“!  Form  des  Gefässes  ersehen  lässt.  Es  ist 

Fis.  2.  der  natürlichen  Grosse.  «lavischen  Burgwällen,  Siedelungen 

und  Gräbern  wiederholt  aufgefundene  henkellose  Topf  oder  Napf  mit  ab- 


der  natürlichen  Grösse. 


*)  Au  diesem  Unterkiefer  ist  die  später  erwähnte  SilbermUnze  gefunden  worden. 


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26 


gestampft  kegeligem  Untertheil,  auf  welchem  ein  niedriger,  eingeschnürter, 
nach  aussen  geschweifter  Hals  mit  scharf  abgestrichenein  Rand  aufgesetzt 
ist.  Die  Kante  zwischen  Hals  und  Bauch  ist  mit  einer  Reihe  schräger 
ovaler  Eindrücke  verziert.  Der  obere  Durchmesser  des  Gefässes  beträgt 
13  cm,  die  Wandungsstärke  3,6  bis  7,o  mm.  Das  Material  ist  reichlich 
mit  Quarzkörnchen  durchsetzt;  dichtgedrängte  feine  Horizontalstreifen  auf 
der  Innenwandung  und  auf  der  Aussenseite  des  Halses  weisen  auf  die 
Herstellung  mittels  der  Drehscheibe  hin;  der  Brand  ist  hart,  die  Farbe 
schmutzig-  bis  röthlichgelb,  mit  einzelnen  schwarzen  Flecken. 

Die  an  der  einen  Seite  beschädigte  Silbermünze  (Fig.  3)  hat  durch 
Oxydation  so  stark  gelitten,  dass  das  Gepräge  nur  undeutlich  sichtbar 
wird.  Der  Rand  ist  beiderseits  erhaben.  Auf  der  besser 
erhaltenen  Seite  sieht  man  innerhalb  eines  anscheinend 
geperlten  Kreises  eiti  Kreuz,  zwischen  dessen  breitdrei- 
eckigen  Armen  sich  je  eine  Perle  bez.  eine  Winkel- 
verzierung mit  Perle  gegenüberstehen.  Die  Rückseite 
zeigt  in  einem  Kreis  ein  Kreuz  mit  schmalen  Armen, 
an  deren  Enden  je  zwei  (oder  drei?)  Perlen  stehen.  Die  Umschriften 
zwischen  Rand  und  Perlenkreis  sind  beiderseits  unleserlich.  Der  Durch- 
messer der  Münze  beträgt  11  mm.  Nach  Bestimmung  durch  Herrn 
Geh.  Hofrath  Dr.  Erbstein,  Director  der  K.  Münzsammlung  in  Dresden, 
ist  die  Münze  ein  Wendenpfennig,  sogenannter  Hälbling  der  späteren 
Gruppe  aus  dem  11.  Jahrhundert  nach  Chr. 

Das  Niedersedlitzer  Gräberfeld  gehört  demnach  den  ersten  J.ahr- 
hunderten  des  zweiten  christlichen  Jahrtausends  an. 

Die  weitere  Umgebung  der  Fundstätte  ist  ziemlich  reich  an  Ueber- 
resten  aus  slavischer  Zeit.  Manche  der  in  der  Nähe  gelegenen  Dörfer 
lassen  die  alte  slavische  Dorfform  des  Rundlings  noch  jetzt  deutlich  er- 
kennen, sehr  klar  z.  B.  Grossborthen,  wie  auch  Niedersedlitz  und  Sobrigau 
in  ihren  ältesten  Theilen.  Der  jetzt  zum  grössten  Theil  eingeebnete 
Burgwall  auf  der  Höhe  über  dem  Steinbruch  an  Adam’s  Mühle  bei  Lock- 
witz ist  eine  reiche  Fundgrube  für  Gefässscherben  vom  Burgwall -Typus*), 
ebenso  wie  die  Herdstellen  in  den  alten  Siedelungen  im  Hof  des  Ritter- 
gutes in  Lockwitz  und  südlich  von  Neuostra  au  der  Strasse  nach  Gostritz. 
Derartige  Herdstellen  mit  Gefässresten  und  ringförmigen  Webstuhlgewichten 
sind  neuerdings  in  der  Lehmgrube  der  Ziegelei  von  Pahlisch  & Voigt  in 
Prohlis**)  aufgeschlossen  worden.  Auch  die  bei  Sobrigau  entdeckten 
Skelettgräber***)  aus  frühchristlicher  Zeit  sind  von  einer  slavischen  Be- 
völkerung angelegt  und  dürften  zeitlich  von  den  Skelettgräbern  bei  Nieder- 
sedlitz kaum  verschieden  sein. 


*)  .Sitzungsberichte  der  Lsis  in  Drc.sden  1878,  S.  24;  1891,  S.  11;  1898,  S.  7. 
*♦)  Ueber  Berg  und  Thal,  19(X),  No.  3 (2(55),  S.  2,'lt). 

***)  Ebenda,  1891,  No.  3 (157),  S.  125. 


Fig.  3. 

Natürliche  Grösse. 


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y.  Yorliluftge  Bemerkungen  über  die  floristische 
Kartographie  von  Sachsen.*) 

Von  Prof.  Dr.  O.  Drude. 


Von  grösster  Bedeutung  und  allseitig  begründetem  Ansehen  ist  der 
Äntheil,  welchen  die  Landesgeologie  durch  ihre  genauen  kartographischen 
Aufnahmen  an  der  Geographie  Mitteleuropas  genommen  hat  und  weiterhin 
vertieft  ausarbeitet. 

Dass  die  planmässigen  Landesdurchforschungen  auch  hinsichtlich  der 
Flora  schliesslich  zu  kartographischen  Zusammenfassungen  führen  müssen, 
ist  selbstverständlich.  Schon  oft  sind  Uebersichtskarten  den  Floren  bei- 
gefügt;  es  ist  zu  wünschen,  dass  dieselben  stets  mehr  in  die  hohen 
Leistungen  eintreten,  welche  den  geologischen  Landesaufnahmen  seit  lange 
innewohnen.  Es  handelt  sich  hierbei  — in  Anbetracht  Sachsens  und 
Thüringens  — um  die  Aufnahme  „kleiner  Länder  in  grossem  Maass- 
stabe“, wie  ich  das  Verfahren  in  Kürze  auf  dem  internationalen  Geographen- 
tage zu  Berlin  1899  charakterisirte  und  an  die  Formations- Kartographie 
anschloss.  (In  dem  darüber  von  der  Hettner’schen  ,, Geographischen  Zeit- 
schrift“, Jahrgang  V,  1899,  Heft  12,  S.  697  enthaltenen  Bericht  ist  irr- 
thümlich  als  der  Maassstab,  unter  welchen  die  topographisch -botanischen 
Karten  nicht  wesentlich  sinken  sollen,  1 : 500000  anstatt  1 : 200000  an- 
gegeben, was  hier  ausdrücklich  hervorgehoben  werden  mag.  Eine  passende 
Grundlage  für  die  Flora  um  Dresden  würden  z.  B.  die  beiden  Blätter 
31“61“  und  32“51''  Dresden  und  Bautzen,  in  1:200000  herausgegeben 
vom  K.  K.  Militär-geographischen  Institut  in  Wien,  liefern.  Dieselben 
stellen  das  ganze  Gelände  zwischen  Scheibenberg  im  Erzgebirge  und  dem 
Muskauer  Forst  nördlich  von  Görlitz  in  brauner  Gebirgsschununerung, 
blauen  Wasserläufen  und  grünen  Waldflächen  plastisch  dar  und  erlauben 
die  Eintragung  tloristisch  hervorragender  Punkte.) 

Als  allgemeinen  Grundsatz  für  solche  floristische  Kartographien 
betrachte  ich,  dass  man  mit  allen  Hilfsmitteln  dahin  strebt,  die  Be- 
ziehungen der  Bodenbedeckung  zu  den  massgebenden  äusseren 
Factoreu  in  der  Orographie  und  Hydrographie  und  dem  dadurch 
modificirten  örtlichen  Klima  aufzudecken,  und  ferner  bei  der  .\n- 
gabe  der  herrschenden  Formationsgruppen  — Wald,  Wiese,  Moor,  Haide, 


•)  Vortrag,  gehalten  in  der  botani-schen  Section  der  natorwissenschaftlichen  Ge- 
sellschaft Isis  m Dresden  am  8.  März  ItClU. 


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27 


Felsgehänge,  Teiche  etc.  — deren  allgemeine  Bezeichnung  durch 
Angabe  der  hauptsächlichsten  Charakterpflanzen  mit  der 
8j>eciellen  Landesflora  zu  verbinden.  Es  sollen  also  die  floristischen 
Karten  in  ihrer  Farbengebung  ebenso  ein  deutliches  topographisches  Bild 
des  Landes,  als  auch  die  nothwendigen  botanischen  Einzelheiten  dar- 
bieten. 

Botanische  Institute  können  ihre  systematischen  Herbarsammlungen 
durch  genaue  topographische  Karten  im  Anschluss  an  besondere  Formations- 
herbarien ergänzen,  wie  das  jetzt  die  botanische  Sammlung  der  Technischen 
Hochschule  ausführt.  Als  Vorlage  eines  einzelnen  Kartenblattes  mag  hier 
die  Section  No.  67  der  topographischen  Karte  von  Sachsen  1 : 25000  dienen, 
Blatt  Pillnitz,  welche  in  Farbstift-Colonrung  die  Formationen  der  Hügel- 
wälder, Haidewälder,  Bergschluchtenwälder  mit  Tanne  und  Bergahorn, 
der  sonnigen  Geröllhänge  mit  trockenen  Grastriften  und  Weinbergen,  der 
Flussniederungs-  und  der  Moorwiesen  am  Bande  von  Teichen  neben  ein- 
ander hinstellt  und  durch  eingetragene  Ziflern  die  besondere  Formations- 
auspräguug  nach  dem  jetzt  von  mir  dafür  entworfenen  Eintheilungsschema, 
sowie  die  Standorte  hervorragend  wichtiger  Species  kenntlich  macht. 
Solche  topographische  Karten  in  1:25000  sind  zur  Vervielfältigung 
im  Druck  zu  umfangreich;  nur  gleichsam  als  Probeblätter  können  einzelne 
von  besonderer  Wichtigkeit  herausgegeben  werden.  Sie  eignen  sich  aber 
vorzüglich  als  Unterlage  für  die  im  Druck  herauszugebende,  zusammen- 
fassende Karte,  besonders  dann,  wenn  sie  die  Verbreitung  solcher  wichtiger 
Arten  genau  darstellt,  welche  zur  Kennzeichnung  einzelner  Formationen 
besonders  geeignet  sind  oder  w'elche  sogar  die  Abgrenzung  kleinerer  Landes- 
territorieu  begründen. 

Auf  diese  Auswahl  hervorragender  Arten  in  der  weiteren  Umgebung 
von  Dresden  möchte  ich  zunächst  eingehen  und  deren  Einzelstandoi-te,  be- 
ziehentlich Nord-  oder  Südgrenzen  der  Verbreitung  zur  genaueren  Bekannt- 
gabe durch  vielfältige  Mitarbeiterschaft  empfehlen.  Sie  zerfallen  natur- 
gemäss  in  die  drei  Gruppen  der  Bergpflanzen,  Arten  des  warmen  Hügel- 
landes und  diejenigen  der  Lausitzer  Teichniederung. 

I.  Montane  Arten,  deren  Nordgrenzen  genau  festzustellen  sind  (bei 
den  mit  * bezeichneten  .selteneren  Arten  die  Einzelstandorte  in  Voll- 
ständigkeit). 

Ahies  pectinata 
Acer  Rcudoplatanus 
Sambums  racemosa 
Senecio  nemoreiisis 
Actaea  spicata 
Prenanthes  purpurea 
Arunms  silventer 
Kuphorbia  dulcis 
Thalictnnn  aquileaifoUum 
Calamagrontis  Himeriana 
Luzula  silvaticn 

II.  Arten  des  Hügellandes,  deren  Anschluss  an  das  Elbhügelland 
durch  Süd-  und  Nordgreuzen  genauer  festzustellen  ist,  beziehentlich  * öst- 
liche Arten  mit  Westgrenzen  in  Sachsen. 


Thlaspi  alpedre 
Meum  atlmmanticnm 
Cirsium  heterophyllum 
Orchis  mascula 

* — samhttcina 

* — ylobosa 

* Astrantia  major 
'Dianlhus  Seguicri 
*Denturia  enneuphyüa 

* Viola  bißura. 


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28 


a)  Leitpflanzen  der  Elbhügel- 
Formationen.*) 


b)  Einzelstandorte. 


Cytisus  nigricans 
Andropogun  Ischactnum 
Scabiosa  ochrolenca 
Peucedanum  Oreosdinum 
Pulsatilla  pratensis 
Centaurea  maculosa  (=  panicuhta) 


Antherimm  Liliago 
Carex  humUis 
I * Omphalodes  scorpioidcs 
i * OlaUiohis  imbricatus 
i *Iiosfi  trachi/phylla  subsp.  Jinuhilli 
* Symphytum  tuberosum. 


c)  Gemeine  Cbarakterarton  des  Hügellandes. 


Verbascum  Lychnitis 
Chrysanthcm  um  corymbosum 
Inula  Conyza 
Salvia  pratensis 


I Cynanchiim  Vincetoxicum 
■ Trifolium  alpestre 
I — montanuni 
\ Dianthus  Carthusianorum. 


d)  Nord-  und  Südgrenzen  von  Wiesenpflanzen. 

Ornithogalum  umbellatum  'Iris  sibirica. 

Hi.  Atlantiscli- baltische  Niederungsarten,  deren  Südgrenzen  genau 
festzustellen  sind  (bei  den  mit  * bezeicbneten  selteneren  Arten  die  Einzel- 


standorte in  Vollständigkeit). 

Teesdalia  nudicauUs 
Corynephorus  canescens 
Udichrysum  arcnarium 

Drosera  intennedia 
Peucedanum  (Thyssdinum)  palustre 
Hydrocotyle  vulgaris 
Hydroeburis  Morsus  ranae 

* Lysimachia  thyrsiflora 
'Carex  filiformis 

* Rhynchospora  alba 


* Rhynchospora  f usca 
' Lycopodiu m inundatum 
* Oenfiana  Pneumonanthe 
'Erica  Tetralix 


' Alisma  natiins 
^ 'Stratiotes  alaides 

I 'Ledum  palustre  (im  Elbsandstein- 
j gebirge  als  niedere  Bergpflanze). 


Der  besseren  Uebersiebt  wegen  stelle  ich  dieselben  Arten  nochmals 
in  alphabetischer  Iteihenfolgo  mit  abgekürzten  Signaturen  zusammen,  welche 
auf  den  topographischen  Karten  in  1:25  000  direct  Verwendung  finden 
können : 


Abies  pectinata  Ab.  p. 

Acer  l^eudoplatanus  A.  Ps. 
Actaea  spicata  .Act. 

Alisma  natuns  Al.  n. 
Andropogon  Ischaemum  And. 
Anthericum  Liliago  .A.  L. 
Aruncus  Silvester  Ars. 

Astrantia  major  Ast. 
Calainagrostis  Halleriana  C.  H. 
Carex  filiformis  Cr.  f. 

— humilis  Cr.  h. 


i Centaurea  maculosa  Ct.  m. 
Chrysanthemum  corymbosum  Cb.  c, 
Cirsium  heterophyllum  Cs.  h. 

■ Corynephorus  canescens  Cor. 

Cynanchiim  Vincetoxicum  Cyn. 

! Cytisus  nigricans  C.  ng. 

’ Dcntaria  cnneaphylla  Dt.  e. 

Dianthus  Carthusianorum  D.  C. 

' — Seguieri  D.  S. 

; Drosera  intermedia  Dr.  i. 

I Erica  Tetralix  E.  T. 


*)  Siehe  Festschrift  der  Isis  IfWö,  S.  84,  und  Isis- Abhandlungen  1895,  S.  .89. 


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Euphorbia  dtUcis  Eu.  d. 

Gentiana  Pneimonanthe  G.  P. 
Gladiolus  imbricatus  Gl.  i. 
Helichrysum  arenariuni  Hel. 
Hijdrocotyle  vulgaris  Hyd. 
Hydrocharis  Morsus  ranae  H.  M. 
Jnula  Conyza  I.  C. 

Iris  sibirica  Ir.  8. 

Leduin  pabistre  Ld. 

Luzula  silvatica  Lz.  s. 
Lycopoditim  inundatum  Ly.  i. 
Lysimachia  thyrsiflora  Ls.  t. 
Meum  athamantiaim  Mm. 
Omphalodes  scorpioides  Omp. 
Orchis  globosa  Or.  g. 

— mascula  Or.  m. 

— sambttcina  Or.  s. 
Omithogalum  umbellatum  Ot.  u. 
Pfucedanum  Orcoselinum  P.  0. 


Peucedanum  palustre  P.  pl. 
Prenanthes  purpurea  Prn. 
Pdsatilla  pratensis  Ps.  p. 
Rhynchospora  aJba  Rh.  a. 

— fusca  Rh.  f. 

Rosa  JundziUi  R J. 

' Salvia  pratensis,  Sl.  p. 

Sambucus  racemosa  Sb.  r. 
Scabiosa  ochroleuca  Sc.  o. 
Senecio  ?iemorensis  Sn.  n. 
Stratiotes  aloides  Str. 

Symphytum  tuberosum  Sy.  t. 
Teesdalia  nudicaulis  Td. 
Thalictrum  aquilegifolium  Th.  a. 
Thlaspi  alpestre  Thl. 

Trifolium  alpestre  Tr.  a. 

— montanum  Tr.  m. 

Verbascum  Lychnitis  V.  L. 

I Viola  biflora  Vi.  b. 


Die  Beobachtnng  der  hier  aufgeführten  60  Arten  ist  natürlich  nur 
an  den  Standorten  wichtig,  wo  ihr  Auftreten  kein  allgemeines  ist  Dadurch 
aber,  dass  aus  ihren  das  Land  durchschneidenden  Vegetatiouslinien  sich 
auf  breite  Grundlage  gestellte  Abgrenzungen  der  Territorien  oder  „Land- 
schaften“ ergeben,  sind  sie  berufen,  eine  wichtige  Rolle  zu  spielen.  Noch 
viele  andere  Arten  hätten  aufgeführt  werden  können,  deren  Auftreten 
sehr  bezeichnend  ist,  z.  B.  im  Hügellande  Allium  *montanuni  (fallax)  und 
Peucedanum  Cervaria;  da  aber  diese  hier  nicht  genannten  Arten  doch 
im  Umkreise  der  übrigen  Leitpflanzen  auftreten,  so  besagen  sie  für  die 
Territorial-.^bgrenzung  nichts  wesentlich  Neues.  Aber  sie  gehören  selbst- 
verständlich ebenso  wie  die  zur  Beobachtung  in  erster  Linie  empfohlenen 
Arten  zu  den  kennzeichnenden  Species  der  betreffenden  Formationen,  auf 
die  es  ja  bei  der  Kartographie  hauptsächlich  ankommt. 

Wie  soll  nun  später  die  erstrebte  Karte  im  .Maassstabe  von  1 ; 200000 
ausseheuV  Wir  besitzen  aus  dem  südlichen  Frankreich  von  Flahault 
eine  vortreffliche  Vorlage  in  der  floristisch  kartographirten  Section  Per- 
pignan,  an  welcher  man  Vergleiche  ziehen  kann.  Auch  Flahault  erstrebt 
eine  genaue,  plastische  Territorial -Eintheilung  und  gewinnt  dieselbe  aus 
den  Arealen  von  charakteristische  Waldungen  mit  Begleitpflanzen  bildenden 
Waldbäumen,  neben  denen  noch  Küstenlandschaften,  alpine  Wiesen  und 
andere  baumlose  Landschaften  selbständig  dastehen.  Es  ist  leicht  zu 
zeigen,  dass  in  Mitteldeutschland  eine  Kartographie  nach  den  herrschenden 
Waldbäumen  unmöglich  wäre  oder  nur  stiitistische  Forstkarten  liefern 
würde.  Wie  ich  schon  früher  in  „Deutschlands  Pflanzengeographie“ 
auseinandergesetzt  habe,  ist  auch  die  Unterscheidung  unserer  herrschenden 
Waldformationen  durchaus  nicht  nur  in  einzelnen  Bäumen  zu  suchen, 
sondern  in  dem  Baumgemisch  und  dem  Hinzukommen  besonders  kenn- 
zeichnender Stauden  und  Gesträuche.  Die  Territorial-Abgrenzung 
hat  sich  demnach  auf  die  Gesammtheit  der  eine  bestimmte 
Landschaft  auszeichnenden  Merkmale  zu  stützen,  und  dazu  ist 
für  jede  sie  darstellende  Karte  eine  besondere,  sehr  gut  durchdachte 


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Erklärung  nöthig,  ohne  welche  eine  Florenkarte  gar  nicht  denkbar 
wäre. 

Im  weiteren  Umkreise  um  Dresden,  dessen  Flora  sich  wegen  ihrer 
Mannigfaltigkeit  ganz  besonders  zu  einer  kartographischen  Aufnahme 
empfiehlt,  kommen  folgende  Territorien  zusammen; 

1.  Das  Hügelland  der  mittleren  Elbe  mit  sonnigen  Felshüheu  und 
den  Arten  der  oben  genannten  Gruppe  II;  dieses  Territorium 
wird  östlich  von  Stolpen  zum  Lausitzer  Hügellande; 

2.  das  Erzgebirge  im  Süden  mit  der  Hauptmasse  der  unter  Gruppe  I 
genannten  Montan- Arten; 

3.  das  Lausitzer  Bergland  mit  dem  Elbsandsteingehirge,  in  welchem 
einige  neue  Montan-Arten  auftreten.  andere  fehlen; 

4.  das  Muldenland  im  Westen  (bei  Nossen),  gegen  welches  fast 
alle  Arten  der  östlichen  Hügelgenossenschaft  aus  der  Gruppe 
Andropoijon  Ischaemum  ostwärts  scharf  abschneiden; 

5.  die  Lausitzer  Teich niederung  im  Norden  mit  der  Hauptmasse 
der  unter  Gruppe  III  genannten  Niederungsarten. 

Dies  würden  die  wichtigsten  bei  uns  zu  unterscheidenden  Theile  sein 
und  die  Generalkarte  in  1:200000  würde  deren  Umgrenzung  in  rothen 
Linien  zu  zeigen  haben,  ebenso  wie  der  Text  die  Begründung  der  Be- 
grenzungslinicn  zu  geben  hätte.  Flahault  hat  nicht  farbige  Grenzlinien, 
sondern  mit  je  einer  Farbe  voll  angelegte  Flächen  auf  seiner  Karte  für 
die  verschiedenen  Waldareale  gegeben.  Ich  würde  cs  aber  vorzichen,  die 
verschiedenen  Farben,  in  stets  wiederkehrender  Weise  und  gleichmässig 
in  den  genannten  Territorien  angewendet,  für  die  Stellen  mit  charakteristi- 
schen Ausprägungen  der  herrschenden  Formation  zu  gebrauchen.  Indem 
ich  mich  in  <lieser  kurzen  Uebersicht  nur  an  die  in  den  Abhandlungen  der 
Isis  1898,  S.  80  gegebene  Formationsgliederung  halte,  nenne  ich  für  die- 
selbe folgende  Farbenwahl: 

I — III.  Wälder:  grün;  Unterscheidung  durch  eingeschriebene  Ziffer 
der  genauer  charakterisirten  Formation;  Bruchwälder  mit  blauer 
Schraffiruug  vom  Wasser  her,  ebenso  montane  Quellfluren. 

IV.  Kiefernhaide,  Sandfluren  etc.:  gelbe  Flächen. 

V.  Hain-,  Fels-  und  Geröllfluren:  gelbe  Abhangs-  und  Fels- 
zeichnung in  gebrochenen  Linien;  bei  (montan -subalpine 
Felsen)  tritt  br.aune  Farbe  dafür  ein. 

VI.  Wiesen:  grüne  Schraffirung. 

VH.  Moore:  blaue  Schraffirung. 

VIII.  Berghaide  und  Borstgrasmatte:  rothbraune  Flächen,  bei 
vorhandenen  Geröllabhängen  in  gebrochenen  Linien. 

IX.  Binnengewässer:  blaue  Flächen,  beziehentlich  Flussläufe  in 
blauen  Linien. 

X.  Culturformationen:  weisse  Flächen. 

Somit  wären  einschliesslich  des  Roth  für  die  Territorialgrenzcn  nur 
fünf  Farben  in  Anwendung,  deren  Zahl  unter  Zuhilfenahme  von  ZiflTeru 
für  die  Einzelformationen  genügen  müsste,  ein  plastisches  Bild  von  dem 
Lande  in  Gelände  und  Flora  zu  geben.  Da  ich  Gewicht  darauf  lege,  dass 
diese  Farben  auf  das  richtige  orographische  Kartenbild  aufgelegt  er- 
scheinen, nicht  aber  (wie  bei  geologischen  Karten  üblich)  auf  weisse 


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Fläche  mit  allein  eingetragenen  Städtenamen  und  Flüssen,  so  wird  kaum 
an  eine  Verwendung  von  mehr  Farben  gedacht  werden  können,  wenn  die 
Deutlichkeit  erhalten  bleiben  soll.  Das  kann  man  an  den  schon  jetzt  in 
Braun,  Blau  und  Grün  gehaltenen  Karten  des  K.  K.  Militär-topographischen 
Instituts  deutlich  sehen.  Auch  ist  zu  bedecken,  dass  in  vielen  Territorien 
die  eine  oder  andere  P'arbe  ganz  fehlen  würde,  z.  B.  die  gelbe  Farbe  im 
Erzgebirge,  die  rothbraunen  Flächen  in  allen  Territorien  mit  warmen 
Hügelformationen,  so  dass  diese  beiden  Farben  sich  nahezu  ausschliessen. 

In  dieser  Weise  halte  ich  die  Kartographie  des  interessanten  Floren- 
gebietes von  Sachsen  für  ausführbar,  ebenso  auch  die  anderer  durch 
gleich  interessantes  Rorengemisch  ausgezeichneter  Gegenden  Deutschlands, 
während  grosse  Territorien  mit  gleichmässiger  Flora,  z.  B.  weite  Strecken 
Norddeutschlands,  überhaupt  auf  Uebersichtskarten  in  viel  kleinerem  Maass- 
stahe genügend  dargestellt  werden  können.  Es  wird  darauf  ankommen, 
den  für  das  Interesse  der  betreffenden  Gegend  nothwendigen  kleinsten 
Maassstab  der  Kartenunterlage  herauszufinden,  um  die  Herausgabe  solcher 
Karten  zu  einem  möglichst  geringe  Kosten  beanspruchenden  Unternehmen 
zu  machen. 


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YI.  Bemerkungen  über  das  Yorkomnien  des  schwarz- 
bauchigen  Wasserschmätzers  und  einiger  anderer 
seltenerer  Vögel  im  Königreiche  Sachsen.*) 

Von  Prof.  Dr.  H.  ITltsohe-Tbarandt. 


Der  bekannte  Charaktenrogel  unserer  Forellenbäche,  den  man  als 
Wasserschmätzer,  Wasseramsel,  Wasserstaar,  wohl  auch  als  Wasser- 
schwätzer — letzterer  Name  nach  meiner  Ansicht  ursprünglich  eine  jetzt 
allerdings  durch  den  langen  Gebrauch  völlig  sanctionirte  t erdrehung  des 
richtigeren  Wasserschmätzer  — bezeichnet,  wurde  von  Linne  in  der  für 
die  wissenschaftliche  Nomenclatur  maasgebenden  X.  Auflage  seines  „Systenia 
Naturae“  als  Sittrvus  Cinclus  bezeichnet.  Im  Jahre  1802  entfernte  Bech- 
stein  passender  Weise  den  Vogel  aus  der  Gattung  Sturnus,  gründete, 
den  Linne’schen  Speciesnamen  als  Gattungsnamen  benützend,  für  ihn  das 
Genus  Cinclus,  und  veränderte  in  der  bei  solchen  Anlässen  früher  be- 
liebten Weise  den  ursprünglichen  Speciesnamen  in  „aquaticus“,  da  man  Be- 
zeichnungen mit  gleichem  Art-  und  Gattungsnamen  damals  verschmähte 
und  die  absolute  Unveränderbarkeit  des  mit  nicht  raisszudeutender  Kenn- 
zeichnung gegebenen  ersten  Artnamens  noch  nicht  zum  Gesetz  erhoben 
war.  Lange  Zeit  wurde  daher  der  Wasserschmätzer  allgemein  als  Cijicliis 
aquaticus  Bchst.  bezeichnet. 

Genauere  Untersuchung  vieler  Stücke  zeigte  nun  aber  bald,  dass  der 
Wasserschmätzer  auch  erwachsen  in  verschiedenen  Kleidern  verkommt. 
Dies  wurde  wohl  zur  ersten  Veranlassung,  die  Art  zu  spalten.  Am  weitesten 
ging  hierin  Christian  Ludwig  Brehm,  der  1823  in  seinem  „Lehrbuche  der 
Naturgeschichte  aller  europäischen  Vögel“  drei  verschiedene  Arten  anführt; 
den  braunbäuchigen  Wasserschmätzer,  C.  aquaticus  Bchst., 
den  nordischen  Wasserschmätzer,  C.  se]>tvntrionalis  Brehm, 
den  schwarzbäuchigen  Wasserschmätzer,  C.  melanogaster  Brehm. 

1831  fugt  er  in  dem  „Handbuch  der  Naturgeschichte  aller  Vögel 
Deutschlands“ 

den  mittleren  Wasserschmätzer,  C.  medius  Brehm, 
zu,  und  schliesslich  1836  in  seinem  „Vogelfang“  noch 

den  südlichen  Wasserschmätzer,  C.  metidionalis  Brehm. 

*)  Per  den  Wasscrsohmiltzer  behandelnde  Theil  dieses  Aufsatzes  ist  die  Nieder- 
schrift eines  am  17.  Mai  1!K)0  in  der  zoologischen  Section  der  naturwissenschaftlichen 
Gesellschaft  Isis  in  Dresden  gehaltenen  Vortrages. 


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IJei  der  Trennung  dieser  Arten  berücksichtigte  er  aber  nicht  nur  die 
Färbung,  sondern  auch  angeblich  constante  Unterschiede  in  den  plastischen 
Merkmalen  und  den  Körperniaassen,  sowie  die  gleichfalls  angeblich  con- 
stant  verschiedene  Anzahl  der  Schwanzfedern. 

Die  Unhaltharkeit  einer  solchen  Zersplitterung,  von  der  sich  J.  F. 
Naumann  völlig  frei  hielt,  weist  J.  H.  Blasius  in  der  Fortsetzung  der 
Xachträge  zu  Naumann's  Naturgeschichte  der  Vögel  Deutschlands  1860 
schlagend  nach.  Er  schliesst  seine  Auseinandersetzung  mit  den  Worten: 
„Ueberblicke  ich  die  ganze  Reihe  von  48  vor  mir  liegenden  Exemplaren 
verschiedenen  Geschlechts  und  Gefieders  aus  Nordrussland,  Skandinavien, 
von  der  Ostsee,  vom  Harz,  aus  verschiedenen  Gegenden  der  Alpen  und 
aus  Spanien,  so  muss  ich  eine  jede  Speciesunterscheidung  der  euro- 
päischen Wasserschmätzer  für  unnatürlich  und  unmöglich  erklären.“ 

Nach  dieser  Auffassung  steht  also  die  gesammte  Menge  aller  euro- 
päischen Wasserschmätzer,  die  darin  übereinstimmen,  dass  sich  hei  ihnen 
die  weisse  Brust  gegen  den  übrigen  dunkleren  Theil  der  Unterseite  scharf 
absetzt,  als  eine  grosse  Art  scharf  gegenüber  dem  asiatischen  braunen  oder 
einfarbigen  Wasserstaar,  der  als  Irrgast  auch  zu  den  europäischen  Vögeln 
gerechnet  werden  kann,  da  Gätke  berichtet,  derselbe  sei  zweimal  auf 
Helgoland  zwar  nicht  erlegt,  aber  doch  beobachtet  worden.  Es  werden 
diese  Beobachtungen  gegenwärtig  auf  die  in  Ostsibirien,  China  und  Japan 
heimische  Form  Cindxis  BaUasi  Temm.  bezogen.  In  wie  weit  die  jetzt 
in  der  Litteratur  beschriebenen  weiteren  beiden  einfarbigen  Arten,  C.  asior 
ticus  Sw.  aus  dem  Himalaya  und  Afghanistan  und  C.  sordidus  J.  Gd. 
aus  Nordkaschmir  und  Tibet  wirklich  von  C.  PüUasi  unterschieden  sind, 
ist  noch  nicht  sicher  zu  übersehen.  Mir  ist  es  wahrscheinlich,  dass  auch 
die  drei  letzteren  Arten  nur  Farbenvarietäten  einer  grossen  asiatischen 
Art  sind. 

Ist  dies  richtig,  so  wären  die  altweltlichen  ttwclws- Formen  in  zwei 
Arten  zu  trennen,  in  den  weisskehligen  europäischen  Wasser- 
schmätzer und  den  einfarbigen  asiatischen  Wasserscbmätzer. 
Diese  Arten  müssten  dann,  da  nach  den  von  der  „Deutschen  Zoologischen 
Gesellschaft“  festgestellten  „Regeln  für  die  wissenschaftliche  Benennung 
der  Thiere“  bezeichnet  werden  als  Cinclus  dnchis  L.  und  Cinchis  pallasi 
Temm.  Es  sind  nach  diesen  Regeln  nämlich  jetzt  auch  Artbezeichnungen 
mit  gleichem  Art-  und  Gattungsnamen  zulässig,  und  es  wird  empfohlen, 
die  Artnamen  nach  dem  Vorgänge  der  englischen  und  amerikanischen 
Zoologen  stets,  also  auch,  wenn  sie  den  Genitiv  eines  menschlichen,  sonst 
gewöhnlich  mit  grossem  Anfangsbuchstaben  geschriebenen  Namens  dar- 
stellen,  mit  kleinem  Anfangsbuchstaben  zu  schreiben. 

Solche  grosse  Zusammenfassungen  können  natürlich  in  keiner  Weise 
die  unzweifelhaft  feststehende  Thatsache  verschleiern , dass  es  deutliche 
Färbungsunterschiede  unter  den  verschiedenen  Exemplaren  des  weiss- 
kehligen europäischen  Wasserschmätzers  giebt,  welche,  wie  ich  aus  Nau- 
mann, Naturgeschichte  der  Vögel  Mitteleuropa’s,  herausgegeben  von 
C.  Hennicke,  der  neuen  Auflage  der  Vögel  Deutschlands  von  J.  F.  Nau- 
mann entnehme,  neuerdings  einschliesslich  der  weisskehligen,  inzwischen 
auch  aus  Nordasien  bekannt  gewordenen  Formen  nach  Dress  er  in  nicht 
weniger  als  10  Unterarten  vertheilen  lassen.  Dass  nach  den  neueren  An- 
schauungen die  besondere  Bezeichnung  solcher  auf  sehr  geringfügige 
Unterschiede  hin,  ja  sogar  hlos  nach  Grössenverhältnissen  zulässig  ist. 


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muss  zugestanden  werden;  ob  die  Dresser’sche  Abgrenzung  derselben 
glücklich  ist,  wage  ich  nicht  zu  entscheiden. 

Auf  jeden  Fall  steht  aber  fest,  dass  man  die  weisskehligen  Europäer 
nach  der  Färbung  wieder  in  zwei  verschiedene  Gruppen  zerlegen  kann. 
Bei  der  einen,  in  unseren  Breiten  häufigsten  nnd  daher  meist  als  Normal- 
form angesehenen,  folgt  auf  den  weissen,  scharf  ahgesetzten  V’orderhals 
eine  mehr  oder  weniger  breite  rostbraune  Binde  auf  der  Vorderbrust,  die 
allmählich  in  die  dunkel  schwarzhraune  Unterseite  verläuft.  Bei  der 
anderen,  bisher  mehr  aus  den  nördlichen  und  östlichen  Gegenden  bekannt 
gewordenen  fehlt  dagegen  diese  rostbraune  Färbung  und  es  folgt  auf  den 
weissen  Vorderhals  direct  die  dunkel  schwarzbraune  Färbung.  Dass,  wie 
J.  U.  Blasius  behauptet,  auch  bei  dieser  dunkleren  Farbenvarietät  stets 
wenigstens  eine  schmale  röthlichbraune  Querbinde  hinter  dem  Weiss  der 
Unterseite  vorkommt,  kann  ich  nicht  bestätigen,  da  in  der  Tharandter 
Sammlung  letztere  einem  1881  von  Schlüter  in  Halle  gekauften  schwedischen 
Weibchen  völlig  fehlt. 

Es  ist  ferner  klar,  dass  es  diese  dunkle  Form  ist,  die  Linne  be- 
schrieben hat.  Lautet  doch  seine  Diagnose  einfach  ,,S(turnus)  niger, 
per.tore  albo“.  Hiernach  ist  also  diese  dunkle  Form  als  Typus  der  Gattung 
anzusehen  und  im  Einklang  mit  der  von  der  Deutschen  Zoologischen 
Gesellschaft  im  „Thierreich“  angewendeten  Nomenclatur  als  Cindm  cindm 
typicus  zu  bezeichnen.  Die  Brehm’schen  Namen  C.  Siptentrumalis  und 
C.  melanogaster  können  nur  als  Synonyme  angeführt  werden.  Die  An- 
erkennung, dass  die  dunkle  Form  die  typische  ist,  sollte  daher  auch  in 
den  speciell  die  deutsche  Fauna  behandelnden  Werken  klar  zum  Aus- 
drucke kommen,  so  gross  auch  die  Versuchung  sein  mag,  hier  die  häu- 
figere, rostbäuchige  voranzustellen. 

Eine  weitere  Frage  ist,  ob  man  mit  Rudolf  Blasius,  dem  Bearbeiter 
des  die  Gattung  Cinclns  betreffenden  Abschnittes  in  der  neuen  Ausgabe 
von  Naumann  die  schwarzbäuchige  Farben  Varietät  als  Localform  an- 
seheu darf.  Dazu  scheint  mir  doch  ihre  Verbreitung  eine  zu  sporadische 
zu  sein.  Denn  mag  auch  der  nordische  Wasserschmätzer  vorzugsweise  in 
Skandinavien  und  Nordrussland  brüten,  so  kommt  er,  wie  R.  Blasius 
selbst  hervorhebt,  doch  auch  in  Pommern  und  nach  Prazak  auch  in  den 
grösseren  Höhen  der  Tatra  und  in  den  Karpathen  als  Brutvogel  vor. 
Er  reicht  aber  auch  viel  südlicher.  So  berichtet  neuerdings  0.  Reiser 
in  seinen  „Materialien  zu  einer  Omis  Balcanica,  IV.  Montenegro“;  „Von 
der  aus  einem  Dutzend  E.xemplaren  bestehenden  Suite  Montenegrinischer 
Wasserschmätzer,  welche  Führer  im  October  und  November  1893  in  den 
Gewässern  in  der  näheren  und  weiteren  Umgebung  von  Podogorica  zu- 
sammenbrachte, gehört  etwa  ein  Drittel  entschieden  zur  südlichen  Fomi 
meridionalis  Chr.  L.  Br.  (=  aUncollis  Vieill.),  ein  Drittel  ist  so  dunkel,  dass 
man  die  Vögel  füglich  zur  var.  melanogaster  rechnen  könnte,  und  das 
letzte  Drittel  besteht  aus  Zwischenstufen  in  der  Färbung.  Alle  Exemplare 
haben  12  Steuerfedern.  Diese  Wasserschmätzer  stammen  offenbar  aus  den 
Gebirgen  des  Landes  und  brachten  den  Späthberbst  und  Winter  an  den 
Flussläufen  der  Niederung  zu,  wo  sie  im  Sommer  nur  selten  zu  sehen  sind.“ 

Ich  selbst  habe  ferner  neuerdings  Beweise  von  dem  Vorkommen  der 
schwarzbäuchigeu  Form  in  Sachsen  und  zwar  als  Brutvogel  erhalten.  An 
dem  durch  Tharandt  fliessendeu  Schloitzbache,  wenig  oberhalb  der  Stadt 
wurden  am  8.  Januar  1900  durch  einen  jugendlichen  Schützen  zwei  sich 


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zusammen  haltende  Wasserschmätzer  erlegt  und  mir  übergeben.  Da  ich 
seither  an  diesem  Wässerchen  die  sonst  jahraus  jahrein  dort  hausenden 
Wasserschmätzer  vermisse,  bin  ich  geneigt  anzuneWen,  dass  es  das  hier 
seit  langer  Zeit  eingewöhnte  Paar  war,  das  im  Januar  erlegt  wurde.  Das 
Geschlecht  konnte  ich  an  den  Stücken  nicht  mehr  bestimmen,  sie  waren 
zu  zerschossen.  Das  eine  Stück  zeigte  nun  die  gewöhnliche  Färbung,  nur 
war  die  röthliche  Binde  sehr  schmal;  das  andere  war  dagegen  tj-pisch 
schwarzbäuchig,  ohne  Spur  von  rostroth,  so  dass  man  es,  mit  dem  alten 
Brehm  zu  reden,  als  C.  melanoyaster  ansprechen  muss.  Hiervon  über- 
zeugte sich  auch  llud.  Blasius,  dem  ich  die  Exemplare  schickte  (vergl. 
Beilage  zur  Morgenausgabe  der  Braunschweigschen  Landeszeitung  vom 
21.  April  1900).  Immerhin  fehlt  in  diesem  Falle  der  absolut  sichere 
Beweis,  dass  es  sich  hier  um  Tharandter  Brutvögel  handelte. 

Anders  liegt  ein  zweiter  Fall.  Am  8.  Mai  erhielt  ich  aus  Nieder- 
bobritzsch d.  h.  aus  einem  6 km  östlich  von  Freiberg  i.  S.  in  einer  mittleren 
Meereshöhe  von  400  m an  der  Bobritzsch,  einem  im  Erzgebirge  ent- 
springenden Zuflusse  der  Freiberger  Mulde,  gelegenen  Dorfe,  durch  einen 
Herrn,  der  irrthümlicher  Weise  glaubte,  der  Sächsische  Fischerei-Verein 
prämiire  auch  die  Erlegung  dieser  unschuldigen  Vögelchen,  wiederum  ein 
Paar  frisch  erlegter  Wasserschmätzer.  Hier  konnte  ich  durch  anatomische 
Untersuchung  die  Geschlechtsverhältnisse  feststellen.  Das  eine  Stück  war 
ein  völlig  reifes  Männchen,  das  andere  ein  Weibchen,  dessen  Eierstock 
deutlich  erkennen  Hess,  dass  es  bereits  heuer  Eier  gelegt  hatte.  Das 
Männchen  war  ein  typisch  schwarzbäuchiger  N'ogel,  das  Weibchen  dagegen 
hatte  zwar  eine  schmale  braune,  aber  durchaus  nicht  röthlich  braune 
Binde  und  stand  einem  echten  Schwarzbauche  sehr  nahe. 

Der  zuletzt  geschilderte  h'all  beweist  einmal  deutlich,  dass  die  schwarz- 
bäuchige  Form  des  Wasserschmätzers  auch  als  Brutvogel  Heimathsrecht 
in  Sachsen  hat,  andererseits  aber  ebenso  klar,  dass  sie  nur  eine  indivi- 
duelle Varietät  darstellt,  mag  sie  auch  im  Norden  häufiger  sein,  als  im 
Süden.  Auch  werden  beide  Extreme  durch  alle  möglichen  üebergänge 
mit  einander  verbunden. 


Zum  Schlüsse  füge  ich  das  Verzeichniss  einiger  im  Laufe  der  Jahre 

im  Königreiche  Sachsen  erlegter  und  in  die  Sammlung  unserer  Forst- 
akademie gelangter,  seltenerer  Vögel  bei. 

Lojia  bifasciata  Brehm,  Weissbinden-Kreuzschnabel.  Jüngeres  <f, 
Schneeberg  im  Erzgebirge,  1856. 

Tichodroma  muraria  (L.),  Alpenmauerläufer.  Auf  Postelwitzer  Revier 
bei  Schandau  a.  d.  Elbe  1859  gefangen;  gestopft  von  C.  F.  Hohlfeld 
in  Ottendorf,  erworben  von  B.  W.  Hohlfeld  1879.  Noch  jetzt  kommen 
nach  Aussage  der  Königl.  Revierverwaltung  gelegentlich  Mauerläufer 
in  den  dortigen  Steinbrüchen  vor. 

Strir  (Nijctca)  scandiaca  B„  Schneeeule.  Aelteres  Exemplar  mit  geringer 
dunkeier  Zeichnung.  Zu  Plagwitz  bei  Wurzen  Anfang  November  1888 
erlegt  und  frisch  hierher  gesendet. 

CircaHuf;  gallims  (Gm.),  Schlangenadler.  9,  auf  Kreyerer  Revier  bei 
Moritzburg  am  14.  August  1888  erlegt  und  frisch  hierher  gesendet. 

Syrrhaptes  paradoxus  (Pall.),  Steppenhuhn.  9,  auf  Reinhardtsdorfer 
Revier  in  der  Sächsischen  Schweiz  am  5.  Mai  1888  erlegt  und  frisch 


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hierher  gesendet.  Nach  diesem  Exemplar  wurden  die  in  der  ..Deutschen 
Jägerzeitung“  Bd.  XI,  S.  Sä46  hetindlichen  Abbildungen  von  mir  ge- 
fertigt. Die  dort  gegebene  Zeichnung  der  Sohle  des  Busses  ist  als 
in  den  meisten  übrigen  Darstellungen  des  Thieres  fehlend  besonders 
hervorzuheben. 

Himantopus  himantopns  (U),  Stelzenläufer.  Drei  junge  Exemplare 
wurden  im  August  1899  an  einem  Teiche  bei  Scheibenberg  im  Erz- 
gebirge in  einer  Seehöhe  von  ungefähr  650  m erlegt  und  als  „junge 
Reiher“  zur  Prämiirung  hierher  eingeseiidet. 

Ardea  purpurca  L.,  Purpurreiher.  Nur  der  Kopf  vorhanden,  der  behufs 
Erlangung  der  Schusspräraie  eingesendet  wurde  und  von  einem  in 
Königswartha  am  9.  September  1892  erlegten  jungen  Vogel  stammt. 

Anser  minutus  Naum.,  Zwerggans.  Junges  9,  auf  Reinhardtsdorfer 
Revier  in  der  Sächsischen  Schweiz  am  17.  November  1888  verendet 
gefunden  und  im  Eleisch  hierher  gesendet. 

Anser  (Branta)  bernicla  (l/.),  Ringelgans.  Junger  Vogel,  hei  Grossenhain 
erlegt  una  bereits  gestopft  der  Sammlung  geschenkt. 

Fidigula  hyemaUs  (L),  Eisente.  Erwachsenes  d.  auf  dem  Tharandter 
Schlossteiche  (wahrscheinlich  in  den  vierziger  Jahren)  erlegt. 

Fnligida  marila  (L.),  Bergonte.  cf,  auf  der  VVesenitz  bei  Pillnitz  am 
1.  Januar  1900  erlegt. 

Oedemia  fusca  (L),  Sammetente.  Junges  J,  auf  dem  Tharandter  Schloss- 
teiche am  7.  November  1888  durch  Rittmeister  von  Jäckel  erlegt. 

Podiccps  aurittis  (L.),  arktischer  Steissfuss.  Todt  auf  einem  Bache 
bei  Grumbach  in  der  Nähe  von  Tharandt  eingefroren  gefunden  am 
14.  Januar  1888. 

Tharandt,  den  14.  Juli  1900. 


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VII.  Der  Pläiierkalkbruch  bei  Weinböhla. 

Von  Prof.  Dr.  W.  Bergt. 

(Mit  Tafel  I.) 


In  der  kleinen  Abhandlung  „Die  Melaphyrgänge  am  ehemaligen  Eisen- 
hahntunnel im  l’lauenschen  Grunde  hei  Dresden“,  Abhandl.  Isis  Dresden 
1895,  S.  20  ist  der  Verfasser  scheinbar  schlecht  unterrichtet  gewesen. 
Denn  die  darin  vollständiger  Vernichtung  preisgegebenen  Gänge  sind  durch 
Strassenhau  zwar  bedeutend  gekürzt,  dem  „mente  et  malleo“  der  Geo- 
logen jetzt  sogar  näher  gerückt  und  zugänglicher  gemacht  als  vordem. 
Darauf  wies  bereits  Dr.  H.  Francke  am  1.  üctoher  1896  hin*).  Der 
Verfasser  ist  für  diese  falsche  Nachricht  insofern  unverantwortlich,  als  er 
in  dem  Aufsatze  lediglich  den  Auftrag  des  damaligen  Vorsitzenden  der 
mineralogischen  Isisabtheilung  ausführte,  in  gedrängter  Zeit  „den  Lebens- 
lauf und  die  Schicksale“  der  Melaphyrgänge  zu  einem  Sterbelied  zusammen- 
zustellen, während  das  Todesurtheil  von  der  anderen  Seite  gefällt  war**). 

Heute  freilich  kann  der  Verfasser  aus  eigener  Anschauung  und  mit 
persönlicher  Verantwortlichkeit  von  dem  Verfall  einer  anderen  geologischen 
Sehenswürdigkeit  in  Dresdens  Umgebung  berichten.  Seit  drei  Jahren  ist 
in  den  Kalkbrüchen  von  Weinböhla  der  Betrieb  eingestellt,  und  damit 
dürften  die  geologischen  Erscheinungen,  welche  zu  den  interessantesten 
und  wichtigsten  Sachsens  gehören,  bis  zu  einer  etwaigen  Neuaufnahme 
des  Kalkabbruches  allmählicher  Verwischung  und  schnell  fortschreitender 
Vernichtung  anheim  gegeben  sein. 

Während  nach  unseren  jetzigen  Anschauungen  und  Erfahrungen  den 
erwähnten  Melaphyrgängen  im  Laufe  eines  Jahrhunderts  zu  grosse  geo- 
logische Bedeutung  beigemessen***)  und  zu  viel  Ehre  angetban  worden 
ist,  lassen  die  folgenden  Erörterungen  erkennen,  welche  unendlich  grössere 
Wichtigkeit  den  Verhältnissen  im  Kalkbruch  zu  Weinböhla  im  Verein  mit 
einigen  anderen  Punkten  Sachsens  und  Böhmens  nicht  nur  für  die  Geo- 
logie Sachsens,  sondern  auch  für  die  Entwickelung  der  geologischen  An- 
schauungen überhaupt  innewohnt. 

Bekanntlich  verläuft  auf  der  rechten  Elbseite  von  Oberau  bei  Meissen 
über  Weinböhla,  Hohnstein  und  Saupsdorf  in  Sachsen,  Sternberg  und 

*)  Sitzungsberichte  Isis  Dresden  ]8!H),  S.  :U. 

**)  Vergl.  auch  Sitzungsberichte  Isis  1895,  S.  10. 

***)  Vergl.  z.  B.  H.  B.  Öeiuitz  in  Abhandl.  Isis  Dresden  1895,  S.  .30 — 32. 


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38 


Khaa  in  Böhmen  bis  zum  Jeschkengebirge  die  sogenannte  Lausitzer  Haupt- 
verwerfung. Das  ist  ein  Bruch,  an  dem  sich  die  getrennten  Gebirgstheile 
gegen  einander  bewegt  haben.  Dabei  ist  zunächst,  relativ  betraclitet,  der 
nordöstliche  Theil  vertical  nach  oben,  zum  Theil  auch  seitlich  nach 
SW.  über  den  anderen  Theil  hinübergeschoben  worden,  so  dass  die  hier 
in  Betracht  kommenden  jüngeren  Kreideschichten  (Quadersandstein,  Pläner 
und  Kalk)  tiefer,  an  den  Bruchrändern  geradezu  unter  den  älteren  Bildungen 
der  nordöstlichen  Hälfte  liegen.  Die  Geologie  ist  wohl  nie  in  der  glück- 
lichen Lage,  derartige  Bruchlinien  ununterbrochen  zu  beobachten.  Auch 
hier  bei  dieser  Verwerfung  gewährten  nur  einzelne,  oft  weit  aus  einander 
liegende  Punkte  durch  günstige  Aufschlüsse  unmittelbaren  Einblick.  Und 
das  war  für  die  Lausitzer  Hauptverwerfung  seit  fast  einem  Jahrhundert 
in  den  Kalkbrüchen  von  Weinböhla  der  Fall.  Hier  konnte  mau  ausser- 
dem bis  zuletzt  und  in  der  ausgezeichnetsten  und  klarsten  Weise  eine 
häufige  Begleiterscheinung  von  Verwerfungen  beobachten,  nämlich  die 
Aufrichtung  geschichteter  Gesteine  an  solchen  Verwerfungsklüften  aus 
der  ursprünglichen  horizontalen  in  eine  mehr  oder  weniger  steile 
Lage. 

Der  Abbau  des  Weinböhlaer  Plänerkalkes,  welcher  der  turonen  Stufe 
des  Inoceramus  Bronqniarti  angehört,  hat  1823  in  den  nordwestlichen 
Theilen  der  Kalkscholle  begonnen  und  ist  immer  mehr  nach  Südosten 
gerückt.  In  jenen  war  der  hinter  und  über  dem  Kalk  liegende  Syenit 
sichtbar,  wie  die  bunte  Carus’sche  Zeichnung  bei  Weiss  (Litt.  No. 3,  Taf.  VII) 
vortrefl'lich  vorführt.  In  letzter  Zeit  wurde  nur  noch  im  südöstlichsten 
Theile  gebrochen.  Hier  ist  man  an  der  nordöstlichen  Wand  nicht  bis  an 
den  Syenit  gekommen.  Tafel  I giebt  die  Verhältnisse  Mitte  der  neunziger 
Jahre  wieder.  Fig.  1 zeigt  den  Bruch  von  dem  Wege  aus,  der  an  der 
südwestlichen  Seite  entlang  von  NW.  nach  SO.  läuft.  Auf  der  rechten 
Seite,  etwa  rechtwinkelig  zur  Bildfläche  befindet  sich  die  Wand  der  F'ig.  2 
und  in  der  Mitte  von  Fig.  1 deutet  ein  weisses  Kreuz  die  von  Kalkowsky 
beschriebenen  Sandsteingänge  an  (Litt.  No.  34),  welche  in  Fig.  3 etwas 
grösser  dargestellt  sind.  Sie  verlaufen  etwa  rechtwinkelig  zur  Bildfläche, 
rechtwinkelig  zur  Verwerfung  und  parallel  zur  Wand.  Fig.  2 lässt  deutlich 
die  Umbiegung  der  Kalkbänke  aus  der  horizontalen  Lage  in  die  senk- 
rechte erkennen.  Die  Grenze  zwischen  dem  Pläner  und  Haidesand  tritt 
deutlich  hervor. 

Hätte  der  Verfasser  von  dem  Aufliören  des  Abbaues  und  dem  schnellen 
Verfalle  Kenntniss  gehabt,  dann  würde  er  die  nur  gelegentlichen  und 
mangelhaften  Aufnahmen  durch  bessere  ersetzt  haben.  Unter  den  gegen- 
wärtigen Verhältnissen  glaubte  er  aber  auch  hiermit  der  OeffenÜicbkeit 
einen  kleinen  Dienst  zu  erweisen  und  die  Bilder  nicht  untergehen  lassen 
zu  sollen,  zumal  da  bisher  nur  schematische  Profile  von  dem  südöstlichen 
Bruche  bei  Weinböhla  vorhanden  sind. 


Geschichtlicher  Rückblick. 

Die  Geschichte  und  Entwickelung  der  Lausitzer  Verwerfungsfrage  ist 
zwar  auch  in  den  letzten  Jahrzehnten  wiederholt  dargestellt  worden  (Lenz, 
Litt.  No.  2Ü;  Bruder,  No.  29;  Siegert  und  Beck,  No.  32;  Uothpletz,  No.  33), 
aber  mehr  mit  Bezug  auf  Hohnstein  und  das  Allgemeine.  Das  folgende 


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39 


Lätteraturrerzeichniss  stellt  Weinböhla  in  den  Vordergrund  und  der  Rück- 
blick soll  in  erster  Linie  zeigen,  welche  Rolle  die  dem  Verfalle  entgegen- 
gehenden Brüche  von  Weinböhla  gespielt  haben. 


Litteratur. 

1.  Weiss,  Chr.  Sam.:  lieber  einige  geognostische  Punkte  bei  Meissen 

und  Hohnstein.  Karsten’s  Archiv  für  Bergbau  und  Hüttenwesen  XVI, 
1827,  S.  3 — 16.  (Vollständig  abgedruckt  in  Leonhard’s  Zeitschrift 
für  Mineralogie  1827,  II,  S.  518 — B28. 

2.  Keferstein,  Cb.:  Teutschland,  geognostisch- geologisch  dargestellt. 

V,  B.  Stück,  1828,  S.  67 — 71.  (Ausführlicher  Auszug  aus  Weiss  mit 
einer  Nachschrift  von  Keferstein. 

3.  Weiss,  dir.  Sam.:  Zur  Erläuterung  der  beiden  Abbildungen  des 

Steinbruchs  von  Weinböhla  bei  Meissen.  Karsten’s  Archiv  für 
Mineralogie  I,  1829,  S.  156 — 160,  Taf.  VI,  VII. 

4.  Beaumont,  Elie  de:  Annales  d.  sc.  nat.  f.  1829  (nach  Kühn 

S.  745). 

5.  Klipstein,  A.:  Mittheilung  an  Bronn.  Leonhard’s  Zeitschrift  für 

Mineralogie  1829,  S.  495 — 613  (wesentlich  nur  Hohnstein  S.  607;  510 
theoretische  Erörterungen). 

6.  Naumann,  C.  F.:  lieber  die  Granitformation  im  östlichen  Theil  des 

Königreichs  Sachsen.  Poggendorffs  Annalen  der  Physik  und  Chemie 
19,  1830,  S.  437— 440. 

7.  Kühn,  K.  A.:  Handbuch  der  Geognosie.  1833,  S.  737 — 754,  1013, 

1014. 

8.  Münster,  G.  Graf  zu:  Mittbeilung.  Neues  Jahrbuch  f Min.  1833, 

S.  68;  auch  in  Keferstein  VII,  II,  1,  S.  2. 

9.  Leonhard,  C.  von:  Einige  geologische  Erscheinungen  in  der  Gegend 

um  Meissen.  Neues  Jahrbuch  f.  Min.  1834,  S.  127 — 150,  Taf.  III, 
IV.  ff.  144-150. 

10.  Buch,  L.  von:  Mittheilung  an  Bronn.  Neues  Jahrbuch  f.  Min.  1834, 

S.  532  - 534. 

11.  Bericht,  kurzer,  über  die  in  der  mineralogisch-geognostischen  Section 

der  Versammlung  deutscher  Naturforscher  im  September  1834  in 
Stuttgart  abgehandelten  Gegenstände.  Neues  Jahrbuch  f.  Min.  1835, 
S.  48. 

12.  Gumprecht,  T.  E. : Beiträge  zur  geognostischen  Kenntniss  einiger 

Theile  Sachsens  und  Böhmens.  1835,  S.  108 — 183. 

13.  Naumann,  K.  Fr.:  Einige  Bemerkungen  zu  Herrn  T.  E.  Gumprechts 

Schrift:  Beiträge  u.  s.  w.  Neues  Jahrbuch  f.  Min.  1836j  S.  1 — 13. 
Anmerkung  von  C.  von  Leonhard. 

14.  Cotta,  B.;  Geognostische  Wanderungen  I.  1836. 

15.  — Aufforderung  an  das  geognostische  Publikum,  die  Erforschung  der 

Altersbeziehungen  zwischen  Granit  und  Kreide  in  Sachsen  betreffend. 
Neues  Jahrbuch  f.  Min.  1836,  S.  14  — 29. 

16.  — Berichte  über  die  Arbeiten  bei  Hohnstein.  Neues  Jahrbuch  f.  Min. 

1836,  S.  571/2,  577. 

17.  — lieber  die  bisherigen  Resultate  der  geognostischen  Untersuchungen 

bei  Hohenstein.  Ein  am  25.  September  1836  bei  der  Versammlung 
in  Jena  gehaltener  Vortrag.  Euenda  1837,  S.  1 — 9,  314. 

•« 


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40 


18.  Cotta,  B.:  Geognostische  Wanderungen  II:  Die  Lagerungsverbältnisse 

an  der  Grenze  zwischen  Granit  und  Quadersandstein  bei  Meissen, 
Hobnstein,  Zittau  und  Liebenau.  1838.  Taf.  III,  Fig  8. 

19.  — Bericht  über  das  vorige.  Neues  Jahrbuch  f.Min.  1838,  S.  307 — 31Ü. 

20.  Naumann,  C.F.,  und  Cotta,  B.;  Geognostisclie  Beschreibung  des  König- 

reiches Sachsen.  5.  Heft.  1845,  S.  127,  380,  418,  450. 

21.  Geinitz,  H.  B.:  Das  Quadersandsteingebirge  oder  Kreidegebirge  in 

Deutschland.  1849,  S.  53  4;  S.  40  Analyse  des  Plänerkalkes. 

22.  — Charakteristik  der  Schicliten  und  Petrefacten  des  sächsisch-böhmi- 

schen Kreidegebirges.  1850  (.S.  4 Analyse  des  Plänerkalkes  von  Wein- 
böhla). 

23.  Gutbier,  A.  von:  Geognostische  Skizzen  der  sächsischen  Schweiz. 

1858,  S.  47—54,  Fig.  50  auf  S.  48. 

24.  Wunder,  Herbrig  und  Eulitz:  Der  Kalkwerkbetrieb  Sachsens.  1867, 

S.  10,  17,  22,  56,  63  (S.  17  3 Analysen  des  Kalkes  von  Weinböhla). 

25.  Körnich,  A.:  Geologie  der  Umgegend  von  Meissen.  1870,8.234. 

26.  Lenz,  0.:  Ueber  das  Auftreten  der  jurassischen  Gebilde  in  Böhmen. 

Zeitschr.  f.  d.  ges.  Naturw.  1870,  Mai. 

27.  Geinitz,  II.  B.:  Das  Elbthalgebirge  in  Sachsen.  2 Bde.  1871 — 1875. 

28.  Dechen,  H.  von:  Ueber  grosse  Dislocationen.  Sitzungsber.  nieder- 

rbein.  Ges.  Natur-  und  Heilkunde  1881,  S.  18 — 25. 

29.  Bruder,  G.:  Die  Fauna  der  Jura-.\blagerung  von  Ilohnstein  in 

Sachsen.  Denkschriften  kais.  Ak.  Wiss.;  mathem.  natunv.  Klasse,  Wien 
1885,  S.  4 (siehe  dort  das  ausführliche  Litteraturverzeichniss). 

30.  Hettner,  A.:  Der  Gebirgsbau  der  sächsischen  Schweiz.  1887, 

S.  21—28. 

31.  Suess,  G.:  Das  Antlitz  der  Erde  I.  1883—1888,  S.  181,  275—276. 

32.  Siegert,  Th.:  Blatt  Kötzschenbroda  (No.  49)  der  geologischen  Special- 

karte des  Königreichs  Sachsen.  1892.  Erläuterung:  S.  3,  35,  46, 
schematische  Profile  S.  45.  Karte;  Randprofil  2 und  3.  Vergleiche 
auch  die  Blätter  Pillnitz  No.  67,  S.  41;  Ilohnstein -Königstein  No.  84, 
S.  23;  Sebnitz-Kirnitzscbthal  No.  86,  S.  29;  Hinterhermsdorf-Daubitz 
No.  86,  S.  27. 

33.  Rothpletz,  A.:  Geotektouische  Probleme.  1894,  S.  101 — 100. 

34.  Kalkowsky,  E.:  Ueber  einen  oligocänen  Sandsteingang  an  der  I.,au- 

sitzor  Ueberscbiebnng  bei  Weinböhla  in  Sachsen.  Abhandl.  Isis 
Dresden  1897,  S.  80—89,  Taf.  111. 

35.  Beck,  R. : Geologischer  Wegweiser  durch  das  Dresdner  Elbthalgebiet 

zwischen  Meissen  und  Tetschen.  1897,  S.  66  7. 

.36.  Nessig,  R.:  Geologische  Excursioncn  in  der  Umgegend  von  Dresden. 
1898,  S.  81—83. 

37.  llerrmann,  0.:  Steinbruchimlustrie  und  Steinbnichgeologie,  1899, 
S.  187,  288,  313  (S.  288  Analysen  nach  Geinitz  und  Wunder). 


Zwar  ist  zuerst  im  Jahre  1827  eine  gedruckte  Mittheilung  über  Wein- 
böhla an  die  Oefl'entlichkeit  gelangt.  Nach  einer  Anmerkung  bei  Leonh.ird 
(Litt,  No.  9,  S.  145j  aber  liegt  die  erste  Beobachtung  der  merkwürdigen 
Lagerungsverhältnisse  noch  um  10  Jahre  zurück. 

„Herr  Professor  Reich  zu  Freil>erg  sah  — so  erzählte  man  uns  in  Sachsen  — 
bereits  1818  die  Auflagerung  des  Syenits  auf  l’ISner  bei  W'einWbla.“ 


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41 


Ob  die  folgende  von  Keferstein  (Litt.  No.  2,  S.  71)  angeführte  Stelle 
aus  Charpentier*)  auf  unsere  Erscheinungen  bezogen  werden  kann,  ist 
der  Orte  wegen  ganz  unwahrscheinlich. 

„Der  Planerkalk  der  Gegend  von  Dresden  verliert  sich  mit  unter  einem  thon- 
oder  purphvrartigen  Gesteine,  das  besonder»  in  der  Gegend  von  Possendorf,  Naundorf, 
Burg,  Kohlsdorf  und  Kesselsdorf  häufig  zu  finden  und  unter  verschiedenen  Namen  be- 
kannt isf*.  Keferstein  fugt  hinzu:  „Hiernach  scheint  es,  da.ss  schon  Charpentier  Be- 
obachtungen gemacht  hat,  die  dafrir  sprechen,  dass  der  Granit  und  Porphyr  bei  Meissen 
über  dem  Plilnerkalk,  wenigstens  zum  Theil  gelagert  wäre“. 

Die  erste  wissenschaftliche  Darstellung  erfolgte  durch  Weiss  münd- 
lich in  der  Sitzung  der  physikalischen  Klasse  der  Akademie  der  Wissen- 
schaften zu  Berlin  am  6.  Februar  1827  und  gedruckt  in  demselben  Jahre 
(siehe  Litt.  No.  1).  Indem  Weiss  die  Erscheinungen  bei  Weinböhla  und 
Hohnstein  den  von  L.  von  Buch  geschilderten  „berühmten  Phänomenen 
von  Predazzo“  an  die  Seite  stellt,  beschreibt  er  ausführlich  die  einzelnen 
Orte. 

„Der  erste,  bei  weitem  schönste  Punkt  sind  die  Steinbrflehe  von  Weinböhla  .... 
hier  sind  die  Entblüssnngen  Jetzt  so  schön,  dass  das  Unglaubliche  selbst  mit  ganzer 

Evidenz  da  liegt,  im  eigentlichsten  Sinn  mit  Händen  zu  greifen Man  sieht  den 

Syenit- Granit  ...  ganz  einfach  ohne  Widerrede  auf  dem  Plänerkalkstein  aufliegend“. 
(S.  5.) 

Weiss’  Darstellung  ist  ausserordentlich  klar  und  erschöpfend.  Mit 
scharfem  Auge  erkennt  er  die  gegen  ein  flüssiges  Hindurchdringen  des 
Granites  sprechenden  Punkte. 

.Er  (der  Granit)  kann  nur  in  erstarrtem,  festem  Zustande  durch  diese  neue  Ge- 
birgsrinde  durchgedrängt  wonlen  sein  ....  keine  ^'erwachsungen  mit  dem  durchbrochenen 
Gesteine;  keine  Ramificationen  des  Granite»  von  der  HaupGagerstätte  aus  in  kleinen 
Gängen.  Continunm  mit  der  grossen  Masse  bildend,  ins  Nebengestein  setzend  . . . Ebenso 
wenig  Verglasungen,  Sinterungen  oder  andere  begleitende  Phänomene  . . .“  (S.  7!8.) 

Weiss  regt  sofort  als  Erster  auch  pl.anmässige  bergmiinuische  Arbeiten 
zur  Aufklärung  der  rätbselhafteii  Verhältnisse  in  Weinböhla  und  Hohnstein 
an.  Er  spricht  sich  entschieden  gegen  die  nach  ihm  verfochtene  An- 
lagerung der  Kreideschichten  an  den  Granit  aus  (S.  13)  und  erkennt,  dass 
bei  Hobostein  untere  Flötzgebirgsschiebten  (des  Gryphitenkalkes)  herauf- 
gebracht worden  sind  (S.  12),  Verhältnisse,  welche  von  den  späteren  Dar- 
stellern vielfach  wieder  verdunkelt  worden  sind. 

Die  Beobachtungen  Weiss’  erregten  die  ganze  geologische  Welt  und 
Hessen  sie  lange  Zeit  nicht  zur  Ruhe  kommen.  G.  von  Leonhard  druckte 
den  Aufsatz  fast  ungekürzt  in  seiner  Zeitschrift  und  Keferstein  (Litt.  No.  12) 
/.um  grossen  Theil  in  seinem  „Teutschland“  ab.  ln  der  Nachschrift  zieht 
Keferstein  u.  a.  folgenden  Schluss: 

„Die  Ansicht  gewinnt  grosse  Wahrscheinlichkeit:  dass  die  Granite.  Syenite,  Por- 
phjTe  u.  s.  w.  in  Sachsen  ihre  jetzigen  Lagerungsverhältnisse  wohl  zum  Theil  erst  in 
einer  Periode  erhalten  haben,  wo  die  Kreide  gebildet  wiinie  oder  gebildet  war.“  (S.  70.) 

Weiss’  Mittheilung  verursacht  zugleich  eine  Wanderung  der  Geologen 
nach  Weinböhla  und  Hohnstein.  Im  Frühjahr  1828  bestätigt  Professor 
II offmann  zuerst  aus  eigener  Anschauung  die  Beobachtungen  von  Weiss. 
(Litt.  No.  2,  S.  71.) 


•)  W.  Charpentier:  Mineralogische  Geographie  der  ehursäehsischen  Lande.  1778, 
8.  40. 


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42 


1829  berichtet  A.  Klipstein  (Litt.  No.  6)  über  seine  Reise,  die  aber 
nur  Hohnstein,  nicht  Weinböhla  berührt  zu  haben  scheint.  Er  kann  keine 
der  Weiss’schen  Ansichten  zu  der  seinigen  machen,  zweifelt  das  höhere 
Alter,  das  Heraufschleppen  und  die  Zertrümmerung  des  Hohnsteiner  Kalkes 
an  und  ist  geneigt  anzunehmen: 

„Der  Granit  mflsste  gegen  das  Becken  des  (inadersandsteines  an  verschiedenen 
Stellen  beträchtlich  iiherhängende  Massen  gebildet  haben,  unter  welche  sich  die  Bänke 
des  letzteren  hereinschoben.“  (S.  51 1.) 

In  dem  gleichen  Jahre  veröffentlicht  Weiss  (Litt.  No.  3)  zwei  vom 
K.  Leibarzt  Hofrath  Carus  in  Dresden  angefertigte  vortreffliche  Zeichnungen 
von  „dem  geognostisch  merkwürdigsten  wohl  aller  bekannter  Steinbrüche 
in  Sachsen“  (Weinböhla)  und  sieht  bei  seinem  Besuch  am  1.  October  1828 
mit  Carus  seine  anfängliche  Annahme,  dass  die  Pläner  und  Syenit  tren- 
nende Thon-  und  Mergelschicht  ein  Zerreibsei  von  Syenit  und  Kalk  mit 
„Bohnen  von  Syenit“  ist,  bestätigt. 

Wie  Klipstein,  so  wendet  sich  zunächst  auch  Naumann  (Litt.  No.  6) 
gegen  Weiss.  Kr  hält  den  Hohnsteiner  Kalk  für  Pläner  und  glaubt, 

„dass  der  Granit  des  Elbthales  nach  der  Bildung  des  Grünsandes  nnd  der  Kreide  ompor- 
gestiegen,  und  sich  noch  während  seines  Eraporsteigens  in  einem  zähflüssigen  Zustande 
befand,  weil  sich  ohne  eine  solche  Nachgiebigkeit  seiner  Masse  weder  die  Ueberlagemng 
des  Kalkes  und  Sandsteines  bei  Weinböhla,  Oberau  und  Hohenstein,  noch  die  Ver- 
flechtungen der  Granitsnbstanz  mit  Ädern  und  Partien  von  Kalkstein  erklären  lassen.“ 
(S.  43ü.) 

Vorher  hatte  schon  E.  de  Beaumont  (Litt.  No.  4),  ohne  allerdings 
eigene  Anschauung  von  den  Oertlichkeiten  zu  haben,  den  Granit  und  Syenit 
des  Elbthales  für  feurigflüssige  Empordringungen,  den  Syeuitgrauit  des 
linken  Elbufers  für  älter,  den  des  rechten  für  neuer  als  Quadersaudstein 
und  Pläner  angesprochen. 

Die  Zweifel  über  das  Alter  des  Hohnsteiner  Kalkes  werden  1833 
durch  eine  kurze  Mittheilung  des  Grafen  zu  Münster  beseitigt  (Litt. No. 8), 
indem  er  die  untersuchten  Versteinerungen  von  Hohnstein  für  Jurassisch, 
die  von  Weinböhla  säramtlich  für  cretaceisch  erklärt. 

Ein  gemeinsamer  Besuch  von  Weinböhla  durch  Naumann,  Breit- 
haupt, von  Weissenbach  und  Kühn  zeigte  (Litt.  No.  7),  dass  die 
Granitramificationen  Naumann’s  nur  isolirte  Gesteinsplatten  im  Thon  waren, 
ln  gleicher  Weise  hatten  Versuchsschürfe,  Stollen  und  l'allörter,  welche 
auf  Kühn’s  Vorschlag  1828  bei  Hohnstein  unter  Leitung  des  K.  Bergamtes 
zu  Altenberg  angelegt  worden  waren,  das  Fehlen  Jeglicher  Ausläufer  des 
Granites  in  den  Quadersandstein  ergehen  (Litt.  No.  7,  S.  739).  Im  üebrigen 
wendet  sich  Kühn  mit  apodiktischer  Gewissheit,  welche  angesichts  seiner 
schliesslich  verfehlten  Behauptungen  einen  etwas  unangenehmen  Eindruck 
machen,  in  allen  Punkten  gegen  Weiss.  Er  sucht  die  Klipstein’sche  An- 
n.ahme  von  den  überhängenden  Granitmassen  noch  weiter  zu  stützen 
(S.  472)  und  hält,  walu-scheinlich  mit  der  Münster’schen  Erklärung  noch 
nicht  bekannt,  an  dem  cretaceischen  Alter  des  Hohnsteiner  Kalkes  fest. 

Im  Herbst  des  Jahres  1833  sieht  die  Umgegend  von  Meissen  und 
Weinböhla  eine  aus  C.  von  Leonhard,  B.  Cotta  als  Führer,  Professor 
Kap])  und  Dr.  R.  Blum  bestehende  Geologengesellschaft.  Leonhard  fasst 
die  Ergebnisse  der  gemeinsamen  Untersuchungen  in  folgende  Sätze  zu- 
sammen (Litt.  No.  9,  S.  149): 


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„I.  In  der  Gegend  um  Dresden  und  Meissen  sind  die  Glieder  der  Kreidegruppe 
. . . jüngerer  Entstehnng  als  der  Syenit  . . . 

II.  Jener  Granit  hingegen,  welcher  bei  Zscheila  Pläncrkalkfragmente  nmschliesst, 
der  bei  Nieder- Fehre  nnd  bei  Wcinbühla  Gänge  ira  Syenit  bildet,  endlich  der  Granit, 
von  dem  der  Jurakalk  bei  Hohenstein  Uber  den  ({nadersandstein  gehoben  worden,  ist 
jünger,  nicht  nur  in  Vergleich  zum  Syenit,  sondern  auch  was  den  (Quader-  oder  Grün- 
sandstein und  den  Flänerkalk  betrifft. 

Es  erscheint  mithin  als  sehr  glaubhaft, 

III.  dass  dieser  jüngere  Granit  hei  Weinböhla  den  Syenit  ebenso  über  den  Pläner- 
kalk geschoben  habe,  wie  der  Jurakalk  bei  Hohenstein  von  ihm  über  den  Qnadersandstein 
getragen  worden  seyn  dürfte.  Die  geringe  Mächtigkeit  der  Granitgänge  im  Syenit  bei 
Weinböhla  . . . widerstreitet  dieser  Ansicht  keineswegs;  jene  Gänge  sind  nur  Ver- 
zweigungen sehr  mächtiger  Granitmassen,  welche  in  grösserer  Tiefe  ihren  Sitz  haben.“ 

Eine  Verschiedenalterigkeit  der  rechts-  und  linkselbischen  Granite  und 
Syenite  befürwortet  auch  Gumprecht  (Litt.  No.  12).  Dagegen  wendet  er 
sich  in  den  meisten  Punkten  gegen  Weiss,  Naumann  und  Leonhard.  In 
der  trennenden  Tlion-  und  Mergclschicht  sieht  er  nicht  ein  Zerreibungs- 
produkt,  sondern  eine  normale  sedimentäre  Bildung.  Die  weitgehende 
Zersetzung  und  Zertrümmerung  des  Granites  und  Syenites  von  Weinböhla 
sucht  er  durch  die  Schwefelsäure  des  reichlich  vorhandenen  zersetzten 
Eisenkieses  zu  erklären.  Den  wenig  mächtigen  Granitgängen,  für  deren 
Zusammenhang  mit  grösseren  Granitmassen  gar  kein  Anhalt  vorliege, 
spricht  er  schon  jede  I’ähigkeit,  so  gewaltige  Gebirgsmassen  zu  heben, 
vollständig  ab.  Er  ist  also  darin  gegen  die  berühmtesten  (ieologen  der 
damaligen  Zeit  ein  Vorläufer  und  Verfechter  der  jetzt  herrschenden  An- 
schauung. Endlich  bekämpft  er  trotz  Münster  das  jurassische  Alter  des 
Hohnsteiner  Kalkes  und  erklärt  ihn  für  Pläner. 

Die  Gumprecht’sche  Kritik  gerade  der  Hauptbeweisgrüude  der  vorigen 
machte  böses  Blut.  In  ziemlich  gereiztem  Tone  antworten  Naumann 
und  Leonhard  (Litt.  No.  13  und  Anmerkung  daselbst  S.  4).  Leonhard 
schliesst  seine  Abweisung  mit  folgenden  anzüglichen  Worten: 

„Nach  mir  waren  die  Herren  von  Buch  und  von  Humboldt  in  Zscheila.  Von 
solchen  Koryphäen  würde  ich  gerne  Belehrung  angenommen  haben.  — Es  giebt 
mancherlei  Mittel,  zu  einem  Namen  zu  gelangen;  aber  nicht  alle  Wege  führen  nach 
Jerusalem!“ 

Bezeichnend  für  das  Aufsehen,  welches  die  geologischen  Verhältnisse 
bei  Meissen  und  Hohnstein  in  der  wissenschaftlichen  Welt  erregten,  sind 
die  folgenden  Sätze  aus  einem  Brief  L.  von  Buch’s  an  Bronn  im  Jahre 
1834  (Litt.  No.  10): 

„ . . . Ich  war  mit  Herrn  Bernhard  Cotta  am  20.  Mai  (1834)  in  Hohnstein,  nnd 
Sie  können  glauben,  wie  sehr  ich  aufgeregt  war,  diese  wichtigen  Orte  zu  sehen. 
Die  Erscheinung  ist  eine  der  grössten  in  Europa:  von  der  Gegend  von  Zittau  bis 
Meissen  ist  dieses  Anfliegen  des  Granites  ununterbrochen,  auf  so  lange  Aus- 
dehnung hin!“ 

Weinböhla  hatte  L.  von  Buch  damals  noch  nicht  gesehen,  seine  Be- 
merkungen beziehen  sich  wesentlich  nur  auf  die  Versteinerungen  von 
Hohnstein. 

1834  berichtet  Weiss  zur  Versammlung  deutscher  Naturforscher 
zu  Stuttgart  an  der  Hand  von  Zeichnungen  über  die  räthselhaften  Ver- 
hältnisse in  Sachsen  (Litt.  No.  11),  und  auf  dem  folgenden  Naturforscher- 
tage in  Bonn  1835  wird  den  zahlreichen  anwesenden  Geognosten  ein  von 
Humboldt,  Weiss,  Leonhard,  Naumann,  G.  Rose  und  J.  Nöggerath  Unter- 
zeichneter Plan  B.  Cotta’s  unterbreitet:  „Aufforderung  an  alle  Geognosten 


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Deutschlands,  sowie  an  alle  Freunde  der  Geologie,  durch  gemeinschaft- 
liche lieiträge  eine  massige  Geldsumme  zusamraenzubringen,  mittelst 
welcher  die  Grenzverhältnisse  des  Granites  zur  Kreideformation  in  Sachsen 
bis  zur  Evidenz  aufgeschlossen  werden  können.“  (Litt.  No.  15,  S.  26.)  Es 
werden  Actien  zu  einem  Reichsthaler  vorgeschlagen,  für  welchen  ausser  dem 
Verdienst,  ein  wichtiges  Phänomen  offen  zu  Tage  gelegt  zu  haben  . . ., 
ein  Exemplar  der  zu  druckenden  Ergebnisse  in  Aussicht  gestellt  werden. 
Der  Kostenanschlag  beträgt  240  — 400  Ueichsthaler.  Zur  Bonner  V’ersamm- 
lung  melden  sich  .S2  Subscribenten  mit  153  Actien.  (Litt.  No.  15,  S.  28  9.) 
Die  Zahl  steigt  auf  109  mit  356  Actien,  darunter  König  Friedrich  August 
und  Prinz  Johann  von  Sachsen  mit  je  15  Actien.  (Litt.  No.  18,  S.  54 — 58.) 
Am  Endo  ergab  sich  eine  Einnahme  von  356  Reichsthalern  gegenüber 
359  Thalem  Kosten. 

Dem  Aufruf  von  Cotta  war  eine  klare  und  ausführliche  Darstellung 
des  Standes  der  Frage  im  Jahre  1835  beigegeben.  Darin  spricht  Cotta 
zuerst  deutlicher  von  einer  Umkehrung  der  ursprünglichen  Lagerungs- 
verhältnisse bei  Hohnstein;  weiter  führt  er  acht  Punkte  gegen  das  jüngere 
Alter  auch  des  Granites  an. 

Mit  diesem  Aufruf  von  1835  bemächtigt  sich  der  junge,  damals 
sechsundzwanzigjährige  Bernhard  Cotta  der  ganzen  .Angelegenheit  und 
er  führt  sie  mit  rastlosem  Eifer  zur  Entscheidung.  Die  berühmtesten 
Geologen  der  damaligen  Zeit  und  des  19.  Jahrhunderts  Hessen  sich  von 
Cotta  an  die  Hauptpunkte  des  Problemes  führen. 

„So  Uatte  ich  allem  in  den  letzten  fünf  Jahren  (1833 — 1838)  die  Freude,  die  Herren 
Alexaniler  von  Humholdt,  Leopold  von  Buch,  von  Leonhard,  Nöggerath,  Ehe  de  licaumont 
und  Oustav  Kose  in  diesen  Oegenden  zu  hegrUssen  und  auf  ihren  Wanderungen  nach 
Hohnstein  und  Meis.sen  zu  begleiten.“  (JjitL  .\'o.  18,  S.  1.) 

Er  leitet  die  vorgeschlagenen  Enlblössungsarbeiten  und  vollendet  sie 
in  den  Jahren  1836  und  1837.  In  seinen  „Geognostischen  Wanderungen  11, 
1838“  (Litt.  No.  18)  giebt  er  den  versprochenen  Bericht,  den  Actionären 
unentgeltlich.  Zwar  ist  Weinböhla  bei  den  Aufschlussarbeiten  nicht  be- 
rührt worden;  diese  entschieden  aber  ebenso  über  Hohnstein,  wie  über 
Weinböhla  und  alle  anderen  Orte  mit  gleichen  oder  ähnlichen  Lagerungs- 
verhältnissen auf  der  Linie  Oberau-Jeschkengebirge.  Aus  den  Zusammen- 
stellungen und  Folgerungen  (Litt.  No.  18,  S.  47 — 63),  welche  die  Ansichten 
in  der  ersten  Darstellung  überhaupt  von  Weiss  (1827)  vollständig  be- 
stätigen, obwohl  Weiss  nach  einer  Aeusserung  Cotta’s  in  Jena  1837  (Ijtt. 
No.  17)  seine  Ansicht  wieder  aufgegebeu  zu  haben  scheint,  mögen  nur 
einige  kurze  Stellen  wörtlich  angeführt  werden. 

„Uer  wirkliche  Ueberhang  (des  Granites  über  den  Sandstein  hei  Hohnstein)  . . . 
ist  jedenfalls  sehr  l)«triichtlich.  Henkt  man  sich  den  Sandstein  als  nicht  vorhanden,  so 
bleibt  ...  ein  uiinilestens  i):)0  Fuss  vorspringender  Granitnberbang,  iiiitcr  de.ssen  Be- 
dachung man  di«  ganze  Stadt  Hohnstein  bauen  künnte,  ohne  den  vorhandenen  Kaum 
damit  zu  erfüllen  ...  Es  scheint  mir  ebenso  bedenklieli,  einen  so  grossen  frei  hervor- 
ragenden Ueberhang  als  einst  vorhanden  anzunehmen,  als  cs  gefährlich  sein  wünle. 
darunter  zu  wohnen.  — Wenn  nun  aber  schon  aus  diesem  einzigen  Punkte  mit  ziemlicher 
Sicherheit  hervorgeht,  das.s  der  Granit  hier  nicht  vor  dem  (iuadersandstein  seine  jetzige 
Stellung  eingenommen  haben  kann,  d.  h.  dass  der  Sandstein  luitergelngert,  sondern  der 
Granit  erst  später  darüber  gekommen  ist,  um  wie  viel  mehr  muss  dami  nicht  die  An- 
nahme gewaltsamer  Hebung  des  letzteren  bestärkt  wenien,  wenn  man  die  lange  Kette 
Von  uugewiihnlichen  liagerungsverhältnissen  an  seiner  SUdwenzc'  beuchtet  iS.  49)  . . . 
I)a,s8  der  Granit  in  unserem  Falle  nach  der  Ablagerung  des  (^uadersaudsteines  eine 
Ortsveriindemng  in  der  Kichtung  von  unten  nach  olitm  erlitten  hat,  kann  wohl  keinem 


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Zweifel  mehr  unterliegen;  es  fragt,  sieh  jetzt  nnr  noch:  in  welchem  Zustande  dürfte  er 
empurgctreten  sein'?  — Die  Prüfung  der  Grenzerscheinungen  in  ilieser  Kücksicht  wird 
dem  Leser  wie  dem  Beobachter  zeigen,  dass  dies  ein  trockener  (fester)  Zustand  gewesen 
sein  müsse  (es  folgen  die  bereits  von  Weiss  vorgebrachten  Beweise)  ...  Es  muss  daher 
irgend  ein  uns  unbekanntes  Agens  den  Granit  und  Syenit ...  in  der  langen  Ausdehnung 
der  merkwürdigen  Grenzlinie  enii)orgehol)en,  und  liie  und  da  — bei  Hobnstein  zugleich 
mit  .Tnraschichten  — über  den  Sandstein  und  Pläner  hinweggeschoben  haben,  während 
.\llcs,  was  südlich  von  dieser  Erhebungslinie  liegt,  ruhig  in  der  alten  Lage  heharrte.“ 
(S.  53.) 

Damit  waren  die  Lagerungs-  und  Altersvcrhältnisse  geklärt,  und  es 
ist  daran  bis  zum  heutigen  Tage  niclits  geändert  worden.  Dagegen  be- 
anspruchte die  Beantwortung  der  Frage  nach  der  treibenden  Kraft  noch 
mehrere  Jalirzelinte. 

Noch  1849  sah  H.  B.  Geinitz  im  Widerspruch  mit  den  letzten  Er- 
gebnissen den  Granit  als  treibende  und  hewegonde  Masse,  indem  er  schreibt 
(Litt.  No.21,  S.  53;54): 

„Bei  Weinböhla  und  in  dem  Eckertschen  Kalkbruche  sieht  man  eine  ungefähr 
3(X)  Ellen  lange  Plänerwand,  welche  14 — IH  Ellen  durchschnittlich  mächtig  ist,  durch 
oft  24  Ellen  hohe  Syenitmassen  überdeckt,  welcher  durch  den  hinter  ihm  empor- 
gedrungenen Granit  über  den  Pläner  gestürzt  worden  ist.“ 

Einen  bedeutenden  Fortschritt  in  der  Auffassung  der  Gebirgsbildung 
stellt  Gutbier’s  Ansicht  dar.  In  seinen  „Geognostischen  Skizzen“ 
(Litt.  No.  23)  bringt  er  die  Lausitzer  Verwerfung  und  Ueberschiebung  mit 
den  Igigerungsveränderungen  des  Firzgebirgos  in  Zusammenhang,  setzt  sie 
aber,  wie  II.  B.  Geinitz  noch  in  seinen  späteren  Schriften  (Litt.  No.  27, 
S.  7;  auch  Isis  Abh.  1896,  S.  .30 — 32),  auf  Rechnung  basaltischer  Empor- 
treibungen. 

Unterdessen  war  der  Glaube  an  die  gebirgsbildende  Kraft  der  Eruptiv- 
gesteine besonders  durch  Suess  in  den  siebziger  Jahren  beseitigt  und  die 
Lagerungsveränderungen  in  der  Erdrinde  durch  die  Schwerkraft  und  die 
daraus  entspringenden  tangentialen  Druck-  und  Schubkräfte  erklärt  worden. 
Diese  neue  Auffassung  fand  auch  schnell  auf  die  Lausitzer  Ueberschiebung 
Anwendung. 

1875  und  1877  brachte  H.  Credner*)  die  sächsischen  Erdbeben  mit 
fortdauernden,  wenn  auch  schwachen  Lagerungsstörungen  an  der  Lausitzer 
V'erwerfung  in  Zusammenhang.  Dechen  (Litt.  No.  28)  fasst  gegen  Cotta 
die  Bewegung  nicht  als  einseitig  auf,  indem  er  den  Granit  als  das  ge- 
hobene und  die  Kreide  als  das  gesunkene  Gebirgsstück  bezeichnet. 

Sucss  (Litt.  No.  31)  sieht  die  ungewöhnlichen  Lagerungsverhältnisse 
als  Rückfaltungen  an,  hervorgebracht  durch  eine  Bewegung  des  Riesen- 
und  Isergebirges  in  nordöstlicher  Richtung.  Nicht  die  Hebung  des  Granites, 
sondern  das  Absinken  des  südlich  von  der  Bruchlinie  gelegenen  inneren 
Gebirgsflügels  hat  die  Aufrichtung  der  Kreide,  sowie  Einklemmung  und 
Ueberstürzung  der  Juraschichten  zur  Folge  gehabt.  (Litt.  No.  29,  S.  5.) 

Es  bleibt  nur  noch  eine  interessante  Erscheinung  zu  erwähnen  übrig, 
welche  Mitte  der  neunziger  Jahre  im  südöstlichsten  Bruch  bei  Weinböhla 
biosgelegt  und  von  E.  Kalkowsky  (Litt.  No.  34)  beschrieben  wurde.  Den 
Pläner  durchsetzte  wie  eine  Mauer  senkrecht  zur  Verwerfung  ein  Sand- 


*)  H.  Creilncr:  Bericht  über  da.s  vogtläiutisch-erzKcliirffifiohc  Enlheben  vom 
2.3.  November  1876.  Zeitschr.  f ges.  Natiirw.  4«.  187.5,  S.  24(i— 2ti8.  — Derselbe:  D.is 
Dippoliliswalilaer  Erdbeben  vom  5.  October  1877.  Ebenda  Hd.  50,  S.  275.  (Vergl.  auch 
Liit.  No.  28.) 


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stßingang.  Dieser  stellte  eine  mit  oligocänem  verfestigtem  Sand  ausgefüllte 
Spalte  dar,  die  durch  Bewegungen,  Erdbeben,  gleichsam  als  Vorläufer  der 
Lausitzer  Verwerfung,  iin  l%ner  entstanden  war. 

Die  Versteinerungen  von  Weinböhla  sind  von  H.  B.  Geinitz  (Litt. 
No.  21,  22,  27)  beschrieben  und  abgebildet  worden.  Sie  finden  sich  auf- 
gezählt bei  Siegert,  Beck  und  Nessig.  (Litt.  No.  32,  36,  36.) 

Bereits  im  Jahre  1899,  mehr  noch  im  Erülijahr  1900  nach  dem  langen 
strengen  Winter,  konnte  man  mit  Bedauern  die  starken  Verwüstungen, 
welche  die  Atmosphärilien  im  Bruch  bei  Weinböhla  angerichtet  haben, 
wahrnehmen.  Bruchstückhaufen  des  ausserordentlich  leicht  verwitternden 
1‘länerkalkcs  waren  durch  den  Frost  in  sanft  gewölbte  Hügel  kleiner 
Splitter  und  Scherbchen  zusammengesunken.  An  manchen  Orten  fand 
man  sauber  ausgewaschene  Versteinerungen.  Nur  kurze  Zeit  wird  die  in 
Fig.  2 abgebildete  Wand,  welche  so  prachtvoll  die  Umbiegung  und  Auf- 
richtung zeigte,  der  Verwitterung  standhalten,  ausserdem  ist  sie  schon 
stark  von  dem  darüberliegenden  Sand  überrollt.  Im  Frühjahr  1900  war 
das  in  Fig.  2 abgebildete  tiefe  Loch  des  Steinbruches  hoch  mit  kalk- 
reichem  W'asscr  gefüllt,  welches  mit  seiner  milchigen  blaugrauen  Farbe 
an  die  Wässer  der  Kalkalpen  zur  Schneeschmelze  erinnerte.  Obwohl  nach 
Herrmann  (Litt  No.  37,  S.  313)  die  Erschöpfung  der  Plötze,  sowie  die 
Erfolglosigkeit  der  Bemühungen,  durch  Bohrungen  seitlich  von  den  ab- 
gebauten Linsen  neue  Lagerstätten  nachzuweisen,  die  Gründe  für  tlas 
Erlöschen  des  Abbaues  waren,  mag  trotzdem  die  Hoffnung  nicht  aufgegeben 
werden,  dass  der  jetzige  Zustand  und  Verfall  des  Bruches  von  Weinböhla 
nur  eine  Ruhepause  sei. 

Cotta  braucht  in  seinen  geognostischen  Wanderungen  II,  S.  1 folgendes 
hübsche  Wortspiel:  „Wie  das  alte  Felsenschloss  (Hohnstein)  in  früherer 
Zeit  den  feindlichen  Angriffen  der  wohlgewaffneten  Ritter  „Hohn“  sprach, 
und  daher  seinen  Namen  ableitet,  so  scheint  er  diesen  Namen  auch  in 
neuerer  Zeit  rechtfertigen  zu  wollen,  indem  die  Felsen  und  Steine  dieser 
Gegend  den  schulgerechten  Geognosten  verhöhnen.“  Auch  Weinböhla  hat 
an  diesem  „Verhöhnen“  theilgenommen.  Aber  nachdem  das  Räthsel  gelöst 
war,  verwandelten  sich  die  Kopfschmerzen,  die  Rathlosigkcit  der  Geologen 
in  eine  erhebende  Freude  bei  Betrachtung  eines  Profiles,  wie  Fig.  2 es 
d.irstellt.  Vielleicht  wird  späteren  Geschlechtern  diese  Freude,  dieses 
geologische  Vergnügen  im  schönsten  Sinne  wieder  erschlossen. 


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Abhondl.  d,  Isis  in  Dresden,  1000. 


Taf.  I. 


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Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1900. 


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VIII.  Die  Gymnospermen  der  nordböhmisclien 
Braunkohlenformation. 


Von  Dr.  Paul  Menzel. 

Theil  I. 

Mit  3 Tafeln. 


Seit  Ettingshausen  in  seiner  fossilen  Flora  des  Tertiärbeckens  von 
Bilin  zum  ersten  Male  eine  grössere  Darstellung  der  böhmischen  Tertiär- 
flora bot,  hat  sich  die  Zahl  der  aus  den  Schichten  der  Brauukohlen- 
formation  Böhmens  bekannt  gewordenen  Pflanzen  sehr  erheblich  ver- 
grössert;  nicht  nur  von  den  altbekannten  Fundorten  der  Biliner  Umgegend 
liegen  zahlreiche  Neuentdeckungen  vor,  vor  Allem  haben  eine  Reihe  neuer 
Fundorte, -zumal  im  Mittelgebirge  und  im  Egerthalc,  eine  überraschende 
Fülle  von  pflanzlichen  Resten  dargeboten,  deren  Bearbeitung  in  einer 
langen  Reihe  von  Abhandlungen  vorzugsweise  Prof.  H.  Engelhardt  zu 
danken  ist. 

Das  reiche,  bisher  in  verscliiedenen  einzelnen  Localfloren  beschriebene 
Material,  zu  dem  noch  eine  Menge  in  mehreren  Sammlungen  aufbewahrter, 
noch  nicht  publicirter  Funde  hinzukommt,  lässt  mir  eine  vergleichende 
Zusammenstellung  aus  allen  Fundorten  der  uordböhmischen  Braunkohlen- 
formation als  eine  dankbare  Aufgabe  erscheinen,  und  es  soll  im  Nach- 
stehenden versucht  werden,  die  Gymnospermen  des  nordböhmischen  Tertiärs 
zusammenhängend  darzustellen. 

Die  Untersuchung  gründet  sich  auf  die  bisher  in  der  Litteratur  be- 
schriebenen Reste  und  auf  das  in  verschiedenen  Sammlungen  aufbewahrte 
Material. 

Die  geologischen  Institute  der  Deutschen  Universität  und  der  Deutschen 
Technischen  Hochschule  in  Prag,  das  Böhmische  Landesmuseum  in  Prag, 
das  Museum  in  Teplitz,  die  Landwirthschaftliche  Schule  zu  Liebwerd  bei 
Tetschen,  das  Königl.  Mineralogisch-Geologische  Museum  in  Dresden  und 
Herr  Prof.  Dr.  Deichmüller  in  Dresden  stellten  mir  in  dankenswerthester 
Weise  ihre  tertiären  Pflanzenreste  zur  Verfügung;  weiteres  Material  bot 
mir  meine  eigene  Sammlung. 


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A.  Conlferae. 

1.  Äbietineae. 

Zu  den  Äbietineae  gehörige  fossile  Reste  werden  im  Allgemeinen 
unter  der  Gesammtgattung  J^mis  zusammengefasst.  Ihrer  bieten  die 
böhmischen  Tertiärschichten  eine  reiche  Menge;  es  sind  Zapfen,  einzelne 
Zapfenschuppen,  Samen,  Zweige,  Kurztriebe  und  einzelne  Nadeln  sowie 
Rlüthenkätzchen,  die  von  verschiedenen  Fundorten  vorliegen.  Fast  immer 
sind  diese  Theile  isolirt  gefunden  worden,  nur  einzelne  nadelbüscheltragende 
Zweige  und  Samen  im  Zusammenhänge  mit  Zapfen  oder  einzelnen  Schuppen 
sind  zu  meiner  Kenntniss  gelangt,  während  Zapfen  im  natürlichen  Zu- 
sammenhänge mit  Zweigen  und  Blättern  bisher  nicht  vorgekommen  sind. 
Es  scheint  mir  daher  nicht  gerechtfertigt,  Zapfen  und  Blattorgane  zu  be- 
stimmten Arten  zusammenzubringen,  selbst  wenn  wiederholte  Vergesell- 
scbafterung  den  Schluss  auf  deren  Zusammengehörigkeit  nahelegt,  zumal 
auch  von  keiner  der  beobachteten  Arten  an  anderen  Orten  Zapfen  und 
Nadeln  in  natürlicher  Verbindung  bekannt  sind.  Ich  ziehe  deshalb  vor, 
die  einzelnen  Organe  getrennt  zu  behandeln,  und  unterlasse  es  auch,  die 
vorliegenden  Reste  bestimmten  Sectionen  der  Gattung  Hniis  zuzu weisen. 


Zapfen. 

Pinus  oviformis  Endl.  sp.  Taf.  II,  Fig.  1 — 4. 

Pinites  oviformis  Endlicher:  Syn.  Conif.,  p.  287. 

(ioeppert  in  Bronn:  öesch.  d.  Nat.  III,  2,  p.  41. 

Monogr.  d.  foBs.  Conif.,  p.  224. 

Conites  stroboides  RoBBmässIer;  Alteattel,  p.  40,  t.  12,  fig.  52. 

Pitys  stroboides  ünger:  Sju.  pl.  foss.,  p.  197. 

Gen.  et  sp.  pl.  foss.,  p.  364. 

IHnus  ovtf'ormis  Engelhardt;  Sitaungsber.  Isis  Dresden  1878,  p.  3. 

Braonkohlenfiora  von  Dux,  p.  5 Anm. 

Foss.  Pfl.  V.  Tschemowitz,  p.  15,  t 1,  fig.  1—3. 

Foss.  Pfl.  V.  Grasseth.  p.  17. 

Sieber:  Zur  Kenntn.  d.  Nordb.  Braunkohlenflora.  Sitzungsber.  Ak.  d. 

Wiss.  Wien  1880,  p.  74,  t.  I,  fig.  1. 

Schimper:  Traite  de  pal.  veget.  II,  p.  291. 

Pinus  ripios  (d.  Zapfen)  Ettingshausen:  Bilin  I,  p.  41,  t.  XIII,  fig.  15. 

’t  l'imtes  striatus  Presl.  in  Sternberg:  V'ers.  11,  p.  202,  t.  52,  fig.  1-9. 

Endlicher:  Syn.  Conif.,  p.  289. 

Unger:  Gen.  et  sp.  pl.  foss.,  p.  377. 

Goeppert:  Monogr.  d.  foss.  Conif.,  p 227. 

Pitys  striata  Unger;  Syn.  pl.  foss.,  p.  197. 

Pinus  strobilis  ovatis,  8 — 12  cm  longis,  5,5 — 8 cm  latis;  squamarum 
.ipophysi  integra,  conipresso-tetragona,  carina  transversa  arguta,  umbone 
conico  subrecurvo;  seminibus  ovatis. 

Vorkommen:  Zapfen  dieser  Art  liegen  vor  aus  dem  Sandsteine  von 
Tschemowitz,  dem  Basalttufle  von  Waltsch,  dem  plastischen  Thone  von 
Preschen,  aus  dem  Hangendletten  der  Braunkohle  vom  Concordiaschachte 
bei  VV eschen  bei  Teplitz,  aus  der  Braunkohle  von  Thürmitz,  aus  Sphaero- 
sideritknollen  vom  Lipneibusche  bei  Teplitz,  aus  dem  Letten  des  Beustr 
Schachtes  bei  Brüx,  aus  einem  glimmerreichen  Thone  von  Komotau  und 
aus  dem  Brauukohleiithone  von  Strahn  bei  Saaz. 


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61 


Die  Grösse  der  Zapfen  schwankt  zwischen  8 und  12  cm  lünge  bei 
5,5  bis  8 cm  Breite;  ihre  Gestalt  ist  eiförmig  bis  länglich  eiförmig.  Die 
Schuppen,  in  10 — 15  Spiralreihen  angeordnet,  sind  nach  dem  Grunde  zu 
ziemlich  rasch  verjüngt  (Fig.  3b),  sind  in  der  Mitte  der  Aussenseite  mit 
einer  niedrigen  Längsleiste  versehen  und  tragen  am  freien  Ende  zusammen- 
gedrückt-rhombische  Schilder,  die  in  der  Mitte  des  Zapfens  am  grössten 
sind  und  zwischen  12 — 20  mm  Breite  und  7 — 12  mm  Höhe  messen. 

Die  Apophysen  sind  stark  verdickt  und  ragen  stumpf  kegelförmig  vor, 
sie  sind  mit  einem  querverlaufenden,  scharfen,  meist  etwas  gebogenen 
Kiele  versehen,  in  dessen  Mitte  sich  aus  länglich -rundem  oder  stumpf- 
rhombischem Nabel  ein  kurzer,  kräftiger,  stumpfvierkantiger,  etwas  ge- 
krümmter Dorn  erhebt.  Die  Wölbung  der  Schuppenschilder  ist  bald 
oberhalb  und  unterhalb  des  Kieles  die  gleiche,  bald  ist  die  obere  Hälfte 
stärker  gewölbt;  die  Schilder  tragen  häufig  eine  oder  zwei  vom  Nabel  ab- 
wärts gehende,  mässig  hervortretende  Längskanten;  seltener  finden  sich 
vom  Nabel  aufwärts  laufende  Kanten. 

Samen  sind  an  längsgebrochenen  Zapfen  im  Tschemowitzer  Sandsteine 
zu  beobachten;  sie  sind  oval,  6—7  mm  lang,  4 mm  breit;  Flügel  derselben 
sind  noch  nicht  aufgefunden. 

Die  Zapfen  von  P.  oviformis  Endl.  sp.  sind  hauptsächlich  in  Abdrücken 
vorhanden;  selten  sind  sie  in  Kohle  erhalten;  ein  solcher  ist  Fig.  1 dar- 
gestellt; ein  anderes  in  Kohle  verwandeltes  Exemplar  von  Thürmitz  habe 
ich  im  Böhmischen  Landesmuseum  zu  Prag  gesehen;  in  Sandstein  um- 
gebildet bietet  sie  der  Purberg  von  Tschernowitz. 

Dass  P.  oviformis  Ludwig,  Palaeontogr.  VIII,  p.  76,  t.  XIV,  fig.  3 von 
P.  oviformis  Endl.  sp.  verschieden  ist,  hat  bereits  Schimper,  Traite  de 
pal.  veget  II,  p.  266  hervorgehoben. 

Ettingshausen  giebt  in  der  Flora  von  Bilin  I,  t.  XIII,  fig.  15  die 
Abbildung  eines  aufgebrochenen  Zapfens  von  Preschen  und  bezeichnet  ihn 
als  P.  rigios  Ung.  sp.,  ihn  willkürlich  mit  den  im  plastischen  Thone  von 
Priesen  entdeckten  Nadeln  der  P.  rigios  combinirend.  Das  Exemplar  ist 
mangelhaft  erhalten,  dementsprechend  beschreibt  es  Ettingshausen  auch  nur 
kurz  mit  den  Worten:  „Strobilis  ovato-oblongis,  squamis  apice  incrassatis.“ 
Ich  habe  eine  grössere  Anzahl  von  Zapfen  der  P.  oviformis  aus  derselben 
Fundstelle  in  den  Händen  gehabt,  die  genau  dieselben  Conturen  der  zer- 
rissenen Schuppen  aufweisen  — auch  unsere  Fig.  3 zeigt  solche  — wie 
Ettingshausen's  Zapfen,  die  aber  durch  wohlerhaltene  Apophysen  ihre  Zu- 
gehörigkeit zu  P.  oviformis  unzweifelhaft  machen;  ich  halte  daher  auch 
den  Zapfen  der  Biliner  Flora  für  nicht  verschieden  von  unserer  Art. 

Unter  der  Bezeichnung  Pinites  striatus  Presl.  sind  in  Stemberg’s 
Vers.  II,  p.  202,  t.  62,  fig.  1 — 9 einige  ziemlich  mangelhafte  Abdrücke 
von  Zapfenfragmenten  dargestellt;  diese  erwecken  mir,  zumal  fig.  1,  2,  3 
und  7,  durchaus  denselben  Eindruck  wie  die  Abdrücke  abgerollter  Zapfen- 
bruchstücke von  P.  oviformis,  deren  Apophysen  nicht  mehr  eine  deutliche 
Sculptur  erkennen  lassen,  — im  Tschemowitzer  Sandsteine  sind  solche 
häutig  aufzutinden  — oder  wie  die  Längsbrüche  von  Zapfenabdrücken, 
deren  der  Preschener  Thon  ähnliche  bietet.  Im  Sternbergeum  des  Böh- 
mischen Landesmuseums  in  Prag  habe  ich  die  Originale  nicht  aufgefunden, 
ich  kann  daher  meine  auf  die  erwähnten  Abbildungen  gegründete  Ansicht 
ihrer  Identität  mit  P.  oviformis  nur  vermuthungsweise  aussprechen. 


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Endlicher  hält  allerdings  (Syn.  Conif.,  p.  289)  Finites  striattis  Presl.  für 
proprii  generis. 

Die  Zapfen  von  P.  ovifonnis  Endl.  sp.  kommen  denen  der  recenten 
p.  pinaster  Sol.  aus  Südeuropa  nahe;  unter  den  fossilen  ist  von  unserer 
Art  kaum  zu  unterscheiden  F.  pinastroides  Unger,  Iconogr.,  p.  29,  t.  XV, 
fig.  1 aus  der  Wetterau,  eine  Art,  von  der  die  gleichbenannten  Zapfen 
von  Pohnsdorf  in  Unger’s  Sylloge  I,  p.  10,  t.  III,  fig.  1 — 3 abgetrennt 
werden  müssen,  wie  bereits  von  Stur,  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Plora  der 
Süsswasserquarze  der  Congerien-  und  Cerithienschichten,  p.  72  hervor- 
gehoben worden  ist. 


Firnis  hordacea  Rossm.  sp.  Taf.  II,  Fig.  B;  Taf.  III,  Fig.  23 — 27. 

Conites  hordaceus  Rosamässler;  Altsattel,  p.  40,  t.  12,  fig.  50,  61. 

Pitys  hordacea  Unger:  S^n.  pl.  foss.,  p.  i07. 

Finites  hordaceus  Endlicher:  Sjn.  Conif.,  p.  284. 

Abietites  hordaceus  Goeppert  in  Bronn:  Gesch.  d.  Natur  III,  2,  p.  41. 

MonoCT.  d.  foss.  Conif.,  p.  207,  t,  29,  fig.  9,  10. 

Abies  hordacea  Schiniper:  Trait^  de  pal.  v^göt.  II,  p.  303. 

Pinu«  hordacea  [p.  p.]  Engelhardt:  Sitznngsber.  Isis  Dresden  1878,  p.  3. 

Foss.  W.  V.  Tschemowiti,  p.  16,  t.  1,  fig.  6—9. 

Pinus  strobilis  ovnto-oblongis;  squamis  basi  angustata  sursum  dilatatis, 
apice  incrassatis,  longitudinaliter  striatis  vel  sulcatis;  apopliysi  dimidiata, 
3 — 5 angulari;  urnbone  terminali. 

Vorkommen:  Im  Sandsteine  von  Tschernowitz  und  Altsattel,  im 
plastischen  Tlioue  von  Preschen. 

Diese  Art  war  den  älteren  Autoren  nur  in  den  durch  Rossmässler 
von  Altsattel  mitgetheilten  Zapfenbruchstücken  bekannt,  deren  höchst 
mangelhafter  Zustand  nur  eine  sehr  ungenügende  Diagnose  gestattete,  bis 
Engelhardt's  Bearbeitung  des  Tschernowitzer  SUsswassersandsteines  aus 
diesem  neue  Belegstücke  von  Zapfenresten  und  einzelnen  Schuppen  zu 
Tage  förderte.  Die  sehr  wenig  bestimmte  Beschreibung  Rossmässlers 
(Conites  ovatus,  squamis  longis  latisque)  musste  die  Deutung  der  neu- 
aufgefundenen  Reste  und  ihre  Identificirung  mit  Rossmässler's  Art  ausser- 
ordentlich erschweren,  und  daraus  erklärt  es  sich,  dass  von  Engelhardt 
verschiedenartige  Reste  unter  der  Bezeichnung  P.  hordacea  zusammen- 
gefasst worden  sind.  Ich  komme  zu  dieser  L’eberzeugung,  nachdem  ich 
eine  grössere  Anzahl  von  Resten  dieser  Art  von  Tschernowitz  und  aus 
dem  Preschener  Thone  untersucht  habe. 

.Meine  Ansicht  gründet  sich  darauf,  dass  die  Schuppen  an  dem  von 
Engelhardt  1.  c.,  t.  1,  fig.  4 abgebildeten  Zapfenfragmente  eine  andere 
Beschaffenheit  aufweisen  als  die  von  Engelhardt  erwähnten  isolirten 
Schuppen,  deren  verscliiedene  von  diesem  Autor  selbst  gesammelte  und 
als  F.  hordacea  bestimmte  Exemplare  sich  in  meinem  Besitze  befinden. 
Während  der  abgebildete  Zapfen  nämlich  Schilder  von  durchaus  dem 
Typus  der  apophyses  integrae  besitzt,  Schilder,  deren  Placentarhöcker  ein 
deutliches  Dickenwachsthum  mit  abwärts  gedrängter  Spitze  und  einem 
quer  verlaufenden  Kiele  darbicten,  gehören  die  nicht  selten  vorkommenden 
isolirten  Schuppen  dem  Typus  derer  mit  apophyses  dimidiatae  an,  deren 
Placentalhücker  vorwiegend  durch  Flächenwachsthum  vergrössert  ist,  mid 
die  daher  am  oberen  Theile  nur  massig  verdickt  sind  imd  die  Spitze  end- 
ständig in  der  Mitte  des  oberen  Schuppeurandes  tragen. 


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Diese  wesentlichen  Abweichungen  veranlassen  mich,  Engelhardt’s  Fig.  4 
von  P.  Iwrdacea  zu  trennen  und  mit  einem  anderen  später  mitzutheilenden 
Reste  zu  einer  neuen  Art  zusammenzustellen,  dagegen  die  mit  Rossmässler's 
Abbildungen  correspondirenden  Zapfenfragmente  Engelhardt's  und  die  von 
beiden  Autoren  angeführten  vereinzelten  Schuppen  zu  P.  hordacea  zu- 
sammenzufassen und  die  Diagnose  dieser  Art  auf  Grund  der  neuen  Funde 
zu  ergänzen. 

Ein  vollständiger  Zapfen  liegt  leider  nicht  vor;  die  Zapfengrösse  ist 
daher  nicht  festzustellen,  sie  scheint  aber  nicht  unbeträchtlich  gewesen  zu 
sein;  Fragmente  und  LängsbrUche,  die  in  Tschernowitz  nicht  selten  sind, 
— Engelhardt  bildet  1.  c.  einige  ab  — lassen  eine  länglich  eiförmige 
Gestalt  vermuthen. 

Ich  gebe  Abbildungen  eines  Zapfenfragmentes  von  Preschen,  das  eine 
Anzahl  Schuppen  von  ihrer  Innenseite  zeigt  (Tat  II,  Fig.  5),  und  mehrerer 
einzelner  Schuppen  (Tat  III,  Fig.  23—27)  von  der  Aussen-  und  Innenseite, 
zum  Theil  mit  Samen ; ich  identificire  diese  Reste,  da  ihre  Beschaffenheit 
den  von  Rossmässler  und  Engelhardt  gegebenen  Beschreibungen  — ab- 
gesehen von  des  Letzteren  Darstellung  der  Schuppenschilder  — entspricht. 

Die  Schuppen  besitzen  eine  beträchtliche  Grösse,  bis  zu  6 cm  Länge 
und  bis  26  mm  Breite;  eine  wahrscheinlich  vom  Zapfengrunde  herrührendo 
Schuppe  ist  Tat  III,  Fig.  27  dargestellt,  die  nur  23  mm  Länge  bei  20  mm 
Breite  misst.  Aus  schmalem  Grunde  verbreitern  sie  sich  nach  der  Spitze 
zu  allmählich  und  erreichen  ihre  grösste  Breite  kurz  vor  dem  Ende,  um 
dann  eine  abgerundete  oder  stumpf  dreieckige  Spitze  zu  bilden,  deren 
Mitte  einen  kleinen,  knopfförmigen,  dreieckigen  Nabel  trägt.  Die  Aussen- 
seite  der  Schuppen  besitzt  eine  flache,  drei-  bis  fünfeckige  Apophyse,  die 
in  der  Mitte  eine  vom  endständigen  Nabel  nach  der  unteren  Schildecke 
verlaufende,  stärkere  und  seitlich  von  dieser  mehrere  ganz  flache,  vom 
Nabel  radiär  ausgehende  Kanten  aufweist.  Der  untere  Schuppentheil  ist 
aussen  durch  eine  in  der  Mittellinie  verlaufende  Längskante  ausgezeichnet, 
der  an  der  Innenseite  eine  vertiefte  Furche  entspricht.  Ausserdem  sind 
Aussen-  und  Innenseite  von  feineren  Längskanten  und  Furchen  durch- 
zogen. Die  nur  wenig  dicken  Schuppen  besitzen  ein  sehr  lockeres  Ge- 
webe, wie  es  auf  Querbrüchen  von  Engelhardt  1.  c.,  Fig.  6,  7 dargestellt 
ist;  die  dort  beschriebenen,  auf  den  Bruchflächen  sichtbaren  Poren  und 
die  eben  erwähnten  Läugskanten  bez.  lüefen  dürften  auf  die  in  den  Schuppen 
verlaufenden  Leitbündel  zurückzuführen  sein;  weiteren  anatomischen  Details 
nachzuforschen,  erlaubt  die  Gesteinsbeschaffenheit  nicht. 

Die  eben  geschilderten  Eigenthümlichkeiten  der  Schuppen  und  deren 
Gestaltung  verrathen  eine  überaus  grosse  Aelinlichkeit  mit  den  Schuppen 
von  Arten  der  Section  Strobus\  insbesondere  auf  die  Gruppe 

üustrobus  (P.  Strobus  L.,  P.  cxcelsa  Wall.)  weisen  auch  die  Samen  hin, 
während  sie  von  denen  der  Cemira- Gruppe  abweichen.  Die  Samen  von 
P.  hordacea  sind  eiförmig,  7 — 10  mm  lang,  4-6  mm  breit,  sie  besitzen 
schlanke,  bis  3',  cm  lange,  in  der  Mitte  6 mm  breite  Flügel  mit  fast 
gradlinigem  Innenrande,  gleichmässig  nach  Spitze  und  Grund  gekrümmtem 
Aussenrande  und  abgestumpfter  Spitze  [Taff.  III,  Fig.  23,  25;  Engelhardt  1.  c., 
fig.  5],  sie  weichen  von  den  genannten  lebenden  Arten  dadurch  ab,  dass 
bei  diesen  die  Samenflügel  länger  zu  sein  pflegen. 

Der  Umstand,  dass  häufig  isolirte  Schuppen  gefunden  werden,  ver- 
anlasste  Rossmässler  und  nach  ihm  Goeppert  und  Schimper  zu  der  Ver- 


54 


muthung,  dass  unsere  Art  zu  Ahies  gehören  möchte;  dem  ist  bereits  Engel- 
hardt entgegengetreten;  der  gesammte  Bau  der  Schuppen  und  Samen 
stimmt  keineswegs  zu  dem  der  entsprechenden  Theile  von  Arten, 

zudem  hat  sich  nie  auch  nur  eine  Andeutung  verschieden  gestalteter  Frucht- 
und  Deckschuppen,  wie  sie  Ahies  zukoramt,  gezeigt,  vielmehr  deuten,  wie 
oben  ausgeführt,  die  vorliegenden  Verhältnisse  auf  eine  Verwandtschaft 
mit  den  Arten  der  Section  Strohns. 

Engelhardt  glaubte,  die  1.  c.,  t.  1,  fig.  10  und  11  wiedergegebenen 
Nadeln  und  das  Zweigstück  1.  c.,  t.  2,  fig.  1 zu  dieser  Art  stellen  zu 
sollen;  ich  kann  mich  nicht  dazu  entschliessen,  einzig  auf  Grund  gemein- 
samen Vorkommens  Frucht-  und  Laubtheile  zusammenzubringen,  kann 
vielmehr  die  Tschernowitzer  Nadeln  und  das  Zweigstück,  wie  später  aus- 
zuführen ist,  nicht  von  dem  als  P.  rigios  Ung.  sp.  zu  bezeichnenden  Or- 
ganen trennen. 


Pinus  ornata  Stembg.  sp.  Taf.  II,  Fig.  6 — 9. 

ConiUs  omatus  Sternberg:  Vers.  I,  4,  p.  39.  t 55,  fig.  1,  2. 

Pitys  ornata  Unger;  Syn.  pl.  foss.,  p.  197. 

IHnites  omatus  Unger:  Gen.  et  sp.  pl.  foss.,  p.  364. 

Goeppert  in  Bronn:  Geschiente  der  Natur  III,  2,  p.  41. 

Monogr.  der  foss.  Conif.,  p.  224. 

Endlicher:  Syn.  Conif.,  p.  287. 

Pinus  ornata  Brongniart:  Prodr.,  p.  107. 

Engelhardt:  Isis,  Sitzungsber.  1876,  p.  9;  1878,  p.  3. 

Tert.  Pfl.  d.  I.eitm.  Mittelgeb.,  p.  61,  1. 10,  fig.  4, 

Foss.  Ptl.  V.  Tschemowitz,  p.  15,  t.  2,  fig.  4. 

Tert  Pfl.  V.  Waltsch,  Verh.  k.  k.  geol.  R.  A.  1880,  p.  113. 

Schimper:  Traiti?  de  pal.  vdg^t.  II,  p.  291. 

Pinus  strobilis  conicis  vel  oblongis,  3,5—9  cm  longis,  2 — 6 cm  crassis; 
squamarum  apopbjsi  integra,  tetragona,  planiuscula,  radiatim  striata, 
Carina  transversa  prominentiore ; umbone  transversim-rhombeo,  plano. 

Vorkommen;  Im  Süsswassersandsteine  von  Tschemowitz  und  von 
Schüttenitz,  im  Basalttuffe  von  Waltsch,  im  plastischen  Thone  von  Preschen. 
Die  Zapfen  sind  hauptsächlich  in  Abdrücken  vorhanden,  einige  wenige 
haben  mir  in  wirklich  versteinertem  Zustande  Vorgelegen,  wie  der  Zapfen 
Taf.  II,  Fig.  6 aus  dem  Böhmischen  Landesmuseum  in  Prag. 

Die  Grösse  der  Zapfen  schwankt  bei  Exemplaren  verschiedenen  Alters 
innerhalb  weiter  Grenzen;  der  grösste,  den  ich  sah,  mass  9 cm  Länge  bei 
5 cm  Breite,  der  kleinste  S'/a  cm  Länge  bei  2 cm  Breite. 

Die  Zapfen  sind  von  schlanker,  kegelförmiger  Gestalt  und  haben  die 
grösste  Breite  kurz  oberhalb  der  Basis;  zuweilen  ist  die  Form  mehr 
länglich  eiförmig;  sie  sind  meist  symmetrisch,  seltener  steht  der  Stiel, 
wie  ich  an  Exemplaren  von  Tschemowitz  beobachtet  habe,  excentrisch 
am  Zapfengrunde;  die  Zapfen  standen  daher  wenigstens  theilweise  am 
Zweige  zurückgebogen. 

Wie  die  Zapfen  variiren  auch  die  Schuppen  in  der  Grösse;  die  Apo- 
physen  weisen  Breitenmaasse  zwischen  7 und  16  mm,  Höhen  zwischen  6 
und  11  mm  auf.  Die  Apophysen  sind  fast  ganz  flach,  von  rhombischem, 
selten  durch  gegenseitigen  Druck  unregelmässig  fünfseitigem  Umriss;  der 
obere  Band  ist  abgerundet  oder  stumpfwinkelig,  selten,  wie  im  oberen 
Theile  des  Taf  11,  Fig.  8 abgebildeten  Zapfens,  spitzwinkelig;  quer  über 


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die  Schilder  yerläuft  ein  schmaler,  aber  deutlich  hervortretender  Kiel,  dessen 
Mitte  einen  verhältnissmässig  grossen,  querrautenfönnigen,  nur  wenig  vor- 
tretenden, stumpfen,  in  der  Mitte  zuweilen  etwas  vertieften  Höcker  trägt. 

Obere  und  untere  Hälfte  der  Apophyse  sind  radiär  gestreift,  und  beide 
tragen  meist  je  in  der  Mitte  eine  schärfer  hervortretende  Längsleiste,  die 
an  einzelnen  Exemplaren  in  der  oberen  Schildhälfte  besonders  deutlich 
ausgeprägt  ist;  vor  Allem  ist  dies  dann  der  Fall,  wenn  der  obere  Schild- 
rand spitzwinkelig  ausgezogen  ist  (Fig.  8).  Hin  und  wieder  ist  die  obere 
Apophysenhälfte  etwas  stärker  gewölbt  als  die  untere. 

Engelhardt  erwähnt  von  Schüttenitz  ein  Zapfenbruchstück  mit  eiför- 
migen Samen;  mir  sind  nur  an  einigen  Zapfenfragmenten  Samengruben 
als  eiförmige  Vertiefungen  am  Schuppengrunde  zu  Gesicht  gekommen. 

Schon  von  Sternberg  ist  die  Aehnlichkeit  der  Zapfen  von  P.  ornata 
mit  denen  von  P.  halepensis  Mill.  hervorgehoben  worden;  ich  kann  die 
grosse  Uebereinstimmung  beider  nach  der  Vergleichung  des  mir  zu  Ge- 
bote stehenden  Materials  an  fossilen  und  lebenden  Zapfen  durchaus  be- 
stätigen. Die  gegenwärtige  Verbreitung  der  lebenden  Art  im  Mittelmeer- 
gebiete lässt  einen  genetischen  Zusammenhang  beider  nicht  unwahrscheinlich 
erscheinen. 

Engelhardt  vereinigt  mit  P.  ornata  Bruchstücke  von  zweinadeligen 
Kurztrieben  (Mittelgebirge,  p.  62,  t.  10,  fig.  5 — 7);  dieselben  sind  nicht 
vollständig  erhalten,  stimmen  aber  zu  Nadeln,  die  ich  zum  Theil  noch 
an  Zweigen  befestigt  von  Waltsch  kennen  gelernt  habe  und  die  von  der 
Belaubung  der  P.  halepensis  nicht  abweichen.  Ich  komme  später  auf 
diese  zurück. 


Pinus  Laricio  Poir.  Taf.  II,  Fig.  10 — 14;  Taf.  III,  Fig.  7 — 10,  22. 

Finus  Laricio  Heer:  Balt.  Flora,  p.  22,  t.  I,  fig.  1—18. 

Ettingahansen:  Beitr.  z.  Erforsch,  d.  Phyllogenie  der  Pflanzenarten. 

Denkschr.  kaia.  Akad.  d.  Wiss.,  math.  nat.  CI.,  XXXVUI.  Bd.,  p.  73, 
75,  76,  t.  VI,  fig.  1,  2,  4;  t.  VII,  fig.  1,  3-11 ; t.  VlU,  fig.  4a,  5a,  6; 
t.  IX,  flg.  11,  12;  t.  X,  fig.  2a,  3—6. 

— FosaUe  Flora  von  Leoben  I,  p.  16,  t.  II,  fig.  6,  7. 

Menzel:  Beitr.  z.  Tert.  Fl.  v.  Kundratitz.  Abhandl.  Isis  Dresden 

1896,  p.  5,  1. 1.  fig.  1. 

Schimper:  Trait6  de  pal.  vdgdt  II,  p.  267. 

Finites  Thomasianus  (ioeppert:  Der  Bernstein  und  die  in  ihm  enthaltenen 
Pflanzenreste,  p.  92,  t.  III,  fig.  12—21. 

Monogr.  d.  foss.  Conif.,  p.  226,  t.  36,  fig.  6—9. 

Endlicher:  Syn.  Conif.,  p.  289. 

ünger:  Gen.  et.  spec.  pl.  foss.,  p.  366. 

Weber:  Tert.  Flora  d.  niederrhein.  Braunkohlenformat.  Falaeontogr.il, 

p.  50. 

Pinus  Induni  Massalongo.,  (Nach  Angabe  von  Heer,  1.  c.  p.  24).*) 

Pinus  strobilis  subsessilibus,  ovoideo-conicis  vel  oblongis,  6 — 8 cm 
longis,  2,6 — 5 cm  crassis;  squamarum  apophysi  integra,  rhomboidali, 
convexa,  carina  transversa  elevata,  latere  superiore  plerumque  convexiore, 
umbone  rhombeo,  mutico  vel  subspinato;  seminum  ala  nucula  bis  triplove 
longiore,  apice  augustata. 


*)  Wo  Finus  Induni  von  Massalongo  pnblicirt  worden  ist,  habe  ich  nicht  in  Er- 
fahrung bringen  können;  in  der  Flora  tertiaria  italica  von  Meschinelli  und  Squinabol 
ist  sie  nicht  verzeichnet. 


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Eino  eingehende  Untersuchung  fossiler  Reste  dieser  Art  und  den 
darauf  gegründeten  Nachweis,  dass  diese  nicht  von  den  Organen  der 
lebenden  P.  Laricio  2U  trennen  sind,  hat  Heer  in  seiner  baltischen  Flora 
geliefert;  er  kannte  die  Art  aus  dem  Samlande,  aus  den  rheinischen 
Hraunkohlen  und  aus  der  Lombardei;  es  ist  von  Interesse,  sie  nunmehr 
auch  aus  den  böhmischen  Tertiärschichten  nachweisen  zu  können. 

Sie  ist  in  Böhmen  gefunden  worden  im  Sandsteine  von  Tschernowitz 
und  Davidsthal,  im  Basalttufte  von  Waltsch,  im  plastischen  Thone  von 
Preschen,  im  Brandschiefer  des  Jesuitengrabens  und  in  den  Cypris- 
schiefern  von  Grasseth  und  Krottensee,  und  zwar  liegen  von  ihr  vor 
Zapfen,  einzelne  Schuppen  und  Samen. 

Die  Zapfen  sind  von  sehr  verschiedener  Grösse  — ebenso  wie  bei 
der  recenten  Art  und  ihren  Varietäten.  Die  kleinsten  mir  vorliegenden 
messen  6 cm  Länge  bei  2.7  cm  Breite,  der  grösste  (Taf.  2,  Fig.  10)  — mit 
P.  Laricio  var.  Pillasiana  vergleichbar  und  dem  von  Goeppert,  d.  Bern- 
stein, t.  III,  fig.  19  abgcbildeten  ähnlich  — 8 cm  Länge  und  6 cm  Breite. 
Heer  hat  nach  der  Gestalt  und  Grösse  der  Zapfen  mehrere  Formen  unter- 
schieden, auch  mir  kamen  kleine  und  grössere,  kurz-ovale  Zapfen  neben 
solchen  von  eiförmiger  und  kegelförmiger  Gestalt  zu  Gesicht.  Ihr  Er- 
haltungszustand ist  ein  verschiedener;  meistens  liegen  nur  Abdrücke  vor, 
seltener  sind  die  Zapfen  selbst  erhalten.  Auf  Taf.  H sind  mehrere  Zapfen 
und  Bruchstücke  von  solchen  wiedergegeben;  Fig.  11  stellt  einen  auf- 
gesprungenen reifen  Zapfen  dar;  bei  dem  grossen  Zapfen  Fig.  10  sind  die 
Schuppenschilder  grossentbeils  abgerieben,  und  nur  einzelne  lassen  noch 
die  charakteristische  Sculptur  erkennen,  die  die  Bestimmung  ermöglichte. 

Die  Schuppen  haben  eine  Länge  von  IB — 30  mm;  die  Apophysen 
sind  stark  gewölbt,  rhombisch,  selten  mehreckig,  breiter  als  lang;  sie 
messen  7 — 15  mm  Breite  bei  6 — 9 mm  Höhe,  ganz  am  Grunde  und  an 
der  Spitze  der  Zapfen  stehen  noch  kleinere,  nicht  völlig  ausgebildete 
Scbuppenschilder.  Eine  erhabene  Querleiste  tbeilt  die  Schilder  in  zwei 
Hälften,  diese  sind  bald  gleich  stark  gewölbt,  bald  ist  die  Wölbung  der 
oberen  Hälfte  stärker;  die  Schilder  erscheinen  danach  entweder  pyramiden- 
förmig oder  mehr  hakenförmig.  Die  Mitte  des  Kieles  trägt  einen  quer- 
rhombischen,  scharf  begrenzten,  erhöhten  Nabel,  der  entweder  stumpf  ist 
oder  ein  kleines  Wärzchen  — keinen  spitzen  Stachel  — besitzt.  Ceber 
die  Mitte  der  unteren  .Apophysenbälfte  verläuft  nicht  selten  eine  schwach 
ausgeprägte  Längskante,  die  sich  zuweilen  auch  auf  den  bedeckten  Theil 
der  Zapfenschuppe  fortsetzt. 

Samen  sind  von  Heer  beschrieben  und  abgebildet  worden,  die  denen 
der  lebenden  Art  entsprechen,  und  Ettingshausen  hat  (Beiträge  zur 
l’hyllogenie  1.  c.)  eine  ganze  Musterkarte  von  Samen  lebender  und  fossiler 
P.  Laricio  mitgetheilt.  Sie  bestehen  aus  einem  ovalen  Nüsschen  von 
4 — 8 mm  Länge  und  2 — 5 mm  Breite  und  einem  bis  20  mm  langen  und 
bis  6 mm  breiten  Flügel,  der  sich  aus  breitem  Grunde  allmählich  nach 
vorn  verschmälert,  eine  stumpfabgerundete  Spitze  besitzt,  und  dessen 
Innenrand  wenig,  dessen  Aussenrand  dagegen  stark  gebogen  verläuft. 

Die  Beschaffenheit  der  Samen,  Grösse  und  Gestalt  der  Sameuflügel 
sind  bei  den  recenten  Arten  recht  variabel;  die  verkümmerten  Samen  und 
Schuppen  an  Basis  uTid  Spitze  der  Zapfen  weichen  oft  wesentlich  von  den 
ausgebildeten  Samen  aus  der  Zapfenmitte  ab;  man  kann  sich  davon  durch 


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57 


die  Untersuchung  jedes  beliebigen  Zapfen  überzeugen.  Je  mehr  Samen 
von  lebenden  Jünus- Arten  ich  untersucht  habe,  desto  mehr  bin  ich  zu 
der  Ueberzeugung  gekommen,  dass  diesen  für  die  einzelnen  Arten  ganz 
sichere  Unterscheidungsmerkmale  nicht  zukommen;  und  eine  Art,  die  wie 
P.  Laricio  in  mehreren  Varietäten  schon  verschieden  gebildete  Zapfen 
aufweist  (vergl.  die  typische  Form  und  die  var.  PMasiana),  bietet  nicht 
weniger  V'erschiedenheiten  in  der  Bildung  der  Samen  und  Samenflügel;  die 
beiden  citirten  Werke  von  Heer  und  Ettingshausen  geben  eine  grössere  Anzahl 
ziemlich  verschieden  gestalteter  Samen  als  zu  P.  Laricio  gehörig  wieder. 

Es  scheint  mir  überaus  misslich,  isolirt  gefundene  Samen  bestimmten 
Arten  zuzuweisen,  und  es  erscheint  mir  auch  mindestens  gewagt,  wenn 
Ettinghausen  in  seiner  scharfsinnigen  Abhandlung  über  die  Pbyllogenie 
der  deutschen  JV'nus- Arten  so  variable  Gebilde  wie  die  Coniferensamen 
mit  dazu  benützt,  Uebergangsformen  aufzustellen  und  einen  Stammbaum 
der  gegenwärtigen  deutschen  Kiefernarten  zu  errichten. 

Nur  mit  Vorbehalt  stelle  ich  infolgedessen  eine  Reihe  einzelner  in 
den  böhmischen  Tertiärschichten  aufgefundener  Samen  zu  P.  Laricio: 

Taf.  111,  Fig.  7 und  8 entsprechen  Samenformeu,  die  bei  P.  Laricio 
häufig  zu  beobachten  sind; 

Taf.  111,  Fig.  22  stellt  eine  Schuppe  von  der  Innenseite  mit  zwei  wohl- 
erhaltenen Samen  dar,  deren  Flügel  eine  feine  Querrunzelung  erkennen 
lassen;  Flügelsamen  derselben  Beschaffenheit  haben  sowohl  Heer  wie 
Ettingshausen  zu  P.  Laricio  gestellt  (vergl.  u.  a.  Heer  1.  c.,  t.  1,  fig.  9; 
Ettingshausen  1.  c.,  t.  Vll,  fig.  2),  auffällig  erscheint  hier  aber  die  im 
Verhältniss  zur  Schuppe  geringe  Grösse  der  Flügel;  die  Flügel  der  wohl 
als  reif  anzusprechenden  Samen  reichen  hier  nur  bis  wenig  über  die  Mitte 
der  Schuppe,  während  ich  bei  recenten  Zapfen  von  P.  Laricio  als  Regel 
beobachtete,  dass  die  Samenflügel  mindestens  ’/4  der  inneren  Schuppen- 
fläche bedecken. 

Zwei  weitere  Exemplare  können  möglicherweise  noch  in  den  ge- 
staltenreichen Formenkreis  der  P.  Zan’oo- Samen  gestellt  werden: 

Taf.  III,  Fig.  10  ist  eine  Copie  des  von  Engelhardt,  Cyprisschiefer, 
t VII,  fig.  9 abgebildeten,  als  P.  furcata  Ung.  sp.  bezeichneten  und  mit 
Pinites  furcatus  Unger,  Iconographie,  p.  27,  t.  XIV,  fig.  7,  8 verglichenen 
Samens,  und  Taf.  111,  Fig.  9 stellt  eine  Copie  dar  von  Engelhardt,  Cypris- 
schiefer, t VII,  fig.  8,  die  dieser  Autor  als  vielleicht  zu  P.  rigios  Ung.  sp. 
gehörig  bezeichnet.  Ich  fasse,  wie  noch  auseinanderzusetzen  sein  wird, 
P.  rigios  nur  als  Bezeichnung  für  bestimmte  Pint« -Laubblätter  auf  und 
habe  den  als  P rigios  bezeichneten  Zapfen  Ettingshausen’s  (siehe  oben 
S.  61)  von  diesen  Nadeln  abgetrennt;  diese  beiden  Samen  (Taf.  III,  Fig.  9 
und  10)  können  vielleicht  zu  P.  Laricio  gezogen  werden;  ähnliche  Samen 
sind  wenigstens  von  Ettingshausen  1.  c.,  t.  VII,  fig.  4 und  D zu  dieser  Art 
gestellt  worden. 


Pinus  Engelhardti  nov.  spec.  Taf.  III,  Fig.  28. 

Syn.  Pinus  hordacea  (p.  p.)  Engelhardt;  Foss.  Pfl.  v.  Tschemowitz , p.  16, 
1. 1,  fig.  4. 

Pinus  strobilis  magnis;  squainis  latis;  squamarum  apophysi  integra, 
rbomboidea,  crassa,  elongata,  compresso-pyramidata,  linguaeformi,  recte 
patente  vel  subrecurva,  obtusa;  umbone  brevi,  obtuso. 


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58 


Das  Dresdener  Königl.  Mineralogisch- Geologische  Museum  bewahrt 
ein  Stück  einer  Sphaerosideritknolle  vom  Franz  Joseph -Schacht  bei 
Thürmitz  mit  dem  Abdrucke  des  Bruchstückes  eines  grossen  i^'ntif-Zapfens, 
der  mir  durch  die  auffällig  tiefen  Eindrücke  der  Schuppenschilder  be- 
merkenswertli  erschien.  Durch  einen  'Wachsabguss  des  vorliegenden 
Stückes  gelang  es,  ein  anschauliches  Bild  des  Zapfen -Fragmentes  zu  ge- 
winnen, und  nach  diesem  wurde  die  Reconstruction  des  Zapfens  (Taf.  111, 
Fig.  28)  versucht.  Die  ausgeführte  mittlere  Parthie  der  Abbildung  stellt 
das  im  Abdruck  einzig  Erhaltene  dar. 

Das  Bruchstück  lässt  auf  einen  Zapfen  von  erheblicher  Grösse 
schliessen;  im  Abdrucke  sind  zehn  Schilder  vollständig,  die  benachbarten 
neun  theilweise  erhalten;  das  Knollenstück  lässt  die  scharfen  Grenzen 
der  Apophysen  als  breite,  rhombische  oder  fünfeckige,  oben  meist  Hach 
gerundete  Gestalten  von  22  — 28  mm  Breite  bei  10 — 13  mm  Höhe  er- 
kennen. Die  Gestalt  der  Apophysen  verdeutlicht  der  Wachsabguss.  Die- 
selben sind  stark  verdickt  und  erheben  sich  auf  der  breiten,  unregelmässig 
rautenförmigen  Grundfläche  zu  flach  zusammengedrückten,  fast  zungen- 
förmigen Pyramiden  von  13 — 15  mm  Höhe,  die  vorn  stumpf  abgerundet 
sind,  auf  der  Spitze  einen  kleinen,  länglichen  stumpfen  Nabel  tragen,  an 
beiden  Seiten  von  einem  scharfen  Kiele  begrenzt  werden  und  gerade  oder 
schwach  zurückgebogen  vom  Zapfen  abstehen.  Obere  und  untere  Hälfte 
der  Apophysen  sind  von  je  einer  feinen,  aber  scharfen  mittleren  und  zwei 
schwächeren  seitlichen  Längskanten  bedeckt. 

Der  leider  nur  in  einem  unbedeutenden,  aber  scharf  ausgeprägten 
Bruchstücke  erhaltene  Zapfen  schliesst  sich  in  der  Bildung  der  Apophysen 
an  die  Zapfen  der  beiden  lebenden  zur  Gruppe  Taeda  gehörigen  Arten 
P.  longifolia  Roxb.  aus  Nepal  und  P.  Ocrardiana  Wall,  vom  Himalaya 
am  nächsten  an. 

Bei  der  Besprechung  von  P.  hordacea  Rossm.  sp.  hahe  ich  oben,  S.  52, 
angeführt,  dass  ich  den  Zapfen,  den  Engelhardt  in  „Die  foss.  Pfl.  des 
Süsswassersandsteines  von  Tschernowitz“,  t.  1,  fig.  4 abgebildet,  von 
dieser  Art  zu  trennen  veranlasst  bin.  Engelhardt  giebt  an:  „Der  freie 
Theil  der  Schuppen  ist  gross,  stark  aufgequollen,  gebogen,  mit  länglichem 
kleinen  Nabel  und  wellig  gebogenem  Kiele  versehen“  und  „in  der  Mitte 
der  Schuppen  befindet  sich  eine  hervortretende  Längskante“.  Diese  Be- 
schreibung stimmt  in  allen  Theilen  zu  den  Merkmalen  unserer  Art;  auch 
die  Engelhardt’sche  Abbildung  lässt  sich  mit  dem  vorliegenden  Abdrucke 
in  Einklang  bringen,  wenn  man  bei  beiden  verschiedene  Entwickelungs- 
zustände annimmt;  während  es  sich  beim  letzteren  um  einen  geschlossenen 
Zapfen  handelt,  scheint  das  Tschernowitzer  Bruchstück  einem  aufge- 
sprungenen Zapfen  angehört  zu  haben.  Es  ist  mir  leider  nicht  möglich 
gewesen,  das  Originalexemplar  Engelhardt’s  zu  vergleichen,  da  mir  dessen 
gegenwärtiger  Aufbewahrungsort  unbekannt  ist. 


Finus  horrida  nov.  spec.  Taf.  IV,  Fig.  1. 

Pinus  strobilis  conicis;  squamanim  apophysi  elevato-pyraniidata,  patente 
vel  recurva;  umbone  acuto,  elongato. 

Aus  dem  plastischen  Thone  von  Preschen  besitze  ich  einen  längs- 
gespalteneu  Zapfen,  der  Taf.  IV,  Fig.  1 photolithographisch  wiedergegeben  ist 


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69 


Der  mangelhafte  P^haltungszostand  erlaubt  leider  nicht,  eine  genaue 
Beschreibung  des  Zapfens  zu  geben,  der  von  allen  bisher  aus  tertiären 
Schichten  bekannt  gewordenen  abweicht  Es  handelt  sich  um  einen  kegel- 
förmigen Zapfen  von  7 cm  Länge  und  3,5  cm  grösster  Breite,  der  sich 
aus  breiter  Basis  gleichmässig  nach  der  Spitze  zu  veijüngt  und  schwach 
gekrümmt  ist.  Einzelne  messbare  Schuppen  am  Zapfengrunde  weisen 
eine  Länge  von  2 cm  auf.  Deutliche  Apophysen  sind  nicht  zu  erkennen; 
der  Rand  des  Abdruckes  zeigt  nur  die  Aufbrüche  erhöhter,  abstehender 
oder  zurückgekrümmter  Schuppenschilder,  die  anscheinend  von  einem 
langen,  dornigen  Nabel  gekrönt  sind. 

Die  BeschaflFenheit  des  Stückes  verhindert,  Beziehungen  zu  lebenden 
Zapfen  aufzusuchen;  erwähnt  sei  nur,  dass  seine  Conturen  Aehnlichkeit 
mit  denen  der  Zapfen  von  P.  inops  Sol.  aus  Nordamerika  darbieten.  Es 
muss  weiteren  Funden  überlassen  werden,  besseren  Aufschluss  über  diesen 
Zapfen  zu  bringen. 


Als  Pinites  ovatus  Presl.  wird  in  Sternb.  Vers.  II,  p.  202,  t.  62,  fig.  10 
ein  Coniferenrest  von  Altsattel  bekannt  gegeben  mit  der  Diagnose: 

P.  strobilo  ovato-subgloboso;  squamis  imbricatis,  adpressis,  lineari- 
oblongis;  seminibus  ovato-subrotundis,  ala  angusta  cinctis;  rhachi  crassa. 

Derselbe  ist  ferner  citirt  bei: 

Cioeppert:  Monogr.  der  foss.  Conif.,  p.  227. 

Unger:  Gen.  et.  ep.  pl.  foss.,  p.  376. 

— Synops.  pl.  foss.,  p.  197. 

Endlicher:  Synops.  Conif.,  p.  289. 

Ich  erwähne  dieses  Fossil,  dessen  Original  mir  im  Stembergeum  zu 
Prag  nicht  zu  Gesicht  gekommen  ist,  nur,  um  die  Liste  der  aus  böhmischen 
Tertiärablagerungen  mitgetheilten  Hwtts-Zapfen  vollständig  zu  geben.  Die 
Zuweisung  derselben  zu  einer  bestimmten  Art  oder  gar  die  Begründung 
einer  besonderen  Art  auf  dasselbe  scheint  mir  aber  durchaus  nicht 
gerechtfertigt.  Das  Bruchstück  bietet  nichts  Charakteristisches;  es  ist 
nichts  weiter,  als  das  Stück  einer  Zapfenspindel  mit  einigen  Samen  und 
Schuppenansätzen,  das  irgend  einer  der  bekannten  Arten  angehören  kann. 


Samen. 

Samen,  die  der  Gattung  IHniis  zuzuweisen  sind,  gehören  im  böhmischen 
Tertiär  nicht  zu  den  Seltenheiten.  Sie  finden  sich  theils  isolirt,  theils 
im  Zusammenhang  mit  den  Zapfen  oder  einzelnen  Zapfenschuppen,  so  bei 
P.  omformis  und  P.  omata,  deren  Samen  ohne  die  Flügel,  und  bei 
P.  hordacea  und  P.  Larido,  deren  vollständige  Samen  bekannt  und  im 
Vorstehenden  beschrieben  worden  sind;  zu  P.  Larido  wurden  ausserdem 
— wenn  auch  mit  Vorbehalt  — einige  isolirte  Samen  gestellt,  die  theil- 
weise  bereits  unter  anderer  Benennung  in  der  Litteratur  verzeichnet  waren. 

Neben  diesen  sind  mir  noch  einige  weitere  vereinzelte  Flügelsamen 
bekannt  geworden;  ich  führe  sie  an,  ohne  aber  aus  den  oben  angegebenen 
Gründen  ihnen  bestimmte  Artnamen  beizulegen. 

Taf.  IIL  Fig.  6a,  vergrössert  6b,  ist  ein  Same  aus  dem  Cyprisschiefer 
von  Krottensee. 


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60 


Der  Same  ist  6 mm  lang,  2 mm  breit,  unten  abgerundet,  nach  oben 
Ecbief  zugespitzt,  schräg  gestreift;  der  Flügel  ist  14  mm  lang  mit  fast 
geradem  Innenrande,  stark  gebogenem  Aussenrande  und  stumpfgerundeter 
Spitze;  oberhalb  der  Mitte  erreicht  er  mit  4 mm  seine  grösste  Breite; 
der  Same  selbst  ist  flach;  vielleicht  handelt  es  sich  um  einen  tauben 
Samen. 

Ich  vermag  nicht,  ein  Analogon  unter  den  recenten  i\'n«s-Samen 
für  den  vorliegenden  anzuführen,  wenn  schon  ich  Samen  von  ähnlicher 
Bildung,  aber  von  viel  bedeutenderer  Grösse  von  P.  canatietisis  Smith  ge- 
sehen habe.  Fast  übereinstimmende  fossile  Samen  sind  von  Ettings- 
hausen, Foss.  Flora  von  Schoenegg  bei  Wies  I,  p.  15,  t.  I,  fig.  83  — 85 
als  P.  stenosperma  beschrieben  worden. 

Taf.  III,  Fig.  6 stammt  ebenfalls  aus  den  Cypnsschiefem  von  Krotten- 
see; der  schräg  gestellte  ovale  Same  misst  5 mm  Länge  und  3 mm  Breite; 
sein  Flügel  ist  verkehrt  eiförmig,  an  beiden  Rändern,  und  zwar  stärker 
am  Aussenrande  gebogen,  vorn  breitabgerundet,  nach  dem  Grunde  zu 
verschmälert  und  erreicht  eine  Länge  von  12  mm  und  etwas  oberhalb  der 
Mitte  eine  Breite  von  6 mm. 

Dieser  Same  erinnert  an  die  Bildung  der  Samen  verschiedener  Picea- 
Arten,  z.  B.  unserer  P.  excelsa  Link,  der  P.  Khutrow  Royle  (Himalaja) 
und  der  P.  orientalis  L.  (Kl.  Asien),  in  der  Flügelform  auch  an  Pinus 
lanceolata  Ung.  sp.  (Unger,  Iconogr.,  p.  22,  t.  XII,  fig.  6;  Sylt.  pl.  foss.  lU, 
t.  XX,  fig.  4). 

Taf.  III,  Fig.  11  ist  eine  Copie  des  von  Engelhardt,  Cyprisschiefer, 
p.  136,  t.  VII,  fig.  10  als  Pi7ius  pseudonüjra  initgetheilten  Samens.  Er 
ist  klein  (1  mm  breit,  2 mm  lang),  elliptisch;  der  Flügel  ist  10  mm  lang, 
3 mm  breit,  am  Grunde  verschmälert,  an  der  Spitze  etwas  gestutzt  (falls 
er  an  dieser  Stelle  nicht  etwa  zerstört  ist),  mit  geradem  Innenrande  und 
gebogenem  Aussenrande.  Engelhardt  vergleicht  ihn  mit  den  Samen  von 
P.  nigra  Link  aus  Nordamerika. 

Taf.  III,  Fig.  12  endlich  ist  eine  Copie  des  Samens,  den  Engelhardt, 
I'lora  der  Tertiärschichten  von  Dux,  p.  24,  t.  2,  fig.  39  aus  dem  Letten 
von  Ladowitz  anführt. 

Der  Same  ist  sehr  klein,  kaum  1 mm  breit  und  2 mm  lang,  der 
Flügel  13  mm  lang,  in  der  Mitte  5 mm  breit;  nach  Spitze  und  Basis  ver- 
schmälert, vorn  zugespitzt,  mit  schwach  gebogenem  Innenrande  und  stark 
gebogenem,  etwas  geschweiftem  Aussenrande.  Er  kommt  den  Samen  von 
Picea  rubra  Link  (Nordamerika)  nahe. 


Käimliche  Blüthen. 

Abdrücke,  die  als  männliche  Blüthen  der  Gattung  Pinm  zugeschrieben 
werden,  sind  in  der  Litteratur  nicht  selten  verzeichnet.  Zumeist  lassen 
solche  Abdrücke  nicht  eben  viel  Genaues  erkennen:  es  sind  längliche 
Kätzchen,  die  gewöhnlich  im  Längsbruche  vorliegen  und  Längsschnitte 
der  gestielten  schuppenfürmigen  Staubblätter  darbieten.  Derartige  Fossilien 
liegen  auch  aus  Böhmen  vor. 

Taf.  III,  Fig.  13  stellt  ein  lilüthenkätzchen  aus  dem  Sandsteine  des 
Steinberges  bei  Davidsthal,  nahe  Falkenau,  dar,  ein  schlankes,  23  mm 
langes,  5 mm  dickes  Kätzchen,  das  mit  zahlreichen  Staubblattbruchstücken 


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61 


besetzt  ist.  Sehr  ähnliche  Blüthenkätzchen  sind  u.  a.  von  Ettingshausen, 
Beiträge  zur  Phyllogenie  der  Pflanzenarten,  t.  X,  fig.  3,  4 zu  P.  Laricio 
Poir.  gezogen  worden;  da  aber  nicht  mehr  als  nur  eben  der  Kätzchen- 
charakter der  Blüthe  und  ihre  Grösse  festzustellen  sind,  von  der  Form 
der  Staubblattschuppe  aber  nichts  zu  erkennen  ist,  muss  füglich  eine 
nähere  Bestimmung  unterbleiben. 

Taf.  III,  Fig.  14  giebt  ein  kleines,  rundliches  Kätzchen  aus  dem 
Cyprisschiefer  von  Krottensee  wieder,  welches  noch  weniger  als  das  vorige 
Einzelheiten  erkennen  lässt;  es  ist  10  mm  lang,  5 mm  breit  und  besitzt 
noch  am  Grunde  eine  kleine  pfriemliche  Hüllschuppe. 

Taf.  III,  Fig.  15  a ist  ein  Fund  aus  dem  Preschener  Thone  wieder- 
gegehen,  der  weit  besser  als  die  eben  genannten  eine  Untersuchung  ge- 
stattet. Es  liegt  die  Spitze  eines  Zweiges  mit  noch  fast  geschlossener 
Gipfelknospe  vor;  unterhalb  von  dieser  stehen  gedrängt  eine  Anzahl 
männlicher  Blüthenkätzchen,  die  bei  5 mm  Dicke  eine  Länge  bis  zu  27  mm 
erreichen.  Der  Abdruck  ist  dadurch  ausgezeichnet,  dass  sich  an  den 
Kätzchen  einzelne  der  zahlreich  vorhandenen  Staubblätter  getreu  in  ihrer 
Form  erhalten  haben,  Fig.  15b  und  15c  geben  vergrösserte  Ansichten 
der  Staubblätter  von  der  Seite  und  von  vorn;  deutlich  ist  die  am  unteren 
Rande  excentrisch  gestielte  Schuppe  zu  erkennen,  deren  flacher  Endtheil 
von  stumpffünfeckigem  Umriss  einen  Durchmesser  von  1,6  mm  besitzt, 
radiär  zart  gestreift  ist  und  etwas  unterhalb  des  Centrums  eine  punkt- 
förmige Vertiefung  trägt,  von  der  aus  nach  beiden  Seiten  Furchen 
verlaufen.  Die  Anthereu  von  P.  Laricio  Poir.  und  von  P.  halepensis  Mill. 
bieten  ähnliche  Gestaltungsverhältnisse  dar. 


Laubblätter  und  Zweige. 

Coniferenhlätter  gehören  im  böhmischen  Tertiär  durchaus  nicht  zu 
den  Seltenheiten;  es  finden  sich  zwei-  oder  dreinadelige  Kurztriebe,  isolirt 
oder  in  Zusammenhang  mit  Zweigen,  die  ohne  Zweifel  zu  IHnm-krtm 
gestellt  werden  müssen;  selten  sind  henadelte  Langtriebe  erhalten,  die 
vielleicht  Formen  von  Abies  oder  Tsuga  entsprechen. 

Pinus  rigios  Ung.  sp.  Taf.  III,  Fig.  1,  2,  3;  Taf.  IV,  Fig.  2. 

Finites  rigios  Unger:  Gen.  et  spec.  pl.  foss.,  p.  3H2. 

Iconogr.,  p.  26,  t XIII,  fig.  8. 

Finus  rigios  Kttmgsfiaasen : Bilin  I,  p.  41,  t.  XIII,  fig.  11,  12. 

Beitr.  z.  Erf.  d.  Pliyllog.  d.  Pflanzenarten,  t.  IV,  fig.  6. 

Engelhardt;  Cjprisscliiefer,  p.  13K,  t.  VII,  fig  6 — 7;  t.  IX,  fig.  1. 

Eos».  Pfl.  Nordbiihmens,  Lotos  1895,  p.  2 und  3. 

Fom.  Pflanzenreste  v.  Nattemstein,  Lotos  1896,  p.  .3. 

Wcntzel:  Vcrh.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1881,  p.  90. 

Schimper;  TraiO'  de  pal.  v^get.  II,  p.  276. 

Finus  hordacea  (p.  p.)  Engelhardt:  Foss.  Pfl.  v.  Tschemowitz,  p.  16,  t.  1, 
fig.  10,  llj  t.  2,  fig.  1. 

Pinus  foliis  ternis,  18—24  cm  longis,  2—2,5  mm  latis,  rigidis;  vaginis 
2 cm  longis. 

Nadeln  dieser  Art  sind  sehr  häufige  Funde,  vereinzelt  kommen 
Zweige  vor.  Sie  sind  bekannt  aus  den  Thonen  von  Preschen  und 


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62 


Priesen,  aus  den  Polierschiefern  vom  Nattemstein  bei  Zautig  und  ron 
Wamsdorf,  aus  Basalttufien  von  Liebwerd,  aus  den  Cyprisscbiefem  von 
Krottensee,  Falkenau  und  Grasseth,  aus  Erdbrandgesteinen  des  Duppauer 
Gebirges  und  aus  dem  Süsswassersandsteine  des  Purberges  bei  Tscber- 
nowitz. 

Ich  beziehe  die  Bezeichnung  P.  rigios  lediglich  auf  Blatt-  und  Stengel- 
organe. 

Unger  hat  die  Art  auf  das  Vorkommen  von  Nadelbüscheln  im  Thone 
der  Biliner  Gegend  begründet;  von  Ettingshausen  sind  damit  Zapfen  und 
Samen  zusammengebracht  worden,  die  ich  von  den  Nadeln  abzutrennen 
genöthigt  bin  (siehe  oben  S.  51). 

Die  Nadeln  stehen  zu  dreinadeligen  Kurztrieben  vereinigt,  sind  am 
Grunde  von  einer  bis  2 cm  langen  Scheide  umgeben  und  erreichen  eine 
Länge  von  18 — 24  cm  bei  einer  Breite  von  2 — 2,5  mm;  sie  weisen  eine 
zarte  Längsstreifung  auf;  soweit  sie  mit  der  Bauchseite  vorliegen,  sind  sie 
von  einer  scharfen  Längskante  durchzogen;  Spuren  von  Spaltöffnungen 
konnte  ich  an  keiner  der  vielen  mir  vorliegenden  Nadeln  erkennen.  Nach 
dem  vorderen  Ende  zu  sind  die  Nadeln  allmählich  zugespitzt;  vereinzelt 
beobachtete  ich  Nadeln,  die  an  der  Spitze  gespalten  sind,  eine  Erscheinung, 
die  sicher  nur  auf  Druck  zurückzufuhren  ist. 

ln  seiner  Arbeit  über  die  fossile  Flora  des  Süsswassersandsteines  von 
Tschernowitz  hat  Engelhardt  t.  1,  fig.  10,  11  dreinadelige  Kurztriebe  ab- 
gebildet und  zu  P.  hordacea  Uossm.  sp.  bringen  zu  sollen  geglaubt,  die 
sich  nach  den  Abbildungen  nicht  von  denen  der  P.  rigios  unterscheiden, 
und  die  ich  deshalb  hierher  ziehe. 

Taf.  III,  Fig.  1^ — 3 sind  mehrere  wohlerhaltene  Kurztriebe  von  Preschen 
und  Falkenau  wiedergegeben. 

Taf.  IV,  Fig.  2 bringt  die  photolithographische  Wiedergabe  eines 
grossen  Zweigstückes  mit  zahlreichen  Nadelbüscheln  von  Preschen.  Eine 
Platte  von  demselben  Fundorte,  die  ich  im  böhmischen  Landesmuseum  in 
Prag  sah,  ist  von  einem  9 cm  langen  Zweigende  mit  vielen  wohlausgeprägten 
Nadelbündeln  dieser  Art  bedeckt;  dieses  Stück  ist  insofern  interessant, 
als  es  deutlich  die  Sculptur  der  am  unteren  Theile  des  Zweiges  von  Nadeln 
entblössten  Rinde  wiedergiebt;  es  entspricht  durchaus  dem  von  Engelhardt, 
Foss.  Pfl.  von  Tschernowitz,  t.  2,  fig.  1,  abgebildeten,  aber  stärkeren 
Zweige,  dessen  genaue  Beschreibung  dieser  Autor  1.  c.  p.  17  giebt;  es 
lässt  spiralig  angeordnete  Blattpolster  von  zweierlei  Art  erkennen,  und 
zwar  mehrmals  abwechselnd  einige  Reihen  schmal -rhombischer  und  zahl- 
reiche Reihen  grösserer,  hervortretender,  rundlicher  Blattkissen.  Die  Ueber- 
einstimmung  des  Tschernowitzer  Zweiges  mit  dem  von  Nadeln  der  P.  rigios 
besetzten  Zweige  des  Prager  Museums  lässt  vermuthen,  dass  der  erstere 
ebenfalls  einer  P.  rigios  aiigebörte. 

Unger  hat  seine  P.  rigios  nach  den  ihm  vorliegenden  nur  theilweise 
erhaltenen  Nadeln  mit  P.  riyida  Mill.,  P.  taeda  L.  und  P.  Gerardiana 
Wall,  verglichen;  nachdem  vollständige  Nadeln  bekannt  geworden  sind, 
muss  1\  Gerardiana  aus  der  Reihe  der  Vergleichsobjecte  ausscheiden,  da 
diese  Art  wesentlich  kürzere  Nadeln  besitzt;  die  langen  Nadeln  der  P.  taeda 
kommen  den  fossilen  am  nächsten. 


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63 


Pinus  Suturni  Ung.  sp.  Taf.  III,  Fig.  17 — 21. 

Pity»  Satumi  ünger:  Syn.  plant,  foss.,  p.  198. 

Finites  Satumi  Unger:  Chloris  protog.,  p.  16,  t.  4,  t.  6. 

Syll.  pl.  foss.  III,  p.  66,  t Xi,  fig.  5 — 7. 

Gen.  et  spec.  pl,  foss.,  p.  362. 

Goeppert  in  Bronn:  Gesch.  d.  Xatnr  III,  2,  p.  41. 

Monogr.  d.  foss.  Conif.,  p.  223,  t.  36,  fig.  8,  9. 

— — Endlicher : Synops.  conif.,  p.  286. 

Pinus  Satumi  Engelhardt:  Sitzungsber.  der  Isis  Dresden  1882,  Abh.  p.  14. 

Tert.  Flora  d.  Jesaitengrabens,  p.  18,  t.  1,  fig.  41. 

Tert.  Pfl.  V.  Waltsch,  Leopoldina  1884,  p.  129. 

Schimper:  Trait6  de  pal.  v6gct  II,  p.  277. 

Pinites  taedaeformis  ünger:  Iconogr.,  p.  25,  t.  XIII,  fig.  4. 

Pinus  taedaeformis  Ettingshausen:  Bilm  1,  p.  41,  t XIII,  fig.  13,  14. 

Beitr.  z.  Phyllog.  d.  Pfl.,  t III,  fig.  1 ; t V,  fig.  1—13;  t.  VI,  fig.  6. 

Engelhardt:  Sitzungsber.  Isis  Dresden  1883,  Abh.  p.  48. 

Tert.  Fl.  von  Dnx,  p.  24.  t 3,  fig.  1. 

Schimper:  Traitd  de  pal.  v^giit  II,  p.  277. 

Pinus  foliis  ternis,  12 — 18  cm  longis,  0,7 — 1 mm  latis;  vagina  16  bis 
20  mm  longa. 

Vorkommen:  Im  Menilitopal  von  Schichow,  ira  Letten  vom  Kreuz- 
Erhökungs-Schacht  bei  Dux,  im  Thone  von  Komotau,  im  Brandschiefer  des 
Jesuitengrabens  bei  Kundratitz,  im  Basalttuffe  von  Waltsch. 

Die  Nadeln  stehen  zu  drei  in  Kurztrieben  vereinigt,  erreichen  bei 

O, 7 — 1 mm  Dicke  eine  Länge  von  12—18  cm;  sie  haben,  wie  die  Nadeln 
dreigliedriger  Kurztriebe  überhaupt,  an  der  Innenseite  eine  hervorstehende 
Kante  und  sind  am  Grunde  von  einer  15 — 20  mm  langen  Scheide  umgeben. 

Büschel  mit  drei  langen  Nadeln  und  noch  öfter  Bruchstücke  von 
solchen  sind  in  der  Litteratur  wiederholt  von  verschiedenen  Fundorten 
unter  den  Bezeichnungen  P.  Satumi  Ung.  sp.  oder  P.  taedaeformis  Ung.  sp. 
beschrieben  worden.  Als  Unterscheidungsmerkmal  beider  wurde  einzig 
die  bei  P.  Satumi  beträchtlichere  Länge  der  Nadeln  angegeben;  im  Uebrigen 
wurde  (z.  B.  Heer,  Fl.  tert.  Helv.  III.  p.  160;  Schimper  1.  c.  p.  277)  die 
grosse  AehnUchkeit  beider  Formen  hervorgehoben.  Bei  den  nicht  selten 
unvollständig  gefundenen  Exemplaren  muss  daher  beim  Fehlen  anderer 
Unterscheidungszeichen  die  Zutheilung  zur  einen  oder  anderen  Art  als 
rein  willkürlich  erscheinen. 

Ettingshausen  hat  (Beitr.  z.  Erf.  d.  Phyllog.  d.  Pflanzenarten,  p.  77, 
und  Foss.  Fl.  v.  Sagor  I,  p.  11)  zahlreiche  Nadeln  vom  Typus  der  P.  taedae- 
formis aus  den  Schichten  von  Schoenegg,  Parschlug,  Podsnsed  und  Sagor 
einer  eingehenden  Untersuchung  unterzogen;  auf  Grund  dieser  grenzte  er 
von  der  Form  taedaeformis  mehrere  neue  Formen  ab:  P.  praetaedaeformis, 

P.  posttaedaeformis,  P.prae-Cebra  und  P.  Palaeo-Taeda  und  benützte 
diese  (mit  Ausnahme  der  letztgenannten  Form  von  Sagor)  dazu,  eine 
Abstammungsreihe  der  lebenden  P.  Cembra  L.  von  der  tertiären  P.  Palaeo- 
Strobus  Ett.  abzuleiten.  So  interessant  dieser  phyllogenetiscbe  Versuch 
einerseits  für  die  Würdigung  der  in  den  verschiedenen  aufeinanderfolgenden 
Horizonten  des  steirischen  Tertiärs  erhaltenen  dreinadeligen  Piw«s-Kurz- 
triebe  ist,  ebenso  sehr  erschwert  die  Aufstellung  neuer,  sehr  ähnlicher 
Formen  die  Deutung  der  anderwärts  gefundenen  Nadelbüschel  von  ent- 
brechender Beschaffenheit,  bei  denen,  wie  z.  B.  für  die  ziemlich  spärlichen 
Funde  aus  der  böhmischen  Braunkohleuformation,  eine  Gliederung  nach 
verschiedenalterigen  Horizonten  unmöglich  ist. 


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64 


Für  die  Unterscheidung  der  P.  taedaeformis  von  P.  Satumi  hat  mich 
die  mehrfach  angezogene  Arbeit  Kttingshausen’s  aber  davon  überzeugt, 
dass  der  ursprünglich  als  Trennungsmerkmal  angeführte  Längenunterschied 
zwischen  den  Nadeln  beider  nicht  aufrecht  zu  erhalten  ist,  bildet  Ettings- 
hausen doch  Nadeln  von  P.  taedaeformis  ab,  die  denen  von  P.  Satumi 
an  Länge  gleichkommen,  sie  sogar  übertreten  (z.  B.  1.  c.,  t.  V,  fig.  la). 
Nachdem  so  von  Ettingshausen  das  Princip  der  Scheidung  von  P.  Satumi 
und  P.  taedaeformis  auf  Grund  der  verschiedenen  Nadellänge  durchbrochen 
ist,  ein  anderes  Unterscheidungsmerkmal  aber  nicht  angegeben  worden 
ist,  trage  ich  kein  Bedenken,  beide  zu  vereinigen,  und  zwar  unter  der 
älteren  Bezeichnung  Pinus  Satumi  Ung.  sp.,  die  sich  auf  die  ausgezeich- 
neten Exemplare  gründet,  die  Unger  in  der  Chloris  protogaea  wiedergiebt 
Die  Benennung  P.  taedaeformis  erscheint  mir  zudem  insofern  nicht  ganz 
glücklich  gewählt,  als  die  hierher  gehörigen  Reste  mit  P.  Taeda  L.  nur 
die  Dreizabl  in  den  Kurztrieben  gemein  haben,  in  der  Breite  der  Nadeln 
aber  von  dieser  Art  erheblich  abweichen. 

Die  von  Ettingshausen  aufgestellten,  oben  angeführten  Formen  lasse 
ich  in  voller  Würdigung  von  dessen  verdienstvollen  Untersuchungen  be- 
stehen, kann  ihnen  aber  eine  praktische  Bedeutung  nur  für  die  besonderen 
Verhältnisse  ihres  Vorkommens  im  steirischen  Tertiär  beimessen. 

Dass  zur  vorliegenden  Art  noch  manche  andere,  besonders  benannte 
Kurztriebe  mit  drei  langen  dünnen  Nadeln  gehören  mögen,  will  ich  hier 
nur  vermuthungs weise  anführen,  z.  B.  P.  trichophyUa  Sap.  und  P.  divari- 
cata  Sap.  (Et.  sur  la  Vegetation  du  sud-est  de  la  France  ä l'epoque 
tertiaire  II,  p.  71,  pl.  IV,  fig.  9;  p.  73,  pl.  IV,  fig.  2);  die  letztere  Art 
Saporta’s  hat  schon  Ettingshausen  (Foss.  Flora  v.  Sagor  I,  p.  12)  mit 
P.  taedaeformis  vereinigt. 

Aus  den  böhmischen  Tertiärschichten  liegen  nur  wenige  und  unvoll- 
kommene Reste  von  P.  Satumi  vor,  deren  einige  Taf.  III,  Fig.  17  — 21 
dargestellt  sind.  Fig.  17  ist  eine  Copie  nach  Engelhardt,  Tert.  Fdora  des 
Jesuitengrabens,  t.  1,  fig.  41,  dort  als  P.  Satumi  bezeichnet;  Fig.  18  nach 
Engelhardt,  Fl.  d.  Tertiärschichten  von  Dux,  t.  3,  fig.  1;  Fig.  19  und  20 
Copien  nach  Ettingshausen,  Foss  F'lora  von  Bilin,  t.  XIll,  fig.  13,  14 
(F’ig.  18 — 20  sind  1.  c.  als  P.  taedaeformis  beschrieben);  Fig.  21  endlich 
giebt  ein  Exemplar  des  Dresdener  Museums  aus  dem  Thone  von  Komotau 
wieder ; ein  anderes  hier  nicht  abgebildetes  Exemplar  desselben  Museums, 
ebenfalls  aus  dem  Thone  von  Komotau  stammend,  ist  insofern  bemerkens- 
werth,  als  es  deutlich  die  Spuren  reihenförmig  aiigeordneter,  dichtstehender 
Spaltöffnungen  erkennen  lässt . 

Unger  stellt  seine  P.  Satumi  der  mexicanischen  P.  patula  Schiede 
und  Deppe  nahe;  zum  Vergleich  mit  den  Nadeln  können  noch  manche 
andere  dreinadelige  Arten  hcrangezogen  werden,  z.  B.  P.  serotina  Mchx. 
und  P.  sabiniana  Dougl,  aus  Nordamerika  und  P.  canariensis  Smith. 


Pinus  hepios  Ung.  sp.  Taf.  111,  Fig.  4. 

Finites  hepios  Dnger:  loonogr.,  p.  25,  t.  XIII,  fig.  H— 9. 

lien.  et  sp.  pl.  foss.,  p.  3Ö2. 

(ioeppert;  Monogr.  d.  foss.  Conif.,  p.  228. 

Finus  hepios  Heer:  Flor.  tert.  Helv.  1,  p.  57,  t.  XXI,  fig.  7. 

Ettingsliansen:  Foss.  Fl.  v.  Sagor  I,  p.  13,  t.  I,  fig.  29. 

F'oss.  Fl.  v.  Leoben  I,  p.  lü. 


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65 


Pinus  licpios  Kttingshausoii;  Fo-is.  Fl.  v.  Sehoenegg  I,  ]i.  14. 

— — — Beitr.  z.  Krf.  il.  J’hyllog.  d.  l’ll.,  t.  VIII,  lig.  Ic,  d;  t.  IX,  fig.  9. 

Schimpcr:  Traitß  de, pal.  v6get  II,  p.  26.5. 

Pinus  Irptophi/lla  Saporta:  Et.  sur  T^tat  de  la  veg.  du  sud-est  de  la  France 
ä IV’ponne  tertiaire  II,  p.  77,  pl.  IV,  Bg.  11. 

Pinus  ornata  (pp.)  Engelhardt:  Tert.  Ffl.  a.  d.  Leitui.  Miltelgeb.,  p.  62,  t.  10, 
fig.  5—7. 

Fos.<i.  Flora  v.  Tschemowitz,  p.  17. 

Pinus  foliis  geminis,  9 — 15  cm  longis,  0,6 — 0,8  mm  latis,  rigidis  vel 
flexuosis,  basi  vagina  10 — 16  mm  longa  inclusis. 

Vorkommen;  Im  Basalttuffe  von  Waltscli,  im  Sandsteine  von  Schüttenita 
und  Tschemowitz, 

Unter  dem  Namen  Pinus  hepios  Ung.  sind  seit  Unger’s  erster  Pub- 
lication  Nadelreste  von  verschiedenen  Fundorten  mitgetheilt  worden,  die 
sich  theils  an  die  Unger’sclien  Originalabbildungen  anschlossen,  theils  Ab- 
weichungen von  diesen,  besonders  in  der  Stärke  darboten,  wie  die  Nadeln 
bei  Heer,  Haitische  Flora,  p.  58,  t.  XIV,  fig.  2 — 4;  Engelhardt,  Tertiär- 
flora von  Berand,  p.  12,  t.  I,  flg.  19. 

Ettingshausen  hat  früher  (Fl.  v.  Bilin  I,  p.  41),  die  Vermuthung  aus- 
gesprochen, dass  die  Nadelbüschel  der  P.  hepios  Ung.  als  unvollständige 
Büschel  von  P.  taedaeformis  Ung.  aufzutässen  seien,  später  ist  er  aber 
ohne  Zweifel  von  dieser  Ansicht  zurückgekommen,  denn  er  hat  in  späteren 
Publicationen  P.  hepios  wiederholt  aufgeführt,  er  hat  in  seinen  phyllo- 
genetischen  Untersuchungen  (Beitr.  z.  Erf.  d.  Phyllog.,  p.  73)  P.  hepios  als 
Glied  in  die  Abstammungsreihe  der  P.  Laricio  aufgenommen,  und  er  hat 
in  der  eben  citirten  Abhandlung  und  in  seiner  Fossilen  Flora  von  Sagor 
(1,  p.  13)  den  ArtbegrilT  der  P.  hepios  Ung.  praecisirt,  indem  er  ihn  auf 
Kurztriebe  mit  zwei  dünnen  Nadeln  beschränkte,  die  aus  zwei  dicken 
Nadeln  bestehenden  Büschel  aber  davon  abtrennte  und  mit  P.  Laricio 
Poir.  vereinte. 

Mich  führt  die  Untersuchung  der  zweinadeligen  Kiefemreste  der 
böhmischen  Braunkohlenformation  zu  gleichem  Kesultate;  mir  lagen  ins- 
besondere von  Waltsch  eine  Anzahl  benadelter  Zweige  und  isolirte  Kurz- 
triebe vor;  ein  solcher  Zweig  ist  Taf.  III,  Fig.  4 abgebildet;  er  trägt  an 
der  Spitze  einen  Schopf  nicht  eben  dicbtgestellter  Nadelbüschel,  die  von 
je  zwei  langen  und  dünnen,  am  Grunde  von  einer  I — 1,5  cm  langen  und 
bis  zu  1,5  mm  dicken  Scheide  umgebenen  Nadeln  gebildet  werden;  am 
unteren  Theile  des  Zweiges  sind  nur  vereinzelte  Nadelpaare  stehen  ge- 
blieben. Die  Nadeln  am  abgebildeten  und  an  verschiedenen  anderen 
Exemplaren  weisen  eine  Länge  von  9—16  cm  auf  bei  einer  Breite,  die 
zwischen  0,6 — 0,8  mm  schwankt;  sie  waren  zuweilen  leicht  gebogen  (wie 
bei  Taf.  III,  Fig.  4).  Die  Binde  der  Zweige  lässt,  wie  auch  auf  der  Ab- 
bildung angedeutet  ist,  und  wie  es  an  anderen  untersuchten  Exemplaren 
noch  besser  zu  erkennen  war,  deutlich  in  entfernten  Spiralen  (Intervalle 
durchschnittlich  1 cm)  angeordnete,  quergestellte,  ovale  Blattkissen  mit 
herablaufenden  Blattspuren  wahrnebmen. 

Beim  Vergleiche  mit  lebenden  Kieferzweigen  bot  sieb  mir  als  Analogon 
P.  halepensis  Mill.  dar,  die  in  allen  Eigenschaften,  in  der  Beschaffenheit 
der  Kurztriebe,  in  deren  Anordnung,  im  schlanken  Habitus  der  Zweige 
und  in  der  Bindenbildung  der  letzteren  mit  den  fossilen  Kesten  eine  über- 
raschende Uebereinstimraung  aufweist. 


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Filter  den  fossilen  Kiefern  ist  P.  h-pios  im  engeren  Sinne  mit  unseren 
Resten  identisch,  ebenso  stimmen  mit  ihnen  die  Nadeln  von  F.  leptophyUa 
Sap.  (ßtudes  II,  p.  77,  pl.  IV\  fig.  11)  überein,  die  Ettingshausen  bereits 
mit  P.  hepios  vereinigt  hat,  und  die  Saporta  ebenfalls  mit  den  Nadeln 
von  P.  halcpemis  Mill.  vergleicht. 

Unger  hat  seine  P.  hepios  mit  der  nordamerikanischen  P.  mitis  Mchx. 
verglichen. 

Mit  der  vorliegenden  Art  glaube  ich  die  von  Engelhardt,  Tert.  I*fl. 
d.  Leitm.  Mittelgeb.,  p.  62,  t.  10,  tig.  5 — 7,  und  Foss.  Pfl.  von  Tschernowitz, 
p.  17  angegebenen  und  von  ihm  zu  P.  ornata  Sternbg.  sp.  gestellten  Nadel- 
fragmente vereinigen  zu  können;  sie  übertreffen  an  Stärke  die  typischen 
Nadeln  der  P.  hepios  um  ein  Geringes,  da  sie  etwa  1 mm  Breite  erreichen, 
sie  kommen  damit  den  von  Heer  in  der  Tertiärfiora  der  Schweiz,  t XXI, 
tig.  7 abgebildeten  Nadelpaaren  nahe. 

Die  Beziehung  dieser  Nadeln  zu  P.  ornata  scheint  nicht  ganz  der 
Berechtigung  zu  entbehren.  Nadeln  und  Zweige  von  P hepios  Ung.  habe 
ich  mit  denen  von  P.  halcpensis  Mill.  verglichen;  oben  tsiehe  S.  55)  ist 
die  grosse  Aehnlichkeit  der  Zapfen  von  P.  ornata  mit  denen  von  P.  hale- 
pcnsis  hervorgehoben;  beiderlei  Reste,  die  zu  P.  ornata  bez.  P.  hepios  zu 
ziehen  sind,  kommen  an  drei  böhmischen  Fundorten  gemeinsam  vor,  es 
liegt  daher  die  Wahrscheinlichkeit  sehr  nahe,  dass  dieselben  combinirt 
werden  können,  zumal  die  gegenwärtige  Verbreitung  der  P.  halepcn-sis 
sehr  w'ohl  die  Annahme  zulässt,  dass  diese  im  mitteleuropäischen  Tertiär 
bereits  vertreten  war  oder  doch  in  P.  ornata-hepios  einen  sehr  nahe- 
stehenden Vorläufer  besass.  Immerhin  aber  nehme  ich  Anstand,  die 
Zapfen  P.  ornata  mit  den  Nadeln  P.  hejrios  bestimmt  zu  vereinigen,  so 
lange  dieselben  nicht  in  natürlichem  Zusammenhänge  aufgefunden 
worden  sind. 

Engelhardt  erwähnt  (Tert.  Pfl.  d.  Leitm.  Mittelgeb.,  p.  62)  Zweigstücke, 
die  übereinstimmend  mit  dem  von  Rossniässler  (Altsattel,  p.  41,  t.  12, 
tig.  55)  abgebildeten  nadellosen  Zweige  mit  spiralig  angeordneten  Blatt- 
polstern bedeckt  sind,  und  die  man  vielleicht  hierher  ziehen  kann,  wenn 
man  überhaupt  solche  Reste  benennen  will. 


Pinus  laricioides  nov.  spec.  Taf.  III,  Fig.  16. 

Pinus  hepios  Heer:  Balt.  Flnra,  p.  ,tS,  t.  XIV,  fig.  g — 1. 

Eiigelhanlt : Tertiiirflora  v.  Berand,  p.  12,  t.  I,  fig.  19. 

Pinus  Loricio  (p.  p.)  KttingshauBeii;  Beitr.  z.  Erf.  d.  Bh.vllogenic  d.  Pfl.,  t.  VI, 
fig.  1,  2,  4;  t.  VIII,  fig.  4a,  5a,  6;  t IX,  fig.  11,  12. 

Pinus  foliis  geminis,  8 — 15  cm  longis,  1,5 — 2,5  mm  latis;  vaginis 
1 — 1,5  cm  longis. 

Vorkommen:  Im  Schieferthone  von  Sulloditz-Berand. 

Dem  Beispiele  Ettingshausen’s  folgend  trenne  ich  von  P.  hepios  Ung. 
sp.  die  Kurztriebe  mit  zwei  dicken  Nadeln,  die  bisher  zumeist  mit  dieser 
Art  vereinigt  wurden,  so  vor  Allem  die  von  Heer  fragw'eise  hierher 
gestellten  Nadcl])aare  von  Rixhöft  und  unter  den  böhmischen  Funden  das 
von  Engelhardt  1.  c,  angeführte  Stück  von  Berand. 

Heer  hat  bereits  auf  das  Abweichende  seiner  Rixhöfter  Nadeln  von 
der  Unger'sclien  P lujjios  hingewiesen  und  hat  sie  in  Beziehung  zu 


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P.  Laricio  Poir.  und  P.  pinaster  Sol.  gebracht;  Ettingshausen  hat  sie 
dann  direct  mit  P.  Laricio  vereinigt  (Eoss.  P'lora  von  Sagor  1,  p.  13; 
Beitr.  z.  Phyllogenie  1.  c.  p.  73). 

ln  der  That  stimmen  diese  Kurztriebe  mit  zwei  8 — 15  cm  langen 
und  1,5 — 2,5  mm  breiten  Xadeln,  die  am  Grunde  von  einer  1 — 2,5  cm 
langen  Scheide  umgeben  sind,  mit  denen  von  P.  Lando  sehr  wohl  über- 
ein, besonders  mit  denen  der  var.  FaUasiana',  ich  mochte  diese  isolirten 
Nadelpaare  aber  nicht  unter  diesem  Namen  aufführen,  nachdem  bereits 
fossile  Zapfen  als  mit  der  lebenden  Art  identisch  publicirt  worden  sind, 
getreu  dem  Princip,  nichts  zusammenzubringen,  was  nicht  wirklich  im 
Zusammenhänge  gefunden  worden  ist,  ohne  jedoch  damit  die  grosse  Wahr- 
scheitdichkeit  der  Zusammengehörigkeit  der  tertiären  P.  PanWo -Zapfen 
mit  den  P.  Zanewirfes- Nadeln  in  Frage  zu  stellen. 

Taf.  III,  Fig.  16  stellt  das  bereits  von  Engelhardt  mitgetheilte  Bruch- 
stück von  Berand  dar;  es  ist  auffällig  durch  die  verschiedene  Ausbildung 
der  beiden  Nadeln;  die  eine  zeigt  die  normale  für  unsere  Art  angenommene 
Breite,  die  andere  ist  wesentlich  schmäler;  wahrscheinlich  handelt  es  sich 
um  eine  Entwickelungsheramung  dieser  einen  Nadel,  wie  sie  zuweilen, 
wenn  auch  selten  in  so  holiem  Grade,  an  den  Kurztrieben  der  Kiefern 
zu  bcobiichten  ist;  eine  zufällig  entstandene  Zerstörung  ist  ausgeschlossen, 
davon  überzeugt  mich  der  in  beiden  Platten  in  meiner  Sammlung  be- 
tindliche  Abdruck,  und  wie  ich  an  mehreren  Querbrüchen  sehen  kann,  ist 
es  auch  nicht  stichhaltig,  die  verschiedene  Stärke  der  Nadeln  dadurch 
zu  erklären,  dass  diese  mit  verschiedenen  Seiten,  die  eine  mit  der  breiten 
Fläche,  die  andere  mit  der  schmalen  Kante  vorliegen. 


Pinus  lanceolata  Ung.  sp. 

Elate  lanceolata  Unger:  Sju.  pl.  foss.,  p.  200. 

1‘inites  lanceolatus  Unger:  Iconogr.  pl.  foss.,  p.  22,  t.  XII,  tig.  5,  ö. 

Gen.  et  sp.  pl.  foss.,  p.  357. 

— Sylloge  pl  foss.  III,  p.  ti5,  t.  XX,  tig.  3,  4. 

KniUicher:  Svnops.  coiiif,,  p.  284. 

Goeppert:  Monogr.  d.  foss.  Conif.,  p.  207. 

Abies  lanceolata  Scliimper:  Traitß  de  pal.  v^get.  II,  p.  302. 

IHnus  lanceolata  Kngelhardt:  .Sitzuugsber.  Isis  Dresden  1882,  Abli.  p.  14. 

— TertiärHora  d.  Jesuitengr^ens,  p.  18,  t.  1,  fig.  31. 

Pinus  foliis  subdistichis,  planis,  lanceolato-linearibus,  aeutiusculis. 

Von  dieser  Art  sind  aus  Böhmen  nur  unbedeutende  Reste  bekannt 
geworden;  ausser  dem  von  Engelhardt  1.  c.  mitgetheilten  Zweigstückchen 
ist  ein  Zweigfragment  mit  einigen  Nadeln  aus  dem  Preschener  Thone 
hierher  zu  stellen,  das  sich  in  meiner  Sammlung  befindet. 

Die  Art  ist  charakterisirt  durch  gescheitelt  beblätterte  Langtriebe 
mit  flachen,  bänglich -laucettlichen,  zugespitzten  Blättern  von  1 — 1.5  cm 
Länge  und  1 — 2 mm  Breite,  die  von  einem  kräftigen  mittleren  Längsnerven 
durchzogen  sind. 

Unger  verglich  diese  seine  Art  mit  Tsuga  (PinusJ  canadensis  Carr. 
und  vereinigte  mit  ihr  Samen,  die  denen  von  Tsuga-,  Ahies-  und  Picea- 
Arten  ähneln;  Schimper  stellte  sie  zu  den  .Abietes  verae;  andererseits  wurde 
die  Fixistenzberechtigung  von  P.  lanceolata  angefochten,  z.  B.  führt  sie 
Staub  in  D.  Aquitan.  Flora  des  Zsiltliales,  p.  30  als  Synonym  von  Sequoia 


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()K 


Laiii/sdorfii  Bi'gt.  sp.  auf.  Jeclenfalls  ist  sie  eine  auf  nur  mangelliaft  er- 
haltenes Material  begründete,  noch  zweifelhafte  Art,  zu  deren  Sicherstellung 
die  böhmischen  Tertiärschichten  geeignete  Reste  bisher  nicht  geboten  haben. 


Terzeichniss  der  Abbildungen. 

[In  Klammern  ist  die  Sammlung  beigefügt,  die  die  Originale  bewahrt.] 


Fig.  1. 

Fig.  2. 

Fig.  3»~ 

Fig.  3 b- 

Fig.  4»' 

Fig.  4 b- 
Fig.  5. 

Fig.  6». 

Fig.  Üb. 
Fig.  7. 

Fig.  8. 

Fig.  9. 

Fig.  10. 

Fig.  11. 
Fig.  12. 
Fig.  1.3. 
Fig.  14. 


Tafel  II. 

Pinus  oviformis  Endl.  sp.  Zapfen  in  Braunkohle  vom  Concordi.*!- 
schachte  bei  Weschen  bei  Teplitz  [Königl.  Mineral.-Geol.  Museum, 
Dresden]. 

Pntis  oviformis  Endl.  sp.  Zapfen  vom  Lipneibusche  bei  Teplitz, 
nach  einem  .4bgusse  [Museum  zu  Teplitz]. 

Ihnus  ovifonnis  l'indl.  sp.  Zapfenabdruck  aus  dem  Tlione  von 
Preschen  [Sammlung  Menzel]. 

Hnus  oviformis  Endl.  sp.  Einzelne  Zapfenschuppe  aus  dem  Sand- 
steine von  Tschernowitz  [Sammlung  Menzel]. 

Pifius  oviformis  Endl.  sp.  Zapfeiiabdruck  von  Preschen  [Sammlung 
Menzel]. 

lintis  oviformis  Endl.  sp.  Einzelne  Apophyse  desselben  Zapfens. 

linus  horducea  Rossm.  sp.  Zapfenbruchstück,  Abdruck  von 
Preschen  (Sammlung  Menzel]. 

linits  ornuia  Sternbg.  Versteinerter  Zapfen  von  Waltsch  [Böh- 
misches Eandesmuseum,  Prag]. 

Pnus  ornaia  Sternbg.  Einzelne  Apophyse  desselben  Zapfens. 

Piniis  ornaia  Sternbg.  Längsbruch  eines  Zapfens  von  Waltsch 
[Böhmisches  Landesinuseum,  Prag]. 

Pinus  ornaia  Sternbg.  Zapfenabdruck  von  Preschen  [Sammlung 
Menzel]. 

Pnits  ornaia  Sternbg.  Apophysenabdrücke  von  Waltsch  [Böh- 
misches Landesinuseujn,  Prag]. 

Pinus  Larido  Poir.  Abgerollter  und  theilweise  zerbrochener 
Zapfen  von  Tschernowitz  [Sammlung  der  landwirthschaftlichen 
Schule  zu  Liebwerd]. 

Pinus  Laricio  Poir.  Zapfenabdruck  von  Tschernowitz  [Museum 
zu  Teplitz]. 

Pinus  Laricio  Poir.  Zapfenabdruck  von  Davidsthal,  nach  einem 
Abgusse  [Sammlung  Menzel], 

Pinus  Laricio  Poir.  Zapfenabdruck  von  Waltsch,  nach  einem 
Abgusse  [Böhmisches  Laudesmuseum,  Prag]. 

Pinus  Laricio  Poir.  Zapfenabdruck  von  Tschernowitz,  nach  einem 
Abgusse  [Museum  zu  Teplitz]. 


Tafel  III. 

F’ig.  1,2.  Pinus  rigios  L'ng.  sp.  Kurztriebe  von  Preschen  [Sammlung 
Menzel]. 

Fig.  3.  Hnus  rif/ios  Ung.  sp.  Kurztrieb  aus  dem  Cyprisschiefer  von 
Falkenau  [Sammlung  Menzel]. 


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69 


Fig.  4.  JYwks  hcpios  Ung.  sp.  Zweig  von  Waltsch  [Böhmisches  LanJes- 
luuseum,  Prag], 

Fig.  5a.  Pmas  sp.  Same  von  Krottensee,  vergrössert  Fig.  5*>.  [Böhmisches 
Landesmuseum,  Prag]. 

Fig.  6.  l'inm  sp.  Same  von  Krottensee  [Böhmisches  Landesmuseum, 
Prag]. 

Fig.  7.  Pinus  Laricio  Poir.  Same  von  Preschen  [Sammlung  Menzel]. 

Fig.  8.  Pinus  Laricio  Poir.  Same  vom  Jesuitengraben  [Sammlung  Menzel]. 

Fig.  9.  Pinus  Laricio  Poir.  Same  aus  dem  C^prisseuiefer  von  Grassetn 
(Copie  nach  Flngelhardt). 

Fig.  10.  Pinus  Laricio  Poir.  Same  von  Krottensee  (Copie  nach  Engel- 
hardt). 

Fig.  11.  Pinus  pseudoniyra  Engelh.  Same  von  Krottensce  (Copie  nach 
Engelhardt). 

Fig.  12.  Pinus  sp.  Same  von  Ladowitz  (Copie  nach  Engelhardt). 

Fig.  13.  Pinus  sp.  Blüthenkätzchen  von  Davidsthal  [Sammlung  Menzel]. 

Fig.  14.  I^nus  sp.  cT  Blüthenkätzchen  von  Krottensee  [Böhmisches  Landes- 
miiseum,  Prag]. 

Fig.  15»-  Pinus  sp.  Blüthenkätzchen  von  Preschen  [Sammlung  Menzel], 
Fig.  15 1>,  c.  einzelne  Antheren  desselben  von  der  Seite  und 
von  vorn. 


Fig.  16.  Pnus  laricioides  nov.  sp.  Kurztrieb  von  Berand  [Sammlung 
Menzel]. 

Fig.  17.  Pinus  Satumi  Ung.  sp.  Kui-ztrieb  vom  Jesuitengraben  (Copie 
nach  Engelhardt). 

Fig.  18.  Hnus  Saturni  Ung.  sp.  Kurztrieb  von  Dux  (Copie  nach  Engel- 
hardt). 

Fig.  19,  20.  l^inus  Saturni  U^ng.  sp.  Kurztriebe  von  Schichow  (Copien  nach 
Ettingshausen). 

Fig.  21.  Pinus  Saturni  Ung.  sp.  Kui-ztrieb  von  Komotau  [Königl.  Mineral- 
Geol.  Museum,  Dresden]. 

Fig.  22.  Pinus  Laricio  Poir.  Zapfenschuppe  von  Krottensee  [Böhmisches 
Landesmuseum,  Prag]. 

Fig.  23,  24,  26,  27.  Pinus  hordacea  Rossm.  sp.  Zapfenschuppen  von  Preschen 
[Sammlung  Menzel]. 

Fig.  25.  Pinus  hordacea  Rossm.  sp.  Zapfenschuppe  von  Preschen  [Böh- 
misches Landesmuseum,  Prag], 

Fig.  28.  Pinus  Emjelhardti  nov.  sp.  Zapfen,  nach  einem  Abgusse  ergänzt, 
von  Thünnitz  [Königl.  Mineral.-Geol.  Museum,  Dresden]. 


Tafel  IV. 


Fig.  1. 
Fig.  2. 


Pinus  horrida  nov.  sp. 
Menzel]. 

Pinus  ng-ios  Ung.  sp. 


Zapfenabdruck  von  Preschen  [Sammlung 
Zweig  von  Preschen  [Sammlung  Menzel]. 


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IX.  Die  postglaciale  Entwlckelungsgeschiclite 
der  hercynischeii  Hügelformationen  und  der  montanen 

Felstlora.*) 

Von  Prof.  Dr.  Oaoar  Drude. 


Die  Vorstellungen,  welche  wir  uns  von  dem  Kntwickeluugsgange  der 
Flora  unserer  hercynischen,  noch  im  Norden  w.ührend  der  Eiszeiten  von 
den  Wirkungen  des  grossen  Inlandeises  direct  berührten  Gaue  machen 
können,  werden  stark  beeintlusst  durch  die  Gesamnitvorstellung  über  diese 
Eiszeiten  und  das  durch  sie  in  Deutschland  geschaffene  Bild,  an  dessen 
Entriithselung  so  viele  tüchtige  Kräfte  unausgesetzt  arbeiten.  Vieles 
Zweifelhafte  ist  dabei  noch  übrig  gehliehen;  noch  haben  die  Geologen 
hinsichtlich  der  Zahl,  Dauer  und  Ablösung  der  einzelnen  Eiszeit-Perioden 
längst  nicht  einen  endgültigen  Abschluss  erreicht;  Pflanzengeographen 
wie  A.  Schulz-Halle  nehmen  an  deren  .\rbeit  über  diese  Fragen  positiven 
Antheil  und  entwickeln  selliständige  Meinungen.  Es  ist  hier  nicht  der 
Ort,  auf  die  vielen  Controversen  einzugehen,  welche  zumal  die  Frage  be- 
trefl’en,  ob  zur  letzten  grossen  Eiszeit  Deutschland  ein  verödetes,  Grön- 
land in  seiner  Flora  vergleichbares  Land  gewesen  sei  oder  ob  der  Wald 
(Fichte.  Moorbirke)  in  .Mittcldeutscldand  bis  gegen  ilie  Grenze  des  Inland- 
eises hin  sich  habe  halten  können.  Ich  selbst  halte  mich  an  diese  letztere 
.Meinung,  wie  ich  sie  wesentlich  in  einem  früheren  Aufsatze  über  die 
hypothetischen  Einöden  zur  EiszeiP**)  ausgesprochen  hatte,  wenngleich 
sich  vielleicht  das  dort  über  Skandinaviens  Flora  Gesagte  nach  den  von 
Nathorst  gemachten  sachlichen  Erwiderungen***)  nicht  aufrecht  erhalten 
lässt.  Hier  genügt  es,  zunächst  darauf  liinzuweisen,  dass  fast  alle  fach- 
männischen Urtheile  darin  übereinstinmien,  dass  mehrere  Vergletscheriings- 
perioden  in  Deutschland  abgewechselt  liaben  und  besonders  die  zwei 
grossen  Hauptperioden  durch  eine  Interglaei.alzeit  getrennt  sind,  welche 
an  vielen  Stellen  die  unzweideutigsten  Spuren  einer  reichen,  von  «'ärmerem 
Klima  als  die  Jetztzeit  zeugenden  Flora  zurückgelassen  hat.  Diese 
wärmere  Flora  wurde  durch  eine  zweitmalige  Hauptvergletscherung  zurück- 
gedrängt, welche  weniger  weit  ihre  Wirkungen  erstreckte  als  die  vorher- 

*)  Zusammenfassung  iler  Vorlriige  in  den  Hiuiptversammlnngen  vom  23.  Fe- 
bruar 1899  und  29.  November  19(J0. 

•*)  Peterm.  Geograph.  Mittheilnngen  1889,  S.  282.  — Siehe  anch  Geogr.  .fahrb.  XV. 
1891,  S.  350. 

**•)  Eugler’s  liotan.  Jahrb.  f.  Sjst.  etc.  XllI,  Beiblatt  zum  3J4.  Hft,  Jlärr  1891. 


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71 


gegangene;  an  diese  zweite  Ilauptvergletscheniug  und  deren  Ablösung 
durch  Steppen,  Wiesen-  und  Wald-Vordringlinge  hat  demnach  unsere 
pflanzengeographische  Betrachtung  anzuknüpfen,  und  wenn  die  Zahl  der 
Hauptvergletscnerungs-Zeiten  nach  geologischen  Forschungen  als  grösser 
angenommen  werden  muss,  jedenfalls  an  deren  letzte.  Dahei  ist  es  zu- 
nächst ziemlich  gleichgültig,  oh  es  sich  daun  um  eine  zweite  oder  vielleicht 
vierte  Eiszeit  handelt,  obgleich  Nehenumstände  verwickelter  Art  auch 
darnach  eine  verschiedene  Beurthcilung  erfahren  würden,  ln  der  Haupt- 
masse einzelner  Fragen  und  Anschauungen  stehe  ich  auf  dem  gemässigten 
Standpunkte,  den  Nehring  in  seinem  bekannten,  vortrefl'lichen  Buche 
über  Tundren  und  Steppen  im  Jahre  1890  eingenommen  und  seitdem 
vertheidigt  hat. 

Es  ist  klar,  dass  die  Ausdehnung  des  skandinavischen  Landeises  süd- 
wärts bis  nach  Schlesien  und  Sachsen  zwar  einen  Begriff  von  den  Ent- 
stehungsbedingungen im  Centrum,  weniger  aber  von  den  klimatischen  Be- 
dingungen am  Südrande  giebt.  Für  das  letztere  müssen  wir  an  andere 
bewiesene  Darlegungen  anknüpfen,  welche,  zunächst  dem  osthercynischen 
Gau,  sich  aus  l’artsch's  Studien  über  die  Gletscher  des  Iliesengebirges*) 
ergeben.  Nach  diesem  Forscher  erzeugte  die  erste,  grössere  Eisbedeckung 
eine  klimatische  Firnlinie  zwischen  1100  — 1200  m Höhe  und  liess  aus 
einer  84  qkm  grossen  Gletscherfläche  im  Weisswasser-  und  Aupathal  bis 
800  m Tiefe  Gletscherzungen  herabreichen;  die  Grenze  des  nordischen 
Landeises  aber  lag  6‘/j  km  vom  Riesengebirgs- Gletscher  bei  Hermsdorf 
in  350 — .380  m Höhe  entfernt.  Die  Firnlinie  zur  zweiten  Haupteiszeit 
aber  glaubt  Bartsch  nur  bei  1350  m Höhe  annehmen  zu  sollen,  ca.  200  in 
höher  als  erstmalig.  Hiernach  lassen  sich  auch  die  physikalischen  Ver- 
hältnisse in  den  hercynischen  Bergländern  vom  Jeschken  westwärts  einiger- 
massen  beurtheilen;  denn  so  unzweideutige  geologische  Relicte  wie  in  den 
Sudeten  liegen  hier  nicht  vor.  (Vergl.  übrigens  auch  Bayberger’s  Geogr.- 
geolog.  Studien  aus  dem  Böhmerwald.)**) 

Die  Scbneelinie  liegt  bekanntlich  da,  wo  die  Wärme  der  sommer- 
lichen Jahreszeit  eben  noch  die  Schneeniassen  des  Winters  zu  schmelzen 
vermag;  sie  liegt  also  in  sehr  schneereichen  Gebieten  bei  gleichen  Soimiier- 
temperaturen  tiefer  als  in  schneearmen,  muss  daher  in  den  Berioden 
mitteldeutscher  Eisbedeckung  (im  Riesengebirge)  sehr  tief  gelegen  haben. 
Ihre  Lage  in  den  Central-Alpen  zur  .Jetztzeit  trifi't  etwa  auf  eine  Höhe 
(2750 — 2860  m),  in  der  die  Jahrestemperatur  zwischen  — 3“  und  — 4“C. 
zu  liegen  pflegt,  in  der  Schweiz  hei  — 2,8“  C'.,***)  die  Schneelinie  kann 
aber  in  feuchten  Klimaten,  wie  wir  sie  auf  der  südlichen  Hemisphäre 
antreffen,  so  tief  herabgehen  unter  dem  Einfluss  der  so  viel  stärkeren 
Schneefälle  und  der  an  Sonnenstrahlung  armen  Sommer,  dass  diese  tiefe 
Lage  auf  eine  mittlere  Jahrestemperatur  von  -|-  3“  C.  trifi't.  Im  Flrzgebirge 
herrscht  jetzt  bei  1200  m Höhe  eine  mittlere  Jahrestemperatur  von  -f-  2,3"C., 
welche  Ziffer  man  bei  Eiszeit- Hypothesen  nicht  überschätzen  sidl.  Aber 
bekanntlich  wird  Mitteleuropa  jetzt  von  einer  Temperatur- Isanomale  des 
Jahres  von  4“  C.  geschnitten;  um  so  viel  ist  es  bei  uns  jetzt  zu  warm, 
und  zweifelsohne  war  die  Temperatur- Isanomale  der  Eiszeit  bei  uns  zu 


*)  Forschungen  z.  deutsch.  Landes-  und  Volksk.,  VIII,  Hft.  2,  Karte  Taf.  6. 

**1  Geogr.  Mittheilungen,  Ergünzun^heft  No.  81,  Gotha  1886. 

**•)  Vergl.  Heim:  Gletscherkunde,  Tabelle  S.  18—19. 


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72 


Gunsten  anderer  Länder  negativ.  Nehmen  wir  die  jetzigen  (continentalen) 
Klimaverhältnisse  der  Alpen  zum  Muster  und  beurtheilen  die  Temperatur 
an  der  schlesischen  Firnlinie  bei  1200  m darnach  als  etwa  um  — 3“  C. 
liegend,  so  würde  das  einer  Temperaturdepression  im  Erzgebirge  von  etwa 
5— 6®C.  gegen  das  heutige  Jahresmittel  entsprechen.  Unter  Vergleichung 
der  thatsächlichen  V^erhältnisse  in  feuchten  Klimaten  kann  man  demnach 
die  obere  Fichtenwaldgrenze  der  llaupteiszeiten  in  dem  zwischen  Erz- 
gebirge und  Sudeten  liegenden  Landstriche  auf  3(X)  — 600  m Höhe  als 
möglich  ansetzen,  welche  den  hier  vorkommenden  Relicten  von  Strcptopus 
und  Viola  hiflora  (Lausitzer  Bergland  und  Elbsandstein)  entspricht.  Allein 
schon  bei  der  Fortnahme  des  jetzigen  Temperaturüherschusses  von 
+ 4®  C.  würde  das  Klima  im  jetzigen  sächsischen  Elbthale  den  Charakter 
vom  heutigen  Erzgebirge  in  800  m Höhe,  also  um  Altenherg  und  Reitzen- 
hain erhalten. 

Soweit  Zungen  des  nordischen  Inlandeises  sich  local  südwärts  vor- 
geschoben haben  oder  kleine  Gebirgsvergletscherungen  in  Thäleru  vor- 
gedrungen sind,  sind  damit  selbstverständlich  besondere  Temperatur- 
depressionen verbunden  gewesen.  Aber  das  allgemeine  Temperaturbild 
braucht  dadurch  nur  modilicirt  worden  zu  sein,  und  in  der  Hercynia 
voraussichtlich  zur  Zeit  der  zweiten  llaupteisbedeckung  im  Bereich  der 
jetzigen  Hügel-  und  unteren  Bergregiou  nur  wenig,  ln  wie  weit  aber  zur 
Zeit  der  grössesten  Eisbedeckung  arktisch -alpine  Glacialflora  in  den 
niederen  Vorbergen  des  Erzgebirges,  und  zwar  nachgewiesen  am  Ausgange 
des  Weisseritzthales  gegen  das  Elbthal  bei  Dresden,  formationsbildend 
auftreten  konnte,  zeigt  die  Abhandlung  von  Nathorst  voll  höchsten 
Interesses  über  die  fossile  Glacialtlora  von  Deuben  (1894)  mit  Salix 
herbacea  und  mi/rtilloides,  Saxifraga  Hircnlus  und  oppo.<ilifolia,  Eriophorum 
Schtmhzeri  etc.,  Arten,  welche  gemäss  der  von  mir  jener  Abhandlung 
beigefügten  Karte  ihre  jetzigen  nächsten  Standorte  ziemlich  weitab  und 
viele  Arten  überhaupt  nur  über  der  Baumgrenze  gelegen  haben. 

Ohne  auf  Einzelheiten  einzugehen,  welche  um  so  breiter  und  weit- 
schweifiger begründet  werden  müssen,  je  mehr  es  an  positivem  Wissen 
fehlt,  will  ich  nur  als  meine  Ansichten  über  den  Schluss  der  letzten 
Hau])teiszeit  kurz  angeben,  dass  damals  Betula  odonita  und  JVrea  exceha 
als  Repräsentanten  der  Waldbäume  gemischt  mit  den  Arten  unserer 
heutigen  Hochmoore  und  des  obersten  Bergwaldes  und  vielen  jetzt  fort- 
gew'anderten  Glacialpflanzen  das  hercynische  Hügelland  besonders  in  den 
östlichen  Gauen  besetzt  hielten,  während  im  Südwesten  ein  reicherer  Be- 
stand von  Wald-  und  Wiesenarten  herrschte  und  hier  vielleicht  Tanne 
und  Buche  ihre  damaligen  Ostgrenzen  hatten.  Die  gesammte  „südöstliche 
Genossenschaft“  aber  wird  sich  damals  viel  weiter  südwärts,  vielleicht 
von  Kroatien-Bosnien  und  den  dinarischen  Alpen  an  zerstreut  bis  N’ieder- 
österreich,  .Mähren  und  Böhmen  als  äussersten  Vorposten,  zurück- 
gehalten haben. 

Deren  Zeit  und  Einwanderung  folgte  dann  später,  und  es  genügt 
hier  auf  Nehring’s  Schilderungen  hinzurveisen,  um  den  Gang  und  die  Ent- 
wickelungsinöglichkeit  zu  verstehen.  Wenn  auch  die  Altersbestimmungen 
für  viele  der  Reste  von  Steppenthieren  auf  die  Interglacialzeit  fallen  oder 
nicht  scharf  auf  einen  bestimmten  jüngeren  Zeitabschnitt  deuten,  so  lässt 
doch  die  ganze  Idee  von  alternirenden  Eiszeit-  und  Wärmeperioden  die 
Deutung  zu,  dass  ein  von  Steppenpllanzen  einmal  genommener  Weg  auch 


73 


ein  zweites  Mal  ähnlich  entstehen  konnte,  und  deshalb  ist  die  für  das 
Land  der  unteren  Saale  und  Braunschweig  gewonnene  genaue  Bekannt- 
schaft mit  den  Steppenthier-Resten  in  Westeregeln  und  Thiede  (Nehring!) 
von  grosser  und  weitergehender  Bedeutung.  Dass  hier  die  Thierreste 
für  die  Pflanzen,  mit  denen  sie  den  Aufenthalt  theilen,  mit  eintreten 
müssen,  ist  aus  den  Schwierigkeiten,  die  der  fossilen  Krhaltung  von 
Steppenpflanzen  entgegeutreten,  leicht  verständlich.  Nach  ü.  Ändersson’s 
Uebersicht  über  die  schwedische  Quartärflora,  beurtheilt  nach  Fossilresten 
in  den  Mooren,  sind  darunter  Bäume,  Sträucher  und  Zwerggesträuche 
überwiegend,  aber  auf  trockenem  Boden  vorkommende  Arten  sind  über- 
haupt nur  durch  ganz  wenige  zufällige  Funde  vertreten.  Daher  ist  es 
durchaus  nothwendig,  der  Zoologie  mit  ihren  gut  erhaltenen  Resten  von 
Steppenthieren  in  der  Beurtheilung  dieser  Periode  den  Vortritt  zu  lassen, 
und  Nehring  entwickelt  darüber  folgendes  Bild  der  Wechsel; 

Lemming-Periode  = Ausbreitung  arktischer  Tundra; 

Pferdespringer -P.  = Ausbreitung  nördlicher  Steppenflora; 

Eichhörnchen  - P.  = Zurückdrängung  der  letzteren  durch  Waldflora. 

Erscheint  ein  solcher  Wechsel  interglacial  annehmbar,  so  ist  ebenso 
wahrscheinlich,  dass  im  Bereich  der  hercynischen  (Laue  eine  postglaciale 
Steppenzeit  die  letzte  grössere  Eisbedeckung  ablöste,  immer  aber  in  der 
von  Nehring  selbst  betonten  massvollen  Weise.  Die  Steppen  können 
weite  Strecken  im  sonnigen  Hügellande  eingenommen  haben,  auf  den 
Gebirgen  und  in  den  feuchten  Thälern  braucht  um  deswillen  der  Wald- 
und  Wiesenbestand  nicht  erheblich  eingeschränkt  gewesen  zu  sein. 

Nur  bei  Annahme  solcher  massvollen  Anschauungen,  welche  nicht 
damit  rechnen,  dass  insgesammt  Glacialtundren  nur  von  Steppen,  und 
diese  dann  von  Wiesen-  und  Waldflora  abgelüst  wurden,  kann  man  be- 
greifen, dass  noch  heute  Relicte  dieser  verschiedenen  Perioden  friedlich 
neben  einander  wachsen  und  sich  an  einigen  Stellen  zu  Bildern  von  merk- 
würdig gemischten  Genossenschaften  vereinigt  haben. 

So  bedarf  es  denn,  um  das  hypothetische  Bild  der  Vergangenheit  für 
die  heutige  Kenntniss  von  unserer  Pflanzendecke  praktisch  zu  gestalten, 
besonders  des  Aufspürens  der  Glacialrelicte  und  der  Steppeiirelicte  in 
denjenigen  Formationen,  die  sie  erhalten  konnten.  Zu  dem  Zweck  ist 
eine  genauere  Betrachtung  der  Hügelforinatiouen,  der  Hochmoore 
und  der  subalpinen  Berghaide  nothwendig;  erstere  enthalten  Steppen- 
und  Glacialrelicte  zusammen,  die  Moore  und  Berghaiden  nur  Glacial- 
relicte. Dabei  wird  unter  Relictenflora  das  Vorhandensein  am  sporadischen 
Standorte  fernab  vom  jetzigen  Hauj)tareal  jener  Art  verstanden  und  dieser 
sporadische  Standort  mit  der  früheren  grösseren  Allgemeinverbreitung 
zu  einer  der  genannten  Quartärperioden  in  hypothetischen  Zusammen- 
hang gebracht. 

Die  Ufigelformationen  enthalten  neben  den  Arten  sonniger  Ge- 
büsche, lichter  Haine  und  trockener  Grasfluren  von  noch  heute  den 
Steppen  vergleichbarem  Niederwuchs  besondere  Fels-  und  Geröllpflanzeu, 
und  die  felsigen  Standorte  besiedeln  sowohl  Glacial-  als  auch  Stepjien- 
pflanzen.  Insofern  wird  hier  eine  Möglichkeit  für  ein  engeres  Beisammen- 
sein beider  Kategorien  geboten,  sofern  die  Länge  der  Vegetationsperiode  und 
die  Temperaturausschläge  nicht  einer  von  ihnen  hinderlich  sind.  Bedenkt 
man,  wie  im  nördlichen  Russland  Steppenarten  wie  Anevione  sih'cstris 


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weit  iiuch  Norden  fast  bis  zur  Berührung  mit  dem  Tundrengebiet  auf 
sonnigem  Kalkboden  Vordringen  (11.  Pohle  1899!)  und  andrerseits  die 
nordische  Sarifraya  decipietis  in  der  warmen  Hügelregion  des  Böhmischen 
Mittelgebirges  an  sonnigen  Felsen  unbestrittene  Standorte  besitzt,  so  haben 
wir  in  diesen  beiden  Pflanzen  einen  Maaßstab  für  die  Leistungsfähigkeit 
mancher  Arten,  sich  an  neue  Formationen  anzuschliessen.  Selbstverständ- 
lich wird  unter  den  gegenwärtigen  Verhältnissen  die  grössere  Anpassungs- 
fähigkeit von  den  boreal-alpinen  Arten  erwartet,  da  die  Stepj)enpfianzen 
auf  trockenen  Sanden  und  Kiesen,  Kalk-  und  Granitschotter,  in  Fels- 
spalten, auf  harten  Lehm-  und  Lettenböden  oft  mit  etwas  Salzgehalt 
eine  Menge  Relictenstandorte  vom  Klbhügellande  bis  zum  Werragebiete 
finden  konnten.  Die  boreal-alpinen  Arten  vertheilen  sich  demnach  in  der 
Hauptsache  auf  zerstreute  Stationen  der  niederen  Bergzone  von  ca.  500 
bis  800  m,  die  Steppenpflanzen  bleiben  in  der  Hauptsache  unterhalb 
600  m. 

Die  Kategorie  der  präalpinen  Arten,  die  im  Vorlatule  der  Alpen  den 
niederen  und  mittleren  Stufen  der  Bergregion  (ca.  600 — 1600  m)  ange- 
hören, ist  aber  im  Verein  mit  den  Steppenpflanzen  der  unteren,  wamien 
Stufe  der  hercynischen  Gaue  eingefügt  und  besiedelt  zum  grössten  Theile 
den  Muschelkalk. 

Die  hier  bezeichneten  Kategorien  lassen  sich  nach  den  Arealformen 
bezeichnen,  welche  ich  in  einem  fiüheren  Vortrage  der  Isis  über  die 
„Resultate  der  floristischen  Reisen  in  Sachsen  und  Thüringen“*)  unter- 
schieden habe,  und  zwar  kommen  hier  folgende  in  Betracht: 

a)  IF  für  Arten  wie  Polijgala  Chatiiaefntxus  (Fger-  und  Elster-Bergland), 

Aster  alpinns  (Oberlausitz  und  Rosstrappe,  Tliü- 
ringen), 

Carduus  deftoratus  (Werra-  und  Thüringer  Land), 
Gi/psophila  repens  (Südharz), 
ll''  für  .\rten  wie  Cotoneaster  vidga7-is  (zerstreut), 

EcMnosjternmm  deflexum  (Harz  bei  Rübeland, 
Vogtland  {?),  Bölindsclies  Mittelgebirge), 

Mm  für  Arten  wie  Centaurea  montava  (Werra — Thüringen), 

Dianthus  Seguieri  (Erzgebirge— Vogtland). 

Die  vorstebend  bezeichneten  .Areale  gehören  den  präalpinen  Arten 
weiten  Sinnes  an. 

b)  AE*  allein  für  Suadfraga  decipicns  (Harz — Böhmen), 

AH  für  die  Arten  AW/uw  Schoenoprasum  *sihmcum  (Bodethal,  süd- 
liche Oberlausitz,  Sudeten), 
llosa  cinnamomea  (Südbarz,  Millescbauer), 

Äraliis  alpma  i nur  am  Südharze  bei  Ellrich  etc. 
— petraea  1 auf  Gyps  der  Zechsteiuformatiou, 
Salix  hastata  ebendort  am  Alten  Stollberg. 

Diese  unter  b)  vcrzeichneten  Areale  bilden  also  den  arktisch-boreaJen, 
bez.  arktisch  - alpinen  Bestand  seltener  Relicte  im  Bereich  der  llügel- 
formationen. 

*)  Isis-Alihanillaiigeu  1898,  8.  82 — 94. 


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c)  Po" 
Po’ 
PM’ 


für  die  Gesaramtheit  der  eigentlichen  Steppenpflanzen,  be- 
sonders ausser  den  in  Isis  (1.  c.  S.  93)  genannten  Arten  die 
seltenen  Artemisia  • Kvten  des  Gebietes,  Oxytropis  pilosa, 
Pulsatilla  pratensis,  Andropogon  Ischaemum  und  sehr  viele 
andere  Stauden,  von  Sträuchem  IVunus  Chamaecerasiis. 


Ausführliche  Verbreitungslisten  und  Aufzählungen  werden  in  dem  jetzt 
in  Veröffentlichung  begriffenen  Buche:  „Grundzüge  der  Pflanzenverbreitung 
im  hercynischen  Berg-  und  Ilügellande“,*)  zu  finden  sein.  Hier  soll  es 
sich  nur  um  die  Zusammenfassung  der  Hauptpunkte  handeln.  i 


A.  Die  lichten  Haine,  Grastriften,  Schotter-  und  Felsfluren  von  der 
Weser  bis  zur  Elbe  und  Görlitzer  Neisse  in  100 — 600  m Höhe. 

An  allen  unseren  grossen  Strömen  im  Bereich  der  Hercynia  sind  auf 
steilen  Berggehängen  die  Hügelformationen  am  reichsten  entwickelt  und 
besiedeln  oft  landschaftlich  anziehende,  scharf  gegen  den  Strom  vor- 
springende Punkte  (Bosel  a.  d.  Elbe  bei  Meissen,  Camburg  a.  d.  Saale, 
Badenstein  a.  d.  Werra  bei  Witzenhausen,  Ziegenberg  a.  d.  Weser  bei 
Höxter).  Der  Reiz  der  Flora  s])richt  sich  darin  aus,  dass  rund  500  Arten 
Blüthenpflanzen  diese  Formationsgruppe  zusammensetzen,  das  ist  also  ’/a 
der  Gesammtzahl  von  ca.  1600  Arten!  Diese  Fonnationsgruppe  ist  die 
artenreichste  der  ganzen  Hercynia. 

Ihr  Aussehen  ist  in  den  zwei  früheren  Abhandlungen  unserer  Gesell- 
schaft über  die  östlichen  Genossenschaften  in  dem  Elbhügellande  von 
Pirna  bis  Meissen**)  genügend  geschildert,  soweit  es  die  sächsische  Flora 
anbetrifft.  Eine  weit  grössere  Bedeutung  erhält  die  Formationsgruppe  in 
Thüringen.  Hier  sind  nicht  nur  die  Gehänge  an  Flüssen  und  kleine  Busch- 
gehölze von  ihr  besetzt,  sondern  weite,  wellige  Flächen  wie  an  den  beiden 
Mansfelder  Seen,  und  im  Bereich  der  Triasforination  alle  Steilgehänge 
und  Schotterfelder  mit  Muschelkalk,  sowie  bedeutende  Antheile  des  Bunt- 
sandsteins mit  seinen  blauen  Letten  und  rothen,  kalkreichen  Lehmen  von 
bedeutender  Trockenheit  und  Bindigkeit.  Im  Wesergebiet  schränkt  sich 
die  Formationsgi-uppe  gegenüber  dem  Auftreten  des  Waldes  mehr  ein; 
in  der  Oberlausitz  besitzt  sie  von  der  Xeisse  an  westwärts  über  zei-streute 
Basaltberge  und  granitische  Höhenzüge  hin  noch  ein  nicht  unhedeutendes 
Areal  bis  Stolpen,  in  dessen  Mittelimnkt  der  Rothstein  bei  Sohland  liegt 

Hinsichtlich  der  Mitwirkung  des  Substrates  ist  demnach  zwischen 
krystallinischen  Gesteinen,  Basalt  und  kalkreichen  Sedimenten  der  Trias- 
formation, am  Harze  wie  in  Thüringen  von  Gera  an  westwärts  auch 
zwischen  Zcchsteingyps  zu  unterscheiden,  und  die  Wirkung  des  Kalkes 
auf  die  Zus.ammensetzung  der  ganzen  Formation  ist  so  bedeutend,  dass 
man  von  der  Elbe  zur  Thüringer  Saale  oder  ünstruth  kommend  die 
grössesten  Verschiedenheiten  in  gemeinen,  besonders  atier  in  den  die 
Genossenschaft  charakterisirenden  Arten  bemerkt.  Sehr  viele  Arten  fehlen 
unzweifelhaft  aus  dem  Grunde  östlich  der  Weissen  Elster,  weil  hier  auch 
die  Triasformation  fehlt.  Die  Plänerkalke  südlich  der  Elhe  und  die 


*)  .\btheilung  der  bei  W.  Engclinann  erscbeiiiendcii  „Vegetation  der  Erde*’,  heraus- 
gegeben von  Engter  und  Drude. 

**)  I.sis-Abhaudlnngen  18)S5,  S.  75  (Festsihrift)  und  lSi)5,  S.  ;15,  besonders  8.  13—46. 


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wenigen  Stellen,  an  denen  Urkalke  im  Vogtlande  und  im  Elbgebiete  zu 
Tage  treten,  haben  dafür  so  gut  wie  keinen  Ersatz  zu  bieten  vermocht. 
Da  die  Muschelkalkberge  kaum  500  m übersteigen,  so  gehört  die  ganze 
hercynische  Trias  zu  dieser  unteren  Stufe. 

In  derselben  zähle  ich  457  Arten,  welche  neben  einzelnen  überall  an 
sonnigen  Plätzen  vorkommenden  ihre  eigentlichen  Standorte  hier  besitzen, 
und  zwar 

47  Sträucher  und  Zwerggesträuche,  besonders  Rosaceen!, 

37  Gräser  und  verwandte  llasenbildner, 

373  perennirende,  2-  und  1 -jährige  Kräuter. 

Diese  457  Arten  sind  nur  zur  kleineren  Hälfte  überall  zu  finden 
(Beispiel:  Tliijtmis  ScrpyUum,  Hdianthemnm  mdyare,  Rosa  ruhiyinosa, 
P)unus  spino$a)\  die  grössere  Mehrzahl  tritt  sehr  zerstreut,  viele  Arten 
nur  an  wenigen  Standorten  auf.  Rechne  ich  diejenigen  Arten,  welche 
wenigstens  irgendwo  1)  im  Weser-  und  Werralande,  2)  in  Thüringen  und 
an  der  unteren  Saale — Elbe  bis  Magdeburg,  3)  im  sächsischen  Elbgebiete 
oder  im  Lausitzer  Hügellande  jetzt  gleichzeitig  verbreitet  Vorkommen,  als 
solche  von  gemeinsamer  Verbreitung,  so  zähle  ich  davon  277  Arten.  Die 
übrigen  180  Arten  sind  beschränkt  auf  je  1 oder  2 der  ebengenannten 
Landgruppen,  und  unter  diesen  haben  wir  die  wichtigeren  Relictstandorte 
zu  suchen. 

Von  diesen  180  Arten  sind: 

93  Species  (oder  rund  der  Gesammtzahl)  pontisch  (Areal 
PM  oder  Po),  nämlich  von  Sträuchern  und  Rasenbildnern: 

Prunus  Chamaccerasus  | Melica  ciliata 

Rosa  Junihilliaiia  \ Agropyrum  glaucum 

Cytisvs  nigricans  P>a  badensis 

Car  ex  humüis 

Andropogon  Iscliaemum  — Schreberi 

Stipa  capilUita  \ — supina 

— pennaia  \ — obtusata 

und  80  Stauden  oder  Q Kräuter. 

Ferner  befinden  sich  unter  diesen  180  Arten: 

36  Species  (oder  rund  */is  <äer  Gesammtzahl)  präalpin  (Areal 
ID— Mm),  nämlich  von  Sträuchern  und  Rasenbildnern: 

ISorbus  Aria  Vibiirnum  Lantana 

Amelanchier  vulgaris  

Rosa  repms  Seslcria  coerulea 

Riibus  bifrons  Carex  ornithopoda 

— tomentosus  \ Calamagrostis  varia 

und  28  Stauden,  so  gut  wie  sämmtlich  bei  uns  kalkstet  oder  kalkhold. 

Von  den  erstgenannten  93  Arten,  welche  durch  die  Signatur  PM 
oder  Po  ihre  politische  Zugehörigkeit  anzeigen,  besitzt 

Sachsen  östlich  des  Weissen  Elster-Gebiets  (also  mit  Aus- 
schluss der  Floren  von  Gera  bis  Leipzig) 48  Arten, 

von  den  letztgenannten  36  Arten  mit  iiräalpinem  Areal 

dagegen  nur 7 Arten; 


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von  der  ersteren  Gruppe  also  die  grössere  Hälfte,  von  der  letzteren 
kaum  ’/j. 

Sachsen  ist  demnach  relativ  viel  reicher  an  pontischen, 
als  an  präalpinen  Arten! 

Diese  Thatsache  ist  zu  berücksichtigen  bei  der  Discussion  über  die 
Wanderungswege  beider  Artengruppen.  In  der  Vertheilung  der 
pontischen  Arealspecies  nämlich  ist  die  Landschaft  der  unteren  Saale 
(Halle-Wettin,  Mansfelder  Seen  bis  Ostharz)  allen  über,  theilt  aber  ihren 
Iteichthum  mit  den  Trias-Landschaften  des  Thüringer  Ileckens  bis  in  die 
Gegend  von  Arnstadt  und  Gotha,  wo  auf  den  Drei  Gleichen  und  den 
Seebergen  noch  einmal  prächtige  Artgenossenschaften  pontischen  Charakters, 
Ptucedannm  akatienm,  Kepda  nuda  mit  Adonis  vertialis,  Olaucium  etc. 
auftreten.  (S.  Sitzungsberichte  dieses  Jahrgangs,  botan.  Section  vom 
8.  November.)  Hier  ist  die  hercynische  Arealausdehnung  von  Luvatera 
(hurintßaca,  Althaca  hirsiita,  der  pontischen  Astragaleen  A.  exscapus, 
dankus  (=  Hijpotjlotlis)  und  Oxytropis  pilosa,  von  Seseli  Hippomarathrum 
mit  einem  der  interessantesten,  ziemlich  beschränkten  I'M®- Areale!,  hier 
finden  sich  Artemisia  rupestris,  pontica  und  laciniata,  während  A-  scopuria 
ihren  einzigen  das  Gebiet  im  Osten  berührenden  Standort  auf  der  Lands- 
krone bei  Görlitz  hat. 

Nicht  alle  auf  den  Osten  weisenden  Arten  sind  hier  und  in  Sachsen 
versammelt,  einige  recht  merkwürdige  Fundorte  besitzt  das  Werragebiet. 
Hier  zeichnet  sich  der  Bielstein  bei  Allendorf  im  Höllenthal  durch  den 
Besitz  von  Allium  strictum  (nächster  Fundort  ostwärts  der  Böllberg  im 
Böhmischen  Mittelgebirge!)  aus,  sowie  durch  Salvia  Aetliiopis,  von  welcher 
wohl  mit  Unrecht  Verwilderung  vermuthet  wird.  Aber  eine  Hauptmasse 
pontiseher  Arten  steckt  doch  nur  im  Bereich  Halle  — Magdeburg  — Kyff- 
häuser  — Gotha,  und  ein  grosser  Theil  davon  steckt  auch  in  Sachsen 
östlich  der  Weissen  Elster.  Es  ist  nun  mit  Recht  die  Frage  aufgeworfen'*'), 
wie  das  zu  verstehen  sei,  dass  der  hercynische  Osten  und  besonders  das 
sächsische  Elbhügelland  so  viel  ärmer  an  Arten  politischer  Herkunft  sei, 
als  das  westlicher  gelegene  Saaleland,  da  doch  der  hypothetische  Zuzug 
dieser  Arten  nach  Schluss  der  letzten  Haupteiszeit  durch  Sachsen  hin- 
durch anzunehmen  sei.  Denn  im  Böhmischen  Mittelgebirge  ist  wiederum 
der  grösste  Theil  der  um  Halle  a.  d.  Saale  vorhandenen,  bei  Dresden — 
Meissen  a.  d.  Elbe  aber  feblenden  Arten  in  reicher  Standortsvertretung 
zu  linden.  Schulz  glaubte  damals  annehmen  zu  sollen,  dass  alle  diese 
Arten  im  sächsischen  Elbthal  früher  vorhanden  gewesen  und  dann  später 
ausgestorben,  an  der  Saale  aber  erhalten  geblieben  seien. 

Wenn  dies  auch  zum  Theil  richtig  sein  mag  — denn  jede  Relicten- 
flora  giebt  schon  in  ihrem  Namen  die  Möglichkeit  des  Aussterbens  mancher 
Arten  derselben  Genossenschaft  und  des  Verlorengehens  vieler  Standorte 
noch  vorhandener  Arten  zu  — so  erscheint  die  Sache  doch  in  einem 
wesentlich  anderen  Lichte.  Zunächst  ist  nochmals  darauf  hinzuweisen, 
dass  von  den  93  I’- Arten  mit  beschränkt- hercynischem  Vorkommen 
Sachsen  die  grössere  Hälfte  mitbesitzt,  das  Werra-  und  Weserland  nur 
sehr  wenige  (die  wichtigsten  sind  vom  Bielstein  genannt).  Diese  Gesammt- 

A.  Scliulz:  Vegetatioii.sverh.  li.  Umgeb.  von  Halle.  Mittli.  Venön  f.  Erdkunde 
zu  Halle  18K7,  8.  30— 1Z4. 


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zahl  erscheint  nun  für  Sachsen  gar  nicht  gering,  wenn  man  die  schwache 
Ausdehnung  der  Standorte  bedenkt,  die  dafür  in  Betracht  kommen.  Ein 
Blick  auf  die  der  zweiten  Abhandlung  über  die  östlichen  Genossenschaften 
in  Sachsen  beigefügte  Karte  der  Gegend  von  Dresden  bis  Hirschstein 
nördlich  von  Meissen  (Isis  1895,  Taf.  II)  zeigt  den  verhältnissmässig 
schmalen  Hügelsaum  an  der  Elbe  und  die  westlich  von  Meissen  statt- 
tindende  Ausbuchtung  am  Lommatzscher  Wasser,  wo  die  Mehrzahl  der 
oben  gezahlten  48  besonderen  politischen  Species  der  Hügelformationen 
vorkoinmt.  Dieser  Hügelsaum  setzt  sich  stromabwärts  nur  noch  eine 
kurze  Strecke  mit  einigermassen  reicher  Standortsvertretuug  bis  Riesa 
fort  und  verarmt  dann  (aus  topographischen  Gründen:  Mangel  an  felsigen 
Höhen!)  ausserordentlich;  stromaufwärts  dagegen  hält  sich  sein  nördliches 
Ufer  gut  besetzt  bis  Pirna  und  hat  auf  dieser  Strecke  einige  Sachsen 
besonders  auszeichnende  Arten  {Lactuca  viminca  bei  Pillnitz,  Hilene  italica 
'nenioralis  \Y.  K.  bei  Loschwitz — Wachwitz  — Zehista  und  Cotta),  aber 
der  Hauptreichthum  der  interessanteren  Arten  steckt  doch  in 
der  unterhalb  Dresdens  gelegenen  Landschaft  um  Meissen  und 
Lommatzsch  und  endet  südlich  von  Dresden  mit  dem  jetzt  durch 
menschliche  Eingriffe  stark  entstellten  Plauenschen  Grunde  am  Durch- 
bruch des  Weisseritz -Thaies.  Auf  diesen  wichtigen  Umstand  haben  wir 
schon  in  der  Isis-Abhandlung  des  Jahres  1895  (siehe  besonders  1.  c.  Seite  39) 
aufmerksam  gemacht  und  ich  komme  hier  sogleich  noch  einmal  darauf 
zurück,  wenn  für  den  grösseren  Reichthum  des  unteren  Saale -Landes  ein 
anologer  Erklärungsversuch  zu  machen  sein  wird. 

Vergleicht  man  mit  dieser  eng  umgrenzten  Landschaft  an  den  Elb- 
höhen die  weiten  Gefilde  der  sonnigen  Hügelformationen  im  Thüringer 
und  unteren  Saale -Lande  und  nimmt  die  dort  herrschende  Mannigfaltig- 
keit der  Schotter  bildenden  Gesteine  in  Vergleich  mit  der  Einförmigkeit 
der  nur  durch  Plänerzüge  unterbrochenen  Bildung  krystallinischer  Gesteine 
an  der  Elbe  in  Sachsen,  so  kann  es  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  die 
Thüringer  Lande  weit  mehr  befähigt  sind,  eine  grosse  Zahl  von  empfind- 
licheren Stej)penpflanzen  zu  erhalten.  Auch  darauf  ist  hinzuweisen,  dass 
dies  letztere  Gebiet  östlich  vom  Harze  zugleich  die  regenärmsten  Land- 
schaften der  ganzen  hercynischen  Gaue  enthalten,  in  denen  nämlich  nach 
Assmaun  die  jährliche  Regenhöhe  nur  450  —500  mm  beträgt. 

Nun  aber  kommt  noch  die  Hauptsache.  Es  braucht  gar  nicht  daran 
gedacht  zu  werden,  dass  der  Wanderungsweg  für  die  vielen  bemerkens- 
werthen  politischen  Arten  an  der  Thüringer  Saale  und  westlich  von  ihr 
bis  zum  KytHiäuser  und  den  Gleichen  bei  Arnstadt  nur  die  Elbstrasse 
von  Böhmen  durch  Sachsen  hindurch  gewesen  w'äre.  Dieser  Wanderungs- 
weg mag  für  viele  Arten  die  Einzugslinie  gewesen  sein,  theils  im  Eluss- 
thal  selbst  nach  Ueberwindung  der  waldbedeckten  Elbsandstein-Gehäiige, 
theils  auf  dein  Wege  Sattelherg  (Sjiitzberg)  bei  Olsen  — Cottaer  Spitz- 
berg—Gottleubathal — Elbe  entlang  der  zur  Heerstrasse  benutzten  Ein- 
sattelung zwischen  dem  östlichen  Erzgebirge  und  westlichen  Elbsandstein- 
Gehänge  hei  Hellendorf;  aber  er  ist  nicht  der  einzige. 

Die  geidogischen  Forschungen  haben  uns  mit  den  V’eränderungen 
bekannt  gemacht,  welche  die  ostdeutschen  Ströme  vor  und  nach  dem 
Ahschmelzen  des  südbaltischen  Inlandeises  durchgeniacht  haben.  Keil- 
huck hat  nach  vielen  vorhergegangenen  Einzelstudien  eine  zusammen- 
fassende Abhandlung  darüber  bei  Gelegenheit  des  VH.  Internationalen 


79 


Geographen -Congresses  zu  Berlin  1899  veröffentlicht,*)  der  eine  zur  Be- 
urtheiluug  der  so  oft  den  Klussthälern  folgenden  Wanderungswege  äusserst 
wichtige  Karte  beigefiigt  ist.  Sie  enthält  die  Stillstandslinien  des  Inland- 
eises zur  letzten  Eiszeit,  deren  südHchste  (unsicher)  südlich  von  der  Oder 
bei  Glogau  nach  Magdeburg  verläuft,  während  die  dritte  (gesicherte)  von 
der  Warthe  nördlich  von  Posen  über  Frankfurt  a.  0.  und  dann  nordwest- 
wärts  durch  Mecklenburg  auf  Schwerin  zu  zieht.  Zur  Zeit  dieser  dritten 
Stillstandslinie  ergossen  sich  die  Wasser  des  Bug,  der  Weichsel,  Warthe, 
Oder  und  Spree  durch  das  Khinthal  in  das  heutige  Elbbett;  aber  auch 
die  Flussthai- Linien  des  ersten  (südlichsten)  und  zweiten  (mittleren,  von 
Glogau  nach  dem  Elbthal  nördlich  Magdeburg  seine  Wasser  sammelnden) 
Stillstandes  werden  für  die  Besiedelung  noch  in  Thätigkeit  gewesen  sein. 

Dies  lässt  voraussetzen , dass  ein  nördlicher  Zug  von  politischen 
Steppenpflanzen  von  der  Weichsel  her  westwärts  bis  an  die  Elbe  bei 
Magdeburg  gelangen  konnte,  und  thatsächlich  hat  Loew  schon  seit  langer 
Zeit  die  Uelictentiora  dieses  Charakters  ira  südlichen  Balticum  mit  den 
interessanten  Standorten  zwischen  Frankfurt  a.  0.  und  Oderberg  bekannt 
gemacht.  Unter  Annahme  dieser  Wanderlinie  wird  es  verständlich,  dass 
an  der  Elbe  bei  Magdeburg  und  von  da  sich  strahlig  ausbreitend  eine 
Ansammlung  politischer  Arten  statttinden  konnte,  die  nun  stromauf  zur 
Saalemündung  und  an  der  Mündung  der  Mulde  vorbei  in  das  Elbthal 
nach  Meissen  gelangen  konnte.  Hierdurch  würde  es  ferner  verständlich, 
dass  an  der  Elbe  um  Meissen  herum  eine  grössere  Zahl  pontischer  Relicte 
sich  findet  als  weiter  stromauf,  da  der  durch  Bergländer  erschwerte  Ver- 
bindungsweg aus  dem  Böhmischen  Mittelgebirge  nach  Dresden  vielleicht 
weniger  wirksam  war  als  der  eben  bezeichnete  stromauf  gerichtete. 
Einzelheiten  anzuführen  würde  ein  grosses  topographisches  Detail  erfordern 
und  interessirt  nur  solche,  welche  die  Standorte  Sachsens  aus  eigener  An- 
schauung kennen;  ich  beschränke  mich  daher  darauf,  zu  sagen,  dass  die 
Erwägung  der  Standortsvertheilung  daselbst  zu  einer  Annahme  führt,  wie 
ich  sie  eben  auseinandersetzte,  und  dass  dem  Kenner  der  Landesflora 
eine  gewisse  Wahrscheinlichkeit  sich  aufdrängt,  viele  Arten  auf  den  Weg 
von  Böhmen  (z.  B.  Lactuca  viminca),  viele  andere  (z.  B.  Anemone  silvestris) 
auf  den  Weg  stromaufwärts  zurückzuführen.  Das  kleine  Gebiet  von  be- 
merkenswerthen  Pflanzen  östlicher  Areal  form  in  der  Oberlausitz  zwischen 
Neissethal  und  Bautzen  — Stolpen  nimmt  naturgemäss  Antheil  an  der 
Verbindung  mit  Böhmen  in  südlicher  Angrenzung  und  an  der  südlichsten 
Wanderlinie  von  der  Oder  bei  Glogau  westwärts. 

Auf  ganz  anderen  Wegen  wird  der  Einzug  der  präalpinen  Arten 
erfolgt  sein,  wie  wir  ihn  auch  in  eine  andere  Zeit  zu  versetzen  haben, 
und  zwar  voraussichtlich  in  die  der  letzten  Steppeneinwanderung  voraus- 
gehende Vergletscherungszeit  der  Alpen.  Es  ist  in  einem  Vortrage  über 
die  Anordnung  der  Vegetation  im  Karwendelgebirge  (siehe  Sitzungsberichte 
14.  J uni  1900,  bot.  Section,  S.  7)  von  mir  darauf  hingewiesen  worden, 
dass  für  die  Floren -Entwickelungsgeschichte  Mitteldeutschlands  auch  die 
genauere  Kenntniss  der  von  Beck  aufgestellten  Formation  des  Voralpen- 
waldes bedeutungsvoll  sei.  Man  kann  sagen,  dass,  vAe  wir  in  unserem 
sonnigen  Hügellande  lichte  Haine,  trockene  Grastriften  auf  steinigem 


•)  Thal-  und  Seebildung  im  Gebiet  des  Baltischen  Höhenrilckeus , veröffentlicht 
von  der  Ges.  für  Erdkunde  zu  Berlin. 


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Boden  und  die  Cliarakterfonnation  der  Scliotterböden  mit  anstelienden 
Belsen,  die  in  ihren  Spalten  besondere  Arten  gedeihen  lassen,  neben 
einander  und  in  einander  verwirkt  finden,  dass  so  eine  ganze  Gebirgsstufe 
höher  im  Anstieg  unserer  nördlichen  Kalkalpen,  in  den  Höhen  von  ca.  700 
oder  800  in  bis  in  die  volle  Krummholzforination  bei  16 — 1700  m hinein, 
neben  dem  eigentlichen  Alpenwalde  von  Buche,  Tanne,  Fichte  und  Lärche 
ein  Gemisch  sonniger,  Schotter-  und  Felsböden  besiedelnder  Arten  zu- 
sammen mit  Gras-  und  Gebüschbedeckung  zu  unterscheiden  sei.  Das 
nenne  ich  die  „präalpinen  Formationen'^,  die  Vertreter  der  „sonnigen 
Hügelformationen“  im  Gebirge,  in  denen  durchaus  die  Beimischungen 
politischen  Charakters  fehlen.  Zur  Zeit  der  letzten  Hauptvergletscherung 
der  Alpen  waren  diese  präalpinen  Formationen  (deren  durch  ihre  Be- 
ziehungen zu  der  mitteldeutschen  Flora  wichtige  Arten  in  jenem  Vortrage 
S.  8 genannt  sind)  nordwärts  der  Gletscherlinie  in  so  viel  niederen  Berg- 
stufen zu  suchen,  und  nach  den  von  Gradmann  so  anschaulich  zusammeii- 
gestellten  Belicten  im  Schwäbischen  Jura  darf  man  dieses  Gebirge  und 
seine  gegen  den  Main  hin  gerichtete  Fortsetzung  als  ein  solches  Rück- 
zugsgebiet ansehen,  dessen  Verlängerung  nordwärts  des  Main  zwischen 
dem  Südwesthange  des  Thüringer  Waldes  und  der  Uhön  auf  welligem 
Triaslunde  diese  Formationen  entlang  der  Werra  in  die  westliche  Hercynia 
führen  konnte.  Hier  giebt  es  kein  trennendes  höheres  Gebirge ; die 
Wasserscheide  zwischen  Werra  und  der  fränkischen  Saale  wird  von  einer 
niederen  Schwelle  gebildet,  neben  welcher  im  Westen  die  Basaltberge  der 
hohen  Khön  mit  ihren  Verlagerungen  von  bunten  Mergeln  und  Muschel- 
kalk noch  heute  eine  Menge  präalpiner  Bürger  halten,  und  besonders 
weiter  nördlich  die  Berge  des  lliiiggaues  und  der  Goburg  bei  Allen- 
dorf  a.  d.  Werra  angelehnt  an  den  Bergstock  des  Meissner.  Von  diesem 
letzteren  Berge  ist  früher  Ih  ijas  octopetala  angegeben.  Dieser  Fund  hat 
sich  nicht  mehr  wiederholt  und  steht  daher  ungewiss  da:  aber  aus 
theoretischen  Gründen  könnte  man  gerade  hier  in  diesem  Bergzuge  bei 
ca.  700  m Lh-yag,  die  so  tief  in  die  präalpiuen  P’elsschotter  herabsteigt, 
als  Relict  für  möglich  halten. 

Von  hier  aus  konnten  sich  die  präalpinen  Formationen  nach  N.  bis 
in  das  Leinethal  gegen  Hannover  und  nach  0.  bis  an  die  Grenze  der 
Zechsteingypse  sowohl  am  Südrande  des  Harzes  als  an  der  Weissen  Elster 
bei  Gera  ausbreiten  und  haben  die  verschiedenartigsten  Relicte  hinter- 
lassen, die  aber  mit  dem  Aufhören  des  Muschelkalkes  gegen  0.  in  der 
Hauptsache  abschliessen.  Den  Mangel  Sachsens  östlich  der  Saale-  und 
Weissen  Elster-Linie  an  präaljiinen  Arten  leite  ich  hauptsächlich  von  dem 
Fehlen  der  geeigneten  Böden  ab,  wie  sie  die  Triasformation  den  prä- 
alpinen Bürgern  geboten  hat.  Daher  enden  1‘Hanzen  wie  Sesleria  coertüea, 
Nippocrepis  comosa  und  Ophrys  muscifera  im  Westen  des  osthercynischen 
Gaues.  Auch  in  den  Alpen  und  Karpathen  finden  wir  reiche,  tief  herab- 
steigende Gemische  präalpincr  Bürger  haujitsächlich  auf  Kalkboden;  die 
Silicathöden  bieten  dafür  der  Massenansiedelung  von  Vaccinien,  Calluna, 
torfigen  Riedgräsern  und  geselligen  gemeinen  Sträuchern  wie  lihamnus 
Fravyula  und  aurila  zu  günstige  Existenzbedingungen.  In  unserem 

Falle  aber  handelt  es  sich  um  die  gegenwärtigen  Zeugen  aus  längst  ver- 
schwundener Epoche,  und  diese  hatten  nach  dem  Rückzuge  der  alpiuen 
Gletscher  und  während  der  Invasion  der  Steppenpflanzen  den  Kampf  uni 
den  Boden  mit  eigener  Anpassung  zu  führen,  die  ihnen  durch  die  oft 


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81 


gerühmten  Eigenschaften  des  dysgeogenen  Kalkbodens  allein  ermöglicht 
worden  zu  sein  scheint.  So  tindeu  sich  diese  Zeugen  nur  auf  solchen 
Kalken,  z.  B.  auf  den  höchsten  Spitzen  vereinzelter  westlicher  Kalkzinnen 
Amelanchier,  der  in  den  Voralpen  so  häufig  ist,  und  dort  wie  auf  den  Basalten 
Sorbus  Aria]  auch  Cotoneaster  (der  Sachsens  Graniten  und  dem  Ost- 
barze  nicht  fehlt)  hat  doch  seine  Hauptverbreitung  auf  vorragenden  Kalk- 
höben, von  den  Dolomiten  des  Süntels  im  Weserlande  bis  zu  den  Muschel- 
kalken an  der  Saale  bei  Camburg. 

Während  die  Zechsteinhügel  des  Südharzes  bei  Ellrich,  Walkenried 
und  Nordbauscu  neben  mehr  verbreiteten  Arten  wie  Biscutella  laeviyata 
besonders  den  so  merkwürdigen  Kelict  von  2 Arabis,  Gypsophila  repens, 
Rosa  cinnamomea,  Salix  hastata  und  die  endemische  Pingniaila  *gypsophila 
als  höchste  Leistung  des  Ueberduuerns  auf  niederen  Bergstufen  führen, 
ist  vom  fränkischen  Jura  her  gegen  die  Umgebung  des  Fichtelgebirges 
von  solchen  präalpinen  Bürgern  merkwürdiger  Verbreitung  nur  Ihlygala 
Chaniaebiixus  und  Erica  carnea  vorgedrungen,  beide  in  eigenthümlicher 
Umformung  ihrer  Bedürfnisse.  Trotz  der  Anpassung  der  genannten 
Polygala  an  den  Boden  krystallinischer  Gesteine  und  cambrischer  Sedi- 
mente zeigt  doch  ihr  Vorkommen  auf  dem  Dolomit  bei  Sinnatengrün  un- 
weit Wunsiedel,  wo  sie  allein  einen  an  einer  Seite  zu  Kalkbrüchen  ab- 
gesprengten Hügel  mit  dichtem  Massenwuchs  in  lichtem  Kiefernhain 
überzielit,  auch  hei  ihr  die  Bevorzugung  kalkigen  Substrates.  Und  so 
ist  die  Meinung  wohl  begründet,  dass,  wenn  der  Böhmer  Wald  aus  Jura- 
kalk anstatt  aus  krystallinischen  Gesteinen  aufgebaut  wäre,  er  ein  nicht 
hercynisches  Gebirge,  voll  von  präalpineu  Arten  wie  die  Rauhe  Alb,  vor- 
stellen würde,  und  dass  der  Harz  in  seinen  oberen  Höhen  viel  mehr 
Arten  vom  Charakter  der  G nippe  bei  Ellrich  und  Walkenried  bergen 
würde,  wenn  er  nicht  aus  denselben  krystallinischen  Gesteinen  aufgebaut 
wäre.  Die  Einwanderung  von  Palsatilla  alpina  und  Hieracium  alpinum, 
jetzt  nur  auf  der  Höhe  des  Brockens,  mag  aus  derselben  geologischen 
Hauptperiode  oder  aus  einer  anderen  stammen,  jedenfalls  gehörten  diese 
Arten  mit  Linnaea  zu  einer  anderen  Formationsgruppe  als  die  2 Arabis 
und  Oypsophila,  so  wie  sie  auch  jetzt  in  den  Hochalpen  und  nicht  im 
Bereich  der  präalpinen  Genossenschaft  ihre  Massenstandorte  besitzen. 

Mit  den  Erklärungsversuchen  der  Einzugsrichtungen  und  -Zeiten  für 
die  pontischen  und  präalpinen  Genossenschaften  ist  zwar  die  Hauptsache 
für  unsere  Hügelformationen  gesagt,  doch  nicht  Alles.  Es  giebt  west- 
liche Arten  wie  iMctura  virosa,  südliche  wie  RtUa  graueolcns,  Arten  der 
südwestlichen  Voralpeu  wie  HeUeborus  foetidiis,  die  alle  hier  Berück- 
sichtigung verdienen,  aber  ihre  Beurtheilung  ist  schwieriger,  ihre  Zahl 
geringer.  Arten  wie  Clematis  Vitalba  sind  weder  priialpin  noch  Steppen- 
pfianzen,  machen  aber  trotzdem  auf  dem  Zechsteinkalk  an  der  Weisseu 
Elster  bei  Gera  gegen  Osten  (Sachsen)  hin  Halt  und  fehlen  auch  sogar 
im  Böhmischen  Mittelgebirge,  wo  die  präalpiuen  Arten  reichlich  vertreten 
sind.  Für  viele  solcher  Arten  lässt  sich  wohl  eine  besonders  wahrschein- 
liche Erklärung  ihrer  heutigen  hercynischen  Vertheilung  gar  nicht  geben 
und  ich  breche  daher  für  die  heutigen  Zwecke  kurz  ab. 

Es  soll  aber  nicht  unerwähnt  bleiben,  dass  in  einer  fast  zu  sehr  ein- 
gehenden Weise  A.  Schulz  in  seinen  jüngeren  Arbeiten  über  die  Ent- 
wickelungsgeschichte der  mitteleuropäischen  Flora  alle  möglichen  Er- 
wägungen auf  Grund  der  heutigen  Vertheilung  der  Arten  angestellt  hat. 


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die  unser  sächsisch -thüringisches  Gebiet  tief  berühren,  und  dass  in  den 
jüngst  von  ihm  geäusserten  Anschauungen  über  Wanderungswege  und 
Besiedelung  viel  Gemeinsames  mit  den  hier  vorgetragenen  Grundanschau- 
ungen enthalten  ist  oder  doch  die  Möglichkeit  einer  gleichen  Theorie 
zulässt. 


B.  Die  Felspflanzen  auf  den  zerstreuten  Basalt-  und  krystallinischen 
Felshöhen  von  (3tX)j  500— 800  m:  „Montane  Felsformation^*. 

Die  unter  A betrachtete  Formationsgruppe  der  sonnigen  Hügel  hält 
die  Thalzüge  unserer  grossen  Ströme  und  deren  Hauptzuflüsse  besetzt, 
ebenso  bedeckt  sie  in  zusammenhängender  Fläche  das  warme  Triasland 
in  Thüringen  und  dem  Westen.  Hier  giebt  es  überall  Felspflanzeu, 
welche  wie  Sedum  rupestre  und  Asplenium  Hula  muraria  der  trockenen 
Sommerhitze  gewachsen  sind  und  sich  in  die  trockenen  Grasrasen  inittel- 
und  osteuropäischer  Arten  mischen,  die  zwischen  den  Spalten  sich  ein- 
genistet haben  (Carex  huntüis,  Mdica  ciliala  etc.).  F.ine  höhere  Stufe 
montaner  Felsen  ist  nun  noch  zu  betrachten,  welche  die  Spitzen  niederer 
Vorberge  bilden,  die  Basalte  der  Rhön  und  Überlausitz,  Granitfelsen  und 
Diabase  in  der  Umgebung  höherer  Gebirge,  wie  die  Rosstrappe  im  Harz 
oder  die  Felsen  über  dem  Ulschnitz-  und  Weissen  .Main-Thal  bei  Berneck. 
Sagt  schon  die  Lage  dieser  Berge,  dass  hier  von  der  warmen  Hügel- 
formation ebenso  wenig  die  Rede  sein  kann,  wie  die  zu  geringe  Höhe 
(bis  800  m)  das  .\uftreten  subalpiner  Formationen  mit  Caiamaffrosti-g 
Halleriana  und  Empvlriim  verhindert,  so  zeigt  auch  die  Prüfung  der 
Flora  hier  eine  eigene  Formation,  welche  für  die  Besiedelungsgeschichte 
unseres  Landes  nicht  ohne  Bedeutung  erscheint.  Manche  dieser  Arten 
sind  schon  unter  A genannt,  da  sie  auch  ira  sonnigen  Felsgebiet  aus- 
halten;  die  merkwürdige  Gruppe  von  2 Arahig  und  Gypgophäa  mit  Salix 
hastuta  und  iüo.s-a  cinnamomca  gehört  ihrer  ganzen  Beschafl'enheit  nach 
gleichfalls  zu  der  montanen  Felsgruppe  und  verdankt  wohl  nur  ihrer  Lage 
am  Harze  den  Umstand,  in  so  geringer  .Meereshöhe  aushalten  zu  können, 
die  für  die  montanen  Arten  sich  ausnahmsweise  von  500  m auf  300  m 
oder  noch  etwas  tiefer  als  untere  Grenze  erniedrigt. 

Ich  theile  hier  eine  Liste  der  übrigen  montanen  Gefässpflanzen  mit: 


Cotoneaster  t ulgaris  (iniegerrima) 
Polygala  Vliamai  Imxus 
Sedum  purpureum,  rupestre 
Sempervivum  tectorum,  soboUferum 
Saxifraga  decip iens 
Silene  Armeria 

Dianthus  caesim  und  Seguieri 
Alsine  verna  (Harz) 

Aster  alpinus 


Hieracium  Schmidtii 
— bifidum,  Caesium 
Echinospermum  defteocum 
[Centaurea  montana  (Kalk) 
Carduus  de/loratus  (Kalk) 
Thesium  alpinum,  alle  3 .\rten 
im  Anschluss  an  Gruppe  A.j 
Alliuni  * sibiricum. 


Farne : 


■1  sjdeni u m septen  trionale 

— Trichomanes 

— Adiantum  nigrum 

— adxdterinum 

— viride 


Cystopteris  fragilis 
Eejdirodium  Bobertianuvi 
Aspidium  Lonchitis 
Ceterach  officinarum 
Woodsia  ilvensis. 


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Diese  ganze  Liste  bezeugt  für  den  Kenner  unserer  Ilügelflora  eine 
andere  Zusammensetzung  und  zeigt  als  erstes  und  wesentlichstes  Merk- 
mal, dass  sämmtliche  pontische  Arten  fehlen!  Eine  einzige  Art 
ist  mit  dem  Areal  PM*  zu  belegen,  nämlich  Sempervivum  soboliferum,  die 
auch  thatsächlich  in  Kiefernhainen  des  Balticums  ausserhalb  des  mittel- 
deutschen Hügellandes  noch  angetroffen  wird;  diese  Art  ist  wahrschein- 
lich aus  den  Bergländern  an  der  unteren  Donau  (Serbien  etc.)  mit 
anderen  präalpinen  Arten  eingewandert.  Im  Uebrigen  gehören  die  Arten 
zu  den  Arealen,  welche  auf  den  Ursprung  aus  den  Alpenländern  hinweisen 
(Signaturen  Mm  oder  H" — H"),  ausgenommen  die  drei  durch  Sperrdruck 
ausgezeichneten.  Allium  sibiricum,  bei  uns  auf  dem  Kleis  und  Rosstrappe 
zu  finden,  hat  die  Signatur  AH  wie  Salix  hastata  u.  a.  A.;  Saxifraga 
decipiens  aber  und  Wordsia  ilvensis  erreichen  die  Alpenkette  nicht  und 
entstammen  dem  Korden.  Zwischen  montan-alpinen  Arten  sind 
demnach  hier  arktisch-boreale  eingestreut.  Von  manchen  der 
ersteren  ist  es  schwierig,  zwischen  alpinem  und  hochnordischem  Ursprünge 
zu  entscheiden,  zumal  viele  nordische  Bürger  wahrscheinlich  in  den  mittel- 
asiatischen  Bergländem  ihren  Ursprung  gehabt  haben  werden.  Die  grossen 
Eiszeiten  bewirkten  eben  eine  Vermischung  von  vielerlei  Gebirgspflanzen 
und  hochnordischen  .Vrten,  deren  Heimathsberechtigung  sich  jetzt  nur 
mühsam  und  unsicher  nach  der  Verwandtschaft  beurtheilen  lässt. 

Der  Besitz  einiger,  wenn  auch  weniger,  nordischer  Arten  zeichnet 
also  besonders  die  montane  Felspflanzen-Formation  aus,  und  es  muss  auch 
nochmals  bestätigt  werden,  dass  die  pontischen  Arten  nicht  in  die  montanen 
Felshöhen  hinaufsteigen.  Soweit  meine  Beobachtungen  reichen,  habe  ich 
nur  an  einer  Stelle  des  Gebiets,  auf  den  Grünsteinfelsen  bei  Berneck- 
Stein  des  westlichen  Fichtelgebirges  Melica  ciliatu  mit  Semperviimm 
sobolife7~um,  das  bei  uns  streng  montan  ist,  in  etwa  600  m Höhe  ver- 
einigt gefunden;  nie  würde  man  im  hercynischen  Bezirk  erwarten,  auf 
diesen  Bergen  pontische  Arten  wie  Centaurea  maculosa  oder  Palsatilla 
pratensis  mit  Androjwgon  Ischaemum  zu  finden;  nur  Cytisus  nigricans 
stellt  sich  noch  neben  das  Sempervivum  in  seinem  Vermögen,  so  hoch  als 
möglich  die  montanen  Felsen  zu  ersteigen  und  sich  mit  Calluna  und 
Arnica  zu  mischen.  Viscaria  aber  und  Digitalis  ambigua  haben  in  den 
Höhen  von  400  — 800  m ihre,  wie  es  scheint,  eigentlichste  hercynische 
Standortsverbreitung. 

Wenn  nun  also  die  Arten,  welche  die  Besiedelung  der  montanen 
F'elsen  übernommen  haben,  in  erster  Linie  mitteleuropäisch -montan  oder 
präalpin  und  in  zweiter  Linie  arktisch- boreal  sind,  so  lässt  sich  darnach 
auch  ihre  Besiedelung.speriode  beurtheilen.  Die  präalpinen  Arten  wie 
Aster  alpinus  und  Hieracium  Schmidtii  gehören  wohl  derselben  Periode 
an,  welche  auch  Sesleria  und  Sorbus  Aria  auf  ihre  zahlreichen  Stationen 
im  jetzigen  Muschelkalk-Gebiete  brachte,  nur  dass  sie  vielleicht  erst  etwas 
später  die  höheren  Stationen  erreichten  und  sich  dort  erhielten.  Ob 
Woodsia  ilvensis,  AUium  “sibiricum  und  die  von  dem  Bodethal  im  Harz 
durch  Thüringen,  das  Fichtelgebirgsland  und  das  Elsterthal  (Vogtland) 
bis  zum  Milleschauer  im  böhmischen  Mittelgebirge  an  seltenen  Standorten 
zerstreute  Saxifraga  decipiens  sich  gleichzeitig  vom  nordischen  Eisgürtel 
her  in  der  Ilercynia  festsetzten,  als  auch  die  präalpinc  Genossenschaft 
von  den  alpinen  Gletschern  in  die  mitteldeutschen  Hügel  verdrängt  war, 
lässt  sich  muthmassen,  aber  nicht  entscheiden.  Es  hat  dann  später,  bei 


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(1er  allinählicbeu  Umkehr  der  klimatischen  Verhältnisse  durch  die  Wirkungen 
der  trockenen  Steppenperiode , eine  Neuordnung  der  Verhältnisse  statt- 
gefunden, nach  der  die  genannten  nordischen  Arten  und  viele  präalpin- 
montane Arten  zerstreute  Bergstandorte  besetzten,  während  eine  grosse 
Menge  anderer  präalpiner  Arten  zusammen  mit  den  jünger  eingewanderten 
Steppenpflanzen  sich  zu  den  Ilügelformationen  besonders  auf  kalkreichem 
Boden  verschmolzen  haben. 

Neigt  man  einer  Annahme  von  einer  grösseren  Zahl  oscillirender 
kühler  (Eiszeit-)  und  wärmerer  Perioden  zu,  so  hätte  auch  eine  der 
letzten  postglacialen  Hauptsteppenzeit  folgende  kühlere  Periode  vom 
Charakter  einer  schwächeren  Eiszeit  die  präalpinen  Bürger  in  die  Relicten- 
standorte  der  Steppenbürger  hineinbringen  können.  Die  Mischung  der 
Formationen  bleibt  dieselbe;  hinsichtlich  der  Wanderungsperiode  enthält 
man  sich  wohl  am  besten  so  lange  eines  allzu  bestimmten  Urtheils,  als 
die  Geologie  noch  nicht  mit  allen  ihren  Unterlagen  fertig  ist,  welche  die 
Pflanzengeographie  zu  der  Ausarbeitung  ihres  eigenen  Bildes  dieser  Ent- 
wickelungsgeschichtc  nöthig  hat. 

Aber  gerade  der  Umstand,  dass  sich  mancherlei  verschiedene  Floren- 
elemeute  in  der  Formationsgruppe  zusammengefunden  und  gemischt,  zu 
einheitlich  beisammen  wachsenden  Genossen  vereinigt  haben,  die  nach 
ihrer  Arealform  beurtheilt  ein  recht  verschiedenes  Herkommen  besassen, 
macht  die  Hügelformationen  der  Hercynia  in  ihren  Niveaus  von  100 — 800  m 
besonders  werthvoll  und  Hess  den  Versuch  machen,  das  im  Anfang  dieser 
Skizze  entworfene  Bild  floristischer  Umgestaltung  unserer  Gaue  an  dem 
reichen  Gemisch  dieser  ca.  500  xerophilen,  mit  dem  Gesteinsschotter  eng 
verbundenen  Arten  näher  auszuführen.  Es  mag  wenigstens  daraus  ent- 
nommen werden,  zu  welchen  Betrachtungen  das  auf  botanischen  Excursionen 
zusammeugebrachte  Material  benutzt  werden  kann  und  dass  gegenüber 
dem  Ausgehen  auf  blosse  Sammlungsinteressen  dieser  Theil  der  pflanzen- 
geographischen Methode  einen  hohen  Werth  besitzt,  der  dazu  beiträgt, 
(len  Naturforscher-Spruch  zu  erfüllen:  „Herum  cognoscere  causas“.  Ein 
ganz  anderer,  nicht  minder  wichtiger  Gesichtspunkt  ist  dann  der  der 
ökologischen  Einrichtungen,  welche  den  Pflanzen  gestatten,  ihren  Kampf 
um  den  Standort  erfolgreich  durchzuführen. 

Wie  (las  hier  an  den  Hügelformatiouen  gezeigt  oder  angedeutet  ist, 
so  lassen  sich  ähnliche  interessante  Betrachtungen  hinsichtlich  der  glacial- 
alpinen  Arten  an  der  Formation  der  Hochmoore  und  der  subalpinen 
Berghaide  anstellen,  welche  auf  eine  spätere  Abhandlung  verspant  bleiben 
sollen.  D,is  Wesentliche  bleibt  dabei  die  Zurückführung  des  allgemeinen 
Problems  unserer  Floren -Entwickelungsgeschichte  auf  die  besondere  Be- 
handlung ihrer  einzelnen,  natürlich  abgegrenzten  Vegetationsformationen. 


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X.  Die  Gymnospermen  der  nordbölimischen 
Braunkohlenformation. 


Von  Dr.  Faul  Uenzel. 

Theil  II. 

Hit  1 Tafel  und  1 Abbildnng  im  Text 


2.  Taxodieae. 

Taxodium  distichum  miocenicum  Heer. 

Phyllxtea  dubius  Stemberg:  Vers.  I,  p.  37,  t XXXVI,  fig.  3,  4. 

Taxodites  dubius  Sternberg:  Vers.  II,  p 204. 

Unger:  Iconogr.,  p.  20,  t.  X.  fig.  1—7. 

Taxodium  dubium  Stemberg  sp.,  Kttingshausen:  Foss.  Fl.  v.  Bilin  I,  p.  34, 
t X,  fig.  13;  t XII.  fig.  1—16. 

Stur:  Neog.  Fl.  v.  Brilx,  Verb.  d.  k.  k.  geol.  R.  A.  1873,  p.  201. 

Sieber:  Nordb.  Braunkohlenfl.  Sitzungsber.  Akad.  d.  Wiss.  Wien  1880, 

p.  93. 

Wentzel:  Foss.  Pfl.  v.  Warnsdorf.  Verb.  d.  k.  k.  geol.  R.  A.  1881,  p.  90. 

— — Velenov.sky:  Fl  v.  Vrlovic  b.  Laun,  p.  14,  t I.  fig.  27. 

Taxodium  distichum  miocenicum  Heer,  Engelbardt:  Sitzungsber.  Isis  Dresden 
1876,  p.  2;  1877,  p.  20;  1882,  p.  14;  1883,  Abb.  p.  48. 

Tert.  Pfl.  d.  Leitm.  Mittelgeb.,  p.  15. 

Braunkoblenfl.  v.  Dux,  p.  ö Anm.  ; p.  23,  t.  2,  fig.  23—34;  t 3,  fig.  9,  10. 

Tertiärfl.  d.  Jesuitengr.,  p.  17,  t 1,  fig.  20. 

Uebr.  Litt.  s.  Staub:  Aquit.  Fl.  d.  Zsiltbales,  p.  17. 

Taxodium  ramulis  perennibus  foliis  linearibus,  demum  cicatriculis 
tectis;  ramulis  amiuis  caducis  filiformibus,  foliis  distantibus,  alternis, 
distichis,  hinc  inde  duobus  valde  approximatis,  basi  apiceque  angustatis, 
lineari -lanceolatis  vel  aequaliter  linearibus,  breviter  petiolatis,  planis, 
uninerviis;  amentis  masculinis  subglobosis,  plurimis,  in  spieam  terminalem 
dispositis;  strobilis  oviformibus  vel  subglobosis;  squamis  excentricc  pcltatis, 
primum  marginibus  conniventibus,  demum  hiantibus,  e basi  tenui  sursum 
incrassatis,  dilatatis,  disco  convexo,  costa  transversali  et  umbone  medio 
ornatis,  margine  superiore  verrucosis. 

Vorkommen;  In  den  Thonen  und  Letten  von  Ladowitz,  Dux,  Ilawran, 
Brüx,  Tschausch,  Prohn,  Preschen,  Priesen,  den  Tuffen  von  Warnsdorf, 
Salesl,  den  Brandgesteinen  von  Schellenken,  Straka,  Vrsovic,  Pohlerad- 
Lischnitz,  in  den  Schiefern  des  Jesuitengrabens,  in  der  Kohle  des  Tag- 
baues Peter  und  Paul  bei  Dux. 


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86 


Taxodium  distichum  miocenium  Heer,  eine  der  weitestverbreiteten 
und  in  allen  Theilen  bestgekannten  fossilen  Coniferen,  besitzt  dauernde 
Triebe  und  aus  den  Achseln  solcher  entspringende  Seitentriebe,  die  all- 
jährlich abgeworfen  werden.  Die  Blätter  sind  linear,  kurz  gestielt,  spitz, 
einnervig  und  stehen  an  den  perennirenden  Zweigen  spiralig  angeordnet, 
aufgerichtet  und  ziemlich  entfernt  von  einander,  an  den  sammt  den  Blättern 
abfallenden  Jahrestrieben  bilateral  gerichtet  Aeltere  Zweige  sind  mit 
den  Narben  von  Blättern  und  abgefallenen  Jahrestrieben  bedeckt.  Bei 
den  hauptsächlich  vorliegenden  Jahrestrieberi  sind  die  Blätter  8—  15  mm 
lang,  1 — 1*/,  mm  breit  seltener,  bei  der  früher  als  Taxod.  avgustifoUum 
Heer  bezeichneten  Form,  bis  20  mm  lang;  die  Blätter  sind  in  der  Mitte 
der  Zweige  am  längsten  und  nehmen  nach  Basis  und  Ende  der  Zweige 
an  Grösse  ab;  sie  sind  mehr  oder  weniger  parallelseitig,  nach  Grund  und 
Spitze  verschmälert,  kurz  gestielt  von  zarter  Besch aflen heit,  mit  deutlichen 
Mittelnerven;  sie  laufen  am  Stengel  nicht  herab;  selten  gehen  von  der 
Insertionsstelle  zarte  Streifen  aus,  die  in  gerader  Richtung  am  Zweige 
verlaufen,  niemals  aber  nach  den  gegenüberstehenden  Blättern  sich  wenden 
oder  Kanten  bilden  wie  bei  Sequoia  Langsdoi-fii.  Zuweilen  stehen  einige 
Blätter  unregelmässig  einander  genähert.  Die  fertilen  Zweige  sind  mit 
aufrechten,  kurzen,  spiralig  gestellten  Blättern  bedeckt. 

Die  männlichen  Blüthen  stehen  zahlreich  in  Rispen  oder  Aehren,  in  Form 
kleiner,  2 — 3 mm  langer,  ovaler  Kätzchen,  die  je  in  der  Achsel  eines 
kurzen,  vorn  zugespitzten  Blattes  stehen  und  aus  einer  Anzahl  dachig 
angeordneter,  eiförnjiger,  vorn  zugespitzter  Deckschuppen  gebildet  werden, 
welche  6 — 8 Staubblätter  umgeben. 

Die  weiblichen  Blüthen  stehen  einzeln  oder  zu  wenigen  am  Grunde 
der  männlichen  Blüthenstände  oder  an  kurzen  Seitenästen  älterer  Zweige; 
es  sind  rundliche,  6 — 8 mm  Durchmesser  haltende  Zäpfchen,  aus  rund- 
lichen Schuppen  gebildet,  meist  zerdrückt,  so  dass  Einzelheiten  des  Baues 
schwer  zu  erkennen  sind. 

Die  Zapfen  sind  kurz  gestielt,  von  eiförmiger  bis  rundlicher  Gestalt, 
messen  ausgewachsen  24  — 30  mm  Länge  und  20 — 26  mm  Breite;  sie 
werden  von  20 — 25  Schuppen  gebildet,  deren  mittelste  im  freien  Theile 
verhältnissmäs.sig  gross  (13-15  mm  hoch,  13 — 17  mm  breit)  sind,  während 
sie  nach  Basis  und  Spitze  rasch  an  Grösse  abnehmen;  die  kleinen  Schuppen 
an  der  Spitze  und  um  den  Stiel  herum  sind  steril. 

Die  Schuppen  verjüngen  sich  zu  einem  schief  nach  unten  gehenden 
Schuppenstiel,  der  an  der  Zapfenachso  befestigt  ist;  der  obere  freie  Schild 
der  Schuppen  besteht  aus  zwei  Theilen,  die  durch  einen  vortretenden, 
bogenförmigen  Wulst  von  einander  getrennt  sind;  der  untere,  glatte  Theil 
stellt  das  verholzte  eigentliche  Fruchtblatt  dar,  dessen  Spitze  als 
Höcker  erhalten  ist;  dieser  Höcker  ist  verschieden  stark  entwickelt,  oft 
tritt  er  an  den  unteren  Zapfenschuppen  stärker  hervor.  Der  obere  Theil 
der  Schuppe  wird  gebildet  von  der  ebenfalls  verholzten,  auf  der  Innen- 
seite des  Fruchtblattes  entstandenen  und  dieses  überragenden  W'ucherimg, 
der  Samenschuppe,  und  stellt  einen  vorn  stumpfwinkeligen  oder  halbkreisför- 
migen, mehrere  .Millimeter  breiten  Rand  dar,  der  von  3—8  runzlichen  Höckern 
bedeckt  ist;  diese  Höcker  sind  zuweilen  an  den  Schuppen  der  Zapfenspitze 
stärker  entwickelt  und  bilden  kleine  spitze  Zacken;  nicht  selten  sind  sie 
verwischt,  und  die  Schuppenränder  erscheinen  dann  fast  ganz  glatt. 


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87 


An  den  Innenseiten  der  Schuppen  sind  die  Samen  zu  je  zwei  ange- 
heftet; diese  sind  unregelmässig  dreikantig,  oft  zackig,  messen  8— 12  mm 
Länge  und  6—7  mm  Breite. 

Von  Taxodium  distichum  mioceniciim  Heer  finden  sich  an  den  oben 
angeführten  Orten  sehr  zahlreiche  Reste,  am  häufigsten  abfällige  beblätterte 
Zweige,  deren  Abbildungen  in  der  citirten  Litteratur  reichlich  vorliegen, 
ferner  ältere  Zweige;  von  mehreren  Orten  männliche  Blüthenähren  (cf. 
Ettingshausen,  Bilin,  t.  XII,  fig.  6 — 10;  Engelhardt,  Dux,  t.  2,  fig.  23,  24.  33); 
isolirte  Zapfenschuppen  theilt  Engelhardt  aus  den  Braunkohlenschichten 
von  Dux  mit  (1.  c.  t.  2,  fig.  27,  29 — 31 ),  ebensolche  liegen  mir  aus  den  Thonen 
von  Priesen  und  dem  Brandgesteine  von  Schellenken  vor;  ganze  Zapfen 
scheinen  selten  zu  sein,  ich  besitze  einen  einzigen  von  Schellenken.  Samen 
bildet  Engelhardt  von  Dux  ab  (1.  c.  t.  2,  fig.  32,  34). 

Ettingsbausen  hat  mehrere  Fossilien  als  Reste  von  Taxodium  abge- 
bildet, die  ohne  Zweifel  nicht  dazu  gehören;  die  Samen  (Flora  von  Bilin, 
t.  X,  fig.  8,  9)  und  die  Zapfen  (ebenda  fig.  20 — 22)  hat  bereits  Heer  zu 
Sequoia  Couttsiae  verwiesen;  auch  von  den  Laubzweigen  (t.  XII  der  Biliner 
Flora)  scheinen  wenigstens  nach  den  Abbildungen  einige  nicht  zu  Taxodhm, 
sondern  wie  fig.  6,  11,  15  zu  Ghjptostrohus  zu  gehören,  während  Ettings- 
hausen's  Taxodium  laxum  von  Priesen  (fig.  4 derselben  Tafel)  sehr  an 
sterile  Zweige  von  Widdrinqtonia  erinnert. 

Dass  lüxodium  distichum  miocenicum,  das  zur  Tertiärzeit  sich  über 
Nordamerika,  die  Polarländer,  Nordasien  und  ganz  Europa  verbreitete, 
von  dem  heute  auf  die  Südstaaten  von  Nordamerika  beschränkten  Taxodium 
distichum  Rieh,  nicht  zu  unterscheiden  ist,  ist  von  Heer  nachgewiesen 
worden. 


Glijptostrohus  europaeus  Brongn.  sp.  Taf  V,  Fig.  1 — 3. 

Taxodites  europaeus  Brongniart:  Ann.  des  Sciences  nat.,  1.  ser.,  vol.  ZXX, 

p.  168. 

Qlyptostrobus  europaeus  Ettingshausen:  Foss.  Fl.  v.  Bilin  I,  p.  37,  t.  X, 
fig.  10—12;  t.  XII,  fig.  3— 7,  11,  12. 

— biltnicus  Ettingshausen:  Foss.  Fl.  v.  Bilin  I,  p.  31t,  t.  XI,  fig.  1.  2,  10. 

— europaeus  Engelhardt;  Sitznngsber.  Isis  Dresden  1876,  p.  5;  1878,  p.  ,6; 

1880,  p.  70,  t.  I,  fig.  2;  1883,  p.  48. 

Tert.  Pfl.  d.  Leitm.  Mittelgeb.,  p.  20,  t.  4,  fig.  0. 

Braunkohlenflora  von  Dux,  p.  24,  t.  2,  fig.  35—38;  t.  3,  fig.  8;  t.  14, 

fig.  24;  t.  15,  fig.  22,  25. 

Foss.  Pfl.  Xordböhmens,  Lotos  1896,  p.  3. 

Stur:  Verh.  d.  k.  k.  geol.  R.  A.  1873,  p.  204. 

Wentzel:  Verb.  d.  k.  k.  geol.  R.  A.  1881,  p.  90. 

Sieber:  Znr  Kenntn.  d.  Nnrdb.  Braunkohlenflora.  Sitznngsber.  Ak.  d. 

Wiss.  Wien  1880,  p.  9.3,  t.  V,  fig.  47c. 

— — Velenovsky:  Fl.  v.  Vrsovic  b.  Laun.  p.  16,  t.  I,  fig.  21—26. 

üebr  Litt.  s.  Staub;  Aqmtan.  Fl.  d.  Zsilthales,  p.  21. 

Glyptostrobus  ramulis  strictis;  foliis  spiraliter  insertis,  in  ramis 
perennibus  squamaeformibus,  adpressis,  oviformibus,  apiccm  versus  latiori- 
bus,  breviter  acuminatis,  dorso  2 — 3-striatis,  basi  decurrentibus,  in  senio- 
ribus  ramis  saepius  apice  patentibus;  in  ramulis  annuis  deciduis  foliis 
subdistichis,  erectis,  linearibus,  apice  acuminatis,  basin  versus  numquam 
angustatis,  late  decurrentibus,  nervo  medio  valido;  amentis  masculinis  api- 
calibus,  rotundatis,  multifioris,  basi  foliis  brevibus,  ovatis,  acutis  circum- 
datis;  amentis  femineis  terminalibus  ad  ramulos  breves  laterales  foliis 


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squamaeformibus  instructos,  ovalibus;  strobilis  oboTatis  vel  subglobosis; 
squamis  ligncscentibus,  imbricatis,  maturis  biantibus,  e basi  cuneata  in 
discuin  ovalem,  sulcatum  incrassatis,  disco  sub  apice  mucronato,  margine 
anteriore  toro  semicirculari  6 — 9-crenato  et  longitudinaliter  sulcato  circum- 
datis;  seminibus  sub  quavis  squama  duobus,  ovatis,  arcuatis,  erectis, 
marginibus  alis  angustis,  basi  ala  producta  instructis. 

Vorkommen:  In  den  Sandsteinen  von  Altsattel  und  Sebüttenitz,  in 
den  Thonen  und  Letten  von  Prohn,  Preschen,  Priesen,  Dux,  Lado- 
witz,  Brüx,  Komotau,  Littmitz  bei  Falkenau,  in  den  Spbärosideriten 
der  Duxer  Umgebung,  den  ßrandgesteinen  von*  Üuppau,  Oberhostomitz 
bei  Bilin,  Scliellenken,  Vrsovic,  Pohlerad -Lischnitz,  in  den  Tuffen  von 
Warnsdorf,  in  den  Ilolaiklukscbiefern  nnd  in  den  Saazer  Schichten  von 
Liebotitz;  nicht  selten  bilden  Zapfen  und  Zweige  von  Glypiostrobtus  ganze 
verkohlte  Schichten,  wie  in  dem  Tagbau  Peter  und  Paul  bei  Dux  und  in 
den  Thonen  der  Priesener  Rachel  bei  Bilin. 

Olyptostrobus  besitzt  perennirende  und  abfällige  Zweige;  die  Blätter 
stehen  spiralig  und  sind  von  zweierlei  Form.  Au  den  ausdauernden 
Zweigen  sind  sie  schuppenformig,  eiförmig,  vom  aus  breiter  Fläche  kurz 
zugespitzt,  an  älteren  Zweigen  oft  etwas  abstehend,  niemals  aber  sichel- 
förmig gekrümmt  — dadurch  sind  solche  Zweige  von  den  oft  recht  ähn- 
lichen der  Sequoia  Couttsiae  zu  unterscheiden  — , an  der  Basis  herab- 
laufend, am  Rücken  mit  zwei  oder  drei  Streifen  versehen.  Die  Blätter 
der  abfälligen  Zweige  (Taf.  V,  Fig.  1)  sind  lineal  verlängert,  5 — 15  mm 
lang,  ca.  1 mm  breit,  vorn  zugespitzt,  an  der  Basis  nie  verschmälert, 
sondern  breit  am  Zweige  herablaufend;  sie  sind  von  kräftigem  Mittelnerv 
durchzogen;  sie  stehen  bilateral,  mehr  oder  weniger  nach  vorn  gerichtet; 
am  Grunde  der  abfälligen  Zweige  befindet  sich  eine  Anzahl  kleiner  schuppen- 
förmiger Blätter,  die  mit  denen  der  Dauerzweige  übereinstimmen  und, 
allmählich  länger  werdend,  in  die  linealen  Blätter  übergehen. 

Die  männlichen  Blüthenkätzchen  stehen  einzeln,  endständig  an  den 
Zweigen  und  sind  an  der  Basis  von  kurzen  eiförmigen,  zugespitzten  Blättern 
umgeben. 

Die  weiblichen  Blüthen  stehen  an  kurzen  seitenständigen  Aesten, 
die  von  schuppenförmigen  Blättern  dicht  bedeckt  sind;  bei  der  Reife  bilden 
sie  einen  holzigen,  verkehrt  eiförmigen  oder  fast  kugeligen  Zapfen;  dieser 
besteht  aus  dachziegelig  sich  deckenden,  bei  der  Reife  etwas  klaffenden 
Schuppen,  die  gegen  die  Basis  keilförmig  verschmälert,  nach  vorn  zu 
einem  ovalen,  an  der  .\nssenflilche  seicht  gefurchten  und  vor  der  Spitze 
mit  einem  spitzen  Höcker  versehenen  Schilde  (der  Deckschuppe)  ver- 
breitert sind  und  am  abgerundeten  vorderen  Rande  von  einer  halbkreis- 
förmigen, am  Rande  mit  G — 9 Kerben  versehenen  und  tief  gefurchten 
Wucherung  des  Fruchtblattes  (der  Samenschuppe)  umgeben  sind.  Die 
Zapfen  haben  einen  Durchmesser  von  1 — 2 cm;  die  Länge  der  Schuppen 
schwankt  zwischen  6 und  10  mm  bei  etwas  geringerer  Breite.  Deckschuppe 
und  Samenschuppe  haben  etwa  den  gleichen  Längsdurchmesscr.  Jede 
Schuppe  birgt  zwei  aufrechte  Samen  von  eiförmiger,  mehr  oder  weniger 
gebogener  Gestalt,  die  am  Rande  von  einem  schmalen,  an  der  Basis  aber 
verlängerten  Flügelsaume  umgeben  sind. 

Von  Oh/ptostrobus  europacus  sind  alle  wesentlichen  Theile  an  ver- 
schiedenen Fundorten  Böhmens  aufgefunden  worden,  nur  Samen  sind  mir 
bisher  nicht  bekannt  geworden.  Letztere  sind  zuerst  von  Ettingshausen 


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in  fossilem  Zustande  (Foss.  Fl.  v.  Schoenegg,  p.  10,  1. 1,  fig.  40 — 68)  mit- 
getheilt  worden;  derselbe  giebt  an,  dass  die  früher  als  Pterospennites 
vagans  und  Ixinulatus  Heer  bezeichneten  Samen  zu  Olyptostrobus  gehören. 

Ich  vereinige  Olyptostrobus  TJiigeri  Heer  und  Olyptostrobus  bUinicus 
Ett.  mit  Olyptostrobus  europaem  Brongn.  sp.,  die  früher  als  einzelne  Arten 
aufgestellt  und  dann  von  verschiedenen  Autoren  für  nicht  specifisch  ver- 
schieden erklärt  worden  sind;  wegen  des  Nachweises  ihrer  Zusammen- 
gehörigkeit verweise  ich  auf  Staub,  Aquitan.  Flora  des  Zsilthales,  p.  26  fg. 
Die  böhmischen  Tertiärschichten  bieten  buntgemischt  Reste  von  Olypto- 
strobus, die  in  Zapfenbildung  und  Belaubung  die  Merkmale  sowohl  des 
Gl.  eurojiaeus  wie  die  der  beiden  anderen  angeführten  Formen  darbieten. 
Taf.  V,  Fig.  2 und  3 gebe  ich  einige  Zapfen  aus  dem  plastischen  Thon 
von  Preschen  in  Abbildung,  in  Fig.  2 zwei  geöffnete  Zapfen  mit  unbewehrten 
Schuppenschildern,  in  Fig.  3 einen  geschlossenen  Zapfen  mit  hakenförmigen 
Fortsätzen  der  Schilder,  wie  sie  Ettingshausen  für  seinen  Ol.  hüinicus 
in  Anspruch  nimmt. 

Der  lebende  Nachkomme  des  im  Tertiär  der  ganzen  nördlichen  Hemi- 
sphäre weit  verbreiteten  Glmtostrohus  europaeus  ist  der  jetzt  auf  die  Nord- 
provinzen Chinas  beschränkte  Gl.  heterophyllus  Endl. 


Sequoia  Langsdorfii  Brongn.  sp.  Taf.  V,  Fig.  26—28. 

Ta.rites  Langsdorfii  Brongniart;  Prodr.,  p.  108,  208. 

Sequoia  Langsdorfii  (p.  p.)  Kttingshansen:  Foss,  Fl.  v.  Bilin  I,  p.  39,  t.  XIII, 
fig.  10. 

Engelhardt:  Sitzungsber.  Isis  Dresden  1876,  p.  2;  1877,  p.  20. 

— — — Tert.  Pfl.  d.  Leitm.  Mittelgeb.,  p.  16,  t.  1,  fig.  3. 

Pflanzenreste  v.  Liebotitz  u.  Pntschim.  Sitzungsber.  Isis  Dresden 

1880.  p.  78,  t.  I,  fig.  h. 

Velenovsky:  Flora  v.  Vräovie.  p.  16,  t.  I,  fig.  28—36. 

Sieber:  Z.  Kenntn.  d.  Nordböbni.  Braunkohlenflora.  Sitzungsber.  Ak. 

d.  Wiss.  Wien  1880,  p,  93,  t.  V,  fig.  47b. 

Uebr.  Litt,  und  Syn.  s.  Staub:  Aquitan.  B'l.  d.  Zsilthales,  p.  29,  und  Friedrich: 
Beitr.  z.  Kenntn.  d.  Tertiärilora  d.  Provinz  Sachsen,  p.  86. 

Sequoia  foliis  rigidis,  coriaceis,  linearibus,  apice  obtusiusculis  vel  bre- 
viter  acuminatis,  planis,  basi  angustatis,  adiiato-decurrentibus,  patentibus, 
distiebis,  confertis;  nervo  medio  valido;  strobilis  breviter  ovalibus  vel  sub- 
globosis,  squamis  compluribus,  peltatis,  niucronulatis. 

Vorkommen:  ln  den  Thoneii  von  Priesen,  Preschen,  Prohn,  den  Brand- 
gesteinen von  Schellenken,  Straka,  Vrsovic,  den  Tuffen  von  Waltsch  und 
Salesl,  dem  Süsswasserkalk  von  Kostenblatt,  den  Menilitopalen  von  Luschitz, 
den  Schichten  von  Liebotitz. 

Die  Zweige  tragen  eine  zweizeilig  gescheitelte  Belaubung;  am  Grunde 
der  im  Frühjahre  aus  den  Knospen  hervorgehenden  Zweige  steht  eine 
Anzahl  kurzer,  schuppenförmiger,  angedrückter  Blätter,  auf  welche  die 
längeren  zweizeiligen  Blätter  folgen;  den  Sommersprossen  fehlen  die  schup- 
penförmigen Blätter  am  Grunde. 

Die  zweireihigen  Blätter  sind  lineal,  steif  lederig,  mit  mehr  oder 
weniger  parallelen  Rändern,  vorn  zugespitzt  oder  stumpf  lieh  und  dann 
am  Ende  des  auslaufenden,  kräftigen  Mittelnerven  mit  einem  kleinen 
Spitzchen  versehen,  am  Grunde  verschmälert  und  am  Zweige  hcrablaufend. 
In  Folge  des  herablaufenden  Blattgnindes  erscheint  der^  Zweig  gestreift; 


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die  Streifen  verlaufen  zumeist  von  der  Blattinsertion  aus  schief  nach  der 
anderen  Seite.  Die  Blätter  sind  mehr  oder  weniger  dicht  gestellt  und 
stehen  vom  Zweige  unter  rechtem  Winkel  oder  mehr  nach  vorwärts  ge- 
richtet ab. 

Wahrscheinlich  trugen  die  Sommersprosse  (wie  bei  S.  sempei-virens 
Endl.)  kleinere  Blätter  als  die  älteren  Zweige.  Nach  der  Beschaffenheit 
der  Belaubung  hat  Heer  (Beitr.  z.  foss.  Flora  Spitzbergens,  p.  59fg.)  eine 
Anzahl  von  Formen  unterschieden;  bei  der  typischen  Form  sind  die 
Blätter  8 — 14  mm  lang,  in  der  Mitte  etwa  2 mm  breit,  erreichen  aber 
bei  den  anderen  Formen  Längen  zwischen  10  und  30  mm  bei  l‘/g — 3 mm 
Breite. 

Dass  eine  Angabe  fossiler  Scqiwia-  krien  (b\  distüJia  H.,  brevifoUa  H., 
Nordenshiildn  H.,  Tournalii  Sap.,  Heerii  Lesqu.  etc.),  die  auf  Grund 
abweichender  Blattbildung  von  Serin.  Lavgsdorjii  getrennt  worden  sind, 
besser  nur  für  Formen  von  dieser  letzteren  zu  halten  sind,  hat  Friedrich 
(Tertiärflora  der  Provinz  Sachsen,  p.  88)  wahrscheinlich  gemacht;  nur  be- 
züglich der  von  Friedrich  mit  angeführten  S.  longifoUa  Lesqu.  und  acu- 
minata  Lesqu.  bin  ich  anderer  Ansicht  (vergl.  weiter  unten  bei  Torreya). 

Die  kleinen  männlichen  Blüthen  sind  oval  und  stehen  endständig  auf 
Stengeln  mit  schuppenförmigen,  angedrückten  Blättern;  die  weiblichen 
Blüthen  bilden  ovale,  aus  kleinen,  aussen  verdickten  Schuppen  bestehende 
Zäpfchen. 

Die  reifen  Zapfen  sind  kurz  oval  oder  fast  kugelig,  am  Grunde 
stumpfer  als  vorn,  18  — 2B  mm  lang,  12  — 20  mm  breit;  sie  stehen  auf 
kurzen  Stielen  mit  angedrückten  Schuppenblättern  und  werden  aus  etwa 
50  Schuppen  gebildet.  Die  Zapfenschuppen  sind  nach  dem  Grunde  zu 
allmählich  verschmälert  und  tragen  rhombische  Schilder;  diese  messen 
6 — 9 mm  Breite  bei  4 — 6 mm  Höhe  und  besitzen  in  der  Mitte  eine 
rhombische  Vertiefung  mit  einem  centralen  Wärzchen;  der  Rand  der 
Schilder  ist  wulstartig  aufgeworfen  und  von  zahlreichen  Runzeln  durch- 
zogen. 

Die  Samen  sind  länglich  oval,  etwas  gekrümmt,  6 — 7 mm  lang, 
4 — 6 mm  breit  und  von  einem  ziemlich  breiten  Flügelrande  umgeben. 

Aus  den  böhmischen  Tertiärschichten  liegen  von  dieser  Art  verschie- 
dene Theile  in  fossilem  Zustande  vor.  Am  häufigsten  sind  Zweige  auf- 
gefunden worden,  Abbildungen  solcher  bietet  die  angeführte  Litteratur. 
Der  Zweig  bei  Ettingshausen,  Bilin,  t.  XIII,  tig.  9 ist  allerdings  von  unserer 
Art  zu  trennen  und  zu  Torreya  zu  stellen.  Weibliche  Blüthen  hat  Vele- 
novsky  von  Vrsovic  mitgetheilt  und  abgebildet,  ebendaher  kennen  wir 
Samen  und  reife  Zapfen.  Die  letzteren  sind  mir  ausserdem  von  Preschen 
und  Waltsch  bekannt  geworden  (s.  Taf.  V,  Fig.  26 — 28). 

Sequoia  Langsdorfii  kommt  in  der  Bildung  der  Zweige,  Blätter, 
Zapfenschuppen  und  Samen  der  lebenden  Sequoia  sempeitnrevs  Endl. 
ausserordentlich  nahe,  so  dass  Heer  (Flora  foss.  arct.  I,  p.  93)  geneigt  ist, 
beide  zu  vereinigen;  die  fossile,  weit  verbreitete  (Nordamerika,  Nordasien, 
arktisches  Gebiet,  Europa)  .Art  unterscheidet  sich  von  der  lebenden,  auf 
Californien  beschränkten  nur  durch  die  kleinere  vom  verlängerten  Mittel- 
nerv gebildete  Blattspitze  und  durch  die  grösseren  und  von  zahlreicheren 
Schuppen  gebildeten  Zapfen  (S.  sempervirene  hat  nur  ca.  20  Zapfen- 
schuppen). 


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Sequoia  Couttsiae  Heer.  Taf.  V,  Fig.  17 — 25. 

Sequoia  Coutttiae  Heer:  Bovev  Traeey.  Phil.  Trans,  vol.  152,  pt  II,  p.  1061i 
t.  59;  t.  60,  fig.  1-46;  t.'61. 

Foss.  Flora  of  Xorth  Oreenland,  p.  464,  pl.  XLI,  fig.  1—9;  pl.  XLII, 

fig.  1;  pl.  XLVIII,  fig.  4 d,  e. 

— — — Flor.  foss.  arcf.  I.  p.  94,  t.  III,  fig.  1 ; t.  VIII,  fig.  14;  t.  XLV,  fig.  19. 

Mioc.  halt.  Flora,  j.  55,  t.  XIII,  fig.  17—23;  t XIV,  fig.  17-19. 

Nachtr.  z.  mioc.  Fl.  Grönlands,  p 6. 

Saporta;  Etudes  II,  3,  p.  49,  pl.  II,  fig.  2. 

Schenk;  Botan.  Zeitung,  Jahrg.  27,  p.  376. 

Schimper:  Traite  de  p^.  veg.  II,  p.  318,  t.  LXXVII,  fig.  1—12. 

Ettingshausen : Foss.  Fl.  v.  Sagor  I,  p.  10,  t II,  fig.  1—8. 

Foss.  Fl.  V.  Leoben  I,  p.  14. 

Foss.  Fl.  T.  Scboenegg  I,  p.  12,  t.  1,  fig.  69,  70. 

Pilar:  Flora  fossilis  Susedana,  p.  28,  1. 111,  fig.  10. 

Beck ; Beitr.  z.  Kenntn.  d.  s&chs.  Oligocaens.  Zeitschr.  d.  D.  geol.  Ges. 

1886,  p.  361. 

Friedrich:  Tertiärfl.  d.  Provinz  Sachsen,  p.  14,  47,  83,  t.  III,  fig.  9,  10; 

t.  XI,  fig.  1-3. 

Gardner ; British  Eocene  Flora  II.  p.  36,  pl.  VI. 

Scbmalhausen:  Beitr.  z.  Tertiärflora  SUdwest  • Kusslands , p.  19,  30, 

t.  V,  fig.  3—4;  t.  IX,  fig  4—13. 

Sequoia  Toumalii  (qnoad  strobilos)  Saporta:  Etudes  II,  3,  p.  51,  pl.  II,  fig.  1 

C,  D. 

Schimper:  Traitö  de  pal.  vög.  II,  p.  320,  t LXXVII,  fig.  20,  21. 

Sqninabol:  Contrib.  alla  flora  foss.  della  Liguria  III,  Gimnospemie, 

p.  28,  t.  XVI,  fig.  5. 

— — Ettingshausen:  Foss.  Fl.  v.  Sagor  I,  p,  10. 

— Foss.  Fl.  V.  Leoben  I,  p.  14. 

Sequoia  imbricata  Heer:  Bomstedt,  p.  9,  1. 1,  fig.  4. 

Sequoia  affinie  Lesqnereux ; Ann.  Report  1874,  p.  310. 

— — — Text.  Flora,  p.  45.  t.  VII,  fig.  8 — 5;  t.  LXV,  fig.  1 — 3. 

Sternbergii  Heer:  Sächs.-Thttring.  Braunkohlenflora,  p.  4,  t V,  fig.  10. 

Taxodium  dubium  (pp.)  Ettingshausen : Fl.  v.  Bilin  I,  t.  X,  fig.  8,  9,  20 — 22. 

Sequoia  raiuis  curvato-ascendentibus,  alternis,  ramulis  junioribus  elon- 
gatis,  gracilibus;  foliis  raniorum  innovatioiiuimjue  squamaefoniiibus,  basi 
adnata  decurrentibus,  rigidis,  imbricatis,  semipatentibus,  subfalcatis,  acu- 
minatis,  dorso  leviter  carinatis;  foliis  ramulorum  productioribus,  laxe  im- 
bricatis, falcato-sublitiearibus;  amentis  luasculinis  axillaribus,  rotundis,  e 
bracteis  conferte  imbricatis;  strobilis  globosis  vel  subglobosis,  ad  ramu- 
lorum apices  plerumque  solitarie  appensis;  squamis  paucis,  peltatis,  rhom- 
boideis,  medio  brevissime  mucronulatis,  rugosis;  seminibus  curvatis,  com- 
pressis,  alatis. 

Vorkommen:  Im  plastischen  Thone  von  Preschen  und  Priesen,  im 
Sandsteine  von  Altsattel,  im  Tuffe  von  Waltsch,  im  Brandgesteino  von 
Schellenken. 

Bei  Sequoia  Couttsiae  weist  die  Belaubung  an  älteren  und  jüngeren, 
an  sterilen  und  fertilen  Zweigen  verschiedenartige  Gestaltung  auf.  Die 
Blätter  sind  spiralig  gestellt  und  allseitsweiidig;  von  den  sterilen  Zweigen 
sind  die  jüngeren  schlank,  ihre  Blätter  mehr  oder  weniger  dicht  gestellt, 
dreieckig  pfriemlich  bis  kurz  nadelformig,  meist  sichelförmig  aufwärts 
gekrümmt,  steif,  mit  der  Basis  herablaufend,  am  Bücken  schwach  gekielt; 
am  Grunde  jüngerer  Zweige  stehen  dichter  gestellte,  kurze  Blätter,  die 
früheren  Knospendeckeu,  die  allmählich  in  die  eigentliche  Blattform  über- 
gehen. Aeltere  Zweige  sind  dicker  und  dicht  mit  breiteren  schuppen- 
förmigen  Blättern  bedeckt.  An  mehrjährigen  Zweigen  bemerkt  man  die 


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92 


Narben  abgefallener  Blätter  und  Triebe.  Die  Fruchtzweige  sind  mit  dacbig 
anliegenden,  kürzeren  und  breiteren  Schuppenblättern  besetzt. 

Die  männlichen  Blüthen  stehen  endständig  an  kurzen  axillären,  mit 
kleinen  aufrechten  Blättern  besetzten  Aestchen. 

Die  Zapfen,  ebenfalls  endständig,  befinden  sich  einzeln  oder  zuweilen 
zu  mehreren  an  kurzen,  von  schuppenförmigen  Blättern  bedeckten  Zweigen. 
Die  Zapfen  sind  kugelig  oder  kurzoval,  15 — 24  mm  lang,  15  — 17  mm 
breit  und  bestehen  aus  8 — ^12  Schuppen.  Diese  sind  schildförmig,  central 
gestielt;  die  Schuppenschilder  sind  rhombisch  oder  polygonal,  messen 
8 mm  Breite  bei  7 mm  Länge,  tragen  in  der  Mitte  einen  kurzen  Fortsatz 
und  sind  mit  radiären  Runzeln  bedeckt.  Jede  Schuppe  trägt  5—7  Samen ; 
diese  sind  flach,  etwas  gekrümmt,  ca.  5 mm  lang  und  3 mm  breit,  an 
der  Insertionsstelle  etwas  ausgerandet,  nach  vorn  zugespitzt  und  rings 
von  einem  flachen,  schmalen  Flügel  umgeben. 

Sequoia  Couttsiae  ist  von  Heer  zuerst  von  Bovey  Tracey  beschrieben 
worden;  später  hat  derselbe  Autor  diese  Art  aus  der  arktischen  und  aus 
der  baltischen  Tertiärflora  angegeben;  Saporta  wies  eine  etwas  abweichende 
Form  als  S.  Couttsiae  polymorpha  von  Armissan  nach. 

Gardner  (Brit.  Eocene  Flora  II,  p.  38  fg.)  kommt  nach  seinen  Unter- 
suchungen zu  dem  Resultate,  dass  diese  unter  dem  nämlichen  Namen 
publicirten  Funde  nicht  zusammengehören,  sondern  dass  Sequoia  Couttsiae 
Ileer’s  und  Saporta’s  mehrere  Arten  repräsentiren. 

Den  Namen  S.  Couttsiae  behält  er  für  die  zuerst  so  genannten  Reste 
von  Bovey  Tracey  bei  und  stellt  hierher  die  von  Ettingshausen  in  der 
Flora  von  Bilin  als  Tuaodium  duhium  abgebildeten  Samen  und  Zapfen. 

Als  Sequoia  Whymperi  bezeichnet  Gardner  die  Reste  von  Grönland, 
Spitzbergen,  Mackenzie  und  aus  den  baltischen  Tertiärschichten;  diese 
unterscheiden  sich  nach  ihm  von  der  zierlicheren  S.  Couttsiae  durch  die 
etwa  doppelt  so  grossen  Dimensionen  der  Blätter,  Zapfen  und  Samen 
und  durch  dimorphe  Belaubung  (schuppenförmige  und  verlängerte  bis 
nadelförmige  Blätter);  Gardner  ist  der  Meinung,  dass  zu  S.  Whymperi 
auch  verschiedene  in  der  Litteratur  anders  benannte  Zweige  zu  ziehen 
sind , z.  B.  der  als  Glyptostrohus  Unyeri  bezeichuete  Zweig  in  der  Flora 
foss.  arct.  Bd.  IV  (Beitr.  z.  foss.  Fl.  Spitzbergens),  t.  XI,  fig.  2— 8,  — die 
Blüthen  insbesondere,  1.  c.  fig.  8 seien  nicht  von  den  Äv/uoin-Blüthen 
zu  unterscheiden,  wie  sie  Heer,  Fl.  v.  Bovey  Tracey,  pl.  LX,  fig.  43  ab- 
bilde — ferner  die  zu  S.  LanysdorfU  gestellten  Zweige  in  Fl.  foss.  arct 
Bd.  I,  t.  XLVn,  fig.  3(>  und  Foss.  Fl.  of  North  Greenland,  pl.  XLIV,  fig.  2, 
auch  S.  Sternhergii  von  Oeningen  (h'l.  tert.  Ilelvetiae  I,  t.  XXI,  fig.  5). 

Sequoia  Couttsiae  var.  polymorpha  Saporta’s  (Etudes  II,  3,  p.  49,  pl.  II, 
fig.  2)  hält  Gardner  für  eine  eigene  Art  mit  dimorpher  Belaubung,  deren 
eingehende  Beschreibung  Saporta  1.  c.  gegeben  hat. 

Den  Formen,  die  Gardner  unterscheidet,  lässt  sich  noch  Sequoia 
Couttsiae  var.  rohusta  Sclimalbausen  (Beitr.  zur  Tertiärflora  Südwest- 
Russlands,  p.  19  und  30,  t V,  fig.  3,  4 und  t IX,  fig.  4 — 13)  anschliessen, 
die  sich  von  der  typischen  Form  durch  kräftigere  Triebe,  dickere  Aeste 
und  durchschnittlich  längere  Blätter  unterscheidet 

Ich  stimme  Gardner  vollständig  darin  bei.  dass  verschiedene  als 
Gbyptostrobus  oder  Sequoia  iMnysdorfii  bez.  Sternhergii  beschriebene  Reste 
besonders  der  arktischen  Flora  nicht  von  Sequoia  Couttsiae  zu  trennen 
sind,  dagegen  kann  ich  ihm  in  der  .Aufstellung  seiner  verschiedenen  Arten, 


•4. 


93 


die  er  von  der  typischen  S.  CouHsiae  von  Bovey  Tracey  ahtrennt,  nicht 
beipflichten.  Gardner  weist  selbst  auf  die  Schwierigkeit  hin,  nach  relativ 
geringen  Abweichungen  in  der  Belaubung  allein  fossile  Arten  zu  trennen; 
solche  Abweichungen  gehören,  bedingt  durch  Temperaturverschiedenheiten 
und  andere  physikalische  Umstände,  bei  den  Individuen  derselben  lebenden 
Coniferenart  zu  häufigen  Erscheinungen.  Die  Formen  Garduer’s,  Saporta’s 
und  Schmalhausen's  sind  räumlich  auf  gewisse  Gebiete  beschränkt  (England 
— arktisches  Gebiet  — Südfrankreich  — Südwestrussland),  und  diese 
boten  ohne  Zweifel  zur  Tertiärzeit  mancherlei  durch  Klima  und  locale 
Verhältnisse  bedingte  Verschiedenheiten  der  Lebensbedingungen  dar,  die 
in  den  einzelnen  Gebieten  bei  den  Pflauzen-Individuen  derselben  Art 
massige  Abweichungen  in  der  Ueppigkeit  der  Triebe  und  der  Grösse  und 
Gestalt  einzelner  Organe,  insbesondere  des  Laubes,  hervorrufen  konnten. 
Ausserdem  ist  das  Alter  der  Schichten  an  den  verschiedenen  Fundorten, 
die  Reste  von  S.  Couttsiac  bergen,  durchaus  nicht  das  nämliche,  so  dass 
in  den  Formabweichungen  auch  Entwickelungsfortschritte  der  Art  erblickt 
werden  dürfen. 

Nun  ist  aber  S.  Couttsiae  mit  ihren  Formen  keineswegs  auf  die  bisher 
genannten  Gebiete  beschränkt,  vielmehr  sind  von  verschiedenen  anderen 
Orten  Reste  als  S.  Couttsiae  oder  unter  deren  Synonymen  mitgetheilt  worden. 

Dass  S-  Toumalii  Sap.  keine  selbständige  Art  darstellt,  sondern  auf 
einer  Combination  von  Zapfen  der  S.  Couttsiae  mit  Zweigen  der  ä Langs- 
dorfii  beruht,  ist  schon  von  Heer  (Fl.  foss.  arct.  I,  p.  94)  hervorgehoben 
worden.  Saporta  giebt  S.  Tournalii  an  von  Arraissan  und  Bois  d’Asson; 
sie  wird  ferner  erwähnt  von  Leoben  und  Sagor,  von  Kumi  und  aus 
Ligurien. 

Sequoia  Couttsiae  ist  durch  Schenk  und  Beck  aus  dem  Oligocän  der 
Leipziger  Umgegend,  von  Heer  und  Friedrich  aus  dem  Tertiär  der  Provinz 
Sachsen  nachgewiesen;  Sequoia  imbricata  Heer  von  Borustedt  stellt  nichts 
anderes  als  einen  Rest  unserer  Art  dar.  Ettingshausen  fand  sie  in  den 
Schichten  von  Sagor,  Leoben  und  Schoenegg;  Pilar  giebt  sie  aus  der 
Flora  von  Sused  bekannt;  Lesquereux  theilt  aus  der  nordamerikanischen 
Tertiärllora  zapfentragendo  Zweige  mit  als  S.  affinis,  die  kaum  erhebliche 
Abweichungen  von  der  typischen  S.  Couttsiae  darbieten. 

Schliesslich  liegen  mir  zahlreiche  Reste  von  unserer  Art  von  mehreren 
Tertiärfundorten  Böhmens  vor,  deren  einige  auf  Taf.  V wiedergegehen 
sind.  Dass  die  von  Ettingshausen  unter  der  Bezeichnung  Taxodium 
dubiwn  iu  der  Flora  von  Bilin,  t.  X,  tig.  8 und  9 abgehildeten  Samen  von 
Sobrussan  und  die  Zapfen  von  Priesen,  ebenda  fig.  20 — 22,  nicht  zu 
Taxodium,  sondern  zu  Sequoia  Couttsiae  gehören,  ist  schon  von  Heer 
bemerkt  worden;  ich  habe  eine  grosse  Anzahl  von  Zapfen  in  dem  plastischen 
Thone  von  Preschen  aufgefunden,  deren  einige  in  verschiedenen  Alters- 
und Erhaltungsstadien  Taf.  V,  Fig.  19 — 23  abgebildet  sind;  ausserdem  sind 
mir  Zweigstücke  von  Preschen,  Altsattel  und  Waltsch  bekannt,  deren 
einige  Taf.  V,  Fig.  18,  24,  25  wiedergegeben  sind,  und  die  theilweise  in 
der  BeschaflTenheit  der  Belaubung  einige  besondere  Fiigenthümlichkeiten 
darbieten. 

Das  schlanke  Zweiglein  Fig.  25  entspricht  den  zarten  Zweigen  von 
Bovey  (bes.  Fl.  v.  Bovey  Tracey,  t.  LX,  fig.  45),  wie  sie  Gardner  für  seine 
S.  Couttsiae  im  engeren  Sinne  in  Anspruch  nimmt;  der  Zweig  von  Waltsch 
Fig.  24  stimmt  dagegen  mit  den  Zweigen  der  S.  Whymperi  Gardners  von 


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Grünland  überein  (s.  Fl.  of  North  Greenland,  t.  XLI);  die  Belaubung 
unserer  zapfentragenden  Zweige  findet  Analoga  sowohl  unter  den  arktischen 
Resten  der  S.  Couttsiae  Heere  wie  unter  denen  von  Bovey  Tracey. 

Besonders  bemerkenswerth  ist  das  grosse  Zweigstück  Fig.  18;  es 
zeigt  eine  verschiedenartige  Belaubung;  es  besitzt  Zweige  mit  kurzen, 
spitzen,  gesichelten  und  herablaufenden  Blättern,  neben  solchen,  die  an 
der  Spitze  kurze,  stumpfe,  schwach  sichelförmig  gebogene  und  herahlaufende 
Blätter  (vergl.  vergr.  Fig.  18a),  im  Uebrigen  aber  stark  verlängerte  Blätter 
tragen;  dies  sind  Verhältnisse,  wäe  sie  Saporta’s  Form  polymorpha  auf- 
weist, wie  sie  aber  auch  Heer  wiederholt,  z.  B.  von  Bovey  (1.  c.  pl.  LX, 
fig.  12),  von  Spitzbergen  (Beitr.  z.  foss.  Fl.  Spitzbergens,  t.  XI,  fig.  2,  6 — hier 
zu  Glyptostrobus  gestellt),  von  N’ordgrönland  (Fl.  of  North  Greenland, 
pl.  XLI)  u.  a.  abbildet;  einige  Zweige  von  Schmalhausen’s  var.  robusta 
(Tert.  Fl.  v.  Südwestrussland,  t.  IX,  fig.  12^  sind  ebenfalls  zum  Vergleich 
heranzuziehen.  Ileer’s  S.  concinna  aus  den  Patootschichten  Grönlands 
(obere  Kreide)  bietet  ähnliche  Belaubungsverhältnisse  dar  (cf.  Fl.  foss. 
arct.  Bd.  VII,  p.  l.S,  t.  XLIX,  fig.  8b,  c;  t.  L,  fig.  Ib;  t.  LI,  fig.  2 — 10; 
t.  LII,  fig.  1 — 3;  t.  LIII,  fig.  Ib);  Heer  bezeichnet  S.  Couttsiae  als  die 
nächstverwandte  Art  der  S.  concinna.  Erwähnt  sei  schliesslich  noch,  dass 
Gardner  (Brit.  F,oc.  Fl.,  Gymnosp.,  pl.  Vlll)  als  Podocarpus  ehgans  de  la 
Harpe  sp.  eine  Anzahl  anscheinend  nicht  zusammengehöriger  Zweige  ab- 
bildet, deren  einige  unserem  Zweige  Fig.  18  nahe  kommen,  während  andere 
zu  S.  Langsdorfii  gehören  dürften. 

Die  Mehrgestaltigkeit  der  S.  Coidtsiae-Reste  der  böhmischen  Tertiär- 
schichten, die  im  Wesentlichen  einem  Fundorte,  dem  plastischen  Thone 
von  Preschen  entstammen,  und  <lie  die  Eigenthümlichkeiten  der  verschie- 
denen von  Gardner  als  Arten  unterschiedenen  Formen  von  S.  Couttsiae 
darbieten,  lässt  cs  mir  durchaus  unwahrscheinlich  erscheinen,  dass  es  sich 
in  der  That  um  mehrere  verschiedene  Arten  von  Sequoia  handele.  Vielmehr 
meine  ich,  dass  S.  Couttsiae  eine  weit  verbreitete  Art  der  Tertiärfiora 
darstcllt,  deren  Gebiet  — ähnlich  wie  bei  S.  Langsdoi'fii  und  Tarodium 
distichum  — sich  über  die  arktische  Zone,  Nordamerika  und  ganz  Europa 
bis  nach  Südrussland  erstreckte,  und  die  in  der  Anpassung  an  klimatische 
und  locale  Verhältnisse  eine  erhebliche  Variabilität  in  der  Ausbildung 
einzelner  ihrer  Organe  sich  erwarb. 

S.  Couttsiae  steht  zwischen  den  beiden  lebenden  S.  semperviretis  Endl. 
und  S.  gigantea  Torr,  aus  Californien.  Die  Belaubung  ähnelt  der  von 
S.  gigantea,  von  der  sich  S.  Couttsiae  durch  geringe  Grösse  und  kugelige 
Gestalt  der  Zapfen  unterscheidet;  S.  £cmpe)'virens  besitzt  ähnliche  Zapfen, 
aber  mit  einer  grösseren  Zahl  der  Zapfenschuppen,  und  andere  Belaubung. 
Nach  Schenk  (Botan.  Zeitung  1869,  Jahrg.  27,  p.  376)  erinnert  bei  S.  Couttsiae 
die  Structur  der  Blattepiderniis  an  S.  gigantea,  die  Epidermisstructur  der 
geflügelten  Samen  und  die  Anordnung  der  Zapfentheile  an  S.  setnpen  irefis. 


Sequoia  Sternbergii  Ett.  Taf.  V,  Fig.  35, 

Sequoia  Sternbergii  Ettingshausen:  Foss.  Flora  v.  Bilin  I,  p.  40,  t.  XIII. 
lig.  3—8. 

Sequoia  ramis  alternis,  elongatis,  crassiu.sculis;  foliis  spiraliter  dis- 
positis,  imbricatis,  ovato-lanceolatis,  subfalcatis,  rigidis,  apice  obtuso-acu- 
minatis,  basi  decurrentibus. 


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V'ürkommeii:  Im  l’olirschiefer  von  Kutschlin. 

Unter  der  Bezeichnung  Sequoia  (Äraucarites)  Sternberyü  üoepp.  sp. 
sind  von  mehreren  Autoren  (üoeppert,  Heer,  Unger,  Ettingshausen,  Massa- 
longo,  Sismonda  u.  A.)  von  verschiedenen  Fundorten  der  Polarzone  und 
des  mittel-  und  südeuropäischen  Tertiärgebietes  belaubte  Coniferenzweige 
beschrieben  worden,  die  augenscheinlich  nicht  zu  einer  und  derselben 
l’flanzenart  gehören.  Die  meisten  der  so  genannten  Beste  entsprechen  dem 
Typus  der  von  Häring  und  Sotzka  beschriebenen  Zweige  (Ettingshausen, 
Foss.  Fl.  V.  Häring,  p.  36,  t.  VH,  fig.  1 — 10;  t VHl,  tig.  1 — lü;  Unger, 
Foss.  Fl.  V.  Sotzka,  p.  27,  t.  III,  fig.  1—14;  t.  IV,  fig.  1 — 7);  daneben  finden 
sich  unter  dem  gleichen  Namen  verzeichnet  Zweige  mit  bedeutend  längeren 
und  breitereu  Blättern  (z.  B.  bei  Sismonda,  Materiaux  p.  serv.  ä la  Pal. 
du  terr.  tert.  du  Piemont,  pl.  IV,  fig.  6;  bei  Heer,  Flor.  foss.  arct.  I,  t.  XXIV, 
fig.  7 — 10)  und  schliesslich  Zweige  mit  viel  kürzeren  und  relativ  breiten 
und  wenig  zugespitzten  Blättern,  wie  die  Zweige  Ettingshausen's  von  Bilin 
(F’l.  V.  Bilin,  t.  XIII,  fig.  3 — 8)  und  Heer’s  von  Netluarsuk  (Nachtr.  z. 
mioc.  Fl.  Grönlands,  p.  10,  t.  II,  fig.  1—4). 

Wenn  auch  Heer  ausdrücklich  von  S.  SteniberyU  Formen  mit  kürzeren 
und  mit  längeren  Blättern  unterschied,  blieb  doch  — bei  aller  Variabilität 
der  Coniferenlaubblätter  — die  Annahme  ausserordentlich  gezwungen, 
dass  z.  B.  die  Biliner  Zweige  Ettingshausen’s  und  Sisinonda’s  Zweig  von 
Turin  einer  und  derselben  Pflanze  angehört  haben  sollten.  Lange  Zeit 
waren  Zapfen,  die  in  zweifellosem  Zusammenhang  mit  den  fraglichen 
Zweigen  sich  befanden  und  die  genauere  Deutung  der  Beste  ermöglicht 
hätten,  unbekannt;  umsomehr  ist  es  zu  begrüssen,  dass  neuerdings  F'unde 
von  zapfentragenden  Zweigen  die  Trennung  der  verschiedenartigen,  unter 
dem  Sammelnamen  Sequoia  Stertibergii  begriffenen  Fossilien  gestatten. 

Zuerst  gelang  es  Marion  (Comptes  rendues  de  l’Acad.  des  Sciences 
1884,  p.  821,  und  Annales  sc.  geol.  XX,  no.  3,  1889  — dazu;  Benault, 
Cours  de  Botanique  fossile  IV;  Gardner,  Brit.  Eoc.  Flora,  Gymnosp.,  p.  93; 
Zeiller,  Elements  de  Paleobotanique,  p.  265)  nachzuweisen,  dass  ein  Theil 
der  S.  Sternberffii-Vormen  einem  neuen  Genus  angehört,  welches  der 
Zapfenbildung  nach  der  Gattung  Dammara  nahe  steht:  Doliostrobus 
Sternbergii,  mit  spiralig  stehenden,  mehr  oder  weniger  anliegenden,  pfriem- 
lichen,  schwach  sichelförmigen,  starren  Blättern,  die  am  Bücken  gekielt 
erscheinen. 

Auf  Grund  zapfentragender  Zweige  stellte  ferner  Gardner  (Brit.  Eoc. 
Flora,  Gymnosp.,  p.  85,  pl.  X,  fig.  2,  3,  10—13;  pl.  XX;  pl.  XXI)  fest,  dass  sich 
unter  S.  Sternbergii  Beste  von  Crijptomeriu  verbargen  (Cr.  Stertibergii)', 
die  augenfällige  Aehulichkeit  der  ArKHcaritcs-Zy/eige  von  Häring,  Sotzka, 
Monte  Promina  mit  solchen  von  Cryptomeria  war  früher  schon  von  Ettings- 
hausen hervorgehobeu  worden  (Fl.  v.  Häring,  p.  36);  Cr.  Stertibergii  besitzt 
Zweige  mit  lancettlichen  bis  verlängert  nadelfürmigen,  spitzen,  gekrümmten, 
am  Grunde  herablaufenden  Blättern;  hierher  scheint  die  Mehrzahl  der 
S.  Sternbergii- Reste  zu  gehören. 

Für  die  lang-  und  breitblättrigen  Zweige  Sismonda's  von  Turin  und 
Heer’s  von  Island  besteht  nach  meiner  Kenntniss  eine  sichere  Deutung 
noch  nicht. 

Aus  dem  böhmischen  Tertiär  hat  Ettingshausen  belaubte  Zweige  von 
Kutschlin  als  S.  Sternbergii  beschrieben ; eine  Anzahl  mit  diesen  überein- 


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stimmender  Zweige  von  demselben  Fundorte  liegen  auch  mir  vor;  einer 
derselben  ist  Taf.  V,  Fig.  35  abgebildet. 

Diese  Zweige  sind  ziemlich  lang  und  verhältnissmiissig  dick,  fast 
cylindriscli,  auch  nach  den  Enden  zu  kaum  verjüngt;  die  Verzweigung  ist 
meist  alternirend;  die  Zweige  sind  sehr  dicht  von  dachig  anliegenden 
Blättern  bedeckt;  die  Blätter  stehen  spiralig,  sind  steif,  dick  lederartig, 
von  eiförmig -lancettlicher  Gestalt,  an  der  Basis  herablaufend,  nach  vorn 
verschmälert  und  stumpflich  zugespitzt.  Der  Durchschnitt  der  Blätter  war 
ohne  Zweifel  dreieckig,  die  Hache  Seite  dem  Zweige  zugewendet;  die 
dieser  flachen  Seite  gegenüber  liegende  Kante  der  Blätter  erscheint  in 
den  Abdrücken  als  Mittelnerv,  die  Seitenkanten  der  Blätter  treten  ira  Ab- 
druck an  den  zu  beiden  Seiten  des  Zweiges  stehenden  Blättern  deutlich 
hervor  (vergl.  die  vergr.  Figur  35a  der  Taf.  V).  Die  Blätter  sind  meist 
schwach  sichelförmig  gekrümmt.  Ein  grosses  reich  verästeltes  Zweig- 
stück der  Prof.  Deichmüller’schen  Sammlung,  das  abzubilden  der  ver- 
fügbare Raum  leider  nicht  gestattete,  lässt  einige  an  der  Spitze  seiten- 
stäiidiger,  etwas  verschinächtigter  Zweiglein  mit  gleicher  Belaubung 
stehende,  ovale  Köpfchen  erkennen,  die  aus  einer  Anzahl  dichtstehender 
lancettlicher  Blättchen  gebildet  werden;  diese  stellen  vermuthlich  BlUthen- 
anlagen  dar. 

Die  Zweige  dieses  Typus  führe  ich  vorläufig  noch  unter  der  Bezeich- 
nung Sequoia  Sternhergii\  sie  ähneln  manchen  Sequoien  der  Kreideformation, 
z.  B.  S.  fastiniata  Stbg.  sp.  (von  Heer!)  — vergl.  Velenovsky,  Gymnospermen 
der  böhmischen  Kreideformation,  p.  21  — und  scheinen  den  ältesten  Typus 
der  Sequoien  im  Tertiär  darzustelleu ; als  S.  Couttsiae  var.  robusta  führt 
Schmalbausen  (Beitr.  z.  Tert.  Fl.  Südwestrusslands,  p.  19,  t.  V,  fig.  3,  4i 
einige  Zweigstücke  an.  die  unseren  nahe  kommen;  unter  den  fossilen 
Resten,  die  als  S.  Sicynbergii  bezeichnet  sind,  sind  es  die  von  Heer,  Nachtr. 
z.  mioc.  Fl.  Grönlands,  p.  7,  1. 11,  fig.  1 — 4 dargestellten,  die  den  Kutschliner 
Zweigen  zunächst  kommen. 

Die  Laubzweige  des  Doliostrobus  Stervbergii  Marion’s  zeigen  eine 
ähnliche  Anordnung  der  Blätter;  diese  scheinen  aber  nach  den  mir  be- 
kannten Abbildungen  schärfer  zugespitzt  zu  sein  als  bei  den  böhmischen 
Resten,  ich  trage  daher  Bedenken,  diese  mit  ersteren  zu  vereinigen, 
zumal  in  Böhmen  noch  keinerlei  Zapfenreste  von  der  Beschaffenheit  des 
Doliostrobus  bisher  aufgefunden  worden  sind. 

Die  (lestaltung  der  Zweige  und  die  Belaubung  der  Kutschliner  Reste 
besitzen  unverkennbar  Anklänge  an  die  Verhältnisse  bei  der  lebenden 
Gattung  Athrotaxis',  möglich  ist,  dass  sie  und  vielleicht  auch  andere  fossile 
Sequoien  mit  Athrotaxis -artiger  Belaubung  wirklich  zu  Athrotaxis  zu 
stellen  sind  — darauf  hat  Solms  aufmerksam  gemacht  (Einleitung  in  die 
Palaeophytologie,  p.  59)  — möglich  auch,  dass  unsere  Zweige  zu  den 
nachstehend  zu  beschreibenden  Zapfen  in  Beziehung  stehen,  die  in  ihrer 
Bildung  an  ,4 f/(rofa;ris- Zapfen  erinnern;  die  fertilen  Zw'eige  der  letzteren 
zeigen  allerdings  Abweichungen  von  unseren  S.  Sterubergii-Zweigea,  und 
so  lange  Laub-  und  Fruchtzweige  nicht  in  natürlichem  Zusammenhänge 
vorliegen,  lässt  sich  mehr  als  eine  Vcrmuthung  nicht  aussprechen. 


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Athrotaxidium  hilinicum  iiov.  sp.  Taf.  V,  Fig.  13  — 16. 

Athrotaxidium  foliis  irabricatis,  erecto-incurvatis,  lanceolatis,  acutis, 
dorso  costatis,  decurreutibus;  strobilis  ovatis;  squamis  imbricatis,  incrassatis, 
rugulosis,  apice  triaiigulari-ovato,  acuto,  producto. 

Vorkommen:  Im  plastischen  Tbone  von  Preschen. 

Von  genanntem  Fundorte  liegen  mir  eine  Anzahl  Zweige  mit  Zapfen 
vor,  die  augenscheinlich  verschiedenen  Altersstadien  angehören.  Diese 
Zapfen  weichen  von  allen  bisher  aus  tertiären  Schichten  beschriebenen 
Coniferenzapfen  ab;  sie  sind  von  eiförmiger  (jestalt,  messen  7 — 16  mm 
Länge  bei  6 — 11  mm  Breite  und  werden  von  einer  massigen  Anzahl 
spiralig  angeordneter,  sich  daehziegelig  deckender  Schuppen  zusammen- 
gesetzt. Der  Erhaltungszustand  meiner  Exemplare  ist  leider  kein  be- 
sonders guter,  doch  lassen  sie  erkennen,  dass  der  freie  Theil  der  Schuppen 
stark  verdickt  ist,  ohne  aber  ein  deutlich  umgrenztes  Schildchen  zu  bilden; 
die  SchuppenoberHäcbe  ist  fein  runzelig;  die  Spitzen  der  Schuppen  treten 
als  starke,  dreieckig-eiförmige,  zugespitzte,  mehr  oder  weniger  gekrümmte 
Höcker  nach  aussen  vor;  an  dem  jüngsten  Zäpfchen  (Fig.  15)  erscheinen 
diese  vorstehenden  Schuppenhücker  als  verhältnissmässig  schlanke  Dornen, 
während  sie  an  den  älteren  Zapfen  (Fig.  13,  14,  16)  eine  plumpere  Ge- 
stalt besitzen. 

Die  Zapfen  stehen  am  Ende  kürzerer  Seitenzweige,  wie  es  scheint, 
gewöhnlich  zu  mehreren  an  längeren  Zweigen.  Die  zapfentragenden  Zweige, 
oft  unter  dem  Zapfen  verdickt,  sind  dicht  von  schuppenförniigen,  kleinen, 
ovalen,  spitzen  Blättern  bedeckt;  die  übrigen  Zweige  tragen  schnppen- 
förmige,  zugespitzte,  lang  berablaufende  Blätter  von  lancettlicher  Gestalt, 
die  spiralig  angeordnet,  etwas  entfernt  stehen  und  theilweise  mit  der 
Spitze  etwas  gekrümmt  sind;  die  Blätter  besitzen  einen  .Mittelnerven. 

Diese  auffälligen  Zapfen  weisen  nach  dem  leider  allein  bekannten 
äusseren  Anblicke  die  meiste  Aehnlicbkeit  mit  den  Zapfen  der  lebenden 
Athrotaxis-krim  auf,  welche  ebenfalls  stark  verdickte,  mit  der  Spitze 
nach  aussen  vorstehende  Zapfenschuppen  besitzen ; allerdings  haben  diese 
kleinere  Zapfen,  und  ihre  Zapfeustiele  sind  anders  beschallen;  immerhin 
besteht  eine  Aehnlichkeit,  welche  durch  die  gewählte  Benennung  aus- 
gedrückt werden  soll.  Ob  bei  unseren  Zapfen  die  Attroteris  zukonimende 
wulstförmige  Anschwellung  an  der  Innenseite  der  Schuppen  vorhanden  ist, 
erlaubt  unser  Material  nicht  zu  entscheiden;  auch  von  Samen  unserer  Art 
ist  nichts  bekannt.  Die  Stellung  unserer  Zapfen  zu  Athrotaxis  kann  des- 
halb nur  mit  Vorbehalt  geschehen;  die  Belaubung  besonders  der  unteren 
Zweigabschnittc  lässt  sieb  mit  der  von  A.  laxifolia  Hook,  vergleichen. 

Von  fossilen  Coniferengeschlechtern  besitzt  eine  entfernte  Aehnlich- 
keit mit  unserer  Art,  die  sich  aber  nur  im  Umrisse  des  Zapfens  ausspricht, 
der  Echinostrobus  Sternberfjii  Schimp.  des  lithographischen  Schiefers; 
das  kleine  Zäpfchen  (Fig.  15),  das  ich  schon  seit  längerer  Zeit  besitze, 
erinnerte  mich  zunächst  an  die  Zapfen  der  Gattung  üeratostrolms,  die 
Velenovsky  aus  der  böhmischen  Kreide  (Gymn.  d.  böhm.  Kreideform., 
p.  24  und  25)  in  zwei  Arten  beschrieben  bat.  Genauere  Untersuchung 
besonders  des  übrigen,  mir  später  zugegangenen  Materiales  bat  mich  aber 
davon  überzeugt,  dass  die  l’reschener  Zapfen  aus  Schuppen  von  ganz 
anderem  Typus  zusammengesetzt  sind  als  die  von  Ceratot'liobus',  während 
die  letzteren  ein  rhombisches  Schildchen  mit  einem  verlängerten,  starken 


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Schnabel  besitzen,  ist  bei  unseren  Zapfen  eine  Schildcbenbildung  an  den 
Schuppen  nicht  nachzuweisen,  die  dornigen  Höcker  der  Zapfen  erscheinen 
vielmehr  als  die  al)stehenden  Spitzen  der  verdickten  Zapfenschuppen. 

Von  der  Belaubung  unserer  Art  ist  nicht  viel  bekannt;  die  der 
zapfentragenden  Zweige  ist  in  Vorstehendem  angegeben  worden;  ob  hier- 
her ein  Theil  der  häufig  nufzufindenden  sterilen  Zweige  mit  schuppen- 
förmiger Belaubung,  die  als  Sequoia  angesprochen  werden,  gehört,  muss 
vorläufig  dahingestellt  bleiben;  vielleicbt  sind  die  sterilen  Zweige  der 
Sequoia  Sk-rnbcrgü  mit  Athrotaxis- artiger  Belaubung  mit  unseren  Zapfen 
in  Verbindung  zu  bringen,  allerdings  erinnert  der  untere  Theil  der  längsten 
unserer  zapfentragenden  Exemplare  (Fig.  13)  nicht  eben  sehr  an  die  Zweige 
von  S.  Sternber(jn.  Die  Entscheidung  dieser  Frage  muss  jedenfalls  voll- 
ständigeren Funden  Vorbehalten  werden. 


3.  Cupressineae. 

Callitris  Brongniartii  Endl.  sp.  Taf.  V,  Fig.  29  — 34. 

Thuytes  eallitrina  Unger;  Chloris  protog. , p.  Ü2,  t VI,  (ig.  1 — 8;  L VII,  fig. 

1-10. 

Caliitritee  Brongniartii  Kndlicher:  Syn.  Conif.,  p.  274. 

Callitris  Urongniartii  Engelliardt:  Sitzungsber.  Isis  Dresden  187(5,  p.  5;  1882. 

Abh.  p.  14. 

Tert.  Ptl.  d.  Leitm.  Mittelgeb.,  p.  .SO,  t.  4.  fig.  10,  11. 

Tert.  Fl.  d.  .lesnitengrabens,  p.  18,  t.  1,  äg.  32. 

— Tert.  Flora  v.  Berancl,  p.  13. 

Uebr.  Litt.  s.  Mesehinelli  et  Squinabul:  Flora  tertiaria  italica,  p.  116. 

Callitris  ramulis  saepius  sympodialiter  divisis,  com])ressis,  articulatis; 
foliis  (lecussatim  2 -verticillatis;  verticillis  in  ramulis  jutiioribus  approxi- 
matis,  in  senioribus  distantibus;  foliis  lateralibus  linearibus,  adpressis, 
apice  obtuse  acuminatis  vel  breviter  acuto  liberis,  basi  decurrentibus; 
facialibusobtusatis;  amentismasculinisternatimaggregatis;  strobilis  squatiiis 
(piattuor  inaei|ualibus,  extus  leviter  rugoso-sulcatis,  infra  apicem  appen- 
diculatis,  maturis  hiantibus;  duabus  exterioribus  late  obovato -triangu- 
laribus,  duabus  interioribiis  a latere  compressis,  apicem  versus  attenuatis; 
seminibus  ad  squamam  2—3  ovatis,  compressis,  utroque  latere  ala  magna 
semilunari  suporne  producta  instructis. 

Vorkommen:  In  den  Schiefern  des  Jesuitengrabens,  des  Holaikluk 
und  von  Sulloditz-Berand. 

Die  Zweige  sind  sparrig,  meist  sympodial  getheilt,  plattgedriickt,  ge- 
gliedert; die  kleinen  Blätter  stehen  angedriiekt  in  zweizäuligen  decussirten 
Wirteln,  die  an  den  jüngeren  Zweigen  einander  genähert,  an  den  älteren 
durch  intercalares  Wachsthum  der  Internodien  mehr  und  mehr  auseinander 
gerückt  sind;  die  Seitenblätter  sind  kurz,  mehr  oder  weniger  zugespitzt, 
oft  mit  etwas  abstehender  Spitze,  mit  herablaufender  Basis;  die  facialen 
Blätter  sind  stumpf  zugespitzt  und  angedrückt.  Fig.  34  stellt  ein  älteres 
Zweigstück  dar. 

Die  männlichen  Blüthen  stehen  endständig,  kurzgestielt  an  Seiten- 
zweigen, gewöhnlich  zu  dreien. 

Die  Zapfen  (Fig.  32,  33),  im  reifen  .Zustande  klafi'end,  stehen  an 
kurzen  Seitenästeu,  sind  rundlich  eiförmig,  messen  10  — 12  mm  Durch- 


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messer  und  werden  von  vier  in  zwei  zweizähligen  alternirenden  Wirteln 
stehenden  Schuppen  gebildet;  die  Schuppen  des  äusseren  Paares  sind 
breit  dreieckig-eiförmig,  die  des  inneren  schmäler  und  mehr  zugespitzt. 
Die  Schuppen  sind  am  Rücken  runzelig  und  tragen  unterhalb  der  Spitze 
einen  oft  verwischten  kleinen  Höcker.  Die  Schuppen  — bei  der  lebenden 
C.  quadrivalvis  Vent.  sind  nur  die  äusseren  fertil  — bergen  je  zwei  bis 
drei  Samen;  diese  sind  länglich -eiförmig,  zusammengedrückt,  3 — 6 mm 
lang  und  tragen  einen  breiten  halbmondförmigen,  nach  vorn  jederseits 
stumpf  abgerundet  vorstehenden  Flügelrand  (Fig.  29—31). 

Von  dieser  Art  sind  aus  böhmischen  Schichten  bekannt:  Zweigstücke 
vom  Holaikluk  und  von  Berand,  Samen  von  diesen  beiden  Orten  und  vom 
Jesuitengraben,  Zapfen  von  Berand. 

Die  entsprechende  lebende  Art  ist  Callitris  quadrivalvis  Vent.,  welche 
in  der  Gestalt  der  Zapfeuschuppen  Abweichungen  aufweist. 


Widdringtonia  helvetica  Heer.  Taf.  V,  Fig.  6 — 8. 

Widdringionin  helvetica  Heer:  FL  tert.  Helv.  I,  p.  48,  t XVI,  fig.  2—17. 

Schimper:  Traiti'  de  pal.  \6g.  II,  p.  327. 

EttingsLansen:  Fl.  v.  Bilin  I,  p.  34. 

Engelhardt:  Sitzungsber.  Isis  Dresden  1878,  p.  H. 

Foss.  Pfl.  T.  Tsehemowitz,  p.  14,  t.  2,  fig.  2,  3. 

Foss.  Pfiu  V.  Grasseth,  p.  17,  t.  2,  fig.  5,  6. 

Pllanzenreste  v.  Liebotitz  und  Putsehim.  Sitzungsber.  Isis  Dresden 

1880.  p.  78,  1. 1,  fig.  .34. 

Widdringtonia  bohemica  Ettingshausen:  Fl.  v.  Bilin  I,  p.  .34,  t,  X,  fig.  16—19. 

Tajcodium  la.rum  Ettingshausen:  FL  v.  Bilin  I.  p.  37,  t.  XII,  fig.  4,  (5V). 

Widdringtonites  Ungeri  Endlicher:  Syn.  Couif.,  p.  271. 

Juniperites  baccifera  Unger:  Oliloris  protog.,  p.  80,  t,  21,  fig.  1 — 3. 

ThugtcB  gramineuB  Steniberg:  Vers.  1,  3,  p.  31;  I,  4,  p.  38,  t.  35,  fig.  4, 

Muscites  Stoltzii  Stemberg:  Vers.  II.  p.  38,  L 17,  fig.  2,  3. 

Thuja  graminea  Brongniart:  Prodr.,  p.  109. 

Widdringtonia  ramis  erectis,  fastigiatis,  ramulis  filiformibus,  confertis; 
foliis  in  ramulis  junioribus  alternis,  in  senioribus  spiraliter  dispositis;  in 
ramulis  fertilibus  squainaeformibus,  ovato-ellipticis,  acuminatis,  adpressis, 
sumrais  erecto-patentibus,  in  ramulis  sterilibus  elongatis,  apice  patentibus, 
basi  decurrentibus;  strobilis  ovalibus,  stjuamis  4 lignosis,  verticillatim 
dispositis,  apice  mucronatis,  maturis  hiantibus;  seininibus  ad  squamam 
quamcunque  1 — 3 ovatis,  anguste  alatis. 

Vorkommen:  Im  plastischen  Thone  von  Preschen  und  Priesen,  im 
Polirschiefer  von  Kutschlin,  im  Sandsteine  von  Tsehemowitz  und  Altsattel, 
in  den  Schichten  von  Liebotitz. 

Die  Zweige  sind  schlank  und  zart,  alternirend,  dicht  verästelt,  in 
spitzen  Winkeln  auseinander  tretend.  Die  Belaubung  weist  wie  bei  vielen 
Coniferen  an  Zweigen  verschiedenen  .Vlters  ,\bweichungen  auf.  An  jüngeren 
Zweigen  stehen  die  Blätter  in  zweizähligen  decussirteii  Wirteln;  die  Wirtel 
sind  zuweilen  dicht  zusammengerückL  An  den  älteren,  besonders  sterilen 
Zweigen  stehen  die  Blätter  in  Folge  intercalaren  Wachsthums  zerstreut, 
spiralig  angeordnet.  Die  Blätter  der  fertilen  Zweige  sind  schuppenförmig, 
eiförmig  bis  elliptisch,  nach  vorn  zugespitzt,  ohne  deutliche  Längsrippe, 
mit  zwei  oft  verwischten  Längsstreifen  versehen;  sie  sind  angedrückt,  mit 
der  Spitze  etwas  abstehend.  Bei  den  sterilen  Zweigen  sind  die  Blätter 
am  Grunde  elliptisch,  schuppenförmig  und  angedrückt,  nach  der  Zweig- 

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spitze  zu  etwas  verlängert  und  in  spitzem  Winkel  abstehend.  Alle  Blätter 
laufen  am  Grunde  herab.  Bei  den  Blättern  der  lebenden  Widdringtonien 
befindet  sich  an  der  Itückentläche  unterhalb  der  Spitze  eine  Harzdriise; 
Andeutungen  dieser  habe  ich  bei  fossilen  Blättern  nur  vereinzelt  be- 
obachtet. 

Die  Belaubung  ist  durch  Fig.  6 und  7 unserer  Taf.  V wiedergegeben. 
Männliche  und  weibliche  Bliithen  sind  klein  und  stehen  endständig  an 
Seitenzweigen;  Heer  bringt  (1.  c.  t.  XVI,  fig.  16  — 17)  einige  vermuthliche 
Blüthen  zur  Darstellung,  und  ich  glaube,  dass  die  von  ünger  (Chlor, 
protog.,  t.  X.\I,  fig.  1)  als  Früchte  der  Juniperites  haedfera  beschriebenen, 
nicht  recht  deutlichen  Gebilde  nichts  anderes  als  Blüthen  sind. 

Der  Zweig  Taf.  V,  F'ig.  6,  von  Preschen  stammend,  trägt  neben 
mehreren  kleinen  rundlichen  Blüthen,  die  den  Unger'schen  gleichen,  einen 
jungen  Zapfen  in  noch  nicht  ausgewachsenem  Zustande,  dieses  Fixemplar 
beweist,  dass  Ungcr’s  vermeintliche  kleinen  reifen  Früchte  nicht  als  solche, 
sondern  eben  nur  als  Blüthen  angesprochen  werden  dürfen.  Ich  nehme 
daher  nicht  Anstand,  Widdringtonia  üngvri  Kndl.  (=  Juniperites  baed- 
fera  Ung.)  zu  der  vollkommener  durch  Heer  beschriebenen  Widdr. 
helretica  zu  ziehen;  in  der  Belaubung  sind  trennende  Merkmale  beider 
nicht  vorhanden. 

Die  Zapfen  (Taf.  V,  Fig.  6,  8)  sind  länglich  oval,  ca.  16  mm  lang, 
geschlossen  G — 9 mm  dick;  sie  bestehen  aus  vier,  im  reifen  Zustande 
klaffenden,  holzigen  Schuppen,  die  in  zwei  zweizähligen  decussirten  W'irteln 
stehen.  Die  Schuppen  sind  an  der  Aussenseite  gewölbt  und  glatt,  eine 
am  Bücken  bcrabgeschobene  Spitze,  wie  den  lebenden  Arten  von  Calliiris, 
Section  Widdringtonia  zukommt,  ist  an  den  fossilen  Zapfenschuppeii  noch 
nicht  beobachtet  worden.  Heer  giebt  an,  dass  die  Spitzen  der  Schuppen 
zu  einem  kleinen  Schnabel  verlängert  und  einwärts  gerichtet  sind;  dieses 
Verhalten,  das  von  der  Zapfenbeschaffeuheit  der  lebenden  Widdringtonien 
auffällig  abweicht,  kommt  aber  nur  bei  einigen  von  ihm  abgebildeteu 
Exemplaren  (1.  c.  fig.  6,  8,  9)  zur  Darstellung,  während  bei  anderen 
(1.  c.  fig.  4,  7,  11,  ISJ)  dieser  Schnabel  fehlt.  Das  Fehlen  der  schnabel- 
förmigen Verlängerung  der  Zapfeuschuppen  bot  Ettingshausen  Anlass. 
Widdr.  bohemica  von  Widdr.  helvetka  abzutrennen ; da  aber  Heer  selbst 
zu  Widdr.  helvetka  Zapfen  mit  geschnabelten  und  mit  ungeschnabelten 
Schuppen  bringt,  folge  ich  dem  Beispiele  Engelhardt’s  (Foss.  Pfl.  d.  Süss- 
wassersandsteines  von  Tschernowitz,  p.  14)  und  vereinige  Widdr.  helretica 
und  bohemica. 

Jede  Schuppe  birgt  1 — 3 ovale,  schraalgeüügelte  Samen;  die  Zugehörig- 
keit des  von  Ettingshausen  in  der  Fl.  v.  Bilin,  t.  X,  fig.  16  abgebildeten 
grossen  und  breitgellügelten  Samens  zu  Widdringtonia  scheint  mir  zweifel- 
haft, er  dürfte  eher  zu  Sequoia  gehören.  Heer  giebt  übrigens  an,  dass 
die  Samen  ungeflügelt  seien;  diese  Annahme  ist  vielleicht  auf  ungenügenden 
Erhaltungszustand  der  Schweizer  Exemplare  zurückzuführen. 

Von  dieser  Art  sind  aus  den  böhmischen  Tertiärschichten  Zweige  und 
Zapfen  bekannt.  Die  Zweige  sind  zum  Theil,  zumal  wenn  nur  kleine 
Stücke  vorliegen,  schwierig  von  denen  des  Glyptostrobus  europaeiis  zu 
unterscheiden;  Heer  giebt  als  Unterschied  an,  dass  bei  Widdringtonia  die 
Blätter  mehr  zugespitzt  und  am  Bücken  ohne  Längsrippe  seien.  Diese 
Treiinungsmerkmale  sind  recht  unscheinbare,  zumal  die  Wahrnehmbar- 
keit von  Hippen  sehr  vom  Erhaltungszustände  der  Fossilien  und  vom 


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Gesteinsmateriale  abhängig  ist.  Einwandfrei  erscheint  mir  die  Zuweisung 
fossiler  Zweige  zu  Widdringtonia  nur  dann,  wenn  sie  ihre  Blätter  in 
zweizähligen  decussirten  Wirteln  tragen.  Solgiie  Zweige  liegen  mir  vor 
von  Priesen,  Preschen  und  Altsattel;  Fruchtzapfen  sind  bekannt  von 
Kutschlin,  Liebotitz  und  Tschernowitz. 

Als  verwandte  lebende  Art  ist  Widdringtonia  cupressoides  Endl.  aus 
dem  Caplande  anzugeben. 


Libocedrus  salicornioides  Ung.  sp. 

Thuytes  salicornioides  ünger:  Ohloris  protog.,  p.  11,  t.  II,  fig.  1—4;  t.  XX. 
lig.  8. 

Libocedrus  salicornioides  Ettingshau.sen : Fl.  v.  Bilin  I,  p.  33,  t,  X,  lig.  1—6, 14. 

Engelhardt:  Sitzungsber.  Isis  Dresden  1876,  p.  5;  1882,  Ahhandl., 

p.  14. 

— Leopoldina  1884,  p.  129. 

Tert.  Pfl.  a.  d.  Leitm.  Mittelgeb.,  p.  28,  t.  4,  fig.  4—8. 

— Tert.  Fl.  d.  Jesnitengrabena,  p.  18,  t.  1,  fig.  27 — 30. 

— — — Lotos  1896  (Xatternstein),  p.  2,  (Sulloditz),  p.  3. 

— — — Tert.  Fl.  v.  Berand,  p.  13. 

— — Menzel:  Flora  d.  tert.  Poliersch.  v.  Sulloditz.  Sitzungsljer.  n.  Abhandl. 

d.  nat.  fies.  Isi.s  Bautzen  1896  97,  p.  3. 

l'ebr.  Litt.  s.  Mescliinelli  et  Squinabol;  Flora  tertiaria  italica,  p.  117. 

Libocedrus  ramis  ramuHsque  plerumque  oppositis,  compressis,  articu- 
latis,  articulis  elongatis  vel  obovato-cuneatis,  in  summitatibus  ramulorum 
moniliformibus;  foliis  squainaeformibus,  quadrifariam  imbricatis;  lateralibus 
coraplicato-carinatis  (navicularibus),  adnato-decurrentibus,  adpressis,  re- 
curvatis,  longitudinaliter  sulcatis;  facialibus  apice  angulatis  vel  obtusato- 
rotundatis,  carinatis,  infra  apicem  glanduliferis. 

Vorkommen:  In  den  Polirschiefern  von  Sulloditz,  Berand,  Leinischen- 
dorf, Natternstein,  Kutschlin,  den  Schiefern  des  Ilolaikluk  und  des  Jesuiten- 
grabens, den  Menilitopalen  von  Schichow,  den  Gyprisschiefern  von  Krotten- 
see und  dem  Süsswasserkalke  von  Waltscb. 

Die  Verzweigung  ist  monopodial;  die  Zweige  sind  flach  zusammen- 
gedrückt, gegliedert,  gegenständig  gestellt;  die  Stengelglieder  sind  ver- 
längert keilförmig,  nach  den  Spitzen  der  Zweige  zu  verkleinert,  die  jüngsten 
sind  rundlich  und  bilden  fast  rosenkranzförmige  Heihen. 

Die  Blätter  stehen  vierzeilig  in  zweizeiligen  decussirten  Wirteln;  je 
zwei  Paare  sind  zu  scheinbar  vierzähligen  Wirteln  zusammengeschobeu; 
an  älteren  Zweigen  erscheinen  die  Blattpaare  durch  intercalares  Wachs- 
thum aus  einander  gerückt.  Die  Blätter  sind  ungleich  gestaltet:  die  beiden 
seitlichen  sind  kahnförmig,  gekielt,  mit  herablaufender  Basis,  anliegend, 
längs  gefurcht;  sie  sind  an  der  Spitze  schwach  nach  aufwärts  gekrümmt, 
wenn  sie  in  der  Achsel  einen  Seitenzweig  tragen.  Die  facialen  Blätter 
sind  rhombisch,  flach  anliegend,  vorn  stumpfwinkelig  oder  bogenförmig 
begrenzt,  nicht  selten  am  vorderen  Rande  schwach  eingekerbt  oder  kurz 
stumpf-zugespitzt,  am  Rücken  flach  gekielt  oder  von  mehreren  Längs- 
streifen bedeckt,  unter  der  Spitze  eine  Harzdrüse  tragend. 

Diese  Art  war  im  Tertiär  weit  verbreitet;  doch  sind  von  ihr  mit 
Sicherheit  nur  Zweigstücke  und  einzelne  Stengelglieder  bekannt,  die  sich 
auch  an  den  angeführten  böhmischen  Tertiärfundorten  nicht  selten,  theil- 
weise  sogar,  wie  in  Sulloditz  und  im  Jesuiteograben  recht  häufig  vor- 
finden. 


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102 


Was  als  Bliitheu  bezüglich  als  Zapfen  und  Samen  von  Liboc.  sali- 
cornioides  in  der  Litteratur  bisher  angegeben  ist,  scheint  mir  sehr  zweifel- 
haft; die  als  männliche  und  weibliche  Blüthen  von  Unger  (Chlor,  protog., 
p.  12,  t.  II,  fig.  4)  angesprochenen  Gebilde,  die  dieser  Autor  mit  den  ent- 
sprechenden Organen  von  Thuja  occidentalis  L.  vergleicht,  haben  wenig 
Aehnlichkeit  mit  den  an  den  Enden  kurzer  Seitenzweige  stehenden  Blüthen 
von  Libocedrus. 

Das  nach  der  Beschreibung  einen  kurzgestielten,  vierklappigen  Frucht- 
zapfen darstellende  Gebilde,  das  Ettingshausen  in  der  Flora  von  Bilin, 
t.  X,  fig.  6 mittheilt  und  zu  Lib.  salicoryiioides  stellt,  kann  ich  überhaupt 
nach  der  Abbildung  kaum  für  einen  Coniferenzapfen  halten;  jedenfalls 
weist  es  mit  Zapfen  von  Libocedrus  nicht  die  mindeste  Ueberein- 
stimmung  auf. 

Schliesslich  gieht  Ettingshausen  von  Schoenegg  (Foss.  Flora  von 
Schoenegg  I,  p.  10,  t.  I,  fig.  21)  einen  Samen  als  zu  Liboc.  salicornioides 
gehörig  bekannt,  der  zwar  ungleiche  Flügel  trägt,  aber  die  Form  des 
Samens,  die  Differenz  der  zwei  Flügelliälften  ist  nicht  wie  hei  Libocedrus', 
mir  liegt  die  Vermuthung  nahe,  dass  der  Schoenegger  Same  nur  ein  kleiner, 
unregelmässig  entwickelter  Same  von  Callitris  ist. 

Libocedrus  salicornioides  steht  in  der  Art  der  Verzweigung  der  leben- 
den Libocedrus  chilensis  Endl.,  in  der  Belaubung  der  L.  decurrens  Torr, 
nahe. 


4.  Taxeae. 

Cephalotaxites  Olriki  Heer  sp.  Taf.  V,  Fig.  11,  12. 

Tajites  Olriki  Heer:  Flor.  foss.  arct.  I,  p.  9.5,  t.  I,  fig.  21  — 'Z4C;  t.  XLV, 
fig.  1 a,  b,  c. 

Flor,  fo.ss.  aret.  II,  Mioc.  Fl.  n.  Fauna  Spitzbergens,  p.  44,  t.  VI, 

fig.  1,  2. 

ibid.  Flor.  foss.  alaskana,  p.  23,  t.  I,  fig.  8;  t.  II,  fig.  5 b. 

ibid.  Kose.  Fl.  of  North  Greenland,  p.  4tiö,  t.  LV,  ng.  7 a.  b. 

Flor.  foss.  arct.  111,  NacUtr.  z.  miöc.  Fl,  Grönlands,  p.  15,  16,  1. 1, 

fig,  9,  10. 

Flor.  foss.  arct.  IV,  Beitr.  z.  foss.  Flora  Spitzbergens,  p.  64,  t.  XVI, 

fig.  8 b. 

Flor.  foss.  arct.  VII,  p.  56. 

Schimper:  Traitö  de  pal.  veg.  II.  p.  351. 

Lesquereux:  L'outrib.  to  the  fossU  flora  of  the  westem  territories 

III.  p.  240,  pl.  L,  fig.  6. 

Cephalotaxites  ramulis  gracilibus,  foliis  distichis,  firmis,  coriaceisi 
linearibus,  lateribus  parallelis,  apice  hrevi  acuminatis,  basi  angustatis,  non 
decurrentibus,  sessilibus,  suhtus  fasciis  duabus  stomatum  multiseriatis 
percursis. 

Vorkommen:  Im  Menilitopal  von  Schichow. 

Es  sind  bisher  nur  einige  isolirte  Blätter  gefunden  worden;  diese 
messen  2,6  — 4 cm  Länge  hei  3 — 4 mm  Breite;  die  Abdrücke  verrathen 
eine  derbe,  lederige  Beschaffenheit  der  Blätter;  diese  sind  linear  gestaltet, 
mit  parallelen  Bändern,  vorn  kurz  zugespitzt,  am  Grunde  verschmälert, 
nicht  herahlaufend;  sie  besitzen  einen  breiten  Mittelnerven  und  auf  der 
Unterseite  beiderseits  vom  Mittelnerven  einen  deutlich  sich  abhebenden 
breiten  Ijängsstreifen;  im  Uehrigen  ist  die  BlattHäche  fein  längsgestreift. 


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103 


In  den  angeführten  Eigenschaften  stimmen  die  Blätter  vollständig 
mit  den  von  Heer  aus  den  Tertiärschichten  Spitr-hergens,  Nordgrönlands 
und  Alaskas  heschriehenen  Blättern  von  Taxites  Olriki  üherein.  Die  mir 
vorliegenden  drei  Exemplare  gestatten  eine  genaue  Untersuchung;  sie  liegen 
alle  drei  auf  Platte  und  Gegenplatte  mit  der  Ober-  und  Unterseite  vor. 

Die  Oberseiten  der  Blätter  zeigen  einen  ca.  mm  breiten,  kräftigen, 
etwas  hervortretenden  .Mittelnerven,  der  eine  zarte  Längsstreifung  besitzt; 
die  seitlichen  Theile  der  Blattoberfläche  sind  von  zahlreichen  feinen  Längs- 
streifen durchzogen. 

Die  Unterseiten  bieten  den  Mittelnerven  in  derselben  Breite,  aber 
glatt  und  nicht  vortretend  und  jederseits  von  diesem,  durch  eine  schmale 
Zwischenschicht  getrennt,  je  einen  ca.  ’/s  breiten  Längsstreifen,  der 
von  der  begrenzenden  Itandparthie  des  Blattes  sich  abhebt;  letztere  Iland- 
zone  und  die  erwähnte  Zwischenschicht  neben  dem  Mittelnerven  erscheinen 
glatt  und  glänzend,  während  die  beiden  den  Mittelnerven  begleitenden 
seitlichen  Längsstreifen  matt  und  etwas  rauh  erscheinen ; an  einem  Exem- 
plare, das  in  einem  graubraunen  Menilitopal  abgedrückt  ist,  erscheinen  die 
glänzenden  Ilandparthien  dunkler  und  braun,  Mittelnerv  und  die  Längs- 
streifen dagegen  heller  und  grau,  die  einzelnen  Zonen  dadurch  sehr  deut- 
lich diflerenzirt. 

Günstiger  Weise  erlaubt  das  feine  Gesteinsmaterial  eine  mikroskopische 
Untersuchung  der  Reste; 

Die  Oberseite  zeigt  sich  bei  stärkerer  Vergrösserung  von  zahlreichen 
feinen  Längsstreifen  durchzogen  und  fein  gerunzelt. 

Auf  der  Unterseite  bieten  die  schon  makroskopisch  unterscheidbaren 
Theile  ein  verschiedenes  Bild  dar;  die  Kandparthien  und  die  Zwischen- 
schichten zwischen  .Mittelnerv  und  seitlichen  Längsstreifen  erscheinen  sehr 
zart  längsgestreift;  der  Mittelnerv  ist  fast  glatt,  lässt  nur  hin  und  wieder 
eine  ganz  feine  Streifung  erkennen;  die  beiden  seitlichen  Längsstreifen 
aber  sind  besetzt  mit  zahlreichen  vertieften,  grösseren  Punkten,  die  in 
mehreren  Längsstreifen  — ich  konnte  deren  an  einzelnen  Stellen  7 — 12 
zählen  — angeordnet  sind,  und  die  ohne  Zweifel  Spaltöffnungen  darstellen. 

Heer  erwähnt  in  seinen  Beschreibungen  von  Taxites  Olriki  das  Vor- 
handensein von  Spaltöffnungen  nicht;  einige  seiner  Abbildungen  (z.  B.  Flor, 
foss.  arct.  I,  t.  I,  fig.  23,  24c)  zeigen  aber,  dass  auch  er  auf  einzelnen 
Blättern  die  Gegenwart  in  Längsstreifen  angeordneter  Punktreihen  be- 
obachtet hat.  Die  von  Heer  zuweilen  gefundene  Querrunzelung  der  Blätter 
habe  ich  an  den  Schichower  Blättern  nicht  bemerkt. 

Der  günstige  E.rhaltungszustand  unserer  Fossilien  gestattet  eine  genaue 
Vergleichung  mit  den  Blättern  lebender  Coniferen;  nach  der  Beschaffen- 
heit des  Laubes,  insbesondere  der  Unterseite  desselben  sind  zum  Vergleiche 
lieranzuziehen,  vor  Allem  Cephalotaxus,  Cannhighamia  sinensis  II.  Br.  und 
Saxegothea  conspiaia  Liiidl. 

Eine  Beziehung  zu  Saxegothea  dürfe  mit  Rücksicht  auf  die  Beschränkung 
dieser  Gattung  auf  das  Gebiet  der  Anden  von  Patagonien  auszusch Messen 
sein,  während  Cephalotaxus  und  Ctinninghamia,  gegenwäirtig  Bew'ohner 
von  Japan  und  China,  recht  wohl  Verwandte  im  europäischen  Tertiär 
gehabt  haben  können.  Von  Cunninghamia  weichen  unsere  Blätter  durch 
die  Form  und  die  ganzrandige  Beschafi'enheit  ab;  mit  Cephalotaxus  da- 
gegen bieten  sie  eine  auffallende  Uehereinstiinmung  dar,  auf  welche  schon 
Heer  (Flor.  foss.  arct.  I,  p.  95)  hingewiesen  hat.  Die  l’eststellung  der 


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104 


Structurverliältnisse , die  unsere  mit  Heer's  Tajites  Olriki  übereinstim- 
menden Exemplare  ermöglicht  haben,  bestätigt  die  Annahme  ihrer  Zu- 
gehörigkeit zu  Ceiihalotaxns.  Ceph.  Fortunei  Hock,  besitzt  dieselbe  Be- 
schaffenheit der  Epidermis:  Oberseite  mit  kräftigem,  etwas  vortretenden 
Mittelnerven  und  feiner  Längsstreifung,  Unterseite  ebenfalls  fein  längs- 
gestreift, mit  tlachem  Mittelnerv  und  zwei  neben  diesem  verlaufenden 
Bahnen,  die  von  den  in  Längsreihen  angeordneten  Spaltöffnungen  gebildet 
werden  und  durch  den  NVachsüberzug  der  Spaltöffnungen  als  weisse  Streifen 
vortreten. 

In  der  Blattform  kommen  unsere  Reste  der  Cephalotaxus  pedunculata 
Sieb,  et  Zucc.  am  nächsten. 

Früchte  unserer  Art  sind  bisher  noch  nicht  nachgewiesen;  ich  trage 
aber  kein  Bedenken,  auf  Urund  der  übereinstimmenden  Blattbildung  Taxites 
Olriki  zu  Cephalotaxus  zu  stellen,  und  die  Benennung  soll  dies  andeuten. 

Der  Verbreitungsbezirk  der  Ceph.  Olriki  erfährt  mit  dem  Nachweise 
ihres  Vorkommens  im  böhmischen  Tertiär  eine  bemerkenswerthe  Erwei- 
terung: sie  lebte  in  Spitzbergen,  Nordgrönland,  Alaska,  in  Califoniien  und 
in  Mitteleuropa. 

Torreya  hilinica  Sap.  et  Mar.  Taf.  V,  Fig.  4,  6. 

Torreya  bilinica  Saporta  et  Mariun:  Recherches  sur  les  v6g4taui  fossiles  de 
Meximiciix,  p.  221. 

Seiptoin  Ijangsdorfii  (p.  p)  Kttingshansen:  Fl.  v.  Bilin  1,  t.  XIII,  fig.  9. 

Torreya  foliis  distichis,  rigidis,  breviter  petiolatis,  decurrentibus, 
e basi  rotundata  linearibus,  apice  acuminatis,  mucronatis,  partim  sub- 
falcatis. 

Vorkommen:  Im  plastischen  Thone  von  Preschen,  im  Menilitopal  von 
Schichow. 

Ettingshausen  hat  1.  c.  unter  dem  Namen  Se(pioia  Langsdorfii  einen 
beblätterten  Zweig  von  Schichow  abgebildet,  der  in  Form  und  Urösse  der 
Blätter  von  den  im  böhmischen  Tertiär  häutig  anzutreffenden  Zweigen 
der  Seqtt.  Langsdorjn  abweicht;  Sa])orta  und  .Marion  haben  diesen  Zweig 
von  tivquoia  getrennt  und  als  Torreya  bilinica  bezeichnet. 

Ich  habe  neuerdings  im  Thone  von  Preschen  einen  beblätterten  Zweig 
(Taf.  V,  Fig.  4)  aufgefuuden,  der  besser  als  das  Exemplar  Ettingshausen's, 
das  mir  allerdings  nur  in  der  Abbildung  bekannt  ist,  Eigenschaften  er- 
kennen lässt,  die  von  denen  tler  Sequoia  abweichen;  dieser  Zweig  sowohl 
wie  der  Ettingshausen’sche  bieten  zwar  einige  Aehnlichkeit  mit  gross- 
blättrigen Formen  von  Sequ.  T.angsdorfii , wie  sie  Heer  in  den  Beiträgen 
zur  fossilen  Flora  Spitzbergens  t.  Xll,  .\I1I  und  XIV*)  abbildot,  aber 
diese  Aehnlichkeit  besteht  nur  im  Habitus;  während  im  Einzelnen,  be- 
sonders in  der  Bildung  der  Blattbasis  und  Spitze  Abweichungen  von  Sequ. 
Langsdorfii  vorhanden  sind. 

Die  Blätter  stehen  zweizeilig,  sind  von  derber  Beschaffenheit  und 
von  linealer  Form;  sie  messen  1'/., — 3 cm  Länge  bei  2 — 3'/j  mm  Breite; 
die  Blätter  sind  an  der  Basis  zugerundet,  haben  parallele  itänder,  ver- 
jüngen sich  schwach  nach  vorn  und  laufen  in  eine  kurze  Spitze  aus,  über 


*)  Möglidier  Weise  siiiii  niicli  einige  dieser  Fermen  von  Sequoia  hanijsdorfii  zu 
trennen. 


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die  der  kräftige  aber  flache  Mittelnerv  deutlich  als  scharfe  Stachelspitze 
heraustritt.  Die  Blätter  sind  sehr  kurz  gestielt  und  laufen  mit  den  Stielen 
am  Zweige  herab;  der  Zweig  erscheint  dadurch  gestreift,  und  diese  Streifen 
laufen  parallel  am  Zweige  herab,  während  sie  bei  Sequoia  Langsdorfii  von 
der  Blattinsertion  aus  schief  nach  der  anderen  Seite  herüber  zu  laufen 
pflegen. 

Einige  Blätter  des  vorliegenden  Zweiges  sind  schwach  sichelförmig 
gebogen;  die  Blätter  desselben  Zweiges  haben  etwa  gleiche  Länge,  sie 
nehmen,  insbesondere  nach  der  Zweigspitze  zu,  au  Länge  nicht  wesentlich 
ab.  (Vergl.  Taf.  V,  Eig.  4,  vergr.  4 a.) 

In  den  eben  geschilderten  Eigenschaften  bieten  Ettingsbausen’s  und 
mein  Zweig  eine  unverkennbare  L'ebereinstiinmung  mit  den  Zweigen  von 
Torreya  taxifnlia  Arn.  aus  Florida  dar.  Leider  geben  beide  keinen  Auf- 
schluss über  die  Bildung  der  E]>idermis;  fittingshausen’s  Abbildung  lässt 
nur  den  Mittelnerveu  erkennen,  und  mein  Exemplar,  mit  der  Blattober- 
seite vorliegend,  zeigt  ebenfalls  nur  den  kräftigen,  in  die  Stacbelspitze 
auslaufenden  Mittelnerven;  es  ist  dies  zu  bedauern,  da  die  Kenntniss  der 
Blattunterseite  durch  die  charakteristische  Anordnung  der  Spaltöffnungen 
eventuell  für  die  Zugehörigkeit  zu  Torreya  noch  beweiskräftiger  sein  würde. 

Immerhin  halte  ich  es  für  sicher,  dass  die  vorliegenden  Fossilien 
nicht  zu  Sequoia  Langsdorfii  gehören,  und  für  sehr  wahrscheinlich,  dass 
sie  zu  Torreya  zu  stellen  sind. 

Von  demselben  Fundorte,  dem  mein  Zweig  entstammt,  liegt  mir  ein 
Same  vor,  der  zu  Torreya  gehören  könnte  (Taf.  V,  Fig.  6).  Er  ist  eiförmig, 
18  mm  lang  bei  9 mm  grösster  Breite,  am  Grunde  stumpf  abgerundet, 
nach  vorn  zugespitzt;  die  Oberfläche  ist  fast  glatt,  nur  von  einigen  feinen 
Längsfurchen  durchzogen.  Der  Same  ist  im  Abdruck  flach  zusammen- 
gedrückt. Er  erinnert  sehr  an  die  Samen  von  Torreya,  auch  von  Cephalo- 
taxus,  könnte  daher  möglicher  Weise  zu  Torreya  hilinica  gehören;  es  ist 
das  nicht  mehr  als  eine  Vermuthung,  da  das  vereinzelte  Vorkommen 
eines  Zweiges  und  eines  Samens  am  selben  Orte  natürlich  nicht  ohne 
Weiteres  eine  Combination  erl.aubt,  zudem  könnte  dieser  Samen  nach 
seiner  äusseren  Form,  die  einzig  und  allein  bekannt  ist,  auch  noch  ver- 
schiedenen anderen  rflanzenfamilien  angehören. 

Fossile  Reste  von  Torreya  sind  wiederholt  beschrieben  worden:  aus 
der  Kreide  Grönlands  Torreya  parvifoUa  Heer:  Fl.  foss.  arct.  111,  p.  71, 
t.  XVH,  fig.  1,  2;  VI,  2,  p.  15,  t.  II.  fig.  11;  T.  Dieksoniana  Heer:  Fl.  foss. 
arct.  HI,  p.  70,  t.  XVHI,  fig.  1 — 4;  VI,  2,  p.  15;  aus  dem  grönländischen 
Tertiär  T.  borealis  Heer:  Fl.  foss.  arct.  VH,  p.  5ö,  t.  LXX,  fig.  7a. 

Saporta  und  Marion  geben  aus  dem  Pliocän  von  Meximieux  (1.  c.  p.  217) 
T.  nucifera  var.  brcvifoUa  an  und  ziehen  Taxites  validus  Heer  (Balt.  Flora, 
p. 26,  t.  III,  fig  12;  Flor.  foss.  arct.  III,  Xachtr.  z.  mioc.  Fl.  Grönlands,  p.  13, 
t.  1,  fig.  11;  Flor.  foss.  arct.  VII,  p.  56)  zu  Torreya. 

Nach  Schenk  (Handbuch  der  l’alaeophytologie,  p.  298)  dürften  Sequoia 
acuminaia  Lesquereux  (Contrib.  to  tbe  fossil  11.  of  the  Western  terr.  II, 
the  tertiary  flora,  p.  80,  pl.  VH,  fig.  15,  16),  von  Lesquereux  selbst  schon 
mit  Torreya  californica  Torr,  verglichen,  und  Sequoia  longifoUa  Leseju. 
(1.  c.  p.  79,  pl.  VH,  fig.  14;  pl.  LXl,  fig.  28,  29)  zu  Torreya  gehören  und 
schliesslich  stellt  Schenk  (Handbuch,  p.  331)  auch  Cunninghamiies  borealis 
Heer  aus  den  Ataneschichten  Grönlands  (Flor.  foss.  arct.  VI,  2,  p.  55,  t.  XXIX. 
fig.  12)  zu  Torreya. 


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Es  ergiebt  sich  daraus,  dass  der  heute  in  je  zwei  Arten  in  Nord- 
amerika und  in  China-Japan  vertretenen  Gattung  Torreya  in  der  Kreide- 
bez.  Tertiärzeit  ein  Verbreitungsgebiet  zukain,  das  sich  über  Nordamerika, 
Grönland,  Frankreich,  Böhmen  und  das  Saniland  erstreckte. 

Vielleicht  ist  Torrtya  auch  im  Tertiär  Japans  bereits  aufgetreten. 
Xathorst  bildet  (Contrib.  ii  la  flore  fossile  du  Japon,  p.  35,  pl.  I,  fig.  8) 
als  Taxites  sp.  einen  Coniferenzweig  ab,  den  er  mit  Sequoia  Lanysdorfii 
sowohl  als  mit  Taxus  vergleicht,  der  aber  auch  zu  Torreya  gehören  könnte; 
er  ist  freilich  zu  mangelhaft,  als  dass  ein  bestimmtes  Urtheil  über  seine 
Gattungszugehörigkeit  abgegeben  werden  könnte. 


5.  Podocarpeae. 

Podocarpus  eocenica  Ung.  Taf.  V,  Fig.  9,  10. 

Podocarpus  eocenica  Unger:  Fl.  v.  Sotzka,  p.  28,  t.  II,  fig.  11 — 16. 

— Syll.  pl.  fo9s.  I,  p.  10,  t.  III,  fig.  4—8. 

(len.  et  sp.  pl.  foss.,  p.  392. 

— — Heer:  Flor.  tert.  Helv.  I,  p.  53,  t.  XX,  fig.  3. 

— — Ettingshanseir.  Tert.  Flor,  v.  Häring,  p,  37,  t IX,  fig.  4—15. 

Foss.  Fl.  V.  Leoben,  p.  277. 

Foss.  Fl.  V.  Scboenegg  I.  p.  16,  t.  I,  fig.  94. 

Fl.  V.  Bilin  I,  p.  42,  t.  XIII,  fig.  1,  2. 

Schiinpcr:  Traiti  de  pal.  v^g.  II,  p.  353. 

— — Engelhardt:  Sitziiugsher.  Isis  Dresden  1882,  p.  14. 

Tertiärfl.  d.  Jesuitengr.,  p.  19,  t,  I,  fig.  37,  38. 

Flora  von  Bernnd,  p.  H. 

Podocarpus  haeringiana  Ettingshausen:  Tert.  FI.  v.  Häring,  p.  36,  t.  IX,  fig.  1. 

— Ta-rites  Unger;  Fl.  v , Sotzka,  p.  2»,  t.  II,  fig.  17. 

Ettingshausen : Fl.  v.  Häring,  p.  37,  t.  IX,  fig.  2. 

— mucronulatu  Ettingshausen : Fl.  v.  Häring,  p.  37,  t.  IX,  fig.  3. 

Podocarpus  foliis  coriaceis  linearibtis  vel  lanceolato-linearibus,  sub- 
falcatis,  versus  basim  et  apicem  angustatis,  in  petiolum  brevem  coutortum 
attenuatis,  integerrimis;  nervo  medio  valido. 

Vorkommen:  In  den  Tuffen  von  Warnsdorf,  den  Schiefern  von  Sulloditz- 
Berand  und  vom  Jesuitengraben,  den  Polirschiefern  von  Kutschlin,  den 
Menilitopalen  von  Schichow  und  dem  Süsswassersandstein  von  Schütteiiitz. 

Zu  Pjdocarpus  werden  isolirte  Blätter  gestellt,  die  an  zahlreichen 
Tertiärfundorten  entdeckt  worden  sind;  eine  Anzahl  ursprünglich  auf- 
gestellter Arten,  die  sich  im  Wesentlichen  durch  die  Grösse  der  Blätter 
unterschieden,  sind  von  Heer  — entsprechend  der  Veränderlichkeit  der 
Blattgrösse  bei  den  lebenden  Arten  — zu  einer  Art,  Pod.  eocenica  Ung., 
vereinigt  worden. 

Es  sind  dicke,  lederige  Blätter,  öfters  mit  runzeliger  Oberfläche,  von 
linealer  bis  lineallancettlicher  Form,  die  zwischen  2 und  11  cm  Länge 
schwanken  bei  3—9  mm  Breite;  zuweilen  sind  die  Blätter  von  der  Mittel- 
rippe nach  den  Bändern  zu  gewölbt.  Sie  sind  nach  Grund  und  Spitze 
mehr  oder  weniger  zugespitzt  und  gehen  an  iler  Basis  in  einen  kurzen, 
gedrehten  Stiel  über.  Von  Nerven  ist  nur  ein  kräftig  entwickelter  Mittel- 
nerv sichtbar. 

■\us  dem  böhmischen  Tertiär  sind  durch  Ettingshausen  und  Engel- 
hardt Blätter  von  Podocarpus  von  Kutschlin,  Schichow,  Berand  und  vom 
Jesuitengraben  beschrieben  worden;  mir  liegen  sulche  von  den  beiden 


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letztgenannten  Fundorten,  sowie  von  Schüttenitz  und  Wamsdorf  vor.  Die 
Blätter  von  Kutsclilin  und  Schichow  sind  grossere  Exemplare,  welche 
Pod.  haeringiana  EU.  entsprechen;  von  den  übrigen  Fundorten  stammen 
kleinere  Blätter,  die  mit  den  Formen  von  Pod.  eocenica  Eng.  Überein- 
kommen, wie  sie  Ettingshausen  in  der  Flora  von  Häring  inittheilt. 

Die  Oberflächenstructur  zu  untersuchen,  wozu  Unger  (Syll.  pl.  foss.  I, 
p.  10)  Gelegenheit  gehabt  hat,  gestatteten  die  mir  vorliegenden  Fossilien 
nicht. 

Die  grossblättrigen  Formen  entsprechen  unter  den  lebenden  Podocarims- 
Arten  am  meisten  Pod.  tnacrophylla  Don.  und  Pod.  chinensis  Wall.,  die 
kleineren  Pod.  elongata  Herit.  und  jFbrf.  spinulosa  R.  Br. 


B.  Cyeadeae. 

Podozamites  miocenica  Vel. 

Podozamites  miocenica  Velenovsky  : Flora  von  Vrsovic  bei  Laun,  p.  13,  L I, 
fig.  18-20. 

Podozamites  foliis  obovatis,  in  petiolum  crassum  attenuatis,  firrais, 
coriaceis,  multinervosis;  nervis  parallelis,  percurrentibus,  flexuosis,  nervulis 
tenuissimis  interpositis. 

Aus  dem  Brandgestein  von  Vrsovic  bei  Laun  hat  Velenovsky  zwei 
Blattfragmente  mitgetheilt  und  als  Cycadeenreste  gedeutet;  er  weist  sie 
der  Gattung  Podozamites  zu,  deren  Arten  freilich  jurassisclien  Alters  sind, 
weil  bei  dieser  ähnlich  gebaute  Blätter  Vorkommen;  doch  deutet  dieser 
Autor  auch  auf  die  grosse  Aehnlichkeit  seiner  Reste  mit  Blättern  der 
lebenden  Dammara  orientalis  Lamb.  hin;  er  sieht  von  einem  definitiven 
Urtheil  ab  und  betrachtet  die  gewählte  Bestimmung  als  eine  provisorische. 

Schenk  (Handbuch,  p.  279)  hält  die  Zugehörigkeit  der  Vrlovicer  Blätter 
zu  Dammara  für  möglich,  deutet  aber  zugleich  an,  dass  sie  auch  einer 
lOdocarpus  aus  der  Section  Nageia  angehören  könnten. 

Mir  sind  ausser  den  Blättern  Velenovsky’s,  deren  Originale  ich  im 
böhmischen  Landesmuseum  in  Prag  zu  sehen  Gelegenheit  hatte,  Exemplare 
dieser  Art  nicht  bekannt  geworden;  ich  muss  mich  eines  bestimmten  Ur- 
theils  über  die  Zugehörigkeit  derselben  enthalten,  verschweige  aber  nicht, 
dass  für  mich  ihre  Deutung  als  Dammora-Blätter  die  meiste  Wahrschein- 
lichkeit besitzt. 

Als  üycadites  salicifoUus  und  Cycadites  angustifolius  hatte  Sternberg 
(V^ers.  II,  p.  195,  t.  40,  fig.  1 und  ibid.  p.  195,  t.  44)  Blattreste  beschrieben, 
deren  Palmennatur  alsbald  von  Unger  (Gen.  et.  spec.  pl.  foss.,  p.  333) 
festgestellt  wurde. 

Eine  zusammenfassende  Darstellung  der  tertiären  Gymnospermen  Nord- 
böhmens kann  nicht  abgeschlossen  werden,  ohne  dass  der  Presl’schen 
Gattung  Steinhauera  Erwähnung  geschieht,  die  von  mehreren  .Vutoren 
zu  den  Coniferen  bez.  Cycadeen  gestellt  worden  ist. 

In  Sternberg's  Versuch  einer  geologisch -botanischen  Darstellung  der 
Flora  der  Vorwelt  hat  Presl  drei  Arten  dieser  Gattung  aufgestellt. 


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108 


Sleinhauera  subglobota,  1.  c II,  p.  2(12,  L 4M,  fig.  4;  t 57,  fig.  1—4; 

Steinbauera  oblonga,  1.  c.  II,  p.  2U2,  t.  57,  fig  5; 

Sleinhauera  minuta,  1.  c.  II,  p.  202,  t.  57,  tig.  7 — 15. 

Presl  hat  dieselben  nach  den  ihm  vorliegenden  Zapfen  von  Alteattel, 
Waltsch  und  Peruz  mit  Piniis  verglichen. 

Endlicher  (Synops.  Conif.,  p.  302),  Unger  (Gen.  et  spec.  plant,  fuss., 
p.  383)  und  Goeppert  (Monogr.  d.  foss.  Coniferen,  p.  237,  t.  45,  lig.  3,  4,  5) 
stellen  Steinhaiiera  zwischen  Araucarites  und  Dammarites,  Heer  dagegen 
(Flor.  tert.  Helv.  III,  p.  317,  Anm.)  deutet  sie  als  Sequoia-Zapfen,  und  stellt 
St.  snbglobona  zu  Sequoia  Sternbergii,  St.  minuta  zu  Sequoia  Langsdorfii; 
Schimper  (Traite  de  pal.  veget.  II,  p.  317,  320)  folgt  dem  Beispiele  Heer’s. 

Später  sind  wiederholt  Reste  der  St.  subglobosa  von  Engelhardt  aus 
böhmischen  Tertiärfundorten  beschrieben  worden:  von  Schüttenitz  (Sitzb. 
Isis  Dresden  1876,  p.  9;  Tert.  Ptl.  d.  Leitra.  Mittelgeb.,  p.  59,  t.  9,  fig.  7—9; 
t.  10,  fig.  1 — 3),  von  Tscbernowitz  (Sitzb.  Isis  Dresden  1878,  p.  3;  Foss. 
PH.  V.  Tscbernowitz,  p.  12,  t.  2,  tig.  5),  von  Grasseth  (Foss.  Pfi.  v.  Grasseth, 
p.  15,  t.  1,  fig.  8,  9)  und  von  Putchirn  (Pflanzenreste  von  Liebotitz  und 
Putschirn,  Sitzb.  Isis  Dresden  1880,  p.  84,  t.  II,  fig.  6,  7).  Dieser  Autor 
reiht  Stcinhauera  den  Cycadeen  ein,  indem  er  (Tert.  Pfi.  d.  Leitm.  .Mittelgeb., 
p.  60)  auf  die  Aehnlichkeit  ihrer  Früchte  mit  denen  neuholländischer 
Zamien  und  .Macrozamien  hinweist. 

Von  anderen  Autoren  sind  einzelne  der  als  Stcinhauera  beschriebenen 
Reste  als  Fruchtstände  dicotyler  Angiospermen  gedeutet  worden.  So  stellt 
Schimper  (Traite  de  pal.  veget.  II,  p.  711)  St.  oblonga  Weber  (Tertiär- 
florii  der  niederrheinischen  iTraunkohlenformation,  Palaeontographica  II. 
p.  166,  t.  XVIII,  tig.  11)  zu  Liquidambar  europaeum  A.  Br.,  ebenso  erklärt 
Schlechtendal  (Beitr.  z.  näh.  Kenntniss  d.  Braunkohlenflora  Deutschlands, 
Abh.  d.  Naturforsch.  Ges.  zu  Halle,  Bd.  XXI,  1897,  p.  105),  dass  Goeppert’s 
St.  subglobosa  von  Schossnitz  (Goeppert,  Tertiäre  F'lora  von  Schossnitz,  p.  8) 
nichts  anderes  als  ein  Fruchtstand  von  Liquidambar  sei. 

Brongniart  (Tableau  des  genres  des  vegetaux  fossiles,  p.  71)  wies 
darauf  hin,  dass  St.  subglobosa  die  Sammelfrucht  einer  dicotylen  Pflanze 
sei,  und  verglich  sie  mit  Rubiaceenfrüchten;  ibm  folgte  Crie,  welcher  den 
böhmischen  Resten  analoge  Früchte  (Crie:  Recherches  sur  la  Vegetation 
de  l'ouest  de  la  France  ä l'epo(pie  tertiaire,  p.  43,  pl.  13,  fig.  88  — 96) 
als  Morinda  Brovgniarti  beschrieb. 

Schliesslich  hat  Schmalhausen  (Beiträge  zur  Tertiärflora  Südwest- 
Russlands,  p.  39,  t.  XI,  fig.  16 — 20)  aus  dem  tertiären  Sandsteine  von 
•Mogilno  in  Wolhynien  Fruebtstände  von  grosser  Aehnlichkeit  mit  Stein- 
hauera  bekannt  gegeben,  die  er  unter  der  Bezeichnung  Sgnearpites  ovalis 
zu  den  Myrtaceen  stellt. 

Von  den  böhmischen  Steiiihuuera-licsten  habe  ich  die  Originale  Presl's 
von  Altsattel  und  Engelhardt's  von  Putschirn,  Tschernowitz  und  Gr.assetb 
in  den  Händen  gehabt,  weitere  Reste  sind  mir  von  Davidsthal,  .Altsattel 
und  aus  der  Kohle  von  „Anton  Einsiedler“  bei  Dux  bekannt  geworden. 
Ich  bin  nach  deren  Untersuchung  zu  der  Ueberzeugung  gelangt,  dass  sie 
weder  als  Coniferen-  noch  als  Cycadeenreste  anzusprechen  sind,  und  ich 
sehe  deslialt)  hier,  in  einer  Abhandlung  über  die  böhmischen  tertiären 
Gymnospermen,  von  einer  eingehenden  Besprechung  derselben  ab,  indem 
ich  mir  Vorbehalte,  hei  anderer  Gelegenheit  ausführlich  über  sie  zu 
berichten. 


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109 


Nachtrag. 

Nachdem  der  erste  Theil  der  vorstehenden  Arbeit  bereits  gedruckt 
Torlag,  bekam  ich  durch  Vermittelung  der  Herren  Prof.  Hibsch  und 
Prof.  Bruder  eine  Anzahl  Coniferenreste  aus  den  Sammlungen  der  land- 
wirthschaftlichen  Schule  zu  Liebwerd  bei 
letschen  und  des  Comnmnal- Obergym- 
nasiums in  Aussig  zur  Durchsicht;  unter 
diesem  Material  befanden  sich  einige i-t'nns- 
Zapfen,  die  mir  von  besonderem  Interesse 
waren. 

Die  Sammlung  von  Liebwerd  bewahrt 
den  Abdruck  eines  Zapfens  von  l^nus 
hordacea  Ilossm.  sp.  aus  dem  Tscherno- 
witzer  Sandsteine,  der  hier  wiedergegeben 
ist.  Von  Zapfen  dieser  Art  waren  mir 
bisher  nur  Quer-  und  Längsbrüche  und 
einzelne  Schuppen  bekannt,  von  denen 
Engelhardt’s  Foss.  PH.  v.  Tschernowitz,  1. 1, 
sowie  Taf.  II  und  III  der  vorliegenden 
Arbeit  einige  Abbildungen  geben;  der  neue 
mir  vorliegende  Abdruck  stellt  nun  die 
Oberfläche  eines  geschlossenen  Zapfens 
dar;  er  ist  am  unteren  Theile  nicht  voll- 
ständig erhalten,  lässt  aber  die  verlängert 
eiförmige  Gestalt  und  die  ungefähre  Grösse 
erkennen;  die  Apophysen  sind  abgerieben, 
zeigen  aber  deutlich,  dass  es  sich  um  apophyses  dimidiatae  handelt. 

In  der  Sammlung  des  Aussiger  Gyiunasiiims  wird  das  Original  zu 
Eugelhardt’s  Abbildung  Taf.  2,  Fig.  4 der  „Fossilen  Pflanzen  von  Tscherno- 
witz“ aufbewahrt,  welches  1.  c.  als  Hntts  ornata  Stbg.  sp.  bezeichnet  ist. 
Nach  der  Untersuchung  dieses  Abdruckes  kann  ich  mich  der  Deutung  des- 
selben als  F.  ornata  nicht  anschliessen.  F.  ornata  besitzt  — so  wie  ich 
die  Art  (vergl.  oben  S.  54)  nach  einem  umfänglichen  Materiale  umschrieben 
habe  — fast  ganz  flache  Apophysen;  das  vorliegende  Engelhardt’sche 
Fixemplar  zeigt  nun,  dass  die  Schuppenschilder  desselben  in  der  Haupt- 
sache allerdings  als  flache  Abdrücke  erscheinen;  dies  hat  aber  seinen 
Grund  darin,  dass  die  Mehrzahl  der  Schilder  al)gerieben  und  verdrückt 
ist,  dieselben  tragen  auch  keinerlei  deutliche  Sculptur  mehr  zur  Schau; 
an  der  linken  Seite  des  Abdruckes  aber  befinden  sich  einige  noch  wohl- 
erhaltene Apophysen  — sie  sind  auch  an  Engelbardt’s  Abbildung  durch 
genauere  Darstellung  der  Oberflächenbildung  hervorgehoben  ■ -,  und  diese 
wohlerhaltenen  Schuppenschilder  erscheinen  am  .Abdrucke  als  vertiefte, 
stumpfkegelförmige  Eindrücke,  deren  Gestaltung  ganz  und  gar  mit  der 
Apophysenbildung  bei  Finuti  oviformis  Endl.  sp.  übereinstimmt.  Der  Rest 
ist  daher  von  der  letztgenannten  Art  nicht  zu  trennen. 


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110 


Terzeichniss  der  Abbildungen. 

[In  Klammern  ist  die  Sammlung  beigefügt,  die  die  Originale  bewahrt.] 

Tafel  V. 

Fig.  1.  Ohjptostrohus  eHropaeusBrongn.  sj).  Abfällige  Zweige  von  Preschen 
(Sammlung  Menzel]. 

Fig.  2,  3.  CHi/ptostrobiis  europaeus  Brongn.  sp.  Zapfen  von  Preschen  [Samm- 
lung Menzel]. 

Fig.  4.  Torreija  hüinica  Sap.  et  Mar.  Zweig  von  Preschen,  vergr.  Fig.  4» 
[Sammlung  Menzel]. 

Fig.  5.  Torreya  hüinica  Sap.  et  Mar.  Same  (?)  von  Preschen  [Samm- 
lung Menzel]. 

Fig.  6.  Widdringtonia  Helvetica  Heer.  Zweig  mit  jungem  Zapfen  und 
9 Blüthen  von  Preschen  [Sammlung  Menzel]. 

Fig.  7.  Widdringtonia  Helvetica  Heer.  Zweig  von  Priesen,  vergr.  Fig.  7» 
[Königl.  Mineral.- geol.  Museum,  Dresden]. 

Fig.  8.  Widdringtonia  Helvetica  Heer.  Zapfen  von  Preschen  [Sammlung 
Menzel]. 

Fig.  9,  10.  rodocarpHS  eocenica  Ung.  Blätter  von  Berand  [Sammlung 
Menzel]. 

Fig.  11, 12.  CepHalotaxites  Olriki  Heer  sp.  Blätter  von  Schichow  [Sammlung 
Deichmüller]. 

Fig.  13 — 16.  Äthrota.ridium  bilinicum  nov.  sp.  Zapfen  von  Preschen  [Samm- 
lung Menzel]. 

Fig.  17.  Sequoia  Couttsiae  Heer.  cT  Blüthe  von  Preschen  [Sammlung 
Menzel]. 

Fig.  18.  Seqtwia  Couttsiae  Heer.  Zweig  von  Preschen,  vergr.  Fig.  18* 
[Sammlung  Menzel]. 

Fig.  19 — 23.  Sequoia  Couttsiae  Heer.  Zapfen  von  Preschen,  von  aussen 
und  quergebrochen  [Sammlung  Menzel]. 

Fig.  24.  Sequoia  Couttsiae  Heer.  Zweig  von  Waltsch,  vergr.  Fig.  24» 
[Sammlung  des  geolog.  Inst,  der  deutschen  Carl  Ferd.- Univer- 
sität, Prag]. 

Fig.  25.  Sequoia  Couttsiae  Heer.  Zweig  von  Altsattel  [Sammlung  Menzel], 

Fig.  26.  Sequoia  Langsdortii  Brongn.  sp.  Quergehrochener  Zapfen  von 
Preschen  [Sammlung  Menzel]. 

Fig.  27,  28.  Äff/Ho/a  Langsdorfn  Brongn.  sp.  Zupfen,  längsgehrochen  und 
von  aussen,  von  Waltsch  [Böhmisches  Landesmuseum,  Prag]. 

I'4g.  29 — 31.  Callitris  Brongniartii  Endl.  sp.  Samen  von  Berand  [Samm- 
lung Menzel]. 

Fig.  32,  33.  Callitris  Brongniartii  Endl.  sp.  Zapfen  von  Berand  [Samm- 
lung Menzel]. 

Fig.  34.  Callitris  Brongniartii  Endl.  sp.  Zweigstück  von  Berand  [Samm- 
lung Menzel]. 

F'ig.  35.  Sequoia  Stembergii  Ett.  Zweig  von  Kutschlin,  vergr.  Fig.  35» 
[Sammlung  Deichmüller]. 


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XI.  Lausitzer  Diabas  mit  Kantengeröllen. 


Mittheüung  aus  dem  K.  Mineralogisch -geologischen  Museum  zu 

Dresden 

von  Prof.  Dr.  W.  Bergt. 

Mit  1 Tafel. 


In  der  geologischen  Sammlung  des  mineralogisch-geologischen  Museums 
fand  sich  unter  alten  Beständen  das  auf  Taf.  VI  abgebildete  Geröll,  das 
in  mehrfacher  Beziehung  Beachtung  verdient.  Leider  ist  es  ohne  I'und- 
ortangabe.  Wahrscheinlich  gehört  es  zu  den  von  Dr.  L.  Rahenhorst 
geschenkten  Diluvialgeschieben  der  Lausitz*),  eine  Annahme,  die  durch 
weiter  unten  zu  erwähnende  Punkte  unterstützt  wird. 

Das  Stück  stellt  im  Ganzen  ein  mehr  flaches  Gerülle  dar.  In  seinem 
jetzigen,  auf  Taf.  VI  in  natürlicher  Grösse  ahgebildeten  Zustande  sind 
nur  drei  Begrenzungsflächen  unversehrt,  die  breiten  Seiten  (Ober-  und 
Unterseite,  Fig.  1 und  2)  und  eine  kurze  Seitenfläche  zum  Theil,  die  in 
Fig.  1 und  2 oben  liegt  und  durch  Fig.  3 wiedergegeben  wird.  Die  in 
den  Figuren  1 und  2 unten  abschliessende  gerade  Linie  (Fläche)  ist  durch 
einen  Schnitt  erzeugt,  der  Schleifmaterial  liefern  musste,  und  die  übrige 
Begrenzung  bilden  unregelmässige  frische  Bruchflächen.  Die  grösste  Länge 
und  Breite  beträgt  etwa  85—90  cm.  Wie  die  Abbildung  zeigt,  sitzen  in 
einem  festen  Gestein  zahlreiche  Gerölle  und  Kantengerölle.  In  Fig.  1 sind 
deren  14,  in  Fig.  2 deren  13  sichtbar,  im  Ganzen  kann  man  an  dem  Stück 
35  zählen. 

Das  Wirthsgestein.  Die  Bruchflächen  des  ganzen  Stückes  zeigen  als 
Wirthsgestein  der  Gerölle  ein  dunkelgrünes,  feinkörniges,  massiges  Gestein, 
das,  wie  die  mikroskopische  Untersuchung  ergiebt,  Uralitdiabas  ist. 
Seine  Gemengtheile  sind  Plagioklas,  uralitische,  aus  Augit  hervorgegangene 
Hornblende  ohne  Augitrest,  Quarz,  Magnet-  und  Titaneisen,  aus  diesem 
hervorgegangener  grauwolkiger  Titanit  und  primärer  Titanit.  Die  typische 
ophitische  Structur  lässt  keinen  Zweifel  an  der  Diabasnatur  des  Gesteines 
aufkommen.  Schon  mit  blossem  Auge  kann  man  um  jedes  Geröll  einen 
schwarzen , etwa  * , mm  breiten  Rand  bemerken.  Er  besteht  aus  dicht 

*)  H.  B.  Deinitz:  Das  K.  Min.  Mns.  in  Dresden  18.58,  S.  23. 


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112 


gedrängten  schlanken  Augitsäulcheii,  die  meist  senkrecht  zu  den  Grenzen 
der  Gerolle  gestellt,  durchgehends  in  Üralit  umgewandelt  oder  in  Chlorit 
und  faserigen  Serpentin  zersetzt  und  massenhaft  mit  schwarzen  Krzkörnern 
{Magneteisen)  überdeckt  sind.  In  diesem  Augitkrauz  hat  man  eine 
endogene  Contaetwirkung  zu  sehen.  Feine,  zuweilen  ganz  hindurch- 
gehende. von  Diabas  ausgefüllte  Sprünge  in  den  Gerollen  entsprechen  ihrer 
Zusammensetzung  nach  dem  Contactring,  indem  sie  sehr  augit(uralit-)  reich 
sind,  aber  mit  wirrer  Lagerung  der  Säulchen. 

Die  Gerolle.  Die  vom  Diabas  eingeschlossenen  Gerolle  gehören 
einem  feinkörnigen  bis  dichten,  harten,  (juai-zitiihnlichen  Gesteine  an.  Auf 
frischem  Bruche  besitzen  sie  weissgraue  liis  graue  Farbe.  Bei  genauerer 
Betrachtung  und  durch  den  mikroskopischen  Befund  aufmerksam  gemacht, 
bemerkt  man  mit  der  Lupe,  besonders  deutlich  nach  Anfeuchtung  der 
Gerolle,  dass  die  grössere  Zahl  derselben  aus  zweierlei  Mineralien  ziem- 
lich gleichmässig  gemengt  ist,  aus  rauchgrauem  Quarz  und  einem  trüben 
röthlichen  bis  deischrothen  Mineral.  Dieses  scheint  vielfach  Zwischen- 
räume von  rundlicher  oder  gekrümmter  wurraähnlicher  Gestalt  auszu- 
füllen. 

Die  mikroskopische  üntersuchung  ergiebt  nun  höchst  merkwürdige 
Verhältnisse,  ln  der  That  besteht  der  „Quarzit“  hauptsächlich  aus  klarem 
Quarz  und  regelmässig  mit  ihm  gemengten,  kürnerähnlichen,  trüben  Partieen. 
Der  Quarz  ist  verhältnissmässig  rein.  Durch  Flüssigkeitseinschlüsse  und 
„Thonschiefernädelchen“  giebt  er  sich  als  ursprünglicher  Gemengtheil  alter 
krystalliner  Gesteine  zu  erkennen.  Die  Korngrösse  wechselt  in  den  ver- 
schiedenen Gerollen.  An  einem  derselben  sieht  man  mit  unbewaffnetem 
Auge  die  2 mm  grossen  Quarze.  Bei  gröberem  Korn  und  bei  Reichthum 
an  dem  rothon  Mineral  trägt  das  (jestein  durch  die  abgerollte  Form  der 
Quarzkörner  und  die  Verbiiidungsweise  mehr  einen  Sandsteincharakter, 
bei  feinerem  Korn  und  bei  Armutli  oder  Mangel  an  dem  rotheu  Mineral 
dagegen  ()uarzitcharakter. 

Merkwürdiger  ist  der  andere  Gemengtheil.  Derselbe  hat  unter  dem 
Mikroskop  ein  körnigtrübes  .Aussehen,  rötliliche  bis  rothbraune  Farbe  und 
grosse  Aehiilichkeit  mit  stark  getrül)tem,  ferritisch  geröthetem  Orthoklas. 
Zuweilen  bemerkt  man  schon  im  gewöhnlichen  Lichte  bei  stärkerer  Ver- 
grösserung  eine  zarte  radialfaserige  Structur  und  zwischen  -j-  Nie.  im 
])arallelen  polarisirten  Lichte  mehr  oder  weniger  regelmässig  das  Inter- 
ferenzkreuz oder  Theile  desselben.  Es  liegen  also  echte  Sphärolithe  vor. 
Sehr  häutig  enthält  diese  rothe  Substanz  Erzkörner,  schlanke  Säulen  der 
gleichen  uralitischeu  Hornblende  und  diese  ebenso  wie  besonders  im  Con- 
tactring mit  Erzkörnern  besetzt,  endlich  winzige  Nüdelchen  von  unbestimm- 
barer Natur  und  massenhaft  aus  winzigen  Körnchen  zusammengesetzte 
Striche  (Margarite),  die  zottenartig,  fächerförmig  so  dicht  geschaart  sind, 
dass  die  betretfenden  Stellen  schwarz  erscheinen.  Man  ist  vielleicht  zuerst 
geneigt,  diese  sphärolithische  Substanz  für  Chalcedon  zu  halten.  Sie  wird 
indessen  ziemlich  schnell  von  Flusssäure  angegriffen,  w, ährend  der  Quarz 
noch  vollständig  unversehrt  geblieben  ist.  Dagegen  wirkt  heisse  Salzsäure 
nicht  auf  sie  ein,  auch  die  rothe  Farbe  erfährt  dadurch  kaum  eine  Aen- 
derung.  Der  Verfasser  gl.aubte  darnach  in  ihnen  eine  dem  Mikrofelsit 
entsprechende  Substanz  von  feldspathähnlicher  (Orthoklas)  Zusammen- 
setzung annehmen  zu  müssen.  Als  Stütze  kann  angesehen  werden,  dass 
manche  dieser  rothen  Partieen  keine  faserige  Structur,  sondern  eine  an 


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Feldspath  erinnernde  Aggregatpolarisation  zeigten,  und  ganz  selten  erkennt 
man  an  den  dem  Cjuarz  zugewendeten  Krystallenden  und  eingeschalteten 
Zwillingslamellen  die  Feldspathnatur. 

In  den  verschiedenen  Gerollen  hetheiligt  sich  diese  rothe  sphäroli- 
thische Substanz  in  wechselnder  Menge  an  der  Zusammensetzung.  Nur 
wenige  scheinen  ganz  frei  davon  oder  arm  daran  zu  sein.  Man  unterscheidet 
sie  schon  mit  blossem  .\uge,  es  sind  sehr  feinkörnige,  fast  dichte  Gesteine. 
In  anderen  Gerollen  betinden  sich  (juarz  und  „Mikrofelsit“  im  Gleich- 
gewicht und  ein  Ueherwiegen  des  letzteren  findet  in  einem  untersuchten 
gröberen  Gestein  statt,  an  dem  die  Korngrösse  etwa  1'/, — 2 mm  erreicht. 
Eine  hemerkenswerthe  lleohachtung  macht  man  häufig  an  dem  Augit- 
kranz,  welcher  die  Gerölle  umgieht.  Da,  wo  dieser  an  den  Quarz  grenzt, 
ist  er  am  breitesten  und  ungestörtesten,  die  .\ugitsäulchen  (üralit)  sind 
am  dichtesten  und  regelmässigsten  radial  zum  Geröll  gestellt.  An  den 
Grenzen  gegen  den  Mikrofelsit  dagegen  tritt  eine  Lockerung  des  Augit- 
kranzes  ein,  ja  ein  vollständiges  Aussetzen,  eine  Lücke  im  Contactsaum, 
und  man  hat  den  Eindruck,  als  ob  die  rothe  Substanz  durch  das  offene 
Thor  in  den  Diabas  hinüherströme , während  umgekehrt  zuweilen  der 
schmal  gewordene  Uralitsaum  in  den  „.Mikrofelsit“  des  Gerölles  umge- 
bogen erscheint.  In  einem  Präparat,  in  welchem  zwei  Gerölle  nur  durch 
eine  wenige  Millimeter  breite  Diabasmasse  getrennt  sind,  ist  diese  mit 
„Mikrofelsit“  gemengt. 

Wie  sind  diese  merkwürdigen  Verhältnisse,  für  die  dem  Verfasser 
nichts  Aehnliches  in  der  Litteratiir  bekannt  geworden  ist,  zu  deutenV 

Die  im  Folgenden  versuchte  Erklärung  kann,  da  das  vom  Diabas 
eingeschlossene  Gestein  in  seinem  ursprünglichen  Zustand  nicht  bekannt 
ist,  nur  hypothetischer  Natur  sein. 

Zunächst  ist  es  unzweifelhaft,  dass  die  Gerölle  auf  Grund  ihrer 
Structur  Sedimentgesteine  sind,  und  es  liegt  nahe,  sie  für  mehr  oder 
weniger  thonhaltige  Sandsteine  und  zwar,  wie  unten  noch  zu  erwähnen  sein 
wird,  der  nordsächsischen  Grauwackenformation  zu  halten,  Sandsteine, 
die  durch  den  Diabas  contactmetamor])h  verändert  wurden.  Es  ist  denkbar, 
dass  das  feine  thonig  schlammige  liindoniittel  der  Quarzkörner  zu  niikro- 
lithenhaltigem  Glas  geschmolzen  wurde,  dass  also  ähnliche  Veränderungen 
eintraten,  wie  sie  Ilibsch*)  au  den  oligocäueu  Sandsteinen  z.  II.  der 
Kolmer  Scheibe  im  Contact  mit  IJasalt  beschreibt.  Der  Verfasser  konnte 
sich  überzeugen,  dass  die  oben  erwähnten  margaritenreichen  Stellen  grosse 
Aehnlichkeit  mit  dem  „trüben  glasartigen  Kitt“  der  böhmischen  Sand- 
steine haben;  auch  hier  treten  nach  llibsch  häufig  farblose,  schief  aus- 
löschende Nadeln  von  unbestimmbarer  Natur  auf.  Das  Glas  würde  sich 
dann  in  unserem  Falle  in  .Mikrofelsit  umgesetzt  haben,  wie  man  es  ja 
theilweise  für  die  l’echsteiue  und  Porphyre  anniinmt,  und  stellenweise  in 
Feldspath.  Oder  wenn  man  idcht  erst  ein  Glasstadium  voraussetzen  will, 
dann  bestand  die  Contaetwirkung  in  einer  Umwandlung  des  thonigen  Binde- 
mittels in  Mikrofelsit-Sphärolithen  und  Feldspath.  Zugleich  »ieutet  der 
verhältnissmässige  Augil(üralit-)reichtlium  der  Gerölle  auf  eine  stoffliche 
Beeinflussuug  des  Sandsteines  durch  den  Diabas. 


♦)  .T.  E.  Hibsch.  Eilitiiternngen  zur  geol  Karte  des  hfihmischen  MittelgeMiges. 
Blatt  1 (Tetsclitn).  S.  71.  Tsi-heim.  iniii.  u.  petr.  .Milth.  XV,  S.  271. 


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114 


Herkunft  des  Diabasgerölles.  Giebt  nun  der  geschilderte  Befund 
einen  Anhalt  für  die  Beurtlieiluiig  der  Herkunft  unseres  Stückes?  Oder, 
da  bereits  am  Eingang  die  Lausitz  als  Heimath  vermuthet  wurde:  sind 
unter  den  zahlreiclien  Diahasvorkommnissen  der  Lausitz  solche  mit  ähn- 
lichen Einschlüssen  bekannt? 

Während  der  Diabas  im  Allgemeinen  auch  hier  in  der  Lausitz  sehr 
selten  Einschlüsse  fremder  Gesteine  enthält,  geben  die  Erläuterungen  zur 
geologischen  Specialkarte  von  Sachsen  auf  drei  Blättern  des  lausitzer 
Gebietes  einschlussreiche  Diabase  an.  Blatt  Bischofswerda  No.  53,  S.  24: 
„Der  an  der  W’indmühle  bei  N’iederneukirch  aufgeschlossene,  6 m mächtige 
Gang  von  ülivindiahas  ist  von  Fragmenten  so  reichlich  angefüllt,  dass 
deren  in  einem  etwas  über  kopfgrossen  Blocke  etwa  60  gezählt  werden 
konnten.  Diese  Einschlüsse  bestehen  zum  weitaus  grössten  Theile  aus 
Quarzbrocken,  welche  nur  ausnahmsweise  die  Grösse  eines  Hühnereies 
erlangen.“ 

Blatt  Neustadt- Holl wald  No.  69,  S.  20:  „In  dem  Gange  vom  Stein- 
berge an  der  Hohwaldstrasse  fallen  schon  von  Weitem  zahllose  rundliche 
oder  unregelmässig  geformte,  bis  über  faustgrosse  Körner  und  Brocken 
rissigen,  fettglänzenden  Quarzes  auf,  welche  ganz  den  Habitus  der  im 
Granit  so  häufigen  Quarzhrocken  oder  des  Gangquarzes  besitzen  . . . . 
Der  Gang  des  Niederneukircher  Bahneinschnittes  (zwischen  Niederneukirch 
und  l’utzkau  zwischen  Schneisse  26  und  27)  ist  sehr  reich  an  kleineren 
Quai-zkörnern.“ 

Blatt  Hinterherrasdorf-Daubitz  No.  86,  S.  18:  „Nur  au  einem  Punkte 
der  Klippe  im  N.  von  Wölmsdorf  strotzt  der  Diabas  so  von  fremden 
Einschlüssen,  dass  er  geradezu  weiss  gefleckt  erscheint Die  Quarz- 

einschlüsse erreichen  fast  Faustgrösse.  Die  kleineren  Fragmente  sind 
theils  eckig,  theils  rundlich  und  meist  glattrandig,  während  die  grösseren 
Bruchstücke  oftmals  an  ihrer  Peripherie  zerklüftet  sind,  so  dass  Diabas- 
materi.al  mehr  oder  weniger  tief  in  dieselben  eingedrungen  ist.“ 

Von  den  gemannten  Oertlichkeiten  konnte  der  Verfasser  im  Spät- 
herbst 1900  nur  eine  aufsuchen,  den  zuerst  genannten  Diabasgang  au  der 
Windmühle  bei  Niederneukirch.  Obwohl  die  Windmühle  nicht  mehr  vor- 
handen ist,  kann  der  im  Verschütten  und  Verwachsen  begriffene  Bruch 
leicht  gefunden  werden.  Die  in  der  Erläuterung  zu  Blatt  53  geschilderten 
Verhältnisse  sind  noch  gut  zu  beoh, achten  und  die  massenhaften  Quarz- 
einschlüsse  zeigt  am  besten  eine  glatte  Wand  im  hintersten  Theile  des 
Bruches.  In  ein  Ilamlstück  des  IMahases  bekommt  man  freilich  nur 
wenige  ()uarze,  dagegen  würde  das  in  der  Erläuterung  angeführte  kopf- 
grosse Stück  mit  60  Einschlüssen  etwa  unserem  Geröll  in  Bezug  auf  lieich- 
thum  an  jenen  entsprechen. 

Fäne  Vergleichung  der  erwähnten  lausitzer  Vorkommnisse  mit  unserem 
Stück  führt  mm  zu  folgendem  Ergehniss:  Zunächst  ist  es  bei  der  grossen 
Verschiedenheit  der  lausitzer  Diabase  in  petrographischer  Beziehung  und 
hei  dem  häutigen  Wechsel  auf  kleinem  Baume  ohne  jede  Bedeutung,  oh 
unser  Diabas  mit  den  angeführten  einschlussreichen  Vorkommnissen  über- 
einstimmt oder  nicht.  Der  Diabas  unseres  Stückes  stimmt  z.  B.  mit  dem 
ülivindiahas  von  N’iederneukirch  nicht  überein.  Wichtiger  ist  wohl  das 
Auftreten  der  Fünschlüsse  überhaupt.  Wäe  aus  Obigem  hervorgeht,  gleicht 
unser  Stück  in  der  Art  und  Weise  der  Einschlüsse  den  bekannten  lau- 
sitzer Vorkommnissen,  ln  Bezug  auf  Häufigkeit,  Grösse  und  Form  der 


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115 


Einschlüsse  besteht  kein  wesentlicher  Unterschied.  Auch  die  oben  ge- 
schilderten endogenen  Gontacterscheinungen  werden  in  der  Erläuterung 
zu  Blatt  Bischofswerda  ganz  entsprechend  beschrieben:  „Die  Quarzbrocken 
sind  mit  einem  bis  0,5  mm  breiten  Saum  umgeben,  der  sich  aus  Augit 
nebst  wenig  Biotit  und  noch  spärlicherem  Eisenerz  und  Plagioklas  zu- 
sammensetzt. ln  einzelne  Quarze  dringt  dieses  Gemenge  auf  feinen 
Kissen  ein,“ 

Durchgehends  verschieden  scheint  nur  das  Material  der  Einschlüsse 
in  beiden  Fällen  zu  sein.  Während  unsere  Gerolle  jenen  eigenthümlicheu 
contactmetamorphen  Grauwackensandstein  darstellen,  haben  wir  dort 
neben  Granitbrocken  und  seinen  Gemengtheilen  nur  homogenen  wasser- 
klaren oder  milchig  trüben  fettglänzenden  Quarz  gleich  dem,  der  auch  so 
häutig  als  Einschluss  im  lausit/.er  (iranit  auftritt.  Aber  auch  dieser  Um- 
stand kann  keineswe^^s  gegen  die  Lausitz  als  Ursprungsort  unseres  Stückes 
sprechen.  Pis  ist  vielmehr  anzunehmen,  dass  es  von  einem  lausitzer 
Diabasgange  stammt,  der  gegenwärtig  nicht  beobachtbar,  dessen  Aus- 
gehendes vielleicht  zerstört  und  von  jungen  Deckschichten  verhüllt  ist. 


Die  Kantengerölle. 

Unser  Diabasgeröll  ist  aber  noch  in  einer  anderen  Beziehung  inter- 
essant, dadurch,  dass  die  vom  Diabas  eingeschlossenen  Gerolle  an  der 
Oberfläche  zu  „Dreikaiitern“  umgewandelt  sind.  Die  Dreikanterfrage  hat 
für  Dresden  dauernde  Wichtigkeit  und  Bedeutung,  weil  seine  Umgebung 
bekanntlich  reich  an  diesen  merkwürdig  geformten  Geschieben  ist.  Des- 
halb und  weil  man  hier  noch  immer  Ansichten  über  ihre  Entstehung 
begegnet,  die  dem  gegenwärtigen  Stand  unseres  Wissens  keineswegs  ent- 
sprechen, glaubte  der  Verfasser  nicht  auf  eine  Darstellung  der  Ent- 
wickelung der  Dreikanterfrage  verzichten  zu  sollen,  obwohl  eine  solche 
schon  oft,  auch  im  letzten  Jahrzehnt,  zuletzt  wohl  1899  von  Papp  gegeben 
worden  ist. 

tieachichtliclier  Rückblick.*)  Nach  der  bekannten  Litteratur  hat 
zuerst  A.  von  Gutbier  1858  Kantengcrölle  erwähnt  und  abgebildet.  Er 
brachte  sie  sofort  mit  der  IGszeit  und  zwar  mit  der  damaligen  Drifttheorie 
in  engste  Verbindung.  Die  Diluvialgeschiebe  haben  nach  Gutbier  einer 
zweifachen  Abnutzung  unterlegen:  „Einer  ersten  oder  Abrollung  im 

W’asser  an  der  Küste;  einer  zweiten  oder  Abreibung,  wo  ein  Theil  der- 
selben im  Eise  eingefroren,  gleichsam  gefasst  war,  mit  den  Schollen  der 
Schaukelbewegung  des  Wellenschlages  folgte,  und  jedenfalls  während  langer 
Zeit  gegen  andere  am  Grunde  festliegende  Blöcke  oder  angofrorenc  Ge- 
schiebe geriehen  wurde  (S.  70)  ....  Manche  Steine  unterlagen  einem 
mehrseitigen  Schlitfc,  einer  Facettining  mit  mehr  oder  minder  scharfen 
Kanten.  Dies  konnte  nur  geschehen,  wenn  sie  im  Eise  sich  wendeten  und 
wieder  festfroren“  (S.  71). 

Diese  unmittelbare  Verknüpfung  der  Kantengerölle  mit  der  Eiszeit 
hat  etwa  30  .Jahre  bestanden,  liier  und  da  sind  auch  ähnliche  (iebilde 
für  menschliche  Erzeugnisse  gehalten  worden.  1871  treten  z.  B.  Virchow 
und  Braun  einer  solchen  Auffassung  entgegen  und  sehliessen  sich  ira 


•)  Eine  Zusainmeiistelluntf  der  <lem  Verfasser  liekannten  Litteratur  befindet  sich 
am  Ende  dieser  Abhandlung. 


*» 


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lir. 


Allgemeinen  der  Gutbier'sclien  Erklärung  an.  Braun  lässt  sie  „durch 
gegenseitige  Reibung  nebeneinander  liegender  (iesteinsstUcke,  welche  durch 
das  Wasser  hin-  und  herbew'egt,  jedoch  nicht  von  der  Stelle  gerückt 
werden“,  entstehen.  Seit  dem  Jahre  1876,  in  dem  Berendt  eine  grossere 
Anzahl  Kantengerölle  aus  dem  Diluvium  von  Berlin  in  der  deutschen 
geologischen  Gesellschaft  vorgelegt  hatte,  kommt  die  Dreikanterfrage  mehr 
in  Fluss.  In  den  verschiedensten  Gegenden  werden  sie  aufgefunden.  Aber 
erst  das  neunte  Jahrzelmt  des  vorigen  Jahrhunderts  brachte  zusaminen- 
fassende  Bearbeitungen  der  sich  immer  mehr  häufenden  Beobachtungen 
und  Untersuchungen.  Besonders  erwäes  sich  die  Arbeit  von  Berendt  1885 
auf  Jahre  hinaus  von  entscheidendem  Einfluss.  Nach  Berendt  waren  die 
„Dreikanter“  durch  gegenseitiges  Abschleifen  lose  aufeinander  liegender 
Geschiebe  entstanden,  welche  durch  stark  bewegtes  Wasser,  und  zwar,  da 
man  weder  vom  Meeresboden  noch  aus  dem  Bereiche  der  Brandung  der- 
artige Geröllformen  kannte,  durch  stürzende  und  strömende  Gletscher- 
schmelzbäche in  rüttelnde  Bewegung  versetzt  wurden.  Diese  Ansicht 
Berendt’s  betrachtete  man  vielerorts  als  die  ,. zweifellose“  Lösung  des 
Dreikanterräthsels.  Ja  man  sah,  in  einem  Kreisschluss  sich  bewegend, 
die  „Dreikanter“  als  eine  Stütze  für  die  Gletschertheorie  an. 

Ausser  dieser  eben  erwähnten  Erklärung  war  aber  noch  eine  zweite 
aufgestellt  w'orden,  die  bis  jetzt  freilich  weniger  Anklang  gefunden  hatte. 
Sie  führte  die  Kantengerölle  auf  ilie  Wirkung  des  Flugsandes  zurück. 
Die  Notiz  von  Travers  aus  dem  Jahre  1869,  in  der  dies  zuei-st  aus- 
gesprochen wurde,  scheint  in  Europa  nicht  bekannt  geworden  zu  sein, 
denn  sie  wird  erst  1886  von  Xathorst  wieder  ans  Liebt  gezogen.  Unter- 
dessen waren  die  Erscheinungen  der  Wind-  und  Sanderosion  der  Sand- 
wüsten und  Steppen  immer  bekannter  in  Europa  geworden  und  hatten 
der  kommenden  Erklärung  der  „Dreikanter“  den  Boden  bereitet.  Nach- 
dem Flnys  1878  eine  ganz  ähnliche  Darstellung  wie  Travers  gegeben  hatte, 
sprach  sich  1883  Gottsche  für  die  äolische  Entstehung  der  Facetten  .an 
den  Kantengeröllen  aus.  1885  traten  Schmidt  und  .Mickwitz  entschieden 
der  Berendt’schen  Theorie  entgegen,  indem  sie  auf  Grund  von  Beobach- 
tungen an  den  Fundstellen  von  Byramidalgesehieben  zugleich  ausser  auf 
die  herrschenden  Hauptwindriebtungen  auch  auf  die  Wichtigkeit  der  ört- 
lichen Verhältnisse,  welche  im  Kleinen  den  Wind  und  den  Flugsand  ab- 
lenken, binwiesen.  Obwohl  nocli  einige  eingehende  Darstellungen  der  ,. Drei- 
kanter“ in  den  nächsten  Jahren  (E.  Geinitz,  Theile)  den  Berendt’schen 
Ausführungen  zustiniuien,  gewinnt  die  neue  Erklärung  immer  mehr  An- 
hänger und  selbst  solche,  die  sich  eben  noch  für  Berendt  ausgesprochen 
hatten,  wenden  sich  ihr  zu.  Ganz  besonders  hat  u.  a.  J.  Walther  durch 
seine  Beobachtungen  in  den  ägyptischen  Wüsten  und  seine  anschaulichen 
Beschreibungen  der  Wind-  und  8auderosion  (Detl.ation)  zur  Befestigung  und 
zuin  Siege  der  neuen  Ansicht  beigetragen.  Zwar  haben  sich  noch  im  letzten 
Jahrzehnt  vereinzelte  Stimmen  (z.  B.  Stapff  und  Stone)  in  ablehnendem 
Sinne  erhol)en,  gegenwärtig  aber  ist  die  Entstehung  der  Kantengerölle 
durch  Flugsand  ganz  allgemein  angenommen.  Von  der  Thatsache  ab- 
gesehen, dass  man  Kantengerölle  in  den  Sandwüsten  gewisserinassen 
hat  entstehen  sehen  und  jederzeit  in  Bildung  begriffen  wahrnehnien  kann, 
abgesehen  auch  von  einer  ganzen  Reihe  anderer  Punkte,  mögen  nur  fol- 
gende schwerwiegende  Fänwendungen  gegen  die  Berendt’sche  Theorie  an- 
geführt werden. 


c"  by  (juuj^lc 


117 


A.  Heim  safit  1887;  „Im  schweizer  Diluvium  ist  bisher  nirgends  etwas 
Aehnliches  gefunden  worden  — was  doch  der  Fall  sein  müsste,  wenn 
Gletscherwasser  bei  ihrer  Bildung  irgend  welche  Rolle  spielen  würde; 
hingegen  liegen  die  Kantengerölle  im  Flugsande  auf  Ilochllächen,  der  bei 
uns  fehlt.“ 

Sauer  führt  1889  aus:  „Wenn  ferner  die  Berendt'sche  Erklärung 
zuträfe,  so  wäre  die  grösste  Iläutigkeit  der  Kantengeschiebe  in  jenen 
rückenartigen  Geschiebeanhäiifungen  zu  erwarten,  die  mau  als  Rückzugs- 
oder Endmnränenbildungen  zu  deuten  mit  gutem  Grunde  Veranlassung 

hat Und  doch  trifft  man  im  Innern  dieser  Geröllanhäufungen  nicht 

ein  einziges  Kantengerölle,  vielmehr,  gleichwie  in  der  Deckschicht  des 
Geschiebelehms,  nur  auf  die  obersten  äussersten  Theile  dieser  Rücken 
beschränkt.“ 

Während  man  die  Kantengerölle  also  früher  als  Beweise  für  die 
Gletschertheorie  betrachtete,  spielen  sie  jetzt  ira  Verein  mit  den  Resten  von 
Steppenthieren  dieselbe  Rolle  für  das  ehemalige  Vorhandensein  von  Steppen 
in  Älitteleuropa. 

Um  den  Vorgang  der  Dreikanterbildung  weiter  aufzuklären,  bat  man 
auch  das  Experiment  zu  Hilfe  genommen.  Preussner’s  V'ersuche  1887 
waren  ergebnisslos,  dagegen  hat  de  Geer  1886  erfolgreiche,  besonders 
aber  Thoulet  weitgehende  und  die  verschiedensten  Punkte  berücksich- 
tigende Versuche  angestellt,  deren  Ergebnisse  aber  noch  genauerer  Ver- 
gleichung mit  den  in  der  Natur  gegebenen  Verhältnissen  harren. 

Im  Einzelnen  freilich  ist  die  Entstehung  der  Kantengerölle  noch  längst 
nicht  genügend  aufgeklärt.  So  gehen  die  Meinungen  in  Bezug  auf  die 
Frage  auseinander;  wie  weit  ist  die  Gestalt,  sind  die  Flächen  und  scharfen 
Kanten  besonders  der  regelmässigen  „typischen“  Kanter  auf  tlie  Rechnung 
des  Sandschliffer  zu  setzen.  Während  man  auf  der  einen  Seite  die 
Herausarbeitung  solcher  Formen  aus  einem  runden  Geröll  allein  durch 
den  Sandschliff  für  möglich  hält,  will  man  auf  der  anderen  Seite  eine  so 
starke  formende  Kraft  und  Tbätigkeit  nicht  zugestehen.  So  hat  Keil- 
hack  1883  als  erste  Veranlassung  angesehen,  dass  bei  der  Zertrümmerung 
dieser  (harten)  Gesteine  Bruchstücke  mit  mehreren  annähernd  ebenen 
Flächen  entstehen.  Nach  Heim  1887  hängt  die  Zahl  und  Anordnung  der 
Kanten  und  damit  die  Form  der  geschliffenen  Pyramiden  ab  von  der 
ursprünglichen  und  wenig  veränderten  Umrissform  des  Gesteinsstückes. 
Dieser  Ansicht  schliesst  sich  van  Calker  1890  an. 

Auch  betreffs  der  Abhängigkeit  der  Flächen  und  Kanten  in  Zahl  und 
Richtung  von  den  herrschenden  Winden  kommen  die  verschiedenen  Darstel- 
lungen zu  abweichenden  Ergebnissen.  Im  Allgemeinen  hat  sich  seit  den  ersten 
Zeiten  der  Sandschlifftheorie  bis  jetzt  eine  Wandlung  in  dieser  Frage  voll- 
zogen. Lange  suchte  man  eine  den  Hauptwindrichtungeu  der  betreffenden 
Gegend  entsprechende  Zahl  und  Lagerutig  der  Flächen  und  Kanten  heraus- 
zufinden und  zu  construiren.  Mit  der  wachsenden  Erkenntniss  aber,  dass  die 
Sandströme  oft  von  den  kleinsten  örtlichen  Verhältnissen  bestimmt  werden, 
sah  man  von  dem  oft  vergeblichen  oder  zu  erzwungenen  Ergebnissen 
führenden  Bemühen  ab.  Diese  Frage  dürfte  am  besten  durch  einige 
Citate  beleuchtet  werden.  Heim  1887:  ,,I)ie  Gestalt  der  Kanter  ist  nur 
unwesentlich  von  den  Windrichtungen,  weit  massgebender  hingegen  von 
der  Umrissform  der  Steinsstücke  abhängig.“  Dames  1887:  „l'erner  kann 
man  beobachten,  wenn  auch  nicht  durchweg,  so  doch  in  vielen  Fällen, 


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118 


dass  die  nach  Süden  gewendete  Seite  der  Geschiebe  intacl  gehlichen: 
und  es  erklärt  sich  das  leicht  daraus,  dass  diese  Seite  durch  den  steilen 
Nordahfall  des  Uegensteines  (hei  lllankenhurg  am  Harz)  vor  der  Ein- 
wirkung heftig  wehender  Winde  mehr  geschützt  ist.“  Verworn  1896; 
„Unzweifelhaft  erscheint  noch,  dass  ein  llollstein  nur  von  einer  Richtung 
iingehlasen,  zwei  oder  drei  Schlifftlächen  bekommen  kann,  indem  nämlich 
der  Wänd  den  unterliegenden  Sand  allmählich  wegbläst  und  das  Gerolle 
zum  Stürzen  bringt.“ 

Walther  1887:  „Von  Uedeutung  schien  es  zu  sein,  dass  die  Gerolle 
nahe  aneinander  liegen,  indem  dadurch  Hindernisse  und  Interferenzstreifen 
geschaffen  wurden  für  die  Bewegung  des  wirbelnden  Sandes.“ 

Die  klarste  Vor.stellung  von  der  Entstehung  der  Kantengerölle  dürfte 
wohl  folgende,  eigene  Anschauung  wiedergehende  Schilderung  .1.  W'alther's 
(1891)  vermitteln:  „Einen  Zusammenhang  zwischen  der  Richtung  der 
Kanten  und  der  W'indrichtung  konnte  ich  nicht  finden  und  solches  scheint 
mir  auch  leicht  begreiflich,  da  die  Richtung  des  Windes  in  der  Wüste 
oft  jede  Stunde  wechselt  .... 

Der  Sand  tliesst  in  kleinen  Strömen  über  den  Boden  hin  und  die  auf 
dem  Boden  liegenden  Kiesel  bilden  ebenso  viele  Hindernisse  und  Wider- 
stände für  die  kleinen  Sandgerinne.  Vor  einem  grösseren  Kiesel  theilt 
sich  der  Sandstrom,  um  sich  oft  hinter  dem  Hinderniss  wieder  zu  ver- 
einigen, oft  laufen  die  getheilten  Stromäste  eine  Strecke  isolirt  weiter, 
um  dann  wieder  mit  anderen  henachharten  zusammen  zu  laufen,  ln  dieser 
Gabelung  und  Wiedervereinigung  kleiner  Sandströme,  hervorgerufeu  durch 
die  am  Boden  liegenden  Steine,  werden  solche  Steine,  auf  welche  con- 
vergirend  zwei  Sandströme  stossen,  mit  zwei  Facetten  versehen,  deren 
jede  durch  einen  Sandstrom  gebildet  wurde.  Indem  sich  diese  Facetten 
immer  mehr  vergrössern,  kommen  sie  endlich  zum  gegenseitigen  Schneiden 
und  bilden  dadurch  eine  Kante,  (ierölle,  welche  constant  durch  ähnliche 
Sandströme  bespült  werden,  erhalten  scharfe  Kanten;  wechselt  aber  die 
Richtung  der  Saiulströme,  so  werden  die  Kanten  und  Flächen  undeutlich 
und  wieder  verwischt“  (S.  447).  Und  derselbe  1900;  ,.Der  anfänglich  ge- 
machte Versuch,  die  Kanten  der  Dreikanter  mit  den  Windrichtungen 
jtarallel  zu  orientiren,  ging  von  falschen  Voraussetzungen  aus.  Denn  die 
Fläche  der  Facettengeschiehe.  ist  das  Wesentliche  und  nur  clurch  zwei 
sich  schneidende  Schlifillächen  entsteht  die  Kante.  Die  auf  dem  sandigen 
Boden  regellos  vertheilten  Gerolle  werden  durch  die  sich  gabelnden  und 
wieder  convergent  zusammentrefi'enden  Sandströine  angeschliffen  und  die 
entstandenen  Schlitl’tlächen  verbreitern  sich  mehr  und  mehr.  Ihre  Mittel- 
linie ist  nicht  nothwendig  j)arallel  der  Windrichtung  in  der  .\tmosphäre, 
sondern  nur  der  durcli  viele  Hindernisse  abgelenkten  Luftströmung  am 
Boden  und  kann  mithin  rasch  wechseln“  (S.  51). 

Was  lehrt  nun  nach  den  vorausgegangenen  Betrachtungen  unser 
Geröll  auf  Tafel  VI V 

Dem  Verfasser  erscheint  es  zunächst  nicht  zweifelhaft,  dass  die 
Herausarheitung  der  Gerölle  aus  dem  Diabas  und  die  weitere  Gestaltung 
ihrer  blossgelegten  Seiten  durch  den  Sandschlill'  erfolgt  ist.  Die  rauhe 
körnige  Ohertläche  des  zwischen  den  Geschieben  befindlichen  Diabases, 
die  geschweiften,  oft  tief  unter  die  harten  Gerölle  eingeschnittenen,  durch 
Entfernung  des  Diabases  erzeugten  Rinnen  (in  Fig.  1 oben  links  leider 
nicht  gut  erkennbar,  besser  in  Fig.  3 zwischen  den  beiden  zusammen- 


'■'nogle 


119 


laufenden  Gerollen),  die  mannigfache  Gestalt  der  herausragenden  Geröll- 
enden mit  ebenen  oder  concav  und  convex  gekrümmten  llegrenzuugsflächeii, 
mit  scharfen  geraden  und  ganz  unbestimmten,  gebogenen  Kanten  kann  un- 
möglich nach  der  Berendt’schen  Theorie  durch  Reibung  mit  so  und  so 
vielen  losen  Gerollen  erklärt  werden.  Ebenso  augenscheinlich  ist  der 
Mangel  einer  einheitlichen,  gesetzmässigen  Lage  der  Elächen  und  Kanten 
etwa  nach  bestimmten  Windrichtungen.  Wir  sehen  vielmehr  den  von 
Walther  beschriebenen,  oben  angeführten  Vorgang,  bei  welchem  der  Sand- 
strom zwischen  den  naheliegenden  Geröllen  schlängelnd  seinen  Weg  suchen 
muss,  hier  abgelenkt,  dort  sich  theilend,  anderswo  mit  den  Abzweigungen 
sich  wieder  vereinigend,  an  unserem  Stück  in  natürlichem  Zustand  fest- 
gelegt. Wie  deutlich  springt  z.  B.  in  Fig.  2 die  Bahn  des  von  oben  (im 
Bilde)  kommenden  Sandstromes  in  die  Augen,  der  das  links  oben  betind- 
liche  harte  Gerolle  unterhöhlt,  auf  die  Breitseite  des  vorliegenden  langen 
Geschiebes  auftrifft  und  senkrecht  zu  seiner  Richtung  die  lange  Kante 
erzeugt.  Unmittelbar  links  davon  hat  sich  im  Schutze  (Windschatten)  des 
obersten  Gerölles  der  Diabas  noch  bis  an  den  äussersten  Rand  erhalten 
können,  dagegen  ist  die  linke  Seite  des  langen  Geschiebes  schon  stärker 
betrotfen  und  mit  voller  Kraft  wirft  sich  der  Sand  auf  die  beiden  out- 
gegenstehenden  bellen  Flächen. 

Die  Oberflächen  unserer  Gerolle  sind  glatt,  aber  nicht  glänzend, 
eine  grubige  Beschaffenheit  ist  kaum  bemerkbar  jedenfalls  wegen  des 
feinen  Kornes  und  wegen  der  geringen  Ilärteunterschiede  der  Gemeng- 
theile, höchstens  machen  sich  diese  durch  mattere  und  weniger  matte 
Stellen  bemerkbar.  Auf  Bruch-  und  Anschnittsflächen  unseres  Diabas- 
gerölles wollte  es  scheinen,  als  ob  die  im  Diabas  steckenden  Seiten  einiger 
Geschiebe  ähnliche  scharfe  Kanten  zeigten  wie  die  freien,  als  ob  mit 
anderen  W'orten  der  Diabas  bereits  fertige  Kantongerölle  eingeschlossen 
hätte,  deren  Flntstehung  dann  in  die  paläozoische  Zeit  hätte  versetzt 
werden  müssen.  Indessen  erwies  sich  dies  als  trügerisch,  und  es  bildet 
so  unser  Geröll  kein  Seiteustück  zu  den  von  Nathorst  beschriebenen 
cambrischen  Kantengescliieben  oder  zu  denen  des  Buntsandsteins,  die 
Chelius  entdeckt  hat. 

Es  wurde  oben  erwähnt,  dass  unser  Diabasgeröll  in  seinem  jetzigen 
Zustand  theilweise  von  frischen  BruchHächen  begrenzt  wird.  Nichts 
spricht  gegen  die  Annahme,  dass  es  vor  seiner  Verletzung  rings  herum 
die  gleiche  Beschaffenheit  zeigte  wie  an  den  abgebildoten  Seiten,  dass  also 
auch  an  den  .abgebrochenen  Stücken  die  Einschlüsse  aus  dem  Diabas 
herausgearbeitet  waren.  Dies  war  natürlich  nur  möglich  durch  eine 
mehrfache  Wendung  des  Stückes,  die,  wie  oben  in  einem  Citat  angedeutet 
ist,  jedesmal  nach  dem  Wegblasen  des  unterlagernden  Sandes  erfolgte. 


Litteratnr  Ober  die  Kantengerölle. 

1858.  (iutbier,  A.  von:  Geognostische  Skizzen  aus  der  sächsischen  Sihweiz,  S.  70  u. 71, 
mit  Abh. 

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1869.  Travers,  W.  T.  L.:  On  the  sand-w»m  stones  of  Evans’  Bay.  Trans,  and  Proc. 
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1871.  Virchow,  R.:  Geschliffene  Steine  von  Glogan.  Verhandl.  Berlin.  Ges.  f.  An- 
throp.  III,  S.  103. 

Braun:  Kbeingeriille.  Ebenda,  S.  103. 


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120 


1872.  Mevn,  L.i  Pyramidale  Oeschiebe  au.s  Holstein.  Zeitschr.  deutsch.  Rcol.  Ges. 

24.  S.  414. 

1873.  Johnstrup,  F.:  Fnrliandliugar  ved  de  Skandinaviske  Xaturforskers,  S.  272. 

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1876.  Berendt,  G.;  Pyramidalgeschiebe  aus  dem  Diluvium  bei  Berlin.  Zeitschr. 

deutsch,  gcol.  Ges.  28,  8.  41.5. 

Weiss.  E : Pyramidalgesihiibe  aus  der  Saargegend.  Ebenda,  S.  416. 

1877.  Kayser,  E.:  Pyramidalgeschiebe  von  Gönnern.  Ebenda  29,  S.  206. 

1878.  Enys,  .1.  D. : Uii  sand-worn  stones  from  New  Zealand.  Quart.  Joum.  London 

34.  S.  86-88,  mit  Abb. 

1881.  Geinitz,  F.  E.:  Beobachtungen  im  sächsischen  Diluvium.  Zeitschr.  deutsch. 

geol,  Oes.  33,  S 567. 

1882.  — Die  geologische  Beschaffenheit  der  Umgebung  von  Stolpen  in  Sachsen. 

Sitzungsber.  u.  .Abhamll.  Isis  Dresden,  .\bhandl.  ,S.  121. 

1883.  Gotische,  C : .Sedimentärgeschiebe  der  Provinz  Schleswig-Holstein,  S.6,  Anm.2.  — 

Ber.  Neues  .lahrb.  f.  Min.  1884,  II,  S.  «2. 

1884.  Keilhack,  K.:  Vergleichende  Beobachtungen  an  isländischen  Gletscher-  nnd 

norddeutschen  Diluviahiblagerungen.  Jahrb.  preua.s.  geol.  Laiidesunst.  f.  1883. 
8.  172,  173. 

Calker,  F.  ,1.  P.  van:  Beiträge  zur  Kenntniss  des  Groninger  Diluviums. 
Zeitschr  deutsch,  geol.  Ges.  36,  S.  731. 

Commenda,  H.:  Kiesentöpfe  bei  Steyregg  in  Oberösterreich.  Verhandl.  k.  k. 
geol.  Keichsanst  Wien,  S.  308  — 311. 

Wahnschaffe,  F.:  Dreikantner  aus  dem  Geschiebemergel.  Zeitschr.  deutsih. 
geol.  Ges.  36,  S.  411. 

1885.  Nathorst,  A.  G.:  Om  kambriska  pyramidalstenar.  Ofversigt  of  Kgl.  Veten.sk.- Ak. 

Förliandl.  No.  10,  Stockholm,  S.  5-17.  — Ber.  Neues  Jahrb  f.  Min 
1888,  II,  S.  301. 

Berendt,  G.:  Geschiebe -Dreikanter  oder  Pyramidalgeschiebe.  Jahrb.  prenss 
geol.  Landeaanst.  f.  1881,  8.  201—210,  Taf.  X. 

Schmidt,  F. , nnd  A.  Mickwitz;  Ueber  Dreikanter  im  Diluvium  bei  Reval 
Neues  Jahrb.  f.  Min.  1885,  II,  S.  177-179. 

Theile.  F.:  G eschliffene  Ge.schiebe  (Dreikantner),  ihre  Normaltypen  und  ihre 
Entstehung.  Ueber  Berg  und  Thal,  Organ  des  Gehirgaver.  f.  d.  säch?.- 
böhm.  Schweiz,  8.  Jahrg.,  S 374—377,  882—386,  mit  Abb.  — Vergl.  anch 
Sitzungsber.  Isis  Dresilen  1885,  S.  35  u.  36. 

1885—1886.  Fontannes.  F.:  Sur  les  causes  de  la  produetion  de  facettes  snr  le* 
ijuartzites  des  alluvions  plioedues  de  la  vallee  du  Khöne.  Bull.  soc.  geol.  de 
France  III.  11.  S.  246— 25.5.  — Ber.  Neues  Jahrb.  f.  Min  1887,11,  S.493. 

1886.  Geinitz,  E.:  Die  Bildung  der  Kanfengerölle.  Archiv  d.  Ver.  d.  Freunde  der 

Natnrgesch.  in  .Mecklenburg,  40.  .lahrg.,  S.  33.  Taf.  3 u,  4. 

Mickwitz,  A.;  Die  Dreikanter,  ein  Product  des  Flugsandschliffe.« ; eine  Eal- 
gegnung  auf  Berendt.  Mein.  soc.  imp.  min.  St.  Petershourg  XXIII,  mit 
2 Taf.  — Ber.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  1888,  II,  S.  301. 

Geinitz,  H.  B.:  Ueber  die  Winkel  an  Dreikantnem.  Sitzung.sber.  n.  Abbandl. 
Isis  Dresden,  Sitzungsber.  ,S.  16. 

Theile,  F.:  Einige  nachträgliche  Bemerkungen  über  die  Dreikantner.  Ueber 
Berg  und  Thal,  Organ  des  Gebirgsver.  f.  d.  sächs.-böhm  Schweiz,  9.  Jahrg., 
S.  19 — 22.  mit  Abb. 

Nathorst.  A.  G.;  Ueber  Pvramidalgesehiebe.  Neue.s  .Tahrb.  f.  Min.  1886,1, 
S.  179  u.  180. 

Geer,  G.  de;  Om  vindnötta  stenar.  Geol.  För.  Fürhandl.  No.  105,  B.VIII.  Hält“, 
S.  501  —513,  Stockholm.  — Ber.  Neues  .Jahrb.  f.  Min.  1888,  II,  S.  3tr2  u 303. 
Fegraeus.T.:  BaniUlipade  stenar  fräu  Got.ska  Sandün.  Ebenda  S.  514— 518. — 
Ber.  Neues  .lahrb.  f.  Min.  1889,  1,  S.  481. 

1887.  Wahnschaffe,  F.;  Ueber  Pvramidalgesehiebe.  Zeitschr.  deutsch.  geoL  G» 

39,  S.  226  u.  227. 

Dames,  W.:  Ueber  Kantengesehiehe  Ebenda  S.  229. 

Jäkel.  0.:  Ueber  diluvmle  Bildungen  im  nördlichen  Schle.sicn.  Ebenda  S.  287 
bis  289,  mit  -Abb. 

Preussner:  Versuche  mit  Sandstrahlgeblä,sen.  Eheuda  S.  602. 

Geiuitz,  E.;  Ueber  Kautengerölle.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  1887,  II,  S.  78— 79. 
Thnulet,  .1.;  E.xperieiiees  synthetiques  sur  l’abrasion  des  roches.  Compt.  reiid. 
104,  S.  381— 383,  Paris.  — Ber.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  1888,  II,  S.  240. 


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121 


1887.  Walther,  ,T. : Die  Kutstehung  von  KantengeröUen  in  der  Galalawüste.  ßer. 

Verh.  Ges  d.  W.  Leipzig.  Math.-phjs.  Kl.  39,  S.  133  — 136. 

Heim,  A.:  Ueber  Kantergeschiebe  aus  dem  norddeutschen  Diluvium.  Viertel- 
jahrsschrift  d.  naturf.  Ges.  Zürich,  S.  383 — .38.5.  — Ber.  Neues  Jahrb.  f. 
Min.  1888,  II,  .S.  304. 

1888.  Koch,  F.  E.:  Zur  Frage  über  die  Bildung  der  sog.  Dreikanter.  Archiv  d.  Ver. 

d.  Freunde  d.  Naturgesch.  Mecklenb.  41  (1887),  1888,  S.  223 — 226. 
Oeinitz,  H.  B.:  Ueber  Kantengerülle.  Sitzungsber.  u.  Abhandl.  Isis  Dresden, 
Sitzungsber.  S.  8 u.  9. 

Meh  nert,  E.:  Ueber  einen  Dreikanter.  Ebenda  S.  32. 

— Ueber  Glacialerscheinungen  im  Elbsandsteingebiet,  S.  22—24.  Pirna. 

1889.  Sauer,  A.:  Ueber  die  äoli.scbe  Entstehung  des  Löss  am  Rande  der  norddeutschf  ii 

Tiefebene.  Zeitschr.  f.  Naturw.  Malle.  Bd.  62,  S.  326  — 361,  mit  Abb.  — 
Ber.  Neues  .lahrb.  f.  Min.  1891,  I,  S.  130. 

Stone,  G.  H. : On  the  scratched  and  facetted  stones  of  the  Salt  Range.  Geol. 
Mag.  1889,  S.  415 — 426.  (Enthält  hier  nicht  angeführte  ausländ.  Litte- 
ratur.)  — Ber.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  1891,  I,  S.  91. 

1890.  Sauer,  A.,  und  C.  Chelius:  Die  ersten  Kantengeschiebe  im  Gebiete  der  Rhein- 

ebene. Neues  Jahrb.  f Min.  1890,  II,  S.  89—91. 

Calker.  F.  .1.  P.  van;  Ueber  ein  Vorkommen  von  Kantengeschicben  u.  s.  w.  in 
Holland.  Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  42.  S.  577 — 583. 

1891.  Walther,  .1.:  Die  Denudation  in  der  Wüste  und  ihre  geologische  Bedeutung. 

Abhandl.  math.-phys.  Kl.  Ges.  d.  Wiss.  Leipzig,  XVL 

1892.  Wahnschaffe,  F.:  Beitrag  zur  Lössfrage.  Jahrb.  preuss.  geol.  Landesanst.  f. 

1889,  8.  328—346. 

1893  .Stapff,  F.  M.:  Eine  zerbrochene  Fensterscheibe.  Glückauf,  S.  365  — 370.  — 
Ber.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  1894.  II,  S.  279. 

1894.  Woodworth,  J.  B. : Postglacial  eolian  action  in  southem  New  England. 

Americ.  Journ.  of  Sc.  47,  S.  63—71.  (Enthält  ein  Verzeichniss  der  amerik. 
Arbeiten  über  unseren  Gegenstand.)  — Ber.  Neues  .Jahrb.  f.  Min.  1895,  II, 
8.  474, 

1895.  übrntschew.  W.:  Ueber  die  Processe  der  Verwitterung  und  Deflation  in  Central- 

asien. Verh.  russ.  min.  Ges.  St.  Petersburg  (2)  33  , 8.  229.  — Ber.  Neues 
Jahrb.  f.  Min.  1897,  II,  S.  469. 

1896.  Verworn,  M.;  Sandschliffe  vom  Djebel  Nakfls.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  1896,  I, 

S.  200  -210,  Taf.  VI. 

Woldfich.  J.  N.:  Ueber  einige  geologisch  - aerodynamische  Erscheinungen  in 
der  Umgebung  Prags.  (In  tschechischer  Sprache  mit  deutschem  Auszug.) 
Sitzungsber.  bühm.  Ges.  d.  Wiss.  Math.  - naturw.  Klasse  (1895)  1896, 
Abhandl.  XXXI,  20  8.,  2 Taf  — Ber.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  1896,  II,  S.  276. 

1897.  — Fossile  Steppenfauna  aus  der  Bulovka  nächst  Kosif  bei  Prag  u.  s.  w.  Neues 

Jahrb.  f Min.  1897,  II,  S.  208. 

1899.  Papp,  K.;  Dreikanter  auf  den  einstigen  Steppen  Ungarns.  Földtani  Közlönv, 
Suppl.  XXIX,  S.  193-203,  1 Taf. 

? Wittich,  E.;  Ueber  Dreikanter  aus  der  Umgegend  von  Frankfurt  a.  M.  (Ohne 
nähere  Angabe  bei  Papp  citirt.) 

? Bather,  F.  A.:  Wind-wom  pebbles  in  the  British  Isles.  Geologists'  Ass.  Proc. 
XVI,  S.  396—420.  — Ber.  Geol.  Centralblatt  1,  8.  104,  No.  331. 


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JbhmdL.  d Isis  in  Dresden,  1900. 


'Jimzel  del. 


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TafL 


litK  Ans!  v:  iKreUuhel.  Drtsden 

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P Memel  del. 


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Taf.m. 


Fi^.9. 


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üth  Anil  V » wtujdiii  Drtuin 

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JbhmdL.  d Isis  in  Dresden,  1900. 


P.  Menzel  del. 


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Taf. 


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JbhanäLdkis  in  Dresden,  1900. 


PMeruel  deL. 


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Taf.m. 


üth.  Aftst.  V Krtl»Oi*i  Or«$4len 

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Abhandl.  d.  Isis  in  Dresden,  1900. 


Taf.  IV. 


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^bhoJuiL  d.  Isis  in  Drestien.  1900. 


P. . yfrnzf/  <M . 


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Taf.y. 


«^m 

H^EIH 

1 W 

Alibandl.  d.  Isis  in  Uitsdeii,  1900. 


Tiif.  VI. 


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Naturwissensehaftliehen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Heransgegeben 

von  dem  Redactions-Comite. 


Jahrgang  1901. 


Mit  1 Karte,  3 Tafeln  nnd  3 Abbildungen  iin  Text, 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Bnrdach. 

1902. 


Inhalt  des  Jahrganges  1901. 

Friedrich  Raspe  f S.  V. 

VeraelchnUs  der  MttKlIeder  S.  VII. 

A.  Sitzungsberichte. 

I.  Section  für  Zoologie  S.  3 und  17.  — Heller,  K.;  Ausgestorhene  madagassieche 
Riesenstrans-iie  S.4.  — Nitsche,  H.;  Stimmapparnt  der  Cicaden  S.3;  Beobachtungen 
über  tropische  Ameisen,  zoologi.scbe  Ueiseeindrücke  in  Siidungam,  Vorlage  eines  Kranich- 
kopfcs  S.  4;  zoologische  Seiten  der  Malaria- Frage  S.  17 ; neue  Litteratur  S.  3 tind  17.  — 
Reibiscli,  Th.:  Demonstration  von  Missbildungen  S.  17,  mit  Bemerkungen  von 
H. Nitsche.—  Ribbe,  K.:  Künstliche  Krzeugung  von  Schmetterlin^varietäten  S.3. — 
Richter,  A.;  Vorlage  eines  Elepliantenstos.«zahnes  S.  4. — Schiller,  K.:  Gattungs- 
kennzeichen  der  in  Sachsen  vorkommenden  Hydrachniden  S.  4:  Vorlage  von  Aeridiiim 
tartaricum,  neue  Litteratur  S.3.  — Vichmeyer.  H.:  Wie  finden  die  Ameisen  den 
Weg  zn  ihrem  Neste  zurück?  S.  3. 

II.  Section  rUr  Botanik  S.  4 und  17.  — Beck,  R. : Einige  Parasiten  von  forstlicher 
Bedeutung  S.  5;  ....  und  Nitsche,  H.i  Bekämpfung  des  SchUttepilzes  S.  5.  — 
Drude,  U.;  Holzzuwachs  beim  Lärchenkrebs  S.  o;  .Tubiläum  der  K.  K.  Zoologisch- 
botanischen Gesellschaft  in  Wien,  Gründung  einer  iuteniationalen  Botaniker -Vereinigung, 
Kuntze’s  Eingabe  betreffeud  einen  Staatsznschuss  zu  Engler's  „Pflanzenreich“,  syste- 
matische Morphologie  der  Gattungen  .Ihies,  Picea.  Lari-r  und  Pinus  8.  6;  einige 
physiologische  ( 'ultnrversuche  S.  17;  Aussaat  - Ergebnisse  von  Samen  einer  gelben 
Keineclaudensortc,  An.strichmittel  gegen  Hasenfrass,  Topographie  der  RhSn,  über 
Eaphraria  minima  .laci|U.,  UUgelflora  der  Basalte  des  l.ausitzer  Hügellandes  S.  IH: 
Vorlage  eines  Piniis -Zweiges  S.  4;  neue  Litteratur  S.  5 und  18;  ...  . und 
Nitsche,  H.:  Neuere  Anschauungen  auf  dem  Gebiete  der  Descendenztheorie  S.  5, — 
Fritzsche,  F.:  Nene  Funde  des  Elbhügellandea  S.  18.  — Missbach,  R.:  Bestände 
von  Rhododendron  nii/rtif olium  in  Siebenbürgen  S.  IH.  — Naumann,  A.:  Wand- 
tafeln für  den  botanischen  Unterricht,  Imtaniscbe  Ergebnisse  seiner  Reise  nach 
Siebenbürgen  8.  19.  — Nitsche,  H.:  Leuchten  der  Hallimasch- Mycelien  S.  5. — 
Schneider,  ü.;  Vorlage  und  Besprechung  einer  Sammlung  von  Skorpionen  8.19. 
— Schorler,  B.;  Bryogeographisebe  Forschungen  von  A.Geheeb  S.  18. — Thümer,  A.: 
Demonstration  eines  Mikroskops  S.  5:  Flora  der  Commons  S.  19.  — Wobst,  K.:  Nene 
Funde  ausserhalb  Sachsens  S.  19.  — Worgitzky,  G.:  Ueber  Blüthengeheimnisse  S.  19, 
mit  Bemerkungen  von  U.  Drude. 

III.  Section  für  Mineralogie  nnd  Geologie  S.  ti  und  20.  — Bergt,  W.:  Lausitzer 
Diabas  mit  Kantengeröllen,  Erzlagerstätten  und  Erzgänge  bei  Freiberg  S.  7 ; über 
Kngelgranite  S.  20;  neue  Litteratur  S.  7 nnd  20.  — Döring,  H.:  Strudellücher  im 
Elboett,  geschrammte  Geschiebe  von  Zschertnitz  S.7.  — Engelhardt,  H.:  Geologische 
Beschaffenheit  und  Erforschung  Bosniens  S.  0.  — Kalkowsky,  E.:  Schlammvulkan 
von  Modena.  Flysch  in  Ligurien,  eruptiver  Gneiss  des  Erzgebirges,  Erkennung 
künstlich  gebleichter  Gr.inite  S.  20:  Vorlagen  S.  8.  neue  Litteratur  S.  B,  7 und  20. — 
Kruft,  L.;  Phosphoritknollen  im  vogtländisrhcn  Silur  nnd  ihre  organischen  Ein- 
schlüsse S.  20.  — Nessig,  K.:  Neue  Bohrung  in  der  Dresdner  Haide  S.  6.  — 
Petrascheck.  AV.:  Ammoniten  der  .sächsischen  Kreide  S.  7.  — Wagner,  P.:  Das 
Centralplatean  in  Frankreich  .S.  6. 

IV.  Section  für  prUhistnrisrhe  Forschnngen  S.  7 und  20.  — Deichmüller,  .1.;  Hügel- 
gräber nördlich  von  Bucha  in  .Sachsen  S.  7;  neue  Umenfiinde  in  Blasewitz  S.  8;  Inven- 
tarisirung  der  urge.schichtlichen  .Alterthümer  des  Königreichs  Sachsen  S.  20;  neue 


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IV 


Ijittcratnr  SS.  — Deichmüller,  J.,  Döring,  H.  und  Ludwig,  H.:  Yorliwe  und 
Besprechung  neuer  Funde  von  Stcingeräthen , Urnen , Bronzen  u.  s.  w.  ans  Sachsen 
S.  7,  8,  20  und  21.—  Döring.  H.:  BurgwäUe  von  Schlieben  und  Cosilenzien  S. 7.  — 
Engelhardt,  II.:  Knnensteine  von  Bnmholm  S.  7.  — Jentsch,  A.;  Slavisches 
(iefäss  mit  Laichenhrand  S.20. — Wiechel,  H.:  Die  ältesten  Wege  in  Sachsen  S.8.— 
Excursion  nach  der  (löhrischschanze  bei  Diesbar  8.  8, 

V.  Sectlon  für  Physik  nnd  Chemie  S.  8 und  21.  — Kühler,  W.:  Die  gebräuchlicben 
Methoden  der  drahtlosen  Telegraphie  S.  21.  — Schlossmann,  A.:  Bedeutung  des 
Phosphors  in  der  belebten  Natur  S.8.  — Walther,  R.  von;  Rednetionen  mit  Hülfe 
von  Metallen,  die  Aluminothermie  S.  8.  — Exenrsion  nach  der  Nährmittelfabrik 
von  Dr.  Klopfer  in  Ijenbnitz-Neuostra  S.  9. 

VI.  Sectlon  für  Mathematik  S.  9 und  21.  — Heger,  R.:  Ueher  Parabel  nnd  Ellipse 
S.  9;  über  einen  Satz  der  Determinanten -Theorie  S.  24.  — Henke,  R.:  Die  Be- 
ziehungen de.s  Dreiecks  znm  Kreise  im  geometrischen  Unterricht  S.23.  — Kranse,M.: 
Charles  Henuite  8.9.  — Naetsch,  E.:  Ueher  ein  in  der  Vector-Analvsis  auftretendes 
System  partieller  Differentialgleichungen  I.  Onlnung  S.  10.  — Rohn,  K.:  Die 
8 Schnittpunkte  dreier  Flächen  II.  Grades  S.  22.  — Weinmeister,  Ph.;  Sebmiegungs- 

farabebi  der  Ellipse  S.  9;  .Vukreis- Mittelpunkte  der  Dreiecke  mit  gleichem  Um-  und 
nkreis  S.  10;  die  Strophoide  ((jnetelet'sche  Fokale)  in  synthetischer  Behandlung  S.  21. 

VII.  Hanptversamininngen  .8. 10  nnd  24.  — Beschluss  über  Beginn  der  Sitzungen  S.  11.— 
Beamte  im  Jahre  1902  S 29. — Wahl  eines  Mitgliedes  des  Verwaltungsrathes  S.  11.— 
Ka.sseuabschln.ss  für  1900  S.  10,  11  nnd  13.  — Voranschlag  für  1901  S.  10.  — Frei- 
ivillige  Beiträge  zur  Kasse  S.28.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  12.  und  27.— 
Bericht  des  Bibliothekars  S.  31.  — Dr.  Fr.  Raspe  t ,S.  11.  — Drude,  ().:  Die  Ent- 
wickelung der  „Technischen  Botanik“  bis  19(X)  S.  24.  — Engelhardt,  H.:  Vorlage 
Von  PÜanzcii  aus  Califnniien  S.  10. — Foerstcr,  Fr.;  Ueber  elektrische  Oefen  S.  19; 
Demon.«trationcn  S.  11.  — Hcmpel,  W.:  Vorkommen  des  Schwefels  in  der  Natur 
.S.  11.  — Nitsche,  U.:  Das  Renthier  als  Jagd-  nnd  Hanstbier  der  Polan-Ölker  S.26.— 
Schiller.  K.:  Vorlage  von  Apu»  productu»  S.  11,  von  Polypomi  giganteui  S.26.— 
Schlossmaun,  A.:  Die  biologischen  Anschauungen  des  l9.  Jahrhunderts  S.  26. — 
Wolf,  C. : lufectionskrankheiten  und  die  Art  der  Uebertragung  derselben  auf  den 
menschlichen  Körper  S.  1 1.  — Excursion  nach  Waldheim  S.  11,  nach  dem  K.  Femheiz- 
und  Klektrieitiitswerk  in  Dri'sden  ,S.  12,  nach  dem  Albertpark  in  Dresden  S.  26. 


. . . B.  Ahhaiidluugen. 

Deichmüller.  .1.:  Ein  verzierte.-  Steinbeil  ans  Sachsen,  Mit  1 Abbildmig.  S,  16. 
Frenzei,  A : Ueber  ein  Steinbeil  von  Halsbach.  Mit  2 Abbildungen.  S.  111. 
Kslkowskv,  E.*  Die  Verkie.selnng  der  Gesteine  in  der  nördlichen  Kalahari.  Mit 
3 tafeln.  S.  ön. 

Krause,  M.:  Charles  Hermite,’  S.  3. 

Nessig,  R.:  Tiefimhmug  in  der  Dresdner  Haide,  ,8.  14. 

l’etrascheck.W.;  üejrer  eine  Discordanz  zwischen  Kreide  nnd  Tertiär  bei  Dresden.  S.  108. 
Wiechel,  H.:  Die  ältesten  Wege  in  Sachsen.  Mit  1 Karte.  8.  18. 


/>!>  Autoren  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 
A hhandl  ungen . 


Die  Autoren  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wumsch  25  Sonder- Abzüge  gratis,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Erstattung 

der  Herstellungskosten. 


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t 

Dr.  Friedrich  Baspe. 

Am  7.  April  1901  verschied  in  Dresden  der  Chemiker  Dr.  Friedrich 
Raspe,  wirkliches  Mitglied  unserer  Gesellschaft  seit  1880. 

Friedrich  Rospe  wurde  am  15.  März  1836  in  Rostock  geboren,  wo  sein 
Vater  als  Professor  der  Rechte  an  der  Universität  wirkte.  Nach  dem 
Besuch  des  Gymnasiums  seiner  Vaterstadt  und  nach  dem  Abschluss  seiner 
Lehrzeit  als  Apotheker  in  Hamburg  war  er  mehrere  Jahre  als  Apotheker- 
gehülfe  in  Chemnitz  und  Gotha  thätig  und  studirte  dann  in  Rostock,  wo 
er  1862  den  Doctorgrad  erlangte.  1863  associirte  er  sich  mit  dem  Apo- 
theker Minder  in  Moskau,  um  eine  von  diesem  geplante,  mit  der  Apo- 
theke verbundene  Mineralwasserfabrik  einzurichten.  Durch  unermüdliche 
Thätigkeit  und  peinlichste  Sorgfalt  bei  der  Herstellung  der  künstlichen 
Mineralwässer  der  verschiedensten  Art  brachte  er  diese  Fabrik  schnell  zu 
grosser  Blüthe.  1866  verheirathete  er  sich  mit  Marie  Feuereisen  und 
lebte  mit  ihr  bis  zu  seinem  Tode  in  glücklichster,  durch  sieben  Kinder 
gesegneter  Ehe.  Die  anstrengende  Thätigkeit  und  das  für  ihn  ungünstige 
Klima  von  Moskau  erschütterten  seine  Gesundheit  leider  derart,  dass  er 
sich  genötbigt  sah,  1877  seinen  Wirkungskreis  aufzugeben;  seitdem  lebte 
er  mit  seiner  Familie  in  Dresden  in  leidlich  wiederhergestellter  Gesundheit. 

Die  unfreiwillige  Muse,  zu  der  der  energische  und  an  rastloses 
Schaffen  gewöhnte  Mann  schon  mit  41  Jahren  gezwungen  war,  füllte  er 
mit  praktischen  Arbeiten,  z.  B.  mit  der  Herstellung  von  Obstweinen,  vor 
allem  aber  mit  chemischen  Untersuchungen  und  litterarischen  Arbeiten 
aus  dem  Gebiete  seiner  früheren  Thätigkeit  aus.  1885  erschien  bei 
Wilhelm  Baensch  in  Dresden  sein  hervorragendes  Werk  „Heilquellen- 
Analysen  für  normale  Verhältnisse  und  zur  Mineralwasserfabrikation  be- 
rechnet auf  10000  Theile“,  in  welchem  alte  und  neue  Analysen  der  Heil- 
quellen fast  aller  Badeorte  der  Erde  kritisch  gesichtet  und  zum  Zwecke 
der  bequemeren  Handhabung  für  den  Fabrikanten  nach  einheitlichen  Ge- 
sichtspunkten umgerechnet  sind.  Die  hier  mit  ganz  ungewöhnlicher  Sorg- 
falt und  ausserordentlicher  Gewissenhaftigkeit  aufgestellten  Tabellen  bilden 
eine  wesentliche  Besonderheit  der  kurz  vor  Raspe’s  Hinscheideu  erschienenen 
vierten  Auflage  von  L.  von  Bertenson’s  „Heilwässer,  See-  und  Schlamm- 
bäder in  Russland  und  im  Auslande“,  ln  der  Vorrede  zu  diesem  Werke 
gedenkt  der  Verfasser  mit  besonderer  Dankbarkeit  der  mühevollen  und 
selbstlosen  Hülfe,  die  ihm  Raspe’s  bis  in  die  neueste  Zeit  fortgesetzten 
Untersuchungen  gewährt  haben.  Das  Material  für  den  grössten  Theil  einer 


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VI 


neuen  vermehrten  und  umgearbeiteten  Auflage  seines  umfangreichen  Werkes 
über  die  Heilquellen-Analysen  hat  Fr.  Raspe  hinterlassen.  Zahlreiche 
kleinere  Abhandlungen  aus  seiner  Feder  finden  sich  in  verschiedenen  Fach- 
zeitscliriften,  im  Archiv  für  Hygiene  eine  Arbeit  über  „Frauenmilch  und 
künstliche  Ernährung  der  Säuglinge“,  auf  Grund  eigener  Untersuchungen 
der  Milch  verschiedener  Frauen  von  der  ersten  Woche  bis  zum  vollendeten 
ersten  Lebensjahre  des  Säuglings;  in  den  achtziger  Jahren  in  der  Zeit- 
schrift für  Mineralwasserfabrikation  eine  Reihe  von  Aufsätzen,  in  denen  er 
das  Verfahren  der  Fabrikation  wesentlich  aufklärte  und  sich  ener^sch 
gegen  die  Kunstbrunnenwässer  ä la  Appollinaris  aussprach;  in  der  Zeit- 
schrift für  die  gesammte  Kohlensäure- Industrie  noch  1896  eine  Abhand- 
lung über  „Die  Angabe  der  Mineralwasser-Analysen  in  Form  von  Ionen“. 

Im  Jahre  1880  trat  der  Verewigte  als  wirkliches  Mitglied  in  unsere 
Gesellschaft  ein  und  nahm  mit  regem  Interesse  bis  kurz  vor  seinem  Tode 
an  den  Sitzungen  derselben  Theil,  selbst  durch  zahlreiche  kleinere  Mit- 
theiluugen,  Vorlagen  und  einzelne  grössere  Vorträge,  u.  a.  über  den  Ein- 
fluss der  Wasserleitung  und  der  Canalisation  auf  die  Infection  und  die 
Desinfection  des  Rodens,  über  Untersuchungen  der  Frauenmilch,  über  einen 
alten  Regräbnissplatz  bei  Moskau,  zur  Belebung  der  wissenschaftlichen  Ver- 
handlungen nicht  unwesentlich  beitragend.  In  den  Jahren  1883 — 1885 
gehörte  er  dem  Vorstände  der  Sectionen  für  Zoologie  und  für  vorgeschicht- 
liche Forschungen  an,  Anfang  1888  berief  ihn  das  Vertrauen  unserer  Mit- 
glieder in  den  Verwaltungsrath  der  Gesellschaft,  dem  er  bis  zu  seinem 
Tode  angehörte  und  als  dessen  Vorsitzender  er  in  den  Jahren  1891 — 1897 
die  vermögensrechtlichen  Angelegenheiten  der  Isis  mit  grosser  Hingebung 
leitete. 

Asthmatische  Leiden,  zu  denen  er  den  Grund  schon  früher  gelegt 
hatte,  quälten  ihn  seit  einigen  Jahren  derart,  dass  er  trotz  energischen 
Kampfes  seiner  Willenskraft  gegen  die  Leiden  seines  Körpers  allmählich 
jede  ernstliche  Arbeit  cinstellen  und  auch  den  Sitzungen  unserer  Gesell- 
schaft oftmals  fernbleiben  musste.  Am  7.  April  1901  verschied  er  nach 
kuiv;er  Krankheit  an  Herzlähmung,  betrauert  von  Allen,  die  ihm  im  Leben 
nahe  gestanden  und  seinen  scharfen  Verstand,  seine  Willenskraft  und  die 
unbedingte  Rechtlichkeit  seines  Charakters  kennen  gelernt  hatten.  Unsere 
Gesellschaft  wird  dem  V'ercwigten  in  dankbarer  Anerkennung  seiner  Ver- 
dienste ein  dauerndes  Andenken  bewahren. 


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Verzeichniss  der  Mitglieder 

der 

N atu  r Wissenschaft  liehen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden 


im  Juni  1901. 


Berichtigimgen  bittet  man  an  den  Secretär  der  GeaeUachaft, 
d.  Z.  Prof.  Ür.  J.  Y.  Ueichmilller  in  Dresden,  K.  Mineral. -geologisches  Unsenm  im 

Zwinger,  zu  richten. 


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I.  Wirkliche  Mitglieder. 

A.  in  Dresden.  j^r  der 

AuXotlune. 

1.  AlTengleben^  Lndw.  Osc.  von,  Landschaftsmaler,  Kaitzerstr.  7 1895 

2.  Baensch,  Wilh.,  Verla^buchhandlung;  nnd  Bucbdrnckerei,  Waisenhansstr.  34  1898 

3.  Barth,  Curt,  Dr.  phil.,  Chemiker  an  der  städtischen  Gasanstalt,  Künigsbrücker- 

strasse  97  1899 

4.  BaDmerer.  G.  Hermann,  Privatus,  Holbeinstr.  38 1852 

5.  Beck,  P.  Heinr.,  Bezirksschullehrer,  Lortzingstr.  15 1896 

6.  Beckel,  Ednard,  em.  Lehrer,  Schandanerstr.  33  1900 

7.  Becker,  Herrn.,  Dr.  med.,  Pragerstr.  46  1897 

8.  Beiger,  Gottl.  Kud.,  Bürgerschollehrer,  Wittenbergerstr.  67  1893 

9.  Berger,  Carl,  Dr.  raed.,  Struvestr.  14 1898 

10.  Bemkopf,  Georg,  Bildhauer,  Wittenbergerstr.  43  1900 

11.  Besser,  C.  Emst,  Professor  a.  D.,  LObtanerstr.  24  1863 

12.  Beyer,  Th. WashinWon,  Maschinenfabrikant,  Grossenhainerstr.  19  . . . . 1871 

13.  Beythlen,  Adolf,  Dr.  phil.,  Director  des  ehern.  Untersuchnngsamtes  der  Stadt 

Dresden,  Lothringerstr.  2 1900 

14.  Biedermann,  Pani,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Thierärztlichen  Hochschule 

und  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Rabenerstr.  7 1898 

15.  Bley,  W.  Carl,  Apothekenverwaltcr  am  Stadtkrankenhause,  Friedrichstr.  39  . 1862 

16.  Bock,  G.  Max.,  Dr.  phil,  Fabrikbesitzer,  Beethovenstr.  3 1900 

17.  Böttger,  Adolf,  Realschnloberlehrer,  ZSllnerstr.  19 1897 

18.  Bose,  C.  Mor.  von,  Dr.  phil.,  Chemiker,  I.eipzigcrstr.  11 1868 

19.  Bothe,  F.  Alb.,  Dr.  phil.,  Professor,  Conrector  an  der  Dreikönigschule,  Tieck- 

strasse  9 1859 

20.  Calberla,  Gnst.  Mor.,  Privatus,  BUrgerwiese  8 1846 

21.  Calberla,  Heinr.,  Privatus,  BUrgerwiese  8 1897 

22.  frusins,  Georg,  Dr.  plül.,  Privatus,  Lindengasse  24 1888 

23.  Cüppers,  Friedr.,  Kaufmann,  Comeniusstr.  43  1896 

24.  DefchinüHer,  Joh.  VicL,  Dr.  phil.,  Professor,  Custos  des  K.  Mineral.-geolog. 

Museums  nebst  der  Prähistor.  Sammlung,  Fürstenstr.  64  1874 

25.  Ilenso,  Paul,  Dr.,  Ingenieur,  Reichenbachstr.  13 1901 

26.  USring,  Herrn.,  BeziÄsschuloberlehrer,  Reissigerstr.  19 1885 

27.  Doering,  Carl,  Bezirksschullehrer,  an  der  Ziegelschenne  22 1899 

28.  Drude,  Osc.,  Dr.  phil..  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule 

und  Director  des  K.  Botanischen  Gartens,  Stllbel-Allee  2 1879 

29.  Ebert,  Gust.  Rob.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.,  Gr.  Plauenschestr.  15  ...  . 1863 

30.  Ebert,  Otto,  Lehrer  an  der  Taubstummenanstalt,  Löbtanerstr.  9 1885 

31.  FJinert,  Osc.  Max,  Vermessungsingenieur,  Zinzendorfstr.  50 . . . ' . . . . 1893 

32.  Engelhardt,  Bas.  von,  Dr.  phil.,  Kais.  Rnss.  Staatsrath,  Astronom,  Liebig- 

strasse  1 • 1884 

33.  EngelbardL  Herrn.,  Professor  an  der  Dreikönigschule,  Bautznerstr.  34 . . . 1865 

34.  Fischer,  Hugo  Rob.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Schnorr- 

strasse 57  1879 

35.  Flachs,  Rieh..  Dr.  med.,  Pragerstr.  21 1897 

36.  Foerster,  J.  S.  Friedr.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Werderstr.  23  1895 

37.  Freude,  Aug.  Bruno,  Bürgerschullehrer,  Peter.str.  40  1889 

38.  Freyer,  Carl,  Bürgerschullehrer,  Tittmannstr.  25  1896 


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X 


Jahr  der 
Attfnahm«, 

39.  Friedrich,  Edm.,  Dr.  med.,  Sanitätsrath,  Tjindeiigasse  20 18»i5 

■10.  Frölich,  (just.,  t Hofarchitect  und  Uofbauinspector,  Lndwig  Eichterstr.  9 . 1888 

41.  Galewstr,  Eng.  Eman.,  Dr.  med.,  Waisenliansstr.  8 1H99 

42.  Gebhardt,  Mart,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Vitzthmn’sohen  Gymnasium,  Winekcl-  ' * 

maunstr.  47  1894 

43.  Gelnitz,  C,  Leop.,  Bürean- Assistent  an  den  K.  Sächs.  Staatsbahnen,  Lindenan- 

strasse  10 1888 

44.  Glseke,  Carl,  Privatus,  Franklinstr.  9 1893 

45.  GraTelins,  Harry,  Dr.  phil.,  .\stronom,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Heissigerstr.  13 1897 

46.  Grosse,  C.  Job.,  Dr.  med.,  Kyffhäuserstr.  20  . . 1895 

47.  Grob,  Carl,  Stabsapotheker  a.  D.,  Hassestr.  6 1890 

48.  GrObler,  Mart.,  Kais.  Russ.  Staatsrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 
schule, Sedanstr.  18 1900 

49.  GrUndler,  .loh.,  Dr.  med.,  Comeniusstr.  31 1897 

50.  GUhne,  Herrn  Bemh.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule,  Jngerstr.  28  1896 

51.  Günther,  Rnd.  Biederm.,  Dr.  med..  Geh.  Rath,  Präsident  des  K.  Landes- 

medicinal  - Collegiums,  Eliasstr.  22  1873 

52.  Guthmann,  Louis,  Fabrikbesitzer,  Pragerstr.  34 18H4 

63.  Hünel,  F.  Paul,  Chemiker,  Hertclstr.  29  1899 

54.  Uallwschs,  Willi.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

MUnchnerstr.  2 1893 

65.  Hartmann,  Alb.,  Ingenieur,  Reichenbachstr.  11 1896 

66.  Uefelmann,  Rnd.,  Dr.  )ihil,  Chemiker,  Schreiber^se  6 1884 

57.  Heger,  GusL  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule  und 

am  Wettiner  (^■mna.sium,  Winckelmann.str.  37  1868 

58.  Heinrich,  Carl,  Buchdruckereihesitzer,  Nieritzstr.  14 1898 

69.  Heller,  Carl,  Dr.  phil.,  Custos  des  K.  Zoolog,  und  Antbrop.-ethnogr.  Museums, 

Franklin.str.  22  1900 

60.  Helm,  Georg  Ferd.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Lindenaustr.  1 a 1874 

61.  Hempel,  Waith.  Matthias,  Dr.  phil..  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Tech- 

nischen Hochschule,  Zelleschestr.  44  1874 

62.  Henke,  C.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor,  C'onrector  an  der  Annenschule,  Lindenan- 

strasse  9 1898 

63.  Hertwig,  Theod.,  Bergdirector  a.  D.,  Holbeinstr.  26  1888 

64.  Hirt,  F.  Roh.,  Stadtrath  a.  D.,  Fabrikbesitzer,  Bürgerwiese  1 1886 

65.  Hofmann,  Alex.  Emil,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrath,  Goethestr.  5 1866 

66.  Hoyer,  C.  Ernst,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  I.  Realschule,  Schubertstr.  29  1897 

67.  llObnen  Georg,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Am  Markt  3 und  4 1888 

68.  Jahr,  J.  Rieh.,  Photoebemiker,  Schubertstr.  15 1899 

69.  Jenke,  Andreas,  Bezirksschullehrer,  Circusstr.  10 1891 

70.  Jentsch,  Job.  Aug.,  Bezirksschullehrer,  Eisenbergerstr.  13 1885 

71.  Jöhling,  Frz.,  Streichinstrnm.-  und  Saitenfabrikant.  .Stephanienstr.  43  . . . 190o 

72.  Ihle,  Carl  Herrn.,  Professor  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt,  Kamenzerstr.  9 1894 

73.  Kümnitz,  Max,  Chemiker,  Bantzuerstr.  79  1894 

74.  Käseberg,  Mor.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Institutslehrer,  Kl.  Plauenschestr.  29  . . . 1886 

75.  Kalkowsky,  Ernst,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule 

und  Director  des  K.  Miner.-geolog.  Museums  nebst  der  Prähistor.  Sammlung, 
Franklinstr.  32 i 1894 

76.  Ka  Tser,  Agnes,  Sanitätsraths -Wittwe,  Terrassenufer  3 1883 

77.  Kelling,  Ein.  Georg,  Dr.  me<l.,  Cliristianstr.  30  1899 

78.  Kiähr,  Max.,  Kcalsclmllehrer.  Bergmannstr.  18 1899 

79.  Klein,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.,  Grosse  Plauenschestr.  16  ....  1863 

80.  Klette,  Alphons.  Privatus,  Residenzstr.  18 18K3 

81.  König,  Clem.,  Professor  am  K.  Gymna.sium  zu  Neustadt,  Katharineiistr.  16.  1890 

82.  Kopeke,  ClausB,  Geh.  Rath,  Strehlenerstr.  25  1877 

83.  Krause,  Mart.,  Dr.  phil..  Geh.  Hofratli,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

•schule,  Kaitzerstr.  12 1888 

84.  Krone,  Herrn..  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Josephinenstr.  2 18.52 

85.  KUhnseberf,  Emil,  Fabrikbesitzer,  Gr.  Platienschestr.  20  1866 

86.  Knntze,  F.  Alb.  Arth  . Bankier,  an  der  Kreuzkirche  1 1880 

87.  I,edebur,  Hans  Em.  Freiherr  von,  Friedensrichter,  Uhlandstr.  6 . ...  188.5 

88.  Ledlen,  Franz,  Garten-lnspeetor  am  K.  Botanischen  Garten,  Stübel-AUee  2 1889 


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XI 


Jahr  <Jcr 
Aufuabme. 

89.  Lehmann,  F.  Georg,  E.  Hofbachhändler,  Älbrecbtütr.  22 1898 

90.  Lenner,  F.  Osc.,  Ingenicnr,  Lannerstr.  3 1885 

91.  Lewirki,  J.  Leouidaa,  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Zelleschestr.  29  1875 

92.  Lohmann,  Haus,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Annenschnle,  Falkenstr.  7 1896 

93.  Lohrmann,  Emst,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  II.  Realschule,  Stnivestr.  34  1892 

94.  Lottermoser,  C.  A.  Alfred,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Zelleschestr.  31 1898 

95.  Ludwig,  J.  Herrn.,  Bezirksschullehrer,  Wintergartenstr.  58 1897 

96.  Hann,  ilax  Georg,  Dr.  med.,  Ostra-Allee  7 19(X) 

97.  Meier,  E.  F.  Gust.,  Gymnasiallehrer,  Gr.  Plauenschestr.  17/19 1900 

98.  Heinert,  Eug.,  Dr.  jur.,  Moltkeplatz  3 1895 

99.  Meissner,  Herrn.  Linus,  Blirgcrschullehrer,  Lobtauerstr.  24 1872 

100.  Menzel,  Faul.  Dr.  med.,  Hathildenstr.  46  1894 

101.  Meyer,  Ad.  Bernh.,  Dr.  med..  Geh.  Hofrath,  Director  des  K.  Zoolog  und 

Anthrop.-ethnogr.  Museums,  Wienerstr.  43  1875 

102.  Meyer,  Emst  von,  Dr.  phil,.  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Lessingstr.  6 1894 

103.  Modes,  Herrn.,  Ingenieur,  Antonstr,  18 1887 

104.  Hühlau,  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Semperstr.  4 1895 

106.  Mollier,  Roh.  Rieh.,  Dr  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Uhlandstr.  40  1897 

106.  Morgenstern,  Osc.  Wold.,  Oberlehrer  an  der  Annenschnle,  C'heninitzerstr.  21  1891 

107.  MDhlfrledel,  Rieh.,  Bezirksschuloberlelirer,  Ludwigstr.  1 1898 

108.  MUUer,  C.  Alb.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  öffentlichen  Handelslehranstalt, 

AJbrechLstr.  35  1888 

109.  Hflller,  Herrn.  Otto,  Forstassessor,  Cirensstr.  8 1896 

HO.  MUller,  Max  Erich,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Wasastr.  15 1898 

111.  Nanmann,  C.  Amo,  Dr.  phil.,  Assistent  am  K.  Ihjtanischeu  Garten  und  Lehrer 

an  der  Gartenbanschule,  Nicolaistr.  19 1889 

112.  Nessig,  Rob.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Dreikünigschnle,  Lutherplatz  9 . 1893 

113.  Niedner,  Chr.  Franz,  Dr.  med.,  Obermedicinalrath,  Stadtbezirksarzt,  Winckel- 

mannstrasse  33  1873 

114.  Nowotny,  Franz,  Oberfinanzrath  a.  D.,  Chemnitzerstr.  27  1870 

115.  Pattenhansen,  Bemh.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule  und 

Director  des  K.  Mathera.-physikal.  .Salons,  Eisenstuekstr.  43  1893 

116.  Panlack,  Theod.,  Apotheker,  I’anl  Gerhardtstr.  4 . 1898 

117.  Pestei,  Rieh.  Martin,  Mechaniker  und  Optiker,  Hanptstr.  1 und  3 . . . . 1899 

118.  Penckert,  F.  Adolf,  Institutslehrer,  Seilergasse  2 1873 

119.  Piltzner,  Paul,  Dr.  phil.,  Gymnasiallehrer,  Fiirstenstr.  3 1901 

120.  Piitschke,  Jul.,  Techniker,  Gärtnergaase  5 1882 

121.  Pohle,  Rieh.,  Ingenieur,  Schweizerstr.  12 1897 

122.  Polscher,  A.,  Zahnkünstler,  Pragerstr.  13 1897 

123.  Prinzhom,  Joh.  Ludw.,  Pastor  und  Director  a.  D.,  Zinzendorfstr.  13  . 1896 

124.  Pntscher,  J.  Wilh.,  Privatus,  Bergstr.  44  1872 

126.  Rabenhorst,  G.  I.udw.,  Privatus,  .Stolpenerstr.  8 1881 

126.  Bange,  E.  Alb.,  Finanz-  und  Bauratb,  Moltkeplatz  9 1898 

127.  Rebenstortr,  Herrn.  Alb.,  Oberlehrer  beim  K.  Cadettencorps,  Priessuitzstr.  2 1895 

128.  Retchardt,  Alex.  Wilibald,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Wettiner  Gymnasium, 

Chemnitzerstr.  35  1897 

129.  Renk,  Friedr.,  Dr.  med..  Geh.  Medicinalrath,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule  und  Director  der  Centralstelle  für  öffentliche  Gesundheitsptlege, 
Residenzstr.  16 1894 

130.  Richter,  C.  Wilh.,  Dr.  med.,  Hiihnel.str.  1 1898 

131.  Richter,  Conr.,  Oberlehrer  an  der  Annenschnle,  Leipzigerstr.  9 1895 

132.  Risch,  Osc.,  Privatus,  Gutzkowstr.  10 1893 

133.  Rühner,  C.  Wilh.,  Bezirksschullehrer,  Elisenstr.  16 ■ . 1898 

134.  Rohn,  Carl,  Dr.  phil..  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Liebig.str.  18 1885 

135.  Salbach,  Franz,  Ingenieur,  Victoriastr.  3 ...  1895 

136.  Schanz,  Alfr.,  Dr.  med.,  Räcknitzstr.  13 1897 

137.  t^heelc,  Curt.  Dr  phil.,  Oberlehrer  am  Wettiner  Gymnasium,  Blasewitzer- 

stnusse  13 1893 


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JUir  der 
Aufoaiime. 

138.  Schiller,  Carl,  Privatus,  Bautznerstr.  47  1872 

139.  ScblossDiann,  Arth.  Herrn.,  I)r.  med.,  Priratdocent  an  der  K.  Technischen 

Hoch.schnle,  Franklinstr.  7 1896 

140.  Schmidt,  Herrn.  G.,  Bezirkäschullehrer,  Niederwaldstr.  15 1898 

141.  Schneider.  Bemh.  Alfr.,  Dr.  phil.,  Corpsstahsapotheker,  KietscheUtr.  14  . . 1895 

142.  Schnuge,  \Vilh.,  Privatns,  Werderstr.  22  1901 

143.  Schöpf,  Adolf,  Betiiehsdirector  des  Zoologischen  Gartens,  Thiergartenstr.  1 1897 

144.  Schorler,  Bemh.,  llr.  phil.,  Realschullehrer  und  Assistent  an  der  K.  Tech- 

ni.scheu  Hochschule,  Haydnstr.  5 1887 

145.  Sehnlze,  Georg,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  DreikSnigschule,  Markgrafen- 

strasse 34  1891 

146.  Schulze,  Jul.  Ferd.,  Privatus,  Liebigstr.  2 1882 

147.  Schuster,  Osc.,  Generalmajor  z.  D.,  Sedanstr.  1 1869 

148.  Schwede,  Kud.,  Chemiker,  Gutzkowstr.  28  1901 

149.  Schweigsinger,  Otto,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Medicinalassessor,  Dippoldis- 

waldaerplalz  3 1890 

150.  Schweizer,  Mor.,  Bürgerschullehrer,  Kl.  Plnuenschestr.  12 1891 

151.  Seyde,  F.  Erii.st,  Kaufmann,  Strehlenerstr.  29 1891 

152.  Slegert,  Theod , Professor,  Antonstr.  16 1895 

153.  Slemeng,  Friedr.,  Dr.  ing.,  Civilingenieur  und  Fabrikbesitzer,  Liebigstr.  4 1872 

154.  Sieiiiers,  Auguste,  Privata,  Schnorrstr.  45  1872 

156.  Siemers,  Florentinc,  TonkUnstlers  Wittwe,  Schnorrstr.  46  1872 

156.  Stiefelhagen,  Hans,  Bezirksschullehrer,  Löttichaustr.  13 1897 

157.  Streit,  Willi.,  Verl^sbuch-  und  Kunsthilndler,  Uhlandstr.  8 1897 

158.  Stresemann,  Rieh.  Theod.,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Residenzstr.  42  ....  1897 

159.  Struve,  Alex.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer,  ßtravestr.  8 1898 

160.  Stiibei,  Mur.  Alphons,  Dr.  phil.,  Geolog,  Feldgasse  10 ia56 

161.  Stutz,  Ludw.,  Docent  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Schnorrstr.  38  . 1900 

162.  Teichiiiaiiii,  Balduin,  Major  a.  D.,  Coraeniusstr.  16 1896 

163.  Tempel,  Paul,  Oberlehrer  am  K.  Gymnasium  zu  Meustadt,  Markgrafen- 

strasse  37  1891 

164.  Thallwitz,  .loh.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Schnorrstr.  70  . 1888 

165.  Thiele,  Carl,  Apotheker,  Leipzigerstr.  60  1900 

166.  Thiele,  Kenn.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Winckelmannatr.  27  1895 

167.  Thonner,  Franz,  Pnvatns,  Uhlandstr.  9 1896 

168.  Toepler,  Ang.,  Dr.  phil.  et  med..  Geh.  Hofrath,  Professor  a.  D.,  Winckel- 

mannstr.  43  1877 

169.  Toepler,  Max.,  Dr.  phil.,  Privatdocent  und  Adjunct  an  der  K.  Techn.  Hoch- 

si  liule,  Winckelmannstr.  43  1896 

170.  lllbrlcbt,  F.  Rieh.,  Ur.  phil.,  Oberbaurath,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Strehlenerstr.  43  1885 

171.  l'inlanf,  Carl,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Dreikönij^chule,  Schillerstr.  40  . 1897 

172.  Vetters,  Civrl  W.  E..  em.  BUrgersc.huloherlchrer,  Görlitzerstr.  28  1865 

173.  Viehnieyer,  Hugo,  Bezirksschullehrer,  Reis.sigerstr.  21 1898 

174.  Vieth,  Joh.  von,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  K.  Gymnasium  zu  Kenstadt,  Amdt- 

stra.sse  6 1884 

175.  Vogel,  G.  Clem.,  Bezirk.sst^hullehrer,  Lindenaustr.  25  1894 

176.  Vogel,  J.  Carl,  Fabrikbesitzer,  Leubnitzerstr.  14 1881 

177.  Vorländer,  Horm.,  Privatns,  Parkstr.  2 1872 

178.  Wälimann,  Friedr.,  Bezirk.sschullehrer,  Hüblerstr.  10 1898 

179.  Wagner,  Paul,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  I.  Realschule,  Hüblerstr.  9 . . 1897 

180.  Walther,  Reinhold  Freiherr  von,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Schnorr.str.  40  1895 

181.  Weher,  Friedr.  Aug.,  Institutslehrer,  Cirensstr.  34  1865 

182.  Weigel,  Johannes,  Kaufmann,  Marienstr.  12 1894 

183.  Weisshach,  Rob.,  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Schnorrstr.  5 1877 

184.  Wertlier,  Johannes,  Dr.  med.,  Pragerstr.  15 1896 

185.  Wiechel,  Hugo,  Finanz-  und  Baurath,  Bismarckplatz  14 1880 

186.  Wilkeiis,  Carl,  Dr.  phil.,  Director  der  Steingutfabrik  von  Villeroy  & Boch, 

Leipzigerstr.  4 1876 

187.  Wittlng,  Alex.,  Dr.  phil.,  Oberhdirer  an  der  Kreuzschule,  W'aterloostr.  13  . 1886 

188.  Wobst,  Carl,  Professor  an  der  Annenschule,  Ammonstr.  78 1868 

189.  Worgitzky,  Eug.  Georg,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Kreuzschule,  Elisenstr.  28  1894 


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XIIT 


Jalir  dpr 
Aofnabmc. 

190.  Zenner,  Gast,  Dr.  pliil.,  Geh.  Rath,  Professor  a.  D.,  Lindenanstr.  1 a . . . 1874 

191.  ZIelke,  Otto,  Apotheker,  Altmarkt  10 1899 

19it.  Zipfel,  E.  Aug.,  Oberlehrer  nnd  Dirigent  der  II.  städtischen  Fortbildnngs- 

schnle,  Zöllnerstr.  7 1876 

193.  Zacbnppe,  F.  Ang.,  Finanz -Yermessungsingenienr,  Holbeinstr.  15  ....  1879 


B.  Ansserhalb  Dresden. 

194.  Beck,  Ant.  Rieh.,  Forstassessor  in  Tharandt 1896 

195.  Bergt,  Waith.,  Dr.  phil. , Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule  nnd 

Assistent  am  K.  Mineral.- geolog.  Museum,  in  Plauen  b.  Dr.,  Bienertstr.  19  1891 

196.  Boxberg,  Georg  von,  Rittergutsbesitzer  auf  Rehnsdorf  bei  Kamenz  . . . 1883 

197.  Carlowltz,  Carl  von,  K.  Kammerherr,  Majoratsherr  auf  Ijiebstadt  ....  1885 

198.  Contractor,  Noshirvan,  Student  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  . . 1899 

199.  Begenkolb,  Herrn.,  Rittergutsbesitzer  auf  Rottwerndorf  bei  Pirna  ....  1870 

200.  Dressier,  Heinr.,  Seminar-Oberlehrer  in  Plauen  b.  Dr.,  Reisewitzerstr.  30  . 1893 

201.  Drossbacb,  G.  P.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Freiberg 1897 

202.  Fjigelbardt,  Rnd.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Radebeul,  Goethestr.  7 . . . . 1896 

203.  FIckel,  Joh.,  Dr.  phil.,  Professor  am  Wettiner  Gymnasium,  in  Alt-Gruna, 

Pimai.schestr.  37  1894 

204.  Franeke,  Hugo,  Dr.  phil.,  Mineralog  in  Planen  b.  Dr.,  Rathhausstr.  5 . . . 1889 

205.  Frltzscbe,  Felix,  Privatu-s  in  Niederlössnitz,  Wilhelmstr.  2 1890 

206.  GOntber,  O.sw.,  Chemiker  in  Pirna,  Gartenstr 1899 

207.  Gttntber,  Rieh  , Architect  in  Blasewitz,  Forsthausstr.  7 1891 

208.  HShle,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Radebcnl,  Albert-str.  5 1897 

209.  Jaroby,  Julius,  K.  Uofjiiwelier  in  Blasewitz,  Emser  Allee  12 1882 

210.  Jentzsch,  Albin,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Kadebenl,  Goethestr.  181  . . 1896 

211.  Keil,  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.,  Fahrikbesitzer  in  Radebeul,  Garten- 

strasse  18 1873 

212.  Kessclm^er,  Charles,  Esqu.,  in  Bowdon,  Cheshire 1863 

213.  Klette,  Emil,  Privatus,  in  Trachenberge  b.  Dr.,  Kändlerstr.  8 .....  1895 

214.  Krutzseb,  Herrn.,  K.  Oberförster  in  Holinstein 1894 

215.  Lenlckl,  Emst,  Ingenieur,  Adjunct  an  der  K.  Technisehen  Hochschule,  in 

Plauen  b Dr.,  Berahardstr.  20  1898 

216.  Müller,  Rnd.  Ludw.,  Dr.  med.  in  Blasewitz,  Friedrich  Auguststr.  25  . . . 1877 

217.  Naetseh,  Emil,  Dr.  phil , Privatdocent  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  in 

Blasewitz,  Striesenerstr.  5 1896 

218.  Naumann,  Brano,  Geh.  Commerzienrath  in  Loschwitz,  Bautznerstr.  20  . . 1900 

219.  Osborne,  Wilh.,  Privatus  in  .Serkowitz.  Wasastr.  1 1876 

220.  Osborne,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  in  Serkowitz,  Wasastr.  1 1898 

221.  Osterinaier,  .Toseph.  Kaufmann  in  Blasewitz,  .Striesenerstr.  27  1896 

222.  Petrascheck,  Wilh.,  Dr.  phil.,  .\ssi.stent  am  mineralog.  Institut  der  K. 

Technischen  Hochschule,  in  Planen  b.  Dr.,  Hohestr.  17 1900 

223.  Relblscb,  Theod.,  Privatlehrer  in  Plauen  b.  Dr.,  Bienertstr.  24  1851 

224.  Richter,  F.  Arth,,  Privatus  in  Blasewitz.  Marsehall-Allee  18 1899 

225.  Scheidbauer,  Rieh.,  Civilingenieur  in  Bla.sewitz,  Thielaustr.  4 1898 


rsvuiritriy  xji,,  a aa.  iii  j aooo 

227.  Schunke,  Th.  Huldreich,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer,  in  Blasewitz,  Waldpark- 

ötrftssc  ^ 1 

228.  Seidel,  T.  .1.  Rudolf,  Kunst-  und  Handclsgärtner  in  I.aubegast,  Uferstr  7 . 1899 

229.  Süg«,  P.,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Technischen  Hoch.schule,  in  Blase- 

witz, Dühnaerstr.  4 1899 

230.  Tbogg,  Fr.  Aug.,  Seminaroberlehrer  in  Plauen  b.  Dr.,  Hohestr.  56  ...  . 1898 

231.  ThUmer,  Ant.  Jul.,  Institutsdirector  in  Bla-sewitz,  Residenzstr.  12  ...  . 1872 

232.  Weber,  Rieh.,  Apotheker  in  Künigstein  a.  E 1893 

233.  Welnmelstcr,  Joh.  Philipp,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in 

Tharandt 1900 

2.34.  Wlsllcenus,  Adolf,  Drjihil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  1899 

235.  Wolf,  Curt,  Dr,  med..  K.  Polizeiarzt  in  Plauen  b.  Dr.,  Rei.sewitzerstr.  22  . 1894 

236.  Wolf,  Theod.,  Dr.  phil.,  Privatgelehrtcr  in  Plauen  b.  Dr.,  Hohestr.  15  . . . 1891 

2.37.  Zschao,  E.  Fchgtt,  Professor  a.  D.  in  Plauen  b.  Dr.,  Poststr.  6 1849 


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XIV 


.lahr  der 
A»fn&hise. 


1.  Agasslz,  Alex.,  Dr.  phil.,  Cnrator  a.  D.  des  Mnsenms  of  Comparative  Zoologj-  in 

Cambridge,  Hass 1877 

2.  Caras,  Jul.  Viet..,  I)r.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Leipzig  . . . 1869 

3.  Credner,  Henu.,  Ur.  phil.,  t)eh.  Bergrath,  Professor  an  der  Universität  und 

Uirector  der  geologischen  Ijandesiintersnohnng  de.s  Königreichs  Sachsen  in 
Leipzig (1869)1895 

4.  Flilgel,  Felix,  Dr.  phil.,  Vertreter  der  Smithsonian  Institution  in  Leipzig  . 18.55 

5.  Galle,  .1.  0.,  Dr.  phil.,  Oeh.  Regierungsrath,  Professor  a.  D.  in  Potsdam  . . 1866 

6.  Haughton,  Rev.  Sam.,  Professor  am  Trinity  College  in  Dublin 1862 

7.  Jones,  T.  Rupert,  Professor  a.  D.  in  London 1878 

8.  KSllirker,  Alb.  von,  Dr.,  Geh.  Rath,  Professor  an  der  Universität  in  Würzbnrg  1866 

9.  Laube,  Gust.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Pra^ 1870 

10.  Ludwig,  Friedr.,  Dr.  phil.,  Professor  am  Gymnasium  in  Greiz.  . . . (1887)1895 

11.  Magnus,  Paul,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Berlin 1895 

12.  Mercklln,  Carl  von,  Dr.,  Geh.  Rath,  in  Petersburg 18t>8 

13.  Möhl,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Professor  in  Kassel 1875 

14.  Kitsche,  Ilinr.,  Dr.  phil..  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in 

Tharandt • 1893 

15.  Kostiz-Wallwrltz,  Herrn,  von,  Dr.,  Staatsminister  a.  D.  in  Dresden,  Kaiser 

Wilhelmsplatz  10 1869 

16.  Omboni,  Giov.,  Professor  an  der  Universität  in  Padua 1868 

17.  Silva,  Mig.  Ant.  da,  Professor  an  der  Ecole  centrale  in  Rio  de  Janeiro  . . 1868 

18.  Stäche,  Guido,  Dr.  phil.,  K.  K.  Oberbergrath , Director  der  K.  K.  Geolo- 

gischen Reichsanstalt  in  Wien (1877)1894 

19.  Tschermak,  Gst.,  Dr.,  Hofrath,  Professor  an  der  Universität  in  Wien  . . . 1869 

20.  Verbeek,  Rogier  D.  M.,  Dr.  phil.,  Director  der  geologischen  Landesuntersnchung 

von  Niederländisch-!  ndien  in  Bnitenzorg Is85 

21.  Virchowr,  Rud.,  Dr.  med.,  Geh.  Medicinslrath,  Professor  an  der  Universität  in  Berlin  1871 

22.  Wolf,  Frz.,  Dr.  phil.,  Professor,  Realschnidirector  in  Rochlitz 1895 

23.  /enner,  Gust.,  Dr.  phil..  Geh.  Rath,  Professor  a.  D.  in  Dresden,  Lindenaustr.  la  1874 

24.  Zirkel,  Ferd.,  Dr.  phil..  Geh.  Rath,  Professor  an  der  Universität  in  Leipzig  . . 1895 


III.  Correspondirende  Mitglieder. 


1.  Alberti,  Oac.  von,  Bergaiutsrcferendar  in  Freiberg 1890 

2.  Alteiikirch,  Gust.  Mor.,  Dr.  phiU  Realschullehrer  in  Üschatz 1892 

.3.  Amtbor,  C.  E.  A.,  Dr.  phil,  in  Hannover 1877 

4.  Ancona,  Cesare  de,  Dr.,  Professor  am  R.  Instituto  di  studi  snperiori  in  Florenz  1863 

5.  Ardissone,  Frz.,  Dr.  phil.,  Professor  an  dem  Technischen  Institut  und  der 

Ackerbauscliiile  in  Mailand 1880 

6.  Artzt,  Ant.,  Verme.ssungsingenieur  in  Planen  i.  V 1883 

7.  Asclierson,  Paul.  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Berlin  ....  1870 

8.  Bachniann,  Ewald,  Dr.  phil,  Professor  an  der  Realschule  in  Planen  i.  V.  . 1883 

9.  Kaesslcr,  Herrn.,  Director  der  Strafanstalt  in  Voigtsberg  1866 

10.  lialdunf,  Rieh.,  Bergdircctor  in  Dux 1878 

11.  lialtzcr,  Armin,  Dr.  phil,  Professor  an  der  Universität  in  Bern 1883 

12.  Iternhardl,  .loh.,  Landbauinspector  in  Altenburg 1891 

13.  Ulbllothck,  Königliche,  in  Berlin 1882 

14.  lllanford.  Will  T.,  Esqu.,  in  London 1862 

15.  lllaschka,  Rud.,  naturwissen.sch.  Modelleur  in  Hosterwitz 1880 

16.  Itlochiiiann,  Rud.,  Dr.  phil,  Physiker  am  Marine-Laboratorium  in  Kiel  . . 1890 

17.  Bonibicci,  Lnigi,  Professor  an  der  Universität  in  Bologna 1869 

18.  Bruslna,  .Spiridion,  Professor  an  der  Universität  in  Agram 1870 

19.  Bnreau,  Fhl,  Dr.,  Professor  am  natnrhistor.  Museum  in  Paris 1868 

20.  Carstens,  C.  Dietr.,  Ingenicnr  in  Varel 1874 

21.  Conw'cntz,  Hugo  Wilh.,  Dr.  phil,  Professor,  Director  des  Westpreuss  Pro- 

vincialmuscums  in  Danzig 1886 

22.  Danzig,  Emil,  Dr  phil,  Oberlehrer  an  der  Realschule  in  Rochlitz  ....  1883 

23.  Dathe,  Ernst,  Dr.  phil,  K.  Preuss.  I.andesgeolog  in  Berlin 1880 


n.  Ehrenmitglieder. 


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XV 

Jahr  d«r 
AQfn&bme. 

24.  DIttmarscb,  A.,  Bergschuldirector  in  Zwickan 1870 

25.  1)811,  Ed.,  Dr.,  Oberrealscbnldirector  in  Wien 1864 

26.  Wo8S,  Brnno.  Dr.  phil.,  Doeent  am  Kais.  Polytechnikum  in  Riga 1888 

27.  Pzlednszycki,  Wladimir  Graf,  in  Lemberg 1852 

28.  Eiael,  Kob.,  Privatus  in  Gera  1857 

29.  Flohr,  Conrad,  Ämtagerichtsrath,  Amt.srichter  in  Leipzig 1879 

30.  French,  C.,  Esqn.,  Govemement  Entomologist  in  Melbourne 1877 

31 . Frenzel,  A.,  Dr.  phil.,  Lehrer  an  der  Bergschule  und  K.  Hüttcnohemiker  in  Freiberg  1872 

32.  Friederieh,  A.,  Dr.  med.,  Sanitätsratn  in  Wernigerode 1881 

33.  Friedrich,  Üsc.,  Dr.  phil.,  Professor,  Conrector  am  Gymnasinm  in  Zittau  1872 

34.  Fritsch,  Ant.,  Dr.  med.,  Professor  an  der  Universität  und  Custns  nra  liühmi- 

scheu  Landesmuseum  in  Prag 1867 

35.  Gandry,  Alb.,  Dr.,  Membre  de  l'Institut,  Professor  am  natnrhistorischen 

Museum  in  Paris 1868 

36.  (leheeb,  Adelb.,  Apotheker  in  Freibnrg  i.  Br 1877 

37.  Geinitz,  Frz.  Eug.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Rostock  . . . 1877 

38.  Gonncrmann,  Max,  Dr.  phil.,  Apotheker  und  Chemiker  in  Rostock  . . . 1865 

39.  Groth,  Paul,  Dr.  phil,  Professor  an  der  Universität  in  München 1865 

40.  llartung,  II.,  Bergmeister  in  Lobenstein 1867 

41.  Heim,  Alb., Dr.  phil.,  Professor  an  derUniversität  und  am  Polytechnikum  in  Zürich  1872 

42.  Heine,  Ferd.,  K.  DomänenpKchter  und  Klostergnt.sbesitzer  auf  Hadraersleben  186.3 

43.  Hennig,  Georg  Rieh.,  Dr.  phil,  Docent  am  Kais.  Polytechnikum  in  Riga  1888 

44.  Herb,  Salinendirector  in  Traunstein 1862 

45.  Hering,  C.  Adolf,  Berg-  und  Hütteningenieur  in  Freiberg 1895 

46.  Herrmann,  Willi.,  Dr.  tbeol.  et  phil,  Professor  an  der  Universität  in  Marburg  1862 

47.  Hibacb,  Emanuel,  Dr.  phil,  Professor  an  der  Höh.  Ackerbanschule  in  Lieb- 

werd  bei  Tetschen . 1885 

48.  Hllgard,  W.  Eug.,  Professor  an  der  Universität  in  Berkeley,  Californien  . . 1869 

49.  Hilgendorf,  Frz.,  Dr.  phil,  Professor,  Cnstos  am  K.  zoolog.  Museum  in  Berlin  1871 

50.  Hirzel,  Heinr.,  Dr.  phil,  Professor  a.  D.  in  Leipzig 1862 

51.  Hofmann,  Herrn.,  Bürgerschullehrer  in  Grossenlmin 1894 

52.  Hübner,  Ad.,  Oberbütteumeister  auf  der  HalsbrUckner  Hütte  bei  Freiberg  . 1871 

53.  Hüll,  Ed.,  Dr.,  Professor  in  London 1870 

54.  Israel,  A.,  Oberschnlrath,  Seminardirector  a I).  in  Blasewitz 1868 

55.  Issel,  Arth..  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Genua 1874 

56.  Jentzscb,  Alfr.,  Dr.  phil,  Professor,  K.  Preuss.  Landesgeolog  in  Berlin  . 1871 

57.  lesselmeyer,  Wilh.,  in  Manchester 1863 

58.  Klrbaeb,  Fr.  Paul,  Dr.  phil,  Oberlehrer  an  der  Realschule  in  Mei.ssen  . . 1894 

59.  Klein,  Herrn.,  Herausgeber  der  „Gaca“  in  Köln 1865 

»Ml.  Kühler,  Emst,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer  a I).  in  Schneeberg 1858 

61.  Künig  von  Warthausen , VV'ilh.  Rieh.  Freiherr  von,  Kammerherr  auf  Wart- 

hausen bei  Biberach 1855 

62.  Kornhnber,  Andreas  von,  Dr.,  Professor  am  Polytechnikum  in  Wien  . . . 1857 

63.  Krebs,  Wilh.,  Privatgelehrter  in  Altona 1885 

64.  Krieger,  W.,  Lehrer  in  König.stein 1888 

65.  Kühn,  Eni.,  Dr.  phil,  Schulratb.  Bezirkssclmlinspec.tor  in  Leipzig  ....  1865 

66.  Kyber,  Arth,,  Chemiker  in  Riga 1870 

67.  Lange,  Theod.,  Dr.  phil,  Apotheker  in  Werningshausen 18!K) 

68.  Ijanzi,  Matthaens,  Dr.  med.,  in  Rom 1880 

69.  Lapparent,  Alb.  de,  Ingenieur  des  mines,  Professor  in  Paris I8f>8 

70.  Lefevre,  Theod,  Dr.,  in  Brflssel 1876 

71.  Le  Jolls,  Aug.,  Dr.  phil,  Präsident  der  Soeiöte  nation.  de,s  Sciences  natnr. 

et  mathöm.  in  Cherbourg 1866 

72.  Leonhardt,  Otto  Emil,  Seminaroberlehrer  in  Nossen 1890 

73.  Lüttke,  Joh.,  Dr.  phil,  Fabrikbesitzer  in  Hamburg 1884 

74.  Mayer,  Cliarles,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Zürich 1869 

75.  Mehnrrt,  Ernst,  Dr.  phil,  Seminaroberlehrer  in  Pirna 1882 

76.  Menzel,  Carl,  Obcrbergratli,  Bergamt.srath  in  Freiberg 1869 

77.  Müller,  Valerian  von,  Kais.  Russ.  Staatarath,  Oberberghauptmann  in  Peters- 

burg   1 869 

78.  Naschold,  Heinr.,  Dr.  phil,  Fabrikbesitzer  in  Aussig 1866 

79.  Nanmann,  Emst,  Dr.  phil,  Geolog  in  Berlin ■ . . . 1898 

80.  Nanmann,  Ferd.,  Dr.  med.,  Marinestabsarzt  a.  D.  in  Gera 1889 

81.  Naumann,  Herrn.,  Professor  an  der  Realschule  in  Bautzen 1884 


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XVI 


J«br  der 
Aufnahme. 

82.  Nobbe,Friedr.,Dr. phil.,  Qeh. Hofrath, Frof.anderK.Forstakademie  inTharandt  1864 

83.  Pabst,  Mor.,  Dr.  pliil.,  Professor,  Conrector  am  Kealgymnasium  in  Chemnitz  1866 

84.  Pabst,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Custos  der  naturhistor.  Sammlungen  in  Uotha  . . 1881 

85.  Pap(^rltz,  Erwin,  Dr.  phil.,  Oherbergrath,  Professor  an  der  K.  Bergakademie 

in  Freiberg 1886 

86.  Pescbel,  Emst,  Lehrer  in  Nünchritz 1899 

87.  Petennann,  A.,  Dr.,  Director  der  Station  agronomiqne  in  Gemblonz  . . . 1868 

88.  Plgorini,  L.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  und  Director  des  Mnsenms 

Kircherianum  in  Rom 1876 

89.  Prasse,  Emst  Alfr.,  Betriebsingenienr  a.  D.  in  Leipzig 1866 

90.  Rebmann,  Antoni,  Dr.,  Professur  an  der  Universität  in  Lemberg  ....  1869 

91.  Reiche,  Carl,  Dr.  phil.,  in  Bantiago,  Chile 18K6 

92.  Reidemelster,  C.,  Dr.  phil.,  Fabnkdirector  in  Schönebeck 1884 

9,3.  Schimpfk}',  Pani  Rieh.,  Lehrer  in  Lommatzsch 1894 

94.  Sclillenen,  H.  L.  von.  Oberst  z.  D.  in  Radebenl 1862 

95.  Schneider,  Osc.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.  in  Blasewitz 1863 

96.  Schnorr,  Veit  Hanns,  Professor  a.  D.  in  Zwickau 1867 

97.  Schreiber,  Paul,  Dr.  phil.,  Profes.sor,  Director  des  K.  Sächs.  Meteorolog. 

Instituts  in  Chemnitz 1888 

98.  Scott,  Dr.  phil.,  Director  der  Meteorological  Office  in  London 1862 

99.  Seidel,  Osc.  Mor.,  Seminaroberlchrer  in  Z.schopau 1883 

100.  Seidel,  Ueinr.  Berah,,  Seminaroherlehrer  in  Zschorau 1872 

101.  Seldlitz,  Georg  von.  Dr.  phil , in  Ludwigsort  bei  Königsberg  i.  Pr.  ...  1868 

102.  Sieber,  Georg,  Rittergutspächter  in  Grossgrabe  bei  Kamenz 1879 

103.  Sonntag,  F , Privatus  in  Berlin 1869 

104.  Stange,  Waith.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Hamburg 1885 

105.  Stephani,  Franz,  Kaufmann  in  Leipzig 1893 

106.  Stcrzel,  Joh.  Traug.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  I.  höheren  Mädchenschule 

in  Chemnitz 1876 

107.  Steuer,  Alex.,  Dr.  phil.,  Grossherzogi.  Hess.  Landesgeolog  in  Damistadt  . 1888 

108.  Stevenson,  John  J.,  Professor  an  der  University  of  the  City  in  New-York  1892 

109.  Stosgich,  Mich.,  Professor  in  Triest 1860 

110.  Teniple,  Rud.,  Director  des  Landesversicherungsamts  in  Pesth 1869 

111.  Ulbricht,  R.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.  in  Dahme 1884 

112.  Ulrich,  George  H.  F.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Dnnedin, 

Neu- Seeland 1876 

113.  Vater,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  . 1882 

114.  Vetters,  K.,  Dr.  phil.,  Professor  an  den  Technischen  Staatslehranstalten  in 

Chemnitz 1884 

115.  Voigt,  Bernh.,  Stenerrath,  Bezirksstenerinspector  in  Chemnitz 1867 

116.  Voretzsch,  Max,  Dr.  phil.,  Professor  am  Hcrzogl.  Emst-Realgymnasium  in 

Altenbnrg 1893 

117.  Wartmann,  B.,  Dr.  med.,  Professor  in  St.  Gallen 1861 

118.  Weinland,  Dav.  Friede.,  Dr.,  in  Hoben  Wittlingen  bei  Urach 1861 

119.  Weise,  Ang.,  Buchhalter  in  Ebersbach 1881 

120.  Welemeiisky,  Jac.,  Dr.  med.  in  Prag 1882 

121.  White,  Charles,  Dr.,  Curator  am  National -Museum  in  Washington  . . . 1893 

122.  Wiesner,  Jul..  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Wien 1868 

123.  WollT,  F.  A.,  .Seminaroberlehrer  in  Pirna 1883 

124.  Wilusche,  F.  Otto,  Dr.  phil,  Profc.ssor  am  Gymnasium  in  Zwickau  . . . 1869 

125.  Ziinmermann,  Osc.,  Dr.  phil,  Professor  am  Realgymna.sium  in  Chemnitz  . 1880 


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Sitzungsberichte 

der 

N aturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in.  Dresden. 

1901. 


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I.  Section  für  Zoologie. 


Erste  Sitzung  am  21.  Febmar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 
Nitsche.  — Anwesend  30  Mitglieder  und  Gäste. 

Herr  K.  Ribbe  als  Gast  berichtet  über  die  von  ihm  angestellten 
Versuche,  durch  Einwirkung  hoher  und  niederer  Temperaturen  auf  die 
Jugendstadien  Schmetterlingsvarietäten  künstlich  zu  erzeugen. 

Verwendet  wurden  hierzu  Vanessa  Jo,  V,  Atalanta,  V.  Polychloros , V.  Urticae 
und  F.  Antiopa.  Die  Ergebiüsse  dieser  Znchtversuche  werden  vorgelegt. 

Der  V’orsitzende  lässt  folgende  mit  dem  Inhalt  des  Vortrags  in 
Beziehung  stehende  Werke  herumgehen: 

Weismann,  A.:  Studien  zur  Descendenztheorie.  I.  Ueber  den  .Saisondimor- 
pbismus  der  .Schmetterlinge.  Leipzig  1875; 

Derselbe:  Nene  Versuche  zum  .Saisondimorphismus  der  Schmetterlinge. 
.Jena  1895; 

Fischer,  E.:  Transmutation  der  Schmetterlinge  infolge  Temperaturänderungen. 
Berlin  1895; 

Derselbe:  Experimentelle  Untersuchungen  und  Betrachtungen  über  das  Wesen 
und  die  Ursachen  der  Aberrationen  in  der  FaltergmppeVanessa.  Berlin  1896. 

Privatus  K.  Schiller  legt  eine  der  Mediterranfauna  angehörige  Heu- 
schrecke Acridium  tartaricum  (=  A.  aegyptium  L.)  in  einem  frischen, 
nach  Dresden  mit  italienischem  Gemüse  cingeschleppten  Exemplare  vor 
und  erläutert  deren  Unterschiede  von  der  eigentlichen  Wanderheuschrecke. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  über  den  Stimmapparat  der  Cicaden 
unter  Vorlegung  von  Präparaten. 


ZweiteSitznngamll.  April  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H.  Nitsche. 
— Anwesend  35  Mitglieder  und  1 Gast. 

Bibliothekar  K.  Schiller  legt  als  neue  Erwerbung  vor: 

Abhandlungen  der  .Senckenhergischen  naturforschenden  Gesellschaft,  Band  XXV, 
Heft  1 und  2. 

Bezirksschullehrer  H.  Viehmeyer  hält  einen  Vortrag  über  die  Frage: 
Wie  finden  die  Ameisen  den  Weg  zu  ihrem  Neste  zurück?  Als 
einschlägige  Litteratur  legt  der  Vortragende  vor: 

Lubbock,  J.:  Ameisen,  Bienen  und  Wespen.  Beobachtung  u.s.w.  Leipzig  1883; 
Derselbe:  Die  Sinne  und  das  geistige  Leben  der  Thiere,  insbesondere  der 
Insecten.  Leipzig  1899; 

Weismann,  A.:  Wie  sehen  die  Insecten?  Deutsche  Kundschau  1895,  Heft  9; 


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4 


Was  mann,  E.:  Die  psychischen  Fähigkeiten  der  Ameisen.  Mit  3 Taf. 
Stuttgart  1899; 

Bethe,  A.:  Dürfen  wir  den  Ameisen  und  Bienen  psychische  Qualitäten  zn- 
schreiben?  Bonn  1898. 

Anschliessend  hieran  referirt  der  Vorsitzende  über  einige  von  C.  Chun 
während  der  Reise  der  „Valdivia“  gemachte  Beobachtungen  über  tro- 
pische Ameisen. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  legt  den  frischen  Kopf  eines  vor  wenigen 
Tagen  in  Grünberg  bei  Hermsdorf,  12  km  nördlich  von  Dresden  erlegten 
Kranichs  vor  und  bespricht  Kopfgefieder  und  Schnabelbau. 

Gustos  Dr.  K.  Heller  hält  unter  Vorlegung  von  Skelett-  und  Eier- 
abbildungen einen  Vortrag  über  die  ausgestorbenen  madagassischen 
Riesenstrausse. 

Dritte  Sitzung  am  20.  Juni  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath.  Prof. 
Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend  27  Mitglieder. 

Privatus  K.  Schiller  bespricht  die  Gattungskennzeichen  der  iu 
Sachsen  vorkommenden  Hydrachuiden  unter  Vorlegung  einiger 
lebender  Thiere,  mikroskopischer  Präparate  und  besonders  vieler  selbst- 
gefertigter Abbildungen. 

Auf  Anregung  des  Vorsitzenden  wird  der  Vortragende  gebeten,  die  instnictive,  an 
der  schwarzen  Tafel  vorgeführte  Bestimmungstabellc  der  Gattungen  mit  erläuternden 
Abbildungen  für  die  Abhandlungen  der  Gesellschaft  anszuarbeiten. 

Es  circulirt  ein  von  Chemiker  A.  Richter  mitgebrachter  Querschnitt 
eines  Elephantenstosszahnes  mit  eingewachsener  Bleikugel. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  über  die  von  ihm  auf  einem 
Frühjahrsausfluge  gewonnenen  zoologischen  Reiseeindrücke  in  Süd- 
ungarn unter  Vorlegung  verschiedener  Objecte. 

Erläutert  wird  der  Vortrag  durch  Projectionsbilder,  unter  denen  Originalaufnahnien 
von  Seeadlerborsten  und  ein  Seeadlerflugbild  hervorzuheben  sind. 


II.  Section  für  Botanik. 


Erste  Sitzung  am  10.  Januar  1901  (in  Gemeinschaft  mit  der  Section 
für  Zoologie).  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend 
68  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  begrüsst  die  Versammlung  im  begonnenen  neuen 
Jahrhundert  und  hebt  hervor,  dass  das  für  den  heutigen  Abend  zum  Doppel- 
vortrag von  botanischer  und  zoologischer  Seite  gewählte  Thema  dazu  be- 
stimmt sei,  einen  Rückblick  auf  eine  der  gewaltigsten  Leistungen  in  der 
letzten  Hälfte  des  verflossenen  Jahrhunderts  zu  veranstalten  und  Umschau 
zu  halten,  welchen  Einfluss  diese  Leistungen  auf  die  weitere  Forschung 
unserer  Zeit  zu  nehmen  haben. 

Vor  Beginn  der  Vorträge  wird  ein  lebender  Zweig  von  Pinus  Pinasü^ 
= P.  maritima  mit  Zapfen  aus  Südfrankreich  vorgelegt; 


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ferner  demonstrirt  Institutsdirector  A.  Thümer  sein  grosses  Mikro- 
skop von  Leitz  in  Wetzlar,  dessen  Vergleich  mit  dem  ähnlichen  von 
Seibert  in  Wetzlar  gewünscht  worden  war. 

Der  Doppelvortrag  über  neuere  Anschauungen  auf  dem  Gebiete 
der  Descendenztheorio  wird  dann  von  Geh.  Ilofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude 
und  Prof.  Dr.  H.  Nitscho  in  gegenseitiger  Ergänzung  gehalten,  woran 
sich  ein  lebhafter  Meinungsaustausch  im  Anschluss  an  einige  neuerdings 
erschienene  Bücher  anknüpft. 

Im  botanischen  Tlieil  bespricht  vom  botanischen  Standpunkte  O.  Drude  die  von 
Sachs  aufgestellten  „Architypen“  mit  den  von  von  “SVettstein  daran  angekuilpften 
Moditicationen  und  sucht  dieselben  mit  den  von  Koken  („Die  Vorwelt  und  ihre  Knt- 
wickelungsifeschichte“,  1893)  ausgesprochenen  Ideen  Uber  die  sehr  frühzeitige  Trennung 
der  wesentlichsten  Thiertypen  in  Kinklang  zu  setzen. 

Vom  zoologischen  Standpunkte  unterzieht  H.  Kitsche  Fleischmann's  Buch: 
„Die  Descendenztheorie“  einer  eingehenden  Kritik. 


Zweite  Sitzung  am  7.  März  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof. 
Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  32  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  an  neuerer  Litteratur  vor: 

Plowright,  Ch.:  A monograpli  of  the  British  üredincae  and  üstilagineae. 
London  1899 ; 

Dalla  Torre  und  L.  Graf  von  Sarntheim;  Die  Litteratur  der  Flora  von 
Tirol,  Vorarlberg  und  Liechtenstein.  Innsbruck  1900; 

kluller,  K.:  Genera  muscorum  frondosorum.  Leipzig  1901; 

Mac  Millan,  C.:  Minnesota  plant  life.  St.  Paul,  Minnesota  1899; 

Wissenschaftliche  Beiträge  zum  Gedächtuiss  der  100jährigen  Wiederkehr 
des  Antritts  von  L.  von  Iluraboldt's  Iteise  nach  Amerika  am  5.  .luni  1799. 
Ges.  für  Krdkimde  zu  Berlin  1899l 

Forstassessor  U.  Beck  hält  einen  Vortrag  über  einige  Parasiten 
von  forstlicher  Bedeutung  unter  Vorlage  natürlichen  Demonstrations- 
materials und  entsprechender  Abbildungen. 

Vortragender  be.spricht  unter  Berück.sicbtigung  der  Lebensweise  und  der  wirksamen 
Gegenmittel  von  den  Wurzelparasiten:  Agaricu«  mclleus  und  Trnmetes  radiciptrda, 
von  Stammparasiten:  Trametes  pini,  von  Kindenpara.siten : die  krebserzeugenden  Nectricu 
und  vor  allem  Peziza  iVillkommii,  den  Lärchenkrebs,  schliesslich  von  Nadelparasiten; 
Htjsterium  Finaatri,  welches  die  Pilzsebütte  erzeugt. 

Zu  einer  Aussprache  regt  eine  Bemerkung  des  Prof.  Dr.  H.  Nitsche 
an,  welcher  eine  eigene  Erfahrung  über  das  Leuchten  der  Hallimasch- 
Mycelien  mittheilt. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  berichtet  über  eine  den  Holzzuwachs 
beim  Lärchen  krebs  betreffende  Beobachtung  Sorauer’s. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  macht  auf  die  Schwierigkeit  der  Bekämpfung 
des  Schüttepilzes  durch  Bespritzung  mit  Bordelaiser  Brühe  aufmerksam, 
welche  bei  grösseren  Beständen  in  der  Beschaffung  des  nöthigen  Wassers 
liegt 

Forstassessor  K.  Beck  theilt  die  Beobachtungen  Tuboeufs  mit,  dass 
das  Bespritzen  bei  Sämlingen  und  einjährigen  Pflanzen  unwirksam  ist. 

Der  Vorsitzende  macht  noch  einige  Mittheilungen  über  die  K.  K. 
Zoologisch-botanische  Gesellschaft  in  Wien  und  ihre  Wirksamkeit 


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Dritte  Sitzung  am  2.  Mai  1901  (im  K.  Botanischen  Garten).  Vor- 
sitzender: Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  27  Mitglieder. 

Der  Sitzung  ist  eine  Monatsversammlung  im  botanischen  Garten  mit 
Besichtigungen  vorausgegangen. 

Der  Vorsitzende  berichtet  über  seine  Reise  nach  Wien  zum  Jubiläum 
der  K.  K.  Zoologisch-botanischen  Gesellschaft,  erzählt  von  der 
liebenswürdigen  Aufnahme,  die  er  sowohl  für  seine  Person  wie  als  Vertreter 
der  „Isis“  daselbst  gefunden  und  hofft,  die  botanische  Section  selbst  einmal 
dorthin  zu  floristischen  Studien  führen  zu  können  (zu  Pfingsten  1902). 

Derselbe  legt  einen  Aufruf  zur  Gründung  einer  internatioualen 
Botaniker-Vereinigung  („Association  internationale  des  botanistes“)  vor, 
wozu  die  Anregung  von  Genf  ausgebt,  und  bespricht  die  darin  hervor- 
tretenden Tendenzen. 

Gleichfalls  bespricht  er  in  herber  Kritik  als  schlechtes  Zeichen  der 
Zeit  Dr.  0.  Kuntze’s  Eingabe  an  den  preussischen  Landtag  zur  Verhinder- 
ung eines  Staatszusehusses  zu  Engler’s  „Pflanzenreich“,  — eine  Frucht  der 
durch  die  Nomenclatur-Streitigkeiten  hervorgerufenen  Zersetzung  unter  den 
Botanikern. 

Im  Anschluss  au  die  im  Garten  vorangegaugenen  Demonstrationen  hält 
Geb.  Ilofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  einen  Vortrag  über  die  systematische 
Morphologie  der  Gattungen  Ahies,  Picea,  Larix  und  Pinus  unter 
vergleichender  Heranziehung  der  verwandten  Gattungen  Cednis,  Pseudo- 
tsuga und  Tsuga. 

Die  Gesammt.'iumme  der  Arten  dieser  Gattungen  betrug  in  Endlicher’s  Synopsis 
Coniferarum  U2.  jetzt  etwa  125— 1.30,  von  denen  auf  Europa  4 Tannen,  3 Fichten, 
2 Lätrchcn,  11  Kielern  entfallen  (Ein  Eingehen  auf  die  Sectionen,  endemischen  Arten, 
geographischen  Areale  als  Fortsetzung  des  Vortrags  ist  für  eine  ähnliche  Sitzung  im 
botanischen  Galten  für  das  Jahr  1902  beab.sichtigt.; 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 

Erste  Sitzung  am  17.  Januar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky.  — Anwesend  34  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig  macht  Mittbeilung  über  eine  neue  Boh- 
rung in  der  Dresdner  Haide,  welche  Tlionlager  im  Haidesand  und  das 
alte  Klbbett  auf  Plänerunterlagc  .tufschloss.  (Vergl.  Abhandlung  II.) 

Prof.  11.  Engelhardt  berichtet  über  die  geologische  Beschaffen- 
heit und  Erforschung  Bosniens. 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  hält  einen  Vortrag  über  das  Central- 
Plateau  in  Frankreich  unter  Vorlage  von  Karten  und  zahlreichen 
Photographien. 

Zweite  Sitzung  am  14.  März  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 

kowsky.  — Anwesend  40  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  einige  neu  erworbene  Mineralien  und  neue 
Litteratur  vor. 


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Dr.  W.  Petrascheck  hält  einen  Vortrag  über  die  Ammoniten  der 
sächsischen  Kreide  unter  Vorlage  der  neu  bestimmten  Arten. 

Prof.  Dr.  W.  Bergt  legt  Lausitzer  Diabas  mit  Kantengeröllen 
vor  (vergl.  Abhaudl.  der  Isis  1900,  Heft  2,  S.  111)  und 

spricht  dann  über  die  Erzlagerstätten  bei  Freiberg  in  Sachsen. 

Prof  Dr.  E.  Kalkowsky  legt  vor  und  bespricht  R.  Beck:  Die  Lehre 
von  den  Erzlagerstätten.  Berlin  1901. 


Dritte  Sitznng  am  9.  Mai  1901.  Vorsitzender:  Prof  Dr.  W.  Bergt. 
— Anwesend  29  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  neue  Litteratur  vor  und  hält  einen  Vortrag 
über  die  Erzgänge  von  Freiberg. 

Oberlehrer  H.  Döring  macht  Mittheilung  über  Strudellöcher  im 
Elbbett  und  über  geschrammte  Ueschiebe  im  Geschiebelehm  von 
Zschertnitz. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 


Erste  Sitzung  am  7.  Februar  1901.  Vorsitzender:  Prof  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  20  Mitglieder. 

Prof  H.  Engelhardt  bringt  Nachbildungen  mehrerer  Runensteine 
von  der  Insel  Boruholm  zur  Ansicht  und  erläutert  deren  Inschriften. 

Oberlehrer  H.  Döring  berichtet  über  einen  Besuch  des  Burgwalls 
von  Schlieben  und  des  zwischen  Cosilenzien,  Cröbeln  und  Oschätzchen 
gelegenen  Rundwalls. 

Lehrer  H.  Ludwig  legt  einen  zwischen  Nickern  und  Sobrigau 
gefundenen  Mahlstein  aus  Quarzporphyr,  mehrere  Gefässe  aus  den 
Urnenfeldern  bei  Kauscha  und  Kleinzschachwitz  und  ein  in  der 
Elbe  bei  Laubegast  aufgefundenes  Flachbeilchen  aus  Hornblende- 
schiefer vor. 

Prof  Dr.  J.  Deichmüller  spricht  über  die  von  ihm  mit  Pastor  Rin- 
hardt in  Bucha  im  Herbst  1900  untersuchten  Hügelgräber  im  Lampcrts- 
wulder  Rittergutsforst  nördlich  von  Bucha  in  Sachsen. 

Die  in  den  Grabhügeln  aufgefundenen  Thongefä.«sc,  darunter  nicht  selten  Buckel- 
gefSsse  verschiedener  Form,  beweisen,  dass  diese  Hügelgräber  derselben  Zeit  angchüren 
wie  die  Umenfelder  vom  älteren  Lausitzer  Typus.  Ziu-  Vorlage  kommen  anch  photo- 
graphische Aufnahmen  der  Hügelgiäber-Gruppe  und  einzelner  besser  erhaltener  Grab- 
hügel. 

Zum  Schluss  macht  Derselbe  noch  aufmerksam  auf  einige  ausgestellte 
Fundstücke;  den  Abguss  einer  eisernen  .\xt  mit  Silbertauscliirung 
von  Guben  in  der  Niederlausitz,  einen  Bronzedolch  aus  der  Luppe- 
aue  bei  Grossdölzig  westlich  von  Leipzig  und  einen  prachtvollen,  B2  cm 
langen  Bronzedolch  aus  dem  Lchmlager  der  Nötzold’schen  Dampfziegelei 


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in  Briessnitz  bei  Dresden,  welcher  von  Herrn  M.  Nötzold  nebst  einem 
daselbst  bereits  vor  mehreren  Jahren  gefundenen  Flachcelt  aus  Bronze 
der  K.  Prähistorischen  Sammlung  in  Dresden  als  Geschenk  überwiesen 
worden  ist. 

Zweite  Sitzung  am  18.  April  1901.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  35  Mitglieder  und  3 Gäste. 

Der  Vorsitzende  bespricht  folgende  neuerschienene  Schriften: 

Beltz,  ß.:  Neue  steinzeitliche  Funde  in  Mecklenburg.  Jahrbüch,  des  Vereins 
für  mecklenburg.  Oeschichte  LXVI,  S.  115  u.  f.  ; 

Götze,  A.;  Beiträge  zur  Kenntniss  der  neolithischen  Keramik.  Zeitschrift 
für  Ethnologie  und  Verhandl.  d.  Berliner  Ges.  tür  Anthropologie  1900: 
ßeinecke,  P.:  Zur  jüngeren  Steinzeit  in  West-  und  Süddeutschland.  West- 
deutsche Zeitschrift  für  Geschichte  und  Kunst  XIX,  Heft  III. 

Derselbe  berichtet  weiter  über  neue  Funde  auf  dem  Ürnenfelde 
vom  älteren  Lausitzer  Typus  in  Blasewitz,  Emser-Allee  No.  9,  und 

legt  vor  ein  im  Lehm  der  Nötzold’schen  Dampfziegelei  in  Briessnitz 
gefundenes  Steinbeil,  einen  Steinhammer  aus  dem  Garten  des  Stadt- 
guts in  Lommatzsch  und  zwei  Steinbeile  aus  dem  Aulebm  der 
J.  A.  Bose’schen  Ziegelei  nordwestlich  von  Borna. 

Finanz-  und  Baurath  H.  Wiechel  hält  einen  Vortrag  über  die  ältesten 
Wege  in  Sachsen  und  ihre  Beziehung  zur  ältesten  Geschichte 
und  zu  prähistorischen  Fundstätten.  (Vergl.  Abhandlung  IV.) 


Fxcursion.  Am  15.  Juni  1901  besuchten  12  Mitglieder  die  auf  dem 
linken  Elbufer  unterhalb  Meissen,  Diesbar  gegenüber  gelegene  Göhrisch- 
schanze. 

Die  hohe  I'imvallung  ist  auf  der  Nord-  und  Nordwestseite  des  Göhrischfelsens  noch 
wnhlerhalten;  zahlreiche  in  dem  vom  Wall  umschlossenen  Kessel  gesammelte  Geiäss- 
scherben  und  eine  bereits  in  früherer  Zeit  da.selbst  gefundene  Lanzenspitze  aus  Bronze 
weisen  <larauf  hin,  dass  die  Anlage  der  Umwallung  bereits  in  vorslavischer  Zeit  er- 
folgt ist. 


V.  Sectioii  für  Physik  uud  Chemie. 

Erste  Sitzung  am  24.  Januar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  R.  Frei- 
herr von  Walther.  — .\mvesend  50  Mitglieder  und  Gäste. 

Privatdocent  Dr.  A.  Schlossmanu  hält  einen  Vortrag  über  die  Be- 
deutung des  Phosphors  in  der  belebten  Natur  und  erläutert  seine 
Ausführungen  durch  Versuche. 


Zweite  Sitzung  am  21.  März  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  R.  Frei- 
herr von  Walther.  — - Anwesend  38  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  R.  von  Walther  spricht  über  Reductionen  mit  Hülfe 
von  Metallen  und  über  die  Aliiminotliermie  und  erläutert  seine 
Ausführungen  durch  zahlreiche  Versuche. 


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Vortragender  bespricht  zunächst  die  Rednctionsweisen  und  Reductionsmittel  für 
Metalle  und  geht  dann  ausführlicher  ein  auf  V'ersuche,  die  schon  aus  den  Zeiten  Berzelius’ 
und  Wöhler’s  stammen,  aber  erst  durch  Clemens  Winkler  eine  rationelle  Untersuchung 
gefunden  haben,  nämlich  aus  Metalloiydverbindungen  und  einem  zweiten  Metall  das  erste 
zu  verdrängen  und  zu  isoliren.  Dieser  Vorgang  ist  wesentlich  begründet  in  der  Differenz 
der  Wärmetönungen  der  betreffenden  Metalle.  So  ist  es  beispielsweise  möglich,  Natrium, 
Kalium,  Calcium,  Rubidium,  Chrom,  Cer  (ebenso  wie  die  Metalloide  Kohlenstoff,Silicinm)etc. 
aus  ihren  Oxyden  durch  Erhitzen  mit  Magnesium  zu  gewinnen.  Noch  energischer  wie 
Ma^esium  w irkt  Aluminium,  welches  <len  Vortheil  grösserer  Billigkeit  hat.  Letzteres 
wira  nach  dem  Vorschläge  von  Dr.  Goldschmidt- Essen  gegenwärtig  zu  den  sogenannten 
aluminothermischen  Processen  benutzt. 

Vortragender  bespricht  des  Weiteren  die  Anwendungsformen  des  .Thermit“  (einer 
Mischung  von  Eisenoxyd  und  Aluminiurapnlver)  und  das  mit  dieser  Mischung  dnreh- 
geführte  neue  Goldschmidt'sche  Schweiss-  und  Uiessverfahreu. 


Exenrsion.  An  Stelle  der  dritten  Sitzung  fand  am  6.  Juni  1901 
eine  Excursion  unter  Führung  von  Prof.  Dr.  R.  von  Walther  nach  der 
neuen  Nährniittelfabrik  von  Dr.  V.  Klopfer  in  Leubnitz-Neuostra 
statt,  deren  moderne  Eitirichtung  den  zahlreich  erschienenen  Theilnehmern 
von  dem  Besitzer  selbst  in  der  zuvorkommendsten  Weise  erläutert  wurde. 


VI.  Section  für  Mathematik. 


Erste  Sitznng:  am  14.  Februar  1901.  — Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  8 Mitglieder. 

Prof.  Dr.  R.  Heger  spricht  über  Parabel  und  Ellipse. 

Der  Vortragende  entwickelt  Methoden,  um  ohne  analytisch-geometrische  Hülfsmittel 
die  Krümmung  von  Kegelschnitten,  speciell  die  Krümmung  der  Parabel  und  der  Ellipse 
zu  untersuchen.  Dabei  wird  jedesmal  zuerst  der  besondere  Fall  der  Krümmung  im 
Scheitel,  resp.  in  den  Scheiteln,  erledigt  und  nachher  die  Krümmung  in  einem  beliebigen 
l’unkte  der  betreffenden  Curve  besprochen.  Ausserdem  werden  einige  Anwendungen 
der  gefundenen  Resultate  gegeben,  u.  a.  eine  auf  Benutzung  mehrerer  Krümmungskreise 
beruhende  Nähernug.sconstrnction  der  Ellipse. 

Au  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  kurze  Discussion. 


Zweite  Sitzung  am  18.  April  1901.  — Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  14  Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  über  Charles  Hermite. 
(Vergl.  Abhandlung  I.) 

Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister  spricht  über  die  Schmiegungsparabeln 
der  Ellipse. 

Als  Schmiegnngsparahcl  einer  gegebenen  Ellipse  ist  eine  Parabel  zu  bezeichnen, 
sobahl  die  vier  gemcinscbaftlicheii  Punkte  der  beiden  Kegelschnitte  znsanimenfallen. 
Redner  zeigt,  wie  eine  Reihe  von  Aufgaben,  zu  denen  die  Schmiegung.sparabeln  einer 
Ellipse  Anlass  geben,  in  einfachster  Weise  gelüst  werden  kütinen;  und  zwar  dient  als 
Ausg;uigspunkt  der  Betrachtungen  die  That.«ache,  dass  die  gegebene  Ellijise  und  eine 
beliebige  Schroiegungsparabel  dersella>n  durch  eine  geeignete  Paralleliirojection  stets 
übergeführt  werden  können  in  einen  Kreis  und  eine  Parabel,  welche  von  dem  letzteren 
in  ihrem  Scheitel  usculirt  winl. 


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Dritte  Sitzung  am  13.  Juni  1901  — Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Ur.  M.  Krause.  — Anwesend  11  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  E,  Naetscli  spricht  über  ein  in  der  Yector-Analysis  auf- 
tretendes System  partieller  Differentialgleichungen  I.  Ordnung. 

Nach  einigen  kurzen  Kemerkuugen  über  Entstellung  und  Grundlagen  der  Vector- 
Analysia,  insbesondere  über  die  liegritfe  Vector,  Divergenz  und  Curl,  bespricht  Vor- 
tragender die  .\ufgabe,  einen  Vector  zu  ermitteln,  dessen  Curl  ein  gegebener  Vector 
ß sein  soll;  dieselbe  i.st  identisch  mit  dem  Problem,  drei  Functionen  A’,  V,  Z der  drei 
Veränderlichen  .r,  y,  z zu  linden,  welche  mit  drei  gegebenen  Functionen  P,  Q,  K dieser 
drei  Veränderlichen  dnrch  die  Gleichnngen 

- 1',  = P,  X.  - Z,  = (?,  Y,  -X,  = R 

Zusammenhängen  Es  wird  anseinanderge.setzt,  dass  man  dieses  Problem  vollständig 
erledigen  kann,  ohne  von  der  Theorie  der  partiellen  Differentialgleichungen  II.  Ordnung 
Gehranch  zu  machen;  nur  der  Lehre  vom  Jacobi'schen  Multiplicator  und  der  Theorie 
des  Pt'nfi~schcn  Prohlems  hat  man  je  einen  Satz  zu  entlehnen. 

Hierauf  bespricht  Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister  die  Ankreis-Mittel- 
punkte der  Dreiecke,  die  denselben  Umkreis  und  Inkreis  haben. 

Jene  Punkte  gehören  einem  dritten  Kreise  an,  dessen  Durchmesser  noch  einmal 
so  gross  als  der  des  Umkreises  ist  und  der  ausserdem  mit  dem  Umkreis  den  Inkreis- 
Mittelpunkt  zum  äusseren  Aebnlichkeitspnnkt  bat 


Vn.  Hauptversammlungen. 

Erste  Sitznng  am  31.  Januar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr. 

Foerster.  - — Anwesend  88  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  II.  Engelhardt  legt  eine  Sammlung  getrockneter  wildwachsender 
Pflanzen  und  eine  grössere,  aus  ajner  Sequoia  geschnittene  Platte  aus 
Califoriiien  vor. 

Prof.  Dr.  Fr.  Foerster  spricht  über  elektrische  Oefen. 

Der  Vortragende  schildert  die  wesentlichen  Ergebnisse,  welche  Moissan  mit  Hülfe 
der  hohen  Tenipcratnrcn  des  elektrischen  Ofens  erzielt  hat.  Er  verweilt  dahei  besonders 
bei  den  Versuchen  über  die  künstliche  Darstellung  des  Diamanten  und  bei  den  von 
Moissan  besonders  eingehend  hearheiteten  neuen  und  cigcn.artigen  Kohlenstoffverbindungen 
der  Elemente.  Von  cliesen  werden  be.sunders  die  technisch  wichtigen,  das  Calciumcarbid 
und  das  Siliciunicarbid  (Carborundnra)  ausführlicher  behandelt  und  dabei  das  teclmische 
Arbeiten  mit  dem  elektrischen  Ofen  näher  beschriehen  und  an  kleinen  Modellen  vor- 
gefiihrt.  Zum  .Schluss  wird  die  Frage  nach  der  billigsten  Gewiimiiug  elektrischer  Energie 
erörtert  und  der  grosse  EinHuss  dargelegt,  den  das  Vorliandcnsein  grosser  geeigneter 
Wasserkräfte  auf  die  Ceutralisation  und  die  Ausbildung  gewisser  Thcile  der  elektro- 
chemisehen  Technik  in  den  .\lpen  ansgeübt  hat. 


Zweite  Sitzung  am  28.  Februar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Er. 
Foerster.  — .\nweseml  42  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  H.  Engelhardt  erstattet  Bericht  über  den  Kassenabschluss 
der  Gesellschaft  vom  .lahre  1900  (vergl.  S.  13)  und  legt  den  Voranschlag 
für  1901  vor,  welcher  genehmigt  wird. 

Als  Rochmingsrevisoren  werden  B.ankior  A.  Kuntze  und  Architect 
U.  Günther  gewählt. 


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Hieran  schliessen  sich  die  von  Prof.  Dr.  Fr.  Foerster  angekiiudigten 
Demonstrationen. 

Eä  werden  zanüchet  Exemplare  der  auf  der  Pariser  Ansstellnng  von  Chenal, 
Pouillct  & Co.  ausgestellten,  sehr  sorgfältig  gereinigten  Salze  des  Neodyms  und  Prase- 
odyms, sowie  des  Gadoliniums  und  .Samariums  vorgelegt.  Die  .Salze  der  beiden  ersteren 
Metalle  zeigen  ähnliche  complementUre  Färbungen  wie  die  von  Kobalt  und  Nickel. 

In  zweiter  Linie  gelangen  AluminiumstUcke  zur  Vorlage,  welche  die  Verwendung 
dieses  Metalles  zu  elektrischen  Leitungen  illustriren,  sowie  eine  Sammlung,  welche  die 
mannigfache  Verwendbarkeit  des  Magnaliums  darthut. 

An  dritter  Stelle  wird  eine  grössere  Sammlung  von  fnit  (ilanzgold,  Glanzplatin 
und  ähnlichen  Edelmetallen  überzogenen  Porzellan-  und  (ilasgegenständen  besprochen, 
und  dabei  insbesondere  die  durch  (ilanzmetalle  beim  Aufträgen  in  verschieden  dicker 
Schicht  hervorgerufene  Aendernng  der  Färbungen  hervorgehoben.  Die  Sammlung  zei^t 
stetige  Uebergänge  von  den  Färbungen  der  reinen  Metalle  zu  denen,  mit  welchen  die 
Metalle  Glasflüsse  färben,  und  deren  Uebereinstimmung  mit  den  Farben  der  colloidalen 
Metalllösnngen  durch  Versuche  nachgewiesen  wird. 


Dritte  Sitzung  am  28.  März  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.Fr.  Foerster. 
— Anwesend  79  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  H.  Engelhardt  theilt  mit,  dass  die  Rechnungsrevisoren  den 
Kassenabschluss  für  1900  geprüft  und  richtig  befunden  haben.  Der 
Kassirer  wird  hierauf  entlastet. 

Sodann  wird  beschlossen,  die  Sectionssitzungen  wie  die  Haupt- 
versammlungen in  Zukunft  pünktlich  um  8 Uhr  beginnen  zu  lassen. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  W.  Hempel  hält  dann  einen  Vortrag  über 
das  Vorkommen  des  Schwefels  in  der  Natur. 


Vierte  Sitzung  am  25.  April  1901.  Vorsitzender:  Prof.  II.  Engel- 
hardt. — Anwesend  30  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  widmet  dem  am  7.  April  1901  verstorbenen  lang- 
jährigen zweiten  Vorsitzenden  der  Gesellschaft  Dr.  Fr.  Haspe  einen 
ehrenden  N.aehruf. 

Privatdocont  Dr.  C.  Wolf  spricht  über  Infectionskrankheiten  und 
über  die  Art  der  Uebertragung  derselben  auf  den  menschlichen 
Körper. 

An  verschiedenen  Karten  wird  gezeigt,  wie  sieh  Infectionskrankheiten  über  die 
Erde  und  in  einzelnen  Städten  verbreiten,  an  tabellarischen  Zusammenstellungen  die 
Sterblichkeit  au  Lungen.schwindsui  ht  in  Städten  von  mehr  als  5<K)000  Einwohnern,  nach 
Älterskla-ssen  und  Geschlechtern  geordnet,  die  Abnahme  der  Sterblichkeit  an  Tuberkulose 
in  verschiedenen  deutschen  Staaten  im  Vergleich  zu  Oesterreich -Ungarn  und  die  Zu- 
nahme der  Tuberkulose  an  Kindern  unil  Sehweiuen. 

Privatu.s  C.  Schiller  zeigt  lebende  Exemplare  von  Aptis  pro- 
ductus  L.  aus  Wieseiigräben  in  der  Nähe  des  Grossen  Gartens  in  Dresden. 

An  Stelle  des  verstorbenen  Dr.  Fr.  Raspe  wird  als  Mitglied  des  Ver- 
waltungsrathes  Prof.  Dr.  F.  G.  Helm  gewählt. 


Excuraionen.  Am  16.  Mai  1901  vereinigten  sich  14  Mitglieder  zu 
einem  Ausfluge  nach  Waldheim,  um  die  Grauulite  mit  den  sie  durch- 


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setzemleu  Graiiitgiingen  und  die  Serpeiitiue  der  dortigea  Gegend  zu  be- 
sichtigen. Der  Weg  wurde*  von  Waldheim  durch  das  Zschopauthal  bis 
Kriebstein-Khrenberg  und  zurück  über  die  goldene  Höhe  nach  Waldheiin 
genommen.  — 

Am  27.  Juni  1901  besichtigten  46  Mitglieder  und  Gäste  das  K.  Fern- 
heiz- und  Elektricitätswerk  in  Dresden. 

Geh.  Baurath  .T.  K.  Temper  erläuterte  an  der  Hand  von  Plänen  in  längerem  Vor- 
trage die  Grundgedanken,  welche  zur  Krriohtung  des  Fernheizwerkes  geführt  hatten 
und  bei  seiner  Erbauung  verfolgt  wurden.  Alsdann  fand  ein  Rundgang  durch  die  Kessel- 
und  Masfhinenräume  des  Fernheizwerkes  nml  der  damit  verbuniieneu  elektri.schen  Licht- 
Station  statt,  au  welchen  sich  eine  ausgedehnte  Wanderung  durch  den  die  Femdampf- 
leitung  und  die  elektrischen  Lichtleitungen  einschliesseuden  untcrirdischeu  Kanal  an- 
schloss. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  21.  Januar  1901  starb  Bankbeamter  Paul  Stopp  in  Dresden, 
wirkliches  Mitglied  seit  1896. 

Am  7.  April  1901  verschied  in  Dresden  Chemiker  Dr.  Friedrich  Raspe, 
wirkliches  Mitglied  seit  1880. 

Nekrolog  s.  am  Anfänge  dieses  Heftes. 


Xeu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Denso,  Paul,  Dr.,  Ingenieur  in  Dresden,  i 

Pfitzner,  Paul,  Dr.  phil.,  Gymnasiallehrer  in  Dresden,  t ‘ ' " ’ 

Schnuse,  Willi.,  Privatus  in  Dresden,  am  28.  Februar  1901; 

Schwede,  Rud.,  Chemiker  in  Dresden,  am  31.  Januar  1901. 


In  die  wirklichen  Mitglieder  sind  übergetreten: 

Lohrmann,  Ernst,  Dr.  phil.,  Realschullehrer  in  Dresden; 
Richter,  Conrad,  Realgymniisialoberlehrer  in  Dresden. 


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Kassenabscliliiss  der  Gesellschaft  ISIS  vom  Jahre  1900. 

Einuahmo.  Position.  Ausgabe. 


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Sitzungsberichte 

tler 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1901. 


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I.  Section  für  Zoologie. 


Vierte  Sitzung  am  5.  December  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend  49  Mitglieder  und  Gäste. 

Director  Th.  Ueibisch  demonstrirt  mit  kurzen  Erläuterungen  zwei 
Missbildungen,  d.as  Gehörn  einer  vierhörnigen  Ziege  und  das  Rumpf- 
und Extremitätenskelett  eines  dreibeinigen  Huhnes. 

In  der  sich  anschliessenden  Hesprechuug,  an  welcher  sich  Geh.  Hof- 
rath Prof.  Dr.  0.  Drude  und  Geh.  llofr.ath  Prof.  Dr.  Hempel  be- 
theiligen, weist  der  Vorsitzende  darauf  bin,  dass  bei  dem  Huhne  offenbar 
ein  Fall  von  unvollkommener  Doppelmissbildung  vorliege,  und  erläutert 
die  Entstehung  solcher  Doppelbildungen  an  einigen  anderen  Beispielen. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  bespricht  alsdann  in  längerem, 
durch  Tafeln  und  Präparate  erläutertem  Vortrage  die  zoologischen 
Seiten  der  Malaria-Frage  unter  Hinweis  auf  eine  Reihe  ähnlicher 
Krankheiten,  welche  gleichfalls  auf  durch  Arthropodenstiche  verursachter 
Infection  mit  krankheitserregenden  Protozoen  beruhen. 

Ks  werden  von  letzteren  besonders  liesprochen  die  Tsetsefliegen -Seuche  der  süd- 
afrikanischen nnd  das  Texastieber  der  ameriKanischeu  Sinder.  Der  Vortragende  knüpft 
seine  Darlegungen  an  das  ueuerschienene  Werk  von  F.  Doflein:  Die  Protozoen  als 
Parasiten  und  Krankheitserreger.  Jena  1901. 

Ausserdem  gelangt  zur  Vijrlage  A.  Labbe;  Sporozoa.  5.  Lief,  von:  Das  Thierreich. 
Kine  Zusammenstellung  nnd  Kennzeichnung  der  recenten  Thierformen,  herausgegeben 
von  der  deutschen  zoologischen  Ge.sellschaft.  Berlin  1899. 

An  der  folgenden  Discussion  betheiligon  sich  Geh.  Hofratli  Prof. 
Dr.  0.  Drude,  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  W.  Hempel,  .Medicinalrath  Dr. 
W.  H esse,  Dr.  A.  Schlossmann  und  Dr.  A.  Stübel. 


II.  Section  für  Botanik. 


viert«  Sitzong  am  3.  October  1901  (im  K.  Botanischen  Garten). 
Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  ü.  Drude.  — Anwesend  18  Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  O.  Drude  bespricht  einige  physiologische 
Culturversuche  mit  Vorführung  der  betreffenden  Pflanzen. 

1.  MaispHanzen  auf  Wasser  cultivirt  und  mittelst  Nährstofflosung  bis  zur  Kr- 
zcugnng  von  Kolben  gebracht. 


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18 


2.  K ilrbispflanzen  in  gewöhulicher  aber  sehr  nährstoffarmer  Erde,  welcher  ein  dem 
normalen  Nährstoff bedUrfnisse  entsprechendes  Nährsalzgemenge,  aber  z.  Th.  ohne  das 
nothwendige  Stickstoffsalz,  zugesetzt  wurde,  zur  Demonstration  der  Wichtigkeit  dieses 
Nährstoffes.  Pflanzen  ohne  jede  Nährsalzzusätze  werden  nicht  schlechter  als  die  letzteren. 
Früchte  lagen  ebenfalls  vor, 

3.  Erbsen,  in  derselben  Weise  behandelt  wie  die  Kürbisptlanzen , zeigten  ein 
anderes  Verhalten  als  diese;  das  Fehlen  einer  Stickstoffgabe  beeinträchtigt  ihre  Ent- 
wickelung nicht,  da  sie  sich  durch  Symbiose  mit  Wurzelbakterien  den  Stickstoff  der 
Luft  nutzbar  machen. 

Derselbe  berichtet  ferner  über  Aussaat-Ergebnisse  von  Samen 
einer  gelben  Ueineclaudensorte,  welche  blaufrücbtige  Bäume  er- 
gab, und 

legt  zur  Warnung  vor  einem  gegen  Hasenfrass  empfohlenen 
Anstrichmittel  „Antilepin“  gespaltene  Stammstücke  eines  Pflaumen- 
baumes  vor,  dessen  in  diesem  Jahre  zu  bildender  Jahresring  an  den  be- 
strichenen Stellen  zerstört  bez.  nicht  zur  Entwickelung  gekommen  war, 
was  den  Tod  des  Baumes  im  Sommer  herbeiführte.  Apfel-  und  Birnbäume 
hatten  nicht  in  demselben  Masse  gelitten. 

Dr.  B.  Schorler  spricht  über  bryogeographische  Forschungen 
von  A.  Geheeb  (früher  in  (Jeisa,  jetzt  in  Freiburg  i.  B.),  welche  die  Be- 
deutung der  Moosflora  der  Rhön  in  pflanzengeographischer  Hinsicht  be- 
sonders an  dem  reizend  geschriebenen  Aufsatz  über  „die  Milseburg“  in 
das  rechte  Licht  setzen. 

Der  Vorsitzende  erläutert  die  Topographie  der  Rhön  an  einer 
von  ihm  im  Sommer  aufgenommenen  Skizze  für  die  Vertheilung  der  Vege- 
tationsformationen in  der  Rhön. 

Zur  Vorlage  gelangen  noch: 

Dennert,  E.:  Die  Wahrheit  Uber  Ernst  Häekel  und  seine  Welträthsel. 

Halle  1901; 

Nippold,  Fr.;  Kollegiales  Sendschreiben  an  Emst  Häekel.  Berlin  1901. 

Die  Nothwendigkeit,  sich  mit  dem  Inhalt  der  „Welträthsel“  Häckel’s 
selbst  bekannt  zu  machen,  wird  betont. 


Fünfte  Sitznng  am  10.  October  1901  (Floristenabend).  Vorsitzender: 
Prof.  K.  Wobst.  — Anwesend  27  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  legt  vor  und  bespricht  Euphrasia 
minima  Jac(|u. 

Die.se  alpine  l'orm  wurde  von  Dr.  F.  Naumann-Gera  in  diesem  Jahre  bei  ge- 
nannter Stadt  gesammelt  und  dem  Herb.  Flor.  Saxoniea  übermittelt.  Im  Anschluss 
daran  erläutert  Vortragender  eingehend  die  Arten  genannter  Gattung,  ganz  besonders 
den  Euphrasia  officinalis -Typxis. 

Derselbe  spricht  weiter  über  die  interessante  Hügelflora  der 
Basalte  des  Lausitzer  Hügellandes  und  legt  zahlreiche  Formen  aus 
genanntem  Gebiete  im  Bereich  des  „Bernstädter  Hügellandes“  zwischen 
Löbau  und  Zittau  vor. 

Privatus  F.  Fritzsche  bringt  zur  Vorlage  eine  Anzahl  neuer  Funde 
des  ElbhUgellandes  zwischen  Dresden  und  Meissen. 


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l’rof.  K.  Wobst  berichtet  über  zwei  neue  Funde  ausserhalb 
Sachsens. 

1.  Medicago  arabica  All.  (M.  maculata  Wils.)  mit  Wollstaub,  welcher  als  Dünger 
verwaudt  wurde,  bei  Ileinersdorf,  Kreis  Lebus,  1901  eingesclilcppt; 

2.  Cirtium  olernrium  x arvense.  Ein  einziges  Exemplar  zwischen  zahlreichen 
.Stammformen  genannten  Bastards  Juli  1900  bei  Bad  Salzungen  in  Thüringen  gesammelt. 

Assistent  Dr.  A.  Naumann  halt  einen  Vortrag  über  die  bota- 
nischen Ergebnisse  seiner  Reise  nach  Siebenbürgen,  mit  Zu- 
grundelegung zahlreicher  von  ihm  gesammelter  Pflanzen,  welche  nach 
Formationen  auf  grossen  Papptafeln  zusammengestellt  waren. 

Im  Anschluss  daran  schildert  Lehrer  R.  Missbach  seine  Beobachtungen 
über  die  Bestände  von  Rhododendron  myrtifoliiim  im  genannten 
Gebiete. 

Dr.  A.  Naumann  giebt  noch  Auskunft  über  das  Vorkommen  von 
Tanne,  Zirbelkiefer  und  Lärche  in  Siebenbürgen. 


Sechste  Sitzung  am  21.  November  1901  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Section  für  Zoologie).  Vorsitzender;  Geh.  llofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — 
Anwesend  40  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  0.  Schneider  zeigt  mehrere  lebende  Exemplare  von 
Eutcorißius  italiais  und  eine  reiche  Sammlung  z.  Th.  in  Spiritus,  z.  Th. 
trocken  conservirter  Skorpione  aus  allen  Welttheilen. 

Er  bespricht  deren  Lebensweise  in  Freiheit  und  Gefangenschaft  Selbstmord  des 
Skorpions  in  der  Gefangenschaft  ist  von  zuverlässigen  Beobachtern  noch  niemals  be- 
richtet worden. 

Dr.  G.  Worgitzky  legt  sein  Buch  über  „Blüthengeheimnisse“ 
(erschienen  bei  Teubner  in  Leipzig)  vor  und  macht  in  seinem  Vortrage 
über  die  Entwickelung  dieser  Kenntnisse  besonders  auf  die  neueren 
Knuth’schen  .Arbeiten  aufmerksam. 

Der  Vorsitzende  betont  die  hohe  Bedeutung  des  vom  Vortragenden 
erwählten  Themas  für  die  heutige  Biologie,  sowohl  nach  der  Seite 
der  floristischen  Landesforschung  als  nach  der  des  naturkundlichen  Unter- 
richts, und  hebt  das  Bedürfniss  hervor,  dass  ein  ausgezeichueter  und 
kritischer  Bearbeiter  der  zahlreich  sich  findenden  Einzelheiten  auch  für 
die  Zwecke  unserer  Arbeitstheilung  in  der  Isis  erstehe,  welche  Lücke  der 
Vortragende  ausfüllen  möge. 

Dr.  A.  Naumann  zeigt  Wandtafeln,  welche  er  für  den  bota- 
nischen Unterricht  in  der  hiesigen  Gartenbauschule  angefertigt  hat, 
die  wie  das  vorerwähnte  Buch  die  Blüthenforraen  und  ihre  Anpassung 
für  eine  durch  Insecten  herbeizuführende  Fremdbestäubung  demonstriren. 

Institutsdirector  A.  Thümer  schildert  von  einer  Reise  durch  England 
die  Flora  gewisser  als  „Commons“  (Gemeingut)  bezeichneter  Landstriche, 
welche,  da  sie  nicht  irgendwie  in  Benutzung  genommen  werden  dürfen, 
die  ursprüngliche  Pflanzendecke  bewahren. 

Ein  Hanptrepritsentant  der  dortigen  Flora,  VUi-  nanu«,  lag  im  Uerbarexemplar  vor. 


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III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Tierte  Sitzung  am  17.  October  1901.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  46  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  legt  neue  Litteratur  vor. 

Prof  Dr.  W.  Bergt  referirt  über  die  Arbeit  von  J.  T.  Sterzei:  Gruppe 
verkieselter  Araucariten- Stämme.  Chemnitz  1900,  und  über  die  Unter- 
suchungen von  F.  E.  Suess  über  den  Moldavit. 

Derselbe  spricht  ferner  über  Kugelgranite  unter  Vorlage  von 
Stufen  aus  Dr.  A.  Stübel’s  Sammlung. 

Prof  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  einen  N'ortrag  über  den  Schlamm- 
vulkan von  Modena,  den  Flysch  in  Ligurien  und  den  angeblich 
eruptiven  Gneiss  des  Erzgebirges. 


Fünfte  Sitzung  am  12.  üecember  1901.  Vorsitzender:  Prof  Dr. 
E.  Kalkowsky.  — Anwesend  35  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  führt  eine  Reaction  aus,  durch  die  es  luöglicli  ist, 
künstlich  mit  Schwefelsänre  gebleichte  Werkstücke  von  Granit  als  solche 
zu  erkennen,  ohne  sie  zerschlagen  zu  müssen. 

Dr.  L.  Kruft  hält  einen  Vortrag  über  die  Phosplioritknollen  im 
vogtländischen  Silur  und  ihre  organischen  Einschlüsse. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 

Dritte  Sitzung  am  14.  November  1901.  Vorsitzender  Prof  Dr. 
J.  Deichinüller.  — Anwesend  24  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  .1.  Deichinüller  spricht  über  die  von  ihm  im  Sommer  d.  J. 
im  Aufträge  des  K.  Sächs.  Ministeriums  des  Innern  begonnene  Inven- 
tarisirung  der  vorgeschichtlichen  Alterthümer  des  Königreichs 
Sachsen  und  über  deren  bisherige  Ergebnisse. 

Oberlehrer  H.  Döring  legt  bearbeitete  Feuersteine  und  Gefäss- 
scherben  mit  Bandverzierung  aus  einer  Sandgrube  bei  Merschwitz  vor 
und  bespricht  Gefässreste  und  Thierknochen,  u.  a.  drei  linke  Unter- 
kieferhälften vom  Biber,  aus  einer  slavischeu  Siedelung  östlich  vom 
Burgwall  bei  Leckwitz,  germanische  und  slavische  Scherben  vom 
Burgberg  bei  Zehren  und  ein  ziemlich  vollständig  erhaltenes  Gefäss 
Von  der  lleidenschanze  bei  Roschütz,  welches  keine  Spur  der  An- 
wendung der  Drehscheibe  erkennen  lässt  und  doch  einen  sogenannten 
Bodenstempel,  eine  Töpfermarke  zeigt, 

Lehrer  .1.  A.  Jentsch  macht  auf  den  Fund  eines  slavischen' Ge- 
fässes  mit  Leichenbrand  von  Lössnig  bei  Strehla  a.  E.  aufmerksam, 
welches  in  den  Verhandl.  d.  lierl.  Ges.  f Anthropologie  1901,  S.  39,  be- 
schrieben ist. 


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Lehrer  H.  Ludwig  legt  Gefässscherben  vor,  die  aus  einer  Herd- 
stelle in  der  Nähe  der  Windmühle  von  Niedersedlitz  stammen 
und  die  solchen  aus  Gräberfeldern  vom  Lausitzer  Typus  ähnlich  sind, 
ferner  aus  Herdstellen  in  der  Nähe  des  Gräberfeldes  der  LaTene-Zeit 
bei  Kauscha  ein  Flachbeil  aus  Gneiss,  ein  sogenanntes  Webstuhl- 
gewicht  und  Gefässscherben,  aus  dem  Gräberfelde  von  Kauscha 
selbst  die  Bruchstücke  einer  Thonschale  und  einen  Eisenring,  einen 
zwischen  Niedersedlitz  und  Lockwitz  gefundenen  Klopfstein,  ein 
in  der  Elbe  bei  Riesa  gefundenes  Steinbeil  aus  Amphibolit,  Reste 
grösserer,  dickwandiger  Gefässe  vom  Kuhhübel  bei  Sörnewitz  und  eine 
geschnittene,  an  einer  Seite  doppelt  durchlochte  Knochenplatte  von 
der  Heidenschanze  bei  Koschütz. 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  bringt  aus  den  neueren  Erwerbungen  der 
K.  Prähistorischen  Sammlung  in  Dresden  mehrere  Beile  aus  Amphibolit 
zur  Vorlage,  welche  in  der  Umgebung  von  Nünchritz,  auf  der  Ritter- 
gutsflur Riesa  und  beim  Kirchenbau  in  Zeitbain  aufgefunden  worden 
sind,  weiter  eine  sauber  gearbeitete  Pfeilspitze  aus  weissem  Feuerstein 
von  Roda  bei  Grossenhain,  ein  beim  Abteufon  eines  Brunnens  in  der  Brauerei 
Chrieschwitz  bei  Plauen  i.  V.  gefundenes  Amphibolitbeil,  einen  aus 
neun  Gegenständen  bestehenden  jüngeren  Bronzedepotfund  von  Lausa 
bei  Dresden  und  verschiedene  Beigaben  aus  Skelettgräbern  der  Völker- 
wanderungszeit bei  Werningshausen  im  Herzogthum  Sachsen-Co- 
burg-Gotha. 

Derselbe  macht  zum  Schluss  noch  aufmerksam  auf  einen  roh  be- 
arbeiteten Hammer  aus  Gneiss  mit  angefangener  Bohrung  von  Lockwitz 
und  auf  einen  Hammer  aus  Diabas  von  Naundorf  bei  Ortrand, 
dessen  F'orm  auf  nordische  Herkunft  schliessen  lässt. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 

Dritte  SiDinng  am  7.  November  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
R.  FVeiherr  von  Walther.  — Anwesend  101  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  W.  Kühler  hält  einen  Fixperimentalvortrag  über  die  gebräuch- 
lichen Methoden  der  drahtlosen  Telegraphie. 


Yl.  Section  für  Mathematik. 

Vierte  Sitzung  am  10.  October  1901.  V brsitzender:  Geb.  llofrath 

Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  9 Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  Pb.  Weinmeister  spricht  über  die  Strophoide  (<jue- 
telet’sche  Fokale)  in  synthetischer  Behandlung. 

Vorfrageuder  hebt  einleitend  hervor,  dass  bei  einer  Reihe  von  ebenen  Oiirven,  die 
in  der  Regel  naeh  den  Methoden  der  analytischen  (leonietrie  behandelt  werden,  zahl- 
reiche Eigenschaften  auch  in  leichter  und  eleganter  Weise  auf  elementarem,  synthetischem 


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2i 


Wege  gefuuden  werden  künn^u,  sobald  ein  genil^nd  einfaches  EnUCehungsgeaetz  der 
betreffenden  Cnrve  vorliegt.  Ein  ausgezeichnetes  Beispiel  hierfür  bietet  die  Strophoide, 
über  deren  Geschichte  und  Littcratur  der  Redner  eine  Reihe  von  Uittheilnngen  macht 
Als  Ausgangspunkt  für  die  synthetische  Behandlung  der  Strophoide  dient  ein 
Entstehungsgesetz,  bei  welchem  ein  fester  Punkt  F — „Brennpunkt“  — , eine  feste 
Gerade  — „Leitlinie“  — und  ein  auf  der  letzteren  gelegener  zweiter  fester  Punkt  0 
vorausgesetzt  werden ; wenn  dann  ein  beliebiger  Punkt  Q der  Leitlinie  mit  F durch  eine 
Gerade  verbunden  und  auf  letzterer  ein  Punkt!’  so  bestimmt  wird,  dass  PQ  = 0^  ist, 
so  gehört  P der  Strophoide  an.  Aus  dieser  Entstehungsart  wird  ohne  Schwierigkeit 
eine  zweite  hergeleitet,  bei  welcher  die  Strophoide  als  geometrischer  Ort  für  den 
Scheitel  eines  veränderlichen  Winkels  erscheint,  dessen  Halbirungslinie  und  dessen  einer 
Schenkel  durch  je  einen  festen  Punkt  gehen,  während  der  andere  Schenkel  einer  festen 
Richtung  parallel  ist.  Auch  wenn  drei  feste  Punkte  Ä,  B,  C gegeben  sind,  und  nun- 
mehr Winkel  construirt  werden,  deren  beide  Schenkel  bez.  durch  A und  durch  B gehen, 
während  die  Halbirungslinien  durch  C verlaufen,  erhält  man  als  geometrischen  Ort  für 
die  Scheitel  eine  Strophoide.  Ans  den  Entstehungsgesetzen  leitet  Redner  eine  Reihe 
von  Eigenschaften  der  Strophoide  ab,  welche  sich  auf  den  Doppelpunkt  und  die  zuge- 
hörigen Tangenten,  die  Asymptote,  den  Wendepunkt  n.  a.  beziehen;  auch  der  besondere 
Fall  der  sogenannten  geraden  Strophoide,  bei  welcher  OF  senkrecht  zur  Leitlinie  ist, 
wird  in  Betracht  gezogen.  Eingehende  Behandlung  finden  sodann  die  zahlreichen  und 
interessanten  Bezi^nngen  zu  den  Kegelschnitten,  mit  denen  die  Strophoide  auf  maunig- 
fache  Weise  in  Zusammenhang  gebracht  werden  kann.  Eine  besondere  Beleuchtung 
erfährt  die  Rolle,  welche  die  Strophoide  als  t^netelet’sche  Fokale  spielt:  Wenn  E irgend 
eine  die  Achse  eines  g^ebenen  Rotationskegels  enthaltende  Ebene,  t eine  zu  E senk- 
rechte Tangente  dieses  Kegels  ist,  und  nunmehr  durch  t beliebige  Ebenen  gelegt  werden, 
so  ist  der  Ort  der  Brennpunkte  der  entstehenden  Kegelschnitte  eine  in  E gelegene 
Strophoide,  welche  als  (^uetelet’sche  Fokale  bezeichnet  wird;  ihr  Brennpunkt  ist  der 
Spni^nnkt  der  Geraden  t auf  der  Ebene  E. 


Fflnfte  Sitzung  am  21.  Noyember  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  13  Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.Dr.  K.  Rohn  spricht  über  die  acht  Schnittpunkte 
dreier  Flächen  II.  Grades*). 

Da  sich  leicht  beweisen  lässt,  dass  die  sümmtlichen  cc-  Flächen  II.  Grades,  welche 
man  durch  sieben  willkürlich  angenommene  Punkte  legen  kann,  stets  noch  dnreh  einen 
gewissen  achten  Punkt  bindnrebgehen,  so  ist  sicher,  dass  die  acht  Schnittpunkte  ilreier 
beliebiger  Flächen  II.  Grades  nicht  voneinander  unabhänpg  sein  können,  dass  vielmehr 
jeder  einzelne  von  ihnen  durch  die  sieben  übrigen  bestimmt  sein  muss.  Es  entsteht 
daher  das  Problem , zu  sieben  gegebenen  Punkten  eines  solchen  Punktsystems  den  achten 
Punkt  zu  finden,  ein  Problem,  welches  sowohl  geometrisch  - constmetiv.  als  auch  analy- 
tisch behandelt  werden  kann.  Redner  giebt  — nach  einigen  Notizen  histori.scheu  und 
litterarischeu  Inhalts  — im  ersten  Theife  seine.s  Vortrages  eine  analytische  I.ösung  des 
Problems;  dieselbe  besteht  darin,  dass  ein  Weg  gezeigt  wird,  auf  dem  man  zu  linearen 
Gleichungen  gelangen  kann,  denen  die  Coordinafen  des  gesuchten  Punktes  Genttge 
leisten  müssen. 

Vortragender  bezeichnet  ilurch  1,  2,  3 ...  8 die  acht  Punkte  des  in  Frage  kommenden 
Punktsystems,  durch  0 einen  weiteren,  laufenden  Punkt  und  durch  (i,  k,  1,  m)  die  ans 
den  16  homogenen  Coordinaten  der  vier  Punkte  i,  k.  1,  in  gebildete  vierreihige  Determinante. 
Dann  kann  zunächst  leicht  nachgewiesen  werden,  dass  die  Gleichung 
(8524)  (6724)  -f  (8624)  (7524)  + (8724)  (5624)  = 0 
eine  Identität  ist.  Ferner  lässt  sich  sofort  übersehen,  dass  die  in  Bezug  auf  die  Co- 
ordinaten des  laufenden  Punktes  0 quadratische  Gleichung 

Q (8520)  (6730)  + a (8620)  (7530)  r (8720)  (5630)  = 0 
eine  Fläche  II.  Grades  darstellt,  welche,  wie  auch  die  t'oeffizienten  e,  o,  r gewählt  werden 
mögen,  stets  durch  die  sechs  Punkte  2,  3,  5,  6,  7,  8 hindnrehgeht ; und  wenn  insbesondere 


*)  Uelier  den  gleichen  Gegenstand  hatte  Vortragemler  liereits  in  der  vorangehenden 
(vierten)  Sectioussitzuug  eine  Jlittheilung  gemacht. 


23 


(>  = (H724) : (6734),  « = (7524) : (7534) , i = (5624) ; (5634) 
gesetzt  wird,  so  enthält  die  betreffende  Fläche  auch  noch  den  Funkt  4,  wie  man  mit 
Hilfe  der  obigen  Identität  sofort  veritiziren  kann  Da  mitliin  diese  Fläche  durch  sieben 
Punkte  des  betrachteten  Punktsystems  geht,  muss  anf  ihr  anch  noch  der  achte  Funkt 
desselben,  d.  h.  der  Punkt  1,  gelegen  sein,  es  muss  also  zwischen  den  Coordinaten  der 
acht  Punkte  des  Systems  die  Kelation 

(6724)  (8521)  (673D  , (7524)  (8621 ) (7581)  (5624)  (8721 ) (^1)  _ 

(6734)  ^ ^ (7534)  ^ (5634)  " — 

stattlinden.  Diese  ist  aber  offenbar  eine  in  Bezug  anf  die  Coordinaten  des  Punktes  8 
lineare  Gleichnng. 

Im  zweiten  Tbeile  des  Vortrages  werden  die  Resultate  der  analyti.schen  Be- 
trachtungen geometrisch  gedeutet. 


Sechste  Sitzung  aiu  12.  Deceniber  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofratli 
l’rof.  Dr.  M.  Kr.tuse.  — Anw'esend  14  Mitglieder. 

Conrector  Prof.  Dr.  R.  Henke  spricht  über  die  Beziehungen  des 
Dreiecks  zum  Kreise  im  geometrischen  Unterricht. 

Den  Gegenstand  des  V ortrages  bilden  eine  Reihe  von  Thatsachen  ans  der  Geometrie 
des  ebenen  Dreiecks,  welche,  obwohl  im  geometrischen  Unterricht  nur  selten  berück- 
sichtigt , demselben  dennoch  sehr  wohl  auf  seinen  verschiedenen  Stufen  zugänglich  sind 
und  anch  reichhaltigen  Stoff  zn  Aufgaben  constmetiver  und  rechnerischer  Art  bieten. 

Im  ersten  Theile  des  Vortrages  handelt  es  sich  in  der  Hauptsache  nm  gewisse 
Beziehungen,  zu  denen  man  gelangen  kann,  wenn  ein  lieliebiges  Dreieck,  sein  Umkreis 
und  die  Halhimngsliuie  eines  Dreieckswinkels  in  Betracht  gezogen  wird.  Dabei  werden 
die  Seiten  nnd  Winkel  des  Dreiecks,  sowie  die  Railien  des  Umkreises  und  Inkreises  in 
der  üblichen  Weise  bezeichnet,  ausserdem  wird  \ (a  — b)—  d,  | (n  — |3)  = d gesetzt,  und 
unter  q der  Abstand  der  Seite  c vom  .Schnittpunk  e des  Umkreises  mit  der  Halbirungs- 
linie  des  Winkels  y verstanden.  Anf  Gnind  der  gedachten  Beziehungen  lässt  sich  lus- 
dann  das  Dreieck  construireu,  bez.  berechnen,  wenn  r,  tf,  d oder  h,  p,  d'  oder  r,  A,  d ge- 
geben sind,  wobei  in  den  beiden  ersten  Fällen  das  Dreieck  eindeutig,  im  dritten  Falle 
hingegen  zweideutig  bestimmt  ist. 

Im  zweiten  Theil  seines  Vortrages  zieht  Redner  den  Feuerbach'schen  Kreis  in 
Betracht  und  giebt  einen  Beweis  des  Feuerbach'schen  .Satzes,  nach  welchem  dieser  Kreis 
sowohl  den  Inkreis,  als  anch  die  drei  Ankreise  des  Dreiecks  berührt.  Dabei  wird 
der  Aufgabe  gedacht,  ein  Dreieck  aus  r,  p,  d zn  constmiren,  welche  im  Allgemeinen 
zwei  Lflsnngen  znlässt.  Ein  bemerkenswerther  Umstand  zeigt  sich,  wenn  man  von 
irgend  einem  Punkte  U des  Umkreises  Lothe  auf  die  drei  Beiten  des  Dreiecks  fällt  nnd 
die  gerade  Linie  (Simson'sche  Gerade)  constmirt.  auf  welcher  die  Fusspunkte  dieser  drei 
Lothe  gelegen  sind,  wird  nämlich  U mit  dem  Hohenpnnkte  II  des  Dreiecks  verbunden, 
so  liegt  der  Halbirnngspunkt  V von  UH  stets  anf  der  genannten  geraden  Linie;  und 
wenn  f/  den  ganzen  Umkreis  durchläuft,  so  beschreibt  gleichzeitig  V’  den  Feuerbach'schen 
Kreis.  Zu  interessanten  Betrachtungen  giebt  anch  der  Begriff  der  Gegentransversale*) 
Anlass.  Verbindet  man  irgend  einen  Pnnkt  P der  Ebene  mit  den  drei  Ecken  eines 
gegebenen  Dreiecks  nnd  constmirt  zu  diesen  drei  Verbindungslinien  die  Gegentrans- 
versalen,  so  geben  die  letzteren  durch  einen  Punkt  P, , den  sogenannten  Gegenpunkt 
von  P in  Bezug  anf  das  betreffende  Dreieck.  Ist  insbesondere  P ein  Punkt  des  Um- 
kreises, so  liegt  P,  unendlich  fern,  indem  alsdann  die  drei  Gegentransversalen  zu  ein- 
ander parallel  sind. 

Au  der  auf  den  Vortrag  folgenden  Discussion  betheiligen  sich  Prof. 
Dr.  Pli.  Weinmeister,  Prof.  Dr.  R.  Heger  und  Dr.  J.  von  Vieth. 


*)  Zwei  von  einer  Ecke  des  Dreiecks  ausgehende  Transversalen  desselben  werden 
Gegentransversalen  genannt,  wenn  sie  symmetrisch  liegen  zur  Halbiruugslinie  des  be- 
treffenden Dreieckswinkels. 


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24 


Hierauf  spricht  Prof.  Dr.  R.  Heger  über  eine«  Satz  der  Deter- 
m in  ante  «-Theorie. 


Die  ÄnsfUhnmgeii  des  Vortragenden  beziehen  sich  auf  den  Nachweis,  dass  die 


Gleichung 


(14  n) . (23  «)  -f  (24  «) . (31  a)  -f  (34  «) . (12  «)  = 0, 


in  welcher  « zur  Ähkürznng  steht  für  567 . . . n , eine  IdentitSt  ist. 


VII.  Hauptversammlungen. 

Fünfte  Sitzung  am  24.  October  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
Fr.  Foerster.  — Anwesend  47  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  U.  Drude  spricht  über  die  Entwickelung 
der  „Technischen  Potanik“  bis  1900. 

Die  „Technische  Botanik“  begreift  in  sich  diejenigen  Beziehungen  der  Wissen- 
schaft zu  der  anwendenden  Präzis,  welche  zum  Lehrgebiet  der  technischen  Hochschulen 
gehören.  Sie  ist  demgemäss  an  sich  kein  eigenes  abgeschlossenes  Wissensgebiet,  son- 
dern vielmehr  eine  sich  in  stetiger  Weitereutwickelung  betindeiide  Kette  vielseitiger 
Beziehungen,  welche  ebenso  sehr  vom  Fortschritte  der  reinen  Wissenschaft  als  von  den 
Forderungen  technologischer  Praxis  abhängen.  Die  Fortschritte  in  der  Erkenntniss  der 
Gährungsphysiologie  einerseits  und  das  Bcdilrfuiss,  die  zu  Papier  benutzten  pflanzlichen 
Rohstoffe  bei  ihrer  steten  Vermehrung  sicher  mikroskopisch  unterscheiden  zu  können, 
anderseits  mögen  als  zwei  treffliche  Beispiele  für  diese  Beziehungen  und  ihre  Ab- 
hängigkeit dienen. 

Den  Haupttheil  der  Technischen  Botanik  bUdet  die  seit  1793  von  Beckmann 
und  Böhmer  wissenschaftlich  begründete  und  begrenzte  technologische  Rohstoffleh  re 
oder  „Waareukunde“,  welche  zuer.st  mit  äusserlichen  Beschreibungen  und  der  Anfzählnug 
der  be.sonderen  Eigenschaften  der  diese  Rohstoffe  liefernden  Nutzpflanzen  und  der 
geographischen  Verbreitung  derselben  begann.  Heute  erkennen  wir  tu  der  festen  Ver- 
bindung dieser  älteren  „Waarenkunile“  mit  der  bestimmenden  Anatomie  und  der  Zell- 
physiologic  das  wissenschaftliche  Gefüge  und  den  dauernd  befestigten  Untergrund,  auf 
dem  allein  die  Beziehungen  zwischen  den  Bedürfnissen  der  Technologie  und  der  wissen- 
schaftlichen Botanik  zur  selbständigen  Blüthe  gelangen  können,  und  dies  liefert  zugleich 
den  Massstab  für  unsere  Beurtheilung  iu  der  Geschichte  der  Rohstofflehre  und  ihrer 
eigenen  Handbücher.  Wenn  wir  die  jetzt  au  der  Jahrhundertwende  erscheinende  neue 
Rohstofflehre  von  J.  Wiesner  in  ihrer  chemisch- physiologisch  und  nnatoraisch-systematisch 
durchgeführten  Vertiefung  mit  den  vor  mehr  als  100  Jahren  erschienenen,  damals  hoch- 
gelehrten uud  dem  cntstehemlen  Bedürfniss  der  Praxis  vollkommen  gerecht  werdenden 
Büchern  von  Beckmann  uud  Böhmer  vergleichen,  so  überblicken  wir  sofort  den 
ganzen  Entwickelungsgang  und  wissenschaftlichen  Fortschritt  der  technischen  Bot.anik 
und  sehen,  dass  wie  auf  anderen  Gebieten  so  auch  hier  ans  einer  einfachen  Empirie 
sich  ein  complicirtes  Lehrsystem  entwickelte.  Die  „Waareukunde“  hezeichnete  einen 
Lehrgegenstand  für  technische  Gewerbeschulen,  die  Rohstofflehre  von  heute  einen  solchen 
für  die  technischen  Hochschulen  der  Gegenwart. 

Die  ersten  Jahrzehnte  des  nunmehr  abgeschlossenen  .fahrhunderts,  in  dem  neben 
so  vielen  blühenden  Gebieten  angewendeter  Natuiforschung  auch  die  technische  Botanik 
heranwuchs  als  ein  in  seiner  Bedeutung  kaum  schon  genügend  gewürdigter  Zweig, 
zeigten  nach  den  Eingangs  genannten  Werken  keinerlei  grössere  Fortschritte.  Die 
mikroskopische  Technik  musste  sich  erst  selbst  zu  grösserem  Umfange  ausbildcn,  und 
nachdem  .Schleiden  s vernichtende  Kritik  gegen  den  lahmen  Geist  in  der  Botanik  der 
vierziger  .Jahre  und  gegen  die  Ablehnung  alles  dessen,  was  die  Praxis  mit  wissen- 
schaftlichcr  Anregung  zu  befruchten  im  .Staude  sei,  auch  die  noch  mangelhaft  genug 
gebliebenen  Beziehungen  auf  teibuiscbem  Gebiete  herb  hervorgehoben  hatte,  blieb  es 
einigen  Arbeiten  von  Schacht  und  Reissek  zunächst  Vorbehalten,  die  neue  Zell- 
physiologie  auf  dem  Gebiete  der  Technologie  der  Gespiunstfasem  praktisch  zu  ver- 
wertheu und  eine  Brücke  von  der  Waarenkiinde  zur  angewandten  Anatomie  herüber  zu 
schlagen.  Aber  eine  grosse  Entscheidung  wurde  dadurch  noch  nicht  herbeigeführt. 
Dieselbe  konnte  erst  durch  modenie  Umarbeitung  des  Gesammtstoffes  erfolgen,  durch 


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26 


zielbewusstes  Vorgehen  und  Belehren  der  Jünger  dieser  Richtung,  und  hier  war  der 
Mann  der  That  Julius  Wiesner  in  Wien,  der  zuerst  an  der  dortigen  Technischen 
Hochschule  die  Fundamente  der  ganzen  uns  heute  beschäftigenden  Richtimg  neu  be- 
gründete. Seine  Einleitung  in  die  ..Technische  Mikroskopie“  vom  Jahre  1867  und  seine 
erste  Ausgabe  der  „Rohstoffe  des  Pflanzenreiches“  im  Jahre  1873  sind  die  Marksteine 
der  eigenartigen  und  kräftigen  Entwickelung  eines  neuen  Lehrzweiges  angewandter 
Botanik.  Auch  nach  seinem  llebertritt  von  der  Technischen  Hochschule  zur  pflanzen- 
physiologischen Lehrkanzel  an  der  Universität  in  Wien  hat  Wiesner  dieses  Kind  seiner 
ersten  wissenschaftlichen  Anstrengungen  weiter  gepflegt  und  konnte  es  unter  der  Obhut 
von  Schülern  kräftig  heranwacbsen  sehen.  So  ist  die  zweite  Ausgabe  seiner  „Rohstoffe“, 
von  der  jetzt  erst  noch  der  1.  Band  vollendet  vorliegt*).  ein  ebenso  bedeutungsvoller 
Markstein  für  das  Ende  unseres  Jahrhunderts.  Nicht  weniger  als  elf  Autoren  haben 
neben  Wiesner  an  demselben  mitgewirkt,  ausser  Mikosch  in  Brünn  und  Molisch  in 
Prag  lauter  Wiener  Naturforscher;  ihr  stattlicher  Kreis  zeigt  ebenso  deutlich  den  Um- 
fang und  die  Mannigfaltigkeit  verschiedenartiger  Beziehungen  in  der  Rohstofflebre,  als 
die  BlUthe,  zu  der  dieser  Zweig  der  Wissenschaft  gerade  in  Wien  gelangt  ist.  „Die 
technische  Waarenknnde  auf  wissenschaftliche  Grundlage  gestellt  zu  haben  bleibt  ein 
Verdienst  Wiesner's“,  so  lautet  in  knappen,  sehr  viel  Wahrheit  in  sich  schliessenden 
W'orten  ein  Ansspruch  in  der  Geschichte  der  Botanik  in  Wien  im  Jnbelbande  der 
dortigen  zoologisch -botanischen  Gesellschaft  1901. 

Die  einer  wissenschaftlich  begründeten  Lehre  von  den  technisch  verwendeten  Roh- 
stoffen des  Pflanzenreichs  zufallendeu  Aufgaben  erstrecken  sich  auf  folgende  Hauptpunkte ; 

1.  Genaue  Unterscheidung. 

2.  Ermittelung  der  die  Verwendung  beeinflussenden  Eigenschaften,  vom  botanischen 

.Standpunkte. 

3.  Ermittelung  der  Herkunft  und  (iewinnnngsweise ; 

a)  nach  anatomischer  Organographie, 

b)  nach  systematischer  rharakterisirnng. 

c)  nach  Heimath.  bez.  f'ulturgebiet  imd  geographischen  Rassen. 

Zumeist  werden  sich  die  praktischen  Technologen  mit  Punkt  1 — 2 begnügen  und 
sich  durch  diese  zu  mikroskopischen  Untersuchungsmethoden  führen  lassen. 

Immer  mehr  stellt  sich  eine  nützliche  Arbeitstheilung  zwischen  Mitteleuropa  und 
den  reichen  tropischen  ProductionslUndem  heraus  der  Art,  dass  die  Entfaltung  der 
technologischen  Industrie  zur  Verarbeitung  von  Rohstoffen  in  den  Ländern  der  närdlich 
gemässigten  Zone  statttindet,  während  die  Tropen  zur  Entfaltung  des  Plantageubaues 
und  der  rationellen  Ausbeutung  natürlicher  Vegetationsbestände  zur  Gewinnung  solcher 
Rohstoffe  schreiten.  In  der  Vielseitigkeit  wissenschaftlicher  und  praktischer 
Rücksichten  entwickelt  sich  dabei  die  U ohstofflehre  der  Pflanzen  zu 
einer  besonderen  Disciplin.  und  der  Lage  der  .Sache  nach  zu  der  bota- 
nischen Besonderheit  technischer  Hochschulen. 

So  können  wir  heute  mit  besonderem  Stolz  auf  das  schauen,  was  auf  diesem  Ge- 
biete von  1870 — 1900  geleistet  worden  ist;  war  die  erste  Periode  der  Geschichte  der 
„Technischen  Botanik“  von  1793 — 1867  im  Wesentlichen  „Waarenkunde“.  so  gestaltete  sich 
die  zweite  Periode  seit  Wiesner's  „Techni.scher  Mikroskopie“  zu  einer  strebsamen 
Vertiefung  auf  dem  Gebiete  der  anatomisch  physiologischen  Mikroskopie,  welche  leb- 
haften Antheil  an  dem  Gesammtfortschritte  der  lVissen.schaft  nahm  und  in  einer  grossen 
Zahl  technisch  wichtiger  Ptlanzenkürper  das  wi.sseiischaftliche  Lehrgebäude  selbständig 
förderte.  Allseitig  ist  das  Interesse  an  den  Nutzpflanzen  und  ihren  Prodneten  erwacht; 
die  botanischen  Museen  eröffnen  diesen  ihre  Säle  und  bemühen  siih,  gemeinnütziges 
Wissen  dadurch  zu  fördern;  Monographien  aus  ilen  Tropen  werden  in  ihnen  zu  dem 
Zwecke  bearbeitet,  wie  z.  B.  der  grosse  Band  über  die  „Nutzpflanzen  üstafrikas“  ans 
dem  Berliner  .Museum.  Gleichzeitig  arbeitet  ilie  Chemie  mächtig  an  der  .Synthese  so 
vieler  Hinge,  die  sie  aus  dem  Pflanzenreiche  kennen  lernte,  und  sucht  die  Natur  der 
Rohstoffe  von  ihrem  .Standpunkte  aus  ebenfalls  zu  charakterisiren  uml  aufznhellen. 

So  lässt  sich  erwarten,  dass  die  tei  hnischen  Hochschulen  diesen  Zweig  der  Botanik 
weiterhin  kräftig  ausbilden  helfen  «erden,  den  sic  als  ihr  eigenstes  Gebiet  im  Kreise 
der  organischen  Natnrwissen.sc  haften  überkommen  haben.  Die  jetzt  noch  geringe  Schüler- 
zahl wird  sich  in  dem  Umfange  heben,  wie  die  Verwendung  der  analytischen  Mikros- 


•)  Die  Rohstoffe  des  Pflanzenreichs,  Versuch  einer  technischen  Rohstofflehre  des 
Pflanzenreiches.  Von  Ur.  .lulius  Wiesner.  Leipzig.  Verlag  von  W.  Engelmann. 
Bd.  I,  1900.  795  8.  8 ». 


26 


kopie  auch  in  den  Unterauchuugaiimteni  für  Nahmngsmittel  und  für  Inndwirtbscbaft- 
liche  Gewerbe  steigt.  Die  einmal  geknüpfte  Verbindung  der  Botanik  mit  den  tech- 
nischen Hochschulen  wird  sich  von  selbst  kräftigen  und  vertiefen,  sowohl  wegen  ihrer 
jetzt  die  weitesten  Kreise  beschäftigenden  physiologischen  Lehrmethode,  als  auch  wegen 
der  den  Sinn  auf  grosse  Verbindungen  richtenden  Weltlage. 

Privatus  K.  Schiller  lässt  zum  Schluss  einen  Polyporus  giganteus 
circulireu. 

Sechste  Sitzung  am  28.  NoTember  1901.  Vorsitzender;  Prof.  Dr. 
f’r.  Foerster.  — Anwesend  51  Mitglieder  und  4 Gäste. 

Nach  der  Wahl  der  Beamten  der  Gesellschaft  für  das  Jahr  1902 
(s.  S.  29)  spricht 

Dr.  A.  Schlossmann  unter  Vorführung  zahlreicher  Projectionsbilder 
über  die  biologischen  Anschauungen  des  19.  Jahrhunderts. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  längere  Discussion,  an  welcher 
sich  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Prof.  Dr.  Fr.  Foerster,  Geh.  Hof- 
rath Prof.  Dr.  E.  von  Mej'er  und  der  Vortragende  betheiligen. 


Siebente  Sitzung  am  19.  December  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
Fr.  Foerster.  — .\nwesend  61  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  in  längerem,  durch  Wand- 
tafeln, Projectionsbilder,  Geweihe  und  Modelle  erläutertem  Vortrage  über 
das  Kenthier  als  Jagd-  und  Hausthier  der  Polarvölker. 

Hervorznheben  ist  ans  der  Darstellung,  dass  der  Vortragende,  gestützt  auf  eigene 
eingehende  Studien,  nachweist,  dass  das  Renthier  von  den  verschiedenen  altweltlichen 
Polarvfilkem  als  Hansthier  in  vier  ganz  verschiedenen  Weisen  genützt  wird. 

Bei  den  Lappen  ist  das  Ken  im  Sommer  Jlelkthier  und  Tragtbier,  während  es  im 
Winter  einspännig  den  einem  halben  Boote  ähnlichen  Schlitten  zieht.  AU  Keitthier 
verwenden  es  die  Lappen  niemals 

Bei  allen  weiter  Ustlich  wohnenden  Kenthierzüchtem  wird  das  Ken  dagegen  nicht 
gemolken,  sondern  nur  als  Transportthier  verwendet. 

Bei  den  Samojeden  zieht  dasselbe  sowohl  im  Sommer  wie  im  Winter  den  mehr- 
spännigen  Kufenscblitten,  dessen  Sitz  ziemlich  hoch  über  den  Kufen  steht. 

Von  den  Tungusen  (und  Jakuten)  « ird  das  Ken  nicht  vor  den  .Schlitten  gespannt, 
sondern  als  Reit-  und  Tragtbier  benutzt.  Reit-  und  Lastsattel  sind  nach  dem  Muster 
des  gewöhnlichen  Boeksattels  für  Pferde  gebaut,  so  dass  dieser  Lastsattel  sich  typisch 
unterscheidet  von  dem  nach  ganz  anileren  Prineipien  gebauten  Lastsattel  der  Lappländer. 

Die  Behringsvölker  des  östlichsten  Asiens,  besonders  die  Tsclmktschen  und  K^f^äken 
benutzen  dagegen  das  Ren  wieder  ausschliesslich  als  Zugthier  an  mehrspännigen  Kufen- 
schlitten.  dessen  Sitz  aber,  wie  der  der  Hundeschlitten,  sehr  niedrig  steht. 

Aus  letzteren  Thatsachen  ergiebt  sich  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit,  dass  bei 
den  Tungusen  die  Renthiernutzung  nicht  ursprünglich  üblich  war,  sondern  bei  ihnen 
das  Ren  an  die  Stelle  des  Pferdes  trat,  als  dieser  mongolische  Volksstamm  aus  seiner 
ursprünglichen  südlichen  Heimath  in  die  polaren  Gebiete  hinaufgedrängt  wurde. 

Ebenso  scheinen  die  Bebringsvölker  ans  ihrer  eigentlichen  Heimath,  dem  nörd- 
lichsten Amerika  nur  den  Hund  als  Zugthier  mitgebracht  und  erst  in  Asien  das  Ren 
als  theilweisen  Ersatz  für  ihn  angenommen  zu  haben. 


Excursion.  An  Stelle  der  Hauptversammlung  vom  26.  September  1901 
fand  am  Nachmittag  des  28.  September  d.  J.  unter  Führung  von  Prof. 
H.  Engelhardt  eine  Besichtigung  des  Albertparkes  in  Dresden- 
Neustadt  statt,  au  welcher  sich  12  Mitglieder  und  Gäste  betheiligten. 


Digitiz:  ;:  1 . CoO^Ic 


27 


TeränderuDgen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  14.  September  1901  starb  in  Blasewitz  Architect  Richard  Günther, 
wirkliches  Mitglied  seit  1891. 

Am  1.  December  1901  starb  der  consultirende  Bergingenieur  Adolf 
Hering,  von  1895—1899  wirkliches  Mitglied  unserer  Gesellschaft,  seitdem 
correspondirendes  Mitglied  in  Freiberg. 


am  24.  Oc- 
tober  1901; 


Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Barthel,  Theod.,  Kais.  Obertelegraphenassistent  in  Dresden,  am  19.  De- 
cember 1901; 

Dieseldorff,  Arth.,  Dr.  phil.,  Assistent  am  raineralog.  Institut 
der  K.  Technischen  Hochschule  in  Dresden, 

Fehrmann,  Max,  Bürgerschullehrer  in  Dresden, 

Gerlach,  G.  Th.,  Dr.  phil.,  I’rivatus  in  Dresden,  am  28.  November  1901; 

Hesse,  Waith.,  Dr.  med.,  Mediciualrath  in  Dresden,  i .. 

His,  Wilb.,  Dr.  med,,  Oberarzt  am  städtischen  Krankenhaus  I 19.  De- 

in Dresden, 

Hoffmann,  Rieh.,  Dr.  med.  in  Dresden,  J l^Oli 

Kunz-Krause,  Herrn.,  Dr.  phil,  Professor  an  der  K. Thierärztlichen  Hoch- 
schule in  Dresden,  am  28.  November  1901; 

Meigen,  Frdr.,  Dr.  phil,  Realschuloberlehrer  in  Dresden,  am  19.  De- 
cember 1901; 

Meiser,  Emil,  Mechaniker  in  Dresden,  am  28.  November  1901; 

Müller,  Otto,  Dr.  med.  in  Dresden,  am  19.  December  1901; 

Richter,  M.  Em.,  Dr.  jur.,  Rechtsanwalt  in  Dresden,  am  28.  November  1901; 

Rössner,  Paul,  Bezirksschullehrer  in  Löbtau,  ; 

Schanz,  Fritz,  Dr.  med.  in  Dresden,  / December  1901. 


In  die  wirklichen  Mitglieder  sind  übergetreten: 

Staues,  Waith.,  Dr.  phil,  Chemiker  in  Dresden; 

Vater,  Heinr.,  Dr.  phil,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt. 


Neu  ernanntes  Ehrenmitglied: 

Radde,  Gust.,  Dr.  phil,  Kais.  Russ.  Staatsrath,  Director  des  Kaukasischen 
Museums  in  Tiflis,  am  28.  November  1901. 


In  die  correspondirenden  Mitglieder  ist  übergetreten: 
Petrascheck,  Wilh.,  Dr.  phil,  Sectionsgeolog  in  Wien. 


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28 


Freiwillige  Keiträge  zur  tiesellschaftskasse 

zahlten:  Dr.  Anithor,  Hannover,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Bachmann,  Plauen  i. 

3 Mk.;  K.  Bibliothek,  Berlin,  3 Mk.;  naturwissensch.  ModelleurBlaschka, 
Ilosterwitz,  3 Mk.;  Privatus  Eisei,  Gera,  3 Mk.;  Bergmeister  Hartung, 
Lobenstein,  4 Mk.;  Bergingenieur  Hering,  Freiberg,  3 Mk.  15  Pf.;  Prof. 
Dr.  Hibsch,  Liebwerd,  3 Mk.;  Bürgerscbullehrer  Hofmanu,  Grossenhain, 
3 Mk.;  Apotheker  Dr.  Lange,  Werningshausen,  6 Mk.;  Fabrikbesitzer 
Dr.  Nascbold,  Aussig,  15  .Mk.  10  Pf.;  Prof.  Naumann,  Bautzen,  3 Mk.; 
Stabsarzt  Dr.  Naumann,  Gera,  3 Mk.;  Betriebsingenieur  a.  D.  Prasse, 
Leipzig,  0 Mk.;  Dr.  Reiche,  Santiago -Chile,  3 .Mk.;  Director  Dr.  Ueide- 
ineister,  Schönebeck,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Schneider,  Blasewitz,  9 Mk.; 
Oberlehrer  Seidel  I,  Zschopau,  3 Mk.  20  Pf.;  Rittergutspachter  Sieber, 
Grossgrabe,  3 .Mk.  15  Pf.;  Fabrikbesitzer  Dr.  Siemens,  Dresden,  100  .Mk.; 
Dr.  Stauss,  Hamburg,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Sterzei,  Chemnitz,  3 Mk.;  Landes- 
geolog Dr.  Steuer,  Darmstadt,  3 Mk.  10  Pf.;  Prof.  Dr.  Vater,  Tharandt, 
3 Mk.;  Oberlehrer  Wolff,  Pirna,  3 Mk.  — In  Summa  197  Mk.  70  Pf. 

G.  Lehmann, 
Kassirer  der  „Isis“. 


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29 


Beamte  der  Isis  im  Jahre  1902. 

Torstand. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr.  Foerster. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Kassirer:  Hofbuclihändler  G.  Lehmann. 

Directorium. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  P’r.  Foerster. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Als  Sectionsvorstände: 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  II.  Nitsche, 

Geh.  Ilofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude, 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky, 

Prof.  Dr.  J.  Deichmü Iler, 

Privatdocent  Dr.  A.  Schlossinann, 

Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister. 

Erster  Secretär:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Zweiter  Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Terwaltungsrath. 

Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Mitglieder:  1.  Fabrikbesitzer  L.  Guthraann, 

2.  Privatus  W.  Putscher, 

3.  Fabrikbesitzer  E.  Kühnscherf, 

4.  Prof.  Dr.  G.  Helm, 

5.  Prof.  H.  Fischer, 

6.  Fabrikbesitzer  Dr.  Fr.  Siemens. 

Kassirer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Bibliothekar:  Privatus  K.  Schiller. 

Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Sectionsbeamte. 

I.  Seotion  für  Zoologie. 

Vorstand:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche. 
Stellvertreter;  Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz. 

Protocollant:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 

n.  Seotion  für  Botanik. 

Vorstand:  Geh.  Hofnath  Prof.  Dr.  0.  Drude. 

Stellvertreter:  Prof.  K.  Wobst 
Protocollant:  Garteninspector  F.  Ledien. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 


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30 


m.  Seotion  für  Kineralogie  und  Geologie. 

Vorstand:  Prof.  Ur.  E.  Kalkowskj'. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  W.  Bergt 
Protocollant:  Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner. 

IV.  Seotion  für  prähistorisohe  Forschungen. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  H.  Döring. 

Protocollant:  Taubstuminenlehrer  0.  Ebert 
Stellvertreter:  Lehrer  H.  Ludwig. 

V.  Seotion  für  Physik  \ind  Chemie. 

Vorstand:  Privatdocent  Dr.  A.  Schlossmann. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Beythien. 

Protocollant:  Dr.  H.  Thiele. 

Stellvertreter:  Dr.  K.  Engelhardt.i 

VT.  Seotion  für  Mathematik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  A.  Witting. 

Protocollant:  Privatdocent  Dr.  E.  Naetsch. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  J.  von  Vieth. 


Redactionä-Comit4. 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Directoriums  mit  Ausnahme  des 
zweiten  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Secretärs. 


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Bericht  des  Bibliothekars. 


Im  Jahre  1901  wurde  die  Bibliotliek  der  „Isis“  durcli  folgende  Zeit- 
schriften und  Bücher  vermehrt: 

A.  Durch  Tanseh. 

I.  El  u r o p a. 

1.  Dentsohland. 

Altenhury.  Naturforschende  üesellsohaft  des  Üsterlandes.  — Mitteil.,  neue 
Folge,  9.  Bd.  [Aa  69.] 

Annaberg-Buchhoh:  Verein  für  Naturkunde. 

Amjsbnr<j-.  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schwaben  und  Neuburg. 
Bamberg-  Naturforschende  Gesellschaft.  — XVIII.  Bericht.  [Aa  19.] 
Bautzen'.  Natui-wissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“. 

Berlin:  Botanischer  Verein  der  Provinz  Brandenburg.  — Verhandl.,  Jahrg.42. 
[Ca  6.] 

Berlin'.  Deutsche  geologische  Gesellschaft.  — Zeitschr.,  Bd.  52,  Heft  3 
und  4;  Bd.  53,  Heft  1-3.  [Da  17.] 

Berlin:  Gesellschaft  für  Anthropologie,  Ethnologie  und  Urgeschichte.  — 
Verband].,  Juni  1900  bis  April  1901.  [G  55.] 

Bonn:  Naturhistorischer  Verein  der  preussischen  Rheinlande,  Westfalens 
und  des  Reg.-Bez.  Osnabrück.  — Verhandl.,  57.  Jahrg.  [.Aa  93.] 
Bonn:  Niederrheinische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Sitzungs- 
ber.,  1900.  [Aa  322.] 

Brannschweig : Verein  für  Naturwissenschaft. 

Bremen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  Bd.  XV,  Heft  3; 
Bd.  XVII,  Heft  1.  [Aa  2.1 

Breslau:  Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  — 78.  Jahresber. 
[Aa  46.] 

Chemnitz:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Chemnitz:  K. Sächsisches  meteorologisches  Institut. — Jahrbuch,  XVI.  Jahrg., 
1. — 2.  Abth.  [Ec  57.]  — Ahhandl..  Heft  5 — 6.  [Ec  57b.|  — Dekaden 
Monatsberichte  1900.  [Ec  57  c.] — Das  Klima  des  Königreichs  Sachsen, 
Heft  6.  [Ec  57.] 

Danzig:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Schriften,  Bd.  X.  Heft  2 — 3. 
[Aa  80.] 

Darmstadt:  Verein  für  Erdkunde  und  Grossheraogl.  geologische  Landes- 
anstalt. — Notizbl.,  4.  Folge,  21.  Heft.  [Fa  8.] 

Donaueschingen:  Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte  der  Haar  und 
der  angrenzenden  Landesteile. 


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Dresden:  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde. — Jahresber.,  1899 — 1900. 
[Aa  47.] 

Dresden:  Gesellschaft  für  Botanik  und  Gartenbau  „Flora“.  — Sitzungsber. 

u.  Abhandl.,  4.  u.  5.  Jahrg.  [Ca  26.] 

Dresden:  K.  Mineralogisch -geologisches  Museum. 

Dresden:  K.  Zoologisches  und  Anthrop.-ethnogr.  Museum. 

Dresden:  K.  Oelfentliche  Bibliothek. 

Dresden:  Verein  für  Erdkunde. 

Dresden:  K.  Sächsischer  Altertunisverein.  — Neues  Archiv  für  Sachs. 

Geschichte  und  Altertumskunde,  Bd.  XXII.  [G  76.] 

Dresden:  Oekonomische  Gesellschaft  im  Königreich  Sachsen.  — Mittbeil. 

1900— 1901.  |Ha  9.] 

Dresden:  K.  Thierürztliche  Hochschule.  — Bericht  über  das  Veterinär  wesen 
in  Sachsen,  45.  Jahrg.  [Ha  26.] 

Dresden:  K.  Sächsische  Technische  Hochschule.  — Bericht  über  die  K.  Sachs. 
Techn.  Hochschule  a.  d.  Jahr  1900 — 1901;  Verzeichniss  der  Vorlesungen 
und  Uebungen  sammt  Stunden-  und  Studienplänen,  S.-S.  1901,  W.-S. 

1901— 1902.  [Je  63.]  — Personalverz.  Nr.  XXIH.  [Je  63b.] 
Dürkheim:  Naturwissenschaftlicher  Verein  der  Rheinpfalz  „Pollichia“.  — 

LVII.  u.  LVHI.  Jahresber.;  Mitteil.  Nr.  13 — 15.  [Aa  66.] 

Düsseldorf:  Xaturwissenschaftlicher  Verein. 

Elberfeld:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Emden:  Naturforschende  Gesellschaft,  — 85.  Jahresber.  [Aa  48b.] 
Emden:  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer. 
Erfurt:  K.  Akademie  gemeinnütziger  Wissenschaften.  — Jahrb.,  Heft  XXV 
bis  XXVII.  [Aa  263.] 

Erlanjien:  Physikalisch -medicinische  Societät. 

Franiefurt  a.  M.:  Senckenbergische  naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht 
für  1901.  [Aa  9a.] 

Frankfurt  a.  M.:  Physikalischer  Verein.  — Jahresber.  für  1899 — 1900. 
[Eb  36.] 

Frankfurt  a.  0.:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Regierungsbezirks 
Frankfurt.  — „Helios“,  18.  Bd.;  Societatum  litterae,  Jahrg.  XIV. 
[Aa  282.] 

Freiberg:  K.  Sächs.  Bergakademie.  — Programm  für  das  136.  Studien- 
jahr. [Aa  323.] 

Freiburg  i.  B.:  Natiirforschende  Gesellschaft, 

Gera:  Gesellschaft  von  Freunden  der  Naturwissenschaften. 

Giessen:  Oberhessische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde. 

Görlitz:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Abhandl.,  Bd.  23.  [Aa  3.J 
Görlitz:  Oberlausitzische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Neues  Lau- 
sitzisches  Magazin,  Bd.  76;  Codex  diplomat.  Lusatiae  superioris  II. 
Bd.  II,  Heft  1.  [Aa  04.1 

Görlitz:  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Oberlausitz. 
Greifswald:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Neu -Vorpommern  und 
Rügen.  — Mittheil.,  32.  Jahrg.  [Aa  68.] 

Greifsnald:  Geographische  Gesellschaft. 

Guben:  Niederlausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte. — 
Mittheil,,  VI.  Bd.,  Heft  6—8.  [G  102.] 

Güstrow:  Verein  der  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklenburg. 

Halle  a.  S.:  Naturforschende  Gesellschaft. 


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33 


Halle  a.  S.:  Kais.  Leopoldino-Carolinische  deutsche  Akademie.  — Leopoldina, 
Heft  XXXVI,  Nr.  12;  lieft  XXXVII.  [Aa  62.] 

Halle  a.  S.:  Verein  für  Erdkunde.  — Mitten.,  Jahrg.  1901.  (Fa  16.] 
Hamburg-.  Naturhistorisches  Museum.  — Jahrbücher,  Jahrg.  XVlI,  mit  Bei- 
heft 1—4.  [Aa  276.] 

Hamburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  Bd.  XVI,  2.  Hälfte. 

j^Aa  293.]  — Verhandl.,  IH.  Folge,  8.  Heft.  [Aa  293b.] 

Hanmtnj:  Verein  für  naturwissenschaftliche  Unterhaltung.  — Verhandl., 
Bd.  XI.  [Aa  204.] 

Hanau:  Wetterauische  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde. 
Hannover:  Naturhistorisclio  Gesellschaft.  — Jahresber.  48  u.  49.  [Aa  62.] 
Hannover:  Geographische  Gesellschaft. 

Heidelberg:  Naturnistorisch-medicinischer  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  VI, 
Heft  4—5.  [Aa  90.] 

Hof:  Nordoberfränkischer  Verein  für  Natur-,  Geschichts-  und  Landeskunde. 
Karlsruhe:  Naturwissenschaftlicher  Verein. — Verhandl.,  Bd.XlV.  [Aa  88. 
Karlsruhe:  Badischer  zoologischer  Verein.  — Mitteil.,  Nr.  1 — 10.  [Ba  27. 
Kas,‘sel:  Verein  für  Naturkunde.  — Abhandl.  und  Bericht,  Nr.  46.  I Aa  242. 
Kassel:  Verein  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde.  — Zeitschr,, 
Bd.  XXIV,  2.  Heft;  Bd.XXV;  Mittbeil.,  Jahrg.  1899  u.  1900.  [Fa  21.] 
Kiel:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schleswig-Holstein.  — Senriften, 
Bd.  Xll,  1.  Heft.  [Aa  189.] 

Köln:  Redaction  der  Gaea.  — Natur  und  Leben,  Jabrg.  37.  [Aa  41.] 
Königsberg  i.  Pr.:  l’hy.sikalisch -ökonomische  Gesellschaft.  — Schriften, 
41.  Jahrg.  [Aa  81.]  — Bericht  über  die  Verwaltung  des  Ostpreus- 
sischen  Provinzialmuscums  von  1893  — 95.  [Aa  81b.] 

Königsberg  i.  P>-.:  Altertums-Gesellschaft  l’russia. 

Krefeld:  Verein  für  Naturkunde. 

Landshut:  Botanischer  V'erein.  — Bericht  16.  [Ca  14.] 

Leipzig:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Sitzungsber.,  Jabrg.  26  u.  27. 

, [Aa  202.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Berichte  über 
die  Verband].,  mathem.-phys.  Classe,  LII.  Bd.,  Heft  6 u.  7;  LIII.  Bd., 
Heft  1—3.  [Aa  296.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  geologische  Landesuutersuchung.  — Erläuterungen 
zu  Sect.  Glauchau -VVaUlenburg  (Bl.  94),  2.  Aull.  [De  146. J 
Lübeck:  Geographische  Gesellschaft  und  naturhistorisches  Museum.  — 
Mitteil.,  2.  Reihe,  Heft  14  u.  16.  [Aa  279  b.] 

Lüneburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  das  Füi’stentura  Lüneburg. 

— Jahresh.  XV,  mit  Erinnerungsschrift.  [Aa  210.] 

Magdeburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Mainz:  Römisch-germanisches  Centralmuseum.  — Bericht  1895  — 1900. 
[G  145.] 

Mannheim:  Verein  für  Naturkunde. 

Marburg:  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  gesammten  Naturwissen- 
schaften. — Sitzungsber.,  Jahrg.  1899  u.  1900.  [Aa  266.] 

Meissen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“.  — Beobacht,  d.  Isis- 
Wetterwarte  zu  Meissen  i.  J.  1900.  [Ec  40.]  — Mittheilungen  aus  den 
Sitzungen  des  \'ereiusjahres  1900  — 1901.  [.\a  319.] 

Münster:  Westfälischer  I’rovinzialverein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 
Xeisse:  Wissenschaftliche  (iesellschaft  „Philomathie“. — 30. Bericht.  [Aa  28.] 


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34 


Nürnberg'.  Naturhistorische  Gesellschaft.  — Festschrift  zur  Säcularfeier 
1901.  [Aa  5.] 

Offenbach:  \ ereiu  für  Naturkunde.  — 37. — 42.  Bericht.  [Aa  27.1 
Osnabrück:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — XIV.  JahreAer.  [Aa  177.] 
I^issau:  Naturhistorischer  Verein.  — 18.  Jahresber.  [Aa  56.] 

Posen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Zeitschr.  der  boten.  .Abtheil., 
7.  Jahrg.,  Heft  3;  8.  Jahrg.,  Heft  1 — 2.  [Aa  316.] 

Regensbury:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Regensburg:  K.  botanische  Gesellschaft. 

Reichenhach  i.  V.:  Vogtländischer  Verein  für  Naturkunde. 

Reutlingen:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Schneeherg:  Wissenschaftlicher  Verein. 

Stettin:  Örnithologischer  Verein.  — Zeitschr.  für  Ornithologie  und  prakt. 
Geflügelzucht,  Jahrg.  XXV.  [Bf  67. J 

Stuttgart:  Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württemberg.  — Jahres- 
hefte, Jahrg.  67.  [Aa  60.] 

Stuttgart:  Württembergischer  Altertunisverein.  — Württemberg.  Viertcl- 
jahrshefto  für  Landesgeschichte,  u.  F.,  10.  Jahrg.  [G  70.] 

Tharandt:  Redaction  der  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  — Laud- 
wirtsch.  Versuchsstationen,  Bd.  LV;  LVl,  Heft  1.  (In  der  Bibliothek 
der  Versuchsstation  ini  boten.  Garten.) 

Thorn:  Coppernicus -Verein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 

Trier:  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen.  — Die  Saecularfeier  mit 
Festschr.,  1901.  [Aa  262.] 

Ulm:  Verein  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften. 

Ulm:  Verein  für  Kunst  und  Altertum  in  Ulm  und  Oberschwaben. 
Weimar:  Thüringischer  botanischer  Verein. — Mittheil.,  n.F.,  15.  Heft.  [Ca  23.| 
Wernigerode:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Harzes. 

Wiesbaden:  Nassauischer  Verein  für  Naturkunde. 

Würzburq:  Physikalisch-medicinische  Gesellschaft.  — Sitzungsber.,  Jahrg. 
1900^  [Aa  85.] 

Zerbst:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Zwickau:  Verein  für  Naturkunde. 

2.  Oesterreioh-Üngarn. 

Aussig:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Bistritz:  Gewerbelehrlingsschule.  — XXV.  Jahresber.  [Je  105.] 

Brunn:  Naturforschender  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  XXXVHI,  u.  18.  Bericht 
der  meteorolog.  Commission.  [.Aa  87.] 

Brünn:  Lehrerverein,  Club  für  Naturkunde.  — Bericht  HI.  [Aa  330.] 
Budapest:  Ungarische  geologische  Gesellschaft.  — Földtaui  Közlony,  XXX. 

köt.,  10 — 12.  füz.;  XXXI.  köt.,  1 — 9.  füz.  [Da  25.] 

Budapest:  K.  Ungarische  naturwissenschaftliche  Gesellschaft,  und:  Ungarische 
Akademie  der  Wissenschaften. — Mathemat.  u.  naturwissensch.  Berichte, 
14.— 16.  Bd.  [Ea  .37.1 

Graz:  Naturwisseiischaftlicner  Verein  für  Steiermark.  — Mittheil.,  Jahrg. 
1900.  [Aa  72.] 

Hermannstadt:  SiebenbürgischerVercinfürNaturwissenschaften. — Verhandl. 

und  Mittheil.,  L.  Jahrg.  [Aa  94.] 

Iglo:  Ungarischer  Karpathen erein. 


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35 


Innsbruck:  Naturwissenschaftlich -mediciuischer  V'erein.  — Berichte,  XXVI. 
Jahrg.  [Aa  171.] 

Klagenfurt:  Naturhistorisches  Landes -Museum  von  Kärnthen. — Jahrbuch, 
26.  Heft.  [Aa  42.]  — Diagramme  der  magnet.  ii.  meteorolog.  Beobacht, 
zu  Klagenfurt,  1900.  [Ec  64] 

Krakau:  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1900,  Nr.  10;  1901, 
Nr.  4-7.  [Aa  302.1 
Laibach:  MuseaVerein  für  Krain. 

Lim:  Verein  für  Naturkunde  in  Oesterreich  ob  der  Enns.  — 30.  Jahresber. 
[Aa  213.] 

Lim:  Museum  Francisco-Carolinum.  — 59.  Bericht  nebst  der  53.  Lieferung 
der  Beiträge  zur  Landeskunde  von  Oesterreich  ob  der  Enns.  [Fa  9.] 
Prag:  Deutscher  naturwissenschaftlich -medicinischer  Verein  für  Böhmen 
„Lotos“.  — Sitzungsber.,  Bd.  XX.  [Aa  63.] 

Prag:  K.BöhmischeGesellschaftder  Wissenschaften.  — Sitzungsber., mathem.- 
naturwissensch.  CI.,  1900.  [Aa  269.]  — Jahresber.  für  1900.  [Aa  270.] 
Prag:  Gesellschaft  des  Museums  des  Königreichs  Böhmen.  — Gescnäftsber. 

1900.  [.\a272.] — Pamätky  archaeologicke,  dil.XVIIl,  ses.6 — 8;  dil.XlX, 
ses.  1 — 5.  [G71.]  — StaroJit  nosti  zeme  ceske,  dil.  1,  svazek2.  [G71.] 

P-ag:  Lese-  und  Uedehalle  der  deutschen  Studenten.  — Jahresber.  für  1900. 
[Ja  70.] 

Pag:  Ceska  Akademie  Cisafe  Frantiska  Josefa.  — Uozpravy,  trida  II, 
roenik  9.  [Aa  313.] 

P-esburg:\' cvc\n  für  Heil-  und  Naturkunde.  — Verband!.,  n.F.,  Heft  12.  [Aa92.] 
lieichenberg : Verein  der  Naturfreunde.  — Mittheil.,  Jahrg.  32.  [Aa  70.] 
iSalzlnirg:  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde.  — Mittheil.,  Bd.  XL. 
[Aa  71.] 

Temesviir:  Südungarische  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften.  — Termes- 
zettudoraänyi  Füzetek,  XXIV.  köt.,  füz.  4;  XXV'.  köt.  [Aa  216.] 
Trencsin:  Naturwissenschaftlicher  V'erein  des  Trencsiner  Comitates. 

Triest:  Museo  civico  di  storia  naturale. 

Triest : Societä  Adriatica  di  scienze  naturali. 

Wien:  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  — Mittheil,  der  praehistor. 
Commission,  Bd.  5.  [G  111.]  — Anzeiger,  1898,  Nr.  13—27;  1899; 
1900;  1901,  Nr.  1-20.  [Aa  11.] 

Wien:  Verein  zur  V^erbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse.  — 
Schriften,  Bd.  XLI.  [Aa  82.] 

Wien:  K.  K.  naturhistorisches  Hofmuseum.  — Annalen,  Bd.  XV,  Nr.  3 — 4. 
[Aa  280.] 

Wien:  Anthropologische  Gesellschaft.  — Mittheil.,  Bd.  XXX,  Heft  6; 

Bd.  XXXI,  Heft  1 — 5;  Generalregister  zu  Bd.  XXI — XXX.  [Bd  1.] 
Wien:  K.  K.  geologische  Reichsanstalt.  — Abhandl.,  Bd.  XVI,  Heft  1.  [Da  1.] 
— Jahrbuch,  Bd.  L,  Heft  2.  [Da  4.]  — V'erhandl.,  1900,  Nr.  13 — 18; 

1901,  Nr.  1 — 14.  [Da  16.]  — Geologische  Karte  der  Oesterreich- 

Ungarischen  Monarchie.  S.-W.-Gruppe,  Nr.  71  u.  Nr.  121,  mit  Erläut 
(Da  33.] 

Wien:  K.  K.  zoologisch -botanische  Gesellschaft  — Verhandl.,  Bd.  L,  u. 
Festschrift.  [Aa  95.] 

Wien:  Naturwissenschaftlicher  Verein  an  der  Universität. 

Wien:  Central  - Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  — Jahr- 
bücher, Jahrg.  1898;  1899,  1.  Theil.  [Ec  82.] 


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36 


3.  Rumänien. 

Bukarest;  Institut  meteorologique  de  Roumanie. 

4.  Schweiz. 

Aarau:  Aargauische  naturforscliende Gesellschaft. — Mittheil.,  Heft9.[Aa317.] 
Basel:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XIII,  Heft  1 — 2; 

Register  für  Bd.  XI — XII;  Bd.  XIV.  [Aa  86.J 
Bern:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Mittheil.,  Nr.  1451— 1499.  [Aa  254.1 
Bern:  Schweizerische  botanische  Gesellschaft.  — Berichte,  Heft  11.  [Ca  24.J 
Bern:  Schweizerische  naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.  der  82. 

u.  83.  Jahresversammlung.  [Aa  255.] 

Chur:  Naturforschende  Gesellschaft  Graubündens. 

Frauenfeld:  Thurgauische  naturforschende  Gesellschaft  — Mitteil.,  Heft  14. 
[Aa  261.] 

Freiburg:  Societe  Fribourgeoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  vol.  VIII. 
[Aa  264.]  — Memoires:  Chemie,  Bd.  I,  no.  1 — 2;  Botanik,  Bd.  I,  no.  1; 
Geologie  und  Geographie,  Bd.  I.  [Aa  264b.] 

St.Gallen:  Naturforschende  Gesellschaft  — Bericht  für  1898— 99.  [Aa  23.] 
Lausanne:  Societe  Vaudoiso  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  4.  ser., 
vol.  XXXVI,  no.  138;  vol.  XXXVU,  no.  139 — 141.  [Aa  248.] 
Netichatel:  Societe  des  Sciences  naturelles. 

Schaffhausen:  Schweizerische  entomologische  Gesellschaft.  — Mittheil., 
Vol.  X,  Heft  8.  [Bk  222.] 

Sion:  La  Murithienne,  societe  Valaisanne  des  Sciences  naturelles. 
Winterthur:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Zürich:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Vierteljahrsschr.,  Jahrg.  45, 

Hefts — 4;  Jahrg. 46,  Heft  1 — 2.  [Aa  96.]  — Neujahrsbl.  1901.  [Aa  96b.] 

5.  Frankreich. 

Amiens:  Societe  Linneenne  du  nord  de  la  France. 

Bordeaux:  Societe  des  Sciences  physiques  et  naturelles.  — Memoires. 
ser.  5,  tome  V,  cah.  2;  appendice  au  tome  V;  proces  verbaux.  annee 
1899—1900.  [Aa  253.] 

Cherbourg:  Societe  nationale  des  Sciences  naturelles  et  mathematiques.  — 
Memoires,  tome  XXXI.  [Aa  137.] 

Dijon:  Academie  des  Sciences,  arts  et  belles  lettres.  — Memoires,  tome  VII. 
[Aa  138.] 

Le  Mails:  Societe  d’agricnlture.  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe.  — Bulletin, 
tome  XXIX,  fase.  4;  tome  XXX,  fase.  1.  [Aa  221.] 

Lgon:  Societe  Linneenne. 

Lgon:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  industrie. 

Lyon:  .\cademie  des  Sciences  et  lettres. 

Baris:  Societe  zoologique  de  France.  — Bulletin,  tome  XXV.  [Ba  24.1 
Toulouse:  Societe  Fran^aise  de  botanique. 

k 

6.  Belgien. 

Brüssel:  Societe  royale  malacologique  de  Belgique.  — Anuales,  tome  XXXIV 
bis  XXXV.  [Bi  1.] 

Brüssel:  Societe  entomologique  de  Belgique.  — .\nnales,  tome  XLIV. 
[Bk  13.]  — Memoires,  tome  VIII.  [Bk  13b.] 


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37 


Brüssel:  Societe  royale  de  botauique  de  Belgicjue.  — Bulletiu,  tome  XXXIX. 
rCa  16.J 

Genwloux:  Station  agronoinique  de  l’etat.  — Bulletin,  no.  69 — 70.  [Hb  76.] 
Lüttich:  Societe  geologique  de  Belgique. 

7.  Holland. 

Gent:  Kruidkundig  Genootschap  „Dodonaea“. 

Groningen:  Naturkundig  Genootschap.  — Centralbureau  voor  de  Kennis 
van  de  Provincie  Groningen  en  omgebgen  streken;  Beidragen,  deel  I, 
stuk  3-4.  jjc  80  b.] 

Harlein:  Museo  Teyler.  — Archives,  ser.  II,  vol.  VII,  p.  3.  [Aa  217.] 
Hartem:  Societe  Hollandaise  des  Sciences.  — Arcbives  Neerlaudaises 
des  Sciences  exactes  et  naturelles,  ser.  II,  tome  IV,  livr.  2 — 3;  tome 
V u.  VI.  [Aa  257.] 

8.  Lnxembnrg. 

Luxemburg:  Societe  botanique  du  Grandduche  de  Luxembourg. — Memoires 
et  travaux,  Nr.  XIV.  |Ca  11.] 

Luxemburg:  Institut  grand-ducal.  — Publications,  tome  XXVI.  [Aa  144.] 
Luxemburg:  Verein  Luxemburger  Naturfreunde  „Fauna“.  — Mittheil.,  10. 
Jabrg.  [Ba  26.] 

9.  Italien. 

Brescia:  Ateneo.  — Commentari  jier  l'anno  1900.  [Aa  199.] 

Catania:  Accademia  Gioenia  di  scicnze  naturale.  — Atti,  ser.  4,  vol.  XIII. 

[Aa  149.]  — Bollettino,  fase.  LXIV — L.XX.  [Aa  149b.] 

Florenz:  It.  Institute.  — Section  für  Physik  und  Naturgesch.,  Publicat., 
Nr.  28  — 29;  Section  für  Medicin  und  Chirurgie,  Publicat.,  Nr.  15, 
18-20.  [Aa  229.] 

Florenz:  Societä  entomologica  Italiana.  — BuIIettino,  anno  XXXII,  tr.  4; 
anno  XXXIII,  tr.  1 — 2.  [Bk  193.] 

Mailand:  Societä  Italiana  di  scienze  naturali.  — Atti,  vol.  XXXIX, 
fase.  3 — 4;  vol.  XL,  fase.  1 — 3.  [Aa  150.]  — Memorie,  vol.  VI,  fase.  3. 
[Aa  160b.] 

Mailand:  R.  Institute  Lombardo  di  scienze  e lettere. — Uendiconti,  ser.  2, 
vol.  XXXIII.  [Aa  161.]  — Memorie,  vol.  XVIII,  fase.  11;  vol.  XIX, 
fase.  1 — 4.  [Aa  167.] 

Modena:  Societä  dei  naturalisti. 

lüdua:  Societä  Veneto  Trentina  di  scienze  naturali. 

Falermo:  Societä  di  scienze  naturali  ed  economiche.  — Giornale,  vol.  XXII. 
[Aa  334.] 

Farma:  Redazione  del  BuIIettino  di  paletnologia  Italiana. 
r^sa:  Societä  Toscana  di  scienze  naturali. — Processi  verbali,  vol. XII  (26.  XI. 
1900-5.  V.  1901.)  [Aa  209.) 

Rom:  Accademia  dei  Lincei.  — Atti,  Rendiconti,  ser.  5,  vol.  IX,  2.  sem., 
fase.  11 — 12;  vol.  X,  1.  sem.;  2.  sem.,  fase.  1 — 11.  [Aa  226.] 

Rom:  R.  Comitato  geologico  d’ltalia. 

Turin:  Societä  meteorologica  Italiana.  — Bollettino  mensuale,  ser.  II, 
vol.  XX,  no.  7 — 12;  vol.  XXI,  no.  1 — 8.  [Ec  2.] 

Venedig:  R.  Instituto  Veneto  di  scienze,  lettere  e arti. 

Verona:  Accademia  di  Verona.  - Atti  e Memoire,  ser.  IV,  vol.L,  fase.  1.  [Ilal4.j 


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38 


10.  ßrossbritannien  und  Irland. 

Dublin:  Royal  geological  society  of  Irland. 

Edinburg:  Geological  Society.  — Transactions,  vol.  VIII,  p.  1.  (Da  14.] 
Edinburg:  Scottish  meteorological  society.  — Journal,  new.  ser.,  no.70 — 79. 
[Ec  3.] 

Glasgow:  Satural  history  society. 

Glasgow:  Geological  society. 

Manchester:  Geological  society.  — Transactions,  vol.  XXVII,  p.l  — 7.  [Da  20.] 
Neucastle-upon-Tgne:  Tyneside  naturalists  field  club,  und:  Natural  history 
society  of  Northuniberland,  Durham  and  Newcastle-upon-Tyne. 

11.  Schweden,  Norwegen. 

Bergen:  Museum.  — Aarsberetning  1900;  Aarbog  1900,  2.  Heft  und  1901, 
1.  Heft,  [Aa  294.]  — Meeresfauna  von  Bergen,  Heft  1.  [Aa  294b.] 
Christiania:  Universität. 

Christiania:  Foreningen  til  Norske  fortidsmindesmerksers  bevaring.  — 
Aarsberetning  for  1898  — 1900.  [G  2.]  — Kunst  og  handverk  fra 
Norges  fortid,  2.  Reihe,  Heft  4.  81.] 

Stockholm:  Entomologiska  Foreningen.  - Entoraologisk  Tidskrift,  Arg.  21. 
[^Bk  12.1 

Stodaiolm:  K.  Vitterbets  Historie  ocb  Antiqvitets  Akademien.  — Mänuds- 
blad,  1896  u.  1900.  [G  135  a.] 

Tromsoe:  Museum.  — Aarsberetning  1898 — 1900;  Aarshefter  XXlIl.  [Aa243.] 
Upsala:  Geological  Institution  of  the  university.  — Bulletin,  vol.  V,  p.  1. 
[Da  30.] 

12.  Russland. 

Ekatlutriiienburg:  bociete  Ouralienne  d'amateurs  des  Sciences  naturelles.  — 
Bulletin,  tome  XXII.  [Aa  259.] 

Helsingfors:  Societas  pro  fauna  et  nora  fennica. 

Kharkow:  Societe  des  naturalistes  ä l’universite  imperiale. 

Kiew:  Societe  des  naturalistes.  — Memoires,  tome  XVI,  livr.  2.  [Aa  298.] 
Moskau:  Societe  imperiale  dos  naturalistes.  — Bulletin,  1900;  1901,  no.  1 — 2. 
[Aa  134.]  _ 

Odessa:  Societe  des  naturalistes  de  la  Nouvelle  - Russie.  — Memoires, 
tome  XXtll,  p.  1—2.  [Aa  256.] 

Petersburg:  Kais,  botanischer  Garten.  — Acta  horti  Petropolitani,  tome  XVI; 
tome  XVHI,  fase.  1 — 3.  [Ca  10.] 

Petersburg:  Comite  geologique.  — Bulletins,  vol.  XIX;  XX,  uo.  1 — 6.  [Da  23.] 
— jfeiuoires,  vol.  XIII,  no.  3;  vol.  XVHI,  no.  1 — 2.  — Bibliotheque 
geologique  de  la  Russie,  1897.  [Da  24.] 

Petersburg:  Physikalisches  Centralobservatoriuin.  — Annalen,  Jahrg.  1899. 
[Ec  7.] 

Petersburg:  Aeademie  imperiale  des  Sciences.  — Bulletin,  nouv.  serie  \, 
tome  XII,  no.  2 — 5;  tome  XIII,  no.  1 — 3.  [Aa  315.] 

Petersburg:  Kaiserl.  mineralogische  Gesellschaft.  — Verhandl.,  2.  Ser., 
Bd.  38,  Lief.  2;  Bd.  39,  Lief.  1.  [Da  29.1  — Travaux  de  la  section 
geologique  du  cabinet  de  sa  majeste,  vol.  III,  livr.  2;  vol.  IV.  [Da  29c.] 
Piga:  Naturforscher-Verein.  — .Arbeiten,  n.  F.,  10.  Heft.  [Aa  12.]  — 
Korrespondenzblatt,  XLIV.  [Aa  34.] 


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39 


11.  A.  m e 1*  i k a. 

1.  Nord- Amerika. 

Albany.  New  York  state  museum  of  natural  history.  — Ännual  report 
49,  p.  3;  50,  p.  2;  51.  [.\a  119.] 

Baltimore:  John  Hopkins  university.  — University  circulars,  vol.  XIX, 
no.  144 — 147;  vol.  XX,  no.  148  — 153;  vol.  XXI,  no.  154.  [Aa  278.]  — 
American  Journal  of  nrntlieraatics,  vol.  XXII,  no.  2 — 4;  vol.XXlII.  [Ea38.] 
— .American  Chemical  Journal,  vol.  XXIII,  no.5 — 6;  vol. XXIV;  vol.  XXV; 
vol.  XXVI,  no.  1—3.  [Ed  60.]  — Studies  in  histor.  and  politic. 
Science,  ser.  XVIII,  no.  5 — 12;  ser.  XIX,  no.  1 — 9.  [Fb  125.]  — 
American  Journal  of  philology,  vol.  XXI,  no.  1 — 4;  vol.  XXII,  no.  1— 2. 
[Ja  64.]  — Maryland  geological  survey,  Allegany  county,  w.  Atlas; 
Maryland  and  iU  natural  recources;  eoceue  report.  [Da  35.] 
Berkeley:  University  of  California. — Departement  of  geology:  Bulletin  II, 
no.  7;  register  1899  — 1900,  vol.  II,  no.  1;  presidents  report,  vol.  II, 
no.  3;  lihrary  bulletin,  no.  13.  [Da  31.] 

Boston:  Society  of  natural  history.  — Proceedings,  vol.  XXIX,  no.  9 — 14. 

[Aa  111.]  — Memoirs,  vol.  V,  no.  6—7.  [Aa  106.] 

Boston:  American  academy  of  arts  and  Sciences. — Proceedings,  new  ser., 
vol.  XXXVI,  9 — 29;  vol.  XXXVII,  1 — 3.  [Aa  170.]  — Occasional 
papers,  vol.  I,  p.  3.  [Aa  111b.] 

Buffalo:  Society  of  natural  Sciences.  — Bulletin,  vol.  VII,  no.  1.  [Aa  185.] 
Cambridye:  Museum  of  comparative  zoology.  — Bulletin,  vol.  XXXVI, 
110.5— 8;  vol.  XXXVII,  no.  3;  vol.  XXXVIII,  no.  1 — 4;  vol.  XXXIX, 
no.  1.  — Annual  report  1898  — 1901.  [Ba  14.] 

Chicago:  Academy  of  Sciences. 

Oiicago:  Field  Columbian  Museum. — Publications  46,  61 — 59.  [Aa  324.] 
Davenport:  Academy  of  natural  Sciences. 

Halifax:  Nova  Scotian  institute  of  natural  science.  — Proceedings  and 
transactions,  2.  ser.,  vol.  III,  p.  2.  [Aa  304.] 

Latvrence:  Kansas  University.  — Quarterly,  seriesA:  Science  and  mathe- 
raatics,  vol.  IX,  no.  3 — 4;  vol.  X,  no.  1 — 2.  [Aa  328.] 

Madison:  Wisconsin  Academy  of  Sciences,  arts  ancl  letters.  — Transactions, 
vol.  XII,  p.  2;  vol.  XIII,  p.  1.  [Aa  206.] 

Mexiko:  Socicdad  cieutifica „Antonio  Alzate“. — Memorias  y Uevista,toraoXIII, 
cuad.  1 — 2;  tomo  XIV,  cuad.  11—12;  tomo  XV,  cuad.  1—10.  [Aa  291.] 
Mexiko:  Instituto  geologico  de  Mexico:  Bosqueio  geologico,  boletin  10 — 13. 
[Da  32.1. 

Milwaukee:  Public  Museum  of  tbe  City  of  Milwaukee. 

Milwaukee:  Wisconsin  natural  history  society.  — Bulletin,  new  ser.,  vol.  I, 
no.  3—4.  [Aa  23.3.] 

Montreal:  Natural  history  society.  — The  canadian  record  of  science, 
vol.  VIII,  no.  6.  [Aa  109.1 

Netv-Have7K  Connecticut  academy  of  arts  and  Sciences.  — Transactions, 
vol.  X,  p.  2.  [Aa  124.] 

New-  York:  Academy  of  Sciences.—  Annals,  vol.  XIII,  no.  1 — 3.  [Aa  101.]  — 
Memoirs,  vol.  II,  p.  2— 3.  [Aa  258b.] 

New -York:  American  museum  of  natural  history. 

Philadelphia:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  1900,  p.  U — III; 
1901,  p.  I.  [Aa  117.] 


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40 


Philadelphia : American  philosophical  society.  — Proceedings,  vol.  XXXIX ; 
Tol.  XL.  [Aa  283.1 

Philadelphia:  Wagner  iree  institute  of  Science. 

Philadelphia:  Zoological  society.  — Animal  report  29.  [Ba  22.] 
Rochester:  Academy  of  Science.  — Proceedings,  vol.  IV,  pag.  1 — 64.  [Aa312.J 
Bochester:  Geological  society  of  America.  — Bulletin,  vol.  XI;  Index  to 
vol.  I— X.  [Da  28.] 

Salem:  Essex  Institute. 

San  Francisco:  California  academy  of  Sciences.  — Proceedings,  3.  ser., 
vol.  II,  no.  1—6.  [Aa  112.]  — Occasinal  papers,  vol.  VII.  [Aa  112  b.] 
St.  Pjoxtis:  Academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  IX,  no.  6 — 9;  vol.  X, 
no.  1 — 8.  [Aa  125.] 

St.  Liouis:  Missouri  botanical  garden.  — 12.  annual  report.  [Ca  25.] 
Topeka:  Kansas  academy  of  Science. 

Toronto:  Canadian  institute.  — Proceedings,  vol.  II,  p.  4.  [Aa  222.]  — 
Transactions,  vol.  VII,  p.  1.  [Aa  222b.] 

Tafts  College. 

Washington:  Smithsonian  Institution. — Annual  report  1898  und  1899. — 
Report  of  the  U.  St.  nat.  museum,  1897,  p.  2;  1898;  1899.  [Aa  120c.] 
Washington:  United  States  geological  survey.  — XX.  annual  report, 
p.  2 — 7;  XXI.  annual  report,  p.  1,  6.  [De  120a.]  — Bulletin,  no.  163 
bis  176.  [De  120b.]  — Monograplis,  vol.  XXXIX  u.  XL.  [De  120c.[ 
— Preliminary  report  on  the  Cape  Nome  gold  region  Alaska.  [De  1 20d.[ 
Washington:  Bureau  of  education. 

Z.  Sttd-Amerika. 

Buenos-Aires:  Museo  nacional.—  Comniunicaciones,  toraol, uo.8-9.  [Aal47b.] 
Buenos- Aires:  Sociedad  cientifica  Argentina. — Anales,  tomo  L,  entr.  4 — 6; 

tomo  LI;  tomo  LU,  entr.  1 — 3.  [Aa  230.] 

Cordoha : Academia  nacional  de  eiencias.  — - Boletin,  tomo  XVI,  entr.  2 — 4. 
[Aa  208 a.l 

Montevideo:  Museo  nacional.  — Anales,  fase.  XVII — XXL  [Aa  326.] 

Rio  de  Janeiro:  Museo  nacional. 

San  Jose:  Instituto  fisico-geografico  y del  niuseo  nacional  de  Costa  Rica.  — 
Insectos,  Moluscos  de  Costa  Rica.  [Aa  297.1 
Sao  Ikulo:  Commissäo  geographica  e geologica  de  S.  Paulo. 

Im  Pf  ata:  Museum. 

Santiago  de  Chile:  Deutscher  wissenschaftlicher  Verein. 


III.  A.  s i e n. 

Batavia:  K.  naturkundige  Yereeniging.  — Natuurk.  Tijdschrift  voor 

Nederlandsch  Indie,  Deel  60.  [.\a  250.] 

Calcutta:  Geological  survey  of  India.  — Memoirs,  vol.  XXVIII,  p.  2; 
vol.  XXX,  p.  2;  vol.  XXXI,  p.  1;  vol.  XXXIII,  p.  1.  [Da  8.]  — Palaeon- 
tologia  Indica,  ser.  XV,  vol.  III,  p.  2;  ser.  IX,  vol.  II,  p.  2;  vol.  III,  p.  1; 
new.  ser.,  vol.  I,  p.  3.  [Da  9.]  — General  report  1900 — 1901.  [Da  18.] 
Tokio:  Deutsche  Gesellschaft  für  Natur-  und  Völkerkunde  Ostasiens.  — 
Mittheil.,  Bd.  VIII,  Th.  2 u.  Supplem.  [Aa  187.] 


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41 


IV.  TVusti'a.lien. 

Melbourne:  Mining  department  of  Victoria.  — Annual  report  of  the  secretaiy 
for  mines,  1900.  [Da  21.] 

B.  Durch  Geschenke. 

Aqitila,  Zeitsclirift  für  Ornithologie,  Jahrg.  V — VI.  [Bf  68.] 

Beythien,  A.:  11  Separata  über  Untersuchungen  der  Nahrungs-  und  Ge- 
nussmittel. 1900.  [Hb  129k — q.] 

Blanford,  W.  T.i  The  distribution  of  vertebrale  animals  in  India,  Ceylon 
and  Burma.  Sep.  1901.  [Bb  69  b.] 

Conuente,  H.:  Subfossile  Reste  der  Wassernuss.  Sep.  1900.  [Cd  109 bj. 
Credner,  H.:  Die  vogtländiscben  Erdbebenschwärrae  während  des  Juli 
und  des  August.  Sep.  1900.  [De  137i.] 

Credner,  //.:  Das  sächsische  Schüttergebiet  des  Sudetischen  Erdbebens 
am  10.  Januar  1901.  Sep.  [De  137k.] 

Credner,  H.:  Armorika.  Sep.  1901.  |Dc  1371.] 

Dat}ie,E.:  6 Separata  über  geologische\  erhältnisse  in  Schlesien.  [Dcl96k— p.] 
Deichmüller,  J.:  Die  steinzeitlichen  h'unde  im  Königreich  Sachsen.  Sep. 
1900.  [G  119C.1 

Engelhardt,  H.:  Ueber  Tertiärpflanzen  vom  Himmelsberge  bei  Fulda. 
Sep.  1901.  [Dd  94r.] 

Fremd,  A.:  Ueber  den  Plusinglanz.  Sep.  1901.  [Db  93h.] 

Fritsch,  A.:  Fauna  der  Gaskohle  und  der  Kalksteine  der  Permformation 
Böhmens.  Bd.  I\',  Heft  .3.  [Dd  19.] 

Geinitz,  E.:  Mittheilungen  aus  der  Grossherzogi.  Mecklenburgischen  Landes- 
anstalt. Nr.  XII  u.  XIII.  [De  217h-i.J 
Ooppelsrocder,  F.\  Capillaranalyse  und  das  Emporsteigen  der  Farbstoffe 
in  den  Pflanzen.  Sep.  1901.  [Cc  66.] 

Hartmann,  G.:  Die  kreisende  Energie  als  Grundgesetz  der  Natur.  [Eb  47.] 
Hang,  H:  Vergleichende  Erdkunde  und  alttestamentlich-geographische 
Weltgeschichte.  Mit  Atlas.  1894.  [Fb  133.1 
Maiden,  J.:  Botauic  gardens  and  domains  in  Sydney.  Report  for  1899.  (Cd  118.] 
Möhl,  H.:  Die  Witterungsverhältnisse  des  Jahres  1900.  [flc  91.] 
Neupert,  C.:  Mechanik  des  Himmels  und  der  Moleküle.  1901.  [Ea  47.] 
Niedenta,  F.:  Arbeiten  aus  dem  botanischen  Institut  in  Braunsberg,  Ost- 
preussen.  I.  [Cd  124.] 

Fassalsky,  P.:  Anomalies  magnötiques  dans  la  region  des  mines  de  Krivoi- 
Rog.  1901.  [Ec  98.] 

Raleigh:  Elisha  Mitchell  scientific  society. — Journal,  vol.XVII,p.l-2.  [Aa300.] 
Rütimeyer,  L.:  Gesammelte  kleine  Schriften.  [Ab  90.] 

Salonique:  Bulletin  annuaire  de  la  Station  meteorologique,  1899.  [Ec  89.' 
Sars,  O.:  An  accouut  of  the  Crustacea  of  Norway,  vol.  IV,  p.  1 — 2.  [Bl  29b. 
Schmidt,  E.v.:  Eine  neue  physiolog.  Thatsache  psycholog.  gedeutet.  [Bc47.' 
Staudinger,  0.\  Biogr.,  gegeben  von  Prof.  0.  Schneider.  Sep.  1900.  [Jb86. 
Sterzei,  J.  T.:  6 Separata.  [Dd  93 i — o.] 

Stevensen,  J.:  7 Separata.  [De  222g  — n.] 

Stossich,  M.:  Osservazioni  elmintologiche.  Sep.  1901.  [Bm  64hh.] 

Stübel,  A.:  Ein  Wort  über  den  Sitz  der  vulkanischen  Kräfte  in  der  Gegen- 
wart. [De  237  b.] 

Theüe,  F.:  Selbstbiographie.  [Jb  79b.] 


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42 


Thonner,  F.:  Excursiouaflora  von  Europa.  190 [Cd  126.] 

Voretzsch,  M.:  Die  Ueziehongen  des  Kurfürsten  Ernst  und  des  Herzogs 
Albrecht  von  Sachsen  zur  Stadt  Altenburg.  Sep.  [G  146.] 

Wien:  K.K.  Central-Commission  für  Erforschung  und  Erhaltung  derKunst- 
und  historischen  Denkmale.  Bericht  für  1900.  [G  142.1 
Wislicenus,  H.:  Zur  Beurtheilung  und  Abwehr  von  Kauchscnäden.  Sep. 
1901.  [Ed  70.] 

Wolf,  F.:  Unser  Rochlitz.  1901.  [Ja  81.] 

Wolf,  Th.:  Potentillenstudien,  I.  1901.  [Cd  123.] 

Worgitzky,  0.:  Blütengeheimnisse.  1901.  [Cc  68.] 

Ziegler,  J.  und  König,  Das  Klima  von  Frankfurt  a.  M.  [Ec  85.] 


C.  Durch  Kauf. 


Abhandlungen  der  Senckenbergischen  naturforschenden  Gesellschaft 
Bd.  XXV,  Heft  2;  Bd.  XXVI,  Heft  3;  Bd.  XXVIII.  [Aa  9.] 

Anzeiger  für  Schweizer  Alterthümer,  neue  Folge,  Bd.  III,  Heft  1,  mit  Beil.  [G  1.] 
Anzeiger,  zoologischer,  Jahrg.  XXIV.  [Ba  21.] 

Bronn's  Klassen  und  Ordnungen  des  Thierreichs,  Bd.  II,  Abth.  3 (Echino- 
dermen),  Lief.  37 — 43;  Bd.  III  (Mollusca),  Lief  64  — 61;  Suppl., 
Lief  26—30;  Bd.  V (Crustacea),  Abth.  2,  Lief  60—62;  Bd.  VI,  Abth.  1 
(Pisces),  Lief  1.  [Bb  54.] 

Oehirgwerein  für  die  Sächsische  Schweiz : Ueber  Berg  und  Thal,  Jahrg.  1901. 
[Fa  19.J 

Hedungia,  Bd.  40.  [Ca  2.1 

Jahrbuch  des  Schweizer  Äipenclub,  Jahrg.  36.  [Fa  6.] 

Monatsschrift,  deutsche  botanische,  Jahrg.  19.  [Ca  22.] 

Nachrichten,  entomologische,  Jahrg.  17.  [Bk  235.1  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 
Natur,  Jahrg.  49.  [Aa  76.]  (Vom  Isis- Lesezirkel.) 

Prähistorische  Blätter,  Jahrg.  XHI.  [G  112.] 

Suess,  E.:  Das  Antlitz  der  Erde.  Bd.  III,  1.  [De  161.1 
Wochenschrift,  naturwissenschaftliche,  Bd.XVL  [AaSll.J  (Vom  Isis -Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift,  allgemeine,  für  Entomologie,  Bd.  VI.  [Bk  245.] 

Zeitschrift  für  die  gesammten  Naturwissenschaften,  Bd.  73,  Nr.  3 — 6; 

Bd.  74,  Nr.  1 — 2.  [Aa  98.1 
Zeitschrift  für  Meteorologie,  Bd.  18.  [Ec  66.] 

Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Mikroskopie,  Bd.  XVII,  Heft  2 — 4; 

Bd.  XVIU,  Heft  1—2.  [Ee  16.] 

Zeitschrift,  Oesterreichische  notanische,  Jahrg.  51.  [Ca  8.] 

Zeitung,  botanische,  Jahrg.  59.  [Ca  9.] 


Abgeschlossen  am  31.  December  1901. 


C.  Schiller, 
Bibliothekar  der  „Isis“. 


Zu  besserer  Ausnutzung  unserer  Bibliothek  ist  für  die  Mitglieder  der 
„Isis“  ein  Lesezirkel  eingerichtet  worden.  Gegen  einen  jährlichen  Beitrag 
von  3 Mark  können  eine  grosse  Anzahl  Schriften  bei  Selbstbeförderung 
der  Lesemappen  zu  Hause  gelesen  werden.  Anmeldungen  nimmt  der  Biblio- 
thekar entgegen. 


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Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 

1901. 


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I.  Charles  Hermite*). 

Von  Martin  Krause. 


Am  14.  Januar  d.  J.  starb  in  Paris  der  Altmeister  der  französischen 
Mathematiker,  Charles  Hermite.  Ein  Leben,  ausgefüllt  von  der  reinsten 
und  tiefsten  Pflege  unserer  schönen  Wissenschaft,  reich  an  Erfolgen  und 
Ehren,  nahm  damit  sein  schmerzliches  Ende.  Wie  weit  verbreitet  und 
hochangesehen  der  Name  Hermite  war,  wie  einschneidend  und  mächtig 
seine  Arbeiten  auf  den  verschiedenen  Gebieten  unserer  Wissenschaft  ge- 
wirkt hatten,  das  zeigte  sich  vor  allem  an  seinem  70.  Geburtstage,  den 
er  am  24.  December  1892  in  voller  geistiger  und  körperlicher  Frische 
verleben  durfte.  Die  gesamraten  Mathematiker  Frankreichs  vereinigten  sich 
mit  vielen  Hunderten  von  Mathematikern  aus  der  ganzen  civilisirten  Welt, 
darunter  die  besten  Namen,  um  ihm  ihre  Huldigung  und  den  Ausdruck 
ihrer  Dankbarkeit  darzubringen. 

Wir  Deutschen  haben  besonderen  Grund,  seiner  mit  Pietät  zu  gedenken. 
Als  junger  Student  sandte  er  seine  Erstlingsarbeiten  an  Jacobi,  aus  dessen 
Schriften  sie  hervorgegangeu  waren,  und  nahm  von  ihm  die  ereten  Lor- 
beeren in  seinem  an  Erfolgen  so  reichen  Leben  entgegen.  Jacobi’s  Ein- 
fluss hat  ihn  sein  Leben  lang  begleitet  — die  Fundameuta  nova  lagen 
stets  auf  seinem  Arbeitstische  — daneben  aber  verbanden  ihn  unausgesetzt 
enge  wissenschaftliche  und  pei-sönliche  Beziehungen  mit  den  besten  unserer 
deutschen  Mathematiker,  mit  Borchardt,  Kronecker,  Heine  und  vielen 
der  jetzt  noch  Lebenden.  In  einer  etwas  dürren  Zeit  war  es  ihm  be- 
schieden,  das  Studium  der  Werke  von  Gauss  und  von  Jacobi  in  Frank- 
i’eich  heimisch  zu  machen,  und  während  seines  ganzen  wissenschaftlichen 
Lebens  war  er  ein  Vermittler  der  deutschen  und  der  französischen  Mathematik. 
Als  Rosenhain,  als  Kronecker,  Kummer  und  Weierstrass  uns  durch 
den  unerbittlichen  Tod  entrissen  wurden,  da  war  er  es,  der  ihren  Verlust 
in  der  französischen  Academie  verkündigte  'und  dem  Schmerze  um  den- 
selben beredten  .\usdruck  gab.  Als  die  Universität  Heidelberg  im  Jahre 
1886  ihr  fünfhundertjähriges  Jubiläum  feierte,  da  nahm  er  als  Ehrengast 
und  Vertreter  der  französischen  Academie  daran  Theil,  kurz,  bei  allen 
Gelegenheiten,  wo  er  konnte,  zeigte  er  sein  Interesse  und  seine  Sympathie 
für  unsere  deutsche  Wissenschaft. 

•)  Vortrag,  gehalten  in  der  mathematischen  Section  der  naturwissenschaftlichen 
Gesellschaft  Isis  in  Dresden  am  18.  April  1901. 


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4 


Umgekehrt  aber  ist  sein  Einfluss  auf  die  Entwickelung  der  mathe- 
matischen Studien  in  Deutschland  in  den  letzten  Jahrzehnten  ein  grosser 
und  mächtiger  gewesen.  In  erster  Linie  waren  es  naturgemäss  seine 
Schriften,  die  sich  hierbei  wirksam  zeigten,  zumal  ein  wichtiger  Theil  der- 
selben in  deutschen  Journalen  veröffentlicht  ist,  daneben  aber  war  es  auch 
der  Einfluss  seiner  ebenso  liebenswürdigen,  wie  mächtigen  Persönlichkeit, 
die  sich  in  seinen  Briefen  an  alle  diejenigen  aussprach,  die  sieb  ihm 
wissenschaftlich  nahten.  In  seiner  Begrüssungsrede  am  24.  December  1892 
sagte  Herr  Darboux  mit  vollem  Recht:  „Accueillant  avec  bienveillance 
toutes  les  Communications,  M.  Herraite  n’a  pas  tarde  ä entrer  en  relations 
avec  les  etudiants  et  les  geometres  du  monde  entier.  Repondant  ä tous, 
au  plus  humble  comme  au  plus  illustre,  sans  mesurer  son  temps  ni  sa 
peine,  que  de  fois  il  a su  repandre  d’une  main  liberale,  et  sans  rien  re- 
clamer  pour  lui  meme,  ces  indications  geniales,  qui  communiquees  ä un 
esprit  bien  doue,  peuvent  Teclairir  subitement,  lui  faire  franchir  le  pas 
dinicile  et  lui  inspirer  une  longue  suite  d’excellents  travaux.“ 

Unter  diesem  Briefwechsel  nimmt  der  mit  deutschen  Mathematikern 
einen  hervorragenden  Platz  ein.  Selbstverständlich  ist  es  nicht  möglich, 
das  von  hier  aus  statistisch  festzustellen,  sicher  aber  hat  Hermite  durch 
seine  stets  anerkennende,  aufmuuternde  und  liebenswürdige  Art  auf  viele 
unserer  deutschen  Eaehgeuossen  in  glücklichster  Weise  gewirkt. 

Da  ist  es  denn  eine  Pflicht  der  Pietät,  wenn  seiner  auch  bei  uns  in 
dankbarer  und  eingehender  W’eise  gedacht  wird. 

Ueber  die  äusseren  Lebensschicksale  Hermite’s  ist  mir  nur  wenig 
bekannt  geworden.  Zu  Dieuze  in  Lothringen  im  Jahre  1822  geboren,  be- 
suchte er  nach  einander  das  Lyceum  von  Nancy  und  die  Lyceen  „Henry  IV“ 
und  „Louis  le  Grand“  in  Paris.  Schon  auf  der  Schule  fesselte  ihn  die 
Leetüre  mathematischer  Werke,  insbesondere  der  Algebra  von  Lagrange 
und  der  Zahlentheorie  von  Gauss.  Er  pflegte  später  öfters  zu  bemerken, 
dass  es  vor  allem  diese  Werke  gewesen  seien,  aus  denen  er  Algebra  ge- 
lernt habe.  Ende  1842  bezog  er  die  polytechnische  Schule  in  Paris  in 
der  Absicht,  Ingenieur  zu  werden.  Hier  fesselte  ihn  aber  das  Studium 
der  reinen  Mathematik  in  dem  Grade,  dass  er  die  praktische  Laufbahn 
aufgab  und  sich  ganz  der  reinen  Mathematik  zuwandte.  1848  begann 
Hermite  als  Repetent  für  analytische  Mathematik  am  Polytechnicum  seine 
Lehrthätigkcit.  Ln  Jahre  1856  wurde  er  zum  Mitglieds  der  Pariser  Academie 
der  Wissenschaften  gewühlt,  im  Jahre  1862  schaffte  man  für  ihn  einen 
Lehrstuhl  an  der  Ecole  Normale,  nur  wenig  später  wurde  er  zu  gleicher 
Zeit  Professor  an  der  Ecole  Polytechnique  und  an  der  Sorbonne.  Hier 
entfaltete  er  eine  äusserlich  und  innerlich  reich  gesegnete  und  bedeutungs- 
volle Thätigkeit,  unter  anderem  war  es  ihm  vergönnt,  jene  hervorragenden 
jungen  Männer  zu  seinen  begeisterten  Schülern  zu  zählen,  die  jetet  den 
ersten  Platz  unter  den  Mathematikern  Frankreichs  einnehmen. 

Bewunderungswürdig  war  die  geistige  Frische,  die  er  sich  bis  an  sein 
Ende  bewahrte.  Bis  in  die  letzten  Lebensjahre  hinein  noch  schöpferisch 
thätig,  beobachtete  er  die  mathematische  Entwickelung  der  neuesten  Zeit 
mit  Liebe  und  mit  Interesse.  Fand  auch  nicht  jede  Phase  derselben  seine 
Zustimmung,  so  schied  er  doch  mit  der  Ueberzeugung  und  der  Gewissheit 
aus  dem  Leben,  dass  der  Mathematik  im  20.  Jahrhundert  eine  glückliche 
und  grosse  Zukunft  gewiss  sei. 


6 


Die  Zahl  der  in  vielen  Zeitschriften  der  verschiedensten  Länder  zer- 
streuten Arbeiten  von  Hermite  ist  eine  sehr  bedeutende,  die  Arbeiten 
selbst  erstrecken  sich  im  wesentlichen  auf  drei  Gebiete,  die  Analysis,  die 
Algebra  und  die  Zahlentheorie. 

Es  kann  mir  nicht  beikommen,  im  Laufe  einer  kurzen  Stunde  eine 
eingehende  und  abgeschlossene  Würdigung  aller  dieser  vielen  Arbeiten 
geben  und  damit  den  wissenschaftlichen  Inhalt  eines  so  überaus  reichen 
und  gesegneten  Lebens  erschöpfend  darstellen  zu  wollen.  Schon  die  Art 
seiner  Arbeiten  würde  das  unmöglich  machen.  Mit  dem  sicheren  Blicke 
des  Genies  hat  Hermite  es  verstanden,  Probleme  herauszufinden  und  zu 
bearbeiten,  die  den  Keim  einer  grossen  Entwickelung  in  sich  trugen,  und 
hat  dieser  Entwickelung  die  Wege  gezeigt  und  geebnet.  Unter  solchen 
Umständen  schliesst  eine  eingehende  Darstellung  seiner  Arbeiten  zu  gleicher 
Zeit  die  Geschichte  grösserer  mathematischer  Disciplinen  in  den  letzten 
fünfzig  Jahren  in  sich  und  würde  mehr  Zeit  beanspruchen  als  mir  zur 
V'erfügung  steht  Ich  will  mich  daher  damit  begnügen,  gewisse  Arbeiten 
analytischen  Charakters  zusammen  mit  ihren  Anwendungen  auf  Algebra 
und  Zahlentheorie  in  etwas  ausführlicherer  Weise  zu  besprechen,  die  übrigen 
Arbeiten  Hermite’s  dagegen  nur  kurz  zu  charakterisiren. 

Eine  überaus  grosse  Anzahl  analytischer  Arbeiten,  die  ihn  vor  allem 
in  den  späteren  Jahren  seines  Lebens  in  Anspruch  nahmen,  fällt  in  das 
Gebiet  der  Differential-  und  Integralrechnung  sammt  deren  mannigfachen 
Anwendungen  und  Beziehungen  zu  anderen  Theorien,  wie  der  Theorie  der 
Fourier’schen  Reihen,  der  elementaren,  der  Kugel,  der  Bemouilli’schen 
und  der  Gammafunctionen.  Es  sind  vielfach  kleinere  Aufgaben,  die  hier 
behandelt  werden.  Hermite  liebte  es,  einzelne  specielle  Probleme,  auch 
solche,  die  schon  von  anderen  Analytikern  behandelt  waren,  herauszugreifen 
und  in  eigenartiger  Weise  zu  Ende  zu  führen.  Hierhin  gehören  Aufgaben 
aus  der  Theorie  der  höheren  Differentialquotienten,  der  Mac-Laurin’schen 
Reihe,  der  Interpolationstheorie,  der  Partialbruch-Entwickelung  gebrochener 
Functionen,  der  Auswerthung  bestimmter  und  unbestimmter  Integrale, 
Beziehungen  zwischen  der  Integralrechnung  und  den  Kettenbrüchen,  Ent- 
wickelung wichtiger  Eigenschaften  der  Gammafunctionen  und  ähnliche 
Probleme.  Es  sind  nicht  immer  die  höchsten  Aufgaben,  die  sich  hier  dar- 
bieten, gleichbleibend  ist  aber  das  analytische  Geschick  und  die  Originalität 
in  der  Behandlung  derselben.  Es  zeigt  sich  eine  Meisterschaft  und  eine 
Feinheit  in  der  Behandlung  des  Calcüls,  wie  sie  vor  ihm  etwa  Cauchy 
besessen  hat  und  wie  sie  heute  immer  mehr  und  mehr  im  Verschwinden 
begriffen  ist. 

Unter  allen  jenen  vielen  Arbeiten  dürften  nun  wohl  den  ersten  Platz 
diejenigen  über  die  Kettenbrüche  einnehmen,  die  ihn  lange  beschäftigten, 
ihn  im  Jahre  1873  zu  der  folgenschweren  Untersuchung  über  die  Zahl  e 
führten  und  damit  die  Brücke  zur  Lösung  des  Quadraturproblemes  des 
Kreises  abgaben.  Jahrhunderte  lang  hatten  sich  Berufene  und  Unberufene 
damit  beschäftigt,  die  Quadratur  des  Kreises  mit  Hülfe  von  Zirkel  und 
Lineal  durchzuführen,  ohne  weder  dieses  Problem  lösen,  noch  die  Un- 
möglichkeit seiner  Lösung  nachweisen  zu  können.  Es  ist  das  grosse  Ver- 
dienst von  Hermite,  hier  die  Wege  geebnet  zu  haben.  Im  Jahre  1873 
erschien  die  schon  angedeutete  Arbeit  über  die  Zahl  e.  In  ihr  wies  er 
nach,  dass  e nicht  Wurzel  einer  algebraischen  Gleichung  irgend  welchen 
Grades  mit  rationalen  Coefficienten  sein  kann  und  zwar  geschah  der  Nach- 


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6 


weis  mit  Hülfe  gewisser  Belationen  zwischen  bestimmten  Integralen,  die 
auf’s  engste  mit  der  Theorie  der  Kettenbrüche  Zusammenhängen.  Hermite 
konnte  damals  einen  Zusammenhang  zwischen  seinen  Theorien  und  dem 
Quadraturproblem  nicht  entdecken  oder  doch  nicht  durchführeu  — wenigstens 
schreibt  er  in  demselben  Jahre  1873  an  Borchardt:  „Je  ne  me  hasarderai 
point  ä la  recherche  d’une  demoustration  de  la  transceiidance  du  nombre  ft. 
Que  d’autres  tentent  l’entreprise,  nul  ne  sera  plus  heureux  que  moi  de 
leur  succes,  mais  croyez-m’en,  mon  eher  ami,  il  ne  laissera  pas  de  leur 
coüter  quelques  efforts“. 

Und  doch  bildeten  seine  Untersuchungen  die  wesentliche  Grundlage 
für  die  Lösung  des  Problems,  die  im  Jahre  1882  von  Herrn  Lindemaiin 
gegeben  wurde  und  allen  bisherigen  Versuchen  einen  glänzenden  Abschluss 
gab.  Muss  hiernach  Herrn  Lindemann  schlechterdings  die  endgültige 
Lösung  des  berühmten  Problems  als  grosses  Verdienst  zugeschrieben  werden, 
so  darf  doch  auch  das  Verdienst  von  Hermite  hierbei  nicht  ausser  Acht 
gelassen  werden.  Mit  Recht  bemerkt  hierzu  Herr  Camille  Jordan; 
„On  se  ferait  une  idee  bien  incomplete  du  role  des  grandes  esprits  en 
les  mesurant  exclusivement  sur  les  verites  nouvelles  qu’ils  out  enoncees 
explicitement.  Les  methodes  qu’ils  out  leguees  ä leurs  successeurs,  en 
leur  laissant  le  soin  de  les  appliquer  ä de  nouveaux  prohlemes  qu’eux-memes 
ne  prevoyaient  peut-etre  pas,  constituent  une  autre  part  de  leur  gloire  et 
parfois  la  principale,  comme  le  montre  l’exemple  de  Leibnitz“. 

Wir  kommen  nunmehr  zu  einer  zweiten  grossen  Kategorie  von  Arbeiten, 
die  sich  auf  die  Theorie  der  elliptischen  und  hyperelliptischen  Transcen- 
denten  und  deren  mannigfache  Anwendungen  beziehen.  Wie  ein  rother 
Faden  ziehen  sich  diese  Arbeiten  durch  das  Leben  von  Hermite  — sie 
beginnen  mit  dem  Jahre  1843,  werden  zeitweise  durch  andere  Arbeiten 
durchbrochen,  kehren  aber  bis  in  sein  spätes  Alter  immer  w'ieder.  ln 
einer  seiner  ersten  Arbeiten  aus  diesem  Gebiete,  die  sich  in  einem  Briefe 
an  Jacobi  aus  dem  Jahre  1844  befindet,  wird  schon  jenes  wichtige 
Princip  entwickelt,  welches  unter  dem  Namen  des  Hermite’schen  Trans- 
formationsprincipes  bekannt  geworden  ist  und  eine  überaus  einfache  Dar- 
stellung der  überwiegenden  Slehrzahl  der  Thetarelationen  zulässt.  Kurz 
skizzirt  besteht  der  Inhalt  jenes  Theorems  darin,  dass  alle  ganzen  trans- 
cendenten  Functionen,  die  gewissen  Functionalgleichungen  Genüge  leisten, 
sich  aus  einer  bestimmten  Anzahl  bekannter  Functionen  linear  zusaramen- 
setzen  lassen. 

Hermite  giebt  in  der  citirten  Arbeit  die  ersten  Anwendungen  auf  die 
Transformationstheorie  — in  späteren  Jahren  verwendet  er  sein  Theorem 
in  ausführlicher  Weise  für  die  Entwickelung  der  gesammten  Theorie  der 
elliptischen  Functionen  und  zwar  in  dem  Anhang  zur  sechsten  .\usgabe 
von  Lacroix’s  Traite  üleracntairc  de  calcul  difierentiel  et  integral.  Andere 
Autoren  haben  sich  diesem  Verfahren  augeschlossen,  insbesondere  möge 
hier  auf  das  bekannte  Werk  von  Weber  verwiesen  werden.  Die  Vorzüge 
der  hier  vertretenen  Auffassungsweise  beruhen  in  der  ungemeinen  Durch- 
sichtigkeit, Klarheit  und  Allgemeinheit  der  Methoden,  Vorzüge,  vor  denen 
die  Nachtheile,  die  in  der  heuristischen  Art  des  Vorgehens  beruhen,  zurück- 
treten müssen. 

Auch  sonst  hat  Hermite  sich  mit  der  Transformationstheorie  viel- 
fach beschäftigt.  In  das  Jahr  1858  fällt  die  vollständige  Bestimmung  der 
Constanten  für  die  lineare  Transformation  der  Thetafunctionen  mit  Hülfe 


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der  Gaussischen  Summen  und  etwa  in  dieselbe  Zeit  gehört  die  Auf- 
stellung der  Transformationstabellen  für  die  schon  von  Jacobi  eingefuhr- 
ten  achten  Wurzeln  der  Moduln  der  elliptischen  Functionen  sowie  einiger 
anderer  Ausdrücke.  Beide  Untersuchungen  haben  auf  das  Wesentlichste 
zur  Förderung  der  Transformationstheorie  Anlass  gegeben  und  eine  weitere 
Anzahl  wichtiger  Arbeiten  aus  demselben  Gebiete  hervorgerufen,  von  denen 
hier  nur  an  die  Arbeiten  der  H.  H.  Weber  und  Koenigs berger  erinnert 
werden  möge. 

In  eingehender  Weise  hat  sich  sodann  Hermite  mit  den  allgemeinen 
doppelt  periodischen  Functionen  beschäftigt,  die  er  in  drei  Arten  eintheilt. 
Für  die  Functionen  erster  und  zweiter  Art  giebt  er  eine  Zerfällung  in 
gewisse  Elementarfunctionen  und  auch  bei  den  Functionen  dritter  Art,  die 
er  vielfach  in  den  Kreis  seiner  Betrachtungen  zieht,  ist  ihm  die  Elementar- 
function bekannt,  auf  welche  Herr  Appell  in  seinen  grundlegenden  Arbeiten 
über  diese  Functionen  geführt  wird.  Diese  Elementarfunctionen  sowie 
andere  einfache  doppelt  periodische  Functionen  der  verschiedenen  Arten 
sucht  Hermite  auf  mannigfachem  Wege  durch  unendliche  Reihen,  seien  es 
Potenz  oder  F'ourier’sche  Reihen,  darzustellen.  Er  kommt  hierbei  in  glück- 
lichster Weise  zu  neuen  Resultaten,  die  befruchtend  und  anregend  auf  die 
spätere  Entwickelung  der  genannten  Disciplinen  gewirkt  haben  und  zu  dem 
eisernen  Bestand  der  heutigen  Theorie  der  elliptischen  Functionen  gehören. 

Mit  den  angedeuteten  Arbeiten  ist  der  Kreis  der  Hermite’schen 
Untersuchungen  aus  der  Theorie  der  elliptischen  Transcendenten  aber  noch 
keineswegs  abgeschlossen.  Es  finden  sich  noch  Arbeiten  über  die  ver- 
schiedensten Theile  derselben,  über  das  Additionstheorem,  über  die  Reihen- 
entwickelungen für  den  Modul  der  elliptischen  Functionen,  über  die  Inte- 
graltheorie, weitere  specielle  Fragen  der  Transformationstheorie  u.  s.  f , so 
dass  man  füglich  sagen  kann,  dass  es  nur  wenige  Theile  dieser  weitver- 
zweigten Wissenschaft  geben  dürfte,  die  von  ihm  nicht  wesentlich  ge- 
fördert sind.  Die  Arbeiten  reichen  bis  in  sein  Alter  — es  finden  sich  in 
ihnen  eine  Fülle  von  Keimen,  die  noch  der  Entwickelung  harren. 

Neben  der  Pflege  der  eigentlichen  Theorie  hat  Hermite  es  sich  an- 
gelegen sein  lassen,  Beziehungen  zu  andern  Disciplinen  herzustellen  und  zwar 
zu  der  Algebra,  der  Zahlentheorie  und  der  Theorie  der  Differentialgleich- 
ungen. 

Nachdem  Abel  im  Jahre  1824  die  Unmöglichkeit  nachgewiesen  hatte, 
allgemeine  algebraische  Gleichungen  vom  6.  Grade  mit  Hülfe  von  Irrationali- 
täten zu  lösen,  handelte  es  sich  darum,  Kategorien  von  Gleichungen  heraus- 
greifen, die  algebraisch  lösbar  sind.  Es  war  Galois  beschieden,  auf  diesem 
Gebiete  bahnbrechend  vorzugehen.  Seine  erste  Arbeit  über  die  algebra- 
ische Auflösung  der  Gleichungen  stammt  aus  dem  Jahre  1830,  seine  letzten 
Betrachtungen  finden  sich  in  einem  Schreiben,  das  er  einen  Tag  vor  seinem 
im  Jahre  1832  ira  Duell  erfolgten  Tode  an  seinen  Lehrer  Chevalier  ge- 
richtet hat.  Galois  stellt  den  so  folgenschwer  gewordenen  Begriff  der 
Gruppe  einer  algebraischen  Gleichung  auf  und  wendet  denselben  auf  die 
Modulargleichungen  an,  die  vor  allem  von  Jacobi  in  die  Theorie  der 
elliptischen  Functionen  eingeführt  worden  sind.  Es  gelingt  ihm  die  Gruppe 
derselben  zu  bestimmen,  er  giebt  ferner  an,  dass  die  zu  den  Transforma- 
tionsgraden  5,  7,  11  gehörenden  Modulargleichuugen  erniedrigt  werden 
können.  An  diese  letzten  Resultate  von  Galois  knüpft  Hermite  an.  In 
einer  berühmt  gewordenen  Arbeit  vom  April  1858  führt  er  die  Reduction 


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für  den  5.  Transformationegrad  wirklich  durch.  Die  Modnlargleichnng  ist 
vom  6.  Grade,  nennt  man  ihre  Wurzeln  in  bestimmter  Reihenfolge  i»j, 
V,,  t’g,  v^,  i'oo  und  setzt  y = (v^  — voo)  (Vj  — fg)  (u,  — t;.),  so  leistet  y einer 
Gleichung  6.  Grades  Genüge,  die  unmittelbar  aut  die  oekannte  Jerrard- 
Bring’sche  Form  zu  reduciren  ist.  Damit  war  das  lange  vergeblich  unter- 
suchte Problem  gelöst,  die  Auflösung  der  allgemeinen  Gleichung  B.  Grades 
in  glänzender  Weise  zu  Ende  geführt  Die  Hermite’sche  Entdeckung 
traf  sich  mit  einer  von  Kronecker.  Schon  im  Juni  desselben  Jahres 
theilte  letzterer  Hermite  mit,  dass  er  sich  vor  zwei  Jahren  mit  ähnlichen 
Untersuchungen  beschäftigt  habe  und  gab  eine  zweite  Lösung  desselben 
Problems.  Mit  diesen  beiden  Arbeiten,  denen  sich  sehr  bald  solche  von 
Brioschi  anschlossen,  war  der  Weg  für  die  mächtige  Entwickelung  ge- 
ebnet, welche  die  Theorie  der  Gleichungen  6.  Grades  seither  gefunden  hat. 

Auch  nach  anderer  Richtung  hin  zeigte  sich  die  Beschäftigung  mit 
den  Modulargleichungen  für  die  Algebra  von  grosser  Bedeutung.  Es  ge- 
lang Hermite  im  Jahre  1859  die  Discriminantengleichungen  derselben 
wirklich  aufzulösen  und  damit  eine  neue  Kategorie  von  Gleichungen  höheren 
Grades  der  Rechnung  zugänglich  zu  machen.  Der  Grundgedanke  dieser 
Auflösung  beruht  darin,  dass  zu  gleichen  Moduln  der  elliptischen  Func- 
tionen Werthe  der  Thetaparameter  gehören,  die  in  einer  linearen  Bezieh- 
ung zu  einander  stehen.  Hermite  hat  diesen  Satz  seiner  Arbeit  aus  dem 
Jahre  1859  stillschweigend  und  ohne  Beweis  zu  Grunde  gelegt,  im  Jahre 
1877  kommt  er  in  einem  Briefe  an  Herrn  Fuchs  auf  denselben  zurück  und 
zwar  mit  folgenden  Worten:  „N’y  aürait  il  point  lieu  d’observer  qu’en 
faisant  x-=f{H),  il  resulte  de  votre  analyse  que  toutes  les  Solutions  de 

Teciuation  f (H)  = f (Ho)  sont  donnees  par  la  formule  H = 


en  insistant  sur  l’extreme  importance  de  ce  resultat,  pour  la  deter- 
ininatiou  des  modules  singuliers  de  M.  Kronecker,  et  en  remarquaut  (jue 
les  helles  decouvertes  de  l’illustre  geometre,  sur  les  applications  de  la 
tbeorie  des  fonctions  elliptiques  ä Parithmetique  paraissent  reposer  essen- 
tiellement  sur  cette  proposition,  dont  la  demonstration  n’avait  pas  encore 
ete  donnee?“ 


Wir  stehen  hier  bei  einem  der  folgenschwersten  Punkte  in  der  Ent- 
wickelung der  heutigen  Functionentheorie.  Noch  in  demselben  Jahre  1877 
erklärte  Herr  Dedekind  in  seiner  fundamentalen  Arbeit  über  die  Modul- 
functionen jenen  Satz  als  die  Grundlage  seiner  Theorie.  Sie  alle  wissen, 
welchen  grossartigen  .\ufschwung  diese  und  ähnliche  Theorien  in  den  Händen 
der  ersten  Mathematiker  unserer  Zeit  sowie  ihrer  Schüler  genommen  haben 
und  da  dürfte  es  von  Interesse  sein  hervorzuheben,  dass  Hermite  den 
fundamentalen  Lehrsatz  unabhängig  von  Kronecker  schon  im  Jahre  1859 
benutzt  und  im  Jahre  1877  zuerst  auf  seine  Bedeutung  öffentlich  aufmerk- 
sam gemacht  hat. 

Weitere  Anwendungen  der  elliptischen  Functionen  beziehen  sich  auf 
die  Zahlentheorie.  Auf  derartige  Anwendungen  hatte  schon  Jacobi  in  den 
Fundamenten  und  später  in  einer  Arbeit  im  37.  Bande  des  Crelle’schen 
Journals  aus  dem  Jahre  1848  hingewiesen. 

Im  Jahre  1859  eröffnete  Kronecker  ein  neues  Gebiet  unerwarteter 
Beziehungen  und  erweiterte  dasselbe  in  den  Jahren  1862  und  1875.  Er 
zeigte  nämlich,  dass  mit  Hülfe  der  complexen  Multiplication  der  elliptischen 


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Functionen  eine  Reihe  merkwürdiger  Beziehungen  zwischen  den  Classen- 
zahlen  gewisser  quadratischer  Formen  hergestellt  werden  können  und  gab 
eine  eigenartige  Darstellung  von  drei  Producten  von  je  drei  Thetafunc- 
tionen mit  Hülfe  der  unendlichen  Reihen.  An  diese  Arbeiten  von  Kronecker 
knüpfen  eine  Anzahl  von  Arbeiten  von  Hermite  an,  und  zwar  stammen 
die  ersten  aus  den  Jahren  1861  und  1862,  während  die  letzten  in  das  Jahr 

1884  und  später  fallen.  Die  Grundlage  von  Hermite  ist  eine  wesentlich 
andere  als  bei  Kronecker.  Er  legt  die  Theorie  der  doppelt  periodischen 
Functionen  dritter  Art  zu  Grunde  und  zwar  insbesondere  die  Entwickelung 
in  Fourier’sche  Reihen.  Indem  er  eine  und  dieselbe  Function  auf  mehr- 
fachem Wege  darstellt  und  die  Integraltheorie  hinzunimmt,  erhält  er  durch 
einige  wenige  geschickte  Operationen  die  vorhin  genannten  Kronecker- 
schen  Resultate.  Hermite  geht  aber  noch  über  dieselben  hinaus.  Er 
zieht  auch  weitere  Producte  von  Thetafunctionen  in  Betracht  und  zwar 
von  drei  und  fünf  Factoren  und  bestimmt  mit  ihrer  Hülfe,  wie  oft  eine 
ganze  Zahl  als  Summe  von  drei  und  von  fünf  Quadraten  dargestellt  werden 
kann.  Auch  sonst  enthalten  die  diesbezüglichen  Arbeiten  noch  viele  neue 
Resultate  zahlentheoretischer  Natur.  Bei  allen  diesen  Arbeiten  sind  vor 
allem  die  schönen  und  durchsichtigen  Methoden  zu  bewundern,  welche  die 
neuen  arithmetischen  Sätze  von  vorneherein  in  ein  eigenartiges  und  helles 
Licht  setzen. 

Die  dritte  Anwendung  der  elliptischen  Functionen  bezieht  sich  auf  die 
Theorie  der  Differentialgleichungen.  Aufgaben  aus  der  Wärmelehre  führten 
Lame  zu  einer  Differentialgleichung  zweiter  Ordnung,  die  neben  einer 
ganzen  positiven  Zahl  n noch  einen  willkürlichen  Parameter  h enthielt.  Es 
gelang  Lame  ein  Integral  dieser  Gleichung  zu  finden,  wenn  h in  bestimmter 
Weise  gewählt  wird,  Liouville  und  unabhängig  von  ihm  Heine  haben 
für  dieselben  Wertbe  von  h das  zweite  Integral  bestimmt. 

An  diese  Arbeiten  knüpft  Hermite  an  und  findet  im  Jahre  1872  für 
einen  beliebigen  Werth  von  h die  beiden  Integrale  der  vorgelegten  Gleichung 
und  zwar  mit  Hülfe  der  von  ihm  eingeführten  doppeltperiodischen  Functionen 
zweiter  Art.  Hermite  hat  seine  Resultate  im  Jahre  1872  zunächst  nur  einem 
kleineren  Kreise  zugänglich  gemacht,  erst  im  Jahre  1877  wurden  sie  durch 
Veröffentlichung  in  den  Comptes  Rendus  weiteren  Kreisen  bekannt.  Auch 
hier  begegnet  er  sich  mit  den  Arbeiten  eines  deutschen  Mathematikers 
und  zwar  von  Herrn  Fuchs.  Letzterer  legte  in  demselben  Jahre  1877 
seinen  diesbezüglichen  Untersuchungen  die  Theorie  gewisser  allgemeiner 
Differentialgleichungen  zweiter  Ordnung  zu  Grunde,  mit  denen  er  sich  schon 
früher  beschäftigt  hatte  und  gelangte  durch  Umkehrung  der  Integrale  zur 
Integration  der  Lame’schen  Differentialgleichung  im  Hermite’schen  Sinne. 
Mittlerweile  hatten  auch  andere  Mathematiker  diesem  interessanten  Gegen- 
stand ihre  Aufmerksamkeit  zugewandt,  vor  allem  war  es  wieder  Brioschi, 
neben  ihm  die  Herren  Mittag-Leffler  und  Picard.  In  enger  Fühlung 
mit  ihnen  gelang  es  Hermite  noch  weitere  Differentialgleichungen  mit 
doppeltperiodischen  Coefficienten  der  Integration  zugänglich  zu  machen. 

Alle  die  soeben  skizzirten  Hermite’schen  Untersuchungen,  die  im  Jahre 

1885  in  einem  eigenen  Werke  zusamraengefasst  wurden,  sind  verwoben  mit 
der  Lösung  einiger  mechanischer  Probleme  und  zwar  des  Jacobi’schen  Ro- 
tationsproblemes,  des  Problemes  der  Gleichgewichtsfigur  einer  elastischen 
Feder  und  des  sphärischen  Pendels,  die  alle  drei  mit  Hülfe  der  doppelt- 
periodischen Functionen  zweiter  Art  zu  Ende  geführt  werden.  Das  ge- 


ci  b,  luj^le 


10 


nannte  Werk  gehört  zu  den  schönsten  Erzeugnissen  unserer  mathematischen 
Litteratur.  Es  zeichnet  sich  ebenso  durch  Gedankenreichthum  wie  durch 
Eleganz  der  Darstellung  aus  und  bat  Anregung  zu  einer  grossen  Reihe 
weiterer  Arbeiten  über  dasselbe  Gebiet  gegeben,  von  denen  nur  nochmals 
auf  die  geistvollen  Arbeiten  von  Herrn  Picard  hingewieseii  werden  möge. 
— Mit  der  Theorie  der  elliptischen  Functionen  ist  die  der  hyperelliptischen 
enge  verbunden.  In  ihr  Gebiet  fällt  eine  der  ersten  Arbeiten  von  Hermite. 
ln  einem  Briefe  an  Jacobi  vom  Januar  1843  giebt  der  zwanzigjährige 
Student  die  Lösung  des  Divisionsproblemes  der  hyperelliptischen  Func- 
tionen erster  Ordnung  und  zwar  sowohl  für  beliebige  Werthe  des  Argu- 
mentes, wie  für  die  Nullwerthe  derselben.  Jacobi  erkannte  sofort  die 
hohe  Bedeutung  der  Arbeit,  die  ihren  Verfasser  mit  einem  Schlage  den 
Mathematikern  ersten  Ranges  gleichstellte.  Er  antwortete  ihm  mit  den 
Worten:  „Je  vous  remercie  bien  sincerement  de  la  belle  et  importante 
communication  que  vous  venez  de  me  faire,  touchant  la  division  des  fonc- 
tions  abeliennes.  Vous  vous  etes  ouvert  par  la  decouverte  de  cette  divi- 
sion un  vaste  champ  de  recherches  et  de  decouvertes  nouvelles  qui  annon- 
cent  un  grand  essor  ä Part  analytique.  Je  vous  prie  de  faire  mes  compli- 
ments  ä mon  illustre  ami  M.  Liouville.  Je  lui  sais  bon  gre  d’avoir  bien 
voulu  me  procurer  le  grand  plaisir  que  j’ai  ressenti  en  lisant  le  Memoire 
d’un  jeune  geometre,  dont  le  talent  s’annonce  avec  tant  d'eclat  dans  ce 

?[ue  la  Science  a de  plus  abstrait.“  Lame  und  Liouville  erstatteten  der 
ranzösischen  Academie  über  die  Arbeit  Bericht  und  veranlassten  ihre  Auf- 
nahme in  den  Recueil  des  Savants  etrangers. 

In  das  Jahr  1855  fällt  die  classische  Arbeit  über  die  Transformation 
der  Abel’schen  Functionen.  Wer  immer  sich  auf  diesem  schwierigen  Ge- 
biet bethätigen  will,  wird  zu  derselben  als  dem  Quell  und  dem  Ausgangs- 
punkt aller  weiteren  Untersuchungen  zurückgehen  müssen.  Was  Göpel 
und  Rosenhain  für  die  allgemeine  Theorie  der  hyperelliptischen  Func- 
tionen geleistet  haben,  das  hat  Hermite  für  die  Transformationstheorie  ge- 
leistet — er  hat  das  Fundament  gegeben,  auf  welchem  mit  Sicherheit  weiter 
gebaut  werden  kann. 

Neben  all’  diesen  vielen  speciellen  Functionen  blieb  Hermite  auch 
der  Theorie  der  analytischen  Functionen  nicht  ferne.  In  einem  Alter,  in 
dem  es  im  Allgemeinen  schon  schwer  wird,  sich  in  neue  fremdartige  Ideen- 
kreise herein  zudenken,  widmete  er  sich  dem  Studium  der  Weierstrass- 
scheu und  Mittag-Leffler’schen  Arbeiten  und  kam  hierbei  zu  neuen 
selbstständigen  Methoden,  sowie  zahlreichen  .Anwendungen,  die  er  in  mehreren 
Arbeiten  aus  dem  Jahre  1880  und  später  niederlegte.  Daneben  liess  er 
sich  angelegen  sein,  das  Studium  der  Weierstrass’schen  Arbeiten  in  Frank- 
reich einzubürgern,  mit  welchem  Erfolge,  das  lehren  die  schönen  Arbeiten 
der  jungen  französischen  Mathematiker  auf  diesem  Gebiet. 

Mit  dem  soeben  Bemerkten  dürfte  der  Kreis  der  Arbeiten  einigermassen 
umgrenzt  sein,  die  entweder  rein  analytischen  Charakters  sind  oder  mit 
der  Analysis  in  tieferer  Beziehung  stehen.  Zu  ihnen  kommt  eine  grössere 
Anzahl  von  Arbeiten  arithmetischen  und  algebraischen  Inhalts,  wobei 
freilich  eine  scharfe  Umgrenzung  nicht  möglich  ist,  da  auch  in  ihnen  sich 
Untersuchungen  rein  analytischer  Natur  vorfinden.  Alle  diese  Arbeiten 
fallen  in  sein  kräftigstes  Mannesalter.  Die  Erfindungsgabe  zeigt  sich  in 
ihnen  in  bewunderungswürdiger  Weise.  Die  neuen  Ideen,  die  neuen  Re- 
sultate und  Sätze  drängen  einander,  sie  bringen  den  Namen  Hermite  in 


■u^lc 


11 


immer  weitere  und  weitere  Kreise  und  eröffnen  dem  Vierunddreissigjährigen 
die  Hallen  der  französischen  Academie. 

Die  Arbeiten  arithmetischen  Charakters  setzen  ungefähr  im  Jahre  1860 
ein.  Ihr  Zweck  war  es,  zunächst  die  Annäherungsmethode  schärfer  zu 
untersuchen,  die  Jacohi  in  seiner  bekannten  Arbeit  über  die  Unmöglich- 
keit von  Functionen  einer  veränderlichen  Grösse  mit  mehr  als  zwei  Perioden 
aufgestellt  hatte.  Hermite  überzeugte  sich  bald,  dass  diese  Fragen,  sowie 
eine  grosse  Anzahl  ähnlicher  von  der  Ileduction  der  quadratischen  Fonnen 
abhängig  zu  machen  ist.  „Mais  une  fois  arrive  ä ce  point  de  vue“,  so 
schreibt  er  im  Jahre  1860  an  Jacohi,  „les  problemes  si  vastes  que  j’avais 
cru  me  proposer,  m’ont  semble  peu  de  chose  ä cöte  des  grandes  questions 
de  la  theorie  des  formes,  considerees  d’une  maniere  generale.“  Auf  diesem 
Wege  gelangt  er  zu  der  arithmetischen  Theorie  der  Formen  und  traf  sich 
hierbei  mit  den  Arbeiten  von  Gauss,  Eisenstein,  Jacobi  und  Anderen. 

Hermite  untersuchte  zunächst  die  quadratischen  Formen  mit  beliebig 
vielen  Veränderlichen.  Er  führte  sie  auf  gewisse  reducirte  Formen  zu- 
rück und  wies  nach,  dass  die  Classenanzahl  bei  vorgelegter  Determinante 
und  ganzzahligen  Coefficienten  eine  endliche  ist.  Für  den  Fall  der  in- 
definiten Formen  war  hierbei  eine  grosse  Anzahl  von  Schwierigkeiten  zu 
überwinden,  die  er  in  geistvollster  Weise  löste.  Er  führte  dazu  unter 
anderem  den  Begriff  der  continuirlichen  Veränderungen  in  die  Formen- 
theorie ein  und  gab  damit  eine  Reduction  von  Fragen  über  ganze  Zahlen 
auf  Fragen  rein  analytischen  Charakters.  Auch  das  Problem,  die  Trans- 
formationen einer  Form  in  sich  selbst  zu  finden,  musste  in  Angriff  ge- 
nommen werden. 

In  ähnlicher  Weise  wird  die  Theorie  der  F’ormen  von  beliebigem  Grade 
untersucht,  welche  in  lineare  Factoren  zerfällt  werden  können.  Hier  findet 
Hermite  jenen  schönen  Satz  über  die  vertauschbaren  ganzzahligen  Trans- 
formationen einer  Form  in  sich,  welche  die  Theorie  derselben  auf  die  Po- 
tenzen von  Transformationen  zurückführt. 

Auch  die  Ilinzunahme  complexer  Grössen  zeigt  sich  von  schwerwie- 
gender Bedeutung.  Hermite  führte  zuerst  die  nach  ihm  benannten  bilinearen 
Formen  mit  conjugirt  complexen  Veränderlichen  ein  und  gab  damit  die 
Grundlage  für  weitgehende  neuere  Untersuchungen,  unter  denen  vor  allem 
diejenigen  von  Herrn  Picard  zu  erwähnen  sind.  Daneben  gelang  es  ihm, 
die  schönen  Sätze  von  Jacobi  über  die  Zerlegung  ganzer  Zahlen  in  die 
Summe  von  vier  Quadraten  von  neuem  zu  beweisen.  Auch  die  Theorie 
der  in  Linearfactoren  zerlegbaren  Formen  beliebigen  Grades  mit  ganzen 
complexen  Coefficienten  wurde  in  den  Bereich  der  Betrachtungen  gezogen 
und  gab  Anlass  zu  dem  berühmten  Satze,  dass  die  Wurzeln  der  algebra- 
ischen Gleichungen  mit  ganzen  complexen  Coefficienten  und  gleicher  Dis- 
criminante  sich  durch  eine  begrenzte  Anzahl  von  einander  verschiedener 
Irrationalitäten  ausdrücken  lassen. 

Glänzend  waren  die  Anwendungen  auf  die  Algebra.  Es  gelang  ihm, 
das  Sturm’sche  Problem  über  die  Anzahl  der  reellen  Wurzeln  einer 
algebraischen  Gleichung  zwischen  vorgelegten  Grenzen  auf  Grund  des 
Trägheitsgesetzes  der  (juadratischeu  Formen  in  einer  eleganten  Form  zu 
lösen.  Herr  Weber  hat  diese  Lösung  in  seiner  Algebra  dem  deutschen 
Publicum  allgemein  zugänglich  gemacht.  Auch  algebraische  Gleichungen 
mit  complexen  Coefficienten  werden  betrachtet.  Hermite  associirt  den- 
selben gewisse  quadratische  Formen  und  kommt  damit  zu  Resultaten, 


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12 


welche  die  Cauchy’ sehen  Theoreme  über  die  Anzahl  complezer  Lösungen 
in  einem  vorgeschriebenen  Bereiche  als  unmittelbare  Folgerung  ergeben. 
Mittlerweile  war  eine  neue  Richtung  in  der  Formentheorie  hervorgetreten. 
Durch  die  Bemühungen  von  Boole  und  Cayley  hatten  sich  in  den  vier- 
ziger Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts  die  ersten  Keime  der  Invarianten- 
theorie entwickelt.  Auch  hier  war  es  Hermite  beschieden,  schöpferisch 
in  die  Entwickelung  einzugreifen  und  neue  Wege  vorzuschreiben,  die 
später  von  Anderen  weiter  verfolgt  werden.  Seine  Arbeiten  beginnen  im 
wesentlichen  im  Jahre  1854  und  berühren  sich  vielfach  mit  den  Arbeiten 
von  Cayley  und  Sylvester,  so  dass  es,  wie  Herr  Jordan  sagt,  schwer, 
ja  kaum  wünschenswerth  ist,  den  Antheil  eines  Jeden  an  dem  gemeinsamen 
Werke  zu  präcisiren.  „Wir,  Cayley,  Hermite  und  ich“,  so  sagt  Syl- 
vester, „bildeten  damals  eine  invariante  Trinität“.  Jedenfalls  istHermite 
das  berühmte  Reciprocitätsgesetz  zuzuschreihen,  welches  die  invarianten 
Bildungen  im  binären  Gebiete  in  einer  merkwürdigen  Art  zu  Paaren  ordnet 
und  eine  überaus  grosse  Anzahl  wichtiger  Anwendungen  zulässt.  Indem 
Hermite  ferner,  wie  H.  F.  Meyer  bemerkt,  im  Falle  einer  binären  Form 
ungerader  Ordnung  zwei  lineare  Covarianten  als  neue  Veränderliche  ein- 
führt, vermag  er  die  erstere  in  eine  „typische“  Gestalt  zu  bringen,  in 
welcher  die  Coefficienten  selbst  Invarianten  sind.  Im  unmittelbaren  Zu- 
sammenhänge damit  stehen  die  Systeme  „associirter  Formen“,  von  denen 
jede  weitere  zur  ursprünglichen  Form  gehörige  Bildung  in  rationaler  Weise 
abhängt.  Eine  überaus  interessante  Anwendung  dieser  Theoreme  bezieht 
sich  auf  die  Formen  5.  Grades.  Hier  findet  Hermite  neben  den  drei 
von  Sylvester  entdeckten  Invarianten  eine  vierte  von  der  Eigenschaft, 
dass  sich  alle  anderen  Invarianten  als  ganze  Functionen  dieser  vier  fun- 
damentalen Grössen  darstellen  lassen.  Dieselbe  bietet  das  erste  Beispiel 
einer  schiefen  Invariante  dar,  d.  b.  einer  solchen,  die  in  sich  selbst  multi- 
plicirt  mit  einer  ungeraden  Potenz  der  Substitutionsdeterminante  übergeht. 
Die  Coefficienten  der  typischen  Form  vom  6.  Grade  drücken  sich  rational 
durch  diese  Invarianten  aus.  Hieraus  folgert  Hermite,  dass  jede  Gleichung 
6.  Grades  so  umgeformt  werden  kann,  dass  sie  nur  von  zwei  Parametern 
abhängt,  die  absolute  Invarianten  sind,  und  giebt  luvariantenkriterien  für 
die  Realität  ihrer  Wurzeln. 

„La  lecture  de  ces  beaux  Memoires“,  so  sagt  Herr  Picard,  „laisse 
une  Impression  de  simplicite  et  de  force;  aucun  mathematicien  du 
XIX”  siede  n’eut,  plus  qu’Hermite,  le  secret  de  ces  transformations  al- 
gebri(iues  profondes  et  cachees  qui,  une  fois  trouvees,  paraissent  d’ailleurs 
si  simples.  C’est  ä un  tel  art  du  calcul  algebrique  que  pensait  sans  doute 
Lagrange,  quand  il  disait  ä Lavoisier  que  la  Chimie  deviendrait  un 
jour  facile  comrae  l’Algcbre“. 

Ich  bin  am  Schlüsse  meiner  Betrachtungen  angelangt  Vieles  habe 
ich  nur  andeuten  und  flüchtig  berühren  hönnen,  vielleicht  aber  dürften 
Sie  doch  aus  dem  Bemerkten  entnommen  haben,  wie  mächtig  und  um- 
fassend der  Geist  war,  der  mit  Hermite  dahingegangen  ist. 

Ungezählte  Jünger  unserer  Wissenschaft  haben  aus  seinen  Werken 
Weisheit  und  Belehrung  gezogen.  Wie  aus  einem  tiefen  unerschöpflichen 
Born,  so  strömen  aus  ilinen  krystallhell  eine  Fülle  neuer  Gedanken  und 
zwingen  den  Leser  zur  Mit-  und  Fortarbeit.  Viele  seiner  Ideen  und 
Resultate  sind  zum  Gemeingut  unserer  Wissenschaft  geworden,  aber  auch 
sie  wird  inan  in  Zukunft  gerne  an  der  Quelle  studiren  wollen,  viele  andere 


13 


dagegen  harren  noch  der  Entwickelung.  So  hat  sich  denn  Hermite  in 
seinen  Werken  ein  Monument  gesetzt,  welches  die  Zeiten  überdauern 
wird  und  seinen  Namen  mit  dem  Zauber  der  Unsterblichkeit  umgiebt. 
Wir  aber,  die  wir  ihm  persönlich  nahen  durften,  werden  des  grossen  und 
gütigen  Mannes  nimmermehr  vergessen! 


Litteraturangaben. 

Ausser  den  Werken  von  Hermite  habe  ich  benutzt: 

1.  Die  Fortschritte  der  Mathematik. 

2.  Enneper:  Elliptische  Functionen.  Theorie  und  Geschichte. 
Halle  1890. 

3.  Krause:  Theorie  der  doppeltperiodischen  Functionen  einer 
veränderlichen  Grösse.  Leipzig.  Litteratumachweise. 

4.  F.  Klein;  Vorlesungen  über  das  Ikosaeder.  Leipzig  1894. 

5.  Franz  Meyer:  Bericht  über  den  gegenwärtigen  Stand  der 
Invariantentheorie.  Jahresbericht  der  deutschen  math.  Ver- 
einigung 1892. 

6.  Vahlen:  Arithmetische  Theorie  der  Formen.  Encyklopädie  der 
math.  Wissenschaften. 

7.  Jubile  de  Hermite.  Paris  1893. 

8.  Notice  sur  M.  Ch.  Hermite;  par  M.  C.  Jordan.  Comptes  Rendus 
21.  Janvier  1901. 

Nach  Fertigstellung  des  Manuscriptes  wurde  mir  die  Arbeit  von  Herrn 
Picard  über  Hermite  aus  dem  letzten  Hefte  der  Annales  de  l’Ecole  Nor- 
male bekannt  Ich  konnte  diese  geistvolle  und  eingehende  Untersuchung 
unter  solchen  Umständen  nicht  mehr  in  eingehender  Weise  berücksichtigen 
— immerhin  sind  einige  Bemerkungen  derselben  in  den  Vortrag  auf- 
genommen worden. 


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II.  Tiefbohruiig  in  der  Dresdner  Haide. 

Von  Dr.  Bobert  ITesslg. 


Eine  im  Jahre  1899  in  der  Dresdner  Haide  hinter  dem  Waldschlösschen 
Yorgenommene  Bohrung*)  schloss  in  einer  Tiefe  von  20,80  m ein  3,70  m 
mächtiges  Thonlager  auf  und  führte  weiter  in  die  diluvialen  Thalkiese 
und  Thalsande  des  Elbstromes  bis  zur  Teufe  von  40,io  m hinab.  Als 
weiterer  Beitrag  zur  Keuntniss  der  Untergrundverhältnisse  des  rechten 
Elbufers  dient  folgende  Bohrliste,  die  sich  aus  einer  in  unmittelbarer  Nähe 
des  erwähnten  Aufschlusses  im  Frühjahr  1900  vorgenommenen  Tiefbohrung 
ergab : 

0,oo — 0,30  m aufgefüllter  Boden, 

0,30 — 10,zo  grauer  Sand, 

10.20  — 13,40  ti  grauer  Sand  mit  Steinen  (Granitfragmente), 

Haidesand  — 18, lo  „ gelber  Sand  mit  Steinen, 

1 18.10 — 18,60  „ grauer,  feiner  Sand, 

1 18,60—20,20  „ feiner  Kies, 

\ 20.20 — 20,60  „ grober  Kies, 

20,60 — 21,30  „ brauner  Thon, 

21,, •10  — 23,80  „ blauer  Thon, 

23.80 —  24,40  I,  Thon  mit  Eisensandschicbten, 

24.40 —  26,16  „ thoniges  Gerolle, 

26,1.6  — 26,.tO  ,,  grober  Kies, 

26„60 — 27,10  „ grauer  Sand, 

27,10  — 32,20  „ Erbskies, 

32.20  — 33,70  ,1  grober  Kies, 

33,70 — 34,80  „ feiner  Sand, 

34,80  — 36,3(>  „ grober  Kies, 

36.30  — 38,40  „ feiner  Sand, 

38.40— 40,30  „ feiner  Kies, 

40.30  — 41,50  „ grober  Kies, 

41,50—42,40  „ feiner  Kies, 

42,40  — 44,80  „ grober  Kies  (einschliessl.  schlammige  Schicht 
6 — 10  cm  mächtig), 

44.80 —  46,30  „ grober,  thoniger  Kies, 

46,30—  46,70  „ grober  Kies, 

*)  Abbaudl.  d.  naturwias.  Oes.  Isis  in  Dresden  1899,  S.  16. 


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16 


46,70 — 47,20  m feiner  Kies, 

47,20  — 47,35  „ gelber  Thon, 

47,86 — 47,90  „ blauer  Thon, 

47,90 — 60,oo  „ Pläner  (Labiatus- Pläner). 

Aus  dem  gebotenen  Profile  geht  abermals  die  Anwesenheit  des  Thon- 
lagers in  einer  Mächtigkeit  von  3,80  m hervor.  Ueber  demselben  sammeln 
sich  die  „verlorenen  Wasser“  der  Haidesandterrasse  an  (auch  in  den  Brunnen 
der  Simmig’schen  Villen  nacbgewiesen).  Der  Thon  offenbarte  als  speckiges 
Material  die  bekannte  Beschaffenheit,  d.  h.  er  zerfloss  beim  Brennen  im 
Steingutofen  bei  1250'*  in  Folge  des  starken  Eisen-  und  Kalkgehaltes  zu 
einem  rothbraunen  Kuchen,  ein  Verhalten,  welches  z.  B.  dem  Brongniarti- 
Mergel  nicht  eigen  ist.  Die  über  dem  Thone  lagernden  Sande  erwiesen 
sich  als  echte  Haidesande,  die  nur  direct  im  Hangenden  des  Thones  in 
Kies  übermngen,  so  dass  wir  hier,  wie  anderwärts  im  Gebiet,  die  kiesigen 
Basisschichten  des  Haidesandes  vor  uns  haben.  Dies  Verhältniss  kommt 
auch  zum  Ausdruck  durch  die  Vergleichung  der  trigonometrischen  Fest- 
punkte, die  hier  in  Frage  kommen.  Der  im  Niveau  der  jüngsten  Thal- 
stufe der  Elbe  befindliche  Elbbolzen  N'r.  736  an  der  Südwestecke  des 
Wasserwerkes  zeigt  109,094  m,  das  Terrain  in  der  Umgebung  des  Bohr- 
loches 133,772  m,  so  dass  das  Niveau  des  Thonlagers  bei  einer  Tiefenlage 
von  20,60 — 24,40  m ziemlich  genau  der  Höhenlage  der  unteren  Eibaue 
entspricht.  Damit  ist  die  Entstehung  des  Thones  als  Elbschlick  über  dem 
alten  zugeschütteten  Elbbett  wahrscheinlich  gemacht,  auch  besonders  des- 
halb, weil  unter  dem  Thon  der  Bohrer  deutliche  Elbschotter  mit  zahl- 
reichen, charakteristischen  Geschieben,  als  Basalt,  Phonolith,  Quadersand- 
stein, metamorphosirte  Andalusitgneisse  und  selbst  Porzellanjaspis  von  den 
Kohlenbrandherden  aus  Böhmen  durchteufte. 

Wie  aus  der  Bohrliste  ersichtlich,  findet  eine  deutliche  Wechsellagerung 
von  Sand  und  Kies  statt,  und  schliesslich  folgen  bei  47,36  m blaue  Thone, 
die  nach  dem  Befunde  als  verwitterte  und  aufgearbeitete  Pläner  anzusehen 
sind  und  die  im  Gegensätze  zu  dem  oben  erwähnten  Thone  beim  Brennen 
wenig  deformirte,  gelbgraue  Scherben  lieferten.  Unter  dieser,  nur  wenig 
mächtigen  Lage  erscheint  der  feste  Labiatus -Pläner,  das  Grundgebirge 
der  Elbthalwanne,  welches,  durch  die  Lausitzer  Verwerfung  am  Lausitzer 
Granit  abgesunken,  sich  sicher  bis  zum  Bruchratule  der  Granitplatte  unter 
der  Haidesandterrasse  hinzieht,  wie  die  Aufschlüsse  an  den  Hellerbergen 
verrathen.  Ausser  im  artesischen  Brunnen*)  auf  der  Antoustrasse,  im 
Brunnen  der  Werft  zu  Uebigau*)  und  im  Bohrloch  im  Priessnitzgrunde**) 
sind  die  Pläner  auf  dem  rechten  Elbufer  sonst  nirgends  in  der  Tiefe  auf- 
geschlossen worden,  und  dürfte  die  jüngste  Bohrung  als  weiterer  Beitrag 
zur  Lösung  der  Frage  nach  der  Entstehung  des  Elbthales,  der  Lage  und 
Ausdehnung  des  diluvialen  Elbbettes  dienen. 


*)  Sect.  Dresden,  S.  84. 

**)  Abhandl.  d.  naturwiss.  Ges.  Isis  in  Dresden  189»,  .S.  18. 


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I 


w 


in.  Ein  verziertes  Steinbeil  aus  Sachsen. 

Von  J.  DeiohmüUer. 


Im  Herbst  vorigen  Jahres  kam  die  Königliche  Prähistorische  Samm- 
lung in  Dresden  in  den  Besitz  von  drei  Steingeräthen,  welche  auf  der  Flur 
Zeicha  bei  Mügeln,  Regierungsbezirk  Leipzig,  von  dem  dortigen  Guts- 
besitzer Herrn  Grüble  bei  der  Bestellung  seiner  Felder  einzeln  gefunden 
und  Herrn  Oberlehrer  Fl.  Schubert  in  Mügeln  als  Geschenk  für  das  Dresdner 
.Museum  übergeben  worden  waren.  Das  eine  derselben  ist  ein  wohlerhal- 
tenes, 19  cm  langes,  facettirtes  Steinbeil  aus  Ämphibolit  von  der  in  Sachsen 
schon  mehrfach  gefundenen  Form  mit  Verstärkungsrippen  zu  beiden  Seiten 
des  Schaftlochs,  das  zweite  das  11  cm  lange  Schneidenende  eines  am 
Schaftloch  abgebrochenen  Steinbeils  von  viereckigem  Querschnitt  aus  ähn- 
lichem Gestein;  das  dritte,  auch  nur  ein  Schneidenende,  zeichnet  sich 
durch  die  auf  demselben  angebrachten  vertieften  Ornamente  aus. 

Das  wenig  mehr  als  8 cm  lange  Bruchstück  hat  schlank  dreieckigen, 
nach  der  stumpfen  Schneide  zugerundeten  Grundriss  (siehe  nebenstehende 
Abbildung),  fast  rechteckigen,  an  der  Bruchfläche  4 cm 
breiten  und  3 cm  hohen  Querschnitt  und  an  der  Schneide 
eine  Höhe  von  2,3  cm.  Ober-  und  Unterfläche  sind  eben, 
die  Seitenflächen  gleichmässig  flach  gewölbt.  Mit  Aus- 
nahme der  unteren  Fläche  sind  alle  übrigen  mit  ver- 
tieften, eingeritzten  Ornamenten  bedeckt.  Auf  den  Seiten- 
flächen verlaufen  je  vier  ungleich  starke,  bis  1 mm  tiefe 
und  breite  Längslinien  in  ziemlich  regelmässigen  Ab- 
ständen von  7 mm,  die  auf  der  in  der  Abbildung  sicht- 
baren Seitenfläche  4 cm,  auf  der  gegenüberliegenden 
4,6  cm  vor  der  Schneide  enden.  Die  obere  Fläche  wird 
längs  der  Mitte  durch  eine  3 — 3,5  mm  breite,  gegen 
1 mm  tiefe,  nach  der  Schneide  verflachte,  gerundete 
der  natUrl.  Grösse.  Furche  getheilt,  von  welcher  beiderseits  schief  nach  den 
Rändern  unregelmässige,  eingeritzte  schwächere  Linien  ahzweigen,  wodurch 
ein  tannenzweigartiges  Ornament  entsteht. 

Das  zu  dem  Geräth  verwendete  Gestein  ist  nach  der  im  Königlichen 
Mineriilogisch -geologischen  Museum  in  Dresden  durch  Prof.  Dr.  W.  Bergt 
ausgefuhrten  mikroskopischen  Untersuchung  ein  massiger  „Grünstein“, 
wahrscheinlich  ein  durch  Gehirgsdruck  besonders  in  der  Zusammensetzung 
veränderter,  in  der  Struktur  aber  noch  erkennbarer,  feinkörniger  Diabas. 


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Derartige  verzierte  Steingeräthe  gehören  allgemein  zu  den  Seltenheiten ; 
unter  den  aus  dem  Königreich  Sachsen  bisher  bekannten,  nicht  aus  Feuer- 
stein hergestellten  Steinwerkzeugen,  deren  Zahl  bereits  mehr  als  300  be- 
trägt, ist  das  Zeicha’er  Bruchstück  das  einzige,  welches  mit  vertieften 
Linien  geziert  ist.  Ein  dem  hier  beschriebenen  ähnliches  tannenzweigartiges 
Ornament  hat  E.  Friedei  auf  dem  Bahnende  eines  Steinhammers  von  Jüter- 
bogk  gefunden  und  in  den  Verhandlungen  der  Berliner  Gesellschaft  für 
Anthropologie  1875,  S.  183  ahgebildet. 


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IV.  Die  ältesten  Wege  in  Sachsen*). 

Von  Finanz-  und  Baurath  H.  Wieohol. 

Mit  1 Karte. 


Die  Eckpunkte  des  zu  untersuchenden  Gebietes  bilden  im  Nordwesten 
die  Saaleiibergänge  Halle,  Merseburg,  Weissenfels,  Naumburg,  im  Siidweslen 
die  Uebergangspunkte  am  Nordrande  des  Fichtelgebirges  Hof,  Asch,  Eger; 
im  Süden  bildet  die  Eger  und  Prag,  im  Osten  die  Iser-N'eisselinie  die 
Intcressengrenzo,  während  im  Norden  die  altalluviale  Niederung  Eilenburg- 
Torgau-Elsterwerda-Senftenberg-Friebus  einen  natürlichen  Abschluss  dar- 
bietet. 

Dieses  Gebiet  wurde  noch  1100  n.  Chr.  quer  durchzogen  von  einem  20 
bis  60  km  breiten  Waldgebirge,  dessen  etwa  1250  n.  Chr.  vollendete  Rodung 
und  Besiedelung  dem  Lande  die  äussere  Erscheinung  gegeben  hat,  welche 
es  fast  unverändert  noch  heute  besitzt.  Eine  ähnliche  durchgreifende  Ver- 
änderung des  ganzen  t,andeshildes  könnte  man  sich  für  die  Zeit  des  Ueber- 
ganges  von  Weidewirthschaft  zum  Ackerbau  vorstellen;  indessen  fohlen,  um 
hierauf  einzugehen,  heute  noch  ausreichende  Anhaltspunkte.  Bestehen  doch 
noch  Zweifel  über  die  Agrarzustände  in  der  Broncezeit,  deren  Simren  fast 
in  allen  Ortschaften,  die  die  deutsche  Eroberung  seit  etwa  800  n.  Chr. 
von  Slaven  besiedelt  antraf,  zu  Tage  treten.  Das  Bedürfniss  nach  einem 
sicheren  Heim  für  den  langen  Winter,  nach  Ansammlung  von  Essvorrath 
für  die  unwirthlichen  Monate  kann  schon  in  der  jüngeren  Steinzeit,  deren 
Fundgebiet  sich  in  unerwarteter  Weise  fortwährend  erweitert,  zu  einer  ge- 
wissen Sesshaftigkeit,  Bodenvertheilung  und  Bodenbearbeitung  geführt  haben, 
wozu  übrigens  auch  der  milde  fruchtbare  Lössboden  auf  der  Linie  Pegau- 
Lommatzsch-Bautzen  einladen  musste.  Jedenfalls  hat  sich,  wie  alle  prä- 
historischen Funde  beweisen,  das  Leben  der  Bewohner  seit  den  ältesten 
Zeiten  auf  demselben  Gebiete  abgespielt,  auf  dem  wir  die  Siedelungen 
der  Wenden  bei  der  deutschen  Besitzergreifung  vorfinden,  auf  einem 
Gebiet,  das  sich  in  seinem  Aeusseren  nur  wenig  verändert  erhalten  haben 
dürfte. 

Untersuchungen  über  die  ältesten  Wege  im  Zeitabschnitte  der  deutschen 
Besitznahme,  also  etwa  800  bis  1200  werden  daher  nicht  nur  grundlegende 
Bedeutung  für  die  Weiterverfolgung  der  Entwickelung  des  Wegenetzes  bis 

*)  Unter  lienutzung  seines  am  18.  .\pril  1901  in  lier  .8ection  für  prähistorische 
Forsi^hungen  der  natnrwisscuschaftlkhen  Gesellschaft  Isis  in  I)re.sden  gehaltenen  Vortrags. 


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zur  Neuzeit,  sondern  auch  für  die  Rückblicke  in  die  vorhistorische  Zeit 
besitzen. 

Die  historischen  Nachrichten,  die  wiederholt  bearbeitet  worden  sind*), 
beschränken  sich  für  die  älteste  Zeit  auf  Nennung  einiger  weniger  Orts- 
und Localnamen  in  Berichten  über  Ileereszüge  und  vereinzelte  Reisen  oder 
über  Zollstiitten.  So  werthvoll  diese  Anhaltspunkte  sind,  so  reichen  sie 
doch  nicht  aus,  ein  Wegenetz  für  jene  alte  Zeit  aus  ihnen  zu  construiren, 
so  wenig  wie  man  aus  den  Triangulationspunkten  einer  Landesvermessung 
eine  Landkarte  zu  entwerfen  vermag. 

I-'ür  die  Erkenntniss  der  Einzellieiten  der  ältesten  Wegeanlagen  fliesst 
aber  eine  überraschend  reiche  Quelle,  aus  der  noch  wenig  geschöpft  worden 
ist  — das  ist  die  Spur  der  Vorzeit  auf  dem  heutigen  Antlitz  des  Landes. 
So  mancher  älteste  Weg  ist  noch  vorhanden,  sei  es  in  der  vornehmen 
Gestalt  einer  grossen  Strasse  oder  eines  bescheidenen  Verbindungsweges, 
oder  gar  nur  als  vom  Verkehr  verlassener,  grasüberwucherter  Feldweg,  als 
seibib  liegen  gebliebener  Hohlweg  von  Strauch-  und  Baumwuchs  erfüllt. 
Ja  bis  zum  Feldrain,  bis  zur  Grenzlinie  schreitet  die  Rückbildung  vor, 
wenn  nicht  gar  durch  Zusammenlegungen  von  Feldfluren  jedwede  Spur  des 
alten  Weges  in  den  Ackerfurchen  untergeht. 

Aber  nicht  nur  die  sichtbar  wie  auf  einem  Palimpseste  auf  der  Landes- 
oberfläche von  den  aufeinanderfolgenden  Jahrhunderten  eingegrahenen  Weg- 
zeichnungen selbst  sind  uns  zur  Entwirrung  aufhewahrt,  sondern  auch  un- 
sichtbare, aber  gleich  fest  an  die  Scholle  gebundene  üeherlieferungen  erzählen 
von  den  ältesten  Wegen:  die  Localnamen,  zunächst  die  Wegnaraen  selbst. 
Bei  der  Treue  der  Erhaltung  vieler  Localnamen  lässt  sich  sogar  zuweilen 
noch  deren  althochdeutscher  oder  mittelhochdeutscher  Charakter  und  da- 
mit deren  Zeitstellung  erkennen. 

Alle  diese  topographischen  Einzelheiten  und  Flurnamen  liefert  in  un- 
übertrefflicher Klarheit  die  Landesaufnahme  des  kursächsischen  In- 
genieurcorps aus  der  Zeit  um  1780,  die  in  Kupfer  gestochen  als 
Oberreit’scher  Atlas**)  bekannt  ist. 

Es  ist  nun  versucht  worden,  an  der  Haifd  der  historischen  Angaben 
unter  Voraussetzung  eines  Siedelungszustandes  vor  der  deutschen  Colonisa- 
tion,  also  vor  1200  die  ältesten  Wegzüge  in  allen  Einzelheiten  aus  dem 
vielgefalteten  Antlitz  des  Landes  selbst  abzulesen.  Ehe  auf  die  einzelnen 
Wegzüge  eingegangen  wird,  sind  die  Grundsätze  in  der  Führung  der  Strassen 
und  die  mit  dem  Wege  ira  Zusammenhang  stehenden  Anlagen,  wie  sie  jener 
Culturepoche  in  unserem  Gebiete  entsprechen,  zu  erörtern. 


*1  H.  Schnrtz:  Die  Pä.«e  des  Erzgelärijes.  I,eipzig  1H91.  — A .Simon:  Die 
Verkehrsstrassen  in  Sachsen  n.  s.  w,  .Stuttgart  1892. 

Zu  nennen  sind  noch: 

0.  Posse:  Die  Markgrafen  von  Meissen.  Leipzig  1H8I.  Umfasst  die  Zeit  von 
968  his  ll.vH-  — K.  O.  Schulze:  Die  Cohmisirung  und  tiermanisirung  der  Gebiete 
zwischen  .Saale  und  Elbe.  Leijizig  1886. 

•*)  Es  ist  zu  bedauern,  dass  diese  Karte  für  wissenschaftliche  Zwecke  nicht  mehr 
abgedruckt  und  in  den  Haniiel  gebracht  wird.  Anf  kostspielige  Nachträge  kfinnte  wohl 
verzichtet  werden,  da  neuere  Kartenwerke  da.s  miKlcme  Bedllrfniss  befriedigen.  Die 
Vervielfältigung  der  älteren  Platten,  sei  es  auch  nur  durch  Umdruck,  ist  aber  für  die 
culturgeschichlliche  Forschung  so  werthvoll,  weil  sie  eine  Fülle  von  Einzelheiten  und 
Namen  enthalten,  die  man  auf  den  neuen  Kartenwerken  vermisst. 


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Die  Trasslrung  der  Wege. 

Wenn  auch  Wege  sowohl  in  der  Urzeit  wie  heute  jede  Kinzelsiedelung 
mit  der  benaclibarten  verbanden,  also  in  der  Gesammtheit  ein  unentwirr- 
bar dichtes  Netz  bildeten, 

„Seitab  liegt  der  Sitz  des  Feindes 
Wenn  er  am  W'ege  auch  wohnt; 

Zum  Freunde  aber  führt  ein  Richtsteig, 

Zog  er  auch  fenihin  fort.“  (Edda.) 

so  hoben  sich  doch  immer  die  „länderverbindenden“  Ilauptwege  ab,  um  die 
es  sich  hier  nur  handelt.  Diese  Wege  mieden  nun  in  alter  Zeit  mit 
Aengstlichkeit  das  Alluvium,  die  Thalaue  sowohl  in  der  Längserstreckung 
der  Thäler  als  auch  bei  Durchquerungen,  so  dass  immer  der  bestgangbare 
Pass  durch  das  Inundationsgebiet  sorgfältig  ausgesucht  wurde.  Auch  die 
Lage  unmittelbar  parallel  dem  Alluvialrande  auf  erhöhtem  Boden  war  un- 
beliebt wegen  der  Nothwendigkeit,  zahllose  Querbäche  zu  kreuzen  und  das 
gerade  an  den  Stellen,  wo  diese  Seitenzuflüsse  das  meiste  Wasser  führen. 
Die  ältesten  Wege  ziehen  sich  daher  stets  in  der  Nähe  der  Wasserscheiden 
auf  den  Landrücken  hin,  ohne  gerade  peinlich  diese  Lage  zu  suchen, 
weil  die  Kreuzung  kurzer  Wasserläufe  in  der  Nähe  des  Ursprunges,  mithin 
ohne  grösseres  Sammelgebiet,  nie  schwierig  ist.  Oft  findet  man  gerade  an 
diesen  Uebergängen  Damm-  und  Teichanlagen  zur  Anstauung  der  nicht 
übermässigen  W asserläufe  und  fast  regelmässig  findet  sich  dann  der  Local- 
name „Strassenteich“  oder  „alte  Teich“. 

Besondere  Schwierigkeiten  bereitete  stets  die  Querung  wasserreicher 
Thalauen.  Hier  mussten  Siedelungen,  Schutzbauten  von  Uranfang  an  ent- 
stehen, war  doch  das  Heer,  der  Reisende  bei  hohem  Wasserstand,  wie  ihn 
nicht  nur  das  Schneeschmelzen,  sondern  auch  Gewitterregen  erzeugen  konnten, 
geradezu  gezwungen,  wie  wiederholt  historisch  überliefert,  wochenlang  auf 
günstige  Verbältnisse  zu  warten.  Dass  aus  diesen  Siedelungen  an  den 
Fürthen  die  meisten  grösseren  Orte,  Handelsstädte  erwachsen  sind,  ist  be- 
kannt. 

Auf  einen  wichtigen  Umstand  ist  hier  noch  hinzuweisen.  Konnten 
die  ältesten  Wegzüge  nicht  an  der  Grenze  zwischen  Alluvium  und  Diluvium 
gesucht  werden,  so  ist  doch  diese  Scheidelinie  von  ausschlaggebender  Be- 
deutung für  die  Siedelungen.  Alle  alten  Orte  finden  sich  wie  Perlenschnuren 
zu  beiden  Seiten  der  Alluvialränder  aufgcrelht.  In  die  Thalaue  selbst  baute 
man  nur  die  Zufluchtsorte,  Wasserburgen.  In  diesem  Zusammenhang  sind 
auch  die  Pfahlbauten  zu  erwähnen.  Mit  Zunahme  der  Cultur  rutschen  die 
alten  Stra.ssen  so  zu  sagen  zu  Thal.  Schon  die  wasserbaukundigen  Colonisten 
aus  Friesland,  Holland,  Vlamland  werden  in  den  Jahren  1100  bis  1250  das 
ihrige  zu  diesem  Process  beigetragen  haben.  So  läuft  der  erkennbar  älteste 
Südweg  von  Leipzig,  der  „Dösener  Marktweg“  bei  Wachau,  unter  dem  höchst 
bezeichnenden  Namen  „Heerweg“  etwa  13  km  landeinwärts  vom  Pleissenauen- 
rand,  dem  entlang  die  „alte  Poststrasse“  über  Rötha  nach  Borna  hinzieht, 
w'ährend  von  Crostewitz  ab  die  „alte  Strasse“  die  Verbindung  mit  dem  Heer- 
weg in  Magdeborn  herstellt.  Offenbar  ist  die  Bezeichnung  „alt“  nur  eine 
relative,  sie  liefert  für  die  absolute  Zeitstellung  noch  kein  entscheidendes 
Merkmal.  Aehnlich  liegt  es  bei  der  alten  HauptstrasseChemnitz-Lichtenstein- 
Zwickau,  die  in  der  Kappelhachaue  und  weiter  im  Lungwitzthale  hinzicht 
und  wohl  erst  nach  1100,  Lichtenstein  wird  um  1200  erstn)alig  genannt. 


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21 


aufkoramt.  In  der  „Pflockenstrasse“  von  Chemnitz  über  den  Zschockenberg 
und  der  anschliessenden  „Freitagsstrasse“  nach  Zwickau,  die  sich  immer 
auf  den  Höhenrücken  halten,  sodann  in  der  mehr  nördlich  von  Chemnitz 
durch  den  Rabensteiner  Wald  ziehenden  „Hartstrasse“  über  den  Rödenberg 
dicht  nördlich  Hohenstein  nach  Glauchau  haben  wir  wahrscheinlich  die  ältesten 
West-  Ost-W’ege  dieser  Gegend  vor  uns.  Ein  drittes  Beispiel  einer  alten  Thal- 
strasse bietet  der  später  zur  Hohen-  und  Stapelstrasse  ausgewachsene  Weg 
Altenburg -Gössnitz -Werdau,  der  die  Pleissenaue  nicht  verlässt  und  mit  der 
Entwickelung  Altenburgs  aufgekommen  sein  dürfte,  während  die  ohne  Zweifel 
ältere  Nordsüdstrasse  etwa  12  km  westlich  von  Euckau  auf  dem  Rücken  über 
Meuselwitz,  Kayna,  Hohenkirchen,  Ronneburg  nach  Reichenbach  u.  s.  w. 
binzieht. 

Es  soll  nur  angedeutet  werden,  dass  fernere  Untersuchungen  auch 
die  verschiedene  Lage  von  Sommerwegen  und  Winterwegen  erkennen  lassen 
mögen,  da  das  winterlich  hartgefrorene  Alluvium  manche  wünschenswerthe 
Durchquerungen  zulässt,  die  im  Sommer  besser  umgangen  werden. 

Die  Scheu  vor  dem  tieferen  Wasser  bringt  es  auch  mit  sich,  dass  die 
ältesten  Wege  gern  einzelne  Flussarme  oder  Nebenflüsse  vor  der  Vereinigung 
durchqueren,  weil  jeder  einzelne  Wasserlauf  leichter  zu  bewältigen  ist,  als 
nach  der  Vereinigung.  Bekanntlich  verfährt  die  neuere  Wegebaukunst 
genau  entgegengesetzt,  so  dass  derartige  alteTrassirungen  seltsam  anmuthen. 

Die  Unabhängigkeit  der  ältesten  Wege  von  den  Einzelheiten  der  Fluss- 
windungen ermöglicht  auf  dem  hindemisslosen  Rückengebiet  eine  schlanke 
Linienführung  ohne  Knicke  oder  scharfe  Abbiegungen.  Da  die  Baukunst 
hier  nicht  wie  bei  den  alten  Römerstrassen  in  Spiel  kommt,  sind  genau 
eingefluchtete,  geradlinige  Richtungen  bei  alten  Wegen  absolut  ausgeschlossen, 
solche  schnurgerade  Linien  sind  sogar  ein  untrügliches  Kennzeichen  moderner 
Entstehung.  Trotzdem  lassen  sich  in  unserem  Gebiete  zahlreiche  alte  100 
bis  200  km  lange  Wegrichtungen  erkennen,  die  gleichsam  als  Naturproducto 
entstanden  sind,  die  zwar  keine  schnurgerade  Linie  bilden,  aber  von  ihr 
kaum  mehr  als  einige  wenige  Kilometer  abweichen,  so  der  210  km  lange 
Wegzug  Halle-Strehia-Bautzen-Görlitz  mit  nirgends  mehr  als  4 km  Seiten- 
abweichung. 

Localnanien  an  Wegen. 

Von  der  Heranziehung  der  vorgeschichtlichen  Funde  selbst  soll  hier 
abgesehen  werden,  da  sie  noch  nicht  in  grösserem  Umfange  für  unser 
Gebiet  veröffentlicht  sind  und  da  sie  ausserdem  für  die  Ermittelung  von 
Durchgangsstrassen  nur  dann  bestimmend  sein  können,  wenn  cs  sich  um 
sogenannte  Depotfunde,  die  wandernden  Händlern  zuzuschreiben  sein  dürften, 
handelt.  Geräthe,  Waffen,  Schmuck,  Begräbuissbeigaben  vertheileii  sich 
dagegen  offenbar  über  sämmtliche  Siedelungen  und  sind  keineswegs  an 
Heerstrassen,  Handelswege  gebunden. 

Entscheidende  Bedeutung  haben  aber  die  Localnamen,  welche  für 
unser  Gebiet  die  Oberreit’sche  Speoialkarte  in  reichster  Fülle  darbietet 
und  zwar  zunächst  die  Wegenamen  selbst.  Wir  lassen  eine  Sammlung 
aus  Sachsen  folgen. 

Heerweg,  lleerstrtisse,  Kriegerstrasse,  Reiterweg,  Rennweg,  Rennsteig 
(d.  i.  Rennerweg,  Courierpfad,  Läuferweg),  Kaiserstrasse,  Kaiserweg,  alte 
Königsweg,  Königstrasse,  Grafeiiweg,  Staatssteig(!),  hohe  Strasse,  hohe 


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22 


Weg,  Hochsteig  sprechen  für  sich;  ebenso  kleine  Strasse,  Schleifweg,  Dieb- 
steig, Diebstrasse,  Käuberstrasse,  Pascberweg,  Bettelsteig,  Zigeunerberg, 
Ziegersteig,  Mörderweg,  Galgenweg,  Amtsweg,  Gerichtssteig.  Andere  un- 
günstige Eigenschaften  bezeichnen  die  Namen  Höllenweg,  Höllsteig,  schlimme 
Weg,  Elendsweg,  Hundemarterweg,  Lottersteig,  l’estweg,  l’estilenzweg 
(Umgehung  verpesteter  Orte),  rauhe  Weg.  Der  Strassenverkehr  führt  zu 
den  Namen  Rollweg,  Spurweg,  Kutschweg,  Katzschweg,  Karrnweg,  Kärrner- 
weg, Reitersteig,  VVanderweg,  Ranzenweg,  Geleitsstrasse,  alte  Poststrasse, 
Poststeig,  Botenweg,  Briefsteig,  Briefträgerweg;  ferner  nach  dem  trans- 
portirten  Gegenstand;  Alte  Salzstrasse,  Eisenweg,  Zinnstrasse,  Silbersteig, 
(Katzensilberweg),  Eisensteinweg,  Kalkweg,  Thonstrasse,  Topfgasse,  Töppel- 
strasse,  alte  Kohlstrasse  (Holzkohlen),  Pechweg,  Fischweg,  Garnstrasse, 
Schachtelweg,  Klötzerweg,  Ziegelweg,  Methsteig,  Malzweg,  alte  Bierweg, 
Bierstrasse,  Zwiebelberg,  Brodsteig,  Butterstrasse,  Buttermilchsteig,  Molken- 
steig, Milchsteig,  Holzweg,  Holzstrasse,  Beersteig,  Viehweg,  Schaafweg, 
Triftweg,  Sauweg,  Ochsenweg,  Bocksweg,  Mistweg.  Hierzu  treten  die 
Bezeichnungen,  die  von  den  benutzenden  Personen  und  gewissen  persönlichen 
Beziehungen  entlehnt  sind:  Hofweg,  Zehendweg,  Zebndenweg,  Fröhnerweg, 
Frohnweg,  Bauersteig,  Feldweg,  Scheibenweg,  Folgenweg,  Hufenweg,  Land- 
steig, Graslersteig,  Grassteig,  grüne  Weg,  Kleesteig,  Heuweg,  Rasenweg, 
Häuersteig,  Hauerweg,  Hüttensteig,  Zechensteig,  Hammerweg,  Köhlerweg, 
Ascheweg,  Töpferstrasse,  Glaserweg,  Leineweberweg,  Drechslerweg,  Zimnier- 
steig,  Pfeiferweg,  Böttchersteig,  Bäckerstrasse,  Gärtnerweg,  Fischersteig, 
TucWachersteig,  Marktsteig,  Messweg.  An  den  Wald  erinnern:  Wald- 
strasse, F'orstwcg,  Buschweg,  Harthweg,  Hartstrasse,  Leithenweg,  Wurzel- 
weg, Heideweg,  Hahneweg,  Hainweg,  Haickweg,  Heckenweg,  Heegweg,  Erl- 
weg, Ebschweg,  Espigweg,  Eichweg,  Lindenweg,  Rothweg,  Brandweg,  Dorn- 
gasse, während  Steinweg,  Boblweg,  Reissigweg,  Strauchweg  sich  auf  die 
überflächenbefestigung  des  Weges  beziehen  werden.  Nach  der  Lage  sind 
die  Namen  gegeben:  Bergweg,  Bergstrasse,  Kaminweg,  Fürstenweg  (d.  i. 
Firstweg),  lange,  schiefe,  krumme  Weg,  tiefe,  breite,  schmale  Weg,  Hohl- 
weg, Winkelweg,  Mittelweg,  Querweg,  Kreuzweg,  keilige  Weg,  Zwiesel- 
weg (Gabelung),  die  Dehne.  Die  kirchlichen  Einrichtungen  spiegeln  sich 
wieder  in:  Kirchweg,  Brautweg,  Heiligenweg,  Pfaffenweg,  Pfaiicngasse, 
Nonnenweg,  Münchweg,  Möuchsweg,  Bischofsweg,  Pfarrsteig,  Pfarrweg, 
Todteuweg,  Loichenwcg,  Spitalweg,  Spittelweg,  Sehülersteig.  Auf  Grenzen 
beziehen  sich:  Grenzweg,  Markweg,  Scheidung,  Rainweg,  Limselweg  (von 
limes?).  Zum  Schlüsse  noch  einige  seltenere  Namen;  Hessweg,  Klüften- 
steig,  Kliebenstrasse,  Stelzenweg,  Kesselweg,  Hordweg,  Feilweg,  Zoppei- 
steig, Lageweg,  Pflockenstrasse(Ptlocken=Wollkämmereiabfall),  Liebstrasse, 
Krutschenweg,  Brauschenweg,  Warmweg,  Raitzenweg  (Raita  = Heerfahrt), 
Hipweg,  Engelweg,  Rosenweg,  Wisselsweg,  der  Schlung,  Lachtweg,  Klingen- 
weg, Nieschweg,  Kalaunenweg. 

Die  Namensübersicht  ist  in  weiterem  Umfange  dargeboten  worden, 
um  ein  Bild  der  Mannigfaltigkeit  der  Benennungen  zu  gehen;  allerdings 
wird  nur  ein  kleiner  Theil  der  Namen  aus  ältester  Zeit  stammen. 

Entlang  der  Wege  müssen  in  gewissen  Abständen  U nterkunftsbauten, 
Schutzanlagen  vorhanden  gewesen  sein  in  jenen  Zeiten  geringerer  Sicher- 
heit gegenüber  Mensch  und  Thier.  Die  llaupttheilung  folgt  der  täglichen 
Marschleistung,  die  je  nach  der  Wegsamkeit  20  bis  40  km  betragen  haben 
dürfte.  Diesen  Abstand  halten  die  Stationen  an  der  sibirischen  Heerstrasse 


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23 


inne,  30  km  beting  der  römische  Soldatentagemarsch.  Die  erohernden 
Deutschen  erhauten  mit  slavischen  Arbeitskräften  etwa  zwischen  030  und 
1200  Strassenhurgen  als  Standquartiere  der  Milites  oder  Geleitsmänner 
nebst  Bauernwachen.  In  Verbindung  mit  diesen  Ijagerwachen  werden 
Wirthshäuser  bestanden  haben;  in  Abhängigkeit  sind  die  Einzelwacht- 
posten gewesen,  die  an  geeigneten  Punkten  auch  seitwärts  der  Wege  ein- 
gerichtet werden  mussten,  um  akustische  oder  optische  Signale  dem  Stand- 
quartier zukommen  lassen  zu  können.  So  entstanden  die  folgenden  Local- 
namen, welche  die  alten  Strassen  begleiten:  Schlössl,  Burg,  Wall,  Trotzling, 
Grötsch,  Hradschin,  Schanze,  Wahlberg,  Wachberg,  Wachtelberg  (doch 
nicht  vom  VogelV),  Wachstange,  Wachholderschänke,  Wachholderberg, 
Wachholderbaum  (=  Wacbhalterbaum,  Posten  im  Gezweige  eines  Baumes 
wie  die  Kosakenposten),  Laurich,  Lauerberg,  Lerehenberg  (wohl  von  lauern, 
nicht  vom  Vogel,  oder  dem  BaumV),  Lagerholz,  Lagerweg,  Hutberg  (Vieh- 
hut?), Kiebitz  (von  kupic= künstlicher  spitzer  Hügel?),  Spiegelberg  (specula  = 
Warte),  Kübauch  (cubare  = lagern),  Kühberg  (vom  Thier?),  Krähenberg 
(chrana  = Schutz  oder  vom  Vogel?),  Strassberg,  Strohwalde,  Strohschütz 
(straz  = Wache),  Stubenberg  (stupa  = Wachthurm),  Beuthe,  Beuthenberg 
(mittelhochd.  beiten  = warten).  Kriegberg,  Kriegbuscb,  Mordgrund,  Zug- 
mantel, Zickmantel  (Ort,  wo  der  Mantelsack  zur  Verzollung  vom  Ross 
gezogen  wurde,  oder  Stelle,  wo  Räuber  den  Mantelsack  rauben?),  Raitholz, 
Riedenbolz,  die  Reiten,  Reitzenhain  (reite  = kriegerischer  Angriff,  gireiti  = 
Heergeräthwagen,  Risswagen). 

Von  den  akustischen  Wachpostensignalen  stammen  die  Local- 
namen; Trommelsberg,  Schallberg,  Schaller  Raum,  Schellberg,  Schellenberg 
(von  schulen  = verborgen  sein?),  Klingelstein,  Glockenpöhl,  Klingenberge,  die 
Klinge  (von  klinec  = Keil,  klinice  = Schossbalken,  also  Strassensperre  ?), 
Bombenberg. 

Auf  optische  Si gnale,  Feuerzeichen  weisen:  Brennhaufen,  Sprüh- 
birke, Meisensprüh  (oder  Meisensprenkel  V),Zietsch,Zietschholz(zici  = glühen), 
Gnandstein  (von  gnaneist  = Funke  ?),  Funkenburg,  Finkenburg,  Schillerberg, 
Gockelsherg,  Jockisch,  Gukelsberg,  .läckelsbcrg,  Guksen,  Kukuksberg,  Kux, 
(gokeln  = Feuerzeichen  geben?).  Gehören  etwa  auch  die  Schwedenschanzen 
(althochdeutsch  sweda  = Rauchdampfj  hierher? 

Den  Durchgang,  Durchhau  durch  Waldsperren  deuten  an:  Friebus 
(privoz  = Durchgang,  z.  B.  Prebischthor),  Possek,  Ossek,  Preseka  (sek  — 
hauen),  Satzung  und  Xatschung  (sateska,  nateska  von  tes  = Hieb  mit  der 
Axt). 

Von  einer  alterthümlichen  Wegbezeichnung,  wie  sie  noch  als  ge- 
zeichnete Bäume,  Steinhaufen,  Stcinmandl  der  Aljmii  vorkommt,  stammen 
vielleicht:  Taschenberg,  Tatzberg  (tacen  = Zeichen?),  der  eine  oder  andere 
Ziegenberg  (mhd.  Zeichen  oder  vom  Thier?),  Steinhügel,  Steinhübel,  Stein- 
berg (nicht  immer  von  natürlicher  Felsenbildung!),  Markstein,  Marstein, 
Rinnelstein,  Rinnenstein,  Weisestein  (oft  an  den  ältesten  Wegen,  vielleicht 
um  eine  Grenze  oder  Wegrichtung  zu  „weisen“?)  u.  s.  w. 

Den  Richtpunkt  des  Zusammenlaufens  von  Wegen  bedeutet  viel- 
leicht Geiersherg  (althochdeutsch  heran  = richten,  wenden,  gehre  = Keil- 
stück, Gierfähre,  der  Vogel  Geier  = der  Gierige). 

Zu  erwähnen  sind  noch  Zolldorf,  Tollensteiu,  Birkwitz  (berka  = Steuer- 
einnehmer, berna  = Steueramt);  endlich  deutet  Zigeunerbrunn  (auch  ab- 
gekürzt Ziegenbrunu),  Zigeunerlager  auf  alte  durchlaufende  Pfade,  welche 


24 


diese  allerdings  erst  seit  1488  urkundlich  erwähnten  Leute  mit  Vorliebe 
benutzen;  dahin  gehören  auch  die  Diebsteige. 

Nach  diesen  Vorbemerkungen,  die  nöthig  waren,  um  die  Art  der 
Forschungshülfsmittel  andeutungsweise  zu  bezeichnen,  die  neben  dem  spär- 
lichen historischen  Quellenmaterial  bei  der  Aufsuchung  der  ältesten  Wege 
herangezogen  wurden,  sind  nun  die  Wege  im  Einzelnen  kurz  zu  verfolgen. 

Die  östlichen  Salzwege  von  Halle. 

Aus  der  Nordwestecke  unseres  Gebietes  drang  nicht  nur  die  deutsche 
Cultur  herein,  schon  seit  den  ältesten  Zeiten  wird  von  hier  aus  das  älteste 
Frachtgut,  das  Salz,  verbreitet  worden  sein.  In  fast  rein  östlicher,  fast 
ganz  gerader  Richtung  zieht  sich  eine  Gruppe  von  Wegen,  noch  heute  den 
Namen  „alte  Salzstrasse“  tragend,  'die  Mulde,  Elbe,  Neisse  kreuzend  durch 
unser  Gebiet.  Die  Verfolgung  dieser  Salzwege  von  Halle  und  ihrer  Haupt- 
seitenzweige wird  den  Faden  bei  der  Entwirrung  des  Wegenetzes  liefern. 

1.  Von  Halle  laufen  zunächst  zwei  Wege  nach  dem  Muldenübergang 
Eilenburg,  die  beide  den  Namen  „alte  Salzstrasse“  tragen.  Der  südlichere, 
dem  Wasserscheidenrücken  mehr  angepasste  Zweig  zieht  über  Canena,  Os- 
münde, Beulitz  über  das  Breitenfelder  Schlachtfeld  am  „Schatzhaufen“  vor- 
bei überLimehna;  der  nördlichere,  geradere  Zweig  berührt  Crondorf,  Burg  bei 
Reideburg,  Zwochau,  Cletzen.  In  Eilenburg  zweigt  nordöstlich  ein  Weg  nach 
Torgau  ab;  die  östliche  Fortsetzung  derStrasse  gabelt  sich  in  den  „Kärner- 
weg“  über  Schilda  und  die  „Salzstrasse“  über  Staupitz,  Beckwitz,  die  sich  am 
Elbübergange  Beigem  vereinen,  um  sich  über  Liebenwerda,  Senftenberg, 
Spremherg  nach  dem  Neisseübergang  Muskau  (Priebus)  östlich  fortzusetzen. 

2.  Berührte  die  Richtung  1 das  Gebiet  Sachsens  nur,  so  läuft  die  zweite 
Oststrasse  ab  Halle  kurz  vor  Schladitz  von  dem  besprochenen  Wege  ab- 
zweigend als  „Kamweg“  und  „Töpferweg“  über  Grebehna,  Hohenhaida, 
Lübschütz  als  „alte  Salzstrasse“  nach  der  Muldenfurth  Wurzen  und  von 
hier  immer  ungefähr  parallel  der  sächsischen  Nordgrenze  als  „hohe  Strasse“ 
über  Dornreichenbach,  Knathewitz,  als  „kleine  Strasse“  nach  Dahlen,  über 
Lampertswalde,  Lübschütz  nach  der  Elbfurth  Strehla.  Zu  erwähnen 
ist  die  Verbindung  vom  Weg  1 ab  Liraehna  nach  Püchau  mit  Namen  „Salz- 
strasse“,  die  weiter  über  Lübschütz  nach  Wurzen  führt,  aber  auch  auf 
einen  alten  Muldenübergang  bei  Püchau  hinweisen  kann,  denn  es  liegt  gegen- 
über an  der  Mulde  die  „Renne  Wiese“,  von  wo  der  „Rasenweg“  den  An- 
schluss nach  Dornreichenbach  herstellt.  Auch  die  alte  Verbindung  vom 
Eilenburger  Uebergang,  über  Mölbitz  entlang  der  Grenze  südlich  Kobers- 
hain auf  der  Wasserscheide  nördlich  Ochsensaal  nach  Olganitz  bis  zum 
Uebergang  Strehla  hinlaufend,  ist  hemerkenswerth.  Vom  llauptübergang 
Strehla  verzweigen  sich  nun  folgende  alte  Wege  in  östlicher  und  südöst- 
licher Richtung  ab. 

2a.  Die  „alte  Salzstrasse“  läuft  von  Strehla  über  Streumen,  Görzig, 
Zabeltitz,  üehigau  nach  Weissig,  wo  sich  ein  Hauptzweig  ahtrennt,  der  über 
Linz,  Röhrsdorf,  Laussnitz,  Pulsnitz,  Bischofswerda  nach  dem  wichtigen 
Spreeübergang  Kirscliau  führt.  Von  Weissig  setzt  sich  die  Ostrichtung 
fort  über  Ortrand  als  „alte  Strasse“  nach  Cosel,  nun  sich  spaltend  erstens 
nach  Hoyerswerda,  dann  zweitens  über  Ossling,  Wittichenau,  Ratzen,  Uhyst 
nach  der  Nei  ssefurth  Rothenburg  und  endlich  drittens  über  Strass- 
gräbchen,  .Milstrich,  Zorna  nach  Bautzen.  Kurz  vor  Cosel  zweigt  bei  Zeis- 


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25 


bolz  ein  anderer  Hauptast  ab,  der  über  Schwepnitz,  Jesau  (oder  Kamenz) 
nach  Bautzen  gerichtet  ist. 

2 b.  Der  zweite  Hauptweg  von  Strehla  läuft  als  „Rollweg“  über  Zeit- 
bain,  Glaubitz,  Wildenbain  nach  Grossenhain;  dazu  der  in  Glaubitz  mündende 
Seitenzweig  der  „hohe  Weg“  nördlich  um  Zeithain.  In  Grossenhain  schliesst 
sich  auch  der  relativ  alte  (aber  wohl  nicht  älteste)  Weg  durch  die  Elbfurth 
bei  Boritz-Hirschstein-Merschwitz  „die  alte  I’oststrasse“  an.  lieber  Grossen- 
hain setzt  sich  mit  mehrfachen  Nebenwegen  die  bekannte  alte  Haupt- 
strasse über  Köuigsbrück,  Kamenz  nach  Bautzen  und  weiter  zurNeisse- 
furth  Görlitz  fort  unter  den  Namen:  „hohe  Strasse“,  „alte  Poststrasse“, 
„kleine  Poststrasse“,  „kleine  Strasse“,  „die  alten  Strassen“.  Von  dem  süd- 
lichsten der  alten  parallelen  Nebenwege  zwischen  Bautzen  und  Görlitz,  der 
zwischen  Peschen  und  Unwürde  (nördlich  Löbau)  den  Namen  „alte  Strasse“ 
führt,  zweigt  bei  Peschen  eine  alte  Wegrichtung  ab  über  Grossdehsa,  Löbau, 
„ZuckmanteP'biszueinemKreuzungspunkt  alter  Wege  nördlichStrah- 
w a 1 d e , wo  die  Localnamen ,, Zigeunerplan“,,, Rumburgsborn“,  „ J ohannisborn“, 
„Lerchenberg“  Vorkommen.  Von  hier  laufen  zwei  Wegarme  nach  der  alten 
Neissefurth  Ostritz  als  „alte  BemstUdter  Strasse“  über  Bernstadt  und  als 
„alte  Löbauer  Strasse“  über  Niederrennersdorf,  den  „rothen  Berg“,  „Butter- 
berg“, als  „hohe  Strasse“  nach  Ostritz  und  weiter  über  Seidenberg,  Marklissa 
nach  Liegnitz.  Von  dem  alten  Wegknoten  von  Rumburgsborn  (nördlich  Strah- 
walde)  laufen  auch  zwei  alte  Wege  als  „Hinterstrasse“  westlich,  als  „alte 
Strasse“  östlich  vom  Königsholz  am  Sonnenhübel  nach  Zittau.  Von 
Grossenhain  spaltet  sich  von  der  Bautzcnor  „hohen  Strasse“  eine  ebenfalls 
bemerkenswerthe  Strasse  ab  über  Wessnitz,  Göhra,  Niederrödern,  Radeburg, 
Radeberg,  Stolpen,  Neustadt,  Schluckenau,  Rumburg,  Tollenstein,  Böhm.- 
Leipa,  „Mikenhan“,  Hirschberg,  Zolldorf,  Brandeis,  Prag.  An  diesen  ältesten 
ostelbischen  Lausitzer  Gebirgsübergang  schliesst  sich  auch  die  süd- 
östliche Fortsetzung  des  Weges  2 a über  Kirschau  an. 

Zu  erwähnen  sind  östliche  Seitenzweige  von  dieser  Hauptstrasse  in  der 
Richtung  Bautzen  und  zwar  über  Okrylla  als  „alte  Strasse“  über  Grossnaun- 
dorf, als  „Gasse“  nach  Elstra  und  als  „Karner  Weg“  ebenfalls  von  Okiylla 
über  Lomnitz  nach  Pulsnitz.  Ein  wichtiger  Weg  zweigt  in  Rumburg  als  „langer 
Weg“  und  „Kälberweg“  nach  Zittau  ab,  wo  ersieh  wieder  gabelt  nach  Kratzau, 
Reichenberg,  Gablonz  zum  Iserübergang  in  Eisenbrod  und  andererseits  über 
Friedland  nach  Schlesien. 

2c.  Der  dritte  Haujjtweg  von  Strehla  zieht  sich  südöstlich  in  etwa  4 km 
Abstand  östlich  der  Elbe  hin,  setzt  sich  auch  nördlich  von  Strehla  in  gleichem 
Charakter  fort;  er  ist  als  östlicher  Parallelwog,  der  durch  das  Elbthal  seine 
Richtung  empfangen  hat,  anzusehen.  Von  ihm  laufen  die  Seiteuzweige  nach 
den  alten  Elbfurthen  oder  Fährstellen.  Dieser  Weg  berührt  zwischenNünchritz 
und  der  Schwedenschanze  bei  Leckwitz  auf  etwa  LS  km  das  Hochufer  der 
Elbe,  läuft  dann  über  Göltzscha,  Kmehlen,  Gröbern,  Weinböhla,  als  „alte 
Strasse  von  Mühlberg“  nördlich  Coswig  vorbei,  hier  das  Waldwegzeichen  Z 
tragend,  weiter  durch  die  Lössnitz  über  das  „Weisse  Ross“  nach  Radebeul 
und  von  hier  durch  die  Haide  auf  verzweigten  Nebenwegen,  die  wiederum 
das  Zeichen  Z und  ge.strichenes  Z und  die  Namen  „Rennsteig“*),  „Diebs- 
steig“, „Schwesternsteig“  tragen.  Der  Rennsteig  hält  sich  möglichst  auf 


•)  II.  Wiechel:  K«'nnstcij;e  und  KainweKC  iu  .Sachsen.  Wi.ss.  Heil.  il.  Leipz.  Ztg. 
1898.  Xo.  81. — b.  Uertcl:  Ilic  Heniistcigc  uiul  Henmvege.  Ilihlhurghauseii  1899. 


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den  Wasserscheiden  und  tritt  in  Biela-Quohren  aus  der  Haide,  von  wo  sich 
die  Wegrichtung  als  „alte  Poststrasse“  bis  Uossendorf  fortsetzt,  über  Ditters- 
bach als  „hohe  Strasse“  bis  Hohnstein,  als  „alte  böhmische  Glasstrasse“ 
über  Lohsdorf,  Ulbersdorf,  Tliomasdorf,  als  „Diebsstrasse“  überllemnihübel, 
Schünlinde  bis  Tollensteiu  läuft,  wo  der  Anschluss  an  die  ebenfalls  alte 
Strasse  2 b über  Stolpen-Schluckenau- Ruinburg  stattfindet. 

Dem  am  meisten  der  Elbe  auf  der  üstseite  genäherten  Wege  2c  ent- 
spricht der  knapp  das  Elbsandsteingebiet  umziehende  Weg  nach  Prag  von 
Zeidler  über  Wolfsberg,  „Hohle  Ditte“,  Schnauhübel,  am„Henimhübel“  vorbei 
nach  Altdaubitz,  über  „Irichtberg“,  Kreibitz,  „Nusshübel“,  „Auberg“,  Hasel, 
Kamnitz,  „Hanne“,  Gersdorf,  „Oberratzel“,  Karlsthal,  Sandau,  Pölitz,  Gräber, 
IJeiswedel,  Raschowitz,  „Wochberg“,  „Lümmel“  nach  Aujezd,  Brotzen,  Liboch, 
an  dem  Hochufer  der  Elbe  hin  bis  Melnik  und  weiter  nach  Prag.  Ver- 
längert man  diese  fast  genau  südnördliche  gerade  Richtung  von  Prag  nach 
Zeidler  über  diesen  Ort  nördlich  weiter,  so  trifft  man  in  den  Weg  über 
Kunnersdorf,  „Lodersberg“,  „Silberberg“,  Schluckenau,  Rosenhain,  Sohland, 
wo  das  Spreethal  erreicht  wird,  in  dem  der  Weg  über  Schirgiswalde,  Kirschau 
bis  Postwitz  und  dann  weiter  bis  Bautzen  läuft,  sich  auch  in  gleicher  N’ord- 
richtung  über  Radibor,  Ratzau  nach  Spremberg  fortsetzt.  Ohne  Zweifel 
stellt  dieser  Weg  die  geradeste  Verbindung  von  Prag  mit  Bautzen  dar; 
seiner  Trassirung  nach  scheint  er  als  Durchgangsweg  doch  jünger  zu  sein, 
wie  der  etwas  weiter  nach  Osten  ausholende  sehr  alte  Weg  über  Zwickau- 
Tollenstein,  wenn  auch  einzelne  Wegstrecken  die  Zeichen  höheren  Alters  an 
sich  tragen.  Zahlreich  sind  die  erwähnten  Anschlüsse  an  die  Elbübergänge 
zwischenPirna  undStrehla,  die  nicht  im  Einzelnen  behandelt  werden  können. 
Einzelne  dieser  Elbübergänge  werden  mit  dem  Auftauchen  und  Wichtig- 
werden der  Orte  Pirna,  Dresden  und  Meissen  entstanden  sein.  Aus  dem 
Charakter  der  alten  Wege  ist  aber  zu  schliesseu,  dass  die  ältesten  länder- 
verbindenden Richtungen  dem  Elbübergang  Strehla  folgen. 

3.  Von  Halle  ist  deutlich  eine  alte  Wegrichtung  nach  der  Mulden- 
furth Trebsen  erkennbar.  Aus  der  alten  Salzstrasse  2 über  Ilohenhaida 
löst  sich  dieser  Zweig  los,  führt  über  Wüste  Mark  Pesswitz  entweder  über 
iMochern,  Leutitz  oder  überGerichshain,  Brandis,  Polenz  nach  Trebsen.  Hier 
setzen  zwei  beinerkenswerthe  Richtungen  an:  die  eine  östlich  am  Rodaer  See 
als  „Bischüfsweg“  nach  Wermsdorf  und  nun  mehrfach  verästelt  als  „hohe 
Weg“,  „das  alte  Q“,  „die  Trift“,  ,,die  breite  Allee“,  „der  Oberwog“,  „Butter- 
weg“, „lauge  Rain“  dicht  südlich  am  Collmberg  vorbei  nach  Oschatz 
laufend,  mit  einem  südlicheren  Parallelweg  über  Lampertsdorf,  Thalheini, 
Kreischa  als  „Kaiserweg“  östlich  bei  Oschatz  vorüber  durch  Borna  nach 
Strehla.  Die  andere  Hauptrichtung  wendet  sich  von  Trebsen  über  N'erchau 
nach  Südost  und  bildet  in  ihrer  Fortsetzung  den  alten  Oederan-Brüxer 
Gebirgsübergang,  der  auch  durch  einen  rechtsmuklischen  llochuferweg  nörd- 
lich über  Trebsen  hinaus  an  die  Uebergänge  Wurzen  (Püchau),  Eilenburg 
angeschlossen  ist.  Diese  alte  böhmische  Strasse  scheint  sich  in  der 
That  au  diese  ältesten  Muldenfurthen  der  Halle’schen  Wege  anzuheften, 
wozu  auch  der  bekannte  Reisebericht  Ibrahim  ben  Jakub’s  von  973 
stimmt,  der  vom  Hoflager  Kaiser  Ottos  II.  in  Magdeburg  nach  Prag  zu- 
rückreiste überQaliwa  (Kalbe),  Nubgrad (Nienburg),  die  Saline  „al-Jahüd“  = 
Halle  am  Flusse  „Salawa“,  von  da  nach  Nurnhin,  was  als  Wurzen*)  oder 

•)  W.  Schulte  in  der  wiss.  Beil.  d.  Lcipz.  Ztg.  I89Z,  No.  14. 


27 


Nerchau  gedeutet  worden  ist.  Es  folgen  die  Angaben;  von  da  (N'urnhin) 
bis  zur  (nördlichen)  Grenze  des  Waldes  25  Meilen,  vom  Anfang  bis  zum 
Ende  des  Waldes  über  Berge  und  durch  Wildnisse  40  Meilen,  vom  (süd- 
lichen) Ende  des  Waldes  (Oberleutensdorf)  bis  zum  Sumpf  (Seewiesen)  bis 
zur  hölzernen  Brücke  durch  den  Sumpf  (Brüx)  2 Meilen;  dann  geht  man 
ein  in  die  Stadt  Braga  (Prag).  Der  alte  Weg  misst  von  Oberleutensdorf 
bis  Wurzen  106  km,  bis  Nerchau  95  km,  so  dass  bei  65  (arabischen)  Meilen 
sich  für  jede  1,6  bezw.  1,5  km  berechnete,  was  beides  nicht  unwahrschein- 
lich ist,  da  diese  Meilen  1000  Doppelschritte  umfassen,  wie  die  römische 
Meile  von  = 1,4785  km  Länge,  bei  der  der  Schritt  der  kleineren  Italiener  sich 
auf  0,74  m stellt.  Ermittelt  man  den  Waldanfang  nach  dem  Verhältnisse 
von  25  zu  40  Meilen,  so  fällt  er  von  Wurzen  gerechnet  auf  die  Wegstelle 
am  Vorwerk  Masseney,  von  Nerchau  gezählt,  auf  die  Striegisfurth  dicht  vor 
Hainichen.  Die  dortigen  Localnamen,  besonders  der  Name  Hainichen  selbst 
machen  die  letztere  Annahme  recht  wahrscheinlich;  es  sind  somit  weder  aus 
der  Richtung  der  ältesten  Wege  noch  aus  der  Lage  des  Urwaldanfanges 
Einwendungen  gegen  die  Deutung  auf  N'erchau  zu  entlehnen. 

Der  alte  böhmische  Weg  selbst  lief  über  N'erchau,  Pöhsig,  Dürr- 
weitzschen am  „Zetsch“  vorbei  durch  die  Muldenfurth  bei  Altleisnig  auf 
dem  Rücken  über  die  Elurstelle  „der  Vogelgesang“  (Wohnungen  oder  Wach- 
posten auf  Bäumen,  ähnlich  Wachhalterbaum),  Hartha,  bei  Waldheim  die 
Zschopau  kreuzend,  Vorwerk  Masseney  (gegenüber  der  „Wachholderberg“), 
den  Nonnenwald  westlich  berührend,  durch  die  jetzigen  Orte  Hainichen, 
Cunnersdorf,  oder  wahrscheinlicher  auf  dem  etwa  0,8  km  nördlich  parallel 
laufenden  Rückenweg  über  Ottendorf  sieh  nach  Bockendorf  und  durch  die 
Waldstelle  „die  Beutha“  nach  Oederan  wendend.  Der  weitere  Verlauf  über 
Mittelsayda  als  „alte  böhmisebe  Heerstrasse“  und  Sayda  und  Purschenstein 
ist  bekannt.  Von  hier  spaltet  sich  der  Weg  in  die  Richtung  über  Einsiedel, 
Kreuzweg,  östlich  Georgenthal  nach  Brüx  und  in  die  ältere  Richtung  über 
Göhren,  Rascha  oder  Zeltl,  Obcrlcutensdorf,  Rosenthal,  Kopitz,  Brüx. 

4.  Von  der  südlicheren  alten  Salzstrasse  unter  1 zweigt  bei  Beulitz  ein 
Weg  nach  Schkeuditz  ab,  das  auch  direct  von  Halle  durch  die  ebenfalls 
alte  Strasse  über  Bruckdorf,  Grosskugel  erreicht  wird.  Dicht  am  rechten 
Elsterhochufer  läuft  der  Weg  dann  über  Wahren  nach  Lei])zig,  einen  Zweig 
von  Wahren  über  dieSanctThekla-Kirclie  und  den„KrätzBerg“  nach  Taucha 
und  weiter  nach  der  I'urth  Wurzen  und  als  „Töpferweg“  über  Brandis  nach 
der  Furth  Trebsen  entsendend.  Diese  Wege  sind  erst  mit  dem  Auf- 
kommen von  Tauchau  und  Leipzig  entstanden.  Der  Leipziger  Zweig  zieht 
sich  dann  über  Holzhausen,  Naunhof  als  „alte  Poststrasse“  nach  Grimma. 
Aeltcr  wird  der  Weg  von  Ilolzhausen  dicht  neben  dem  Collmberg  und  dem 
„Kriegteich“  vorbei  durch  Grosspössna  nach  dem  Kreuzpunkt  ältester 
Strassen  am  „alten  Schloss“,  einer  nahezu  rechteckigen  Strassen- 
schanze*),  die  wenig  verändert  noch  im  Universitätsholze  zu  erkennen  ist. 
Von  hier  lief  über  Köhra,  Lindhardt  die  „hohe  Strasse“  nach  Grimma; 
ferner  zweigte  hier  die  „alte  Strasse“  nach  Rochlitz  über  Belgershain, 
Lausigk  ab,  von  der  sich  wieder  ein  alter  Zweig  in  Belgershain  abspaltete 
über  Pomsen,  Grossbardau,  Grossbothen,  am  Waldort  „Zuckemandel“  vor- 
bei nach  der  Muldenfurtli  Sermuth  und  auf  dem  linken  Ufer  bleibend 
als  „alte  Strasse“  über  „Zschetsch“  nach  dem  Uebergang  Colditz.  Noch 

")  Vcrgl.  VeiliaiiJI.  der  Berlin.  Ges.  ftir  Authrü[i  in  der  Zeitsclir.  für  Etbnol.  IWl. 


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ein  dritter  rein  südlich  gerichteter  Weg  zweigt  am  „alten  Schlosse“  ab,  um 
Borna  zu  erreicheu  als  „alte  Strasse“,  durch  den  Forstort  „Uosenthal“  als 
„breiter  Weg“  nach  Kamlitz  und  am  Flurort  „Rosendorf“  in  den  „Heerweg“ 
einmündend,  der  von  Leipzig  über  die  „Funckenburg“,  Dösen  (auch  Dösener 
Weg  genannt),  Güldengossa,  Dalitzsch  ebenfalls  Borna  zustrebt.  Aber  auch 
die  älteste  OstwestverbindungGrimma-Eythraläuft  neben  dem  „alten  Schloss“ 
vorbei,  sich  hier  theilend  in  die  alten  Zweige  über  Cröbern,  Gaschwitz,  Budi- 
gasser  Mark  und  andererseits  über  Magdeborn.  Stöhna,  Zeschwitz,  Zwenckau. 

4a.  Jenseits  der  alten  Muldenfurth  Grimma  läuft  der  Weg  östlich 
am  „Lerchenberg“,  „Iluthbaum“  neben  dem  Huthberg  vorbei  über  Brösen 
als  „alte  Salzstrasse“  über  einen  zweiten  „Huthberg“  und  „Wachberg“  nach 
Zschoppach,  Klemmen,  immer  auf  dem  Rücken  nach  Zaschwitz,  Jessnitz 
zur  Jahnafurth  Zschaitz  über  Glaucha,  von  wo  sich  mit  dem  Aufkommen 
Meissens  der  Zweig  überLeuben,  Kubschütz  durch  den  ,,tiefenGrund“  über 
Mohlis  und  den  Jahneberg  .ansetzt,  während  der  älteste  Weg  über  Kurschütz, 
Lommatzsch  immer  auf  dem  Rücken  als  „Ochsenstrasse“,  Seitenzweige  nach 
den  Uebergängen  Zadel,  Seusslitz  entsendend,  nach  der  Elbfurth  Boritz- 
Merschwitz  lief.  Beachtlich  ist  der  Name  Ochsenstrasse,  der  auf  die 
Ochsenkarren  der  ältesten  Zeit  hinweist  und  den  auch  der  älteste  Nordsüd- 
weg auf  dem  Landrücken  in  Schleswig  und  Holstein  trägt,  ln  diesem  echten 
Höhenwege  Grimma-Zschaitz-Lommatzsch-Boritz  lässt  sich  wohl  der  älteste 
östliche  Durchgiingsweg  dieser  Gegend  erkennen. 

4b.  Jenseits  der  Muldeufurth  Colditz  zieht  sich  ein  Verbindungs- 
weg nach  der  Strasse  4a  rechts  von  Collmen  bei  der  „Glocke“,  dem  „Lasten- 
herg“,  dem  „Gieks“  vorbei  über  Brösen  und  durch  Leisnig.  Ausserdem  läuft 
ein  Weg  auf  dem  Höhenrücken  über  Meuselwitz,  den  „Wachhübel“  nach 
Harthau  zum  Anschluss  an  den  alten  böhmischen  Weg  unter  S. 

4c.  Jenseits  Rochlitz,  d.as  als  Mittelpunkt  ältester  Sicdelungen  seit 
ältester  Zeit  von  Bedeutung  war,  verzweigen  sich  zwei  anscheinend  alte  Wege. 
Der  eine  läuft  überZschachwitz,  Aitzendorf,  Geringswalde  als  „Töpelstrassc“ 
nach  der  Zschopaufurth  Töpeln,  die  ganz  anolog  der  Muldenfurth  Sermutli 
gelegen  ist,  nach  Döbeln.  Von  diesem  wichtigen  Muldenübergang  lief  ein 
Seitenzweig  über  Mochau  nach  Lommatzsch,  ein  anderer  über  Grossstein- 
bach, Lüttewitz,  Mutzschwitz,  Leippen  über  den  Kuhberg  als  „Kuhberg- 
strasse“ neben  „Stroischen“  nach  Meissen,  während  ein  dritter  älterer  Weg 
weiter  südlich,  dem  Rücken  folgend,  Dübeln  mit  Meissen  verband  über  die 
Funkte  „Juchhee“,  „Höhbaum“,  „Troramelherg“,  Choren,  Gruna,  als  „grüner 
Weg“  nach  Mahlitzsch,  Heinitz  und  Luga.  Bei  Mahlitzsch  zweigte  von  diesem 
alten  Rückenwege  und  dessen  Farallelwegen  die  Richtung  in  den  (iau 
Nisani  ab,  als  „Salzweg“  zur  Triehischfurth  hei  Munzig  hinablaufend  und 
überWilsdruff,  Pennrich,  Pesterwitz,  Döltzschen,  Plauen,  Leubnitz  nach  Dohna 
hinziehend  (da  Dresden  erst  später  Anziehungsmittclpunkt  wurde),  der  die 
Weisseritz  auf  der  Linie  Kesselsdorf,  Potschappel,  Coschütz,  Leubnitz 
kreuzt.  Diese  Wege  dürften  die  älteste  Verbindung  der  Landschaften  Glomaci 
und  Nisani  darstellen;  die  Linie  Meissen- WilsdruÜ- Dresden  ist  offenbar 
erst  die  Folge  des  Aufkommens  dieser  Orte. 

Der  zweite  alte  Weg  zieht  von  Rochlitz  südöstlich  am  „Trotzling“  vor- 
bei über  Neugepülzig  nach  der  Zschopaufurth  Mittweida,  um  den  An- 
schluss an  die  alte  böhmische  Strasse  über  den  Flurort  „Tabakspfeife“  am 
„Behnitz  Winkel“  östlich  Kossau  zu  gewinnen.  Diese  Einmündung  liegt  un- 
mittelbar vor  der  unter  ;}  erörterten  Urwaldgrenze  an  der  Striegisfuith. 


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29 


Eine  ziemlich  alte  Fortsetzung  findet  dieser  Verbindungsweg  über  Otten- 
dorf,  „Steintisch“  (hier  vom  Parallelweg  der  böhmischen  Strasse  sich  los- 
lösend) über  Kiechberg,  Bräunsdorf,  Freiberg,  Halsbach,  Naundorf,  als  ,, Salz- 
strasse“ über  „Diebskaramer“,  „Streitbübel“,  Klingenberg  mit  dem  „Gickels- 
berg“, Höckendorf  mit  dem  „Mückenberg“  (mig-nouti  = flimmern,  also 
Funkenberg),  „Geierswacbt“  hinter  Grossölsa  sich  in  die  Richtungen  Kreischa, 
Sayda,  Dohna,  ferner  Possendorf,  Babisnau,  Lockwitz  und  endlich  Bannewitz, 
Räiknitz,  Dresden  theilend.  Dieser  Weg  Halle- Rochlitz- Mittweida- Dohna 
dürfte  als  das  etwas  jüngere  Seitenstück  zu  dem  ältesten  nördlicheren  Westost- 
Weg  nach  dem  Gau  Nisani  über  Munzig  oder  Roitzschen  anzusehen  sein. 

4d.  Aus  dem  Wegzweig  über  Lausigk  nach  Rochlitz  zweigt  hei  dem 
Wegknoten  Ebersbach  ein  Ast  über  Geithain,  den  „Wachhübel“  bei  Ober- 
gräfenhain  nach  der  Muldenfurth  Lunzenau  ab,  sich  von  hier  auf  dem 
Rücken  über  den  ,, Gickelsberg“  am  „Tauerstein“  vorbei  nach  der  alten 
Chemnitzer  Strasse  wendend. 

Die  sQdiichen  Salzwege  von  Halle. 

Der  besseren  üehersicht  halber  sind  die  folgenden  W'ege  in  eine  neue 
Gruppe  zusammengefasst  worden. 

5.  Der  wichtige  Muldenübergang  Penig  ist  durch  mehrere  alte  Wege 
mit  Halle  verbunden,  deren  Verfolgung  zur  Klärung  des  ältesten  Wegnetzes 
wesentlich  beiträgt. 

An  den  ältesten  östlichen  Salzweg  von  Halle  unter  1 schliesst  sich  ein 
echter  Rückenweg  an,  der  mit  2 als  „Karnweg“,  „Töpferweg“  in  grossem 
Bogen  über  Wüste  Mark  Pesswitz,  Brandis,  Polenz,  als  der  „hohe  Weg“  über 
den  „Kiewitz“,  Klinga,  Pomsen,  den  „Groitzsch“,  Lausigk,  Ebersbach,  Altdorf- 
Geithain,  Ossa,  Jahnshain,  als  „alte  Strasse“  nach  Penig  führt,  dessen  Seiten- 
zweige nach  Trebseu,  Grimma,  Colditz,  Rochlitz,  Lunzenau  bereits  erwähnt 
sind,  llervorzuheben  ist  ein  1 bis  3 km  östlich  gelegener  Parallelweg 
zwischen  Ebersbach,  Neumarkt-Geithain,  Rathendorf  mit  dem  „Kaiserborn“ 
und  „Satzberg“  nach  Penig.  Diese  Wegrichtung  ist  besonders  bemerkens- 
werth,  weil  auf  ihr  Penig  von  Halle  aus  ohne  üurchfurthung  von  Flüssen 
erreicht  wird;  Kreuzungen  finden  nur  mit  Bächen  ohne  grosses  Sammel- 
gebiet statt. 

Aehnlich  trassirt,  aber  gerader  gerichtet  verläuft  die  sich  an  Weg  4 
über  Schkeuditz,  Leipzig  anschliessende  Richtung  über  Borna.  Der  beiden 
Wege  von  Leipzig  über  Güldengossa  (Heerweg)  und  das  alte  Schloss 
(breite  Weg)  war  schon  gedacht.  Von  Borna  zieht  der  sich  auf  dem 
Rücken  haltende  älteste  Wog  über  Nenkersdorf,  den  „Strassenteich“,  Roda, 
Kohren,  Sahlis,  Linda,  durch  das  Pastholz  zum  Anschluss  an  die  soeben 
erwähnte  alte  Strasse  von  Jahnshain  nach  Penig.  Ein  anderer,  ab  Borna 
das  rechte  Hochufer  der  Wyhra  begleitender  Weg  durchfurthet  diese  bei 
Frohburg  und  läuft  über  Gnandstein,  Goldener  Pflug,  den  „Speckbusch“ 
nahezu  geradlinig  als  die  „lange  oder  Thonstrasse“  nach  der  Muldenfurth 
Waldenburg. 

Die  anderen  Wege  von  Halle,  die  zweimal  die  Elster  und  die  Pleisse 
kreuzen,  schliossen  sich  an  den  später  zu  behandelnden  Salzweg  durch  die 
Schkeuditzer  Furth  an. 

Jenseits  Penig  läuft  die  Richtung  als  die  bekannte  Hohestrasse  weiter 
am  „Strassenteich“,  „Zugmantel“,  „Mordgrund“  vorbei,  wo  der  Luuzonauer 


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Zweig  anschliesst,  über  Chemnitz,  den  „Kriegshübel“,  den  „Schellberg“,  das 
„Uaithholz“  am  „Uollfeld“,  Gornau,  Zschopau  zur  Hilmersdorfer  Höhe. 
Hier  trennen  sich  die  Wege  nach  den  drei  alten  Uebergängen  Reitzenhain, 
Kühnhaide  und  Rübenau,  von  denen  nach  den  Localnamen  der  letztere  der 
älteste  sein  muss,  obgleich  dieser  Weg  die  Pockau  bei  Lauterstein  an  einer 
schwierigeren  Stelle  wie  bei  Kühnhaide  und  Reitzenhain  durchfurtheL  Dieser 
somit  älteste  Weg  läuft  über  Lauta,  Lauterstein,  Zöhlitz  fast  geradlinig 
nach  Rübenau,  Kallich,  Bernau  und  auf  dem  Rücken  über  Platten  (Blatno) 
nach  Kommotau.  Auf  einem  Seitenweg  über  Gersdorf,  Uhrissen  kann  auch 
Görkau  erreicht  werden.  Ein  Parallelweg  hierzu  mit  Abzweigung  am  „Rung- 
stockborn“ oder  am  „Steinhübel“  führt  als  „alte  Kommotauer  Str.asse“  über 
„Kriegwald“  an  der  „Schwedenschanze“  vorbei  nach  Obernatschkau  (oder 
Natschung),  über  die  Annasäule  am  Steinhübel,  Rodenau,  Quinau  ebenfalls 
nach  Kommotau.  Welcher  von  beiden  Wegen  der  ältere  ist,  ist  schwer  zu 
entscheiden. 

Der  mittlere  Weg  von  der  Hilmersdorfer  Höhe  zieht  sich  über 
Marienberg,  früher  Dorf  Schlettenberg,  Gelobtland  als  „Jörkauer  Strasse“ 
über  Kühnhaide  sich  an  den  vorigen  Weg  in  Obernatschung  anschliessend. 

Der  westliche  Weg  läuft  über  die  drei  Brüder  Höhe  (Scbacht- 
name),  nimmt  die  „Kärrner  Strasse“  von  Wolkenstein  auf  und  zieht  sich 
fast  gerade  über  die  „Fuchskaloppe“,  die  „hohe  Brücke“  nach  Reitzenhain, 
Sebastiansberg,  Krima,  den  „Klinger“,  Domina  nach  Kommotau. 

Von  Kommotau  und  Görk.au  laufen  die  Wege  über  die  Egerfurthen 
bei  Saaz,  Posteiberg  oder  Laun,  sich  jenseits  vereinigend  über  Schlau 
nach  Prag. 

Auf  diese  Gebirgsübergänge  bezieht  sich  die  Notiz  in  der  etwa  1015 
geschriebenen  Chronik  des  Merseburger  Bischofs  Thietmar  aus  dem  Jahr  892: 
„in  der  „Provinz“  Daleminzien  nicht  weit  vom  Flusse  Caminizi  in  dem 
„Gaue“  Chutizi  starb  Arno,  neunter  Bischof  von  Würzburg,  als  er  von 
einem  Feldzug  gegen  die  Böhmen  zurückkehrte  und  unweit  der  Land- 
strasse auf  der  nördlichen  Seite  in  seinem  auf  einem  Hügel  aufge- 
schlagenen  Zelte  Hochamt  hielt,  umringt  von  einem  H.aufen  Feinde,  mit 
den  Seiuigen  den  Märtyrertod“.  Da  der  alte  „Gau“  Chutizi  den  Chemnitz- 
Huss  zur  Ostgrenze  hatte*),  die  Kirchenprovinz  Meissen,  in  der  Hauptsache 
aus  dem  Gau  Daleminzien  bestehend,  zu  Thietmar’s  Zeit  aber  sich  über 
die  Chemnitz  bis  zur  Mulde  erstreckte,  so  p.asst  die  Thietmar’sche  Orts- 
beschreibung nur  auf  das  Gebiet  zwischen  Chemnitz  und  Mulde.  Hier 
läuft  aber  „unweit  (d.  h.  1 bis  3 km  westlich)  der  Chemnitz“  der  unter 
4d  envähnte  Lunzenauer  Weg  hin.  Der  „Tauerstein“  bei  Burgstädt  bietet 
hier  einen  dem  heranziehenden  Arno  nördlich  von  der  Landstrasse  er- 
scheinenden Hügel  dar,  der  wohl  geeignet  ist,  sich  zur  Rast  in  feindlich 
gesinnter  Umgebung  zurückzuzichen.  Die  Trassirung  dieses  Weges  spricht 
durchaus  für  ein  hohes  Alter,  so  dass  auch  von  dieser  Seite  Bedenken  gegen 
die  Localisirung  nicht  vorliegen. 

6.  Der  unter  4 behandelte  Salzweg  über  Schkeuditz  sendet  hier  die 
Elster  durchfurthend  einen  wichtigen  Zweig  nach  Süden  in  den  20  bis 
40km  breiten,  125  km  langen  Landrücken  zwischen  Saale  und  Elster, 
der  zwar  nur  zum  kleinsten  Theile  unserem  Gebiete  angehört,  dessen  mittlerer 

*J  U.  Posse  a a.  0. 


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liängsweg  aber  nicht  ausser  Betracht  bleiben  kann.  In  der  verkehrsreichen 
Nordspitze  dieses  Landrückens  treten  die  Einwirkungen  der  wohl  von  jeher 
wichtigen  Uebergiinge  Burgliebenau -l’retsch  (Elster),  Merseburg -Pretsch, 
Corbetha  sowie  Weissenfels  (Saale),  Eythra  und  Pegau  (Elster)  und  später 
Plagwitz-Leipzig  hinzu.  Der  Ilalle’sche  rein  südliche  Verkehr  kann  daher 
abkürzend  wenn  auch  durch  zweimalige  Saalekreuzung  und  in  späterer  Zeit 
die  genannten  Saalefurthen  anstatt  den  Pass  bei  Schkeuditz  benutzt  haben. 

Der  alte  Ilückenweg  gewinnt  nach  der  Elsterdurchfurthung  bei  Gross- 
dölzig das  Südhochufer  und  läuft  von  hier  weiter,  den  Zweig  von  Pretsch 
aufnehmend  und  den  Zweig  „die  Salzstrasse“  über  Knauth- Naundorf  nach 
Eythra  entsendend.  Kein  südlich  setzt  sich  der  Weg  durch  die  Wüste  Mark 
PfaÖ’endorf  1 km  östlich  Schköhlen  bis  Schkeitbar  fort,  wo  die  von 
Pretsch  und  dem  jüngeren  Dürrenberg  herkommende  südlichere  Salzstrasse 
nach  Eythra  kreuzt,  wo  sich  auch  ein  gerader  Weg  nach  der  Elsterfurth 
Pegau  ablöst.  Von  Schkeitbar  zieht  auch  ein  Zweig  die  „alte  Strasse“ 
rein  westlich  über  Meyhen  südlich  durch  das  „Rosentbal“  um  Lützen  über 
Bothfeld  nach  Corbetha  und  weiter  über  das  Kossbacher  Schlachtfeld,  bei 
Leiha  in  die  llauptstrasse  nach  Freiburg  laufend.  Weiter  berührt  der 
Rückenweg  Eisdorf,  wo  der  Anschluss  von  Eythra  aufgenomnien  wird, 
als  „grosser  (oder  kleiner)  tiefer  Weg“  Grossgörschen,  unter  dem  Namen 
„die  hohe  Eisenberger  Strasse“  Grossgrimma,  wo  der  „Zwiebelweg“  direct 
von  Eythra  und  ein  ostwestlicher  Weg  von  Pegau  nach  der  Saalefurth 
Naumburg,  der  den  bemerkenswerthen  Namen  „Ocbsenweg“  trägt,  sich  an- 
schliesst.  Auf  der  Höhe  läuft  der  Weg  über  Köttichau -Trebnitz  nach 
Meineweh,  wo  sich  ein  Parallelweg  Eisdorf-Steckelberg-Teuchern  wieder 
anschliesst.  lieber  Koda,  wo  Seitenzweige  von  Naumburg  und  Zeitz  ein- 
münden,  zieht  der  Kückenweg  über  Eisenberg,  Klosterlausnitz,  wo  der  Zweig 
nach  Gera,  Tautendorf,  wo  der  Zweig  nach  Weida,  Greiz,  Elsterberg  sich 
ablöst,  nach  dem  „Radberg“,  „Gebeege“  und  Auma.  Hier  trennen  sich 
wichtige  Aeste  nach  Zeulenroda -Pöllwitz -Elsterberg,  nach  Pausa-Plauen 
und  nach  Strassberg,  während  der  Kückenweg  über  Schleiz,  „Zollgrün“, 
Gefall  oder  Münchenreuth,  Feilitzsch  und  den  „Labyrinthberg“  die  Saale- 
furth Hof  erreicht  und  von  hier  über  Asch  die  Verbindung  mit  Eger 
findet.  Dieser  Kückenweg  dürfte  seinem  Verlaufe  nach  wohl  als  die  ent- 
scheidende Leitlinie  im  Westen  unseres  Gebiets  anzusehen  sein. 

Es  sind  nun  die  Wege,  die  sich  jenseits  der  Elsterfurthen  südöstlich 
ansetzen,  zu  verfolgen. 

Ga.  Von  Eythra  wird  der  Weg  anfänglich  rein  östlich  nach  der  Budi- 
gasscr  Mark  die  Aue  durchquert  haben.  Von  hier  läuft  der  unter  4 ge- 
nannte alte  Ostweg  Güldengossa-Altes  Schloss,  von  hier  verzweigt  sich  nur 
noch  als  Wegrest  ein  „Kaiserweg“  nordöstlich,  von  hier  zieht  in  gerader 
Richtung  die  „Heerstrassc“  nach  Pulgar  und  weiter  als  „Salzstrasse“  nach 
Borna.  Gelegentlich  ist  der  Prödel-Zeschwitz  verbindende  „Kennsteigweg“ 
zu  nennen,  ln  Kieritzsch  zweigt  von  der  Bornaer  Salzstr.asse  ein  Weg  ab 
am  ,,Strassenteich“  und  Lutherdenkmal  vorbei  über  Breunsdorf,  Breitingen, 
Gerstenberg  nach  Altenberg,  von  wo  in  südlicher  Richtung  über  Saara, 
Zürchau,  die  Pleissefurth  Gössnitz,  „Schwanefeld“,  „Ameisenbüschel“  mit 
„Burgstadt“,  den  „Bog“,  Mosel  der  westliche  Hochuferrand  der  Mulde  und 
dem  entlang  Zwickau  erreicht  wird.  Von  Altenburg  nach  der  Mulden- 
furth Waldenburg  zieht  sich  der  alte  Weg  über  Paditz,  „Burgberg“,  „Wach- 
hügel“ mit  „Tominelgrund“,  Goesdorf,  Wickersdorf,  „Meisensprüh“. 


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6b.  Von  der  Elsterfurth  Pegau-Groitzsch  zieht  sich  ein  Wege- 
paar  „der  Pfaffenweg“,  „der  Gösser  Weg“,  „die  alte  Strasse“  nach  dem 
alten  Strassenknoten  Borna.  Der  Hauptweg  läuft  über  „die  Wachtel“  bei 
Lucka  nach  Altenburg.  Bei  Lucka  schliesst  sich  ein  wichtiger  Ilücken- 
weg  zwischen  Pleisse  und  Elster  an,  der  sich  auch  noch  nördlich 
über  Obertitz,  Stolpen,  Pulgar  in  der  Richtung  des  Rennsteigweges  und 
, Kaiserweges  bis  zum  Pleisseübergang  bei  Raschwitz  südlich  Leipzig  ver- 
folgen lässt.  Von  Lucka  südlich  läuft  er  über  Meuselwitz,  den  „Geyersberg“, 
Kayna,  Hohenkirchen,  Grossenstein,  Ronneburg,  „Vogelgesang“,  „Lerchen- 
berg“, Trünzig,  Teichwolframsdorf,  Reudnitz,  Reichenbach  und  von  hier 
fast  geradlinig  bis  Eger.  Zunächst  läuft  die  Wegfortsetzung  von  Reichen- 
bach mit  der  grossen  Hofer  Strasse  die  Göltzsch  durchfurthend  oder  mehr 
geradlinig  durch  die  Weissensander  Furth,  über  Treuen,  Poppengrün,  über 
Schöneck  oder  als  älterer  Weg  dicht  östlich  bei  Schöneck  vorbei  als  „grüner 
Weg“  nach  dem  „Geierswald“,  Fribus,  über  den  „Kühbauch“,  Mark- 
neukirchen, „Schanzholz“,  Landwüst,  „alte  Schloss“,  am  „Geyei-sberg“  vor- 
bei nach  Schönberg  mit  den  „Geyerhäusern“,  „Altenteich“,  Oberndorf, 
Langenbrück,  Lehenstein  bis  Eger.  Dieser  Weg  stellt  mithin  eine  zweite, 
aber  fast  geradlinige  Verbindung  Halle  (-Merseburg -Zeitz) -Eger  dar  und 
zwar  ebenfalls  als  Rückenweg  entsprechend  dem  westlicheren  Weg  unter  6. 

6c.  Von  der  Elsterfurth  Zeitz  zweigt  sich  ein  Weg  ab,  der  den 
Rückenweg  6 b bei  Sachsenroda  kreuzt  und  sich  weiter  über  Reichstadt, 
Raudenitz,  Schönhaide,  „Scheidegrund“,  Rudelswalde  dicht  südlich  Crimmit- 
schau, bei  „Kniegasse“  und  „Karthause“  die  Pleisse  kreuzend,  als  Rücken- 
weg über  den  „finsteren  Graben“,  die  „Hölle“,  Denkritz,  die  „Schatzgrube“, 
den  „Wachholderberg“  und  Weissenborn  nach  Zwickau  hinzieht.  Ausser- 
dem zweigt  ein  südwestlicher  Weg  nach  Gera,  Auma,  Schleiz,  Hof  ab. 
Der  wichtige  Ostwestweg  durch  Zeitz  wird  später  behandelt. 

6d.  Vom  Rückenweg  unter  6 zweigt  ein  Seitenweg  über  Weida  nach 
der  Elstcrfurth  Greiz  ab,  der  sich  weiter  bis  Reichenbach  fortsetzt. 
In  der  Richtung  dieses  Weges  schliesst  sich  der  zweite  Gebirgsübergangs- 
weg  nach  dem  Egerthale  an,  der  von  Reichenbach  hinzieht  über  Lengen- 
feld,  den  „Finkenberg“,  als  „Königstrasse“  nach  Auerbach,  „Tollengrün“, 
Hohengrün,  als  „hohe  Strasse“  über  Jägersgrün  nach  dem  „Aschberg“,  über 
„Grünberg“  nach  Grasslitz,  Heinrichsgrün,  sich  hier  nach  den  Egerfurthen 
Falkenau,  Ellbogen  und  über  Cbodau  nach  Rodisfort  gabelnd.  Sowohl  die 
Localnamen  als  die  Weglage  lassen  in  den  beiden  Wegen  6 b und  6d  von 
Reichenbach  ins  Egerthal  alte  Verbindungen  erkennen.  Der  Name  Königs- 
weg ist  wohl  mit  dem  1086  gekrönten  Böhmeuköuig  Wratislaw,  der  lebhafte 
Verbindung  mit  seinem  Schwiegersohn  Wiprecht  von  Groitzsch  unterhielt, 
in  Zusammenhang  zu  bringen. 

6e.  Die  unweit  Greiz  gelegene  Elsterfurth  Elsterberg  vermittelt 
ebenfalls  den  Uebergang  eines  alten  Weges  nach  Süden  und  zwar  nach 
Asch  über  Reinhardtsgrün,  die  „Possecke“,  am  „Gräfenstein“  und  „Schloss 
Reuth“  mit  „Wallwiese“  vorbei  durch  Thossfell,  Altensalz,  N’euensalz, 
Theuma,  als  „alte  Strasse“  am  „alten  Berge“  und  „Salzhübel“  durch  die 
Elsterfurth  Oelsnitz  über  den  „Geiersberg“,  „Heinzens  Höbe“,  Rossbach. 
Von  Oelsnitz  zweigen  zwei  Parallelwege  über  den  Geiersberg  ab  als  „alte 
Strasse“  über  Obertriebei,  Poscck  und  die  (jüngere V)  über  Untertriebei; 
beide  über  Gassenreuth  mit  dem  „alten  Schloss“  und  der  „alten  Schanze“ 
nach  Hof  laufend. 


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33 


6f.  Ein  alter  Zweig  der  Rückenstrasse  6 trennt  sich  in  Auma  ab,  um 
ohne  den  Umweg  über  Hof  das  Egerthal  direct  zu  erreichen;  er  läuft  über 
Zeulenroda  nach  dem  alten  Wegkiotenpunkt  Pausa,  wo  er  einen  Seiten- 
weg über  Schönberg,  Misslareuth  nach  Hof  entsendet.  Von  Pausa  über  Mehl- 
theuer als  „hohe  Strasse“  am  Flurorte  „der  weise  Stein"  vorbei  zieht  der 
Weg  als  „Schaafweg“  nach  der  alten  Elsterfurth  Strassberg  mit  „Warth- 
Hübel“  und  der  „Burg“,  Taltitz,  den  „üeiersberg“,  Raschau,  durch  das  jetzige 
Oelsnitz  überTirschendorf,  Schöneck,  „Wachtelbusch“,  Kottenhaide,  Klingen- 
thal, den  Anschluss  an  die  alte  Strasse  unter  6d  in  ürasslitz  suchend. 

6g.  Nach  der  später  mehr  in  den  Vordergrund  getretenen  Elster- 
furth Plauen  zweigt  bei  Mehltheuer  vom  vorigen  ein  Weg  ab,  der  über 
Syrau  mit  „Neumarkt“,  den  „Strassenhübel“,  „Bäreustein“  nach  Plauen 
und  weiter  am  „Wachhübel“  vorbei  über  Oberlosa,  am  „Salzliübel“  den 
Weg  6e  kreuzend,  über  Voigtsberg,  Görnitz,  „Warthebaum“,  Leubetha  am 
westlichen  Elsterhochufer  gegenüber  Adorf  liinläuft.  Der  merkwürdige 
Localuame  „Wachbaum“  kommt  nordöstlich  Voigtsberg  noch  einmal  vor. 

6h.  Adorf  ist  eine  alte  Elsterfurth  für  die  Verbindung  Schüneck- 
Asch  und  zugleich  Anschlusspunkt  für  den  interessanten  Kamm-  und 
Grenzweg  über  Misslareuth,  Grobau,  Hainersgrün,  „Wachhübel“,  die 
„Beuten“,  am  „Assenberg“  mit  „altem  Schloss“  nach  Sachsgrün,  in  Gasseu- 
reuth  den  Zweig  6e  kreuzend,  über  Oberbergen,  Freibeig  nach  Adorf,  von 
wo  aus  der  Anschluss  als  „hohe  Strasse“  und  „alte  Poststrasse“  über  Jugels- 
burg,  „Finkenburg“  (Funkenburg?),  „Strassenbusch“  in  Landwüst  an  die 
grosse  Nordsüdstrasse  6 b erfolgt. 

Alle  bisher  verfolgten  Wege  strahlen  von  Halle,  wenn  man  will  auch 
von  den  später  aufgekommenen  Nachbarorten  Merseburg  und  Leipzig  aus, 
entweder  sich  rein  östlich  hiuziehend,  das  unzugängliche  Elbsandsteingebirge 
in  grossem  Bogen  östlich  umziehend,  das  Erzgebirge  südöstlich  über- 
schreitend oder  endlich  der  Ficlitelgebirgsabdachuiig  Hof-Eger  zustrebend. 
Mannigfache  alte  Verästelungen  könnten  noch  erwähnt  werden,  andererseits 
sind  noch  eine  Reihe  von  wichtigen  alten  Verbindungen  hervorzuheben,  die, 
um  die  Uebersicht  nicht  zu  stören,  bisher  nicht  genannt  wurden. 

Die  Wege  von  Prag. 

Was  Halle  für  den  Norden  ist  Prag  für  den  Süden  unseres  Gebietes; 
ist  es  auch  erst  seit  etwa  869  der  herrschende  politische  Mittelpunkt,  so 
haben  wohl  von  jeher  die  Hauptorte  der  früher  selbständigen  Einzelland- 
schaften wie  Ellbogen,  Saaz,  Leitmeritz,  Tetschen  zur  Mitte  des  Böhmer- 
landes lebhafte  Beziehungen  gehabt.  Auch  nach  den  Fundkarten  bildet 
Prag  etwa  die  Mitte  des  in  prähistorischer  Zeit  besiedelten  Gebietes,  das 
gegen  Sachsen  liin  durch  eine  Linie  Kaaden-Tetschen  begrenzt  wird.  Wenn 
für  Halle  die  nordwärts  gerichteten  Flussthäler  als  Hindernisse,  deren 
Fürthen  als  Leitpunkte  anzusehen  waren,  so  ist  für  Prag  der  Gebirgskamm 
zwar  als  Hinderniss,  die  am  Südfuss  desselben  hinlaufende  alte  Westost- 
strasse aber  als  Leitlinie  mit  den  Wegknoten  als  Leitpunkten  aufzufassen. 

7.  Die  alte  nordböhmische  Querstrasse  ist  deutlich  von  Eger  bis 
zu  den  Iserkammpässen  zu  verfolgen.  Ueber  „Langenbruck“,  wo  die  er- 
wähnten alten  W’ege  von  Hof,  Adorf  und  Reichenbach  zusammenlaufen,  wo 
auch  ein  anscheinend  alter  Zweig  über  „Ensenbruck“  und  „Bruck“  nach 
Fraureuth  und  weiter  sich  anschliesst,  zieht  der  Querweg  über  Mariakulm 


\ooogle 


34 


(wo  ein  Nordsüdweg  kreuzt,  der  von  Klingenthal  über  Cossengrün  nach  der 
Egerfurth  Königsberg  läuft),  weiter  über  Zwodau  neben  der  Eger- 
furth  Falkenau  nach  Cbodau  (chodba  = Fussweg,  chod  = Gang).  An 
diesen  beiden  alten  Orten  schliessen  sich  zwei  Ausläufer  vom  alten  Pass 
bei  Sauersack  mit  „Posteiberg“  und  Frühbuss  an,  deren  einer  über 
Schönlind,  dicht  östlich  Heinrichsgrün  über  „Hochfeld“,  „Hochtanne“,  „Knot- 
berg“, Thein  nach  Zwodau -Falkenau,  deren  anderer  über  „Kuhberg“,  Ordt, 
Kösteldorf,  „Leitenberg“  nach  Chodau  und  zur  Egerfurth  Ellbogen  sich 
hin  zieht. 

Von  Chodau  zum  wichtigen  Egerübergang  „Rodisfort“  laufen  zwei 
Parallelwoge;  der  nördliche  über  Neurohlau  nimmt  hinter  Spittengrün  den 
östlichsten  Zweig  vom  Passe  bei  Frühbuss,  der  Neudeck,  „Gibacht“,  Tüppels- 
grün  berührt,  und  weiterhin  den  alten  Gebirgsweg  von  Halbmeil-Kuhberg- 
•Mückenberg  auf,  welcher  letztere  über  „Irrgang“,  Bäringen,  „Drachenfels“ 
(draha  - Spur,  Strasse),  Edersgrün  herabsteigt.  Kurz  vor  Rodisfort  mündet 
noch  ein  anscheinend  alter  Rückenweg,  der  sich  am  Mückenberg  abzweigt 
und  über  „Hahnberg“,  „Spitzberg",  „Schimitzberg“  (westlich  Joachimsthal), 
„Kobei-stein“,  Pfaffengrün  und  Schlackeuwerth  läuft.  Der  südliche  ältere 
Parallelweg  geht  über  Altrohlau,  Zettlitz,  Hohndorf,  Elim  nach  Rodisfort. 
Der  Anziehungspunkt  Karlsbad  gehört  in  spätere  Zeit,  doch  wird  bei 
den  Schiffhäusern  und  Drahowitz  (draha  = Weg)  eine  alte  Egerfurth 
bestanden  haben,  die  über  Ottowitz  Zweige  nacli  den  Passwegen  über 
Frühbuss  und  Halbmeil  entsendet,  auch  südlich  Fortsetzung  über  „Espen- 
thor“, Engelhaus,  Sollmus  gefunden  haben  wird. 

Laufen  in  Rodisfort  alle  alten  Wege  von  Westen  zusammen,  so  gabeln 
sie  sich  auch  von  hier  aus  nach  Osten.  Der  Hauptweg  läuft  auf  dem 
Rücken  über  „Höllenkoppe“,  llermersdorf,  „Hochwald“,  Liesen,  „Lapgenau“, 
„Laugensack“,  „Kolinerberg“,  Pohlig,  Quon  und  Liebotschan  nach  der  Eger- 
furth Saaz;  ein  Seitenzweig  führt  von  Liesen  über  den  „Sahlerberg“, 
Rodenitz,  „Höllen berg“,  Atschau  nach  der  Egerfurth  Kaaden.  Westlich 
Atschau,  kaum  1 km  von  dieser  Strasse  liegt  das  Plateau  des  „Burgbergs“, 
etwa  1 km  lang  und  0,7  km  breit  mit  dem  Dörfchen  Burgberg,  nach  allen 
Seiten  steil  abfallend  und  recht  geeignet,  eine  Volksburg  (die  Kadansburg?) 
aufzunehmen. 

Zwischen  Rodisfort  und  Kaaden  ist  zu  erwähnen  die  Egerfurth  bei 
Okenau  mit  Anschlüssen  im  Süden  bei  Hochwald,  im  Norden  über  „Pür- 
stein“,  „Höllenstein“  nach  Schmiedeberg  und  „Schlössl“  bei  Hammerunter- 
■wiesenthal,  sowie  nach  Weipert.  Jünger  dürfte  die  Egerfurth  Klösterle  mit 
ihren  Weganschlüssen  sein. 

Der  wichtige  Uebei'gang  Kaaden  ist  mit  drei  Parallelwegen  an  den 
alten  Pass  Pressnitz  angeschlosseu,  deren  ältester  (der  mittlere)  über 
„Königsberg“,  Wernsdorf,  Radis,  Kretscham  läuft. 

7a.  ln  Kaaden  tritt  die  nordböhmische  Querstrasse  in  altbesiedeltes, 
fruchtbares  Flachland  mit  zahlreichen  vorgeschichtlichen  Fundorten  und 
spaltet  sich  in  den  die  Seewiesen  südlich  umgehenden  Zweig  über  Pröhl, 
Tuschmitz,  Priesen,  Kidlitz,  Püsswitz,  Holtschitz,  Triebschitz,  Brüx,  Prohn, 
Priesen  nach  dem  alten  Wegknoten  O.g  km  östlich  Dux  und  den  nörd- 
licheren über  Seehäusl,  Prösteritz,  Retschitz,  Körbitz,  Sporitz,  „Gröschl“  (grod), 
Kommotau,  Görkau,  Türmaul,  Schimberg,  Eisenberg,  Tschemitz,  Bettelgrün, 
Oberleuteusdorf,  Ladung,  „Saleshöhe“,  Üssegg.  Diese  beiden  Parallelwege 


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36 


werden  nun  auf  dieser  Strecke  durchkreuzt  von  den  alten  Gebirgsüber- 
gangswegen  nach  Prag. 

Vom  Pressnitzpasse  läuft  ein  alter  Zweig  auf  der  Höhe  über  den 
„Reischberg“,  durch  Sonnenberg,  Zollhaus  nach  Krima,  sich  hier  an  den 
Keitzenhainer  Weg  anschliessend.  Auch  drei  directe  Parallelwege  nach  Saaz 
zweigen  an  dieser  Stelle  ab,  deren  westlicher  von  Zollhaus  über  Platz, 
D.  Kralupp,  „Spielhübel“,  „Ruhstein“,  Dreihöf  den  Charakter  eines  Rücken- 
weges in  hohem  Masse  besitzt.  Die  Gebirgswege  nach  Kommotau  sind 
schon  benannt;  es  bleibt  noch  die  alte  Verbindung  Sayda-Saaz  über  Grün- 
thal, Brandau,  Kleinhan,  Ladung,  Stolzenhan,  Türmaul,  Görkau  oder 
Kleinhan-Göttersdorf  nach  Görkau  und  von  hier  weiter  über  Eidlitz,  Horatitz 
zu  erwähnen. 

Jenseits  der  Seewiesen  kreuzt  der  uralte  Heerweg  über  Purschen- 
stein  mit  den  erwähnten  Parallelwegen  über  Einsiedel  und  Göhren,  die 
sich  in  Brüx  vereinigen. 

Der  jüngere  Pass  bei  Rechenberg  entsendet  den  alten  Weg  über 
Zollhaus,  Eleyh,  Langenwiese,  „Droscheberg“  (draha,  droha  = Weg),  Ladung, 
das  Dorf  Wiese  (zu  vergl.  Langenwiese)  und  Paredl  nach  Brüx.  Von  Langen- 
wiese läuft  ein  Zweig  über  Riesenberg,  Ossegg,  Unterhaan,  am  „Riesen- 
bad“ vorbei  nach  dem  Wegknoten  östlich  Dux,  sich  nach  Bilin  fort- 
setzend. Die  weitere  Fortsetzung  der  Wege  bis  zu  den  Egerfurthen  bei 
Saaz,  Posteiberg  und  Laun  und  weiter  bis  Prag  kann  hier  ausser  Betracht 
bleiben.  \ach  dem  Cliarakter  der  ältesten  Wegzüge  muss  der  Postei- 
berger Uebergang  später  zwischen  die  beiden  älteren  Fürthen  einge- 
schoben sein. 

7b.  Zwischen  Ossegg-Dux  und  Tetschen  bildet  jetzt  Teplitz  den  An- 
ziehungspunkt. Im  alten  Wegnetz  eischeint  dagegen  Teplitz  nur  als  an 
einer  alten  W'egrichtuug  gelegen,  keineswegs  aber  als  wichtigster  Weg- 
knoten wde  in  neuerer  Zeit.  Die  nordböhmisclie  Querstrasse  über  den 
W'egknoten  östlich  Dux  setzt  sich  über  Losch,  Hundorf,  Teplitz,  Turn, 
Soborten  nach  .Mariaschein  fort,  wo  sie  sich  mit  dem  Weg  am  Gebirgsfuss 
vereint,  welcher  von  Osseg  über  Deutzendorf,  Klostergrab,  Kosten,  Tischau, 
Eichwald,  Pisanken,  Dreibanken  (Drahenky)  und  Graupen  gleichfalls  Maria- 
schein erreicht.  Von  hier  läuft  ein  alter  Seitenweg  über  Karbitz  am 
„Bihana“-Berg  vorbei  nach  Aussig,  während  der  nordböhmisclie  Querweg 
nun  vereint  über  Hohenstein,  Straden,  Kulm,  Arbesau  bei  Kninitz  die  Wasser- 
scheide des  Eulaer  Baches  erreicht,  um  sich  über  Eula,  Schönborn,  Kröglitz 
nach  Tetschen  zu  wenden.  Die  Strecke  Kninitz-Eula  ist  allerdings  in 
ihrer  alten  Trassirung  aus  der  österreichischen  Generalstabskarte  1 : 76  000 
nicht  so  genau  wie  bei  allen  bisher  erwähnten  alten  Wegrichtungen  er- 
kennbar — die  Lage  der  jetzigen  Kunststrasse  durch  Königswald,  die  stets 
in  der  Eulabachaue  hinläuft,  kann  für  die  älteste  Zeit  wohl  nicht  in  Frage 
kommen.  Der  alte  Weg  muss  sich  von  Kninitz  am  „llutberge“  bei  Klein- 
kahn vorbei,  wo  noch  die  Flurgrenze  hinläuft,  nach  dem  „Hegeberge“  ge- 
wendet haben,  wo  sich  dann  der  noch  deutlich  sichtbare  Theil  des  Höhen- 
weges, gleichfalls  an  einem  ,,Hutberge“  nach  Tetschen  laufend,  anschliesst. 

Der  Kninitzer  Sattel  stellt  den  bei  weitem  günstigsten  Abstieg  vom 
Erzgebirgskamm  dar;  beträgt  doch  der  Höhenunterschied  nur  310  m,  während 
die  anderen  alten  Abstiege  bei  Kulm,  am  Geiersberg  und  bei  Graupen  je 
etwa  510  in  Höhenunterschied  aufweisen.  Unzweifelhaft  läuft  der  Weg 
nach  dem  alten  Elbübergang  Aussig  über  den  NollendorferPass,  Kninitz, 


uj<1l 


36 


„Zuckniantel“,  Troschig,  „Spiegelsberg“,  „Lerchenfeld“.  Neben  Aussig  be- 
standen für  die  Nordwege  die  westlicheren  Zielpunkte  Uilin  und  Brüx,  die 
beide  über  Teplitz  und  den  Wegkuoten  östlich  Dux  erreichbar  waren. 
Hierhin  zogen  sich  die  Abstiege  von  den  drei  alten  Nachbarpässen  am 
„Mückenberge“,  am  „Geyersberge“  und  am  „Schauplatz“  (mit  Kulmer  Kapelle). 
Nebenher  senden  diese  drei  Abstiege  auch  Seitenwege  nach  Aussig  und 
zwar:  G raupen -Mariaschein- Marschen  - Karbitz,  ferner  Geiersberg-Hohen- 
stein-Karbitz  und  endlich  Kulmer  Kapelle -Kulm- Böhm. Neudörfl-Herbitz- 
Prödlitz -Aussig. 

Mit  dem  \'ortreten  des  Einflusses  von  Prag  wird  auch  das  Bestreben 
erwachsen  sein,  diesen  Mittelpunkt  nicht  erst  durch  die  zwischenliegenden 
Orte  Aussig,  Bilin,  Brüx,  Saaz,  sondern  möglichst  direct  zu  erreichen. 
Vielleicht  erst  in  dieser  um  800  n.  Chr.  zu  setzenden  Zeit  wird  das  Hinderniss, 
das  das  böhmische  Mittelgebirge  darbot,  durch  ein  wirkliches  Wege- 
netz überzogen  worden  sein.  An  die  genannten  drei  Pässe  sowie  an  den 
von  Kninitz  setzen  sich  nun  die  Wegzweige  direct  nach  Süden  au.  Der 
Zielpunkt  ist  Weissaujezd  (Ujez.d  = Wegfalirt),  wo  die  Wege  von  Aussig 
über  „Ellbogen“,  Duhitz,  „alte  Berg“  und  von  Wiklitz  über  die  Bielafurth 
Hlinai.  Schinia  zusammenlaufen,  um  sich  über  Wellemin  zu  spalten  nach 
den  fünf  Egerfurthen  zwischen  Perutz  und  Leitmeritz,  von  wo  sie  sich 
dann  wieder  in  Schlau  zusammenschliessen.  In  Wiklitz  laufen  von  Graupen, 
Hohenstein,  Kulm  und  Kninitz  die  Wegzweige  von  den  Gebirgspässen  zu- 
sammen. Zu  nennen  ist  der  anscheinend  jüngere  Parallelweg  durch  das 
Mittelgebirge  über  Milleschau.  Nach  Weissaujezd  führen  überdies  auch 
Seitenzweige  von  der  nordböhmischen  Querstrasse  einmal  von  Kosten  über 
„Kleintijezd“,  Settenz,  dicht  westlich  bei  Teplitz  vorbei,  über  „Wachhübel“, 
Weibine,  Schallan,  „Wachtberg“  und  „Paschkopole“  und  sodann  in  Teplitz 
ansetzend  am  „Schlossberg“  vorbei  über  Drakowa,  Suchei,  Haberzie,  Hlinai, 
hier  in  die  alte  Nordsüdstrasse  mündend. 

7c.  Von  Tetschen  bis  zu  den  Neissefurthen  zieht  sich  der  alte  nord- 
böhmische Querweg  südlich  um  das  Lausitzer  Gebirge  hin  zwischen  „Poppen- 
berg“ und  „Ealkenberg“  hindurch  in  Richtung  auf  die  Markersdorfer  Kirche, 
beim  „Wachberg“  und  „Hachenberg“  vorüber,  Böhm.  Kamnitz  und  den 
„Schlossberg“,  Steinschönau,  Pärchen  berührend,  über  den  „Kainmberg“, 
Blüttendorf,  dicht  am  „Kleiss“  und  „Ealkenberg“  vorbei  nach  Zwickau, 
einem  alten  Wegknoten,  wo  die  Richtungen  von  Rumburg  über  Tollenstein, 
von  Lübau  über  Grossschönau,  an  der  Lausche  vorüber,  von  Zitt.au,  von 
Leipa  und  von  Niemes  Zusammentreffen.  Von  Zwickau  ziehen  zwei  Parallel- 
woge zwischen  Isergebirge  und  Lausitzer  Gebirge  nach  Eriedland  und 
weiter  östlich;  der  nördliche  über  Cunnersdorf,  am  „Lerchenberg“,  „Haide- 
berg“, „Hutberg“,  an  der  „Brückellehnc“  nach  Einkendorf,  über  den  „Lerchen- 
hübel“, den  „Passerkamm“  mit  450  m Seehühe*)  erreichend  und  über 
„Giebelsberg“,  die  Neissefurth  Ketten  und  die  wichtige  Burg  „Grafenstein“, 
üppelsdorf  als  „Diebsstrasse“  über  Zollhaus  Friedland  zustrebend.  Der 
südliche  Weg  läuft  von  Zwickau  über  Gabel,  Ringelshain  oder  Jahnsdorf 
nach  Pankratz,  überschreitet  in  nur  391  m Seehöhe*)  den  Kamm  am 
„Rabenstein“,  sinkt  zur  Neissefurth  Weisskirchen  herab  und  erreicht  über 
„Schelleberg“,  „Gickelsberg“,  „Lichtenberg“  als  „Diebsteig“  am  „Wachberg“ 
und  „Geiersberg“  vorbei  E'riedland.  Die  geringere  Passhühe  und  die  Local- 

*)  Nach  der  S.steireicli.  Generalstabskarte  1 : 7.5  000. 


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nameii  sprechen  für  ein  höheres  Alter  dieses  Weges;  andererseits  ist  die 
Linienführung  des  nördlichen  Weges  eine  alterthümlichere. 

In  die  Stationen  dieses  alten  Querweges  laufen  von  Norden  die  bereits 
erwähnten  alten  Wege  aus  der  rechtselbischen  Gegend.  Zu  bemerken  ist 
der  alte  Wegknoten  bei  Finkendorf,  wobin  auch  ein  Zweig  von  Zwickau 
über  Kunnersdorf,  Gabel,  Vogelsang,  „Eicbkamni“  fübi-t.  Von  Finkendorf 
setzt  sieb  nicht  nur  der  alte  Weg  über  rasserkaniin  nach  Grafenstein- 
Friedland  fort,  es  setzt  sich  am  Passerkamin  auch  ein  Zweig  über  Grottau 
an,  der  als  Rückenweg  zwischen  Neisse  und  Wittig  über  Reibersdorf,  .als 
„Loh-  (Lug)-Strasse“  über  den  „Lobnberg“  nordwärts  läuft.  Rei  Finkeu- 
dorf zweigt  auch  eine  alte  Verbindung  nach  Zittau  ab  über  „Raub- 
scbloss“,  „Scheibenberg“,  die  „3  Orln“,  bei  der  „Ausspannung“  die  wohl 
etwas  jüngere  Strasse  von  Gabel  über  Petersdorf,  Lückendorf  kreuzend, 
als  „Grenzweg“  am  „Zigeuuerberg“  und  den  „Hölllöcbern“  vorbei,  über  das 
Rathsvorwerk  in  die  böhmische  Vorstadt,  über  die  Kuhbrücke  nach  Zittau, 
Die  Lage  dieser  ältesten  Zittauer  Drücke  ist  vom  Standpunkte  der  alten 
W'egtrassirung  bemerkenswerth,  weil  hier  wieder  die  Kreuzung  zweier  Ge- 
wässer kurz  vor  deren  Vereinigung  erfolgt.  Von  der  Kuhbrücke  über  die 
Mandau  läuft  der  alte  Südostweg  nach  Reichenberg  nach  der  Papiennühlen- 
brücke  über  die  Neisse,  während  nur  400  m östlich  beide  Flüsse  zu- 
samnienlaufen. 

Die  sächsischen  Wege  ttber  das  Erzgebirge. 

Es  bleiben  nach  der  Erwähnung  der  alten  Salzstrassen  von  Halle,  des 
böhmischen  Wegenetzes  südlich  des  Gebirges  und  des  voigtländischen  Netzes 
noch  einige  ältere  Wegrichtungen  nachzutragen. 

8.  Von  dem  alten  Wegknoten  Zwickau  laufen  als  Fortsetzung  der 
besprochenen  Nordstrassen  alte  Wegzüge  nach  sämmtlichen  alten  Eger- 
furtbeu  zwischen  Ellbogen  und  Saaz  über  die  erwähnten  alten  Gebirgs- 
Passstellen. 

Ein  alter  Weg  wird  von  Zwickau  über  Oberhohndorf,  Vielau,  Schönau 
nach  Wiesenburg  gegangen  sein,  von  wo  ein  echter  Rückenweg  über 
„Vogelheerd“,  „Wolfsscbacht“,  „Saupfütze“,  „Luchsplatz“,  „Pferdehrunn“ 
nach  dem  „Sonnenberg“  und  „Rissigberg“  nebst  einem  dicht  westlich  gc- 
legeuen  Parallelweg  hinziebt,  um  über  die  „Ochsentränke“  zur  Muldenfurth 
Obcrblauenthal  hinabzusteigon  und  weiter  über  den  „Rösnigberg“,  Eiben- 
stock und  über  das  „Ilirtenraumel“,  die  „Spinnei,  jetzt  die  Tafel“,  Weiters 
Glashütte,  die  Mordhütte,  .an  der  Grenze  am  „Kranichsee“  östlich  vorbei- 
ziehend den  Pass  Sauersack- Frühbuss  zu  erreichen. 

Es  ist  aber  wahrscheinlich,  dass  ein  älterer  Weg  eingeschlagen 
wurde,  der  die  zweimalige  .Muldendurchfurthuug  vermeidet,  der  sich  also 
von  Zwickau  über  den  „Schleif berg“  oder  Planitz  nach  Wendisebrott- 
mannsdorf,  Nicdercrinitz,  an  den  „Boblteichen“  am  „Hohlberge“  vorüber  bis 
Kircbberg  hingezogen  haben  musste.  Allerdings  vermisst  man  auf  dieser 
wahrscbeinlicb  schon  zeitig  mit  dem  Aufblühen  Zwickaus  und  Wiesen- 
burgs  verlassenen  Strecke  den  üblichen  Charakter  der  schlanken  lang- 
gestreckten ältesten  Wegzüge.  Von  Kircbberg  scbliesst  sich  dann  einer 
der  gewohnten  alten  Rückenwege  über  den  „Jüdenstein“,  Bärnwulde,  den 
„Schirrberg“,  am  „Zollhaus“  und  „Hohenstein“  vorbei  mach  llundsliübel 
über  den  „Hemmstein“,  bei  Muldenhammer  die  Mulde  durchfurthend  nach 
Eibenstock  an. 


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Ein  in  Unterblauenthal  die  Mulde  kreuzender  östlicher  Zweig  über 
Losa,  den  „ßiesenberg“,  Sauschwemme -Steinbach,  an  der  Landesgrenze 
ebenfalls  einen  „Kranichsee“  (daher  wohl  ohne  Zweifel  mit  hranice  = 
Grenze  zusammengesetzt)  streifend,  über  „Henneberg“,  die  „Farbenleithe“, 
den  „tiefen  Graben“,  der  dicht  östlich  von  Platten  vorbeiziebt  und  bei 
Bäringen  Anschluss  an  den  erwähnten  Halbmeilpass  findet,  scheint 
weniger  alt  zu  sein.  Dasselbe  gilt  mit  noch  grösserer  Wahrscheinlichkeit 
von  dem  westlich  gelegenen  Verbindungsweg  über  Hirschenstand. 

8 a.  Der  Hauptgebirgsweg  von  Zwickau  wird  aber  den  für  die  Prager 
Richtung  hestgelegenen  Pressnitzer  Pass  gesucht  haben.  Zunächst  ist 
der  sich  an  die  Muldenfurth  Wiesenburg  anschliessende  anscheinend  alte 
Weg  zu  neunen,  der  sich  an  der  Saupfütze  an  den  Eibenstocker  Weg  unter 
8 anschliesst  und  über  Lindenau,  den  „Schimmelberg“  südlich  um  Neustadt, 
über  den  „Lercbenberg“  nach  Albernau,  Bockau,  über  den  „Sachsenstein“ 
bis  Schwarzenberg  läuft.  Ein  nördlicher,  wohl  älterer  Parallelweg  zieht 
über  die  „goldene  Höhe“,  den  „Mühlberg“  dicht  südlich  Schneeberg  vorbei 
über  den  „Gleesberg“,  „Brünlassberg“,  durch  Aue  und  über  Lauter  nach 
Schwarzenberg.  Von  hier  lief  die  älteste  Richtung  als  Höhenweg  über 
den  „Knochen“,  den  Rücken  südlich  Langonberg,  nördlich  um  den  „Krahen- 
hübel“  am  „Schaafberg“  und  südlich  dicht  am  „Scheibenberg“  vorbei  unter 
dem  Namen  „Fürstenweg“,  setzt  sich  fort  bei  der  „Ruine“  in  Crottendorf, 
als  „böhmische  Strasse“  durch  Cranzahl,  am  Zollhaus  in  eine  ebenfalls 
alte,  hier  von  Stollberg,  Chemnitz  und  Wolkenstein  zusammenlaufeude  Strasse 
einmündend  und  mit  ihr  über  „Kübberg“,  „Schloss  Stein“,  den  „weisseu 
Hirsch“,  Pleil  dem  Pressnitzer  Passe  zustrebend. 

8b.  Zeichen  eines  sehr  hohen  Alters  trägt  der  den  Muldenbogen  öst- 
lich umgehende  Weg,  der  mit  der  Oststrasse  am  „Brückenberge“  östlich 
die  Mulde  quert,  am  „Freytag“  diese  Strasse  verlässt,  als  „hohe  Strasse 
oder  Freytagsstrasse“  über  „Einsiedel“,  den  „Käseberg“,  Hartenstein, 
„Hundsberg“,  die  „grüne  Lücke“,  Lössnitz,  über  den  „Grünwald“- Rücken, 
das  „Kornbau“,  den  „Einsiedel“,  „Spiegelwald“,  die  „3  Tannen“,  Waschleithe, 
„Hemmberg“,  Schwarzbach  hinzieht  und  sich  am  Scheibenberg  dem  südlichen 
Parallelweg  anschliesst.  Von  hier  läuft  ein  jüngerer  Zweig  über  Neudorf, 
Rothenkretscham  als  „Fürstenweg“  nach  dem  schon  genannten  Scli^össl, 
Schmiedeberg  und  Pürstein. 

Bemerkenswerth  ist  der  Passweg  über  Gottesgab  (ehemals  Winters- 
grün), nach  dem  zwei  Parallelwege  von  Lössnitz  laufen;  der  westliche  über 
Pfannenstiel,  den  „Riss“,  den  „Krabl“,  Schwai-zenberg,  die  „Bärcustallung“, 
das  ,,hohe  Rad“,  Pöhla,  als  „hoher  Weg“  über  den  „Sechserberg“  und 
Dreieberg  (draba  = Strasse);  der  östliche  Zweig  über  „Spiegelwald“, 
„3  Tannen“,  „Fürstenberg“,  „Fürstenbrunn“,  „üswaldkircbe“,  „Langen- 
berg“, Mittweida,  „Ziegenfels“  als  „Hundeinarterweg“  über  die  „faule 
Brücke“,  sich  am  Dreieberg  mit  dem  westlichen  vereinigend  und  über  den 
Flurort  „in  der  Rachel“  an  der  „goldenen  Höhe“  vorbei  nach  Gottesgab  und 
von  hier  über  Schlackenwerth  nach  dem  alten  Ueberg.ang  Rndisfort  an  der 
Eger  laufend.  Der  Gottesgaber  Pass  ist  mit  dem  Aufkommen  Joaebims- 
thals  lebhafter  geworden  und  hat  noch  Seitenwege  von  Scheibenberg  (den 
„Proviant-  oder  Klötzerweg“  über  den  grossen  ..Hemmberg“)  und  von 
Schlettau  (die  „Thalerstrasse“  über  den  kleinen  „Hemmberg“  und  Katzen- 
stein) entstehen  lassen. 


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9.  Von  der  GlauchauerMuldenfurthläuft  ein  reiner  Rückenweg  durch 
den  „Rumpf-Wald“,  über  die  „Funkenburg“  (Signalstation  der  Zwickau- 
Lichtensteiner  Strasse),  Heinrichsort,  Neuesorge,  hier  einen  „Kärrnerweg“ 
von  Lichtensteiu  aufnehmend,  „Zschockenberg“,  „Sahrberg“  als  „hohe 
Strasse“  bis  zum  Anschluss  an  die  alte  Strasse  über  Lössnitz. 

Von  der  Muldenfurth  Waldenburg  zieht  ein  Weg  über  „Ausspann- 
Callenberg“,  die  „Katze“,  den  „Eisenberg“,  Lungivitz,  auf  dem  Rücken 
über  das  „Kieferholz“,  Jägerhaus,  Würschnitz,  als  „Fürstenweg“  über  den 
„Panzerberg“,  das  „Lutzenholz“,  Beutha,  die  „grüne  Lücke“  nach  Lössnitz. 
Ein  östlicher,  wohl  wesentlich  jüngerer  Parallelweg  läuft  von  Würschnitz 
über  Stollberg,  Hohneck,  Zwönitz,  Grüuhain  zum  Anschluss  an  den  alten 
Weg  im  Spiegelwald, 

9a.  Ein  bemerkenswerther  nach  den  Localnamen  alter  Gebirgsüber- 
gangsweg  setzt  in  Wüstenbrand  an,  das,  auf  der  W'asserscheide  zwischen 
Lungwitzbach  und  Kappelbach  liegend,  als  Wegdurebgang  besonders  ge- 
eignet ist.  Hierher  laufen  Zweige  von  Waldenburg  über  die  „Katze“,  den 
„Pfaffenberg“  oder  „Rödenberg“  bei  Hohenstein,  ferner  von  Wolkenburg 
als  „Bergstrasse“  auf  dem  Rücken  westlich  Bräunsdorf  oder  über  den 
„hohen  Busch“,  Bräunsdorf  selbst  nach  Meinsdorf,  endlich  von  Penig  über 
Tauscha,  die  Sorge  in  Bräunsdorf  anschliessend.  Von  Wüstenbrand  läuft 
der  Weg  südöstlich  als  „Landgraben“  über  „Dreidörfel“,  östlich  Leukers- 
dorf am  „Beuthenberg“  vorbei,  an  den  „drei  Teichen“  die  Würschnitz 
kreuzend,  über  „Zigeunerbrunn“  nach  Jahnsdorf,  hier  sich  in  zwei  Parallel- 
wege, die  den  Abtwald  östlich  und  westlich  umgehen,  spaltend.  Der  West- 
weg zieht  sich  als  Kärmerweg  bei  Meinersdorf  die  Zw'önitz  (die  eigentlich 
den  Namen  Chemnitz  zu  führen  hätte)  kreuzend,  als  „Kärrnerstrasse  oder 
Kalkweg“,  dann  wieder  als  „Kärrnerweg“  nach  der  Höhe  nördlich  von 
Thum,  wo  sich  alte  Wege  kreuzen,  wo  auch  der  östliche  Zweig,  der  als 
„Rollweg“  durch  das  „Rollholz“  über  Burkhardtsdorf  läuft,  sich  wieder 
anschliesst.  Der  Weg  setzt  sich  von  der  Thumer  Höhe  als  „Kärrner  Strasse“ 
durch  Herold,  Neudorf,  am  „Lerchenhübel“  vorüber,  zur  Zschopaufurth 
Wiesa  fort,  steigt  über  die  „Riesenburg“  zur  Stelle  zwischen  dem  Pöhlberg 
und  dem  später  erbauten  Annaberg,  wo  alte  Wegspuren  in  der  Karte  er- 
kennbar sind.  Hier  trennt  sich  der  alte  Weg  in  zwei  Parallelwege,  den 
einen  über  Königswalde  als  der  „alte  Ilemmweg“  über  Ziegenbrücke 
(Zigeuner?),  Jöhstadt,  Dürrenberg  nach  Pressnitz  und  in  den  anderen  älteren 
über  den  „Lerchenhübel“  nach  dem  Kuhberg  mit  Schloss  Stein,  wo  er  in 
die  erwähnte  alte  Zwickau-Pressnitzer  Strasse  mündet 

10.  Da  die  alten  Hauptübergänge  über  Chemnitz  (unter  5)  und  Oederan 
(unter  3)  bereits  erwähnt  worden  sind,  ist  zu  den  Freiberger  Wegen 
weiterzugehen.  Freiberg  ist  ebenso  wie  Leipzig  und  Dresden  kurz  nach 
der  für  diese  Studie  massgebenden  Zeit  Hauptmittelpunkt  des  Wegnetzes 
geworden;  indessen  scheinen  auch  in  ältester  Zeit  Wege  die  Gegend,  wo 
später  Freiberg  aufkam,  gekreuzt  zu  haben,  soll  doch  das  Silbererz  durch 
Harzer  Fuhrleute  zuerst  erkannt  worden  sein,  ln  der  That  wird  aus  dem 
Herzen  von  Daleminzien,  der  Gegend  Nossen-Lommatzsch-Meissen  ein  Weg 
nach  dem  ältesten  Pass  bei  Sayda  geführt  haben,  der  sich  nach  den 
Kegeln  der  Trassirung  ältester  Wege  finden  lässt  im  Zuge:  Wendischbohra, 
als  „Zeisigweg“  über  Hirschfeld,  Drehfeld  (draha  = Strasse),  „Rabeustein“, 
hier  die  Bobritzsch  durchfurthend,  Bieberstein.  Haida,  bei  Vorwerk  Hals 
über  die  Mulde,  auf  dem  Rücken  bis  dicht  östlich  an  die  spätere  Frei- 


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berger  Sächsstadt.  Von  hier  über  den  Münzbach  sucht  der  Weg  Anschluss 
au  die  alte  böhmische  Heerstrasse  in  Mittelsayda,  Dörnithal  oder  Sayda 
auf  jetzt  vielfach  verästelten  Wegen,  deren  ältester  über  „die  drei  Kreuze“, 
„alte  Mordgrube“,  den  „Kuhberg“,  den  „weissen  Schwan“,  Vorwerk  München- 
frey, durch  das  Waldstück  „Zehntel“,  dicht  östlich  Hartmannsdorf,  die 
„untern  Lichten“  führt,  wo  ein  alter  Weg  von  Rauenstein  als  „Fürstenweg“, 
„Diebssteig“  und  „Kammweg“  einraündet  Von  hier  zieht  sich  der  Weg 
als  „Kamm weg“  um  Obersayda  herum  nach  Dörrnthal. 

Aus  diesem  anscheinend  sehr  alten  Wege  zweigen  überdies  bei  der 
„alten  Mordgrube“  alte  Wege  über  Langenau  als  alte  Poststrasse  nach  der 
alten  Zschopaufurth  Rauenstein  und  als  „Rosenweg“  über  Leubsdorfer 
Hammer,  Metzdorf,  am  Schellenberg  vorbei  nach  Chemnitz  ab. 

Die  directenWege  Freiberg-Rechenberg  und  Freiberg-Pass  von  Graupen 
werden  etwas  jünger  sein;  der  ältere  von  beiden  ist  wohl  der  Weg  nach 
dem  älteren  Pass  bei  Graupen,  der  auch  bezüglich  der  Localnamcn  Be- 
achtung verdient.  Von  Freiberg  zog  dieser  Weg  über  die  Hilbersdorfer 
Muldenfurth  durch  „das  Geheege“  bei  der  Kirche  über  die  Bobritzsch,  als 
„Geiersweg“  am  „Geiersberg“  vorbei,  als  „Bergstrasse“  durch  den  , .Lücken- 
busch“ und  Röthenbach,  den  Röthenbacher  Berg,  am  „Burgberg“  vorbei 
zur  Weisseritzfurtb,  von  hier  auf  dem  Rücken  empor  zur  „kahlen  Höhe“ 
als  „langer  Rainsteig“,  an  der  „faulen  Pfütze“  vorbei  durch  Hennersdorf, 
Ammeisdorf,  Schönfeld,  am  „Reinberg“  vorüber  durch  den  „grünen  Wald“, 
auf  dem  Rücken  als  „schwarzer  Leichenweg“  über  den  Pfaffenbusch.  Hinter- 
und Vorderzinnwald  bis  zum  Anschluss  an  die  uralten  Pässe  Graupen- 
Geiersberg. 

Ein  südlicher  Parallelweg  über  Weissenborn,  Frauenstein  wendet  sich 
den  jüngeren  Pässen  Moldau -Zaunhaus  zu. 

ln  den  alten  Graupener  Passweg  mündet  unweit  der  „kahlen  Höhe“ 
ein  Zweig  aus  dem  Gau  Sisani  über  Possendorf,  „Einsiedlerstein“,  Dippoldis- 
walde und  als  „Fürstenweg“  bis  zum  Anschluss  hinter  Sadisdorf. 

11.  Der  Plauensche  Grund  durchschneidet  den  alten  Gau  Nisani; 
beide  Theile  werden  durch  die  drei  Weisseritzfurthen  am  Vorwerk  Heils- 
J)erg,  bei  Potschappel  und  Plauen  verbunden,  nach  denen  alte  Wege  von 
Wilsdruff,  dem  Uebergangspunkt  nach  dem  Daleminzier  Gau  ausstrahlen. 
Durch  die  westliche  Furth  läuft  ein  Weg  Meissen-Prag  über  Wilsdruff. 
Braunsdorf,  „Hirschberg“,  Rabenau,  „Götzenbüschchen“,  an  der  „Klause“ 
vorbei  über  das  „steinerne  Messer“,  Dippoldiswalde,  Elend,  als  „Fürsten- 
weg“ über  den  „Windberg“,  „Ochsenteich“,  den  „hoben  Wald“,  „Schenkens 
Höhe“  bei  Falkenhain  und  von  hier  den  „Riesengrund“  westlich  über  „die 
Klinge“  umgehend  oder  ihn  bei  der  „Ladenmühle“  durchquerend  nach 
Altenberg,  am  „tiefen  Bach“  hinab  nach  Geising  und  über  den  „Schauhübel“ 
bei  der  „Wachsteinrücke“  vorüber  nach  dem  alten  Pass  von  Graupen. 

Eine  zweite  Verbindung  Meissen-Prag,  durch  Vermeidung  der  Kreuz- 
ungen tief  eingeschnittener  Thäler  bemerkenswerth  und  deshalb  älter, 
zweigt  schon  von  Sora  (Kneipe)  ab  und  läuft  über  den  „Kühbusch“  durch 
die  „Struth“  als  „Längenwe^*  später  „langer  Weg“  auf  dem  Rücken  nach 
Spechtshausen,  als  „breiter  Weg“  oder  „Klingenweg“  über  Grillenburg 
dicht  westlich  Klingenberg  am  rechten  Hochufer  des  Colmnitzbaches  auf- 
wärts durch  den  „I.ückenbuscb“,  sich  hier  an  die  erwähnte  alte  Freiberg- 
Graupcner  Strasse  anschliessend.  Die  Verbindung  vom  Lückenbusch  über 
Frauenstein  nach  dem  Rechenberger  Pass  scheint  etwas  jünger  zu  sein. 


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Der  mittleren  Furth  bei  Potschappel  strebt  der  Weg  von  Wilsdruff 
am  „wüsten  Berg"  vorbei  über  Wurgewitz,  seitwärts  des  „Burgwardberges“ 
zu,  dann  führt  er  über  Neucoschütz,  Coschütz  mit  dem  bekannten  Burg- 
wall, als  „Kohlweg“  über  Mockritz.  Leubnitz,  Lockwitz,  Dohna  und  damit 
in  das  Herz  von  Nisani.  Ueber  die  untere  Furth  Plauen  läuft  entsprechend 
ein  nördlicher  Parallelweg,  der  sich  in  Leubnitz  anschliesst. 

12.  Die  anscheinend  allerältesten  Erzgebirgsübergänge  heften  sich  an 
das  Plateau  zwischen  Dohna-Meusegast -Zehista;  ein  alter  Weg  zweigt  aller- 
dings schon  von  Lock witz  ab  und  läuft  über  Röhrsdorf,  den  „Blauberg“, 
„Lerchenhubel“,  Maxen,  „Heideberg“,  Hausdorf,  „Grimmstein“  dicht  öst- 
lich Cunnersdorf  nach  Glashütte,  über  den  „Sonnenberg“,  Börnchen  nach 
dem  „Schulhübel“,  wo  er  sich  in  den  Ast  über  Lauenstein,  Fürstenau, 
Graupen  und  in  einen  zweiten  über  den  Mühlberg,  Liebenau  nach  Geiers- 
berg oder  Kulm  spaltet. 

Von  Dohna  läuft  der  bekannte  alte  Weg  über  Eulmühle,  Seidewitz 
als  „alte  Strasse  über  den  Geiersberg“,  jetzt  „Kalkstrasse“,  über  den 
„Laurich“,  „Käferberg“  am  „Mückengeplerre“  (Waldstück)  und  „Scherbens 
Knochen“  vorbei  durch  Börnersdorf,  seitlich  „Scherbers  Berg“  nach  Breite- 
nau,  wo  er  in  den  zweiten  alten  Weg  mündet,  der  von  der  Eulmühle 
über  Seidewitz,  Friedrichswalde,  Rittergut  Gersdorf  nach  dem  „Jagdstein“ 
läuft  und  nun  den  Namen  „Königsweg“  und  „alter  Königsweg“  führt, 
sich  am  „Raithau“  vorbei  nach  dem  Forstorte  „Rennpläne“,  durch  Hart- 
mannsdorf am  „Lerchenhübel“  vorbei  nach  Breitenau  zieht.  Von  hier  läuft 
der  gemeinschaftliche  Weg  unter  dem  Namen  „alte  Töplitzer  Strasse“ 
nach  einem  Punkt  östlich  Fürstenwalde,  wo  sich  ein  Zweig  über  Strecke- 
walde nach  Nollendorf,  Kninitz  ablöst,  während  der  Stammweg  weiter 
südlich  bei  den  „schwarzen  Wiesen“  die  jetzige  Grenze  überschreitet  und 
fast  geradlinig  über  den  „Schauplatz“  nach  der  Kulmer  Kapelle  läuft, 
während  der  Weg  über  die  Ebersdorfer  Kircbe  nach  dem  Geiersberg  fast 
rechtwinklig  abbiegt,  ein  Zeichen,  dass  der  letztere  jünger  sein 
wird  wie  der  Kulmer  W’eg,  den  überdies  auch  die  erste  historische 
Erwähnung  betrifft:  Markgraf  Ekkehard  zog  1040  mit  einem  Sachsenheer, 
das  er  bei  Donin  versammelt  hatte,  auf  einem  W'eg,  der  bei  der  Burg 
Hlumec  (Kulm)  aus  dem  W'alde  in  das  böhmische  Land  tritt.  Diese  Burg 
wird  wohl  auch  in  dem  älteren  Berichte  von  1004  gemeint  sein,  nach 
welchem  der  vertriebene  Herzog  Jaromir  dem  siegreich  das  Erzgebirge 
überschreitenden  Kaiser  Heinrich  II.  eine  Burg,  die  so  recht  an  der  Thür 
des  Bühmerlandes  liegt,  übergiebt.  Dass  es  1126  mehrere  Pässe  gegeben 
hat,  geht  aus  der  Notiz  hervor,  der  Böhmenherzog  Sobeslav  babe  gegen 
ein  heranziehendes  deutsches  Heer  einige  der  Pässe  verhauen  und  ver- 
rammeln lassen. 

Nach  der  Art  der  Trassirung  und  der  Namen  der  Wege  scheint  der 
Weg  über  den  Laurich  der  älteste  zu  sein;  ihm  trat  seit  König  Wratislaw 
um  1080  der  wohl  von  ihm  eingerichtete  Königsweg  zur  Seite,  dem  er  an- 
scheinend die  Richtung  Breitenau -Jagdstein-Schäferbrunn  — östlich  bei 
Ottendorf  vorbei  — Galgenberg -Zehista  gegeben  hat.  Der  Verbindungsweg 
von  Seidewitz,  der  den  „Leiteugrund“  (Bahratbal)  zwischen  Friedrichs- 
walde und  Gersdorf  ohne  zwingende  Nothwendigkeit  für  eine  alte  Strasse 
kreuzt,  wird  später  hinzugetreten  sein. 

Der  älteste  W'eg  nach  dem  wegen  seiner  Höhe  besonders  günstig  ge- 
legenen Wasserscheideupunkt  Kninitz  über  Nollendorf  hat  sich  ohne 


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Zweifel  in  der  Gegend  der  Gersdorfer  Wände  und  der  „Rennpläne“  von 
den  hier  zusammeiüaufenden  Wegen  über  Seidewitz  und  über  Zehista  ab- 
gezweigt, um  bei  Gottleuba  das  Thal  zu  kreuzen  und  an  den  „14  Noth- 
helfern“,  dem  „Leichengründel“,  „wüsten  Schloss“,  „Wachstein“  und  „Huth- 
stein“  vorbei  auf  dem  Rücken  über  die  „Oelsener  Höhe“  östlich  vom 
„Sattelberg“  über  Schloss  Schönfeld  und  durch  den  „Kühbusch“  die 
Nollendorfer  Kirche  zu  erreichen. 

Dieser  nach  der  Trassirung  und  den  Localnamen  uralte  Weg  erhielt 
später  als  Concurrenz  eine  begünstigtere  östliche  Parallelstrasse,  die  sich 
schon  bei  Cotta  loslöst  und  über  den  „Ladenberg“,  Dürrhof,  Berggiess- 
hübel, den  „dürren  Berg“  nach  Hellendorf,  am  „Bocksberg“  und  der 
„Silbergrube“  vorbei  durch  Peterswald,  am  „Keibler“  vorüber  nach  Nollen- 
dorf  läuft  und  sich  in  der  Einsattelung  des  Gebirgskammes  bei  der  Kirche 
an  den  vorerwähnten  W'eg  anschliesst.  An  Verbindungswegen  zwischen 
den  beiden  Parallelstrassen  fehlt  es  nicht 

Kurz  ist  noch  des  Rückens  zwischen  Müglitz  und  Seidewitzbach  zu 
gedenken,  auf  dem  ein  W'eg  von  Dohna  ohne  jedwede  Thalkreuzung  bis 
Fürstenwalde  hätte  geführt  werden  können.  Nirgends  lassen  sich  aber 
die  charakteristischen  Spuren  eines  alten  Weges  entlang  dieses  Rückens 
erkennen;  der  hier  vorkommende  Name  „Langenbrückenberg“  ist  alter- 
thümlich,  kann  aber  einem  Localwege  sein  Dasein  verdanken. 

Die  unschwierigen  Seidewitzbachfurthen  an  der  Eulmühle,  bei  Zuschen- 
dorf und  Zehista  haben  wohl  in  ältester  Zeit  bestanden  und  sind  nicht 
als  ausschlaggebende  Verkehrshindernisse  angesehen  worden. 

Als  die  älteste  Passstrasse  wird  die  Richtung  Pirna-Dohna  über 
Zehista  -Rennpläne-  Gottleuba  - Oelsener  Höhe  - Nollendorf  - Kninitz  -Aussig 
anzusehen  sein.  Von  Aussig,  wo  die  Biela  mit  ihrem  altbesiedelten  Ge- 
biete in  die  Elbe  mündet,  führten  alte  Rückenwege  nach  Leitmeritz  sowie 
nach  den  Egerfurthen  und  Prag. 

Als  Nebenweg  ist  die  Verbindung  Pirna-Tetschen,  die  zum  Theil  den 
Namen  „hohe  Strasse“  führt,  zu  erwähnen. 

Die  ostelbischen  Nordsfidwege. 

Schon  unter  2a,  b,  c ist  eine  Reihe  paralleler  Wege,  die  das  Elbsand- 
steingebirge östlich  umziehen  und  sich  südlich  nach  Prag  oder  nach  den 
Iserfurthen  wenden,  erwähnt.  Den  Schlüssel  dieser  Wege  auf  böhmischer 
Seite  bilden  Tollenstein  und  Zwickau. 

12.  Nordsüdwege  laufen  von  den  Elsterübergängen  Mückenberg,  Ruh- 
land,  Senftenberg  in  das  Milzienerland,  ebenso  z.  B.  von  Hoyerswerda, 
Wittichenau  über  Nausslitz,  Crostewitz,  als  „kleine  Strasse“  über  Uhyst 
nach  Bischofswerda  und  weiter;  ferner  von  Hoyerswerda,  über  Königs- 
wartha,Neschwitz,  als  „Fisch  we  g“  auf  dem  Rücken  überGrosshänichen  eben- 
falls nach  Bischofswerda.  Ein  anderer  Südweg  zieht  von  Ratzen,  wo  alte 
Wege  von  Spremberg  und  Muskau  zusammcnlaufen,  am  „Lerchenberg“  vor- 
bei über  Radibor,  Cölln,  Salzförstgen , Weissnausslitz,  „Kleeschänke“, 
Tautewalde,  „Dahrener  Berg“,  Weifa,  „Jerkens  Berg“,  Wehrsdorf,  Mittel- 
sohland  nach  Schluckenau  zum  Anschluss  in  Zeidler  an  die  alte  Tollen- 
steiner Strasse.  Dieser  Nordsüdweg  läuft  möglichst  auf  der  Höhe  und 


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dürfte  daher  älter  sein  als  der  in  Radibor  abzweigende  östliche  Parallelweg 
die  Bautzener  Spreefurth,  die  Münchswalder  Spreefurth,  die  „Adler- 
schenke“, Kleinpostwitz  zum  Wegknoten  Kirschau,  Schirgiswalde,  I'eters- 
bach  bis  zum  Anschluss  in  Mittelsohland  an  den  Ostweg. 

Besonders  beachtlich  ist  der  schon  gestreifte  Südweg,  der  in  Löh  au, 
wo  ein  System  von  alten  Wegen  nach  den  Neissefurthen  zwischen  Zittau 
und  Radmeritz  (Joachimstein)  abzweigt,  sich  südlich  in  gerader  Richtung 
nach  Zwickau  wendet,  sich  bis  zur  „Landbrücke"  nördlich  Waltersdorf  in 
Parallelwege  theilend.  Der  westliche  Weg  läuft  über  „Nonnenberg",  Gross- 
schweidnitz, Kottmarsdorf,  die  „Tümmeln“,„Spreehorn“,Gersdorf,  „Wechsel- 
stein“, „Stachelhergelchen“,  Seifliennersdorf,  die  „Leutherau“,  am  „Burg- 
berg“ vorbei  über  Warnsdorf  zur  Landbrücke.  Der  Ostweg  zieht  als  „hoher 
W'eg"  dicht  westlich  Niedercunnersdorf  über  „Steinglanz“,  wo  der  alte 
Kirschau-Zittauer  Weg  üherschnitten  wird,  am  „Haderplan“  vorbei,  als  „Leier- 
oder Grasweg“  dicht  westlich  um  den  „Kottmar“  am  „Jockelsberg“  und  west- 
lich am  „Spitzberg“  vorüber  über  den  „Pfaffenberg",  die  „Dreibome  Wiese“, 
am  „Weissenstein“  und  „Schwarzenstein“  vorbei  über  einen  zweiten  Pfaffen- 
berg zur  Land  brücke.  Eine  östlich  den  Kottmar  umziehende  Variante  durch 
Nieder-  und  Obercunnersdorf  trägt  den  Namen  , .Viehweg  oder  Königstrasse“, 
führt  über  den  „Hungerbrunn“,  den  „Rötherberg“,  um  sich  in  Eihau  an  den 
vorigen  Weg  wieder  anzuschliesscn.  Auch  hier  kann  an  König  Wratislaw  oder 
einen  späteren  böhmischen  König  gedacht  werden,  die  längere  Zeit  Milska 
beherrschten,  Heerzüge  von  Böhmen  über  Bautzen  gegen  Meissen  unter- 
nahmen und  dieseWegvariante  wohl  angelegt  haben  können.  Schon  vom  Feld- 
zug 1004  wird  berichtet,  dass  Kaiser  Heinrich  II.  nach  seinem  Uebergang 
(bei  Kulm?)  nach  Böhmen  wieder  zurückgeht  auf  unwegsamen  Pfaden 
nach  Bautzen,  wo  er  eine  Besatzung  zurücklässt.  Nach  den  bisherigen 
Erörterungen  fallen  diese  „Pfade“  entweder  in  die  Richtung  über  Zwickau 
und  Löhau  oder,  was  nicht  unwahrscheinlich  ist,  in  die  anscheinend  alte 
Abzweigung  vom  Spreeborn  bei  Gersdorf  am  , schlechten  Berg“,  „Bauer- 
berg“, „Euchslöcherberg“  nach  den  neuen  Häusern  östlich  Cunewalde.  Vom 
Pass  an  der  Lausche  bis  hierher  läuft  dieser  alte  Weg  fast  gerad- 
linig. An  dieser  Stelle  weicht  der  Weg  mit  westlicher  Umbiegung  den 
Bergen  von  Wnischke  aus,  zieht  als  Brettstrasse  über  Schönberg,  Kosel, 
zwischen  „Schmorz“  und  „Drohmberg“  hindurch  über  Strehla  nach  Bautzen. 
Die  Trassirung  dieses  sich  möglichst  auf  den  Rücken  haltenden,  schlank 
hinlaufenden  VVeges  lässt  in  der  That  auf  ein  höheres  Alter  schliessen. 
Von  der  Landbrücke  aus  läuft  auch  ein  anscheinend  alter  Weg,  sich  in 
Seifhennersdorf  vom  genannten  ablösend,  am  „Gockelberg“,  „Kuhberg“, 
„Föppelberg“  vorbei  nach  Altgeorgswalde  und  weiter  über  Oppach,  sich 
nach  den  alten  Spreefurthen  Kirschau  und  Postwitz  gabelnd.  Von  hier 
findet  dann  die  weitere  Fortsetzung  nach  Bautzen  statt.  Es  wird  schwer 
sein,  unter  den  in  Frage  kommenden  alterthümlichen  Wegverbindungen 
jenen  unwegsamen,  also  damals  noch  wenig  ausgefahrenen  „Pfad“  vom 
Jahre  1004  ausfindig  zu  machen.  Jedenfalls  ist  dabei  auch  der  fast  gerad- 
linige Südnordweg  von  Prag  über  Melnik,  Sandau,  Zeidler,  Kirschau  nach 
Bautzen  unter  2c  in  Betracht  zu  ziehen,  dessen  Vorhandensein  bereits  im 
Jahre  1004  sehr  wahrscheinlich  ist. 

Zu  erwähnen  sind  noch  die  alten  Parallel-Strassen  westlich  der  Neisso 
zwischen  Görlitz  und  Zittau,  die  theils  am  Hochuferrande,  theils  über  die 
Rücken  führen. 


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Die  mittleren  West- Ostwege. 

Zwischen  den  rein  östlichen  alten  Halleschen  Salzstrassen  und  der 
nordböhmischen  Querstrasse  ziehen  sich  noch  Westostverbindungen  hin, 
die  vereinzelt  schon  berührt  wurden,  hier  aber  noch  kurz  zu  erwähnen  sind. 

14.  Mit  dem  Aufkommen  Leipzigs  und  Grossenhains  verschob  sich  der 
Haupttheil  des  Verkehrs  Halle,  Eilenburg,  Beigem  und  Strehla  auf  die 
bekannte  Hohestrasse,  die  via  regia  der  Urkunden,  bei  deren  Benutzung 
von  Leipzig  aus  die  drei  Uebergänge  Eilenburg,  Wurzen,  Grimma 
wahlweise  frei  gegeben  waren.  Der  Elbübergang  fand  in  Boritz-Mersch- 
witz  statt.  Näher  auf  diesen  bekannten  Strassenzug  und  auf  seine  späteren 
Varianten  einzugehen,  kann  hier  unterbleiben. 

Auch  auf  die  in  der  alten  Elsterfurth  Eythra  sich  sammelnden  und 
östlich  weiter  ausstrahlenden  Wege  ist  bereits  unter  4 und  6 hingewiesen 
worden. 

Der  nächste  Ostweg  lief  von  Weissenfels  über  Zorbau,  Steckelberg, 
„Zotzsch“,  Grossgrimma  als  „Ochseuweg“  nach  Pegau,  Borna  (No.  6b), 
weiter  über  den  „alten  Strassenteich“,  Flössberg  mit  „Schlossberg“,  das 
„Schlangenloch“,  Lausigk,  Ballendorf,  die  „Einsiedelwiese“,  die  „Brauuicke“, 
das  „Dornicht“  nach  Colditz  und  auf  erwähnten  Wegen  (4b)  weiter. 

Weiter  südlich  folgt  der  Ostweg  von  Naumburg  über  Pretsch  nach 
Zeitz  und  Altenburg  und  östlich  weiter  über  Clause,  Lohma,  die  Strassen- 
häuser  Beiern  am  , .Messberg“,  Steinbach  am  „Mäuseberg“,  den  „Zeissig“ 
nach  Penig.  Von  Altcnburg  läuft  ein  alter  Weg  über  den  „weissen  Berg“ 
(hier  wie  bei  Prag  am  Punkte  des  Zusammeulaufens  der  Wege  dicht  vor 
der  Stadt  gelegen,  also  vielleicht  „wegweisender  Berg“),  Bocka,  Gnand- 
stein, Kohren,  Ossa  nach  Bochlitz  und  weiter. 

Schon  von  Zeitz  trennt  sich  ein  nördlicher  Zweig,  der  über  Lucka, 
Kamsdorf,  am  „Geiersberg“  vorbei  nach  Haselbach,  Treben,  als  „alte  Strasse“ 
nach  Frohburg,  über  Greifenhain  als  „Heerstrasse“  durch  Ebersbach  und 
als  „grüner  \Veg“  nach  Colditz  läuft.  Von  Frohburg  trennt  sich  ein  Weg 
über  Koda  nach  Kochlitz  ab,  der  entweder  über  Geithain  und  „Gickels- 
berg“ oder  auf  dem  anscheinend  sehr  alten  Kückenweg,  dem  „Laagweg“ 
(lag  = Ordnung,  Gesetz,  also  „Kechtsweg“)  über  Breitenborn  läuft. 

15.  Für  Sachsen  von  Bedeutung  ist  der  Ostweg  von  der  Saalefurth 
Kahla  über  die  Leuchtenburg,  Koda,  St.  Gangloff,  „Lerchenberg“,  Gera, 
Konneburg,  „Raitzhain“,  Stolzenberg,  Posterstein,  Sommeritz,  als  „Krieger- 
stnisse“  über  Ponitz  nach  Meerane,  Gesau,  bei  Glauchau  über  die  Mulde, 
über  den  „Schcerberg“,  den  Lungwitzbach,  durch  das  „Audorf“,  über  den 
„Elsterberg“  immer  auf  dem  Rücken  über  den  „Kirchberg“,  die  „Katze“, 
den  „Rödenberg“,  dicht  nördlich  Hohenstein  und  Wüstenbrand,  den  „Todten- 
stein"  nach  Rabenstein  und  als  „Hartstrasse“  nach  Chemnitz  hinlaufend, 
wo  Anschluss  an  die  alten  Ostwege  gefunden  wird.  Sowohl  die  Trassirung 
wie  die  Ortsnamen  sprechen  für  ein  hohes  Alter  dieses  Weges. 

16.  Von  der  Saalefurth  Orlamünde,  Hummelshain  läuft  ein  alter 
Ostweg,  der  sich  mit  der  ,. hohen  Strasse“  von  Pössneck  bei  Rosendorf 
vereinigt,  über  Zwackau  nach  Triptis,  wo  iler  alte  Rückenweg  von  Saal- 
feld  anschlicsst,  Oestlich  setzt  sich  diese  Richtung  fort  über  Nieder- 
])öllnitz  nach  Weida,  Veitsberg,  Pohlen,  Vogelgesaug,  Mannichswalde  nach 
Crimmitschau  und  weiter,  ^'on  Weida  entsendet  diese  alte  Oststrasse 
einen  Zweig  über  Berga,  Klein-Gundorf,  den  „Diebskeller“,  Katzendorf, 


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Trünzig  mit  der  „Wache“,  als  „Laiidsteig“  über  Stöcken,  als  Querweg  zur 
alten  Strasse  von  Ronneburg  nach  Werdau  und  von  hier  über  den  „Wind- 
berg“ nach  Zwickau. 

Von  dem  wichtigen  Verkehrsknoten  Saal  fehl  läuft  ein  zweiter  Ost- 
weg über  Schleiz  und  von  hier  sich  spaltend  über  l’ausa,  „Wacbbolder- 
schenke“,  Dobia,  Wellsdorf,  Trifle  nach  (ireiz  und  andererseits  über  Mübl- 
troflf,  Scbönberg,  über  Demeusel,  als  „Plauenscber  Steig“  über  Leubnitz, 
den  „Kübberg“,  „Scbneckengrün“,  am  „Weisenstein“  (wohl  wegweisender 
Stein?)  die  alte  Richtung  l'ausa-Strassberg  kreuzend,  Neundorf  mit„Wartb- 
hübel“,  „Ochsenhübel“  nach  Plauen. 

Von  Saalburg  über  Culm  und  Zollgrün,  Unterkoskau  läuft  ein  Ost- 
weg nach  Stelzen,  wo  er  sich  in  die  Richtungen  nach  den  Elsterfurthen 
Plauen,  Strassberg,  Kürbitz  und  W' eischlitz  verästelt. 

17.  Jenseits  Plauen  schliessen  sich  bemerkenswerthe  alte  Ostwege 
an.  Zunächst  der  südlichere  über  Friesen,  Mockeigrün  mit  dem  „ Z sch  oc  kau- 
berg“, „Plauerberg“,  Schönau,  „Rammelberg“,  Auerbach,  „Ameishübel“, 
Scbnarrtanne,  „Lauberg“,  Schönheide,  Eibenstock,  das  „hohe  Thor“,  Zinimer- 
sacher,  Sosa,  zu  beiden  Seiten  des  „Sonnenberges“  als  „Tollberger  Weg“ 
und  „neuer  Weg“,  über  den  „Fellberg“  nach  Breitenbrunn  zum  Anschluss 
an  den  Pass  bei  Ilalbmeil,  über  den  „llabnberg“  nach  üottesgab,  VViesen- 
thal,  Königsmühle,  Oberhals,  Kupferberg,  Kaaden.  Ein  nur  wenig  nörd- 
licherer Parallelweg  läuft  von  Plauen  über  Thosfell  nach  Treuen  als 
„Königstrasse“,  südlich  Eich  über  den  „hohen  Brunnen“  nach  Rode- 
wisch, als  „Kohlstrasse“  und  „hohe  Strasse“  durch  den  ,, Ringswald“  nach 
Sehnarrtanne  zum  Anschluss  an  den  südlicheren  Weg,  setzt  sich  aber  auch 
von  Rodewisch  selbständig  östlich  fort  über  den  „Judenstein“,  „kalten 
Frosch“,  Oberstützengrün,  den  „hohen  Stein“,  als  „alte  Strasse“  über  den 
„kalten  Born“  bei  dem  Forstorte  „fröblicbe  Zusammenkunft“,  Zschorlau, 
Bockau  nach  dem  alten  Wegkuoten  Schwarzenberg.  Von  hier  läuft  der 
Weg  über  den  „Graul“  an  der  „Oswaldskirche“  vorbei  nach  Elterlein,  am 
„Zieg“  und  an  der  „Wahrsage“  vorbei  über  Geyer,  „Streitberg“,  „kalten 
Mufif“  nach  Wolkenstcin.  Von  diesem  wichtigen  üebergange  laufen  alte 
Wege  nach  den  erwähnten  Pässen  Reitzeidiain-Rübenau;  der  Ostweg  aber 
zieht  in  Parallelwegen,  deren  jeder  den  Namen  „Fürstenweg“  und  weiterhin 
„Seydenweg“  trägt,  der  nördliche  über  Rauenstein,  der  südliche  über  den 
,,Flöhberg“,  Görsdorf,  den  „Ochsenberg“  nach  Mittelsayda.  Von  hier 
setzt  sich  der  Weg  wie  erwähnt  nach  Freiberg,  aber  auch  nach  dem  Gau 
N'isaui  fort  über  Zethau,  durch  die  Fürthen  in  Mulda,  Lichtenberg  und 
Pretzschendorf,  hier  einen  Ast  über  Dippoldiswalde  und  einen  anderen  in 
den  Plauenschen  (irund  entsendend,  der  als  „Fürstenweg“  oder  „Butter- 
steig“ vor  Höckendorf  sich  der  „Butterstriisse“  oder  „Mittelgebirgischen 
Strasse“  von  Rechenberg-Frauenstein  anschliesst  und  mit  ihr  gemein- 
schaftlich über  Somsdorf  nach  Cossmannsdorf  läuft. 

Die  Hof-Chemnliz-Dresden-Bautzener  Stra-sse. 

Den  Schlussstein  bildet  dieser  bekannte  Ostweg,  dessen  Ausbildung 
in  das  Ende  des  für  diese  Studio  bemessenen  Zeitraums  fallen  dürfte  und 
der  bald  nachher  zu  hoher  Bedeutung  gelangte. 

18.  Von  Hof  nach  Zwickau  lassen  sich  drei  Parallelwege  unter- 
scheiden, deren  mittlerer  die  ehemalige  hohe  Strasse,  jetzt  die  Chaussee 


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darstellt;  er  läuft  von  Hof  über  den  „Labyrinth-Berg“  bei  „Blosenberg“, 
„Wiedersberg“  und  dem  „alten  Schlosse  Haag“  mit  den  nachbarlichen 
Localnamen  „Weisenstein“  (wegweisender  Stein'?),  „Wachhübel“,  die 
„Beuten“,  der  „graue  Stein“  über  den  „Kronenberg“,  Zöbeu,  durch  die 
Elsterfurth  „Rosenthal“  über  Siebenhitz,  die  Sonne,  neben  dem  „Glocken- 
berg“ vorbei  über  den  „Posthübel“  nach  der  Elsterfurth  Plauen,  wo  der 

Weg  sich  in  zwei  alte  Hauptrichtungen  gabelt;  die  westliche  läuft  als 

„alte  Strasse“  am  „Warthberg“,  „Strassenhübel“  vorbei  über  Pöhl,  den 
„Scheerhübel“,  „Kuhholz“,  „Marktpöhl“,  die  „Possecke“,  wo  nicht  nur 
die  alte  Verbindung  Elsterberg-Treuen  gekreuzt  wird,  sondern  sich  auch 
ein  alter  Weg  über  die  Gölzschfurth  Mylau  als  „Kutschenweg“  über 
Brunn  nach  Werdau  zum  Anschluss  an  die  Pleissethalstrasse  nach  Alten- 
burg ablöst.  Von  der  Possecke  läuft  der  Weg  über  Limbach  nach  Reichen- 
bach aus  als  „alte  Strasse“  dicht  östlich  bei  Reichenbach  vorbei  über  die 

„Hölle“,  das  „Brandei“,  als  „Marktsteig“  beim  „Katzenschwanz“  vorbei 
durch  Ebersbrunn,  Planitz  nach  Zwickau.  Der  später  zur  Chaussee 
ausgebaute  Weg  zieht  sich  durch  die  Stadt  Reicbenbach,  hier  einen  Zweig 
nach  dem  erwähnten  Kutschenweg  aussendend,  über  Neumark,  Schönfels, 
Stenn  am  „Götzenbusch“  vorbei  zum  Anschluss  an  die  eben  erwähnte 
Strasse  über  Planitz  oder  (als  Chaussee  ausgebaut)  über  den  „Liebberg“, 
„rothen  Berg“  nach  Zwickau.  Ein  anscheinend  älterer  Parallelweg  von 
Neumark  führt  über  den  „langen  Berg“,  „Kuhberg“  nach  Altschönfels. 

Der  östliche  Weg  von  Plauen  läuft  über  den  „Weinberg“,  als  „Lengen- 
felder  Weg“  über  die  „Warthe“,  Altensalz  mit  dem  „Pfannenstiel“,  nach 
Thossfell  mit  der  „Warthe“  und  dem  Flurorte  „Zetergeschrei“.  Hier 
schliesst  der  später  zu  erwähnende  alte  Weg  Hof-Üelsnitz  sich  an;  von 
hier  trennen  sich  wiederum  die  eben  vereinten  Pfade  in  den  Weg  nach 
Altenlmrg  und  den  nach  Zwickau.  Ersterer  läuft,  ein  echter  Rückenweg,  als 
„Oelsnitzer  Steig“  über  Pfaffengrüu,  „krumme  Birke“,  an  der  „Igelstaud“ 
vorbei  über  den  „Mylberg“  zur  Elsterfurth  Mylau;  letztere  zieht  als 
„Königstrasse“  durch  Treuen,  als  „alte  Strasse“  über  die  Gölzschhäuser 
beim  „Zigeunerholz“  vorbei  nach  dem  Katzenschwanz  und  Ebersbrunn, 
wo  die  alten  Wege  von  Plauen  nach  Zwickau  sich  vereinigen. 

Hier  ist  eines  alten  Rücken weges  zu  gedenken,  der  sich  vom  Katzen- 
schwanz südlich  abzweigend  über  den  „Forellenteich“,  „Lerchenberg“,  als 
„Waldstrasse“  über  den  „Wachthübel“  westlich  bei  Plohn  und  Abhorn 
vorbei  (hier  die  ,, Finkenburg“,  wohl  = Funkenburg'?)  sich  nun  östlich 
durch  die  „Zeidelweid“,  „Rebesbrunn“  zum  Anschluss  am  „Judenstein“ 
an  den  alten  Ostweg  17  über  Stützengrün  wendend  hinzieht. 

Von  Hof  führt  ein  östlicher  Parallelweg  nach  Altensalz -Thossfell 
zum  Anschluss  an  den  mittleren  Weg  über  Plauen;  er  überschreitet  bei 
Gassenreuth  zwischen  der  „alten  Schanze“  und  dem  „alten  Schloss“  die 
Wasserscheide  und  ist  bereits  unter  6e  erwähnt. 

19.  Zu  gedenken  ist  des  westlichen  Weges  nach  Plauen  ohne  Elster- 
kreuzung, der  sich  allerdings  weniger  stark  ausgeprägt  über  Tropen, 
Mar.\grün,  Kröbes,  am  Burgstein  über  Schwand  mit  dem  „Schutzberg“, 
den  „Butteriiöhl“  und  „Gö8snitzberg“nacli  Strassberg  und  über  den  „Glocken- 
berg“ nach  Plauen  hinzog,  sich  auch  weiter  bis  zur  Elsterfurth  in  Elster- 
berg über  Vorwerk  Heidenreich,  „Strassenteich“,  Jössuitz,  „Auspanu“  und 
„Görschiiitzberg“  fortsetzte. 


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20.  Zwischen  Zwickau  und  Freiberg  lassen  sich  ausser  dem  zur 
Chaussee  ausgebauten  Wege  noch  Nebenrichtungen  erkennen.  Der  Haupt- 
weg kreuzt  das  Muldenthal,  läuft  über  den  „Brandberg“  mit  der  „Funken- 
burg“ über  Lichtenstein,  den  „Chemnitzer  Berg“  durch  das  Lungwitzthal 
und  Kappel bachthal  nach  Chemnitz,  durch  diese  Linienführung  in  den 
Thalauen  seine  Entstehung  erst  um  etwa  1100  wahrscheinlich  machend. 
Von  Chemnitz  läuft  die  Chaussee  in  sichtlich  neuerer  Trassirung  durch  den 
Zeisigwald,  die  „Flöher  Aue“,  Gückelsberg,  die  „Ausspannung“,  Oederan, 
das  „kalte  Feld“,  in  älterer  Richtung  über  Rittergut  Oberschöna  am 
„Geiersberg“  und  „Fernesiechen“  nach  Freiberg. 

Die  älteste  Wegrichtung  zwischen  Chemnitz  und  dem  alten 
Wegknoten  Oederan  wird  nach  den  Trassirungsgrundsätzen  für  älteste 
Wege  sich  von  Chemnitz  hingezogen  haben  als  „Fürstenweg“  entweder  am 
„Beuthenberg“  vorbei  direct  durch  Euba  nach  Plaue  oder  etwas  süd- 
licher nächst  der  Eubaer  Kirche  über  den  „Katzenberg“  ebendahin.  Von 
der  Zschopaufurth  Plaue  durch  die  „Schweddei“  führt  über  den  „Küh- 
stein“  der  Leithenweg  nach  der  Flöhafurth  Falkeuau,  so  dass  ganz  folge- 
richtig die  Flusskreuzung  vor  der  Vereinigung  in  Flöha  stattfindet.  Von 
hier  erstieg  der  alte  Weg  die  Thalgehänge  entweder  über  das  Mühlfeld 
(wo  die  Gückelsberger  Strasse  durchläuft)  oder  über  den  „Schussberg“ 
am  Höllengrund  direct  der  „Ausspannung“  zustrebend. 

Interessanter  ist  der  südliche  Parallelweg  von  Zwickau  nach 
Chemnitz.  Von  Zwickau  läuft  die  erwähnte  „Freytagstrasse“  bis  zum 
„Zschockenberg“  (von  althochd.  suochan  = suchen,  eigentlich  sich 
anhängen?),  einem  sehr  alten  Wegknoten,  von  wo  der  Rückenweg  nach 
Chemnitz  als  „Pflockenstrasse“  über  das  Jägerhaus,  Ursprung,  als  „Fürsten- 
weg“ um  Neukirchen  und  westlich  Helbersdorf  nach  Chemnitz  zieht. 

Aus  der  Freytagstrasse  zweigt  ein  Cliemnitz  völlig  südlich  umgehender 
Weg  nach  Freiberg  am  „Käseberg“  ab,  läuft  über  Hartenstein  bei  Beutha 
oder  Waitzengrün  vorüber  nach  dem  „Katzstein“  oder  „Drachen fels“ 
(draha  = Weg),  „Ellbogenthor“,  „Brand“  und  „Martinsberg“  in  die 
Nähe  des  „grossen  Steins“,  einer  alten  Wegkreuzungsstelle.  Von  hier 
läuft  der  Kückenweg  weiter  als  „Eisenweg“  und  „Zeller  W'eg“  (Klösterlein 
Zella  bei  Aue)  über  die  „Tabaktanne“,  das  „schwarze  Kreuz“,  das  „Höllen- 
loch“, durch  das  „Rollholz“,  am  „Drachenstein“  und  „Geiersberg“  vor- 
über, bei  Einsiedel  die  Zwönitz  (richtiger  die  Chemnitz  zu  nennen)  kreuzend, 
als  „Fürstenweg“,  „Heege  oder  Spurweg“  am  Adelsberg  vorbei,  den 
„Galgenberg“  südlich  Euba  erreichend,  von  wo  er  sich  fortsetzte  über  die 
Zschopaufurth  nördlich  Erdmannsdorf,  am  „Lilienstein“  und  „Schellenberg“ 
vorüber  nach  Metzdorf  und  als  schon  erwähnter  „Rosenweg“  nach  Freiberg. 
Von  diesem  fast  alle  alten  Wegnamen  tragenden  anscheinend  sehr 
alten  Höhenwege  zweigen  sich  ebenfalls  alterthümliche  Verbindungswege 
nach  verschiedenen  Seiten  ab,  die  hier  nicht  weiter  zu  verfolgen  sind. 

Hier  mag  noch  gelegentlich  einer  weiter  südlich  parallel  gelegenen 
Verbindung  gedacht  werden,  die  in  Schwarzenberg  ansetzt,  um  über  Elter- 
lein, als  „8“  oder  „Fürstenweg“  über  die  „Winterleithe“,  die  „Kutten“, 
die  „Abschiedstanne“,  am  „Wilden  Mann“,  über  die  „Honigwiese“,  das 
„Rabenholz“,  als  „breiter  Weg“  und  „Kohlweg“  beim  Steinberg  vorbei  auf 
dem  Rücken  nördlich  des  „Göckelsbergs“  über  den  „Ameisberg“,  als  „Eisen- 
strasse“, bei  Zschopauthal  diesen  Fluss  durchfurthend,  über  die  „Waldkirche“, 
Grüuhainichen,  Borstendorf,  Eppendorf,  Langenau,  Freiberg  zuzustreben. 


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Der  Trassirimg  nach  ist  auch  eine  Verbindung,  die  sich  mit  Zweigen 
an  die  Nachbarfurthen  Plaue  und  Falkenau  ansetzt,  um  fast  rein  südlich 
den  Anschluss  an  den  alten  Strassenknoten  auf  der  Hilmersdorfer  Höhe 
bei  Lauta  zu  suchen,  von  gleichem  Alter  wie  die  von  hier  abzweigende 
Gruppe  von  Gebirgsübergängen.  Dieser  Weg  läuft  über  „Schellenberg“,  den 
„Ileuterberg“  nach  der  „Waldkirche“,  Börnichen  streifend,  über  die  „kalte 
Küche“,  den  „Donnersberg“  im  „Bomwald“,  am  „Zeisighübel“  und  der 
„Heinzebank“  vorbei. 

21.  Von  Freiberg  werden  die  ältesten  Wege  sich  an  die  vor  dem 
Aufkommen  Dresdens  vorhandenen  Wege  zunächst  angeschlossen  haben, 
also  an  die  Richtungen  von  Wilsdruff  über  Potschappel  oder  Plauen  nach 
Leubnitz,  l.ockwitz,  die  übrigens,  was  noch  unerwähnt  geblieben  ist,  eine 
naturgemässe,  anscheinend  alte  Fortsetzung  über  Gommern,  Mügeln  zur 
Elbfurth  Birkwitz,  über  „Lohecke“,  „steinerne  Brücke“,  „Lerchenberg“, 
Lohmen  bis  zum  Anschluss  an  Hohnstein  findet. 

Der  directeWeg  läuft  von  Freiberg  in  Richtung  Dresden  über  die  Mulden- 
furth bei  Halsbach  am  „Hammerberg“  über  Naundorf,  wo  die  Salzstrasse  (4c) 
östlich  nach  Dohna  abzweigt,  in  zwei  Parallelwegen:  westlich  über  das 
„Kellerbrückchen“,  als  „Fürstenweg“  am  „Tellhayn“  und  „Laux“  vorbei, 
als  „breiter  Weg“  neben  dem  „Ascherhübel“,  Spechtshausen,  als  „Hipweg“ 
über  Braunsdorf,  Kesselsdorf  zum  Anschluss  an  die  ältesten  Wege  nach 
Nisani  (11).  Der  östliche  Parallelweg  läuft  als  Chaussee  ausgebaut  über 
„Mückensack“,  „Grüllenburg“,  „gebrannte  Stein“,  „Borchelsberg“  als 
„Fürstenweg“  ebenfalls  nach  Braunsdorf  oder  als  „Holzstrasse  oder  Wald- 
weg“, Braunsdorf  nördlich  umgehend,  direct  nach  Kesselsdorf.  Beide 
Parallelwege  tragen  die  Kennzeichen  alter  Trassirung.  Bei  Borchelsberg 
zweigt  ein  Weg  ab,  der  als  „Jagdweg“,  „Winkelweg“  den  Schlotitzgrund  nicht 
umgeht,  sondern  bei  Tharandt  durchquert  und  über  den  „Schlafberg“  als 
„hoher  Weg“  nach  Döhlen  zum  Anschluss  an  die  alte  Weisseritzfurth 
Potschappel  führt. 

Von  der  Dohnaer  Salzstrasse  (4  c)  zweigt  bei  Obercunnersdorf  ein  Weg 
ab,  der  über  den  „Mückenberg“  an  der  „Geierswacht“  vorbei  über  die 
„Capelllinde“,  „Martersäule“,  „W'eissenstein“,  Grossölsa,  neben  dem 
„Lerchenberg“  nach  der  Anhöhe  die  „Laue“  bei  Börnichen  hinzieht, 
von  wo  er  sich  nach  den  Ortschaften  im  Gau  Nisani  verästelt,  dabei 
auch  einen  Zweig  über  den  „Käferberg“,  „Gohligberg“,  am  ,, Lerchenberg“ 
vorbei  über  den  Horkenberg,  den  Kaitzbach  umgehend,  oder  direct  über  den 
„Läuseberg“,  „Thonberg“,  am  „Bothenberg“  vorbei  nach  Dresden  entsendend. 

Westlichere,  wohl  jüngere  Verbindungen  laufen  von  Freiberg  über  Hutha, 
Grund-Mohorn,  Herzogswalde,  Grumbach  nach  Kesselsdorf. 

Auch  der  Weg  von  Freiberg  über  Plankenstein,  der  sich  an  die 
Richtung  Wilsdruff-Eula-Nossen  hier  anschliesst,  ist  jünger  wie  diese 
Richtung  selbst  gegenüber  dem  älteren  Triebischtlnalübergang  bei  Munzig 
und  dem  wohl  noch  älteren  Uebergaug  bei  Roitschen  mit  den  alten  Local- 
namen Geiersherg,  Kuhberg,  Moderloch,  Schanze. 

22.  Jenseits  von  Dresden  theilen  sich  die  Wege  an  der  Priessnitz- 
furth,  zu  beiden  Seiten  des  „Meisenbergs“  (von  mezi  = zwischen?)  westlich 
nach  Radeberg  am  „Brodberg“,  „Hengstberg“,  „Erzberg“,  „Dachsenberg“ 
vorbei  nach  Radeberg  und  weiter  nach  Bautzen,  östlich  über  den  weissen 
Hirsch,  Ouohreu,  als  „alte  Poststrasse“  über  Possendorf  nach  Stolpen  oder 
Bischofswerda  und  Bautzen  führend. 


49 


Zu  erwähnen  ist  der  „Bischofsweg“  von  Meissen  über  Klipphausen, 
der  hei  Briesnitz  die  Elbe  übersetzt,  Dresden  umgeht  und  die  Priessnitz 
etwa  300  m nördlich  des  vorigen  Weges  durchfurthet,  sich  auch  in  diesem 
Abstand  nördlich  parallel  der  alten  Radeberger  Strasse  hinzieht,  hinter 
dem  Brodberg  sich  mit  dieser  auf  eine  Strecke  vereinigt,  sie  vor  der 
„Hengstbrücke“  verlässt,  als  „Haackschaar  oder  Bischofsweg“  hinzieht  und 
über  Ullersdorf  mit  dem  „Todtberg“  kurz  vor  Wilschdorf  die  Haupt- 
strasse erreicht. 

Welche  Bedeutung  die  Dresdener  Elbfurth  vor  der  Verlegung  des 
Markgrafensitzes  dahin,  also  in  ältesten  Zeiten  gehabt  hat,  ist  schwer  zu 
construiren.  Der  sich  westlich  der  Priessnitz  bis  dicht  an  die  Elbe  ziehende 
leicht  gangbare  Landrücken  wird  einen  Uebergang  an  dieser  Stelle  von 
jeher  begünstigt  haben,  deshalb  werden  die  Wegrichtungen  Dresden- 
Scheunhöfe-Hechts  Weinberg  oder  Wilder  Mann-Boxdorf-Kreyer  und  weiter, 
sowie  Dresden-Königsbrücker  Strasse-Reiterexerzirplatz-Klotzsche,  am  „Eier- 
busch“ und  „hohen  Berge“  vorbei  über  Gommlitz,  Lausa  nach  Okrilla 
und  weiter  aus  ältester  Zeit  stammen,  ebenso  wie  die  erwähnten  Zweige 
nach  Radeberg  und  Quohren,  sowie  endlich  die  Seitenzweige,  die  der  unter 
2 c erwähnte  ostelbische  Parallel  weg  f nördlich  Dresden  Rennsteig  genannt) 
nach  der  Dresdener  Furth,  insbesondere  von  Kötzschenbroda  und  Rade- 
beul ausgesendet  hat. 


Wenn  wir  die  vorstehende  knapp  gefasste,  nur  durch  Stich worte  be- 
zeichnete  Darstellung  des  Wegnetzes  in  Sachsen  und  seiner  Anschlüsse 
in  der  Zeit  von  800  bis  1200  überblicken,  so  ist  sofort  zu  erkennen,  dass 
dieser  erste  Versuch  nichts  Abgeschlossenes  bieten  kann.  So  manche  alte 
Wege,  die  sich  von  selbst  aufdrängen,  liegt  nur  einmal  das  Hauptgerüst 
fest,  sind,  um  nicht  zu  weitläufig  zu  werden,  unbenannt  geblieben,  andere 
haben  wieder  gelegentlich  4ufnanme  gefunden,  obschon  sie  wahrscheinlich 
der  unmittelbar  folgenden  Periode  etwa  1200  bis  1400  angehören.  Nirgends 
wird  aber  das  Gegebene  in  Widerspruch  mit  dem  im  Specialkartenbilde 
niedergelegten  thatsächlichen  topographischen  Material,  noch  mit  den  spär- 
lichen historischen  Notizen  stehen.  Zu  dem  bisher  Bekannten  und  Ver- 
öffentlichten neu  hinzu  treten  aber  die  Ergebnisse  der  sozusagen  natur- 
wissenschaftlichen Forschungsmethode,  die  gewonnen  sind  durch  Beachtung 
der  urzeitlichen  Wegtrassirungsgrundsälze  und  Heranziehung  der  Local- 
namen. Freilich  liegt  ausreichendes  Material  zu  solchen  Studien  nur  in 
der  von  Oberreit  veröffentlichten  vortrefflichen  kursächsischen  Landes- 
aufnahme aus  der  Zeit  um  1780  vor,  während  für  das  anstossende  Gebiet 
die  österreichische  Karte  in  1:75000  und  die  Reichskarten  in  1:100000 
zwar  schätzbare  Angaben  enthalten,  aber  bei  weitem  nicht  jenen,  bis  in 
die  kleinsten  Einzelheiten  diingenden  Aufschluss  gewähren  wie  der  Ober- 
reit’sche  Atlas.  Im  nordwestlichen  fruchtbaren  Tieflande  wird  die  Forschung 
überdies  beeinträchtigt  durch  die  seit  etwa  18.30  vorgenommenen  Zusammen- 
legungen und  die  damit  verbundene  Störung  des  alten  Wegnetzes.  Für 
diese  aussersächsischen  Gegenden  müsste  man  daher  bei  specieller  Be- 
arbeitung auf  älteres  Specialkartenraaterial  zurückgehen. 

Auf  der  beigegebenen  Kartenskizze  sind  Ortsnamen  und  Localnamen 
so  weit  eingetragen,  dass  eine  Auffindung  der  benannten  Wegricbtungen 
möglich  ist.  Zur  Erleichterung  der  Aufsuchung  enthält  die  Skizze  die  im 


uj<Ic 


50 


Text  gebrauchte  Nummerirung  des  Wegnetzes.  Etwas  willkürlich  und 
in  Folge  dessen  der  Kritik  unterworfen  ist  die  Abstufung  der  Wege,  die 
aber  nicht  wohl  entbehrt  werden  kann,  soll  die  üebersichtlichkeit  einer 
Kartenskizze  nicht  ganz  verloren  gehen.  Die  gegebenen  Wegstrecken 
selbst  nebst  den  im  Text  genannten,  entlang  derselben  vorkommenden 
Localnamen  sind  jedoch  sämmtlich  den  Specialkarten  entnommen.  Eine 
Meinungsverschiedenheit  kann  nur  darüber  entstehen,  ob  die  getroffene 
Auswahl  und  Combination  der  einzelnen  Wegstrecken  die  wahr- 
scheinliche ist.  Zahlreiche  Wege  von  unzweifelhaft  hohem  Alter  Hessen 
sich,  wie  bereits  erwähnt,  noch  Zwischenschalten;  hier  handelte  es  sich 
aber  darum,  zunächst  ein  Gerüst  zu  gewinnen,  die  entscheidenden,  richtungs- 
weisenden Hauptverkehrszüge  festzulegen  und  den  Anlass  zu  geben  zur 
Ausgestaltung  einer  Verkehrskarte  jener  zwischen  Vorzeit  und  Jetztzeit 
stehenden  kritischen  Epoche,  einer  Karte,  die  zugleich  eine  brauchbare 
Vorarbeit  für  die  zukünftige  Culturkarte  jener  Zeit  abgeben  würde. 

Im  Anschlüsse  an  die  vorstehenden  Ausführungen  ist  kui*z  eines  Um- 
standes zu  gedenken,  der  bei  einer  sozusagen  naturwissenschaftlichen 
Untersuchung  der  ältesten  Wege  Beachtung  verdient:  das  Verhältniss  der 
Wegzüge  zu  den  Flurgrenzen  und  zu  dem  Liniensystem  der  Flurein- 
theilung.  Dass  die  ältesten  Wohnplätze,  Schutzanlageu,  Marktstätten  in 
innigster  Beziehung  zum  ältesten  Wegnetz  stehen  müssen,  ist  bereits  aus- 
geführt worden;  in  dieser  Hinsicht  lieferte  die  benutzte  Quelle  ausgiebige 
Anhaltspunkte,  sie  lässt  jedoch  völlig  im  Stich  bezüglich  der  Grenzlinien. 
Diesen  Mangel  der  deutschen,  sonst  so  trefflichen,  amtlich -militärischen 
Kartographie  sollen  die  in  Veröffentlichung  begriffenen  „Grundkarten“  in 
1:100Ö(X)  mit  Flurgrenzlinien  beseitigen;  indessen  ist  deren  Fertigstellung 
noch  nicht  so  weit  fortgeschritten,  dass  grössere  zusammenhängende  Ge- 
biete bearbeitet  werden  könnten  und  ausserdem  bietet  die  Verschiedenheit 
der  Verjüngungen  und  die  Kleinheit  des  Massstabes  der  „Grundkarte“ 
Schwierigkeiten  dar,  die  sich  der  genaueren  Erkenntniss  der  relativen  Lage 
der  Wegzüge  zu  den  Grenzlinien  entgegonstellen.  Dass  diese  relative 
Lage  von  ausschlaggebender  Bedeutung  für  die  Erkenntniss  des  relativen 
Alters  von  Grenze  und  Weg  ist,  leuchtet  sofort  ein,  wenn  wir  unsere 
modernen  Verkehrswege,  die  Eisenbahnen  vergleichen,  wie  sie  rücksichtslos 
das  vorhandene  Netz  von  I’arzellengrenzen  durchschneidon,  wie  sich  ihnen 
aber  die  späteren  Zufahrtsstrassen  und  Stadtviertel  auf  das  Genaueste 
anpassen. 

Eine  wirklich  werthvolle  Bereicherung  der  analytischen  Mittel,  von 
denen  wir  bisher  neben  den  vereinzelten  kurzen  historischen  Ueberlieferungen 
die  thatsächlich  in  die  Landesfläche  eingegr.abenen,  in  der  Specialkarte 
festgehaltenen  Wegspuren,  die  Siedelungen  und  vorgeschichtlichen  Funde, 
die  Wegnamen,  die  nachbarlichen  Localnamen  und  die  Trassirungsweise 
angewendet  haben,  lässt  sich  nur  gewinnen  durch  Zurückgreifen  auf  die 
Flurkarten  selbst.  So  weit  gehende  Forschungen  erfordern  aber  eine 
längere,  ausschliessliche,  amtlich  unteretützte  Beschäftigung  mit  diesem 
Gegenstände;  schon  heute  darf  aber  wohl  vor.ausges:igt  werden,  dass  diese 
dritte  und  letzte  Etappe  in  der  Wegforschung  in  absehbarer  Zeit  gelegentlich 
der  bevorstehenden  Studien  über  die  örtlichen  Einzellieiten  der  Entwickelung 
der  Flureintheilung  erreicht  werden  wird.  Vorläufig  gilt  es,  über  die  von 
den  Historikern  bearbeiteten  Zusammenstellungen  des  geschichtlichen 
Materials  und  die  beigegebenen,  mehr  graphischen  Darstellungen  als  wirk- 


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liehen  Landkarten  ähnelnden  linearen  Versinnlichungen  des  historischen 
Materials  hinauszugehen  und  nach  der  naturwissenschaftlichen  Methode 
wahrscheinliche  Karten  der  Niederschläge  des  Verkehrslebens  der 
jeweiligen  Epochen  zu  entwerfen  und  kritisch  zu  yerbessern,  in  ähn- 
licher Weise,  wie  sie  uns  die  Geologie  aus  weit  älteren  Perioden  ohne 
Anhaltspunkte  an  historischen  Daten  von  der  Gestaltung  der  Erdoberfläche 
selbst  in  immer  wachsender  Vollendung  darbietet. 

Die  wirksamste  Förderung  aller  derartigen  culturgeschichtlichen 
Arbeiten  würde,  wie  angedeutet,  die  Veranstaltung  von  weiteren  Kreisen 
zugänglichen  Abdrücken  des  Oberreit’schen  Atlas  des  Königreichs  Sachsen 
sein.  Sind  die  örtlichen  wissenschaftlichen  und  auch  touristischen  Vereine 
im  Besitze  der  ihr  Gebiet  betreffenden  Kartensectionen,  so  ist  ihnen  treff- 
liches Material  und  Anregung  zur  eingehenden  weiteren  Durcharbeitung 
der  hier  behandelten  und  anderer  culturhistorischen  Fragen  gegeben  und 
mancher  W'anderlustige  wird  nicht  nur  das  malerische  Waldthal,  den  aus- 
sichtsreichen Gipfel,  sondern  auch  die  seitabliegenden,  aber  durch  Alter 
und  Geschichte  ehrwürdigen  Pfade  als  Zielpunkte  wählen  und  ein  im 
eigentlichen  Wortsinne  „Bewanderter“  in  unseres  Volkes  und  Landes  Ver- 
gangenheit werden. 


Berichtigungen  und  Zusätze. 

In  der  Karte  hat  zu  stehen:  Alte  Strasse  für  Allenstrasse  nördlich 
i.öbau,  Uiesenberg  für  Riesenburg,  Püchau  für  Pücha,  Fribus  für  Frühbuss 
südlich  Schöueck,  Tauerstein  für  Jauerstein  östlich  Penig. 

Der  Weg  Zittau-Gabel  läuft  nicht  über  die  Kuhbriieke,  sondern  über 
die  Hospitalbrücke. 

Zu  den  auf  optische  Signale,  Feuerzeichen  hinweisenden  I.ocal- 
namen  ist  wahrscheinlich  zu  rechnen  der  „Bützberg“  südwestlich  Eilen- 
burg und  der  „Blitzeuberg“  südüch  Johnsdorf  bei  Zittau. 


»♦ 


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Tafel  I. 


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1901. 


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y.  Die  Yerkieselung  der  Gesteine  in  der  nördlichen 

Kalahari. 


Mittheilnng  ans  dem  KBniglichen  Mineralogisch -Geologischen  Mnsenm 
nebst  der  Prähistorischen  Sammlung  in  Dresden. 

Von  Prof.  Dr.  Emst  Kalkowsky. 

(Mit  drei  Tafeln.) 


I.  Salzpelit  und  seine  Kruste. 

A.  Der  Salzpelit. 

B.  Die  Kruste  des  Salzpelites. 

C.  Genetisches. 

II.  Kalahari -Kalk. 

III.  Botletle- Schichten. 

A.  Methoden  der  Untersuchung. 

B.  Gesteinsreihen. 

C.  Gemengtheile. 

D.  Structur. 

IV.  Refiaka- Schichten. 

V.  Ueber^ngsgHjiteine. 

VI.  Xgami-Si'bicbten  südlich  und  sttdBstUch  vom  Ngami-See. 

A.  Kio.selige  Grauwacke. 

B.  Kalkstein  mid  Mergel. 

C.  Dolomit. 

D.  Contactmetamor])her,  granathaltiger  Kalkstein. 

E.  Kalkstein -Breccie. 

F.  Rothsandstein. 

G.  Ssakke-Sandstein. 

VII.  Ngami  - Schichten  der  Kaikai- Berge. 

VIII.  Dolomite  von  Garn. 

IX.  Chanse- Schichten. 

X.  Eruptive  Gesteine. 

Erläuterung  der  Tafeln. 


1.  In  den  Jahren  1896  bis  1898  durchforschte  Herr  Dr.  Siegfried  Passarge 
in  Steglitz  bei  Berlin  das  Ngami -Land  in  Süd-Afrika  in  geographischer 
und  geologischer  Hinsicht.  Er  wird  über  die  Ergebnisse  seiner  Reisen  in 
einem  grösseren  Werke  Bericht  erstatten;  bis  jetzt  liegen  von  ihm  nur 
vor  sein  am  8.  April  1898  in  Berlin  in  der  Gesellschaft  für  Erdkunde  ge- 
gebener Bericht  „Reisen  im  Ngami-Land“  in  den  Verhandlungen  der  Ge- 
sellschaft, Bd.  XXVI,  1899,  No.  4 mit  einer  Kartenskizze,  ein  Vortrag  „Die 
Hydrographie  des  nördlichen  Kalahari-Beckens“  in  den  Verhandlungen  des 


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VII.  Internationalen  Geographen-Congresses  in  Berlin,  1900,  mit  einer  Karte, 
und  eine  Abhandlung  „Beitrag  zur  Kenntniss  der  Geologie  von  Britisch- 
Betschuana-Land“,  Zeitschrift  der  Gesellschaft  für  Erdkunde  zu  Berlin, 
Bd.  XXXVI,  1901,  mit  5 Tafeln.  Das  Gebiet  seiner  Reisen  lässt  sich  durch 
das  Dreieck  Palapye  - Gobabis  - Andara  begrenzen.  Die  Entfernungen  auf 
der  Karte  betragen  von  der  jetzigen  Eisenbahnstation  Palapye  (ungefähr 
27®  20'  ö.  L.  V.  Gr.  und  22®  40'  s.  Br.)  bis  Gobabis  in  Deutsch-Süd-West- 
Afrika  (19®  ö.  L.  und  22®  20'  s.  Br.)  ungefähr  800  km,  von  Gobabis  bis 
Andara  am  Okavango  (21®  30  ö.  L.  und  18"  s.  Br.)  in  Deutsch-Süd-West- 
Afrika  ungefähr  760  km  und  von  Andara  bis  Palabye  ungefähr  760  km. 
Der  Ngami-See  liegt  so  ziemlich  in  der  Mitte  dieses  Gebietes,  das  als 
nördliche  Kalahari  seit  der  Diluvialzeit  der  Umvrandlung  in  eine  Sand- 
steppe immer  mehr  anheimfällt 

2.  Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  dieses  Gebietes  der  nördlichen 
Kalahari  schreibt  mir  Herr  Dr.  Passarge  Folgendes: 

„Die  Hochfläche  des  südafrikanischen  Continentes  ist  eine  ausgedehnte 
Ebene,  die  sich  allmählig  von  Westen  nach  Osten  hinsenkt  und  nur  ge- 
ringe Niveauunterschiede  zeigt,  einige  isolirte  Bergketten  ausgenommen. 
Im  Westen  wird  sie  von  den  hohen  Gebirgen  des  Damara-Landes  überragt, 
die  den  Rand  des  Plateaus  bilden;  im  Osten  dagegen  endet  die  Hochfläche 
mit  einem  scharfen  Plateaurand,  der  zu  dem  Tschobe-  und  Sambesi-Thal, 
dem  Scholleulaud  des  Betschuauen-Landes  und  der  Limpopo-Ebene  hin  steil 
abfällt  Nördlich  des  Malopo,  der  nach  Westen  hin  in  die  Kalahari  hin- 
einfliesst,  endet  das  Plateau  in  nicht  näher  bekannter  Weise.  In  der  Mitte 
dieses  langen  von  Nord  nach  Süd  streichenden  Plateaus  finden  wir  an 
seinem  östlichen  Rande  eine  deutliche  Einsenkung,  die  Maklautsi -Pforte. 
Sie  vermittelt  den  üebergang  zwischen  den  Makarikari-Pfannen,  der  tiefsten 
Stelle  des  nördlichen  Kalahari-Beckens,  und  der  Limpopo-Ebene. 

In  dem  Plateau  haben  wir  in  geologischer  Hinsicht  zwei  verschiedene 
Componenten  zu  unterscheiden,  das  Grundgebirge  und  die  Deckschichten. 

A.  Das  Grundgebirge  besteht  aus  drei  verschiedenen  Formationen: 

1.  Die  archäische  Formation  — Gneisse,  Granite,  alte  krystalline 
Schiefer  und  Eruptivgesteine  — setzt  den  grössten  Tbeil  des  östlichen 
(Maschona-Matabele-Land,  Transvaal)  und  westlichen  (Damara- und  Nama- 
Land)  Randgebirges  zusammen.  Auf  der  Hochfläche  wurde  sie  nur  bei 
Okwa  (Granite  und  Gneisse)  und  in  den  Tschorilo-Bergen  (glimmerreicbe 
Quarzschiefer)  gefunden. 

2.  Die  Chanse-Schichten  bestehen  aus  alten  Grauwacken,  Grau- 
wackensandsteinen  und  Sandsteinen.  Untergeordnet  kommen  Kalksteine 
und  Schieferthone  vor.  Sie  sind  durchweg  steil  aufgerichtet,  durch  Ge- 
birgsdruck  transversal  zerklüftet  und  bilden  im  ganzen  Westen  der  nörd- 
lichen Kalahari  das  Gnindgestein.  ln  dem  Dreieck  zwischen  Oas  (West), 
Andara  (Nord),  Chaina-Feld  (Ost)  dominiren  sie  vollständig.  Ihrem  Alter 
nach  sind  sie  wahrscheinlich  den  Swasi- Schichten  Transvaals  und  den 
Malmesberg-Schichten  des  Kaplandes  gleichzustellen. 

Während  der  Periode  der  Chanse-Schichten  fand  die  Eruption  der 
Totin- Diabase  statt,  die  durch  starke  Epidotisirung  ausgezeichnet  sind. 
Nach  der  Gebirgsbildung,  die  der  Ablagerung  der  Chanse-Schicbten  folgte, 
drangen  die  Quarzporphyre  der  Mabale-a-pudi-,  der  Monekau-  und  Kwebe- 
Berge  südlich  vom  Ngami-See  auf  längerer  Bruchspalte  hervor. 


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3.  Die  Ngami-Scbichten  liegen  als  Schollen  zwischen  den  aufge- 
richteten Chanse-Schichten.  Wo  sie  vollständig  entwickelt  sind,  bestehen 
sie  aus  drei  Stufen:  a)  Untere  Ngami-Schichten  — Sandsteine,  Grauwacken 
und  Conglomerate;  b)  Mittlere  Ngami-Schichten  — Kalksteine,  Dolomite, 
Kalkmergel  und  Kalksandsteine;  ein  auffallend  schneller  Facieswechsel  ist 
für  diese  Gruppe  charakteristisch;  c)  Obere  Ngami-Schichten  — Sandsteine, 
Conglomerate,  Grauwacken. 

Die  Ngami-Schichten  sind  den  Kap-Schicliten  gleichzustellen,  die  eben- 
falls in  drei  Glieder  zerfallen;  unten  liegt  der  Tafelberg-Sandstein,  Inder 
Mitte  liegen  die  Bokkeveld- Schiefer  und  der  Malmami-Dolomit,  oben  die 
Zuurberg-  oder  Ghatsrand-Schichten. 

Die  Ngami-Schichten  finden  sich  local  als  Schollen  zwischen  Grau- 
wacken an  dem  Südufer  des  Ngami-Sees  und  im  Schadum-Thal.  Ausge- 
dehnte Ablagerungen  bilden  sie  iin  Gebiet  der  Kaikai- Berge  bis  nach  Garn 
hin  und  bei  Gobabis.  ln  ersterem  Gebiet  sind  sie  nur  als  Dolomite  und 
Kalke  entwickelt,  bei  Gobabis  aber  in  typischer  Dreitheilung.  Ein  isolirtes 
Vorkommen  finden  wir  in  der  kleinen  Makarikari-Pfanne  westlich  Ntscho- 
kutsa  (25"  ö.  L.);  dort  tritt  ein  für  die  mittleren  Ngami-Schichten  charak- 
teristisches Gestein  am  Boden  des  Pfannenrandes  zu  Tage. 

Im  Mangwato-Laud  finden  wir  zwischen  dem  Kalahari-Plateau  und 
Palapye  eine  Formation  entwickelt,  die  höchst  wahrscheinlich  ebenfalls  den 
Kap-Schichten  gleichzustellen  ist,  und  die  Mangwato-Schichten  genannt 
werden  mag.  Sie  sind  in  typischer  Dreitheilung  entwickelt:  unten  dickbankige 
quarzitische  Sandsteine  (Palapye-Sandstein),  in  der  Mitte  sandig-thonige 
Schiefer  (Lotsani-Schiefer),  oben  mürbe,  dickbankige  Sandsteine  (Ssakke- 
Sandstein). 

Am  Ende  der  Zeit  der  Ablagerung  der  Ngami-Schichten  erfolgten  er- 
hebliche tektonische  Bewegungen,  die  von  der  Eruption  der  gangförmig 
auftretenden  Ngami-Aphanite  begleitet  wurden.  Im  Mangwato-Land  er- 
goss sich  eine  gewaltige  Decke  von  Mandelstein  (Loale-Mandelstein)  über 
die  Mangwato-Schichten. 

Es  scheint  nach  jener  Periode  im  heutigen  Kalahari-Becken  ein  Ge- 
birgsland  bestanden  zu  haben,  das  im  Laufe  der  folgenden  Zeiten  eine 
gründliche  Denudation  erlitt  und  zwar  zur  Zeit  der  permo-triassischen 
Karroo-Schichten.  Wenigstens  finden  wir  von  den  letzteren  in  unserem 
Gebiete  keine  Spur.  Die  Denuilation  bewirkte  anscheinend  die  Bildung 
einer  grossartigen  Denudationsebene,  peueplaine.  Bis  auf  eingeklemmte 
Schollen  fielen  die  Ngami-Schichten  der  Abtragung  zum  Opfer.  Das  Re- 
sultat des  Processes  war  die  Bildung  des  j)lateaufürmigen,  complicirt  aus 
Schollen  zusammengesetzten  Grundgerüstes  des  heutigen  Süd-Afrika. 

B.  Die  Deckschichten  sind  auf  der  Denudationstiäche  des  alten 
Gebirgslandes  zur  Ablagerung  gelangt.  Diese  jungen  Schichten  lassen  sich 
in  zwei  Gruppen  gliedern. 

1.  Die  Botletle-Schichtcn  sind  vorwiegend  Sandsteine  mit  kiese- 
ligem  Cement,  von  oft  glasglänzendem  Aussehen,  die  dickbankige  klobige 
Massen  bilden.  Daneben  kommen  aber  auch  gut  gebankte  Sandsteine 
ohne  „glasiges“  Cement  vor.  Die  Botletle-Schichten  sind  über  das  ganze 
nördliche  Kalahari-Becken  hin  verbreitet.  Ara  östlichen  Rande  des  Kala- 
hari-Plateaus brechen  sie  mit  steilem  Abfall  ab  (Loale  bis  .Mohissa).  Sie 
bilden  den  Untergrund  der  östlichen  Kalahari  bis  Tlakani,  finden  sich  im 
ganzen  Botletle-Thal  und  am  Südrande  des  Ngami-Sees,  liegen  in  Schollen 


58 


auf  den  Chanse-Schichten  des  Cbanse-Feldes  und  reichen  westwärts  bis  nach 
Oas  und  anscheinend  bis  nahe  an  Windhoek  heran.  Im  Kaukau-Keld  und 
an  den  Popa-Fällen  des  Okavango  haben  sie  dieselbe  Lagerung  und  Ge- 
steinsbeschaffenheit  wie  im  Süden. 

Als  besondere  Ausbildung  der  Botletle-Schichten  sind  aufzufassen  die 
Renaka-Schichten  und  die  Pfannen-Sandsteine. 

a)  Die  Reftaka-Schichten  sind  Sandsteine  vom  Tjpus  der  Botletle- 
Schichten,  die  sich  in  der  Ebene  zwichen  Benaka  und  Litutwa  an  der 
Südseite  des  Ngami-Sees  Anden  und  nur  eine  besonders  mächtige  Aus- 
bildung der  untersten  Partien  der  Botletle-Schichten  vorstellen.  Sie  liegen 
dort  über  den  Chanse-Grauwacken,  und  zwar  sind  die  zu  unterst  befind- 
lichen Bänke  mit  eckigen  Bruchstücken  der  Grauwacken  erfüllt.  Dasselbe 
kann  man  überall  beobachten,  wo  Botletle-Schichten  auf  dem  Grundgestein 
liegen,  so  z.  B.  in  den  zahlreichen  Pfannen  des  Chanse-Feldes,  deren  Boden 
von  Botletle-Schichten  gebildet  wird.  Fis  handelt  sich  hier  anscheinend 
nicht'  um  eine  transgredirende  Formation  mit  Abrasion,  sondern  um  eine 
auf  primärer  Denudationsfiäche  in  Aachen  Seebecken,  vielleicht  auch  nur 
in  Sümpfen  abgelagerte  Schichtenreihe.  Dabei  bestehen  die  untersten 
Glieder  aus  infiltrirtein  und  verkittetem  Schutt  des  liegenden  Gesteins, 
vielleicht  Wüstenschutt. 

b)  Die  Pfannen-Sandsteine:  nach  oben  hin  werden  die  Botletle- 
Schichten  kalkreicher,  kieseliges  Gement  tritt  neben  kalkigem  auf.  In  vielen 
Fällen  wird  nun  letzteres  so  vorherrschend,  dass  uns  reine  Kalksandsteine 
entgegentreten.  Letztere  bilden,  wo  sie  vorhanden  sind,  stets  das  oberste 
Glied  der  Botletle-Schichten  und  zwar  vermitteln  sie  am  Botletle  selbst 
direct  den  Uehergang  zu  der  unteren  Abtheilung  der  Kalahari-Schichten, 
dem  Kalahari-Kalk.  Die  Pfannen-Sandsteine  bilden  in  sehr  vielen  Fällen 
den  Boden  und  die  wasserhaltende  Schicht  in  der  Kalahari. 

Das  .\lter  der  Botletle-Schichten  ist  nicht  festzustellen,  wahrscheinlich 
sind  es  aber  relativ  junge  Ablagerungen  von  vielleicht  tertiärem  Alter. 

Interessant  und  wichtig  ist  es,  dass  ein  Theil  der  kieseligen  Botletle- 
Schichten  an  der  Oberfläche  in  zelligen  Brauneisenstein  — Latent  von 
tertiärem  .\lter  — verwandelt  worden  ist.  Die  grosse  Ausdehnung  dieser 
Lateritdecke  wird  durch  folgende  Fundorte  genügend  charakterisirt:  Plateau- 
rand Loale-Mohissa,  Oas,  Popa-Fälle;  wahrscheinlich  liegen  Botletle-Schich- 
ten mit  Laterit  auch  an  den  Victoria-Fällen  des  Sambesi. 

2.  Die  Kalahari-Schichten  schliessen  sich  unmittelbar  an  die 
Pfannen-Sandsteine  an.  Sie  zerfallen  in  den  Kalahari-Kalk  und  den  Kala- 
hari-Sand. 

a)  Die  Kalahari-Kalke  sind  sandige  oder  sandarme  Kalke,  die  in 
grosser  Zahl  Conchylien  enthalten,  die  mit  den  Arten  der  jetzigen  Oka- 
vango-Sünipfe  vollständig  identisch  sind;  sie  dürften  also  höchstens  dilu- 
vialen Alters  sein.  Sie  bedecken  den  grössten  Theil  des  nördlichen  Kala- 
hari-Beckens und  werden  selbst  überlagert  von  dem 

b)  Kalahari-Sand,  einem  fein-  bis  niittelkörnigen  Sande. 

Es  dürfte  sich  der  Nachweis  führen  lassen,  dass  die  Kalahari-Kalke 
zum  grössten  Theile  Ablagerungen  in  Sümpfen  sind,  und  dass  der  Kala- 
hari-Sand die  Ausfüllungsraasse  jener  Sümpfe  durch  Flusssande  ist 

Wir  haben  nun  zweierlei  recente  Ablagerungen,  die  mit  den  Gliedern 
der  Deckschichten  zu  vergleichen  sind.  Einmal  haben  wir  in  den  Oka- 


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vango-Sürapfen  und  in  den  vom  Botletle  gespeisten  Becken  der  grossen 
Makarikari-Pfannen  Ablagerungen  von  Kalktuff  und  kalkreichen  Sanden  — 
sie  entsprechen  den  Kalahari-Kalken,  sodann  aber  finden  sich  in  zu-  und 
abflusslosen  Becken  des  Makarikari-Gebietes  — Ntschokutsa,  kleine  Makari- 
kari-Pfanne  — ganz  eigenthUmliche  kieselsäurereiche  Ablagerungen,  die  an 
der  Oberfläche  zu  harten  Chalcedonmassen  erstarrt  sind  und  in  vieler  Be- 
ziehung Aehnlichkeit  mit  den  kieseligen  Sandsteinen  der  Botletle-Schichten 
haben,  so  dass  man  vielleicht  berechtigt  ist,  auch  für  die  entsprechenden 
älteren  Formationen  ähnliche  Bildungsverhältnisse  anzunehmen“. 

3.  Herr  Dr.  Passarge  übergab  mir  gegen  400  Nummern  Gesteine  aus 
diesem  Gebiete  — weitere  Sammlungen  sind  leider  vielleicht  endgültig  ver- 
loren gegangen  — zur  Durchsicht  seiner  Bestimmungen.  Das  schien  an- 
fangs eine  leichte  Arbeit,  da  es  sich  fast  nur  um  Grauwacken,  Sandsteine 
und  Kalksteine  handelte.  Allein  die  flüchtige  Untersuchung  der  Handstücke 
und  einer  Anzahl  Dünnschliffe  ergab  bald  so  eigenartige  und  schwierige 
Verhältnisse,  dass  zu  der  genauesten  und  eingehendsten  Untersuchung  ge- 
schritten werden  musste.  Es  stellte  sich  heraus,  dass  bei  der  Bildung 
und  Umbildung  der  meisten,  namentlich  aber  der  jüngeren  sedimentären 
Gesteine  Vorgänge  eine  Rolle  gespielt  haben,  die  meines  Wissens  bisher 
noch  nicht  genauer  untersucht  wonleii  sind.  Das  vorliegende  Material  bot 
aber  weiter  noch  den  grossen  Vortheil,  dass  hier  recente  Bildungen  Vor- 
lagen, die  für  die  Deutung  älterer  von  wesentlichem  Belange  sind. 

Sedimentäre  Gesteine  zu  untersuchen,  die  man  nicht  selbst  geschlagen 
hat,  ist  eine  besonders  heikle  Sache;  soweit  wie  irgend  möglich  wurden 
die  Schwierigkeiten  durch  mehrere  Conferenzen  mit  Herrn  Dr.  Passarge 
in  Dresden  und  in  Steglitz  zu  beseitigen  gesucht.  Doch  blieben  immer 
noch  Fälle,  in  denen  ich  auf  Grund  der  Untersuchungen  an  dem  Material 
eines  kleinen  Handstückes  zu  keinem  endgültigen  Resultat  über  die  Natur 
des  Gesteins  oder  seine  Zugehörigkeit  zu  einem  bestimmten  Schichten- 
verbande  kommen  konnte.  Herr  Dr.  Passarge  wird  sich  in  seinen  Aus- 
arbeitungen auf  manche  Diagnosen,  tlie  ich  ihm  für  alle  V'orkoramnisse 
zur  Verfügung  stelle,  stützen  und  dieselben  weiter  verwenden  können;  in 
dieser  Abhandlung  berücksichtige  ich  aber  nur  solche  Stücke,  bei  denen 
sich  zwischen  dem  geologischen  Feldbericht  und  der  mikroskopischen  u.  s.  w. 
Untersuchung  völlige  sichere  Uebereinstimmung  ergab. 

Die  Untersuchungen  der  Gesteine  waren  recht  schwierig  und  mühsam, 
und  nur  langsam  konnte  zur  Flrkennung  des  wahren  Sachverhaltes  durch- 
gedrungen werden;  deshalb  wolle  man  aber  auch  erst  am  Schlüsse  der 
Arbeit  die  Ueberzeugung  erwarten,  dass  das  Richtige  getroffen  worden  ist. 
Manche  Verhältnisse  müssen  zunächst  ohne  strengen  Beweis  vorgeführt 
werden,  weil  sich  ein  Beweis  überhaupt  erst  aus  dem  Zusammenhang  er- 
giebt.  Ist  es  hier  doch  auch  meist  unmöglich,  Gesteinstypen  im  Einzelnen 
erschöpfend  zu  beschreiben  und  wegen  des  beständigen  Wechsels  der  Ge- 
steinsbeschaffenheit auch  überflüssig:  es  sollen  die  einzelnen  Phänomene 
im  Allgemeinen  und  die  Erscheinungsweise  der  Gesteine  im  Grossen  und 
Ganzen  geschildert  werden. 

4.  Die  Fundstätten  der  Gesteine  sollen  im  Folgenden  nur  gelegentlich 
angegeben  werden  unter  Andeutung,  wo  die  Localität  in  diesem  weiten 
Gebiete  zu  suchen  ist.  Auf  unseren  geographischen  Karten  fehlen  meist 
alle  hier  in  Frage  kommenden  Ortsbezeichnungeu,  und  selbst  auf  den  an- 


uglt 


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60 


geführten  Kartenskizzen  des  Herrn  Dr.  Passarge  sind  sie  bei  dem  kleinen 
Massstabe  derselben  nicht  sämmtlich  verzeichnet  Nach  Herrn  Dr.  Pas- 
sarge sind  in  dem  Gebiete  überhaupt  nur  Gaunamen  das  einzig  Sichere; 
gelegentlich  kommen  die  Namen  einzelner  Häuptlinge  als  Ortsangaben  zur 
Verwendung,  ln  der  Orthographie  der  Namen  folge  ich  natürlich  Herrn 
Dr.  Passarge,  jedoch  unterdrücke  ich  alle  Schnalzlaute  der  Buschmann- 
sprachen. Die  Schreibweise  Ngami  ist  einmal  eingebürgert  obwohl  das 
Wort  „Wasser  im  Allgemeinen“  in  der  Sprache  der  Hottentotten  bedeutend, 
gami  mit  einem  Schnalzlaute  vor  dem  g lautet;  was  bei  dem  einen  Namen 
allgemein  angenommen  ist,  kann  in  einer  geologischen  Abhandlung  auch 
für  andere  neueinzuführende  geographische  Bezeichnungen  billig  sein. 


I.  Salzpellt  und  seine  Krnste. 

5.  Südwestlich  von  dem  grossen  auf  unseren  Karten  verzeichneten 
Gebiete  der  Makarikari  (d.  h.  Salzpfannen)  liegen  nahe  an  dem  Rande  des 
Kalahari-Plateaus  noch  drei  kleine  Pfannen,  die  Passarge  auf  seiner  Reise 
berührt  hat.  Nur  von  einer  derselben,  der  Pfanne  von  Ntschokutsa,  hat 
er  von  einer  Stelle  das  derselben  eigenthümliche  Gesteinsmaterial  gesammelt, 
das  aber  auch  in  den  beiden  anderen  gefunden  wurde.  Den  Boden  der 
der  Uebertluthung  jetzt  nur  periodisch  ausgesetzten  Pfanne  bildet  nämlich 
ein  Salzpelil  von  unbekannter  Mächtigkeit,  der  eine  dünne  harte  Kruste 
trägt.  Die  Kruste  ist  unzweifelhaft  secundär  aus  dem  Salzpelit  entstanden. 

Ich  erachte  es  für  zweckmässig,  die  allgemeine  und  unbestimmte  Be- 
zeichnung „Pelit“  zu  verwenden,  da  hier  zum  ersten  Male  eine  Unter- 
suchung dieser  offenbar  in  grosser  Masse  vorkommenden  Substanz  aus- 
geführt worden  ist.  Nach  einigen  Notizen  von  Dr.  E.  Holub  scheint 
dieselbe  Substanz  auch  in  dem  weiten  Gebiete  der  grossen  Salzpfannen 
der  Makarikari  vorzukommen.  Es  wird  vielleicht  die  /eit  sein,  der  Sub- 
stanz einen  besonderen  petrographischen  Namen  beizulegen,  wenn  sie  ein- 
mal auch  von  anderen  ,Stellen  und  an  reichlicherem  Material  erforscht 
sein  wird. 

A.  Der  Salzpelit. 

6.  Der  Salzpelit  ist  in  trockenem  Zustande  eine  dichte,  weisse  bis 
ganz  lichtgrüne  Masse  .von  geringem  specifischem  Gewicht;  er  ist  feinporös, 
hängt  au  der  Zunge  und  saugt  Wasser  auf.  Passarge  schnitt  Stücke  des 
feuchten  und  dann  noch  hellgelblich-braunen  Salzpelites  mit  dem  Messer 
heraus;  ausgetrocknet  aber  ist  die  Masse  ziemlich  fest,  sie  zerbröckelt  unter 
dem  Messer;  sie  färbt  nicht  ab,  fühlt  sich  nicht  wie  Thon  an,  sondern 
vielmehr  ganz  schwach  fettig  etwa  wie  Bol  oder  Saponit.  In  der  weissen 
Masse  stecken  unregelmässig  vertheilt  und  makroskopisch  sichtbar  Sand- 
körner und  Oolithkörner;  manche  der  vorliegenden  Stücke  sind  anscheinend 
frei  von  diesen  Beimengungen,  die  dem  Ganzen  eine  Art  porphj’rischer 
Structur  geben.  Ferner  aber  ist  der  Salzpelit  in  allen  Proben  brccciös; 
es  liegen  in  einer  Grundmasse  bis  einige  Centimeter  im  Durchmesser  hal- 
tende und  viele  kleinere  Stücke  von  abweichendem  Earbentone  und  ab- 
weichender Festigkeit,  meist  aber  mit  .scharfen  Kanten  und  deutlichster 
Bruchstücksform.  Die  gen.auere  Untersuchung  lehrt,  dass  alle  diese  Bruch- 
stücke auch  selbst  Salzpelit  sind  und  nur  zum  Theil  eine  von  der  Haiipt- 


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61 


masse  wenig  verschiedene  Zusammensetzung  haben.  Obwohl  nur  wenig 
Material  zur  Untersuchung  vorlag,  so  zeigt  dieses  doch  deutlichst,  dass 
Habitus  und  Beimischungen  des  Gesteines  schnell  wechseln,  und  dass  die 
brecciöse  Structnr  nicht  durch  Zusammenschwemmung  und  Ablagerung 
von  Brocken  entstanden  ist,  sondern  durch  eine  Zerstückelung  der  Masse 
in  situ,  wohl  bei  ihrer  Bildung  und  Umbildung  unter  Beihülfe  von  Salzen. 

7.  Die  Sandkörner  in  Salzpelit  erreichen  eine  Grösse  von  2 bis  3 mm 
im  Durchmesser;  die  meisten  sind  jedoch  unter  einem  Millimeter  dick, 
herab  bis  zu  sehr  geringen  Dimensionen.  Das  Material  ist  vorherrschend 
Quarz,  doch  finden  sich  auch  Körnchen,  die  als  Sandsteinbröckchen  auf- 
zufasseu  sind.  Dazu  kommen  harte  Körner  von  dichter  Beschaffenheit, 
die  als  Cbalcedon  zu  deuten  sind,  eine  Bezeichnung,  die  erst  weiter  unten 
gerechtfertigt  werden  kann.  Es  mag  aber  noch  angegeben  werden,  dass 
diese  Chalcedonkörner  wesentlich  identisch  sind  mit  der  Substanz  der 
Kruste  des  Salzpelites.  Unter  den  Sandkörnern  kommen  auch  solche  von 
dichtem  Kalkstein  vor,  doch  ist  es  hier  manchmal  sehr  schwer  zu  ent- 
scheiden, ob  diese  Carbonatkörner  wirklich  Bruckstückchen  dichten  Kalk- 
steins sind,  oder  nur  missgestaltete  und  umgewandelte  üolithkörner, 

8.  Bald  in  geringerer,  bald  in  grösserer  Menge  sind  in  dem  Salzpelit 
isolirte  Oolithkörner  vorhanden;  ihre  Gestalt  ist  kugelfornng  bis  wenig 
regelmässig,  ihre  Grösse  beträgt  am  häufigsten  nur  0,1  bis  0,5  mm,  doch 
sind  auch  grössere  bis  von  über  1 mm  Durchmesser  nicht  gerade  selten. 
Sie  bestehen  aus  lichtbräunlichem  Kalk  und  sind  nach  mikrochemischer 
Analyse  frei  von  Magnesia.  Die  mikroskopische  Untersuchung  lehrt,  dass 
sie  die  gewöhnliche  radiale  und  concentrisch-schalige  Structur  besitzen 
und  nicht  selten  einen  fremden  Kern  enthalten.  Löst  man  die  Oolith- 
kömer  in  stark  verdünnter  Salzsäure  langsam  auf,  so  bleibt  ein  Skelett 
von  feinstem  Thon  von  der  Form  der  Oolithkörner  übrig,  das  zwar  locker, 
aber  lückenlos  ist : die  Oolithkörner  enthalten  gleichmiissig  in  ihrer  ganzen 
Masse  feinsten  Thon,  der  wohl  wirklicher  Thon,  nicht  etwa  Salzpelit  ist. 
Mir  stand  nicht  genügend  Material  zur  Verfügung,  um  eine  genauere  che- 
mische Prüfung  des  Lösungsrückstandes  vorzunehmen. 

Besonders  auffällig  ist  das  verhältnissniässig  häufige  Vorkommen  von 
halbirten  Oolithkörnern  im  Salzpelit;  diese  halben  Körner  und  noch  kleinere 
Bruchstücke  zeigen  unter  dem  Mikroskop  dieselbe  Beschaffenheit  und  Struc- 
tur wie  die  ganzen  vollständigen  Oolithkörner.  Es  dürfte  ihre  Zerstücke- 
lung durch  krystallisirende  Salze  herbeigeführt  worden  sein.  Auch  in  den 
norddeutschen  Kogensteinen  kommen  solche  halbirten  Oolithkörner  mit 
noch  weiteren  interessanten  Erscheinungen  vor;  ich  werde  darüber  in  kurzem 
in  einer  anderen  Abhandlung  berichten  und  dann  Gelegenheit  haben,  auch 
auf  diese  afrikanischen  recenten  Oolithkörner  näher  einzugehen. 

Im  Salzpelit  spielen  die  Oolithkörner  nur  die  Rolle  der  allothigenen 
Sandkörner;  oolithische  Gesteine  oder  auch  nur  vereinzelte  Oolithkörner 
kommen  sonst  nirgends  in  der  nördlichen  Kalahari  vor. 

9.  Nicht  selten  sinken  die  Bruchstücke  von  Oolithkörnern  zu  recht 
geringen  Dimensionen  hinab;  aber  dennoch  scheint  es,  dass  die  im  Salz- 
pelit überdies  noch  vorkommenden  kleinsten  Partikelclien  von  kohlensaurem 
Kalk  nicht  als  völlig  zcrtheilte  Oolithkörner  aufzufassen  sind,  sondern  als 
Carbonat  anderen  Ursprungs.  Solche  Partikelchen  mögen  kurz  als  Kalk- 
staub bezeichnet  werden,  sie  sind  u.  d.  M.  durchaus  alle  einzeln  wahr- 


62 


nehtnbar,  aber  zweifelhaft  bleibt  es,  ob  sie  unregelmässige  Form  oder  die 
Gestalt  von  Rhomboedern  haben.  Winzige  scharfe  Rhomboeder  von  Kalk- 
spath  und  von  Dolomit  werden  aus  anderen  Gesteinen  mehrfach  zu  be- 
sprechen sein. 

10.  Für  die  Bestimmung  der  Salze  wurde  der  Salzpelit  mit  kochen- 
dem Wasser  behandelt.  Vermengt  man  die  wässerige  Masse  nach  dem 
Erkalten  mit  frisch  gefälltem  Eisenhydroxyd,  so  gelingt  es  leicht,  den  Kalk- 
staub, der  sonst,  man  möchte  sagen  mit  Vorliebe,  auch  durch  das  beste 
Filtrirpapier  geht,  von  der  Salzlösung  zu  trennen.  Letztere  zeigte  starke 
Reaction  auf  Chlor  und  schwächere  auf  Schwefelsäure;  von  Erden  konnte 
nur  Magnesia  festgestellt  werden.  Die  Spectralanalyse  zeigte,  dass  neben 
reichlichem  Natron  kein  Kali  in  dem  Salzgemisch  vorhanden  ist.  Ebenso 
fehlte  Kohlensäure  durchaus  in  den  in  Wasser  löslichen  Salzen  der  unter- 
suchten Proben.  Die  mikrochemische  Analyse  mit  Kieselfluorwasserstoff 
ergab  ebenso  ein  Vorherrschen  des  Natriums  vor  dem  Magnesium  und  das 
Fehlen  von  Kalium.  Die  wasserklare  wässerige  Lösung  der  Salze  wird 
beim  starken  Eindampfen  gelblich ; in  den  zur  Trockne  eingedampften  Salzen 
bleibt  eine  kleine  Menge  verbrennbarer,  organischer  Substanz.  Es  ist 
also  in  dem  Salzpelit  ein  geringer  Betrag  einer  in  Wasser  oder  doch  in 
salzhaltigem  Wasser  löslichen  organischen  Substanz  vorhanden. 

Eine  quantitative  Analyse  der  Salze  wäre  werthlos  gewesen,  denn  der 
Gehalt  des  Salzpelites  an  Chlomatrium  und  an  Magnesiumsulfat  schwankt 
sowohl  qualitativ  wie  quantitativ.  Nach  den  Mittheilungen  des  Herrn 
Dr.  Passarge  wird  das  ausblühende  Salz  in  einer  südlich  von  Ntschokutsa 
gelegenen  kleinen  Nebenpfanne  von  den  Buschmännern  als  Speisesalz  ge- 
sammelt; andererseits  litten  seine  Lastthiere  unter  der  abführenden  Wir- 
kung des  Wassers  der  Pfanne,  was  ihn  schon  dort  die  gelegentliche  reich- 
lichere Anwesenheit  von  Magnesiumsalzen  erkennen  Hess.  Jedenfalls  aber 
stecken  in  dem  Salzpelit  der  Pfanne  von  Ntschokutsa  doch  im  Ganzen 
bedeutende  Mengen  von  Salzen. 

11.  Ein  glatt  geschabtes  Stückchen  des  Salzpelites  wurde  mit  durch 
Chloroform  verdünntem  Canadabalsam  bis  zur  Erhärtung  desselben  gekocht 
und  dann  dünngechliffen.  Während  des  Kochens  schien  der  Salzpelit  sich 
nicht  zu  verändern,  namentlich  .auch  nicht  Wasser  zu  verlieren.  Das  Prä- 
parat zeigte  ausser  den  Sand-  und  Oolithkörneni  und  dem  Kalkstaube  nun 
auch  die  eigentliche  Salzpelit-Substanz  als  eine  anscheinend  homogene 
Masse  mit  sehr  schwacher  feinkörniger  Aggregatpolarisation,  in  der  sonst 
weiter  keine  Einzelheiten  erkennbar  und  unterscheidbar  waren.  Wenn  also 
die  Substanz  auch  entschieden  schwach  doppelbrechend  ist,  so  kann  sie 
doch  als  amor|)he  Masse  bezeichnet  werden  in  dem  Sinne,  in  dem  der 
Mineralog  wohl  den  Meerschaum,  den  Bol  u.  dergl.  als  amorphe  Mineralien 
bezeichnet,  obwohl  sie  nicht  optisch  isotrop  sind. 

Für  die  chemische  Analyse  wurde  homogenes  Material  in  folgender 
Weise  gewonnen.  Da  der  Salzpelit  in  kaltem  Wasser  nicht  völlig  zertheil- 
bar  ist,  so  wurde  er  im  Handteller  mit  wenig  W'asser  zerrieben,  wobei  eben 
möglichst  ein  Abreiben  der  Kalkköruer  durch  die  Quarzkörner  vermieden 
wurde.  Durch  Schlämmen  wurden  dann  die  Sand-  und  Oolithkörner  ab- 
gesondert. Der  zerriebene  Salzpelit  setzt  sich  im  Wasser  nicht  völlig  zu 
Boden;  ein  Theil  also  musste  weggegossen  werden,  um  den  Salzpelit  mit 
möglichst  wenig  Wasser  und  ohne  lösliche  Salze  auf  das  Filter  zu  bringen. 


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Die  Poren  des  Filters  aber  werden  sehr  bald  vesstopft,  und  das  Abfiltriren 
des  letzten  Wasserrestes  mit  Hülfe  der  Saugvorrichtung  auf  einem  Scheiben- 
filter nahm  viele  Stunden  in  Anspruch;  es  bleibt  auf  dem  Filter  eine  ganz 
hellgrüne  filzige  Masse  zurück.  Diese  enthält  noch  etwas  Kalkstaub,  offen- 
bar auch  winzige  Quarzsplitter,  war  aber  doch  homogen  zu  nennen  und 
frei  von  Salzen;  nach  der  chemischen  Zusammensetzung  des  Pelites  ist  es 
auch  nicht  zu  vermutlien,  dass  die  beim  Decantiren  fortgegossenen  Par- 
tikelchen eine  andere  Zusammensetzung  batten,  als  die  gewonnene  Masse. 
Doch  ist  kein  Zweifel  vorhanden,  dass  jede  andere  Probe  des  Salzpelites, 
auch  wenn  dieser  direct  ohne  alles  Schlämmen  in  einer  dem  Anschein  nach 
von  Saudkörneni  aller  Art  freien  Partie  analysirt  worden  wäre,  andere 
Zahlen  bei  der  Analyse  ergeben  haben  würden.  Da  aber  gerade  ein  Stück 
mit  möglichst  geringer  brecciöser  Structur  verwendet  wurde,  so  glaube  ich 
behaupten  zu  können,  dass  die  gewonnene  filzige  Masse  wirklich  die  Durch- 
schnitts-Zusammensetzung des  Pelites  ergeben  muss. 

Diese  homogene  Silicatmasse  ist  vor  dem  Löthrohr  schwer  schmelz- 
bar, sie  wird  dabei  hart  bis  zum  Glasritzen.  Heim  Austreiben  des  Wassers 
im  Platintiegel  sintert  die  vorher  zerriebene  Masse  stark  zusammen.  Die 
Mikroanalyse  mit  Kieselfluorwasserstoflfsäure  ergab  einen  Gebalt  an  Natrium 
und  Magnesium.  Das  Wasser  wurde  quantitativ  durch  Glühverlust  be- 
stimmt, da  die  analysirte  Masse  nur  Spuren  von  Kohlensäure  ergab.  Die 
Kieselsäure  wurde  durch  zwei  Analysen  bestimmt,  das  Natrium  nur  als 
Verlust.  Die  sehr  geringe  Menge  vou  Eisenoxyd  besonders  zu  bestimmen, 
wurde  unterlassen. 

Das  Silicat  ist  sowohl  in  concentrirter  Salzsäure  wie  in  concentrirter 
Kalilauge  bei  anhaltendem  Kochen  schwer  löslich;  kochende  Lösungen  von 
Chlornatrium  und  von  Magnesiumsulfat  blieben  ohne  jede  Einwirkung. 

Die  quantitative  Analyse  ergab  folgende  Zahlen; 

H*0  18,986 

SiO*  52,799 
ADO»  10,643 
Fe»0«  Spur 
MgO  9,650 

CaO  Spur 
Na»0  7,922 

12.  Der  Salzpelit  der  Pfanne  von  Ntschokutsa  ist  somit  ein  Chlor- 
natrium und  Magnesium  haltiges,  an  Sand-  und  Oolithkörnern  verschieden 
reiches,  amorphes,  wasserhaltiges  N’atrium-Magnesium-Aluminium-Silicat 
von  einer  keinem  bisher  bekannten  Minerale  entsprechenden  Zusammen- 
setzung, mit  brecciöser  Structur.  Es  ist  wahrscheinlicher,  dass  das  aua- 
lysirte  Silicat  aus  lauter  einander  gleichen  Thcilchen  besteht,  als  dass  es 
ein  Gemisch  etwa  von  Kaolin  mit  einem  Natrium-Magnesium-Silicat  ist. 
Der  ganze  Salzpelit  ist  ein  Gestein  sui  generis,  dem  wolil  ein  besserer  ein- 
facher Name  gebührt,  als  die  Verlegenheits-Dezeichnung  Salzpelit.  Aus- 
drücklich muss  betont  werden,  dass  der  Salzpelit  durchaus  nichts  mit  irgend 
einer  eruptiven  Masse  oder  ihren  Zersetzungsproducten  zu  thun  hat;  nach 
Angabe  des  Herrn  Dr.  Passarge  spukt  in  Afrika  die  Bezeichnung  Trachyt 
für  die  Masse  herum. 


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B.  Die  Ernste  des  Salzpelites. 

13.  Der  Salzpelit  der  Pfanne  von  Ntschokutsa  ist  von  einer  Kruste 
bedeckt,  die  sich  als  ein  äusserst  hartes,  zähes  und  schwer  zersprengbares 
Gestein  von  grünlicher  bis  schwärzlicher  Farbe  darstellt  und  mit  blossem 
Auge  Sandkörner  und  Oolithkörner  wie  der  Salzpelit  erkennen  lässt.  Vor- 
liegende Handstücke  zeigen  eine  Mächtigkeit  von  4 bis  6 cm;  an  einigen 
Stücken  haftet  auch  noch  der  Salzpebt  an  dieser  Kruste,  und  die  Grenze 
ist  recht  scharf  durch  den  Farbenunterschied  und  ebenso  durch  den  Gegen- 
satz zwischen  der  mürben  und  der  mit  dem  Messer  nicht  ritzbaren  Masse. 
Die  Kruste  hat  stets  eine  ausgesprochen  brecciöse  Structur;  lagert  die 
Kruste  nach  Passarge’s  Mittheilungen  an  einzelnen  Stellen  in  grosse  und 
kleine  Schollen  zerbrochen  auf  dem  Salzpelit,  so  hat  sie  auch  noch  in 
diesen  Schollen  an  und  für  sich  eine  kleinstückige  Zusammensetzung;  alle 
Bruchstücke  sind  aber  oft  wieder  zu  einem  festen  lückenlosen  Gestein  ver- 
kittet. Unter  den  Bruchstücken  fallen  besonders  solche  auf,  die  einem  un- 
reinen Cbalcedon  ähneln.  In  einigen  Handstücken  sind  die  Lücken  zwischen 
den  Bruchstücken  nur  theilweise  ausgefüllt;  kleine  Poren  mit  einem  Ueber- 
zug  von  kohlensaurem  Kalk  konnten  mehrfach  beobachtet  werden. 

14.  Dünnschliffe  von  diesem  harten  Gestein  zeigen  zunächst  die 
Quarz-Sandkörner  von  derselben  Grösse  und  Form  wie  der  Salzpelit.  Die 
Oolithkörner,  ebenso  regellos  und  im  Ganzen  nicht  gerade  reichlich  ver- 
theilt wie  im  Salzpelit,  sind  in  manchen  Präparaten  etwas  kiystallinisch 
geworden.  Sonst  finden  sich  dieselben  halbirten  Oolithkörner  und  die 
kleinsten  Bruchstücke  von  Oolithkürnern,  immer  noch  an  ihrer  Structur 
als  solche  erkennbar,  wie  im  Salzpelit.  Kalkstaub  ist  in  der  Kruste  in 
stark  schwankender  Menge  vorhanden,  in  einem  Präparat  erscheint  er  ge- 
radezu als  der  beinahe  vorherrschende  Bestandtheil.  Beachtenswerth  ist 
es,  dass  der  Kalkstaub  gelegentlich  in  deutlichen  kleinsten  und  selbst  etwas 
grösseren  Calcitrhomboedern  auftritt.  Einige  kleinere  und  grössere  Frag- 
mente zeigen  die  Structur  eines  feinkörnigen  Chalcedons  zwischen  gekreuzten 
Nicols.  Opake  Eisenerzpartikeln  verursachen  die  dunkele  Farbe  des  Ge- 
steins, obwohl  sie  gar  nicht  in  besonders  reichlicher  Menge  auftreten. 

15.  Die  Grundmasse  nun,  die  in  diesem  brecciösen  Gestein  meist 
vor  allen  erwähnten  Bestandtheilen  vorwaltet,  zeigt  zwischen  gekreuzten 
Nicols  eine  schwache,  ganz  feinkörnige  Aggregatpolarisation.  Feinste  wie 
Staub  erscheinende  Partikelchen  dürften  nur  sehr  feine  Poren  sein;  sonst 
ist  die  Grundmasse  aus  homogenen  Partikeln  zusammengesetzt,  abgesehen 
von  dem  Kalkstaub.  Mit  Rücksicht  auf  ihre  gleich  anzugebende  chemische 
Zusammensetzung  und  mit  Rücksicht  auf  die  Verhältnisse  in  anderen  Ge- 
steinen der  nördlichen  Kalahari  muss  diese  Grundmasse  als  Cbalcedon 
bezeichnet  werden,  als  ein  unreiner  Cbalcedon  von  ganz  feinkörniger  Structur. 
Nur  selten  wird  seine  Structur  dadurch  etwas  grobkörniger,  dass  kleine, 
aber  noch  deutlich  aus  einzelnen  Körnchen  zusammengesetzte  Partien  beim 
Drehen  des  Präparates  zwischen  gekreuzten  Nicols  auf  einmal  das  Maxi- 
mum der  Dunkelheit  erreichen.  Eine  Art  poikilitischer  Structur  dürfte 
diese  Erscheinung  erklären.  Grössere  Bruchstücke  im  Gestein  haben  im 
Wesentlichen  dieselbe  Beschaffenheit  wie  die  ganze  Alles  verkittende  Masse. 

Diese  Grundmasse  ist  auch  in  dünnsten  Splittern  vor  dem  Löthrohre 
unschmelzbar,  doch  backt  das  Pulver  beim  Glühen  im  Platintiegel  noch 
ein  wenig  zusammen.  Für  die  quantitative  Analyse  wurde  das  pulverisirte 


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Krustengestein  mit  verdünnter  Salzsäure  entkalkt,  um  den  Vergleich  mit 
der  Analyse  des  Salzpelit-Silicates  zu  vereinfachen.  Die  Analyse  ergab: 

11*0  2,724 

SiO*  92,614 

A1*0»  1 „ 

Fe*0*  I 
MgO  0,500 

CaO  — 

Na*0  1,514 

16.  Die  beiden  Analysen  des  Salzpelit-Silicates  und  der  entkalkten 
Kruste  lassen  sich  aber  noch  nicht  ohne  Weiteres  vergleichen,  da  ja  aus 
dem  Salzpeht  auch  der  Quarzsand  entfernt  worden  war.  was  natürlich  bei 
der  Kruste  unmöglich  war.  Wenn  man  aber  im  Auge  behält,  dass  Material, 
das  direct  seiner  chemischen  Zusammensetzung  nach  verglichen  werden 
konnte,  überhaupt  nicht  vorlag  und  nicht  präparirt  werden  konnte,  so  wird 
man  zugeben  dürfen,  dass  die  mitgctheilten  Analysen  vergleichbar  werden, 
sobald  man  zu  der  Zusammensetzung  des  Silicates  des  Salzpelites  noch 
einen  gewissen  Betrag  Kieselsäure  als  dem  Quarzsandgehalt  der  Kruste 
entsprechend  hinzuschlägt.  Wie  viel  Procent  Quarzsand  aber  in  dem  Krusten- 
gestein, das  für  die  Analyse  verwendet  wurde,  drinstecken,  lässt  sich  auch 
wieder  nicht  genau  angeben.  Es  müssen  deshalb  willkürliche  Mengen  SiO* 
— also  wie  unten  geschehen  30  und  40  Procent  als  hohe  Beträge  — zu 
der  Zusammensetzung  des  Salzpelit-Silicates  hinzugerechnet  werden: 


Silicat 

Silicat 

Silicat 

Kruste 

+ 30%  SiO* 

+ 40%  SiO* 

H*0 

18,986 

13,290 

11,392 

2,724 

SiO* 

62,799 

66,959 

71,6*9 

92,614 

A1*0* 

10,043 

7460 

6,386 

} 2,648 

Fe*0* 

— 

— 

— 

MgO 

9,660 

6,755 

5,790 

0,BOO 

Na»0 

7,922 

5,546 

4,753 

1,614 

Da  nun  der  Augenschein  lehrt,  dass  die  Kruste  unzweifelhaft  aus  dem 
Salzpelit  hervorgegangen  ist,  und  dass  ferner  die  Kruste  auch  keine  wesent- 
lich andere  Structur  hat  als  der  Salzpelit,  so  ist  bei  der  Bildung  der  Kruste 
viel  Kieselsäure  und  etwas  Eisen  zugeführt,  dagegen  Thonerde,  Magnesia, 
Natron  und  viel  Wasser  weggeführt  worden.  Zufuhr  von  Kieselsäure  allein 
genügt  nicht,  um  die  chemische  Veränderung  zu  deuten.  Die  Kruste  ist 
also  ein  Kieselgestein,  das  durch  hydatogene  Metamorphose  .aus  dem 
Salzpelit  hervorgegangen  ist;  ihre  Chalcedon-Grundmasse  ist  eine  Pseudo- 
raorphose  nach  dem  Silicat  des  Salzpelites. 

C.  Genetisches. 

17.  Die  Pfanne  Ntschokutsa  liegt  am  südlichen  Bande  des  grossen 
Makarikari-Gebietes.  In  der  Gegenwart  wird  dieses  mehrere  Kilometer 
ira  Durchmesser  haltende  Becken  nur  noch  periodisch,  z.  B.  1898  99,  von 
üeberschwemmungen  überfluthet,  wohl  aber  muss  das  früher  regelmässig 
der  Fall  gewesen  sein.  Dennoch  wird  Niemand  behaupten  können,  dass 
der  Salzpelit  einfach  ein  primäres  Sediment  sei.  So  wenig  auch  bisher 
über  die  Sedimente  in  Seebecken  ira  Inneren  von  grossen  Continenten  und 


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in  Steppen  auf  Grund  genauer  Untersuchung  bekannt  ist,  so  erscheint  doch 
die  directe  Ablagerung  eines  wasserhaltigen  Natron-Magnesia-Thonerde- 
Silicates  nach  allen  geodynaniischen  Theorien  unmöglich,  zumal  vulcanisches 
Material  ausgeschlossen  ist.  Ich  bin  mir  vollkommen  bewusst,  dass  ich 
über  einen  Gegenstand  zu  speculiren  im  Begriffe  bin,  den  ich  in  seiner 
ganzen  geologischen  Massenhaftigkeit  nicht  gesehen  habe;  ja  mir  standen 
für  die  Untersuchung  nur  kleine  Proben  und  nur  von  einer  Stelle  der 
Pfanne  zur  Verfügung.  Und  Herr  Ür.  Passarge  konnte  an  Ort  und  Stelle 
ebenso  wenig  die  winzigen  Oolithkörner  als  solche  erkennen,  wie  auf  die 
Vermuthung  kommen,  dass  der  im  feuchten  Zustande  wie  Thon  aussebende 
Salzpelit  doch  kein  Thon,  sondern  etwas  ganz  Besonderes  sei.  Deshalb 
werden  auch  erst  in  Zukunft  die  in  Frage  kommenden  Phänomene  genauer 
studirt  und  discutirt  werden  können;  es  ist  aber  doch  nothwendig,  an 
diesem  Orte  die  theoretischen  Vorstellungen  darzulegen,  die  ich  mir  nach 
meinen  Untersuchungen  und  nach  den  Schilderungen  Passarge’s  gebildet 
habe.  Denn  die  Erkennung  der  Entstehung  der  Salzpelit-Kruste  giebt  den 
einzigen  Anhalt  für  die  Erklärung  des  Phänomens  der  Verkieselung  von 
Gesteinen,  das  uns  in  der  nördlichen  Kalahari  in  einem  gewaltigen  Ge- 
biete überall  entgegentritt.  Die  Thatsachen  liegen  schon  jetzt  vor,  ihre 
theoretische  Erklärung  wird  erst  in  Zukunft  gesichert  werden  können. 

18.  Von  den  Bestandtheilen  des  Salzpelites  sind  die  Oolithkörner  am 
leichtesten  zu  erklären.  Dass  sie  vegetabilischen  Ursprungs  sind,  ist  in 
der  neueren  Zeit  erkannt  worden;  ich  werde  bald  Gelegenheit  haben,  in 
einer  anderen  Arbeit  weitere  Beweise  dafür  aus  den  Oolithen  und  ver- 
wandten Gesteinen  selbst  beizubringen.  Ist  also  die  Ntschokutsa-Pfanne 
ein  Seebecken  oder  wenigstens  periodisch  unter  Wasser  gewesen,  so  sind 
die  Oolithkörner  im  Salzpelit  einfach  primäre  Bestandtheile  desselben. 
Die  Zerstückelung  der  Oolithkörner  kann  am  leichtesten  durch  Auskrj'stal- 
lisiren  von  Salzlösungen  erklärt  werden,  die  in  die  abgestorbenen  Oolith- 
körner eingedrungen  waren.  Zweifelhaft,  ja  unwahrscheinlich  ist  es,  dass 
auch  der  Kalkstaub,  dass  aller  Kalkstaub  von  Oolithkörnern  herstammt. 
Wir  wissen  vielmehr,  dass  von  vielen  niederen  Ptlanzen  auf  ihrer  Ober- 
fläche, manchmal  auch  in  einer  pflanzlichen  Gallerte,  Körnchen  von  Cal- 
ciumcarbonat abgeschieden  werden.  Auch  für  den  Kalkstaub  also  können 
wir  pflanzlichen  Ursprung  annehmen. 

19.  Die  Quarzsandkörner  und  die  selteneren  Gesteinsbröckchen  haben 
meist  nur  geringe  Dimensionen;  ihre  Form  lässt  keinen  sicheren  Schluss 
zu,  auf  welchem  Wege  sie  in  die  Pfanne  gekommen  sind.  Einschwemmung 
ist  nicht  unmöglich,  daneben  aber  würde  ein  Transport  durch  den  Wind 
in  F'rage  kommen.  Jedenfalls  ist  es  auffällig,  dass  die  Sandkörner  im 
Salzpelit  ganz  unregelmässig  vertheilt  sind. 

20.  Eingeschwemnit  in  die  Salzpfanne  wird  eine  gewisse  Menge  von 
einem  thonerdehaltigen  Schlick  sein.  Aber  auch  in  dem  Gebiet  der  grossen 
Makarikari  wuchert  an  allen  Seen  und  Flussläufen  eine  üppige  Schilfvege- 
tation,  ein  Vegetationsgürtel  namentlich  an  den  Rändern  der  Becken,  der 
wohl  geeignet  ist,  bei  Ueberfluthungen  der  Becken  d.as  trübe  Wasser  zu 
filtriren,  die  Hauptmasse  des  Schlickes  vom  Becken  fern  zu  halten,  wie 
wir  darüber  Berichte  auch  aus  anderen  Gebieten  Afrikas  haben.  Die  Ried- 
gräser selbst  aber  sterben  auch  ab;  sie  enthalten  in  ihren  Membranen 
Kieselsäure,  die  in  allerleichtesten  Flöckchen  und  Theilchen  im  Verein  mit 


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organischer  Substanz  doch  in  die  Becken  gelangt.  Es  ist  mir  nicht  ge- 
lungen, in  botanischen  Lehrbüchern  Angaben  über  die  Schicksale  der  Kiesel- 
säure in  abgestorbenen  Pflanzentheileu  zu  finden;  irgendwo  muss  sie  doch 
bleiben  oder  im  festen  oder  gelösten  Zustande  hingeführt  werden.  Von 
den  Diatomeen  allein  kennen  wir  den  Verbleib  der  Kieselsäure,  und  Dia- 
tomeen werden  wohl  auch  hier  bei  der  Bildung  und  Umbildung  des  Salz- 
pelites  eine  Rolle  gespielt  haben,  wenngleich  ich  sie  in  ihm  nicht  mehr 
nachweisen  konnte.  In  den  Kalahari-Kalken  aber  habe  ich  sie  gefunden, 
wie  weiter  unten  erwähnt  werden  wird.  Ich  bin  also  der  Meinung,  dass 
in  den  Salzpfannen  ein  an  Kieselsäure  vegetabilischen  Ursprungs  reicher 
Schlick  abgelagert  wurde,  der  ebenso  reich  war  an  Kalkstaub  und  der 
auch  organische  Substanz  in  Menge  enthielt.  Ein  bedeutender  Theil  des 
Schlickes  mag  aber  auch  gar  nicht  durch  Wasser  an  Ort  und  Stelle  trans- 
portirt  worden  sein,  sondern  vielmehr  eingewehter  Staub,  ein  äolisches 
Sediment  sein. 

21.  Kohlensäure  Alkalien  konnte  ich  in  dem  Salzpelit  nicht  nachweisen, 
er  enthält  vielmehr  nur  NaCl  und  MgSO*.  Der  Ursprung  dieser  Salze 
wird  auf  dieselbe  W'eise  zu  erklären  sein,  wie  der  Salzgehalt  von  Binnen- 
seen — so  viel  oder  so  wenig  wir  davon  eigentlich  wissen.  Hier  in  diesem 
Falle  dem  Ursprung  der  Magnesiasalze  besonders  nachzuforschen,  würde 
ein  eitles  Unternehmen  sein.  Allein  es  ist  wohl  denkbar,  dass  diese  Salze, 
Chlornatrium  und  Magnesiumsulfat  und  vielleicht  jetzt  nicht  mehr  vor- 
handene Alkalicarbonate,  ira  Verein  mit  Kieselsäure  in  mehr  oder  minder 
leicht  löslicher  Form  und  im  Verein  mit  organischer,  humoser  Substanz 
im  Stande  gewesen  sind,  aus  dem  Schlick  das  wasserhaltige  Xatron-Mag- 
nesia-Thonerde-Silicat  zu  erzeugen,  ln  wie  weit  hierbei  auch  noch  klima- 
tische und  meteorologische  Verhältnisse  in  Frage  kommen  könnten,  ent- 
zieht sich  vorläufig  jeder  Beurtheilung.  Nach  Allem,  was  mir  Herr  Dr.  Pas- 
sarge mitgetheilt  hat,  entsteht  der  Salzpelit  jetzt  nicht  mehr,  er  ist  ent- 
standen in  der  allerjüngsten  Vergangenheit. 

22.  Die  Entstehung  der  brecciösen  Structur  des  Salzpelites  bietet  der 
Erklärung  keine  besonderen  Schwierigkeiten.  Bei  periodischer  Trocken- 
legung wird  der  sich  bildende  Salzpelit  von  Spalten  durchzogen  werden, 
zu  deren  Vermehrung  und  Erweiterung  auskrystallisirende  Salze  noch  das 
Ihrige  beitragen:  die  Breccien  sind  nicht  durch  Gebirgsbewegung  entstanden, 
nicht  zusammengeschwemmt,  sondern  eine  Bildung  in  situ  bei  der  Ent- 
stehung der  Massen  selbst. 

23.  In  dem  Salzpelit  sind  aber  wahrscheinlich  die  Bildungsvorgänge  mit 
der  Entstehung  des  Silicates  doch  noch  gar  nicht  abgeschlossen;  es  finden  noch 
weitere  chemische  Processe  statt,  bei  denen  Kieselsäure  in  Bewegung  ge- 
räth,  in  Trockenperioden  capillar  aufsteigt  und  eine  Verkieselung  der  ober- 
fiächlichsteii  Partien  herbeiführt,  die  Bildung  der  Kruste  verursacht.  Die 
Sonne  und  die  Thiere  zerstückeln  die  sich  bildende  Kruste,  deren  Bruch- 
stücke immer  wieder  von  Neuem  verkittet  werden. 

Kieselsäure  organischen  Ursi)ruiigs  und  ihr  Transport  bei 
Gegenwart  von  Salzen  verschiedener  Art  und  organischer,  etwa 
humoser  Substanzen,  dazu  in  anderen  Fällen  Verschleppung 
dieser  Reagentien  durch  Sieker- und  tjuellwasser  — das  sind  die 
Factoren,  die  in  der  nördlichen  Kalahari  das  Phänomen  der 
Verkieselung  hervorgerufen  haben.  Geysirphänomene  kommen 
durchaus  nicht  in  Frage. 


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II.  Kalahari- Kalk. 

24.  Die  jungen  Kalahari- Kalke  sind  mürbe  bis  ganz  feste  und 
harte  Gesteine  von  dichter  Structur  und  hellen  bis  hellbraunen  Farben. 
Die  festen  Kalksteine  zeigen  im  Dünnschliff  meist  fleckige  Deschaflenheit 
durch  Herausbildung  von  Stellen  mit  etwas  gröber  krystallinem  Korn.  Die 
mikrochemische  Analyse  wies  in  einigeu  Vorkommnissen  einen  geringen  und 
bedeutungslosen  Gehalt  an  Magnesia  nach.  Beim  Auflösen  in  verdünnter 
kalter  Salzsäure  bleiben  übrig  feiner  Sand,  Thon  und  stets  auch  Flocken 
von  organischer  Substanz.  Es  wurden  nur  einige  wenige  Vorkommnisse 
untersucht,  in  mehreren  aber  doch  im  Lösungsrückstand  Spongillen-Nadeln 
und  Diatomeen,  meist  in  Bruchstücken,  in  nicht  unbeträchtlicher  Menge 
nachgewiesen.  Die  Diatomeen  werden  von  anderer  Seite  bestimmt  werden. 
Mit  Ausnahme  der  Oolithkörner  enthält  also  der  Kalahari-Kalk  alle  Be- 
standtheile,  die  für  das  supponirte  Substrat  des  Salzpelites  angesetzt  wurden, 
wenn  vielleicht  auch  in  anderen  Mengenverhältnissen. 

Die  Kalahari-Kalke  haben  schon  makroskopische  Eigenthümlichkeiten 
der  Structur,  die  dazu  führen,  diese  Kalksteine  wesentlich  als  Kalksinter- 
bildungen in  Binnengew'ässern  aufzufassen,  als  Kalksteine  terrestrischen, 
phytogenen  Ursprungs.  Diese  Auffassung  genauer  zu  begründen,  muss  an 
dieser  Stelle  unterlassen  werden. 

25.  Hier  ist  es  für  den  Gegenstand  der  Abhandlung  nur  von  Bedeu- 
tung, dass  in  einem  Vorkommniss  von  Kalahari-Kalk  auch  der  Beginn  der 
Verkieselung  mit  Sicherheit  nachgewiesen  werden  konnte.  Es  ist  das 
der  Kalahari-Kalk  von  der  Pfanne  Kauganna,  östlich  von  Gam,  also  west- 
lich vom  Ngami-See  in  der  Nähe  der  Grenze  von  Deutsch-Süd-West-Afrika. 
Dieser  Kalkstein  zeigt  in  typischer  Weise  Kalksinterringe  von  bis  1 cm  Durch- 
messer, innerhalb  deren  sich  zum  Theil  ein  fast  ganz  sandfreier  Kalk  vor- 
findet, während  die  Masse  zwischen  den  Bingen  an  Sand  sehr  reich  ist. 
Stellenweise  ist  nun  an  Stelle  des  Calcites  sowohl  der  Sinterringe  wie  der 
innerhalb  und  ausserhalb  derselben  befindlichen  Gesteinsmasse  ein  ganz 
feinkörniger,  unreiner  Chalcedon  getreten  mit  kleinsten  fetzenartigen  Relic- 
ten  des  Calcites,  Erscheinungen,  die  weiter  unten  ausführlicher  beschrieben 
werden  sollen.  Löst  man  das  Gestein  in  Salzsäure  auf,  so  bleiben  thon- 
reiche Brocken  übrig,  die  leicht  zerdrückbar  sind.  Unter  dem  Mikroskope 
findet  man  in  dem  in  Wasser  ausgebreiteten  Lösungsrückstand  zahlreiche 
zackig-faserige  Aggregate,  die  Chalcedon  sind.  Die  Bestimmung  dieser  in 
kochender  concentrirter  Salzsäure  unlöslichen  Aggregate  als  Chalcedon 
ergiebt  sich  aus  analogen  Verhältnissen  in  anderen  Gesteinen.  Die  Art 
der  Verkieselung  in  diesem  Kalahari-Kalk  ist  überhaupt  durchaus  analog 
der  anderer  Kalksteine,  weshalb  hier  nicht  weiter  darauf  eingegangen  zu 
werden  braucht. 


111.  Botletle  - Slchichten. 

A.  Methoden  der  üntersnchnng. 

26.  Die  Gesteine  der  Botletle-Schichten  und  die  aller  übrigen  Schichten- 
systeme wurden  in  Dünnschliffen  auf  ihre  Zusammensetzung  und  Structur 
untersuclit.  Es  wurden  gegen  350  Schliffe  von  den  verschiedenen  Hand- 


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stücken  angefertigt,  ausser  yon  denen,  die  schon  makroskopisch  mit  Sicher- 
heit die  Identität  mit  anderen  Stücken  von  demselben  Fundpunkte  erkennen 
Hessen.  Es  stellte  sich  aber  heraus,  dass  diese  mikroskopische  Unter- 
suchung in  sehr  vielen  Fällen  zur  Erkennung  der  wahren  Sachlage  nicht 
genügte.  Zunächst  ist  es  wie  bekannt  bei  den-  dichten  Carbonatgesteinen 
nicht  möglich,  unter  dem  Mikroskope  Kalkspath  und  Dolomit  zu  unter- 
scheiden; hier,  wo  es  sich  meist  nur  um  kleinste  Körnchen  dieser  Mine- 
ralien handelt,  versagen  alle  formalen  und  structurellen  Verhältnisse,  die 
man  zum  Anhalte  nehmen  möchte.  Dann  aber  verdecken  die  Carbonspäthe 
durch  ihre  starke  Doppelbrechung  sehr  häufig  allen  Gehalt  au  Thon  und 
vor  Allem  auch  allen  feinvertheilten  Chalcedon.  Wo  es  nöthig  schien, 
wurden  besondere  Dünnsclilifie  von  solchen  Kalksteinen  augefertigt;  die 
fertig  geschliffenen  Präparate  wurden  dann  entkalkt,  d.  h.  der  Kalkspath 
wurde  langsam  durch  kalte  verdünnte  Salzsäure  aufgelöst.  Verfährt  man 
hierbei  behutsam,  so  kann  man  ein  solches  entkalktes  Präparat  auch  aus- 
wässern, ohne  dass  bei  den  Proceduren  irgend  wie  die  Lagerung  und  der 
Zusammenhang  der  unlöslichen  Partikeln  gestört  wird.  Das  trocken  ge- 
wordene Präparat  wird  dann  zur  Hälfte  mit  einer  Lösung  von  hartgekochtem 
Canadabalsam  in  Chloroform  mit  einem  weichen  Pinsel  vorsichtig  über- 
strichen. Ist  der  Lösungsrückstand  auf  der  Canadabalsamscliicht  sehr  ge- 
ring oder  augenscheinlich  sehr  locker,  so  lässt  man  einen  Tropfen  der 
Canadabalsamlösung  aus  dem  Pinsel  darauf  fallen,  ln  jedem  Falle  ist  es 
nöthig,  entkalkte  Kalksteinpräparate  frei  und  mit  Canadabalsam  bedeckt 
zu  untersuchen. 

27.  Aus  allen  Schichtensystemen  wurden  zusammen  135  Proben  mikro- 
chemisch Untersucht  zur  Entscheidung,  ob  Kalkstein  oder  Dolomit  vor- 
liegt. Mit  der  Untersuchung  des  Lösungsrückstandes  unter  dem  Mikroskope 
und  mit  allen  Vorbereitungen  nimmt  jede  Probe  ungefähr  20  Minuten  in 
Anspruch,  auch  wenn  10  bis  20  Proben  auf  einmal  bearbeitet  werden. 
Man  schlägt  sich  kleine  Stückchen  von  etwa  20  bis  30  mm“,  womöglich 
in  Form  flacher  Scherbchen  und  möglichst  gleich  gross  von  den  verschie- 
denen zu  untersuchenden  Gesteinen.  Diese  Stückchen  und  ihre  Lösungen 
werden  ferner  stets  mit  denselben  vorbereiteten  Reagentien  und  mit  gleich 
grossen  Mengen  derselben  behandelt,  so  dass  man  die  Vorgänge  mit  ein- 
ander vergleichen  kann.  Während  der  Ausführung  der  Untersuchung  wurden 
sofort  die  lleobaclitungen  bei  jeder  Probe  auf  einem  besonderen  Zettel  notirt. 

Die  Stückchen  Carbonatgestein  wurden  in  ein  Reagenzgläschen  gelegt, 
das  zu  einem  Viertel  mit  ungefähr  20procentiger  kalter  Salzsäure  gefüllt 
war.  Kalkstein  und  Dolomit  unterscheiden  sich  dann  nur  zum  Theil  durch 
die  Art  der  Entwickelung  der  Kohlensäure;  es  kann  auch  ein  normaler 
Dolomit  in  solcher  Salzsäure  stark  aufbrausen,  und  es  kann  ein  Kalkstein, 
der  reichlich  Thon  oder  feinvertheilten  Chalcedon  enthält,  nur  ganz  scliwache 
Kohlensäure-Entwickelung  aufweisen.  Nach  der  Beobachtung  der  Einwir- 
kung der  kalten  Salzsäure  wurde  diese  einmal  oder  mehrmals  bis  zum 
anhaltenden  Kochen  erhitzt,  bis  möglichst  alle  Kohlensäure  ausgetrieben 
war.  Die  Lösung  in  dem  Reagenzgläschen  wurde  nun  verdünnt  bis  zur 
Ausfüllung  des  Gläschens.  Zu  einem  Tröpfchen  dieser  verdünnten  Lösung  auf 
eiuem  Übjectträger  wurde  dann  ein  Tröpfchen  eines  ziemlich  verdünnten 
Gemisches  von  50 Ammoniak,  25“u  einer  Lösung  Natriumphosphat 
und  25  "lg  einer  läisung  von  Ammoniumoxalat  gebracht.  Man  muss  sich 
den  besten  Concentrationsgrad  des  Reagenzes  durch  Vorversuche  mit  Calcit 


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und  Dolomit  ermitteln.  Stehen  Lösung  und  Reagenz  in  bestem  Verbält- 
niss  zu  einander,  dann  geht  die  Reaction  auf  Kalk  beim  Fallenlassen  des 
Reagenztropfens  augenblicklich  und  bis  zur  völligen  Ausfüllung  des  Calcium- 
oxalates in  den  bekannten  winzigsten,  eine  zusammenhängende  Haut  bil- 
denden Körnchen  vor  sich..  Das  Ammonium-Magnesium-Phosphat  scheidet 
sich  langsamer  ab,  doch  ist  auch  diese  Reaction  in  2 bis  3 Minuten  be- 
endet. Die  Krystallgnippen  des  sich  bildenden  Magnesiumsalzes  sind  ihrer 
Form  nach  abhängig  von  dem  Concentrationsgrade  der  angewandten 
Lösungen,  in  jedem  Falle  aber  höchst  charakteristisch  und  von  dem  Kalk- 
niederschlag leicht  zu  unterscheiden.  Man  wird  durch  diese  Reactionen 
nicht  nur  leicht  Kalkstein  und  Dolomit  unterscheiden  können,  sondern  auch 
genügend  den  Gehalt  an  Magnesia  in  mehr  oder  minder  dolomitischen 
Kalksteinen  zu  bestimmen  im  Stande  sein. 

Ein  etwaiger  Lösungsrückstand  der  Proben  wurde  pun  gleich  weiter 
untersucht;  es  kommt  darauf  an,  ob  die  Probe  eine  klare  oder  trübe 
Lösung  giebt,  ob  das  Stückchen  seine  Form  unverändert  beibehält  oder 
in  Brocken  zerfällt,  ob  der  Rest  hart  ist  oder  mehr  oder  minder  leicht 
zerdrückbar.  Pulveriger  oder  zerdrückter  Rückstand  wurde  stets  in  Wasser 
auf  dem  Objectträger  unter  dem  Mikroskope  untersucht;  in  vielen  Fällen 
aber  wurde  ein  besonders  beachtenswerther  Lösungsrückstand  auch  noch 
nach  dem  Auswaschen  mit  Alkohol  in  Canadabalsam  unter  Deckglas 
untersucht. 


B.  Gesteinsreihen. 

28.  Es  erwies  sich  bei  der  Untersuchung  und  für  die  Schilderung  als 
nüthig,  die  Gesteine  der  Botletle-Schichten  und  die  von  Passarge  als  I’fanneu- 
Sandsteine  bezeichneten  Vorkommnisse  gemeinsam  zu  behandeln;  ich  muss 
es  Herrn  Dr.  Passarge  überlassen,  auf  Grund  meiner  ihm  zur  Verfügung 
gestellten  Eiuzeldiagnosen  unter  Berücksichtigung  des  Vorkommens  und 
der  Lagerung  zu  entscheiden,  ob  durchgreifende  Unterschiede  zwischen 
den  Gesteinen  der  beiden  Stufen  bestehen.  Ich  vereinige  also  diese  Vorkomm- 
nisse unter  der  Bezeichnung  der  Botletle-Gesteine.  Es  wurden  90  sicher 
zu  diesen  Schichtensystemen  gehörige  Gesteine  von  ungefähr  20  Locali- 
täten  untersucht,  die  sich  über  das  ganze  grosse  Gebiet  vertheileu.  Regio- 
nale Unterschiede  zwischen  den  Vorkommnissen  konnten  in  geringem  Grade 
festgestellt  werden,  aber  irgend  welche  Schlüsse  daraus  auf  genetische 
Verhältnisse  zu  ziehen,  bin  ich  nicht  im  Stande  gewesen.  Deshalb  kann 
ich  es  auch  unterlassen,  die  einzelnen  Localitäten  namhaft  zu  machen, 
die  man  ja  doch  vorläufig  noch  auf  keiner  Karte  aufsuchen  kann.  Wie 
von  Herrn  Dr.  Passarge  ein  häufiger  und  schneller  Wechsel  in  der  mine- 
ralischen Zusammensetzung  der  Botletle-Gesteine  im  Grossen  beobachtet 
werden  konnte,  so  wechseln  sie  auch  im  Kleinen,  im  Handstück  und  sogar 
im  einzelnen  Düuiischlitf;  mehrfach  zeigte  ein  und  dasselbe  Präparat  zwei 
bis  drei  ganz  verschiedene  Structuren  und  Verhältnisse  der  Gemengtheile 
zu  einander. 

Die  Botletle-Gesteine  zerfallen  in  die  zwei  genetisch  getrennten  Typen 
der  sandigeti  Kalksteine  und  der  Chalcedon-Sandsteine,  die  im  Grossen 
und  Ganzen  auch  den  geologischen  Abtheilungen  der  Pfannen-Saudsteine 
und  der  eigentlichen  Botletle-Schichten  zu  entsprechen  scheinen. 

29.  Als  Typus  der  sandigen  Kalksteine  müssen  alle  diejenigen 
sehr  verscliiedenen  Gesteine  zusammengefasst  werden,  die  primär  mehr 


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oder  minder  kalkreiche  Sandsteine  und  sandige  bis  reim;  Kalksteine  sind 
oder  waren.  Die  Gesteine  treten  jetzt  auf  als  seit  ihrer  Ablagerung  wesent- 
lich unverändert  oder  als  durch  hydatogene  Metamorphose  verändert  Die 
Veränderungsvorgänge  sind  die  der  Dolomitisirung  und  der  Verkieselung, 
Vorgänge,  die  einzeln  auftreten  oder  zusammen  und  dann  augenscheinlich 
doch  von  einander  unabhängig.  Es  ist  allerdings  ungemein  schwierig,  sich 
hier  ein  Urtheil  zu  bilden;  ich  will  auch  nur  sagen,  dass  ich  im  Laufe 
der  Untersuchungen  zu  der  V'orstellung  gekommen  bin,  dass  im  Wesent- 
lichen eine  Dolomitisirung  vor  der  Verkieselung  eingetreten  ist,  ohne  dass 
irgend  wie  ein  geologisch  grosser  Zeitraum  zwischen  den  beiden  Vorgängen 
gelegen  ist.  Leide  Vorgänge  könnten  also  auch  als  geologisch  gleichzeitig 
aufgefasst  werden;  sie  sind  aber  vor  Allem  von  einander  unabhängig  in 
ihrem  Auftreten. 

Die  Dolomitisirung  befällt  die  Gesteine  so,  dass  der  kohlcnsaure  Kalk 
nur  zum  Theil  in  Dolomit  umgewandelt  wird,  oder  dass  alles  oder  fast 
alles  Calciumcarbonat  in  Dolomit  übergeht.  Von  50  mikrochemisch  unter- 
suchten Proben  ergaben  25  nur  Calcium,  9 erwiesen  sich  als  mehr  oder 
minder  inagnesiumhaltig,  und  in  16  l’roben  war  der  Gehalt  an  Magnesium 
so  hoch,  dass  das  Gestein  einfach  als  Dolomit  zu  bezeichnen  ist,  ohne 
damit  das  Vorhandensein  von  geringen  Mengen  von  reinem  magnesiafreien 
Calciumcarbonat  in  Abrede  stellen  zu  wollen. 

Die  zweite  Veränderung  dieses  Typus  der  Dotletle-Gesteine,  die  Ver- 
kieselung, ist  die,  dass  in  ihnen  Calcit  und  Dolomit  in  Chalcedon  ver- 
schiedener Art  umgewandelt  sind,  ein  Vorgang,  der  von  einer  Spur  von  Ver- 
kieselung bis  zur  völligen  Verkieselung  und  Verdrängung  alles  Carbonates 
durch  Kieselsäure  fortschreiten  kann.  Dieser  Vorgang  soll  als  Verkiese- 
lung bezeichnet  werden.  Hierbei  wird  diese  Hezeichnung  in  engerem 
Sinne  gebraucht  als  in  dem  Titel  der  Abhandlung;  doch  wird  d.adurch  ein 
Irrthum  nicht  veranlasst  werden. 

Zu  dem  Typus  der  sandigen  Kalksteine  gehören  auch  Vorkommnisse, 
die  eine  scheinbare  oder  echte  breceiöse  Structur  besitzen.  Die  schein- 
bar breceiüse  Structur  wird  entweder  durch  primär  sehr  nngleicbmässig 
vertheilten  und  rasch  wechselnden  Sandgehalt  verursacht  oder  durch  un- 
gleichmässig  eingetretene  Verkieselung.  Es  ist  bisweilen  gar  nicht  leicht, 
diese  scheinbar  breceiösen  Gesteine  im  liandstück  von  den  wirklich  brec- 
eiösen  zu  unterscheiden.  Die  echten  Breccien  aber  haben  alle  eine  solche 
Zusammensetzung  und  Structur,  dass  die  Breccienbildung  auch  in  situ, 
ohne  Gebirgsbewegung  und  ohne  Zusammenschwemmung  in  ganz  analoger 
Weise  wie  bei  dem  Salzpelit  und  seiner  Kruste  vor  sich  gegangen  sein  muss. 

30.  Der  Typus  der  Chalcedon-Sandsteine  umfasst  Gesteine  mit 
einem  Chalcedoncement,  von  dem  an  Structur  und  Art  des  .\uftretens  nicht 
nachweisbar  ist,  dass  es  pseudomorph,  authigen  secundär,  an  Stelle  von 
Carbonat  getreten  ist  Hier  ist  der  Chalcedon  authigen  primär  wohl  in 
lockere  Sande  eingedrungen,  diese  erst  zu  einem  festen  (iestein  machend. 
Dieser  Vorgang  soll  hier  von  dem  der  Verkieselung  im  engeren  Sinne  als 
Einkieselung  unterschieden  werden.  Für  einen  entfernt  ähnlichen  \ Organg 
bei  der  Entstehung  der  Kohlenge.steine  hat  W.  v.  Gümbel  ilas  Wort  In- 
kohlung gebildet  gehabt,  das  den  Vorgang  knapp  und  klar  bezeichnet  aber 
doch  sprachlich  unrichtig  gebildet  ist  Das  neue  Wort  Einkieselung  ist 
nach  Analogie  mit  einseifon,  einfetten  u.  s.  w.  gebildet.  Eine  scharfe  Unter- 
scheidung von  Verkieselung  und  Einkieselung  ergab  sich  mir  im  Laufe  der 


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Untersuchung;  erst  als  diese  beiden  Vorgänge  als  zwei  ganz  verschiedene 
Arten  der  Imprägnation  mit  Kieselsäure  aus  einander  gehalten  wurden,  kam 
Klarheit  in  tlie  liestimmung  der  Natur  der  Gesteine  der  verschiedenen 
Schichtensysteine. 

Zu  dem  Typus  der  Chalcodon-Sandsteine  gehören  auch  echte  Breccien 
und  ferner  solche  Gesteine,  die  hei  einem  reichlichen  Gehalt  an  Braun- 
eisenstein kurz  als  Eisen- Sandsteine  bezeichnet  werden  können.  Einige 
Vorkommnisse  der  Chalcedon-Saiidsteine,  aber  auch  einige  der  Kalk-Sand- 
steinc  sind  als  Köhren-Sandsteine  entwickelt,  d.  h.  sie  sind  durchzogen  von 
geraden  oder  gekrümmten  hohlen  und  mit  lockerem  Material  eiTüllten 
itidiren,  die  als  durch  Wurzeln,  Schilfstengel  und  dergleichen  verursacht 
zu  erklären  sind;  genau  die  gleiche  Erscheinung  zeigt  sich  ja  auch  in 
jüngeren,  lacustren  Sandsteinen  unserer  Gegenden. 

31.  Die  Zahl  der  petrographisch  unterscheidl)uren  Arten  der  Botletle- 
Gesteine  ist  recht  gross;  namentlich  liefert  der  Typus  der  sandigen  Kalk- 
steine viel  Varietäten,  zu  deren  Bezeichnung  nur  lange  zusammengesetzte 
Ausdrücke  verwendet  werden  können.  Eine  recht  arge  Verirrung  würde 
es  sein,  wollte  man  im  Bereiche  der  sedimentären  Gesteine  der  Mode 
fröhnen,  die  bei  der  Beschreibung  der  Eruptivgesteine  im  Schwünge  ist, 
wo  man  womöglich  jedem  Handstücke  einen  besonderen  ,,Species“-Namen 
heizulegen  beliebt.  Die  Botletle-Gesteine  gehören  genetisch  zusammen ; 
es  wird  nützlich  sein,  auf  kleinem  Kauine  die  Varietäten  zusammen  ge- 
nannt zu  linden,  die  auf  Grund  der  genauen  Untersuchung,  aber  nicht 
mit  blossem  Auge  unterschieden  werden  können.  Wahrscheinlich  kommen 
in  der  nördlichen  Kalahari  noch  andere  Varietäten  vor,  als  die  sogleich 
aufzuzählenden,  ja  man  kann  aniiehmen,  dass  dort  alle  Varietäten  Vor- 
kommen, die  sich  ii'gend  durch  die  Combination  der  Begriffe  Sand,  Kalkstein, 
Dolomitisirung,  Verkieselung,  Einkieselung,  breceiös,  conglomeratisch  u.  s.  w. 
benennen  Hessen.  Da  aber  die  Bestimmung  der  einzelnen  Vorkommnisse 
eben  nur  für  die  llandstücke  gilt,  die  mir  gerade  Vorlagen,  so  ist  eine 
genauere  Ortsangabe  wohl  überflüssig;  von  lledeutung  ist  nur  die  Zahl 
der  Vorkommnisse  der  unterscheidbaren  Varietäten.  Es  zeigt  sich,  dass 
Kalk-Sandstein  und  Chalcedon-Sandstein  am  häutigsten  als  feste  primäre 
Gesteine  erscheinen,  dass  unter  den  umgewandelten  die  dolomitisirteii 
seltener  sind  als  die  verkieselten.  Lockerer  Quarzsand  und  mehr  oder 
minder  kalkreicher  Sand  sind  es,  die  zuerst  in  Becken  oder  dergleichen 
abgelagert  worden  sind. 

I.  Gruppe: 

1.  Kalkstein.  Zahl  der  Vorkommnisse  2, 

2.  schwach  verkieselter  Kalkstein  1, 

3.  schwach  verkieselter  dolomitischer  Kalkstein  1, 

4.  Dolomit  4. 

II.  Gruppe: 

1.  sandiger  Kalkstein  1, 

2.  sandiger  dolomitischer  Kalkstein  .3, 

3.  halbverkieselter  sandiger  Dolomit  1, 

4.  halbverkieselter  breceiöser  sandiger  Kalkstein  5. 

III.  Gruppe: 

1.  mürber  Sandstein  3 Vorkommnisse  untersucht, 

2.  Kalk-Sandstein  12, 


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3.  brecciöser  oder  coiiglomeratischer  Kalk-Sandstciii  G. 

4.  lialbverkieseltcr  Kalk-Sandstein  4, 

5.  lialbverkieselter  brecciöser  Kalk-Sandstein  1, 

G.  verkieselte  sandige  Ureccie  1, 

7.  völlig  verkieselter  Kalk-Sandstein  G. 

8.  lialbverkieselter  doloraitiscber  Kalk-Sandstein  G, 

J).  lialbverkieselter  brecciöser  dolomitischer  Kalk-Sandstein  1, 

10.  lialbverkieselter  Dolomit-Sandstein  1, 

11.  Dolomit-Sandstein  4, 

IsJ.  brecciöser  oder  coiiglomeratischer  Itolomit-Sandstein  4. 

IV.  Gruppe: 

1.  Chalcedon-Sandstciii  16, 

2.  Kiystall-Saiidstein  1, 

3.  brecciöser  Chalcedon-Sandstein  4, 

4.  Chalcedon-Dreccie  bis  Conglomerat  2, 

5.  (conglonieratiscber)  Eisen-Sandstein  1. 

C.  Geniengtheile. 

3*2.  Die  Sandkörner  in  den  Botletle-Gestcinen  sind  stets  klein,  alle 
Sandsteine  sind  als  feinkörnig  zu  bezeichnen.  Unter  den  Sandkörnern 
waltet  der  Quarz  bei  Weitem  vor.  Die  Qiiarzkörner  zeigen  durchweg 
eine  Abhängigkeit  der  Eorm  von  der  Grösse;  die  kleinsten  Körnchen  sind 
eckig,  die  mittleren  subangular,  die  grössten  stark  abgerundet.  Im  .\iif- 
treten  dagegen  herrscht  llegellosigkeit:  in  manchen  (iesteinen  sind  alle 
Quarz-Sandkörner  gleich  gross,  in  anderen  kommen  alle  Grössen  durch 
einander  und  ohne  jede  Sonderung,  z.  1!.  nach  Lagen,  vor.  Die  Quarz- 
Sandkörner  enthalten  oft  reichliche  und  zum  Theil  grosse  l'lüssigkeits- 
einschlüsse,  seltener  sind  die  bekannten  diinnen  opaken  Nadeln;  es  hat 
den  Anschein,  dass  Granite  und  Gneisse  das  Sand-Material  geliefert  haben. 
U'nter  den  selteneren  Feldspath-Sandkörnem  wurden  nur  Orthoklas  und 
Mikroklin  gefunden;  Gesteinspartikeln  als  Sandkörner  sind  auch  nur 
selten  und  spärlich  vorhanden.  Dagegen  ist  noch  besonders  liervor- 
zuheben  das  Vorkommen  von  „Flint“-Sandkörnern,  von  Körnern  von  ver- 
kieseltem  Ngamikalk  (siehe  weiter  unten).  Hieran  schliessen  sich  Fetzen 
und  llruchstücke  von  feinkörnigem  Chalcedon  und  Gerölle  davon.  Es  ist 
bisweilen  recht  schwer  zu  entscheiden,  ob  grössere  Stücke  solcher  Kiesel- 
gesteine  wirklich  Gerölle  sind  oder  nur  Bruchstücke,  da  es  wohl  denkbar 
ist,  dass  unter  der  Tropensonne  von  Kieseln  Stücke  abgesprengt  werden, 
so  dass  runde  Kerne  übrig  bleiben.  Doch  kommen  hier  in  den  Botletle- 
Gesteineii  auch  unverkennbare  Bollkiesel  vor. 

33.  Im  Allgemeinen  enthalten  die  Botletle-fiesteine  nur  wenig  Thon, 
der  überdies  im  DüniischlilV  meist  nicht  als  solcher  erkennbar  ist,  denn 
iin  Kalkspath  und  im  Dolomit  verschwindet  er  durch  die  starke  Dop)iel- 
brechung  dieser  Substanzen,  und  im  Chalcedon  ist  er  in  Folge  der  Zu- 
sammensetzung desselben  aus  kleinen  Theilchen  auch  nur  sehr  schwer  und 
unsicher  zu  erkennen.  Beim  Auflösen  von  carboiiathaltigen  Gesteinen  in 
Salzsäure  kommt  aber  der  Thon  zum  Vorschein:  als  ,.Thon“  gelten  dann 
die  unbestimmbar  winzigen  Stäubchen,  deren  Verschiedenartigkeit  man 
zum  Theil  erkennen  kann,  über  deren  mineralische  Beschafl’cidieit  sich 
aber  weiter  nichts  aussagen  lä.sst.  Leider  ist  es  auch  nicht  möglich,  die 


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fiir  genetische  Verhältnisse  wichtige  I’rage  zu  entscheiden,  ob  vielleicht 
in  dem  Thon,  wenigstens  in  den  nicht  nietamorphosirten  Kalkgesteinen, 
organogene  freie  Kieselsäure  in  feinster  Vertheilung  voThanden  ist. 

:J4.  Eisenh)-droxyd  als  Brauneisenstein  und  vielleicht  in  manchen 
Fällen  Eisenglanz  ist  in  den  Botletle-Gesteinen  meist  nur  spärlich  vor- 
handen; seine  Menge  variirt  seihst  im  einzelnen  llandstück,  so  dass  auch 
einmal  kleine  Stellen  mit  reinem  Eisen-Bindemittel  neben  sonst  anders 
beschaffenem  Bindemittel  Vorkommen  können.  Tritt  Brauneisenstein  in 
etwas  grösserer  Menge  auf,  so  liebt  er  es,  die  Quarz-Sandkörner  zu  um- 
hüllen, oder  er  erscheint  in  Fetzen  zwischen  Chalccdon-  oder  Calcitkörnern. 
Als  vorherrschendes  Cement  im  Eisen-Sandstein  wird  das  Brauneisenerz 
im  IHinnschlilf  mit  kräftig  rothbrauner  Farbe  durchscheinend;  durch 
chemische  Anal3’se  wurde  in  solchem  Brauneisenerz  eine  nicht  unbeträcht- 
liche .Menge  von  Kieselsäure  nachgewiesen,  die  im  Dünnscldill'  nicht  als 
solche  hervortritt.  Nur  selten  erscheint  Eisenhydroxyd  als  jüngste  Ab- 
lagerung in  Poren  der  Gesteine. 

35.  Bei  der  Entstehung  der  Botletle-Gesteine  hat  sich  augenschein- 
lich zuerst  dichter  Kalkspath  als  Bindemittel  oder  als  Gestein  gebildet, 
der  also  aus  allerwinzigsten,  kaum  unterscheidbaren  Körnchen  von  Calcit 
besteht.  Auch  bei  aller  Umänderung  bleibt  der  Kalk  immer  doch  noch 
mikroskopisch  feinkörnig,  namentlich  treten  in  diesen  jungen  Gesteinen 
niemals  so  grosse,  von  anderen  Gestein.sgemengtheilen  erfüllte  Calcit- 
individuen auf  wie  in  den  älteren  Kalksteinen  der  N'gami-Schiehten.  Sehr 
bald  ist  in  den  Botletle-Gesteinen  der  dichte  Kalk  tlieilweise  bis  ganz 
krystalliniscb  geworden,  d.  h.  die  Coinponenten  des  Calcitaggregates  sind 
so  gross  geworden,  dass  sie  mikroskopisch  einzeln  deutlich  unterschieden 
werden  können.  Diese  Erscheinung  zeigt  sich  ja  in  unendlich  vielen 
makroskopisch  dichten  Kalksteinen;  hier  in  den  Botletle-Gesteinen  ist  es 
besonders  boachtenswerth,  dass  bei  dem  Krystalliniscbwerden  des  Kalkes 
öfter  runde  dichte  Partien  von  geringem  Durchmesser  übrig  bleiben,  die 
dem  Dünnschliff  eine  scheinbar  oolithisebe  Structur  verleihen  können  oder 
Anlass  geben,  organische  Gestalten  wie  etwa  Foraminiferen  zu  vermuthen. 

Man  kann  behaupten,  dass  dieser  Vorgang  des  Krystallinischwerdens 
des  Calcites  erst  durch  ähnliche  Reagenfien  bewirkt  worden  ist,  wie  sic 
auch  bei  der  Dolomitisirung  in  Frage  kommen.  .Vbgesehen  davon,  dass 
der  Dolomit  stets  mikroskopisch-körnig,  nicht  dicht,  erscheint,  besteht 
kein  durchgreifendes  Kennzeichen,  das  gestattete,  Calcit  von  Dolomit 
u.  d.  M.  zu  unterscheiden;  allenfalls  ist  noch  für  Dolomit  charakteristisch 
das  Vorkommen  einer  äusserst  gicichmässigen.  mikroskopisch  feinkörnigen 
Structur  in  grösseren  Partien.  Recht  sonderbar  ist  beim  Calcit  wie  beim 
Dolomit  das  ,\uftreten  einer  Structur,  die  ich  nicht  besser  denn  als 
„plastisch“-körnig  bezeichnen  kann:  die  einzelnen  Körner  beben  sich  deut- 
lich von  einander  ab,  sie  scheinen  alle  rundliche  Conturen  zu  besitzen, 
und  doch  steckt  zwischen  ihnen  keine  andere  Substanz  als  eben  wieder 
Carbonat.  Haben  nun  solche  Körner  des  Aggregates  nicht  kugelige,  sondern 
etwa  walzenförmige  (icstalt,  so  erscheint  eine  Structur,  die  man  nur  als 
ein  Geflecht  bezeichnen  kann.  (Vergl.  hierzu  die  Abbildung  eines  solchen 
völlig  verkicselten  (ieflechtes  Taf.  111,  Fig.  1). 

.Mit  dem  Krystallinischwerden  des  Calcites  und  andererseits  mit  seiner 
rmwandlung  in  Dolomit  gebt  llaml  in  llaml  die  Bildung  von  schlecht 
bis  sehr  gut  und  scharf  ausgebildeten  Rhomboederchen  von  mikro- 


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skopischen  Dimensionen,  tlie  aber  ancb  gelepentlicb  relativ  gross  werden 
können.  Rhomboeder  von  Calcit  und  von  Dolomit  sind  u.  d.  M.  nicht 
von  einander  zu  unterscheiden;  es  kann  auf  Zufall  beruhen,  dass 
in  den  untersuchten  Gesteinen  nur  von  Dolomit  Rhomboeder  auftreten, 
die  durcli  einen  Kern  und  zum  Tlieil  dureb  Anwachszonen  ausgezeichnet 
sind.  Poren  und  Thon  sind  hier  wohl  die  die  8tructur  verursachenden 
Elemente.  Solche  Rhomboeder  mit  Kern  kommen  vereinzelt  vor,  oder  sie 
bilden  auch  die  Hauptmasse  des  (jesteins,  wie  in  dem  der  Abbildung 
Taf.  III,  Fig.  5 zu  Grunde  liegenden  Vorkommniss  von  der  Pfanne  Garu, 
nordwestlich  von  Garn. 

Die  Dolomitisirung  kann  eine  im  Dünnschliff  hervortretende  scheinbar 
breceiöse  Structur  erzeugen. 

Wird  der  Calcit  oder  Dolomit  in  Chalcedon  umgewandelt.  so  bleiben 
bisweilen  sehr  charakteristische  fetzenartig  zerrissene  und  zerlappte  Par- 
tikeln ilavou  übrig,  die  im  Chalcedon  regellos  vertheilt  die  eingetretene 
Verkieselung  ganz  besonders  leicht  kenntlich  machen.  Solche  ,.Relicte“ 
von  Carbonat  können  aber  auch  mehr  geschlossene  Formen,  wie  die  rund- 
licher oder  gestreckter  Körner  besitzen.  E.  Geinitz  bat  in  seiner  Ab- 
handlung „Studien  über  .Mineralpseuilomorphosen“  im  Neuen  Jahrbuch 
für  Mineralogie  1876,  S.  449  bei  der  Reschreibung  der  Pseudomorphosen 
von  Chalcedon  nach  Kalkspath  die  Auffassung  vertreten,  dass  solche 
Partikeln  von  Kalkspatli  dort  doch  eine  Neubildung  seien.  Ich  glaube 
auch,  dass  die  Relicte  nicht  direct  die  Reste  des  ehemaligen  Calcites 
sind  ohne  Umwandlung  oder  Umlagerung  der  Molekeln  etwa;  aber  die 
Substanz  des  Carbon.ates  ist  eben  nicht  von  aussen  hinzugeführt  worden, 
sondern  ein  Rest  des  Carbonates,  das  sonst  in  Chalcedon  pseudomorphosirt 
ist.  Dass  aber  das  Carbonat  auch  gewiss  in  molekularer  Umlagerung  im 
Chalcedon  erscheint,  geht  schon  daraus  hervor,  dass  Calcit  und  Dolomit 
auch  in  kleinsten  Partikeln  und  auch  in  winzigen  Rhomboedern  im  Chal- 
cedon auftreten. 

Als  secundär  kann  derjenige  Kalks])ath  bezeichnet  werden,  der  in 
kleinen  Adern  und  öfters  das  Centrum  von  Poren  ausfüllend  auftritt;  er 
erscheint  meist  in  viel  grösseren  Körnern,  als  in  der  Gesteinsmasse  selbst. 

36.  Die  Erscheinungsweise  des  Chalcedons  und  anderer  Moditica- 
tionen  der  Kieselsäure,  ilie  als  Stoff  der  Verkieselung  und  der  Einkiese- 
lung auftritt,  ist  dieselbe  in  allen  Gesteinen  der  nördlichen  Kalahari, 
welchem  Niveau  sie  auch  angehören.  Es  ist  deshalb  zweckmässig,  an  dieser 
Stelle  zusammen  fassend  Alles  anzugeben,  was  über  die  Substanz,  die  im 
Allgemeinen  als  Chalcedon  zu  hezeichnen  ist.  auszusagen  ist.  Die  Kiesel- 
säure tritt  auf  als  amorpher  Opal,  als  Chalcedon,  als  Quarz,  aber  mit  so 
allmählichen  Uebergängen,  dass  es  oft  nicht  möglich  ist  anzugeben,  ob  die 
vorliegende  Substanz  noch  Oi)al  oder  schon  Chalcedon,  ob  sie  noch  Chal- 
cedon oder  schon  Quarz  zu  nennen  ist.  Man  könnte  wohl  behaujiten, 
dass  sich  amorpher  Opal  bei  schnellem  Absatz  der  Kieselsäure  bildet, 
Chalcedon  bei  langsamerem  und  endlich  Quarz  bei  sehr  langsamer  /ufüh- 
rung  der  Kieselsäure  in  stärkerer  Verdünnung.  Aber  abgesehen  davon, 
dass  sich  auch  ein  verschiedener  Intensitätsgrad  der  Metamorphosirung 
der  Gesteine  geltend  macht,  so  möchte  man  in  manchen  Fällen  Andeu- 
tungen dafür  finden,  dass  Opal  im  Laufe  der  Zeit  in  Chalcedon,  der  Chal- 
cedon in  Quarz  übergehen  kann  durch  Umlagerung  der  Molekeln  und  durch 


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AusstossuD"  der  Wasser-Molekelp.  Meines  Wissens  kennt  man  bisher  weder 
Opal  noch  Chalcedon,  von  dem  sich  nachweisen  Hesse,  dass  er  älter  ist, 
als  etwa  die  obere  Krcideformatimi. 

In  den  Gesteinen  der  nördlichen  Kalahari  findet  sich  mehrfach  der 
Chalcedon  auch  in  grösseren  Massen  und  grösseren  Stücken;  vielfach  er- 
scheint er  in  den  Gesteinen,  kleine  Poren  und  zum  Theil  kleine  Spalten 
und  Schinitze  fast  oder  ganz  erfüllend.  Ist  er  nur  allgemein  fein  vertheilt 
im  Gestein  vorhanden,  dann  verleiht  er  demselben  meist,  nicht  immer, 
einen  bald  schwächeren  bald  stärkeren  Glasglanz  auf  frischen  Bruchflächen; 
welche  Varietät  von  Kieselsäure  dann  aber  in  dem  (iestein  enthalten  ist, 
lässt  sich  makroskopisch  nicht  bestimmen. 

37.  Die  Kieselsäure  tritt  seltener  auf  als  meist  wasserklarer  Opal 
oder  llyalit,  vollkommen  isotrop  auch  in  den  besten  Präparaten  und  bei 
stärk.ster  Beleuchtung.  Entweder  findet  sich  der  Opal  in  Säumen  von  etwa 
Ü.oi  bis  0.02  mm  Breite  um  Sandkörner  und  andere  Bestandtheile  der  Ge- 
steine sich  herumschmiegend,  oder  in  kleinen  unregelmässig  gestalteten 
Partien.  Die  Säume  von  Opal  sind  entweder  ganz  homogen  oder  aus 
einzelnen  feinsten  Lagen  zusammengesetzt,  die  sich  mehr  oder  minder 
ileutlich  von  einander  abhebeu.  Die  Trennung  einzelner  Lagen  von  Opal 
von  einander  wird  wohl  durch  Anhäufungen  winzigster  Poren  verursacht. 
Im  auffallenden  Lichte  glaubt  man  auch  sonst  eine  Trübung  des  Opals 
auf  Poren  zurückführen  zu  können;  ist  die  Trübung  stark,  dann  liegt  keine 
Möglichkeit  mehr  vor  zu  entscheiden,  ob  die  Masse  noch  isotrop  ist.  In 
den  unregelmässig  gestalteten  Partien  von  Opal,  die  z.  B.  mitten  in  anderer 
Kieselma.sse  liegen,  sieht  man  ihn  namentlich  bei  starker  Vergrösserung 
von  feinen  Linien,  wohl  von  Sprüngen  durchzogen:  der  Opal  zeigt  körnigen 
/.erfall,  wie  man  sich  ausdrücken  kann.  Die  Abbildung  Taf.  II,  Fig.  5 zeigt 
namentlich  in  ihrer  mittleren  Partie  die  Erscheinung  sehr  deutlich;  die 
AbbildiingTaf.il,  Eig.C  zeigt  dieselbe  Stelle  zwischen  gekreuzten  Nicols:  der 
Band  der  Opalmasse  hat  ziemlich  krältige  Doppelbrechung  und  Zerfall  in 
faserige  Bestandtheile,  während  im  zerstreuten  Lichte  isotroper  Opal  und 
sein  doppelbrechender  Band  von  einander  durchaus  nicht  zu  trennen  sind; 
letzterer  hat  sich  augenscheinlich  im  Laufe  der  Zeit  aus  dem  Opal  entwickelt. 

Zwischen  gekreuzten  Nicols  zeigen  die  Säume  von  Opal  hisweilen  stellen- 
weise auch  eine  ganz  sehwache  Aufhellung:  der  Opal  ist  schwach  doppel- 
brechend  gervorden.  So  kommt  es  vor,  das  zwischen  völlig  isotropen  Lagen 
von  Opal  in  Säumen  sich  eine  Lage  mit  schwacher  Doppelbrechung  ein- 
stellt, ein  Uebergang  von  Opal  in  Chalcedon.  Auch  sonst  kann  man  Massen 
von  Kieselsäure  finden,  die  zwar  die  Structur  des  gemeinen  Chalcedons 
besitzen,  aber  nur  sehr  schwache  Do])pelbrechung  aufweisen.  Dazu  ge- 
hören ferner  .Massen  von  fein  vertheilter  Kieselsäure,  die  erst  in  entkalkten 
Dünnschlitfen  zum  Vorschein  kommen  und  in  Bezug  auf  ihr  optisches  Ver- 
halten erst  geprüft  worden  können,  wenn  der  entkalkte  Schliff  mit  Canada- 
balsam  bedeckt  wird.  Solche  Kieselmasscn  bleiben  aber  auch  dann  noch 
oft  schwer  mit  Sicherheit  erkennbar,  während  im  einfachen  Dünnschliff 
eines  zum  Theil  verkieselten  Kalksteins  gar  nichts  von  ihnen  zu  sehen  ist. 

3S.  Diese  schwach  doppelbrechende  Kieselsäure  führt  vom  Opal  hin- 
über zu  dem  C halcedon,  der  zunächst  einmal  in  seiner  typisch  faserig- 
büscheligen  .Vusbildungsweise  auftritt.  Da  es  sich  fast  immer  um  kleine 
Bäume  handelt,  in  denen  der  Chalcedon  sich  ablagern  konnte,  so  sind  seine 
Fasern  auch  niemals  so  lang,  wie  manchmal  in  den  grossen  Clialcedon- 


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masseii  in  grossen  Drusen  und  auf  Klüften.  Kugelförmige  Aggregate, 
manchmal  etwas  grösser,  meist  recht  klein,  mit  gutem,  scharfem  Inter- 
ferenzkreuz,  wurden  nur  ausnahmsweise  beobachtet.  Meist  erscheint  der 
faserige  Chalcedou  in  Büscheln,  also  körperlich  in  Kegeln,  die  in  bekannter 
Weise  neben  einander  zu  Lagen  angeordnet  sind.  Auffällig  war  nur  das 
.Vuftreten  von  isolirten  Chalcedonkegeln  von  kräftiger  Doppelbrechung  mitten 
in  völlig  amorphem  Opal.  Auch  hier,  vergleiche  die  Abbildung  Taf.  IV,  Kig.  1, 
erhält  man  durchaus  den  Eindruck,  dass  sich  der  Chalcedon  secundär  im 
Opal  entwickelt  hat. 

Die  Büschel  von  Chalcedon  gruppiren  sich  auch  in  schmäleren  bis 
breiteren  Säumen,  die  oft  im  zerstreuten  Licht  durchaus  nicht  von  Opal 
zu  unterscheiden  sind;  sie  zeigen  sich  auch  ebenso  aus  z.  B.  6 bis  8 Lagen 
aufgebaut  wie  der  Opal.  Ein  solcher  Chalcedon  mit  ilurch  die  Büschel 
hindurchgehenden  Lagen  ist  dann  also  gleich  dem  Achat  in  mikroskopischem 
Massstabe.  Man  kann  hier  also  etwa  den  Ausdruck  Mikroachat  verwenden. 
Als  ein  üebergang  von  Chalcedon  in  Quarz  ist  es  dagegen  anzusehen, 
wenn  ein  zwischen  gekreuzten  Nicols  feinfaserig  und  stark  divergent- 
strahlig  erscheinender  Ch.alcedon  sich  im  zerstreuten  Licht  aus  12  bis 
14  Lagen  aufgebaut  erweist,  die  durch  allerfeinste  Linien  von  einander 
getrennt  sind  von  zackigem,  Krystallspitzen  entsprechendem  Verlauf  «ic 
beim  Festungsachat  oder  beim  Amethyst  (vergl.  hierzu  E.  tieinitz  1.  c.). 

Ausser  dem  feinfaserigen  Chalcedon  erscheint  nun  aber  auch  mehr 
oder  minder  gröbsten gel iger  Chalcedon,  bei  dem  die  Stengel  noch 
ebenso  nach  einem  Centrum  convergiren  wie  beim  feinfaserigen,  während 
man  doch  schon  leichter  die  einzelnen  Constituenten  iles  Aggregates  von 
einander  unterscheiden  und  um  so  leichter  in  ihrem  optischen  Verhalten 
prüfen  kann,  je  gröber  — immer  in  mikroskopischem  Massstabe  — sie 
sind.  Da  zeigt  sich  denn,  dass  die  einzeln  unterscheidbaren  Stengel  eine 
undulöse  Auslöschung  zwischen  gekreuzten  Nicols  besitzen,  als  wären  sie 
aus  nicht  erkennbaren,  submikroskopischen  Faserbüscheln  aufgebaut.  In 
anderen  Fällen  kann  man  aber  bei  den  einzelnen  Chalcedonstengeln  auch 
ganz  homogene  Auslüschung  constatiren. 

30.  Querschnitte  solchen  grobstengeligen  Chalcedones  erscheinen  im 
Dünnschlitf  als  grobkörniger  Chalcedon;  doch  dürfte  auch  wirklich 
Chalcedon  Vorkommen,  der  aus  Aggregaten  von  gröberen  Körnern,  nicht 
aus  Stengeln  besteht.  In  sehr  auffälliger  Weise  sind  in  solchem  grob- 
körnigen Chalcedon  die  Grenzen  der  Körner  im  zerstreuten  Lichte  oft 
gar  nicht  oder  nur  mit  Mühe  zu  erkennen.  Die  einzelnen  Körner  löschen 
undulös  oder  homogen  aus;  in  letzterem  Falle  ist  immer  noch  ein  Unter- 
schied von  Quarz  festzustellen,  erstens  durch  das  Vorkommen  von 
charakteristischen  Einschlüssen,  wie  sie  in  anderen  .\rten  des  Chalcedons 
auftreten,  zweitens  durch  die  schwächere  Lichtbrechung  des  Chalcedons 
im  Verhältniss  zum  Quarz.  Aber  alle  solche  Kennzeichen  können  auch 
völlig  versagen;  es  giebt  keine  scharfe  Grenze  zwischen  einem  körnigen 
Chalcedon-Aggregat  und  einem  Quarzkorn-Aggregat.  Ich  habe  mich  im 
Laufe  der  Untersuchung  mit  den  .\usilriicken  „fast  Opal“  und  „fast  Quarz“ 
für  solche  Uebergangsstufen  zu  behelfen  versucht,  möchte  aber  diese  un- 
beholfenen Ausdrücke  nicht  weiter  verwenden.  Dass  aber  auch  „echter“ 
Quarz  als  Endglied  der  ganzen  Reihe  erscheint,  ist  ganz  unzweifelhaft. 

40.  In  ziemlich  bedeutendem  Gegensatz  gegen  den  mikroskopisch 
grobkörnigen  Ch.alcedon  steht  der  ganz  feinkörnige  (’halcedon.  Mit 


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recht  grosser  Sicherheit  kann  man  behaupten,  dass  bei  der  Umwandlung 
von  Carbonspath  in  Kieselsäure  eine  Beimengung  von  Thon  die  Heraus- 
bildung von  klarem,  deutlich  faserigem  oder  stengeligem  Chalcedon  ver- 
hindert. Es  tritt  dann  der  Chalcedon  in  zum  Theil  äusserst  feinkörnigen 
Aggregaten  auf,  deren  Elemente  wahrscheinlich  kleinste  Büschel  sind. 
Solche  Massen  können  scheinbar,  in  Folge  der  Dicke  der  Präparate,  eine 
sehr  schwache  Einwirkung  auf  polarisirtes  Licht  aufweisen.  Wo  aber  die 
Körnchen  bei  starker  Vergrösserung  noch  gut  prüfbar  sind,  zeigt  sich 
ausnahmslos  ungleichmässige  undulöse  Auslüschuug.  Im  zerstreuten  Licht 
können  Stellen  von  recht  feinkörnigem  und  dabei  reinem  Chalcedon  eine 
gewisse  Aehnlichkeit  mit  Tridymit-Aggregaten  haben,  ohne  dass  dabei 
natürlich  an  wirklichen  Tridymit  zu  denken  ist. 

41.  Opal  und  Chalcedon  können  sich  unmittelbar  mit  scharfer  Grenze 
an  die  Quarz-Sandkörner  ansetzen.  Nicht  selten  aber  schliesst  sich  die 
neu  hinzugeführte  Kieselsäure  als  Quarz  mit  paralleler  Lagerung  der 
Molekeln  an  die  vorhandenen  Quarzkörner  an,  diese  ausheilend.  Da 
kann  dann  eine  Lage  um  die  Quarzkörner  vorhanden  sein,  die  gegen  diese 
genau  dieselbe  Auslöschungsrichtung,  genau  dieselbe  Stärke  der  Doppel- 
brechung besitzt,  während  sie  nach  aussen  hin  in  Körner  mit  undulöser 
Auslöschung,  in  Chalcedon-Aggregate  übergeht,  ln  anderen  Fällen  tragen 
die  Quarz-Sandkörner  eine  dünne  Hülle  von  unzählig  vielen  Krystallspitzen 
in  der  Itichtung  der  Hauptaxe,  von  kurzen  geradlinig  begrenzten  Theilchen 
in  der  Prismenzone;  es  haben  sich  also  viele  authigene  Subindividuen  an 
das  allothigene  Quarzkorn  angesetzt,  und  das  optische  Verhalten  zeigt 
auch  hier,  dass  die  Substanz  wirklich  Quarz,  nicht  Chalcedon  ist.  Die 
Abbildung  Taf.  II,  Fig  4 zeigt  solche  Kijstallspitzen  an  dem  Korn  in  der 
Mitte  in  besonders  grossem  Massstahe. 

Recht  interessant  ist  eine  Erscheinung  in  dem  einzigen  Krystall- 
Sandstein  zu  nennenden  Gestein  der  Botletle-Schichten  vom  Massarwa- 
Thal  an  der  Südseite  des  Ngami-Sees.  Hier  sind  alle  Quarze  mehr  oder 
minder  gut  mit  gleichmässigen  Conturen  zu  Krystallen  ausgeheilt,  aber 
der  ausheilende  Quarz  zeigt  oft  gekrümmte  An  wachsstreifen  etwa 
parallel  den  Conturen  iles  Sandkornes  im  schärfsten  Gegensatz  gegen  den 
oben  erwähnten  stark  divergent- büscheligen  Chalcedon  mit  zackig  gerad- 
linigen Anwachsstreifen.  Die  Abbildung  Taf.  IV,  Fig.  4 zeigt  diese  nur 
bei  gewisser  Beleuchtung  hervortreteuden  Anwachsstreifen  auf  das  Deut- 
lichste. Das  Quarz-Sandkorn  und  die  ausheilende  Krystallspitze  zeigen 
genau  dieselbe  Interferenzfarbe  und  völlig  homogene  Auslöschung  zwischen 
gekreuzten  Nicols;  die  Sichtbarkeit  der  Anwachsstreifen  muss  auf  mini- 
malen Unterschieden  beruhen.  Aber  macht  nicht  das  Ganze  wieder  den 
Findruck,  als  wäre  der  aushcilende  Quarz  einst  als  amorpher  Opal  ab- 
gelagert worden  V 

42.  Der  Chalcedon  ist  öfters  feinporös,  denn  wohl  nur  als  Poren 
sind  die  feinsten  Pünktchen  zu  deuten,  die  im  auffallenden  Licht  weiss, 
im  durchfallenden  dunkel  erscheinen.  Recht  charakteristisch  für  den 
Chalcedon  ist  es  auch,  dass  feinere  und  gröbere  Poren  in  Flocken,  an 
Stellen  in  grösserer  Anzahl  erscheinen.  Relativ  grosse  Poren  sind  aus- 
gezeichnet durch  ihre  unregelmässigen  eckigen  Conturen.  wodurch  sie  sich 
lebhaft  auch  von  den  am  sonderbarsten  gestalteten  Poren  z.  B.  in  Granit- 
Quarzen  unterscheiden.  Durch  eine  grosse  Anzahl  winziger  Poren  wird 
der  Chalcedon  im  auffallenden  Licht  milchig  weiss,  eine  Erscheinung,  die 


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nur  selten  beobachtet  wurde.  Die  Armuth  oder  der  Reichthum  an  ver- 
schiedenartigen Poren  in  wesentlich  aus  Chalcedon  bestehenden  Massen 
kann  die  Ursache  einer  makroskopisch  im  Handstück  wie  im  DUnnschlifT 
auffallenden  Fleckigkeit  sein. 

43.  In  den  verschiedenen  Gesteinen  der  nördlichen  Kalahari  zeigt  sich 
die  authigene  Kieselsäure  bald  nur  in  einer  einzigen  Ausbildungsweise,  bald 
in  mehreren  Varietäten,  die  meist  wie  verschiedene  Generationen  nach 
einander  zur  Ablagerung  gelangt  sind.  Diese  verschiedenen  Folgen  von 
„Chalcedon“,  wie  wir  kurz  sagen  wollen,  können  durch  scharfe  Grenzen 
von  einander  geschieden  sein;  sie  können  aber  auch  in  schnellem  Ueber- 
gang  mit  verschwimmenden  Grenzen  mit  einander  verbunden  sein.  Die 
Grenzen  sind  dann  manchmal  im  zerstreuten  Licht,  manchmal  gerade 
zwischen  gekreuzten  Nicols  verschwommen;  es  tritt  z.  15.  der  Fall  ein,  dass 
eine  im  zerstreuten  Lichte  ganz  homogene  Masse  im  polarisirten  Lichte 
in  einen  Kern  von  völlig  amorphem  Opal  und  eine  Rinde  von  kräftig  polari- 
sirendem Chalcedon  zerfällt, vergl.  oben  S.76  und  Taf.II,  Fig.6  und  6.  Solche 
Erscheinungen  geben  immer  wieder  der  Vorstellung  Nahrung,  dass  die 
einzelnen  Varietäten  des  Chaleedons  auch  im  Laufe  der  Zeit  in  einander 
übergehen  können  in  der  Richtung  auf  Entstehung  von  Quarz.  Unzweifel- 
haft aber  ist  hier  der  oft  so  schnell  zu  Hülfe  herbeigezogene  Gebirgsdruck, 
die  sogenannte  Dynamometamorphose,  ganz  unschuldig  an  undulöser  Aus- 
löschung des  Quarzes.  Es  liegt  dann  eben  kein  Quarz  vor,  sondern  ein 
dem  Quarz  nahekommender  Chalcedon.  Aeltere  Freiberger  Geologen  haben 
z.  15.  von  wasserhaltigem  Quarz  auf  den  Erzgängen  gesprochen;  neuere 
Untersuchungen  liegen  darüber  noch  nicht  vor. 

Für  die  Verbindung  der  Varietäten  des  Chaleedons  unter  einander 
wäre  noch  die  ziemlich  häufige  Erscheinung  zu  erwähnen,  dass  grössere 
Partien  von  feinkörnigem  Chalcedon  von  einem  unregelmässigen  Netzwerk 
von  grobkörnigerem  durchzogen  zu  sein  pflegen. 

44.  Die  bisher  besprochenen  Verhältnisse  beziehen  sich  auf  reinen  und 
farblosen  Chalcedon.  Es  kommt  daneben,  aber  doch  seltener,  auch  ein 
homogener  lichtgelb  gefärbter  Chalcedon  vor,  der  z.  B.  auch  klein- 
körnig und  dabei  mit  tridymitähnlichem  Habitus  erscheinen  kann.  Ge- 
wöhnlicher ist  das  Vorkommen  einer  gelblichen,  faserig-streifigen  Masse, 
die  doch  auch  Chalcedon,  von  einer  Spur  von  Eisenoxyd  gefärbt,  sein  muss. 
In  diesem  Chalcedon  sind  niemals  Büschel  von  Fasern  vorhanden,  die 
faserigen  Elemente  sind  vielmehr  in  verschiedener  Weise  mit  einander  ver- 
flochten, meist  mit  striemig-streifiger  Anordnung;  einzelne  Fasern  treten 
beim  Drehen  des  Präparates  zwischen  gekreuzten  Nicols  in  verschiedenen 
Richtungen  besonders  hell  hervor,  und  doch  kann  man  im  zerstreuten  Lichte 
auch  bei  starker  Vergrösserung  und  guter  Beleuchtung  keine  fremden  Ele- 
mente unterscheiden.  Eisenhaltig  ist  die  Substanz  gewiss,  ob  auch  noch 
andere  chemische  Bestandtheile  darin  vorhanden  sind,  lässt  sich  nicht 
entscheiden. 

45.  Dagegen  tritt  auch  wirklich  Sericit,  winzige  Partikelchen  eines 
faserigen  Glimmers,  als  Verunreinigung  des  Chaleedons  auf;  er  ist  recht 
wohl  von  den  Theilchen  des  Chaleedons  zu  unterscheiden,  doch  muss  der 
Nachweis  der  Sericit-Natur  dieser  Elemente  auf  weiter  unten  verschoben 
werden.  Thon  als  Verunreinigung  des  Chaleedons  ist  als  solcher 
u.  d.  M.  nicht  erkennbar,  es  sind  nur  Vermuthungen  über  seine  gelegent- 
liche Anwesenheit  möglich.  Dagegen  ist  im  Chalcedon  stets  leicht  zu  cr- 


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kennen  jedes  auch  noch  so  winzige  Partikelcheu  von  Calcit  oder  Dolonflt. 
Diese  liegen  in  allen  Arten  der  authigeuen  Kieselsäure  vom  amorplien  Opal 
bis  zum  Quarz.  Sehr  oft  haben  dabei  Calcit  und  Dolomit  die  Form  von 
mehr  oder  minder  scharfen  Rhomboedern.  Chalcedon  und  Carbonspäthe 
erscheinen  in  allen  Zwischenstufen  gemischt  vom  reinen  Chalcedon  bis 
zum  reinen  Carbonspatb.  Herrscht  aber  der  Carbonspath  stark  vor, 
dann  ist  der  Chalcedon  u.  d.  M.  oft  schwer  aufzulinden;  erst  in  dem 
l.iisungsrückstande  findet  man  dann  höchst  charakteristische  Chalcedon- 
>kelette,  die  lebhaft  an  Lithistiden-Skelette  erinnern  können.  Seltener  wurde 
im  Lösungsrückstande  der  Chalcedon  in  faserig-zackigen  porösen  .\ggre- 
gaten  gefunden;  auch  das  seltene  Vorkommen  von  einzelnen  an  die  Quarz- 
Sandkörner  nngewachsenen  Fasern  und  Zacken  von  Chalcedon  konnte  nur 
im  Lösungsrückstande  nachgewiesen  werden. 

4G.  Eine  besonders  beachtenswerthe  Erscheinungsweise  des  Cbalcedons 
ist  nun  noch  das  Vorkommen  von  Pseudomorphoscn  von  Chalcedon 
nach  Caleit  oder  Dolomit  in  mehr  oder  minder  scharfen  Rhomboedern 
von  mikroskopischen  Dimensionen  ira  Gesteinsgewebe.  Dabei  kann  der 
Chalcedon  auftreten  als  feinkörnige  Masse,  mit  faserig-büscheliger  Structur, 
körnig  mit  undulöser  Auslöschung  der  einzelnen  Körner,  endlich  als  ein- 
heitliches Korn  mit  homogener  Auslöschung,  also  (juarzähnlich.  Diese 
Pseudomorphoseu  sind  oft  wesentliche  Ilülfsmittel  für  die  Erkennung  der 
eingetretenen  Verkieselung,  sie  werden  daher  noch  mehrfach  bei  den  Ge- 
steinen der  einzelnen  Schichtensysteme  zu  erwähnen  sein.  Es  mag  hier  nur  noch 
auf  die  Abbildungen  Taf.  111,  Fig.  5 und  Taf.  IV,  Fig.  3 hingewiesen  werden. 

47.  ln  der  Mehrzahl  der  mikrochemisch  untersuchten  Gesteine  der 
Botletle-Schichten  zeigte  sich  beim  Auflösen  derselben  in  verdünnter  Salz- 
säure ebenso  ein  Gehalt  an  organischer  Substanz  wie  im  Kalahari- 
Kalk.  Es  scheiden  sich  beim  Auflösen  leichte  F’locken  von  heller  Farbe 
ab,  die  sich  in  der  Lösung  meist  schnell  zu  Boden  setzen,  weil  sie  Thon 
enthalten.  Bei  einigen  Gesteinen,  die  sich  leicht  schon  in  kalter  verdünnter 
Salzsäure  lösen,  wurde  ira  Lösungsrückstand  die  organische  Substanz  auch 
als  eine  Hülle  um  Quarz-Sandkörner  vorgefunden.  Die  Verbrennbarkeit 
der  Flocken  und  damit  ihre  Natur  als  organische  Substanz  weist  man  am 
leichtesten  nach,  wenn  man  den  Lösungsrückstand  im  Uhrglas  mit  .\lkohol 
auswäscht  und  die  feuchte  Masse,  in  der  die  Flocken  doch  zu  oberst  liegen, 
anzündet;  beim  Abbrennen  des  Alkohols  verglimmen  dann  die  Flocken  mit 
einem  Ueberrest  von  Thon.  Solche  organische  Substanz,  dem  Gewichte 
nach  offenbar  eine  sehr  geringe  Menge,  kommt  sowohl  in  kalkigen  wie  in 
dolomitischen,  in  den  härtesten  wie  in  mürberen  Gesteinen  vor. 

Die  Schalen  von  Gastropoden,  die  in  einigen  wenigen  Gesteinen 
vorhanden  waren,  sind  für  die  vorliegende  Untersuchung  weiter  nicht  von 
Bedeutung;  verkieselte  Schalen  wurden  nicht  gefunden. 

Es  mag  noch  an  dieser  Stelle  erwähnt  werden,  dass  Chlornatrium 
in  einem  mürben  Sandsteine  chemisch  in  reichlicher  Menge  nachgewiesen 
werden^konnte  in  Uebcreinstimmung  mit  der  Angabe  des  Herrn  Dr.  Pas- 
sarge. Sonst  wurde  nach  dem  Vorhandensein  etwa  von  Spuren  von  Na  CI 
als  _ziemlich_selbstverständlich  gar  nicht  erst  gesucht. 

D.  Structur. 

48.  Bei  der  Entstehung  von  Sandsteinen  aus  Ablagerungen  von  lockerem 
Sand(!  s])ielt  das  sogenannte  Porenvoluincn  der  letzteren  eine  bedeutende 


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Rolle.  Die  leeren  Räume  zwischen  den  Sandkörnern  werden  bei  der  Ent- 
stehung" der  Sandsteine  oft  durch  ein  besonderes  Bindemittel  ausgefüllt. 
dessen  Menge  dem  Rauminhalt  nach  z.  15.  also  gleich  dem  des  Poreuvolumens 
des  abgelagerten  Sandes  sein  kann.  Da  aber  ein  fester  Sandstein  immer 
noch  porös  sein  kann,  so  empfiehlt  es  sich,  bei  der  Beschreibung  der 
mikroskopischen  Structur  von  Sandsteinen  den  Unterscliied  festzuhalten 
zwischen  luterstitien  und  Boren.  Interstitien  mögen  die  Räume  zwischen 
den  einzelnen  allothigenen  gröberen  und  feineren  Körnern  der  Sandsteine 
und  ähnlicher  Gesteine  genannt  werden  im  tJegensatz  zu  den  Boren,  die 
bei  der  Verfestigung  der  Sandsteine  in  den  Interstitien  unausgefüllt  übrig 
bleiben  können.  Im  lockeren  Sand  ist  also  das  Interstitialvolumen  gleich 
dem  Borenvolumen;  es  nähert  sich  dem  möglichen  Maximum  umsomehr, 
je  gleichmässiger  gross  und  je  mehr  kugelförmig  die  allothigenen  Körner 
sind.  Im  festen  Sandstein  kann  nun  aber  das  Volumen  des  Bindemittels 
grösser  sein,  als  das  Interstitialvolumen  des  primären  körnigen  Sedimentes 
zum  Beispiel  schon  dadurch,  dass  mit  den  Quarz-Sandkörnern  zugleich 
Kalkschlamm  in  grosser  Menge  zum  Absatz  gelangte.  In  einem  sandreichen 
Kalkstein  ist  also  nacli  der  hier  vorgescldagenen  Nomeuclatur  das  Biiide- 
mittelvülunien,  das  Interstitialvolumen  sehr  gross. 

Eür  die  Sandsteine  der  Botletle-Schichten  ist  es  nun  in  hohem  Grade 
charakteristisch,  dass  in  allen  Vorkommnissen,  sowohl  von  Kalk-  und 
Dolomit-Sandsteinen,  wie  in  den  verkieselten  Sandsteinen  und  in  den 
Chalcedon-Saiidsteinen,  das  Interstitialvolumen  sehr  gross  ist.  Dieses  Ver- 
hältiiiss  zeigt  sich  in  einfachster  Weise  darin,  dass  die  Sandkörner  sich 
in  den  Gesteinen  im  Allgemeinen,  einzelne  Punkte  natürlich  ausgenommen, 
nicht  berühren,  sondern  Bindemittel  zwischen  sich  haben.  .Man  kann  das 
Verbältniss  nur  ungenau  so  ausdrücken,  dass  man  sagt,  das  Bindemittel 
herrsche  vor  den  Sandkörnern  vor;  das  kommt  auch  vor,  aber  eben  nur 
dann,  wenn  das  Interstitialvolumen  ganz  besonders  gross  ist,  eine  Er- 
scheinung, die  bei  den  Botletle-Sandsteinen,  die  in  mehr  oder  minder 
reine  Kalksteine  oder  Dolomite  übergehen,  natürlich  auch  vorkommt. 

Porös  aber  sind  die  Sandsteine  der  Botletle-Schichten  wohl  in  allen 
Eällen  nur  dadurch  geworden,  dass  bei  der  Verkieselung  ein  Theil  des 
Cementes  weggeführt  wurde  und  dass  bei  der  Einkieselung  Theiie  der 
Interstitien  unausgefüllt  blieben. 

49.  Bei  der  Besprechung  von  Kalkspatb  und  Dolomit  in  35.  ist  schon 
die  Structur  der  zu  dem  Tj])Us  der  sandigen  Kalksteine  gehörigen 
primären  Calcitgestcine  und  ihrer  mehr  oder  mimier  dolomitisirten 
Varietäten  genügend  mit  berücksichtigt  worden,  da  die  allothigenen  Sand- 
körner, regellos  veitheilt  und  wie  im  vorhergehenden  Abschnitt  erwähnt 
sich  niemals  berührend,  keine  weiteren  allgemein  beachtenswerthen 
structurellen  Erscheinungen  verursachen.  Nur  das  mag  noch  erwähnt 
werden,  dass  in  einigen  wenigen  Vorkommiusseu  die  Sandkörner  zunächst 
von  radial  gestellten  kurzen  Stengeln  von  Kalkspath  umgeben  werden,  die 
bei  der  Umkrystallisatiou  des  Kalkcementes  diese  Anordnung  erhalten 
haben.  Solche  Calcitsäume  haben  eine  grosse  .\ebnlicbkeit  mit  Chalcedon- 
säumen. 

Die  dolomitischeiilGesteine  haben  keine  wesentlich  andere  Structur 
als  die  t'ulcitgesteine. 

In  den  verkieselten  Gesteinen  erscheint  der  f'dialcedon  in  den 
Düiiiischlitleii  au  der  Stelle  der  Carbouspäthe.  er  hat  sie  verdräi  gt.  Man 


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möchte  mit  einem  etwas  krassen  aber  doch  ber.eiclincnden  Ausdruck  sagen, 
in  manchen  Fällen  hat  der  Chalcedon  den  Carhonspath  aufgefressen. 
Man  findet  kleine  Partien  von  reinem  Chalcedon,  die  sich  nach  aussen 
in  die  Carbonspäthe  verlieren;  diese  Partien  sind  in  anderen  Vorkomm- 
nissen grösser,  in  einigen  wenigen  ist  eine  völlige  V’crkieselung  eingetreten; 
in  letzterem  Falle  kann  nur  die  Structur  des  Chalcedons.  der  Vergleich 
mit  nur  stark  verkieselten  Gesteinen  die  Auffassung  rechtfertigen,  dass 
man  es  mit  verkieselten  und  nicht  mit  eingekieselten  Gesteinen  zu  thun 
hat.  Bei  der  Verkieselung  bleiben  bald  Ilelicte  von  Carhonspath  übrig, 
bald  vermisst  man  sic.  Im  ersteren  Falle  kann  sich  auch  eine  völlige 
Umlagerung  der  Carbonate  einstellen,  und  das  Bindemittel  eines  solchen 
(iesteins  ist  dann,  vielleicht  nur  an  einzelnen  Stellen,  ein  sehr  feinkörniges 
und  schwankendes  Gemisch  von  Calcit- (Dolomit-) Körnchen  und  Chalcedon- 
körnchen,  das  unter  dem  Mikroskop  schwer,  aber  doch  noch  an  den 
dünnsten  Bändern  der  Präparate  auflösbar  ist;  die  bedeutenden  Unter- 
schiede in  der  Doppelbrechung  erleichtern  die  Trennung  der  beiden  Sub- 
stanzen. Ist  aber  nur  wenig  Chalcedon  gleichmässig  im  Carbonspath- 
gemenge  vertheilt,  dann  wird  man  ihn  durchaus  nur  im  Lösungsrückstand 
in  skelettartig  durchbrochenen  Partikeln,  selten  in  zackigen  .\ggregaten 
auftinden. 

Wo  der  Chalcedon  in  grösserer  Partie  sich  dem  Carhonspath  nähert, 
da  löst  sich  letzterer  meist  in  einzelne  Körnchen  auf,  von  denen  dann 
einige  schon  ganz  in  Chalcedon  eingebettet  sind,  während  andere  noch 
mit  der  primären  Carbonatmasse  direct  Zusammenhängen,  dabei  aber  eine 
etwas  andere  Form  aufweisen  als  die  Körnchen  der  letzteren.  Gar  nicht 
selten  ragen  von  den  unumgewandelten  Carbonatpartien  Krystallspitzcn 
in  den  Chalcedon  hinein;  Calcit  und  Dolomit  sind  auch  in  diesen  Krystall- 
spitzen  nicht  von  einander  zu  unterscheiden,  und  namentlich  ist  es  sicher 
nicht  blos  der  Dolomit,  der  solche  Spitzen  bildet. 

Solche  Structuren  lehren,  dass  bei  der  Verkieselung  erst  der  Carbon- 
spath  molekulare  Umlagerung  erleidet  und  dann  in  Chalcedon  pseudo- 
morphosirt  wird.  Dieser  Verlauf  wird  noch  dadurch  nachgewiesen,  dass 
— in  den  Botletle-Gesteinen  allerdings  nur  ausnahmsweise  — auch  Pseudo- 
inorphosen  von  Chalcedon  in  scharfer  Bhomboederform  auftreten,  und 
dass  ferner  auch  Partien  mit  so  auffälliger  Structur  wie  die  eines 
.,])lastisch“-körnigen  Calcit-Aggregates  völlig  in  Chalcedon  metamorphosirt, 
man  darf  sagen  pseudomorphosirt  worden  sind. 

50.  In  den  verkieselten  Botletle-Gesteinen  erscheint  in  den  einzelnen 
V'orkommnissen  meist  nur  eine  .Vrt  von  Chalcedon.  und  zwar  fein-  bis 
feinstkörniger.  Dieses  Verhältniss  erleichtert  auch  die  Erkennung  der 
Verkieselung  in  völlig  verkieselten  Gesteinen,  ln  anderen  Vorkommnissen 
können  sich  auch  zwei  Generationen  von  Chalcedon  zeigen,  die  durch 
ihre  Korngrösse  oder  durch  ihre  Einschlüsse  von  einander  verschieden 
sind.  So  findet  sich  öfters  ein  stark  poröser  Chalceilon  zunächst  um  die 
Quarzkörner,  ohne  aber  dass  diese  regelmässig  oder  g.anz  von  ihm  um- 
hüllt werden.  Man  muss  sich  beiläufig  bemerkt  hüten,  solchen  im  auf- 
fallenden Lichte  weissen,  im  diirchfallenden  Lichte  trüben  Chalcedon  mit 
einem  Chalccdon-Calcit-Gemisch  zu  verwechseln.  In  den  Chalcedonmasseu 
kann  man  auch  Opal  im  ('entrum  derselben  finden,  oder  es  liegen  um- 
gekehrt do])pel  brechen  de  Clialcedonpartien  im  Upal;  die  Structuren  sind 
eben  so  verschieden,  dass  eine  erschöpfende  Beschreibung  nicht  gegeben 


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werden  kann.  Aber  niemals  finden  wir  in  den  verkieselten  Gesteinen 
scliarfe  Säume  von  Clialcedon- Varietäten  um  die  Sandkörner;  treten  diese 
doch  gclegentlicti  in  irgend  einer  Weise  in  geringer  Menge  auf,  dann  muss 
mau  hier  ausser  der  Verkieselung  auch  noch  eine  später  eingetretene  Ein- 
kieselung annehmen;  zeigt  es  sich  doch,  ilass  bei  der  Verkieselung  grössere 
Foren  im  Centrum  der  Interstitieu  übrig  bleiben  können. 

Dadurch,  dass  ilie  Verkieselung  meist  von  einzelnen  wenig  von  ein- 
ander entrcrnten  l’unkten  ausgeht,  kann  ein  ganz  oder  stark  verkie.seltes 
Gestein  ein  kleintleckiges  Aussehen  erlangen,  das  im  Handstück  entfernt 
an  oolithische  Striictur  erinnert.  Auch  ein  an  Hrauneisenerz  reiches, 
w'ahrscheinlich  aber  dabei  auch  stets  kieselhaltiges  Bindemittel  stellt  sich 
öfters  in  kleinen  Partien,  Flecken  erzeugend,  ein. 

Es  ist  noch  hesonders  hervorzuheben,  dass  verschiedene  Structuren 
in  verkieselten  Gesteinen  neben  einander  Vorkommen.  So  zeigte  ein  h.alh- 
verkieselter,  stark  dolomitischer  Kalk-Sandstein  von  Pompi  am  Botletle 
in  einem  und  demselben  mikroskopisch  stark  fieckigen  Präparat  folgende 
drei  verschiedene  Aushildungsweisen  des  Binileniittels:  1.  dichter  Carbon- 
spath  (CalcitV)  mit  Chalcedon  im  Centrum;  2.  Clialcedon  mit  Carbonspath 
(DoloniitV)  im  Centrum;  .3.  sehr  feinkiirniges  schwankendes  Gemisch  von 
Chalcedon  und  Carbonspath. 

51.  Bei  ungefähr  dem  vierten  Theile  aller  Botletle-Gcsteine,  die  von 
Carbonspäthen  völlig  frei  sind,  waren  die  Erscheinungen  der  Verkieselung 
nicht  nachweisbar;  ihr  Kieselcement  muss  durch  Einkieselung  entstanden 
sein,  ln  diesen  Gesteinen,  Typus  der  Chalcedon-Sandsteine,  erscheinen  in 
buntem  Wechsel  alle  Arten  von  Kiesel  vom  amorphen  <)pal  bis  zum  „echten“ 
Quarz  und  zwar  meist  zwei  Arten  zugleich;  einartige  Kieselmasse  kommt 
nur  ausnahmsweise  vor.  t harakteristisch  für  die  eingekieselten  Gesteine 
ist  das  häufige  Vorkommen  von  i>äumen  um  die  Sandkörner  und  zwar,  wie 
hervorgehoben  werden  muss,  um  alle  Sandkörner  einzeln,  wie  das  die  Ab- 
bildung Taf.  II,  Eig.  1 zeigt.  Die  Säume  lieben  die  Quarzkörner  oft  sehr 
scharf  von  dem  übrigen,  anders  struirten  Bindemittel  ab  und  bestehen  bald 
aus  Opal,  bald  aus  verschiedenartigem  Chalcedon;  eine  gesetzmässige  Auf- 
einanderfolge der  Kieselvarietäten  ist  nicht  zu  erkennen.  Sandkörner  mit 
Säumen  und  einem  weiteren  Kieselcement  zwischen  sich  stellen  die  genauen 
Analoga  der  Ringel-  oder  Sphärenerze  dar.  Zu  dieser  Erscheinung  gehört 
auch  das  Auftreten  von  ausheilendem  Quarz  um  die  Sandkörner  in  schmaler 
continuirlic’ier  Lage  o<ler,  aber  nur  selten,  in  zaiillosen  Krystall-Subiudi- 
viduen.  Meist  ist  die  Ausheilung  in  den  Botletle-Gesteinen  nur  wenig 
stark  entwickelt,  doch  steigert  sie  sich  in  einem  Falle  bis  zur  Heraus- 
bildung eines  Gesteines  vom  Massarwa-'l'hal  an  der  Südseite  des  Ngami- 
Sees,  das  nach  dem  mikroskopischen  Befunde  nur  als  Krystall-Sandstein 
bezeichnet  werden  kann;  in  ihm  schliessen  sich  die  Quarzkörner  sämmtlich 
mit  Ausheilung  polyedrisch  an  einander  wie  in  einem  Quarzit  Die  ge- 
krümmten Ausheilungszonen  wurden  oben  S.  78  erwähnt.  Das  Gestein 
hat  kleine  Poren,  ist  sonst  von  hohlen  bis  1 cm  starken  unregelmässigen 
Ridiren  durchzogen,  zeigt  aber  keine  Spur  von  Ojial  oder  Chalcedon. 

Ein  Staub  von  Eisenliydro.vyd  im  Chalcedon  oder  eine  dünne  oder 
stärkere  Hülle  von  Eisenhydroxyd  um  Quarzkörner  kommt  auch  bisweilen 
in  diesen  eingekieselten  Gesteinen  vor. 

52.  Die  eingekieselten  Gesteine  sind  immer,  wie  schon  aus  der  oben 
S.  73  gegebenen  .\ufzählung  der  Varietäten  hervorgeht  typische  Sandsteine. 


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84 


Das  Gement  ist  niemals  iu  vorherrschender  Menge  vorhanden,  aber  aus 
dem  Vorkommen  von  Säumen  um  die  Sandkörner  geht  sclion  liervor,  dass 
oft,  sogar  meist,  das  Poreuvolumen  des  primären  Sandes  in  den  mannig- 
faltigsten Abstufungen  von  dem  Interstitialvolumen  der  festen  Sandsteine 
iibertroft'en  wird.  Bei  den  zum  Vergleich  herheigezogenen  llingclerzcii 
kann  man  ja  die  Entstehung  nur  so  erklären,  dass  die  au8kr)’stallisiren- 
den  Ganginiiieralien  die  Bruchstücke  des  Nebengesteins  allmählich  von  ein- 
ander entfernt  haben.  Zu  derselben  Auffassung  nöthigt  uns  auch  die 
Structur  der  eingekieselten  Botletle-Sandsteine;  die  fertigen  Sandsteine 
haben  ein  grösseres  Volumen,  als  die  primären  Sandablagerungen.  Hier- 
nach könnte  man  erwarten,  dass  solche  Chalcedon-Saridsteine  entweder 
bald  nach  der  Ablagerung  der  Sande  entstanden  sind,  oder  dass  sie  vor 
der  Einkieselung  nicht  von  anderen  mächtigen  Massen  überlagert  worden 
sind.  Ich  kann  hier  leider  keine  genügende  Auskunft  geben,  da  Herr  Dr. 
Passargo  noch  nicht  in  der  Lage  gewesen  ist,  meine  Bestimmungen  der 
einzelnen  Gesteine  mit  seinen  Beobachtungen  in  der  Kalahari  zusammen- 
zustellen. Nur  soviel  weiss  ich,  dass  die  eingekieselten  Chalcedon-Sand- 
steino  bisweilen  nur  Massen  innerhalb  von  lockeren  Sandsteinen  bilden. 
Andererseits  werden  wir  bei  den  Reflaka-Gesteinen,  die  auch  Chalcedon- 
Sandsteine  sind,  eine  auffällige  Verschiedenheit  der  Structur  linden,  die 
auf  den  Druck  überlagernder  Massen  zurückzuführen  ist. 

53.  Breccien  und  Congloinerate  gehören  ihrer  Zusammensetzung 
und  ihrem  Vorkommen  nach  zu  einem  der  bereits  besprochenen  Typen, 
aber  sie  geben  doch  noch  Anlass  zu  einer  besonderen  Erwägung.  .Mit 
Sicherheit  kann  man  zunächst  angebeu,  dass  die  grösseren  Gesteinsstücke 
in  diesen  Gesteinen  sowohl  bei  <ler  Verkieselung  als  auch  bei  der  Ein- 
kieselung in  Mitleidenschaft  gezogen  worden  sind.  So  sind  Stücke  rothen 
Mergelkalkes  in  ilirer  äusseren  Partie  ärmer  geworden  an  Eisenhydroxyd, 
Aederchen  von  Chalcedon  gehen  als  Eortsetzungen  des  Bindemittels  des 
ganzen  (icsteins  in  die  grösseren  Stücke  hinein,  Gerölle  von  Chalcedon- 
masse  zeigen  eine  innere  concentrische  Lage,  die  im  SchlilV  trübe  und 
milchig,  also  porös  ist,  während  die  äusserste  Partie  klarer  durchscheinend, 
also  wohl  noch  weiter  von  Kicselmasse  iniprägnirt  ist.  Aber  eben  diese 
Gerölle  sind  doch  schon  als  wenigstens  vorlierrschend  aus  Chalcedon  be- 
stehende Massen  zur  Ablagerung  gelangt.  Ferner  treten  mehrfach  Bruch- 
stücke von  dem  älteren  Ngami-Kalkstein  in  den  Botletle-Gcsteinen  auf, 
die  theilweise  oder  völlig  ganz  in  der  Art  verkieselt  sind,  wie  cs  beim 
anstehenden  Ngami-Kalk  vorkommt.  Darnach  will  es  sclieiricn,  dass  die 
Phänomene  der  Verkieselung  und  Einkieselung  nicht  nur  in  einem  Zeit- 
räume, nicht  nur  einmal  stattgefunden  haben,  sondern  entweder  in  meh- 
reren Perioden  oder  längere  Zeit  hindurch.  Es  musste  doch  auch  schon 
erwähnt  werden,  dass  gelegentlich  und  in  geringerem  Masse  bei  den  ver- 
kieselten  Gesteinen  auch  die  Erscheinungen  der  Einkieselung,  und  zwar 
diese  immer  als  spätere  Phänomene,  Vorkommen.  Auch  weiter  unten  werden 
noch  Verhältnisse  zu  erwähnen  sein,  die  gleichfalls  für  zwei  Perioden  der 
Zufuhr  von  Kieselsäure  sprechen.  Im  vornherein  aber  kann  erklärt  werden, 
dass  eine  sichere  Entscheidung  auch  weiterhin  nicht  möglich  sein  wird;  die 
grossen  Vcrscliiedenheiten  der  Structur  werden  für  diese  Frage  immer  wieiler 
dadurch  zum  Theil  bedeutungslos,  dass  es  sich  immer  nur  wesentlich  um  eine 
Siibsüinz,  Kieselsäure,  handelt.  L’eberdies  kommen  hier  sjieciellere  Altersver- 
hältnisse und  die  genauere  Lagerung  in  Betracht,  die  ich  nicht  beurtheilen  kann. 


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85 


IV.  Renaka-Hchichten. 

54.  Herr  I)r.  l’assarße  sali  sich  bei  seinen  Aufnahmen  am  Südufer  des 

Nganii-Sees  veranlasst,  die  liegendsten  unter  den  jungen  Sedimenten  unter 
der  besonderen  Bezeichnung  der  Heftaka-Schichten  zusammenzufassen.  Die 
zunächst  darüberliegemlen  halbverkicselten  Dolomit-Sandsteine  gehören  zu 
den  Typen  der  Botletle-tiesteine.  Die  Gesteine  der  Keflaka-Schichten  sind 
sänirntlich  Chalcedon-Sandsteine,  von  denen  weitaus  die  Mehrzahl  im 
Dünnschlitf  durch  die  mikroskopische  Untersuchung  von  den  Chalcedon- 
Sandsteinen  der  Botletle-Schichten  unterschieden  werden  konnte.  Es  kommen 
als  Kefiaka-Schichten  auch  mürbe,  poröse  und  also  cementarme  Sandsteine 
vor;  diese  geben  aber  weiter  keinen  Anlass  zu  besonderen  Beobachtungen, 
zumal  von  ihnen  auch  nur  wenige  Droben  Vorlagen.  Wahrscheinlich  ent- 
halten auch  diese  cementarmen  Sandsteine  ihren  Zusammenhalt  durch 
geringe  Mengen  von  Kieselsäure,  deren  Nachweis  n.  <1.  M.  kaum  mög- 
lich ist.  Die  vorliegenden  Sandsteine  sind  meist  sehr  spröde  und  hart, 
von  gleichmässigem  Korn  und  glasig  glänzenden  Bruchflächen;  viele  sind 
kleinfleckig  mit  in  einander  verschwimnienden  Partien  von  heller  bis 
bräunlich-violetter  Farbe  durch  verschiedenen  Ueichthum  an  Eisenoxyden. 
Auch  drei  echte  Brcccien  lagen  von  den  Rertaka-Gesteinen  vor;  es  treten 
in  ihnen  scharfkantige  bis  subangulare  Bruchstücke  von  Chalcedou-Sand- 
stein  in  einer  reichlichen  Grundmasse  von  Chalcedon-Sandstein  auf,  und 
immer  hat  der  Chalcedon  in  den  Bruchstücken  eine  andere  Beschaft'enheit, 
als  der  des  Grundmasse-Sandsteins.  Es  herrscht  also  dasselbe  Verhältniss, 
wie  bei  der  breceiösen  Kruste  der  Salzpfanne  Ntschokiitsa;  auch  die  Refiaka- 
Breccien  sind  nicht  durch  Gebirgsbewegungen  gebihlet,  sie  zeugen  vielmehr 
nur  von  einer  längeren  oder  in  mehrere  Abschnitte  zerfallenden  Periode 
der  Verkieselung.  • 

55.  Die  Reflaka-Sandsteine  enthalten  ganz  dieselben  allothigenen 
Quarzkörner  wie  die  Botletle-Gesteine.  Dagegen  sind  ein  klein  wenig 
häufiger  allothigene  Gesteinskörnchen,  ein  feiner  Gesteinsschutt  des 
Liegenden.  Dazu  gehören  auch  vereinzelte  Körnchen  von  Epidot.  Von 
den  Chalcedon-Variotäten  der  Reihe  Opal  bis  Quarz  kommen  als 
Bindemittel  nur  gerade  diejenigen  beiden  nicht  vor,  die  in  allen  Gesteinen 
der  nördlichen  Kalahari  gern  in  grösseren  Partien  erscheinen,  nändich 
fein-  und  langfaseriger  Chalcedon  und  solcher  mit  deutlichen  Interferenz- 
kreuzen.  Die  übrigen  Varietäten  treten  in  den  einzelnen  Vorkommnissen 
in  sehr  wechselnden  Mengen  auf,  doch  könnte  man  behaupten,  dass  Opal 
relativ  spärlich,  gelber  feinkörniger  oder  strieniig-streifiger  Chalcedon  ver- 
hältnissniässig  häutig  erscheint.  Eisenoxydhydrat,  wohl  Brauneisenstein, 
findet  sich  el»enfalls  in  wechselnden  .Mengen,  gern  Hüllen  um  die  Quarz- 
Sandkörner  bildend. 

5ft.  In  den  Reftaka-Sandsteinen  ist  das  Bindemittel,  abgesehen  von 
lockeren  besonders  cementarmen  \'orkommnissen,  selten  in  überreichlicher 
Menge  vorhanden;  meist  scheint  das  Cementvolumen  dem  Interstitial- 
volumen  des  primären  Sandes  an  Menge  gleichzukomnien  oder  es  doch 
nur  wenig  zu  übertreffen.  iJamit  steht  in  engem  Zusammenhänge  das 
Auftreten  der  authigenen  Kieselsäure;  es  soll  versucht  werden,  hierüber 
den  genetischen  Vorgängen,  wie  sie  sich  wahrscheinlich  abgespielt  haben, 
folgend,  zu  berichten. 


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86 


lu  Auhäufungen  lockeren  Sandes  dringt  eine  Kieselsäure  enthaltende 
Solution  nur  spärlich  oder  in  besonders  starker  Verdünnung  ein.  Aus 
der  Lösung  scheidet  sich  die  Kieselsäure  unmittelbar  in  krystnllinischem 
Zustande  als  Quarz  ab,  der  sich  an  die  allothigenen  Quarzkörner  ansetzt, 
bald  in  Hiiideu,  bald  in  zahllosen  kleinen  Spitzen  und  Subindividuen;  die 
Hedingiingen  für  diese  Verschiedenartigkeit  liessen  sich  nicht  erkennen. 
Die  Menge  des  in  dieser  Weise  ausheilenden  Quarzes  schwankt  sehr, 
von  Spuren,  die  nur  mit  Mühe  aufzufinden  sind,  bis  zu  reichlichen  Mengen. 
Die  Neubildung  von  Quarzsubstanz  findet  ringsherum  um  alle  Quarzkörner 
mehr  oder  minder  gleichmässig  statt,  sie  bleibt  aber  aus,  wo  auf  den 
Quarz-Sandkörnern  Ablagerungen  von  Brauneisenstein  vorhanden  waren 
oder  sich  vielleicht  erst  bei  dem  ersten  Zutritt  der  Kiesellösungen  bildeten. 
Durch  die  Ausheilung  verwachsen  vielfach  reine  Quarz-Sandkörner  an  den 
Berührungsstellen  so  innig,  dass  sie  zwischen  gekreuzten  Nicols  gerade 
so  an  diesen  Stellen  an  einander  grenzen,  wie  die  Quarzkömer  in  einem 
krystalliriischen  Gestein ; die  unregelmässige  Grenze  ist  oft  im  zerstreuten 
Licht  gar  nicht  zu  erkennen.  Durch  die  Verwachsung  entstehen  Gruppen 
von  zwei  und  mehreren  Körnern,  bisweilen  kurze  Ketten,  Formen,  die  als 
allothigene  Sandkörner  unmöglich  sind.  Die  Abbildung  Taf.  II,  Fig.  3 zeigt 
alle  Quarzkörner  mit  sehr  feinzackigen  rauhen  Conturen  und  einige  durch 
Ausheilung  mit  einander  verwachsene  Sandkörner.  Diese  Vereinigung  von 
Quarz-Sandkörnern  zu  Gruppen  wurde  nur  in  den  Reflaka- Sandsteinen, 
niemals  in  den  Botletle-Gesteinen  gefunden. 

Allein  die  Vereinigung  der  Quarzkörner  konnte  nach  dem  Befunde 
in  einigen  Vorkommnissen  ausser  durch  Ausheilung  auch  noch  durch  einen 
anderen  Vorgang  stattfinden,  den  ich  in  meiner  Abhandlung  „Ueber  einen 
oligocänen  Sandsteingang  an  der  Lausitzer  üeberschiebung  bei  Weinböhla  in 
Sachen“  (diese  Abh.  1897,  S.  84)  als  Versch weissung  von  Quarz- 
körnern bezeichnet  habe.  Es  zeigt  sich,  dass  öfters  ein  Quarzkom  in 
ein  benachbartes  eingedrungen  ist  wie  ein  Gerölle  in  ein  anderes  in  der 
KalknagelÜuh.  Die  AbbildungTaf.il,  Fig.  2 zeigt  quer  hindurch  eine  Kette 
von  vier  in  einander  gej)ressten  Körnern  ohne  Ausheilung.  Auch  bei  den 
kleinen  Sandkörnern  findet  man  meist  das  Korn  oder  die  Stelle  eines 
Kornes  mit  kleinerem  Krümmungsradius  eingedrungen  in  eine  Stelle  eines 
anderen  Korns  mit  grösserem  Krümmungsradius;  auch  hier  sind  chemische 
und  mechanische  Vorgänge  in  Wechselwirkung  getreten.  Druck  über- 
lagernder Massen  und  Krystallisationsdruck,  der  durch  das  auskrystallisirende 
Bindemittel  erzeugt  wird,  veranlasst  die  Erscheinung  der  Verschweissung. 
Der  Druck  wirkt  aber  nicht  nur  auf  die  Berührungsstellen,  sondern  auch 
auf  die  ganzen  Körner,  die  in  Folge  davon  Feldertheilung  und  undulöse 
Auslöschung  annehmen.  Ein  unrichtiges  Llrtheil  ist  hier  gewiss  besonders 
leicht  möglich;  Feldertheilung  und  undulöse  Auslöschung  kann  die  Sub- 
stanz der  Quarzkörner  schon  in  dem  Gestein  besessen  haben,  von  dem 
sie  herstammen,  und  Quarz-Sandkörner  mit  diesen  Eigenschaften  finden 
sich  wohl  in  allen  Sandsteinen.  Aber  in  den  Refiaka-Sandsteinen  ist  eben 
diese  Erscheinung  besonders  häufig,  ja  sie  wurde  als  besonders  auffällig 
gerade  in  dem  Gestein  gefunden , das  die  stärkste  Verschweissung  der 
(juarzkörner  erkennen  liess. 

57.  In  den  Renaka- Sandsteinen  wird  die  Erkennung  der  Gruppen 
von  Quarz-Sandkörnern  oft  noch  dadurch  erleichtert,  dass  diese  Griiiipen 
sich  bei  der  weiteren  Einkieselung  wie  ein  Korn  verhalten.  Nach  der 


VjuOgIc 


Bildung  des  ausheilenden  Quarzes,  der  immer  nur  in  geringer  Quantität 
vorhanden  ist,  tritt  eine  Pause  ein  in  der  Zufuhr  von  Lösungen,  aus  denen 
sich  Kieselsäure  abscheiden  kann,  oder  vielleicht  nur  eine  Aenderung  der 
chemischen  Zusammensetzung  der  Lösungen;  es  scheidet  sich  nicht  mehr 
Quarz  ah,  sondern  amorpher  Opal  oder  Chalcedon.  üefters  tritt  diese 
(ieneration  der  Kieselsäure  in  scharf  begrenzten  Säumen  um  die  Sand- 
körner und  um  die  Gruppen  von  Quarz- Sandkörnern  auf,  diese  letz- 
teren in  höchst  charakteristischer  Weise  als  Gemengtheil-Einheiten  hervor- 
hebend. Bald  sind  es  opal-,  bald  mikroachatartige  Chalcedon-Säume  ohne 
erkennbare  Ursache  der  Verschiedenheit,  die  diese  Structur  erzeugen;  durch 
Säume  um  Gruppen  von  Körnern  unterscheiden  sich  die  Chalcedon-Sandsteine 
der  liefiaka-Schichten  lebhaft  von  denen  der  Botlctle-Schichten.  Auf  die 
Säume  folgt  meist  noch  eine  dritte  Generation  von  Kieselsäure,  irgend  ein 
Chalcedon  von  anderer  Structur  oder  Opal.  Andererseits  tritt  in  den  Refiaka- 
Sandsteiuen  ziemlich  häufig  in  auffallender  Weise  auch  nur  eine  Art  von  Chal- 
cedon als  Cement  auf,  z.  B.  nur  sehr  feinkörniger  und  dabei  ganz  klarer  Chal- 
cedon, oder  nur  grober  körniger  Chalcedon,  oder  nur  gelber  Chalcedon.  Dem 
Absatz  dieses  einartigen  Chalcedons  kann  Ausheilung  der  Quarz -Sand- 
körner vorausgegangen  sein  oder  nicht.  Verschiedene  Structuren  des 
Cementes  in  einem  und  demselben  Dünnschliff,  z.  B.  das  nur  sporadische 
Auftreten  von  Säumen,  konnten  mehrfach  beobachtet  werden. 

W'eun  sich  aber  überhaupt  um  viele  Quarzkörner  oder  um  Gruppen 
von  Quarzkörnern  Säume  bilden  konnten,  so  muss  auch,  analog  dem  Kalle 
bei  den  eingekieselten  Botletle-Gesteinen,  eine  Volumvergrös.serung  der 
Massen  bei  der  Ausseheidung  der  zweiten  Generation  von  Kieselsäure 
stattgefunden  haben;  es  ist  aber  wohl  denkbar,  dass  dieses  Phänomen 
räumlich  beschränkt  gewesen  ist,  so  dass  hieraus  kein  Widerspruch  gegen 
die  Erscheinung  der  Verschweissung  der  Quarzkörner  zu  folgern  ist.  Die 
Reflaka-Sandsteine  besitzen  im  Allgemeinen  wenig  Kieselcement. 

58.  Bei  der  Einkieselung  konnten  in  den  Centren  der  Interstitien 
Poren  bleiben,  die  in  einem  Kalle  durch  secundären  Kalkspath  ausgefüllt 
wurden.  Sonst  fehlt  der  Kalkspath  den  Reflaka- Sandsteinen  durchaus 
und  auch  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  nach  einer  „plastisch“-körnigen 
Calcitmasse  wurden  nur  einmal  iu  den  Bruchstücken  eines  brecciösen 
Chalcedon-Sandsteines  gefunden.  Es  ist  doch  auch  leicht  denkbar,  dass 
in  den  primären  Sanden,  aus  denen  die  Reflaka-Sandsteine  durch  Ein- 
kieselung entstanden,  auch  kleinere  Partien  vorhanden  waren  mit  einem 
Kalkcement,  das  dann  verkieselt  w’urde. 

59.  Höchst  auffällig  bleibt  dabei  immer  der  Unterschied  zwischen  den 
Refl.aka-Gesteinen  und  den  Botletle-Gesteinen  im  Grossen;  in  den  ersteren, 
die  ausschliesslich  eingekieselte  Chalcedon-Sandsteine  sind,  kommt  allein 
die  Verwachsung  der  Quarz-Sandkörner  durch  Ausheilung  und  Verschweis- 
sung vor,  während  unter  den  Botletle-Gesteinen  die  primär  kalkhaltigen 
bei  Weitem  vorwalten  und  die  secundäre  Verkieselung  eine  häufige  Er- 
scheinung ist.  Die  jiingste.n  Glieder  der  ganzen  vielleicht  tertiären  Schichteu- 
reihe,  die  Pfannen-Sandsteine,  konnte  ich  nicht  von  den  Botletle-Gesteinen 
nach  petrograpliischen  Kennzeichen  trennen;  wohl  aber  ist  die  Abtrennung 
der  ältesten  Glieder,  der  Reüaka-Gesteine,  möglicli.  Aber  alle  diese  Ge- 
steine gehören  doch  zu  einer  grösseren  Einheit  zusammen;  ihre  Entstehung 
und  Metiimorphoso  wird  ilurcli  die  jungen  sandigen  Kalahari-Kalke  und 


88 


(len  lockeren  Kalahari- Sand  der  Steppe  einerseits  und  die  re(»nten  Salz- 
pelite  und  ihre  Kruste  andererseits  in  trefflicher  Weise  erläutert. 


V.  UeberKan{(«4{;e8teine. 

60.  „Die  Deckschichten  sind  auf  der  Denudationsfläche  des  alten  Ge- 
birgslandes  zur  Ablagerung  gelangt“,  so  schreibt  oben  S.  67  Herr  Dr.  l’as- 
sarge.  Die  untersten  Deckscbichteu,  die  sich  unmittelhar  auf  dem  Aus- 
gehenden der  älteren  Gesteine  abgelagert  haben,  enthalten  oft  so  viel 
Material  von  diesen  letzteren,  dass  es  bei  der  petrographischen  Unter- 
suchung einigerinassen  schwer  hält,  sie  mit  der  unteren  Abtheilung,  den 
Uefiaka-Schichten,  direct  zu  vereinigen.  Dazu  kommt  noch,  dass  auch  das 
Grundgebirge  selbst  in  seinem  oberflächlichsten  Ausgehenden  eine  andere 
.\rl  der  Metamorphose,  andere  Phänomene  bei  der  Zufuhr  von  Kieselsäure 
aufweisen  kann,  als  die  Hauptmasse  des  Grundgebirges.  Ich  muss  des- 
halb eine  Gruppe  der  Uebergangsgesteine  ausscheiden,  (lie  also  geo- 
logisch entweder  zu  den  Deckschichten  oder  zu  dem  Grundgebirge  gehören, 
obwohl  die  Entscheidung  darüber  selbst  im  Felde  schwierig  sein  kann. 
Wenigstens  ergaben  sich  gerade  bei  den  hier  unter  dem  Namen  der  Ueber- 
gangsgesteine zusammengefassten  Vorkommnissen  bei  meinen  Besprechungen 
mit  Herrn  Dr.  Passarge  Meinungsverschiedenheiten  über  die  Zugehörigkeit 
zu  der  einen  oder  anderen  Gruppe.  Da  ein  continuirliches  Profil  durch 
die  oberen  Ngami-Schichten  am  Südufer  des  Ngaini-Sees  nicht  vorhanden 
ist,  lässt  sich  die  Zusammenfassung  etwa  eines  Dutzends  von  Vorkommnissen 
als  Uebergangsgesteine  wenigstens  für  die  vorliegende  Abhandlung  recht- 
fertigen.  Sie  geben  zu  einigen  wenigen  Bemerkungen  Anlass. 

61.  Conglomerate,  z.  B.  Quarzpoiphyrconglomerate  von  Tsillinyana 
am  Südufer  des  Ngami-Sees,  die  geologisch  unzweifelhaft  zu  den  Ngami- 
Schichten  gehören,  können  eine  Menge  von  ganz  besonders  röinem  Chalcc- 
don  zwischen  ihren  grösseren  und  kleineren  Bestandtheilen  enthalten,  der 
bisweilen  schon  makroskopisch  wahrnehmbar  ist.  Obwohl  also  die  klas- 
tischen Bestandtheile  nicht  selten  isolirt  im  reinen  Ghalcedon  liegen,  gehört 
doch  der  Ghalcedon  durchaus  nicht  etwa  der  Periode  der  Ngami-Schichten 
an,  sondern  er  ist  bei  der  Einkieselung  des  Gesteins  in  jüngerer  Zeit  ent- 
standen. An  die  Conglomerate  schliessen  sich  dann  diejenigen  Gesteine 
an,  die  als  Schutt  und  Grus  von  alten  Gesteinen  mit  jungem,  meist 
auch  sehr  reinem  Ghalcedon  zu  deuten  sind.  Als  Uebergangsgesteine  sind 
solche  Gesteine  deshalb  auzuführen,  weil  in  ihnen  das  alte  Gesteinsmaterial, 
das  aufgelockerte,  zerklüftete  alte  Gestein  gar  keine  Aufbereitung  er- 
fahren hat;  es  ist  vollständig  lockerer,  grober  Schutt  von  Kieselmasse 
durchdrungen  worden.  Eine  dritte  Gruppe  bilden  dann  diejeidgen  Gesteine, 
die  vor  der  Einkieselung  nicht  nur  zu  Schutt,  sondern  völlig  zu  Sand 
aufgelöst  worden  waren.  Hier  treten  dann  dieselben  Phänomene  auf,  w'ie 
bei  den  Deckschichten;  Quarzkörner  können  neuen,  ausbeilenden  Quarz 
aufweisen,  es  erscheinen  alle  Arten  von  Kieselsäure  vom  Opal  bis  zum 
grobköridgen  Ghalcedon,  es  treten  Säume  von  Kieselsäure  von  verschiedener 
Art  auf,  es  kiinnen  die  Partikeln  durch  die  sich  verfestigende  Kieselsäure 
von  einander  entfernt  worden  sein.  Dass  dann  Zweifel  bestehen  können, 
ob  man  es  mit  einem  Deckgestein  oder  noch  mit  einem  alten  Gestein  zu 
thun  hat,  ist  leicht  erklärlich.  Schliesslich  können  aber  auch  noch  feste 


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89 


aber  poröse  alte  Gesteine,  z.  B.  ausgelaugte  Kalksandsteine  und  Grau- 
wacken eingekieselt  worden  sein,  Gesteine  also,  die  ohne  eine  vorherige 
Beeinflussung  durch  die  Atmosphärilien  unmöglich  eingekieselt  werden 
konnten.  Dass  auch  Aederchen  und  kleine  Drusen  von  Chalcedon  in 
solchen  Gesteinen  stecken,  üherrascht  nicht  weiter. 

62.  Ist  also  Kinkiesclung  die  herrschende  Erscheinung  hei  diesen  Ueber- 
gangsgesteinen,  so  zeigen  sich  in  ihnen  doch  auch  die  Phänomene  der 
Verkieselung  in  ganz  derselben  Weise,  wie  bei  den  alten  Gesteitien  überall 
da.  wo  kohlensaurer  Kalk  vorhanden  war.  So  sind  in  solchen  hierher  ge- 
hörigen Conglomeraten  und  Breccien  nicht  selten  Bruchstücke  von  ver- 
kieseltem  Ngami-Kalkstein,  die  wieder  auf  den  Gedanken  hringen,  dass 
zwei  getrennte  Perioden  der  Zufuhr  von  Kieselsäure  zu  unterscheiden  sind, 
dass  die  Verkieselung  zeitlich  der  Einkieselung  der  ganzen  Massen  vor- 
ausgegangen  ist  Da  es  aber  wohl  denkbar  ist,  dass  bei  der  Einkieselung 
vorhanilene  Kalkstein-Bruchstücke  in  ganz  derselbenWeise  verkieselt  wurden, 
wie  anderswo  der  anstehende  Kalkstein,  so  liefern  auch  diese  üebergangs 
gesteine  keinen  Anhalt  für  eine  sichere  Entscheidung  dieser  Frage. 


VI.  N)(ami-Schichten  südlich  und  MÜdiiMtlich  vom  Nganii- 

Mee. 

A,  Kieselige  Grauwacke. 

63.  Eines  der  vorherrschenden  Gesteine  der  unteren  und  der  oberen 
Ngami-Schichten  ist  die  Grauwacke,  ein  Name,  der  den  betreftemleii 
Gesteinen  sowohl  nach  ihrem  Alter  wie  nach  ihren  Gemengtheilen  und 
ihrem  ganzen  Habitus  zukommt,  wenngleich  manche  Vorkommnisse  mehr 
einen  reinen  t^uarzsandstein  darstellcn.  In  allen  iliesen  Gesteinen  herrschen 
unter  den  allothigenen  Gemengtheilen  die  Kiirner  von  Quarz  hedeutend 
vor.  Daneben  linden  sich  aber  auch  mehr  oder  minder  reichlich  nament- 
lich Plagioklas,  Epidot  und  zu  Viridit  umgewandelte  Körnchen,  Gemeng- 
theile, die  oft'enbar  von  basischen  Eruptivgesteinen  herstammen.  Ferner 
sind  allothigene  Körner  von  Gesteinen  zu  .erkennen,  z.  B.  in  den  Grauwacken 
der  oberen  Ngami-Schichten  auch  Körnchen  von  Kalkstein. 

64.  Die  Quarz-Sandkörner  zeigen  in  den  Grauwacken  nun  auch  die 
Erscheinungen  der  Ausheilung,  ohne  dass  diese  immer  auftritt.  Die 
Qu.'irz-Sandkörner  können  mit  Krystallspitzen  oder  mit  Lagen  von  Quarz 
ausgeheilt  sein;  ganz  besonders  häutig  tritt  d.aboi  der  Fall  ein,  dass  alle 
(^uarz-Sandkörner  so  innig  mit  einander  verwachsen  sind,  oder  in  so  in- 
nigem Verbände  mit  dem  gleich  zu  erwähnenden  t'emente  stehen,  dass  das 
ganze  Gestein  im  Dünnschlitf  zwischen  gekreuzten  Nicols  den  Eindruck 
eines  holokrystallinen  Gesteins  macht.  G.  Linck  hat  zuerst  die  Aufmerk- 
samkeit auf  diese  Structur  der  Grauwacken  gelenkt  in  seiner  Abhandlung 
„Geognostisch-petrographische  Beschreibung  iles  Grauwackengel)irges  von 
Weiler  hei  Weissenhurg-*  in  Abhandl.  z.  geol.  Öpecialkarte  von  Elsass-Loth- 
ringen,  Bd.  111,  1891,  S.  1. 

Die  „verschwommene  .Abgrenzung“  der  Quar/körner  gegen  einander 
und  gegen  das  Bindemittel  lässt  sich  in  den  Ngami-Grauwacken  mit  Sicher- 
heit auf  .Ausheilungs-N’orgänge  zurückführen.  Diese  Vorgänge  sind  wesent- 


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lieh  gleich  denen  in  den  Deckschichten,  sie  gehören  aber  eben  alten  Zeiten 
an  und  haben  mit  der  jungen  Verkieselung  der  Kalahari-Gesteine  nichts 
zu  schaffen. 

65.  Und  doch  wirkten  hei  der  genaueren  Untersuchung  der  Ngami- 
G esteine  diese  in  der  Erscheinung  ganz  gleichen  Ausheilungen  der  Quarze 
verwirrend,  um  so  mehr,  als  das  llindemittel  dieser  Grauwacken  erstens 
oft  in  überreicher  Menge  auftritt,  und  zweitens  weil  es  aus  einem  Aggregat 
von  Partikelchen  besteht,  das  mit  einer  feinkörnigen  Chalcedonmasse  die 
allergrösste  Aehnlichkeit  hat.  Das  Bindemittel  erscheint  oft  in  körner- 
artigen Partien,  vielleicht  auch  eben  deshalb,  weil  die  Quarz-Sandkörner 
sich  zunächst  durch  ausheilenden  Quarz  zu  Gruppen  zusammengeschlossen 
hatten.  Die  Kieselpartikeln  des  Bindemittels  sind  wohl  Quarz  zu  nennen; 
ist  das  Bindemittel  etwas  grobkörniger,  so  nimmt  man  in  den  einzelnen 
Körnern  desselben  auch  nicht  selten  undulöse  Auslöschung  wahr,  die  wohl 
auch  auf  Krystallisationsdruck  zurückgeführt  werden  kann,  nicht  darauf 
zurückgeführt  zu  werden  braucht,  dass  etwa  die  Quarzkörnchen  durch 
molekulare  Umlagerung  aus  divergent-strahligen  Chalcedoukörnern  enU 
standen  sind. 

Ueberall  enthält  ferner  das  Bindemittel  der  Grauwacken  winzige  BlätU 
eben  und  Fäserchen  eines  glimmerartigen  Minerals,  das  einfach  als  Sericit 
bezeichnet  werden  kann.  Etwas  grösser  waren  die  Blättchen  desselben 
nur  in  einem  Vorkommniss.  Den  Sericit  werden  wir  aber  merkwürdiger 
Weise  auch  in  den  verkieselten  Ngami-Gesteinen  in  der  jungen  Kieselmasse 
wiederfinden. 

66.  Die  Ngami-Grauwacken  zeigen  gar  keine  Spuren  einer  jüngeren 
hydrochemischen  Umwandlung  durch  Zufuhr  von  Kieselsäure;  in  ihnen  war 
eben  nichts  mehr  da  weder  für  eine  Verkieselung  noch  für  eine  Einkiese- 
lung. Durch  ihr  Bindemittel  verlangen  die  Ngami-Grauwacken  ihre  spe- 
cielle  Bezeichnung  als  kieselige  Grauwacken;  es  ist  damit  möglich,  diese 
alten  Gesteine  scharf  von  den  jungen  Kieselgestcinen  getrennt  zu  halten, 
mit  denen  sie  merkwürdige  Analogien  der  Structur  auf^weisen. 

B.  Kalkstein  und  Mergel. 

67.  Die  Kalksteine  und  Mergel  der  mittleren  Ngami-Schichten  sind 
dichte  Gesteine  von  ganz  heller  bis  gelbbrauner,  brauner  und  violetter 
Farbe;  es  finden  sich  darunter  ganz  reine  Kalksteine,  mergelige  Kalksteine 
und  Mergel.  Von  29  mikrochemisch  untersuchten  HandstUcken  zeigten  nur 
zwei  einen  geringen  Gehalt  an  M.agnesia,  der  einen  Uebergang  zu  den 
Dolomiten  dieses  Niveaus  andeutet.  Der  Kalkspath  zeigt  recht  oft  in 
diesen  mikroskopisch  dichten  Gesteinen  u.  d.  M.  grosse  Körner,  die,  wie 
schon  S.  74  erwähnt,  von  anderen  Gemengtheilen  des  Gesteins  erfüllt  sind; 
dies  geht  so  w^eit.  dass  einige  Vorkommnisse  in  den  Handstücken  grosse, 
5 — 8 mm  im  Durchmesser  haltende,  spiegelnde,  aber  dabei  meist  gekrümmte 
Spaltungsfiächen  des  Kalkspaths  aufweisen  und  ganz  aus  solchen  grossen 
Kalkspath-Individuen  bestehen.  Diese  Kalksteine  etwa  deshalb  grobkörnig 
zu  nennen,  will  nicht  zutreffend  erscheinen,  denn  da  gerade  sie  reich  sind 
an  Thon,  so  bildet  in  ihnen  der  Kalkspath  gleichsam  nur  ein  in  grossen 
Individuen  entwickeltes  Cement,  aber  nicht  einen  für  sich  bestehenden  Ge- 
inengtheil,  nach  dem  die  Korngrösse  des  Ge.steins  zu  bestimmen  wäre. 

Ein  grosser  Theil  dieser  Gesteine  ist  mergelig,  er  enthält  Sandkörner 


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und  Thon.  Der  Thon  ist  in  einem  solchen  kalkreichen  Gestein  kaum  nach 
seinen  Bestandtheilen  u.  d.  M.  zu  bestimmen;  in  den  Lösungsrückstiindeii 
zeigt  er  sich  bestehend  aus  feinsten  Quarzsplittern,  Glimmerblättchen, 
Eisenhydroxydpartikeln  und  winzigsten  Elementen,  die  wohl  ein  Thonerde- 
liydrosilicat  sind. 

68.  Die  dichten  Ngami-Kalksteine  zeigen  meistens  schon  makroskopisch 
kleine  Partien  und  Schmitzchen  von  wenigen  Millimetern  Durchmesser, 
die  aus  klarem,  kleinkörnigem  Calcit  bestehen  und  bald  nur  spärlich,  bald 
in  grösserer  Zahl  auftreten.  Als  ein  Extrem  dieser  Herausbildung  groben 
Kornes  ist  es  zu  betrachten,  wenn  einige  Vorkommnisse  von  einem  un- 
regelmässigen Geflecht  gröberer,  meist  etwas  Eisencarbonat  haltiger  Adern 
durchzogen  werden.  Aber  auch  in  mikroskopischem  Massstabe  zeigen  sich 
im  dichten  Kalk  kleine,  bisweilen  auffällig  runde  Partien  von  etwas  grö- 
berem, klarem  Korn  in  ganz  derselben  Weise,  wie  dies  bei  den  Botletle- 
Gesteinen  erwähnt  worden  ist.  Diese  Veränderungen  haben  vielleicht  ein 
hohes  Alter  und  nichts  zu  thun  mit  den  jüngeren  Phänomenen;  wahrschein- 
lich aber  können  wir  als  junge  Veränderungen  des  dichten  Kalkes  die  Her- 
ausbildung von  Rhomboederchen  und  von  radial-strabligen  Kalkspath- 
gruppen  betrachten,  die  bei  ihrer  Entstehung  die  thonigen,  zum  Tlieil  eisen- 
reichen Bestandtheile  in  auffälliger  Weise  zur  Seite  drängen.  Es  wurde 
schon  angeführt,  dass  die  Ngami-Kalksteine  öfters  unter  dem  Mikroskope 
gerade  relativ  grosse  Kalkspathkörner  als  einheitliches  Cement  zeigen;  in 
diesen  ist  regelmässig  Thon,  Eisenhydroxyd  und  Quarzsand  ganz  gleich- 
mässig  vertheilt.  Die  mikroskopisch  kleinen  Rhomboederchen  aber  haben 
sich  Platz  geschafft  im  Thon,  sie  sind  concretionäre  Gebilde  im  Thon. 
Ebenso  deutlich  ist  der  seltenere  Vorgang,  dass  radial-strahlige  Calcit- 
groppen, gleichsam  grobe  Sphärulite,  sich  Platz  geschafft  haben;  ein  eisen- 
reicher  mergeliger  Kalkstein  besteht  nur  aus  solchen  Gruppen  mit  eisen- 
schüssigem Thon  als  Fülle. 

69.  Chalcedon  erscheint  in  den  Ngami-Kalksteinen  zunächst  in  grosser 
Menge  bei  Tsillinyana  am  Ngami-See,  wo  die  Schichten  eine  bogenförmige 
Stauchung  erlitten  haben  und  dadurch  eine  Zertrümmerung;  die  vorliegen- 
den Handstücke  zeigen  Bruchstücke  von  dichtem,  gelbem  Kalkstein  in  recht 
reinem  Chalcedon  mit  klein-sphärulitischer  Structur.  Die  Kalksteinbruch- 
stücke ergaben  im  Lösungsrückstande  kleine  Stückchen  von  Chalcedon- 
Skeletten.  Ausser  in  diesem  Vorkommniss,  das  bald  als  Breccie,  bald  als 
von  Chalcedonadern  durchzogener  Kalkstein  erscheint,  findet  man  den 
Chalcedon  gelegentlich  auch  in  kleinen  Schmitzen  und  in  feinen  Aederchen 
schon  makroskopisch;  u.  d.  M.  bestehen  die  Aederchen  aus  einem  Gemisch 
von  Calcit  und  Chalcedon;  Calcit-Kryställchen  ragen  auch  von  den  Seiten 
in  die  Chalcedon-Adern  hinein,  und  der  Chalcedon  seinerseits  ist  in  den 
Kalkstein  eingedrungen. 

70.  Ein  Theil  der  Ngami-Kalksteine  zeigt  durch  die  ganze  Masse  hin 
eine  Verkieselung,  eine  Verdrängung  des  Kalkspathes  durch  Chalcedon. 
Es  fanden  sich  einige  schwach  verkieselte,  ein  halb  verkieselter  und  zwei 
stark  verkieselte  Kalksteine.  Mitten  im  Kalkstein  ohne  allen  Zusammen- 
hang mit  Adern  treten  Stellen  von  sehr  feinkörnigem,  schwach  polarisi- 
rendem  Chalcedon  auf;  in  anderen  Vorkommnissen  kann  man  den  Chalce- 
don erst  im  entkalkten  Schliff  oder  im  Lösungsrückstande  auffinden.  Beim 
Auflösen  von  Kalkstein-Stückchen  bleiben  (ausser  etwa  einem  die  Lösung 
trübenden  Staube)  Stückchen  übrig  mit  ziemlich  bedeutendem  Zusammenhalt.. 


.^If 


92 


die  1)cini  Zerdrücken  auf  dem  Objectträger  knirschen.  Der  halb  verkieselte 
Kalkstein  mit  einem  geringen  Gehalt  au  Magnesia  zeigt  u.  d.  M.  einen 
mittelkörnigen,  gleichmässig  mit  Kalkspathkömern  und  länglichen  Fetzen 
von  Kalkspath  erfüllten  Chalcedon,  der  auch  einige  Glimmerblättchen  ent- 
hält. Die  Fetzen  von  Kalkspatli  geben  sich  zum  Theil  wenigstens  zu  er- 
kennen als  Kerne  von  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  nach  Kalkspath, 
wie  denn  auch  im  zerstreuten  Lichte  ganz  aus  Chalcedon  bestehende 
Pseudomorphosen  hervortreten,  die  sich  zwischen  gekreuzten  Nicols  nicht 
von  der  übrigen  Chalcedonmasse  abheben.  Pseudomori)hosen  nach  Rhom- 
boedern wurden  auch  in  anderen  Vorkommnissen,  z.  Th.  auch  in  Gesell- 
schaft von  nicht  veränderten  Kalkspath-Uhomboedern  aufgefunden.  Fan 
Gestein  ergab  sich  als  ein  völlig  verkieselter  eisenschüssiger,  stark  mergeliger 
Kalkstein;  er  hat  kleine  Poren  von  gerade  solcher  Form  und  Vertheilung, 
wie  sie  sonst  die  makroskopisch  sichtharen  Schmitzchen  von  gröberem 
Kalkspath  aufweisen. 

71.  Auch  die  Mergel  sind  zum  Theil  verkieselt;  in  einem  Handstück 
zeigte  ein  stark  eisenschüssiger  schiefriger  Mergel  eine  jaspisartige,  etwa 
1,5  cm  mächtige  Lage,  die  sich  durch  ihre  unregelmässigen,  die  Schichtung 
durchquerenden  Conturen  als  eine  secundär  verkieselte  Masse  erwies;  im 
SchlilV  verdeckt  auch  hier  noch  der  Kalkspath  stark  den  Chalcedon,  der 
erst  im  entkalkten  Schliff  neben  den  zahlreichen  allothigenen  Quarzsplittern 
hervortritt. 

72.  Zwei  Handstücke  eines  3,5  cm  mächtigen  Ganges  von  dunkel- 
braunem Chalcedon  bestehen  aus  grossen,  meist  grobfaserigen  Sphäru- 
liteu,  die  in  den  centralen  Partien  von  feinem  Eisenhydroxydstaub  erfüllt 
und  von  einander  durch  zwischengeklemmte  blätterige  Fetzen  von  Braun- 
eisenstein getrennt  sind.  Fis  hat  den  Anschein,  dass  dieser  Gang  nichts 
anderes  ist  als  ein  verkieselter,  in  Chalcedon  umgew'andeltcr  Gang  von 
körnigem,  Eisencarbonat  haltigem  Kalkspath. 

C.  Dolomit. 

73.  Nur  zwei  Vorkommnisse  aus  den  mittleren  Ngarai-Schichten  am 
Südufer  des  Ngami-Sees  erwiesen  sich  bei  der  mikrochemischen  Unter- 
suchung als  so  reich  an  Magnesia,  dass  sie  als  Dolomit  bezeichnet  werden 
müssen.  Beide  Vorkommnisse  von  Sepote’s  Dorf  sind  aber  auch  in  recht 
beachtenswerther  Weise  völlige  .\naloga  zweier  eben  deshalb  vorbin  und  S.  91 
besebriebener  Kalksteine.  Das  eine  ist  ein  von  grobem  Netzwerk  von 
Chalcedon  durchzogener  Dolomit.  Der  t'halcedon  des  .Netzwerkes  ist  sehr 
rein  und  zeigt  ausser  staubartigen  Poren  nur  etwas  Eisenerz;  er  hat  schönste 
grosse  Sphärulite  im  Gemisch  mit  grobkörniger,  fast  (luarzartiger  Masse; 
im  zerstreuten  Licht  ist  von  der  ganzen  Structur  recht  wenig  zu  sehen. 
Der  Dedomit  liegt  im  Chalcedon  in  allerkleinsten  bis  in  grossen  Bruch- 
stücken; in  die  kleinsten  ist  der  Chalcedon  stark,  io  die  grossen  nur  wenig 
i'ingedrungen;  im  Lösungsrückstande  der  letzteren  findet  man  Chalcedon- 
.Skelette  und  Pseudomorphosen  nach  Kalkspath  in  Rhomboedern:  dieser 
Chalcedon  enthält  auch  noch  Carbonatkörnchen  als  Zeugen  seiner  pseudo- 
mori)ben  Fintstehung. 

Das  andere  Vorkommniss  ist  ein  halb  verkieselter  Dolomit,  der  im 
1 landstück  grau  und  verschwommen  dunkelileckig  ist  und  täuschend  ähn- 
lich dom  vorhin  erwähnten  halb  vcrkicsclten  Kalkstein  aussieht.  Im  Schliff 


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03 


liegen  kleine  T)oloniitkömchen  und  Kryställchen  um  alle  Brocken  einer 
aus  Dolomit  und  Cbalcedon  bestehenden  Miisse,  die  durch  grobkürnigen 
reinen  Chalcedon  verkittet  sind;  die  Brocken  sind  die  Beste  des  Carbonat- 
gesteins in  situ,  nicht  etwa  brecciöse  Theilchen;  in  ihnen  sind  Partien  von 
sehr  feinkörnigem  Chalcedon  mit  Partien  von  feinkörnigem  Dolomit 
durchmengt. 


D.  ConUetmetamorpher,  granatlialtiger  Kalkstein. 

74.  In  der  Ilefiaka-Bucht  am  Südufer  des  Ngami-Secs  haben  Aphanit- 
gänge  den  von  ihnen  durchbrochenen  Kalkstein  der  mittleren  Ngaini- 
Schichten  mctamorphosirt.  Die  Contactmetamorph  ose  bat  makro- 
skopisch wahrnehmbare  Veränderungen  in  dem  Kalkstein  kaum  hervor- 
gerufen. so  dass  es  Herrn  Dr.  Passarge  in  diesem  Palle  ganz  unmöglich 
war,  sie  im  Felde  zu  beachten.  Trotzdem  liegen  glücklicher  Weise  sieben 
iiandstücke  vor,  von  denen  eines  ein  granathaltiger  Kalkstein,  ein  anderes 
ein  halb  verkieseltes  und  die  übrigen  fünf  völlig  verkieselte  solche  Contact- 
gesteine  sind.  Sie  liefern  den  handgreiflichen  und  unwiderlegbaren  Be- 
weis, dass  die  Vorgänge  der  Verkieselung  und  Kinkieselnng  als  jüngere 
sccundäre  Phänomene  in  der  nördlichen  Kalahari  anfzufasseti  sind. 
Stammen  die  Handstücke  auch  nicht  von  einem  continnirlichen  l’rotil, 
sondern  von  verschiedenen  Stellen  her,  so  lassen  sie  doch  in  ihrer  Ge- 
sammtheit  alle  eingetretenen  Veränderungen  mit  völliger  Sicherheit  ver- 
folgen ; es  können  deshalb  die  Erscheinungen  zum  Theil  aus  den  einzelnen 
Vorkommnissen  combinirt  besprochen  werden. 

75.  Der  helle,  dunkeldeckige  contactmetamorpho  Kalkstein, 
der  sich  bei  der  mikrochemischen  Untersuchung  als  nur  schwach  magnesia- 
haltig erwies,  zeigt  unter  dem  Mikroskope  eine  klare,  feinköniig-krvstalline 
Structur.  Er  enthält  stellenweise  reichlich  Quarz-Sandkörner,' die  an 
.anderen  Stellen  ganz  fehlen  oder  nur  vereinzelt  auftreten.  Fiisenoxyde 
sind  in  ihm  schon  vor  der  Contactmetamorpbose  vorhanden  gew'esen; 
einmal  tritt  (in  einem  der  verkieselten  Vorkommnisse)  Eisenglanz  als 
Uontactproduct  auf.  Das  hauptsächlichste  Contactproduct  aber  ist  farb- 
loser Granat,  der  aus  dom  Kalkstein  mit  Salzsäure  leicht  isolirt  werden 
konnte.  Das  isolirte,  aber  durch  Quarzsplitter  und  etwas  Eisenerz  ver- 
unreinigte Granatmaterial  löst  sich  im  Schmelzfluss  von  kohlensaureni 
Natron-Kali  nur  schwer  und  langsam  auf;  die  qualitative  Analyse  ergab 
nur  Kieselsäure,  Thonerde  und  Kalk,  keine  Magnesia.  Der  Granat  ist 
also  ein  farbloser  Kalk-Thonerde- Granat.  Er  ist  überall  in  dem  Kalk- 
stein vertheilt,  und  zwar  erstens  in  Gruppen  von  Körnchen,  die  wie  aus 
Subindividuen  ohne  scharfe  Krystallform  aufgebaut  erscheinen;  diese 
Haufwerke  sinken  zu  winzigen  Dimensionen  herab,  die  dann  besser  in 
isolirtem  Granatmaterial  untersucht  werden.  Da  A.  Sauer  kürzlich  über 
Granat-Aggregate  aus  dem  bunten  Keuper  in  Baden  (Versammlung  des 
Oberrheinischen  geologischen  Vereins  1900)  berichtet  hat,  so  mag  erwähnt 
werden,  dass,  nach  der  .Abbildung  bei  Sauer  zu  urtheilen,  die  hier  vor- 
liegenden Granatcomple,ve  gar  keine  Aehnlichkeit  mit  ilen  badischen 
haben.  Ferner  tritt  der  Granat  in  einzelnen  Haufwerken  aus  grösseren, 
zum  Theil  als  sehr  scharfe  Bhombendodekaeder  ausgebildeten  Individuen 
auf.  Zufällig  sind  die  Rhombendodekaeder  gerade  in  den  völlig  ver- 
kieselten Gesteinen  besonders  schön,  scharf  und  gross,  entwickelt;  sie  er- 


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reichen  in  diesen  Gesteinen  einen  Durchmesser  yon  0,08  mm.  Die 
Kryställchen  sind  oft  wasserklar  und  optisch  vollkommen  isotrop.  Auch 
an  solchen  grösseren  Granaten  kann  man  bisweilen  noch  die  Spuren  eines 
.\ufbaues  aus  Subindividuen  erkennen.  Die  Haufwerke  grösserer  Granaten 
pflegen  von  einem  schmalen  Saume  von  Gruppen  von  winzigen  Granat- 
körnchen umgeben  zu  sein.  In  der  Abbildung  Taf.  IV,  Fig.  6 nach  einem 
der  ganz  verkieselten  Gesteine  erscheint  dieser  Saum  von  winzigen  Granaten 
als  dunkele  Zone,  da  sich  diese  nur  bei  sehr  starker  Vergrösserung  in 
ihre  Bestandtheile  auflöst.  Drittens  erscheint  der  Granat  reichlicher  an- 
gehäuft in  Zügen  und  Schmitzen,  hier  besonders  mit  F.isenerzen  vermengt 
Auch  in  dem  an  Sand  reichen  (jetzt  völlig  verkieselten)  Kalkstein  steckt 
der  Granat  wenigstens  vereinzelt  zwischen  den  Sandkörnern.  Der  Granat 
und  die  Art  seines  Auftretens  lassen  die  Gesteine  als  unzweifelhaft 
contactmetamorpli  erkennen. 

76.  Dieser  granathaltige  contactmetamorphe  Kalkstein  ist  nun  stellen- 
weise in  jüngerer  Zeit  einer  hydatogenen  Metamorphose  unterworfen 
worden.  In  dem  einen  Ilandstück  lässt  sich  keine  Spur  von  Chalcedon 
nachweisen,  auch  nicht  in  dem  Lösungsrückstande.  Ein  anderes  Vor- 
kommnis zeigt  im  Schliff  grössere  Partien,  die  stark,  andere,  die  schwächer 
verkieselt  sind,  mit  einer  Menge  Kalkspath  in  Fetzen  als  Relicte,  weitere 
Stellen,  in  denen  kein  Chalcedon  nachweisbar  ist.  Der  Chalcedon  hat 
sich  an  die  Stelle  von  Kalkspath  gesetzt,  ihn  aufgefressen,  ganz  wie  in 
den  bisher  beschriebenen  Gesteinen.  Dasselbe  ist  der  Fall  in  den  ganz 
verkieselten  Gesteinen;  hier  ist  Kalkspath  nur  noch  in  vereinzelten 
Resten  oder  gar  nicht  mehr  vorhanden.  Die  Granaten  liegen  unverändert 
in  dem  Chalcedon  mit  ganz  demselben  Verband  und  Habitus  wie  in 
dem  Kalkstein,  hier  iin  Chalcedon  dem  Studium  noch  viel  schöner  zu- 
gänglich als  im  Kalkstein.  Der  verkieselnde  Chalcedon  ist  feinkörnig  bis 
grohstengelig  und  grobkörnig;  seine  Structur  in  diesen  Gesteinen  genauer 
zu  beschreiben,  ist  überflüssig,  doch  muss  angeführt  werden,  dass  er  auch 
in  scharf  begrenzten  Pseudomorphosen  nach  Rhomboedern  von  Kalkspath 
vorkoinnit.  Neben  dem  verkieselnden  Chalcedon  steckt  nun  aber  in  diesen 
völlig  verkieselten  Gesteinen  auch  noch  ein  anderer  Chalcedon,  der  durch 
Einkieselung  an  Ort  und  Stelle  gekommen  ist;  er  tritt  zum  Theil  selbst 
in  makroskopisch  sichtbaren  Schmitzen  auf,  in  den  Dünnschliffen  in 
grösseren,  völlig  reinen  Partien.  Er  bildet  auch  schmale  Säume  um  andere 
Gemengtheile,  also  z.  B.  um  Sandkörner,  die  in  einem  Vorkommniss  noch 
mit  Krystallspitzen  besetzt,  ausgeheilt  sind.  Da  bei  der  Einkieselung  der 
Chalcedon  sich  in  vorhandenen  Poren  ablagert,  so  ist  es  nicht  sonderlich 
auffällig,  dass  Säume  von  Mikroachat  gelegentlich  auch  einzelne  grössere 
Granatindividuen  umgeben  und  dass  an  anderen  Stellen  der  einkieselude 
Chalcedon  eine  Menge  winziger  Granat-Haufwerke  enthält.  Der  contact- 
metamorphe Kalkstein  ist  eben  zum  Theil  oder  stellenweise  vor  seiner 
Verkieselung  schon  durch  die  Tageswässer  ausgelaugt  und  porös  geworden, 
die  Granaten  aber  mussten  in  den  entstehenden  Poren  liegen  bleiben. 

E.  Kalkstein-Breccie. 

77.  Iin  Anschluss  an  die  Kalksteine  ist  ein  Gestein  aus  der  Reüaka- 
Bucht  an  der  Südseite  des  Xgami-Sees  anzuführen,  das  gewiss  zu  der 
Gruppe  der  Uebergangsgesteine  gehört,  aber  vorherrschend  aus  verkieseltem 


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Ngami-Kalkstein  besteht  Das  Gestein  war  ursprünglich  eine  Breccie 
aus  sehr  kleinen  Bruchstücken  von  Ngami-Kalkstein,  die  durch  sand- 
haltigen Kalk  verkittet  waren.  Jetzt  liegt  es  in  völlig  verkieseltem  Zu- 
stande vor  mit  einer  Structur,  die  jeder  erschöpfenden  Beschreibung 
spottet  und  nur  durch  die  photographische  Abbildung  veranschaulicht 
werden  kann.  Die  fünf  Abbildungen  Taf.  III,  Fig.  1 — 6 sind  alle  nach 
einem  einzigen  Präparat  von  1,6  qcm  Fläche  aufgenommen.  Das  Binde- 
mittel der  Breccie  besteht  neben  den  bald  reichlich  vorhandenen,  bald 
ganz  fehlenden  Quarz-Sandkörnern  wesentlich  aus  Pseudomorpbosen  von 
feinkörnigem  Chalcedon  nach  Kalkspath-Uhomboederchen,  Taf.  III,  Fig.  5, 
die  zwischen  gekreuzten  Nicols  nicht  einzeln  zu  unterscheiden  sind.  Es 
mag  nur  erwähnt  werden,  dass  die  Structur  dieser  Pseudomorpbosen  in 
einzelnen  Fällen  übereinstimmt  oder  wenigstens  nahe  kommt  der  von  ge- 
wissen Vorkommnissen  in  den  Gesteinen  der  Kaikai-Berge,  die  weiter 
unten  besprochen  werden.  Die  Bruchstücke  von  Ngami-Kalkstein  aber 
zeigen  jetzt  in  verkieseltem  Zustande  die  allerverschiedensten  Structuren, 
Taf.  III,  Fig.  1 — 4,  die  sich  nur  zum  Theil  als  verschiedene  Schuittricbtungen 
einer  und  derselben  Structur  deuten  lassen,  ln  ihnen  kommt  stellenweise 
neben  der  Verkieselung  auch  etwas  Einkieselung  vor.  Das  ganze  Gestein 
erweckt  die  Vorstellung,  dass  Alles,  Bruchstücke  und  verkittender  Sand- 
kalk, auf  einmal  durch  einen  Process  verkieselt  worden  ist;  die  Ver- 
schiedenheiten der  Structur  mussten  dann  auf  Verschiedenheiten  der  mole- 
kularen Umlagerung  des  Kalkspathes  zurückgefuhrt  werden,  was  allerdings 
auch  seine  Bedenklichkeiten  hat. 

Die  fünf  Abbildungen  geben  nur  eine  beschränkte  Vorstellung  von 
den  Verschiedenheiten  der  Structur,  die  überhaupt  bei  den  verkieselteu 
Kalksteinen  der  nördlichen  Kalahari  verkommen. 

F.  Rothsandstein. 

78.  Als  eine  Facies  der  Kalksteine  und  Mergel  der  mittleren  Ngaini- 
Schichten  treten  namentlich  in  Inseln  im  Alluvium  an  der  Südseite  des 
Ngami-Sees  meist  Eisenhydroxyd  haltige  feinkörnige  Sandsteine  auf,  die 
von  Herrn  Dr.  Passarge  kurz  Rothsandsteine  genannt  wurden.  Die 
mikroskopische  Untersuchung  zeigte  in  der  That,  dass  sie  zu  einem  Typus 
zusammengehören.  Die  geologischen  Beziehungen  kommen  dadurch  auch 
im  Kleinen  zum  Ausdruck,  dass  in  den  Kalksteinen  der  mittleren  Ngami- 
Schichten  gelegentlich  auch  dünne  Lagen  von  Rothsandstein  auftreten  und 
ferner  dadurch,  dass  die  Rothsandsteine  ursprünglich  stets  Kalk- Sand- 
steine waren. 

Alle  hierher  gehörigen  Handstücke  zeigen  eine  sehr  feinkörnige 
Sandsteinmasse;  das  Mikroskop  lehrt,  dass  die  Quarz-Sandkörner  ins- 
gesammt  geringe  Dimensionen  und  die  Form  von  scharfkantigen  Splittern 
haben;  stark  gerundete  Körnchen  kommen  darunter  gar  nicht  vor.  Im 
Dünnschliff  erscheinen  also  alle  Quarzkörnchen  mit  scharfeckigen  Conturen, 
höchstens  tritt  untergeordnet  auch  eine  gerundete  Stelle  auf.  Solche 
Körner  können  gelegentlich  auch  einmal  eine  regelmässige,  quadratische 
oder  rhombische  Gestalt  haben.  Das  ist  aber  doch  ein  seltener  Ausnahmefall. 

Die  grosse  Mehrzahl  der  Rothsandsteine  enthält  Eisenhydroxyd  und 
ist  dadurch  dunkel  gefärbt,  es  gehören  aber  auch  eisenarme,  graue  und 
helle  Sandsteine  nach  der  Form  ihrer  Quarz-Sandkörner  zu  diesem  Typus. 


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Urspriinglicli  ist  das  Bindemittel  in  allen  diesen  Rothsandstcinen 
ein  thonhaltiger  Kalkspath  gewesen;  es  liegt  aber  nur  ein  Handstück  vor. 
das  nicht  verkieselt  ist.  In  diesem  bildet  der  Kalkspatb  1 — 5 mm  im 
Durcbmesser  haltende  Körner,  die  mit  Thon  und  den  Quarzsplittern  nach 
Art  des  sogenannten  krystallisirten  Sandsteins  erfüllt  sind. 

79.  Bei  der  Verkieselung  geht  diese  Structur  verloren;  ein  Hand- 
•stück,  das  halb  verkieselt  ist,  zeigt  stellenweise  nur  Chalcedon-Cement, 
au  anderen  Stellen  reichliche  Reste  und  Fetzen  von  Kalkspath,  die  aber 
nicht  mehr  zu  grösseren  Individuen  zusammengehören.  Alle  anderen  lland- 
stucke  zeigen  den  Rothsandstein  in  völlig  vcrkieseltem  Zustande;  auch 
kommt  bei  ihnen  stellenweise  eine  Einkieselung  vor,  die  sich  schon  ma- 
kroskopisch durch  dünne,  wellige  Lagen  von  Chalcedon  als  Auskleidung 
von  grösseren  Hohlräumen  kenntlich  macht.  Im  Präparat  zeigt  sich  solcher 
Chalcedon  als  rein  und  von  feinfaseriger  Structur,  während  der  Chalcedon 
als  Verkieselungsproduct  meist  sehr  feinkörnig,  selten  etwas  grobkörnig 
ist  und  ausser  Eisenoxyden  meist  mehr  oder  minder  reichlich  und  deutlich 
winzige  Blättchen  und  Fäserchen  von  Sericit  enthält  der  sich  gewiss  erst 
hei  der  Verkieselung  als  authigener  Gemengtheil  gebildet  hat  In  recht 
dünnen  Schliffen  ist  der  Serecit  im  zerstreuten  Lichte  wie  zwischen  ge- 
kreuzten Nicols  namentlich  bei  stärkerer  Vergrösserung  leicht  im  Chalce- 
don zu  erkennen.  Dieser  aus  dem  ursprünglichen  Tliongehalt  des  Kalk- 
spathes  entstandene  Sericit,  ferner  ihrer  Natur  nach  nicht  genauer  be- 
stimmbare rothbraune  Partikelchen  einer  Eisenoxyd- Verbindung  und  feinste 
Poren  treten  als  Trübung  des  feinkörnigen  Chalcedons  auf. 

80.  Winzige,  äusserst  scharfkantige  Rhoniboederchen,  die  selten  im 
Rothsandstein  Vorkommen,  sind  ohne  Mühe  als  Chalcedon-Pseudomorphosen 
zu  erkennen.  Ausser  ihnen  gewahrt  man  aber  in  den  Dünnschliffen  aller 
Kothsandsteine  in  reichlicher  Anzahl  grössere  Objecte  mit  im  Allgemeinen 
rhombischen  scharfen  Konturen,  aber  oft  mit  etwas  abgerundeten  Ecken, 
die  auch  als  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  nach  Kalkspath  aufgefasst 
werden  müssen.  Sie  bestehen  manchmal  deutlichst  aus  feinkörnigem,  fein- 
porösem Chalcedon,  dann  aber  auch  aus  gröberen  Körnern  mit  stark  undu- 
löser Auslöschung  mit  oder  ohne  Interpositionen  von  Sericit  und  von  Car- 
bonatkörnchen, die  ja  stets  leicht  an  ihrer  starken  Doppelbrechung  zu  er- 
kennen sind.  Nun  kommt  aber  auch  ein  einheitliches  klares  Korn  mit 
völlig  homogener  Auslöschung  als  Substanz  der  auffällig  scharf  conturirten 
Dinge  vor,  das  von  Quarz  kaum  zu  unterscheiden  ist.  Solche  Körner  sehen 
auf  den  ersten  Blick  den  allothigencn  Quarzsplittern  in  hohem  Grade  ähn- 
lich aus,  und  ihre  richtige  Deutung  ist  mit  grossen  Schwierigkeiten  ver- 
bunden. Ich  kann  auch  nach  langem  Studium  dieser  Verhältnisse  nicht 
behaupten,  dass  ich  im  Stande  wäre,  jedes  der  scharfeckigen  und  gerade- 
kantigen wasserklaren  Körnchen  in  den  Schliffen  sei  es  als  allothigencn 
• juarz,  sei  es  als  quarzähnliches  Chalcedonkorn  zu  bestimmen.  Quarz- 
Krystalle  sind  letztere  gewiss  nicht,  da  die  Auslöscbungsrichtungen  von  den 
Conturen  unabhängig  sind,  und  wahrscheinlich  ist  ihre  Substanz  nicht 
Quarz,  sondern  ein  quarzähnlicher  Chalcedon  von  etwivs  schwächerer  Doppel- 
brechung als  der  Quarz  In  manchen  Vorkommnissen  sind  solche  zweifel- 
haften Objecte  überneschend  häufig;  das  mag  aber  darin  seinen  Grund 
haben,  dass  dann  die  primären  Gesteine  stärker  mergelig  waren,  als  die 
gemeinen  Rothsandsteine. 

81.  Ist  es  schon  für  die  Deutung  der  Erscheinungen  der  Verkieselung 


■u^It 


97 


von  Interesse,  dass  von  dem  scharf  cbarakterisirten  T3'pus  der  Rothsand- 
steine  sowohl  primäre  kalkige,  als  auch  halb  und  völlig  verkieseltc  Ge- 
steine Vorlagen,  so  kommen  nun  noch  contactmetamorphe  Vorkomm- 
nisse hinzu,  die  mit  Sicherheit  erkennen  lassen,  dass  die  Contactmetamor- 
phose  vor  der  Verkieselung  eingetreten  ist.  Die  mir  von  Herrn  I)r.  Pas- 
sarge als  aus  der  Nachbarschaft  von  Aphanitgängcn  herstanimend  und  als 
mehr  oder  minder  stark  contactmetamorph  bezeichneten  Vorkommnisse 
zeigen  im  HandstUck  und  im  Dünnschliff  eine  dunklere  Farbe,  weil  in  ihnen 
das  Eisenhydroxyd  in  Eisenglanz  umgewandelt  ist,  der  deutlich  als  solcher 
bestimmbar  ist.  Mit  der  Umwandlung  des  Eisenhydro.xydes  in  Eisenglanz 
ist  zugleich  das  Kalkspath-Bindeniittel  krystallinisch-kleinkörnig  geworden, 
wobei  die  Kalkspath-Körner  und  Rhomboeder  bisweilen  den  Eisenglanz 
und  die  thonigen  Restandtbeile  deutlich  zur  Seite  gedrängt  haben,  so  dass 
sie  als  Fülle  zwischen  den  Kalkspathkörneni  auftreten.  In  einem  stark 
metainoq)hen  Gestein  zeigt  sich  auch  Granat  in  Häufchen  von  winzigen 
Körnchen,  die  im  Schliff  im  auffallenden  Licht  als  weisse  Pünktchen  er- 
scheinen. Abgesehen  davon,  dass  manchmal  ihre  Isotropie  festgestellt 
werden  konnte,  war  ihre  Bestimmung  als  Granat  natürlich  nur  möglich 
auf  Grund  ihres  Vorkommens  auch  in  den  oben  beschriebenen  contact- 
metamorphen  Kalksteinen. 

Diese  contactmetamorphen  Rotbsandsteine  liegen  nur  in  völlig  ver- 
kieseltem  Zustande  vor;  Granat  und  Eisenglanz  finden  sich  eingeschlossen 
im  Ch.alcedon,  der  also  eine  jüngere  Bildung  sein  muss. 

8*L  An  die  Rotbsandsteine  reiht  sich  durch  seine  Structur  ein  Vor- 
kominniss  von  kalkiger  Grauwacke  aus  den  unteren  Ngami-Schichten 
an;  auch  in  diesem  Gestein  liegen  die  Quarz-(und  Feldspatb-)Sandkörner 
von  einander  getrennt  ihrer  ein  Dutzend  und  mehr  in  je  einem  Kalkspath- 
korn.  Es  wiederholt  sich  also  dieselbe  Structur  in  verschiedenen  Ge- 
steinen der  Ngami-Shichten.  Wahrscheinlich  liegt  in  einem  anderen 
Vorkommniss  ein  verkieseltes  Aequivalent  auch  dieses  Typus  der  kalkigen 
Grauwacke  vor,  die  Phänomene  sind  aber  darin  so  wirr,  dass  ich  nicht 
nur  auf  eine  Beschreibung,  sondern  sogar  auf  eine  sichere  Deutung  ver- 
zichten muss. 

G.  Ssakke-Sandstein. 

8:1.  Als  Aequivalent  der  oberen  Ngami-Schichten  fasst  Herr  Dr.  Passarge 
den  Ssak  ke-Sandstein  der  .Mangwato-Schichten  am  Loale-Plateau 
der  Kalahari  westlich  von  Palapye  auf.  Es  herrscht  als  Ssakke-Sandstein 
ein  Quarz-Sandstein  mit  kieseligem  Bindemittel,  das  in  porösen  Varietäten 
zum  Theil  spärlich  vorhanden  ist.  Die  Quarz-Sandkörner  zeigen  öfters 
mehr  oder  minder  starke  Ausheilung  durch  Quarz;  etwas  jünger  als  der 
ausheilende  Quarz  ist  dann  ein  feinkörniges,  aus  Quarz  und  Glimmer  be- 
stehendes Bindemittel.  Dass  diese  Quarz-Sandsteine  auch  im  Contact  mit 
Melaphyr  verändert  verkommen,  soll  nur  beiläufig  bemerkt  werden;  eine 
jüngere  hydrochemische  Veränderung  ist  an  ihnen  nicht  nachweisbar. 
Dagegen  gehört  zu  diesem  Schichtensysteme  auch  ein  hellbrauner  Kalk- 
Sandstein,  dessen  kleine  stark  gerundete  Quarz-Sandkörner  alle  mit  einer 
dUnneu  Haut  von  Eisenhydroxyd  überzogen  sind;  das  Kalkspath-Biiide- 
mittel,  der  Menge  nach  nicht  reichlicher  als  das  Interstitialvolumen  ver- 
langt. ei-scheint  auch  hier  in  grösseren,  von  vielen  Sandkörnern  durch- 
brochenen  Individuen.  Die  mikrochemische  Analyse  ergab  neben  Kalk 


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98 


nur  sehr  geringe  Mengen  von  Magnesia;  im  Lösungsrückstande  waren 
entschiedene  Chalcedon- Skelette  nachweisbar,  die  im  Dünnschliff  durch 
den  Kalkspath  völlig  verdeckt  werden.  Das  Gestein  zeigt,  dass  auch  im 
äussersten  Osten  des  von  Herrn  Dr.  Passarge  durchforschte«  Gebietes 
das  Phänomen  der  Verkieselung  vorhanden  ist,  wie  in  dem  nun  zu  be- 
sprechenden westlichen  und  nördlichen  Theil  der  nördlichen  Kalahari. 


TU.  Mganii- Schichten  der  Kalkal- Berge. 

84.  Die  Kaikai-Berge  bilden  ein  Hügelland  mit  einer  Erhebung  von 
wenigen  hundert  Metern  über  das  Kalahari -Plateau,  WNW.  vom  Ngami- 
See  ungefähr  unter  19®  45'  südlicher  Breite  und  21®  15'  östlicher  Länge 
nahe  der  Grenze  gegen  Deutsch-Süd-West-Afrika.  Ihre  Gesteine  gehören 
dem  Niveau  der  mittleren  Ngami-Schichten  an.  Dieselben  Massen 
linden  sich  auch  noch  weiter  nördlich  in  Schollen  im  Schadum-Thal  unter 
19®  südlicher  Breite.  Die  Schichten  sind  der  Hauptsache  nach  primäre 
Kalksteine,  die  hier  in  ähnlicher  Weise  wie  südlich  vom  Ngami-See  durch 
hydrochemische  Processe  metamorphosirt  worden  sind.  Die  Phänomene 
sind  hier  in  diesem  westlichen  und  nördlichen  Gebiete  unzweifelbaft  von 
demselben  Charakter  und  durch  dieselben  Reagentien  hervorgerufen,  aber 
die  Endproducte  sind  doch  etwas  verschieden.  Zunächst  finden  wir  in 
diesem  Gebiete  die  Doloraitisirung  der  Kalksteine  in  umfangreicherer  Weise, 
dann  die  ebenfalls  in  grossem  Massstabe  auftretende  Verkieselung;  ob 
aber  diese  letztere  zugleich  mit  der  Doloraitisirung  oder  erst  nach  ihr 
oingetreten  ist,  lässt  sich  mit  Sicherheit  nicht  entscheiden.  Das  Erstere 
scheint  mir  nach  allen  meinen  Studien  das  Wahrscheinlichere.  Herr 
Dr.  Passarge  giebt  an,  dass  die  kieseligen  Massen,  in  denen  wir  verkieselte 
Carbonatgesteine  erkennen,  in  Stöcken,  gangartigen  Gebilden  und  Liigern 
inmitten  ;der  Carbonatgesteine  erscheinen.  Phänomene  der  Einkieselung 
konnten  nur  bei  einigen  Gesteinen  der  Ebene  zwischen  den  einzelnen 
Hügeln  festgestellt  werden. 

85.  Nur  ein  Gestein  der  Kaikai-Berge  erwies  sich  bei  der  mikro- 
chemischen Prüfung  als  magnesiafreier  Kalkstein.  In  dem  Dünnschliff 
des  dichtenj  röthlichen  Gesteins  gewahrt  man  feinkörnigen  Kalkspath 
zwischen  groben  Kalkspath-Körnern  mit  polysynthetischer  Zwillingsbildung 
und  ungewöhnlich  grossen  Rhomboedern  von  Kalkspath  ohne  Zwillings- 
bildung. Sandkörner  und  vereinzelte  Häufchen  von  Chalcedonkom-Aggre- 
gaten  kann  man  im  Schliff  wne  im  Lösungsrückstande  beobachten.  Aus 
dem  Schadum-Thal  liegt  ein  schwach  dolomitischer  dichter  Kalkstein  vor, 
in  dessen  Lösungsrückstand  einige  zum  Theil  sehr  porenreiche  Chalcedon- 
Aggregate  und  überdies  einige  Glimmerblättchen  und  einige  Turmalin- 
säulchen  zu  beobachten  sind.  Ein  stark  mergeliger  Kalkstein  aus  dem 
Schadum-Thal  erwies  sich  bei  der  mikrochemischen  Analyse  als  magnesia- 
frei;  wegen  des  Zusammenhaltes  eines  mit  kochender  Salzsäure  behandelten 
Stückchens  ist  eine  geringe  Menge  von  Chalcedon  auch  in  diesem  Gestein 
zu  vermuthen. 

86.  Vierzehn  Handstücke  von  den'^Kaikai-Bergen  (einschliesslich 
dreier  aus  dem  Schadum-Thal)  ergaben  bei  der  mikrochemischen  Analyse 
einen  so  hohen  Gehalt  an  Magnesia,  dass  sie  als  normale  Dolomite 
zu  bezeichnen  sind,  obwohl  in  einigen  auch  noch  polysynthetisch  ver- 


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zwillingte  Carbonatkörner  zu  finden  waren.  Die  Dolomite  sind  unzweifel- 
haft aus  dichten  Kalksteinen  hervorgegangen,  indem  sich  dabei  wie  ge- 
wöhnlich ein  mikroskopisch-krjstallinisches  Korn  herausbildete.  Die  Ver- 
änderung der  primären  Structur  ist  öfters  ungleichmässig  vor  sich  gegangen, 
so  dass  die  Dünnschlifife  gefleckt  aussehen;  solche  Flecken  sind  bisweilen 
stark  gerundet,  es  zeigen  sich  auch  Conturen,  die  an  Oolithkörner  oder 
an  organische  Reste  entfernt  erinnern.  Tritt  noch  Verkieselung  hinzu,  so 
findet  man  wohl  in  einem  und  demselben  Präparat  ganz  verschieden  auf- 
gebaute rund  und  scharf  begrenzte  Objecte,  z.  B.  innen  aus  feinkörnigem 
und  aussen  aus  grobkörnigem  Dolomit  bestehend,  oder  innen  Calcit  oder 
Dolomit  und  aussen  ein  Chalcedonring,  oder  innen  klarer  einheitlicher 
Chalcedon,  aussen  ein  Ring  von  stark  porösem,  dolomithaltigero,  sehr  fein- 
körnigem Chalcedon;  auch  Poren  können  in  der  Mitte  solcher  rundlichen 
Gebilde  vorhanden  sein.  In  der  Abbildung  Taf.  IV,  Fig.  5 zeigt  die  ovale 
Partie  in  der  Mitte  dichten  Dolomit  mit  einer  gi-össeren  centralen  Pore, 
darum  eine  Zone  von  gröberen  Dolomitkornern,  die  bisweilen  mit  Krystall- 
conturen  an  den  klaren  Chalcedon  anstossen. 

Eisenhydroxyd,  manchmal  Eisenglanz,  ist  in  geringer  Menge  meist  vor- 
handen; im  Lösungsrückstande  konnte  mehrmals  Turmalin  in  kleinen  Säul- 
chen  nachgewiesen  werden.  Besonders  hervorzuheben  ist  der  Gehalt  tler 
Dolomite  an  Glimmer,  der  als  authigener  Gemengtheil  in  kleinen  Blättchen 
im  LösungsrUckstand  isolirt  und  dann  auch  im  Chalcedon  eingewachsen 
erkannt  *erden  konnte.  Absichtlich  wird  hier  das  Mineral  Glimmer,  nicht 
Sericit  genannt 

87.  Alle  Dolomite  enthalten  mehr  oder  minder  viel  Chalcedon.  So 
sind  zunächst  mehrere  Handstücke  makroskopisch  aus  zum  Theil  gekrümm- 
ten Schalen  von  Chalcedon  im  Wechsel  mit  Schalen  von  Dolomit  zusammen- 
gesetzt Die  Grenzen  der  einzelnen  Lagen  sind  stets  etwas  unregelmässig, 
im  Kleinen  gezackt,  zum  Zeichen,  dass  wir  es  mit  Umwandlungen,  nicht 
mit  primärer  Wechsellagerung  zu  thun  haben.  Die  mikroskopische  Unter- 
suchung zeigt,  dass  Dolomit  und  Chalcedon  niemals  scharf  getrennt  sind, 
sondern  sich  in  vielen  Abstufungen  mit  einander  mischen.  Im  Chalcedon, 
der  kleinkörnig,  stellenweise  auch  ganz  klar  quarzähulich  und  grobkörnig 
ist  hegt  der  Dolomit  vielfach  in  winzigen,  ziemlich  scharfen  Rhomboeder- 
chen  in  unendlicher  Anzahl,  wie  das  die  Abbildung  Taf.  IV,  Fig.  2 zeigt. 
Umgekehrt  liegen  quarzartig  klare  Körner  von  Chalcedon  mit  winzigsten 
rundlichen  Dolomitkörnchen  namentlich  in  ihren  centralen  Partien  in  einem 
vorherrschenden  Dolomit-Aggregat. 

In  anderen  Dolomiten  findet  man  den  Chalcedon  in  geringerer  oder 
grösserer  Menge  erst  im  Düunschlifi’  auf;  dieser  Chalcedon  ist  stets  körnig, 
niemals  tritt  faseriger  Chalcedon  auf,  niemals  erscheinen  Mikroachat-  oder 
Opal-Säume.  Der  Chalcedon  ist  äusserst  feinkörnig  bis  ganz  quarzartig 
grobkörnig,  öfters  porös  und  mit  Dolomit  durchwachsen.  Meist  enthält 
dieser  Chalcedon  winzigste  Körnchen  bis  kleine  und  grössere  Rhomboeder- 
chen  von  Dolomit,  ferner  Eisenhydroxyd-Partikeln  und  Blättchen  von  authi- 
genera  Glimmer.  Diese  Einschlüsse  erscheinen  durchaus  auch  in  dem 
grobkörnigen  Chalcedon,  der  bald  stark  undulös,  bald  ganz  homogen  aus- 
löscht, aber  auch  im  letzteren  Falle  eben  wegen  seiner  Einschlüsse  eine 
Neubildung  ist,  die  in  diesen  Gesteinen  noch  nicht  den  Namen  „Quarz“  er- 
halten kann. 

88.  Obwohl  in  diesen  Dolomiten  der  Kaikai-Berge  bisweilen  auch 


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grössere  Khomboeder  von  Dolomit  unter  dem  Mikroskope  gefunden  werden, 
und  obwohl  die  Verkieselung  oft  weit  vorgeschritten  ist,  so  Hessen  sich 
doch  in  den  Dunnschliflen  nirgends  Pseudoinorphosen  von  Chalcedon 
nach  Dolomit- Rhomboedern  nachweisen.  Und  doch  sind  sie  in  wenigstens 
der  Hälfte  dieser  Dolomite  vorhanden.  Man  findet  sie  erst  im  Lösungs- 
rückstande der  Gesteine  als  höchst  auffällige  Objecte.  Nach  dem  Studium 
dieser  konnte  ich  sie  auch  einmal  in  einem  Dünnschliff  mit  Sicherheit 
nachweisen;  für  gewöhnlich  wird  ihre  Anwesenheit  völlig  von  dem  stark 
doppelbrechenden  Dolomit  verdeckt,  ln  dem  Lösungsrückstand  der  Dolo- 
mite findet  man  neben  Chalcedonkorn-Aggregaten,  Ulimmerbluttchen,  Tur- 
raalinsäulchen,  Eisenerzen  und  eventuell  einigen  allothigenen  Quarzkörn- 
chen  viereckige  Plättchen,  seltener  dickere  viereckige  Körner  von  winzigen 
Dimensionen  bis  zu  etwa  0,03  mm  Seitenlange  bald  nur  vereinzelt,  bald 
in  grosser  Anzahl.  Diese  Dinge  haben  zumeist  zwei  parallele  ganz  ge- 
radlinige Seiten  und  zwei  dagegen  mehr  oder  minder  rechtwinklige  Seiten 
mit  nicht  geradlinigem,  unregelmässigem  Verlauf.  Es  kommen  aber  diese 
Dinge  auch  vor  mit  vier  geradlinigen,  paarweise  parallelen  Seiten,  die  sich 
dann  stets  unter  schiefen  Winkeln  schneiden,  also  Rhomben  bilden;  ver- 
gleiche Taf.  IV,  Fig.  3.  Besonders  gerade  an  den  kleinsten  Individuen  ist 
solche  rhombische  Gestalt  zu  finden,  die  ja  zu  allererst  an  die  Rhomboeder 
der  Carbonspäthe  erinnert.  Obwohl  auch  manche  dieser  Dinge  sicher 
nicht  platt,  sondern  dick  sind,  habe  ich  doch  nie,  auch  niclit  im  auffal- 
lenden Liclit  an  der  trockenen  Substanz  gute,  leibhaftige  Rhomboeder  be- 
obachten können.  Rührt  man  den  isolirten  Staub  in  Canadabalsara  ein, 
so  findet  man  leicht,  namentlich  in  den  grösseren  Dingen  stets,  Partikeln 
von  Eiseuhydroxyd,  meist  auch  winzige  Körnchen  von  Dolomit.  Form  und 
Einschlüsse  sprechen  dafür,  in  diesen  Dingen  Pseudoinorphosen  von  Chal- 
cedon nach  Dolomit  zu  sehen;  vielleicht  stellen  sie  nur  verkieselte  Stellen 
der  Dolomitkörnchen,  man  möchte  sagen  verkieselte  Spaltungsstückchen  von 
Dolomit  dar.  ln  welcher  W'eise  besonders  die  kleinsten  Plättchen  im 
Dolomit  liegen,  ob  in  Dolomitkömeru  oder  zwischen  Dolomitkörnern, 
das  war  nicht  möglicli  zu  erkennen. 

Die  Form  und  Begrenzung  dieser  Pseudomorphosen,  — als  solclie 
müssen  diese  Dinge  aufgefasst  werden  — prüft  man  am  besten  niebt  an  den 
im  Canadabalsam,  sondern  an  im  Wasser  befindlicben  Proben,  ln  beiden 
Mitteln  zeigen  sich  nun  aber  auch  iHe  höchst  auffälligen  Polarisations- 
verhältnisse. Fast  alle  Vierecke  zeigen  zwischen  gekreuzten  Nicols  eine 
/.ertheilung  in  vier  Felder  nach  zwei  sich  kreuzenden,  den  Seiten  mehr 
oder  minder  parallelen  Linien.  Je  zwei  Felder  über  Eck  löschen  bei  der- 
selben Stellung  aus;  dreht  man  das  Präparat,  so  kommt  man  an  eine 
Stellung,  hei  der  alle  vier  Theilstücke  den  gleichen  Grad  von  Helligkeit 
besitzen,  während  ihre  Grenzen  gegen  einander  als  ganz  feine  dunkle  Linien 
hervortreten.  Die  Feldertheilung  ist  bisweilen  erstaunlich  regelmässig;  in 
den  meisten  Fällen  sind  die  Grenzen  sehr  unregelmässig  und  es  zeigen 
sehr  oft  zwei  über  Eck  liegende  Felder  eine  Brücke  zwischen  sich,  wäh- 
rend die  beiden  anderen  dann  natürlich  ganz  von  einander  getrennt  sind 
wie  in  der  Abbildung  Taf.  IV,  Fig.  3.  Diese  Pseudoinorphosen  verhalten 
sich  also  etwa  wie  Durchkreuzungszwillinge.  Die  Polarisationserseheinungen 
sind  aber  doch  im  Ganzen  unregelmässig  und  zwar  umsomehr,  je  dicker 
die  Pseudoinorphosen  sind;  in  dicken  sind  wohl  mehr  als  vier,  wahrschein- 
lich acht  im  Raume,  Theilstücke  vorhanden.  Die  ganze  Structur  ist  aber 


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durchaus  nur  eine  verhältnissmässig  regelmässige  Ausbildung  der  Aggre- 
gation von  Chalcedonkörnern,  wie  sie  sonst  in  den  Pseudomorphosen  von 
Chalcedon  nach  Calcit  oder  Dolomit  nur  andeutungsweise  vorkommt.  Die 
Polarisationsverhältnisse  des  Chalcedons,  wie  er  in  all  diesen  verkieselten 
Gesteinen  pseudomorph  nach  irgend  welcher  Fonn  des  Carbonspathes  er- 
scheint, im  Einzelnen  verfolgen  und  studiren  zu  wollen,  ob  sich  besondere 
Gesetzmässigkeiten  dabei  ergeben,  würde  eine  undankbare  und  wohl  auch 
zwecklose  Aufgabe  sein. 

Als  auffällig  ist  es  noch  besonders  hervorzuheben,  dass  diese  über 
Kreuz  auslöschenden  Chalcedon-Partikeln  nur  in  den  Dolomiten  der  Kaikai- 
Berge  gefunden  wurden. 

89.  Aus  den  Kaikai-Bergen  liegen  ferner  ungefähr  zehn  Handstücke 
vor,  die  so  geringe  Mengen  von  Carbonspäthen  enthalten,  dass  es  niclit 
möglich  ist  zu  entscheiden,  ob  es  verkieselte  Kalksteine  oder  verkieselte 
Dolomite  sind.  Die  wahre  Natur  dieser  Kieselgesteine  lässt  sich  auch 
nur  im  Zusammenhang  mit  den  nicht  völlig  verkieselten  Carbonatgesteinen 
erkennen.  Ihr  Chalcedon  ist  wieder  feinkörnig  bis  grobkörnig-(]uarzartig 
in  den  verschiedensten  Mischungen  und  Uebergängen.  Partikeln  von  Eisen- 
oxyden, Blättchen  von  Glimmer,  Staub  von  Carbonspath  und  Poren  sind 
überall  in  wechselnden  Mengen  im  Chalcedon  vorhanden.  Selten  sind 
relativ  grosse  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  in  Uhomboederform,  wobei 
der  Kaum  bisweilen  nur  zum  Theil  erfüllt  ist.  Makroskopisch  zeigen  diese 
Kieselgesteine  bald  homogene  dichte  Beschaffenheit,  bald  sind  sie  klein- 
fleckig; einige  Vorkommnisse  sind  wahre  Breccien. 

Es  mag  an  dieser  Stelle  noch  erwähnt  werden,  dass  unter  den  Ge- 
steinen der  Kaikai-Berge  auch  solche  mit  Quarz-Sandkörnern  Vor- 
kommen, in  denen  die  Sandkörner  durch  Quarz  derart  ausgehcilt  sind, 
dass  sie  zwischen  gekreuzten  Nicols  ganz  in  die  Hauptmasse  des  Kiesel- 
gesteins durch  Auflösung  in  kleine  Körnchen  überzugehen  scheinen.  Ein 
solcher  nur  zum  Theil  verkieselter  sandhaltiger  Dolomit  zeigt  die  aus- 
geheilten Sandkörner  mitten  im  Dolomit,  an  einer  Stelle  des  Präparates 
aber  in  Kieselmasse;  die  ausheilende  Quarzsubstanz  enthält  in  beiden 
Fällen  zahlreiche  winzige  Rhomboederchen  von  Dolomit. 

90.  In  dem  südwestlichen  Theil  des  von  Herrn  Dr.  Passarge  durch- 
forschten Gebietes,  zu  Gobabis  in  Deutsch-Süd-West- Afrika  unter 
22“  10'  südlicher  Breite  und  19“  östlicher  Länge,  erscheint  in  mittleren 
Ngami-Schichten  ein  reiner,  sehr  feinkörniger  Dolomit,  in  dessen  Lösungs- 
rückstand einige  Chalcedontheilchen,  darunter  einige  wenige  gute  l’seudo- 
morphosen  von  Chalcedon  nach  Dolomit-Rhomboedern  nachgewiosen  werden 
konnten.  Es  lag  nur  ein  Vorkommniss  aus  diesem  Gebiete  vor. 


VIII.  Dolomite  von  Garn. 

91.  Südlich  von  den  Kaikai-Bergen  in  der  Umgebung  von  Garn  in 
Deutsch-Süd-West-Afrika  und  über  die  Grenze  hinaus  erscheinen  als  Ver- 
treter der  mittleren  Ngami-Schichten  feinkörnige,  zum  Theil  znckerkörnige 
bis  grobkörnige  Dolomite.  Alle  elf  Handstücko  von  bis  ungeHihr  23  km 
weit  von  einander  entfernten  Punkten  erwiesen  sich  bei  der  mikro- 
chemischen Prüfung  als  normale  Dolomite;  nur  ausnahmsweise  wurden 
unter  dem  Mikroskope  vereinzelte  Körner  mit  polysynthetischer  Ver- 


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102 


zwillingung  gefunden.  Die  Dolomite  enthalten  Einsprenglinge  von  Spath- 
eisenstein und  Körner  und  Pentagondodekaeder  von  Pyrit. 

Diese  Dolomite,  die  so  ganz  andere  Beschaffenheit  besitzen  als  wie 
die  sonst  dichten  Dolomite  der  Ngami-Schichten,  sind  doch  auch  wieder 
nichts  anderes  als  umgewandelte  dichte  Kalksteine.  Aber  hier  bei  Garn 
hat  sich  die  Umwandlung  in  wieder  anderer  Weise  vollzogen  als  in  den 
Kaikai-Bergen.  Die  Gesteine  sind  zu  körnigen  Dolomiten  geworden,  in 
denen  als  authigene  Gemengtheile  noch  Quarz  und  Phlogopit  erscheinen, 
überdies  noch  zum  Theil  auch  Rutil  und  Apatit ; eine  umfangreichere  Ver- 
kieselung ist  nicht  eiugetreten. 

92.  Ira  Dünnschliff  wie  im  Lösungsrückstand  findet  man  den  Phlogopit 
bald  spärlich  bald  reichlicher  in  bis  0,6  mm  im  Durchmesser  haltenden 
Körnchen  und  Blättchen;  letztere  eignen  sich  für  die  Bestimmung  des 
Winkels  der  optischen  Axen,  der  immer  klein  gefunden  wurde;  doch  zer- 
theilt  sich  das  Kreuz  im  Axenbild  stets  deutlich  in  Hyperbeln.  Die 
Blättchen  haben  am  Rande  und  die  Körnchen  überall  eine  grosse  Zahl 
von  Scheiuflächen,  die  durch  die  Dolomitkörner  hervorgerufen  sind.  Spal- 
barkeit  nach  der  Basis  ist  an  den  isolirten  Blättchen  wie  im  Dünnschliff 
leicht  zu  erkennen.  Mit  Kieselfluorwasserstoffsäure  ergab  der  Phlogopit 
reichliche  Kryställchen  des  Kali-  und  des  Magnesiumsalzes.  Die  Bestimmung 
dieses  farblosen  Glimmers  als  Phlogopit  ist  also  sicher.  Er  enthält  bis- 
weilen als  Einschlüsse  stark  doppelbrechende  gelbe  Nüdelchen  mit  Neigung 
zur  Zwillingsbildung,  die  also  w'ohl  als  Rutil  gedeutet  werden  können,  und 
meist  Körnchen  von  Dolomit.  Beachtenswerth  sind  in  ihm  oft  grosse 
rundliche  Gaseinschlüsse,  eine  für  Glimmer  sehr  ungewöhnliche  Erscheinung. 
Das  Vorkommen  von  Phlogopit  in  den  Dolomiten  von  Garn  dient  in  vor- 
trefflicher W'eise  zum  Beweise,  dass  auch  die  Bestimmung  der  Blättchen 
und  Fäserchen  in  dem  Chalcedon  anderer  Gesteine  als  Glimmer  resp.  als 
Sericit  zutreffend  ist;  wie  hier  die  Phlogopite  isolirt  im  Dolomit  liegen 
oder  nur  verwachsen  mit  Quarz  verkommen,  so  sind  auch  die  Glimmer 
und  Sericite  in  den  anderen  Gesteinen  stets  vor  dem  Chalcedon  gebildet 
worden,  in  dem  sie  als  Einschlüsse  erscheinen;  hier  ist  noch  die  gelegent- 
liche Anhäufung  der  Glimmer  um  allothigene  Quarzkörner  zu  erwähnen. 

93.  Die  isolirten  authigenen  Quarzkörner  zeigen  ira  trockenen 
Lösuiigsrückstaud  oder  in  Wasser  eingerührt  stets  eine  Begrenzung  durch 
eine  grosse  Anzahl  von  Scheinflächen,  die  sich  in  scharfen  Kanten  und 
Ecken  schneiden.  Diese  Form  ist  höchst  charakteristisch  und  dabei  be- 
weisend für  authigene  Natur.  Letztere  ergiebt  sich  auch  aus  den  Ein- 
schlüssen; als  solche  erscheinen  selten  Rutilnadeln,  fast  immer  Partikeln 
von  Brauneisenstein  und  von  Dolomit.  Die  Quarze  zeigen  entweder 
homogene  Auslöschung  oder  seltener  schwache  Feldertheilung  und  undulöse 
.'Vuslöschung.  Ein  negatives  Kennzeichen  ist  bei  den  Quarzen  noch  be- 
sonders beachtenswerth:  sie  zeigen  niemals  erkennbare  Flüssigkeits- 
einschlüsse. E.  Geinitz  schreibt  1.  c.  S.  463  bei  „Hornstein  und  Kalk- 
spath“:  „alle  Quarze  sind  frei  von  Flüssigkeitseiuschlüssen“.  Das  ist  nun 
aber  auch  das  charakteristische  Merkmal  aller  Varietäten  von  Chalcedon; 
es  ist  deshalb  hier  noch  besonders  zu  betonen,  dass  ich  nur  in  diesen 
niakroskopiscli-krystalliii  gewordenen  Dolomiten  von  Gam  an  den  authigenen 
Qiiarzkörnern  so  gar  nichts  mehr  gefunden  habe,  was  noch  die  Bezeich- 
nung als  Chalcedon  gerechtfertigt  hätte;  alle  diese  Körner  sind  einheitliche 
selbständige  Individuen  und  das  Bischen  undulöse  Auslöschung,  das  ich 


103 


einzig  und  allein  — wenn  das  überhaupt  nötbig  ist  — auf  Kiystallisations- 
druck  zurückführen  muss,  kann  dem  ganzen  Habitus  gegenüber  nicht  ins 
Gewicht  fallen.  Dass  sonst  der  mikroskopisch  gröber  körnige  Chalcedon 
quarzähnlich  im  höchsten  Grade  sein  kann,  ist  ja  öfters  angegeben  worden 
und  mehr  wie  einmal  ist  mir  der  Zweifel  rege  geworden,  ob  ich  nicht 
geradezu  Quarz  statt  Chalcedon  sagen  müsste.  Die  letztere  Bezeichnung 
ist  gewählt  worden,  um  die  Zusammengehörigkeit  auch  solcher  „quarz- 
ähnlicher“ Massen  nach  Habitus  und  Entstehung  mit  dem  „typischen“ 
Chalcedon  hervorzuheben. 

94.  Herr  Dr.  Passarge  hatte  bei  Koanagha,  östlich  von  Garn,  auch 
Dolomite  geschlagen,  die  ihm  durch  die  grosse  Anzahl  von  harten  Körnern, 
„Sandkörnern“,  die  auf  der  Verwitterungskruste  übrig  bleiben,  aufgefallen 
waren.  Dieses  Vorkommniss  erweist  sich  als  an  authigenem  Glimmer  und 
Quarz  und  deren  körnigen  .Anhäufungen  überreich;  ihnen  gegenüber  tritt 
der  Dolomit  in  manchen  Lagen  zurück,  so  dass  er  nur  in  einzelnen 
Körnern  dem  Quarz-Glimmer-Gemenge  eingelagert  ist.  Neben  Phlogopit 
und  Quarz  und  Würfelchen  von  secundär  in  Brauneisen  umgewandeltem 
Pyrit  enthält  dieses  Gestein  auch  in  reichlicher  Menge  kurze,  dicke  und 
nicht  von  ebenen  Krystallflächen  begrenzte  Prismen  von  Apatit.  Phosphor- 
säure wurde  chemisch  qualitativ  in  Menge  nachgewiesen.  Die  Apatite 
haben  eine  dünne  äussere  Schicht  von  farbloser  Substanz,  die  Hauptmasse 
ist  intensiv  gefärbt  mit  überraschend  starkem  Pleochroismus:  die  Basis- 
farbe ist  bräunlich-grün,  die  Prismenfarbe  blass  bräunlich. 

In  diesem  Gesteine  stecken  nun  auch  zwischen  den  authigenen  Quarzen 
und  Phlogopiten  noch  Körner  von  Orthoklas,  Mikroklin  und  von  Quarz 
mit  grossen  Elüssigkeitseinschlüssen  wie  unerwartete  Fremdlinge.  Sie 
liefern  den  untrüglichen  Beweis,  dass  auch  die  Dolomite  von  Garn  aus 
Kalksteinen  entstanden  sind,  die  stellenweise  oder  schichtenweise  auch 
Sandkörner  enthielten;  die  Körnchen  von  Dolomit  im  authigenen  Quarz 
und  im  Phlogopit  beweisen  die  Entstehung  dieser  Gemengtheile  aus  den 
erdigen  Beimischungen  des  Kalksteins;  das  Fehlen  der  Flüssigkeits- 
einschlüsse im  authigenen  Quarz  beweist,  dass  er  ganz  ähnlichen  Ursprung 
hat  wie  sonst  der  Chalcedon. 


IX.  Chanse- Schichten. 

96.  Aus  dem  tiefsten  Schichtensystem  der  nördlichen  Kalahari,  den 
Chanse-Schichten,  lagen  nur  wenige  Handstückc  aus  verschiedenen  Ge- 
bieten zur  Untersuchung  vor.  Es  gehören  zu  diesen  Schichten  phyllitartige 
Schiefer,  an  Feldspath  reiche  und  kalkhaltige  Arkosen  mit  einem  weiteren 
Bindemittel  aus  einem  Quarz-Glimmer-Gemenge,  Grauwacken  von  anschei- 
nend krystallinem  Gefüge,  zum  Theil  mit  deutlich  erkennbar  ausgeheiltem 
Quarz  und  mit  einem  Bindemittel  auch  aus  Quarz  und  Glimmer.  Durch 
Contactmetamorphose  veränderte  Gesteine  kommen  auch  vor.  Nur  einen 
Kalkstein  aus  den  Chanse-Schichten  konnte  ich  untersuchen,  und  dieser 
zeigt  sich  von  Chalcedon  durchdrungen,  in  einzelnen  Fleckchen  ziemlich 
stark  verkieselt.  Die  mikrochemische  Analyse  ergab  einen  geringen  Ge- 
halt an  Magnesia.  Beim  Kochen  eines  Stückchens  in  verdünnter  Salzsäure 
behält  dieses  ;,in  der  gelben,  schwach  trüben  Lösung  seine  Form  unver- 
ändert, es  ist  dann  aber  leicbt  zerdrückbar.  Im  Lösungsrückstand,  im 


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entkalkten  Dünnschliflf  und  im  gewöhnlichen  mikroskopischen  Präparat 
zeigt  sicli  der  Chalcedon  in  einzelnen  Körnern  und  in  zusammenhängenden 
Massen ; überall  gehört  er  der  grobkörnigen  Varietät  an.  In  dem  Lösungs- 
rückstand und  in  dem  entkalkten  Schliff  findet  man  auch  unzweifelhafte 
Pseudomoiidiusen,  die  sich  zwischen  gekreuzten  Nicols  aus  kleinen  Par- 
tikeln mit  wandernden  Schatten  zusammengesetzt  erweisen.  Manche  der- 
selben zeigen  fast  dasselbe  Verhalten,  wie  die  über  Kreuz  auslöscbenden 
Pseudomorphosen  aus  den  Kaikai-Gesteinen. 


X.  Eruptive  Gesteine. 

96.  Unter  den  zahlreichen  Diabasen  und  Diabasaphaniten  der  nörd- 
lichen Kalahari,  die  ich  untersucht  habe,  befindet  sich  auch  ein  Aphanit 
aus  der  Ilefiaka-Ducht  au  der  Südseite  des  N'gami-Sees,  der  von  win- 
zigen, ganz  unregelmässig  verlaufenden  Aederchen  und  kleinen  Partien  von 
Chalcedon  durchzogen  ist.  ln  einem  etwas  breiteren  Aederchen  zeigten 
sich  scharf  begrenzte  winzige  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  in  Rhom- 
hoederform.  Kleine  Partien  von  Chalcedon  sitzen  fast  überall  mitten  in 
den  Icistenförmigen  Plagioklasen  und  an  ihren  Rändern.  Auch  dieses  Ge- 
stein ist  also  verkieselt;  der  Chalcedon  hat  nichts  an  sich,  was  an  Chal- 
cedondnisen  erinnerte,  deren  Substanz  von  der  Zersetzung  des  Gesteins 
herstammt.  liier  hat  sich  unzweifelhaft  hei  der  Zersetzung  des  Aphanites 
nur  Kalkspath  gebildet;  an  seine  Stelle  ist  später  der  Chalcedon  getreten 
ganz  ebenso  wie  in  den  sedimentären  Gesteinen. 

Neben  den  Diabasen  des  Ssane-Ilügels  am  Loale-Plateau  westlich 
von  Palapye  schlug  Herr  Dr.  Passarge  ein  llandstück,  das  er  für  einen 
gefritteteii  Sandstein  dicht  neben  dem  Eruptiv-Gestein  hielt.  Das  klein- 
fleckige Gestein  ist  hart  und  splitterig.  Im  Dünnschliff  erkennt  man  nur 
vereinzelte  Quarz-Sandkörner,  dann  kleine  Partikeln  und  Partien  von  Ferrit 
und  einer  serpentinartigen,  nicht  näher  bestimmbaren  Substanz  — alles 
Ueln-ige,  die  Hauptmasse,  ist  unreiner  Chalcedon.  Die  Structur  der  Masse 
ist  höchst  sonderbar,  und  ich  kann  sie  nur  in  folgender  Weise  erklären. 
Das  Gesteinsmaterial  war  ursprünglich  eruptives  Magma,  das  im  Contact 
mit  alten  Sandsteinen  eine  Menge  Sandkörner  aufgenommen  hatte;  es  er- 
starrte zu  einem  etwa  einem  Variolit  ähnlichen  Gestein,  in  dem  je  ein 
Sandkorn  zum  Mittelpunkt  eines  sphärulitartigen  Gebildes  wurde,  das  sich 
aus  Plagioklasleisten  .aufbaute.  Dieses  Gestein  wurde  zersetzt  unter  massen- 
hafter Bildung  von  Kalkspath.  Endlich  wurde  die  ganze  Masse  in  Chal- 
cedon verwandelt,  verkieselt,  und  zwar  so,  dass  die  ganze  Umgebung  eines 
Quarz-Sandkornes  dieselbe  optische  ürieutiruug  erhielt,  die  das  Quarzkom 
besitzt.  Zwischen  gekreuzten  Nicols  zerfällt  also  das  ganze  Präparat  in 
grössere  ausgezackte  Körner,  die  zum  Theil  von  einander  durch  Ferrit  und 
serpentinartige  Masse  getrennt  sind.  Eine  bessere  Auskunft  kann  über 
das  einzelne  vorliegende  Hand.stück  nicht  gegeben  werden,  die  Verkiese- 
lung aber  ist  unzweifelhaft. 


Die  weite  Verbreitung  des  Chalcedons  in  Süd  -Afrika  ist  bereits  seit 
längerer  Zeit  bekannt;  W.  11.  Penning  hat  schon  1886  ((juart.  Journ.  nf  the 


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Geol.  Soc.  of  Londou,  l$d.  XLI,  S.  576)  deu  Namen  „Chalcedolite“  benutzt 
offenbar  für  Gesteine,  die  als  rerkieselt  zu  deuten  sein  werden.  Und  erst 
kürzlich  spricht  Dantz  in  einem  vorläufigen  Bericht  über  seine  Reisen  in 
Deutsch-Ost-Afrika  in  der  Zeitschrift  d.  Deutschen  Geol.  Ges.  Berlin,  1900, 
Bd.  62,  S.  -45-  von  „Chalcedon  führenden,  sandigen  Kalksteinen  südöstlich 
Ujiji“.  Es  ist  somit  zu  erwarten,  dass  das  Phänomen  der  Verkieselung 
in  einem  sehr  grossen  Tlieil  von  Süd-Afrika  durch  weitere  Forschungen 
und  Studien  nachgewiesen  werden  wird.  Dass  die  Chalcedon  führenden 
Gesteine  und  die  Dolomite  Phänomene  der  Umwandlung  darbieten,  ist  auch 
schon  von  anderen  Forechern  angedeutet  und  erörtert  worden.  Doch  glaube 
ich  in  dieser  Abhandlung  zuerst  den  Beweis  geliefert  zu  haben,  dass  i n 
der  nördlichen  Kalahari  die  Erscheinung  der  Verkieselung  mit 
oder  ohne  Dolomitisirung  als  eines  der  grossartigsten  Phäno- 
mene der  hydatogenen  Metamorphose  an  Gesteinen  jeden  geo- 
logischen Alters  auftritt,  in  denen  Kalkspath  als  Haupt-  oder 
Uebergemengtheil  vorhanden  ist  oder  war. 


Erläuterung  der  Tafeln. 

Tafel  II. 

Fig.  1,  Seite  83. 

Chalcedon-Sandstein  der  Botletle-Schichten  um  Südrande  der  Refiaka- 
Bucht  an  der  Südseite  des  N’gami-Sees. 

Einkieselung.  .\llc  Sandkörner  sind  meist  völlig  umgeben  von  sehr 
schwach  doppelbrechenden  Säumen  von  .Mikroachat.  Das  Centrum  der 
Interstitien  ist  wasserklarer,  kleinbüscheliger  Chalcedon.  Vergrösserung  60. 

Fig.  2,  Seite  86. 

Chalcedon-Sandstein  der  Reüaka-Schichten,  östlicli  von  Bolibing  in 
der  Refiaka-Bucht  an  der  Südseite  des  N’gaini-Sees. 

Einkieselung.  Verschweissung  der  Quai-z-Sandköruer.  (juer  durch 
die  Abbildung  vier  zu  einer  Kette  vereinigte  Sandkörner.  Die  Interstitien 
sind  erfüllt  von  schwach  doppelbrcchendem,  sehr  feinkörnigem  Chalcedon 
von  tridymitartigem  Habitus.  Vergrösserung  60. 

Fig.  3,  Seite  86. 

Chalcedon-Sandstein  der  Refiaka-Schichten  vom  Kap  Refluka  an  der 
Südseite  des  Ngarai-Sees. 

Einkieselung.  Die  Quarz-Sandkörner  sind  durch  schwache  Ausheilung 
mit  viel  winzigen  Subindividuen  mehrfach  mit  einander  verwachsen,  wodurch 
Formen  entstehen,  die  für  freie  Sandkörner  unmöglich  sind.  In  den  Inter- 
stitien schwach  doppelbrechender,  sehr  feinkörniger  Chalcedon.  Ver- 
grösserung 60. 

Fig.  4,  Seite  78. 

Chalcedon-Sandstein,  Uebergangsgestein  der  untersten  Renaka-Schichten 
aus  der  Refiaka-Bucht  an  der  Südseite  des  Ngami-Sees. 

Einkieselung.  Die  direct  aus  der  Grauwacke  der  Chanse- Schichten 
herstammenden  Quarz-Sandkörner  zeigen  .4usheilung  durch  Krystallspitzen, 


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besonders  das  mittelste  Korn  in  der  Abbildung.  Alle  Sandkörner  sind 
Ton  Säumen  von  Mikroachat  ganz  umgeben,  der  im  auffallenden  Licht 
weiss  erscheint.  Die  Interstitien  sind  ertüllt  Ton  ganz  klarem  feinfaserig- 
feinbüscheligem  Chalcedon.  Vergrösserung  60. 

Fig.  5 und  6,  Seite  76  und  79. 

Chalcedon-Sandstein  der  Botletle-Schichteu  östlich  von  Totin  ira  Bett 
des  Ngami-Flusses. 

Einkieselnng.  Die  Interstitien  zeigen  sich  im  zerstreuten  Licht  in 
Fig.  5 von  Opal  ,,mit  körnigem  Zerfall“  erfüllt,  der  vom  Rand  bis  zum 
Centrum  keinerlei  Verschiedenheiten  aufweist.  Zwischen  gekreuzten  Nicols 
aber  in  Fig.  6 zeigen  die  äusseren  Partien  der  Interstitialmassen  kräftige 
Aggregatpolarisation.  Vergrösserung  60. 

Tafel  III. 

Fig.  1 bis  B,  Seite  9B,  74,  80. 

Verkieselte  Kalkstein-Breccie;  üebergangsgestein  aus  Schutt  von  Kalk- 
stein der  mittleren  Ngami-Schichten  aus  der  Refiaka-Bucht  an  der  Süd- 
seite des  Ngami-Sees. 

Verkieselung.  Alle  fünf  I’iguren  zeigen  Stellen  nur  eines  Präparates. 
Vergrösserung  60. 

Fig.  1:  Ein  „plastisch“-kömiges  Geflecht  von  länglichen  Calciten  ist 
völlig  verkieselt. 

Fig.  2:  Ein  grob  radialstrahliges  Aggregat  von  Calciten  ist  völlig 
verkieselt. 

Fig.  3;  Völlig  verkieselter  Kalkstein;  die  Masse  ist  ein  trübes  gekröse- 
artiges  Geflecht  von  Strängen  von  Chalcedon  mit  kleineren  Partien  von 
reinem  Chalcedon;  einige  an  Eisenhydroxyd  reichere  Flecke. 

Fig.  4:  Völlig  verkieselter,  schwach  sandiger  Kalkstein;  die  Stränge 
von  Chalcedon  erinnern  mit  ihren  Krümmungen  und  Windungen  an  Skelette 
von  Lithistiden;  die  hellen  Stellen  in  der  Abbildung  sind  meist  reiner 
Chalcedon,  seltener  Quarz-Sandkörner. 

Fig.  6:  Bindemittel  der  Breccie,  bestehend  aus  Quarz-Sandkörnern 
(vier  vom  Rande  her  in  die  Abbildung  hineinragend)  und  einem  Aggregat 
von  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  nach  Rhomboedern  von  Calcit  (oder 
Dolomit);  die  dunkleren  Flecke  in  der  Mitte  der  Pseudomorphosen  werden 
erzeugt  durch  etwas  trüben  Chalcedon  in  sehr  feinen  concentrischen 
Schalen. 

Fig.  6,  Seite  7B. 

Brecciöser  Dolomit-Sandstein  der  Botletle-Schichten  nordwestlich  von 
der  Pfanne  Garu  unter  20®  s.  Br.  in  Deutsch-Süd-West-Afrika. 

Die  Abbildung  stellt  ein  Bruchstück  von  Dolomit  dar,  das  aus  Rhom- 
boedern zusammengesetzt  ist,  die  oft  einen  dunkelen,  eisenhaltigen,  tho- 
nigen  Kern  enthalten.  Vergrösserung  60. 

Tafel  IV. 

Fig.  1,  Seite  77. 

Halb  verkieselter  Kalk -Sandstein  der  Botletle- Schichten  von  Meno 
a kwena  am  Ufer  des  Botletle-Flusses. 

Die  dunkelen  Stellen  der  Abbildung  sind  dichter  Calcit,  die  hellen 
sind  Opal.  In  der  Mitte  der  Abbildung  um  eine  centrale  Pore  eine  Partie 


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von  Opal,  iu  der,  wie  auch  an  anderen  Stellen  der  Abbildung,  isolirte 
Büschel  (Kegel)  von  stark  doppelbrechendeni  Chalcedon  liegen.  Vergrös- 
serung  60. 

Fig.  2,  Seite  99. 

Halbverkieselter  Dolomit  mit  Lagen  von  fast  reinem  Chalcedon  aus 
den  mittleren  Ngami-Schichten  der  Kaikai-Berge. 

Die  Abbildung  giebt  eine  Partie  von  Chalcedon  mit  reichlichem  „Staub“ 
von  Dolomit- Rhomboederchen;  einige  Eisenglanzkiyställchen.  Vergrös- 
serung  60. 

Fig.  3,  Seite  80  und  100. 

Isolirte  Pseudomorphose  von  Chalcedon  nach  einem  Carbonspath  aus 
einem  schwach  verkieselten  Dolomit  der  mittleren  Ngami-Schichten  der 
Kaikai-Berge. 

Die  Pseudomorphose  ist  in  Wasser  zwischen  fast  gekreuzten  Nicols 
photographirt.  Vergrösserung  220. 

Fig.  4,  Seite  78. 

Ausgeheiltes  Quarz-Sandkorn  aus  dem  Krystall-Sandstein  der  Botletle- 
Schichten  vom  Massarwa-Thal  an  der  Südseite  des  Ngami-Sees. 

Die  obere  ausheilende  Krystallspitze  zeigt  genau  dieselben  Interferenz- 
Farben  zwischen  gekreuzten  Nicols  wie  das  untere  Sandkorn,  dabei  aber 
doch  bei  schiefer  Beleuchtung  sehr  feine  gekrümmte,  dem  Umriss  des 
Sandkorns  parallele  Anwachsstreifen;  an  der  rechten  Seite  gehen  Anwachs- 
streifen auch  parallel  der  Krystallfläche.  Vergrösserung  220. 

Fig.  5,  Seite  99. 

Stark  verkieselter  Dolomit  der  mittleren  Ngami-Schichten  der  Kai- 
kai-Berge. 

Verkieselung.  Die  dunkleren  Stellen  der  Abbildung  sind  Dolomit,  die 
ganz  hellen  sind  Chalcedon;  um  eine  Pore  im  Centruin  der  Abbildung  zu- 
nächst feinkörniger  Dolomit,  dann  eine  Zone  von  gröberkörnigem  Dolomit, 
von  der  aus  einzelne  Krj'stallspitzen  in  den  Ch.alcedon  hineinragen.  Ver- 
grösserung 60. 

Fig.  6,  Seite  94. 

Völlig  verkieselter,  contactnietaraorpher,  granathaltiger  Kalkstein  der 
mittleren  Ngami-Schichten  in  der  Reftaka -Bucht  an  der  Südseite  des 
Ngami-Sees. 

Verkieselung.  Grössere  Rhombendodekaeder  (von  circa  0,o7  mm  Durch- 
messer) von  farblosem  Granat  liegen  gedrängt  in  klarem  Chalcedon  und 
sind  umgeben  von  einer  Zone  von  winzigen,  aus  Subindividuen  zusammen- 
gesetzten Granaten;  das  Ganze  liegt  im  Chalcedon.  Vergrösserung  60. 


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VI.  lieber  eine  Discordanz  zwischen  Kreide  und  Tertiär 

bei  Dresden. 

Vun  Dr.  Wilhelm  Petrasoheok. 


Nördlich  vom  Dorfe  Oberau  durchsetzt  die  Berlin  - Elsterwerdaer 
Eisenbahn  in  einem  etliche  Meter  tiefen  Einschnitt  einen  Höhenrücken,  der 
aus  diluvialem  Schotter  und  Sand,  aus  oligocänem  Thon  und  turonen 
Plänern  aufgebaut  ist.  Sümmtliche  Schichten  sind  in  ihrer  Ueberlagerung 
entblösst  und  jetzt  in  Folge  von  Erweiterungsbauten  für  ein  zweites  zu 
legendes  Geleis  aufs  Neue  in  frischem  Anschnitte  der  Untersuchung  zu- 
gänglich. Dieser  Ort,  in  unmittelbarer  Nähe  der  grossen  lausitzer  Ver- 
werfung gelegen,  gewinnt  erhöhtes  Interesse  dadurch,  dass  er  neben  der 
Lausche  in  Sachsen  der  einzige  Ort  ist,  an  dem  tertiäre  Schichten  die 
Kreide  überlagernd  angetroflen  werden  können.  Die  letzteren  werden  hier 
dargestellt  durch  Pläner  mit  Inoceramus  labiatus  Scbloth.,  die  erstereii 
durch  lichtgraueu  Thon,  der  namentlicli  an  der  Basis  von  grobem  Sand 
erfüllt  ist  und  überdies  vereinzelte  Knollenstcine  führt.  Seine  petro- 
grapbische  BeschalTenheit  verweist  ihn  ins  Oligocaen. 

Der  Pläner  fällt  unter  8 — 10”  nach  OSO.  ein  und  wird  discordaut 
vom  Tertiär  überlagert.  Dies  lehrt  ebensowohl  die  Gesammtansicht  des 
langen  Protileinschuittes,  wie  einzelne  Stellen  desselben,  an  denen  der  die 
Basis  bildende  thonige  Sand  über  die  nach  oben  thonig  aufgearbeiteten 
Plänerbänke  hinwegsetzt.  Die  Auflagerungstliicho  zeigt  einen  flach  welligen 
Verlauf,  indem  der  oligocäne  Thon  in  weite,  0,6  m Tiefe  erreichende,  in 
den  Pläner- Untergrund  eingesenkte  Mulden  eingreift.  Kleine  eckige  Pläner- 
brocken findet  man  mitunter  im  Thone  eingebettet  Die  geschilderten 
Verband  Verhältnisse  schliessen  die  Möglichkeit,  dass  es  sich  hier  um 
Sedimente  handelt,  die  zwar  tertiären  Ursprungs  sind,  sich  jedoch  auf 
secundärer  Lagerstätte  befinden,  aus. 

Man  kann  wohl  die  Lagerungsstörung  der  Plänerschichten  mit  der  in 
nur  ca.  600  m Entfernung,  im  Streichen  des  Pläners  gemessen,  liegenden 
lausitzer  Verwerfung  in  Zusammenhang  bringen  und  somit  auf  das  Alter 
dieser  grossartigen  Dislocation  schliessen.  Während  für  tektonische  Stör- 
ungen hercynischer  Richtung  am  Harze  von  Koenen*)  eine  jungmioeäne 
Entstehung  angenommen  wird,  lehrt  das  Profil  übereinstimmend  mit  den 


•)  Jahrlmcli  ilcr  Preuss.  geolog.  l.ivnilesaustalt,  1893,  S.  79. 


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Anschauungen  anderer  Autoren,  dass  an  dieser  A'emerfuiig  die  Bewegungen 
bereits  in  früherer  Zeit  begonnen  haben  müssen.  Aus  der  Art  des  Auf- 
tretens von  Basalten  und  Phonolithen  beiderseits  der  lausitzer  Ueber- 
schiebung  folgert  Siegert*),  dass  die  Terrainverhältnisse  zur  Zeit  der 
Ablagerung  des  miocänen  Braunkohlenbeckens  von  Zittau  bereits  den  heutigen 
sehr  ähnlich  gewesen  sein  müssen,  dass  also  nicht  nur  die  Ueberschiebung 
bereits  vorhanden  war,  sondern  auch  die  Abtragung  der  Kreideschichten  auf 
der  lausitzer  Platte  weit  vorgeschritten  gewesen  sein  muss.  Kalkowsky**) 
verlegt  wegen  des  Vorhandenseins  eines  die  aufgerichteten  Plänerkalke  von 
Weinböhla  durchsetzenden  Sandsteinganges,  der  seiner  petrographischen 
beschaifenheit  nach  oligocaenen  Alters  ist,  den  Beginn  der  Bewegungen  an 
das  Ende  des  Unteroligocaens.  Das  beschriebene  Profil  lehrt,  dass  dieser 
noch  weiter  zurückzuverlegen  ist,  dass  nämlich  die  Bewegungen  schon  vor 
Ablagerung  des  Oligocaens  Anfang  genommen  haben  müssen.  Ob  die 
Ueberschiebung  selbst  bereits  zu  dieser  Zeit  fertig  gebildet  war,  oder  ob 
dieselbe  erst  wenig  später  erfolgte,  wie  Kalkowsky  daraus  schliesst,  dass 
der  Sandsteingang  zerbrochen  und  die  beiden  Theile  desselben  um  etwas 
über  6 m aneinander  verschoben  wurden  und  zwar  so,  dass  die  Harnisch- 
streifung der  Verschiebungsfläche  senkrecht  zur  lausitzer  Dislocationsfläche 
steht,  ist  nicht  zu  entscheiden.  Der  Umstand,  dass  im  erwähnten  Eisen- 
bahneinschnitt das  Oligocaen  sich  in  schwebender  Lagerung  befindet,  schliesst 
weitere  Bewegungen  nicht  aus. 

Von  Wichtigkeit  für  die  Präcisiruiig  des  Endes  der  die  lausitzer 
Ueberschiebung  bewirkt  habenden  Krustenbewegungen  ist  das  durch  Beck 
und  Hermann***)  mitgetheilte  Auftreten  eines,  die  an  der  Verwerfung 
heraufgebrachten  jurassischen  Kalksteine  quer  durchsetzenden  Ganges  von 
Feldspathbasalt,  der  sich  bis  in  den  Granit  hinein  erstreckt.  Da  die  Basalt- 
decken der  Lausitz  das  Oberoligocaen  überlagern,  das  Miocaen  aber  unter- 
teufen, kann  man  folgern,  dass  die  Störungen  auf  der  lausitzer  Verwerfungs- 
spalte spätestens  zu  Beginn  des  Miocaens  ihr  Ende  erreicht  haben. 

Will  man  auf  Grund  des  geschilderten  Profils  annehmen,  dass  auch 
die  Ueberschiebung  schon  vor  der  Ablagerung  des  Oligocaens  erfolgt  sei, 
so  führt  das  \’orhandensein  des  Sandsteinganges  zu  der  weiteren  Annahme, 
dass  die  Pressungen  an  der  Verwerfungskluft  noch  länger  andauerten  und 
das  Aufreissen  der  Gangspalte  zur  Folge  hatten.  Ihre  Richtung  liegt 
innerhalb  derjenigen  des  muthmasslich  wirkenden  Druckes.  Dies  erfolgte 
innerhalb  des  Oligocaens.  Später  müssten  auf  derselben  Verwerfungskluft 
neue  Bewegungen  stattgefunden  haben,  die  die  Verschiebung  des  Ganges 
verursachten.  Dass  auf  einer  Dislocationsspalte  zu  verschiedenen  Zeiten 
Zerreissungen  und  Verschiebungen  eingetreten  .sind,  ist  eine  wiederholt 
erwiesene  Thatsache.  Vielleicht  kann  man  in  gewissen  seismischen  Er- 
scheinungen die  Aeusserung  noch  heute  andauernder  Spannung  erblicken  j). 

Da  man  in  der  Regel  die  Entstehung  der  Randbrüche  der  böhmischen 
•Masse  mit  der  Faltung  der  Alpen  in  Beziehung  bringt,  sei  daran  erinnert, 
dass  dieselbe,  soweit  sie  auch  postcretacischen  Alters  ist,  sich  ebenfalls 
in  verschiedenen  Phaseti  vollzogen  hat.  Bekanntlich  lässt  sich  die  lausitzerc 


*)  Erläuterungen  zu  Section  Zittau,  .S.  23. 

•*)  Abhandlungen  der  natnrwi.ss.  Gesellschaft  Isis.  1897,  8.  88. 

••*)  Erläuterungen  Section  Hinterherm.sdorf- Daubitz,  S.  42. 
f)  Vergl.  Credner.  Zeitschrift  für  Naturwissenschaft,  Bd.  60  (1877),  ,S.  287. 


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sudetiscbe  Verwerfung  selbst  noch  ini  östlichsten  Böhmen  nachweisen. 
Hier,  wo  sie  nach  Süd  umbiegt,  wird  sie  von  parallelen  Brüchen  begleitet, 
lieber  den  von  Geiersberg  nach  Böhm.  Trübau  streichenden  Hauptbruch 
greift,  wie  auf  Krejci’s  geologischer  Karte  von  Böhmen  dargestellt  ist, 
das  Miocaen  hinweg,  woraus  ebenfalls  folgt,  dass  der  Bruch  älter  als 
miocaen  ist.  Für  den  Pottensteiner  Parallelbruch  liingegen  wird  von 
Hinterl  echner*)  ein  sehr  jugendliches,  vielleicht  sogar  quartäres  Alter 
angenommen,  ein  Beweis  dafür,  dass  auch  in  dieser  Gegend  auf  der 
sudetischen  Bruchlinie  Krustenbewegungen  sich  in  verscliiedenen  Phasen 
vollzogen  haben. 

Sicher  erwiesen  ist  für  Sachsen  bis  heute  nur,  dass  schon  vor  Ab- 
lagerung des  Oligocaens  im  Gebiete  der  heutigen  lausitzer  Verwerfung 
Lagerungsstörungen  stattgefunden  haben,  dass  die  Spannung  während  des 
Oligocaens  anhielt  und  dass  vor  der  Ablagerung  des  Miocaens  nicht  nur 
die  Ueberschiebung  stattgefunden  hat,  sondern  auch  beträchtliche  Abtrag- 
ungen auf  dem  nördlichen  Theile  erfolgt  sind. 

Dresden,  Mineralogisch-geologisches  Institut  der  Königl.  Sächsischen 
Technischen  Hochschule.  Juli  1901. 


•)  Jahrbuch  iler  K.  K.  geoloe.  Reichsanstalt,  IHOO,  S.  610. 


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TU.  lieber  ein  Steinbeil  Yon  Halsbach 


Von  Dr.  A.  Frensel. 


Im  April  1901  wurde  bei  dem  Ackerstürzen  eines  dem  Rittergut  Ualsbach 
zugehörigen  Feldes  ein  Steinbeil  aufgefunden.  Ein  einähriger  Knabe  fand 
bei  dem  Steinelesen  das  Beil,  welches  ihm,  seiner  Form  und  Glätte  wegen, 
anffiel  und  nahm  es  deshalb  mit  nach  Hause.  Der  genaue  Fundort  ist 
auf  dem  beigegebenen  Kärtchen  durch 
ein  + bestimmt.  Die  Angehörigen 
des  Knaben  — der  Vater  ein  Berg- 
arbeiter — hielten  den  Fund  für 
einen  Wetzstein,  wie  sich  solcher  die 
Landleute  zum  Schärfen  ihrer  Sensen 
und  Sicheln  bedienen.  Indessen  er- 
kannte doch  ein  älterer  Bruder  des 
Finders,  ein  Schüler  der  Königl. 

Freiberger  Bergschule,  das  Object  für 
ein  Steinbeil  und  brachte  es  mir  zur 
Ansicht. 

Der  Ort  Halsbach,  den  Mineralogen 
durch  den  Achatgang  mit  seinem 
schönen  Korallenachat  bekannt*), 
liegt  am  rechten  Muldengehänge,  etwa  Stunde  östlich  von  Freiberg. 
Der  Ort  wird  hauptsäcblicli  von  Berg-  und  Hüttenarbeitern  bewohnt,  welche 
in  kleinen  Häuschen  wohnen,  die  an  dem  Gehänge  wie  angeklebt  erscheinen. 
Der  Untergrund  wird  von  Gneiss  gebildet.  Darüber  lagert  als  Ackerboden 
diluvialer  Gehängelchm.  Es  ist  nicht  das  erste  Mal,  dass  man  in  Frei- 
bergs Umgebung  ein  Steinbeil  auffand.  Das  Museum  des  Freiberger  Alter- 
thumvereins besitzt  bereits  vier  Exemplare  aus  der  Freiberger  Gegend,  zu 
welcher  Sammlung  das  Halsbacher  Beil  als  fünftes  hinzukam. 

Ueber  diese  Beile  kann  Folgendes  bemerkt  werden; 

1.  Eingang  26.  Februar  1876.  Finder  Ingenieur  Paul  Siede  aus 
Grossschirma  (eingeliefert  durch  Obersteiger  Teuchert  auf  Kurprinz).  Ge- 
funden in  den  Wiesen  hinter  dem  Gasthof  von  Gaumnitz  in  Grossschirma. 
Grosses  Beil  mit  Durchbohrung.  Länge  17  cm,  Schneidenbreite  7 cm. 
Professor  Kreischer  schlug  seiner  Zeit  einen  Splitter  behufs  Herstellung 
eines  Dünnschliffes  ab,  wobei  sich  das  Gestein  unter  dem  Mikroskop  als 

*)  Siehe  H.  Müller;  Die  Erzgäiige  des  Freibeiger  Bergrevieriw,  ISOl,  Sä26. 


Nord 


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ein  Hornblendeschiefer  ergab.  Professor  Dr.  Beck,  dem  neuerdings  der 
Dünnscblifif  vorgelegt  wurde,  bezeichnete  das  Gestein  als  einen  Biotit 
führenden  Amphibolit. 

2.  Eingang  6.  Mai  1876.  Ge.scbenk  des  Bergakademikers,  jetzigen 
Betriebsdirectors  Wengler.  Streitaxt,  aufgefunden  bei  dem  Ausgraben  eines 
Schlämmteiches  für  die  alte  Thurmhofer  Erzwäsche  von  Himmelfahrt,  zwischen 
dem  Thurmhofschacht  und  der  Frauensteiner  Strasse,  bei  dem  dortigen 
ehemaligen  hohlen  Weg.  Das  Beil  zeigt  Durchbohrung,  ist  aber  leider 
von  den  Arbeitern  damals  zerschlagen  worden.  Das  Museum  besitzt  den 
vorderen  Theil  des  Beiles  mit  der  Schneide;  derselbe  hat  eine  Länge  von 
10  cm.  Die  Flächen  des  Beiles  sind  sehr  glatt,  die  Structur  des  Gestein- 
materials feinkörnig,  weniger  schiefrig  als  bei  den  anderen  vier  Beilen. 

3.  Eingang  26.  Juni  1876.  Schenker  Oberlieutenant  Yollbom.  Ein 
kleines  Beil  von  schöner  Form,  Schneide  gut  erhalten,  dagegen  das  andere 
Ende  etwas  beschädigt.  Die  Länge  beträgt  8^/4  cm,  Schneidenbreite  5 cm. 
Das  Beil  wurde  aufgefunden  bei  der  kleinen  alten  Halde  unterhalb  Reiche 
Zeche,  am  linken  Muldenthalgehänge.  Es  besteht  gleichfalls  aus  Ainphi- 
holit  mit  schiefriger  Structur  und  ist  dem  Beil  von  Halsbach  überaus 
ähnlich,  so  dass  man  zu  der  Meinung  kommen  kann,  diese  Beile  sind  aus 
dem  gleichen  Material  hergestellt. 

4.  Eingang  8.  März  1884.  Schenker  Rittergutsbesitzer  Karl  Philipp 
Steyer  in  Naundorf.  Die  Hälfte  eines  Steinbeiles,  aufgefunden  auf  Naun- 
dorfer  Flur.  Das  Beil  hat  Durchbohrung  und  misst  von  der  Schneide  bis 
zur  unteren  Bohrfläche  3,6  cm.  Es  besteht  gleichfalls  aus  Amphibolschiefer. 

5.  Das  eingangs  gedachte  Beil  von  Halsbach  ist  ohne  Durchbohrung 
und  besitzt  die  aus  der  beigegebenen  Abbildung  ersichtliche  Form,  es  hat 
eine  Länge  von  9 cm  und  misst  an  der  breitesten  Stelle  4,6  cm.  Eine  vor- 
zügliche Photographie,  von  dem  Photographeu  Saemann 
in  Freiberg  hergestellt,  giebt  ein  höchst  getreues  Bild 
des  Beiles.  Die  Farbe  des  Beiles  auf  frischem  Bruche 
ist  sehr  dunkel,  schwärzlichgrau,  dagegen  zeigt  das  Beil 
eine  hellgraue  Verwitterungsrinde,  die  es  durch  das 
wohl  Jahrtausend  lange  Liegen  in  dem  Gehängelebm 
erhalten  hat  Legt  man  das  Beil  in  Wasser,  so  lassen 
sich  dann  gut  die  zwei  Gemengtheile,  die  dunkelgrüne 
Hornblende  und  der  weisse  Plagioklas,  unterscheiden, 
auch  Eisenkieseinsprenglinge  kann  mau  gewahren. 

Ein  abgeschlagener  Splitter  zu  einem  Dünnschlifif 
verwendet  wurde  nach  dem  mikroskopischen  Befunde 
durch  Herrn  Professor  Dr.  Beck  als  Amphibolit  erkannt 
Auch  die  vorgeschichtlichen  Menschen,  die  einst- 
';'j  der  natUrl.  Grösse,  mals  unser  Muldenthal  bewohnt  oder  durchstreift  haben, 
werden  ihr  Material  zu  den  Beilen  und  Meisein  nicht 
weit  her  geholt  haben.  Amphibolite  finden  sich  vielfach  als  Einlagerung 
im  Gneisse  und  auch  aus  der  Freiberger  |Gegend  sind  dergleichen  bekannt. 
Man  denke  an  die  „Diorite“  von  Halsbrücke  und  aus  dem  Stadtgraben 
von  Freiberg  (Schwedensteine,  durch  Springen  einer  Belagerungsmine 
emporgekommen);  auch  der  im  hiesigen  Obermarktpflaster  eingelassene 
Stein,  auf  welchem  der  Richtklotz  des  Prinzenräubers  Kunz  von  Kaufungen 
gestanden  haben  soll,  ein  Wahrzeichen  Freibergs,  ist  Amphibolit. 


Di’ii'i/'txj . >y  t’* -^Ic 


Alihiindl.  il.  I^Ls  in  DresUrn,  IllOI. 


Tuf.  II. 


rh'it.  V.  Vci  f. 


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Äbbaiidl.  d.  Isis  in  Dresden,  1001. 


Tat  IV. 


Phot.  V.  Verf. 


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J 

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